VINSCHGER GESELLSCHAFT
Sepp Kofler: ein politischer Landschaftspfleger Ein Latscher Polit-Urgestein verabschiedet sich. LATSCH - Es war die späte Weihnachtsüberraschung in der Ratssitzung vom 27. Dezember 2022: Sepp Kofler gab seinen Rücktritt bekannt. Ältere Gemeinderäte schienen regelrecht irritiert. Selbst Bürgermeister Mauro Dalla Barba erklärte sich für sprachlos. „Es ist Jahresende und es ist die Gelegenheit, sich vom Gemeinderat zu verabschieden und zurückzutreten“, erklärte Kofler. Das sei listenintern so festgelegt worden. Er bedankte sich bei allen und bat jene, die er beleidigt habe, um Entschuldigung. Er bedankte sich auch bei den Medien – „besonders bei den früheren wie der „Neuen Latscher Zeitung“ oder dem „Vinschger“ meinte er. Sie seien kritisch gewesen, aber sie hätten auch andere Meinungen zugelassen. Inzwischen hatte sich Bürgermeister Dalla Barba wieder gefasst und dankte seinerseits dem „unermüdlichen Oppositionellen“. Herzlich applaudierend verabschiedete sich der gesamte Gemeinderat von einem „politischen Landschaftspfleger“.
Seit 1990 Spuren hinterlassen Mit Sepp Kofler, 64, - er bezeichnet sich als sozialer Mensch - geht eine Persönlichkeit von Bord, die seit den Gemeinderatswahlen 1990 ihre Spuren hinterlassen hat. Seine gemeindepolitische Karriere begann Kofler, dessen Vorfahren aus Matsch stammen, als SVP-Arbeitnehmer unter Bürgermeister Richard Patscheider. „Ich wurde von der SVP gelottert und dann auch in den Bezirkssozialausschuss gewählt.“ Besonders „getaugt“ habe es ihm aber nicht, so dass er 1995 gar nicht mehr kandidierte. Bis 2005 war er Mitglied der Fraktionsverwaltung Latsch und stand mitten in den Auseinandersetzungen zwischen Bürgermeister Markus Pircher und Fraktionsvorsteher Hias Oberhofer auf der einen und Hockey-Chef Reinhard Pedross auf der anderen Seite. Dieser „Kampf ums Eisstadion“ war auch die Motivation, für die Wahlen von 2005 eine „Bürgerliste“ zu mobilisieren. Mit 34,9 % der Stim-
Mit sich im Reinen: Sepp Kofler in seiner letzten Gemeinderatssitzung am 27. Dezember 2022.
men gelang es der Liste, 7 Vertreter in den Gemeinderat zu entsenden. „Im Laufe der Legislatur stand ich plötzlich allein als Bürgerlistler da“, erzählte er. Alle Mitstreiter hätte die SVP inzwischen entweder wieder eingereiht oder „geschluckt“. Träume „in blau“ Es begann die BürgermeisterÄra Karl Weiss und Sepp Kofler hatte angefangen „in Blau“ zu
träumen. „Ich will der erste freiheitliche Bürgermeister Südtirols werden“, wurde er am 28. April 2010 in einer Zeitung zitiert. Zu dritt saßen die „Blauen“ aus Latsch im Rat. Sepp Kofler wurde zum Berater und Lieblingsoppositionellen von Bürgermeister Weiss. Auch dessen Nachfolger Helmut Fischer schätzte an Kofler die scharfen Wortmeldungen und die unterschiedlichen Sichtweisen. Mit den Gemeinderatswahlen im September 2020 hatte Sepp Kofler, inzwischen ein erfolgreicher Unternehmer, wieder eine Bürgerliste unter der Bezeichnung „Mitanond-Insieme“ ins Leben gerufen. Wieder zog er zu dritt in den Rat ein und erlebte mit Mauro Dalla Barba den 5. Latscher Bürgermeister. Zum Abschied zeigte er sich in seiner allerletzten Wortmeldung sehr besorgt über die „Schließung einer Abteilung im Krankenhaus von Schlanders und über die dortigen Zustände“. GÜNTHER SCHÖPF
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Vinschger Tischler erobern Leipzig: Diplomübergabe auf der Denkmalmesse in Leipzig LAAS/PRAD - Zwei Vinschger
Tischlermeister, Josef Moser aus Laas und Thomas Zischg aus Prad, erhielten auf der letzten Denkmalmesse in Leipzig das Diplom für Restauratoren im Handwerk. Die bedeutende Auszeichnung wurde ihnen von Dipl.-Ing. Gerwin Stein, Leiter der Beratungsstelle für Handwerk und Denkmalpflege aus der Propstei Johannesberg Fulda überreicht. Moser hat bereits im Jahre 2011 eine Ausbildung in der Propstei Johannesberg in Fulda als zertifizierter Fensterrestaurator als erster Südtiroler Tischler erfolgreich absolviert. Zischg hat sich auch im Vergolden und Maserieren 22
DER VINSCHGER 01/23
Im Bild (v.l.): Josef Moser, Dipl.-Ing. Gerwin Stein und Thomas Zischg
von alten Möbeln über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Das Maserieren ist eine alte Maltechnik, bei der die Struktur von Holz täuschend echt nachgeahmt wird und die nur sehr
wenige beherrschen. Damit die Tischler-Meister ihre Zertifizierung als Restaurator im Handwerk erhalten, müssen sie in der Abschlussprüfung eine minutiöse Projektarbeit über eine spezifische
Möbel- oder Bauteilrestaurierung vorlegen und die Vorgehensweise begründen und verteidigen. Moser hat dies mit „der Restaurierung des Burgtores aus der Spätgotik auf der Churburg in Schluderns“ überzeugend getan. Zischg hingegen konnte mit der akribischen Bearbeitung eines historischen Schrankes überzeugen. Zischg wird sich in Zukunft weiterhin mit der Restaurierung von Möbeln und Inneneirichtung befassen. Für Josef Moser und sein Team liegt der Schwerpunkt, nach wie vor auf der Renovierung bzw Restaurierung von Fenster und Türen.