VINSCHGER GESELLSCHAFT
NEIN zu Gewalt an Frauen SCHLANDERS - Auch anlässlich des heurigen internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, der am 25. November begangen wurde, hat der Chancenbeirat der Gemeinde Schlanders, dem alle Frauen im Gemeinderat angehören, mehrere Zeichen gesetzt, um auf das nach wie vor stark verbreitete Phänomen der Gewalt an Frauen hinzuweisen. Im Foyer des Rathauses, im Kulturhaus und im Eingangsbereich der Bibliothek wurden rote Stühle aufgestellt. Mit der Aktion „Posto occupato“, übersetzt „Besetzter Platz“, wird anhand roter Stühle mit weiblichen Accessoires auf die Leere hingewiesen, die jede Frau in der Gesellschaft hinterlässt, die Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt wird. Die Stühle bleiben bis zum 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte, stehen. Wie stark Gewalt an Frauen auch in Südtirol grassiert, zeigt ein Blick auf die Daten der Beratungsstelle für Frauen in Gewaltsituationen, die das Landesinstitut für Statistik am 24. November veröffentlicht hat. Demnach wurden im Vorjahr 586 Frauen in den Beratungsstellen für Frauen in Gewaltsituationen betreut. In 84% der Fälle war der Partner
Der vollzählige Gemeindeausschuss von Schlanders hinter dem roten Stuhl im Foyer des Rathauses (v.l.): Dunja Tassiello, Maria Pilser, Thomas Oberegelsbacher, Manuel Trojer, Christine Kaaserer, Monika Wielander und Dieter Pinggera.
oder Ex-Partner der Gewalttäter. Im Vergleich zu 2020 mussten im Vorjahr 44% mehr Frauen in geschützten Einrichtungen betreut werden. Gewalt gegen Frauen wird auf unterschiedliche Weise ausgeübt und ist häufig mit verschiedenen Formen von Gewalt verbunden. Auch 2021 ist die psychische Gewalt die von den meisten Frauen erlittene Form von Gewalt (85%), gefolgt von der körperlichen (67%). Eine relativ hohe Anzahl an Frauen erleidet laut ASTAT ökonomische Gewalt (31%). Von sexueller Ge-
Einer der kleinen roten Stühle im Schaufenster eines Geschäftes.
walt und Stalking sind 24% bzw. 9% der Frauen betroffen. Monika Wielander, die Vorsitzende des Chancenbeirates Schlanders, ist überzeugt, dass die Dunkelziffern die offiziellen Zahlen und Daten weit übertreffen: „Viele Frauen, die Opfer unterschiedlicher Formen von Gewalt sind, schämen sich und finden aus verschiedenen Gründen nicht den Mut, Hilfe zu suchen, um sich von der Spirale der Gewalt zu befreien.“ Zusätzlich zu den genannten 3 roten Stühlen wei-
sen heuer auch 9 kleine rote Stühle in Schaufenstern von Geschäften in Schlanders darauf hin, dass jegliche Form von Gewalt an Frauen abzulehnen ist. Der Chancenbeirat bemüht sich das ganze Jahr über, im gesamten Gemeindegebiet Aufklärungsarbeit zu leisten und die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren, zum Beispiel mit dem Aushängen oder Verteilen von Flyern mit nützlichen Infos SEPP und Kontaktadressen.
Kalender-Projekt für Hilfe in Afghanistan VINSCHGAU - Kürzlich ist der Jahreskalender 2023 der Südtiroler Ärzte für die Welt erschienen. Wie seit vielen Jahren Tradition, bietet dieser Kalender einerseits die Möglichkeit, den Verein und seine Projekte vorzustellen und andererseits aber auch Spenden für ein bestimmtes Projekt zu sammeln. Dieses Jahr ist der Erlös für die Afghanistanhilfe bestimmt. Die Not ist dort sehr groß, vor allem alleinstehende Frauen und Kinder leiden unter Hunger und Armut. Der Kalender ist in allen Weltläden in Südtirol erhältlich sowie im Büro der Südtiroler Ärzte für die Welt (Bozen, Maretschgasse 3, von 9 bis 12 Uhr). Die Südtiroler Ärzte für die Welt sind ein Zusammenschluss von Ärzten, Krankenpflegern und freiwilli-
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gen Helfern, deren Ziel es ist, Menschen in Notstandsund Armutsgebieten zu helfen. Der Verein wurde 2001 gegründet. Einsatzgebiete sind Afrika, Amerika, Asien und Europa. Vereinspräsident ist Toni Pizzecco, Gemeindearzt in Latsch. Seit dem August 2021 wird Afghanistan von den Taliban beherrscht und regiert. Alle christlichen Hilfsorganisationen wurden des Landes verwiesen, auch der „JRS Jesuiten Flüchtlingsdienst“, der langjährige Projektpartner der Südtiroler Ärzte für die Welt in Afghanistan. Die Situation im Land ist unsagbar schrecklich. Zum Terror, der Gewalt, der grausamen Unterdrückung der Frauen, zur Korruption und zu
Zusammenarbeit mit der Organisation WeWorldGVC wurde ein neuer Weg gefunden. Seit 2002 ist diese Organisation in Afghanistan tätig und von der Taliban-Regierung anerkannt. Der Verein Südtiroler Ärzte für die Welt unterstützt seit Juli 2022 ein von WeWorldGVC in Herat begonnenes verheerenden Naturkatastrophen Notstands-Programm für alleinkommen noch wehrlose Witwen, stehende Frauen, deren Kinder Hunger und Durst, die begin- und ältere Familienangehörige. nende Winterkälte, Krankheiten Seit Juli 2022 ist es dem „Jesuiten und vieles mehr dazu. Den Süd- Flüchtlingsdienst JRS“ wieder tiroler Ärzten für die Welt und erlaubt, in den Flüchtlingslagern vielen Gönnern ist es ein Anlie- für Binnenvertriebene rund um gen, besonders hilfsbedürftigen Kabul den Menschen mit NahMenschen in Afghanistan auch rungsmitteln, Unterricht und weiterhin zu helfen. Durch die medizinisch zu helfen. RED
Afghanistan
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