„Planen, nicht nur schwatzen“

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Viele Gefahren, eine neue Halle und mehr STABEN/TABLAND - Bei den einen ging es heiß her, bei den anderen herrschte generell Zufriedenheit und Harmonie. Gleich zwei Bürgerversammlungen an zwei Tagen hatte der Naturnser Gemeindeausschuss um Bürgermeister Zeno Christanell veranstaltet. Jeweils waren alle Referenten und Referentinnen vertreten. „Das war uns wichtig und ist ein Zeichen der Wertschätzung“, betonte der Bürgermeister bereits bei der ersten Versammlung am 11. November in der Stabener Turnhalle. In erster Linie ging es in Staben um den neuen Gefahrenzonenplan. Dieser sorgte für Diskussionen. Zur Erinnerung: Sämtliche Gemeinden müssen in Südtirol einen solchen Plan erstellen. Hierzulande sind Bauflächen nämlich sehr begrenzt und oft von Überschwemmungen, Massenbewegungen und Lawinen bedroht. „Damit zu einer Reduzierung des hydrogeologischen Risikos beigetragen wird, müssen bei der Raumplanung und Bautätigkeit diese natürlichen Phänomene berücksichtigt werden“, heißt es seitens des Landes. Auf Grundlage dieses Prinzips sieht Südtirol bereits seit dem Jahr 2007 die Erstellung von Gefahrenzonenplänen (GZP) auf Gemeindeebene vor. In vielen Gemeinden sind die Pläne bereits Realität und gültig, in anderen noch in der Ausarbeitungsphase.

Bürgerversammlung in Staben

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DER VINSCHGER 39-40/21

Foto: Rendering/Architekturbüro Gerstgrasser

Bürgerversammlungen in Staben und Tabland sorgen für Diskussionen.

So soll die neue Halle in Tabland aussehen.

Für die Fraktion Staben hatte die Gemeinde Naturns bereits 2020 einen solchen Gefahrenplan auf den Weg gebracht. Hier sei es jedoch zu „zu vielen“ Hochrisikogebieten gekommen. So sei ein Großteil Stabens zur roten Zone (sehr hohe Gefahr) geworden. Hier sind neue Bauvorhaben quasi unmöglich.

so wie sie sind. „Das Argument, dass man sich jetzt in einer Gefahrenzone befindet, aber noch nie was passiert sei, dies kann man nicht gelten lassen. Man muss in die Zukunft schauen“, betonte auch Geologin Christa Ungericht. Es gehe darum, die Bürger und Bürgerinnen zu schützen. Die Gemeinde wolle einiges investieren und neue Schutzmaßnahmen treffen, um einige Zonen und somit die dortigen Häuser in der roten Zone, „blau“ zu machen bzw. auch blaue Zonen weiter herabzustufen. Hierbei sollen neue Steinschlagschutzzäune entstehen und bestehende Schutznetze verstärkt werden. Nach den Schutzmaßnahmen der Gemeinde würden sich keine Häuser mehr in einer roten Zone befinden, sondern die Farben blau und gelb dominieren. Die Errichtung der Schutzmaßnahmen soll in drei Baulosen geschehen, die Kosten dazu belaufen sich auf rund 1,6 Millionen Euro ohne Mehrwertsteuer. Begonnen werden solle da, wo es am nötigsten ist.

entworfen hatten, stellten diesen im Detail vor. Gefahr gehe vor allem durch Steinschlag am Sonnenberg aus. Nach wie vor befinden sich mehrere Häuser in der roten Zone, und große Teile des Ortes in der blauen Zone. Auch in blauen Zonen (hohe Gefahr) gelte es Vorkehrungen bei Bauvorhaben zu treffen, wie zusätzliche Schutzmauern oder Betonwände, die dann meist auch Viele Gefahrenzonen von Privaten finanziert werden Daraufhin habe die Gemein- müssen. Lediglich in einer gelben deverwaltung beschlossen, eine Zone (mittlere Gefahr) sei so gut Detailstudie in Auftrag zu geben. wie alles möglich, bzw. in einer Durchgeführt wurde diese vom grauen Zone (keine Gefahr) könBüro für angewandte Geologie ne man größtenteils „frei“ bauen, und Umwelt Messner Konrad. was Schutzmaßnahmen und der„Dabei konnten einige Zonen gleichen betrifft. Freude über neue Feuerwehrhalle herabgestuft werden“, erklärte Christanell. Die Geologen Kon- „Sicherheit auf lange Zeit“ rad Messner, Christa Ungericht Während in Staben teils heftig und Simone Lazzarini, die nach „Der Plan ist da, um Sicherheit diskutiert wurde und sich einige zahlreichen Lokalaugenschei- auf lange Zeit zu gewährleisten“, Bürger nicht sofort mit dem Genen und intensiven Prüfungen stellte Messner klar. In Staben fahrenplan - der aber freilich den neuen Gefahrenzonenplan seien die Bedingungen nun mal so oder so nötig ist - abfinden

Auch in Tabland waren viele Personen vor Ort.


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