Tourismus ist nicht alles

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VINSCHGER GESELLSCHAFT GASTKOMMENTAR

Naturstrecke für Fische wieder offen Foto: Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung West

Lassen wir Corona nicht umsonst gewesen sein oder Maske ade…

GÖFLAN - Die Fischpassierbarkeit der Etsch bei Göflan ist wieder hergestellt. Im Zuge der Arbeiten der Agentur für Bevölkerungsschutz wurde ein circa 3,4 Kilometer langer Abschnitt für alle standorttypischen Fischarten und besonders für die Marmorierte Forelle passierbar gestaltet. Dieser Teil gilt als einer der wichtigsten naturnahen Flussabschnitte der oberen Etsch. Nach einem Projekt von Mauro Spagnolo und Florian Nössing vom Amt für Wildbachund Lawinenverbauung West und der gewässerökologischen Begleitung durch Peter Hecher wurden 23 Sperren umgebaut und Pendelrampen aus Zyklopensteinen mit Niederwasserprofil verlegt. Da an mehreren Stellen marode Uferschutzmauern ausgebessert werden mussten, konnte der verbaute Abschnitt durch eine naturnahe Strukturierung gewässerökologisch aufgewertet werden. Auch den Geländesprung bei der Wasserfassung für Beregnungsleitungen im oberen Teil hat der Bautrupp mit Vorarbeiter Hansjörg Stricker umgebaut. Die Arbeiten erfolgten im Abschnitt der Etsch beginnend bei Göflan in die Naturschlucht Richtung Laas, ein Teil liegt im Nationalpark Stilfserjoch. In die Arbeiten eingebunden waren auch das Landesamt für Jagd und Fischerei und der Fischereiverein Meran. Vor dieser Umgestaltung der letzten Sperrenketten in der Oberen Etsch war die Durchgängigkeit für Fische in der verbauten Restwasserstrecke durch 25 Querbauwerke unterbrochen. In das vor zwei Jahren angelaufene Projekt wurden insgesamt 250.000 Euro investiert, die aus den Geldern des Fischereifonds stammen sowie aus Wasserzinsgeldern, die das Land von den Konzessionären für die Nutzung öffentlicher GeLPA wässer einhebt.

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DER VINSCHGER 18-19/20

Geht es Ihnen auch so? Liebe Menschen jetzt „so richtig“ wiedersehen können, das ist - bei allen Videochat- und Telefoniermöglichkeiten davor - halt doch was anderes und eindeutig Schöneres … Und gleichzeitig, klar, ich weiß… Der Abstand, die Umarmung, die nach der langen Trennung eigentlich das Natürlichste der Welt wäre … ja, und dann vor allem: Diese Masken… „Corona“ ist wirklich gemein. Mutet uns zu, dass fast der „ganze Mensch“ hinter der Maske verschwinden muss - symbolisch gemeint natürlich. Neulich, auf einer - erlaubten! - Sonnenbergrunde über dem coronabedingt stillen Vinschgau, ist mir doch urplötzlich so ein Gedanke gekommen. Ich habe mich gefragt, wie es sein wird, wenn wir - irgendwann - auch wieder unsere - und jetzt bitte, hören Sie genau hin - Masken abnehmen werden. Ja, unsere Masken abnehmen. Ich gehe mal davon aus, dass wir uns im ersten Moment ziemlich nackt, irgendwie schutzlos, fast ausgesetzt vorkommen. Doch dann, im zweiten oder spätestens dritten Moment, so habe ich mir hoch oben auf dem Sonnenberg vorgestellt, dürfte es doch eine Befreiung sein. So gesehen zu sein, wie ich bin. Um einem Du zu begegnen, das ich so sehen kann, wie es ist. In unserer Begegnung ohne Maske viel „ganzer“ als zuvor. Spürbarer. Im Lachen, im Weinen, in den Falten und Unperfektheiten, eben mit den Spuren, die das Leben in unser Gesicht gezeichnet hat… In grandios unperfekter Weise perfekt. Eben menschlich. So betrachtet ist „Corona“ wirklich gemein. Weil es mit der Maskenpflicht da jetzt etwas auf die Spitze treibt, was wir vorher gar nicht mehr wahrnehmen konnten in unserer kollektiven Trance des SchnellerAttraktiver-Reicher. Und weil es uns ungerührt klarmacht, was wir dadurch eigentlich verlieren. Paradoxe Intervention nennt das die Psychologie. Etwas auf die Spitze treiben, damit man erkennt, wie absurd ein Verhalten ist. In der Psychologie eine ziemliche Radikalkur. Und „Corona“ steht dem

in nichts nach, finde ich. Und kann genau darin unsere Chance sein. KANN, wohlgemerkt. Wenn wir auf seine Signale hören. Wenn wir die Zeichen dessen lesen, was uns da – buchstäblich - vor die Nase gesetzt ist. Oder, eleganter, „vor Augen geführt“. Denn Corona kann uns wieder zu Menschen machen. Kann uns zu Menschen machen, die ihre Masken abnehmen. Zu Menschen, die genug haben von der ganzen Maskerade eines Systems, das sich zwar in Organigrammen, Qualitätszertifizierungen, Wachstumsraten gut verkaufte, das aber auch dazu führte, dass wir uns, ganz leise und tief drinnen, verraten, an der Nase herumgeführt, um unser wirkliches Leben betrogen gefühlt haben. Natürlich haben wir mitgemacht bei dieser Maskerade. Viele Wahlmöglichkeiten im täglichen Rotieren zwischen Arbeit, Familie, Existenzsicherung, Vereinsgeschehen, Freizeitprogramm für klein und groß … blieben uns ja nicht. Wir sind so selbstverständlich mitgeschwommen und haben es als ebenso „normal“ hingenommen wie die Möglichkeit, ständig und überall mit jedem unserer Bekannten Kontakt aufnehmen zu können. Alles selbstverständlich. Alles „normal“. Alles immer schon so gewesen. Bis „Corona“ kam. Und vielleicht fällt es uns jetzt auf. Vielleicht fällt uns jetzt auf, zurückgebremst, wie wir momentan

sind, wie furchtbar anstrengend diese „Maskeraden“ waren. Wie fern wir doch waren von uns selbst, von allem Menschlichen. Von aller Menschlichkeit mit ihren wirklichen Stärken, ihrer Herzenswärme, Kreativität und wahren Begegnungskraft, mit ihrem Bedürfnis nach Stille und Langsamkeit, mit ihrer daraus erwachsenden Weltveränderungskraft. Wie fern doch dem, was wir mit den großen Worten „Sinn des Lebens“, „WesentlichWerden“, mit „Mensch-Sein“ zu benennen versuchen. Ja. Ich bin überzeugt: „Corona“ kann uns wieder zu Menschen machen. Zu Menschen ohne Maske und ohne Maskeraden. Danach. Jetzt gilt es wohl, uns diese Schutz-, diese Reifezeit zuzugestehen für das, was im Stillen, im Verborgenen wachsen will. Damit wir dann, wenn wir die Masken abnehmen, einander „wirklich“ begegnen können. Wahrhaftig begegnen auf eine Weise, die uns miteinander groß sein lässt. Die unsere Gemeinschaften groß sein lässt. Und veränderungsfähig zum Neuen hin. Weil von innen her getragen. Und ohne Maskerade. „Corona“ kann uns wieder zu Menschen machen. Wir entscheiden. Jede und jeder von uns. Und alle gemeinsam. Lassen wir „Corona“ nicht umsonst gewesen sein. SILVIA MOSER, SCHLANDERS/STILFS, 09.05.2020


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