VINSCHGER GESELLSCHAFT schon Anfang Mai eingerichtet worden. Mit diesem Besucherraum und der parallel dazu funktionierenden Begegnungsstätte im Freien ist es der Heimführung mit Direktor Christoph Tumler an der Spitze gelungen, angesichts der strengen Vorschriften auf Staats- und Landesebene doch ein gewisses Maß an Menschlichkeit in den Heimalltag zu bringen. Einen wirklichen Ersatz zum „normalen“ Leben können diese Maßnahmen freilich nicht darstellen. Theresia und Wolfgang sind zwar froh darüber, dass sie einander schon im Raum im Inneren des Hauses begegnen konnten, „aber dieser Ort kam mir immer so vor wie ein Hochsicherheitsgefängnis“, räumt Wolfgang ein. Einander im Freien treffen zu können, sei viel besser. Froh sind Theresia und ihr Sohn auch dafür, dass es dank der technischen Mithilfe von Andreas Wiesler gelungen ist, unmittelbar nach der Sperrung des Heims am 5. März über Skype in Kontakt zu treten. „Es hilft einem schon viel, wenn man in die Gesichter der Kinder, Enkel und Enkelkinder sehen kann“, sagt Theresia. Sie ist auch dankbar dafür, dass sie relativ gut hört und insgesamt noch recht rüstig ist. „Viel schwerwiegender ist die Lage älterer Mitbewohner, die an das Bett gefesselt sind
und gar nicht erst für einen Besuch hierhergebracht werden können“, stimmt Wolfgang seiner Mutter bei. Während es ihm möglich ist, regelmäßige Besuche zu vereinbaren, ist das für seine Schwester Birgit, die in Brixen lebt, aus Arbeitsgründen und wegen der Entfernung schon schwieriger. Besuche im Halbstundentakt Derzeit ist es im Bürgerheim in der Regel so, dass von Montag bis Freitag für den Zeitraum von jeweils 9 bis 15 Uhr Besuche von Angehörigen im Halbstundentakt möglich sind. Allerdings müssen die Termine vorab vereinbart und bei den Besuchen selbst alle Regeln und Vorschriften eingehalten werden. Anstelle der jetzt offenen Begegnungsstätte soll während des Winters ein Begegnungs-Container im Freien aufgestellt werden. Oft „leer und kalt“ ist es laut Theresia an den Wochenenden, „wenn es unten auf der Straße still ist und man keine Menschen vorbeigehen sieht.“ Das Schlimmste, was sich Wolfgang überhaupt vorstellen kann, „wäre es, dass man es einem Angehörigen untersagen würde, seine Lieben am Sterbebett zu besuchen.“ Im Bürgerheim in Schlanders ist
laut Andreas Wiesler seit dem Ausbruch von Covid-19 noch niemand allein gestorben, es waren immer Angehörige dabei. Und noch etwas hat Wolfgang während der Corona-Monate erfahren müssen: „Manche Menschen, denen ihre Angehörigen nicht wirklich am Herzen liegen, glauben, dass sie in den Heimen bestens ‚versorgt’ sind und dass ihnen nichts abgeht.“ Das sei aber ein Trugschluss, denn in vielen Heimen in Südtirol spielen sich seit Monaten täglich viele ‚kleine’ Tragödien ab, die für die Betroffenen zu den ‚größten’ ihres Lebens gehören.“ Mehrfach habe er in letzter Zeit aus dem Mund älterer Menschen gehört, dass die Kriegs- und Nachkriegszeit zwar sehr schlimm gewesen sei und dass manchmal auch das Essen gefehlt habe, „aber wir waren dennoch immer zusammen.“ Wolfgang Grüner spricht dem Direktor Christoph Tumler und dem gesamten Mitarbeiterteam im Bürgerheim seinen aufrichtigen Dank aus: „Alle haben in dieser schweren Zeit Großartiges geleistet und leisten es noch immer. Manche sind vielleicht sogar über sich hinausgewachsen, denn für viele ist wahrscheinlich auch das Privatleben gehörig durcheinander gerüttelt worden.“ SEPP
Trauerspiel im Städtchen GLURNS - Der Stadt Glurns steht
ein mehrmonatiger Stillstand ins Haus. Weil es nicht gelungen ist, einen Stadtrat einzusetzen, wird die Gemeinde ab dem 28. Oktober kommissarisch verwaltet. Und im Frühjahr des nächsten Jahres gibt es Neuwahlen. Wenn es formalrechtlich nicht notwendig gewesen wäre, hätte Bürgermeister Luis Frank die Gemeinderatssitzung vom 21. Oktober gar nicht erst einberufen. „Aber abstimmen müssen wir“, schickte er im kalten Stadtsaal voraus. Dass es nicht gelingen würde, im Gemeinderat eine Mehrheit für die Bildung des Stadtrates zu finden, war schon im Vorfeld mehr oder weniger klar. Luis Frank unterstrich erneut, dass die SVP alles getan habe, trotz der Patt-Situation im Gemeinderat - die SVP und die Liste „Für Glurns“ waren mit jeweils 6 Ratsmitgliedern in den Gemeinderat eingezogen - eine Stadtregierung auf die Beine zu stellen, damit der Gemeinde eine kommissarische Verwaltung und ein mehrmonatiger Stillstand erspart bliebe. Auch auf weitere Bemühungen, die Liste „Für Glurns“
Trübe Stimmung im kalten Stadtsaal.
für eine konstruktive Mitarbeit zu bewegen, verwies Frank. Obwohl man sich innerhalb der SVP darauf geeinigt habe, den 4-köpfigen Stadtrat mit je zwei Vertretern der SVP und der Liste „Für Glurns“ zu besetzen und damit dem Wählerwillen auch bei der Zusammensetzung des Stadtrates Rechnung zu tragen, habe es seitens der Liste „Für Glurns“ nie eine ernsthafte Bereitschaft für eine Mitarbeit gegeben. Auch Einzelgespräche mit mehreren Ratsmitgliedern von „Für Glurns“ hätten zu keinen Ergebnissen geführt. Rosa Pichler Prieth etwa habe eine Mitarbeit im Stadtrat abgelehnt, Erich Wallnöfer habe angegeben, aus Arbeitsgründen keine Zeit zu haben
und Kurt Warger könne nicht Referent werden, weil seine Arbeit als Gemeindesekretär mit diesem Amt nicht vereinbar ist. „Mir liegen bis heute keine Namensvorschläge der Liste ‚Für Glurns’ vor“, musste der Bürgermeister am 21. Oktober feststellen. Die vom Gesetz vorgesehenen 2 Abstimmungen über die Zusammensetzung des Stadtrates waren eigentlich nur mehr lästige Pflichtübungen. Der erste Vorschlag (Luis Frank und Christine Stecher von der SVP sowie Beat Wunderer und Heinz Riedl von der Liste „Für Glurns“) wurde in geheimer Abstimmung mit 6 Nein- und 5 Ja-Stimmen ebenso versenkt wie der 2. Vorschlag, der vorsah, den
Stadtrat mit 5 SVP-Vertretern zu bestücken. Die Frage, ob es manchen Vertretern von „Für Glurns“ tatsächlich um das Wohl der Allgemeinheit und der Stadt insgesamt ging, oder ob man das „Für“ eher als „Gegen“ interpretieren sollte, muss erlaubt sein. Bei der Diskussion hatte Warger zwar Fragen im Zusammenhang mit der Satzung bezüglich der Anzahl der Stadtratsmitglieder in den Raum geworfen, aber das wirkte nur mehr wie leeres Gerede. Luis Frank gab sich am Ende froh darüber, „dass diese Geschichte, die mir viel Energie gekostet hat, nun zu Ende ist. Ich werde die Stadt noch bis zum 27. Oktober als Bürgermeister verwalten und ab dem 28. Oktober wird ein Kommissar die ordentliche Geschäftsgebarung übernehmen.“ Das Opfer sei am Ende die Gemeinschaft: „Diese Situation schadet der Stadt sowohl wirtschaftlich als auch moralisch.“ Frank dankte nur jenen im Gemeinderat, „die konstruktiv mitgearbeitet haben.“ Seine letzten Worte: „Ich finde das alles sehr schade und traurig. Gute Nacht.“ SEPP DER VINSCHGER 37/20
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