Den Bauern das Wort

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Spektakuläre Erstbefahrung RESCHEN - Eine spektakuläre Erstbefahrung ist dem Langtauferer Bergführer Stefan Plangger am Freitag, 17. Jänner, am Piz Lad, einem Grenzberg am Reschenpass, gelungen. Plangger, der auch als Hüttenwirt der Weißkugelhütte bekannt ist, nahm mit Skiern die Nordwand des Piz Lad (2808 Meter Höhe) im Dreiländereck in Angriff. „Nach Norden hin zieht sich eine rund 800 Meter steil abfallende Felswand“, erklärt der in Nauders wohnhafte Plangger. Schon mehrere Jahre sei hier nach einer möglichen Route für eine extreme Skiabfahrt gesucht worden. An jenem Freitag war es dann schließlich so weit. Lawinengefahr habe es so gut wie keine gege-

Der Langtauferer Bergführer Stefan Plangger.

ben, in den steilen Rinnen habe sich viel Pulverschnee befunden. „Das Schwierigste war die Orientierung im oberen Teil und vor

Hier an der Nordwand (die Abfahrtsroute ist orangefarben eingezeichnet) gelang Plangger die Erstbefahrung.

allem das Einfahren, was immer wesentlich einfacher“, kommenviel Überwindung mit sich bringt. tierte Plangger die erfolgreiche RED Im unteren Bereich war die Linie Erstbefahrung. dann einsehbar, so wurde es schon

GS Planeil: Lernen kindgerecht gestalten PLANEIL - Bereits seit Jahren wird an der Grundschule Planeil (Gemeinde Mals) nach reformpädagogischen Ansätzen gelernt. Nun wurde das Pädagogische Konzept unter Einbezug von Experten der freien Universität Bozen und des Pädagogischen Beratungszentrum Schlanders weiterentwickelt. Die anstehenden Einschreibungen booten dabei die Gelegenheit aktuelle und zukünftige Schüler und deren Eltern über die Neuerungen zu informieren. Schulleiter Florian Thaler, federführend bei

der Konzepterstellung stellte im Rahmen eines Informationsnachmittags Interessierten das Konzept vor. Dieses sieht neben dem Kernunterricht, in dem die Basiskompetenzen in Schreiben, Lesen und Rechnen erworben und gefestigt werden, viel Freiraum für das individuelle Lernen vor. Im Phänomenunterricht haben die Kinder die Möglichkeit anhand alltagsnaher Situationen Naturgesetze kennen zu lernen, Zusammenhänge zu erkennen und „Weltwissen“ im weiteren Sinn zu erwerben. Eine

einem Gebiet, teilen ihr Wissen an Projekttagen mit den Kindern. Die Kinder lernen so von „Weisen“, die wohl älteste Form der Wissensweitergabe überhaupt. Neben den Kindern aus Planeil haben auch Kinder aus umliegenden Orten die Möglichkeit sich in Planeil Florian Thaler stellt das einzuschreiben. Die GemeindePädagogische Konzept vor. verwaltung organisiert in diesem Fall den Schülertransport ab und Bereicherung des Schulalltags bil- bis Mals. det zudem die Einbindung ehrenInformationen erhalten Interesamtlicher Paten. Diese Menschen, sierte bei Schulleiter Florian Thaler allesamt besondere Experten auf unter 333 23 59 711. RED

AUFGESPÜRT & AUSGEGRABEN (39)

Nachhaltig giftig Ein kleiner Ort in der Nähe von Mailand war am 10. Juli 1976 Schauplatz eines folgenreichen Chemieunfalls. Im Werk einer Tochterfirma des Pharmariesen La Roche ereignete sich eine Explosion, in deren Folge hochgiftiges Dioxin freigesetzt wurde. Die sich ausbreitende Giftwolke trieb auf dicht bevölkertes Gebiet, gleich mehrere Gemeinden waren davon betroffen. Über eine Stunde dauerte es, bis Experten vor Ort waren, die den Chemie-Reaktor so weit abkühlen konnten, dass kein weiteres Gas austrat. Den Einwohnern der Nachbarorte teilte man lediglich mit, sie sollten kein Obst oder Gemüse aus ihren Gärten essen – ohne Begründung. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 1.800 Hektar Land vergiftet: Pflanzen verdorrten, 3.300 Tiere verendeten und Kinder wurden mit Hautverätzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Dabei produzierte das Unternehmen weiter, als wäre nichts geschehen. Erst als die Arbeiter in einen wilden Streik traten, schritten die Behörden ein, schlossen die Fabrik und ordneten die Zwangsräumung an. Die Gesundheitsbehörden gingen sogar soweit, Schwangeren zur Abtreibung zu raten. Der Ort Seveso erlangte weltweit traurige Berühmtheit

und war von da an unweigerlich mit dem Unglück verbunden. Obwohl La Roche sich verpflichtet hatte, das Gebiet zu entgiften, konnten viele Gebäude nur mehr abgerissen werden, weil eine Dekontaminierung unmöglich war. Und erst sechs Jahre nach der Havarie begann man, den eigentlichen Reaktorinhalt zu entsorgen. Als die 41 Stahlfässer mit dem dioxinverseuchten Schlamm nach Frankreich transportiert werden sollten, verlor sich plötzlich ihre Spur – ein Skandal im Skandal. Kaum ein europäisches Land, in dem die Fässer nicht vermutet wurden. Sogar der legendenumwobene Detektiv Werner Mauss wurde eingeschaltet. Als sie 1983 endlich aufgespürt wurden, lagen sie ungesichert in einer Hütte eines nordfranzösischen Schlachthofs. Ein Jahr später sollen sie in der Schweiz endgültig vernichtet worden sein. Mit den Auswirkungen der Gaswolke muss die Z Bevölkerung bis heute leben.

DER VINSCHGER 03/20

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