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VINSCHGER GESELLSCHAFT

„Nicht am Äst sägen, auf dem man sitzt“ SCHLANDERS - Bei der Sitzung des Rates der Bezirksgemeinschaft Vinschgau am 28. Dezember brachte Bezirkspräsident Dieter Pinggera das Tourismusentwicklungskonzept des Landes zur Sprache. Er verwies auf die massive Kritik, die der Rat der Gemeinden zum Konzept geäußert hatte. „Ein bestimmtes Entwicklungspotential muss den Klein- und Mittelbetrieben zugestanden werden,“ so Pinggera. „Betriebe mit einer Bettanzahl von bis zu 35 sollte es ermöglicht werden, auf 50 bis 55 Betten zu erweitern“, präzisierte Gustav Tappeiner, seines Zeichens auch Mitglied des Rates der Gemeinden. Diesem und anderen Wünschen der Gemeinden kam die Landesregierung, die das Konzept am 28. Dezember genehmigte, allerdings nicht nach. Angenommen wurde der Antrag, die Gemeinden nicht nur in zwei Kategorien einzuteilen, sprich touristisch stark oder schwach entwickelt, sondern eine dritte Kategorie einzuführen. Wäre es bei zwei Kategorien geblieben, wäre z.B. Martell in dieselbe Kategorie gefallen wie Schenna oder Dorf Tirol, „und das kann es wirklich nicht sein“, wie es bei der Bezirksratssitzung mehrfach hieß. Etliche Bürgermeister forderten, dass ein bestimmtes Maß an Entwicklungsmöglichkeiten auch in Zukunft zu garantieren sei, speziell im Vinschgau, wo der Tourismus in einigen Gemeinden der mit Abstand wichtigste Wirtschaftsfaktor sei. „Wir dürfen nicht am Ast sägen, auf dem wir sitzen“, fasste Pinggera seine Ansicht zusammen. An bereits genehmigten Betten und ausgewiesenen Tourismuszonen soll nicht mehr gerüttelt werden. Aufrecht bleiben Entwicklungs-

Das Tourismusentwicklungskonzept des Landes stieß bei der letzten Sitzung des Bezirksrates im Jahr 2021 auf teils harsche Kritik.

möglichkeiten für bäuerliche Betriebe mit Urlaub auf dem Bauernhof, wobei allerdings bestimmte Auflagen zu erfüllen sind. Das Landestourismuskonzept dürfte weiterhin für Diskussionen sorgen. Die Gemeinden des Vinschgaus haben bereits vor einiger Zeit vereinbart, ein Tourismuskonzept für das ganze Tal erarbeiten zu lassen, auch im Hinblick auf die Erstellung der Gemeindeentwicklungspläne. Roselinde Gunsch gab zu bedenken, „dass bei den Betten irgendwo Stopp sein muss, Mittelbetrieb hin oder her.“ Werde keine Grenze gezogen, „werden wir hier die gleiche Entwicklung haben, wie wir sie leider beim neuen Raumordnungsgesetz hatten, also eine Anlassgesetzgebung, die nahtlos weitergeht.“

gemeindlichen Ortspolizeidienstes steht, sagte Dieter Pinggera, dass Christian Carli ein fundiertes Konzept erarbeitet hat, „das im Großen und Ganzen auf breite Zustimmung bei den Gemeindeverwaltungen stößt.“ Die Umsetzung koste allerdings Geld, „und darüber befinden wir uns derzeit in der Diskussionsphase.“ Es werde u.a. an einem Aufteilungsschlüssel gearbeitet. Das Konzept werde zu gegebener Zeit allen Gemeinderäten sowie auch dem Bezirksrat zur Beschlussfassung unterbreitet. Einhelliges Ja zum Haushalt

Einstimmig verabschiedet hat der Bezirksrat den Haushaltsvoranschlag sowie das Arbeitsprogramm der Bezirksgemeinschaft. Das neue Radwegteilstück Holzbrugg-Göflan soll ab dem Wie geht es mit Ortspolizei-Konzept weiter? Frühjahr 2022 befahrbar sein. Für das Teilstück von Göflan Zur Frage von Peter Raffeiner, bis zum Tafratzer Graben ist die wie es um das Konzept des über- Bauleitplanänderung im Laufen.

Die neuen Radwegabschnitte werden asphaltiert. Ein weiteres Vorhaben, das mit dem Bau der neuen Abschnitte nichts zu tun hat, sieht vor, einige steilere Passagen des Radweges zwischen Laas und Göflan zu asphaltieren. Außerdem soll entlang bestimmter Strecken die Schotterschicht neu aufgebaut werden. Im Bau ist die Radaufstiegsspur Prad-Stilfser Brücke, die dann bis Gomagoi weitergeführt wird. Erhebliche Geldmittel sind im Bereich der Abwasserwirtschafft und Kläranlagen vorgesehen. So soll etwa die Kläranlage in Schnals mit Gesamtausgaben von ca. 2,570 Mio. Euro angepasst und erweitert werden. Im Hinblick auf den Bau des Abwasserhauptsammlers von Sulden nach Gomagoi wird auch die Kläranlage Prader Sand erweitert.7 Den größten Ausgabenposten im laufenden Teil des Haushaltes nehmen mit ca. 13,4 Mio. Euro die Sozialdienste ein. SEPP

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