VINSCHGER THEMA
KI: Gegenwart und Zukunft Was KI kann, welche Chancen und Herausforderungen die Technik für den Vinschgau bringt. Der Latscher Christian Stolcis arbeitet mit „künstlicher Intelligenz“ (KI). LATSCH - „Keine Frage, die künstliche Intelligenz bedeutet Gegenwart und Zukunft“, bringt es Christian Stolcis auf den Punkt. Der Latscher kehrte nach vielen Jahren im Ausland vor zwei Jahren in seine Heimat zurück. Der heute 36-Jährige, der in Jena Informatik studiert hat und dort das Doktorat erlangte, hat sich ganz den neuen Techniken, zukünftigen Arbeitsweisen und insbesondere der so genannten künstlichen Intelligenz (KI) verschrieben. Ein Thema, das schon seit Jahren in aller Munde ist. „Ein Aspekt, der uns in vielen Bereichen des Lebens helfen kann“, weiß Stolcis. Auch, oder besser gesagt vor allem in einem Seitental wie dem Vinschgau. Als eines der ersten Projekte wurde kürzlich die App „Wasser Marsch“ zusammen mit dem Bonifizierungskonsortium von Latsch entwickelt. Der Clou: Das System der Beregnung wurde digitalisiert, meldet den heimischen Landwirten, wann schlussendlich beregnet wird, unterstützt die Obmänner und Beregnungswarte bei der Planung und kann in Zukunft durch weitere Anwendungsfälle erweitert werden - wie zum Beispiel die Empfehlung einer bedarfsgerechten Bewässerung. „Eine simple Form der KI“, weiß Stolcis, der mit seinem vor drei Jahren gegründeten Unternehmen Netscrapers in diesem Bereich tätig ist. Das System wird aktuell in Latsch getestet, soll in Zukunft aber von allen Obmännern und Mitgliedern im Vinschgau genutzt werden können.
Über Pisa nach Jena Der Reihe nach: Nach der Matura am neusprachlichen Realgymnasium in Schlanders hat es Christian Stolcis nach Pisa verschlagen. Dort begann er sein Informatik-Studium. „Nachdem ich lange Zeit nicht wusste, wohin mein Weg eigentlich führen soll“, gesteht der Latscher. Nach vier Semestern in Pisa entschied er sich dazu, in Jena, im Osten Deutschlands, rund 700 Kilometer von Latsch entfernt, zu studieren. 4
DER VINSCHGER 20/20
In der 110.000-Einwohner-Stadt wurde seine Begeisterung für Informatik und vor allem auch den Bereich der „künstlichen Intelligenz“ immer größer. Insgesamt rund 13 Jahre verbrachte er dort. Dort fand er auch seine große Liebe, seine jetzige Ehefrau Susann. Nach dem Diplom-Studium arbeitete der Latscher für einige Jahre im IT-Bereich eines deutschen Automobilzulieferers. Später ergab sich die Möglichkeit an der Universität zu arbeiten, dort widmete er sich dann auch seiner Doktor-Arbeit.
Theorie nützt uns in diesem Bereich nichts“, betont er. Es gelte, praxisrelevante Sachen mit den Datenmengen zu verwirklichen. Erste KI-Algorithmen habe es bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gegeben, nun habe man aber auch die Rechenkapazitäten und die notwendigen Datenmengen, um die Vorteile daraus zu ziehen bzw. die Algorithmen entsprechend umzusetzen. Nichts anderes sei „künstliche Intelligenz“. Man dürfe KI nicht so verstehen, dass es hierbei Roboter-Emotionen und dergleichen gebe, präzisiert Christian Stolcis. Aber: Computer und Programme verfügen KI bei Fahrzeugen dank einer KI über die Möglichkeit, selbstSeine Forschungsarbeit ließ er sich mitt- ständig Lösungen für Probleme zu finden. lerweile patentieren. Die Idee: Mit KI bei Vereinfacht erklärt versuche die KI das Fahrzeugen den Verkehr zu regeln. „Im menschliche Denken auf den Computer Grunde geht es darum, dass Staus entste- zu übertragen. Bei der KI handelt es sich hen, wenn viele Autos gleichzeitig über die- somit um komplexe Algorithmen, die selbe Strecke von A nach B fahren“, erklärt spezielle Fragen beantworten können, Stolcis. Vor allem in Großstädten gebe es deren Lösungswege die „Maschine“ vorher aber weit mehr Möglichkeiten von A nach selbstständig erlernt hat. B zu kommen. „Durch einen Algorithmus werden die Fahrzeuge verteilt, auch wenn Mit „künstlicher Intelligenz“ mehrere das gleiche Ziel haben. Das Sys- in die Zukunft tem erkennt, sobald der Verkehr droht ins Vor drei Jahren gründete Christian StolStocken zu geraten und leitet die Fahrzeuge über die verschiedenen Wege, damit sie cis gemeinsam mit zwei Freunden aus schnellstmöglich an ihr Ziel kommen und Deutschland das Unternehmen NetscraStaus von vorneherein vermieden werden“, pers. Kein Wunder, dass es auch dabei so der Informatiker. Ampeln und äußere vorwiegend um KI geht. „Unser Motto Umstände könnten miteinberechnet wer- lautet mit Big Data und KI in die Zukunft“, den. Das System funktioniere dadurch, dass erklärt der Latscher. Bei „Big Data“ geht Autos direkt miteinander kommunizieren, es, wie der Name schon sagt, vor allem weitere Infrastrukturen seien nicht not- um große Datenmengen, mit denen in der wendig. „Es geht direkt von Auto zu Auto“, Informationstechnik (IT) gearbeitet wird. sagt Stolcis. Im besten Falle käme es dabei Netscrapers ist dabei auf drei Säulen aufzu einer Zusammenarbeit verschiedener gebaut. Neben der Säule um die KI biete Autobauer. Momentan befinde sich das man Beratung rund um die Digitalisierung Projekt in der Schublade, „es ist aber ab- an sowie klassische Software-Entwicklung solut zukunftsträchtig“, so der 36-Jährige. wie zum Beispiel Apps. „Es muss nicht immer eine komplizierte KI sein, um einen Prozess zu vereinfachen. Zum Beispiel ist „Nur die Theorie nützt nichts“ es auch spannend und wichtig, eine App für Ohnehin setzt Stolcis stets auf prakti- eine Bäckerei zu entwickeln, wo definiert sche Anwendungsmöglichkeiten. „Nur die wird, wie viele Brötchen in einer Filiale