Frühling in Glurns

Page 24

VINSCHGER GESELLSCHAFT

Plädoyer für die Koppelweide Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Almen aus. „Rechtzeitiger Auftrieb, gelenkte Weideführung und Anpassung der Tierzahlen.“ BURGEIS - Der Klimawandel macht auch vor den Almen nicht Halt. „Um die Weideflächen zu erhalten, sind Anpassungen in der Almbewirtschaftung unerlässlich und dazu gehört auch die Vorverlegung der Termine für den Viehauftrieb“, gab sich Siegfried Steinberger von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft am 18. März in der Fachschule für Land- und Forstwirtschaft Fürstenburg in Burgeis überzeugt. Steinberger war der Hauptreferent der Almwirtschaftstagung, zu der Markus Joos vom Bezirksamt für Landwirtschaft West im Namen der Genossenschaft für Weiterbildung und Regionalentwicklung, der Fachschule Fürstenburg, des Bezirksamtes für Landwirtschaft und der Arbeitsgemeinschaft Vinschger Milchviehalmen viele Alpobleute, Alpverantwortliche und Alminteressierte begrüßen konnte. „Die Winter werden zunehmend kürzer und die Vegetation setzt früher ein“, sagte Steinberger. Zumal das Vieh seit jeher frisches und junges Gras bevorzugt, „ist es notwendig, die Auftriebszeiten vorzulegen.“ Vom Festhalten an bestimmten Traditionen nach dem Muster „Das haben wir immer schon so gemacht“ sei Abschied zu nehmen. Das Problem sei, dass der Futterzuwachs den Futterverbrauch übersteigt. Dort, wo das Gras nicht zur rechten Zeit sauber abgefressen wird, breiten sich der Bürstling, Sträucher und Jungbäume aus. „Die Wildnis holt sich die Weideflächen zurück“,

Siegfried Steinberger

24 DER VINSCHGER 06/23

men.“ Das „magische Dreieck der Almbewirtschaftung brachte der Experte so auf den Punkt: „Rechtzeitiger Auftrieb, gelenkte Weideführung und Anpassung der Tierzahlen.“ Überzeugt ist er außerdem, dass die Artenvielfalt bei einer Koppelweide zunimmt. Über seine Erfahrungen mit der Koppelweide auf der Laatscher Alm berichtete Elmar Frank. Der 38-Jährige ist seit 3 Jahren Hirte Zur Almwirtschaftstagung hatten sich viele Alpobleute, auf der Laatscher Alm. Seine Frau Bernadette Gostner ist dort Alpverantwortliche und Alminteressierte eingefunden. seit 4 Jahren Sennerin. Seine Ideen und Ziele fasste Elmar Frank - er ist übriges gelernter Koch - so zusammen: früheres Auftreiben, Reduzierung von Heu (Zufütterung), gezielte Kraftfutterzugabe und späterer Abtrieb. „Wir wollen nicht Kraftfutterkäse erzeugen, sondern Alpkäse“, so Frank. Als Vorteile der Koppelweide - die Weideflächen sind in 5 Koppeln aufgeteilt - nannte der Hirte einen dichteren Graswuchs, mehr Frischgras, einen Sie bereiteten das Vinschger Alpkäse-Buffet vor (v.l.): der Almberater Bertram Stecher (Sennereiverband) sowie die Fachlehrpersonen Elisabeth Haid geringen Weideverlust, eine und Christian Peer. optimale Beweidung, einen intensiven Weidedruck und ein warnte der Referent. Von einer im Frühjahr zum Futtermangel schnelles Zusammentreiben der künstlichen Vergrößerung von im Herbst führt. Steinberger: Tiere: „In 20 Minuten sind die Weideflächen hält Steinberger „Wenn es nicht gelingt, den ers- Kühe im Stall und zwar ohne wenig. Wohl aber plädierte er ten Aufwuchs gut abzuweiden, Hirtenhund.“ Aber es gibt auch für die Einführung der Koppel- schaffen wir es nicht mehr, den Nachteile: großer Zeitaufwand wirtschaft: „Damit wird erreicht, Futterzuwachs mit dem Futter- für das Zäunen und weitere Wege dass das Gras von Koppel zu verbrauch auszugleichen.“ Der bis zu den Koppeln. Außerdem Koppel sauber abgefressen wird. Referent sprach sich auch klar seien die Kühe die Zäune nicht Geschieht das nicht, degeneriert für eine starke Viehbestoßung gewöhnt. Wichtig sei es, die Weidas Gras. Kein Rind frisst braune auf den Almen aus: „Eine Be- den immer von unten nach oben Stängel.“ Wenn zu spät aufge- grenzung des Tierbesatzes, wie zu bestoßen. Kälber sollten nicht trieben wird und das Vieh nicht zum Beispiel auf zwei Großvieh- vom Stall direkt auf die Alm komin Koppeln weidet, kommt es einheiten pro Hektar, fördert men, sondern vorher das Weiden dazu, dass der Futterüberschuss das langsame Sterben der Al- lernen. „Was Kälbchen nicht lernt, lernt Kuh nimmermehr“, hatte Steinberger zu diesem Thema festgehalten. Was Elmar Frank viel größere Sorgen bereitet als der Klimawandel oder die Koppelweide sind die Großraubtiere Wolf und Bär. Abgeschlossen hat Markus Joos die Almwirtschaftstagung mit Informationen und Neuigkeiten in Bezug auf die anstehende EU-Förderprogrammperiode. SEPP Elmar Frank Markus Joos


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Issuu converts static files into: digital portfolios, online yearbooks, online catalogs, digital photo albums and more. Sign up and create your flipbook.
Frühling in Glurns by piloly.com GmbH - Issuu