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SCHWEIZ

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

METALLICA

ÜBER WOLFSBLUT, BUSINESS UND HAIFISCHBECKEN DIE GESUNDE

OHRFEIGE

Wie sich der beste Fechter der Schweiz scharf macht

RIHANNA

„Ich werde nie untergehen. Ich habe alles im Griff.“

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Gadgets, die dein Leben schlauer machen

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JE S P E R TJÄ DE R


VIDEO STABILISATION

WASSERDICHT SPRACHSTEUERUNG


DIE WELT VON RED BULL

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NEWALL HUNTER

aus Schottland ordnete sein Leben einem Ziel unter: dem Grand Slam der Abenteurer.

WILLKOMMEN Es braucht als Popsternchen eine Menge Selbstbewusstsein, um zu sagen: „Ich möchte die schwarze Madonna werden.“ Das war 2010. Doch es brauchte noch mehr Power, dass ihre Kritiker 2017 zu­ geben müssen: Rihanna hat es geschafft. Auch deshalb, weil sie bei ihrem Aufstieg auf so gut wie jede Regel des Musik­ geschäfts gepfiffen hat (Seite 22). Rebellentum, Unabhängigkeit und eine gesunde Distanz zu Autoritäten: Das war auch für Metallica fast 40 Jahre lang die einzig akzeptable Marschroute (Seite 28): In den Heavy-Metal-Olymp schaffst du es nur, wenn du dich permanent neu erfindest und dir doch treu bleibst. Viel Spaß beim Lesen! Die Redaktion 6

„Ich zahle nie drauf. Ich hab alles unter Kontrolle.“ RIHANNA, SEITE 22


MÄRZ 2017

52 NACHTS LEBEN

Das Space auf Ibiza, einer der weltbesten Clubs, wird Schauplatz einer Völkerwanderung.

AUF EINEN BLICK GALLERY 10

GOOD SHOTS! Fotos des Monats

BULLEVARD 17

MENSCHEN, die uns inspirieren

FEATURES 22 Rihanna

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Ihr rasanter Aufstieg ist die Geschichte eines konsequenten Regelbruchs.

28 Metallica

Das kalifornisch-dänische HeavyMetal-Quartett hat mehr Spaß denn je.

36 Newall Hunter

SHAMIL TANNA (COVER), HENRY HUNT/NEWALL HUNTER, ZOE MCCONNELL/CHILLI MEDIA, FARIS VILLENA, CHRISTIAN EGELMAIR, SAROYAN HUMPHREY, TYRONE BRADLEY

Ein sehr unabenteuerlicher Alpinist erringt den „Adventurers Grand Slam“.

28 METALLICA

Nach fast 40 Jahren Heavy Metal hat das Quartett mehr Biss denn je. Und immer noch keine goldene Haifischbecken-Bar.

46 Max Heinzer MAX HEINZER

Sein Sport ist für ihn Schachspielen mit dem ganzen Körper. Und auf fiese Tricks weiß er noch fieser zu antworten.

Der Weltklasse-Fechter ist Experte im Vermeiden von Kompromissen.

52 „Elrow“ im Space Club

Willkommen bei Elrow auf Ibiza: bei einer voll durchgeknallten Clubnacht.

58 Heroes des Monats

Alex Soojung-Kim Pang, Tom Holkenborg alias Junkie XL, Dylan Bowman.

62 „Spinning“ in Soweto

Junge Südafrikaner bringen die Reifen ihrer 3er-BMW stilvoll zum Qualmen.

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ALEX SOOJUNG-KIM PANG

„SPINNING“ IN SOWETO

Dieser Mann verdient es, dass wir ihm zuhören. Tu weniger, erreiche mehr, ist Mr. Pangs verblüffendes Lebensmotto. THE RED BULLETIN

Früher ein Zeitvertreib für Gangster in den Townships, ist es heute ein Autostunt-Spektakel und akzeptierter Sport.

ACTION! 75

SEE IT. GET IT. DO IT. Reise, Gadgets, Uhren, Musik und Motor

91 SPECIAL Richtig schlaue Gadgets 98 MAKES YOU FLY Magischer Moment

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THE RED BULLETIN BACKSTAGE MÄRZ 2017

CONTRIBUTORS MIT AN BORD

KHRIS COWLEY

Winterfest: Outdoor-Held Hunter beim Red Bulletin-Shooting in Schottland

Ein Abenteurer wie du und ich Die höchsten Gipfel aller sieben Kontinente besteigen samt erfolgreichen Expeditionen an Nord- und Südpol: Den sogenannten „Adventurers Grand Slam“ schafften bis dato nur 14 Profi-Abenteurer. Nummer 15 heißt Newall Hunter, ist 53, kommt aus Schottland und verdient sein Geld als Computer-Fachmann. „Man würde ihn eher in einem Pub als am hohen Berg vermuten“, schreibt unser Autor Justin Hynes. Wie Amateur-Abenteurer Hunter die Grand-Slam-Herausforderung dennoch packte, lesen Sie ab Seite 36.

Der Nightlife-Fotograf aus London dokumentiert exzessive Partys auf der ganzen Welt. Als während seines Besuchs im Space Club auf Ibiza ein Wikingerschiff durch den Club schwebte, staunte sogar er: Seite 52.

THE RED BULLETIN WELTWEIT

TYRONE BRADLEY

Der südafrikanische Reportage-Fotograf und ehemalige BMX-Freerider tauchte für uns in die Welt der Spinning-Stuntfahrer von Johannesburg ein. Eine Nacht voll brüllender Autos und platzender Reifen, ab Seite 62.

The Red Bulletin erscheint derzeit in acht Ländern. Im Bild die Aufmacher-Doppelseite der Reportage über Wrestling-Multitalent Adam Bridle („Angélico“) aus unserer Mexiko-Ausgabe. Mehr nicht Alltägliches gibt’s auf: www.redbulletin.com

MAKING OF DAS SHOOTING DES MONATS

„Sobald diese Jungs den Raum betreten, steigt der Energie-Level.“ FOTOGRAF SHAMIL TANNA Der Londoner Shamil Tanna lichtete schon Rock-Ikonen wie Iggy Pop, Muse oder Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant ab. Beim Red Bulletin-Covershooting in London verblüffte ihn vor allem Metallicas gewaltiges Arsenal an Heavy-Metal-Posen. Seite 28.

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„Du bist keiner von uns, Kumpel“: Fotograf Shamil Tanna (2. v. li.) mit Metallica in London

THE RED BULLETIN


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GALLERY


ZEITEN DES SCHLAMMS

WENATCHEE, WASHINGTON, USA FOTO: STEVE GNAM „Mud Season“ nennen die Bewohner des US‑Bundesstaates Washington jene Zeit der Schneeschmelze, in der sich ihre unbefestigten Straßen in feuchte Schlammpisten verwandeln. Was die Autofahrer zur Weißglut treibt, freut wetterfeste Biker wie Caleb Ambrose, der hier am Fuß des Kaskadengebirges durch einen frischen Dirt Track pflügt. Mehr Outdoor‑Action: www.gnam.photo

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MONDLANDUNG VEGARD AASEN/RED BULL ILLUME

HAKUBA, JAPAN FOTO: VEGARD AASEN

„Ich wollte entspannt Ski fahren und ließ meine Kamera darum zu Hause“, erzählt der norwegische Fotograf Vegard Aasen. „Aber als ich die Tourengeher sah, bereute ich meine Entscheidung. Das Motiv war fantastisch, also drückte ich mit der Kamera meines Huawei P8 ab.“ Das Ergebnis: ein Handy-Bild wie ein Gemälde und der Sieg in der „Mobile“-Kategorie von Red Bull Illume, dem weltweit führenden Wettbewerb für Adventure-Fotografie. Alle Siegerbilder: www.redbullillume.com

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SPIDER-MAN SQUAMISH (B. C.), KANADA FOTO: DAN KRAUSS

Seit den siebziger Jahren zieht der kanadische Cacodemon-Boulder Spitzenkletterer aus aller Welt in seinen Bann. US-Legende Chris Sharma schaffte auf dem haushohen Granitfelsen 2005 erstmals die ultraschwierige „Dreamcatcher“-Route. Sein Landsmann Keenan Waeschle versucht sich im Bild an der Route „Permanent Waves“, die offensichtlich das Wachstum der Rückenmuskeln forciert. instagram.com/dankrauss

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SO BLEIBT DIE FASNACHT AUF KURS.


BULLEVARD MENSCHEN, DIE UNS INSPIRIEREN

NEUSTART

RAMONA ROSALES/AUGUST

TOM HIDDLESTON MACHTE 2016 EINDEUTIG DIE FALSCHEN SCHLAGZEILEN. 2017 KÖNNTE ABER SEIN JAHR WERDEN. 2016 war für Tom Hiddleston ein Jahr zum Vergessen. Mit Ausnahme seiner Hauptrolle in der genialen TV-Miniserie „The Night Manager“ landete er Flops, seine Filme „I Saw the Light“ und „HighRise“ stürzten gewaltig ab. Außerdem war aus Freundin Taylor Swift nach nur drei Monaten eine Exfreundin geworden. Manche hatten richtig Mitleid mit dem 007-Anwärter, andere hielten die Beziehung ohnehin für einen PR-Gag. „Hater gewinnen nie“, sagte Hiddleston einmal über seinen abgefahrenen Marvel-Bösewicht Loki. „Ich bin überzeugt, dass sich negative Energie auch im wahren Leben nicht auszahlt.“ Dem neuen Jahr blickt Hiddleston aus mindestens zwei Gründen optimistisch entgegen: „Kong: Skull Island“ (ab 9. März) und „Thor: Ragnarok“ (wohl im Spätherbst) laufen im Kino an.

THE RED BULLETIN

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BULLEVARD

NEU IN DEINEM NETWORK

WIE BITTE?

WIE DU DIESEN MONAT SCHLAUER FOLLOWST, LIKST ODER RETWEETEST.

„Überleben bedeutet: einein fach nur niemals aufgeben. Versuch Dinge einfach so lange, bis sie klappen.“ „BEAR“ GRYLLS, ABENTEURER

„Ich habe aufgehört, mir Sorgen zu machen oder mir über Vergangenes den Kopf zu zerbrechen. Mich beschäftigt schäftigt nur noch das, was vor mir liegt.“

„Ich habe gelernt, dass es keinen geraden Weg nach oben gibt. Er ist voller Umwege und Rückschläge. Das Wichtigste: Du musst geduldig sein und immer an das glauben, was du tust – egal was gerade geschieht. Nur dann hast du die Chance, dein Ziel zu erreichen.“ EUGENIE BOUCHARD, WIMBLEDON-FINALISTIN 2014, AKTUELLES RANKING: AUSSERHALB DER TOP 30

ROBERT DOWNEY JR., IRON MAN

„Ich war wirklich ganz unten. Aber ich bin dankbar dafür. So hatte ich die Chance, mein Leben ganz neu zu gestalten. Ohne Rückschläge erfährst du niemals, wer du wirklich bist oder wer deine wahren Freunde sind.“

„Es gibt keine Katas­ trophen, nur Chancen. Das bedeutet für mich natürlich auch: Chancen auf neue Katastrophen.“ BORIS JOHNSON, BRITISCHER AUSSENMINISTER

JOANNE K. ROWLING, HARRY-POTTERMULTIMILLIONÄRIN, EINSTIGE SINGLE-MAMA

„Niederlagen machen dich stärker. Nutze sie als Sprungbrett, denk nicht an die Vergangenheit. Vergiss deine Fehler nicht, aber halte sie dir auch nicht vor. Lass nicht zu, dass sie dich blockieren oder dir deine Zeit und Energie rauben.“ JOHNNY CASH, MAN IN BLACK

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„Ich halte mich fern von Dingen, die mich belasten. Wenn draußen ein Hurrikan wütet, mache ich ja auch nicht das Fenster auf.“ TAYLOR SWIFT, POP-KÖNIGIN

WORLD PRESS PHOTO twitter.com/ worldpressphoto Die internationale Stiftung setzte bereits auf „visuellen Journalismus“, bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Auf ihrem Twitter-Feed findest du bewegende Bilder von mutigen Fotografen an Hotspots in aller Welt, und häufig auch die spannenden Hintergrundstorys dazu.

HODINKEE instagram.com/ hodinkee Für jeden kommt irgendwann die Zeit, in der man sich mit dem Thema Zeitmessung auseinandersetzt. Hier bist du richtig, wenn du eine lebenslange, sekundengenau berechenbare Begleiterin für dein Handgelenk suchst – oder Anregungen für einen stylischen Flirt mit einem aktuellen Trend.

DEN OF GEEK facebook.com/ denofgeek Klar gibt es mehr als genug Websites, TwitterFeeds und FacebookSeiten, die Trailer, News, Reviews und Analysen zu Nerd-Serien und Nerd-Filmen liefern. Aber keiner macht’s besser, smarter, tiefsinniger als Den of Geek. Gibt’s auch als Website und Twitter-Feed. THE RED BULLETIN

GETTY IMAGES (7)

EGAL WIE GUT DAS LEBEN ES MIT DIR MEINT: DU WIRST MANCHMAL RÜCKSCHLÄGE EINSTECKEN MÜSSEN. WIE DU DAMIT UMGEHST? WIR HABEN EIN PAAR EXPERTEN BEFRAGT.


BULLEVARD

NEUE SPITZEN

„ES IST EINFACH DUMM, IN DER ZUKUNFT ZU LEBEN STATT IN DER GEGENWART.“

AMANDA SEYFRIED SPRICHT GELASSEN ÜBER IHRE SCHWÄCHEN UND SKYPT MIT IHREN HUNDEN.

ART PARTNER/BLAUBLUT-EDITION.COM

Der Lebenslauf der Schauspielerin Amanda Seyfried wird Ende dieses Jahres um einige prestigeträchtige Positionen reicher sein: das Serien-Remake von „Twin Peaks“ (an der Seite von halb Hollywood), die Komödie „The Clapper“, den Sci-FiThriller „Anon“ und das Drama „The Last Word“, in dem sie eine Journalistin spielt, die den Nachruf einer ziemlich geheimnisvollen (und vor allem noch lebenden) Frau schreiben soll. Seyfrieds Vielfalt ist Programm: So richtig festnageln auf ein Rollenbild lässt sie sich schon seit ihrem Debüt nicht („Girls Club – Vorsicht bissig!“ an der Seite von Lindsay Lohan, 2004). Ungewöhnlich offen gibt sie sich in Interviews, wenn sie etwa über die SkypeChats mit ihren Hunden plaudert oder ihre Depression thematisiert. „Du kannst deine Ängste nicht wegfantasieren“, sagt Seyfried. „Das hilft dir nicht. Es ist wichtig, den Tag zu genießen, weil wir ja nicht mal wissen, was in zehn Minuten geschehen wird. Ich versuche im Moment zu leben und denke nicht an die Zukunft.“ Was aber vielleicht gar keine schlechte Idee wäre, hat sie doch ausgezeichnete Chancen, Hollywoods Frau der Zukunft zu sein.

THE RED BULLETIN

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BULLEVARD 2016 Ein Teil der Tesla Gigafactory in Nevada wird finalisiert. Das weltweit größte Produk Produktionsgebäude seiner Art soll 2020 seinen vollen Betrieb aufnehmen und Akkus für Tesla-Autos, Häuser und Fa Fabriken produzieren. Zudem kommt mit dem Tesla Model X ein SUV auf den Markt, SpaceX kündigt den ersten Mars-Flug für 2022 an. Laut „Forbes“ beträgt Musks Ver Vermögen 11,8 Milliarden Dollar.

1971 Elon Reeve Musk wird am 28. Juni in Pretoria, Süd Südafrika, geboren. Als er acht ist, lassen sich seine Eltern scheiden. Er lebt mit Bruder und Schwester bei der Mutter. Eines Tages sagt Elon zu ihr: „Du hast drei Kinder und Papa gar keins!“, und zieht mit elf zu seinem Vater, einem MaschinenbauIngenieur. Seine Freizeit ver verbringt Elon programmierend am Commodore VIC-20.

2015 Musk wird Co-Vorsitzender von OpenAI, einer NonProfit-Organisation zur Erforschung künstlicher Intelligenz. Das Ziel: die Schaffung von Robotern, die uns nicht alle Jobs weg wegnehmen und die Menschheit nicht bedrohen. „Wir wollen auf eine bessere Zukunft hinarbeiten“, arbeiten“, sagt Musk.

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ÜBER STROM AUF ZUM MARS! ELON MUSK, MILLIARDEN­ SCHWERER UNTERNEHMER UND ÖKO­KÄMPFER, FÜHRT UNS IN DIE ZUKUNFT.

1995

2004

Nach dem Bachelor-Ab Bachelor-Abschluss in Wirtschaft und Physik an der University of Pennsylvania beginnt Musk das PhD-Studium an der Stanford University – und beendet es nach zwei Tagen. „Ich war in keinem einzigen Kurs“, sagt Musk später. „Ich musste mich entschei entscheiden: ‚Entweder du studierst, oder du gründest deine Internetfirma.‘“ Er gründet das Start-up Zip2, ein Online-Branchenbuch.

Musk wird Vorsitzender des E-Auto-Herstellers Tesla, in den er bereits viel Geld inin vestierte. Vier Jahre später übernimmt er den CEO-PosCEO-Pos ten, und Tesla bringt den Roadster auf den Markt. Als erstes Massenauto läuft es mit Lithium-Ionen-Akkus, die etwa für Laptops und Handys verwendet werden. Bis heute werden rund 2500 Roadster verkauft.

2002 Musk verkauft Zip2 um 22 Millionen Dollar, drei Jahre später kassiert er 165 MillioMillio nen Dollar für den Verkauf von PayPal (gegründet 1998) an eBay. Musk gründet das Raumfahrt-Unternehmen SpaceX. Ziel: Menschen auf den Mars zu bringen. Nicht jeder ist von dieser Vision begeistert. Bei einem Raketenkauf in Russland werden Musk und sein Team von einem russischen Chefingenieur bespuckt, weil sie „nur Scheiße labern“.

2013 Der Hyperloop, ein HighTech-Zug in einer Fahrröhre, wird präsentiert und soll in Zukunft bis zu 1200 km/h schnell fahren. Kritiker halten das mutige Projekt für zu aufwendig und kost kostspielig. Aber sie können ver versuchen, es besser zu machen – Musk hat die Technologie hinter dem Zug nämlich für jeden zugänglich gemacht.

2012 Was für ein Sommer! Teslas Fünftürer Model S erscheint vier Jahre nach seiner Ankündigung (und verkauft sich bis heute über 150.000-mal). Außerdem befördert die SpaceX-Rakete Falcon 9 die Asche des SchauSchau spielers James Doohan, besser bekannt als Scotty aus der TVSerie „Raumschiff Enterprise“, in den Weltraum.

TIM MÖLLER-KAYA

Computerfreak und Bücher Bücherwurm, der er ist, wird Elon von seinen Mitschülern als „muskrat“ („Bisamratte“) verspottet. Mit zwölf pro programmiert er den „Space Invaders“-Klon „Blastar“ und verkauft einem PCMagazin um 500 Dollar den Code. (Der später in einer Musk-Biografie abgedruckt wird, jetzt steht „Blastar“ online zum Zocken bereit.)

GETTY IMAGES

1984


BULLEVARD

STARKE ZAHLEN

ALEX GREGORY DER ZWEIFACHE BRITISCHE RUDER-OLYMPIASIEGER ERKLÄRT, WIE VIELE STUNDEN NÖTIG SIND, UM EINEN NORMALEN KÖRPER IN DEN EINES ELITE-ATHLETEN ZU VERWANDELN.

25 0

RUDER-KILOMETER PRO WOCHE IM WINTER. „Zum Teil auf dem Wasser, zum Teil an der Rudermaschine. Woche für Woche, ganz egal wie das Wetter ist – wir gehen nur dann nicht raus, wenn die Boote nicht durchs Eis kommen.“

6

WM- ODER OLYMPIASIEGE IN FOLGE. „Ich bin einer von nur drei Ruderern weltweit, die sechsmal am Stück bei Olympia oder der WM gewonnen haben, und ich bin mächtig stolz darauf. In London 2012 die Ziellinie zu überqueren war eine unglaubliche Erleichterung und Bestätigung. Aber 2016 ging es darum, zu beweisen, dass 2012 kein Zufall gewesen war. Ich erinnere mich noch, als mein Coach Jürgen Gröbler nach London zu mir sagte: ‚Alex, einmal ist einfach. Zweimal richtig schwierig.‘“

384.000

IM GYM BEWEGTE KILOGRAMM PRO JAHR. „Wir machen pro Woche vier Gewichts-Einheiten zusätzlich zum Rudertraining. Im Mittelpunkt stehen Power Cleans, weil sie der Ruderbewegung ähneln. Bei Power Cleans lege ich 115 Kilo auf. Die anderen Werte: Bankdrücken 120 Kilo, Bankziehen 115 Kilo, Squats 150 Kilo.“

HENRY HUNT

6000

TÄGLICHER KALORIENVERBRAUCH IN TRAININGSPHASEN. „Ich muss kämpfen, mein Gewicht zu halten – ich schaufle rein, was geht. Gesundes Zeug, dann McDonald’s- oder Proteinshakes obendrauf. Ich esse 25 Prozent Proteine und 75 Prozent Kohlehydrate – ohne die geht es nicht. Am Abend gönn ich mir noch einen 500-KalorienProteinshake, so schaffe ich das Training am nächsten Tag.“

THE RED BULLETIN

5:52

MINUTEN FÜR 2000 METER AUF DEM ERGO. „Rudern ist ein Kraftausdauersport. Wir sind nicht besonders stark, aber wir müssen die Kraft über ein Sechs-Minuten-Rennen bringen, Zug für Zug. Meine Stärken sind meine Technik und meine aerobe KapaKapa zität. Ich bin von Natur aus nicht übermäßig kräftig, da musste ich einen Trainingsschwerpunkt setzen.“

100

ZUGENOMMENE MUSKELMUSKEL MASSE VOR OLYMPIA IN KILOGRAMM. „2008 in Peking war ich nicht dabei. Und mir ging ein Licht auf: Ausdauer hatte ich genug, aber mir fehlte es an Kraft. Konsequenz: drei Monate im Gym ganz ohne aerobes Training, fünf GewichtSessions die Woche. Ich musste meine KalorienKalorien zufuhr verdoppeln, mit vier Proteinshakes pro Tag – das schmeckte abab scheulich. Aber es zahlte sich aus. Ich legte ordentlich zu!“

3500

TRAININGSTAGE PRO JAHR. „Ein paar StunStun den auf dem Wasser, eine Stunde Rudern an der Maschine, dann Gewichte: Wir trainieren dreidrei mal täglich, sieben Tage die Woche. So geht das jetzt seit 16 Jahren. Nach der Weltmeisterschaft gab’s ein wenig Freizeit, aber das war’s. Da gibt es auch keinen Spielraum. Wenn du nicht gut genug trainierst, schaffst du’s nicht ins Team.“

LEISTUNGSDATEN

Disziplin: Vierer ohne Steuermann, Achter Alter: 32 Größe: 198 cm Gewicht: 98 kg Erfolge: WM-Gold 2009 (Polen), 2011 (Slowenien), 2013 im Achter (Südkorea), 2014 (Niederlande), 2015 (Frankreich), Olympia-Gold im Vierer ohne – London 2012, Rio 2016, jeweils im britischen Boot

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Rihanna Ăźberfordert alle. Ihre Plattenfirma, ihre Fans, ihre Kritiker. Und manchmal sogar sich selbst. Die Geschichte einer Frau, die alle Regeln bricht. Text: Peter Robinson Fotos: Zoe McConnell

BITTE HECHELN 22


Rude Girl: Rihanna hat das Spiel mit der ­Kamera perfek­ tioniert, wie die vielen gewagten Fotoshoots und Instagram-Posts beweisen.

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Jay Z sah Rihannas Potential sofort: „Ich nahm sie noch am selben Tag unter Vertrag. Ich wusste nach zwei Minuten, dass sie ein Star ist.“


E

s ist zehn Jahre her, da klopfte sie in einem Magazin-Interview für damalige Verhältnisse übergroße Sprüche: „Ich möchte die schwarze Madonna werden.“ Doch 2017 ist der ehrgeizige Traum von Rihanna tatsächlich Realität: Über 200 Millionen Tonträger, als erste Künstlerin mehr als 100 Millionen digitale Songs verkauft, sieben Alben in den ersten acht Jahren ihrer Karriere veröffentlicht, jüngster Solo-Artist mit 14 Nummer-eins-Hits in den USA. Unter den zahlreichen Awards: acht Grammys, 18 Billboard Music Awards. Kein Wunder, dass Fans, Kritiker und sogar Kollegen sie verehren. „Rihanna mag jünger sein als ich, aber ich habe immer zu ihr aufgeschaut“, sagte Rapper Drake bei den Video Music Awards 2016. „Sie ist eine lebende Legende.“ Das Bemerkenswerteste an ihrem Erfolg: Rihanna kümmerte sich nie um ihre Rolle als weiblicher Popstar. Wenn andere ihr von etwas abrieten, tat sie es erst recht. Wenn andere sich nicht trauten, den Mund aufzumachen, ging sie ins Rampenlicht. Sie brach jede denkbare Regel, und die, die sie nicht brechen konnte, ignorierte sie. Es ist ihre Lust am Anecken, die Rihanna zum über übergroßen Popstar machte. Und ihr Vertrauen in die eigenen Instinkte. 2016 machte sie mit dem Release des sperrigen, über weite Strecken radiofeindlichen „Anti“ ihren kühnsten Move. Kein eingängiges Hitalbum, wie viele es erhofft hatten. Ihre Fans nahmen die Herausforderung dennoch an, vor allem weil Rihanna ihnen stets auf Augenhöhe begegnete. „Ich möchte Peer meiner Fans sein“, erzählte sie Talkshow-Queen Oprah Winfrey 2012. „Sie sollen wissen, dass auch ich nicht fehlerfrei bin.“ Rihannas Karriere begann wie die von Katy Perry, Taylor Swift und Lady Gaga Mitte der 2000er, als Social Media sich anschickten, die Medienlandschaft für immer zu verändern. Niemand gab seinen Fans so viel von seinem echten Leben wie Rihanna. Wie wenig sie hingegen von traditionellen Medien hält, machte sie immer wieder deutlich. Etwa 2013, als die britische Kolumnistin Liz Jones in der konservativen „Daily Mail“ von Rihanna als einem „schädlichen Vorbild“ schrieb. Rihanna antwortete prompt. Jones sei ein „kleines Häufchen Elend in den Wechseljahren“. Als der britische „New Musical Express“ Rihanna nach einer möglichen Zusammenarbeit mit Taylor Swift fragte, meinte sie nur: „Ich glaube nicht, dass unsere Marken zusammenpassen. Sie ist ein Vorbild, ich bin es nicht.“ Role Model oder nicht, Rihanna begeistert ihre Fans, auch die in den obersten Chefetagen: Sie hat millionenhoch dotierte Werbeverträge in mit Marken wie MAC, Dior, Puma oder Samsung. „Es gibt niemanden, der mich mehr fasziniert“, schwärmte US-Modeschöpfer Alexander Wang, als Rihannas drittes „Vogue“-Cover erschien. Die fünfzehnjährige Rihanna hätte all das nie für möglich gehalten, als sie den New Yorker Produzenten und Songwriter Evan Rogers beim Barbados-Urlaub an-

quatschte. Sie hatte eine Girlband mit zwei Freundinnen, Rogers sah sich das Trio an. „Rihanna stach sofort hervor. Ich sagte zu mir: ‚Wenn dieses Mädchen auch noch singen kann, dann hol mich der Teufel!‘“, erinnerte sich Rogers später. „Diese Ausstrahlung! Ihr Make-up war perfekt, sie trug Capri-Hosen und dazupassende Sneakers, sie hatte diese grünen Augen und den Hals eines Supermodels.“ Wenige Monate später gewann Jay Z beim ersten Treffen ziemlich denselben Eindruck. Damals suchte Rihanna eine Plattenfirma, unter ihren Demos war die spätere erste Single „Pon de Replay“ versteckt. „Ich nahm Rihanna noch am selben Tag unter Vertrag“, sagte Jay Z später. „Ich wusste nach zwei Minuten, dass sie ein Star ist.“ Rihanna traf Jay Z, bevor sie bei anderen Labels anklopfte. Und er bestand darauf, dass sie so lange in seinem Büro blieb, bis der Papierkram erledigt war. Rihanna ver verließ das Gebäude um vier Uhr morgens, so die Legende. Doch sogar Jay Z musste sich irgendwann eingestehen, dass Rihanna nicht zu zähmen ist. „Ich kann – und will – nicht kontrollieren, was sie mit ihrem Leben macht“, meinte er. „Ich kann Ratschläge geben, wenn ich danach gefragt werde, aber das war’s auch schon.“ Die Sechzehnjährige, die eben noch in seinem Büro gesessen war, hatte einen Welthit mit ihrem ersten Album, holte Platin mit dem zweiten, Nummer drei machte sie zum globalen Superstar. Was dann kam, war ihr viertes Album, das provokante „Rated R“, das aus der mit blauen Flecken übersäten Beziehung zu Chris Brown hervorging. Ein Meisterwerk gegen alle Regeln des kommerziellen Erfolgs, entstanden gegen den Widerstand der Plattenfirma. „Dieses Album war meine Art zu rebellieren“, sagte Rihanna. 2015 war sie sich ihrer Sache so sicher, dass sie den Gesang für Major Lazers „Lean On“ ablehnte – der zum meistgestreamten Song aller Zeiten wurde – und sogar Hitschreibern wie Calvin Harris den Laufpass gab. Rihanna nahm sich Zeit, ihren Sound zu finden – allein dieser Schritt unterstreicht ihre Ausnahmestellung als einer der wichtigsten Popstars ihrer Generation. Rihannas Selbstvertrauen kommt von innen. „Es ist wichtig für mich, dass ich weiß, wer ich bin, und dass ich damit arbeite“, sagte sie 2013. „Hater wollen mich unter untergehen sehen. Aber den Gefallen tu ich ihnen nicht. Ich werde nie untergehen. Ich habe alles im Griff.“ Auf die Frage, wie und wo Rihanna sich selbst mit achtzig sieht, antwortete sie: voll mit Tattoos, glücklich am Strand. Ob sie sich an den Plan hält? „Mal sehen. Ich habe meine eigene Art, Regeln zu brechen – manchmal auch gar nicht absichtlich.“ rihannanow.com

„Hater wollen mich untergehen sehen. Aber den Gefallen tu ich ihnen nicht. Ich werde nie untergehen. Ich habe alles im Griff.“ THE RED BULLETIN

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EDELMETALL Nach fast vier Dekaden im Musik-Biz könnte eigentlich irgendwann die Lust nachlassen. Aber METALLICA haben mehr Spaß denn je. Die Metal-Legenden über Erfolgshunger, Unabhängigkeit und die Sache mit der vergoldeten Haifischbecken-Bar. TEXT Nick Amies FOTOS Shamil Tanna 28

THE RED BULLETIN


Metallica, London, November 2016


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odesdramen, Süchte, Prozesslawinen … Metallica haben in ihren bisher mehr als 35 Jahren auf der Straße des Metal nichts ausgelassen, was Gott verboten hat. Doch das jugendliche Feuer, mit dem sie die Metal-Szene in den fernen 1980ern in Brand setzten, lodert noch immer – auch wenn die Bandmitglieder mittlerweile in ihren Fünfzigern angekommen sind. Wir begleiten Sänger und Gitarrist JAMES HETFIELD und Drummer LARS ULRICH durch ihre Evolution von düsteren Thrash-Metallern zu einer der größten Bands des Planeten. the red bulletin: Ihr habt letzten November mit eurem sechsten Nummer1-Album „Hardwired…to Self-Destruct“ gleich mal in 57 Ländern die Charts gestürmt. Gibt so etwas nach 35 Jahren immer noch denselben Kick wie zu Beginn? james hetfield: Und wie! Wirklich inter­ essant und zugleich irgendwie bizarr ist: Je älter wir werden, umso wichtiger ist für uns ein Nummer­1­Album. Dass wir das nach 35 Jahren noch schaffen, ist groß­ artig. Das ist der Sauerstoff, den wir atmen! lars ulrich: Es ist ein geiles Gefühl, dass Metallica noch immer relevante Platten machen können; und dass harte Musik nach wie vor so viele Menschen begeistert, ist auch großartig. Echte Rock Rock­Bands sind ja mittlerweile in der Minderheit. Einer der wenigen dieser Outlaws zu sein, und noch dazu erfolgreich, ist ein Privileg. Ja, ich würde sagen, es ist eine gute Zeit, Teil von Metallica zu sein. „Hardwired…“ ist das erste Album, das auf eurem Label Blackened Recordings erschien. Was hat sich für euch dadurch geändert? james: Kaum was, zumal wir das Album ja nur in den USA auf unserem eigenen Label vertreiben, weltweit läuft ja alles weiterhin über Universal. Aber es gab schon einen Unterschied: Wir konnten uns Zeit nehmen, soviel wir wollten. Keine Deadlines und niemand, der anrief und sagte: „Hey, wenn ihr nicht bald liefert, reiß ich euch den Arsch auf.“ lars: Es war immer schon so, dass wir Vertragsverhandlungen mit dem Ziel führten, über unsere eigenen Nummern frei verfügen zu können, egal was passiert. Das bedeutete auch: Jede Trennung war ein Schritt in Richtung Unabhängigkeit. Aber weil du nach dem aktuellen Album gefragt hast: Der Hauptunterschied lag nicht in der Aufnahme, sondern darin, 30

„Tief drinnen sind wir alle noch immer Rebellen. Planung, Ordnung, Professionalität, all das ist wichtig, klar. Aber Mut, Seele und das innere Feuer sind die wirklich unbezahlbaren Waffen.“ James Hetfield

was nach ihrem Ende passierte. Jetzt müssen wir 90 Prozent der Arbeit selbst machen, vor zehn oder zwanzig Jahren haben das andere Leute für uns getan. Das bedeutet auch eine Menge Verantwortung. Wenn ihr zurückblickt auf die Nummern der 35 Jahre: Sind darunter Sachen, bei denen ihr euch heute denkt: „Was zum Teufel war denn das?“ james: Es gibt Dinge, die ich auf ein paar Alben gerne ändern würde … aber nein, eigentlich doch lieber nicht. Denn wenn man das tut, nimmt man der Sache den Charakter. Ich finde es fürchterlich, wenn Bands ihre großen Klassiker neu auf­ nehmen und das Original damit quasi er er­ setzen. Das löscht doch einen Teil ihrer Geschichte! Platten sind Kinder ihrer Zeit; sie sind historische Momentaufnahmen. Natürlich, „… And Justice for All“ von 1988 merkt man das Fehlen der Bassfrequenzen an, und, ja, die Snare auf „St. Anger“ von 2003 klingt stellenweise schon arg blechern. Aber genau das macht diese Platten zu einem Teil unserer Geschichte! Als ihr anfingt, war Vinyl König. Heute ist es Nische. Warum betreibt ihr eine Schallplatten-Fabrik in Deutschland? james: Wir wuchsen mit Vinyl auf, wir lieben Vinyl. Es ist eine Erfahrung, ein Event, greifbar: Man hält die Platte, nimmt sie aus der Hülle, legt die Nadel ganz vorsichtig in die Rille. Vor etwa sechs Monaten traf ich in L. A. alte Schulfreunde, und wir hörten nur Vinyl … in den Platten­ kisten wühlen, am Karton riechen, die Liner Notes lesen und den warmen Sound hören – wenn das keine tolle Erfahrung ist, dann weiß ich nicht. Zu Beginn wart ihr ein Haufen ver verrückter Teenager. Heute seid ihr RockGiganten mit globalen Business-Ambitionen. Wie bleibt man sich selbst in so einer kompletten Verwandlung treu?

lars: Wenn ich in den Spiegel blicke, sehe ich keinen Geschäftsmann. Aber natürlich, wenn man einen Haufen Leute hat, die für einen arbeiten, gibt es einen Punkt, an dem man zumindest so tut, als wäre man erwachsen. In Wahrheit fühle ich mich immer noch als durchgeknallter Typ, der ewig auf der Suche ist. Wie ein Teenager, der nicht immer genau weiß, welcher Film gerade abläuft. Darum ist es besonders wichtig, ein gutes Team zu haben, ein eigenes Set­up und wirklich unabhängig zu sein … Dass uns das gelungen ist, ist echt cool, darauf sind wir richtig stolz. Ihr seht nicht wie Geschäftsmänner aus, aber ist es nicht so, dass Lars genau in diesen Dingen von Anfang an ziemlich gut war? james: Lars hat ein Händchen fürs Business. Er lernte von Motörhead, er lernte von Diamond Head, und er lernte von anderen Bands, wie sie Dinge angin­ gen, warum sie welche Entscheidungen trafen, warum der eine Manager top ist und der andere eben nicht … Lars ist unglaublich interessiert, wenn es ums Geschäft geht. Ich bin ganz anders. Musik spielen, Musik erschaffen war für mich die perfekte Vereinigung von Therapie und Karriere! Aber tief drinnen sind wir alle noch immer Rebellen. Planung, Ordnung, Professionalität, all das ist wichtig, klar. Aber Mut, Seele und das innere Feuer sind die wirklich unbezahlbaren Waffen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Metallica mit Krawatten in einem Loft sitzen und in Telefone plärren … THE RED BULLETIN


James Hetfield, Leadsänger, Gitarrist


Rob Trujillo, Bass


„Wenn ich in den Spiegel blicke, sehe ich keinen Geschäftsmann. Sondern einen durchgeknallten Typen, der ewig auf der Suche ist.“ Lars Ulrich

Lars Ulrich, Schlagzeug


„Kirk und Rob ­stehen immer ­bereit, ganz egal wohin die Reise geht.“ James Hetfield

Kirk Hammett, Leadgitarre


james: Hahaha, Krawatten gibt’s nicht, und im Büro sind wir so gut wie nie. Wir bezahlen Leute dafür, dass sie rumsitzen und in Telefone plärren. Das ist ja auch nicht wichtig. Wichtig ist, wer die Zügel in der Hand hält, wer die Richtung vorgibt. Lars und ich sind die zwei, die diese Band zusammengestellt haben; wir haben vom ersten Tag an unsere Vision verfolgt. Wir geben die Richtung vor, Kirk (Hammett, Leadgitarrist; Anm.) und Rob (Trujillo, Bassist; Anm.) sind immer dabei und stets bereit, ganz egal wohin die Reise geht. Ihr redet viel über Unabhängigkeit. Wie wichtig ist die für eine lange und erfolgreiche Karriere? james: Für uns absolut wichtig, ja, aber für andere? Keine Ahnung. Als wir be­ gannen, war ein Label­Vertrag ­­Vertrag das Größte. Das ist heute nicht mehr so. Du kannst deine eigene Musik im Keller machen und sie selbst veröffentlichen. Das ist eine tolle Sache. Die aber eine neue Frage aufwirft: Wie weit kommst du damit? Wäre es nicht klüger, sich jemandem anzuschließen, der größer ist? Das sind Geschäftsentschei­ dungen, die musst du treffen. Willst du eine Welttournee oder lokale Konzerte spielen? Die Antwort ist ziemlich einfach: Mach, was dich glücklich macht. lars: Das Beste an unserem Erfolg ist, dass er uns ermöglicht, eigene kreative Wege zu gehen. In erster Linie bedeutet Unabhängigkeit für uns, dass wir nie von jemandem Geld nehmen mussten; wir haben nie jemandem etwas geschuldet. james: Und wir waren immer Kontroll­ freaks. Wir wollten immer unbedingt selbst entscheiden, wie unsere Musik präsentiert wird. Das ist auch normal. Ob man Künst­ ler oder Bildhauer ist, man wird immer eine Meinung darüber haben, wie seine Kunst aufgehängt, wo sie platziert wird – das ist Teil der künstlerischen Vision. Wenn man Karriere machen will: Muss man sich da nicht auch anpassen? james: Als die Dämme brachen und man Musik gratis aus dem Internet laden konnte, hatten wir zunächst Schiss, weil wir nicht wussten, was wir davon halten sollen. Heute wissen wir, dass es ein groß­ artiger, einfacher Weg ist, seine Musik zu bekommen. Sich anzupassen ist also die einzige Möglichkeit zu überleben. Ich glaube, das gilt für jeden von uns. Während des Napster-Prozesses wurdet ihr als Internet-Feinde wahrgenommen und musstet ziemlich viel einstecken … Wie hart war das? james: Was Leute über uns, über mich denken, geht mich nichts an. Ich wusste, dass richtig war, was wir taten. Wir waren ein leichtes Ziel. Jemand, der etabliert ist, jemand, dem seine Kunst etwas bedeutet, THE RED BULLETIN

der ist auch jemand, der bevorzugt öffent­ lich hingerichtet wird. lars: Das Bild, das gezeichnet wurde, war Metallica gegen die Fans, Metallica gegen Downloads, Metallica gegen den Rest der Welt. Aber das war natürlich Bullshit. Es ging nicht um Downloads; es ging darum, wer über seine eigene Musik entscheidet. Wenn ich meine Musik gratis verteilen möchte, wer trifft dann die Entscheidung? Ist es meine oder die eines anderen? Was für ein seltsamer Sommer damals … (Im Jahr 2000 gingen Metallica gegen den Filesharing-Dienst Napster vor Gericht; Anm.) Dieser seltsame Sommer brachte auch eine „South Park“-Episode: du, Lars, weinend am Pool, weil du dir wegen

WIE DU IM JAHR 2017 ROCKSTAR WIRST: DREI TIPPS VON LARS ULRICH

1 Finde Leute, die genauso entschlossen sind wie du „Wir vier sind komplett unterschiedliche Charak­ tere, aber im Kern sind wir eine Band, die sich gemeinsam weiterentwickelt. James und ich sitzen vielleicht am Steuer, mit Kirk und Rob auf den Rücksitzen, aber jeder darf mitbestimmen, wohin die Reise geht. Band­Mitglieder kommen und gehen, aber selbst die, die jetzt nicht mehr bei uns sind, haben die Metallica­Leidenschaft gelebt. Leidenschaft bedeutet, man kämpft von Zeit zu Zeit, aber man kämpft für das Wohl der Band. Leute zu finden, die das wollen – die mit dir harte Zeiten durchmachen und nicht aufgeben –, das ist die Basis, die nötig ist.“

2 Bleib deinen Visionen und Idealen treu

„Wir haben immer Musik gemacht, die nicht jeder mochte. Aber um Geschmack geht es nicht. Wir haben getan, was wir getan haben, weil wir zu hundert Prozent daran geglaubt haben. Wenn wir immer Musik nach der Schablone unserer vor­ herigen Erfolge gemacht hätten, hätten wir uns musikalisch nie weiterentwickelt – ein kreativer Todesstoß! Wir könnten dieselbe Platte neu verpacken und den Rest des Jahres freinehmen. Aber wir lieben Herausforderungen und setzen uns immer wieder neue Ziele, damit es für alle interessant bleibt. Leute werden dir raten, einen anderen Weg einzuschlagen, und sie werden es als das Beste für die Band verkaufen, aber du bzw. ihr als Band solltet die Einzigen sein, die diese Entscheidung treffen. Lasst euch von niemandem dreinreden. Hört auf diejenigen, denen ihr ver­ traut, aber haltet immer zusammen.“

3 Halte durch „Bleib auf deinem Kurs, halte durch. Wenn du talentiert bist, wird dich jemand finden.“

illegaler Downloads keine vergoldete Haifischbecken-Bar leisten konntest. lars: Ich habe eine ziemlich dicke Haut. Ihr habt also nie mit dem Gedanken gespielt, euch eine vergoldete Haifischbecken-Bar zu gönnen? james: Was will ich denn damit? Wir stecken unser Geld lieber in ein Stage­Set, eine gute Produktion oder einen Film. Was Dekadenz angeht, die gibt es bei uns nicht. Dafür gäbe es von den anderen eine auf den Deckel, Dekadenz hat mit Metallica nichts zu tun. Es gab noch andere schwere Zeiten: 2004 zeigte die Doku „Some Kind of Monster“ die Band am Tiefpunkt mit vielen persönlichen Problemen. Warum sind Metallica damals nicht zerbrochen? lars: Als James nach einem Jahr Auszeit zurückkam und einen Mediator mitbrachte, wusste ich sechs Monate nicht, ob das alles überhaupt noch was wird. Ich wusste nicht, ob ich mit der Situation klarkomme. 2005 oder 2006 war dann alles wieder im Lot, aber eine Zeitlang war es echt elend. Wir hatten keinen Plan, keine Idee. Eine Trennung wäre irgendwie logisch gewesen, nicht? lars: Ich bin kein großer Fan von „Was wäre, wenn …?“­Fragen. Das zählt nicht. Wir sind hier, führen dieses Interview. Sich eine Welt vorzustellen, in der sich Metallica vor zehn Jahren getrennt haben, ist Energieverschwendung. Ihr habt erklärt, dass lange Tourneen nicht mehr euer Ding sind; stattdessen spielt ihr zwei Wochen und verbringt dann zwei Wochen mit euren Familien. Wird man im Alter auch pragmatischer? james: Wir befinden uns in einer extrem glücklichen Lage. Zwei Wochen spielen, dann zwei Wochen entspannen ist groß­ artig – für die eigene Familie und auch für den eigenen Verstand, das mentale und spirituelle Wohlbefinden. Wir können nicht touren wie damals mit zwanzig. Was tut ihr mit all der Freizeit? Vielleicht eine Runde mit dem Skateboard drehen, James? james: Es ist schon eine Weile her, dass ich das letzte Mal auf einem Brett stand. Wir spielten beim „House of Vans“ in London Ende vergangenen Jahres, und einige aus der Crew machten mit, aber für mich ist die Zeit vorbei. Ich hab jetzt andere Dinge. Ich brauche Zeit, um von allem wegzukommen. Da ist noch immer ein einsamer Wolf in mir, der Abgeschieden­ heit liebt, der es genießt, Dinge allein zu tun, Musik, Jagen, Wandern, Camping, was auch immer. Oder in der Garage an etwas basteln, sich voll in einem Projekt verlieren … ich liebe das, ich brauche das. metallica.com

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IN DER

WS P EI T ZL E T „Grand Slam der Abenteurer“: So heißt die Challenge, die sieben höchsten Gipfel der Welt, den Nord- und den Südpol zu erreichen. Bisher gelang das nur 15 Menschen. Ein sehr wenig abenteuerlich aussehender 53-jähriger IT-Techniker aus Schottland ist unter ihnen. Wie um alles in der Welt hat der Kerl das geschafft? Text: Justin Hynes


HENRY HUNT

Newall Hunter: Das ist der Mann, der die Seven Summits, den Nord- und den SĂźdpol gepackt hat.

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D 1 ANTARKTIKA

DER SÜDPOL (2014/2015) KOSTEN: 75.000 CHF

er Spaziergang durch die Korridore der Londoner Royal Geographical Society ist eine geheimnisvolle Reise zu einigen der größten Abenteuer der Geschichte: An den Wänden hängen Bilder von Robert Falcon Scotts tragischem Wettlauf zum Südpol, Ernest Shackletons heroischer Rückkehr nach der gescheiterten Antarktis-Durchquerung und Edmund Hillarys und Tenzing Norgays Everest-Erstbesteigung. Sie alle waren professionelle Abenteurer, die ihr Leben den Expeditionen zu den abgelegensten Orten der Welt widmeten. Und dann ist da Newall Hunter. Schotte, 53 Jahre alt, leise Stimme, leichte Fleecejacke, Wanderhosen, feste Stiefel. Die Art von Kerl, dem du während eines Wander Wanderausflugs in einer Berghütte begegnest und keine große Beachtung schenkst. Dabei ist Newall Hunters Geschichte ebenso bemerkenswert wie die der überlebensgroßen Helden an den Wänden der Royal Geographical Society. Obwohl er den größten Teil seiner Zeit als IT-Techniker verbringt, komplettierte er vergangenes Jahr als erst 15. Mensch den Grand Slam der Abenteurer: Er bestieg die Seven Summits, die jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente, und erreichte Nord- und Südpol. „Ich bin aber nicht mit diesem Ziel auf aufgebrochen“, sagt Hunter lächelnd. „Schließlich bin ich kein professioneller Entdecker.“ „Ich wollte keine Sponsoren. Ich verkaufte meine Geschichte auch nicht an TV-Stationen, die mir dann auf Schritt und Tritt folgen. Niemand zahlt mir etwas dafür, dass ich das tue, was ich tue. Ich mache das einfach so. Als ganz normaler Kerl.“

„Solo vom Meer bis zum Südpol – auf der MessnerRoute, die zuvor nur zwei Menschen genutzt hatten. Ich musste das Gewicht meines Gepäcks auf das absolute Minimum reduzieren. Ich war auf Skiern unterwegs, zwölf Stunden am Tag zog ich den Schlitten, 18 bis 28 Kilometer, je nach Gelände und Bedingungen. Ich verbrannte 10.000 Kalorien täglich, aber nahm ‚nur‘ 6500 zu mir. In diesen 41 Tagen verlor ich 18½ Kilo.“

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DANI CASTILLO LOFTHOUSE

„Ein Solotrip. Musste umso genauer vor­ bereitet werden. War hart.“


2 „Wenn man am Gipfel des Elbrus steht, erblickt man im Süden Georgien, im Westen die Ukraine und im Osten Tschetschenien. Großartig! Jeder besteigt den Elbrus von Süden her, was aber allzu einfach ist. Also nahm ich mir vor, den Berg von der Nordseite her anzugehen. Die nächste Stadt ist 90 Kilometer entfernt, im Geländewagen kämpfst du dich über unbefestigte Straßen. Im Winter legt man die letzten 20 Kilometer dieser Strecke bis zum Fuß des Berges auf Skiern zurück. Wir fuhren – als erste Menschen überhaupt – auf Skiern bis auf den Gipfel.“

EUROPA

ELBRUS (2016) KOSTEN: 6200 CHF

„Wir waren die Ersten, die auf Skiern vom Basislager bis auf den Gipfel und wieder zurück fuhren. Zu Fuß würde ich nie raufgehen, auf Skiern war es angenehm.“


3 NORD­ AMERIKA

DENALI, ALASKA, USA (2010/2016) KOSTEN: 11.800 CHF

„Gute Chancen zu erfrieren, wenn du nicht genau weißt, was du tust.“

4 OZEANIEN

CARSTENSZ­­ PYRAMIDE CARSTENSZ INDONESIEN (2015) KOSTEN: 24.500 CHF

„Schwer zu erreichen, schwierig zu besteigen, politisch unsicher und sauteuer.“ „Manche besteigen einen nur 2228 Meter hohen australischen ‚Berg‘ als Alternative, die CarstenszPyramide ist aber mit 4884 Metern ein richtiger Berg. Hier befinden sich die größte Gold- und die drittgrößte Kupfermine der Welt. Die indonesische Regierung sieht dich dort nicht gern, also flieg mit einem Heli drüber und lande auf den Ausläufern, um den Aufstieg zu beginnen.“

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Hunters Weg begann in seiner Heimat Schottland. Geboren in Leadhills, Schottlands zweithöchstem Dorf, verbrachte er seine Jugend damit, die Hügel der Region raufzu­ steigen. Als Teenager hatte er die sogenannten „Munros“ abgehakt, alle Berge Schottlands über 3000 Fuß (rund 914 Meter; Anm.). In den folgenden zwei Jahrzehnten nahm er sich die Alpen vor – Mont Blanc, Monte Rosa, Matterhorn –, doch irgendwann drängte sich das wahre Leben in sein Dasein als Aben­ teurer. „Mit achtzehn begann ich eine Aus­ bildung in Luftfahrtkommunikation“, erzählt er. „Und dann arbeitete ich als Flugsicherungs­ ingenieur, fast zwanzig Jahre lang.“ Im Jahr 2003, Hunter war da vierzig, be­ gann es wieder zu kribbeln. „Ich bekam richtig

„Als ich beschloss, die Seven Summits anzugehen, begann ich mit einem schwierigen Berg, um mein Können zu testen: dem Denali. Er gilt zu Recht als kältester Berg der Welt, es war schrecklich. Du musst bei minus 36 Grad Celsius Zelte auf- und abbauen, dich anziehen, Skier anund abschnallen, alles. Du brauchst einen wirklich exakten Plan, darfst deine Energie nicht vergeuden. Du bist den Elementen ausgesetzt, aber mit der richtigen Strategie kannst du mit allem fertig werden.“

Lust auf einen der Großen“, sagt er. „Aber ich dachte mir, bevor ich mich am Himalaya versuche, übe ich zuerst an etwas kleineren Bergen. Einfach um zu schauen, wie ich da oben zurechtkomme.“ Der höchste Berg außerhalb des Himalaya ist der 6961 Meter hohe Aconcagua im Westen Argentiniens. „Den nahm ich mit vier anderen und einem Bergführer in Angriff. Doch sie alle bekamen Probleme mit der Höhenkrankheit und mussten umkehren. Mir ging es gut, also ging ich allein weiter. Am Gipfel machte ich ein Foto, saß ein wenig rum, aß eine Kleinigkeit und joggte wieder zurück zum Lager. Das war cool. Und das Beste an der Sache war die Erkenntnis, dass ich zu solchen Leistungen imstande bin. Der Aconcagua war ein Sprungbrett für mich. Es gab mir das Selbstvertrauen für Größeres.“ So begann Hunters dreizehnjähriges Abenteuer, das er damals gar nicht als dreizehnjähriges Abenteuer plante. „Ich hatte zu Beginn ja kein wirkliches Ziel“, sagt er. „Ich wollte bloß herausfinden, ob ich einen großen Berg besteigen und mir dann vielleicht sogar den Himalaya vornehmen kann. Die Aconcagua-Expedition kostete mich um die 7500 Franken, also nicht übertrieben viel, und ich brauchte einen Monat Urlaub dafür. Mehr war nicht nötig. Am Aconcagua wartet ein Guide auf dich, sogar für dein Essen ist gesorgt. Also wirklich keine Hexerei, da raufzukommen.“ Ein Jahr später erreichte Hunter einen weiteren Gipfel der Seven Summits: den Kilimandscharo, Afrikas höchsten Berg. Ein Erfolg, den er aber kaum genießen konnte. „Das Problem am Kilimandscharo ist, dass du ihn nicht ohne Führer besteigen darfst“, sagt er. „Du musst einen lokalen Guide anheuern, das ist alles ein Business dort, und es geht alles viel zu schnell. Nach sechs Tagen THE RED BULLETIN


Nordpol

Denali

Elbrus Mt. Everest

Der Grand Slam der Abenteurer Um diesen Titel zu gewinnen, müssen Abenteurer den Nord- und den Südpol erreichen und die Seven Summits besteigen, den jeweils höchsten Berg der sieben Kontinente.

Carstensz-Pyramide Kilimandscharo

Aconcagua

Mt. Vinson

SCOTT GILMOUR

Südpol

bist du den Berg rauf- und wieder runter runtergestiegen. Das überlastet die Leute. Sie kriegen Kopfschmerzen, die Höhenkrankheit und den ganzen Rest und leiden ernsthaft. Es ist schrecklich. Diesen Berg mag ich am wenigsten von allen.“ Nach dem Kilimandscharo legte Hunter sechs Jahre Abenteuerpause ein. Nicht, weil er die Nase voll gehabt hätte, sondern weil ihm wieder einmal das Leben in die Quere kam, diesmal in Form eines 9-to-5-Jobs. „Aber dann, nach ein paar Jahren, hatte ich genug davon. Ich kündigte und machte mich selbständig. Ich wollte einfach wieder mehr Zeit für meine Reisen haben.“ 2010 versuchte es Hunter auf Alaskas 6194 Meter großem Denali (früher: Mount McKinley; Anm.) – es wurde eine Expedition, die sehr leicht seine letzte hätte sein können. Er stieg im April auf, wenn der Berg noch die meiste Zeit im Dunklen liegt und die Bedingungen unberechenbar sind. „Es ist wahnsinnig kalt, und du bist unendlich weit weg von allem“, sagt Hunter. „Ehrlich: So etwas möchte man kein zweites Mal erleben. Zu dieser Zeit des Jahres gibt es praktisch keine Chance auf Rettung am Denali. Du kannst nur hoffen, dass nichts passiert. Denn da kommt keiner, um dich zu holen.“ Der Aufstieg zum Lager auf 5180 Meter begann damit, dass Hunters Kufenflugzeug in rund 3350 Meter Höhe beinahe auf einen Gletscher gestürzt wäre. Die folgenden zehn THE RED BULLETIN

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ARKTIS

DER NORDPOL (2013) KOSTEN: 37.500 CHF

„Sehr kalt, sehr feucht. Schrecklich. Du frierst bis auf die Knochen und kannst nichts trocknen lassen.“

„Nach dem Mount Everest dachte ich, dass ich nun die restlichen der Seven Summits besteigen sollte. Aber dann hatte ich Lust auf eine neue Herausforderung: den Nordpol. Du wanderst auf Skiern endlos vor dich hin, ziehst dabei deinen Pulka (einen Transportschlitten; Anm.) mit Zelt, Essen und Brennstoff drauf. Am Ende des Tages bleibst du stehen und baust dein Zelt auf. Man könnte auch sagen: eine Art Extrem-Camping.“

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6 ASIEN

MOUNT EVEREST, NEPAL (2011) KOSTEN: 75.000 CHF

NEWALL HUNTER

„Ganz oben bist du extrem gelassen. Bis dir klar wird: Das war ja erst die Hälfte des Weges.“

„Am Gipfel fühlte ich mich wie Rutger Hauer am Ende von ,Blade Runner‘. Aber ich meine nicht das Zitat ‚Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet‘, es ging mir vielmehr um seinen Gefühlszustand während der Rede. Ich freute mich über meinen Erfolg umso mehr, als ich nie an den Gipfelsieg gedacht hatte, sondern immer nur an den nächsten Schritt. Es gibt ein Video von mir, von ganz oben. Das Team sagt: ‚Herzlichen Glückwunsch! Wie fühlst du dich?‘ Und ich antworte: ‚Äh, lass uns einfach sicher wieder hinunterkommen.‘ Mehr Menschen sterben auf dem Weg nach unten, weil sie nachlässig werden.“

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7 ANTARKTIS

MOUNT VINSON, ANTARKTIS (2015) KOSTEN: 18.000 CHF „Normalerweise kostet die Vinson-Tour an die 54.000 Franken, aber ich zahlte bloß 18.000, weil ich schon dort war und mit der Logistik-Firma einen guten Deal aushandelte. Der Vinson ist ähnlich wie der Denali. Der Aufstieg ist nicht so schwer, doch die Steilwand ist gleich. Du kletterst an einer Stelle fünf, sechs Stunden lang auf Eis.“

8 AFRIKA

KILIMANDSCHARO, TANSANIA (2004) KOSTEN: 5400 CHF

„Bis zum Gipfel merkst du gar nicht, dass du auf einen Berg steigst.“ „Nichts am Kilimandscharo ist schwierig, es ist ein langer, sanfter Aufstieg. Aber viele Leute kämpfen mit Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Höhenkrankheit, weil sie zu schnell gehen. Fast 6000 Meter Höhe, das darf man nicht unterschätzen.“

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„Die Reise zum Südpol und auf den Vinson bedeutete den größten Einschnitt in meiner Karriere. Der Großteil meiner Ersparnisse ging drauf, aber dafür hatte ich ja schließlich gespart.“ Tage kämpften sich Hunter und seine Kol­ legen Zentimeter für Zentimeter nach oben. Vor dem Gipfelsturm waren sie so geschwächt, dass sie sich einen Tag Pause gönnten. „Aber dann zog ein Sturm auf – so massiv, dass er das Zelt plättete. Es hatte unter der Plane minus 47 Grad Celsius. Sechs Tage und sechs Nächte waren wir gefangen.“ Als der Sturm endlich nachließ, versuchten sie es tatsäch­ lich noch mit dem Gipfel, aber es war aus­ sichtslos – sie alle waren viel zu erschöpft. „Ich habe damals viel gelernt“, sagt Hunter. „Ich habe gelernt aufzugeben, wenn es die Situation erfordert. Wenn es sich nicht richtig anfühlt, musst du umkehren. Du kannst es ja später wieder versuchen. Alles besser, als du gehst da oben drauf.“

Erst sechs Jahre später sollte Hunter zum Denali zurückkehren, um seinen Grand Slam abzuschließen. Diesmal aber im Sommer, „es war der leichteste Aufstieg von allen“, sagt er. Trotzdem erinnert er sich an den Denali als die härteste der neun Grand­Slam­Heraus­ forderungen. Der Fehlversuch in Alaska stoppte Hunter nicht, ganz im Gegenteil. „Als ich vom Denali runterkam, war mein erster Gedanke: ‚Puh, gerade noch mal davongekommen.‘ Aber nach ein paar Wochen spürte ich: Mir fehlt etwas. Ich muss wieder raus. Ich brauche etwas Neues.“ Also kratzte Hunter seine Ersparnisse zu­ sammen und investierte rund 75.000 Franken in die Expedition auf den Mount Everest. Danach wanderte er 450 Kilometer über die kanadische Arktis zum Nordpol, es folgte ein 911 Kilometer langer Solomarsch vom Filchner­Ronne­Schelfeis am Rande der Ant­ arktis zum Südpol – wo er nur haarscharf einer Tragödie entging. „Das war richtig knapp. Auf Skiern stieg ich Meter um Meter vorwärts – und plötzlich blickte ich auf ein gähnendes schwarzes Loch unter mir. Meine Skispitzen waren auf der einen Seite der Spalte, die Ski­ enden auf der anderen Seite, unter mir war nichts. Was für ein Glück ich da hatte … wäre ich nicht im exakt rechten Winkel über die THE RED BULLETIN


NEWALL HUNTER, HENRY HUNT

Spalte gefahren, ich wäre reingefallen und nie wieder rausgekommen.“ Hunters Reaktion war denkbar simpel: Er rammte seine Skistöcke in den Schnee vor ihm und hievte sich in Sicherheit – ein Beispiel für die Gelassenheit, mit der er alle Schwierig­ keiten seiner dreizehnjährigen Abenteuerzeit bewältigte, zum Beispiel auch den dreizehn­ stündigen Aufstieg auf die 4884 Meter hohe Carstensz­Pyramide im indonesischen Teil Neuguineas mit nur einem Liter Wasser und einer Tüte Chili­Erdnüsse als Proviant. Hunter ist davon überzeugt, dass im Prinzip jeder den Grand Slam der Abenteurer schaffen kann. „Viele Leute sagen: ‚Der Everest ist einfach zu gewaltig, wie zur Hölle soll ich da raufkommen?‘ Aber sobald du das eine große Ziel in viele kleine Aufgaben zerteilst – etwa ‚Was werde ich essen?‘, ‚Wie werde ich schlafen?‘ –, dann wird es machbar. Die 40 Tage, die du rauf auf den Everest brauchst, musst du genauso behandeln. Denk nur über heute, morgen und übermorgen nach, nicht weiter. Bergsteigen ist für mich eine Sache der kleinen Schritte, nicht der großen Ziele.“ „Meine Freundin sagt, ich habe keine Angst, weil mir die Fantasie dazu fehlt. Das ist nicht wahr. Vor einer Expedition gehe ich alles im Kopf durch. Du überlegst, was schief schief­ laufen könnte und wie du in Notsituationen THE RED BULLETIN

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SÜDAMERIKA

ACONCAGUA, ARGENTINIEN (2003) KOSTEN: 7500 CHF

„Die letzten 300 Meter zum Gipfel sind eine Hölle in Schutthaldenform.“ „Der Aconcagua ist technisch gar nicht schwierig, dafür aber steil. Auf dem drei- bis viertägigen Weg zum Basislager ist es unglaublich heiß. Oberhalb des Basislagers wird es aber dann eiskalt. Die letzten 300 Meter sind wahnsinnig mühsam.“

handeln würdest. Und Dinge, die du nicht beeinflussen kannst, akzeptierst du einfach – oder du gehst erst gar nicht los.“ Hunter erledigte den Südpol und den Mount Vinson in der Antarktis in einem gewaltigen 52-Tage-Trip, bevor er innerhalb von gerade mal neun Monaten die CarstenszPyramide, den Elbrus im Kaukasus und den Denali bestieg. Der immer schnellere Rhythmus der Expeditionen gab Hunters Leben eine Art Rückgrat, er liebte es, jedes Detail sorgfältig zu planen – und wenn dann alles klappte, machte ihn das glücklich. Was ihm ebenfalls viel bedeutete: Seine Erfolge beweisen, dass auch scheinbare Durchschnittskerle Außergewöhnliches schaffen können. „Ich mache das als gewöhnlicher Typ“, sagt er. „Nicht als Held oder irgendwas. Ich entschied mich bewusst gegen Sponsoren oder andere ‚Förderer‘, die sich einmischen. Vor meiner Reise zum Südpol riefen Leute an, die mich sponsern wollten, aber ich lehnte ab. Ich wollte das allein machen. Am Ende dieser Zeit kann ich jetzt sagen: ‚Ich habe das allein geschafft, ganz ohne Unterstützung.‘ Und ich allein kann jetzt den Erfolg auskosten.“ Im Juni 2016 war der Erfolg perfekt. Hunter stand auf dem Gipfel des Denali und hatte etwas vollbracht, was nur vierzehn anderen Männern und Frauen zuvor gelungen war. Dreizehn Jahre voller Mühe, Einsatz, Leidenschaft und Opfer waren vorbei. Es gab nur noch den Weg nach unten – buchstäblich und sinnbildlich. „Ich treibe seither ein wenig vor mich hin“, sagt er. „Nichts funktioniert momentan richtig. Ich sollte Arbeit finden, um Geld zu verdienen, aber ich kann mich nicht aufraffen.“ War es das wert, Karriere, Familie und materiellen Wohlstand für dieses Abenteuer zu opfern? Hat diese Mission von Hunters Leben längst Besitz ergriffen? „Die Leute in meinem Umfeld würden das bejahen, aber es ist mein Leben, nicht ihres“, sagt er. „Ohne Opfer geht es nicht. Nimm die Olympischen Spiele. Alle Gewinner von Goldmedaillen sagen das Gleiche: ‚Es geht um Hingabe, um Opfer und harte Arbeit.‘ Nichts anderes. Es gibt keinen Trick und keinen Zauberstab, wenn du etwas Großes erreichen möchtest.“ Hunter arbeitet jetzt auf sein nächstes großes Ziel hin. Wenn man ihn danach fragt, strahlt er. „Wenn ich bei den Bergen bleibe, dann wäre wohl der K2 dran, dieser heimtückische Riese. Aber ich bin mir nicht sicher. Ich könnte Lust bekommen, etwas völlig anderes zu tun. Vielleicht versuche ich, die Wüste Gobi im Winter zu durchqueren. Ein längerer Marsch als durch die Antarktis und etwa genauso kalt. Es sind 2400 Kilometer in 55 Tagen oder so – bei minus 45 Grad Celsius. Niemand hat das je zuvor gemacht.“ newallhunter.com

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Der Immenseer Max Heinzer, 29, ist einer der weltbesten Fechter und Experte darin, Kompromisse zu vermeiden. AuĂ&#x;erdem kennt er die korrekte Antwort auf unkorrektes Schuhebinden und meint: Eine Schwäche zu haben macht dich erst richtig gut. 46

RED BULL CONTENT POOL

DER GEZIELTE SCHREI


Max Heinzer und sein Degen, vereint in typischer Pose: jener der entschlossenen Attacke

Text: STEFAN WAGNER Fotos: CHRISTIAN EGELMAIR


The Red Bulletin: Herr Heinzer, haben Sie sich vor Beginn unseres Interviews ge ohrfeigt? max heinzer (schmunzelt): Nein. Ich erwarte ja ein Gespräch, keinen Kampf. Und es stimmt wirklich, dass Sie sich vor jedem Kampf drei, vier kräftige Ohrfeigen runterhauen? Ja. Das ist Teil meines Rituals. Man darf Fechten nicht auf die paar Minuten des unmittelbaren Kampfes auf der Bahn reduzieren. Ein Wettkampf dauert einen ganzen Tag, besteht aus bis zu sechs Kämpfen, bei der Europameisterschaft sogar bis zu zwölf, dazwischen rund einstündige Pausen. Während jedes Kampfes stehst du total unter Strom, Adrenalin bis in die Haarspitzen. Diese Spannung auf aufrecht zu halten, schaffst du höchstens für die fünf bis zehn Minuten eines Kampfes. Dann musst du wieder runterkommen, je weiter runter, desto besser, sonst kostet das zu viel Energie. Und zwanzig Minuten vor dem nächsten Kampf beginnt wieder das Ritual. Da wärme ich mich physisch auf, und eben auch psychisch. Sie haben Fechten einmal mit Schach verglichen. Was sind die Parallelen? Beim Schach gewinnt der, der mehr Züge vorausdenken kann. Beim Fechten ist das ähnlich. Das Gegenstück der Züge sind die Angriffe, die Treffer. Auf jede meiner Aktionen kann der Gegner nur mit einer gewissen Bandbreite an Reaktionen antworten. Die muss ich vorhersehen, früh meine Reaktion auf seine Reaktion planen, meine Reaktion auf seine darauf folgende Reaktion, und immer so weiter, im Idealfall, bis der Treffer gelandet, bis der Kampf gewonnen ist. Man muss dem Gegner im Kopf voraus sein. Ein guter Kampf ist zuallererst eine Frage der Planung. Instinkt darf nur die letzte Reserve sein. Fechten hat ein sehr aristokratisches Renommee. Und es sieht ja auch sehr elegant aus, wie die beiden weiß gekleideten Männer da leichtfüßig auf der Bahn herumwirbeln. Aber nach dem Treffer – dieser Jubel, diese Schreie, allzu aristokratisch ist das nicht mehr, mit Verlaub. Bahnt sich da 48

das Adrenalin seinen Weg? Oder möchte man den Gegner einschüchtern? Ein wenig von beidem. Lässt sich Ihr Gegner, ein Weltklasse­ athlet wie Sie, wirklich davon ein­ schüchtern, wenn Sie schreien? Zunächst mal muss wirklich die extreme Anspannung raus, die du in jedem Punkt aufbaust. Das ist der Adrenalin-Part. Und dann ist dein Jubel auch Teil der Taktik. Sie können mich ja mal bei einem wichtigen Kampf beobachten: Nach einem schönen Treffer bleibe ich ziemlich cool. Aber nach einem glücklichen Treffer, einem Abstauber, juble ich umso kräftiger. Weil Sie den Gegner ärgern wollen? Der weiß ja, dass ich nur Glück hatte, der ärgert sich sowieso. Aber mit meinem Jubel geb ich ihm noch zusätzlich einen drauf. Das ist Teil des Psychospiels. Beim Fechten versuchst du, in den Kopf deines Gegners zu kommen. Das ist einer der Faktoren des Erfolgs. Hast du dich einmal in seinem Kopf festgesetzt, kannst du viel leichter abschätzen, was er tun wird. Du kannst deine eigenen Aktionen besser planen. Außerdem kannst du einen Schrei auch einsetzen, um dich selbst aufs richtige Spannungsniveau zu bringen … … als eine Art zusätzlicher Ohrfeige während eines Kampfes. In der Art, ja. Habe ich den Start in einem Kampf verschlafen und mache endlich den ersten Punkt, bei 0:3 vielleicht, brüll ich mich mal wach. Und der Gegner soll merken: Hallo, da ist noch einer. Und der denkt nicht dran aufzugeben. Beim Fechten ist die Reichweite ein ent­ scheidendes Kriterium, somit auch die Körpergröße. Sie sind mit 1,78 Metern so ziemlich der Kleinste in der Welt­ spitze. Sie waren auch als Kind und Jugendlicher kleiner als Ihre Alters­ genossen. Wieso haben Sie sich den­ noch fürs Fechten entschieden? Als Kind war’s die Faszination der Piratenfilme im Fernsehen. Mein Bruder und ich haben sie im Garten mit Holzstecken nachgespielt. Zufällig war im Nebenort ein Fechtclub, in den habe ich mich mit fünf reingemogelt, obwohl man eigentlich erst mit sieben hätte mittun dürfen. Und

dann ging alles seinen Weg. Ich war zwar immer kleiner als die anderen, aber habe trotzdem Wege zum Erfolg gefunden. Dann bin ich beim Fechten geblieben. Nie andere Sportarten probiert? Doch. Im Fußball wollten sie mich unbedingt als Torwart, wegen meiner Reflexe. Und im Tennis spielte ich einen Kurs mit und gewann gleich das Turnier. Aber Fechten war einfach immer mein Sport. Was ist die Faszination, die diesen Sport von allen anderen unterscheidet? Fechten ist Schachspielen mit dem ganzen Körper, Arme, Beine, Kopf, alles muss perfekt zusammenspielen. Wenn nur ein Teil des Puzzles nicht passt, bist du raus. Die kleinste Blöße wird ausgenützt. Und alles passiert wahnsinnig schnell, jede Aktion steht unter enormem Zeitdruck. Überhaupt Druck: Zu einem Weltcup nach Buenos Aires fliegst du fünf Tage vorher, dann ist der Wettkampftag, und wenn du den ersten Kampf verlierst, kannst du nach fünf Minuten deine Sachen packen und heimfliegen. Die Erleichterung, wenn du diesen ersten Kampf überstanden hast, die ist schwer zu beschreiben. Und du stehst allein auf der Plane. Du kannst dich an einem schlechten Tag nicht verstecken wie im Fußball, da ist keine Mannschaft. Da bist nur du und ein anderer. Einer gewinnt, einer verliert. Unentschieden gibt’s nicht. Hat man unterbewusst das Ziel, dem Gegner Schaden zuzufügen? Sie halten ja eine Waffe in der Hand, die dazu er er­ funden wurde, einen Konflikt zwischen zwei Männern dauerhaft zu lösen. Das ist jemandem, der nie gefochten hat, schwer zu erklären. Es stimmt schon, jeder einzelne Treffer ist eine Befriedigung. Zum einen, weil deine Taktik aufgegangen ist. Zum anderen, ja, es ist auch ein angenehmes Gefühl, wenn du den anderen gut triffst, wenn du beim Treffer den Widerstand seines Körpers spürst. Nicht im blutrünstigen Sinn natürlich, ich will dem Gegner ja nichts zuleide tun. Aber den anderen abstechen, ja, das ist schon ein Teil der Faszination. Das versteht man aber wahrscheinlich nur, wenn man mal selbst gefochten hat.

DEN ANDEREN ABSTECHEN, DAS IST SCHON TEIL DER FASZINATION. THE RED BULLETIN


FECHTEN IST SCHACH­ SPIELEN MIT DEM GANZEN KÖRPER, ARME, BEINE, KOPF, ALLES MUSS PER­ FEKT ZUSAMMENSPIELEN, UND ALLES PASSIERT WAHNSINNIG SCHNELL.


Wenn Sie getroffen werden, spüren Sie das körperlich? Ich vermute, Sie sind so gut geschützt, dass nichts passiert. Oh, da irren Sie. (Zeigt ein mächtiges Hämatom am Arm.) Das war heute im Training. Wenn du gut getroffen wirst, kannst du ordentliche Striemen davon­

tragen, manchmal mit wirklich starken Schmerzen. Beim Kampf selbst spürst du natürlich nichts, wegen des Adrenalins, aber danach umso mehr. Nein, Fechten ist schon ein sehr physischer Sport. Kann man als Fechter denn mit einem anderen Fechter befreundet sein?

ECHTE, TIEFE FREUNDSCHAFTEN HABE ICH EHER PRIVAT, NICHT IM FECHTEN. AUF DER BAHN MUSS MAN AUCH EIN KILLER SEIN. 50

Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Freundschaft ein gegenseitiges lust­ volles Abstechen mit folgendem Jubel­ schrei locker übersteht. Natürlich gibt es Fechter, mit denen ver ver­ steht man sich gut, aber so echte, tiefe Freundschaften habe ich eher privat. Auf der Bahn muss man auch ein Killer sein. Sie fechten wohl am liebsten gegen Leute, die Sie nicht so gern mögen? Man kämpft am besten, wenn man aus dem vollen Repertoire schöpft. Und dazu gehören auch die kleinen taktischen Fein­ heiten im psychischen Bereich … … die man etwas weniger elegant auch Mätzchen nennen könnte … THE RED BULLETIN


MICH ZU PROVOZIEREN, DAS WÜRDE ICH NIEMANDEM RATEN.

Wer mit 178 Zentimeter Körpergröße aus­ kommen muss, entwickelt eigene Wege zum Sieg: Max Heinzer beim Sprung­Angriff

(Lacht.) In diesem Bereich kann mir kaum jemand das Wasser reichen. Ich starte diese Psychospielchen aber nicht. Da reagiere ich nur. Wenn sich jemand dreimal hintereinander in taktisch güns­ tigen Momenten die Schuhe bindet oder wenn er mich ganz zufällig beim Vorbei­ gehen nach einem Treffer rempelt, wenn diese Ebene zu einem Kampf dazukommt, da weiß ich schon zu antworten. Schuhebinden im richtigen Moment zählt zu den wesentlichen Stärken eines Weltklassefechters? Ach, da hab ich meistens ein ganz lästiges Haar auf der Zunge, das sofort entfernt werden muss. Oder meine Emotionen THE RED BULLETIN

gehen nach dem nächsten Treffer ganz besonders hoch, und ich muss sehr deut­ lich jubeln. (Lacht.) Mich zu provozieren, das würde ich niemandem raten. Es gibt Highlight-Reels Ihrer Kämpfe auf YouTube. Es ist da sofort zu erkennen, welcher der beiden Fechter Sie sind: Sie fallen über den anderen her wie ein Piranha. Für den Laien wirken Ihre Angriffe eher wie Überfälle. Ist in diesem Gewirbel wirklich jede Bewegung choreografiert? Meistens ja. Ich habe rund 15 verschiedene Angriffsaktionen im Repertoire, jede in mehreren Varianten. Das ist sehr viel. Es gibt Weltklassefechter, die mit nur zwei

oder drei Aktionen auskommen. Ich muss mich darauf konzentrieren, wirklich bei meinem Plan zu bleiben: eine Ent­ scheidung treffen, sie durchziehen, nie zwischen zwei schwanken. Das ist wichtig. Auch nicht vom Gegner oder seinen Aktionen abhängig sein, nicht abwarten und reagieren, sondern immer agieren. Das ist mein Stil. Je konsequenter ich ihn ausführe, desto erfolgreicher bin ich. Sie arbeiten neben Ihrer Fechtkarriere in der Fritz-Gerber-Stiftung, die sich der Förderung von Talenten verschrieben hat. Verraten Sie mir: Woran erkennt man ein Talent? Im Fechten sehe ich das relativ leicht. Aber Sie meinen die Frage wohl grund­ sätzlicher, unabhängig von der Sportart? Ja. So ziemlich allen talentierten jungen Leuten ist eine Grundintelligenz gemein­ sam. Du bekommst von einem talentierten Sportler nur selten eine dumme Antwort. Talente haben aber auch einen aus­ geprägten Eigenwillen. Wenn wir mit einem Bewerber ein Orientierungs­ gespräch haben und die Mutter spricht fünfzig Minuten und der Junge selbst nur eine Minute, dann fehlt da etwas, das über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Wie fördert man Talent am besten? In der Jugend gibt’s nichts Wichtigeres als das Umfeld: Eltern, Schule, Trainer. Wenn du das positiv beeinflussen kannst: Tu es. Und woran scheitern Talente am zuverlässigsten? Erstaunlicherweise oft an einem Zuviel an Talent. Junge Leute, denen alles in den Schoß fällt, die lernen nicht, für ein Ziel zu arbeiten. Man muss lernen, für etwas kämpfen zu müssen. Ich habe bei mir selbst erlebt, dass ein Defizit auch ein Vorteil sein kann, ein Funke, der dich über dich hinauswachsen lässt. Eben weil ich kleiner war als die anderen, waren da viele Rückschläge, Hindernisse, die ich überwinden musste. Nicht aufzugeben, durchzuhalten, Ziele zu verfolgen, das habe ich so viele Jahre lang trainiert, dass ich darin mittlerweile ziemlich gut bin. Wer weiß, vielleicht wäre ich mit zehn Zentimetern mehr Körpergröße ein weniger guter Fechter geworden? maxheinzer.ch

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EIN KÄFIG VOLLER NARREN Julius Caesar tanzt mit Dschingis Khan, darüber wacht ein chinesischer Drache, und ein Wikingerschiff gleitet durch den Club – willkommen im „Space“ auf Ibiza. Wir feiern „ E l r o w “, d i e w o h l d u r c h g e k n a l l t e s t e Clubnacht der Welt. The Red Bulletin reiste auf die Sonneninsel, um eine Völkerwanderung mit 8000 Verrückten vorüberziehen zu lassen. Tex t : F l o r i a n O b k i r c h e r Fo t o s : K h r i s C o w l e y

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Knallbunte Lebens­ freude im „Space“ auf Ibiza: Motto und zugleich Erfolgs­ geheimnis der legen­ dären Party „Elrow“


23:30 Uhr

Die Nächte am Platja d’en Bossa sind nichts für Zartbesaitete: Taxis hupen und verstopfen die Straße, junge Menschen laufen wild durcheinander, nächtliche Marktschreier ver­ suchen sie zu ihren Clubs und Bars zu locken. Es riecht nach gebratenem Fleisch, das bei Grillständen am Straßenrand angeboten wird. Riesige Neonschilder an den Fassaden der Bars und Clubs machen Nachtlaternen überflüssig. Wirkt die zwei Kilometer lange Strandpromenade am Rand von Ibiza­ Stadt untertags wie ein verschlafener Urlaubsort, verwandelt sie sich nach Sonnenuntergang in Europas heißeste Party­ meile. Nirgendwo sonst ist die Dichte an Mega­Clubs größer, an die 40.000 Menschen feiern hier wochenends. Das Epi­ zentrum im Party­Mekka heißt Space. 1989 wurde das 2300 Quadratmeter große Konferenzzentrum in einen Nachtclub umgebaut, der bei den International Dance Music Awards mittlerweile viermal zum besten Club der Welt gekürt wurde.

00:10 U h r

Ein Taxi hält vorm Space, zwei gut gebaute Männer steigen aus. Ein Pharao mit langem Kinnbart, nacktem Oberkörper und neongrünem Nemes­Kopftuch. Und ein Wikinger mit Hörnerhelm, knallroter Tunika und einem Plastikschwert im Rauledergürtel. Auf ihre Outfits angesprochen, meinen die beiden: „Ach, hier fallen wir damit nicht einmal auf!“ Javier, 24, und Mario, 27, beide aus Madrid, arbeiten den Sommer über in Ibiza­Stadt als Kellner. Am Wochenende tauschen sie die Thekenseite und tauchen ein in die verrückteste Club­ nacht der Welt: Elrow. Vor sechs Jahren startete die Party­Serie in Barcelona als Gartenfete mit 200 Besuchern. Tagsüber, unter freiem Himmel, für den erweiterten Bekanntenkreis des Gründers Juan Arnau junior. Seine Vision: einen Spielplatz für Er Er­ wachsene zu erschaffen. Mit Kostüm­Mottos, irren Show­ einlagen – und fettem Techno. In den letzten drei Jahren ist Elrow zum Rave­Wanderzirkus mutiert und tourt Wochen­ ende für Wochenende durch die besten Clubs Europas, der USA und Südamerikas – mit tausenden Besuchern pro Event. In den Sommermonaten residiert Elrow in Ibiza. Genauer: jeden Samstag im Space. „Elrow ist das Studio 54 unserer Generation“, schwärmt Mario. „Ein Ort, an dem du den Alltag hinter dir lässt.“ Der Blick auf die fünfzig Meter lange Schlange macht das deut­ lich. Kreuzritter stehen neben Marsianern und Ninjas. Das Ziel der Elrow­Fans: sich bezüglich des Mottos der Nacht gegenseitig zu übertreffen. Umso mehr gilt das heute, bei der großen Sommerabschlussparty. Das Thema: Völker­ wanderung. Über 8000 Nomaden werden erwartet.

00:50 Uhr

Am Eingang werden die Besucher von Andres begrüßt. Unter der Woche spielt er am lokalen Stadttheater Shakespeare­ Stücke, am Samstag gibt er den Pförtner zum Party­Himmel – verkleidet als Hutmacher aus „Alice im Wunderland“: blauer XXL­Zylinder, eine ebenso überdimensionierte runde Sonnen­ brille, oranger Lackanzug. „Hereinspaziert, hereinspaziert!“, ruft er mit überdrehter Roger Roger­Rabbit­Stimme. Mit irrem Grinsen posiert er für Selfies, einigen Gästen gibt er einen Tipp mit ins Innere: „Seid um Punkt zwei Uhr in der Mitte der Tanzfläche, möglichst ohne offene Getränkebecher.“ 54

01:20 Uhr

Das Herzstück im Space heißt La Discoteca. Im Hauptraum des Clubs schwitzen zur Primetime 2000 Tänzer. Jeden Samstag ver ver­ wandelt die Elrow­Crew den Hauptraum binnen zwölf Stunden in ein psychedelisches Traumland: In der Mitte des Dancefloors reckt sich ein wuchtiger blauer Mammutbaum empor bis an die acht Meter hohe Decke, die mit im Schwarzlicht glänzenden Ästen und Quallen­Girlanden überzogen ist. Ein chinesischer Drache mit zwei Meter großem Schädel schwebt über der Tanz­ fläche. Der DJ thront auf einer Azteken­Pyramide, hinter ihm eine kreisrunde LED­Leinwand, die anmutet wie ein Zeitportal aus einem Science­Fiction­Film.

01:40 Uhr

An der VIP­Bar an der Bühnenseite lehnt Juan Arnau junior, der Elrow­Chef. Kurz­ haarschnitt, schwarzes T T­Shirt, schwarze Jeans – und mit dreißig Jahren das jüngste Mitglied einer spanischen Party­Dynastie. Seit sechs Generationen ist seine Familie im Nachtleben aktiv, schon 1870 betrieben seine Vorfahren Amüsierlokale in ihrer Heimatstadt Fraga in Nordspanien. 2010 startete er in Barcelona mit Elrow sein eigenes Ding. Um sich von anderen Partys abzugrenzen, kaufte er im Faschings­ shop Masken, Konfetti­Pistolen Pistolen und auf auf­ blasbare Tiere. Eine simple Idee, die rasch Eigendynamik entwickelte: „Gäste kamen bald unaufgefordert in absurden Ver­ kleidungen und brachten Straßenkünstler mit, die auf der Tanzfläche spontan Show­ Einlagen darboten“, sagt er. „Das war die wahre Geburtsstunde von Elrow.“ Arnau erklärt: „In Berlin und London sind derzeit düstere Lagerhallen­Partys angesagt. Schwarze Kluft, monotoner Sound, keine Deko. Elrow macht das Gegenteil – und ist genau deshalb erfolgreich. Weil die Party­Reihe all jenen Ravern ein Zuhause bietet, die von einer Clubnacht mehr wollen als nur Musik.“ Heute ist Elrow für seine durchgeknallten Nächte weltweit bekannt – mit fünfzig Partys pro Jahr auf drei Kontinenten. Sechzig Designer arbeiten in drei Lagerhallen an neuen Party­Dekos und Outfits für die 120 Akrobaten, die pro Fest im Einsatz sind. „Unser Kon­ fetti lassen wir in China herstellen“, sagt er. „Denn so großes Konfetti, wie wir es verwenden, kannst du nirgends kaufen. Allein in diesem Sommer auf Ibiza haben wir vier Tonnen davon verschossen.“ Arnau gelang es in diesem Sommer ganze zehn Mal, das Space bis zum letzten Ticket auszuverkaufen. Das schafft sonst niemand. Sein Erfolgsrezept: „Du musst die Gäste überraschen. Jede unserer Partys hat ein anderes Motto. Das Einzige, worauf die Leute sich bei Elrow verlassen können: dass ihnen bei der Show die Kinnlade herunterklappt.“ THE RED BULLETIN


Mit einem Knall schießt ein Konfetti-Regen auf die Tänzer hernieder. So dicht, dass du keine drei Meter weit siehst. Farbenrausch!

Völkerwanderung in vollem Gang: Bei den Shows drängen sich dreißig verkleidete Stelzengeher am Dancefloor. DJ Art Department aus Kanada (links), bekannt für seinen druckvollen DeepHouse-Stil, ist der Stargast der Party.


Binnen zwölf Stunden verwandelt die Elrow-Crew das Space in einen Spielplatz für Erwachsene. Das Party-­ Motto wechselt dabei wöchentlich. Boxkampf im Papierregen: Letzten ­Ibiza-Sommer wurden bei der ElrowParty insgesamt vier Tonnen Konfetti verschossen.

„Bei den Elrow-Partys musst du als DJ dein Ego runter­ schrauben. Es geht nicht um dich. Du bist, wie jeder ­a ndere Gast, ein Teil dieses großen, geilen Irrenhauses.“


01:58 Uhr

Es wird eng in der Haupthalle, die Gäste strömen von allen Seiteneingängen herein. Gebannter Blick nach vorne. Der DJ drosselt den Beat, das Licht geht aus. Dann, Punkt zwei Uhr, zischhhhh! Aus vier Riesenkanonen schießt Nebel wie eine Lawine auf den Dancefloor, blitzendes Stroboskoplicht, hymnische Musik. Dann entern drei Meter hohe Gestalten den Zuschauerraum, vier von beiden Bühnenseiten aus. Dschingis Kahn, dahinter Julius Caesar und ein Alien aus dem Film „Avatar“ – alle auf Stelzen. Ein drei Meter langes, bemanntes Wikingerschiff sinkt aus der Hallendecke herab, die Galionsfigur: eine Sadomaso-Plastik Sadomaso-Plastikpuppe. Daneben seilt sich ein theatralisch lachender Alexander der Große im Leinenpanzer vom Märchenbaum ab und landet auf den Schultern von Moses, der Stücke von einer Zehn-GeboteTafel abbeißt und sie in die Menge spuckt, neben ihm reitet eine Dschungelforscherin auf einer aufblasbaren Banane durchs Publikum. In diesem Moment lassen sich die Elrow-Stammgäste leicht von Neulingen unterscheiden: Während die einen ausgelassen um die Stelzengeher herumtanzen, starren die anderen ungläubig nach oben. Ein Typ in Priesterkutte ruft begeistert: „Oh Mann, das ist ja ärger als ein LSD-Trip!“

02:20 Uhr

Dreißig Performer auf Stelzen tummeln sich mittlerweile am Dancefloor. Totaler Wahnsinn, totale Reizüberflutung. Dann dreht der DJ den Bass weg. Pulverfass-Anspannung. Dann, tusch!, schießt mit einem Knall ein Konfetti-Regen auf die Tänzer her hernieder. So dicht, dass du keine drei Meter weit siehst. Farbenrausch. Das große Finale der ersten von vier Showeinlagen der Nacht, die zu jeder vollen Stunde beginnen.

03:30 Uhr

Der älteste Raver am Dancefloor ist sechzig Jahre alt. Zwei Meter groß, Glatze, Brille, herzliches Lächeln. In Spanien kennt man ihn als Padre der Party-Kultur: Juan Arnau senior, Papa des Elrow-Chefs. Das Nachtleben kennt er seit seiner Geburt. „Ich wurde im Casino meines Großvaters geboren“, sagt er. Heute leitet er den legendären Nachtclub „Florida 135“, den sein Vater vor 73 Jahren eröffnete, und unterstützt seinen Sohn bei dessen Clubnacht. Von der ersten Elrow-Party an war er mit dabei: als Türsteher für die ganze Nacht. „Als Clubbetreiber kannst du nur erfolgreich sein, wenn du selbst Teil der Party bist. Das hat mir mein Vater eingetrichtert“, erklärt er. Viele Clubs scheitern, weil sich die Chefs nach der ersten Erfolgswelle in ihre Büros zurück zurückziehen. Weil sie eher am Umsatz als an der Stimmung im Club interessiert sind. Der Senior erklärt das Arnau’sche Erfolgsgeheimnis nach all den Jahren Party-Erfahrung so: „Du musst dich mit den Besuchern unterhalten und die Tänzer beobachten. Kurz: Du musst sicherstellen, dass die Leute in jeder Sekunde Spaß haben. Nur dann kommen sie auch wieder.“ Kann man diese Attitüde auch mit sechzig noch guten Gewissens ausleben? „Sie wollen wissen, wie lange ich heute bleibe? Wie üblich, bis zum bitteren Ende!“ THE RED BULLETIN

03:45 Uhr

Als drei sexy Clown-Ladys mit bunten Perücken und kurzen Röcken fünf weiße Kisten auf die Bühne schieben, johlen die Wissenden und stürmen nach vorne. Es ist ein Elrow-Ritual: die Kostümausgabe. Von Stammgästen auch liebevoll Raubtier Raubtierfütterung genannt. „Hier! Hier!“, brüllt ein Typ im Römer-Outfit in der ersten Reihe hysterisch – und bekommt just einen roten Sombrero zugeworfen. Weitere Flugobjekte: Babyflaschen, Clownsnasen, Afro-Perücken, Bauarbeiterhelme, Hippie-Sonnenbrillen, Pferdemasken, Zwergmützen. Am Ende der Fütterung trägt selbst der stoische Security-Typ an der Bühnenseite eine grüne Perücke.

05:10 U h r

Auf der Terrasse hängen riesige Käsestücke aus Karton an der Wand. Und Bilder vom Matterhorn. Spezielle Deko zu Ehren von DJ Andrea Oliva. Der Schweizer Minimal-House-Experte hat in dieser Ibiza-Saison seinen eigenen Floor bei Elrow-Partys. Das heißt: Marathonschicht, von Mitternacht bis sechs Uhr früh. Oft auch länger. Obwohl der Zeremonienmeister total übermüdet ist – es ist seine vierte Nachtschicht in Folge –, könnte er darüber nicht glücklicher sein. „In den meisten Clubs wirst du als Top-DJ für Zwei-Stunden-Sets gebucht, dann ist der nächste Star dran“, sagt er. „Bei Elrow kann ich die Tänzer auf eine lange Reise mitnehmen. Deshalb liebe ich es, hier aufzulegen.“ Während viele andere Ibiza-Clubnächte versuchen, einander mit der Anzahl an Star-DJs zu übertrumpfen, fährt Elrow eine andere Schiene. „Bei Elrow-Auftritten musst du als DJ dein Ego runterschrauben“, sagt Oliva. „Es geht nicht um dich. Du bist, wie jeder andere Gast, ein Teil dieses großen, geilen Irrenhauses. Und genau deshalb lieben die Leute Elrow.“

06:15 U h r

Als Oliva den House-Stampfer „Dem a Pree“ von Patrick Topping im Remix von Raumakustik anspielt, gehen die Hände in die Höhe. In der ersten Reihe: Mario und Javier. Die beiden sehen gut abgefeiert aus. Mario hat seine Tunika verloren – „Wo? Keine Ahnung!“ – und tanzt in grauen Calvin-Klein-Shorts, Javiers Haupthaar und Bart sind mit Konfetti verklebt. Was halten sie von der Völkerwanderung? „Die beste Party des Sommers, obwohl …“ Es sei schwer zu sagen, sie haben in dieser Saison so viele Highlights erlebt: Bei der Themenparty „Psychedelic Trip“ ließen sie sich von einem Marilyn-Manson-Typ in Priesterkutte am Dancefloor trauen, bei den „Rowlympic Games“ rekrutierten sie andere Freaks für ein Fußballmatch und übten auf der Bühne mit einem aufblasbaren Globus Elferschießen.

0 7:10 U h r

Stamm-DJ De La Swing spielt die letzte Nummer an: Theo Kottis’ euphorische Tech-House-Hymne „Running Nowhere“. Kreuzritter und Nonnen klettern auf die Theke, um die Völkerwanderung gebührend zu verabschieden. Nach fünf Minuten dreht der DJ den Plattenspieler ab. Der Beat wird langsamer und endet in einem dumpfen Grollen. Das Licht geht an – unter lautem Protest der Raver, doch die Security-Männer in ihren Neonwesten kennen kein Erbarmen: „Ihr wisst, wie’s läuft, raus mit euch!“ Der letzte Mann am Dancefloor: Juan Arnau senior. Als der Sechzigjährige seinen Sohn auf der Bühne erblickt, ruft er: „Junge, wohin geht’s zur Afterparty?“ elrowfamily.com

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Alex Soojung-Kim Pang, Freizeitforscher: „Wir sind stolz darauf, gestresst zu sein. Das ist Verrückt!“


HEROES

„VERLASSEN SIE IHREN SCHREIBTISCH“ ALEX SOOJUNG-KIM PANG ist Zukunftsforscher. Hier

erklärt er, wie man seine Produktivität steigert. Sein Credo: Weniger arbeiten, mehr erreichen.

I SAROYAN HUMPHREY

m Silicon Valley wird er als Querdenker gefeiert: Alex Soojung-Kim Pang, wissenschaftlicher Leiter am dortigen Institute for the Future, bringt gestressten Managern bei, wie man effizienter ar arbeitet. Seine verblüffende Botschaft: „Tu weniger, erreiche mehr.“ Wie man diesen Ansatz auf das eigene Berufsleben anwendet, verrät der US-Bestsellerautor im Interview. the red bulletin: Herr Pang, in Ihrem neuen Buch „Pause“ behaupten Sie, dass man mehr erledigt bekommt, indem man weniger arbeitet. Wie soll das gehen? alex soojung-kim pang: Der Schlüssel liegt in der Freizeitgestaltung. Was meinen Sie damit? Schauen Sie sich Charles Darwin an. Der Mann schrieb in seinem Leben mehr als zwanzig Bücher. Dabei arbeitete er konsequent maximal vier Stunden pro Tag. Mit dieser Einstellung würde er heute in jeder Firma gefeuert werden. Weil wir an einen direkten Zusammenhang zwischen Arbeitszeit und Produktivität glauben. Klingt doch schlüssig, oder? THE RED BULLETIN

Ich halte Vorträge in aller Welt. Wissen Sie, was fast alle meine Zuhörer eint? Verraten Sie es mir! Sie antworten auf die Frage nach ihrer Verfassung mit „Ich bin gestresst“. Wir glauben, dass etwas nicht mit uns stimmt, wenn wir nicht überüberarbeitet sind. Das ist verrückt! Bei Darwin war das anders? Wenn Charles Darwin nicht am Schreibtisch saß, ging er stundenlang spazieren. Genau wie Friedrich Nietzsche. Der meinte: „Ich würde nur einem Gedanken trauen, der mindestens zehn Kilometer gewandert

Gut, aber wie komme ich als Nicht-Genie beim Ausruhen zu Geistesblitzen? Natürlich werden Sie kein physikalisches Aha-Erlebnis haben, wenn Sie kein Physiker sind. Sie müssen sich intensiv mit Ihrem Arbeitsgebiet beschäftigen, um Ihr Unter Unterbewusstsein zu stimulieren. Weniger Arbeit macht nicht automatisch produktiver? Genau wie Sportler, die bewusst pausieren, kann man auch beim Rasten besser wer werden. Voraussetzung für richtiges Rasten ist, dass Sie sich bewusst dazu entscheiden. Wie rastet man richtig? Fangen Sie klein an: Gönnen Sie sich jeden Tag zehn Minuten, in denen Sie bewusst an

Nicht immer einfach in einem Großraumbüro … Eine perfekte Lösung für dieses Problem gibt es nicht. Was hilft: Besorgen Sie sich geräuschmindernde Kopf Kopfhörer, nutzen Sie leerstehende Meetingräume, arbeiten Sie tageweise von daheim aus. Klingt gut. Aber wie erkläre ich meinem Chef, dass er davon profitiert, wenn ich mich weniger blicken lasse? Knifflig! Aber selbst im Silicon Valley findet derzeit ein Umdenkprozess statt, ausgelöst vom Samsung-Skandal. Das Management hatte angeblich den Befehl ausgegeben: „Für die nächsten sechs Monate verlässt niemand das Büro, bis das Galaxy S7 fertig ist!“ Her Her-

„CHARLES DARWIN ARBEITETE NUR VIER STUNDEN AM TAG. MIT DIESER EINSTELLUNG WÜRDE ER HEUTE GEFEUERT WERDEN.“ ist.“ Weil beiden klar war, dass sich Arbeit und Freizeit gegenseitig befruchten. Inwiefern? Neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse zeigen, dass unser Gehirn auch aktiv ist, wenn wir scheinbar nichts tun. Mehr noch: Das Unter Unterbewusstsein ist offenbar beim Problemlösen besser als das Bewusstsein! Deshalb kommen einem die besten Ideen oft gerade dann, wenn man nicht am Schreibtisch sitzt.

nichts denken. Lassen Sie Ihre Gedanken schweifen, greifen Sie nicht ein. Tun Sie das im Freien. Machen Sie eine Routine daraus. Gehen Sie jeden Tag spazieren. Und: Nehmen Sie ein Notizbuch mit – um Ihre vielen neuen Ideen niederzuschreiben. Wie kann ich Arbeitsphasen produktiver gestalten? Setzen Sie sich ein gewisses Arbeitspensum und arbeiten Sie konzentriert, lassen Sie sich nicht ablenken.

aus kam ein Handy, das beim Aufladen explodieren kann. Die Lehre daraus? Es bringt nichts, sich als Über Überstundenmärtyrer hervorzutun oder seine Mitarbeiter darauf zu drillen. Mein Rat: Schalten Sie Ihr Smartphone aus, ver verlassen Sie Ihren Schreibtisch – und gehen Sie raus an die frische Luft. Florian Obkircher Folgen Sie Alex Soojung-Kim Pang auf contemplativecomputing.org

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Tom Holkenborg, 49, Sound-Genie: „Wenn du am Boden bist, geht’s nur mehr bergauf.“


„ZERSTÖRE DICH UND FANG NEU AN“ TOM HOLKENBORG opferte eine erfolgreiche Pop-

Karriere, um Filmmusik in Hollywood zu schreiben. Er weiß, wie man sich neu erfindet.

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DIRK KIKSTRA, CAMERON BAIRD/RED BULL CONTENT POOL

ie Chancen stehen gut, dass du schon einmal zu einem Song von Tom Holkenborg getanzt hast. Mit dem Remix des Elvis-Presley-Klassikers „A Little Less Conversation“ toppte der Niederländer unter dem Künstlernamen Junkie XL 2002 in 24 Ländern die Charts. Doch statt seinen Ruhm zu genießen, entschloss sich Holkenborg am vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere zu einem ungewöhnlichen Schritt. Er übersiedelte nach Hollywood, um Filmmusik zu schreiben, und ging dabei fast pleite. Mittlerweile läuft Holkenborgs Musik in Blockbustern wie „Mad Max: Fury Road“ oder der Marvel-Comic-Ver Marvel-Comic-Verfilmung „Deadpool“. Wir haben ihn gefragt, wie man sich erfolgreich neu erfindet. the red bulletin: Herr Holkenborg, Sie haben eine erfolgreiche Karriere im Pop-Business aufgegeben, um als Neuling in Hollywood Filmmusik zu machen. Wozu das Risiko? junkie xl: Ich habe eben eine Tendenz zur Selbstzerstörung. Aber daraus er ergeben sich meist gute Dinge. Können Sie das genauer erklären? Als ich noch Produzent war, schrieb ich bis zu zehn Songs pro Tag. Ich spielte sie meinen Freunden vor. Die sagten: „Das ist schon ganz gut. Du musst nur noch ein wenig an den Songs feilen.“ Ich antwortete: „Nein, die THE RED BULLETIN

sind alle scheiße.“ Und ver verwarf sie. Wenn ich nicht zu hundert Prozent zufrieden bin, fange ich lieber ganz von vorne an. Von ganz unten kann es nur bergauf gehen. Die meisten Leute haben genau davor Angst: wieder von ganz unten anfangen. Ich sage: Was dich nicht umbringt, macht dich härter. Deshalb auch der Schritt vom erfolgreichen Produzenten zum unbekannten Film-Komponisten. Das FilmGeschäft ist ein komplett anderes Business. Es hat mich gereizt, neu anzufangen. Mittlerweile läuft Ihre Musik vor einem Millionenpublikum in Kinos auf der ganzen Welt. Hatten Sie mit diesem Erfolg gerechnet? Auf keinen Fall. Im Jahr 2008 war ich am Boden. Es klappte einfach nicht in Los Angeles. Ich hatte mir ein Haus gekauft, das ich einem Treuhänder überschreiben musste. Mein ganzes StudioEquipment wurde eingelagert. Ich flog zurück nach Holland und dachte: „Das war’s mit deinem Traum.“ Schließlich reiste ich ein letztes Mal zurück nach Hollywood. Und plötzlich klappte alles. Hätte ich diese Reise nicht riskiert, sähe mein Leben heute anders aus. Was haben Sie aus dieser Schlüsselphase Ihres Lebens gelernt? Dass ein wenig Distanz oft schneller zum Ziel führt, als es verbissen zu verfolgen. Andreas Tzortzis Das ganze Interview mit Junkie XL gibt es als The Red BulletinPodcast im iTunes-Store.

Dylan Bowman, 30, Ausdauer-Philosoph: „Der Lohn des Läufers ist die Stille.“

„ICH SUCHE DIE STILLE IM KOPF“ DYLAN BOWMAN Der Ultra-Marathon-Gewinner läuft nicht gegen Konkurrenten – er jagt nach Glücksmomenten auf der Strecke. the red bulletin: Herr Bowman, Sie haben 2015 den Tarawera Ultramarathon in Neuseeland (100 Kilometer) und 2016 den Ultra-Trail Mount Fuji in Japan (47 Kilometer; ver verkürzt) gewonnen. Woran denken Sie, während Sie laufen? dylan bowman: Meistens verliere ich mich in Gedanken an Dinge, die mich ärgern. Aber mein Ziel ist es, den Kopf beim Laufen freizubekommen. Das sind die wirklich wertvollen Momente. Ich suche die Stille in meinem Kopf. Wie findet man diese Stille? Indem man so oft wie möglich läuft. Mir selbst gelingt das nur in wenigen Fällen, daher trainiere ich täglich. Welche mentalen Vorteile bringt Ihnen Ihr Job als professioneller Läufer für den Alltag? Andere Aufgaben erscheinen weniger furchterregend. Und dein Selbstvertrauen wächst nach jedem Run. Die gute Nachricht: Beides gilt für Hobbyläufer genauso. Andreas Tzortzis Laufende Updates: Folge @dylanbo auf Twitter

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Im Wheelz N Smoke: Die Westside Crew lässt sich von den Fans feiern.

KÖNIGE DES

SPIN Früher war Spinning eine Sache der Gangster in den Townships. Heute ist das Autostunt-Spektakel ein legaler Sport – und eine höchst populäre Ausdrucksform von Südafrikas Jugend.

Text: Louis Raubenheimer  Fotos: Tyrone Bradley 62


Die Reifen eines ­getunten 3er-BMW finden als Rauch ihre finale Bestimmung.

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Reifen drehen durch, quietschen auf dem ­Asphalt. Dicke, beißende Rauchwolken steigen in den kühlen Nachthimmel über dem Hochland von Johannesburg. Erst ist da nur dieses Quietschen, dann dieser Qualm. Bis man schließlich er­ kennt, woher das alles kommt: Ein Auto driftet wie eine irre Hornisse im Kreis, unter der Haube dröhnt, kreischt, jault ein aufgemotzter V8. Die Zuschauer johlen und pfeifen. Es ist eine hoch­ explosive Mixtur aus Speed, Gestank und Lärm. Willkommen bei Südafrikas verrücktestem Motorsport: Spinning. Als sich der Rauch verzieht, wird ein 3er-BMW erkennbar, genauer: einer

der Stufenheck-E30 aus den 1980ern und frühen 1990ern. Hinterm Lenkrad sitzt ein Mann, zwei weitere lehnen sich mit dem Oberkörper fahrlässig weit aus den Fenstern. Bradleigh „Skopas“ McGregor ist der Fahrer, Mckeenan „Troubles“ du Plessis hängt aus dem Heck-, Riaaz „Rizzo“ Davies aus dem Beifahrerfenster. Rizzo streckt eine Faust in die Luft und feuert die Menge an. Auf dem Autodach schüt­ telt das vierte Crew-Mitglied Anele „Muzi“ Mbuqe seine langen Dreadlocks wild hin und her. Plötzlich hängen Skopas, Rizzo und Troubles aus den Fenstern der Fahrer­ seite, die Köpfe nur wenige Zentimeter über dem Boden. Und als wäre das nicht spektakulär genug, kratzt auch noch Skopas’ dicke goldene Halskette über den Asphalt, dass die Funken sprühen. Der Stunt heißt „Suicide Slide“.

„Die Fans haben keine Ahnung, was passieren wird – und das begeistert sie.“


Auch eine Art, in der Freizeit abzuhängen: Spinning ist innovativer Sport und zugleich ein Ausdrucksmittel junger Leute.

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Die Spinning-Crew Bad ­Company mit dem neuseeländischen Drift-Star „Mad“ Mike Whiddett (in T‑Shirt und Shorts)

„Spinning ist kein Verbrechen, es ist ein Sport.“


Bad Company in voller Montur: Auf dem Autodach tanzen die Dreads von ­Anele „Muzi“ Mbuqe durch die Luft (rechts).


„Ich lernte Spinning auf der Straße, als mich die Cops jagten.“



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„Dank Spinning“, sagt Fahrerin Stacey-Lee May, „wurde ich viel selbstbewusster. Ich lasse mir nichts mehr gefallen.“

„Spinning ist der absolute Adrenalinrausch.“ 70

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S

kopas, Troubles, Rizzo und Muzi sind Mitglieder der SpinningCrew Bad Company. Sie touren durch ganz Südafrika, von Event zu Event. Heute Abend begeistern sie die Menge mit ihren Skills im Wheelz N Smoke, einer Spinning-Arena im Süden Johannesburgs. Die Jungs bezeichnen sich als Athleten – allein das ist ein Statement gegen ein Stigma, das ihrem Sport seit über dreißig Jahren hartnäckig anhaftet. „In den 1980ern und 90ern knackten irgendwelche Kerle eine Menge Autos und brachten sie in die Townships, um hier mit Stunts ihren Spaß zu haben“, erzählt Skopas. „Ab 1983, zu jener Zeit, als dieser kastenförmige BMW rauskam, wurde Spinning unglaublich populär, vor allem in Soweto. Wenn jemand bei einem der Stunts starb, wurden die Autos verbrannt.“ In den Townships bezeichnete man die 3er-BMWs damals als „Gusheshes“ – wer sie beim Spinning beherrschte, war ein Star. In den folgenden Jahrzehnten machten die Gusheshes vor allem als Fluchtautos nach Raubüberfällen von sich reden. Hatten sie ihre Pflicht erfüllt, wurden die Fluchtautos geschrottet – um alle Spuren zu verwischen. Aber vor dem Verschrotten zelebrierten die Räuber mit ihnen eine letzte Spin-Einlage. Sehr zum Vergnügen der Township-Bewohner. „Ist bis heute nicht anders: Wenn du ins Township fährst und mit dem Spinning beginnst, hast du in ein paar Minuten hunderte, sogar tausende Schaulustige auf der Straße“, sagt Skopas. Der Underground-Kult um die Gusheshes wurde sogar Teil der südafrikanischen Mainstream-Popkultur. Spinning ist in zig Filmen, TV-Shows und Musikvideos präsent; südafrikanische Rapper wie AKA, Cassper Nyovest und Sheen Skaiz verewigten die spektakulären Drifts in ihren Hit-Tracks. Das machte Spinning über die Jahre zu viel mehr als einem Kulturphänomen oder einem Zeitvertreib für Gangster: Es gibt Sponsoren, es gibt Regeln – es ist ein legaler Sport. Monde Hashe, Geschäftsführer des Wheelz N Smoke und Landvermesser von Beruf, ist die ordnende Hand hinter dem Spinning. Heute Nacht ist er nicht im Haus, stattdessen hat Nduzo Ngwenya vom Marketing ein Auge auf alles. „Was du hier siehst, ist erst der Anfang“, sagt er. „Wir wollen den Sport weiterentwickeln, große Sponsoren gewinnen, Mega-Events veranstalten. Wir bekommen nicht immer die Publicity, die wir verdienen – vor allem nicht von den lokalen Medien. Aber wenn Touristen hierherkommen, sind sie umso

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verblüffter. Und erzählen danach in aller Welt, was sie hier gesehen haben.“ Wheelz N Smoke ist eine von rund einem Dutzend Spinning-Venues in Gauteng, der am dichtesten bevölkerten von Südafrikas neun Provinzen. Wer mit den Organisatoren spricht, bekommt den Eindruck: Jeder will Spinning für sich vereinnahmen, statt mit den anderen zusammenzuarbeiten. „Stimmt leider“, sagt Ngwenya. „Aber Spinning ist immer noch eine Randsportart. Da ist das eben so.“ Der Sport hat noch keine eindeutige Identität – auch wenn er bereits vom Dachverband „Motorsport South Africa“ anerkannt wurde. „Zu viel Politik“, sagt Rizzo. Südafrikas Sonne versinkt hinter dem Horizont des Hochlands, Tausende Zuschauer strömen in die Arena. Manche sind seit Stunden da, um sich die besten Plätze zu sichern. Die Leute sind heute noch aufgeregter als sonst: Wegen Sturzfluten fiel das Spinning wochenlang aus. Es ist ein fröhlicher Querschnitt durch die südafrikanische Gesellschaft: Schwarze, Weiße und Asiaten, Junge und Alte, Männer und Frauen. Ein Vater feuert sein kleines Kind an, das mit seinem „Draadkar“, einem Spielzeugauto aus Schrott, Spinning spielt. Daneben tanzt ein Typ, ein paar andere klatschen im Takt. Der DJ droppt eine fette Bassline, als ein BMW, auf dem in dicken Lettern „Sparky“ geschrieben steht, die Show eröffnet, gleich einmal etwas zu entschlossen für seine Reifen – sie quietschen, sie rauchen, und sie platzen. Der Berg kaputter Reifen neben der Arena wächst, und er wird den ganzen Abend weiterwachsen. Gut, dass Wheelz N Smoke für ausreichend Nachschub an Sprit und gebrauchten Reifen sorgt. Im Lauf des Abends treten rund fünf fünfzehn Fahrteams auf; manche kommen immer wieder in die Arena, bei anderen reicht es gerade mal für ein paar Runden, ehe der Wagen den Geist aufgibt. Rund um die Arena versuchen Boxencrews, abgestorbene Motoren wiederzubeleben. Ein letzter Run muss noch drin sein. Ein Vorstadthaus im Osten von Johannesburg, selber Tag, ein wenig früher: Skopas wechselt sein Hemd, der Oberkörper ist von Narben übersät. „Das macht Spinning mit dir“, sagt er. „Vor fünf Jahren landete ich unter dem Auto.“ 2007 begann er mit dem Spinning, sein erstes Auto war ein Golf. 2010, sagt er, „begann ich richtig“, nämlich mit einem BMW. Seine Geschichte ist die eines Mannes, der durch den Sport seinen 71


„Irre Stunts, hoher Speed: Darum geht’s heute Abend.“

Nomen est omen: Beim „Suicide Slide“ streifen die Köpfe ­beinahe auf dem Asphalt.


Weg gefunden hat. „Ich lernte Spinning an Straßenecken, während immer wieder Cops hinter mir her waren und mich ge­ legentlich sogar ins Gefängnis steckten“, erzählt Skopas. Er wohnte damals in der kleinen Küstenstadt East London am Ostkap und zog nach Johannesburg, um bei seinem Vater zu leben. Er kannte niemanden in der Stadt, hatte keine Freunde. Er begann bei Taxiständen abzuhängen und fand so seine ersten Kumpel – sehr ungewöhnlich für ein weißes Kind. „Als Teenager war ich Taxifahrer. Ich spreche Zulu und Sotho, weil ich in den Townships aufwuchs und diese Sprachen lernen wollte.“ Mehr als zwanzig Jahre sind seit dem Ende der Apartheid vergangen, Südafrika hat den Übergang in eine multikulturelle Demokratie geschafft. Aber immer noch ist es ungewöhnlich, wenn Weiße die ursprünglichen Sprachen der Schwarzen beherrschen. Skopas’ Helden sind Leute wie sein Spinning­Kollege Eric Maswaya oder Sibusiso „Terminator“ Mthimunye, der 2012 verstorbene „König des Spin“. Jedes Kind kennt die beiden Namen in den Gegenden, in denen Skopas aufwuchs – Spinning hat dort Kultstatus. Skopas erinnert sich lebhaft an das erste Mal, als er den König an einer Straßenecke beim Spinning sah. „Ohne ihn wäre ich nie zum Spinning gekommen. Terminator lehrte mich alles, was ich weiß“, sagt Skopas. „Er starb bei einem Unfall auf dem Rück Rück­ weg von einem Spinning­Event. Eine dumme Reifenpanne, er wurde 100 Meter weit aus dem Wagen geschleudert. Er hatte keine Chance.“ „Terminator ist eine Legende, der beste Spinner aller Zeiten.“ Skopas zeigt auf das Wandposter mit seinem verstorbenen Freund. „Seine Beerdigung war die größte, die ich je erlebt habe. Ganze Townships waren lahmgelegt, die Autokolonne bis zu seiner Heimatgemeinde KwaThema war 15 Kilometer lang.“ Gar nicht so wenige Spinning­Fans tragen an diesem Abend im Wheelz N Smoke T T­Shirts mit den Konterfeis tödlich verunglückter Spinning­Helden – schließ­ lich gibt es davon mehr als genug. Mit grausamer Regelmäßigkeit produziert dieser Sport tragische Heldenstorys. Diese Gefahren schrecken jedoch nicht ab, im Gegenteil, der Sport wird durch den Thrill immer populärer. „In Swasiland war ich schon bei hundert Shows dabei“, erzählt Skopas. „Und nicht nur dort, auch in Botswana, Namibia, Dundee, Durban, Madadeni, Vryheid, Kimberley, Kuruman und Bloemfontein.“ THE RED BULLETIN

Ein einziger Abend im Wheelz N Smoke kostet ein paar hundert Autoreifen das Leben. Immerhin sterben sie den Heldentod.

Das ultimative Ziel ist es, Spinning­ Shows auf der ganzen Welt zu ver­ anstalten. Doch bevor das gelingen kann, müssen sich alle Beteiligten einigen, was Spinning genau sein soll. Es gibt kein Punktesystem, es ist kein Zeitrennen; derzeit ist Spinning schlicht und einfach Freestyle­Driften. Es geht darum, mög­ lichst wilde Stunts bei möglichst hoher Geschwindigkeit zu performen. Nicht einmal die Fahrer sind eine einheit­ liche Gruppe. Zum einen sind da jene Jungs, die einfach ordentlich driften wollen. Die versuchen, so nah wie mög­ lich ans Publikum ranzufahren, und erst zufrieden sind, wenn sie Zuschauer, deren Beine über der Absperrung baumeln, zum panischen Ausweichen zwingen. Zum anderen gibt es diejenigen, die sich als Akrobaten verstehen und am liebsten möglichst kunstvoll bei voller Fahrt aus dem Autofenster hängen. Skopas: „Überall findet man irgend­ welche Variationen von dem, was wir tun – denk nur an die Burn­outs in Amerika oder die Drifts in aller Welt. Aber nichts ist so faszinierend wie unser Sport. Welcher vernünftige Mensch hängt sich

„Es hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen.“

bitte aus dem Autofenster und zeigt Tricks, während das Auto weiterfährt?“ Eine weitere dieser „Entertainer“ ist Stacey­Lee May, eine schüchtern wirkende 20­jährige ­­jährige Jura­ und BWL­Studentin aus Eldorado Park in der Nähe von Soweto. Sie ist eine der wenigen Frauen im Spinning, an diesem Abend im Wheelz N Smoke sogar die einzige. Sie fährt einen auffällig pinken BMW, und auch ihre Support­Crew ist ziemlich bunt gemischt: Mama, Papa, Bruder, Freund des Bruders, Schwester, Freund der Schwester und eigener Freund. Sie hasten hektisch herum, holen und wechseln Reifen, hieven Mays Auto auf den Anhänger und wieder runter. „Es ist mein Hobby, und es ist der Sport, für den ich lebe“, sagt May. „Schon immer wollte ich mal etwas Einzigartiges tun – und Spinning ist einzigartig.“ „Vor zwei Jahren fragte ein Freund meines Vaters, ob ich mal mit ihm zum Spinning möchte“, erinnert sich May. „Zum Glück hat mein Vater sein Okay gegeben. Es hat mich gepackt und seither nicht mehr losgelassen. Ich liebe Spinning – es ist purer Adrenalinrausch.“ Wie Skopas hält May die Stunts für einen wichtigen Teil des Sports, um das Interesse der Leute wachzuhalten. „Somit wissen die Zuschauer nie, was sie erwar erwar­ tet“, sagt sie, „und das begeistert sie.“ „Ich liebe auch die Interaktion mit den Zuschauern, obwohl ich eigentlich sehr schüchtern bin und das Publikum beim Spinning nicht wirklich sehe. Aber ich kann ganz ich selbst sein. Wenn ich aus dem Auto steige und die Leute Fotos mit mir machen wollen, genieße ich das sogar. Ich werde dadurch definitiv zu einer auf auf­ geschlosseneren Person.“ Der Sport, so May weiter, habe aus ihr eine selbstbewusstere, stärkere Persön­ lichkeit gemacht. „In der Schule war ich eine Außenseiterin, meine Mitschüler ver ver­ spotteten mich, schubsten mich rum. Das traut sich heute niemand mehr. Wenn mir dein Ton nicht passt, bekommst du das von mir zu hören.“ Spinning offenbart auch grundlegendes Bedürfnis vieler junger Fahrer: Sie wollen akzeptiert werden. Der Sport ist für sie zu einem Ventil geworden. Kinder, die ein hartes Leben hatten, denen Freunde fehl­ ten, die nicht selbstbewusst genug waren, blühen jetzt im Spinning so richtig auf. „Spinning war früher etwas für Diebe, für Gangster“, sagt May, „aber sieh mich an: Ich könnte niemals ein Auto stehlen. Deshalb will ich den Leuten klarmachen, dass Spinning nichts mit Verbrechen zu tun hat, sondern ein Sport ist – mit dem wir uns einen Namen machen wollen.“ 73


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IN DIE GLUT Dieser Vulkan verschluckt Bungee-Jumper.

MARTIN RIETZE/BARCROFT MEDIA

MCKENZIE DALE

„In einem Vulkan geht es brutal zu. Lava brodelt, überall explodieren Felsen in der Größe von Häuserblöcken“, sagt Casey Dale. Er kennt das Naturspektakel genau. Sein Unternehmen in Pucón, Chile, bietet als weltweit einziges den Bungee-Jump aus einem Hubschrauber an, der über einem Vulkan „steht“. Was nicht ungefährlich ist. „Ein Fehler, und du bist Popcorn. Aber ich kratze lieber auf diese Art ab als auf der Couch. Dann steht zumindest etwas Cooles auf meinem Grabstein.“



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TRAVEL

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TRAVEL SPRUNGHAFT BungeeSpots mit Extrakick

Hoch hinaus

Casey Dale ist US-Bungee-Jumper Bald zeichnet sich der 2860 Meter hohe, Villarrica, der ersten Stunde. Er schrieb die stark vergletscherte Vulkan gegen den HimChile ersten Sicherheitsanweisungen, als mel ab. Es dauert auch nicht lang, bis man Pucón der Sport in den frühen 1990ern weltweit die Hitze spürt, die er ausstrahlt: Der VillarZum vielleicht letzAnhänger fand. Die Idee für den Vulkanrica gehört zu den wenigen Vulkanen auf ten Vulkan-BungeeJump kam ihm 1999. MTV filmte damals in der Welt mit aktivem Lavasee. Sprung der Welt: Las Vegas den höchsten Tower-Sprung, den „Unser toller Pilot Eduardo Boisset fliegt bungee.com es bis dahin gab, Dale wollte sich damit nicht den Krater an und bleibt etwa 350 Meter zufriedengeben: „Las Vegas ist eine coole über dem Lavasee in der Luft“, sagt Casey Location, keine Frage, aber ich hatte einen Dale. „Er muss dem vulkanischen Gas ausbesseren Vorschlag: Ich wollte aus einem weichen, weil es nicht ins Triebwerk gelangen Helikopter in einen aktiven Vulkan springen.“ darf. Du atmest es besser auch nicht ein, Am 13. Februar 2004 tat er das tatsächweil es Schwefel enthält. Wir sind aber nur lich – als erster Mensch überhaupt. Und bei 60 Sekunden lang in unmittelbarer Gefahr, weitem nicht als letzter: Denn für 16.000 Dollar kann nur in diesem Zeitfenster können wir springen. Du pennun jeder diesen Sprung über dem Villarrica wagen, delst 200 Meter über der Lava aus. Du spürst die Hitze, einem der größten von Chiles rund fünfzig (!) aktiven aber es geht alles ganz schnell, bald atmest du wieder Vulkanen, der 30 Kilometer vom Flughafen Pucón saubere Luft. Die Angst ist überstanden, es folgt das entfernt liegt. Diese Strecke muss jeder Springer als reine Vergnügen: Beim Rückflug mit flotten 200 km/h Erstes überwinden, gesichert auf der Helikopterstufe hängst du die ganze Zeit kopfüber in der Luft.“ stehend, bei 130 km/h. Die Sache mag höllisch Spaß machen, zu spaßen ist mit einem aktiven Vulkan aber nicht. „Letztes Jahr wollten Kletterer den Ausbruch des Vulkans filmen. Sie passten nicht gut genug auf, da wurde es richtig knapp … sie gerieten in Panik und mussten Hals über Kopf flüchten, sonst hätte es sie erwischt.“ Die größte Bedrohung für Casey Dales Arbeit ist aber nicht die Natur, sondern die Politik. „Die Regierung hat es auf uns abgesehen. Man setzte schon den Gouver Gouverneur der Provinz auf uns an. Ich denke, wir haben noch ein Jahr, bis wir den Laden dichtmachen müssen. Der letzte Sprung findet im März 2018 statt.“ Dale hofft, bis dahin einen neuen Vulkan zu finden. INSIDER-TIPP „Im Vorjahr entdeckten wir eine 100 Meter lange Lava„Du musst nicht beweisen, wie athletisch du bist“, röhre mitten im Dschungel, direkt bei einem Wasserfall. sagt Dale. „Wenn du Salti schlägst, verpasst du Eduardo flog uns mit dem Heli dorthin, wir sprangen das atemberaubende Lavaspektakel. Du brauchst den Wasserfall runter. Und es war einfach nur schön.“ nur Eier, um runterzuspringen. Sonst nichts.“

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Ursprung Der Neuseeländer A. J. Hackett war weltweit der Erste, der kommerzielle Jumps anbot. Erlebe den legendären Ort, an dem alles begann: die Kawarau Bridge in Queenstown mit 43-Meter-Drop. bungy.co.nz

Glaubens­ frage Prohodna, Bulgariens längste Höhle, hat zwei gleich große Löcher an der Decke, auch bekannt als „Augen Gottes“. Beim Höhleneingang wartet ein 45 Meter tiefer Sprung auf Bungee-Kandidaten. bulgariatravel.org

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BUNGEE.COM, KATE MARCHIO PHOTOGRAPHY

Weltweit einzigartig: der Bungee-Jump über dem Vulkan Villarrica

Der höchste kommerzielle Sprung Nordamerikas erwartet dich in Oregon: Von der High Bridge über dem Crooked River geht es stattliche 76 Meter senkrecht in die Tiefe. oregonbungee.com


ACTION

GEAR

WIR SIND DIE ROBOTER Bevor sie die Weltherrschaft übernehmen, erleichtern sie uns noch ein wenig den Alltag.

Pepper tanzt und spricht mit dir. Auf seinem Brust-Tablet siehst du seine Emotionen, surfst im Internet und nutzt Apps.

Kano Kits Gadgets basteln und selbst programmieren: Kano Kits sind Bausätze für PC- und App-gesteuerte Geräte wie Kamera (oben), LED-Displays oder Lautsprecher. kano.me

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Pepper

Der Robo-Staubsauger mit 360-Grad-Kamera und dem dadurch kompletten Überblick: Er weiß jederzeit, wo er sich befindet, wo er bereits gesaugt hat und wo noch Staub aufzusammeln ist. dyson.ch

Handlicher Spielgefährte, der an „WALL·E“ erinnert, auf Menschen reagiert und von ihnen lernt. Zudem erkennt er Gesichter und Emotionen und grantelt auch, falls er sich einsam fühlt. anki.com

Diente anfangs in Japan nur als Verkaufshelfer. Inzwischen kann sich jeder den 1,20 Meter kleinen Kumpan (reagiert auf menschliche Emotionen!) als Kumpel zulegen. ald.softbankrobotics.com

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Parrot Disco FPV

Sphero SPRK+

80 km/h schnelle Flügel-Drohne für Full-HDVideos aus der Vogelperspektive. Die Steuerung erfolgt per Controller und VR-Brille-artigen „Cockpitglasses“. parrot.com/de

So werden Kinder zu Roboterexperten: Per App programmiert man dem Robo-Ball Bewegungsmuster ein und bringt ihn dadurch zum Fahren, Malen oder auch Schwimmen. sphero.com

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ACTION

GEAR

UHREN

Redaktion: Gisbert L. Brunner

FEIN GESTELLT Hublot Classic Fusion Tourbillon Cathedral Minute Repeater Carbon „Lang Lang“

Für höchste Präzision und Hochwertigkeit steht das Tourbillon: ein rotierender Mechanismus, der negative Einflüsse der Schwerkraft auf die Ganggenauigkeit korrigiert.

Mechanische Uhrwerke kennen keine präzisere Komplikation (eine meist enorm aufwendige Zusatzfunktiom; Anm.) als die Minutenrepetition: Diese aktiviert ein Glockenspiel, das über zwei filigrane Hämmer eine von Minute zu Minute differierende, kurze Melodie abspielt und damit die Zeit auch akustisch anzeigt. Im 17. Jahrhundert hatte die damals neue Erfindung den sinnvollen Zweck, dass man auch ohne den Einsatz wertvollen Kerzenlichts wusste, was es geschlagen hatte. Seit der Strom aus der Steckdose kommt, geht es freilich mehr um die Demonstration feinster Handwerkskunst. Deswegen ist der chinesische Pianist Lang Lang der ideale Botschafter für den Minute Repeater der Schweizer Uhrenmanufaktur Hublot. Die Hämmer tragen jeweils einen Teil des Namens des 34-jährigen Maestros, die „3“ und „9“ des Ziffernblatts zeigen Bassund Violinschlüssel, die „12“ stellt Lang Langs Initialen in Form von Sechzehntelnoten dar. Das Carbon-Gehäuse ist „so leicht, dass ich mit der Uhr Rachmaninows 3. Klavierkonzert auf meinem Steinway raushämmern kann“, sagt Lang Lang selbst. hublot.com

KLANGWUNDER Weitere Minutenrepetitionen fürs Handgelenk Bulgari Octo Finissimo Répétition Minute Die mit 6,85 mm dünnste Minutenrepetition der Welt ist aus sandgestrahltem Titanium gefertigt – was besser klingt als Gold. Schlitze an den Stellen der Stundenindexe veredeln den Klang. bulgari.com

Audemars Piguet Royal Oak Concept Supersonnerie Minutenrepetition mit einem Klang, einzigartig wie eine Stradivari: aus Spezialstahl gefertigte Tonfedern, separater Resonanzboden, Titanium-Gehäusekonstruktion. audemarspiguet.com

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Chopard L.U.C Full Strike Chopards allererste Minutenrepetition ist ein Meisterwerk aus 533 Einzelteilen. Die Uhr spielt eine seltene, kristallklare Melodie. Kristallklar, weil die Hämmer auf Saphirglas schlagen. Und selten, weil es nur 20 Exemplare gibt. chopard.com

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GEAR

INNOVATION: NACHBRENNER RELOADED Bumm! So knallt der Comeback-Sound eines ÜberschallPassagierflugzeugs. Wir verdanken ihn diesem Mann.

„Die Concorde wurde im Windkanal entwickelt, jeder Design­Prototyp musste sechs Monate getestet werden. Heute simulieren wir Wind­ kanal­Tests am Computer, Dauer: 30 Minuten. Unser De­ sign ist schlauer, dynamischer und windschlüpfiger.“

„Die Concorde war das einzige kommerzielle Flugzeug mit Nachbrenner. Flug­Nerds wie ich finden das klasse, Flug­ linien nicht: Sie sind laut, ma­ chen Passagieren Angst und brauchen viel Sprit. Wir ver­ wenden ein leises, e∞zientes Medium­Bypass­Turbofan­ Triebwerk“ (ein spezielles Mantelstromtriebwerk; Anm.).

Blake Scholl, 36 „Du brauchst von New York nach London ebenso lang wie vor 50 Jahren – verrückt!“, sagt Scholl, Pilot und Unternehmer in Denver, Colorado. Mit seiner Luftfahrtfirma Boom Technology will er das ändern. „Dank Fortschritten bei Material und Aerodynamik sind leistbare Überschallflüge keine ScienceFiction mehr.“ Sein Prototyp namens XB-1 Supersonic Demonstrator alias „Baby Boom“ hebt 2017 ab. Die Aufmerksamkeit von Richard Branson, der Optionen auf gleich zehn Flugzeuge zog und Know-how seiner Virgin Galactic zur Verfügung stellte, hat Blake Scholl bereits.

„Carbon hebt Überschallflug aufs nächste Level. Man kann es in jede erdenkliche aero­ dynamisch perfekte Form brin­ gen, und Carbon verträgt auch hohe Temperaturen sehr gut.“

Die Concorde gab’s doch schon, oder?

Ja, aber sie war ine∞zient. Ein Flug von New York nach London und retour würde heute gut und gern 20.000 Dollar kosten. Das ist was für die „Bucket List“, hat mit leistbarem Reise-Alltag aber nichts zu tun. Wir denken an eine neue Generation von e∞zienten Überschallflugzeugen, an Ticketpreise von 5000 Dollar. Ein riesiger Markt. Wir starten mit 45 Plätzen, steigern auf 60, 80, 100. Mach das Flugzeug größer, mach es e∞zienter, und die Preise fallen. Unser Ziel: Das schnellste Ticket soll auch das günstigste sein.

HERI IRAWAN

Wie schnell genau?

Um zehn Prozent schneller als die Concorde oder 2,6-mal so schnell wie jede Boeing und jeder Airbus heute. Spart mit Hin- und Rückflug einen ganzen Tag. Sagen wir, ich reise geschäftlich von New York nach London … statt sieben sind es 3:15 Stunden. Ich fliege morgens weg, wir haben in London einen Snack, und ich bringe am selben Abend in New York wieder meine Kids ins Bett.

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Ist das der Beginn einer neuen Ära des Überschallflugs?

Ich glaube schon. Die Zeit dafür ist absolut reif. Wir verfügen ja über die nötige Technologie – nicht nur im Labor, sondern im tagtäglichen Flugeinsatz. Wir nehmen also die beste derzeit verfügbare, erprobte Technik von anderen Flugzeugen und bauen daraus etwas Neues. Denn nur so ist die Marktreife in greifbarer Nähe. So kann man die Firma aufbauen und technische Herausforderungen später angehen.

Was ist mit den etablierten Luftfahrt-Giganten?

Die rühren keinen Finger. Wenn wir dereinst zurückblicken, wird die Geschichte nicht lauten: „Boeing hat zuerst 60 Jahre nichts getan und dann auf einmal alles geschafft.“ Nein, es muss jemand von außen kommen, ein richtiger Unternehmer, der das Business auf den Kopf stellt. Warum haben wir eine neue Raketen-Generation? Na weil Internet-Typen Raketen-Firmen gründen.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Vor dem Düsenzeitalter dauerte eine Atlantiküberquerung 18 Stunden. Man flog also nur, wenn es wirklich unumgänglich war. Mit Düsentriebwerken wurden aus 18 Stunden sieben – und transatlantische Reisen nahmen im folgenden Jahrzehnt um den Faktor sechs zu. Stell dir vor, Neuseeland wird so zugänglich wie New York heute. Dann macht man plötzlich an diesen Orten auch Urlaub, macht dort Geschäfte, und über den Atlantik pendelt man schnell mal. Welche globalen Veränderungen das bringt? Das ist Wahrsagerei, aber eines ist sicher, sie werden massiv sein.

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WHEELS MOTORMERCH

LAUTER LUXUS Für den Fahrer, der alles will: das Auto, das alles hat. Wirklich alles. Shmee sitzt im Mercedes-AMG E63 S.

Accessoires mit Akzenten Eleganter Driver Gentlemänner von Welt wissen: Bentley-Fahren und Golfspielen haben viel gemeinsam. Mit Schlägerset, Golftaschen und Gepäcksstücken bietet Bentley jetzt eine handfeste Verbindung, die perfekt in den ContinentalKofferraum passt. bentleygolf.com

TIM BURTON – Spitzname Shmee150 – ist einer der bekann­ testen Supercar­ Kenner. Jetzt stellt er seine Expertise The Red Bulletin zur Ver­ fügung. Shmees kompletten Fahr­ bericht gibt’s auf redbulletin.com

Performance-Biest oder Luxusschlitten? Warum muss man sich immer entscheiden? Diesem Gedanken der Autobauer verdanken wir den „Super Saloon“ – ein Oberklassefahrzeug in der Power-Version. Luxuriös und zugleich blitzschnell, dynamisch und ja, auch praktisch: Dazu gehört mehr, als bloß einen stärkeren Motor, eine straffere Federung und ein Stylingkit zu verbauen. Mercedes hat das begriffen und mit dem 612 PS starken E63 S den ultimativen Wagen geschaffen. Wirklich, ich sage ultimativ, denn er ist dermaßen gut. Der E63 S transportiert seinen Anspruch schon über den Look: männlich, aggressiv. Und er hat reichlich Performance-Reserven für den Fall der Fälle. Der 4-Liter-V8-Biturbo-

motor radiert in 3,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h – einen Wagen von fast zwei Tonnen! Innen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, diese Wucht zu kontrollieren. Aber auch in Sachen Spaß hebt sich der E63 S vom Rest ab, allein die schaltbare AMG PerformanceAbgasanlage ist unglaublich. Reduzierter Sound im Comfort-Programm, hoch emotional in den Fahrprogrammen Sport, Sport+ und Race. Das Sahnestück aber ist das Allradsystem 4MATIC+. Gewöhnlich ver verteilt es die Kraft im Verhältnis 50:50, aber der variable Allradantrieb ermöglicht auch einen Driftmodus, der die ganze Kraft an die Hinterräder leitet. Du erwartest Speed, Luxus, Alltagstauglichkeit und Spaß? Dieses Auto hat alles. mercedes-amg.com

Starke Stiefel

DAS SCHNELLE KLEEBLATT

Alfa fordert die Alphatiere ziemlich offensiv heraus.

Alfa Giulia Quadrifoglio: Glück auf Rädern

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Motor-Blöcke In dieser Welt hat man es erst dann geschafft, wenn einen Lego in Block-Form unsterblich macht. Jetzt gehören Fords Le-MansGewinner von 1966 und 2016, der GT40 (Bild) bzw. der GT, zu dieser Elite-Gruppe. shop.lego.com

Quadrifoglio bezeich­ net auf Italienisch ein vierblättriges Klee­ blatt, und der 510 PS starke Giulia Quadri­ foglio ist Alfa Romeos absolut geglückter Versuch, die Leistungs­ pferde Mercedes­AMG C63, BMW M3 und Audi RS4 im Zaum zu halten. Ein ordentliches Quäntchen zum Gelin­ gen der ambitionierten Mission trug der Sup­ port durch Ferrari bei. Was das Design angeht, steht der Quadrifoglio

ja ohnehin über den Dingen, jetzt passt auch die Performance, dank (abgespecktem) Ferrari California­T ­T­ ­T T­ Triebwerk. Damit hat Ferrari mehr als nur Cross­Branding betrie­ ben: Die DNA des sich aufbäumenden Pferdes ist tief im Wagen inte­ griert. Das Resultat ist ein steifes Auto mit unglaublich bissiger, direkter Lenkung. Kurz: ein multipler Glücksbringer. alfaromeo.com

Das ist definitiv die Art Motorradstiefel, die der Terminator bei seiner Ankunft aus der Zukunft tragen würde. Die Features des TCX Drifter WP: braunes Oberleder mit Schaltverstärkung, wasserdicht, Velours-Hitzeschutz. tcxboots.com

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ACTION

MEDIA

WOLVERINE GEHT

„Power Rangers“: So dürfen nur Weltretter posieren

Zu Hugh Jackmans Abschied als Logan: die denkwürdigsten Gegner des X-Man

Hulk („Der unglaubliche Hulk“, Nr. 340, 1988) Zwei der grimmigsten Marvel-Helden liefern einander eines der gnadenlosesten Duelle der Comic-Geschichte. Da wird bis zum Abbruch des Kampfes kräftig ausgeteilt, aufs Fieseste beleidigt und reichlich Blut vergossen.

FILM

KAMPFGEIST

FOX, MARVEL, GETTY IMAGES

Die „Power Rangers“ kämpfen sich zurück ins Kino. Der originale Green Ranger Jason David Frank erklärt, wie man Teil der Truppe wird. Wie wird man Power Ranger? Mit achtzehn sprach ich für die Rolle des Grünen Rangers vor. Sie war perfekt für mich: Ich war ein karatekämpfender Teenager und hatte einen karatekämpfenden Teenager zu spielen. Ich wurde zu Beginn für zehn Folgen gebucht (ab 1993; Anm.), blieb aber dann jahrelang fixer Teil der Besetzung. Du bist Skydiver, MMA-Kämpfer und Karate-Schwarzgurt des siebten Dan. Hilft dir das als Schauspieler? Bei Kampfszenen tu ich mir leicht, sie sind ein Klacks im Vergleich zu echten Kämpfen. Bei Skydiving und Mixed Martial Arts lernst du, mit Druck umzugehen, wirst physisch und mental stärker. Wie war das Leben als „Power Rangers“-Superstar? Manchmal kann ich kaum glauben, dass „Power Rangers“ eine der beliebtesten Kinderserien der Welt war – und das vor Zeiten von Google, Facebook und Instagram. Wir lebten damals wie Rockstars. Einmal flogen wir nach Hawaii, und tausende Menschen empfingen uns am Flughafen. Ich fragte Dave Yost (den Darsteller des Blauen Rangers; Anm.): „Warum sind all diese Leute hier?“ Er antwortete: „Na wegen uns!“ Bei einer Show in Florida musste uns sogar eine Polizeieskorte durch die Zuschauermenge lotsen. Es war der helle Wahnsinn! Freust du dich auf den neuen Streifen? Bist du dabei? Klar freue ich mich. Ich war schon immer Teil der Franchise und kenne auch das neue Filmteam. Deshalb fühle mich ich geehrt – und auch alt. Ob ich mitspiele, erfahren die Zuschauer im Kino. Dein Tipp für die neuen Cast-Mitglieder? Versuch nicht, die Charaktere zu kopieren. Die originalen Power Rangers kann niemand übertreffen. Bring stattdessen deine Persönlichkeit ein und gib alles – vor allem als Grüner Ranger! „Power Rangers“ ab 23. März in den Kinos; powerrangers.movie

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DIE RÜCKKEHRER

Nicht nur die „Power Rangers“ feiern 2017 ihr Comeback. „Jumanji“ Wie im 1995er-Original mit Robin Williams werden Menschen von einem mysteriösen Brettspiel eingesaugt. Das Remake kommt als Action-Komödie mit Dwayne Johnson, Kevin Hart und einer Prise „Avatar – Aufbruch nach Pandora“. „Geschichten aus der Gruft“ Die Horror-Serie der frühen 1990er kehrt mit M. Night Shyamalan als Regisseur zurück, der Blockbuster wie „The Sixth Sense“ drehte. Die ersten zehn Folgen versprechen jede Menge gruselig schockierende Ideen.

Mr. Spock („Star Trek/X-Men“, 1996) Richtig gelesen: In einem ComicCrossover von „Raumschiff Enterprise“ und X-Men stellt sich Wolverine unserem Lieblings-Vulkanier. Zu einem potentiell epischen Duell kommt es jedoch nicht, weil Mr. Spock Wolverine mit dem bewährten vulkanischen Nackengriff außer Gefecht setzt.

„Baywatch“ Bis zu einer Milliarde Zuschauer verfolgten die US-Dramaserie der 90er mit Pamela Anderson (unten). Die neuen Rettungsschwimmer sind Zac Efron, Dwayne Johnson (ja, auch hier) und Alexandra Daddario aus „True Detective“.

Tante May („Spider-Man“ Nr. 520, 2005) Gekämpft wird zwar nicht, aber dennoch behält jemand die Oberhand: Spider-Mans Tante. Sie weist Wolverine zurecht, weil er in der Avengers-To Avengers-Tower-Küche raucht, und macht seine Zi Zigarre in einem Drink aus. Daraufhin wird der haarige Held von Luke Cage angemotzt und verlässt das Haus. Donuts kaufen.

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THE RED BULLETIN PROMOTION

LEBEN AUF DER ÜBERHOLSPUR Derzeit bist du Entwicklungsfahrerin. Wenn du einmal nicht auf der Strecke deine Runden drehst, wie sieht ein typischer Tag im Leben der Carmen Jordá aus? Ich bin verrückt nach Training. Wann immer ich kann, bin ich im Gym, laufe eine Runde, sitze auf dem Rad. Das macht mich fit für meinen Job, aber ich liebe einfach auch das Gefühl beim Workout. Wie sieht dein Trainingsprogramm aus? Ich trainiere zweimal täglich. Morgens Yoga oder Pilates, nachmittags auf den Motorsport abgestimmtes Kraft- und Konditionstraining. Rennfahren hat ganz besondere Anforderungen, ich brauche einen stabilen Rumpf, aber auch viel Beweglichkeit. Ich fahre so viel wie möglich Gokart und im Simulator, um Reaktionszeit und Fahrstil zu verbessern. Hast du spezielle Übungen? Ich mache viele Drills, die meinen Körper auf die ganz eigenen Herausforderungen des Motorsports vorbereiten. Zum Beispiel sehr viele Nackenübungen. Die g-Kräfte, denen man ausgesetzt ist, vor allem in Verbindung mit dem Helmgewicht, belasten den Nacken enorm. Ich versuche da ganz gezielt mit verschiedenen Dehn- und Kräftigungsübungen zu arbeiten. Ist dein ganzes Leben so schnell und dynamisch wie dein Job? Im Motorsport hast du keine andere Wahl! Die Formel 1 ist ständig unterwegs, von einem Land ins nächste, von einem Kontinent auf den nächsten, das bedeutet: Top-Speed, Tag für Tag. Mittlerweile habe ich mich daran

gewöhnt; ich fahre ja schon sehr lange, ich war elf, als ich mit Gokart begann. Ich habe dieses Tempo lieben gelernt.

Ich trage einfach, worin ich mich wohl fühle. Wenn das anderen Leuten gefällt, umso besser.

Wie wichtig ist dir Zeit für dich selbst? Sehr. Vor allem wenn man so in der Öffentlichkeit steht. Training und Reisen geben mir aber auch Zeit für mich. Yoga und Pilates haben beide mit Achtsamkeit zu tun und helfen mir enorm beim Abschalten. Und weil ich ständig unterwegs bin, versuche ich meine Familie und Freunde, sooft es geht, zu sehen. Bei meinem harten Trainingsprogramm ist das echt schwer, oft sehe ich sie Wochen oder Monate nicht. Ich genieße es besonders, wenn ich einmal nur Carmen sein kann und nicht Carmen die Rennfahrerin sein muss.

Wie geht es dir als Frau in einem so männerdominierten Sport? Gut. Ich bekomme viel Support, und es gibt eine Menge großartige Leute in der Formel 1. Natürlich gibt es auch solche, die an dir zweifeln, die dich kritisieren, aber das gehört einfach dazu. Ich bin mir sicher, männlichen Fahrern geht es genauso. Alles Negative ist Motivation für mich, um es den anderen zu zeigen und mich voll darauf zu konzentrieren, meine Ziele zu erreichen.

Du bist seit kurzem Teil des adidas by Stella McCartney Teams – was bedeutet die Zusammenarbeit für dich? Der Support einer so starken Marke und so talentierter Menschen bedeutet mir als Athletin sehr viel. Wir arbeiten besonders bei Marketing-Aktivitäten zusammen, und ich werde mich auch beim Design der Produkte einbringen, die mein Trainingsleben und meine Freizeit ausmachen. Und natürlich werde ich auch als adidas Botschafterin ganz eng mit den Leuten da draußen zusammenarbeiten, das ist eine große Inspiration. Wie würdest du deinen Style beschreiben? Ich mag die Kombination von sportlich und schick. Das passt ja auch am besten in die Formel-1-Welt. Und weil ich so viel reise, trage ich auch gerne etwas Gemütliches. Ob ich wirklich so etwas wie einen Style habe?

Als eine der wenigen prominenten Frauen in deinem Sport – hast du weibliche Vorbilder, die dich inspirieren? Schon immer haben mich Danica Patrick und Serena Williams inspiriert. In letzter Zeit sicher auch die englische Boxerin Nicola Adams. Ich sah sie bei Olympia vergangenes Jahr, als sie ihre zweite Goldmedaille im Fliegengewicht holte. Ich bewundere, was sie für den Boxsport getan hat. Sie hat einen traditionell männlichen Sport mit ihrer harten Arbeit und ihrer positiven Einstellung für sich gewonnen. Du scheinst ja gerade sehr beschäftigt zu sein. Was steht als Nächstes an für Carmen Jordá? Dieses Jahr wird richtig aufregend, ich habe viel geplant. Ihr werdet von mir hören!

ADIDAS.COM/STELLA

ADIDAS BY STELLA McCARTNEY SPRING/SUMMER 2017

CARMEN JORDÁ ist ein Motorsport-Shooting-Star – und das neue Gesicht von adidas by Stella McCartney. Die 28-jährige Spanierin ist eine der ganz wenigen Frauen, die es in ein Formel-1-Cockpit geschafft haben, sie steht permanent im Fokus, muss sich täglich neu beweisen. Jordás dynamischer Lebensstil und ihr unbarmherziger Trainingsplan bereiten sie nicht nur auf eine Karriere als weltbekannte Rennfahrerin vor – sie inspirieren auch Frauen in aller Welt dazu, an außergewöhnlichen Herausforderungen zu wachsen.


„ICH LIEBE MEIN HIGHSPEED-LEBEN.“

CARMEN JORDÁ, 28, muss sich in der männerdominierten Motorsport­ welt durchsetzen: „Je schwieriger die Heraus­ forderungen sind, desto besser – denn dann ist es noch befriedigender, sie zu meistern.“


ACTION

MEDIA

WM DER KOPF-GAMER Escape Rooms für Fortgeschrittene: Red Bull Mind Gamers sucht die schnellsten Denkspiel-Zocker der Welt.

MINIMALE SPIELE, MAXIMALE SUCHT Lass deine Finger denken! Drei unserer Mind-GamingFavoriten.

„Initial Conditions“ Städte baut man an Flüssen: Von Regeln wie „Eine Stadt muss zwei Felder groß sein, darf aber nicht an eine andere Stadt grenzen“ soll man sich dabei nicht beirren lassen. Mission: Unlock Enoch: Aufgaben im „Cube“ nur im Team lösbar

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„Tiny Monsters“ Alter ComputerspielKlassiker, neu interpretiert: Schneide eine Fläche so schnell wie möglich auf ein Fünftel zusammen – und halte dabei die Monster unter Verschluss.

„Quantumlights“ Das kommt raus, wenn man Rubiks Würfel mit Reversi kreuzt: Du musst bei allen Spielsteinen das Licht abdrehen – doch mit jedem Klick drehst du auch den Status aller umliegenden Steine.

THE RED BULLETIN

LEO FRANCIS/RED BULL CONTENT POOL, NICK WONG

Egal zu welcher Sorte Gamer wir mit einem Escape Room Game zu SCOTT NICHOLSON uns zählen – es gibt eine Art von tun, das es in dieser Art noch nie Spielen, die uns alle begeistert: gegeben hat: Enoch, so der Name Der Spiele-Professor (Wilfrid Laurier University, Ontario) kleine, feine Mind Games, die die des Wunderwerks, wurde vom kaerfand das Final-Level von Hirnwindungen so richtig fordern. nadischen Spiele-Professor Scott Red Bull Mind Gamers: „Die Mit Red Bull Mind Gamers haben Nicholson, 45, designt. Idee dahinter: Enoch ist die Gaming-Experten rund um den Escape Rooms sind Spiele, in Spiel-Variante eines Quantencomputers. Gewinnen kann österreichischen Spieleentwickler denen Teams mehrere Rätsel lösen nur, wer neugelerntes Wissen Konstantin Mitgutsch eine Plattmüssen, um aus einem verschlossofort im Spiel umsetzt.“ form ausschließlich für Strategiesenen Raum zu entkommen. In und Denkspiele ins Netz gehievt. einer halb analogen, halb digitalen Die meisten sind minimalistisch, Gaming-Umgebung werden die Red manche etwas verstiegen, aber alle Bull Mind Gamers-Finalisten aber packend und von gefährlichem SuchtSucht nicht nur von Logik-Nüssen gefordert. potential. Was die Community redbullmind Sie werden von Enoch auch aktiv mani manigamers.com von anderen Gaming-Plattfor Gaming-Plattforpuliert und in die Irre geführt. „Nicholson men unterscheidet: Die Teilnehmer messen ist ein echter Guru unter Escape Roomsich seit letztem Herbst in einem gloglo Gamern“, erzählt Konstantin Mit Mitbalen Mind-Gaming-Turnier, das begutsch. „Er hat am Massachus Massachusreits in mehr als 70 Städten Station setts Institute of Technology gemacht hat. In einem eigens gemeinsam mit 100 Studenten konstruierten Game Cube lösen die Idee hinter Red Bull Mind Vierer-Teams auf getrennten Gamers mitkonzipiert. Es Screens ein vernetztes Denkwird spannend, ob Enoch puzzle. Nur das schnellste überhaupt zu knacken ist.“ Team aus jedem Land qualiRED BULL MIND GAMERS fiziert sich für das Finale, das ESCAPE ROOM WORLD FINALS am 25. März in Budapest steigt. Budapest, 23. bis 25. März 2017 redbullmindgamers.com 24 Finalteams bekommen es dort


MEDIA

PLAYLIST KRIZZLI

ACTION

UNDER COVER Auch ein Jahr nach dem Release von David Bowies letztem Album „Blackstar“ entdecken Fans immer noch Geheimnisse, die Hülle und LP bergen. Aber nicht nur Bowie spielte gekonnt mit „Easter Eggs“ …

Er sampelt den Klang von Toilettenbrillen und baut seinen Drumcomputer selbst. Der Schweizer Valentin Bersier, 27, alias Krizzli ist Elektronik­ produzent, DJ und, wenn alles gut geht: Weltraum­ technologe. Heute bastelt er in Lausanne dunkle Materie aus UK Bass Music, Grime und Techno. „Ich suche die rohe Energie in der Musik“, sagt Krizzli. Sein Karrierehöhepunkt: die Teilnahme an der Red Bull Music Academy 2014 in Tokio, als ein­ ziger Schweizer. Nun erscheint seine EP mit dem britischen Grime­MC DeeJillz. Uns verrät Krizzli, welche fünf Tracks seinen Musikstil in die richtigen Bahnen lenkten. www.beeb.li

THE ROLLING STONES „THEIR SATANIC MAJESTIES REQUEST“

George Duke

Youandewan

„Shine on“ (1982)

„1988“ (2011)

George Duke ist meine früheste Erinnerung an die Musik meiner Kindheit. Meine Eltern und ich sind jedes Jahr mit dem Auto in den Urlaub nach Spanien gefahren. Alle zwei Stunden spielte mein Vater „Shine On“ – so wird ein Song schnell zur Hymne. Wenn ich den funky Hochtongesang heute höre, fahre ich in Gedanken auf den Autobahnen Südfrankreichs und sehe die trockenen Olivenbäume an mir vorbeiziehen.

Wann immer ich frustriert bin, höre ich diesen Song. Er macht mich zwar nicht glücklicher, aber ich ver­ gesse, was mich beschäftigt hat. Sein progressives Storytelling schickt die Gedanken auf Reisen ins All: „1988“ wandert von Melan­ cholie zu Abenteuerlust und endet in einem Weltraumflug bei Licht­ geschwindigkeit. Die melodiöse Produktion hat mich sehr be­ einflusst, als ich meine ersten Electro­House­Beats machte.

System of a Down

Mumdance & Logos

„Chop Suey!“ (2001)

„Turrican 2“ (2013)

Der Song markiert meine Abkehr vom Jazz und Funk meiner Eltern. Im rebellischen Alter von 13 Jahren suchte ich meinen eigenen Stil. Ich war verrückt nach System of a Down, weil sie ihre Wut besonders musikalisch loswurden – stark rhythmisiert und melodisch zu­ gleich wie in „Chop Suey!“. Als High­ Energy­Kid war Hard Rock mein Ventil, Dampf abzulassen. Vermutlich klingt meine Musik heute deshalb so dunkel.

Easy Listening geht wohl anders. „Turrican 2“ hat mir das volle Potential von Bass Music eröffnet – und wie experimentell E­Musik sein kann: wenig Instrumente, viel Raum für Stille, kein 4/4­Groove zum Tanzen, sondern Rhythmen zum Nachdenken. Seit ich diesen Track kenne, lasse ich meiner Musik mehr Luft zum Atmen. Und: Ich sample Dinge wie Straßenlärm, Videospiele und Waldgeräusche.

Wer genau hinsieht, erkennt auf dem Cover die Gesichter der Beatles – eine Retour­ kutsche: Auf dem Cover von „Sgt. Pepper’s“ hatten die Beatles eine Puppe gezeigt, auf deren Pulli „Welcome The Rolling Stones“ stand.

SANTANA „SANTANA“ Lee Conklins Tuschezeich­ nung war Santana zu schade für ein Konzertplakat, darum verwendete sie der Gitarren­ meister für das Cover seines Debütalbums von 1969. Zweimal hinzusehen lohnt: Der Löwenkopf besteht aus menschlichen Gesichtern und allerhand anderen Körperteilen.

Daft Punk GUILLAUME MEGEVAND/RED BULL CONTENT POOL

„Technologic“ (2005) Als ich mit siebzehn eine Sprach­ schule in Berlin besuchte, habe ich im Schnee einen MP3­Player ge­ funden. Er war voll elektronischer Musik – und Daft Punk. Songs wie „Technologic“ haben mich vom Hard Rock abgebracht. Seitdem weiß ich: Musik vom Computer hat wie Rock einen hohen Energie­Level, kanalisiert ihn aber in Samples, Synths, Drums. Der Fund des Players war eindeutig Karma – mein Walkman wurde geklaut.

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THE GADGET MAG­LEV Audio Die fliegende Soundanlage ist komplett: Nach OM/ONE, dem ersten schwebenden Lautsprecher (letztes Jahr an dieser Stelle vorgestellt), hebt nun auch der Turntable ab. Wenn der Plattenteller in der Luft rotiert, sieht das nicht nur abgefahren aus, sondern verbessert laut Hersteller auch den Klang. Denn Luft erzeugt kaum Reibung, was eine absolut geschmeidige Tellerdrehung garantiert. Jetzt bestellen, im September abheben. maglevaudio.com

KATE BUSH „AERIAL“ Das Cover von Bushs Album aus dem Jahr 2005 scheint im Wasser reflektierte Felsen darzustellen. Tatsächlich handelt es sich aber um die Soundkurve von Vogel­ gesang – eine Anspielung auf den letzten Albumtrack, auf dem Amseln zwitschern.

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„Ich träume davon, die Nummer eins zu sein … dafür arbeite ich, so hart ich kann. Ich weiß, dass nur dieser Weg zum Ziel führt.“ Yuki Kadono, Sieger Slopestyle, Burton US Open 2015

Für Anna Gasser und ihre Mitstreiter geht es in Vail um einen Siegerscheck über 45.000 US-Dollar.

DAS LÄUFT IM MÄRZ

MÄNNER MIT MISSION

Die Red Bull TV-Highlights des Monats: Snowboard-Heroes im Trickfieber, eingeschlossene Denksportler, Extremkletterer im Höhenrausch und die Suche nach dem schnellsten Tänzer.

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MEDIA RED BULL TV-HIGHLIGHTS

RED BULL MIND GAMERS LIVE AM 25. MÄRZ

Nach den Qualifiern in über 20 Ländern messen sich nun die besten Mindgamer-Teams beim Weltfinale. Bei „Mission: Unlock Enoch“ ist ein auf Quantenlogik basierender Escape Room zu knacken.

MOUNT ST. ELIAS DOKUMENTATION PREMIERE AM 26. MÄRZ

BURTON US OPEN LIVE 3./4. MÄRZ Die Burton US Open sind der traditions- (weil seit 1985 ausgetragen) und prestigeträchtigste Snowboard-Event der Welt. Alle Szene-Topstars wie Jamie Anderson, Anna Gasser, Mark McMorris, Sebastien Toutant, Yuki Kadono oder Shaun White kommen nach Vail, Colorado, um beim Slopestyle und in der Halfpipe ihre besten, kreativsten und neuesten Spins, Flips und Slides auszupacken.

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SO SIEHST DU RED BULL TV ÜBERALL Red Bull TV ist deine globale digitale Destination für Entertainment abseits des Alltäglichen, empfangbar rund um die Uhr an jedem Ort der Welt. Geh auf redbull.tv, hol dir die App oder connecte dich via Smart TV.

Alle Infos: www.redbull.tv

ZACH HOOPER/RED BULL CONTENT POOL, DEAN BLOTTO GRAY, BURTON/RED BULL CONTENT POOL, ÁDÁM BERTALAN/RED BULL CONTENT POOL, VITEK LUDVIK/RED BULL CONTENT POOL, RANDY, LINCOLN ELSE/RED BULL CONTENT POOL

Die dramatische Dokumentation begleitet Axel Naglich und zwei weitere Skibergsteiger auf den 5489 Meter hohen Mount St. Elias in Alaska. Ihr Vorhaben: die längste Skiabfahrt der Welt zu absolvieren.

JUSTE DEBOUT LIVE 5. MÄRZ

Das Street-Dance-Spektakel in Paris wird 15 Jahre alt. Dabei messen sich 4000 Tänzer in Disziplinen wie Locking, Popping, Hip-Hop oder Dancehall. Außerdem gesucht: der schnellste Tänzer der Welt.

CERRO TORRE FEATURE-FILM PREMIERE AM 19. MÄRZ

Extremkletterer David Lama machte sich ins südamerikanische Patagonien auf, um den Cerro Torre – einen der schwierigsten Gipfel der Welt – über die berüchtigte Südostroute zu bezwingen.

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EVENTS SAVE THE DATE Weitere Pflichttermine in den nächsten Wochen

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Februar The Weeknd Der Kanadier Abel Makkonen Tesfaye alias The Weeknd gilt als Meister melancholisch­ anspruchsvoller R&B­ Tracks. In Zürich prä­ sentiert der zweifache Grammy­Gewinner die Songs seines aktuellen Hit­Albums „Starboy“. Hallenstadion, Zürich

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Neun Tage shredden im grössten natürlichen Funpark der Schweiz

März Nendaz Freeride

Für neun Tage wird aus dem Gelände der schwarzen Piste Warmtobel der grösste Funpark der Schweiz – und bietet den rund 3000 Riderinnen und Ridern (vom völligen Anfänger bis zum Pro) einen naturbelassenen Run mit 30 Hindernissen. Das Motto des Warmtobel Jam: Fahren nur zum Spass, also ohne Anmeldung, ohne Wettbewerb und Leistungsdruck. Der Eintritt ist frei. Nach dem Freestyle-Vergnügen? Party. snowland.ch

15. März Anthrax Komplex 457, Zürich

9. – 19. März Genfer Auto-Salon

Die legendären New Yorker Thrasher Anthrax (v. li.: Benante, Belladonna, Ian, Bello, Donais) kommen im Rah­ men ihrer Welttour für ein Konzert in die Schweiz. „Among the Living“ wird im März 30, die Band spielt das legendäre Album zur Gänze, dazu ausgewählte Fan­Favoriten. anthrax.com

Mehr als 100 Automarken, über 600.000 Besucher, zahlreiche mo­ torisierte Premieren: Der Internatio­ nale Auto­Salon in Genf ist eine der weltweit wichtigsten Automessen. Zu den Highlights 2017 zählen der von Hand gefertigte Supersport­ wagen Pagani Huayra Roadster oder das 1000 PS starke Hybrid­Auto Techrules GT96. Dazu stehen im „Pavillon Vert“ diverse Elektro­ und Wasserstoffautos für Besucher zur Probefahrt bereit. gims.swiss

25. März Vertical Up Tour Lauberhorn-Abfahrtsstrecke, Wengen Einfache Regeln, ultrabrutales Rennen: Hier wird die Lauberhorn­Abfahrt (4480 Meter lang, 1028 Höhen­ meter) bergauf bezwungen. Erlaubt ist den rund 300 Startern jedes Utensil, solange es aus eigener Kraft bewegt wird … Zuseher können den Run entlang der ganzen Strecke mitverfolgen. Ein Moderator sorgt für Stimmung, abends steigt im Ortszentrum die Siegerehrung … und die Party. vertical­up.com

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Lamborghini Centenario

Beim Freeride World Qualifier Event im Unter­ wallis kämpfen inter­ nationale Top­Fahrer um Quali­Punkte. Das Musik­Line­up trumpft u. a. mit DJ Greem auf. 10. – 12. 3., Nendaz; nendazfreeride.ch

17 März Hilljam

Am Flugplatz Buochs im Kanton Nidwalden messen sich die Rider der Swiss Freeski Tour im Big­Air­Contest. Legendär sind Music Night und Afterparty. Headliner 2017: das US­ Hip­Hop­Duo Hip Hop­Duo M.O.P. 17. und 18. 3.; hilljam.ch

JIMMY HUBBARD, PHOTOPRO.EVENT/D.KELLER

11. – 19. März Warmtobel Jam Warmtobelpiste, Wildhaus


ACTION

HOW TO

WIE DU ÜBER EINEN OZEAN RUDERST Gavan Hennigan legt sich für uns in die Riemen.

Falls du je vorhast, über einen Ozean zu rudern, kannst du von Gavan Hennigan einiges lernen. Am 15. Dezember brach er auf, um den Rekord der „Talisker Whisky Atlantic Challenge“ zu brechen. Es folgte ein 5000-Kilometer-Trip von den Kanarischen Inseln in die Karibik, Hurrikane und 30 Meter hohe Wellen inklusive. Vor seinem Start sagte Hennigan: „Ich bin bereit zu leiden.“ Worin er reichlich Erfahrung hat: Mit 21 wollte er sich umbringen und war wegen Drogensucht in Reha. „Seit dieser düsteren Zeit habe ich viel mehr Freude am Leben. Ich will als der Ire, der am schnellsten den Atlantik überquert hat, in die Geschichte eingehen.“ taliskerwhiskyatlanticchallenge.com

es ganz ruhig an 1 Geh

„Navigiere nach Zwischenstationen, ich etwa plane alle 450 oder 900 Kilometer einen Stopp ein. Manchmal ist es sogar vernünftig, sich vom Wind in die falsche Richtung treiben zu lassen, denn er kann dein Boot nach ein paar Tagen wieder auf die richtige Spur drücken. In der See­ mannssprache spricht man in diesem Fall von ‚Luvgeschwindigkeit‘.“

3

Friss dich so richtig voll

„Ich nahm in den letzten sechs Monaten vor dem Trip zehn Kilo zu und habe vor, auf der Reise täglich 5000 Kalorien zu mir zu nehmen. So viele werden mindestens empfohlen. Ich ernähre mich von Tiefkühl­ kost und MCT­Öl. Es ist Kokosöl ähnlich, riecht und schmeckt aber nach nichts, und wenn du einen Teelöffel davon ins Essen mischst, erhältst du eine Extraladung Fett und 300 bis 400 zusätzliche Kalorien.“

„Stoff reizt die Haut, weil du ja permanent nass bist und das Salzwasser scheuert. Schwielen an den Händen lassen sich nicht verhindern, aber am Hintern schon. Rudere also nackt. Ich sitze auf einem Stück Schaf­ fell, das enthält wohltuende Öle.“

dich gut an 5 Schnall

„Wenn ich mal muss, lege ich einen Klo­ sitz auf einen Eimer. Ist so ähnlich wie der Gang aufs Töpfchen als Kind. Während der Fahrt muss alles festgebunden sein, auch du selbst – du brauchst also jede Menge Sicherheitsleinen. Manövriere stets in Windrichtung oder dagegen, nach Mög­ lichkeit niemals seitlich gegen den Wind. Bei hohem Seegang ist die Chance den­ noch hoch, dass dein Boot kentert – da ist besser alles richtig gut festgezurrt. Mein Boot kann sich selbst aufrichten, die Kabine dient als riesiger Atemluftbehälter, wenn ich die Luken schließe.“

MARK THOMAS

„Ich rechnete mir aus, dass ich bis zum Ziel 1,5 Millionen Ruderschläge brauchen werde. Aber während der Fahrt zu zählen, das hätte mich verrückt gemacht. Rudere am besten in überschaubaren Etappen, steck dir erreichbare Ziele. Mach nach zwei Stunden eine Pause, check die Lenkung, die Funkgeräte, die Solaranlage. Meide alles, was dich stresst und deinen Puls in die Höhe schießen lässt. Ich bleibe stets bei unter 125 Pulsschlägen pro Minute, um meinen Körper zu schonen.“

auch mal in dich splitterdie falsche Richtung 2 Rudere nackt aus 4 Zieh

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AUS DEM WEG! RUNGU ELECTRIC JUGGERNAUT Wer im Straßenverkehr gerne eine Hauptrolle übernehmen möchte, sollte sich das „Rungu Electric Juggernaut“ genauer ansehen: Das E-Bike ist so was wie ein Hummer mit Pedalen. Carbonstahl-Gabeln umfassen zwei 26 × 4,8 Zoll große Vorderräder. Drei Scheibenbremsen bringen das Ungetüm bei Bedarf zum Stehen. Was auch wichtig ist, denn der 2000-Watt-Motor (knapp 3 PS) beschleunigt den Brummer auf bis zu 32 km/h – mit Treten geht’s noch schneller. Monströs für Off-Roading, Strandfahrten, Skitouren und beim Angeben und Cruisen in der Stadt. riderungu.com THE RED BULLETIN

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ROCK AM STRAND PHILIPS NTX400 Es gibt Bluetooth-Lautsprecher fürs Picknick. Und es gibt diesen Soundtower mit eingebauter Party-Eskalation: 82 Zentimeter groß. 13 Kilo schwer. 1000 Watt Leistung, zwei Woofer, dreistufiger Dynamic Bass Boost. Außerdem haut der NTX400 nicht nur ordentlich auf die Ohren, auch visuell geht das Ding aufs Ganze: 260.000 LED-Lichter passen sich der Musik an, flackern, blinken, pulsieren und lassen jedes Chamäleon alt aussehen. philips.ch

HART & SMART GEAR S3 FRONTIER Samsungs Smartwatch ist hart im Nehmen, aber auch funktionellsensibel, etwa beim Bedienen der Apps über die drehbare Lünette. GPS, vier Tage Akku, Wasser- und Staubschutz nach IP68 lassen sie auch dort exakt ticken, wo sonst nur klassische Survival-Watches überleben. samsung.ch

GIB LAUT GOOGLE HOME Ein Lautsprecher-System, fast auf dem Level der Künstliche-IntelligenzGadgets in Tony Starks Bude. Und du musst kein Milliardär sein, um es dir leisten zu können. Gesteuert wird per Stimme: Musik, Kalendereinträge, Google-Suche, Wetter- und Verkehrsberichte, sogar andere Smart-Devices im Haus hören auf die Voice-Befehle. Das Ding lernt so gut, dass es dich mit der Zeit besser versteht als du dich selbst. madeby.google.com

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WEG VOM RAND XIAOMI MI MIX 2017 ist das Jahr des Abschieds von den dicken Rändern um die Smartphone-Front. Entworfen von Top-Designer Philippe Starck, nimmt der Bildschirm dieses 6,4-ZollPhablets ganze 91,3 Prozent der Vorderseite ein. Und der Rest ist kein schnöder Kunststoff, sondern Keramik. mi.com

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GUTE PARTIE NINTENDO SWITCH Eines muss man Nintendo zugestehen: In Sachen Gaming-Konzept sind sie echt gut darin, keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Mit der Switch präsentiert Nintendo erstmals eine Heimkonsole für draußen: Wer sie aus dem Dock nimmt, spielt unterwegs auf dem HandHand held einfach weiter. Gesteuert wird über abnehmbare Joy-Controller, die sich ideal für Zwei-Spieler-Duelle eignen. (Klassische Pro-Controller gibt es auch.) Die Games verheißen gewohnte QualiQuali tät: „Super Mario Odyssey“ und „Zelda: Breath of the Wild“ bringen neue AbenAben teuer, „Mario Kart 8 Deluxe“ wird umum fangreich aufgebohrt. nintendo.ch

ZEIG KLASSE TAG HEUER CONNECTED Auf den ersten Blick eine Smartwatch, designt als Hommage an die klassische TAG Heuer Carrera. Innen aber lauert gnadenlose High-Tech mit Know-how von Google und Intel. Wer möchte, kann nach Ende der zweijährigen Garantie dennoch gegen einen kleinen Aufpreis zur mechanischen Carrera wechseln. tagheuer.ch

ZUKUNFT ZEICHNEN MICROSOFT SURFACE STUDIO Der Desktop wurde wieder mal neu erfunden und sieht aus wie ein … Zeichenbrett. Der Screen lässt sich beinahe komplett flach legen (Microsoft möchte nicht, dass man Kaffee auf dem 28-Zoll-Touchscreen abstellt). Zeichnen geht per druckempfindlichem Eingabestift wie sonst nur auf Grafiktablets. Das Rad neu erfunden hat aber das Surface Dial: ein greifbarer Puck, der bei Screenkontakt kontextbezogene Menüs öffnet. Wer den Puck dreht, kann Farben, Stiftgröße und mehr ändern. microsoft.ch THE RED BULLETIN

BLEIB IM FLUSS BOOSTED BOARD 2.0 Mit dem Hoverboard blieben elektrische Rides 2016 noch in den Kinderschuhen stecken. (Wer außer 13-jährigen „Pokémon Go“-Kids fährt damit?) Dieses Jahr könnte das Boosted Board 2.0 aber seriöses ElektroCruisen für alle ermöglichen. Ein Dual-Motor beschleunigt das Longboard auf bis zu 35 km/h, meistert 25-Prozent-Steigungen und bremst angenehm via Fernbedienung, Bremskraftrückgewinnung inkludiert. Austauschbare Akkus ermöglichen bis zu 22 Kilometer lange Rides, und die Rollen fürchten keine Pfützen. boostedboards.com


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GUTER MOMENT KODAK EKTRA Fast das gesamte 20. Jahrhundert hinhin durch war Kodak Inbegriff der Fotografie. Dann kam das digitale Zeitalter – und das iPhone –, der Rest ist Geschichte. Nachdem Kodak sein Patent-Portfolio 2012 für geschätzte 525 Millionen Dollar verkaufte – zu einem Fünftel des eigenteigent lichen Werts –, schien auch die Firma Geschichte zu sein. Jetzt kehrt das Unternehmen mit einem Smartphone zuzu rück, das vor allem eine geniale Kamera ist: 21 Megapixel, f/2.0-Blende, 4K-Video. Für die Design-Hommage des namensnamensgleichen Vintage-Knipsers gibt es sogar eine Ledertasche, die den Look des Klassikers perfekt einfängt. Kodak ist wieder da. kodakphones.com

HERR DER LÜFTE

HERZ-ASS HUAWEI FIT Fitnesstracker liegen schon mal ziemlich daneben, wenn es um die Pulsmessung geht. Das kann gefährgefähr lich werden, etwa wenn Leute, falsch informiert, hart an ihre Grenzen gehen. Diese Smartwatch verspricht exakte Messungen. Sie vibriert, wenn du es ruhiger angehen solltest, und misst punktuell oder 24/7 deinen HerzHerz schlag. Fünf Herzfrequenzzonen helfen dir, dein Training präzise zu gestalten. consumer.huawei.com/ch

DJI INSPIRE 2

KAPP DIE KABEL

Wenn DJIs Phantom 4 – ein sehr gut ausgestatteter Hobby-Copter – das iPhone unter den Drohnen ist, dann ist die Inspire 2 die DSLR der Flotte. Zwei Kameras sind an Bord: Eine zeigt die Flugbahn der Drohne, die andere filmt in gestochen scharfem 5,2K. Beim Abheben schwenken die Landebeine nach oben, das ermöglicht 360-Grad-Aufnahmen. Der Top-Speed liegt bei 94 km/h, und das fast 30 Minuten lang. Plus: Das System erkennt Objekte bis zu 30 Meter vorab und weicht ihnen elegant aus. dji.com

Kabellose Kopfhörer gibt es schon länger, aber erst als Apple die Kopfhörerbuchse vom iPhone 7s entfernte, wurde darüber geredet. Die AirPods verbinden sich automatisch mit deinen iCloud-Devices und wechseln vom iPhone zum Mac und umgekehrt. Pfiffig: Nimm ein AirPod aus dem Ohr, und die Musik stoppt. apple.ch

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WIRF MAL EINEN BLICK AUF DICH AIR SELFIE 200.000 Jahre brauchte die Menschheit für die Erfindung des Selfie-Sticks. Das Ende der Evolution, wie wir sie kennen? Nein. Die Selfie-Drohne beweist, dass wir uns immer noch weiterentwickeln. Vier Propeller bringen das Teil bis zu 20 Meter in die Luft, eine 5-Megapixel-Kamera Megapixel-Kamera macht Fotos und Videos, das eigene Smartphone dient als Sucher. airselfiecamera.com

WIE BITTE? SONY MDR-1000X Bügelkopfhörer auf der Straße zu tragen ist kein Fashion-Statement. Man trägt sie, weil sie störende Außengeräusche unterdrücken und den besten Sound abseits der eigenen Heimanlage bieten. Dieser kabellose Bluetooth-Kopfhörer beeindruckt mit digitalem Noise-Cancelling, der Citywalk wird so zum akustischen Tiefseetauchgang. Damit du dich nicht im Ton vergreifst, gibt es auch einen Ambient-Sound-Modus, der über ein externes Mikrofon bestimmte Geräusche in den Hörer lässt, etwa Stimmen. Du hörst also, ob andere lästern. sony.ch

WIR SEHEN UNS AN DER BAR APPLE MACBOOK PRO Schon mal gerätselt, wofür die vielen F-Tasten auf deiner Tastatur gut sind? Apple hat die sinnarmen Platzhalter durch eine „Touch Bar“ ersetzt: Das Mini-Multitouch-Feld zeigt genau jene Funktionen an, die du gerade am meisten brauchst – Suchfeld, Video-Zeitleiste, Emojis und sogar Shortcuts. Dein KurzzeitKurzzeit gedächtnis bekommt also pfiffigen Support. Plus: Fingerprint-Sensor für Passwort-Vergesser und als Apple-Pay-Wegbereiter. apple.ch THE RED BULLETIN

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THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886 Editorial Director Robert Sperl Chefredakteur Alexander Macheck Creative Director Erik Turek Art Directors Kasimir Reimann (Stv. CD), Miles English Photo Director Fritz Schuster Chefin vom Dienst Marion Wildmann Managing Editor Daniel Kudernatsch

Länderredaktion Arek Piatek Lektorat Hans Fleißner Country Channel Management Antonio Gasser Product Management Melissa Stutz Anzeigenverkauf Marcel Bannwart, +41 (0)41 7663616 oder +41 (0)78 6611727, marcel.bannwart@ch.redbull.com Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg

Redaktion Stefan Wagner (Textchef), Ulrich Corazza, Arek Piatek, Andreas Rottenschlager Freie Mitarbeiter: Werner Jessner, Clemens Stachel, Florian Wörgötter Web Kurt Vierthaler (Senior Web Editor), Christian Eberle, Vanda Gyuris, Inmaculada Sánchez Trejo, Andrew Swann, Christine Vitel Grafik Marco Arcangeli, Marion Bernert-Thomann, Martina de Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz Fotoredaktion Rudi Übelhör (Deputy Photo Director), Marion Batty, Susie Forman, Ellen Haas, Eva Kerschbaum, Tahira Mirza Illustrator Dietmar Kainrath

THE RED BULLETIN Mexiko, ISSN 2308-5924 Länderredaktion Luis Alejandro Serrano Redaktion Marco Payán, Inmaculada Sánchez Trejo Lektorat Alma Rosa Guerrero Country Project & Sales Management Helena Campos, Giovana Mollona Anzeigenverkauf Humberto Amaya Bernard, humberto.amayabernard@mx.redbull.com

THE RED BULLETIN Deutschland, ISSN 2079-4258 Länderredaktion Arek Piatek Lektorat Hans Fleißner Country Channel Management Christian Baur Anzeigenverkauf Martin Olesch, martin.olesch@de.redbulletin.com

THE RED BULLETIN Österreich, ISSN 1995-8838 Länderredaktion Ulrich Corazza Lektorat Hans Fleißner Country Project Management Thomas Dorer Anzeigenverkauf Alfred Vrej Minassian (Ltg.), Thomas Hutterer, Corinna Laure, Bernhard Schmied, anzeigen@at.redbulletin.com

Verlagsleitung Franz Renkin Anzeigendisposition Andrea Tamás-Loprais Creative Solutions Eva Locker (Ltg.), Verena Schörkhuber Country Management & Marketing Stefan Ebner (Ltg.), Magdalena Bonecker, Thomas Dorer, Manuel Otto, Kristina Trefil, Sara Varming Marketing Design Peter Knehtl (Ltg.), Simone Fischer, Alexandra Hundsdorfer

THE RED BULLETIN Frankreich, ISSN 2225-4722 Länderredaktion Pierre-Henri Camy

Herstellung Michael Bergmeister

Country Coordinator Christine Vitel

Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter O. Sádaba, Friedrich Indich, Michael Menitz (Digital)

Lektorat Audrey Plaza

Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Maximilian Kment, Karsten Lehmann

Country Project & Sales Management Leila Domas Partnership Management Yoann Aubry, yoann.aubry@fr.redbull.com

Office Management Kristina Krizmanic, Petra Kupec IT Systems Engineer Michael Thaler

THE RED BULLETIN Südafrika, ISSN 2079-4282 Länderredaktion Louis Raubenheimer Lektorat Nancy James (Ltg.), Davydd Chong Country Project & Sales Management Andrew Gillett Anzeigenverkauf Andrew Gillett, andrew.gillett@za.redbull.com Dustin Martin, dustin.martin@za.redbull.com

Abo und Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser (Vertrieb), Yoldas¸ Yarar (Abo) General Manager & Publisher Wolfgang Winter Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Web www.redbulletin.com Medieninhaber, Verlag & Herausgeber Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Geschäftsführer Christopher Reindl, Andreas Gall

THE RED BULLETIN Großbritannien, ISSN 2308-5894 Länderredaktion Justin Hynes Redaktion Tom Guise, Florian Obkircher Lektorat Nancy James (Ltg.), Davydd Chong Country Project & Sales Management Sam Warriner Anzeigenverkauf Mark Bishop, mark.bishop@uk.redbull.com

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THE RED BULLETIN USA, ISSN 2308-586X Länderredaktion Andreas Tzortzis Redaktion David Caplan, Nora O’Donnell Country Project Management Melissa Thompson Anzeigenverkauf Los Angeles: Dave Szych, dave.szych@us.redbull.com New York: Regina Dvorin, reggie.dvorin@us.redbullmediahouse.com

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Red Bull Knockout-Sieger Jeffrey Herlings, 22, ließ 999 Gegner hinter sich.

DIE NÄCHSTE AUSGABE DES RED BULLETIN ERSCHEINT AM 16. MÄRZ 2017. 98

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DEN HAAG, NIEDERLANDE

„Je mehr starten, desto mehr kannst du überholen.“


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The Red Bulletin März 2017 - CHDE