Hoffen auf Normalität

Page 18

VINSCHGER GESELLSCHAFT

Alle mitnehmen Nachhaltigkeits-Tour des Landes macht Station in Schlanders. LH Kompatscher: „Wir werden vieles neu und anders machen und einiges auch lassen müssen.“ SCHLANDERS - „Wir gestalten Zukunft. Gemeinsam“: So lautete nicht nur das Motto der Informationsveranstaltung zur Nachhaltigkeitsstrategie der Landesregierung, die am 17. März im Kulturhaus in Schlanders stattfand, sondern das war auch die Kernbotschaft von Landeshauptmann Arno Kompatscher. Willkommen geheißen wurde er vom Schlanderser Bürgermeister und Bezirkspräsidenten Dieter Pinggera, der sich auch darüber freute, dass der große Saal fast voll besetzt war. Die Klimakrise, der Schutz der Biodiversität und der sparsame Umgang mit den Ressourcen sind laut Kompatscher drei große Herausforderungen, „die wir nur bewältigen können, wenn wir alle mitnehmen und die Gestaltung der Zukunft gemeinsam in die Hand nehmen.“ In Bezug auf die Klimakrise sei das Land zurzeit dabei, den Klimaplan zu überarbeiten. Den Entwurf dazu habe die Landesregierung vorerst nur zur Kenntnis genommen. Nun liege es an einer unabhängigen Expertenkommission, die 2.865 eingegangenen Änderungsvorschläge und Stellungnahmen zu bewerten und der Landesregierung sodann einen Gesamtvorschlag für die Genehmigung zu unterbreiten. Fest stehe, „dass wir früher klimaneutral werden müssen und wollen als 2050“, sagte Kompatscher.

Naturnahe Landwirtschaft In Sachen Biodiversität liege einer der Schwerpunkte der Nachhaltigkeitsstrategie in einer möglichst naturnahen Landwirtschaft. Die im Strategiepapier „Landwirtschaft 2030“ festgeschriebenen Ziele sehen eine schrittweise Umgestaltung der Landwirtschaft im Sinne der Nachhaltig vor. Beim Umgang mit den Ressourcen stehe der Grundsatz der Neutralität im Mittelpunkt. Im Vorjahr wurde das weltweite Ressourcen-Budget bis zum 29. Juli aufgebraucht. Die Menschheit hatte bis zu diesem 18

DER VINSCHGER 06/22

LH Arno Kompatscher stellte Südtirols Weg in die Nachhaltigkeit vor.

Datum so viel verbraucht, wie die Erde im ganzen Jahr erneuern kann. „Und den Rest des Jahres lebten wir auf Kosten der zukünftigen Generationen“, so Kompatscher. Das Schlüsselwort beim Thema Ressourcen sei die Kreislaufwirtschaft, die im Vinschgau kein Fremdwort sei. Der Grundsatz der Kreislaufwirtschaft hat auch Eingang in die Regierungsprogramme der EU-Staaten und der EU-Kommission gefunden.

den Kern der Nachhaltigkeitsstrategie der Landesregierung. Die 7 wichtigsten Handlungsfelder auf dem „Weg des Landes in die Nachhaltigkeit“ sind: Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemission; Wettbewerbsfähigkeit einer Wirtschaft im Kreislaufdenken; soziale Absicherung und Chancengerechtigkeit; Erhaltung des Naturraumes und der Artenvielfalt; Veränderung von Konsumverhalten, Produktion und Bewusstsein; Transparenz und Gerechtigkeit; hochwertige öfMehr als „nur“ Ökologie fentliche Dienste. Nicht nur die Mehrfach unterstrichen hat Politik und die Wirtschaft sind laut Kompatscher, dass es bei der Kompatscher gefordert, „sondern Nachhaltigkeitsstrategie neben die gesamte Bevölkerung muss an der Ökologie noch um viele wei- dieser nachhaltigen Entwicklung tere Bereiche geht, wie etwa um mitwirken.“ Nachhaltigkeit heiße die soziale und wirtschaftliche auch, die Zusammenhänge auf der Nachhaltigkeit. Er verwies darauf, Welt und die Verbundenheit der dass es den meisten Südtirolern gesamten Menschheit zu sehen. zwar relativ gut geht, „aber es gibt auch bei uns die relative Armut Nicht von oben herab und die absolute Armut.“ Die 17 Dass die Landesregierung die politischen Ziele, wie sie die Vereinten Nationen für die weltwei- Nachhaltigkeitsstrategie nicht von te Sicherung einer nachhaltigen oben herab aufzwingen möchte, Entwicklung auf wirtschaftlicher, sondern diesen Weg gemeinsam sozialer sowie ökologischer Ebe- mit der Bevölkerung gehen will ne formuliert haben, bilden auch und muss, zeigte sich auch beim

Abend in Schlanders. So wurde das Publikum, unter dem sich viele Gemeindeverwalter aus dem ganzen Tal befanden, zu einer mobilen Abstimmung eingeladen. Der aus Wien zugeschaltete Präsident von Eurac Research, Roland Psenner, hatte zuvor die Arbeitsergebnisse eines Eurac-Forschungsteams vorgestellt. Das Team hatte 4 „Zukunftsszenarien für ein nachhaltiges Südtirol 2030+“ überprüft und bewertet. Das Ergebnis: Mit keinem der 4 Szenarien können alle Ziele erreicht werden. Bei der mobilen Abstimmung über die Szenarien sprach sich das Publikum deutlich für eine ressourcenschonende Gesellschaft mit Zusammenhalt, Zusammenarbeit, Gemeinwohl sowie mit sprachlicher und kultureller Vielfalt aus. Fragen zu Verkehr, Wasser und mehr Viele der rund 70 digital gestellten Fragen betrafen die Themen Verkehr, Wasser und Landwirtschaft. In punkto Verkehr verwies Kompatscher auf drei Prinzipen: Vermeiden, Verlagern, Verbessern. Von den Verzögerungen bei der


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Issuu converts static files into: digital portfolios, online yearbooks, online catalogs, digital photo albums and more. Sign up and create your flipbook.
Hoffen auf Normalität by piloly.com GmbH - Issuu