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www.redbulletin.com

Ein fast unabhängiges Monatsmagazin / august 2010

Jos Pirkner verwandelt 40 Tonnen Lehm in die gröSSte Bronzeplastik der Welt.

Erleben Sie

Print 2.0

Thierry Henry im Interview „Ich gehe zu Red Bulls New York, um zu gewinnen“

Palio di Siena

Ein Pferderennen als Zeitreise ins Mittelalter

Red Bull Air Race in New York Der Kampf um die Freiheitsstatue


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Bullhorn

Willkommen! In der Bewegung, sagt der Jos mit den jugendlich blitzenden Augen, hab ich meine vierte Dimension der Bildhauerei gefunden. Man kann das vorliegende Heft, wenn man mag, von diesem Satz aus erkunden, man kommt ja auch sonst in der Welt von Red Bull nicht immer zwingend mit drei Dimensionen aus. Der zitierte Satz findet sich auf Seite 63, die Fährte durch die weiteren 99 Seiten führt dann zu Beginn durch Jugendlichkeit, Kraft, Lebensfreude, vermischt mit einer Osttiroler Prise heiligen Zorns auf alles Gekünstelte. „Ich kann“, sagt Pirkner, der kurz vor der Fertigstellung der größten europäischen Bronzeplastik steht, „nichts anfangen mit ‚Gartenzwerg ist Kunst‘ oder ‚Alles ist Kunst‘.“ Den Maler, Bildhauer und Architekturkünstler Jos Pirkner aus Lienz in Osttirol am Fuß der Dolomiten hält die Arbeit so frisch, dass er einfach aufs Cover des Red Bulletin hupft. Herbert Völker und Jürgen Skarwan haben ihn porträtiert. Wer den Weg durchs Heft nicht auf Seite 63 beginnen möchte, startet halt auf Seite 58.

coverbild: jürgen skarwan; bild: David Clerihew/Red Bull Creative

Wenn wir schon bei Jugendlichkeit sind: Levi Sherwood nimmt es in dieser Hinsicht beinahe mit Jos Pirkner auf. Der Neuseeländer, der im Vorjahr seinen ersten Bewerb im Rahmen der Red Bull X-Fighters World Tour in Mexico City sensationell gewonnen hatte, ließ kürzlich in Moskau seinen zweiten Sieg folgen. Er ist achtzehn, aber in das Jahr zwischen 17. und 18. Geburtstag hat er so viele Erkenntnisse gepackt, dass man seinen Moskauer Sieg schon beinah als den eines Routiniers betrachten könnte. Levi fand zunächst heraus, dass man sich bei seinem Sport weh tun kann. Und, als Folge dessen, dass man Geduld braucht und Gelassenheit, um im Kampf gegen die besten Freestyler der Welt eine Chance auf Erfolg zu haben. Apropos Balance: Levi erklärt, wie man ­einen Seatgrab Flip macht. Er meint das, bitte sehr, nicht als Aufforderung zur Nachahmung, sondern als Illustration seines Respekts vor diesem ziemlich argen Trick. Levi Sherwood, das Erwachsenwerden und der Griff nach dem Weltmeistertitel der Freestyle-Motocrosser, ab Seite 66.

Backstage beim Fotoshooting: ­Thierry Henry erstmals im Dress der Red Bulls New York.

Thierry Henry wollte immer schon in New York spielen, New York in einer New Yorker Mannschaft sportlich repräsentieren. Bei den Knicks, meint er, hat er keine Chance. (Weil sein Basketball nicht so gut ist.) Jetzt hat er es aber zu den Bullen geschafft. Er freut sich auf das Duell Ostküste vs. Westküste mit David Beckham und ist fest entschlossen, den Titel der Major League ­Soccer nach New York zu holen. Ein Weltstar in Vorfreude, ab Seite 36. Viel Freude mit diesem Heft! Die Redaktion

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Ihr Red Bulletin kann noch mehr, als Sie denken. Movies, Sounds, Animationen 10

12 Print 2.0 – die zusätzliche Dimension in Ihrem Red Bulletin. In diesem Heft bei folgenden Storys:

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 Print  2.0

Das neuartige Multimedia-Erlebnis. Wo immer Sie das Auge des Bullen sehen!

Wie’s geht? Umblättern auf Seite 7 oder gleich ins Internet: de.redbulletin.com/print2.0


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i n h a lt

Die Welt von Red Bull im August Ob rituelle Spiele oder moderne Jagden, heftiges Hacken oder stilles Forschen: Immer schön in Bewegung bleiben, dann klappt’s.

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Bullevard

08 Kainraths Kalenderblatt 10 Fotos des Monats

14 Das Puzzle des Erfolges So funktioniert Red Bull Racing. 17 George Clooney Die Welt von Hollywoods bestem Mann. 20 Einst & Jetzt Die Gletscherbrille von George Mallory und der Panoramablick von heute. 23 Nicky Hayden Der MotoGP-Weltmeister von 2006 im Ganzkörpercheck.

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24 Formelsammlung Was passierte, als Mark Webber und sein F1-Bolide mit 300 Sachen abhoben. 26 Die zahlen des Monats Die unglaublichsten Sport-Rekorde von 0,45 bis 1247.

Heroes

30 Peter Zoller ist Physiker und dafür verantwortlich, dass die Computer der Zukunft ultra­ schnell sein werden. 34 Jason Wynyard ist Weltmeister im Sportholzfällen. Den perfekten Axtschwung hat der Neusee­ länder aber noch nicht gefunden. 36 Thierry Henry erfüllt sich einen Lebenstraum: Er wird in Zukunft in seiner Lieblingsstadt New York Fußball spielen. Für die Red Bulls. 40 Robert Stadlober ist ein unruhiger Geist. Damit dem Schauspieler und Musiker nicht fad wird, hat er sich ein Plattenlabel zugelegt. 42 Alexander Brjuchankow kann sich beim Schwimmen und Radfahren ausruhen. Nur das Laufen findet der russische Triathlet wirklich hart. 6

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i n h a lt

Action

48 Siena im Galopp Seit Jahrhunderten pflegt man in Siena die Tradition des Pferderennens. Rituale von gestern als Emotionen von heute. 58 The Art of Energy Bildhauer Jos Pirkner und seine fabel­ hafte Schau von Kraft und Bewegung.

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bilder: AP Photo, Christian Pondella/Red Bull Photofiles, David Clerihew, Getty Images (2), Jiří Křenek, philipp horak, STIHL TIMBERSPORTS, Tibor Bozi; illustration: albert exergian

66 The Comeback Kid FMX-Star Levi Sherwood startete bei den Red Bull X-Fighters in Moskau von neuem durch. Mit achtzehn. In London will er wieder am Stockerl stehen.

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70 Eine liebe zum hudson Wenn das Red Bull Air Race in New York Station macht, darf selbst die Freiheits­ statue im Tiefflug umkreist werden.

More Body & Mind

78 Jörg Rohleder, Autor, sprach bei seinem Besuch im Hangar-7 über das Comeback der 90er Jahre. 80 Küchengeheimnisse Die Starköche Heinz Reitbauer und Thomas Dorfer lüften drei von den ihren. 82 Dany Torres und sein zeug Der FMX-Star zeigt, worauf er abfährt. 84 Coulthard-Devotionalien Das persönlichste F1-Museum der Welt. 86 Volles Programm Das Red Bull TV-Fenster bei ServusTV. 88 Hot spots Was rund um die Welt los ist. 90 Die Macht der Nacht in Barcelona, Jesolo, Hamburg, Antwerpen. 98 Geist mit Körper Christian Ankowitschs Kolumne belebt.

the red Bulletin Print 2.0 Movies, Sounds, Animationen in Ihrem Red Bulletin. Überall, wo Sie dieses Zeichen sehen. 1

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de.redbulletin.com/ print2.0 Im Browserfenster sehen Sie das MagazinCover. Klicken Sie auf „Starten Sie Bull’s Eye!“.

Webcam zulassen Sie benötigen eine Webcam. Sollte sich ein Auswahlfenster öffnen, klicken Sie auf „Zulassen“.

Red Bulletin vor die Webcam halten Es erwarten Sie Multimedia-Inhalte wie Movies, Soundfiles oder Animationen.

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K a i n r at h s K a l e n d e r b l at t

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Chris Tedesco © Red Bull Photofiles

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Bullevard Beflügeltes in kleinen Dosen.

U ta h (U SA)

Fängt das Licht Matt Hunter ist einer der Besten, wenn es darum geht, mit einem Mountainbike von Gipfeln in Täler zu gelangen. Also nimmt er zum Beispiel an Red Bull Rampage teil, für das man sich die Bergwelt von Utah als Playground auserwählte. Unser Bild zeigt eine relativ normale Trainingsfahrt. Fotograf Sterling Lorence erinnert sich: „Es war ein kalter, unfreundlicher, stürmischer Tag. Aber in der Wüste klart es abends meist noch einmal auf, und so war es auch in diesem Fall. Matt und ich also hinauf auf den Berg, und als sich die Wolken ­verzogen, hat sich einmal noch für ein paar Minuten die Sonne ­gezeigt, bevor sie unterging. Was für ein Licht! Ich liebe Utah …“ Red Bull Rampage 2010: 1. bis 3. Oktober, Virgin, Utah, USA www.redbullrampage.com


Print 2.0

bild: sterling lorence photography

de.redbulletin.com/print2.0 Die steilsten Abfahrten bei Red Bull Rampage.


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bild: rutgerpauw.com/Red Bull Photofiles

de.redbulletin.com/print2.0 Mack rollt auf Marmor.

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C a r r a r a (I ta l i e n)

New Mack on the Block Mack McKelton wurde, wie der Name schon andeutet, 1986 in Berlin geboren. Mit sechs bekam er ein Skateboard geschenkt, mit 13 kehrte er nach 13 Jahren in Afrika nach Deutschland zurück; dort unten hatte er durchaus auch gelernt, an unüblichen Orten zu skaten. Glückliche Fügung: Bei Red Bull Access All Areas kommt es ganz ­genau darauf an, an Orten zu skaten, die eigentlich anderen Bestim­ mungen vorbehalten wären. Wie zum Beispiel in den Marmorstein­ brüchen in Carrara, Italien. Mack kehrte übrigens von seiner italie­ nischen Reise wohlbehalten nach Berlin zurück, auch wenn man sich das a­ ngesichts des Bilds nicht so leicht vorstellen kann. www.redbullaccessallareas.com www.mackmckelton.com


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Clever & smart

In der Formel 1 können Winzigkeiten entscheiden über Sieg und ­Niederlage. Bisweilen machen auch recht große Dinge den Unterschied aus – oder einfach besonders intelligente. Bei Red Bull Racing setzt sich der Erfolg aus zehn speziellen Puzzlesteinen zusammen. 1 Die Kondition Unter dem wachsamen Blick von Teammanager Jonathan Wheatley präsentiert sich Red Bull Racing an der Strecke als perfekt eingespieltes Team. Um den Stress von 19 Rennen ohne Formschwankungen zu bewältigen, trainierte die Boxencrew vor der Saison im Bisham Abbey National Sports Centre. Dort übt auch Englands Fußball-Nationalmannschaft.

Adrian Newey

4 Der Motorsport im Blut Als Red Bull 2005 mit Red Bull Racing die F1-Arena betrat, tat man das als Team­ besitzer, nicht als Sponsor. Motorsport sitzt tief in der DNA der Company, und dank dieser Hingabe zur obersten Liga war es möglich, auch die tollsten Talente im Business anzulocken, etwa …

2 Die gute Küche Wer schwer arbeitet, soll auch gut essen: Die Red Bull Racing-Mannschaft ist in dieser Richtung bestens versorgt ist. Die „Energy Station“ als bullische Interpretation eines Motorhomes begleitet das Team zu fast allen Rennen; das ideale Hauptquartier, hat man einmal genug vom Wirbel in der ­Boxengasse. Zu jeder Tageszeit wird hier erstklassiges Essen serviert, und dass das Personal eine Augenweide ist, schadet der Moral natürlich auch nicht.

5 Adrian Newey Ohne den Teamerfolg an ­einer Person festmachen zu wollen: Adrian Newey, herausragendes technisches ­Gehirn der modernen F1, verdient spezielles Lob. 2008 gewann Toro Rosso, Schwester-Team von Red Bull Racing, den Grand Prix von Ita­ lien – mit einem von Newey konstruierten Chassis. 2009 verpasste man Konstrukteurs- und Fahrertitel hauchdünn, auch wegen einer dubiosen Regelinterpretation, die der Konkurrenz einen frühen Vorteil verschaffte. Das T ­ itel-Double bleibt somit für Webber und Vettel das Ziel für 2010.

3 Die Lage im Epizentrum Die Formel 1 umspannt die Welt, doch kommt sie gleichsam aus dem Dorf: In ­einer kleinen Region hundert Kilometer nordwestlich von London sind nicht nur sechs Teams zu Hause – darunter Red Bull Racing in Milton Keynes –, sondern auch die Hersteller von Motoren und Spezialteilen. Wer hier produziert, hat Zugriff auf den unübertrefflichen Talentepool im „Silicon Valley“ des Motorsports.

6 Der richtige Wind Die Aerodynamik ist der entscheidendste Einzelfaktor in der F1. Top-Teams wie Ferrari, McLaren und Red Bull Racing haben eigene Windkanäle. Red Bull Racings Windkanal in Bedford ist nicht nur einer der besten, sondern hat auch eine inter­ essante Vorgeschichte: Er gehörte einst dem britischen Verteidigungsministerium, und mit seiner Hilfe entstanden nicht nur Raketen, sondern auch die Concorde.

Bilder des Monats

Moment mal!

Szenen aus dem abenteuerlichen Alltag unserer Leser. Einfach hochladen auf: www.redbulletin.com Unter den Einsendern der veröffentlichten Fotos wird ein 30-Euro-Gutschein des Red Bull Shops verlost (Artikel auf www.redbullshop.com). Gewinner aus Heft 07/2010: Markus Preimel

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Aus dem Red Bull Shop: Base-Cap von Red Bull Racing.

Wolfgangsee

Ein Ensemble der Wiener ­ ymphoniker traf auf die mystischen Klangskulpturen S der Gruppe NOISIA. Scalaria Air Challenge


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7 Der beste Simulator Seit 2009 wurden Testfahrten drastisch eingeschränkt, um die Kosten einzudämmen, was sich logischerweise auf die Entwicklung auswirkte. Um dieses Manko auszugleichen, investierten die Teams in aufwendige Simulator-Technologie. Die von Red Bull Racing in Eigenregie ent­ wickelte Hard- und Software ist den Konkurrenz-Lösungen überlegen. Und ein Xbox-Race schaut dagegen aus wie die Buntstiftzeichnung eines Vorschülers.

Print 2.0

de.redbulletin.com/print2.0  Seb im Rennsimulator: der 1:1-Test für den F1-Grand-Prix von Belgien.

8 Die interne Konkurrenz Mit Mark Webber und Sebastian Vettel hat Red Bull Racing zwei Fahrer, die es in die Top Five jeder Expertenrunde schaffen. 2010 sind die beiden noch ausgeglichener: Nach zehn von neunzehn Saisonrennen haben sie fünf Rennen gewonnen (Webber drei, Vettel zwei) und neun Pole-Positions erreicht (Vettel fünf, Webber vier). Favorit ist keiner auszumachen: Sowohl Sebastian als auch Mark sind in der Form ihres Lebens und kämpfen hart um ihre Chance auf den WM-Titel. Ausruhen gilt nicht, die Competition beginnt im eigenen Team.

Mark Webber

Chicago Hier war das Wetter noch in Ordnung. Wenig später wurde es ein richtiger Dirt Contest. Justin Kosman, Red Bull Stomping Ground

Moskau

Es müssen nicht immer nur zwei Räder sein. Alexey Kolesnikov begeisterte die 40.000 Fans auf seinem Snowmobile. Daniel Kolodin, Red Bull X-Fighters

bilder: Thomas Butler (3), Red bull Racing (4)

Sebastian Vettel

9 Die Stabilität Über Nacht Sieger werden, weil der Stein der Weisen gefunden wurde? Nonsens. Wer die F1-Geschichte studiert, weiß: Die über Jahre erfolgreichen Teams verdanken dies der Kontinuität im Management, der richtigen Zusammensetzung des Teams und der perfekten Wahl der finanziellen Partner. Red Bull Racing folgt behutsam diesem Modell. 10 Das innere Feuer Vom Mitläufer 2006 zum Titelaspiranten 2010: Red Bull Racing ist ganz schnell ganz weit gekommen. Aber keiner im Team wird nachlassen, ehe man nicht den Titel gewonnen hat. www.redbullracing.com

Panamá

Die Board-Rookies lauschten aufmerksam den Tipps der Surf-Pros Edgar Saavedra und Diego Naranjo. Agustín Muñoz, Red Bull Under My Wing

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Europas HockeyElite

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OP Y H

Die besten Klubs des Kontinents treffen bei der European Trophy aufeinander. Kenner schnalzen mit der Zunge, und Fans freuen sich: Im Zuge der in diesem Jahr erstmals ausgetragenen European Trophy treffen die Hockey-Hochkaräter aus nicht weniger als sieben Nationen in zwei Divisions aufeinander, der österreichische Meister und ContinentalCup-Sieger EC Red Bull Salzburg ist mittendrin. Die europäische Reise beginnt für die Salzburger Eisbullen mit einem von drei Auswärtsspielen beim olympischen Bronzemedaillengewinner Finnland (Oulun Kärpät, Tappara, Turku), bevor die Schweden-Connection Frölunda, Malmö und HV71 Salzburg besucht. Abschluss des Grunddurchgangs der Central ­Division sind zwei Matches gegen Schweizer Klubs (ZSC Lions in Zell/See, SC Bern auswärts). Der Sieger der European Trophy wird beim Red Bulls Salute vom 3. bis 5. September in Salzburg und Zell am See ausgespielt. Hier könnte es zu hochinteressanten Wiedersehen kommen, etwa mit Pierre Pagés Ex-Klub, den Eisbären Berlin, dem Ex-Salzburg-Coach Hardy Nilsson (Djurgårdens) oder Sparta Prag, die ihre Niederlage beim Red Bulls Salute 2009 rächen wollen.

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Red Bulls Salute: 3. bis 5. September 2010, Salzburg und Zell am See www.redbullssalute.com

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Singapur Andächtig, ja ehrfürchtig wurden die Sibiu kunstvollen Skulpturen auf einem Foto verewigt. Mark Teo, Red Bull Art of Can

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EC Red Bull Salzburg Frölunda Indians HV71 Jönköping Malmö Redhawks SC Bern ZSC Lions Tappara Oulun Kärpät TPS Turku

Capital Division (AUT) (swe) (swe) (swe) (SUI) (SUI) (FIN) (FIN) (FIN)

Der Neuseeländer Chris Birch durfte sich bei dem harten Enduro-Rennen über seinen ersten Sieg freuen. ­Predrag Vucˇkovic´, Red Bull Romaniacs

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Färjestads BK Linköpings HC Djurgårdens IF Eisbären Berlin Adler Mannheim HC Sparta Prag Vålerenga IF IFK Helsingfors Jokerit Helsinki

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Gobi Manch Einheimischer fragte sich wohl, was Christian Schiester dazu bewegt, 250 Kilometer durch die Wüste Gobi zu laufen. Roland Bogensperger

bild: GEPA pictures/ Felix Roittner

Central Division


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Meine Welt

George Clooney ist makellos, charismatisch, smart und sexy – darüber ist sich die weibliche Bevölkerung der Erde einig. Nur ein netter Kerl, der ein paar ordentliche Filme gemacht hat – kontern die Männer. Wer hat recht?

Fam ilien ban de

George Timothy Clooney wurde am 6. Mai 1961 in Lexington, Kentucky, ins Showbiz hineingeboren. Vater Nick war TV-Journalist und Gameshow-Moderator, Tante Rosemary Sängerin und ihr Ehemann José Ferrer Schauspieler. Deren Sohn Miguel drängte ebenfalls ins Rampenlicht und engagierte Cousin George 1981 für eine kleine Rolle in einem Low-Budget-Film. Clooney pfiff sofort aufs College und suchte in L. A. sein Glück. Es musste über ein Jahrzehnt lang warten, bis er es fand.

Verletzlich er Held

Bei den Dreharbeiten zum Politthriller „Syriana“ – für den er 2006 den Oscar als bester Nebendarsteller bekam – verletzte sich Clooney an der Wirbelsäule. Die Folgen: heftige Kopfschmerzen, Gedächtnisverlust, obendrein tropfte ihm Spinalflüssigkeit aus der Nase. „Es waren die unerträglichsten Schmerzen meines ­Lebens“, gestand Clooney. Und das von dem Mann, der schon die Kritiken von „Batman & Robin“ hatte lesen müssen.

Doktorspiele In den 1980er Jahren entwickelte sich Clooneys Karriere schleppend. Er tingelte durch TV-Shows und bekam Mini-Rollen in schrägen Filmen wie „Die Rückkehr der Killertomaten“. Das änderte sich erst 1994, als die TVSerie „ER“ mit Clooney als Dr. Ross anlief. 1984 gab er übrigens schon einmal den Doktor in einer Arztserie, die recht schnell wieder vom Bildschirm verschwand. Ihr Titel? „E/R!“

Gefangen im Netz

Kino-Freak Clooney liebt Filme aus den 1960er und 1970er Jahren. „Network“ (1976) mit Faye Dunaway hat er „50-mal – ich übertreibe nicht: 50mal!“ gesehen. Wie sehr diese Filme seine Regiearbeit beeinflussten, sieht man in „Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind“ und „Good Night, And Good Luck“, ganz sicher aber nicht im Flop „Ein verlockendes Spiel“.

TExt: Paul Wilson; illustration: Lie-ins and tigers

Oh gott, er rettete Ken ny!

1995 machte unter Hollywoods Elite eine animierte Weihnachtskarte mit vier vulgären Jungs die Runde – der Ursprung der später so erfolgreichen Trick-Serie „South Park“. Gerüchten zufolge soll Clooney einer der eifrigsten Verbreiter gewesen sein. „Das ist richtig“, bestätigte er dem „Esquire“-Magazin. Und dass er das jederzeit wieder machen würde, obwohl ihn die „South Park“-­ Macher in ihrem Film „Team America: World Police“ ganz schön verarschen. So was nennt man Dankbarkeit!

Gut men sch

eln den Die politisch rechten Amerikaner prüg hten. DaAnsic n linke seine für e Womanizer gern er an eine bei packt Clooney tatkräftig zu, wenn illig für Sache glaubt. 1992 meldete er sich freiw in L. A. die Aufräumarbeiten nach den Unruhen Genozid Er besuchte 2006 Darfur, um auf den Spendenaufmerksam zu machen, half mit, den organizu Haiti in r -Opfe eben Erdb aufruf für die sieren, und ist UN-Friedensbotschafter.

Haus meister george

2006 zeigte Clooney sein Tale nt zum Hausmeister. Beim privaten Dinn er im Haus eines Journalisten des „Tim e“-­ Magazins kroch er in eine Zwis chendecke, um einem lästigen Piepton auf die Spur zu kommen. Er tauchte mit einem defe kten Kohlen­ monoxid-Detektor wieder auf, und Ruhe kehrte ein. Bis zur Magazin-Schlagzeile „Matt Damon: So putze ich meinen Hamster käfig“ war der Einsatz unschlagbar.

Auf der Schaufel Der Set für die Irak-Kriegs-Satire „Three Kings – Es ist schön, König zu sein“ stand unter keinem guten Stern. Die Auseinandersetzungen zwischen Regisseur David O. Russell und seinem Star George Clooney erreichte ihren Höhepunkt, als Russell dem Schauspieler an die Gurgel ging. Der wusste sich aber mit einem Spaten zu verteidigen. Nach dem anschließenden Waffenstillstand wurde schließlich doch noch ein gelungener Film daraus.

Pausenclown

Im aktuellen Film „The American“ gibt Clooney einen Killer, der noch einen letzten Auftrag annimmt. Natürlich läuft nichts wie geplant. Regisseur Anton Corbijn – bekannt seit „Control“, den Film über Joy-Division-Sänger Ian Curtis – über seinen Star: „Er hält die Leute in Drehpausen bei Laune. Clooney wird aber niemals nicht bereit sein, wenn die Kamera läuft. Das verblüfft mich ehrlich.“ Weltpremiere „The American“: 1. September 2010

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Die slowakische Wildwasserpaddlerin Jana Dukátová, 2009 und 2010 Weltcupsiegerin, genießt bei der EM 2010 auf der Strecke in Bratislava-Čunovo ihren Heimvorteil.

red bulletin: Ein Mineralwasser für Jana, bitte – still oder prickelnd? jana dukátová: Natürlich prickelnd! Wasser ohne Perlen ist kein Wildwasser. Warst du jemals wasserscheu? Nie. Als Kind habe ich jeden Sommer an einem See verbracht, oder besser: in einem See. Ich bin nur zum Essen und Schlafen an Land gekommen. Was konntest du zuerst: schwimmen oder Kanu fahren? Schwimmen. Aber auch in meinen ersten Kanu-Jahren musste ich viel schwimmen: Bevor ich die Eskimorolle beherrscht habe, strampelte ich jedes Mal, wenn das Boot gekentert ist, unfreiwilligerweise den Fluss hinunter. Jede Wildwasserstrecke lässt sich lesen wie ein Buch: Was steht in Čunovo, ­deiner Heimstrecke? Čunovo ist nicht einfach. Das Wasser ist mächtig, fließt schnell, und du musst dich oft blitzschnell für eine Ausweichvariante entscheiden. Dann heißt es auch Kraft sparen für eine Stromschnelle vor dem Ziel – die heißt nicht umsonst „Niagara“. Was steht zwischen den Zeilen? Lesen kann eine Strecke jeder Athlet, aber nur wenn du auf ihr aufgewachsen bist, kennst du all die Wellen, Felsen, Walzen 18

und Strömungen wirklich so gut, dass du nicht von ihnen überrascht wirst. Strafsekunden gibt es für jede Berührung einer Torstange. Hast du eine Taktik, um ihnen auszuweichen? Dass du dir etwa vorstellst, sie seien Fackeln? Brennende Fackeln wären einfach – bei all dem Wasser drumherum könnte ich die einfach ausdämpfen. Mein Coach sagt immer: „Die Torstangen sind heilig, berühr sie niemals!“ 2002 musstest du in Bourg-Saint-Maurice in Frankreich nach einer missglückten Eskimorolle mit zehn Stichen im Gesicht genäht werden. Lässt sich das wegschminken? Sinnlos, das Wasser würde mir das Makeup gleich wieder abwaschen. Zum Glück sieht man die Narbe erst auf den zweiten Blick – der Chirurg war gut! Kannst du Strecken am Geschmack des Wassers unterscheiden? Die olympische Strecke von 2004 in Athen erkenne ich sicher, es ist die einzige, in der Salzwasser fließt. Einige Strecken ­erkennt man am Geruch, aber auch am Charakter: Manchmal sticht das Wasser wie eine Nähmaschine. ECA Kanu-Slalom-EM: 13. bis 15. August 2010, Bratislava, www.canoeslalomeuro2010.org

Da waren’s noch drei

Heiße Phase der Red Bull Cliff Diving World Series. Sechs Bewerbe, zwölf Klippenspringer und ein außergewöhn­ liches sportliches Niveau: Das ist die Red Bull Cliff Diving World Series 2010. Das neue Format verzeiht keine Fehler: Ein Patzer in den Runden eins oder zwei, und der Platz im Finale der besten sechs ist außer Reichweite. Dennoch ­fügen die Athleten ihren Sprungkombinationen immer mehr Twists und Salti hinzu – frei nach dem Motto „Einer geht noch!“. Die Serie ist immer mehr zum „Kampf der Generationen“ geworden. In den Hauptrollen: Orlando Duque, neunfacher Weltmeister, und der derzeitige Series-Leader Gary Hunt. Der routinierte Kolumbianer Duque springt mit viel Style und Perfektion. Der Brite Hunt baut verstärkt auf extravagante Turnelemente und verblüfft Jury und Zuschauer mit einem Feuerwerk an Salti und Schrauben. Hinter den beiden wird die Dichte immer größer. Artem Silchenko (RUS) und Kent De Mond (USA) sind stets für einen Sieg gut, auch Eber Pava (COL), Hassan Mouti (FRA) und Steve Black (AUS) klopfen an die Tür der Top drei. Drei Bewerbe stehen 2010 noch aus: Polignano a Mare (ITA, 8. August), Sisikon (SUI, 28. August, siehe Foto) und das Finale in Hilo (Hawaii,12. September), wo Cliff Diving seinen Ursprung hat. Red Bull Cliff Diving in Sisikon am 28. August ab 15:15 Uhr live auf ServusTV

bilder: Dean Treml/Red Bull photofiles, Predrag Vučković/Red Bull Photofiles

Lesestunde


Der Sommerhit 2010:

Da s Baggern i st des Sommer s Lust! www.laola1.tv


B u l l e va r d

Einst und Jetzt

Gletscherbrillen

Einst Gletscherbrille 1924 War er auf dem Gipfel gewesen oder nicht? Diese Frage erörterten Alpinforscher jahrzehntelang, wenn die Rede auf George Mallory kam. Der Engländer war seit dem 8. Juni 1924 im Himalaya verschollen, offenbar mit seinem Kameraden Andrew Irvine beim Versuch verunglückt, den Mount Everest zu besteigen. Am 1. Mai 1999 wurde Mallorys 20

Leichnam gefunden, in 8150 Meter Höhe. Ob Mallory 29 Jahre vor Edmund Hillary den höchsten Berg der Welt bestiegen hatte, ließ sich nicht feststellen: Eine Kamera, deren Bilder dies hätten beweisen können, wurde bei Mallory nicht gefunden. Ein Foto seiner Frau, das er am Gipfel hatte ablegen wollen, trug er allerdings ebenfalls nicht bei

sich. Was der Bergetrupp entdeckte, waren Mallorys Gletscherbrillen. Ein Modell mit leichter, aber bereits belüfteter Aluminiumfassung, stark grün getönten Gläsern und verstellbarem Gummiband: So simpel das Design, so funktionell war es bereits damals – und von der Idee nicht so weit entfernt von heute verwendeten Nachfolgern.

bild: Jim Fagiolo/Mallory & Irvine/Getty Images

Im ewigen Eis der Achttausender geht es um absolute Fehlerlosigkeit: Ein falsch gesetzter Schritt, ein schlecht gewählter Griff – und schon riskieren Bergsteiger ihr Leben. Da gilt es, den Durchblick zu bewahren.


bild: kurt keinrath

Jetzt adidas terrex pro 2010 Wenn Höhenbergsteiger dieser Tage Expeditionen planen, setzen sie auf Gletscherbrillen, wie sie etwa adidas anbietet. Auch die Ö ­ sterreicherin Gerlinde Kaltenbrunner – ihr fehlt nur noch der K2, dann hätte sie als erste Frau alle 14 Achttausender ohne die Hilfe von zusätzlichem Sauerstoff bezwungen – verwendet so ein Modell. Die wesent-

lichen Funktionsmerkmale der Terrex Pro sind speziell getönte Gläser, welche einen kompletten Schutz ­gegen UV-Strahlen ­garantieren, und ein Ventilationssystem ­namens „ClimaCool“: Letzteres verhindert das Beschlagen und Vereisen der Scheiben auch bei extremen Temperaturunterschieden zwischen Gesicht und Außenwelt.

Trägt man die Brille nicht beim Klettern ­unter dem Helm, lässt sie sich mit wenigen Handgriffen zu einer ganz „normalen“ ­Sonnenbrille umbauen: Dafür wird das Kopfband (mit dämpfender Silikoneinlage) durch zwei Bügel ersetzt und der Nasenschutz ­abgeklappt. www.adidas.com

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b u l l e va r d

hier fehlt die frage?

hier fehlt die frage?

Amet lamcor adigniam vulla feum quat, quat diam, vent laorem dolorperos co

Amet lamcor adigniam vulla feum quat, quat diam, vent laorem dolorperos co

kurz & dennoch einzigartig Ein strahlendes Siegerlächeln – egal ob auf der Bühne oder dem Podest.

Südafrikas Surfer des Jahres, Jordy Smith, holte sich den Sieg beim Mr Price Pro in Ballito (RSA) und übernahm die zwischenzeitliche Führung im ASP World Ranking.

Tony Cairoli dominierte bei den Motocross-WMLäufen in Schweden. Der Italiener gewann im ­Regen von Uddevalla beide Läufe der MX1-Klasse.

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Lindsey Vonn wurde bei den ESPY Awards als „Beste weibliche Athletin“ ausgezeichnet. Ebenfalls geehrt: Shaun White als bester „Actionsportler“.

Premierensieg bei der WRCBulgarien-Rallye für Sébastien Loeb (FRA), der Dani Sordo mit über 29 Sekunden Vorsprung auf den zweiten Platz verwies.

Briefe an die Redaktion. Sehr geehrter Herr Ankowitsch! Ein paar Anmerkungen zu Ihrem mitdenkenden Knie (Heft 7/2010): Der Roboter hat mit seiner Kamera die Bewegungen der Hand verfolgt, die den Ball hielt – unsere Augen erhalten Bilder – diese wiederum beeinflussen unser Gehirn beim Denken – die Gedanken produzieren wiederum Bilder vor unserem geistigen Auge – usw. Könnte es nicht sein, dass Ihre rechte Gehirnhälfte (u. a. für Kreativität zuständig) infolge des Stress, den Sie ihr mit dem Schreiben Ihrer Kolumne antun, Ihrem linken Knie den Schmerz übermittelte, damit dieses wieder – auf ganz unorthodoxe Weise – Ihre Gehirnhälfte bewogen hat aufzuhören? Wie Sie sehen, lese ich nicht nur gerne Ihre Kolumne, sondern ich denke auch darüber nach! Wilfried Walter, per E-Mail Nachdem viele österreichische Nachrichtenmagazine sämtliche Bemühungen aufgegeben haben, ansprechende Cover zu gestalten, ist es eine Freude, das aktuelle Bulletin (Heft 7/2010)anzusehen … nicht nur, weil ich EastwoodFan bin! So muss ein noch ­immer agiler, sympathischer amerikanischer (aber nicht überpatriotischer) Regisseur, der eben auch schon etwas ­gealtert ist, inszeniert werden. Kann mich nicht erinnern, 2010 schon eine bessere U1 gesehen zu haben. Wolfgang Peierl, Wien Leserbriefe an The Red Bulletin richten Sie bitte per Fax an +43 (0)1 90221-28809, per E-Mail an leserbriefe@at.redbulletin.com oder per Post an Heinrich-CollinStraße 1, 1140 Wien. Leserreaktionen werden nur veröffentlicht, wenn sie Name, Adresse und Telefonnummer bzw. E‑Mail-Adresse enthalten. Die Redak­tion behält sich Kürzungen vor, wenn Länge und Klarheit solche erfordern.

Bilder: Action Images/Reuters, Ray Archer, Kelly Cestari, Gepa Images; illustration: diethmar kainrath

Meine Welt


b u l l e va r d

Mein Körper und ich

Nicky Hayden

Der Ducati-Rider und MotoGP-Weltmeister von 2006 weiß alles über die Gefahren des Motorradrennsports. „The Kentucky Kid“ braucht keine Tattoos – er trägt Narben.

Übu ngssätze

vier Schwierig zu sagen, wie viel ich trainiere – drei bis uer, Ausda hrt verme ason Off-Se der In . täglich Stunden jede aber sobald die Saison beginnt und wir praktisch h fit Woche ein Rennen haben, achte ich darauf, einfac kes zu bleiben. Ich verbringe viel Zeit auf Supermoto-Bi um en, Übung mache Ich dern. Zweirä n und andere ­meinen Geist zu trainieren, denn wenn du auf einem Motorrad nicht bei der Sache bist und etwa einen Bremspunkt verpasst, dann kracht’s. Ich habe einige Visualisierungstechniken probiert, aber so richtig kann ich mich dafür nicht begeistern. Die Gefahr besteht, dass du dich im Training verlierst.

Starke Seiten

Auf dem Motorrad nutze ich sehr stark die Muskeln der Beininnenseite – damit drücke ich das Bike. Du kannst diese Bewegung en im Fitnessraum simulieren, aber du brau chst weder He-Man zu sein noch viel Gewi cht zu haben. Du musst einfach kräftig genu g sein und genügend Fleisch auf den Rippen haben, um einen Sturz auszuhalten. Wenn du zu ­mager und zu klein bist und die Masc hine ­umlegen möchtest, fliegst du ab.

Verletzung sliste

Ich habe meinen Knöchel lädiert und mir die Ferse gequetscht – es hat lange gedauert, bis das ausgeheilt war. Außerdem hatte ich schon mehrere Schulter- und Rückenblessuren. Glücklicherweise bin ich bislang von schweren Verletzungen verschont geblieben. Verletzungen ­ achen sind hart. Sie werfen dich zurück und m viel Therapie und Training notwendig, ganz zu schweigen von den mentalen Folgen.

text: Günther Wiesinger; bild: Contour/Max&Douglas

Gezeic hnet

Ich habe keine Tätowierungen. Dafür zieren zahllose Narben meinen Körper – aber keine Tinte.

Schmerzres istent

Ich bin erst 29 Jahre alt, aber in der Früh gleich nach dem Aufstehen hinke ich manchmal. Auch bei Kälte bin ich ziemlich schmerzanfällig. Aber wenn du Profisportler bist, musst du lernen, mit Verletzungen umzugehen und mit Schmerzen zu leben. Ich habe auch schon verletzt Rennen bestritten – bei einem Heim-GrandPrix stand ich einmal mit Krücken auf dem Podest. Der Geist ist viel stärker als der Körper: Das muss kein Vorteil sein, denn manchmal verletzt du dich nur noch schlimmer.

Instinktiv

t. Ein wichtiger Faktor im Motorradsport ist der Instink en Muss man über Aktionen wie Bremsen oder Schalt n nachdenken, wird man langsam. Diese Dinge müsse in Fleisch und Blut übergehen und automatisiert ablaufen. Davor muss man jedoch visualisieren, üben und Videos studieren, um jenen Punkt zu erreichen, wo Dinge dann einfach geschehen.

Crashkurs

Du darfst vielleicht ein Angsthase sein, wenn du Klavier spielst, aber Motorradrennfahrer müssen mutig sein. Entscheidest du dich für den Rennsport, muss dir bewusst sein, dass ein Sturz mehr als nur kribbelt. Die Verhaltens­regeln im Falle des Falles: Klammerst du dich zu lange an deinem Bike fest, kannst du dir die Hände abschürfen. Versuchst du aufzustehen, obwohl du noch in Bewegung bist, machst du es nur schlimmer. Ein Crash ist Zufallssache. Manche Fahrer ­wissen, wie man stürzt, und stehen nach einem kapitalen Abflug einfach auf. Andere fallen im zweiten Gang um und verletzen sich dabei.

Unter Spann ung

Ich bin immer angespannt. Ich versuche gar nicht, wie ein harter Hund zu klingen, der sagt, es lasse ihn kalt; dafür bedeutet mir MotoGP zu viel. Nerven sind eine gute Sache: Wenn du nicht aufgeregt bist, heißt das, dass dir etwas nicht wirklich wichtig ist. Ehrlich: Je nervöser ich bin, desto besser bin ich. Daytona war beispiels­ weise immer mein Lieblingsrennen, und dort stand ich stets am meisten unter Strom.

Speiseplan

Ich achte sehr genau auf meine Ernährung. Wir füllen schließlich auch keinen Müll in unsere Motorräder. Und ich bin da ziemlich konsequent: Wenn ich meine täglich nötige Ration erreicht habe, sage ich zu mir: „Stopp! Du bist Motorradrennfahrer.“

Verkehrssicherheit

Meine Ausrüstung ist ausgezeichnet. Stiefel, Handschuhe, der Helm ... alles Sonderanfertigungen bis ins letzte Detail. Und die Entwicklung schreitet ständig voran. Das Nächste, was kommen wird, sind Motorrad-Airbags. Mehr Informationen zu Nicky Hayden auf: www.nickyhayden.com

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b u l l e va r d

Formelsammlung

Hauptrolle

Mark Webbers spektakulärer Unfall beim ­Formel-1-Grand-Prix in Valencia am 27. Juni – und was einem Physiker* dazu einfällt. Bei einem Unfall mit 300 km/h – so schnell war Mark Webber in Valencia unterwegs – sind die auftretenden Kräfte enorm. Die Energie entspricht jener, die bei einem Fall aus rund 350 Meter Höhe aufträte. Ein Körper der Masse m und der Geschwindigkeit v hat eine kinetische Energie von mv²/2. Für Webbers Auto betrug die kinetische Energie rund drei Millionen Joule. Diese Energie galt es zu vernichten, ohne den Fahrer zu verletzen. Webber hob ab und machte eine Rolle rückwärts (1, 2). Es ist also naheliegend, dass ein Teil der kinetischen Energie in potentielle Energie, mgh, sowie Rotationsenergie, Iw²/2, umgewandelt wurde. Mit g ist die Erdbeschleunigung und mit I das Trägheitsmoment bezeichnet. Wenn sich das Auto am höchsten Punkt zwei Meter über dem 24

Boden befindet und es mit einer Winkelgeschwindigkeit von 180 Grad pro Sekunde rotiert, dann machen die potentielle Energie und die Rotationsenergie nur etwa ein Prozent der Anfangsenergie aus. Sobald das Auto am Boden auftraf (3), schlitterte es Richtung ­Absperrung. Durch Reibung wurde kinetische Energie in Wärme und Schall umgewandelt. Die Reibungskraft ist FR = µ mg, mit dem Reibungskoeffizienten µ zwischen Auto und Bodenbelag. Kraft mal Weg ist die Arbeit, FR s, die von der Reibungskraft verrichtet wird, um das Auto abzubremsen. Bis zum Aufprall am Reifenstapel verringerte sich die kinetische Energie nur um ungefähr zehn Prozent. Webber traf also noch mit etwa Tempo 280 auf die Absperrung (4, 5). Der Reifenstapel verlängerte die Zeit, in der das Auto zum Stillstand kam. Umso länger diese Zeit, desto kleiner ist die Kraft F, die auf das Auto und dessen Fahrer beim Aufprall wirkt: Ft = mv. Die negative Beschleunigung, die in dieser Phase auf das Auto wirkte, betrug das Achtfache der Erdbeschleunigung. * Prof. Thomas Schrefl unterrichtet und forscht an der Fachhochschule St. Pölten, Niederösterreich, und an der Universität Sheffield, Großbritannien. Mark Webber spricht über seinen Crash: de.redbulletin.com/webbercrash


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bilder: FORMULA ONE™ images © Formula One Administration Limited 2010; Illustration: Mandy Fischer


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Zahlen des Monats

Unglaubliche Rekorde Die Organisation der WFD (World’s Fastest Drummer) trägt alle zwei Jahre einen „Extreme Sport Drum­ ming“-Contest aus. Ein Drumometer, der die einzelnen Schläge zählt, trennt die Keith Moons von den Ringo Starrs. Mit 1247 Schlägen in 60 Sekunden wurde Mike Mangini, Ex-Drummer der Rockband Extreme, 2005 Weltmeister und Rekordhalter in der Kategorie „Matched Grip“.

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Die Surfgemeinschaft einigte sich darauf, dass die mächtigste Welle, auf der je geritten wurde, die berühmte Teahupoo-Welle vor Tahiti war, der sich Big-Wave-Surfer Laird Hamilton am 17. August 2000 stellte. Höhe: über sechs Meter. Nicht ­weniger als zehn Menschen starben bisher bei dem Versuch, auf dem „Monster“ zu reiten, unzählige verletzten sich schwer an den scharfen Riffs unter dem flachen Wasser. Das macht Teahupoo zum wohl gefährlichsten Surfspot der Welt.

560 Forrest Gump lief drei Jahre, zwei Monate, 14 Tage und 16 Stunden ohne ersichtliches Training. Daher muss man annehmen, dass er ­Pausen einlegte. Der griechischstämmige Amerikaner Dean Karnazes, der auch die „North Face Endurance 50“ (50 Marathonläufe in 50 US-Bundesstaaten an 50 aufeinanderfolgenden Tagen) bewältigte, rannte rund 560 Kilometer, nach­ gewiesen, und ohne Unterbrechung.

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Der längste aufgezeichnete Skateboard-Sprung (24,1 Meter) wurde von Danny Way bei den X Games 2004 gestanden. Das sind neun ­Seite an Seite stehende Busse (Evel Knievel überwand 13 auf seiner Harley). 2005 war der gebürtige Kalifornier der erste Mensch, der die Chinesische Mauer ohne Motorhilfe übersprang. Der erste Versuch scheiterte zwar noch, danach lan­ dete er fünf 18,6-Meter-Sprünge.

0,45 Den Rekord für die längste bewältigte Distanz auf einem Hochseil über Wasser hält Freddy Nock. Der Schweizer Zirkuskünstler legte 30 Meter über dem Zürichsee eine Strecke von 900 Metern zurück, nur mit Hilfe einer Balancierstange und Ballettschuhen. Er benötigte dafür zwei Stunden; mit einem Durchschnittstempo von 0,45 km/h war er nur unwesentlich schneller als eine Riesenschildkröte.

673 Am 8. Januar 2010 stellten die ­arabischen Skydiver Nasr Al Niyadi und Omar Al Hegelan einen Rekord für den höchsten BASE-Jump von einem Gebäude auf. Sie stürzten sich von einem Krankorb am 160. Stock des Burj Khalifa (mit 828 ­Metern der höchste Wolkenkratzer der Welt) in Dubai aus 673 Metern – doppelt so hoch wie der Eiffelturm – in die Tiefe. 90 Sekunden später, davon zehn im freien Fall, erreichten sie sicher die Erde. Weitere Rekorde aus aller Welt: www.guinnessworldrecords.com

text: toby wiseman. bilder: Imago Sportfoto (1), Action Images/Reuters (2), Getty Images (2), Rex Features (1)

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Mit langem Atem oder in höchster Gefahr; im Schneckentempo oder mit einem Affenzahn – was Menschen alles tun, um die Nummer 1 zu sein.


kunde

Warum Victoria Beckham ihrem David alle Frauen verzeiht, lesen Sie im Seitenblicke Magazin. Jeden Donnerstag neu. Riskieren Sie einen Seitenblick.

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Sport

bei ServusTV.

Sport und Talk aus dem Hangar-7 Jeden Montag, 21:05 Uhr, live

ServusTV. Das ist Ihr neuer Sender aus der Alpen-Donau-Adria-Region. Mit einem Programmangebot, das es in dieser Form auf diesem Niveau noch nicht gegeben hat. Zum Beispiel mit Live-Übertragungen und Hintergrundberichten aus dem Sportbereich. Weitere Schwerpunkte sind Sendungen, die die alte Heimat in einem neuen Licht zeigen, sowie die Talk-Sendungen live aus dem Hangar-7, unsere wöchentlichen Diskussionsrunden mit hochkarätigen Gästen zu aktuellen Themen. Besonders hervorzuheben: Beiträge aus der internationalen Musik-, Kunst- und Kulturszene sowie Magazine zu den Themen Kulinarik, Architektur, Design, Wissen, Reisen und Lifestyle. Überzeugen Sie sich selbst, via Kabel, DVB-T oder Satellit. Weitere Informationen zu unserem abwechslungsreichen Programm und alle Fakten zu ServusTV erhalten Sie über unsere kostenfreie Hotline: 0800 100 30 70 oder unter www.servustv.com.

Wir wünschen Ihnen bessere Unterhaltung.


Heroes Helden und ihre Taten: Wer uns diesen Monat bewegt.

bild: CHRISTOPHE SIMON/AFP/Getty Images

30 Peter Zoller 34 Jason Wynyard 36 Thierry Henry 40 Robert Stadlober 42 Alexander Brjuchankow

Thierry Henry macht stets gute Figur: als Fußball-Weltmeister, UEFA-Torschützen­ könig, Gewinner der Champions League und ab sofort bei den Red Bulls New York.


Heroes

Peter Zoller

Die ultraschnellen Computer der Zukunft werden Quantencomputer sein. Das Prinzip dieser Superrechner hat ein Innsbrucker Physiker entwickelt. Text: Wolfgang Hofbauer, Bild: Philipp Horak

Name Peter Zoller Geburtsdatum/-ort 16. September 1952, Innsbruck, Tirol Familienstand Verheiratet, drei Kinder Ausbildung Studium der Physik (Innsbruck, Promotion 1977), Forschungs­ aufenthalte in den USA, Neuseeland und Frank­ reich, 1981 Habilitierung an der Universität Innsbruck Berufliche Position Professor am Institut für Theoretische Physik der Universität Inns­ bruck. Gastprofessuren u. a. in Harvard (USA), Leiden (NED), Hefei und Peking (China) Spezialist für Quantenoptik und Quanteninformation Auszeichnungen 1998: Wittgenstein-Preis 2005: Max-PlanckMedaille 2010: Benjamin-Frank­ lin-Medaille für Physik Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Spanien, den Nieder­ landen und Österreich sowie der National Academy of Sciences in den USA Web www.uibk.ac.at

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Der Mann, der am Vormittag des 6. Oktober 2009 vor dem Tor des Innsbrucker Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) herumhampelte, war ein Radioreporter. Ihm war eine Liste des Informationsanbieters Thomson Reuters in die Hände ­gefallen, auf der ein Mitarbeiter des Instituts als einer der 25 aussichtsreichsten Kandidaten für den Physik­ nobelpreis ausgewiesen war. Und jetzt wollte er ­natürlich mit dem Superstar ein Interview führen. Fast ein Scoop, er wäre der Erste gewesen. Aber der Mitarbeiter des Instituts war zum Zahnarzt gegangen, in aller Seelenruhe, wie es heißt. Und als sich herausstellte, dass ein anderer den prestigeträchtigsten aller Wissenschaftspreise bekommen hatte, trollte sich der Reporter wieder. Kein Nobelpreis, kein Interview. Worüber auch? Erfahrungen dieser Qualität sind einem Mann wie Peter Zoller nicht fremd. Sein Spezialgebiet ist, sagen wir es einmal so: für den Hausgebrauch ein wenig unhandlich, und wird es nicht gerade mit etwas in Verbindung gebracht, das jedermann kennt, gedeiht es gewissermaßen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Paradoxerweise passieren gerade hier die auf­ regendsten Vorstöße ins Unbekannte: mitten hinein in die allerkleinsten Dimensionen unserer Welt. ­Deren Rätsel sind vielfach ungelöst. Peter Zoller ist wissenschaftlicher Direktor der ­Arbeitsgruppe „Quantenoptik und Quanteninformation“, und allein die Tatsache, dass er für den Nobelpreis in Erwägung gezogen wurde (und sicher nicht zum letzten Mal), markiert dem Außenstehenden ­seine Position. Jetzt sitzt der Wissenschaftler in einem sachlichmodernen, schwarzen Lederfauteuil in seinem geräumigen Büro. Glasfront von der Decke bis zum Boden, davor hoch aufragend die Innsbrucker Nordkette, so nahe, als stünde sie im Nachbargarten. Und wieder ist Ruhe eingekehrt nach einiger Aufregung, abermals war es ein Preis, der sie auslöste, weniger öffentlichkeitswirksam als der nach Alfred Nobel benannte, aber kaum minder wertvoll: Die Franklin-Medaille,

die Peter Zoller Ende April in Philadelphia überreicht bekam – gemeinsam mit den Physikern Ignacio Cirac und David Wineland –, gehört zu den wichtigsten wissenschaftlichen Auszeichnungen überhaupt. Rudolf Diesel, Thomas Edison, Marie und Pierre Curie, Albert Einstein sind nur einige von Zollers Vorgängern. Diesmal auch dabei: Bill Gates (für seine pekuniär umgesetzte Philanthropie). Die offizielle Begründung des Franklin Institute lässt die Entschlossenheit des Themas ahnen. Die drei Forscher wurden „für ihren theoretischen Vorschlag und erste experimentelle Versuchsanordnungen elementarer Computer-Operationen, die Quanteneffekte einzelner Atome nutzen“, geehrt. Etwas mehr auf den Punkt gebracht: Peter Zoller hat gemeinsam mit Ignacio Cirac die theoretischen Grundlagen für den Quantencomputer geschaffen – und d ­ amit einer Technologie den Weg geebnet, die das Computing als solches auf völlig neue Beine stellt. Quantencomputer sind im Vergleich zu herkömm­lichen Geräten geradezu unglaublich leistungsfähig. In der Tat steigen die Silicium-Computer bei wirklich komplexen Denk­ aufgaben längst aus: bei bestimmten Materialberechnungen, Suchvorgängen in riesigen Datenbanken, Ver- und Entschlüsselung von hochgeheimen Informationen. Ein normaler Computer verhält sich zu ­einem Quantencomputer wie der Doppeldecker der Gebrüder Wright (ebenfalls Franklin-Preis-Kollegen Zollers) zu einem Eurofighter. Einziger Nachteil des Quantencomputers: Es gibt ihn noch nicht. Zumindest nicht in konkurrenz- oder auch nur halbwegs marktfähiger Form. „In zehn Jahren vielleicht. Sicher in zwanzig“, sagt Zoller. Was nicht ­so viel ist, bedenkt man, wie seltsam und vor wie ­kurzer Zeit alles, also wirklich alles, begonnen hat. Es ist gerade einmal 15 Jahre her. Peter Zoller und sein Kollege Ignacio Cirac, ebenfalls Quantenphysiker, besuchten eine AtomphysikKonferenz in Boulder, Colorado. Am Podium stellte der Oxford-Quanteninformatiker Artur Ekert einen Quantenalgorithmus des Mathematikers Peter Shor


Peter Zoller plus Formel mit Männchen. Bei diesen dürfte es sich um eine ­komisch gezeichnete Spielart von „Schrödingers ­Katze“ handeln, die gleichzeitig lebt und tot ist, wie man irgendwie sieht.


Heroes

Peter Zoller im Labor am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation in Innsbruck.

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vor, also ein Programm für einen Quantencomputer. Ekert beschrieb dessen Konzept, merkte aber an, dass keiner wisse, wie man so etwas tatsächlich baut. „Von Quantencomputern hatten wir bis dahin überhaupt noch nichts gehört“, sagt Zoller heute. Aber: „Ekert hat die richtigen Fragen gestellt. Und wir, Ignacio und ich, wussten die Antworten. Schon unten im Auditorium war uns klar: Wir können das machen.“ Die Antwort lautete, vereinfacht gesagt: Ionenfalle. Man müsse nur ein paar – oder, besser noch, viele – ­Ionen, also elektrisch geladene Atome, in einen kleinen Raum bringen, der Reihe nach anordnen und über ihre Quanteneigenschaften zum Rechnen bringen. Zurück an der Uni, begann Zoller selbst zu rechnen, und nach einigen Monaten war das Konzept auf der Welt. Wiederum extrem, ja sehr extrem vereinfacht, geht es so: Ein normaler Computer rechnet binär. Er hat 0 und 1, und daraus manipuliert er ein Ergebnis. Für ein Atom oder ein Elektron, also die Speicher­ zellen eines Quantencomputers, gelten hingegen die ­Regeln der Quantenphysik (siehe Kasten). Es hat zum Beispiel einen Eigendrehimpuls von 0 und einen von 1 – und zwar beide gleichzeitig. Die Gleichzeitigkeit ist der springende Punkt. Aus mehreren Teilchen kann man ein Register aufziehen, das die Summe ­aller Möglichkeiten verkörpert. Daraus ergeben sich ungleich höhere Rechenleistungen als im herkömm­ lichen Computer – fast grenzenlos wird es. Das alles war für Peter Zoller recht bald klar, aber hinter der nächsten Ecke begann die Durststrecke: Während David Wineland von NIST Boulder, einer der

Benjamin-Franklin-Preisträger, die Grundidee mit ­einem Ion schon bald im Labor demonstrieren konnte, dauerte es sieben Jahre, bis Wineland und, unabhängig davon, Zollers Innsbrucker Kollege Rainer Blatt im Keller des Instituts mit Atomen in einer Ionenfalle eine erste Rechenoperation mit mehreren Ionen durchführen konnten. Zoller: „Nicht wenige haben damals gesagt: Das wird nix. Damals waren wir die Spinner. Aber wir haben durchgehalten. Und die ­Erfolge haben sich eingestellt.“ Der Wissenschaftler kann von einem optimalen Umfeld berichten, der heute in Wien forschende Anton Zeilinger zum Beispiel war damals in Innsbruck und führte seine spektakulären Teleportations-Experimente durch („Beamen“ hieß das dann auf CNN). Das IQOQI, zur Akademie der Wissenschaften ge­hö­ rig, genießt Weltruf, „aber es ist eine von wenigen ­Inseln der Exzellenz in einem universitären Milieu der Mittelmäßigkeit“, sagt Zoller, und auch: „Das ist die österreichische Mentalität, dieses Bequeme. Aber Wissenschaft ist nicht bequem, sie ist im Gegenteil extrem darwinistisch. In den USA haben sie das ­kapiert, deswegen sind sie so gut aufgestellt, immer schon. Es ist nicht nur das Geld.“ Heute begleitet Zoller immer wieder Besucher in den Keller des Instituts und zeigt ihnen im Labor von Kollege Blatt zum Beispiel die kleine, rot leuchtende Wolke aus Kalzium-Ionen, die in der sogenannten Paul-Falle schweben. Die Ionen sind von Lasern bis fast auf den absoluten Nullpunkt (–273,15 °C) herabgekühlt und zeigen identische Quanteneigenschaften.


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Quantenmechanik. Was das überhaupt ist.

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Die Welt im Kleinsten Wenn die Forscher zu den allerkleinsten Bausteinen der Materie vordringen, dann gelten für sie andere physikalische Gesetze als im Alltag. Ganz andere. Für lange Zeit war die Newtonsche Physik das Maß der Dinge. Isaac Newton formulierte im 17. Jahrhundert die Gravitations- und die Bewegungsgesetze und schuf damit unser Verständnis von der Welt. Alles funktionierte, war klar und logisch begründbar, von Kometen, Vampiren und Heuschreckenplagen einmal abgesehen.

bilder: Christoph Lackner (2), Universität Innsbruck

An der Wende zum 20. Jahrhundert geriet die schöne ­Ordnung mit ihren Gesetzen, die uns auch einleuchten ­können, wenn wir die zugrundeliegende Mathematik nicht verstehen, ins Wanken: Denn die Regeln der Newtonschen Physik gelten für die Welt im Großen – in den k­ leinsten Dimensionen sind sie nicht mehr viel wert. Was Max Planck, Niels Bohr, Werner Heisenberg und andere in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts da formu­ lierten, stellte alles in Frage, was bis dahin als sicher galt, und völlig neue Erkenntnisse mussten akzeptiert werden: Energie kann nicht fließend verändert werden, sondern nur in kleinen Paketen (Quanten). Elektronen bewegen sich plötzlich nicht mehr auf Kreisbahnen um den Atom­ kern, sondern folgen einer Wahrscheinlichkeitsverteilung. Dinge sind etwas und gleichzeitig auch was anderes: So das Licht, das je nach Versuchsanordnung eine Welle oder ein Teilchenstrom sein kann bzw. in der Tat offenbar beides gleichzeitig ist. Teilchen, etwa Photonen (Lichtteilchen), können mit anderen Teilchen verschränkt sein und mit diesen – extrem vereinfacht gesagt – ohne Zeitverzögerung (also schneller als das Licht) wechselwirken, und zwar über beliebige Entfernungen hinweg (auch Millionen von Kilome­ tern). Und indem wir etwas beobachten, verändern wir es: Ein Elementarteilchen verändert seine Geschwindigkeit, wenn wir es messen (also zum Beispiel mit Licht bestrah­ len). Aus letzterem Punkt folgt überhaupt einer der Eckpfei­ ler der Quantenphysik: Es ist unmöglich, gleichzeitig die Geschwindigkeit und den Ort eines Teilchens zu messen. Durch die Quantenphysik hielten Unbestimmtheiten und Wahrscheinlichkeiten Einzug in die Wissenschaft. Den Menschen und seinen Alltag berührt das alles freilich kaum. Abgesehen davon, dass es ohne Quantenphysik heute keine CD-Player, keine Transistoren, keine Computer gäbe – und genau genommen auch uns selbst nicht.

1 Das Herz einer Ionenfalle: Darin werden Ionen in bestimmter Anordnung zur Gewinnung von Quanten­ information genutzt, das heißt: zum „Quantenrechnen“. 2 Quantenphysik hat für den interessierten Laien den Nachteil, dass man sie ohne Mathematik bestenfalls an der Oberfläche verstehen kann. 3 Mit dem Laser werden die Ionen fast auf den absoluten Nullpunkt gekühlt. Für einen Quanten-Laptop wäre das ein bisschen unpraktikabel.

Quantencomputer können mittlerweile bereits die Zahl 15 in Teiler zerlegen: Es ergaben sich 3 und 5, „genau das, was wir erwartet haben“, sagt Zoller, der auch witzig sein kann. Stellt man sich das Ganze als Fußmarsch auf den Mount Everest vor, ist die Forschung etwa in Wien: „Aber denken Sie, wie die normalen Computer angefangen haben – in den dreißiger Jahren mit einfachsten elektrischen Schaltungen.“ Peter Zoller will seine Quantentechnik breit angelegt wissen: „Quanteninformation, Quantencomputer, Quantensimulation in der Materialforschung – es ist nicht der Supercomputer allein. Was nicht kommen wird: der Quantencomputer für den Schreibtisch. Den braucht’s nicht.“ Zoller hat ein schönes Beispiel, um die Überlegenheit des Quantencomputers etwa bei der Berechnung von Materialien zu illustrieren: „Nehmen Sie einen Magneten, dessen Magnetismus unter anderem vom Eigendrehimpuls seiner Elektronen definiert ist. Will ich nur 300 Elektronen bezüglich dieses Impulses ­berechnen, habe ich 2 hoch 300 Möglichkeiten. Ungefähr so viele Atome gibt es im für uns sichtbaren ­Universum. Ein Quantencomputer kann all diese ­Zustände gleichzeitig darstellen. Ein normaler Computer müsste dafür 2 hoch 300 Speicherzellen, also Atome, haben – das heißt, er müsste sozusagen aus der Materie des ganzen sichtbaren Universums bestehen.“ Und wer bliebe dann noch über, der ihn bediente? Die Homepage des Instituts für Quantenoptik und Quanten­ information in Innsbruck: www.iqoqi.at

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Heroes

Jason Wynyard ist Weltmeister im Sportholzfällen und ein Philosoph mit mächtigen Unterarmen. Den perfekten Axtschwung hat der Neuseeländer noch immer nicht gefunden. Text: Andreas Rottenschlager, Bild: Philipp Horak

Name Jason Wynyard Geburtsdatum/-ort 14. November 1973 in Te Awamutu, Neuseeland Beruf Sportholzfäller Erfolge Achtfacher Gewinner der Stihl Timbersports Series, zweifacher ­Weltmeister (2006 und 2009) Hört auf seinem iPod AC/DC, Prince und Queen Große Liebe Jasons Frau Karmyn nimmt regelmäßig an Holzfäller-Wettkämpfen für Damen teil. „Sie macht das eigentlich nur, um öfter bei mir zu sein“, sagt ihr Ehemann. Tradition Wynyard gehört zum indigenen Volk der Maori. Sein Vater kommt aus dem Nga-Puhi-Stamm, seine Mutter ist eine Maniapoto. Wunsch für die Pension Wettkampf-Äxte anfertigen („richtig gute“) Web www.jasonwynyard.com

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Es ist ein sonniger Frühlingstag im Garten von Schloss Schönbrunn in Wien. Kieswege säumen den barocken Prachtbau, in den Bäumen zupfen Vögel ihre Nester zurecht. Mitten im Grün malträtiert ein 1,94-MeterMann mit blitzender Axt einen Block aus Pappelholz. Bei jedem Hieb regnet es Holzspäne auf die Zuseher. Vor jedem Schlag pumpt Jason Wynyard seine Lunge voll Luft, dann kracht die Klinge in den Stamm. „Fhhhh – krack!“, eine Dampflok stampft durch die Allee. Der weltbeste Athlet an der Axt demonstriert, wie man ein Stück Holz auseinandernimmt – 30 Zentimeter dick, 80 Zentimeter hoch, eingespannt in ein Haltegestell aus Eisen. Nach kaum 15 Sekunden setzt Wynyard zum finalen Schlag an: „Fhhhh – krack!“ und die obere Hälfte des Blocks fällt zu Boden. Der Mann mit dem Beil wischt den Schweiß von seiner Stirn und blickt um sich: Holzteile liegen weit verstreut am Kiesweg, die Zuseher applaudieren. Am Buffet gibt’s die Nudeln jetzt mit Pappelspänen. Jason Wynyard aus Massey (Neuseeland) ist achtfacher Gewinner der „Stihl Timbersports Series“, der wichtigsten internationalen Wettkampfserie für Sportholzfäller. Der Bewerb umfasst drei Axt- und drei Sägedisziplinen – vom archaischen „Standing Block Chop“ (Mann, Axt, Baum) bis zur Bändigung der „Hot Saw“ (einer getunten Monster-Motorsäge, bis zu 62 PS, Ket­ ten­geschwindigkeit: 240 km/h). Neben einer ordentlichen Portion Muskelkraft entscheidet in den sechs Disziplinen vor allem die Präzision. TimbersportsWeltmeisterschaften werden seit 2005 ausgetragen. Wynyard ist zweifacher Titelträger (2006, 2009). Der Mann, der gerade das hölzerne Massaker vor Kaiserin Sisis ehemaligem Domizil angerichtet hat, drückt ganz sanft zu, wenn er jemandem die Hand schüttelt. Jason Wynyard (Kampfgewicht: 134 Kilo) neigt zudem zum Philosophieren. Besonders wenn es um seine Lieblingsdisziplin geht, Standing Block Chop. „Holzhacken ist voller Enttäuschungen“, sagt der 36-Jährige, „weil es keinen perfekten Weg gibt, den Block durchzuhauen. Bei jedem Axtschwung geht es um Millimeter, und kein Athlet schafft es ohne Fehler. Man kann nur versuchen, die bestmögliche persönli-

che Leistung zu zeigen.“ (Die „bestmögliche Leistung“ liegt momentan bei 12,11 Sekunden. Der Rekordhalter heißt Wynyard.) Kann man mit diesem Beruf reich werden? – „Höchstens an Charakter.“ Im Kaingaroa Forest, in dem der Neuseeländer aufgewachsen ist, klaffen heute Baumstumpfwüsten so groß wie Stadtviertel. Die besten Holzfäller kommen ja bekanntlich aus der Wüste und haben dort schon ganze Arbeit geleistet. Dieser alte Forstarbeiterwitz erzählt in gewisser Weise Wynyards Jugend: Großvater Holzfäller, Vater Holzfäller, Klein Jason schwang schon mit sechs Jahren die Axt – kann man mehr Pech haben als ein Baum im Kaingaroa Forest? Wynyard, dessen Rücken jetzt als Tischtennisplatte durchgehen könnte, war ein schmächtiges Kind. Seine Karriere begann mit ­einer Niederlage. Mit zwölf Jahren nahm er am ersten Wettbewerb teil. „Drei Burschen waren am Start, ich bin Dritter geworden. Das war mir peinlich.“ Woraufhin er wie besessen trainiert und mit sechzehn Mitglied des neuseeländischen AxemenTeams wurde. An ein Leben als Profi war zu dieser Zeit freilich nicht zu denken. Wynyard schlug sich als Arbeiter in einer Zementfabrik durch und verbesserte nach Feierabend seine Schwungtechnik. Später fuhr er den Mischlastwagen und feilte in den Fahrpausen an seiner Schrittstellung. 1994 sah Wynyard im Fernsehen zum ersten Mal die Timbersports Series. „Da habe ich gewusst, dass ich zumindest in den Axt-Disziplinen gewinnen kann.“ Er ging das Risiko ein, schmiss 1996 mit 22 Jahren seinen Job hin, reiste nach Kanada. Seither lebt Wyn­ yard vom Sägen und Hacken. Wie ist das Leben on the road? „Natürlich auch hart. Ich bin gerade zum dritten Mal Vater geworden und vermisse meine Kinder sehr“, meint der Riese. Zumindest einmal im Jahr kann er aber Familie und Beruf vereinen, bei den „Jack and Jill“-Mixed-Bewerben. Es sind seine schönsten sportlichen Momente, sagt der Weltmeister. Am anderen Ende der Zugsäge steht dann immer Karmyn Wynyard, Jasons Ehefrau. Stihl Timbersports Weltmeisterschaft: 4./5. September 2010, St. Johann in Tirol. Infos unter: www.stihl-timbersports.de


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de.redbulletin.com/print2.0 Jason schwingt seine Axt. 

Auf Zack: „Kann man mit Holzfällen eigentlich reich werden?“ – „Höchstens an Charakter.“ Das ist Jason Wynyard. Er zerkleinert Holz besser als jeder andere Mensch. Außerdem hat er einen sanften Händedruck und sagt Sätze wie: „Holzfällen ist voller Enttäuschungen.“


Heroes

Thierry Henry

spielt nicht gut genug Basketball für die Knicks. Aber er spielt gut genug Fußball für die Red Bulls. Mit 33 erfüllt sich der Franzose einen Lebenstraum: Er spielt für seine Lieblingsstadt New York. Text: Paul Wilson, Bild: David Clerihew/Red Bull Creative

Name Thierry Henry Geboren 17. August 1977 Erstes Tor Mit siebzehn für Monaco. Ein phantastischer Heber aus kniffligem Winkel (auf YouTube einfach nach „henry monaco“ suchen und staunen) Acht Klubs Henry spielte in den ­Juniorenteams von CO Les Ulis, US Palaiseau und Viry-Châtillon, ehe er 1994 bei AS Monaco debütierte. Im Januar 1999 ging er zu Juventus nach Turin, sieben Monate später zu Arsenal London, im Juni 2007 zu Barcelona. Im Juli dieses Jahres unterzeichnete er einen mehrjährigen Vertrag mit den New York Red Bulls. Au revoir, les Bleus? In 123 Länderspielen für Frankreich scorte Henry 51 Tore, holte 1998 den Welt- und 2000 den Europameistertitel. Er selbst deutete das Ende seiner Karriere bei Les Bleus an: „Irgendwann ist es Zeit. Und für mich ist es das jetzt.“ Web theone4allfoundation. com

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Gezählte sechzehn Mal muss Thierry Henry den von einem Beleuchtungsmast baumelnden Ball im Scherensprung treffen, er springt hoch, hängt einen kurzen Moment waagrecht in der Luft, gezählte sechzehn Mal trifft er ihn satt. Es ist eines der schwierigsten Manöver im Fußball, Henry erledigt es mit fast ­uhrwerksartiger Präzision. Während des fünf Stunden währenden Fotoshootings tummeln sich nie weniger als 16 und nie mehr als 21 Leute im Studio, die dreißigminütige Mittagspause kürzt Henry für ein Interview ab. Es ist eine Woche vergangen seit dem Aus der Franzosen bei der WM in Südafrika, nur wenige Tage, seit sich der erfahrenste Spieler seines Teams hinter verschlossenen Türen zum Vieraugengespräch mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy getroffen hatte. Worum ging es? „Das Gespräch fand zwischen ihm und mir statt – und bleibt auch zwischen ihm und mir.“ Thierry Henry bewegt sich auf dem Feld der h ­ ohen Politik ebenso trittsicher wie auf den Fußballfeldern dieses Kontinents – und bald auch auf jenen auf der anderen Seite des Atlantiks. Henry steht in London für die ersten Fotos im Dress seines neuen Vereins vor der Kamera, den New York Red Bulls. Das Dress ist rot-weiß, wie jenes, das er in Monaco trug und danach acht Jahre bei Arsenal. „Ich mag die Farben“, sagt er und grinst, „ein bisschen mehr Weiß als Rot, aber wir kriegen das schon hin.“ Henry ist kein Fußballer mit ausgeprägtem Aberglauben – einziger unverzichtbarer Fixpunkt vor einem Match sind Kopfhörer, aus denen Zouk perlt, die Upbeat-Tanzmusik der früheren französischen Karibik-Kolonien Guadeloupe und Martinique, aus der Gegend stammen seine Eltern –, aber er hat in Rot und Weiß immer gut gespielt, und es gibt keinen, der irgendwas mit Fußball zu tun hat, der gute Omen nicht zu schätzen wüsste. Ebenso wenig gibt es niemanden, der irgendwas mit Fußball zu tun hat, der Thierry Henry nicht kennt – und nicht schon kannte, ehe er Frankreich durch ­einen unglücklichen Reflex mit der Hand zum ent-

scheidenden Tor im WM-Qualifikationsspiel gegen ­Irland verhalf. (Henry entschuldigte sich danach ­öffentlich und glaubwürdig.) Henry war mehrfacher Champion der Top-Ligen in England, Frankreich und Spanien, gewann die Champions League mit Barcelona in deren unglaublicher Sechs-Titel-Saison 2008/09, war Teil der französischen Mannschaft, die im Weltfußball über Jahre zur absoluten Spitze gehörte. In 774 Spielen für Vereine und Nationalmannschaft erzielte er 357 Tore, leistete 200 Assists. Er kann Tore vorbereiten und Tore schießen, und das mit einer technischen Perfektion in einem Tempo, das die weltbesten Verteidiger während der letzten fünfzehn Jahre unruhig schlafen ließ. Abseits des Feldes ist Henry mit den üblichen Ausrüster- und Charity-Aktivitäten präsent, abgesehen davon, dass es wahrscheinlich nicht allzu viele Sportler gibt, die einem Wort ins Oxford English Dictionary ver­ holfen haben. Die Lautmalerei „va-va-voom“, deren Ursprünge als nützliche Einrichtung zur Beschreibung eines beschleunigenden Motors ins Amerika der 1950er Jahre zurückreichen, wurde 2004 dadurch berühmt, dass Henry sie in einer Serie von TV-Spots für den Renault Clio verwendete. Henry wird demnächst 33, muss niemandem mehr irgendwas beweisen. Sein Umzug nach New York, zu den Red Bulls und in die Major League Soccer, könnte nun als Gelegenheit gesehen werden, eine Weltkarriere entspannt auslaufen zu lassen. Kaum j­ emand (um ­genau zu sein: kaum jemand außerhalb Dublins) würde ihm das übelnehmen oder missgönnen. Aber Henry denkt ganz anders. „Ich gehe nach New York, um zu gewinnen“, sagt er. „Für New York zu spielen, als New Yorker, ist etwas, das ich immer schon wollte. Mein Basketball ist nicht gut genug für die Knicks, also blieb nichts anderes übrig als Fußball. Wenn meine Zeit in Europa ­vorbei sein wird, das habe ich immer gesagt, dann möchte ich in die USA gehen, in die MLS … und New York ist meine erste Wahl.“


Wenn Thierry Henry den Blick nach vorn richtet, dann blickt er nach New York. Man sieht ihm an: Er freut sich drauf.


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Es gibt Fotos von Henry am Spielfeldrand von NBA-Matches, er mag Amerika, aber wirkliche Prominenz hat er in den USA außerhalb von Fußballkreisen noch nicht erreicht. Die letzten Gillette-Spots liefen überall in der Welt mit Roger Federer, Tiger Woods und Thierry Henry, in Nordamerika wurde Henry durch den Baseballer Derek Jeter von den New York Yankees ersetzt. Erreicht Henry mit den Red Bulls in New York die gesteckten Ziele, wird er zwar kein Yankee werden, aber seiner Popularität in den USA wird das großen Auftrieb geben. Fußball ist dort endgültig auf dem Radar aufgetaucht, keine Frage. „Ich habe die Entwicklung des amerikanischen Fußballs in den letzten Jahren genau beobachtet“, sagt Henry. „Man muss sich nur das Nationalteam ansehen: Schlagen Spanien beim Confederations Cup, verlieren dann das Finale gegen Brasilien – in einem weit engeren Match, als die Brasilianer erwartet hatten –, und jetzt standen sie in Südafrika unter den letzten sechzehn.“ „Manche Leute glauben, dass ich auf Urlaub nach New York fahre. Denen möchte ich etwas sagen: Ich fahre wirklich auf Urlaub nach New York. Immer wieder und sehr gerne. Aber diesmal nicht. Ich fahre als Sportler hin, als Wettkämpfer, der nichts mehr hasst, als zu verlieren. Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, damit wir so erfolgreich sind wie möglich. Ich weiß, wir können nicht jedes Match gewinnen. Aber es schadet nicht, es jedesmal zu versuchen.“ Henrys Stationen bisher: Paris, Monaco, London, Barcelona, jetzt New York. „Nicht schlecht, oder?“, sagt er. „New York ist ein Traum. Ich wollte immer schon einmal dort leben. Dort außerdem spielen zu können, das ist fabelhaft.“ Wirklich zu Hause fühlt sich Weltbürger Thierry Henry auch als New Yorker nur an einem Ort: in der Pariser Satellitenstadt Les Ulis, wo er aufwuchs. Les Ulis ist nicht viel älter als Henry selbst, in den 1970ern aus dem Boden gestampft, um Gastarbeiter in der Nähe des Industrieparks Courtabœuf unter­ zubringen. Les Ulis hat Thierry Henry geprägt. „Als ich das erste Mal übersiedelte – nach Monaco –, war das ein Umzug in eine andere Welt. Und dann musste ich ­jedesmal, wenn ich wieder übersiedelt bin, eine neue Sprache lernen: Turin, London, Barcelona. Zum ­ersten Mal ist das jetzt nicht so. Ich freue mich sehr darauf, nach New York zu gehen.“ Henrys Verbindung zu seiner Heimat bleibt ­unabhängig von seinem Wohn- und Arbeitsort ­aufrecht, und nicht nur in Gedanken: „Wir haben mit meiner Stiftung („The One 4 All Foundation“, Anm.) einen Kunstrasenplatz in meiner Gegend angelegt. Ich konnte ihn nicht persönlich offiziell eröffnen, mit großer Schere und Band, aber ich werde dort bald mal vorbeischauen und das nachholen. Das ist nur der Beginn. Ich wollte dort etwas tun, wo ich auf­ gewachsen bin.“ Später will Henry sogar ganz zu seinen Wurzeln zurückkehren, „in die Karibik, und dort etwas tun …“ Zunächst steht einmal die ganz reale Heraus­ forderung New York bevor. „Ich bin der Neue dort. 38

Okay, ich bin 33, erfahren, habe in Europa gespielt und all das. Aber Amerika, die Major League, das ist neu für mich. Ich habe mir natürlich ein paar Spiele angesehen, nur: Spiele ansehen und selbst spielen, das sind zwei verschiedene Dinge. Ich habe oft gegen Juan Pablo gespielt (Juan Pablo Ángel, der frühere Aston-Villa-Stürmer, jetzt bei den New York Red Bulls, Anm.), hoffentlich wird er mir helfen, meinen Platz im Team zu finden. Genauso wie der Boss. Ich werde nicht mit einem ‚Hoppla, da bin ich!‘ dort auftauchen. Mir ist klar, ich werde mich anpassen müssen.“ Der „Boss“ ist Hans Backe, früherer Co-Trainer von Sven-Göran Eriksson bei Manchester City und dem mexikanischen Nationalteam, ein als kompromisslos geltender Schwede, der seine Mannschaft zu acht


Heroes

Henry gibt sich mit nichts zufrieden, was nicht das Bestdenkbare ist. Für New York heißt das: „Wir gehen auf den Titel los.“

Siegen in den ersten fünfzehn Spielen der laufenden MLS-Saison geführt hat. Das ist nicht schlecht, aber im Vergleich mit Los Angeles Galaxy, die elf ­ihrer ersten fünfzehn Spiele gewonnen haben, und das ohne ihren verletzten Star David Beckham, auch nicht wirklich top. Henry gegen Beckham ist das e­ rste große persönliche Westküsten-Ostküsten-Duell zweier Weltstars seit fünfzehn Jahren, sagen wir: seit Biggie Smalls und Tupac Shakur, den beiden Rappern. Henry, ein großer Musikfan, schmunzelt über den Vergleich. „Wieder diese Rivalität mit David, ja. Es geht in erster Linie um den Sport, um Leistung, darum, unseren Klubs zu helfen, aber diese persönliche Rivalität hat schon auch ihren Reiz. Er Los Angeles, ich New York. So wie früher: er Manchester United, ich Arsenal. Alles, was uns dabei hilft, dass Leute über Fußball reden, ist gut.“ Thierry Henry strotzt vor Ehrgeiz und Siegeswille. Erfolge mit den Red Bulls, sagt er, würden ihm ebenso viel bedeuten wie alle bisherigen. „Ich bin jemand, der immer versucht, die Grenzen auszuloten. Und ich gebe mich mit nichts zufrieden. Wenn ich einen Hattrick erzielt, zwei Assists geleistet habe und dann das Spiel analysiere und eine vergebene Chance sehe, ­einen Fehlpass, zerbreche ich mir darüber den Kopf. Was nicht so gut geklappt hat, meine Fehler, das bleibt mir in Erinnerung, nicht die Erfolge. Das war schon so, als ich noch ein Kind war.“ Thierry Henry gibt sich also mit nichts zufrieden, was nicht das Bestdenkbare ist. Was für New York nur eines heißen kann: „Wir gehen auf den Titel los. Das wird nicht einfach, weil Galaxy nicht schlecht ist, und es gibt noch einige andere Teams, die für den ­Titel in Frage kommen. Außerdem ist das Play-off-System neu für mich. In Europa wirst du Meister, wenn du übers Jahr das beste Team stellst. Hier ist das anders. Wir müssen uns zunächst für die Play-offs qualifizieren, dann gibt es Hin- und Rückspiele … mal sehen, was passiert. Auf jeden Fall werde ich alles geben, damit die New York Red Bulls Meister werden.“ Thierry Henrys Jagd auf den MLS-Titel mitverfolgen? Zum Beispiel hier: www.newyorkredbulls.com Henry im Video-Interview: de.redbulletin.com/thierryhenry

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Robert Stadlober wurde mit siebzehn über Nacht zum Star. Er hat es überlebt, weil er dazugelernt hat. Und weil es für den Schauspieler noch tausend Dinge gibt, die er erleben möchte. Text: Uschi Korda, Bild: Tibor Bozi/Corbis

Name Robert Stadlober Geburtsdatum/-ort 3. August 1982, Friesach, Kärnten Wohnorte Berlin und Wien Beruf Schauspieler und Musiker Karriere Begann mit elf Jahren als Synchronsprecher; erste große Rolle: 1999 in „Sonnenallee“ von Leander Haußmann; Durchbruch: 2000 in „Crazy“ von Hans-Christian Schmid; gründete 2000 die Band Gary und 2004 das Platten­ label Siluh Auszeichnungen u. a. Bayerischer Filmpreis (2001), Nominierung für Deutschen Filmpreis (2001), 3-mal Undine Award (2005 und 2007 Bester jugendlicher Hauptdarsteller, 2007 Publikumspreis) Ist mit seiner Band Gary für den Amadeus-Award 2010 nominiert Web www.siluh.com

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„Wieso legt ein Schauspieler sein sauer verdientes Geld in etwas so Brotlosem wie einem Musiklabel an?“ „Was soll ich sonst damit machen? Mir eine Wohnung kaufen? Einen Sportwagen? Oder mir eine ­Drogensucht zulegen?“ Ganz egoistisch, gesteht Robert Stadlober dann noch, möchte er einfach Spaß haben. Gut, das mit der Wohnung war für ihn immer schon so eine Sache. Nach den ersten Kindesjahren in Kärnten und in der Steiermark landete er mit seiner Mutter in Berlin. ­Seither ist schwer festzumachen, wo er gerade seinen ­Lebensmittelpunkt fixiert hat. Mal war es Hamburg, mal war es Barcelona. „Derzeit habe ich sowohl in ­Berlin ein Zimmer in einer WG als auch in Wien.“ Mit Freunden, versteht sich, weil mit „Post-its auf Joghurtbecher kleben und Putzplänen“ kann er gar nicht. Auch der Sportwagen wäre sinnlos: Stadlober hat keinen Führerschein. Zwei, drei Anläufe habe er schon genommen, sagt er, aber das mit dem Lernen und den Prüfungen sei nie wirklich günstig gewesen. Immer war gerade etwas anderes viel spannender. Also ist er mit dem Fahrrad unterwegs. Früher auch oft mit dem Skateboard, aber das haben ihm die Filmfirmen wegen der Verletzungsgefahr jetzt verboten. Bleibt noch die Drogensucht, die ihm die Klatschpresse immer wieder gerne ohne Beweise unterjubelt. Vielleicht, weil man glaubt, dass einer, der mit 15 die Schule abgebrochen hat und ein etwas exzentrisches Auftreten pflegt, doch ein paar dunkle Punkte haben muss. Auch sein freimütiges Eingeständnis von Panik­ attacken wurde schon bis zu Feinstaub zerschrieben. „Ich war 17, als ich über Nacht berühmt und herumgereicht wurde“, sagt Stadlober und meint den Film „Crazy“ nach einem Buch von Benjamin Lebert. „Da sagt man dann halt, was einem durch den Kopf geht. Und als Pubertierender ist das zuerst ein rebellierendes ,Kaputtmachen!‘.“ Über zehn Jahre ist das jetzt her, und was Star-Rummel betrifft, hat Stadlober gleichaltrigen Kollegen gegenüber einen meilenweiten Vorsprung. Was seine Filmrollen betrifft, kommt selbst manch früher Geborener nicht mit. Stadlober stand

von Klaus Maria Brandauer abwärts nahezu mit sämtlichen Größen der deutschen Schauspielkunst vor der Kamera. Derzeit dreht er für den „Kottan“-Kinofilm mit Udo Samel, Lukas Resetarits und Johannes Krisch. „Ich bin sonst nicht schmähstad, aber wenn sich die drei die Wuchteln zuschieben, hast du Pause. Ganz großes Kabarett!“ Seine Rollen-Entscheidungen, sagt Stadlober, treffe er aus dem Bauch heraus. Lieber mache er bei experimentellen Low-Budget-Produktionen mit als bei hochbezahlten, aber langweiligen TV-Filmen. Leid tue ihm jedoch, dass er es nicht in Michael ­Hanekes „Das weiße Band“ geschafft habe. „Ich wurde nach dem Casting als zu jung abgelehnt. Nachdem ich den Film gesehen habe, verstehe ich das. Trotzdem …“ Eher selten hat man den vielseitig Begabten bislang auf der Theaterbühne erlebt. Immerhin schaffte er es 2006 für Christoph Schlingensiefs „Area 7“ einmal ans Wiener Burgtheater. Nächstes Frühjahr wird Stadlober unter der Regie von Bernd Liepold-Mosser in Franz Kafkas „Amerika“ am Stadttheater Klagenfurt auftreten. Gemeinsam mit der österreichischen Band Naked Lunch, „weil wir ein Brecht’sches Singspiel im besten Sinne daraus machen“. Musik und Schauspiel, eine ideale Kombination für Stadlober. Mit sieben Jahren begann er Geige zu spielen, mit zwölf stieg er um auf Gitarre. Vor zehn Jahren gründete er mit Freunden seine Band Gary, mit der er durch die Clubszene tingelt. „Vor einem Gig bin ich nervöser als vor einer Premiere“, gesteht Stadlober, „weil es nichts gibt, hinter dem ich mich verstecken kann.“ Kein Rausreden auf missglückte Inszenierung oder schlechten Text. Sicherheitshalber wird englisch gesungen, „weil man bei unserem Sound schnell zu komischem Schlagerpop verkommen würde“. 28 ist Robert Stadlober mittlerweile, und man hat das Gefühl, dass es in seinem Berufsleben noch keinen Durchhänger gab. „Doch“, sagt er, „2004 hat es kein einziges Rollenangebot gegeben.“ „Was hast du da gemacht?“ „Ich habe mein Plattenlabel Siluh gegründet!“ Filmstart in Deutschland „Zarte Parasiten“: 9. September 2010


„Durch Glück kann ich mir ein relativ autarkes Lebensmodell leisten.“ Das ist auch das ­Thema von Robert Stadlobers neuem Film „Zarte Parasiten“. Darin versucht ein Pärchen in unserer Gesellschaft auf andere Art zu überleben, indem es Gefühle und Nähe anbietet. Ein Art positive Prostitution.


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Alexander BrJuchankow Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft. Dem Triathleten Alexander Brjuchankow ist die Philosophie von Läuferlegende Emil Zátopek zu wenig anstrengend: Er kombiniert, bloß ersetzt er Fliegen durch Radfahren. Text: Robert Sperl, Bilder: Jiří Křenek

Im Hallenbad von Tábor riecht es wie in allen Hallenbädern. Das Personal arbeitet zwar auch in dieser böhmischen Stadt großzügig mit Schmierseife und Salmiak, doch Badegäste duschen und schwimmen sich eben nicht nur den Schweiß vom Körper. Die jungen Sportler in ihren Trainingsanzügen, die sich mit ihren Sporttaschen durch das Drehkreuz beim Eingang zwängen, stört diese Muffigkeit längst nicht mehr. Auch nicht die feuchte Wärme, die ihnen mit jeder Tür, die sie passieren, heftiger entgegenschlägt. Chlorgeruch sticht in die Nasen. Der Bademeister amtiert in einer Glaskoje, zwei Wasserballtore parken an den Stirnseiten. Von den acht Bahnen im 25-MeterBecken sind zwei durch Leinen abgetrennt: Sperr­ gebiet für normale Schwimmer. Die Sportler beginnen mit ihren Aufwärmübungen, sieben Burschen und ein Mädchen. Arme und Beine wirbeln durch die Luft, verknoten sich, lösen sich wieder, Köpfe kreisen, Muskeln werden gelockert. Die Bewegungen verraten: Hier bereiten sich echte Könner vor, nicht die Neigungsgruppe der Odborná škola, der Berufsfachschule in der Dobrovsk-Straße. Kommandos beenden die Stille. Die Burschen und das Mädchen hüpfen ins Wasser, und dann passieren Dinge, die man hier selten sieht. Egal, welche Lage die Schwimmer einnehmen, Delphin, Rücken oder Kraul: Sie kreuzen durch das Becken wie Schnell­ boote, schieben Bugwellen vor sich her, beschließen jede Länge mit einer eleganten Rollwende. Sie sind ebenso in ihrem Element wie der kleine, rundbäuchige Mann, der kommandiert. Schnurr­ bärtig, sieht er fast aus wie einer von Dschinghis Khans Reitern, hätte er nicht die Stoppuhr in der Hand und trüge er nicht, so wie Olga, seine Assistentin, ­einen russia-Schriftzug auf seinem Shirt. Alexander ­„Sascha“ Fetisow ist der Trainer des Moskauer Triathlon-Teams, das hier in und um Tábor seine Trainings­ wochen verbringt. Heute wartet Wasserarbeit: Vier, sechs, acht schnelle Längen wechseln mit Längen zum Entspannen, Sascha nennt es „Baden“. Das Tempo ist hoch: Es sind 100-Meter-Zeiten von 1:05 Minuten, 42

eine ganze Übungsstunde lang. Um als Fußgänger am Beckenrand mitzuhalten, heißt es zügig ausschreiten. Im Pulk der Athleten, die sich in blindem Verständnis die schmalen Bahnen teilen, schwimmt auch Alexander Brjuchankow. 1,88 Meter groß, 75 Kilo schwer, eindrucksvoll geformter Oberkörper, kräftige, aber flache Brustmuskeln, erstaunlich dünne Arme. Später wundert man sich über seinen weichen Händedruck, doch das täuscht: Der 23-Jährige führt nach drei Rennen die Dextro Energy World Championship Series an, die oberste Triathlon-Kategorie für die olympische ­Distanz: 1,5 Kilometer Schwimmen, vierzig Kilometer Radfahren, zehn Kilometer Laufen, natürlich am Stück. Die Siegerzeiten für die insgesamt 51,5 Kilo­meter ­liegen zwischen 1:50 und 2:10 Stunden, je nach Streckencharakteristik. In Sydney etwa – diesen April wurde Brjuchankow dort Zweiter – wird im Meer ­geschwommen, vor dem Opernhaus, das ist zäher als etwa in London, wo die Triathleten zwei Längen in der Serpentine absolvieren, dem See im Hyde Park. Auch die Rad- und Laufstrecken können es in sich ­haben: Hat etwa in Madrid die Sonne einen guten Tag, verwandelt sie die Radstrecke am großen „Casa de Campo“-Park in eine Tortillapfanne. Schwimmen sei nicht seine Stärke, trotz guter Anlagen, sagt Sascha Fetisow und meint Brjuchankow. Triathleten schwimmen sowieso seltsam, ihr Kopf ragt zu weit aus dem Wasser, weil sie sich ständig orientieren müssen, zudem giert Alexander noch leicht um die Hochachse, verschenkt Energie. In der Trainingsgruppe steht mit Dimitri Poljanski jedoch ein exzellenter Schwimmer, davon profitiert Brjuchankow. Poljanski ist ihm in den World Series knapp auf den Fersen, das würzt das Training zusätzlich. Die Sportler absolvieren Länge um Länge, und der Laie fragt sich: Stehen sich die Triathlon-Disziplinen beim Training nicht gegenseitig im Weg? Bremst nicht die Verbesserung in einer die Fortschritte in einer anderen Disziplin? Fetisow sieht das anders: „Muskeln, die du beim Schwimmen kriegst, verlierst du in den anderen Disziplinen wieder.“

Name Alexander Brjuchankow Geburtsdatum/-ort 12. April 1987, Andropow (das seit 1989 wieder Rybinsk heißt, RUS) Trainiert in Moskau Hobbys Jetzt Ausgehen und Internet, früher Fischen und Pilzesuchen Bisherige Erfolge 2006 Junioren-EM Platz 2; 2007 U23-EM: Platz 1 mit Team, Platz 2 Einzel; Team World Champion (mit Dimitri Poljanski und Wladimir Turba­ jewski), Platz 2 World Cup Edmonton (CAN); 2008 Olympische Spiele Peking, Platz 24; 2009 World Champion­ ship Series Hamburg, Platz 3; EM Platz 3, Unter23-EM Mannschaft Platz 1, Weltrangliste Platz 11; 2010 World Series Sydney, Platz 2, Führender in der World Series nach drei Rennen Ärgert sich nicht, dass auf der offiziellen (englischsprachigen) World-Series-Homepage das y in seinem Namen (Br[y]ukhankov) abhandengekommen ist Web wcs.triathlon.org


HDer a ecrussische rt o i oe n sTriathlet ­Alexander Brjuchankow ist 2010 einer der Domina­ toren der World Series. Überrascht, wie gut er ­diese Saison in Form ist? „Ich habe eine Menge Energie und Gesundheit ­investiert, um dort zu ­stehen, wo ich jetzt stehe.“

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Trainiert werden vor allem Schwimmen und Laufen, während eines Fünf-Tages-Zyklus sind das für ­Brjuchankow etwa 20 bzw. 80 Kilometer. Wege zwischendurch werden per Rad erledigt, etwa die Anund Abreise zum Schwimmbad. Somit hat Brjuchankows Cinelli-Zeitfahrmaschine nach jedem Zyklus 200 bis 240 Kilometer mehr auf dem Tacho. Über den individuellen Ermüdungspegel korrigiert Sascha Fetisow die Trainingspläne, auf Kosten der Intensität, nicht des Umfangs. Die Jahresarbeit beginnt im November und Dezember sportfrei mit Regeneration im Kaukasus-Kurort Kislowodsk. Es folgen zehn Wochen auf Zypern, „wo die Athleten allmählich anfangen, sich zu bewegen“ (Fetisow). Schließlich die Intensivphase, wo der Triathlon Schlafen/Essen/Training den anderen ablöst.

„Die härteste Disziplin beim Triathlon ist das Laufen: Beim Schwimmen und Radfahren kann man sich noch ausruhen.“ Auch in anstrengenden Trainingsphasen wirkt Alexander Brjuchankow so, als könnte ihn nichts aus der Ruhe bringen. Sein neuseeländischer Konkurrent Bevan Docherty vergleicht den Russen mit einem Felsblock, im Rennen und abseits. Teampsychologin Swetlana Sleptschenkowa hingegen nennt das Selbstsicherheit, gewachsen aus guten Resultaten. An der Spitze der Rangliste stehend, fühlt sich Brjuchankow so stark, dass er in Training und Rennen gerne Neues ausprobiert. Und Nervosität? Alexander kann zwölf Stunden durchschlafen, auch ein Talent. Vielleicht ist er auch deswegen immun gegen Selbstzweifel, weil sein um vier Jahre jüngerer Bruder Andrei mit von der Partie ist, ein großes Talent und emotionaler Halt. Geboren und aufgewachsen 44

sind die Brüder in Rybinsk, einer Kleinstadt 280 Kilometer nördlich von Moskau. Klein Alexander will Kosmonaut werden, die Eltern schicken ihren Ältesten aber in den Schwimmklub. Dazu kommen Tischtennis und „Russischer Stil“ (eine Kampfsportart), bis ein Schlüsselbein bricht. Schließlich interessiert Alex­ ander sich für Mehrkampf, der als eine Vorstufe zum Militärdienst in Russland in verschiedenen Varianten populär ist. In Alexanders Fall umfasst er je 100 Meter Schwimmen und Laufen, Luftgewehrschießen, Handgranatenwerfen und 3000 Meter Geländelauf. Den ersten Triathlon bestreitet Alexander mit fünf­ zehn, 2002. Er wird Zweiter, obwohl das geborgte Rad alles andere als ein Sportgerät ist und die Ausrüstung bescheiden: ein ballongroßer adidas-Anzug, darüber ein Fußballshirt, dazu Leggings und Wollsocken: „Ich habe ausgesehen wie ein Rapper.“ Ab 2004 betreibt er nur noch Triathlon, übersiedelt wegen der besseren Trainingsmöglichkeiten nach Moskau, kommt ins ­Junioren-Nationalteam. Seit 2005 übt er mit Fetisow – der übrigens vom maritimen Mehrkampf kommt. Triathlon ist in Russland eine Randsportart, wohl weil sie erst seit 2000 olympisch ist. Es fehlt an Funktionären und solider Aufbauarbeit, erst seit etwa zehn Jahren gibt es mehr öffentliche Aufmerksamkeit und auch staatliche Mittel. Bei Sportfesten, zu denen auch Triathleten eingeladen werden, kriegen die Meister im Gorodki – einem traditionellen Wurfspiel, bei dem man mit einem Holzstab verschiedene, aus fünf Holzklötzchen gebildete Figuren aus einem Feld schlagen muss – bei der Vorstellung vom Publikum noch immer mehr Applaus. Eine olympische Medaille? Das wäre die richtige Antwort für die Ahnungslosen, sagt ­Brjuchankow, „ums Geld geht es mir nicht“. Wann tut der olympische Triathlon zum ersten Mal weh? Brjuchankow: „Bei der ersten Boje.“ Die ist ein Nadelöhr, da kocht das Wasser, jeder sucht den kür-


zesten Radius, „wir steigen da richtig auf die Menschen“ (Brjuchankow). Und die härteste Disziplin? „Laufen – dabei wird alles entschieden. Beim Schwimmen und Radfahren kann man sich noch ausruhen.“ Mit Partner Red Bull ist Brjuchankow seit Ende 2009 unterwegs. Eines der ersten Treffen fand im Diagnostik- und Trainingszentrum in Thalgau nahe Salzburg statt, wo Brjuchankow eine völlig verblüffte Mannschaft hinterließ: Der Russe hatte nahezu alle archivierten Benchmarks egalisiert. Sehen wir ihn bald auch auf der gut viermal so langen IronmanStrecke? Trainer-Assistentin Olga, die außerdem Teammanagerin ist und selbst einmal Spitzen-Triathletin war, schüttelt den Kopf, doch Brjuchankow nickt: „Weil es bisher noch keine Russen mit guten IronmanResultaten gegeben hat.“ Einziges Hindernis: Alex­ ander ist ein Langschläfer, Ironman-Rennen starten jedoch in der Regel am frühen Morgen. Nach dem Schwimmen geht’s zurück ins Quartier. Die Rennorte der Dextro Energy World Championship Series klingen mit Sydney oder London nach Luxus, das Trainingslager ist das schiere Gegenteil. Ein schlichtes Ferienhaus im Wald nahe Tábor, die Zufahrt schlammig, am improvisierten Fahnenmast hängt regenschlapp eine russische Fahne. Das Mondänste ist die Adresse: Stříbrné Hutě, Silberhütten. Im Vorzimmer liegen -zig Laufschuhe bunt durcheinander, auch die Wohnküche zeigt, dass hier ein Dutzend Menschen lebt. Stapelweise Toastbrot, Milch, Joghurt, Teigwaren, Müslischachteln, dazu Honigund Marmeladengläser, doch alles wirkt recht auf­ geräumt: das Verdienst von Olga und Swetlana. Diese Einsamkeit ist ideal, sagt Olga: nicht weit zum Bad, gut asphaltierte Straßen, abwechslungsreiche Laufstrecken im Wald und in einem Stadion, frische Luft und eine zentrale Lage, um Wettkampforte schnell per Flugzeug zu erreichen. Und preiswert: In Russ-

land könnte man sich einen Platz mit ähnlicher Infrastruktur nicht leisten. Einziger Nachteil in Stříbrné Hutě: Das Internet funktioniert nicht, was auf Dauer psychologischen Beistand erfordert. Swetlana Slep­ tschenkowa weiß eine Lösung für das Problem: „Wo­ anders hinfahren.“ Olga hat bereits ein Ersatzquartier gefunden: Organisation ist kein Problem, wenn man wie Olga mit dem Nachnamen Generalowa heißt. Abschluss des Tages, zehn Kilometer per Rad zum Lauftraining. Das Leichtathletikstadion in Tábor, neben dem Hallenbad, besitzt eine gepflegte Tartanbahn. Alexander, Dimitri und die anderen parken ihre Zeitfahrräder an der Laufbahn, ziehen sich um, und los geht’s. Sascha zeigt auch hier den pompösen russiaSchriftzug auf dem Trainingsanzug, während er das Team um die Laufbahn hetzt. Lokale Leichtathleten, die hier trainieren, bleiben ebenso unbeeindruckt wie die Seniorenteams, die ihren regelmäßigen Kick abhalten. Noch vor wenigen Jahren hätte der Auftritt russischer Gäste wohl für eisige Atmosphäre gesorgt. 400 Meter voll, dann 200 Meter mit 85 Prozent, dann wieder 400 voll, fünf Kilometer lang. Davor ein-, danach auslaufen. Brjuchankow kann nicht verbergen, dass er Laufen liebt: Weich setzt er seine Füße auf, raumgreifende Schritte, die Arme pendeln kon­ trolliert. „Schultern tiefer!“, ruft Sascha, sonst hat er nichts auszusetzen. Kilometerzeiten von drei Minuten anscheinend ohne Mühe, das Tempo von Marathon­ spezialisten. Wenn nötig, geht es auch schneller. In Sydney hätte Brjuchankow beinahe noch Sieger Docherty abgefangen, nach einem furiosen Endspurt, sechs Sekunden fehlten. Nach der Ziellinie ging es ihm allerdings fast wie dem idealen Rennwagen, wie ihn Ferdinand Porsche beschrieben hatte: Der fällt nach dem Rennen hinter der Ziellinie auseinander.

Um Weltranglistenpunkte kämpft der Triathlet Alexander Brjuchankow in exklusiver Umgebung – Sydney, Hamburg, London, Madrid, Seoul, Kitzbühel, Budapest. Trainiert wird in weniger glamourösen Gegenden: etwa in Tábor, Tschechien, wo es statt der Hospitality-Zelte eine Gemeinschaftsküche gibt und statt Applaus Trainerbefehle per Trillerpfeife.

Sechste, vorletzte Station der Dextro Energy Triathlon ITU World Championship Series: 14./15. August 2010, Kitzbühel, Tirol

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Die NASCAR Rennen bei ServusTV.

NASCAR Sprint Cup Series 2010 Jeden Montag, 23:00 Uhr

ServusTV. Das ist Ihr neuer Sender aus der Alpen-Donau-Adria-Region. Mit einem Programmangebot, das es in dieser Form auf diesem Niveau noch nicht gegeben hat. Ein Beispiel aus dem Bereich Motorsport: Die Übertragung der NASCAR Rennen aus den USA. Weitere Schwerpunkte sind Sendungen, die die alte Heimat in einem neuen Licht zeigen, sowie die Talk-Sendungen live aus dem Hangar-7, unsere wöchentlichen Diskussionsrunden mit hochkarätigen Gästen zu aktuellen Themen. Besonders hervorzuheben: Beiträge aus der internationalen Musik-, Kunst- und Kulturszene sowie Magazine zu den Themen Kulinarik, Architektur, Design, Wissen, Reisen und Lifestyle. Überzeugen Sie sich selbst, via Kabel, DVB-T oder Satellit. Weitere Informationen zu unserem abwechslungsreichen Programm und alle Fakten zu ServusTV erhalten Sie über unsere kostenfreie Hotline: 0800 100 30 70 oder unter www.servustv.com.

Wir wünschen Ihnen bessere Unterhaltung.


Action Ganz schön was los: Was uns diesen Monat bewegt.

bild: Predrag Vučković for Global-Newsroom

48 Siena im Galopp 58 Jos Pirkner 66 The Comeback Kid 70 Red Bull Air Race in New York

Die Red Bull X-Fighters World Tour trägt ihren ­Namen allein geografisch zu Recht. Nächste Station ist London (hier im Bild), davor war man in Moskau zu Gast (ab Seite 66).


Action

Los geht’s: die Pferde und Reiter beim Palio auf dem Hauptplatz in Siena, der Piazza del Campo.

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action

Siena

im Galopp Für zwei Tage im Jahr setzt die italienische Stadt die Gegenwart außer Kraft und fällt in einen ungezügelten Rausch, auf dem Rücken von zehn Pferden. Text: Norman Howell, Bilder: Niels Ahlmann Olesen

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Action

S

iena, Piazza del Campo, 2. Juli 2010. Es ist Abend, zwanzig ­Minuten nach sieben, und 20.000 Menschen drängen sich auf diesem wunderbaren, muschelförmigen Platz. An dessen einem Ende rangeln neun Pferde und deren Reiter um ihre Positionen, stoßen und bedrängen einander, die Reiter auf dem nackten Pferderücken setzen Knie und Ellbögen ein. Zwei gespannte ­Seile ­begrenzen den Startbereich. Vom hinteren Seil abgetrennt ein zehntes Pferd, nervös wie sein Reiter. Die Menge schaut zu, ­gespannt, aufgeregt. Der mossiere bedient das vordere Seil. Er startet das Rennen, sobald das zehnte Pferd sich durch eine Gasse geschoben hat, die sich neben dem hinteren Seil auftut, und gleichzeitig die ­anderen neun Rösser korrekt postiert sind. Doch noch herrscht Chaos, also zwingt der Mossiere alle Reiter noch einmal aus dem Geviert. Nach einer Runde geht’s zurück. Wieder wird gestoßen und geschubst. Wieder müssen alle heraus. Mal um Mal wiederholt sich dieses Spiel. Der Geräuschpegel der Zuschauer steigt mit jedem dieser Manöver, fällt als Echo zurück auf die Piazza. Letztes Jahr dauerte es zwei Stunden, den Palio zu starten.

50


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Pferde und Reiter formieren sich hinter dem Startseil; der graue ­Araber (Zweiter von links) ist der spätere Sieger aus der Contrada Selva. Ihm gilt der Applaus der ­Menge, ebenso wie den Fahnen‑ schwingern, den Alfieri, die sich hier nach ihrer gelungenen Vorführung erleichtert umarmen.

Ich ahne, woran es liegt: Solange das zehnte Pferd sich nicht korrekt durch die Gasse schiebt und damit indirekt das Rennen startet, ist auch der Mossiere machtlos. Noch ein wesentlicher Faktor beeinflusst offensichtlich den Beginn: Die Reiter scheinen miteinander zu verhandeln, zucken mit den Schultern, schütteln die Köpfe, diskutieren angeregt. Offenkundig geht es dabei um Geld, viel Geld, und solange diese Verhandlungen nicht abgeschlossen sind, wird nichts passieren, wird sich keiner richtig aufstellen, und so lange nimmt auch das zehnte Pferd seine P ­ osition nicht ein. Roberta Ferri leitet die Kommunikationsabteilung der Stadt Siena. Sie steht neben mir auf dem Balkon des Rathauses und zeigt hinüber zu den Reitern, die vom Aufwärmplatz in einem Innenhof im Gänsemarsch zum Startbereich marschieren. „Zehn Meuchelmörder, zehn Söldner“, sagt Ferri. „Hat wohl jeder seine borsa?“ Die Borsa ist eine Tasche, und in diesem Fall nur eine scheinbare, in der jeder Jockey bis zu 300.000 Euro stecken hat, Spielkapital bei den Verhandlungen. „Schau, wie sie sich besprechen“, sagt Ferri. „Sie sind ganz unter sich, kein anderer hört, was sie sich

zuraunen. Ein Tourist denkt vielleicht, dass sie bloß plaudern, aber nein: Sie verkaufen gerade ihre Seele, damit sie gewinnen oder zumindest ein Rivale verliert – oder dass sie einen hübschen Batzen verdienen.“ Und: „Ein ganzes Jahr haben wir auf diese Momente gewartet. Das ist es, was für die Menschen in Siena wirklich zählt. Ich bekomme eine richtige Gänsehaut!“ Und feuchte Augen noch dazu. Was ist der Palio eigentlich? Seine Geschichte reicht zurück ins Jahr 1260. Sienas ­Truppen, verstärkt durch deutsche Söldner und sarazenische Bogenschützen, wurden damals von ­einer Übermacht aus ­Florenz angegriffen. Inmitten eines ­Gegenangriffs der Sienesen hackten meuternde Florentiner Soldaten dem Standartenträger ihrer Truppen die Hand ab. Kaum lag die Fahne, der palio, im Staub, ergriff das Heer der Florentiner die Flucht. Siena obsiegte, und Tausende starben. Seitdem steht der Palio, der Reiterwettkampf der Bezirke Sienas gegeneinander, für die Verherrlichung kriegerischer Fähigkeiten und eines mit allen ­Mitteln errungenen Sieges, für ­Einigkeit im Angesicht des größten Ungemachs. 51


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Siena ist klein, 54.000 Einwohner, und sehr schön. Bevölkert fast nur von Fußgängern und gesegnet mit weichem Licht, einer Ehrfurcht einflößenden Architektur und Reichtum. Die Stadt ist in 17 Bezirke aufgeteilt, die contrade. Jede contrada wählt ihren eigenen Bezirksvorsteher, den priore, und einen Polizeichef, den capitano. Der Priore ist für die Verwaltung zuständig, der C ­ apitano für die Teilnahme am Palio. Seiner Contrada gehört man ein Leben lang an. Die Babys werden dort in einem Brunnen vom Capitano getauft. Die älteren Kinder kümmern sich um die jüngeren, man ist Mitglied eigener Sportvereine und Orden, die mit Trommelspiel und Fahnenschwingen ihre Tradition aufrechterhalten und den kriegerischen Geist dahinter. Fremde sind nicht willkommen: Das ist eine eigene Welt, keine Touristenattraktion. Niels, unser Fotograf, und ich wurden ehrenhalber in die Contrada della Giraffa eingeführt. Und dürfen beim Festmahl am Abend vor dem Palio dabei sein: 1200 contradaioli sitzen vor der Kirche Santa Maria di Provenzano, vier Generationen bei Pasta und Wein. Kinder laufen herum, erbetteln Autogramme vom fantino, dem ­Jockey, beobachtet von Teenagern und eleganten älteren Damen. Junge Männer ziehen umher, skandieren fremdartige Melodien in unbekanntem Rhythmus, alte Lieder von den Kämpfen, welche die Geschichte der Contrade bestimmen. Diese Szene wiederholt sich in den anderen neun Bezirken, die ebenfalls in diesem Palio starten. Alle besinnen sich an diesem

Abend auf ihren Stolz und ihre Tradition, sammeln damit Kraft für die morgige Schlacht. Die Pferde sind inzwischen tief drinnen im Bauch der Contrade versteckt, bewacht von fanatischen Männern, die in ihrer Pflicht aufgehen. Das sind keine charmanten, smarten Italiener, sondern raue Gesellen, tätowiert, mit mächtigen Unterarmen und wildem Blick. Einige dieser Burschen habe ich zufällig zu Gesicht bekommen, als ich zuvor durch den Stadtteil Selva gestreift bin. Plötzlich spuckte da ein Hinterhof eine Handvoll von ihnen aus. Am Zügel führten sie ein wunderschönes graues Pferd, feingliedrig, aber muskulös, nervös und mit wachen Augen. Einige andere Passanten und ich waren im Weg; grob wurden wir zur Seite gedrängt, der Geleitschutz des Rosses leistete ganze Arbeit. Später fand ich heraus, dass dieses englisch-arabische Vollblut Fedora Saura hieß und bei sechs Teilnahmen den Palio einmal gewonnen hatte. Mit nunmehr neun Jahren schien es für ­einen weiteren Sieg zu alt, und auch der Selva-Jockey Silvano Mulas war kein Favorit. 700 Siege auf der Bahn, doch bei den letzten zwei Palios hatte er nicht einmal drei Runden geschafft. Der Capitano jeder Contrada sucht den Jockey aus, auf Basis von dessen bisherigen Erfolgen und danach, was er verlangt. Die Pferde werden vier Tage vor dem Rennen auf folgende Art gefunden: Zuerst müssen alle Kandidaten um den Platz galoppieren, drei Runden oder ungefähr tausend Meter, beobachtet von den ­Capitani. Auch wenn es 17 Bezirke gibt: Nur zehn starten beim Palio (jene sieben, die im Vorjahr nicht dabei waren, plus drei ge­loste), der 2010 am 2. Juli und 16. August gelaufen wird. Die ­Capitani wählen die zehn besten Pferde aus, die daraufhin den zehn Contrade zugelost werden. Das passiert öffentlich, und tausende Contradaioli sind dabei. Freude und Kummer folgen: Der haushohe Favorit des diesjährigen Julirennens ist die Contrada del Nicchio. Ihr Jockey hat bereit elf Palios gewonnen, das Pferd ist der Sieger des Vorjahrs. Diese Kombination kann nicht verlieren, höre ich, und auch, dass Nicchio sehr reich ist … Jedem Bezirk bleiben vier Tage, um Ross und Reiter aneinander zu gewöhnen. Vor allem muss der Reiter herausfinden, wie er das Beste aus dem Tier herausholt, er muss sein Tempo testen, seine Furchtlosigkeit, seine Trittfestigkeit. Das passiert in den prove, den Trainingsläufen, morgens und abends. Bei jeder Prova werden die Pferde im Startbereich unterschiedlich formiert, auch das zehnte, „äußere“ Pferd wechselt. Bereits jetzt treffen die fantini, die Reiter, untereinander Abmachungen. Am Renntag wird die endgültige Startaufstellung gelost und auf ein Blatt Papier

Die Mitglieder der Contrada della Giraffa (oben links und rechts) treffen sich am Vorabend des Palio zum Festmahl und Absingen der Schlachtgesänge. Vor dem Rennen werden die Pferde gesegnet, jedes für sich in einer Kirche der jeweili‑ gen Contrada, während die Fahnen‑ schwinger im Rhythmus der Trom‑ meln für Stimmung sorgen.

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geschrieben. Dieses kommt in einen Umschlag. Ein Polizist trägt diesen, ihn hoch über dem Kopf haltend und damit sichtbar für die ehrfürchtig schweigenden zwanzigtausend auf der Piazza, durch die ­Menge zum Mossiere, der die Startaufstellung verliest. Sind die Namen verlautbart, formieren sich die Pferde zwischen den Seilen neu. Viele Abmachungen, die bis jetzt galten, sind mit einem Schlag hinfällig, also wird aufs Neue gemauschelt, gerempelt, geschoben. Selva hat das Los gleich neben Nicchio platziert. Auch hier wird viel gestoßen, das graue Pferd scheint nicht an das Startseil zu wollen – oder lässt es der Jockey nicht? Parallel zum Startseil steht es da, der Fantino wirft prüfende Blicke auf Pferd Nummer zehn. Raus und rein geht es in das Startfeld, 25 Minuten lang. Die meisten Menschen stehen hier seit vier Uhr nachmittags, jetzt ist es acht. Was für ein langer Tag. Einige Contradaioli sind bereits zu Tagesanbruch gekommen, um sich einen Platz zu sichern. Um sechs Uhr morgens stolperte Niels, unser Fotograf, über ein Pferd, das vor seinem geheimen Stall bewegt wurde, beschützt nur durch zwei stählerne Balken. Ein Mann erschien, die Hände voll mit Frühstück für den Stallburschen und die anderen Helfer. Höflich wollte ihm Niels die Barriere öffnen, doch der Mann ­reagierte zornig: „Finger weg – du hast hier nichts zu suchen!“ Einige Stunden später segnet der Erzbischof von Siena die Reiter, auf der Piazza del Campo. Es fällt auf, dass er den Palio nicht erwähnt, als es um das Banner geht, welches die siegreiche Contrada nach dem Rennen bekommt. Diese Fahne wird für ­jeden Palio neu beauftragt: Die ausgewählten Künstler haben eine Beziehung zu Siena, und es ist eine Ehre, diesen Auftrag ohne Bezahlung auszuführen. Der seidene Banner wird später im Museum der siegreichen Contrada aufbewahrt. Dieses Jahr ist der Maler ein Libanese, Ali Hassoun, der als Flüchtling nach Siena gekommen war. Nach einem Studium an der städtischen Akademie wurde er berühmt. Hassouns Gemälde zeigt die Jungfrau Maria, mit nahöstlichen Gesichtszügen, über ihr eine Sure aus dem Koran, die sie preist. Unter ihr erschlägt der heilige Georg den Drachen: Georg war 1260 der Schutzpatron der deutschen Söldner – und die Anwesenheit der sarazenischen Bogenschützen stellt Hassoun durch eine Kufiya dar, das arabische Kopftuch für Männer, das Georg anstelle eines Helms trägt. Der Erzbischof ist wenig glücklich über diesen nicht eben katholischen Zugang. Der Bürgermeister, der das Banner in Auftrag gegeben hatte, wies jedoch die Kritik des Geistlichen zurück, und die gesamte Stadt hatte daraufhin einigen Gesprächsstoff. Um drei Uhr nachmittags sind wir zurück in der Contrada della Giraffa. Wir bahnen uns einen Weg in eine Kapelle, wo das Pferd vom Gemeindepfarrer gesegnet wird. Auch hier sind Fremde nicht gern gesehen. Die kleine Kirche ist brechend voll, als das Tier von der üblichen Schar seiner Bewacher hereingeführt wird. Dann wird die Segnung feierlich vollzogen, und der Priester gibt dem Ross etwas mit auf den Weg: „Kämpfe – und komme als Sieger zurück!“ Das Tier zeigt sich unbeeindruckt vom Lärm, dem Geruch von Weihrauch, dem seltsamen Menschen, der ihm Dinge ins Ohr flüstert, und vom anschließenden Gegröle und Gesinge, die es auf dem Weg zurück in den Stall begleiten. Vor der Kirche üben zwei Fahnenschwinger, ausgesucht von der Contrada, noch einmal ihre Kür. In ihren mittelalterlichen Kostümen schwenken diese alfieri ihre Fahnen zu komplizierten Mustern durch die Luft, begleitet vom Wirbel der Trommeln. Am Ende ihrer Vorführung schleudern sie die Fahnen in die Luft und fangen erstaunlicherweise jeweils die des Gegenübers mühelos auf. Kaum sind sie fertig, begräbt die Menge sie unter sich, Frauen küssen sie, Männer umarmen sie, ein wunderbares Durcheinander, und es darf natürlich geweint werden. 54


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Das Banner f端r den Sieger, der Palio (oben links), wird jedes Jahr neu gestaltet. Vor dem eigentlichen Rennen paradieren die Carabinieri rund um den Platz (links und oben rechts), unter dem Jubel der Massen.

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Freude und Erleichterung unter den Contradaioli von Selva, als ihr Pferd zum Sieg galoppiert. Unten links: Die Tiere erreichen eine Schlüssel‑ stelle des Rundkurses, die mit ge‑ polsterten Absperrungen gesichert ist. Während der sieg­reiche Jockey auf den Schultern davongetragen wird, diskutiert man in den Bars der Stadt vor dem Fernsehgerät zum x‑ten Mal den Rennverlauf.

Weiter geht es zur Piazza del Campo, wo um 15.15 Uhr eine Gruppe Carabinieri in die Bahn reitet, großartig formiert, aufrecht im Sattel, der leibhaftige Stolz. Eine Runde, zwei Runden, der Lärmpegel steigt, es liegt was in der Luft. Der Carabiniere an der Spitze zieht den Säbel, beschleunigt sein Pferd in den Galopp und reitet eine Attacke, die blanke Waffe über der Mähne seines Pferdes. Zwanzigtausend brüllen aus voller Kehle, die Piazza wacht auf unter diesem kriegerischen Geschrei. Die anderen Carabinieri folgen ihrem Anführer: So muss die Kavallerie angegriffen haben, prachtvoll und furchterregend. Danach beginnt der historische Umzug, zwei Stunden lang defiliert er vorbei. Prunkvoll kostümiert, egal ob Fahnenschwenker, Trommler, Pagen, Bogenschützen und Schwertkämpfer, alle marschieren unter dem Geläute der Glocke, die oben im Torre del Mangia hängt, dem Turm, der die Piazza del Campo dominiert, 102 Meter hoch und über 500 enge Stufen zu erklimmen. Jetzt versammeln sich die Pferde erneut am Startseil. Ich beobachte das Pferd von Selva, „mein Pferd“, das ich Abend kennengelernt habe. Das von Nicchio, der klare Favorit, steht gleich daneben. Der Lärm ist längst ohrenbetäubend, schließlich fällt das Seil, und los geht’s. Die eine Seite der Piazza hinunter, jäh rechts herum in eine kurze Gerade, dann eine 90-Grad-Kurve. Dies ist die einzige Stelle, wo eine Art Schutzwall aufgerichtet ist. Weiter geht es geradeaus, leicht bergauf, hin zu der Ecke, wo ich stehe. Wieder scharf nach rechts, und ein Pferd scheitert bei dieser

Übung. Ross und Reiter krachen gegen eine hüfthohe Barriere, hinter der hunderte Menschen sitzen. Das Pferd kommt wieder auf die Beine, der Jockey bleibt benommen am Boden zurück. Hände strecken sich ihm entgegen, schon wird er über die Bar­ riere gezogen. Gerade rechtzeitig, denn da kommt die wilde Jagd erneut vorbei. Die ersten vier meistern die Kurve unversehrt, auch die von Selva und Nicchio, doch das reiterlose Pferd rammt die kurveninnere Absperrung und stürzt, Hals über Kopf. Das Pferd des Giraffa-Bezirks kann nicht mehr ausweichen, auch zwei weitere Tiere müssen zu Boden. Das alles passiert rasend schnell – überall sind plötzlich Pferde, Reiter, Zügel, Hufe. Wieder streckt die Menge ihre Hände aus, greift sich, was sie kriegen kann. Drei Pferde stehen wieder auf, das vierte bleibt liegen, die Beine in die Luft gestreckt, Kopf und Hals seltsam verrenkt. „Nicht das Pferd! Bitte nein!“, schreien die Menschen rund um mich. Da kommt auch schon wieder das verbleibende Feld, stürmt am gestürzten Pferd vorbei, das sich noch immer nicht bewegt. Längst ist ein Mutiger über die Bande gesprungen, die wilde Reiterei ignorierend. Er schnappt sich den Schweif des hingestreckten Tiers, reißt wild daran, mit aller Kraft, und erstaunlicher­ weise springt der Gaul auf, schüttelt seine Benommenheit ab und sprengt davon. Selva ist inzwischen Zweiter und attackiert auf der Start-ZielGeraden. Es geht leicht bergab, und Jockey Silvano Mulas schließt mit seinem Grauen zum Führenden auf. Der solcherart bedrängte Fantino, der die meiste Zeit des Rennens geführt hat, wird sich nicht ohne Kampf geschlagen geben. Und wie er kämpft, er drischt mit seiner Peitsche auf das Selva-Pferd ein, auch Mulas kriegt sein Teil ab, und der entnervte Jockey lässt erst von ihnen ab, als der Graue vorbeigestürmt ist und gewinnt. Das Rennen ist aus. Tausende Menschen springen über die Absperrungen, um ihre Pferde und Reiter zu bejubeln oder zu trösten. Immer noch liegt Spannung in der Luft, man holt sich leicht eine blutige Nase, weil jeder rennt, um den einen Moment zu erleben, in dem hundert Hände den Sieger vom Pferd heben und ihn zurücktragen in seinen Bezirk, seine Contrada, wo dann gefeiert wird, die ganze Nacht. Das war’s. Zumindest bis zum August, wenn alles wieder von vorn beginnt. Ein großartiges Spektakel voller Tiefgang, Pathos und List. Ganz sicher kein Sport. Und auch gewiss nicht ehrlich. Aber wie schrieb einst John Lyly, ein englischer Dichter des späten 16. Jahrhunderts: „The rules of fair play do not apply in love and war.“ Siena stimmt zu, voll und ganz. Mehr über das traditionsreichste Pferderennen Italiens unter www.ilpalio.org und www.aboutsiena.com

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The Art of Energy Jos Pirkner und seine fabelhafte Schau von Kraft und Bewegung. Text: Herbert Völker, Bilder: Jürgen Skarwan


Name Jos Pirkner Geburtsdatum/-ort 2. Dezember 1927, Sillian, Osttirol Wohnort Tristach bei Lienz, Osttirol Beruf Bildhauer Erfolge Zahlreiche internationale Ausstellungen, Werke in Museen, Großplastiken in Europa und Amerika. Schöpfer der Trophäen zu den World Sports Awards („Ikarus“) und den World Stunt Awards („Taurus“). Work in progress Gesamtleitung „Kunst und Architektur“ für den Red Bull-Firmensitz in Fuschl. Größte Bronzeplastik Europas (Bullen­herde) Web www.jos-pirkner.at

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Wie Jos Pirkners Tafelbild zur dritten Dimension führt. Aus der Spontaneität des Zeichnens ergab sich für den Schüler der Berufswunsch Maler. Nach dem Abdriften zur Bildhauerei ist es ihm unverändert wichtig, sich auch in der Malerei auszudrücken. Die Darstellung von Bewegung in der Skulptur wird dadurch noch einleuchtender in jedem Detail.

Von der Gilde der bulgarischen Schafhirten abgesehen, sagt man den Berufen des Dirigenten und des Bildhauers die höchste Fitness-Quote bis ins hohe Alter nach. Die Herrschaften werden jenseits der achtzig erst so richtig lebendig. Für die Musiker mag er nicht reden, sagt Jos Pirkner, aber für die Bildhauer kann er schon sagen, dass Körper und Geist gleichermaßen so beansprucht werden, dass keiner davon je aus dem Training kommt. Das könnte für gesunde Lebens­ haltung stehen, trotz zu viel Zigaretten und zu wenig Schlaf. „Zuerst die Hirnarbeit, dann vierzig Tonnen Lehm“, sagt der Künstler, „das eine ist sinnlos ohne das andere.“ Vierzig Tonnen Lehm, wirklich? Mit wie vielen Gehilfen? Geholfen werde ihm beim Hereinschleppen ins Atelier, und da ist zuerst das Eisengerüst zu machen mit dem, was er Hasengitter nennt, Leiter rauf, Leiter runter, da müssen aber schon längst die Proportionen erkannt, skizziert und umgesetzt sein, so viel also zum Hirn. Dann eben die appetitlichen 20-Kilo-­Packungen, wie sie vom Lehmfabrikanten seines ­Vertrauens aus Italien kommen, es addiert sich auf zweitausend ­Ladungen im Lauf der Zeit. Dann geht jeder einzelne Batzen Lehm durch seine Hände, wird ans Gitter des Metallgerüsts geklatscht, modelliert, geklopft, strukturiert oder geglättet, mit einem Stück Holz als ein­ zigem Werkzeug. Und wenn die fertige Bronze – Teil für Teil eines riesigen Ensembles – aus der Gießerei kommt, geht die Oberflächenbehandlung los, das ­Feilen, das Schleifen, das Schweißen und Flexen. Ende nächsten Jahres wird die Bullenherde fertig sein und damit das „Architektur und Kunst“-Thema der Red Bull-Firmenzentrale in Fuschl abschließen. Es wird die größte Bronzeplastik Europas sein, nicht aus Absicht, es wird sich bloß nicht vermeiden lassen. Dies schon ­wegen der ganz normalen Mächtigkeit der Viecher, die da als Symbol für Energie aus einem Vulkan ins Freie drängen, hinterdrein die Lava, wenn man so will. Denn der Übergang zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion ist fließend, wie immer bei Jos Pirkner, drum braucht man gar nicht zu versuchen, ihm ein Etikett aufzupicken, er steht für sich selber. Bei der bisher größten Werkschau des Künstlers (sie läuft den ganzen August über im Salzburger Hangar-7) werden zum ersten Mal zwei der insgesamt vierzehn Bronzebullen zu sehen sein – Kunst auf der Höhe unserer Zeit, geschaffen aus teilweise uralter Technik mit archaisch anmutenden Ritualen, wenn etwa bei der Berliner Traditionsgießerei Noack das auf zwölfhundert Grad erhitzte Metall in die Form fließt. Die Noacks, in vierter Gießer-Generation, ­nennen sich eine biodynamische Gießerei, alle Formstoffe kommen ohne umweltbelastendes Material aus. Selbst das verdächtig anmutende Silikon zerfällt wieder in sauberen Sand, ein leicht irritierender ­Gedanke für die Errungenschaften der Schönheitschirurgie, aber dort wird das hoffentlich irgendwie anders funktionieren.

jos pirkner

Jetzt im Hangar-7

Die Ausstellung „Material, Form und Raum“ im Salzburger Hangar-7 (ab 31. Juli) eröffnet einen Rundumblick auf das Werk der jüngeren Zeit, mit Zitaten aus den frühen Tagen. Pirkner hatte seine künstlerische Ausbildung als Bildhauer in Graz und Salzburg, ging nach Holland, schuf Skulpturen in Silber, Bronze, Glas, hatte auch rasch Erfolge mit mächtigen Formaten in Europa und Amerika. Zurück in Osttirol, entwickelte er sein fabelhaftes Talent zur Körperdarstellung, Thema Akt oder Extremsportler, zwei- oder dreidimensional, als skizzierte Idee oder monumentale Plastik. Die Durchlässigkeit zwischen Gegenständlichem und Abstraktion erklärt sich aus dem Werk, da bedarf es keiner Theorie. Mit den Trophäen für „World Sports Award“ und „World Stunt Award“ schuf er eine neue Qualität für Sinnbilder einer wertvollen Auszeichnung. Zu Pirkners Weltbild passt es, Architektur als Fortsetzung der Bildhauerei zu sehen, mit anderen Mitteln und anderer Maßstäblichkeit. Ohne kitschige Verzärtelung, mit aller logischen Strenge des Materials, aber doch Kunst darstellend, innen wie außen. Die aktuelle Steilvorlage im Lastenheft des Künstlers: das schönste Bürogebäude der Welt zu schaffen. Auch hier gibt die Ausstellung im Hangar-7 den Blick frei auf die Mittel und Wege des Vorhabens. Zwei mächtige Bronzegüsse, herausgegriffen aus der fortschreitenden Arbeit, sind beste Beispiele für die Vernetzung von Architektur und Bildhauerei im Schaffen Jos Pirkners.

Gala in Hollywood: Dietrich Mateschitz und Jos Pirkner feiern den Erfolg des Taurus-­ Auftritts. Links die Ikarus-Statuette für den World Sports Award.

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Die Fitness des Bildhauers: die Schinderei des Berufs als Wellnessprogramm.

Die Handarbeit des Modellierens ist die Königsetappe eines langen Ablaufs mit fließenden Zeitvorstellungen.

Gewaltige Dimensionen und technischer Aufwand in Eisen, Lehm und Bronze: Am Anfang und am Ende steht immer die Kunst, von der ersten Vorstellung des Bildhauers bis zur letzten Facette im Bronzeguss.

Bei seiner Begeisterung für die Bullenherde geht Jos Pirkner das Herz auf, und zwar bergwerkmäßig. Es ist, und er sagt das ganz langsam, die wichtigste Arbeit seines Lebens. Aus dem Vulkan von Fuschl werden die Büffel als Symbole der Energie aus den Elementen Feuer, Erde und Wasser herausbrechen, zum Kunstwerk erstarren, aber aus Licht, Perspektive und Wasserspiel immer wieder frische Deutung finden. Und Bewegung sichtbar machen. Das ist sowieso das Momentum der Pirkner’schen Kunst: Bewegung. In der Bewegung, sagt der Jos mit den jugendlich blitzenden Augen, hab ich meine vierte Dimension der Bildhauerei gefunden. Je mehr einer von Anatomie und Zeichnen gelernt hat, umso eher wird er Sicherheit in der Darstellung der Bewegung haben, um sie dann auch in die Abstraktion zu führen, wenn er so will: „Meine Bullenherde hat mit der echten Anatomie eines Bullen nichts zu tun. Das ist ein anderes Formenspiel, aber am Ende ist der Bulle doch deutlich erkennbar. Es geht um die Darstellung der Kraft, und die ist im gespannten Rücken, in den Schultern. Das Ineinander der Bullen in der Gruppe kann letztendlich als Lava ­gedeutet werden, die dem Energieausbruch eines Vulkans entspringt.“ Jetzt ist das Einserthema der beflissenen Gemeinschaft nicht mehr vermeidbar: Wie zeitgemäß ist ­figurale Kunst, noch dazu in mächtigen Formaten? Jos Pirkner: „Mit ‚Alles ist Kunst‘, ‚Gartenzwerg ist Kunst‘ kann ich nichts anfangen. Ich hab einen Künstler gekannt, der hat eine weiße Leinwand zehn Tage lang angeschaut, dann hat er einen Punkt draufgehaut und geheult, aaah, jetzt hab ich mich gefunden.“ „Oder wenn einer drei Striche auf eine Leinwand malt und nennt es ‚Spaziergänger im Walde‘ – soll das zeitgemäß sein? Es werden Namen geschaffen, 63


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„Gartenzwerg ist Kunst“, „Alles ist Kunst“, damit kann ich nichts anfangen. Namen gepusht, Namen verkauft. In Berlin gibt es fünfhundert Galerien, aber so viel Kunst für fünfhundert Galerien gibt’s ja gar nicht, das ist unmöglich.“ „Ich fühle mich hundertprozentig zeitgemäß, für heute und morgen, in dem Sinn, dass es niemals schaden kann, wenn Kunst auch handwerklich zu meistern ist, in der Malerei, in der Bildhauerei, in der Architektur. Vom ‚Künstler‘ ist es zum ‚Künsteln‘ nicht weit, da ist mir meine Berufsbezeichnung ‚Bildhauer‘ schon lieber, so wie man ja auch früher den diffusen Begriff Künstler nicht verwendet hat. Es gab den Meister Michelangelo, den Meister Rembrandt. In dieser Tradition von Schöpfung und Handwerk kann ich mich erkennen, als winziger Punkt, fröhlich und voller Kraft, um zeitgemäß etwas zu schaffen, das auch morgen gilt, und übermorgen.“ *

Die mit den Hufen scharren, einer von vierzehn, so riesengroß. Ohne Finesse im Kleinen wäre die Monumentalkunst nicht so glaubwürdig. Die Skulpturengruppe der Bullenherde wird einem Landmark-­ Ensemble von Kunst und Architektur den entscheidenden ­Akzent geben.

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Jos Pirkner ist Maler, Bildhauer und Architekturkünstler, seine klassische Ausbildung kommt aus Bildhauerei und Goldschmiedekunst. Sein Fokus, heute, sind die Skulpturen, und sein weites Land ist die Architektur. Wie kann sich ein Mensch in den unterschied­ lichen Disziplinen ausdrücken, wie läuft da der rote Faden? Die Zeichnung sei der Beginn von allem, dort ­entstehe der Raumbegriff für die Plastik und das ­perspektivische Denken der Architektur. Dass er keine klassische Ausbildung als Architekt genossen hat, sieht er als Glücksfall seiner Karriere: „Sonst säße ich heute hinter einem Computer und würde eine ­Architektur entwerfen, die an Normen gewöhnt ist. Normen für Türen, Fenster, Türschnallen, Normen für Foyers und Bürogänge, für Ausblicke und Deckengestaltung.“ Wir wollen das Thema nicht zerreden noch vor der Fertigstellung dessen, was in aller gebotenen Bescheidenheit das „schönste Bürogebäude der Welt“ werden soll, Kunst und Bau und Funktion, mit Landschaft, Garten oder See, von Grund auf ausgestattet mit der Möglichkeit zum Aufwendigsein, zur Groß­ zügigkeit von Dimensionen und Material. Immerhin gibt die Jos-Pirkner-Werkschau im Hangar-7 eine gute Idee vom gesamtheitlichen Konzept des Künstlers, von den Vulkanen bis zur Neuerfindung des ­Details, von kitschfreier Landschaftsarchitektonik – mit Wasser, klar in diesem Umfeld. Und, als Höhepunkt, wie die Skulpturengruppe der Bullenherde diesem Landmark-Ensemble den entscheidenden ­Akzent geben wird. * Pirkner ist ein ganz richtiger Osttiroler. Das Elternhaus in Lienz war eine Bombenruine, aber man hatte überlebt. Jos erzählt gern, wie die Liebe seiner Eltern ihn prägte.

Der Junge wollte Maler werden, blieb in der Kunstgewerbeschule bei der Metallplastik hängen und damit an der Knochenarbeit des Metalltreibens, einem Hammer-Job neben aller Finesse des Kunsthandwerks. Zur weiteren Ausbildung durfte er an die berühmteste Goldschmiede Hollands – und kam das nächste Vierteljahrhundert nicht mehr los von den Niederlanden. Pirkner absolvierte die Akademie, wurde selbständig und wuchs immer mehr ins dramatische Fach der Bildhauerei, hatte rasch Erfolg, Aufträge in Amerika und Europa, smarte Kleinodien und mächtige Formate. Jos heiratete Joke, seine holländische Liebe. Als dann 1978 Sohn Gidi auf die Welt kam, konnte sich Jos nicht vorstellen, dieses Kind später, heranwachsend, der holländischen Drogenszene auszusetzen. Damals gab’s wohl wirklich das düsterste Szenario in dieser Hinsicht. Zeit zum Einpacken, heim nach Tirol. * Pirkner baute sein Atelier direkt an der Drau in ­Tristach, drei Steinwürfe von Lienz. Die Kombination des wiedergefundenen Tirolerischen mit der längst gesicherten Weltläufigkeit tat den Werken des Künstlers zusätzlich Gutes. Auffallend das Spektrum: Er malte in der Leggerezza des flüchtigen Augenblicks, schuf zarte Skulpturen in Silber, Bronze, Glas, dann griff er monatelang ins Volle und errichtete gewaltige Plastiken wie am Felbertauern, in Pittsburgh, Long Beach, New Jersey, Brunnenlandschaften für Innsbruck, Rotterdam, viele Dutzend weitere Werke, das Verzeichnis ist kolossal. Mit dem Kunstbetrieb hatte Pirkner nichts im Sinn, trotzdem holten ihn alle erdenklichen Ehrungen ein, und Fachleute erkannten etwa das ihm eigene Gefühl „für die anatomische Wertigkeit, ausgehend von der renaissancehaften Idealität des menschlichen Körpers“ und viele andere gescheite Reflexionen. Statt „anatomische Wertigkeit“ kann man auch Pirkners fabelhaftes Talent zur Körperdarstellung nennen, Thema Akt oder Extremsportler, zwei- oder dreidimensional, als skizzierte Idee oder monumentale Plastik. Man wird viele dieser Objekte in der Hangar-7-Werkschau sehen. Vor etwa zwölf Jahren funkte es bei einem zufäl­ ligen Treffen mit Dietrich Mateschitz. Der Unter­ nehmer liebte auf Anhieb Pirkners Malerei, seine Skulpturen, die brachiale Durchsetzung seiner Unangepasstheit und überhaupt das ganze querschädelig Tirolerische in den Ansichten des Meisters. Die beiden wurden Freunde, wie spielfreudige Jungs mit abwech­ selnden Steilvorlagen aus Kunst und dem draußeren Leben. Pirkners mächtige Trophäen für den „World Sports Award“ in London, dann die Taurus-Statuetten für den „World Stunt Award“ in Los Angeles, ab 2001, wurden internationale Hits und bestimmten eine neue Qualität für Sinnbilder einer Auszeichnung – nun schon klassische Marksteine für die aktuelle Ausstellung „Material, Form und Raum“ im Hangar-7. Das Kunstbuch „Jos Pirkner. Material, Form und Raum“ (Collection Rolf Heyne) ist im Hangar-7 erhältlich; hangar-7.com


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The Comeback

Kid Er tauchte als Sensation auf, stürzte böse ab – und feierte in Moskau ein triumphales Comeback an der Spitze der Red Bull X-Fighters: Levi Sherwood, gerade mal achtzehn.

Später Nachmittag, immer noch 30 Grad in Moskau. Der Rote Platz brütet. In einer Ecke ein paar russische Soldaten, außer Dienst, die Knöpfe an ihren schweren Wolljacken gelockert, sie fotografieren ­einander vor den Kuppeln der Basilius-Kathedrale, die aussehen wie riesige schuppige Kegel. Dahinter eine Gruppe japanischer Touristen, die die Objektive ihrer Kameras zuerst den Sehenswürdigkeiten des Roten Platzes zuwenden … um dann in deutlich hörbares Staunen über eine ganz neue, kathedralenhafte Kons­truktion auf dem Roten Platz zu verfallen. Es sind Tonnen von Erde und Stahl, die da allmählich Gestalt annehmen, sie formen sich zu einem riesenhaften Spielplatz für zwölf der weltbesten Freestyle-Motocrosser. Noch drei Tage, dann werden sie vor 40.000 Fans um den Sieg fliegen, im Rahmen der Red Bull X-Fighters World Series, die in den vergangenen zehn Jahren zum härtesten Test im Freestyle-Motocross geworden ist. Noch ist es in der Arena ruhig, nur das Klirren und Dröhnen der Bagger ist zu 66

­ ören, die den Kurs wie roboterartige h Bildhauer modellieren. Ruhe herrscht auch im Fahrerlager, die Fahrer haben sich im Schatten verkrochen, ­manche schrauben an ihren Bikes, andere prägen sich mit geschlossenen Augen den Kurs ein und die Abfolge der Tricks während ihrer Läufe. Auch Levi Sherwood hat sich in eine Ecke des Fahrerlagers zurückgezogen. Der Neuseeländer ist eines der größten Versprechen des Sports. Gerade mal achtzehn Jahre alt, aber schon mit der Abgebrühtheit und Erfahrung eines Routiniers ausgestattet: Sherwood springt mit seinem Bike, seit er zwölf ist, bereits als Vierzehnjähriger nahm er in Australien an der professionellen Crusty Tour teil. Als sich im Vorjahr Jeremy Stenberg verletzte, bekam Levi die Chance, kurzfristig beim Eröffnungsbewerb der Red Bull X-Fighters World Series in Mexico City einzuspringen. Es war eine ganz neue Herausforderung: Der Druck bei den Red Bull X-Fighters ist größer, die

bild: Balazs Gardi for Global-Newsroom

Text: Justin Hynes


Print 2.0

de.redbulletin.com/print2.0 Die Red Bull X-Fighters erobern Moskau.

Levi Sherwood und sein Moment des Triumphs: Der AuĂ&#x;enseiter, der Rookie, der Herausforderer schlägt den Superstar.


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Highlight in Mexiko, da waren aber auch ziemlich viele Tiefs. Ich habe das Jahr in London auf einem ganz guten Platz abgeschlossen, damit war ich auch happy. Aber insgesamt war es so: Wenn ich nicht gerade Bewerbe wegen einer Verletzung auslassen musste, habe ich mir beim Antreten eine neue Verletzung zugezogen.“ Im März stieg Sherwood erstmals wieder auf ein Motorrad. Ein Neustart, der ­irgendwann mit dem Red Bull X-FightersTitel gekrönt werden soll. „Ab dem ersten Moment auf dem Bike hatte ich wieder das Gefühl, und eigentlich auch auf Anhieb das Niveau, das ich vor der Verletzung hatte – zumindest was die Tricks betrifft“, war er erleichtert. „Es gab da aber eine leichte Verunsicherung, ich war nicht hundertprozentig ­sicher, was die Maschine im nächsten Moment machen würde. Und diese Sicherheit ist das Wichtigste. Nur wenn du sie hast, fährst du mit dem Bike, nicht das Bike mit dir.“ „Wenn ich längere Zeit keine Backflips mache, bekomme ich es zu Beginn schon

Levi Sherwood, 18, hat schon eine Menge erlebt auf dem Bike. Irgendwie sieht man das in seinem Blick.

Levis Griff an den Sitz Wer bei den Red Bull X-Fighters mithalten möchte, kämpft nicht nur gegen die besten FMXer der Welt, sondern auch gegen die Schwerkraft … und seine Nerven. Welcher Trick kostet Levi Sherwood die größte Überwindung? Der Seatgrab Flip. Und so geht er: „Grundsätzlich ist das ein Backflip, bei dem du den Sitz mit einer Hand hältst und die Beine wegstreckst – 15 Meter über dem Boden. Wich­ tig ist, dass du die Füße noch am Bike hast, be­ vor du nach dem Sitz greifst. Wenn du das nicht tust, verlierst du das Bike. Ich weiß das des­ wegen so genau, weil ich es selbst ausprobiert habe. Als Nächstes ziehst du am Lenker, mit ­Gefühl, und lehnst dich zurück. Du nimmst eine Hand vom Lenker und greifst zwischen deinen Beinen nach dem Sitz. Zu diesem Zeitpunkt hast du ungefähr ein Viertel der Drehung hinter dir, dein Gesicht zeigt zum Himmel. Sobald du das Gefühl hast, das Bike gut im Griff zu haben, kannst du die Füße wegziehen. Das Bike fällt dann von dir weg, während du weiter rotierst. Dann versuchst du, deinen Körper gut durchzu­ strecken, das sehen die Judges gerne. – In der Vorbereitung der Landung musst du all dein Kör­ pergewicht auf die Hand legen, die den Griff hält. Wenn du dein Gewicht auf die andere Hand ver­ lagerst, die den Lenker hält, dann drehst du ihn … und das ist definitiv nicht das, was du willst. Es ist extrem wichtig, dass der Lenker während der gesamten Rotation gerade bleibt. Du stellst dann die Füße zurück auf die Fußrasten, greifst auch mit der zweiten Hand an den Lenker und landest das Ding. Wenn du alles richtig gemacht hast, landest du’s auf beiden Rädern. Der Seatgrab Flip ist eine große Sache für mich. Ich bin ihn am Beginn des Jahres einmal gestürzt, dann hatte ich sehr lange großen Res­ pekt davor. Es war echt eine riesige Überwindung, ihn erstmals wieder zu versuchen.“ Bilder: Jörg Mitter for Global-Newsroom, Predrag Vučković for Global-Newsroom

Konkurrenz härter, die Blicke der Juroren strenger als bei jedem anderen FMX-Wettkampf. Und bei seinem ersten Antreten gelang Levi nicht weniger als der Sieg. Ein unglaubliches Debüt. Die Experten überschlugen sich in Prognosen für den Shootingstar. Für den damals Siebzehnjährigen, der bei seinem ersten Antreten Größen des Sports wie Robbie Maddison oder Nate Adams spielend leicht hinter sich gelassen hatte, schien alles möglich. Es ist immer noch möglich, dass Sherwood den FMX-Sport auf Jahre dominiert – aber er tut es noch nicht. Der Grund dafür? Ganz einfach: Eine Serie leichterer Verletzungen folgte auf seinen Triumph in Mexiko. Kurz nachdem sich der Amerikaner Nate Adams beim Saisonfinale in London den Weltmeistertitel gesichert hatte – Sherwood landete in London auf Rang zwei –, setzte den neuseeländischen Rookie eine schwere Knieoperation außer Gefecht … für sechs Monate. „Das letzte Jahr war ziemlich durchwachsen“, meint Sherwood. „Da war das


Moskau, Roter Platz, Stopp 3 der Red Bull X-Fighters World Tour 2010. Levi Sherwood kehrte auf den obersten Podestplatz zurück.

Bild: Jörg Mitter for Global-Newsroom

„Ich habe mir von BMX-Bikern einen neuen Trick abgeschaut. Ich bin zu 90 Prozent sicher, dass er klappt … zehn Prozent sagen mir, dass er nicht funktioniert.“ mit der Angst zu tun“, fügt er hinzu. „Aber dann kommt irgendwann der Punkt, wo ich sie einfach springe. In diesem Jahr war der Punkt nach Ägypten erreicht. Ich bin einfach rausgegangen und zehn in Folge gesprungen.“ Die Serie steht in ihrem zehnten Jahr, längst etabliert als bedeutendste FMXTour der Welt. Der Druck, neue und immer schwierigere Tricks zu erfinden, ist immens. Es ist wie ein Wettrüsten: Die Fahrer testen wochenlang ihre neuen ­Ideen in sogenannten Schnitzelgruben, speziell mit Schaumstoff gefüllt – so lange, bis der Trick bereit ist, im Wettkampf gezeigt zu werden. Sherwood spürt den Druck, immer spektakulärere Tricks zeigen zu müssen – aber sieht ihn als Motor der Entwicklung des Sports. „Immer dasselbe zu machen ist langweilig“, lächelt er. „Ich versuche gerne, neue Dinge auszuprobieren. Im Moment habe ich gerade eine Idee, von BMX-Bikern abgeschaut. Ich weiß aber nicht, ob der Trick möglich ist. Ich bin mir zu 90 Prozent sicher, dass ich das schaffe, aber zehn Prozent in mir sagen, dass es nicht funktioniert. Schauen wir mal …“

Unmittelbare Zukunft ist nicht die Weiterentwicklung des Sports, sondern der Wettkampf in Moskau, dritte Station der Red Bull X-Fighters World Tour 2010. Davor war es mit Sherwood bei seinem Wettkampf-Comeback stetig, aber langsam aufwärts gegangen: Siebenter in ­Mexiko, Fünfter vor den Pyramiden in Ägypten. Würde sich die Serie fortsetzen, sollte Sherwood in Moskau auf dem ­Podest stehen. In der Qualifikation wird recht schnell klar, dass sich die Schinderei nach Gizeh ausgezahlt hat. Die Nervosität, die man ihm zu Beginn angemerkt hatte, war verschwunden. Zurück war das Vertrauen in seine Tricks, gepaart mit jener Frische, Unbekümmertheit und Aggressivität, ­womit Sherwood Anfang 2009 alle verblüfft hatte. Und Samstagnacht schließt Sherwood an die Qualifikations-Performance an. Er erreicht das Finale, trifft dort auf Nate Adams. Der Tour-Champion von 2009, ­einer der größten Stars des Sports, gegen ein achtzehnjähriges Bürschchen mit schwankender Formkurve und einem langen Kampf um sein Comeback … sieht

nach einer einseitigen Angelegenheit aus. Aber Sherwood ist heiß. Aggressiv, quicklebendig, mitreißend … er zieht das Publi­ kum in seinen Bann. Adams zerbricht an seinem Herausforderer. Der Lauf des Amerikaners ist ein Schatten seines sonst so unvergleichlich präzisen, selbstverständlichen Stils. Sherwood triumphiert. Der Rookie ist zurück – und wie. „Ich glaube, ich habe mich im letzten Jahr ein wenig verändert“, sagt Sherwood danach. „Am stärksten vielleicht in der Art, wie ich mit meinen Gefühlen bei den Contests umgehe, mit dem Druck. Ich bin viel lockerer geworden. Letztes Jahr habe ich mir die ganze Woche vor dem Wettkampf den Kopf zerbrochen – über den Kurs, den Streckenverlauf, ob ich damit zurechtkomme, alles. Nun habe ich endlich geschafft, das zur Seite zu schieben.“ Sherwood gehört zu den Siegfahrern. Wieder. Nun möchte er mehr – und London wartet. „London war im letzten Jahr mein Lieblingsstopp“, sagt Levi Sherwood. „Es hat alles, die Atmosphäre, das Publikum. Einfach unbeschreiblich. Ich glaube, hier kam die persönliche Wende. Ich fühlte mich erstmals richtig wohl im Wettkampf und habe gemerkt, dass London ein ganz spezieller Ort für mich ist. Und nicht viele Menschen haben die Möglichkeit, den Sport auszuüben, den sie so ­lieben. Motorrad fahren und um die Welt reisen – einen solchen Beruf zu haben ist wirklich genial.“ Backflippen: de.redbulletin.com/print2.0 Die Red Bull X-Fighters in London live auf ServusTV: 14. August, 22.10 Uhr. Aktuelle Infos zur World Tour auf www.redbullxfighters.com

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Action

RED BULL AIR RACE

Eine Liebe zum Hudson

Ups, und kräftig die Augen gerubbelt! Hornissen-Alarm in New Yorks riesenhafter Arena von Weltwahrzeichen.

bild: Nick Laham/Getty Images for Red Bull Air Race

Text: Herbert Völker

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Print 2.0

de.redbulletin.com/print2.0 Abgehoben: New York aus der Vogelperspektive.


Action

echts die Freiheitsstatue, hinten Staten ­Island und Brooklyn, links Manhattan mit der ganzen Wucht seiner Monumente und in der Mitte der legendenreiche ­Hudson River. Über den Zuschauer bricht das Vergnügen herein, sich sein eigenes Panorama einzurichten, die Details nachzuschärfen, eine Postkarte seiner Wahrnehmung einzuscannen und abzuspeichern im Ordner der fröhlichen Erinnerungen. New York ist ein Ort, an dem Zynismus abprallt, sagt mein wissender Kollege Stephen Bayley. Damit lassen sich etliche Dinge fein erklären, etwa das Phänomen, dass wir „Sex and the City“ als netten Heimatfilm wahrnehmen, ohne uns eine Sekunde mit einem Vergleich zu „Frühstück bei Tiffany“ aufzuhalten. Auch die Überwindung von 9/11 läuft mittlerweile ganz pragmatisch, wenngleich auf einem Security Level rundum, von dem man zuvor keine Vorstellung hatte. Die New Yorker haben sich daran gewöhnt, an allen möglichen Locations gefilzt zu werden, wiederum ohne bad feelings. So ist es erklärbar, dass 16 eigenständige Authorities von New York und New Jersey, von Homeland Security, von der Nationalparkverwaltung der Freiheitsstatue bis zur U. S. Coast Guard, vom Newark Fire Department bis zur Marine Unit des New York Police Department, zum gemeinsamen Entschluss kamen, das Red Bull Air Race nicht nur zu genehmigen, sondern willkommen zu heißen. Da wollten sie alle mitsammen wohl auch sagen: In dieser Stadt ist alles möglich, wie schon immer, und wir wollen selbstverständlich auch wieder feiern und die Fahne fliegen lassen. Und ja, es werde möglich sein, die Einflugschneise im Tiefflug knapp neben der Freiheitsstatue zu führen, welch phantastisches Motiv für Zuschauer, Film und Fotos, warum sollte man das versagen? Péter Besenyei, Lichtgestalt dieses Sports vom ersten Moment an, erinnert sich, dass mitten in Europa erst einmal 24 Behörden zustimmen mussten, bevor ihm überhaupt erlaubt wurde, die Kunst des Möglichen in die Luft zu zeichnen. Da war noch keine Rede von einem Rennen,

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gar von einer Rennserie oder einer Weltmeisterschaft. Man erlaubte dem Piloten endlich, unter der Kettenbrücke in Budapest durchzufliegen. Es ist jetzt fast zehn Jahre her, dass da signalisiert wurde, wie erfahrene Profis solche Dinge beherrschen und dass man daher auch das Außerordentliche im Flugsport ermöglichen darf – über dem Strand von Botafogo in Rio (eine Million Menschen!), in der mythischen Wüste des Monument Valley, vor den Bergriesen Eiger und Jungfrau in der Schweiz, in Abu Dhabi, über den Docklands von London und dem romantischen Klassiker: wo die Donau in Budapest ihre Zwei-Ufer-Arena formt. Jetzt also der Hudson River zwischen New York und New Jersey. Am Race Day erlebst du zwölf Läufe in den Top 12, dann acht in den Super 8, dann die Final 4, also

„In dieser Stadt ist alles möglich.“ 24 Flüge. Nettozeit zwischen Start und Ziel ist gut 70 Sekunden, jeweils eine wütende Hummel im Marmeladetopf, wie es der britische Pilot Nigel Lamb sagen würde. Tatsächlich sind es immer drei Minuten Erlebnis, vom Auftauchen der Maschine vor der Freiheitsstatue bis zum eleganten Abschwung Richtung Brooklyn. Um mit knapp 400 km/h das Start Gate anzufliegen, halten die Piloten schnurgerade auf ein sehr junges Bauwerk hin, es schaut aus wie ein größenwahnsinniger Remington-Rasierer und hört auf den Namen einer Investmentbank aus den aktuellen Schlagzeilen. Wie auch immer, der Pilot muss auf den Elektrorasierer zielen, damit die Zeit zu laufen beginnt, im Kopf immer „ahead of your aircraft“, anders ist ja ein Air Race nicht zu packen und dieser kompakte 5-Kilometer-Parcours mit seinen unglaublich strengen Turns schon gar nicht.

bild: Hamish Blair/Getty Images for Red Bull Air Race

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Die besten Pl채tze sind am Wasser: Zuschauerflottille am Hudson mit Sicherheitsabstand.


Action

Der Red Bull Air Race über dem Hudson River von New York war ein Höhepunkt in der sechsjährigen Geschichte of the world’s fastest growing motor sport, wie aus den Kennziffern für Zuschauerattraktion und der weltweiten Wahrnehmung hervorgeht. Es gibt noch ein paar Gründe, den Hudson zu lieben. New York mit seinen fünf Stadtteilen, von denen vier Inseln sind (nur die Bronx gehört zum Festland), New York also ist vom Atlantik und Wasserwegen umzingelt, und das beherrschende Gewässer für die Atmosphäre dieser Stadt ist der Hudson River. Das mag seit der glorreichen Notlandung des Captain Sullenberger bei Flug US 1549 auch den Nicht-Amerikanern stärker ins Bewusstsein gerückt sein, den Einheimischen braucht man da nichts zu erklären. 74

Bei diesem Fluss geht es nicht nur um dichteste Business-Transfers von Manhattan zur New-Jersey-Seite, per Tunnel oder Fähren (mit halbwegs lässig akzeptierten Staus oberwasser oder unterwasser), da geht es auch um den Fluss selber, um seine köstlichen Uferwege im Osten und Westen, wohl auch um das ganze Drama der Wiederbelebung von Wasserläufen, die über Jahrzehnte das Bild der Geschichte gezeichnet haben. Allein das Mirakel von vier verschiedenen Strömungen am Tag, wie das Meer in den Fluss schwappt, bis 200 Kilometer hinauf, und wie sich der Fluss dagegenstemmt. Jetzt reden wir einmal über den Manhattan-seitigen Hudson Park: Knackigere Wadeln hat der erfahrene Sportberichterstatter noch nie erlebt, 80 Prozent Damen, 20 Prozent Ronaldos. Natürlich, wenn man schon von New York spricht, liegt der Vergleich mit dem Herumwieseln im Central Park nahe, aber die sehnige Struktur des Unterschenkels ist am Hudson River doch irgendwie Premier League. Der acht Kilometer lange Hudson River Park schmückt die ganze Westflanke der unteren Manhattan-Hälfte, und wo immer hinter den Piers Platz war, haben sie keine neuen Häuser hochgezogen, sondern Sportplätze kultiviert, von kleinen Badminton Courts bis zur Eishockeyhalle für die Achtjährigen, die sich tapfere Namen geben: „Team Canada“ gegen „Team Russia“, Bodychecks sind aber trotzdem erst ab vierzehn erlaubt. Auf der gegenüberliegenden Seite, zehn Minuten per Holland Tunnel, zwanzig Minuten per Fähre, ist New Jersey. Auch hier ist die Waterfront des Hudson liebevoll geschützt und sportlich geschmückt, das Hinterland ist etwas durchwachsen mit wilden Skyscrapers und Menschen, die nicht so schnell einen Gemüseladen finden, wie sie vielleicht wollten. Die große Oase der Ruhe ist der Liberty State Park. Das längst stillgelegte Railroad Terminal lässt im Glashauseffekt die Bahnsteige sprießen, mit Gräsern, Farnen und Büschen. Als ob sich nichts geändert hätte, sind noch die Schilder da: Philadelphia Express via Wall Street, dep. 5:42 P.M. Das ist mindestens dreißig Jahre her. Gleich daneben, an einem heißen Sonntag am Liberty State Park, gab die Naturterrasse an der New York Bay den weiten Blick in eine einzigartige Arena des beschleunigten Tiefflugs frei. Der Hudson war der Einzige an diesem Tag, der völlig gelassen blieb. Smoke On: de.redbulletin.com/print2.0 News, Termine und Rennkalender auf: www.redbullairrace.com

„Es gibt ja noch ein paar Gründe, den Hudson zu lieben.“

Biiig, big Apples für die Top 3 des Red Bull Air Race in New York, Paul Bonhomme, Nigel Lamb und Kirby Chambliss.

R ED B U L L AI R R ACE

World Championship

Stand nach dem Rennen von New York 1. Paul Bonhomme 2. Hannes Arch 3. Nigel Lamb 4. Kirby Chambliss 5. Pete McLeod 6. Nicolas Ivanoff 7. Michael Goulian 8. Matt Hall 9. Matthias Dolderer 10. Péter Besenyei 11. Alejandro Maclean 12. Yoshihide Muroya 13. Sergey Rakhmanin 14. Martin Šonka 15. Adilson Kindlemann

53 Punkte 48 Punkte 47 Punkte 35 Punkte 29 Punkte 26 Punkte 24 Punkte 22 Punkte 21 Punkte 18 Punkte 7 Punkte 5 Punkte 4 Punkte 1 Punkt 0 Punkte

GBR AUT GBR USA CAN FRA USA AUS GER HUN ESP JPN RUS CZE BRA

Paul Bonhomme Hannes Arch Hannes Arch Hannes Arch Paul Bonhomme

GBR AUT AUT AUT GBR

Sieger 2010 ABU DHABI PERTH RIO DE JANEIRO WINDSOR (CAN) NEW YORK

Der nächste Termin EUROSPEEDWAY Lausitz

8. August

bilder: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images for Red Bull Air Race, Markus Kucera/Red Bulletin (5)

So überwältigend das Panorama für die Zuschauer ist, der Pilot hat eine engere Sichtweise in seinem Flugplan. In den ­Tagen der Vorbereitung haben Hannes Arch, Paul Bonhomme, Nigel Lamb und die ganze smarte Truppe schon allen Respekt vor Freiheitsstatue und Skyline bezeugt, jetzt aber: Smoke On. Das ist das Startfreigabe aus dem Tower, ein Imperativ des Red Bull Air Race, altes Ritual der Kunstflieger, den Auspuff mit einer Prise Paraffin zu füttern, um die Dramatik ihrer Figuren mit Rauchfahnen zu schmücken. Der Pilot vergisst New York, und wenn der Horizont im Messerflug nach links oder rechts kippt, hat es nichts mit New Jersey oder dem am Kopf stehenden Empire State Building zu tun, sondern nur mit den unglaublichen Reflexen der feinsten Fliegerei. The Battle of g-Force gewinnt keinerlei Romantik 12 bis 15 Meter über dem Spiegel des Hudson, diese unglaubliche Nähe zu Wasser oder Erde wird überall in der gleichen Geschwindigkeit vorbeigerissen, da ist die Donau nicht sanfter als der Hudson, wohl auch nicht die Arena in der Lausitz. Videowalls liefern die Inboard-Closeups: Wie die Physik an den Piloten zerrt, wenn sie mit der Last des zehnfachen Körpergewichts (im Extremfall gar bis 12g) aus dem 180-Grad-Turn kommen, man sieht es ja nur an den, sagen wir, erweiterten Gesichtszügen und vorstrebenden Augen, wenn das Blut vom Kopf in die Beine drängt. Was sich derweil in den Bauchmuskeln abspielt, ahnt jeder, dem es je in der Achterbahn den Magen ausgehoben hat, da hat er etwa ein Viertel der üblichen Beschleunigungskräfte eines Luftrennens erlebt.


Credit

Die Richtung stimmt: Hannes Arch 端ber der New York Bay.


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More Body&Mind Belebendes für Körper und Geist.

78 Jörg Rohleder im Hangar-7 80 Köche und ihre Geheimnisse 82 Dany Torres’ Lieblingsstücke 84 David Coulthard Museum 86 Red Bull TV-Fenster 88 Tag & Nacht 98 Kolumne


Hangar-7-Interview

Jörg Rohleder

Der deutsche Journalist und Autor über seinen ­Debütroman „Lokalhelden“, die Tücken des Schreibens und das heranrollende Comeback der 1990er Jahre. Text: Florian Obkircher, Bilder: David Payr Jörg Harlan Rohleder ist ein Kind der 1990er Jahre. Diese arbeitet er in seinem Debütroman „Lokalhelden“ auf. Es ist die charmante Geschichte eines Teenagers in der Stuttgarter Vorstadthölle zwischen Nirvana, Joints und Freunden. red bulletin: Herr Rohleder, als Jour­ nalist sitzen Sie meistens auf der ande­ ren Seite des Mikrofons. Ungewohnt? jörg rohleder: Extrem. Vor allem, weil ich mich auf dem Weg nach Salzburg nicht vorbereiten musste. Normalerweise sitze ich im Flugzeug und bereite mich vor. Diesmal hab ich nur geschlafen. 78

Seit Januar sind Sie stellvertretender Chefredakteur des deutschen Magazins „Musikexpress“, davor waren Sie als Schreiber für „Vanity Fair“, MTV und „Focus“ im Dauereinsatz. Wie schafft man es da, nebenbei noch einen ­Roman zu schreiben? Mein Agent hat mich schon vor drei Jahren gefragt, ob ich nicht Bock hätte, ein Buch zu schreiben. Damals hatte ich allerdings keine Zeit. Als die deutsche „Vanity Fair“ im Februar 2009 eingestellt wurde, dachte ich, eigentlich wär jetzt ein guter Moment. Anfangs wollte ich ein Sachbuch schreiben mit dem Titel „How to

Fake Modern Life“. Mit kurzen Texten zu Themen wie: Wie bekomme ich ohne siebenstelligen Betrag am Konto einen Platz in der ersten Reihe bei Sotheby’s, wo bestellt man die richtige Yacht, wer sind die besten Schönheitschirurgen in Miami. Klingt doch nicht übel! Nun ja, fünf Monate zuvor war die Wall Street gecrasht, wir standen mitten in der Wirtschaftskrise. Und da wäre der Titel wohl nicht allzu gut angekommen. Dann also doch besser einen Roman über das Erwachsenwerden? Die Entscheidung war nicht einfach. Im Journalismus mag ich die Superlative. Ich habe Bill Gates interviewt, als er der reichste Mann der Welt war, ich habe aus Chongqing (in Zentralchina; Anm.) berichtet, der größten Stadt der Welt. Gerade deshalb habe ich mich am Anfang oft ­gefragt, warum soll ich meine Jugend aufschreiben, was ist an meiner Jugend denn so besonders. Und? Irgendwann ist mir dann aber aufgefallen, dass es in der Literatur keine Superlative braucht. Nimm mal wichtige Coming-ofAge-Romane wie Sven Regeners „Herr


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Lehmann“ oder „Der Fänger im Roggen“ von J. D. Salinger her – alles keine Superlativ-Geschichten. Viel wichtiger ist, dass man selber etwas Ähnliches erlebt hat. Der Schauplatz von „Lokalhelden“, Echterdingen, eine Vorstadt von Stuttgart, ist überall. Jeder kennt Leute wie meine ­Figuren Schmall oder Schädler. Nur muss die Geschichte wer aufschreiben. Erzählen Sie doch ein wenig über den Prozess des Schreibens. War die Trans­ formation vom Journalisten zum Buch­ autor einfach? Gar nicht. Als Journalist bist du ja Kurzstreckenläufer. Deshalb hatte ich schon etwas Angst. Am Anfang habe ich mir Karteikarten gemacht, auf denen ich alle Entwicklungsstrukturen beschrieben habe. Die wollte ich dann auf eine Wäscheleine hängen. Aber keine Chance, die Kärtchen hatten keinen Platz. Deshalb hab ich mir Pappmaché-Wände besorgt. Aber irgendwann war ich bei 250 Karten und hatte noch immer nicht alle Personen und Orte zusammen. Chaos, dachte ich, jetzt hab ich drei Wochen mit diesen Kärtchen rumgemacht und noch keinen Satz geschrieben. Von da an hab ich mir vorgenommen, jeden Tag entweder drei Stunden oder drei Seiten zu schreiben. Und das hat sehr gut geklappt. Die eigene Jugend aufzuarbeiten ist ­sicher nicht einfach. Wo setzt man an? Als Ausgangspunkt habe ich Dezember 1990 gewählt, das erste Mal Besoffensein: Die Mutter ist schockiert, weil der vierzehnjährige Sohn kotzend in der Dusche hängt. Übrigens ist meine Mutter damals wirklich zum ersten Mal seit Jahren in die Kirche gegangen, um für ihren missratenen Sohn zu beten, genau wie im Buch beschrieben. Ich denke, dass die Teenager-Zeit für manche von uns schon mit diesem Erlebnis beginnt. Sehr authentisch wirkt „Lokalhelden“ durch akribische popkulturelle Refe­ renzen an die 1990er. Nirvana, Jugo­ slawienkrieg, erste Raves. Im Gespräch vorhin meinten Sie, dass ein großes ­Revival dieser Dekade fällig sei …

LOKALHELDEN Jörg Harlan Rohleder Schmall lebt in Echter­ dingen, außerhalb von Stuttgart, mitten in der Vorstadthölle. Ein Teen­ ager in den 1990er Jah­ ren, der nichts wie raus will aus Schwabylon. Aushalten lässt es sich dort nur mit guter Mu­ sik – Pixies, Beastie Boys, Nirvana. Mit

Jörg Harlan Rohleder (33) ist verheiratet und lebt in Berlin-Wedding. Mit 23 Jahren heuerte er als LondonKorrespondent beim Nachrichtenmagazin „Focus“ an, seither hat ihn das Schreiben nicht mehr losgelassen.

Die Kulturgeschichte der Menschheit war immer schon von Zitaten getrieben. Die deutsche Klassik hat sich auf die Antike bezogen, in der Romantik sind die Dichter herumgelaufen wie Schäfer im Mittelalter. Mittlerweile ist diese Wiederkehr schneller geworden, die Intervalle kürzer. Wenn man sich die nuller Jahre ansieht, war das

„Die Neunziger waren kuschelig. Die Russen sind weg von Berlin, dafür waren plötzlich die Raver da.“ ja ein großes Revival der Achtziger. Und jetzt sind eben die Neunziger dran. Eine extrem kuschelige Zeit. Der Kalte Krieg war vorbei, die Russen sind weg von Berlin, dafür waren plötzlich die Raver da. Es war ein Pop-Jahrzehnt, eine Entwederoder-Dekade. Die Leute haben sich mehr darüber unterhalten, ob sie Wolfgang Tillmans oder Andreas Gursky besser finden, ob sie Lacoste oder Ben Sherman tragen.

Joints und Sahnepatro­ nen. Und mit den besten Freunden der Welt: Enni, der stets an einer Mag­ num zieht, dem gockeli­ gen Brownson und Wolle – Skater, Raver und Anti­ kapitalist gleichzeitig. „Lokalhelden“ ist eine Geschichte der ersten Male. Damit haben Anna und Natja zu tun. Genau wie das Aral-Tankstellen-

Bier und der Oz-Club, in dem Schmall Ecstasy ausprobiert. Es ist eine bezaubernde Comingof-Age-Geschichte, eine tagebuchartige Chronik der neunziger Jahre, die mit ihren humorvollen Anekdoten aber zu­ gleich zeitlos ist. Schließlich, sagt Roh­ leder, ist Echterdingen überall.

Wie äußert sich dieses Revival bisher? Das Hemd, das ich trage, ist von Marc ­Jacobs, kostet 280 Dollar und stammt aus seiner letzten Kollektion. Auch wenn es aussieht, als hätt ich’s 1994 von der Salvation Army abgeholt. Bei American Apparel gibt es jetzt Flanellhemden, Zwanzigjährige tragen wieder Doc Martens. Pearl Jam haben eine großartige Comeback-Platte veröffentlicht. Und das aktuellste Beispiel: Auf einem Track seines neuen Albums „Recovery“ sampelt Eminem doch ernsthaft Haddaways Neunziger-Hit „What Is Love“! Geben Sie uns doch ein paar Tipps: Wie sollen wir uns für das NeunzigerRevival rüsten? Was sind die Essentials? Musikalisch empfehle ich DJ Shadows ­Album „Endtroducing.....“, in puncto Mode Helmut Lang. Bei den Filmen gibt’s mehrere. Am offensichtlichsten: „Pulp Fiction“ und „Trainspotting“. Mein persönlicher Lieblingsfilm der Neunziger ist „Clerks“. Ihr Protagonist Schmall sagt an einer Stelle im Buch: „Wir brauchen keine Helden mehr, wir sind selber welche.“ Wie könnte dieser Satz heute aus dem Mund eines Jugendlichen lauten? Ich glaube, dass der Satz in den neunziger Jahren besser funktioniert hat, weil es ­damals noch mehr Helden gab. Die Nuller hatten diesen Sternenstaub nicht. Amy Winehouse oder Pete Doherty, die waren nahbar, die haben gerochen, die hätten mal duschen sollen. Deshalb ist Lady Gaga jetzt auch so erfolgreich, weil sie den Sternenstaub in den Pop zurückgebracht hat, dieses Außerirdische. Langweilig und normal sind wir schließlich selbst. „Lokalhelden“, 288 Seiten: ab 16. August 2010 im Piper Verlag, www.derrohleder.de

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Geschmackssache: Die Geheimnisse der Spitzenköche

Liebe, Salz und Tomaten Drei Fragen an die österreichischen Kochstars Heinz Reitbauer jun. vom „Steirereck“ in Wien und Thomas Dorfer vom „Landhaus Bacher“ in der Wachau und drei interessante Antworten. Text: Uschi Korda, Bilder: Helge Kirchberger

Heinz Reitbauer jun. (li.) und Thomas Dorfer haben Geschmack und sorgen mit ihren Familienbetrieben dafür, dass die Spitzengastronomie nicht untergeht.

Heinz Reitbauer jun.

Steirereck im Stadtpark, Wien

Was darf niemals fehlen? „Uiii, das fällt mir jetzt schwer, mich für eines zu entscheiden“, sagt Heinz Reitbauer jun., der derzeit meistdekorierte und beste Koch des Landes. Sein Restaurant „Steirereck“ war schon unter Papa Reitbauer sen. die Hochburg des guten Geschmacks. Eine Tradition, die der Sohn fortsetzt und dabei neue Wege geht. „Also gut: Essig, weil ich in meiner Küche viel mit Säuren arbeite. Wir haben mittlerweile ein riesiges Board mit 80

zirka zwanzig verschiedenen Essigsorten. Unbedingt brauche ich aber auch Salz. Und zwar ein spezielles Steinsalz aus den Karpaten, das wir uns extra von dort liefern lassen. Sehr mineralisch und nicht so grobkörnig wie Fleur de Sel.“ Was geht nicht so gut? „An frischen Koriander habe ich mich erst gewöhnen müssen, den verwende ich in meiner Küche praktisch nicht. Und ich bin kein SchneckenFan, weil ich während meiner Lehrzeit in Frankreich so viele davon putzen musste, dass ich den Geruch nicht mehr vertrage.“ Das wichtigste Gerät in Ihrer Küche? „Der Dampfgarer, mit dem ich seit 15 Jahren arbeite. Ich musste mich daran gewöhnen, wie an ein neues Handy. Die Garung ist schonend, der Geschmack bleibt unverfälscht erhalten. Clean und puristisch.“ Heinz Reitbauer jun. und Thomas Dorfer sind im August 2010 Gastköche im Restaurant Ikarus im Hangar-7, www.hangar-7.com

Thomas Dorfer

Landhaus Bacher, Mautern, Niederösterreich

Was darf niemals fehlen? „Tomaten“, sagt der hochgelobte Nachwuchsstar, ohne zu zögern. Der Schwiegersohn von einer der besten Köchinnen Österreichs, Lisl WagnerBacher, hat im „Landhaus Bacher“ langsam, aber sicher das Kommando in der Küche übernommen und kocht sich dort an die Spitze. „Tomaten erinnern mich in Duft und Geschmack an meine Kindheit, schmecken in unserer Hauptsaison im August und September am besten. Niemals würde

ich Glashaustomaten nehmen! Das muss ich auch nicht, weil wir im Winter geschlossen haben. Außerdem nennt man die Tomate auch Liebesapfel, und ohne Liebe geht in der Küche gar nichts.“ Was ging nicht auf Anhieb? „Mit Koriander konnte ich lange nicht. Ich habe als junger Koch in der Schweiz erstmals eine Frühlingsrolle mit Koriander bekommen und war ­angewidert. Erst als ich in Sydney die Asia- und Thai-­ Küche kennenlernte, habe ich mich damit angefreundet. Heute verlange ich von meinen Köchen, dass sie sogar die feinen Stiele mitverarbeiten.“ Das wichtigste Gerät in Ihrer Küche? „Der Backofen, weil es eine große Herausforderung ist, Fleisch zart und rosa zu braten. Da braucht man eine gute Hitze, aber kein Bratenthermo­ meter, sondern das richtige Gefühl. Außerdem mache ich gerne Schmorgerichte, und nur im Backofen entsteht ein richtig guter Saft.“


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Dany Torres’ Reisegepäck Mexico City, Gizeh, Moskau, Madrid, London, Rom: Red Bull X-Fighter sind Globetrotter. Dany Torres, der spanische Star der Serie, reist stets mit leichtem Gepäck – das Bike einmal ausgenommen. 82

1. Sturzhelm Troy Lee Designs SE2 2010 www.troyleedesigns.com „Ehrlich: Ich liebe Grafik und Design von Troy Lee. Ich würde seine Helme auch aufsetzen, wenn ich sie mir kaufen müsste.“ 2. Freizeitschuhe Etnies Chrome 02 www.etnies.com „Etnies habe ich schon immer gerne getragen, weil sie sehr bequem sind. Meine absoluten Lieblingsschuhe!“ 3. Motorrad KTM SX 250 www.ktm.com „Die KTM ist ein Bike, auf dem ich mich


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habe. Lesestoff ist ganz wichtig – nicht ­jedes Flugzeug hebt pünktlich ab!“ 6. iPod nano www.apple.com „Den habe ich immer bei mir – auf meinen Reisen und sogar noch kurz vor dem Start. Da macht mich die Musik locker und hilft mir, mich zu konzentrieren.“ 7. Stiefel Gaerne SG12 www.gaerne.com „Meine Lieblingsstiefel in meiner Lieblingsfarbe. In dem Jahr, in dem ich sie das erste Mal trug, hatte ich gleich ganz tolle

Resultate. Gaerne hat mir auch ein spezielles Paar gemacht, in Grün und Weiß.“ 8. Sonnenbrille Oakley Dispatch www.oakley.com „Wie meine ‚Arbeitsbrillen‘ besitze ich auch diese Oakleys in mehreren Farben.“ 9. Netbook Samsung N210 www.samsung.com „Ein ganz wichtiges Ding, weil ich doch sehr viel unterwegs bin. Damit kann ich Kontakt halten mit meiner Familie.“

bilder: simon vinaLl (5), daniel Grund (4), Joerg Mitter (1)

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­ bsolut wohl fühle. Das mag jetzt seltsam a klingen, aber für mich ist sie wie eine zweite Haut.“ 4. Motorradbrille Oakley Mayhem MX www.oakley.com „Dieses Modell gefällt mir sehr gut. Das Design ist großartig und funktionell, die Gläser haben eine sehr gute Qualität. Ich habe diese Brille in mehreren Farben.“ 5. „Off Road“-Magazin solooffroad.solomoto.es „‚Off Road‘ ist ein spanisches Motorradmagazin, das ich immer im Handgepäck

Mehr Pics von Dany Torres’ Superbike auf: www.danytorres.com

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Twynholm

Eine kleine Auswahl von Davids Pokalen, sein Formula-VauxhallLotus-Bolide und was im Lauf der Karriere so an Garderobe zusammenkam.

Wo mein Kart steht, da bin ich zu Hause Als Kind sträubte sich David Coulthard gegen das Rennfahren, aber in der Formel 1 legte er eine Karriere hin, die ihn zum Star machte. In seiner schottischen Heimatstadt verwaltet Davids stolzer Vater eines der persönlichsten Museen der Welt. Text: Ruth Morgan, Bilder: Thomas Butler

Mit zwölf unterschied sich David Coulthard grundlegend von den meisten seiner gleichaltrigen Freunde. Die träumten von einer Zukunft am Lenkrad eines Formel-1Rennwagens, während David sicher war: Rennfahrer werden? Sicher nicht! 1983 stand allerdings ein spezielles Geschenk unter dem Weihnachtsbaum der Familie, daheim im schottischen Dorf Twynholm: ein Kart. Und Duncan Coulthard, Davids motorsportverrückter Vater, fälschte die Unterschrift seines Sohnes, damit dieser eine Lizenz bekam. Im Jahr darauf fand sich David plötzlich auf einer Rennstrecke wieder. Und entdeckte, dass er nicht nur Talent hatte, sondern ihm Kartfahren richtig Spaß machte. 26 Jahre später kennt die ganze Welt David Coulthard als Rennfahrer. Er ist der Brite mit den meisten erreichten F1Punkten, hat Pokale in allen Größen und Formen gesammelt, darunter 13 für Siege in einem Grand Prix, und 2010 wurde er für seine Verdienste um den Motorsport mit dem Titel MBE quasi geadelt. Seine F1Karriere hat er beendet, doch Coulthard gibt weiter Gas: als Experte für die BBC und Mercedes-Pilot im Deutschen Tourenwagen Masters. Und dank seinem Vater ist Davids verschlafener Geburtsort zu einem kleinen Mekka für Race-Fans geworden. Das David Coulthard Museum und der Imbiss „Pitstop Diner“ sind in einem Haus in Twynholm untergebracht, abseits einer ruhigen Dorf­straße. Es ist eine Schatzkiste voller Erinnerungsstücke, die Duncan Coulthard da zusammengetragen hat. Ziel war, Davids Karriere zu dokumentieren, vom ersten Kart-Rennen bis zum letzten F1-Grand-Prix. Und es ist die Sammlung eines stolzen Vaters, zu üppig geworden für die Garage. Das passiert eben schnell, wenn manche Erinnerungsstücke aus­ gewachsene Rennwagen sind. Die Sammlung ist in einem ehemaligen Zuckerlager untergebracht, das zur Transportfirma der Coulthards gehörte. Seit 84

zwölf Jahren lockt das Museum Besucher nach Twynholm. Der Erfolg hat ­Duncan Coulthard überrascht: „Als ich bei uns zu Hause keinen Platz mehr hatte für all die sammelnswerten Stücke, habe ich dieses Museum eröffnet. Die Einnahmen sollten der Schule und der Kirche zugute kommen – ich habe nie gedacht, dass es einmal so populär wird.“ An einem starken Tag kommen bis zu 60 Besucher, viel für ein Dorf mit 120 Einwohnern. Wird irgendwo ein Formel-1Rennen gefahren, kann sich diese Zahl verdoppeln. An diesen Tagen machen sich die Mitglieder der Autoclubs oder Rennsportfans aber bald auf in Richtung Pitstop ­Diner. Dieses serviert seine hausgemachten Spezialitäten (etwa „Fusion genius“, ein mit Schafsinnereien belegtes Brot) nämlich vor einem Großbildfern­seher. An der Wand der Imbiss-Stube ­Fotos aus ­David Coulthards Vergangenheit: ­Diana, Princess of Wales, neben ihrem hinterm Lenkrad hervorgrinsenden Sohn William, ein in Davids McLaren-Cockpit gezwängter Sylvester Stallone, dazu schottische ­Motorsport-Idole von Jackie Stewart bis Allan McNish, deren Karrieren unweit von hier begonnen haben. Den Imbiss und das Tagesgeschäft im Museum betreut Linda White, eine ehemalige Lehrerin und großer Motorsportfan. „Unsere Besucher kommen aus der ganzen Welt“, erzählt sie, „du brauchst nur in unserem Gästebuch zu blättern.“ Die Leute würden auch jedes Jahr mehr, sagt Linda: „David wird offenbar immer populärer. Lustigerweise sind manche Besucher ­enttäuscht, dass er nicht selbst anwesend ist und seine Pokale abstaubt.“ Das Museum strahlt eine spezielle ­Vertrautheit aus: Das ist nur möglich, weil es von der Familie betreut wird. Was die Sammlung auch einzigartig macht. Die üblichen Absperrkordeln fehlen, die Besucher dürfen ganz nahe heranrücken an jene Devotionalien, die dank jahre­


langen Erfolgen im Motorsport zusammen­ getragen werden konnten. Den Raum ­dominieren klarerweise die Rennwagen jener Serien, die Coulthard während seiner Karriere durchlaufen hat – Formula Vauxhall-Lotus, ­Formel 3, Formel 3000, dann die Formel 1 mit Williams und McLaren. Auf einem Ehrenplatz parkt der Red Bull-RB2-Bolide, mit dem Coulthard 2006 in Monaco Dritter wurde – es war der erste Podiumsplatz für den Rennstall. Jeder freie Fleck dazwischen ist voll­ gestopft mit Trophäen (letzte Zählung: 293). An den Wänden Fotos von David, dazu Urkunden und Plaketten, jedes Ding erzählt eine Geschichte. Beim Rundgang zeigt Davids Vater auf ein vergilbtes Telefax. Es trägt die – soweit bekannt – letzte Unterschrift von Ayrton Senna, bevor dieser 1994 in Imola tödlich verunglückte. „Ayrton wünscht David darin alles Gute für ein F3000-Rennen, er hat es in der Nacht vor seinem Unfall geschickt. Es war Davids letztes F3000-Rennen, uns war das Geld ausgegangen. Und trotzdem war es ein Anfang, weil David danach von Williams verpflichtet wurde.“ Am Ende des Raums hängt Davids ­erstes Kart, Nummer 96, das Weihnachtsgeschenk, mit einer Plastikflasche anstelle ­eines Benzintanks. Es ist ramponiert und voller Kratzer von Davids ersten wilden Ritten über die Rennstrecken. Das Kart hängt übrigens direkt über der schlanken 3,5-Millionen-Pfund-Schönheit, dem RB2: welch ein Kontrast und was für eine ­schöne Erinnerung daran, wie weit David es im Lauf seiner Karriere gebracht hat. Erfolg hat aber auch seine Schatten­ seiten. Denn jetzt, wo David wieder Rennen fährt, ist ein Problem aufgetaucht: Dem Museum geht der Platz aus.

David Coulthards erstes Kart baumelt über seinem Red Bull F1-Auto – Anfangsund (vorläufiger) Endpunkt einer erfolgreichen Rennsportkarriere.

Sämtliche Details unter: www.dcmuseum.co.uk

Schöne Erinnerungen: David Coulthards Red Bull Racing-Helm und -Rennanzug.

Ein stolzer Vater: Duncan Coulthard, dessen Sammlung zu groß ­wurde für die Garage.

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Volles Programm

Red Bull TV taucht ein. In Kultur, Musik und Action. So sind Sie im Bild

1. Via Kabel (die Liste aller Kabelnetze in Österreich, Deutschland und der Schweiz finden Sie unter www.servustv.com). 2. Via digitale Antenne (DVB-T): Um ServusTV in Ihre Programmliste aufzu­ nehmen, müssen Sie lediglich den Sendersuchlauf starten. 3. Direkt und unverschlüsselt via Satellit (DVB-S). Zum Empfang benötigen Sie nur eine digitale Satellitenanlage mit ent­ sprechendem Empfänger. Zusätzlich zur Verbreitung in der gängigen Standard­ auflösung können Sie ServusTV auch im hochauflösenden HD-Standard empfangen. Dazu benötigen Sie einen HD-tauglichen ­Satellitenempfänger sowie ein HD-fähiges Fernsehgerät. Um ServusTV/ServusTV HD auf Ihrem Satellitenempfänger zu installieren, haben Sie drei Möglichkeiten: 1. Automatisches Update. Viele Satellitenempfänger erkennen neue Sender selbst­ tätig und aktualisieren Ihre Programmliste entsprechend. 2. Sendersuchlauf. Verfügt Ihr digitaler Satellitenempfänger über die Möglichkeit eines Sendersuchlaufs, werden automatisch alle neuen Sender in die Programmliste aufgenommen. 3. Manuelle Suche. Die dafür notwendigen Empfangsdaten lauten: für ServusTV Sat Satellit Astra 19,2 Grad Ost; Frequenz 12.663 GHz, Polarisierung horizontal, Symbolrate 22.000, FEC 5/6 bzw. für ServusTV HD Satellit Astra 19,2 Grad Ost, Frequenz 11.303 GHz, Polarisierung horizontal, Symbolrate 22000, FEC 2/3, Modulation 8PSK, Übertragungsart DVB-S2. Alle Infos dazu unter: www.servustv.com/empfangen.html

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And the Beat Goes On Sonntag, 8. August, 22.40 Uhr Jimi Mistry, ein britischer Schauspieler und Rave-Fan, begibt sich auf musikalische Spurensuche nach Ibiza und trifft u. a. DJ David Guetta. Samstag 7. August 22.30 Free – Das Magazin 22.55 Mentawai Dreams Episode 2 23.25 Highlights Blumentopf in Südafrika 23.40 Highlights Ronnie Renner Freeride Tour 00.05 Highlights Orlando Duque auf Malpelo 00.20 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.50 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele 01.00 Adventure Circus On Sight Klettern am Berg 02.10 Nightflight Space Opening 2010 Ibiza

05.20 Cliptomaniacs (WH) 05.45 Surf Chronicles South Africa Special (WH) 06.00 Highlights Blumentopf in Südafrika (WH) 06.15 Highlights Orlando Duque auf Malpelo (WH) 06.30 Adventure Circus On Sight (WH) 07.40 Surf Chronicles South Africa Special (WH)

Sonntag 8. August

live: Red Bull X-Fighters, London Samstag, 14. August, 22.10 Uhr FreestyleMotocross. Bei Regen findet der Contest am 15. 8., 21.50 Uhr statt. Alle Sendungen verschieben sich dann um 1 Std. 40 Min. Samstag 14. August

22.00 The Film Festival in Your Living Room Lemonade Was machen Kreative, die plötzlich ohne Job dastehen? Sechzehn Menschen erzählen von ihrem Schicksal und wie sie es meistern.

22.10 Live: Red Bull X-Fighters, London (Bei Regen Verschiebung auf 15. August, 21.50 Uhr)

22.40 The Film Festival in Your Living Room And the Beat Goes On

00.05 Highlights Mission Höllentraining

00.10 Talking Music: The Documentary Black Gold

00.40 Talking Music: The Session Black Gold

23.50 Surf Chronicles, Jeffreys Bay, South Africa Episode 7/15

00.20 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.50 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele 01.00 Adventure Circus Seasons: Ein Jahr, vier Jahreszeiten und sieben der weltbesten Mountainbiker mit ihren Tricks in Schnee, Sand, Matsch und auf Eis

00.55 Talking Music: The Lecture Dennis Coffey

02.00 Nightflight

01.45 Adventure Circus New Emissions of Light & Sound

05.35 Play! (WH)

02.25 On Stage: Best of Sónar Performances 03.50 The Film Festival in Your Living Room And the Beat Goes On (WH) 05.25 The Film Festival in Your Living Room Lemonade (WH)

Sonntag 15. August 22.00 The Film Festival in Your Living Room Still Bill 23.30 Talking Music: The Documentary Megunica 00.30 Talking Music: The Session DJ Kentaro 01.00 Talking Music: The Lecture DJ Red Alert 01.50 Adventure Circus Still Filthy: Elf Jahre nach „Filthy Habits“ ein aktueller Blick hinter die Kulissen des Billabong-SurfTeams. Mit alten Hasen und jungen Ridern

05.10 Cliptomaniacs (WH)

05.45 Surf Chronicles, Jeffreys Bay, S. A. (WH) 06.00 Highlights Mission Höllentraining (WH) 06.15 Adventure Circus Seasons (WH) 07.20 Surf Chronicles, Jeffreys Bay, S. A. (WH)

02.40 On Stage: Thunderheist at Melt Festival 03.15 Adventure Circus Still Filthy (WH) 04.05 Talking Music: The Documentary (WH) 05.00 The Film Festival in Your Living Room Still Bill (WH)

bilder: Jörg Mitter/Red Bull Photofiles, Shorty/Red Bull Photofiles, markteo.com/ Red Bull Photofiles, RBTV

Das Red Bull TV-Fenster bei ServusTV ist auf drei Arten zu empfangen:


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Still Bill

bilder: Reed Saxon/Associated Press, Kirstin Scholtz/ASP/via Getty Images, RayDemski.com/ Red Bull Photofiles, RBTV, Idée Originale, Lost Art/Red Bull Photofiles, RBTV (2)

Sonntag, 15. August, 22.00 Uhr Wer hat noch nie „Ain’t No Sunshine“ mitgesummt? Wer noch nie zu Eminem und „Just the Two of Us“ getanzt? Der Mann hinter diesen und unzähligen anderen Welthits, die von Diana Ross über Mick Jagger und Lenny Kravitz bis zu LL Cool J interpretiert wurden, ist die mittlerweile 72-jährige amerikanische Soul-Legende Bill Withers. „Ich bin wie die Pennys“, so Withers, „jeder hat sie in der Tasche, aber niemand erinnert sich, dass er sie hat.“ Der 2009 entstandene Film ist mehr als ein Musikfilm, er dokumentiert auch den Aufstieg eines stillen Stars von ganz unten nach ganz oben.

Life As a Movie Samstag, 21. August, 01.00 Uhr Kelly Slater am Snowboard? Tony Hawk am Surfbrett? Sieben Pros wechseln das Metier und versuchen sich in anderen Sportarten. Samstag 21. August 22.30 Free – Das Magazin 22.55 Mentawai Dreams Episode 4/4 23.25 Highlights Festival Summer – Hurri­ cane 2010, Teil 1 der drei­ teiligen Serie über das norddeutsche Festival u. a. mit Live-Acts der Beatniks, von Slunk Anansie oder den Strokes (Teil 2 am 28. 8., Teil 3 am 4. 9.)

Sonntag 22. August 22.00 The Film Festival in Your Living Room Mein liebster Feind Ein Werner-Herzog-Film 23.45 Talking Music: The Documentary Raging Bulls 00.15 Talking Music: The Session Red Bull Flying Bach live from Neue Nationalgalerie Berlin

23.55 Highlights Red Bull Stomping Ground

01.00 Adventure Circus Life As a Movie 01.50 Nightflight Special Time Warp Mannheim, Teil 2 05.00 Cliptomaniacs (WH) 05.25 Play! (WH) 05.35 Highlights Festival Summer (WH) 06.05 Highlights Red Bull Stomping Ground (WH) 06.30 Free – Das Magazin (WH) 06.55 Adventure Circus Life As a Movie (WH)

Samstag 28. August 22.30 Free – Das Magazin 22.55 On the Loose Doku-Soap mit den Kite­ surfern Aaron Hadlow und Ruben Lenten, Teil 4/6

00.20 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show

00.45 Talking Music: The Lecture Jay Electronica 01.40 Adventure Circus Beneath the Surface 02.45 On Stage: Best of Hurricane Festival 2010, Teil 1

Sonntag 29. August 22.00 The Film Festival in Your Living Room Unknown White Male 23.25 Talking Music: The Documentary Break Hit

Samstag 4. September 22.30 Free – Das Magazin 22.55 On the Loose Doku-Soap mit den Kite­ surfern Aaron Hadlow und Ruben Lenten, Teil 5/6 23.25 Highlights Festival Summer – Hurricane 2010, Teil 3

00.50 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele 01.00 Adventure Circus Spray: Mit den beiden Profis Joe Kinder und Chris Lindner geht es kletternd die Strände der kalifornischen Küste entlang.

00.50 Talking Music: The Lecture Maurice Fulton 01.45 Adventure Circus United by Fate: Das Globe-Skateboard-Team in Nahaufnahme. Ein Episodenfilm über Lifestyle und Kreativität. Nicht nur beim Skaten 02.35 On Stage: Best of Hurricane Festival 2010, Teil 2

02.10 Nightflight Space Opening 2010 Ibiza, Teil 2

04.10 Talking Music: The Documentary (WH)

05.20 Cliptomaniacs (WH)

03.35 Talking Music: The Session (WH)

05.45 Highlights Festival Summer (WH)

04.00 Talking Music: The Documentary (WH)

06.15 On the Loose (WH)

04.55 The Film Festival in Your Living Room Unknown White Male (WH)

06.40 Adventure Circus Spray (WH)

Sonntag 5. September 20.15 Red Bulls Salute 2010: Das Finale – Live Aus der Eisarena Salzburg 23.00 The Film Festival in Your Living Room All Tomorrow’s Parties: Rückblick auf die Partys der Zukunft. Seit zehn Jahren rockt das Avantgarde Festival gegen den Mainstream. 00.30 Talking Music: The Documentary Best of Red Bull Music Academy London 2010

00.25 Talking Music: The Session Shotgun Alley

03.45 Talking Music: The Session (WH)

04.40 The Film Festival in Your Living Room Mein liebster Feind Ein Werner-Herzog-Film (WH)

Nightflight Samstag, 4. September, 02.25 Uhr Drei Stunden direkt aus dem legendären Club Rain in Las Vegas. Glitzer, Glamour und fette Partys direkt in deinem Wohnzimmer.

23.25 Highlights Festival Summer – Hurricane 2010, Teil 2 23.55 Highlights Red Bull Corinth Gap 2010

00.20 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.50 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele

Unknown White Male Sonntag, 29. August, 22.00 Uhr Wahr und ergreifend: Ein Mann verliert eines Tages plötzlich sein Gedächtnis und macht sich auf die Suche nach seiner Identität.

23.55 Highlights Red Bull Surfing Girls Only 00.20 Cliptomaniacs Die Entertainment-Show 00.50 Play! Das Neueste aus der Welt der Computerspiele

01.00 Talking Music: The Session Carl Craig, Matmos und Moritz v. Oswald 01.25 Talking Music: The Lecture Moritz v. Oswald 02.20 Adventure Circus Feelin’ Minnesota

01.00 Adventure Circus F1rst Spannende Doku rund um die MountainbikeSzene mit sehr persön­ lichen Porträts u. a. der ­Geschwister Atherton

03.45 Adventure Circus Feelin’ Minnesota (WH)

02.25 Nightflight Rain, Las Vegas

04.10 Talking Music: The Session (WH)

05.35 Cliptomaniacs (WH)

04.35 Talking Music: The Documentary (WH)

06.00 On the Loose (WH) 06.30 Adventure Circus F1rst (WH)

02.35 On Stage: Best of Hurricane Festival 2010, Teil 3

05.00 The Film Festival in Your Living Room All Tomorrow’s Parties (WH)

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Red Bull Manny Mania world Final 21./22. 8. 2010

hot SPOTS

Showdown nach weltweit 32 Skateboard-Manual-Qualifikationsbewerben: Der beste Amateur erhält ein „Golden Ticket“ für das Red Bull Manny Mania Pro Event am Tag darauf, wo es gegen die besten Profis geht. New York, USA

Die besten Events des Monats rund um die Welt.

bilder: Camilo Rozo/Red Bull Photofiles, Getty Images for Red Bull Air Race/Red Bull Photofiles, Ray Demski/Red Bull Photofiles, Samo Vidic/Red Bull Photofiles

O’Marisquiño 2010 6. – 8. 8. 2010 Bei der zehnten Auflage des Sport-Festivals werden Skateboard-, BMX-, B-Boying- und FMX-Bewerbe ausgetragen. Am Start sind u. a. Mack McKelton, Danny Leon, Sergio Layos, ­Madars Apse und Jorge Gomez. Vigo, Spanien

Pro Wakeboard Tour 13./14. 8. 2010 Sämtliche Wakeboard-Stars von Parks Bonifay über Adam Errington, Dallas Friday, JD Webb bis zu Brian Grubb werden beim letzten Tourstopp der US-Serie an den Start gehen. Knoxville (TN), USA

FIS Grand Prix Skispringen 7./8. 8. 2010

Red Bull X-Fighters world tour 14. 8. 2010

Rauf auf den Zitterbalken – zum Start des Sommer-Grand-Prix, allerdings nicht bei Schnee und Kälte. Mattenspringen bei hochsommerlichen Verhältnissen ist angesagt, wenn Schlierenzauer, Morgenstern und Co Titelverteidiger Simon Ammann jagen. Hinterzarten, Deutschland

Im Vorjahr siegte Nate Adams. Vielleicht auch, weil ihn 18.000 Fans in der Battersea Power ­Station frenetisch anfeuerten. London, Großbritannien

Red Bull Cliff Diving World Series 8. 8. 2010 Die Cliff Diving-Serie macht bereits zum dritten Mal im pittoresken Städtchen an der Adria Station, mit der wohl ungewöhnlichsten Absprung-Plattform: einem privaten Balkon. Polignano a Mare, Italien

NASCAR Sprint Cup Series 8. 8. 2010 Auf dem 3,9 Kilometer langen Straßenkurs von „The Glen“ fand von 1961 bis 1980 auch ein Formel-1-Grand-Prix statt. Watkins Glen International (NY), USA

PGA Championship 12. – 15. 8. 2010 2004 war der Whistling Straits Course bereits einmal Austragungsort einer PGA-Champion­ ship. Heuer trifft sich die Elite, u. a. dabei: Camilo Villegas, wieder zu einem Major-Turnier auf diesem Platz. Whistling Straits (WI), USA

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Red Bull Xrow 14. 8. 2010 Im „Achter mit Steuermann“ geht es von See zu See. Ein- und Auswassern inklusive. Auf den Landpassagen tragen die Teams ihre Boote über Stock und Stein. Zug–Luzern, Schweiz

Red Bull Rookies Cup 14. 8. 2010 Vorletzte Station der JungbikerSerie ist die 5403 Meter lange, recht hügelige Rennstrecke in Tschechiens zweitgrößter Stadt. Brünn, Tschechien

Trailmaster Wildkogel 19. – 22. 8. 2010 Drei Tage Sport und Action. Die europäische MTB-FreerideSzene trifft sich, um zu biken und ordentlich Party zu machen. Neukirchen/Bramberg, Österreich

Baltic Games 20./21. 8. 2010 Das Skateboard- und BMX-Festival in der Hafenstadt ist einer der bedeutendsten Sport-Events in Polen. Am Start: der tschechische BMX-Biker Michael Beran. Danzig, Polen

FIM Motocross World Championship 22. 8. 2010 2009 kehrte die MotocrossWeltmeisterschaft erfolgreich nach Südamerika zurück. Heuer übersiedelt man von Canelinha auf die brandneue Rennstrecke in Campo Grande. Campo Grande, Brasilien


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Red Bull Air Race 7./8. 8. 2010 Der letzte Bewerb der Red Bull Air Race World Championship findet in Europa statt. Am EuroSpeedway Lausitz geht’s erstmals über einer MotorsportRennstrecke zur Sache. EuroSpeedway Lausitz, Deutschland

IFSC Climbing Worldcup 20./21. 8. 2010 Die Lead- und Speed-Spezialisten der Damen und Herren übersiedeln für zwei Wettkämpfe nach Asien. Eine Woche nach Xining finden in Chuncheon (KOR) Weltcupbewerbe statt. Xining, China

WRC Rally Deutschland 20. – 22. 8. 2010 Wechselt der Untergrund so oft wie bei dieser Strecke, kann man leicht ins Schleudern kommen. Nicht so Sébastien Loeb: Seit 2002 ist er bei der DeutschlandRallye ungeschlagen. Trier, Deutschland

DTM 22. 8. 2010 Das Rennen in den Niederlanden ist der Auftakt zur zweiten ­Saisonhälfte. Besondere Charakteristik: die Vielzahl an Sanddünen sowie tückische ­Bodenwellen und Kuppen. Circuit Park Zandvoort, Niederlande

Extreme Sailing Series Europe 26. – 29. 8. 2010 Die vierte Station der neu gegründeten Bootsklasse führt das Segelduo Hagara/Steinacher an den Nord-Ostsee-Kanal von Kiel – eine der bedeutendsten Segelhochburgen der Welt. Kiel, Deutschland

Red Bull Cliff Diving World Series 28. 8. 2010

FIVB Beachvolleyball Grand Slam 2. – 8. 8. 2010 Heuer erstmals mit GrandSlam-Status. 2009 gewannen bei den Damen Larissa/Juliana (BRA), bei den Herren siegten Benjamin/Pedro (BRA) im Finale gegen Brink/Reckermann (GER). Stare Jabłonki, Polen

Ötztaler Radmarathon 29. 8. 2010 Knapp 5000 Radfahrer werden die 238 Kilometer lange Strecke über 5500 Höhenmeter in Angriff nehmen. Kann dieses Mal die Dominanz der Italiener, die seit acht Jahren jeden Sieg holten, durchbrochen werden? Sölden, Österreich

Red Bull MotoGP von Indianapolis 29. 8. 2010 Nicky Hayden stand bei den beiden bislang ausgetragenen Moto­ GPs in Indianapolis jeweils auf dem Stockerl: 2008 wurde der US-Boy Zweiter, 2009 Dritter. Fehlt also nur noch der Sieg! Indianapolis (IN), USA

ASP World Tour 23. 8. – 3. 9.2010 Beim Billabong Pro Teahupoo nahe Tahiti bekommt es die männliche Surfelite mit extrem kraftvollen Wellen zu tun. Teahupoo, Taiarapu, Tahiti

FIA Formel-1-GrandPrix von Belgien 29. 8. 2010 Der F1-Grand-Prix mit der berüchtigten Eau-Rouge-Kurve brachte den Bullen-Teams noch nicht allzu viel Glück. Sebastian Vettel erreichte im Vorjahr aus der Pole-Position immerhin Platz 3. Spa-Francorchamps, Belgien

Red Bulls Salute 3. – 5. 9. 2010

Die Klippenspringer tauchen ein in den Urnersee, den östlichen Teil des Vierwaldstättersees, im Herzen der Schweiz. Von einem 26 Meter hohen Felsen! Sisikon, Schweiz

18 europäische Eishockeyteams aus sieben Nationen kämpften in den Vorrunden um acht Playoff-Tickets der European Trophy, die ihren Höhepunkt beim Red Bulls Salute-Finalturnier findet. Eisarena Salzburg und Eishalle Zell am See, Österreich

Stay Strong Stephen Murray Jam 28. 8. 2010

Red Bull Hase gegen Igel 4. 9. 2010

Kye Forte und Sebastian Keep nehmen an diesem BMX-DirtContest zugunsten des 2007 schwer gestürzten und seither querschnittsgelähmten BMXBikers Stephen Murray teil. Upton-upon-Severn, Worcestershire, Großbritannien

In Anlehnung an das berühmte Märchen wird Deutschlands beste 10.000-Meter-Läuferin Sabrina Mockenhaupt in ihrer Paradedisziplin alleine gegen Frauenstaffelteams mit je zehn Läuferinnen antreten. Buxtehude, Deutschland

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die macht der nacht Mehr als einmal um die Welt für alle, die nie müde werden.

Red Bull Emsee Als ob man es als Freestyle-MC nicht schon schwer genug hätte, geht es hier nicht nur darum, sich spontan gute Reime zu überlegen. Nein, die Rapper müssen auf Bilder und Schlagwörter reagieren und diese in ihren Freestyle-Text einbauen. Simultanübersetzen ist ein Kinderspiel dagegen! 3. 8. Atlanta (GA), USA 5. 8. Greensboro (NC), USA 12. 8. Houston (TX), USA 26. 8. St. Andrews Hall,   Detroit (MI), USA

bilder: Carlo Alberto Della Siega, norman konrad, Tobi Bauer, Universal Music

Wacken Open Air 5. – 7. 8. Einmal im Jahr wird der 2000-Seelen-Ort in SchleswigHolstein von Schwarzträgern und Headbangern invadiert und dank Bands wie Slayer, Cannibal Corpse, Voivod oder Mötley Crüe und dem Red Bull Tourbus zur Metal-Metropole. Festivalgelände, Wacken, Deutschland

Aquasella Fest 6./7. 8. 2010 „Komme zu Aquasella“, twitterte Star-DJ Sven Väth neulich vorfreudig. Und an die 35.000 Raver werden es ihm gleichtun. Sie pilgern dorthin, wo sich TechnoArtists wie Ben Klock, Luciano, Robert Hood, Dave Clark oder eben Herr Väth unter freiem Himmel die Plattennadel teilen. ¡Que te diviertas, Sven! Arriondas, Spanien

Hard Summer 7. 8. 2010 Soulwax, Crystal Castles, Major Lazer, Sinden. Diese und noch mehr hippe Electronic-Acts an nur einem Abend, das wird eine harte Sommernacht – und dem

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Tom Barman Charmant und cool findet der Frontmann der Indie-Rockband dEus seine Heimatstadt. Uns hat er die heißesten Locations und Spots verraten (S. 96). Antwerpen, Belgien

Festivalnamen damit mehr als gerecht. Nur gut, dass das Red Bull Music Academy Radio mit Aufnahmegerät vor Ort ist … State Historic Park, Los Angeles, USA

Sunjam Utila 7. 8. 2010 Exklusiver geht’s kaum: Das Festival findet auf einer kleinen Insel statt, 40 Kilometer von Honduras’ karibischer Küste entfernt, nur per Boot erreichbar. Dafür bietet das Strand-Spektakel mit den DJs Alexi Delano und Xpansul traumhaftes Meer, einen klaren Sternenhimmel und Robinson-Crusoe-Feeling. Utila Cays, Bay Islands, Honduras

Open Source Festival 7. 8. 2010 Die Einhufer bleiben im Stall, dafür schickt Deutschland beim Open Source Festival seine besten „Pferde“ ins Rennen respektive auf die Bühne der Trabrennbahn: die Befindlichkeitsrocker Tomte, den Wortkünstler Dendemann, den Berliner Indie-Zirkus Bonaparte u. v. m. Nachts wird in der City weitergefeiert. Mit House-Meistern wie Andy Vaz, Sascha Dive oder Oliver Hacke. Trabrennbahn, Düsseldorf, Deutschland

Caribou Die kanadische ElectronicPop-Formation gab dem SónarFestival die Ehre. Wir begleiteten Mastermind Daniel Snaith durchs Getümmel (S. 92). Barcelona, Spanien


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Zürich Street Parade 14. 8. 2010

Fukkk Offf Spanische Tapas, ein Aufwärmbier vor Mitternacht und eine leere Tanzfläche, die es zu befüllen galt – wir zogen mit Deutschlands New-Rave-Durchstarter durch die Nacht (S. 95). Hamburg, Deutschland

Audioriver Festival 7. – 9. 8. 2010 Höchste Zeit für ElektronikFreunde, ihre Zeltheringe mal in polnischen Boden zu schlagen! Dieses Festival muss sich hinter seiner westlichen Konkurrenz nicht verstecken, im Gegenteil. Mit Acts wie Plastikman, Metro Area, Magda, dBridge oder The Black Dog ist die Party an der Weichsel erstklassig programmiert. Und dass die Red Bull Music Academy obendrein Workshops schmeißt, ist wohl der Eiswürfel im Cocktail einer lauschigen Sommernacht. Strand an der Weichsel (Wisła), Płock, Polen

Rocco Del Schlacko 12. – 14. 8. 2010 Den Award für den besten Namen hätte dieses Open-Air-Spektakel längst verdient. Auch weil die beiden Bühnen so zauberhafte Namen wie Ponyhof und Sauwasen tragen. Musikalisch wird zwischen den Koordinaten Indie-Rock, Punk und Hip-Hop geflirtet. Heuer im Line-up: The Hives, Fettes Brot, Bad Religion, Blumentopf oder Bela B. Sauwasen, Püttlingen, Deutschland

Neopop Festival 12. – 14. 8. 2010 Drei Tage werden die sanften Klänge der Wellen an der portugiesischen Küste übertönt. Von Kickdrums, Synth-Sounds und massiven Bässen aus den Köchern von Vitalic, Ellen Alien, Cobblestone Jazz oder 2000 And One. Das Red Bull Music Academy Radio ist dabei und schickt den Sound in den Äther. Viana do Castelo, Portugal

Spirit of Burgas 13. – 15. 8. 2010

Terrazza Mare & Il Muretto Die zwei besten Bars des Badeortes leisten Widerstand gegen optische und akustische Umweltverschmutzung (S. 94). Jesolo, Italien

Bulgarien kann was. Auch popkulturell. Nicht nur der heißeste Act der House-Welt, KiNK, hat seine Wohnung in Sofia, auch das Festival baut seine Zelte alljährlich an der Schwarzmeerküste auf. Und beschert den Fans die feinsten Pop-Acts der letzten Dekaden: The Prodigy, Gorillaz, DJ Shadow oder Grandmaster Flash. Central Beach, Burgas, Bulgarien

Trillerpfeifen, bunte Perücken, Techno: Der kleine Cousin der deutschen Love Parade verwandelt Zürich seit 18 Jahren in eine große Outdoor-Party. Heuer bollern die Beats von DJs wie Paul Kalkbrenner, Moonbootica oder Eric Prydz über den Zürichsee. Das Motto lautet: „Celebrate the Spirit of Street Parade“. Zürich, Schweiz

Creamfields Andalucía 14. 8. 2010 Fußballspielen im Sand ist anstrengend. Tanzen auch. Das hat die 30.000 House-Fans letztes Jahr jedoch nicht davon abgehalten, an die spanische Südküste zu pilgern. Und mit Stars wie Richie Hawtin, David Guetta, Benga oder Tiga werden’s heuer garantiert noch mehr. Playa de Guardias Viejas, Almería, Spanien

Outside Lands 14./15. 8. 2010 Die Lohas sind Menschen, denen Gesundheit und Nachhaltigkeit am Herzen liegen. Konsumenten, die mit ihrem Lifestyle ein besseres Heute schaffen wollen. Und genau die richtige Zielgruppe für dieses Festival: Die meisten Gäste kommen per Fahrrad, das Essen wird auf recycelbaren Tellern serviert, ein Teil des Ticketerlöses geht an Umwelt-Organisationen. Das freut die konzertierenden Indie-Acts wie The Strokes, ­Phoenix oder Cat Power. Golden Gate Park, San Francisco, USA

Strøm Festival 16. – 22. 8. 2010 LCD Soundsystem, Gonjasufi, Four Tet, Pantha du Prince, Mount Kimbie. Nein, nicht bloß eine Auflistung der vermutlich innovativsten Elektronik-Musiker der Gegenwart, sondern das Line-up des Kopenhagener Festivals, das seine an die 80 Konzerte über die ganze Stadt verteilt: in Kirchen und Clubs, in Kinos und U-Bahn-Stationen. Kopenhagen, Dänemark

Games Com 18. – 22. 8. 2010 „Geh doch mal raus an die frische Luft!“ Jeder Gamer kennt diesen Satz, vorwiegend aus dem Mund seiner Eltern. Deshalb hier der Aufruf, dem Folge

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Caribou live am Sónar (v. li.): Daniel Snaith, John Schmersal, Ryan Smith, Brad Weber.

Odessa in Barcelona Die kanadische Electronica-Pop-Sensation Caribou wiegt am Sónar Festival die Sonne in den Schlaf. Mit Blockflöte und in Birkenstock-Sandalen. Daniel Snaith alias Caribou streicht sich mit Zeigefinger und Daumen über den Nasenrücken, wischt sich mit der Handfläche den Schweiß von der Stirn. Er ist erschöpft – erschöpft und glücklich. Zufrieden nickt er seinen drei Bandkollegen zu, mit buchstäblich letzter Kraft reißt er triumphal den rechten Arm nach oben, blickt ins Publikum, strahlt übers ganze Gesicht. Vor ihm ein Meer an Menschen. Vierhundert, fünfhundert, schwer zu sagen. Der Applaus jedenfalls ist ohren­ betäubend. Fast noch lauter als der fulminante Gig selbst, den Caribou gerade am frühen Abend auf der Red Bull Music Academy Stage am Sónar Festival absolviert hat. Drei Stunden vorher: Ein kleiner Van bahnt sich seinen Weg durch die Carrer dels Àngels, eine der engen Gassen nahe der touristischen Hauptschlagader Barcelonas, La 92

Rambla. Der Wagen kommt langsam voran, die Straße hat sich an diesem heißen Nachmittag in eine Fußgängerzone verwandelt. Junge Menschen mit Ray-Bans, in Shorts und Segelschuhen strömen dicht gedrängt in Richtung Museu d’Art Contemporani, Richtung Festival. Seit 16 Jahren trifft sich die Crème de la Crème elektronischer Musik jeden Juni in der katalanischen Metropole, über 80.000 Besucher feiern beim Sónar ihre Helden, von Techno bis House, Electronica, Dubstep, Hip-Hop oder Synthpop. Nachts in riesigen Messehallen außerhalb der Stadt, untertags im Herzen von Barcelona, im Museum für Moderne Kunst. Als der Van ebendort ankommt, steigen vier Typen aus. Sie tragen T-Shirts und Sommerhosen in zarten, pastelligen Farben. Einer

hat obendrein lachsfarbene Söckchen und schwarze Birkenstock-Sandalen an. Ob er wegen dieser modischen Verwirrung gleich beim Aussteigen um ein Foto gebeten wird? Wohl nicht. Eher hat’s damit zu tun, dass Daniel Snaith, ein Kanadier Anfang dreißig, als Cari­ bou das bislang meistgefeierte ElektronikPop-Album des Jahres veröffentlicht hat. „Swim“, ein psychedelischer Bildersturm, gespickt mit dancy Popsongs wie dem Hit „Odessa“ oder mäandernden Sound-Epen. Viel Zeit für Fan-Fotos haben Snaith und seine Musiker allerdings nicht. Gerade erst sind sie mit dem Flugzeug aus London gekommen, in zwei Stunden sollen sie schon los­ legen. Keyboards, Drums, Gitarren und Effektpedale schleppen die vier selbst in metallenen Cases zur Bühne, Snaith ereilt beim Anblick des SónarDome, einer Zeltbühne im Hof des Museums, ein kurzes Flashback. „2002 hab ich zum ersten Mal am Sónar gespielt“, erzählt Snaith, „genau auf dieser Bühne. Damals allerdings noch allein, als Laptop-Act. Die Stimmung, die Leute – es war großartig! Ich hab damals ein Stück des Art Ensemble of Chicago gespielt, Free-Jazz, nicht gerade die leichteste Kost. Und trotzdem ist das Publikum total abgegangen. Ich dachte nur, wow, wo bin ich denn hier gelandet?!“ Das war einer seiner ersten Gigs überhaupt. Und gleichzeitig einer seiner letzten mit Computer auf der Bühne. Sosehr Snaith es liebt, seine Platten alleine im Studio aufzunehmen, so sehr braucht er live das

bilder: Tobi Bauer

Green Room

CARIBOU barcelona


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zu leisten und nach Köln zu fahren. Man muss der Mutter ja nicht auf die Nase binden, dass dort die größte Messe für interaktive Spiele und Unterhaltung stattfindet … Messehallen, Köln, Deutschland

Pukkelpop 19. – 21. 8. 2010

Schweres Gedränge: Caribou versammelte das gesamte FestivalPublikum vor der Red Bull Music Academy Stage.

Für Agoraphobiker wär das nix: 150.000 Menschen auf einem Feld. Ganz abgesehen von den über 200 Pop-Acts, die sich rund um die Uhr lautstark kundtun. Fürs Festivalvolk ist das belgische Pukkelpop ein sommerlicher Segen, denn das Programm ist mit Acts wie 2manydjs, The XX, Klaxons, Kelis, Placebo und Iron Maiden ebenso bunt wie berauschend. Festivalgelände, Kiewit-Hasselt, Belgien

FM4 Frequency 19. – 21. 8. 2010 Die Institution für Adidas-Trainingsjackenträger südlich des Weißwurstäquators: Seit neun Jahren lädt FM4 seine Lieblingsbands zum sommer­ lichen Stelldichein. Muse, Massive ­Attack, Fettes Brot, LCD Soundsystem oder Bad Religion sind in diesem Jahr mit von der Landpartie in St. Pölten. Green Park, St. Pölten, Österreich

Organische, die Improvisation, das Spontane. „Live klingt Caribou anders als auf Platte, obwohl wir die gleichen Songs spielen. Durch das viele Proben und Jammen haben sich die Arrangements total verändert. Jede Nacht ist anders. Hängt ganz davon ab, wie sehr das Publikum reinkippt.“ Wenig später stehen die vier schon auf der Bühne, allerdings noch versteckt hinter den Boxentürmen. Vorne mixt gerade der französische DJ und Red Bull Music Academy-Absolvent Kool Clap einen Track von Daft Punk. Snaith wippt im Takt, als sich der Track hereinschmiegt. Dann macht er sich bereit: Er nimmt die Brille ab und zieht die Birkenstock-Sandalen aus. „Wegen der Gitarrenpedale und der Bassdrum. Die lassen sich besser in Socken bedienen“, sagt er. „Aber ich werde ständig darauf angesprochen. Neulich habe ich in Berlin gespielt, die Leute von meinem Label waren dort. Und die sind richtig erschrocken. So kannst du doch nicht auf die Bühne gehen, haben sie gesagt. Aber ich liebe meine Birkenstocks eben. Mir ist zwar klar, dass das ein gewagtes modisches Statement ist, aber im Prinzip sind sie einfach nur extrem praktisch!“ Warum Snaith Komfort auf der Bühne braucht, wird wenige Minuten später klar, als Caribou mit „Leave House“ loslegen. Schon während der ersten drei Stücke hat Snaith vier Instrumente bedient. Gitarre, Rassel, Drums, Synthesizer. Und irgendwie schafft er es, gleichzeitig auch noch zu singen. „Ich

spiele viele dieser Instrumente zwar am Album, aber nicht sonderlich gut. Live war’s dann einfach so, dass mir die Instrumente geblieben sind, die sonst keiner spielen wollte“, sagt er nach der Show grinsend. Da gehört wohl auch die Blockflöte dazu, die der Kanadier während des aktuellen Hits „Odessa“ zückt und das äthiopische Flötensolo der Platte sehr, ähm, befreit nachdudelt. Charmant daneben irgendwie, etwas nerdy. Ähnlich wie Snaith’ kleine Tanzeinlagen zwischendurch. Doch genau das macht Caribou-Live-Shows aus. Dieser Spagat zwischen Humor und Profession, zwischen ihren Krankenpfleger-Outfits und der intensiven, verschwitzten Show, zwischen den gekämmten Popsongs und ausufernden ­Psychedelic-Monstern. Mit einem solchen lassen Caribou ihr Set auch ausklingen. „Sun“, ein mäanderndes, in sich verschachteltes Epos zwischen Krautrock und Techno, serviert die Band passend zur Dämmerung. Snaith verfällt in Trance, trommelt, spielt Synthesizer, wiederholt mantraartig das Wort „Sun“ – und bringt sozusagen die katalanische Sonne zu Bett. Nach dem Konzert greift der charmante Kanadier mit der Linken zum Mikrofon und ruft: „You’ve been so nice to us! Have a wonderful weekend, thank you!“ Die Freude, Caribou, war ganz auf unserer Seite. Caribou im Interview über seine besten Tracks: www.redbullmusicacademyradio.com/shows/2691 Weitere Sónar-Pics: de.redbulletin.com/sonar2010

Zomerkriebels Festival 21. 8. 2010 Was Zomer bedeutet, wissen wir. Sommer nämlich. Was die Niederländer allerdings mit Kriebels meinen, kann auch unser Wörterbuch nicht beantworten. Ist auch egal, schließlich wissen wir, was wir von dem Festival erwarten können: Wiesen, fünf Bühnen und DJs wie The Crookers, Tocadisco oder Afrojack. Vredenburg Leidsche Rijn, Utrecht, Niederlande

Battle of the Year Germany 21. 8. 2010 Headspins, Swipes, Flairs und Freezes: Bei der Qualifikation zur (inoffiziellen) Breakdance-Weltmeisterschaft zeigen die deutschen B-Boys ihr Können. Das Finale findet im November im französischen Montpellier statt. Kultur- und Kommunikations­ zentrum Pavillon, Hannover, Deutschland

Eckernförde Strand Festival 22. 8. 2010 2007 sorgte Joe Cocker hier für Begeisterung. Zwei Jahre später gab sich Rod Stewart die Ehre, und 10.000 Fans folgten der Einladung. In diesem Jahr stehen die Fantastischen Vier als Headliner fest. Strand, Eckernförde, Deutschland

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Die Sonne scheint auch nachts über der Strandbar Terrazza Mare.

31. Jazzfestival Saalfelden 26. – 29. 8. 2010 Jazz – ein Begriff, der Assoziationen weckt: verrauchte Bars in Harlem, stickige Spelunken in New Orleans. Aber nicht unbedingt ein Dorf in Salzburg. Doch Saalfelden pflegt seine JazzTradition bereits seit über 30 Jahren. Heuer mit Gästen wie ZU, Marc Ribot, Franz Hautzinger, Speak u. a. Saalfelden, Österreich

TERRAZZA MARE & Il MURETTO JESOLO

Forest Fest 26. – 29. 8. 2010

Tauron Nowa Muzyka Festiwal 26./27. 8. 2010 Außergewöhnliche Musik verlangt eine außergewöhnliche Spielstätte. Die Veranstalter des Nowa Muzyka Festiwal wissen das und haben sich für die fünfte Edition ihres AdvancedElectronic-Spektakels in einer alten Kohlemine eingemietet. Wundert euch also nicht, wenn Acts wie Floating Points, Autechre, Prefuse 73 oder Bonobo mit rußverschmierten Gesichtern die Bühne entern.. Katowice, Polen

Red Bull Tourbus @ Chiemsee Reggae Summer 27. – 29. 8. 2010 Zwischen bayrischer Gemütlichkeit und karibischer Party-Atmosphäre pendelt das größte Reggae-Festival Deutschlands, bei dem Fat Freddy’s Drop, Gentleman, The Wailers oder Jan Delay und die Bands am Red Bull Tourbus ein Knickserl vor dem allmächtigen Jah hinlegen. Festivalgelände, Übersee,   Deutschland

Electric Elephant 27. – 29. 8. 2010 Klein, aber fein: Im kroatischen Petrcˇane lösen Ende August 3000 Musikliebhaber die Badetouristen ab. Denn am beschaulichen Strand gibt’s elektronische Konzerte im Sonnenuntergang, Bootpartys und housige DJ-Sets unter Palmen von so großartigen Acts wie Fuck Buttons, Juan Maclean, Todd Terje oder Don Letts. The Garden, Petrcˇane, Kroatien

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World’s Best Clubs

Jazzin’ Jesolo Pizza, Strand und Proll-Musik, damit wird man hier reichhaltig bedient. Nur die zwei besten Bars der Stadt leisten Widerstand. Kitschige Restaurants mit süßholzraspelnden Akkordeonspielern auf der Terrasse, vollgeramschte Strandbedarfshops, bunt beleuchtete Spielhallen und Hotelbars, aus denen prollige House-Musik dröhnt. Das ist Jesolo bei Nacht. Zumindest für jene Touristen, die sich abends durch die Bummelmeile Via Dante Alighieri schieben. Für all jene eben, die sich von dem norditalienischen Badeort nicht mehr erwarten als Pizza, Strand und Chianti. Dabei hat’s gerade das Nachtleben Jesolos in sich. Bestes Beispiel: das Terrazza Mare. Ein auf Pfählen ins Wasser hineinragendes Lokal in einer kleinen Lagune an der Mündung des Flusses Sile. Vom Inneren der 250 Quadratmeter großen Bar schweift der Blick raus über das im Abendlicht schimmernde Meer, bleibt an einem majestätisch in der Bucht thronenden Leuchtturm hängen. „Ist zwar nicht mehr in Betrieb“, erklärt Luca „Fizzo“ Fabbro, „aber an Romantik kaum zu übertreffen.“ Recht hat er. Vor zwanzig Jahren hat Fabbro das Terrazza Mare eröffnet und sukzessive ausgebaut. Heute gehört außerdem ein Garten zum Lokal, voll mit wuchernden Pflanzen, Kunstobjekten und Lichtinstallationen. Und ein Drink, der seinen Siegeszug angeblich von hier aus gestartet hat. „Vor zwölf Jahren war Aperol ein Arbeitergetränk“, sagt Fabbro. „Ich hab’s damals aufgegriffen und einen Aperitif entworfen, den Spritz. Seit 2002 veranstalte ich vorne am Strand einmal

ll Muretto, ein nächtliches Juwel zwischen SixtiesCharme und Techno-Beats.

im Jahr die große ‚Spritz on the beach‘-Party. Mit über 10.000 Gästen.“ Viele seiner Strandpartys veranstaltet ­Fabbro zusammen mit seinem alten Freund Tito Pinton, Besitzer des ältesten Clubs der Stadt, Il Muretto. 1961 wurde der Laden eröffnet. Mit Dach und lediglich einer Außenmauer, deshalb auch der Name, der „kleine Mauer“ bedeutet. In den Anfangstagen traten im Muretto Stars wie Ray Charles oder James Brown auf, der Club brachte Jet-Set-Flair an die Adriaküste. Und das tut er heute noch: Techno-Star Dubfire beispielsweise bezeichnet Il Muretto als besten Club Italiens, DJ-Ikonen wie Carl Craig, Fatboy Slim oder Sven Väth wechseln sich am Wochenende an den Plattenspielern ab – und versüßen bis zu 5000 Tänzern die Nächte. Das Interieur pendelt zwischen balearischem StrandhausCharme, Art déco und Sixties-Glamour. „Der beste Moment jeder Nacht ist, wenn um fünf Uhr morgens das Dach über dem Dance­ floor aufgeht und die Leute in den Morgen tanzen“, sagt Pinton und drückt auf einen Knopf am DJ-Pult, worauf sich das Blechdach über ihm öffnet. Ein Sommer-Moment, in dem die Hausmeisterstrand-Klischees ­Jesolos weit weg sind, mindestens so weit wie der nächste Winter. Terrazza Mare, Piazzetta Faro, 30016 Jesolo, www.terrazzamare.com; Il Muretto, Via Roma Destra 120, 30016 Jesolo, www.ilmuretto.net

bilder: Carlo Alberto Della Siega

Anders als der „Landsmann“ Exit Festival baut das Forest Fest nicht auf große Namen im Line-up, dafür aber auf allumfassendes Entertainment. Mitten im sommerlichen Grün des Košutnjak-Waldes gibt’s neben den obligatorischen Bands und DJs zusätzlich Sportwettbewerbe, Tanzkurse, Filmscreenings, Workshops. Košutnjak-Wald, Belgrad, Serbien


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Fukkk Offf vor seinem liebsten Wahrzeichen Hamburgs, der Roten Flora. Danach rockt er die Fashion-Show.

FUKKK OFFF HAMBURG Nightcrawler

Der Berg ruft

Bilder: Norman konrad

Vom Nobelspanier zur Roten Flora, vom GalaoStrich ins Industrieviertel. Hamburger Nächte mit dem New-Rave-Durchstarter Fukkk Offf dauern lange. Länger, als seinem Manager lieb ist. „Olé, olé, olé“, schallt es aus dem Restaurant, Sekunden später stürmt ein Kellner im weißen Hemd in den Gastgarten und lässt seine Fußballhupe lautstark tröten. „Da haben die Spanier wohl grad ein Tor geschossen“, sagt Bastian Heerhorst und grinst. „La Roja“ spielt bei der WM gerade gegen Chile. Dass die Stim­ mung im El Toro, laut Heerhorst Hamburgs bester Spanier, an diesem Abend prächtig ist, versteht sich von selbst. „Obwohl ich ja eher der Pizza-Burger-Typ bin. Aber gelegentlich führt mich mein Manager Ekki hierher zum Fischessen aus“, sagt der 31-jährige Musiker.

Einen Manager braucht er, sein New-RaveProjekt Fukkk Offf geht gerade durch die Decke. Mit seinen dicken Sägezahn-Bässen und verzerrten Elektro-Beats war er soeben auf US- und Australien-Tour, sie haben ihm einen Vertrag bei dem renommierten New Yorker Dance-Label „Coco Machete“ eingebracht. Sein Album „Love Me Hate Me Kiss Me Kill Me“ ist Punkrock. Elektronischer Punkrock, Synthesizer, die nach Stromgitarren klingen. Davon zeugt auch das Cover: ein ausgestreckter Mittelfinger im Achtziger-JahreAirbrush-Style.

Angesichts dieses schroffen Image sieht Heerhorst eigentlich recht normal aus. Nix mit Tätowierungen oder so, der Hamburger trägt ein schwarzes T-Shirt und blaue Jeans. Im schwarzen Rucksack hat er seinen Laptop verstaut. Den braucht er später noch. Fukkk Offf wird um zwei Uhr morgens einen Gig im Osten der Stadt geben. In einer aufgelassenen Fabrikhalle als Haupt-Act der Fashion-ShowParty des Onlineshops frontlineshop.com. Davor allerdings geht’s noch ins Schanzenviertel. Zum Galao-Strich, wie Heerhorst die Gegend nennt, wegen der vielen portugiesischen Cafés. Hierher ist der Musiker vor vier Jahren übersiedelt, in eine Wohnung direkt neben dem legendären Punk-Schuppen Rote Flora, einem autonomen Zentrum, in dem Konzerte und Partys stattfinden. Er liebe das Schanzenviertel, sagt er und zündet sich eine Zigarette an, auch wenn sich das Gesicht des Hamburger In-Bezirks in den letzten Jahren verändert habe. „Es ist schon etwas schickimicki geworden. Mittlerweile gehe ich meistens am Hamburger Berg aus. St. Pauli, das ist hardcore. Dort gibt’s kleine Läden, coole Bars dicht an dicht aneinander. Und das Beste ist, du kommst überall umsonst rein.“ An diesem Abend allerdings geht’s der Elektroniker ruhiger an, trifft sich in der kleinen Bar „Tier“ mit Freunden auf ein Aufwärmbierchen, auf ein kühles Astra. „Morgen spiel ich nämlich in Antwerpen, mein Flug geht um neun Uhr früh“, erzählt er ihnen. Kurz vor Mitternacht geht’s geschlossen im Großraumtaxi Richtung frontlineshopFashion-Party. Vor dem riesigen Backsteingebäude ist ein roter Teppich ausgerollt, eine dumpfe Bassdrum dröhnt bis auf die Straße heraus. Als Heerhorst samt Entourage die Halle betritt, erschrickt er erst mal: Die Tanzfläche ist leer. Obwohl der Laden eigentlich vor Mode-Hipstern überquillt. „Uh, ich hoff mal, dass da mehr geht“, sagt er und baut sein minimalistisches Equipment auf: Laptop, Soundkarte, Keyboard. Als Fukkk Offf eine halbe Stunde später seine Show eröffnet, füllt sich der Dancefloor sehr schnell. „Bastis Sägezahn-Sound zieht eben immer“, kommentiert einer seiner Freunde. Nach dem Konzert klopft ihm sein Manager Ekki wohlwollend auf die Schulter. Gut gemacht, Junge, sagt er, aber jetzt ab ins Bett, dass du mir mal den Flieger morgen nicht verpennst. Der Musiker nickt. Ändert seine Meinung allerdings schlagartig, als sein Manager im Taxi sitzt. „So. Jetzt noch Hamburger Berg, oder was?“, fragt er seine Freunde. Es ist mittlerweile drei Uhr früh, seine Arbeit ist getan, die Party kann starten. Ob er’s am nächsten Morgen rechtzeitig zum Flughafen geschafft hat? Wir wissen es nicht, wünschen es der Partycrowd in Antwerpen aber allemal. Tourdaten, Sounds und Videos von Fukkk Offf gibt’s auf www.myspace.com/fukkkofff

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Tom Barmans Lieblingskneipe in Antwerpen: das Kassa 4 am Ossenmarkt.

TOM BARMAN antwerpen

Resident Artist

Terrassenträume Antwerpen mag nicht die größte Stadt Belgiens sein. Dafür aber die charmanteste und coolste. Findet Tom Barman, Frontmann der Indie-Rock-Helden dEUS. Antwerpen stand von jeher im Schatten von Brüssel, hatte immer die Rolle des kleinen Bruders. Was die Stadt allerdings nie davon abgehalten hat, ihren eigenen Weg zu gehen und eine eigenständige, pulsierende Szene aufzubauen. Ich glaube, das hat viel mit den Antwerpenern und ihrer Einstellung zu tun. Die Leute hier sind anders. Schwer zufrieden­ zustellen, schwer zu beeindrucken. Wann immer wir dort spielen, müssen wir besser sein als irgendwo anders – das Antwerpener Publikum kennt keine Gnade, das sind die schärfsten Kritiker. Distanziert, arrogant, sehr direkt. Und mit einem sehr brutalen Sinn für Humor ausgestattet. Und dennoch lebe ich hier. Im jüdischen Viertel nahe dem Hauptbahnhof. Ich bin in der Gegend aufgewachsen und kenne sie wie meine Westentasche. Eine ruhige Nachbarschaft, fast unnatürlich ruhig, mit orthodoxen 96

Juden und Diamantenhändlern. Perfekt für jemanden wie mich, der sonst meistens von lauter Musik umgeben ist. Als wir uns vor ein paar Jahren nach einem Studio in Belgien umgesehen haben, war sofort klar, nicht Brüssel, sondern Antwerpen wird’s. Unser Violinist Klaas hat ein altes, riesiges Gebäude im Bezirk Borgerhout erstanden, das uns heute als Hauptquartier dient. Es ist unser Proberaum, unser Studio, und im Erdgeschoss schmeißt Klaas gelegentlich eine Partyreihe namens De Pekbabriek. Nicht allzu oft, ungefähr alle ein bis zwei Monate. Dafür geht’s da dann ordentlich zur Sache. Ziemlich durchgeknallt, halb illegal, sehr undergroundig. In puncto Ausgehen ist die Szene in Antwerpen ziemlich überschaubar. In einer guten Nacht lässt du dich durch verschiedenste Viertel treiben, erkundest nebenbei die Stadt.

Uns zieht’s normalerweise erst ins Stadtzentrum in diesen kleinen Laden namens Kassa 4, meine Lieblingsbar. Sie liegt am Ossenmarkt im Herzen der Studentengegend. Außerdem gehen wir gern ins Zeezicht (1) am Dageraadplaats in der Nähe unseres Studios. Wer sich nach etwas exklusiverer Abendgestaltung sehnt, ist im Süden der Stadt gut aufgehoben, wo’s nette Cocktailbars gibt. Oder im Norden am Hafen mit tollen Restaurants wie Bart-a-Vin (2) oder Den Artist (3), die traditionelle belgische Kost servieren. Einen totalen Aufschwung erleben hier gerade Do-it-yourself-Partys: kleine Kellerräume, Industriehallen oder Abbruchhäuser werden kurzzeitig für Feste adaptiert. Spontan, wenig Eintritt, Antwerpener Kids stehen selbst hinter den Plattentellern. Die „The Kelly Splinter“-Partys zum Beispiel sind super, erinnern mich an den Charme früher


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Festningen 28. 8. 2010 Jean-Michel Jarre ist der Mann, der dem Synthesizer Yoga gelernt hat. Der Mann, der zwölf Millionen Stück von seinem Album „Oxygène“ aus dem Jahr 1976 verkauft und damit das Genre Ambient nicht nur miterfunden, sondern gleich für die Masse kompatibel gemacht hat. Der Mann, der mit seinen Synthesizer-Burgen noch immer um die Welt tourt und so neben Artists wie Röyksopp und The Very Best beim Festningen Festival in Oslo gastiert. Akershus Festning,   Oslo, Norwegen

Das Bart-a-Vin am Hafen serviert belgische Spezialitäten …

Tom Barman (2. v. re.) und seine Band dEUS.

SINT-AMANDUS

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bilder: David Legreve (3), Universal Music, illustration: illustration: andreas posselt

… wie auch das ­herzige Den Artist.

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1 Zeezicht, Dageraadplaats 7 2 Bart-a-Vin, Lange Slachterijstraat 3 3 Den Artist, Museumstraat 45 4 Café Capital, Rubenslei 37 5 Café Chat Le Roi, Leopold de Waelplaats

1 Zeezicht

Raves, sehr rau und improvisiert. Außerdem gibt’s da dieses besetzte Haus namens Scheld’apen, das von der Polizei geschlossen wurde und momentan die Heimat der besten Events der Stadt ist. Mit Hardcore-ElectroNächten, Rockbands, Ausstellungen … ziemlich cool. Das großartige Café Capital (4) dagegen liegt mitten im Stadtpark und ist eher kleiner. Nicht mehr als 400 Leute passen rein, aber gerade dieser Umstand erzeugt tolle, gedrängte Energie. Den Tag nach einem Gig oder einer ausgedehnten Nacht verbringe ich meistens in der Innenstadt. Vor allem sonnige Tage startet man am Leopold de Waelplaats. Auf der Terrasse des Cafés Chat Le Roi (5) zum Beispiel, von der man auf die Straße runtersieht und der Stadt beim Erwachen zuschauen kann. Sobald es draußen wärmer wird, ist der ganze Platz mit Straßencafés gesäumt. Du flanierst, triffst wen, setzt dich dazu, trinkst ein Bier. Wir haben dafür in Belgien sogar eine Redensart: „een terrasje doen“. Was so viel bedeutet wie „rauf auf die Terrasse“. Wer noch tiefer in die Stadt eintauchen und ihre Eigenheiten erkunden will, der geht am besten zum Strand. Ja, richtig gelesen. Es gibt in Antwerpen einen Strandstreifen namens Sint Annastrand am Südufer der Schelde mit vielen kleinen Restaurants und einer Promenade. Ich würde jetzt nicht sagen, dass dort die Schokoladenseite der Stadt schlummert, aber der jenseitige Charme hat schon etwas für sich. Die Situation ist sehr komisch: Du hast einen Strand an einem Fluss, in dem du nicht baden kannst, der Blick beim In-der-Sonne-Liegen fällt unweigerlich auf den Industriehafen gegenüber. Skurril, aber bodenständig, schmuddelig, aber irgendwie bezaubernd. Gerade diesen letzten Satz, so glaub ich, könnte man eigentlich auf ganz Antwerpen umlegen. dEUS’ aktuelles Album: „Vantage Point“ (Universal) Tourdaten und Videos auf: www.deus.be

Eastern Electrics August Bank Holiday 29. 8. 2010 Die besten Wochenenden sind doch die, die bis Montag dauern und damit quasi zwei Samstage in Folge aufbieten können – einen echten und einen falschen. Das finden auch die Veranstalter vom Eastern Electrics August Bank Holiday, die an diesem verlängerten Wochenende erst am Sonntagabend die Boxentürme anwerfen, DJs wie Anja Schneider, Glimpse oder Trevor Jackson an die Decks bitten und dafür bis Montagmorgen durchfeiern. Union Car Park, London, Großbritannien

Notting Hill Carnival 29. – 31. 8. 2010 Seit 1964 ziehen am letzten Augustwochenende alljährlich dutzende Trucks durch die Straßen Londons. Bunt behangen, mit tonnenschweren Soundsystems beladen. Die afro-karibische Community feiert im Kreis von 1,5 Millionen Schaulustigen ihre Kultur. Notting Hill, London

International Film Festival Durrës 29. 8. – 4. 9. 2010 120 neue Dokumentar- und Spielfilme unter sommerlichem Sternenhimmel – ein Angebot, das Cineasten und Kulturtouristen gleichermaßen lockt. Nach Durrës nämlich, wo heuer das dritte Internationale Filmfestival Albaniens über die Leinwand geht. Dem Regisseur Muharrem Fejzo wird eine Retrospektive gewidmet, natürlich darf auch ein Spezialprogramm für die „Balkan World“ nicht fehlen. Amphitheater, Durrës, Albanien

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u den Menschheitsirrtümern, die sich am hartnäckigsten halten, gehört der Glaube, auf der Welt gehe es zu wie in einer Konditorei. Wir könnten also frei darüber entscheiden, was wir tun und was wir bleibenlassen: ob wir den riesigen, k ­ alorienstrotzenden Eisbecher bestellen und essen; ob wir ihn erst gar nicht ­bestellen und bloß traurig an ihn denken; oder ob wir ihn bestellen und dann ­heroisch nicht essen – wie auch immer. Aber bekanntlich ist die Welt keine ­Konditorei. Und es gibt jede Menge ­Situationen, in denen wir etwas ­Bestimmtes tun müssen, ob wir es nun wollen oder nicht. Ich denke dabei nicht einmal an unseren Körper, der uns ­ständig alle möglichen Dinge abverlangt wie Atmen und Trinken und Essen, weil er uns andernfalls einfach den Dienst ­versagen würde. Nein, ich denke an etwas ganz anderes: an die Unmöglichkeit, nicht zu kommu­ nizieren. Diese Erkenntnis stammt vom österreichischen Psychologen Paul Watz­ lawick und klingt ein wenig sperrig. Ich will sie daher kurz erläutern. Entgegen der Annahme, wir könnten uns entschei­ den, mit jemandem zu sprechen oder ihn anzuschweigen, haben wir in Wirklichkeit gar keine Wahl. Wir mögen schweigen, das ja. Aber wir schweigen immer bedeu­ tungsvoll. Wenn wir also auf die Frage unseres Sitznachbarn, ob wir seinen Eis­ becher aufgegessen haben, nichts sagen, wird der das als Eingeständnis werten (weil wir indirekt gesagt haben: „Ja, hab ich“). Macht uns ein besonderer Mensch eine Liebeserklärung und wir reagieren darauf, indem wir vor uns hinstarren, wird der andere seine Schlüsse draus ziehen („Ich stoße offensichtlich nicht auf Gegenliebe“). Das heißt: Auch wenn wir uns tot stellen, uns mit dem Gesicht zur Wand in eine Ecke legen, uns Ohropax in die Ohren stecken und uns den Mund zu­

Ankowitschs Kolumne belebt Körper und Geist

Beredtes Schweigen Ob wir wollen oder nicht: Wir kommunizieren auch dann, wenn wir kein einziges Wort ­verlieren. Und Vorsicht: Auch unser Radhelm kann sprechen! kleben – wir reden in einem fort, ob beab­ sichtigt oder nicht. Daher übrigens auch der Ausdruck „beredtes Schweigen“. Wer diese Erkenntnis akzeptiert, wird die Welt plötzlich mit neuen Augen sehen: und zwar als ein ziemliches Durcheinan­ der, in dem sehr viel kommuniziert wird, also geredet, gemurmelt, angedeutet und gebrüllt. Und nie geschwiegen. Die meisten von uns ahnen das bereits seit langem. Anders lässt sich nicht erklären,

warum Frauen sehr lange über die Höhe ihrer Schuhabsätze nachdenken können (weil sie nämlich in Wirklichkeit darüber rätseln, was diese ihrem Gegenüber er­ zählen könnten und welche Antworten provozieren); und warum Männer in der Frage, für welche Automarke sie sich ent­ scheiden sollen, eine Lebensentscheidung sehen (weil das Auto nämlich aller Welt erzählt, wer sie sein wollen und vielleicht gar nicht sind). Wie folgenschwer das Sprechen der Dinge mitunter sein kann, zeigt das nach­ stehende Beispiel. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass Fahrradfahrer, die einen Helm tragen, nennenswert häufiger in Unfälle verwickelt werden als solche, die mit wehendem Haar die Straße ent­ langradeln. Die Erklärung dieses Phäno­ mens: Sowohl der Helm als auch das wehende Haar sprechen. Der Helm gibt den Autofahrern zu verstehen, dass sie da eben an einem Profi vorbeirauschen, woraufhin sie denken: „Bei dem muss ich keinen großen Abstand halten, der weiß ja, was er tut“ – und schon ist es gesche­ hen. Das wehende Haupthaar hingegen spricht eine andere Sprache. „Ich bin ein Amateur“, sagt es, und: „Ich bin unbere­ chenbar.“ Woraus die Autofahrer offenbar schließen: Besser, ich halte mich von die­ sem Radler fern. Doch keine Angst: Dass alle Welt ­ständig spricht, bedeutet nicht, dass wir keine Chance hätten, sie in unserem Sinne zu beeinflussen. So könnten Radfahrer ja ein Helmmodell wählen, das mit einer Perücke überzogen ist. Wenn wir schon nicht schweigen können, sollten wir ­wenigstens klare Worte finden. Christian Ankowitsch, 51, ist ein öster­ reichischer Journalist, Schriftsteller und Lebenshelfer. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Österreich, ISSN 1995-8838: Herausgeber und Verleger Red Bulletin GmbH Chefredaktion Robert Sperl, Stefan Wagner (Stv.) Creative Director Erik Turek Art Director Markus Kietreiber Fotodirektion Susie Forman, Fritz Schuster (Stv.) Chefin vom Dienst Marion Wildmann Leitende Redakteure Werner Jessner, Uschi Korda, Nadja Žele Redaktion Ulrich Corazza, Florian Obkircher, Christoph Rietner, Andreas Rottenschlager Grafik Miles English, Judit Fortelny, Esther Straganz, Dominik Uhl Fotoredaktion Markus Kucˇera, Valerie Rosenburg, Catherine Shaw Senior Illustrator Dietmar Kainrath Autor Christian Ankowitsch Mitarbeiter Wolfgang Hofbauer, Norman Howell, Justin Hynes, Ruth Morgan, Anthony Rowlinson, Herbert Völker, Paul Wilson Illustratoren Albert Exergian, Mandy Fischer, Lie-Ins and Tigers Augmented Reality Martin Herz, www.imagination.at Lektorat Hans Fleißner Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Christian Graf-Simpson Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter Omar Sádaba Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Geschäftsführung Karl Abentheuer, Rudolf Theierl Internationale Projektleitung Bernd Fisa Sonderprojekte Boro Petric Finanzen Siegmar Hofstetter Verlags­ leitung Joachim Zieger Marketing Barbara Kaiser (Ltg.), Regina Köstler, Johanna Schöberl Projektmanagement Jan Cremer Anzeigenverkauf Bull Verlags GmbH, Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien; anzeigen@at.redbulletin.com Office Management Martina Bozecsky, Sabrina Pichl Firmensitz Red Bulletin GmbH, Am Brunnen 1, A-5330 Fuschl am See, FN 287869 m, ATU 63087028 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Redaktionsbüro London 155-171 Tooley Street, SE1 2JP, UK Web www.redbulletin.com Erscheinungsweise Das Red Bulletin erscheint jeweils am ersten Dienstag des Monats als Eigenbeilage von und in Kooperation mit folgenden Partnerzeitungen – in Österreich: Kleine Zeitung, Kurier, Die Presse, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten; Burgenländische Volkszeitung, Niederösterreichische Nachrichten. In Deutschland: Münchner Merkur, tz. Das Red Bulletin liegt auch der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bei. In Großbritannien: The Sunday Telegraph. In Irland: Irish Independent. In Nordirland: Belfast Telegraph. In Polen: Gazeta Wyborcza. In Südafrika: Cape Argus, Cape Times, Daily News, Pretoria News, The Star. In Neuseeland: The New Zealand Herald. Gesamtauflage 3,6 Millionen Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com

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