Grenzgeflüster

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könnten. Fast 60 Betriebe haben demnach derzeit Grenzpendler eingestellt. „Viel mehr Betriebe gibt es hier nicht. So gut wie in jedem Betrieb arbeitet ein Grenzpendler“, stellt Lamprecht fest. Auf nur 1500 Einwohner kommen rund 500 Grenzpendler. Dies sei jedoch auch deshalb kein Problem, weil die Vinschger aus sozialen Blickpunkten im Val Müstair als Einheimische wahrgenommen werden, wie Lamprecht erklärte. Dennoch, das Phänomen Grenzpendler bringe auch Nachteile für die Eidgenossen. „Die Pendler sorgen für eine Bruttoleistung von etwa 20 Millionen Schweizer Franken. Von diesem Geld bleibt jedoch kaum etwas hier. Die Wertschöpfung wandert zurück in den Vinschgau. Und auch von den Steuern bleibt uns wenig. Dies soll euch gegenüber jedoch absolut kein Vorwurf sein“, so der Gemeindepräsident aus Val Müstair. Dass die Wertschöpfung großteils zurück in den Vinschgau fließt, freut hingegen seit jeher die heimische Volkswirtschaft. „Die Grenzpendler sind ein ganz wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Vinschgau, speziell für den Obervinschgau“, betonte Arbeitslandesrätin Martha Stocker. Auch deshalb werde das Land die Grenzpendler weiterhin auf allen Ebenen unterstützen. Bezirkspräsident Andreas Tappeiner berichtete über den Steuerausgleich für Grenzpendler. Dieser belaufe sich auf fast eine Million Euro. Der Beitrag gehe an die Grenzgemeinden und werde vor allem für die nötigen Infrastrukturen eingesetzt. Der Kämpfer in Rom Unterstützung erfahren die Grenzpendler in Rom in Person von Albrecht Plangger. Der Kammerabgeordnete versprach den Pendlern sich auch weiterhin für

Änderungen schreiten nur sehr langsam voran“, beruhigt Plangger. Die neue Regelung solle schrittweise umgesetzt werden, bis sie endgültig Realität sei könnten noch zehn bis 15 Jahre vergehen. Derweil arbeite Plangger weiterhin intensiv daran, die Minister als „amici dei frontalieri“ zu gewinnen, wie er lachend betonte. In Rom gebe es eine gute Basis, und dies könne sich mit den kommenden Parlamentswahlen weiter verbessern. „Denn schon jetzt steht fest, Hatten einiges zu besprechen: Rico Lamprecht und Albrecht Plangger. dass wir mit einer guten Mannschaft dort vertreten sein werden“, sie einzusetzen. Im Gepäck hatte lich ab 2019, die Steuerdaten an blickte „Abi“ voraus. er derweil einige Neuigkeiten. Italien. Bei der Restbesteuerung Zukünftig solle es mehr Klarhei- gelte dafür nicht mehr der heu- Zusammenarbeit mit ten geben. So sollen Grenzpend- tige Höchst-Steuerfreibetrag von Gewerkschaften ler im Staat wo sie arbeiten und 7.500 Euro, sondern es könne die Auch mit den Gewerkschaften im Staat, wo sie ihren Wohnsitz gesamte in der Schweiz entrichhaben, besteuert werden. Kon- tete Steuer in Abzug gebracht gebe es eine gute Zusammenarkret sollen 70 Prozent der Steu- werden. Vom Brutto-Verdienst beit. So konnte die Gewerkschaft ern in der Schweiz eingehoben könne dann die obligatorische Unia als Partner gewonnen werwerden und der restliche Teil in Kranken- Renten- Unfall- und den. „Ich freue mich auf die ZuItalien. Zum Unterschied von Arbeitslosenversicherung sowie sammenarbeit. Wir hoffen, baldheute, wo alles in der Schweiz andere Kosten wie Fahrtspesen möglichst für Rechtssicherheit zu eingehoben wird und ein Teil an und die in der Schweiz entrichtete sorgen. Ich war selbst mal GrenzItalien überwiesen werde. Die Steuer abgezogen werden. Dies pendlerin und weiß wie schwierig Gesamtbesteuerung werde je- alles solle stufenweise umgesetzt es oft ist, alles unter einen Hut zu denfalls nicht niedriger sein als werden. bekommen“, betonte etwa Anke die derzeitige, anfänglich aber „Macht euch keine Sorgen. Es Gähme, die Regioleiterin der Unia auch nicht höher. Die Eidgenos- werden noch genügend Infor- Ostschweiz-Graubünden. Sergio sen übermitteln dabei, vermut- mationen zugänglich sein. Und Aureli, der Generalsekretär der Grenzgängergewerkschaft lobte: „Ein guter Informationsfluss ist wichtig. Da habt ihr mit Albrecht Plangger den richtigen Mann im Parlament. Darum beneiden wir euch“. Auch in Zukunft werde es einige Unsicherheiten geben. Darauf wiesen nicht nur Referenten hin, sondern hierbei waren sich auch die meisten Grenzpendler im Saal einige. Mit der Beratungsstelle in Mals sei jedoch ein Anfang gemacht worden. Ein Anfang in Richtung mehr Klarheit. MICHAEL ANDRES

Die neue Beratungsstelle in Mals MALS - In den vergangenen Jahren haben sich viele Pendler beschwert, dass es schwierig sei, an Informationen zu kommen. Landeshauptmann Arno Kompatscher sicherte Unterstützung zu. In einer Arbeitsgruppe der Grenzpendler wurde beschlossen, dass

der Informationsfluss weiter vom Katholischen Verband der Werktätigen (KVW) ausgehen solle. Eine eigene Struktur sollte dafür geschaffen werden. Die Südtiroler in der Welt im KVW kümmerten sich um die Planung. Mithilfe der Bezirksgemeinschaft Vinschgau,

welche auch die Räume in Mals vermietet, wurde schließlich die Beratungsstelle errichtet. Christine Stieger, eine gebürtige Martellerin, will dort mit Rat und Tat zur Seite stehen. Stieger arbeitet teilzeit in Innsbruck in einem Patronat und lebt in Imst. „Jetzt bin

ich selbst Grenzpendlerin“, lacht sie. Das Büro in Mals, Marktgasse 4, ist geöffnet von: Donnerstag 8.30–12 Uhr und 14–17 Uhr, Freitag 8.30–12 Uhr (nachmittags nur nach Vereinbarung) und jeden ersten Samstag im Monat 8.30–12 Uhr. AM DER VINSCHGER 01/17

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