Mit Kobis und Vieh übers Joch

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Wechsel an der Spitze Bezirkstag der Vinschger Schützen. KORTSCH - Am 15. Mai trafen sich die Vinschger Schützenkompanien zu ihrem Bezirkstag in Kortsch. Eröffnet wurde der Tag mit einem Gottesdienst, den Dekan Mathew Kozhuppakalam (MSFS) in der Pfarrkirche zelebrierte. Der Dekan zeigte sich in seiner Einführung von den Schützen beeindruckt, und zwar nicht wegen der Tracht oder den Waffen, sondern wegen der Werte, die sie vertreten. Den Schützen seien der Erhalt und die Weitergabe des Väterglaubens ein großes Anliegen. Der katholische Glaube habe die Kultur und die Gesellschaft in Europa schon immer geprägt. „Haltet an eurem Glauben fest und lebt ihn“, sagte der Dekan. Die Berichte der Bataillonskommandanten und Referenten bei der anschließenden Versammlung im Haus der Dorfgemeinschaft fielen pandemiebedingt eher kurz aus. Alle Redner zeigten sich optimistisch und wünschten sich, dass 2021 ein besseres Jahr werden möge, das man mit Tatendrang angehen wolle. Besonders aufmerksam verfolgt haben die Hauptmänner den Tätigkeitsbericht und die Vorstellung des Zukunftskonzepts der Arbeitsgemeinschaft „ARGE iatz!“ Die Vergabe des begehrten Titels „Kompanie des Jahres“, der

Die neue Bezirksleitung (v.l.): Kunigunde Wielander, Siegfried Renner, Dietmar Pixner, Joachim Frank, Daniel Moriggl, Gottfried Lechthaler, Hansjörg Eberhöfer, Markus Kofler, Peter Raffeiner, Andreas Thoma, Tobias Wiesler und Esther Tappeiner

im Vinschgau normalerweise jedes Jahr verliehen wird, wurde für ein Jahr ausgesetzt. Den entsprechenden Wimpel trägt bis dahin Bezirksfahne. Dies sollen die Kompanien als Ansporn und Motivation sehen. Vor den Neuwahlen trat Bezirksmajor Arno Rainer ein letztes Mal ans Rednerpult und hielt - wie bisher immer - eine Rede, die den Puls der Zeit gut traf. Er zog Parallelen der derzeitigen Krise zur Situation der Südtiroler. Sowohl zu Südtirol als auch zur Pandemie heiße es: So schlimm wird’s schon nicht werden. „Die Krise lehrt uns, dass wir als Minderheit vorbereitet sein sollen. Wir sollen unsere Ideen unter das Volk bringen und wir sollen die Menschen überzeugen, rechtzeitig den Weg der Freiheit einzuschlagen. Damit wir uns hinterher

nicht fragen müssen, warum wir geschlafen haben. Damit unsere Kinder nicht fragen, warum wir nichts getan haben. Damit uns immer ein Licht am Ende des Tunnels bleibt“, sagte Rainer. Bei den Wahlen stellte er sich nicht mehr zur Verfügung. Sein bisheriger Stellvertreter Hansjörg Eberhöfer (Tartsch) wurde zum neuen Major gewählt. Neuer Stellvertreter ist Gottfried Lechthaler (Mals). Bataillonskommandant Peter Raffeiner (Göflan) wurde im Amt bestätigt. Nicht mehr der Wahl gestellt hat sich auch Bataillonskommandant Christian Eberhart. Sein Amt übernimmt Andreas Thoma (Tartsch). Ausgeschieden ist auch der Kassier Luis Pixner. Neuer Kassier ist Siegfried Renner (Laas). Weitere Mitglieder der Bezirksleitung

sind Kunigunde Wielander und Esther Tappeiner (beide Göflan), Joachim Frank (Schlanders), Dietmar Pixner (Kastelbell), Tobias Wiesler (Taufers), Markus Kofler (Schluderns), Martin Prieth (Glurns) und Daniel Moriggl (Burgeis). Die scheidenden Bezirksleitungsmitglieder bekamen eine Urkunde und wurden mit Applaus verabschiedet. Zum Abschluss bedankte sich der neue Major Hansjörg Eberhöfer bei den Hauptmännern für das Vertrauen, bei der bisherigen Bezirksleitung für die gute Zusammenarbeit und bei seinem Vorgänger Arno Rainer für seine Verdienste um Bund und Bezirk. Er schloss die Versammlung mit dem Motto der Vinschger Schützen „Gemeinsam sind wir stark“ und einem dreifachen Schützen Heil. RED

AUFGESPÜRT & AUSGEGRABEN (67)

Damals Luther, heute Chips Es ist das Thema, das uns derzeit am meisten beschäftigt: das Impfen. Google wirft über 6,7 Millionen Nachrichtenmeldungen aus, die das Wort enthalten. Nimmt man den englischen Begriff, sind es sogar fast 200 Millionen. Die Meinungen dazu könnten nicht unterschiedlicher sein. Auch hierzulande finden wir die gesamte Bandbreite an Einstellungen: von jenen, die am liebsten einen Impfzwang einführen würden bis zu denen, die jeden Eingriff aus Angst vor injizierten Chips vehement ablehnen. Ein Blick zurück in die Geschichte offenbart, dass wir nichts Neues erleben. Vor über 250 Jahren startete Maria Theresias Impfkampagne gegen die Pocken. Die Kaiserin hatte drei ihrer sechzehn Kinder sowie mehrere Angehörige durch die Krankheit verloren. Auch damals wurde der Impfstoff getestet. Während es aber heute Zehntausende Freiwillige sind, hat man ihn damals an 100 Waisenkindern ausprobiert. Die ersten Versuche waren jedoch wenig erfolgreich. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts gelang dem Engländer Edward Jenner

mit seiner Kuhpockenimpfung der Durchbruch. Das lateinische Wort „vacca“ für Kuh erinnert daran noch heute im italienischen Ausdruck „vaccinazione“. Die Argumente der Gegner waren so vielfältig wie heute: von fehlendem medizinischen Wissen, unerwünschten Nebenwirkungen und eingeimpftem Protestantismus bis zur Angst vor wachsenden Kuhhörnern und judenfeindlichen Verschwörungstheorien war alles dabei. Und wenn damals Karikaturen Unsicherheit in der Bevölkerung verbreiteten, so vervielfältigen die medialen Kanäle heute diese Möglichkeiten. Im Deutsch-Französischen-Krieg 1870/71 übrigens waren die Deutschen im Unterschied zu den Franzosen weitgehend geimpft: Weniger als 300 Seuchenopfer auf deutscher, über 223.000 unter Soldaten und Zivilisten auf Z französischer Seite.

DER VINSCHGER 19/21

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