Vinschger Safran

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Letzte Ernte

Zweifaches Gedenken Seestauung und Busunglück vor 71 bzw. 70 Jahren bleiben unvergessen. GRAUN/RESCHEN - Das gesamte Dorf Graun und ca. 80% des Dorfes Reschen versanken bei der ersten vollständigen Seestauung vor 71 Jahren im Wasser. Rund 70% der Bevölkerung wanderten ab oder aus, 163 Häuser und Städel wurden gesprengt, über 500 Hektar schönster Kulturfläche wurden vernichtet. An das tragische Kapitel der Seestauung und auch an das Busunglück, bei dem vor 70 Jahren 22 Menschen im Stausee ertranken, wurde am vergangenen Wochenende in Graun erinnert. „Mit dem Stausee haben wir auch heute noch große Probleme“, sagte Bürgermeister Franz Prieth bei der gut besuchten Gedenkveranstaltung am 23. Oktober im Vereinshaus in Graun. Er erinnerte u.a. an die Wasseraustritte in St. Valentin: „Die Hoader mussten heuer monatelang in Angst leben und viele Belastungen ertragen.“ Auch für die Gemeinde kam es zu großen Belastungen, man denke nur an das Kanalisierungsnetz bis hinunter nach Glurns.

Immer, wenn er dieses Bild zeigt, verzichtet Ludwig Schöpf auf jeglichen Kommentar.

einen Dorfteil von St. Valentin unterquert, Kunststoffrohre eingeführt (siehe Bericht auf den Seiten 14 und 15). Der Pegel wurde abgesenkt. Am 22. Oktober erreichte er einen Tiefstand von 1.478,05 Metern über dem Meer. „Gestern wurde die Hauptschleuse geschlossen. Nach der Der Pegel steigt wieder an Entleerung des Stollens kann mit der Inspektion begonnen werden. Seit heute steigt Um das Problem an der Wurzel zu pa- der Pegel wieder“, informierte der Bürgercken, werden in den Druckstollen, der meister. Im Publikum saßen auch einige

Franz Prieth, Andrea Maas, Wolfgang Thöni und Valentin Paulmichl.

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DER VINSCHGER 35-36/21

Die Gedenkveranstaltung im Vereinshaus war gut besucht.

Der Unglücksbus wird aus dem Wasser gezogen.

Zeitzeugen, die noch gut in Erinnerung haben, wie schön ihre Heimat vor über 70 Jahren war, als es zusätzlich zum Haidersee auch noch den natürlichen Reschensee und den Mittersee (auch Grauner See genannt) gab. Die für Kultur, Schule und Bildung zuständige Gemeindereferentin Andrea Maas sagte, dass die Seestauung für viele Menschen das Schlimmste war, was sie in ihrem Leben erlebt haben. Es sei gut, an dieses dunkle Kapitel zu erinnern und die Geschichte aufzuarbeiten, auch für die jüngere Generation: „Der Stausee ist da, wir müssen mit ihm leben.“ Einen besonderen Dank zollte Andrea Maas allen, die bei der Organisation der zwei Gedenktage beitragen haben, speziell dem Bildungsausschuss mit Wolfang Thöni, dem Museumsverein Graun mit Valentin Paulmichl, dem ehemaligen Lehrer Ludwig Schöpf sowie dem Pfarrgemeinderat von Graun. Beim Abend im Vereinshaus zeigte Ludwig Schöpf, der sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte


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