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12.10.2021 – 09.11.2021 | 69

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Going wild

Wilde Orte, unbändige Menschen und radikale Ideen Georg Simeoni


Ingredienti

03 – Ingredienti 04 – Drinnen und draußen 05 – Io vendo Smart Benson

06 – Good News 08 – Punto di domanda 09 – Augeklaub 10 – Hauptsache Wilde Stadt

15 – Snapshot Fo 16 – Zahlen, bitte!

EINFACH N AC H H A LT I G LOKAL

monni stärkt unsere wertvollen lokalen Wirtschaftskreisläufe

Georg Simeoni

19 – Intervista Michela Zucca

22 – Experiment 23 – Focus 26 – Biblio 27 – Na und? 28 – Speakers' Corner 30 – Tu du’s! 31 – Böse Worte

d l i w t e g s ` t e L

sen und allen las ren f n e g n u Ih e Hemm rüllend n Mal all purem Frust b e t ige Auf z t in le e zum in so r aus h e ie t d S z o t n d e le b s ln inige a Wann h nzend und jube bra.Team gab e wer erkrankt, e t e h a z c t d ar te ts Im sich wil äufers is ein anderer er w en egeben? k r g e in V h s e n e d m örige ein e anneh Emotion reten un ie Angeh hnten Jobs ant e und Ereigniss D n : s e b n A ö h sc r se ing und re lang e s erste Kind. D auch die bot der r ih e n b e a t , n a n kon ache as Ge erin d das ist d er Par tn dnis, uation m mit sein te aus jeder Sit en und feiern – Suche nach Wil s Be hm die cht. Wir und das ewusst wahrne en wir uns auf n gema chungel e b b h a c e h t s e n n e b e M om aren M kter Ds e Ausga Für dies n und unzähmb in den Neumar ar toffeln i Stunde. e n e eo Süßk ikalen Id org Sim rde nach ld gebadet. e r e k nach rad S-Präsident Ge c A r a AV r Bozne nd im W sind mit en, haben in de hilosophier t u ung Städte p vorgedr er grüne b ü , n e b gegra elbst! en Sie s Aber les ra.Team Das zeb

Impressum

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Ohne zebra.Ausweis geht nix

Comprate il giornale di strada solo da venditrici e venditori muniti di apposito tesserino! zebra. ist eine Straßenzeitung und wird von der OEW – Organisation für Eine solidarische Welt in Brixen herausgegeben. Menschen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden, verkaufen sie zum Preis von drei Euro: 1,50 Euro bleibt ihnen, 1,50 Euro geht in die Produktion. Se notate delle irregolarità non esitate a contattarci al numero 334 1216413. 2021 | 69 3


Drinnen und draußen

Io vendo 5 PLUS 1 VON 60 VERKÄUFER*INNEN

news Miloudi El Abidi

… è un giornale di strada Nel mondo esistono moltissimi giornali di strada, che si rifanno allo stesso principio e che danno l’opportunità alle persone ai margini della società di avere una degna occupazione e un piccolo guadagno. zebra. fa parte della rete internazionale dei giornali di strada INSP (www.insp.ngo).

zebra. torna a scuola!

… wird von Freiwilligen gemacht Die Inhalte von zebra. stammen zum Großteil von motivierten Freiwilligen. Monat für Monat bestücken sie die Zeitung mit Texten, Gedichten, Fotos und Illustrationen und orientieren sich inhaltlich an sozialen und gesellschaftskritischen Themen.

È

iniziato un nuovo anno scolastico e anche per zebra. è ora di tornare in cattedra con i due workshop dedicati a studenti e studentesse delle scuole medie e superiori: “zebra. arriva a scuola”, un viaggio dietro le quinte dei giornali di strada e “Media=C³”, un'analisi del mondo dell’informazione contemporanea che promuove un uso responsabile e attivo dei media. Per informazioni e prenotazioni: www.oew.org/formazione

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danke

… va oltre Che si tratti di una casa, del lavoro, della salute o di informazioni, per i venditori e le venditrici di zebra. la vita quotidiana rappresenta una sfida continua. zebra.Support offre loro un rapido aiuto in situazioni di emergenza e li segue passo passo nella ricerca di un lavoro sicuro.

zebra.Support ...

grazie

Ionel Cirpaci

… non è un lavoro fisso La vendita del giornale di strada non sostituisce un lavoro fisso e sicuro, ma permette di provare ad uscire da situazioni molto difficili. ll*la venditore*trice acquista il giornale a 1,50 euro e lo rivende, a sua volta, a 3 euro. … bleibt in Kontakt Das OEW-Team steht in ständigem Kontakt mit allen Verkäufer*innen, Verkaufsstellen, Behörden und Gemeinden. Für Fragen, Anregungen oder bei Unregelmäßigkeiten sind sie zur Stelle und unter der Nummer 334 1216413 erreichbar.

Petru-Iulian Chiru

... setzt auf schnelle unkomplizierte Hilfe und berufliche Weiterbildung von Verkäufer*innen.

Aretuemhen Godspower

Tudebi Iweriebor

... sostiene i*le venditori*trici con soluzioni semplici e veloci, offrendo anche opportunità di formazione.

Raiffeisenkasse Eisacktal | Valle Isarco IBAN: IT 68 S083 0758 2210 0030 0004 707 Südtiroler Sparkasse Brixen | Bressanone IBAN: IT 93 H060 4558 2200 0000 5004 219 Überweisungsgrund | causale: „zebra.Support“

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Questo e bb e st po o potr ndo a u q i liberars re un vendito ro. o v la rà trove denti? Cerca dipen16413 12 4 Tel. 33

Zwischen Vorfreude und Zukunftssorgen Name: Smart Benson Alter: 36 Jahre Herkunftsland: Edo State, Nigeria Ich verkaufe in: Bruneck, Sterzing

In Nigeria war ich Fotograf und hatte ein eigenes kleines Studio. Leider wurde die Situation dort zu schwierig und ich beschloss zu gehen. Meine Frau Sandra hat mich begleitet. Wir sind seit 13 Jahren ein Paar. Wir lebten dann in Turin. Auf der Suche nach Arbeit ging ich nach Südtirol. Sandra blieb in Turin und arbeitete als Badante. Weil ich eine beeinträchtigte Hand habe, kann ich viele Arbeiten nicht ausführen, bin aber immer auf der Suche nach einem Job. In zwei verschiedenen Städten zu leben, war für uns als Paar nicht

einfach. Als die Frau gestorben ist, die Sandra gepflegt hat, ist sie zu mir gezogen. Bald haben wir dann erfahren, dass wir Eltern werden. Derzeit leben wir in einem kleinen Zimmer in Untermiete. Spätestens sobald das Baby da ist, müssen wir da raus. Deshalb brauchen wir dringend eine Wohnung. Die Vorfreude auf unser Kind wechselt sich derzeit mit der Sorge um unsere Wohnsituation ab. Ich habe in Nigeria viel Fußball gespielt. Das fehlt mir manchmal und ich würde gerne wieder mehr spielen. Seit meiner Zeit in Turin bin ich auch ein Fan von Juventus. Unser Kind kommt zu Weihnachten. Es wird ein Junge und er soll Ronaldo heißen.

Ich kann es kaum erwarten, mit Ronaldo Fußball zu spielen. SMART BENSON

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GoodNews KEINE ERDÖL- UND ERDGASBOHRUNGEN MEHR

REKORD AN PINGUINEN UND KORMORANEN

In Los Angeles County werden keine neuen Erdöl- und Erdgasbohrungen durchgeführt. Außerdem sollen die aktuellen Bohrlöcher schrittweise stillgelegt und alle aktiven und inaktiven Bohrlöcher bei ihrer Schließung sorgfältig gereinigt werden. Für die im Sektor beschäftigten Menschen will man künftig nachhaltigere Arbeitsmöglichkeiten schaffen.

Auf den Galapagos-Inseln wurde 2020 eine starke Zunahme bei den Populationen der Galápagos-Pinguinen und der flugunfähigen Stummelkormorane beobachtet. Die zwei endemischen Vogelarten haben wahrscheinlich von der Abnahme des Tourismus und guten Wetterbedingungen profitiert.

LA BENZINA CON PIOMBO FINALMENTE FUORI COMMERCIO Dal 1921 si è iniziato ad aggiungere piombo alla benzina per aumentarne la resistenza all'auto-accensione. Negli anni il pianeta è stato ricoperto di particelle di piombo, che si potevano trovare perfino nel sangue dei bambini. Nel 1980 il Giappone è stato il primo Paese a vietarne l'uso, mentre lo scorso mese di agosto l'Algeria è stata l'ultima nazione a terminare le sue riserve.

KOSTENLOSE VERHÜTUNG In Frankreich hat die Nutzung von Verhütungsmitteln unter jungen Frauen abgenommen, hauptsächlich aus finanziellen Gründen. Deshalb erhalten Frauen unter 25 Jahren ab nächstem Jahr kostenlose Verhütungsmittel. Auch für ärztliche Visiten, Tests und Untersuchungen, die mit Verhütung zusammenhängen, sollen keine Kosten anfallen. Für Minderjährige gelten diese Maßnahmen bereits seit einigen Jahren, die Abtreibungsrate in Frankreich hat daraufhin merklich abgenommen.

OLIMPIADI A IDLIB Nell'ultima roccaforte dell'opposizione siriana nel nordovest del Paese si sono svolte delle Olimpiadi speciali: 120 ragazzi e ragazze di dodici campi profughi si sono misurati*e in diverse discipline, vivendo in prima persona l'esperienza "olimpica".

PROIBITI I COSMETICI TESTATI SUGLI ANIMALI La riforma della Legge Generale della Salute approvata dal Senato messicano proibisce l'uso di animali nei test di prodotti cosmetici. Il Messico è il primo Paese nordamericano a vietare la produzione, l'importazione e la commercializzazione di prodotti cosmetici che contengano ingredienti o che siano stati oggetto di test sugli animali.

KEINE „KOHLE” FÜR DIE KOHLE Nach Südkorea und Japan wird nun auch China keine Kohlekraftwerke mehr im Ausland finanzieren. Das asiatische Land war einer der wichtigsten Geldgeber für viele Staaten und mit dieser Entscheidung wird der Bau neuer Kohlekraftwerke weltweit stark abnehmen.

FORESTE AL POSTO DELLE MINIERE In Chhattisgarh, Stato dell’India centrale, le miniere di carbone sono una delle fonti principali di ricchezza e nel corso degli anni molte foreste sono state rase al suolo per fare loro spazio. Nel 2019, però, il governo ha iniziato a sovvenzionare la raccolta sostenibile di prodotti forestali, garantendo un profitto diretto per molte persone e proteggendo le foreste dalla deforestazione.

UNA RISERVA DELLA BIOSFERA ATTRAVERSO 5 PAESI L'UNESCO ha designato la prima riserva della biosfera che copre 700 km dei fiumi Mura, Drava e Danubio e si estende per circa un milione di ettari comprendendo Austria, Slovenia, Croazia, Ungheria e Serbia. I cinque Paesi hanno deciso di proteggere insieme la biodiversità di queste aree, riconoscendo che per fiumi e animali non esistono frontiere.

Mehr als 1000 Luchse Vor 20 Jahren gab es nicht mal mehr 100 iberische Luchse zwischen Portugal und Spanien. Dank des großen Einsatzes und der Zusammenarbeit verschiedener Akteur*innen steigt die Zahl der Tiere ständig und die Popolation hat nun zum ersten Mal wieder mehr als 1000 Exemplare erreicht.

Es ist alles eine Frage der Sichtweise Bei den Landkarten sind wir die Mercator-Karte gewohnt: Europa befindet sich oben in der Mitte, rundherum der Rest der Welt. zebra. entscheidet sich für die ungewohnte Peters-Karte, da bei ihr die Flächen stimmen, und stellt sie noch dazu auf den Kopf. Denn: Im Kopfstand ändert sich unsere Sichtweise auf die Welt.

Tiere und Menschen leben ohne Staatsgrenzen besser. NILS BERTOL

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Punto di domanda

Augeklaub

Welches Wildtier wärst du gerne? Dieses Mal in Mühlbach Mittelschülerin Maya Sophie Goepfert ist 13 Jahre alt und lebt mit ihren Eltern und zwei Brüdern in Mühlbach. Dort hat sie die Leute gefragt, in welchem Wildtier sie sich wiederfinden.

Doris Corradi Ich möchte ein Elefant sein, weil er groß und stark ist und in einer Familie lebt, in der alle aufeinander Rücksicht nehmen. Sie sind sehr schlau und werden uralt. Außerdem leben sie dort, wo es warm ist und mit dem Rüssel können sie CARTUCCE, TONER lustige Sachen E INFORMATICA machen: tromDRUCKERPATRONEN, peten, streicheln, TONER & INFORMATIK trösten, schnuppern, duschen ...

Dorothee Vanessa Meyer Ich wäre gerne ein Adler. Er ist für mich der Inbegriff von Freiheit und Unabhängigkeit.

Caro Ephraim Goepfert Ich wäre am liebsten ein Weißkopfseeadler. Da könnte ich jeden Tag am Meer oder anderen Gewässern sein und frei und hoch herumfliegen.

Heidi Troi Se potessi essere un animale selvatico, vorrei essere una marmotta. Tutta l'estate sul prato di montagna con una buona vista sulla valle, dormendo durante l'inverno. Sarebbe una vita bellissima, no?

Frida Schweiger Dann wäre ich wohl ein Puma. Die finde ich nämlich sehr schön und sie sind wild und schnell.

Ich wäre gerne ein Affe. Da kann man Schabernack treiben und Bananen essen. MAYA SOPHIE GOEPFERT

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Zapfen verführen nicht nur Kinder zum „Auklauben“.

Zapfenstreich Wenn Tannenzapfen auf dem Boden liegen, dann weiß man: An dem ein oder anderen Punkt in der Stadt hält die Wildnis noch Einzug. Wörtlich genommen bezeichnen Tannenzapfen die Zapfen eines bestimmten Baumes, der Tanne. Der Begriff wird aber auf alle Früchte und Blütenstände der Nadelhölzer ausgeweitet. Hier herrscht Gleichberechtigung, denn obwohl die männlichen Blütenstände einfacher gebaut sind und unverholzt abfallen, werden sie dennoch auch als Zapfen bezeichnet. Ist man*frau aber menschlich, so ist im Südtiroler Dialekt die Bezeichnung „du Tschurtsche!“ nicht gerade nett gemeint. Sie weist darauf hin, dass die gemeinte Person ungeschickt oder nicht ganz bei der Sache ist. Dabei ist so ein Zapfensystem ganz schön raffiniert: Die Schuppen öffnen sich nur, wenn das Wetter für die Samenverbreitung günstig ist. Zapfenfossilien, welche einige

Millionen Jahre alt sind, reagieren auch Discounter oftmals eine Menge Geld. heute noch auf Wetterveränderungen. Aus gutem Grund: Die Kerne müssen In früheren Zeiten wurden die Zapfen aufwändig, oftmals aus Wildbeständen, sogar verehrt. In der Antike galt der geerntet werden. Ein Baum benötigt Pinienzapfen als Fruchtbarkeitssymbol, um die zwanzig Jahre, bis er beginnt im Christentum als Zeichen der Zapfen mit Kernen zu bilden. Letztere Auferstehung und der Unsterblichkeit. reifen innerhalb von drei Jahren heran, Heute sind Tannenzapfen Spielzeug, bis sie gezupft werden können. Nicht Bastelmaterial, Brennmittel, weniger aufwändig Dem Pesto würde ist die Herstellung Nahrung. Neuerdings sind sie auch Einrichtungsvon entsprechenden ohne Pignoli gegenstand von Hotels, ätherischen Ölen. So etwas abgehen. nämlich in jenen für braucht es beispielsweise für Insekten. Doch sind sie angeblich wenig einen Liter ätherisches Zirbenöl eine sinnvoll. Da ist es besser, sie werden im Tonne Rohmaterial, wozu neben Holz Wald gelassen. Die delikaten Nüsschen und Wurzeln auch die Zapfen gehören. unter den verholzten Schuppen sind Weil wir draußen immer weniger hingegen auch für Menschen eine Wildnis finden, holen wir sie uns als Gaumenfreude. Dem Pesto würde Duft oder Deko ins Haus. Dabei wollen ohne Pignoli etwas abgehen, genauso wir nur die schönen, nicht die platt wie der Bergsteigertruppe ohne den gefahrenen Zapfen. Die Geschicke der wohlverdienten Schluck Zirbeler auf dem Wildnis lenken längst wir. Sind wir nicht Gipfel. Zirbennüsschen und Pinienkerne vorsichtig genug, könnte auch unsere enthalten, roh verzehrt, gesunde Fette, Art leicht unter die Räder kommen. viele Eiweiße, das Spurenelement Selen und Ballaststoffe. Sie kosten auch im

Die Zapfen, die ihr findet, sind ausschließlich starke Frauen. Angezipft? NADIA SORG

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Hauptsache

Ergebnis zunehmender gesellschaftlicher Sensibilität. Vom Kindergartenkind bis zur Seniorin haben sich in den vergangenen Jahren die Menschen etwa um das Bienensterben gesorgt. Es wurde breit kommuniziert und Gemeinden – die einen mehr, die anderen weniger UNTERSTÜTZUNGS– haben Aktionspläne ausgearbeitet und FUNKTION lokale Projekte gestartet. Maßnahmen - Nährstoffkreislauf im Mikrobereich sind wichtig und - Bodenbildung haben in erster Linie Symbolcharakter. - Primärproduktion Aber das Insektenhotel auf dem Dach ... des Rathauses und die Bienenweide im Kreisverkehr reichen nicht aus, um das drohende Artensterben, den Klimawandel PRODUKTIONSund die damit einhergehenden FUNKTION Katastrophen einzudämmen. Dafür - Nahrungsmittel braucht es ein radikales Umdenken und - Frisches Wasser breit angelegte Maßnahmen. In diese - Holz & Faser Richtung argumentiert der Green Deal - Brennstoff der EU, der „das nachhaltige Europa von ... morgen“ plant und zum Ziel hat, bis 2050 in der Europäischen Union die NettoEmissionen von Treibhausgasen auf null zu der Natur für den Alltag vieler Menschen reduzieren und somit als erster Kontinent in den Hintergrund gerückt. Der direkte klimaneutral zu werden. Allein in Italien Kontakt zur Natur und die unmittelbaren stehen derzeit 43 Milliarden Euro für die Auswirkungen von Naturereignissen sind „Gründe Wende“ zur Verfügung. Eine in Städten kaum erfahrbar. Wie fragil und zentrale Rolle nimmt dabei das Thema untrennbar verbunden das Wohl von Urbanistik ein. Smarte Verkehrskonzepte Natur und Mensch ist, wird erst in der sollen Emissionen reduzieren, jüngeren Geschichte gezielte Renaturierungen Es wird mit dem zunehmend Thema: vor Fluten schützen, „realen Wert“ von Ohne Natur geht es nicht. Fassadenbegrünungen Was logisch klingt und im und strategische Natur kalkuliert. Allgemeinwissen der meisten Grünzonen das verankert ist, wird mit dem noch jungen Stadtklima bei Hitze kühlen und noch Begriff der Ökosystemdienstleistungen vieles mehr wird in Angriff genommen. nun klar beim Namen genannt. Diese Argumentiert und kalkuliert wird Theorie monetarisiert die Leistungen der zusehends mit dem im Wirtschaftsjargon Natur für den Menschen und ist somit im bezeichneten „realen Wert“ von Natur. System Kapitalismus kommunizierbar. Am Beispiel von Städten lässt sich Die Natur bietet den Menschen veranschaulichen, wie enorm dieser Wert unzählige Produkte und Leistungen, in Geld bemessen, aber wie emotional die genauer betrachtet unverzichtbar aufgeladen und überlebenswichtig jedes sind: Trinkwasser, Nahrungsmittel, Fleckchen grün auch darüber hinaus für Heizmaterial, Energieträger, Medikamente, die Menschen dort ist. Schutz vor Umweltereignissen wie Dienstleister Natur Überschwemmungen und Bodenerosion, Neue Technologien und der Komfort des Klimaregulation, Kohlenstoffspeicherung, modernen Lebens haben die Bedeutung die Bestäubung von Kulturpflanzen

ÖkosystemDienstleistungen

Sieht so die Stadt von morgen aus?

Wilde Stadt Für den Erhalt der Biodiversität und den Artenschutz wird der urbane Raum zusehends bedeutender. Hauptsächlich profitiert aber der Mensch von der Natur in der Stadt. In Zeiten des Klimawandels und der Pandemie wird „zurück zur Natur“ vom Trend zur Notwenigkeit. Deshalb müssen Städte grüner werden.

Städte sind keine naturfernen Räume. Wenn sich die Möglichkeit bietet, holen sich Pflanzen und Tiere den Raum zurück, den sie benötigen. Das zeigt sich, wenn verlassene Gebäude in wenigen Jahren von Pflanzen überwuchert werden oder etwa Füchse, Greifvögel und letzthin am Stadtrand von Rom sogar plündernde Wildschwein-Rotten ins urbane

Gebiet vordringen. In Gegenden, die von Intensivlandwirtschaft geprägt sind, bieten Ortschaften und Städte mit ihren Gärten und Grünzonen wertvolle Zufluchtsorte für Vögel, Insekten und andere Kleintiere. Nist- und Fledermauskästen an Gebäuden, insektenfreundliche Dachbegrünungen, Balkongärten, Bienenweiden in Parks und blühende Verkehrsinseln gestalten längst auch die Stadtlandschaft. All das ist das

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REGULIERUNGSFUNKTION - Klimaregulation - Überschwemmungsregulation - Wasserreinigung ... KULTURELLE FUNKTION - Ästhetisch - Spirituell - Pädagogisch - Erholung ...

durch Insekten und vieles mehr. All diese Ökosystemdienstleistungen werden von der Natur „gratis“ bereitgestellt. Unsere Lebensqualität, sprich Ernährung, Sicherheit, Gesundheit und Erholung, ist unzertrennlich mit dem Erhalt von funktionierenden Ökosystemen verbunden. Werden Ökosysteme in ihrer Funktion beeinträchtigt oder gar zerstört, sind auch deren Dienstleistungen oft unwiederbringlich verloren – mit verheerenden Folgen.

Gesund durch Grün Während der Corona-Lockdowns mussten insbesondere Städter*innen schmerzlich erfahren, wie fundamental der Zugang zu Natur und Grünflächen für das eigene Wohlbefinden und die Gesundheit ist. Was in Japan schon zur gängigen Gesundheitsvorsorge gehört, nämlich der bewusste Aufenthalt in Wäldern zu Präventions- und Erholungszwecken, findet auch in der westlichen Medizin immer mehr Anklang. Dass sich saubere Luft, geringerer Lärm und Bewegung in der Natur positiv auf die körperliche und

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Hauptsache

psychische Gesundheit auswirken, ist bekannt. Eine kürzlich veröffentliche Studie deutscher Umweltinstitute in Zusammenarbeit mit den Universitäten Leipzig und Jena belegt nun zudem einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen dem reinen Vorhandensein von Bäumen und der psychischen Gesundheit von Städter*innen. Die Forschenden setzten die Daten von fast 10.000 Einwohner*innen der Stadt Leipzig mit Daten zu Straßenbäumen in Beziehung. So konnte ein Zusammenhang zwischen AntidepressivaVerschreibungen und der Anzahl an Straßenbäumen in unterschiedlichen Entfernungen zu den Wohnorten der

Menschen ermittelt werden. Weitere für Depressionen bekannte Faktoren wie Beschäftigungsstatus, Geschlecht, Alter und Körpergewicht wurden aus den Ergebnissen herausgerechnet. Es zeigte sich, dass mehr Bäume in unmittelbarer Umgebung des Wohnortes häufig mit einer geringeren Zahl von AntidepressivaVerschreibungen einhergehen. Wenn Naturlandschaft und Stadtlandschaft als einheitliches System ohne klare Abtrennung wahrgenommen werden, werden die Menschen von morgen weniger zur Erholung aufs Land fliehen und sich auch in ihrer unmittelbaren Umgebung wohler fühlen.

Kleiner Wald, große Wirkung In den Niederlanden und Frankreich, 2020 auch in Deutschland, wurden in den vergangenen Jahren „Tiny Forests“ – Miniaturwälder in der Größe eines Tennisplatzes – angelegt. Die Idee dahinter: Mitten im Stadtgebiet entstehen dichte, schnell wachsende Wäldchen, die von Schmetterlingen, Vögeln, Bienen und kleinen Säugetieren bevölkert werden. Die kleinen, bewusst platzierten Wildniszonen sollen schnell hochwachsen und nicht erst in der nächsten Generation zu einem Wald werden. Auf kleiner Fläche werden möglichst viele diverse am Standort potentiell natürliche Baumarten

Andreas Kipar, Jahrgang 1960, ist Landschaftsarchitekt, Städtebauer und Lehrender für Öffentliche Raumgestaltung am Polytechnikum Mailand. Als geschäftsführender Gesellschafter des Landschaftsarchitekturbüros LAND arbeitet er mit seinem Team aktuell am Grünraumrahmenplan der Gemeinde Bozen.

In Südtirol gibt es viel Wald und landwirtschaftliches Grün. Zusehends weichen aber enorme Flächen Beton und Intensivlandwirtschaft. Ist Wirtschaftswachstum mit dem Erhalt von Lebensraum und Grünflächen vereinbar? Das Stichwort heißt „produktive Landschaft“. Die Entwick-

zu verknüpfen. Etwa verbinden urbane Hecken oder strahlenförmige Grünstreifen und Baumreihen die Außenbereiche der Stadt mit dem Zentrum und bilden eine Art grüne Infrastruktur, auf der Tiere und Pflanzen sich ungestört bewegen können. Und natürlich auch Menschen.

Ohne geht es nicht Die Welt besteht aus Ökosystemen und der Mensch ist ein bedeutender Teil dieser natürlichen Dynamiken. Längerfristig ist er dem Funktionieren dieser komplexen Geflechte auf Gedeih und Verderben ausgeliefert. Ob Ökosysteme funktionieren, hängt von zahlreichen

Der Green Deal der EU gibt klar vor, in welche Richtung die Urbanistik der Zukunft gehen soll. Was sind die wichtigsten Kernpunkte dieser Leitlinien und was bedeuten sie konkret für die Stadt- und Landschaftsplanung? Grundsätzlich soll der Green Deal existenziellen Bedrohungen wie Klimawandel und Umweltzerstörung präventiv auf politischer und gesellschaftlicher Ebene entgegenwirken. In der täglichen Arbeit mit Regionen, Gemeinden sowie Institutionen kann man erkennen, dass die Botschaft bereits tief auch in abgelegene Winkel Europas vorgedrungen ist. Grün ist mehr als ein Trend, es ist eine Verpflichtung zum Umdenken, um kommenden Generationen eine lebenswerte Welt zu ermöglichen.

„Neu denken statt grün einfärben“ Städte weltweit investieren in Grünkonzepte und wollen gezielt mehr Natur in die Stadt bringen. Trend oder Notwendigkeit? Andreas Kipar: Eine absolute Notwendigkeit! Die aktuellen Herausforderungen vom Klimawandel bis zum Bevölkerungswachstum und bis zu den für Einzelne oft undurchschaubaren digitalen Prozessen führen zum radikalen Umdenken. Menschen wollen wieder mit Natur verbunden werden. Die alte Stadt ist tot, die neue Stadt lebt, wo sie sich aus Freiräumen und aus Natur heraus definiert. Es geht um ein Leben in grünen Stadtlandschaften, nicht zwischen von ein bisschen Grün umgebenen Gebäuden.

gepflanzt, die frei wachsen können. So sollen die städtische Artenvielfalt, die Luftqualität und auch die Menschen davon profitieren, die in partizipativen Prozessen den Wald mitgestalten, ihn als Erholungs- und Lernort neu kennenlernen. Kritiker*innen bemängeln, dass die kleinen Wäldchen ökologisch gesehen bald Mängel aufweisen könnten, weil sie sich nicht ausbreiten und als in sich geschlossene Inseln im Beton- und Asphaltmeer längerfristig nicht überlebensfähig sind und ein Verlust an Arten mit der Zeit unvermeidbar sei. Neue Ansätze in der Begrünung von Städten versuchen daher klein strukturierte Grünflächen

Andreas Kipar

lungsmotoren des zukünftigen Zusammenlebens sind mit Sicherheit der Freiraum im urbanen Kontext, sowie siedlungsnahe Naturräume und multifunktionale Orte der Begegnung in ländlichen Gemeinden. Es entsteht gerade ein neuer Zugang der Menschen zur Landschaft, der die scharfe Gliederung zwischen Kultur-, Natur- und Stadtlandschaft aufweicht und als Einheit versteht. Mit dem Konzept der produktiven Landschaft wird der natürliche Freiraum zu einem Netzwerk von Beziehungen und neuer Produktivität. Die Kombination von Natur und respektvoller Kultur und Arbeit macht es möglich, Orte für eine teilende Gesellschaft und ein starkes Miteinander zu schaffen.

Es ist viel von „grün-blauer Infrastruktur“ die Rede. Was ist damit gemeint und wie sieht es dahingehend in Südtirol aus? Südtirol ist reich an Landschaft, an Natur- als auch an Kulturlandschaft. Zwischen Natur- und Kulturlandschaft gibt es Zerschneidungen. Meist lineare Elemente wie Baumreihen, Hecken, Waldstreifen halten die Landschaft zusammen, Flussläufe und Wasserflächen strukturieren sie – eine Infrastruktur also. Blau-grüne Infrastruktur ist eine aktuelle und zukünftige Notwendigkeit im urbanen wie im ländlichen Raum. Dazu gehören auch aquatische Ökosysteme, Entwässerungssysteme als Überflutungsschutz gegen zunehmenden Starkregen und Regenrückhaltung zur dauerhaften Begrünung der Stadt und zur Kultivierung des Landes. Wo setzt Ihr Projekt für Bozen konkret an und wie sind die Entwicklungsschritte? Der Grünraumrahmenplan von Bozen ist der Beginn des Ge-

Faktoren ab. Die Grundlage für ihre Widerstands- und Anpassungsfähigkeit ist die biologische Vielfalt, die genetische sowie jene an Populationen und Arten. Je klarer die Bedeutung von Ökosystemdienstleistungen und die realen Kosten ihres Verlusts für die Menschheit kommuniziert, einkalkuliert und in allen Bereichen unseres Lebens mitgedacht werden, umso nachhaltiger und verantwortungsvoller kann der*die Einzelne und die Gesellschaft als ganze agieren – egal ob es um die individuelle Gestaltung des Alltags oder um große, generationenübergreifende Infrastrukturprojekte und Städteplanung geht.

meindeentwicklungsprogramms der Stadt, welches nach dem neuen Landesgesetz „Raum und Landschaft“ jede Südtiroler Gemeinde in den nächsten Jahren verpflichtend ausarbeiten muss. Bozen startet diesen Prozess beim Freiraum. Die drei thematischen Schwerpunkte des Plans sind: Die Schaffung von neuem Bewusstsein für das Wasser in der Stadt, Multifunktionalität im Freiraum sowie die Bedeutung stadtnaher Erholungsräume.

Worin sehen Sie das größte Potenzial, wenn auch hierzulande Städte gezielt „grüner“ oder „wilder“ werden? Der Naturlandschaft in Städten sollte durch kleinflächige innovative Maßnahmen wieder mehr Spielraum gegeben werden. Die Natur kann als Akteurin unseres täglichen Lebens gesunde und hybride Systeme als Zukunftsvision in den Mittelpunkt stellen. Die Stadt aus der Natur heraus zu entwickeln, gibt den Menschen Freiheiten zurück und zeigt Alternativen für eine nachindustrielle Zeit auf in Bezug auf Wohnen, Leben und Arbeit. Kritische Stimmen bedauern, dass im Zuge solcher Projekte die Natur instrumentalisiert und zu Marketingzwecken gebraucht wird. Immerhin geht es auch um viel Geld. Was entgegnen Sie dem? Greenwashing hat keine Zukunft. Wenn man Natur nur als Mantel über das Alte legt, wird das Alte schnell wieder hervorbrechen. Nachdem Städte saniert, rationalisiert und funktionalisiert worden sind, ist es an der Zeit, dass sie entrationalisiert und über Natur emotionalisiert werden. Nur so, über Natur, können wir Städte radikal neu denken und nicht nur grün einfärben.

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Snapshot

Comprare una terra o derubare un popolo? Alla scoperta della questione Mapuche: cosa lega la lotta di un popolo indigeno in Argentina a una delle più conosciute aziende tessili italiane? Il collegamento c’è e si chiama land grabbing.

La lotta dei Mapuche per le loro terre è una questione che risale all’epoca della colonizzazione spagnola e che è ancora oggi rilevante e attuale. Qual è, tuttavia, la causa di una battaglia così lunga e sanguinosa e, innanzitutto, chi sono i Mapuche? Sin da prima della colonizzazione spagnola, questo popolo abitava i territori oggi conosciuti come Patagonia (Argentina e Cile). Si tratta del gruppo etnico più popoloso del cono sudamericano e quello che più ha resistito e continua a resistere all’assimilazione europea. “Mapuche” è un nome composto dalle parole “Mapu” e “Che”, che rispettivamente significano “terra” e “popolo” in lingua Mapudungun, designando questo gruppo come il “Popo-

BRESSANONE/BRIXEN FORUM

18-23/10/21

lo della Terra”. Si inizia a intravedere come rieri che acquistano questi terreni per interessi propri. Il guaio è che tali interessi il terreno per questa etnia sia centralmente legato all’identità. La lotta non è quindi non includono – ovviamente – quelli delle meramente legata al possedimento mapopolazioni autoctone. E qui inizia il caos, teriale delle terre, ma a tutti gli elementi che in molti casi implica sgomberi di intere famiglie dalle proprie case, sequestri significativi e astratti che queste simboleggiano per il popolo Mapuche: la storicità, e uccisioni di bestiame, sfruttamento delle gli antenati, i rituali, le divinità terre tramite allevamenti e coltivazioni sono elementi strettamente L'identità del popolo intensive (senza alcun legati all’identità di un poMapuche è legata polo. La terra va intesa vantaggio per i nativi e le alla loro terra. come un ambiente native, dato che la forza lavoro viene importata dall’estero e socioculturale. Da il prodotto viene quasi interamente espornon dimenticare che essa è anche il mezzo tato in territori stranieri), sfruttamento di di sussistenza per le persone che la abitano, le quali costituiscono essenzialmente giacimenti d’oro e argento e proibizione di un popolo di contadini e allevatori. Sussiaccesso alla popolazione a fonti di vitale ste quindi un filo ambivalente sottostante sussistenza come fiumi e laghi, se questi a questa lotta per le terre, che si divide fra rientrano nell’area acquistata. Si tratta il diritto ancestrale dell'indigeno*a e dell' indubbiamente di violenze e soprusi e i abitante, che in esse vive e da esse si nutre. tentativi di rivendicazione delle terre da Ma contro chi combattono questa guerra parte dei Mapuche vengono trattati come per le loro terre i Mapuche? Logicamente, atti terroristici. Di conseguenza, la polizia contro lo Stato e contro i latifondisti terviene legittimata al ricorso di misure abo-

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PRENOTAZIONE OBBLIGATORIA RESERVIERUNG ERFORDERLICH T. O471 324943 info@teatrolaribalta.it

Una manifestazione in sostegno alla lotta dei Mapuche.

minevoli, per non dire rievocative di un regime dittatoriale, al fine di placare le voci e le azioni del popolo indigeno. Basti ricordare gli episodi della sparizione e morte di Santiago Maldonado o l’incarcerazione del leader Facundo Jones Huala, che hanno portato l’attenzione internazionale verso il caso dei Mapuche. Il fenomeno della compravendita di vasti terreni considerati inutilizzati (ovviamente senza il permesso delle comunità che in questi terreni ci abitano) porta il nome di land grabbing, traducibile con accaparramento delle terre. In questo specifico caso, il land grabbing è stato promosso attorno agli anni ’90 dal governo argentino di Mauricio Macri, il quale avviò una vera e propria campagna di privatizzazione, svendendo terreni a basso prezzo ai latifondisti stranieri. E qui entra in gioco la famiglia trevigiana dei Benetton, che risulta essere il maggiore proprietario terriero di queste zone. Ebbene sì, nel 1991 Benetton compra la bellezza di 941 mila

ettari di terra: la più estesa proprietà terriera argentina. I sopraelencati soprusi umanitari, oltre ai casi di Maldonado e Jones, quindi, sono stati anche conseguenza dello smisurato acquisto terriero firmato Benetton. Per non citare il caso della famiglia Curiñanco dall’Estancia Santa Rosa – violentemente sgomberata dalla propria casa ancestrale a seguito di una denuncia dal gruppo veneto – che è stata un fattore scatenante nella lotta dei Mapuche contro Benetton. Ciò che fa più indignare è la facciata antirazzista e antidiscriminatoria che il gruppo Benetton ha sempre voluto proiettare, basti pensare alle tanto criticate quanto acclamate campagne di shock advertising create da Oliviero Toscani, e non solo. Sicuramente funzionale come tecnica di marketing, ma forse poco coerente con le azioni del colosso veneto. Tornando al punto iniziale: perché la questione Mapuche ci dovrebbe interessare?

Come di consueto, informarsi è la chiave. In questo caso, l’informazione può portare a un consumo critico e consapevole. Questa può essere la soluzione a una situazione così contorta? Sicuramente no, ma almeno può aiutare a non peggiorarla. Seguendo la logica dell’effetto a farfalla, in senso figurato. Ma ciò che forse più importa è mostrare rispetto verso un popolo – il Popolo della Terra – che ha resistito per secoli all’assimilazione prima europea e poi dello Stato, rendendolo vittima di dinamiche colonialiste sia esterne che interne. Per sostenere una storia di riscatto e non essere complici inconsapevoli di atrocità commesse in una parte del mondo che sembra così lontana da noi, ma che può essere direttamente collegata alle nostre azioni. [Si ringrazia la ricercatrice Daniela Salvucci per il prezioso contributo alla realizzazione di questo articolo.]

Un consumo consapevole è il minimo che possiamo implementare. SAMIA KAFFOUF

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Zahlen, bitte! Wie viele neue Schigebiete verträgt Südtirol noch?

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0 Welche Schulnote geben Sie der Südtiroler Tourismuspolitik?

Georg Simeoni

Im Amt der Berge Seit 2009 steht Georg Simeoni aus Neumarkt dem Südtiroler Alpenverein vor, der mit rund 2800 Ehrenamtlichen zu den größten FreiwilligenVereine des Landes zählt. Der rüstige 71-Jährige blickt auf ein eindrucksvolles HobbybergsteigerLeben zurück: Zwischen Ortler und Großer Zinne hat er in unzähligen Touren das ganze Land erkundet. Heute geht er es gemütlicher an und wandert am liebsten im oberen Pustertal und am Gardasee. „Zu meinen Anfangszeiten hat man es mit der Sicherheit am Berg nicht immer so genau genommen!“, erinnert er sich. Das sei heutzutage glücklicherweise anders – nicht zuletzt Dank der vielfältigen Weiterbildungs- und Informationsveranstaltungen des AVS. Anders sei heute leider auch der Tourismus und der oft rücksichtslose Umgang mit der Natur und dem Berg. Der nächsten Generation wünscht er daher mehr Verantwortungsgefühl und viel Mut, um sich für den Schutz und den Erhalt der Bergwelt einzusetzen.

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Wie hoch lag der höchste Ort, an dem Sie eine Tasse Kaffee getrunken haben?

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Welche Bergschuhgröße haben Sie?

Wie viele Kilometer Wegenetz werden vom AVS betreut?

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Wie oft sind Sie schon bei einer Tour umgekehrt?

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Wie viele Gipfelschnapsler trinken Sie in einer Wandersaison?

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Wie viele AVS-Schilder gibt es in Südtirol?

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Wie viele Mitglieder hat der AVS?

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Der AVS sieht sich als Bewahrer und Schützer der Natur, der immer wieder gegen politische Entscheidungen protestiert. Wie viele realisierte Bauvorhaben hätten Sie während Ihrer Laufbahn gerne verhindert?

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Wie viele Euro kostet durchschnittlich eine Übernachtung in einer AVS-Hütte?

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In Prozent: Wie viel weniger Massentourismus täte den Dolomiten gut?

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Wie alt waren Sie bei Ihrer ersten Bergtour

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Wie viele Höhenmeter legen Sie im Schnitt bei einer Sonntagswanderung zurück?

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Wie oft hatten Sie ein brenzliges Erlebnis am Berg?

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Sind noch nicht ganz über dem Berg. ANNA MAYR . LISA FREI

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Intervista

Amt für Weiterbildung Andreas-Hofer-Straße 18, 39100 Bozen, T 0471 413390 Amt für Weiterbildung amt.weiterbildung@provinz.bz.it, Andreas-Hofer-Straßewww.provinz.bz.it/weiterbildung 18, 39100 Bozen, T 0471 413390

WER ÜBER DEN TELLERRAND BLICKT, HAT MEHR VOM LEBEN.

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Daniela Haas Texterin und Übersetzerin

Le donna alpine erano simbolo di forza

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brandnamic.com

Auf meinen Reisen durfte ich immer wieder beeindruckende Länder kennenlernen. Da ist es natürlich von Vorteil, mehrere Sprachen zu sprechen, um in die jeweilige Kultur einzutauchen. So verschwinden Grenzen, und ein Gefühl der Verbundenheit stellt sich ein. Diese Nähe zwischen den Kulturen erkenne ich auch in den Artikeln der Zebra wieder, weshalb sie immer wieder Inspirationsquelle für mich ist, wenn ich beim Texten einfache Worte in Emotionen verwandle – egal, in welcher Sprache.

Michela Zucca è un’antropologa specializzata in cultura popolare e storia delle donne. Fondatrice dell’Associazione Sherwood, si occupa di formazione e sviluppo sostenibile in comunità rurali e marginali soprattutto alpine.

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Quale aspetto della Storia delle donne è Suo particolare oggetto di studio? Michela Zucca: Mi occupo soprattutto di contadine delle Alpi che storicamente sono sempre state le più discriminate di tutte. Secondo una visione borghese della storia e dell’esistenza non erano nemmeno donne, ma bestie da lavoro. Mi occupo di donne normali a cui veniva negata, di fatto, l’anima.

Andreas Dörich

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Gute Bildung kennt keine Stopptaste

Amt für Weiterbildung Andreas-Hofer-Straße 18, 39100 Bozen, T 0471 413390 amt.weiterbildung@provinz.bz.it, www.provinz.bz.it/weiterbildung weiterbildung.buergernetz.bz.it - www.provinz.bz.it/bildung-sprache/sprachen

Donne contro il potere

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in: DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung

Che ruolo hanno avuto le donne delle Alpi nel corso della Storia? Le donne nelle Alpi hanno ricoperto sempre un ruolo molto forte. Il sistema

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tradizionale nei luoghi di cultura latina e romanza le vedeva ricoprire gli stessi ruoli degli uomini, i quali emigravano per lunghi periodi, spesso senza tornare più. Le donne erano quindi a capo delle comunità, gestivano la restanza, l’economia e sostituivano gli uomini anche nella rappresentanza politica. Nel corso della Storia le donne delle Alpi sono state capaci di prendere decisioni autonome e molto delicate, perché abituate da millenni all’autogestione e alla gestione di tutta la comunità.

Quali erano le caratteristiche principali delle donne alpine? Le donne alpine erano fondamentalmente libere: pagavano la libertà con il lavoro e la mantenevano con la possibilità di movimento. Poter uscire per lavorare nei campi comportava la loro autodeterminazione. Inoltre, portavano le armi. Erano abituate a uccidere e a macellare le bestie.

E di quelle in contesti urbani? Le donne delle città si distinguevano tra quelle appartenenti ai ceti più bassi e le piccoloborghesi. Le prime venivano sistematicamente messe incinte dal padrone e cacciate dalla famiglia che non sopportava l’onta. Finivano per strada prostituendosi e poi diventavano mendicanti. Le seconde non potevano uscire, non erano abituate all’uso del corpo se non per i lavori di casa e subivano spesso il matrimonio imposto con uomini più vecchi di loro. Entrambi i gruppi vivevano in una posizione di sudditanza rispetto agli uomini e in nessun caso maneggiavano soldi. Come si è posta la storiografia rispetto alla Donna alpina? La storiografia ufficiale non racconta la storia di queste donne, ma tratta quasi esclusivamente figure di borghesi intellettuali, di donne che vivono in città e delle cosiddette proletarie. Lo spazio dedicato alle contadine di montagna è nullo, sebbene fossero la maggioranza.

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Intervista

Targa commemorativa a Castel Presule

Fino agli anni ’50 del secolo scorso le donne facevano le contadine, ma lo si ignora e questo ha un impatto anche sulla nostra percezione.

Nel libro “Donne delinquenti” affronta il tema della stregoneria. Quando fa la sua comparsa nella Storia la figura della strega? Dalla caduta dell’Impero Romano fino al XIII secolo le donne venivano condannate come eretiche, ma il reato di stregoneria non era stato ancora definito. La prima persecuzione

religiosa a Roma colpì le baccanti, quando alcune matrone romane si unirono a quelle che da sempre nei boschi praticavano la religione sciamanica. Nel 1340 si registra la prima accusa di stregoneria nei confronti di una donna e la sua conseguente condanna a morte. Le donne messe al rogo erano spesso figure che nulla avevano a che fare con la stregoneria. Si trattava piuttosto di leader popolari che si ribellavano al potere dominante e guidavano i loro popoli, come Giovanna d’Arco.

La stregoneria rappresenta quindi una lotta contro il potere? Michelet, storico francese del XIX secolo, individua nella storia della stregoneria una grande rivolta popolare che mira a mantenere un uso condiviso dei mezzi di produzione e la possibilità di controllare le nascite. Fare tanti figli che la comunità montana non poteva mantenere era un obiettivo del capitale per ottenere risorse per costruire le città, avviare la rivoluzione urbana e sviluppare il sistema capitalistico in senso stretto. Le rivolte medievali vedono donne e uomini combattere fianco a fianco. Il potere ottiene la vittoria quando riesce a rompere l’alleanza facendo credere al maschio che per quanto lui possa essere servo, una volta a casa sarà il padrone. Se pensiamo ai femminicidi ci rendiamo conto di quanto questa struttura sia ancora attuale.

A cosa si deve la riscoperta della figura della strega in epoca contemporanea? Il primo riconoscimento delle streghe come antenate e punto di riferimento avviene con il femminismo anglossassone, con il testo “Le streghe siamo noi” di Barbara Ehrenreich, che arriva in Italia negli anni ‘70. L’identificazione con le streghe fu immediata e le donne che lottavano per i propri diritti riconobbero nelle streghe le proprie antenate naturali. Da parte alpina il fatto che si possa parlare di stregoneria riflette non solo una rivisitazione della storia in senso femminista, ma anche in senso identitario.

la cultura delle donne di montagna perché nella Storia le donne sono rimaste sul territorio, hanno conservato l’ambiente e messo in atto la legislazione. Sono state discriminate dalla storiografia ed è quindi giusto che si ripercorra la loro storia. È un lavoro di riscoperta che si svolge sul territorio, perché la cultura e la conoscenza devono essere strettamente legate ad esso.

Cosa deve aspettarsi chi decide di partecipare a un arkeotrekking? Gli arkeotrekking si snodano su percorsi lunghi e la fatica ne è parte integrante, però con Come nasce e di cosa si occupa tempi che permettano a tutti*e di l’Associazione Sherwood, da Lei fondata interloquire. Chi partecipa trova insieme a Pietro Ansoldi e Corrado Camun ambiente accogliente. Si forma panelli? un gruppo che vive insieme due giorni Fino al 2007 ho lavorato per un centro e mezzo e, in una situazione del genere, di ricerca che poi è stato chiuso. A anche la persona più timida inizia a differenza dei miei colleghi entrati alla dialogare con gli altri. Non ci interessa Fondazione Mach, per ragioni affatto l’aspetto Nella Storia le di coerenza personale ho performativo che provato a costruire purtroppo anima donne sono rimaste un sistema diverso altri gruppi: le persone sul territorio di produzione e che fanno più fatica vengono riproduzione della cultura. Il mio aspettate, ci si prende cura di ognuno*a, compagno e io abbiamo comprato una si condivide lo sforzo ma anche i posti casa e la stiamo restaurando affinché in macchina e i posti letto. Con noi si diventi un centro di ricerca e azione su cammina soprattutto per imparare e diversi temi: storia delle donne, cultura conoscere, osservare e condividere. alpina, identità. Inoltre, combattiamo In che modo Sherwood affronta il tema il cambiamento climatico attraverso del ritorno alla montagna e della restanl’autoproduzione. La cultura antica za in questi territori? non prevede contraddizione tra lavoro Uno degli obiettivi della nostra manuale e lavoro intellettuale, anzi, associazione è favorire la restanza: sono funzionali uno all’altro. Una delle aiutare chi vuole insediarsi e favorire attività a cui tengo particolarmente poi è l’autoproduzione e la riassunzione di l’arkeotrekking. capacità che il capitale ha tolto alle Di cosa si tratta? persone per trasferirle sul mercato. La L’arkeotrekking è un seminario riassunzione di competenze va dalla itinerante sulle tracce della cultura produzione di cibo, al farsi la legna. femminile e delle madri antiche ed è Per reinsediarsi in montagna bisogna dichiaratamente femminista. Studiamo innanzitutto capire anche che la

Michela Zucca

riacquisizione delle competenze è una riacquisizione di libertà e di valore, dato che lo si crea in autonomia e non lo si acquista sul mercato. Questo porta l’individuo ad affrancarsi dal lavoro salariato sotto padrone. La maggior parte della gente è talmente schiava dalle richieste del mercato e dall’imposizione consumistica che non riesce nemmeno a immaginare come poter vivere senza.

Cosa consiglia a chi sta pensando di compiere una scelta di questo tipo? Chi vuole fare un percorso del genere deve fare prima di tutto un lavoro su sé stesso*a. Inizierei dal fare un elenco di come vengono spesi i soldi, per valutare poi quali sono le cose per cui si paga che a conti fatti non sono importanti. Io ho fatto così e ho visto che si compiono tante azioni solo per abitudine. La moda, per esempio, è un bisogno indotto dal consumismo e dal capitale. Quello che noi abbiamo adottato e che proponiamo è un sistema di vita che consente di affrancarsi dall’individualismo sfrenato che caratterizza la società contemporanea.

Ammira chi riesce a vivere coerentemente secondo i propri ideali. ALESSIO GIORDANO

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Focus

Experiment

Bring Ordnung in die wilde Wohnung! Die meisten von uns finden Aufräumen nicht besonders spaßig. Die Japanerin Marie Kondō spricht gar von einem Aufräumfest. Aufräum-Coach Berta Pircher Margesin bringt die KonMari Methode nun nach Südtirol. Ich probiere es aus. Auf Netflix entdeckte ich kürzlich „Aufräumen mit Marie Kondō“. Das musste zuerst einmal natürlich tüchtig belächelt werden. Wer braucht schon einen Coach zum Aufräumen? Ich schaute mich in meinem Zimmer um und merkte: Ich. Nach kurzer Recherche fand ich heraus, was nachhaltiges Aufräumen bedeutet: Es werden nur Dinge behalten, die Freude machen. Der Rest wird aussortiert. Radikal? Notwendig! Ich mache mich also an meinen Kleiderschrank. Berta Pircher Margesin erklärt: „Alles beginnt damit, dass du dich entscheidest, aufzuräumen.“ Dabei ruft man sich sein ideales, aufgeräumtes Leben vor Augen. Erst dann wird aussortiert. Das wichtigste Prinzip bei der Methode ist: Ob etwas bleibt oder geht, darf nicht im Kopf entschieden werden. Wir behalten nur, was Freude macht und in unserer körperlichen Wahrnehmung positiv resoniert. Ein weiteres Grundprinzip ist das Aufräumen nach Kategorien statt nach Zimmern: Zuerst Kleidung, dann Bücher, Papierkram, Komono (Kleinkram) und

L'ingresso di Hotel Amazonas a Vanga di Sotto

Wenn Aufräumen zum Fest wird.

zuletzt Erinnerungsstücke. Mein Schrank spuckt nach und nach Teile aus, die noch der älteren Cousine meiner älteren Cousine gehörten. Er ist gar nicht übervoll, nur ziemlich unübersichtlich wegen Stücken, die ich schon lange nicht mehr trage. „Es geht bei der KonMariMethode nicht primär um Minimalismus. Was aber durch das Aufräumen auf alle Fälle passiert, ist die bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Werten“, sagt Margesin. Also staple ich, sortiere und falte, spüre und danke. Es fühlt sich gut an! Die KonMari Methode wirkt auf den ersten Blick etwas zwanghaft und steril, die grundlegenden Prinzipien haben aber viel mit Achtsamkeit zu tun. Das AufräumSystem will nicht Minimalismus oder Konsumverzicht bewerben, wirkt aber in diese Richtung. Es geht nicht um die perfekte Ordnung oder das Präsentieren der Besitztümer, sondern darum, Dingen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen. Die Frage, ob das jetzt auch Feng-Shui sei, beantwortet Margesin so: „Energie will fließen können und wenn wir alles voll-

stopfen und manches ewig nicht benutzen, stockt die Energie“. Mein Schrank stockt jetzt nicht mehr, ich sehe, was ich habe und ziehe auch an, was ich sehe. Cousines Jeans durften in den wohlverdienten Ruhestand gehen, einiges wanderte in die Sammelbox für die nächste Kleidertauschparty. Bald ist Kategorie zwei an der Reihe.

Aufräum-Anleitung 1 Sich entscheiden, aufzuräumen. 2 Sich das Leben nach dem Aufräumen vorstellen. 3 Alle Stücke aus der aktuellen Kategorie in einem Raum häufen. 4 Jedes Ding in die Hand nehmen und spüren, ob es ein positives Gefühl schafft. Trifft das zu, auf einen eigenen Stapel legen und einen fixen Ort dafür bestimmen. 5 Gegenstände, die keine Freude bereiten, auf einen anderen Stapel legen, sich gedanklich bedanken und sie gehen lassen, weitergeben oder spenden.

Coltivare il futuro gruppo. Per FF il confronto rappresenta resta ancora oggi una delle una sfida per portare le proprie capacicifre stilistiche di Futurefarmers, mentre il rità e competenze a un altro livello e per questo solitamente vengono invitati*e chiamo all’agricoltura artisti*e che possiedono abilità diverse è una metafora per rida quelle già presenti nel gruppo. “Così pensare le relazioni sosi creano connessioni artistiche e umaciali, il rapporto con il paesaggio e il territorio. ne”, conclude Franceschini. Una piccola fattoria, inMettere in discussione le certezze oltre, dipende dal lavoro di più braccia per poter funzionare. La Ci sono alcuni interessi principali che condivisione e la collaborazione sono muovono Futurefarmers: la ridefinizidue degli elementi fondamentali per Fuone dello spazio pubblico per renderlo meno regolato; l’eliminazione dell’idea turefarmers. Proprio a questo proposito della proprietà privata; l’individuazione il collettivo statunitense è solito supdi nuovi software portare progetti altrui, orga“Futurefarmers crea uno open source, afnizzando residenze per spazio in cui ripensarsi artisti*e. “A chi viene finché ognuno*a da noi chiediamo possa creare i propri come comunità.” di contribuire a strumenti di lavoro; trovaun nostro progetto e al tempo stesso di re nuove vie per rendere più accessibile elaborarne uno completamente nuovo la produzione del sapere. La scelta del in autonomia”, spiega la fondatrice del soggetto su cui lavorare avviene, però,

Futurefarmers è un collettivo di artisti*e, designer, architetti*e e agricoltori e agricoltrici, che opera in tutto il mondo. Attraverso scultura, installazioni, performance e progetti nello spazio pubblico, il gruppo punta a decostruire le certezze dei territori in cui è invitato a creare, altopiano del Renon compreso.

Condividere è creare Fondato nel 1995 a San Francisco da Amy Franceschini – artista e designer, ancora oggi anima del gruppo insieme all’architetto Lode Vranken – Futurefarmers nasce come studio di design. Sin dall’inizio, il collettivo ha cercato di ridefinire gli strumenti utilizzati nel processo creativo. “Al tempo internet era ancora molto grezzo, molti programmi non esistevano e li abbiamo dovuti creare noi”, afferma Franceschini. L’attitudine all’auto-organizzazione

Nur nicht gleich übertreiben mit dem Aufräumen, schließlich ist Achtsamkeit keine Massenware. ANNA MARIA PARTELI 22

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Durante un momento della ricerca.

attraverso un processo molto spontaneo. Secondo Lode Vranken “la nostra attitudine è di andare in un luogo, viverlo e interloquire con la popolazione che lo abita.” In questo modo affiora una tematica su cui il collettivo inizia a la-

vorare. FF ha l’abitudine di dare vita a cose “strane”. In Abruzzo il gruppo ha creato il progetto “This is not a Trojan Horse”, in cui un cavallo di legno a trazione umana ha girato paesi e fattorie in tutta la regione raccogliendo e scam-

biando semi, utensili, prodotti e ricette alla ricerca di espressioni virtuose dell’agricoltura locale. Questa visione bizzarra, inoltre, ha stimolato il dialogo tra le persone e al tempo stesso le ha costrette a trovare un nuovo equilibrio. “Si crea uno spazio di pensiero aperto, in cui la stranezza della situazione crea la possibilità di cooperazione tra persone diverse animate da uno scopo comune”, spiega Vranken. L’esperienza abruzzese di Futurefarmers con il tempo e la pratica ha preso una via autonoma e direzioni diverse: i*le partecipanti lo hanno portato avanti autonomamente e si è evoluto in una casa sull’albero, poi in una radio, mentre alcuni agricoltori si sono dedicati alla coltivazione di un tipo particolare di grano, il Senatore Cappelli. A Vranken piace pensare che “FF crea uno spazio in cui le persone possano connettersi, auto-organizzarsi e, attraverso l’esperienza artistica, ripensarsi come comunità.”

L’Amazzonia sul Renon Qualche anno fa Franceschini era stata invitata all’università di Bolzano e, su indicazione di una collaboratrice belga di Futurefarmers, era entrata in contatto con Hotel Amazonas (v. infobox). Di recente il collettivo statunitense ha avuto l’occasione di tornare in Alto Adige, su invito dell’organizzazione culturale BAU. “BAU ci ha proposto di lavorare a un progetto partendo da un’idea molto concreta: il castagno”, ricorda Franceschini. Inizialmente il collettivo ha reagito quasi con scetticismo, perché per la prima volta avrebbe sviluppato il lavoro artistico da un’indicazione specifica, ma ha accettato la sfida e ha immediasottomarine preistoriche. L’Amazzonia tamente applicato il proprio metodo di giunge nelle Alpi, escursionisti inconlavoro anche sull’altopiano del Renon, trano streghe e modelli di coltivazione collaborando con Hotel Amazonas. “Ci sconosciuti, intesi per una produzione su ha colpito da subito la ripidità del terripiccola scala. Il libro comprende, inoltre, sette contributi da parte di quelle che il torio e l’incertezza che lo caratterizza. In collettivo definisce “voci distanti”, che quel periodo ci sono state diverse frane e fungono da inquadramento teorico per spostarsi risultava spesso molto difficile”, le tematiche che si sviluppano nella fiaba. racconta l’artista statunitense. Franceschini si augura di riuscire a preIl collettivo individua quindi nella gravità una sfida costante e un tema su cui rasentare l’opera di persona a Hotel Amagionare. Ne sono conseguite una riflessizonas e specifica che “la data di presenone sull’attrazione e sui diversi tazione del libro elementi che si uniscono e sarà annunciata “È importante portare successivamente alcupresto, quindi elementi di rottura nei consiglio a tutti*e di ne considerazioni contesti conservatori” sintonizzarsi sulle pagine sul fenomeno del di Hotel Amazonas e BAU.” ritorno alla monOperando secondo l’abituale lavoro di tagna e di come sia possibile introdurre scomposizione e dando vita a una nuova alcuni elementi di rottura, come per esnarrazione capace di ridisegnare i prinempio la cultura queer, in un contesto piuttosto tradizionalista e conservatore cipi dominanti del luogo, quindi, Futucome la montagna. “Ho incontrato anche refarmers ha lasciato le proprie tracce e un campanaro,” afferma Franceschini, creato uno spazio di riflessione e parteci“perché mi ha sempre affascinato l’arte di pazione anche in Alto Adige. Accogliere costruire le campane e l’uso che se ne fa il suo invito, misurarsi, anche in modo per fare muovere gli animali”. giocoso, su livelli di indagine più profonDopo aver unito i punti, Futurefarmers di per dare impulso a un cambiamento ha iniziato a scrivere una fiaba, “The nel territorio che abitiamo, ripensare e Chestnut, the Sea Urchin and the tuning ridefinire il nostro modo di essere coof the Bells”: una storia d’amore che intmunità è una scelta in più che possiamo compiere. reccia associazioni storiche e fantastiche, paesaggi montani locali e ambientazioni

Condividere è parte del processo creativo di FF

Hotel Amazonas Progetto artistico situato in un maso di montagna a Vanga di Sotto, che prevede un programma di residenza ed eventi. Fondato da Margareth Kaserer e Simon Steinhauser, dal 2012 dà vita a comunità temporanee in cui natura, agricoltura, arte e persone si incontrano e stimolano la consapevolezza reciproca e lo scambio sostenibile. Il maso è un parcogiochi per gli artisti e le artiste invitati*e e un luogo coinvolgente per il pubblico. www.aspmayr.com

BAU Organizzazione culturale fondata nel 2015 in Alto Adige. Diretto da Lisa Mazza e Simone Mair, sviluppa progetti di arte contemporanea che rispondono alle questioni cruciali del nostro tempo, superando la distinzione tra natura e cultura e adottando un pensiero ecologico che considera l’uomo nel suo ambiente ed entrambi come elementi di unico ciclo. Le attività di BAU si concentrano in tre aree: BAU Residency, BAU Alliances, BAU Agency. www.b-a-u.it

Affascinato dalle possibilità di cambiamento innescate dal processo creativo. ALESSIO GIORDANO

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Biblio

Into the wild Der achtsame Tiger von Przemysław Wechterowicz und Emilia Dziubak Mentor, 2019 Man sagt, der Tiger sei wild und gefährlich, doch so ganz stimmt das nicht! Nachts schleicht er herum, um Orang-Utans zu frisieren, Ameisen zum perfekten Bau zu verhelfen oder mit Tapiren zu tanzen. Die Geschichte erinnert daran, zu welch positiven Überraschungen jede*r fähig ist.

L’anarchismo. Teoria, pratica, storia di Andrea Salvatore DeriveApprodi, 2020 Molte aspirazioni del nostro grado di civiltà affondano le loro radici nel pensiero e nella pratica dell’anarchismo: l'emancipazione delle donne e diverse forme di Stato sociale, la devoluzione di poteri e la concezione del benessere individuale.

Na und?

Hörst du, wie der Himmel singt? von Kirsten Miller Baobab, 2021 Nach einer Reihe tragischer Ereignisse machen sich die Brüder Ash und Zuko zu Fuß auf den weiten Weg in die Stadt. Im Gepäck haben sie nicht viel mehr als die Adresse jenes Mannes, der ihr Vater sein muss. Ein steiniger Weg voller Entbehrungen, aber auch Unterstützung und Liebe liegt vor ihnen.

Leave no trace (DVD) USA, 2018 Die 13-jährige Tom und ihr Vater Will leben selbstbestimmt und zufrieden in einem riesigen Waldgebiet. Ständig bemüht, keine Spuren zu hinterlassen, werden sie doch eines Tages aufgespürt und gefordert, sich in die Zivilgesellschaft zu integrieren.

In der OEW-Fachbibliothek Eine Welt im Jakob-Steiner-Haus am Vintlerweg 34 in Milland/Brixen dreht sich alles um das Leben außerhalb Europas, um alternative Wirtschafts- und Lebensformen, um das Schicksal von Menschen in und aus den Ländern des Globalen Südens mit Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendbüchern. Telefon: 0472 833950. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9.00 bis 12.30 Uhr, Montag und Mittwoch auch 14.00 bis 16.30 Uhr. Unter bibkat.de/oew gibt es unser Medienangebot online.

HILDEGARD WEGER

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I gatti perduti di Homs di Eva Nour Piemme, 2021 La Siria in cui è cresciuto era un Paese come tanti. I bambini andavano a scuola, i gatti giravano furtivi per le strade di campagna, gli amori sbocciavano. Finché la guerra non cambia tutto e Sami fugge in Francia, portando il suo Paese nel cuore.

Latitudini del desiderio di Shubhangi Swarup Ponte alle Grazie, 2021 Nei primi mesi di matrimonio, Chanda Devi non aveva confidato a Girija Pasad di essere in grado di parlare con gli alberi e con ogni altro essere del creato. Una trama ricca di humour sottile che si snoda tra naturalismo e magia, Storia e politica.

La Biblioteca Culture del Mondo (BCM) onlus è una biblioteca specialistica per le culture e la narrativa del mondo, i diritti umani, la cooperazione allo sviluppo e le molte aree tematiche collegate, come i rapporti economici nel mondo, la sostenibilità, la cultura di pace, l’intercultura e le religioni. La biblioteca si trova in via Macello 50, a Bolzano, ma trovate tutto il nostro materiale anche sul sito www.bibmondo.it.

SABRINA BUSSANI

Ackern in der City Seit 2017 bietet ein 3000 Quadratmeter großer Garten am Hauptsitz der Oberalp-Salewa AG in Bozen geflüchteten Menschen eine sinnvolle Tätigkeit und den Beschäftigten der umliegenden Unternehmen frisches Bio-Gemüse und besondere Begegnungsmomente. Mitten im Gewerbegebiet wird gejätet, gegossen, gepflanzt und geerntet: Zwischen März und Oktober bestellen ein Dutzend Geflüchteter, ein Gärtner und einige Freiwillige den Bozner Salewa-Garten. Neben dem biologischen Anbau und den Prinzipien der Permakultur wird im Garten vor allem eines hochgehalten: Begegnung. So können Interessierte an Wochentagen zwischen 16 und 18 Uhr einfach im Garten vorbeikommen und sich selber ein Bild machen. Dienstagnachmittag bietet das Garten-Team seine Produkte gegen eine Spende an einem kleinen Stand an.

Yusif Luba und Martin Ploner

„Spannend dabei ist, dass viele Menschen motiviert und fleißig seine Pat*innen heutzutage nicht mehr einschätzen könsind!“ Tatsächlich: Einige Beete sind von nen, was Gemüse kostet“, gibt Gärtner Unkraut überwuchert, andere liebevoll Martin Ploner zu bedenken, der nebenbei gepflegt. Besonders stolz ist das Team in Seis seine eigene solidarische Landwirtheuer auf den Riesen-Kürbis, den es heschaft betreibt. Der Großteil des Gemüses rangezogen hat. Auch die neuen Hügelwird direkt im angrenzenden Bistrot zu beete, die unter anderem mit Resten der gesunden Gerichten verkocht. Salewa-Schafwolle geEin Hingucker Der gesamte Erlös aus dem mulcht wurden, waren ist das Projekt kommt den Gebesonders ertragreich. Ein flüchteten zugute. Für Beweiterer Hingucker ist das Hanf-Feld. gegnung und Austausch Hanf-Feld, wo versuchsweise sorgen auch die Beet-Patenschaften, bei Faser-Hanf angebaut wird – ein besondenen sich Oberalp-Mitarbeiter*innen ders wertvoller Rohstoff für die nachhaleines Beetes antige Textilproduktion. Die Mitarbeiter nehmen und nach im Garten bringen sich auch ein, wenn Feierabend oder in es um die Planung und die Auswahl der Mittagspause der Pflanzen geht: Im vergangenen Jahr selbst im Garten wurden erfolgreich Yams-Wurzeln anHand anlegen köngebaut, dieses Jahr versucht man sich an nen. Der Austausch Süßkartoffeln und im kommenden Jahr von Tipps und der sollen Okraschoten die Vielfalt im Garein oder anderen ten ergänzen. Das Know-How für den G e mü s e -R a r it ät Anbau dieser für Südtirol neuen Köstkommt da autolichkeiten bringen oft die Geflüchteten matisch zustande. selber mit – vieles, was in einigen ihrer Mitarbeiter Yusif Herkunftsländer täglich auf dem Teller Luba schmunzelt landet, ist hierzulande völlig unbekannt. über eine weiteUnd dennoch: Viele Pflanzen gedeihen re Besonderheit: erstaunlicherweise hier fast genauso gut „Man erkennt auch wie dort. direkt am Beet, wie

Wo Menschen gedeihen, schmeckt auch das Gemüse besser. ANNA MAYR . LISA FREI

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Speakers’ Corner Anschlag

Natura Matrigna

Kommt ein Vöglein

Con l’evoluzione della specie umana e lo sviluppo tecnologico – non datemi del luddista – ci siamo sempre più allontanati dalla natura selvaggia. L’abbiamo aggredita senza adattarci, a differenza delle altre specie, e da elemento predominante è passata a zone relegate economicamente profittevoli. Safari “sportivi” con animali uccisi, estrazione di materie prime e disboscamenti per inserire allevamenti o piantagioni sono alcuni esempi. Oggi, però, sembra che la coscienza comune si sia risvegliata e abbia dato vita a movimenti per la sua tutela. Lodevole, ma non corretto se vista con occhi leopardiani. La terra, e di conseguenza la natura – matrigna –, esiste da miliardi di anni e continuerà a farlo fino a che verrà inghiottita dal sole, a meno di un attacco della Morte Nera. Incurante delle specie esistenti, che sono solo di passaggio, si riapproprierà degli spazi e di quello che le abbiamo lasciato. L’atto di proteggerla diventa, quindi, a sua volta, “contro natura” nei confronti di una natura che, indifferente a ciò che la circonda, vive sempre. Diventa, perciò, necessario il punto di vista in cui al centro vi è la sopravvivenza dell’essere umano attraverso un adattamento alla natura, la tutela ne è una conseguenza. In alternativa, come Elon Musk, si può pensare a un monolocale su Marte e ricominciare daccapo.

FEDERICO SIMONCINI ULIVELLI

Am schönsten ist es in den frühen Morgenstunden im Frühjahr oder Herbst: Im Biotop ganz in meiner Nähe beobachte ich fast jeden Samstag bis in die Mittagsstunden Sing- und Greifvögel, Rabenvögel, Spechte und Reiher. Die außergewöhnlichsten Vögel, die ich heuer beobachten konnte, waren Kuhreiher, das kleine Sumpfhuhn, Blaukehlchen und eine Rotdrossel. Eine Zwergdommel und Rohrdommel konnte ich auch sehen. Die meisten Vögel habe ich im Mai beobachtet, da notierte ich an einem Samstagvormittag 43 Arten. Meine Leidenschaft für Vögel entdeckte ich beim ersten CoronaLockdown, als in unserem Garten viel mehr Vögel vorbeikamen und brüteten als sonst. Im benachbarten Wald brütet jedes Jahr ein Waldkauz. Manchmal gehe ich mit Freunden, manchmal allein. Hauptsache, es ist ruhig. Oft treffe ich Hobby-Ornitholog*innen, die mir dann Tipps geben, wo ich welchen Vogel noch sehen kann. Mein Fernglas habe ich über eine Radiosendung von netten Menschen geschenkt bekommen. Es gibt eine Arbeitsgemeinschaft für Vogelschutz und Vogelkunde, dort bin ich seit ein paar Monaten Mitglied. Die AVK macht oft Exkursionen, da bin ich immer der Jüngste. Manchmal fotografiere ich die Vögel. Ein Spektiv mit einer 60fachen Vergrößerung wäre toll, dann könnte ich auch weit entfernte, scheue Vögel gut beobachten. Ich hoffe, das Biotop bleibt noch lange erhalten, denn hier machen die Zugvögel auf ihrer weiten Reise eine überlebenswichtige Rast.

Ich bin auch mit dabei! Ci sto anch‘io!

Tierbefreiung Im Unterschied zum Tierschutz lehnt die Tierbefreiungsbewegung jegliche Domestizierung von Tieren ab. Die Tierbefreier*innen richten ihre Kritik meist gegen Massentierhaltung, Pelzproduktion, Jagdkultur und Versuchslabore. Sie verlassen sich dabei nicht auf staatliche Institutionen, sondern versuchen durch selbstorganisierte Aktionen die Tiere zu befreien sowie Öffentlichkeit durch mediales Aufsehen zu schaffen. So gelang es zum Beispiel 2016 italienischen Aktivist*innen, in das Grundstück eines Tierversuch-Labors einzudringen und Hundewelpen zu befreien. Dort wurden jahrelang tausende Beagels gezüchtet, welche größtenteils an den Folgen der Experimente verstarben. Durch die spektakulären Tierbefreiungen wurde der öffentliche Druck so groß, dass das Labor schloss und die verbliebenen 2.500 Hunde an neue Tierfreund*innen in ganz Europa verteilt wurden.

KARIN COLOMBI

Wie wild darf Natur sein? Könnten Wetterextreme, Epidemien oder schadenverbreitende Wölfe und Bären auf ein gestörtes Mensch-Natur-Verhältnis zurückzuführen sein? Es scheint, als hätten wir den Bezug zur Natur verloren. In unserer Zivilisation ist Natur etwas, das man eher ausbeutet oder Gebiete für Erholungszwecke dekorativ gestaltet. Nach dem Motto: Natur ist ganz wunderbar, aber bitte nicht zu wild. Und natürlich nur so, wie es gerade in den Kram passt. Oder auf eine Art und Weise, nach der anschließend der Geldbeutel etwas lauter scheppert. Kein Wunder also, dass wir immer wieder daran scheitern, wenn wir die Natur kultivieren wollen – ein schier hoffnungsloses Unterfangen. Macht die Natur dann doch wieder das, was sie will ...

„Ich bin Mitglied von Oikocredit, weil mir die Unterstützung von Frauen am Herzen liegt. Kleine Kredite bewirken Großes und sind ein wichtiger Schritt in die Selbständigkeit.“ (Maria Kerschbaumer) www.oikocredit.it +39 333 877 9891 suedtirol@oikocredit.org Hier finden Sie unsere Testimonial Videos. Qui potete trovato i video dei nostri testimonial.

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TOBIAS BACHER, 11 JAHRE

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Die wilde Natur wird nicht überall der zivilisierten Kultur gegenübergestellt. In Sikkim, einem kleinen indischen Bundesstaat im Himalaja, sind Natur und Kultur aufs Engste miteinander verbunden. Sikkim und Südtirol haben übrigens einige Gemeinsamkeiten: Beide Gebiete wurden (nicht ganz freiwillig) einem größeren Staat einverleibt, sie beheimaten kulturelle und sprachliche Minderheiten und beides sind Bergregionen, um nur einige Beispiele zu nennen. Große Unterschiede gibt es aber beim Verständnis von Natur. Bei uns findet Natur draußen statt. Wir treten in die Natur hinaus oder hinein. Während wir Natur gestalten oder beherrschen wollen, verorten sich die Menschen in Sikkim als Teil der Natur. Es treten vermehrt Wetterextreme, Epi-

demien oder wilde Tiere auf? Da wurde die Natur wohl gestört und möchte uns daran erinnern, verantwortungsbewusster mit selbiger umzugehen. Um Missverständnisse gleich aus dem Weg zu räumen: Wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Fortschritte haben auch in Sikkim Einzug gehalten. Allerdings wissen viele Sikkimes*innen nach wie vor, dass sie ein Teil der Natur sind und nicht die Natur ein untergeordneter Teil des Menschen. Vielleicht sollten wir unser Verhältnis zur „wilden“ Natur gelegentlich kritischer hinterfragen.

MARLENE ERSCHBAMER

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Tu du’s!

Schwarzweiß ROBERT ASAM

Böse Worte...

Ein Bad im Wald

… über runde Jubiläen

Im Herbst genießen wir es, die Berge und Wälder wieder für uns zu haben. Stolz kommt auf, wenn man es über Stock, Stein und Steig bis ganz oben schafft. Das Erfolgserlebnis hält meist nicht lange an. Der nächste Gipfel wartet schon. Wer nachhaltige Zufriedenheit sucht, tut gut daran auch mal ziellos zu wandern und zwischendurch stehen zu bleiben. Schneller, weiter, höher. Mit dieser Einstellung starten viele im Sommer in die Berge und freuen sich, wenn es die Kondition erlaubt kontinuierlich immer schwierigere Berge zu erklimmen. Die wöchentlichen Höchstleistungen werden dann Montagfrüh bei der Kaffeepause stolz den Kolleg*innen präsentiert. Könnte ja sein, dass jemand das Gipfelkreuzfoto im WhatsApp-Status übersehen hat. Beim zielorientierten Wandern wird oft vergessen, den Blick nicht nur auf den Gipfel, sondern auch auf den Weg zu richten. Man könnte auch mal den Schrittzähler zuhause lassen, die Höhenmeter vergessen. Kurzum: entschleunigen. Ein Trend, der das bewirkt, ist das „Waldbaden“. Im Wald spazieren tut gut: unserem Körper und unserer Stimmung. Umgeben von Bäumen schlägt das Herz ruhiger, der Blutdruck sinkt und die Stresshormone werden weniger. Das liegt nicht nur an der sauberen Luft, dem gedämpften Licht und der Farbe Grün, die beruhigend auf Körper und Psyche wirkt. Besonders wohltuend ist für den Menschen das Waldinnenklima, das eine erhöhte Konzentration an biogenen Wirkstoffen (Phytonzide) aufweist, die Pflanzen zum Schutz vor Schädlingen und Krankheitserregern bilden. Nicht

Auch in die Natur können wir "eintauchen".

verwunderlich, dass Waldbaden laut Forschungen auch das Immunsystem stärkt. Was sich in Europa auch pandemiebedingt immer größerer Beliebtheit erfreut, wird in Japan unter dem Namen „shinrin-yoku“ (Waldluftbaden) schon seit vierzig Jahren praktiziert und hat sich dort als moderne Gesundheitsvorsorge etabliert. Wie funktioniert ein „Waldbad“? Eine klare Antwort darauf gibt es nicht. Denn anders als beim Wandern gibt es hier keine Route, kein Ziel und keine vorgegebene Zeitspanne. Es geht nicht darum weite Strecken zurückzulegen, Gipfel zu erklimmen und Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen. Es geht lediglich darum, das Naturerlebnis voll und ganz auf sich wirken zu lassen. Jeder Mensch hat einen Urinstinkt, der ihn mit der Natur verbindet und den gilt es zu aktivieren. Sich beispielsweise mal zu setzen und an einen Baum zu lehnen und dessen Rinde zu spüren. Ein Leben zu spüren, das von der Natur kommt. Abgesehen von der miteinhergehenden

Bewegung und der Naturkulisse haben Waldbaden und Wandern also nicht viel gemein. Was sie jedoch am meisten unterscheidet, ist der Leistungsgedanke, der beim Waldbaden ausgeklammert wird. In der Natur sein und einfach nur sein, ohne einen Zweck zu verfolgen, wenn nicht jenen, dass es uns guttut.

Impressum Herausgeberin | editore

TIPPS FÜRS WALDBADEN Regeln gibt es keine, nur ein paar helfende Anweisungen: - Spüren, nicht denken! Empfangen, nicht leisten. - Stichwort „Achtsamkeit“ – im hier und jetzt sein und konzentriert atmen. - Beim Waldbad gilt wie beim Schaumbad: Weg mit dem Handy!

Vintlerweg 34 Via Vintler – 39042 Brixen | Bressanone T. 0472 833950 – zebra@oew.org facebook.com/zebrastreetpaper – www.oew.org St.Nr. | c.f. 90009830218 – Sabrina Eberhöfer (Vorsitzende | presidente) Redaktion | redazione Lisa Frei (Leitung | caporedattrice – lisa.frei@oew.org, Tel. 0472 208207) Alessio Giordano (alessio.giordano@oew.org) Satz und Gestaltung | impaginazione e grafica Petra Schwienbacher (tintenfuss.it) Werbung I pubblicità Maximilian Ploner (office@oew.org, Tel. 0472 208204) Verantwortlicher Direktor | direttore responsabile Wolfgang Penn Registrierung | registrazione Landesgericht Bozen | Tribunale di Bolzano N6/94 R.ST.6.8.94 Druck | stampa Athesiadruck GmbH | srl, Bozen | Bolzano

„Und des sogn sie ohne rot zu wern?”

„Südtiroler Hotellerie: Die Zukunft der Gastlichkeit ist grün. Punkt.“

Bozner Kaufleute wollen den Ötzi behalten, weil sie an ihm hängen. Emotional. Kann man verstehen. Wer so lange Tür an Tür wohnt, entwickelt Verlustängste. Ich als Meraner aber sage, Ötzi gehört ins Touriseum. Reinhold hin, Kaufleute her! Wo sonst sollte eine Touristenattraktion wohnen! Ötzi und Sissi gemeinsam unter einem Dach. Einen Film, ein Tanztheater, ein Musical und mindestens drei Bücher würde diese Geschichte hergeben. Apropos Bücher: Wenn Ötzi im Touriseum liegt, könnte man den Luis auf den Virgl…, also nicht sofort, erst in 20, 30 oder 40 Jahren. Bei einem der nächsten Jubiläen halt. Ein Bergbauernbub gehört auf den Berg! Oder, Reinhold, was meinst du? Jetzt fürchten die Bozner Kaufleute,

Mitwirkende dieser Ausgabe per questa edizione hanno collaborato Adrian Luncke, Alessio Giordano, Anna Mayr, Anna Maria Parteli, Annelies Senoner, Daniela Halbwidl, Denny Pedross, Fabio Zema, Federico Simoncini Ulivelli, Franziska Blaas, Hildegard Weger, Karin Colombi, Lisa Frei, Luise Bacher, Marlene Erschbamer, Marta Larcher, Matthäus Kircher, Maya Sophie Goepfert, Monika Thaler, Nadia Sorg, Nils Bertol, Robert Asam, Sabrina Bussani, Samia Kaffouf, Smart Benson, Sophie Terzer, Tobias Bacher Foto 1: Anna Mayr; 4: Anna Mayr; 5: Lisa Frei; 6-7: commons.wikimedia.org; pixabay.com; pxfuel.com; unsplash.com; wikipedia.org; 8: Maya Sophie Goepfert; 9: flickr.com/Jonathan Cutrer; 10: pxfuel.com; 15: flickr.com; 16-17: Anna Mayr; 19-20: Alessio Giordano; 21: Michela Zucca; 22: Manuela Tessaro; 23: Matthias Lintner; 24-25: Amy Franceschini, Aspmayrhof; 27: Anna Mayr; 30: pixabay.com;

sie würden leer ausgehen. Keine Sorge. Es gibt einen Trostpreis: Zum 50. BenkoImmer-Noch-Baustellenjubiläum wird Bozens Innenstadt zu einem Freilichtmuseum umfunktioniert. Maskenpflicht besteht nicht, aber Gummistiefel müssen die Besucher*innen mitbringen. Damit hätten wir nun diesen Südtiroler Jubiläumsseptember 2021 aufgearbeitet und können uns weiteren Jubiläen widmen, die von Luis und Ötzi in den Hintergrund gedrängt wurden: 80 Jahre Edmund Stoiber, 80 Jahre Umberto Bossi. Schon wieder die Frage: Was schenken? Wie wäre es mit einem Büchergutschein. Ich wüsste da drei Bücher zur Auswahl. Sonst halt ein zebra.-Abo.

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Einige zebra.Verkäufer*innen sind nach wie vor obdachlos. Der Verkauf der Straßenzeitung bietet eine Überbrückungsmöglichkeit, aber längerfristig ersetzt zebra. kein sicheres Arbeitsverhältnis. Daher baut die OEW auf schnelle unkomplizierte Hilfe und die berufliche Weiterbildung der Sie möchten die Straßenzeitung Verkäufer*innen. zebra. (jährlich zehn Ausgaben) Alcuni venditori*trici di zebra. sono abonnieren und sie als Freund*in ancora senza dimora. Il giornale di (40 Euro) oder Förderer*in (ab 80 strada è una soluzione temporanea, Euro) unterstützen? ma non sostituisce un lavoro fisso. Per Bitte senden Sie Ihre Anschrift questo l’OEW offre ai venditori*trici an info@oew.org oder rufen Sie un aiuto veloce e semplice ed opportunità di riqualificazione. uns an: 0472 833 950. Desidera ricevere il giornale di strada zebra. (dieci edizioni all’anno) e sostenerlo in qualità di amico*a (40 Euro) o promotore*trice (da 80 Euro)? La invitiamo ad inviare i Suoi dati a info@oew.org o a chiamarci al numero 0472 833 950.

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Badet gerne, egal ob im Wald oder im Schaum. DANIELA HALBWIDL

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Da ist etwas zusammengekommen in diesem September 2021. 80 Jahre Altlandeshauptmann Luis, 50 Jahre Greenpeace, 30 Jahre Uraltmumie Ötzi, 20 Jahre 9/11, macht zusammen 180. Eine stolze Zahl! Und jetzt stellt sich die Frage, was schenken? Wer einen Runden feiert, der muss beschenkt werden. Lassen wir die weniger wichtigen Jubiläen einmal beiseite und kümmern uns um das, was wirklich zählt: Das ist erstens der Luis und zweitens der Ötzi. Der Luis hat zum Runden drei Bücher bekommen, von denen er nichts wusste. Jedenfalls war er sehr überrascht. Der Ötzi liegt noch in seiner Kühlzelle und wartet, ob er den versprochenen neuen Schlafplatz bekommt. Bergmuseumsmacher Reinhold (heuer ohne Jubiläum) würde ihn zurück auf den Berg schicken. Mag sein, dass der Ötzi auf dem Berg am besten aufgehoben wäre, aber damit sind halt nicht alle einverstanden. Der Bürgermeister von Schnals – das ist jene Gegend, wo man den Ötzi heimtückisch ermordet hat – will mehr Schnals rund um Ötzi. Die

Die Gutmenschin

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www.oew.org/zebra

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Zentral Cafè & Restaurant / ristorante & bar – foto: Oliver Jaist – Seiser Basalt Kristall / Basalto delle Alpi di Siusi Cristall

Stein ist Ruhe und Kraft. La pietra è serenità ed energia.

Werk / stabilimento & Showroom: Terlan / Terlano +39 0471 205305 – www.suedtirol-stein.com


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