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Verlagsbeilage

NZZ am Sonntag 5. Juli 2020

Zukunft Bauen Gamechanger der Schweizer Bau- und Immobilienbranche

HAUPTSITZ DER SWATCH GROUP IN BIEL; ARCHITEKTUR: SHIGERU BAN ARCHITECTS EUROPE; GESAMTLEITUNG: ITTENBRECHBÜHL; PROJEKTMANAGEMENT: HAYEK ENGINEERING; FOTO: SWATCH GROUP

CH-8021 ZÜRICH • TELEFON +41 44 258 16 98 • WWW.NZZONE.CH


Verlagsbeilage Zukunft Bauen

#Inhaltsverzeichnis

Gamechanger der Schweizer Bau- und Immobilienbranche

NZZ am Sonntag 5. Juli 2020

FOTO: MICHELE LIMINA

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«Gamechanger» meint, wie Vorreiter das Spiel (pro)aktiv verändern – und nicht, wie sie das Spiel verändern wollen. Denn: «Zukunft Bauen» beginnt jetzt.

#VorreiterDerImmobilienbranche 5 Storys

#Innovation IstChefsache

#TheNext BigThing

#VorreiterDer Baubranche

#VorreiterDer Immobilienbranche

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Halter AG

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Baumeisterverband

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daura

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IttenBrechbühl

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HEGIAS

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Righetti Partner

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Singular

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ConReal Swiss

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Raumgleiter

«Bis 2050 produzieren wir klimaneutrales, rezyklierbares Baumaterial»

Steiner AG

«Hightech wird immer mehr zum Standard»

10 «Das HypothekarUBS Schweiz

geschäft von morgen ist digital» The Circle

«Wir sind bereit, dass die Zukunft bei uns stattfinden kann»

IMPRESSUM

Virtual Reality für alle

Die Lösung im Sprachenstreit

Analoge Zielfindung für digitale Prozesse

Bindeglied, Übersetzer und Brückenbauer

Digital auf dem Vormarsch

Mit präzisen Spielzügen zum Wohntraum

Vom Bild zur digitalen Erlebniswelt Condair

ist eine Verlagsbeilage der NZZ-Mediengruppe in Kooperation mit Sarah Schlagenhauf, Inhaberin Brand Relations.

ein unterschätzter Gesundheitsfaktor #VorreiterDerBaubranche

FOTO: PETER RIGAUD

4 Storys

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Projektmanagement Inhalt: Norman Bandi, Head of NZZ Content Creation Layout: Armin Apadana, Graphic Designer & Konzepter Kontakt: NZZone, c/o NZZ AG, Postfach, 8021 Zürich www.nzzone.ch

Der Ende 2019 eröffnete Hauptsitz der Swatch Group in Biel: Ein parametrisches 3D-Modell diente als zentrales Planungsinstrument für die Entwicklung und Umsetzung der Holzgitterkonstruktion, die aus rund 4600 dreidimensional unterschiedlich gebogenen Holzbalken die Silhouette des Gebäudes formt; Architektur: Shigeru Ban Architects Europe; Gesamtleitung: IttenBrechbühl; Projektmanagement: Hayek Engineering, Foto: Swatch Group.

#InnovationIstChefsache 4 Storys

Bonainvest

Klug bauen, vernetzt wohnen, clever leben

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ImmoZins

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SVIT Zürich

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Palmtrip

Titelbild

Themen-Dossier QR-Code scannen und mehr erfahren

Walde & Partner

20 Luftfeuchtigkeit –

«Zukunft Bauen»

Inhalt realisiert durch NZZ Content Creation im Auftrag von Brand Relations. www.brandrelations.ch

Digitale Aktie für KMU

Treibende Kräfte der Transformation bündeln

Mehr Transparenz bei Immobilieninvestments

Sanfte Revolution für Online-Muffel

FOTO: MICHELE LIMINA

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«The Branch» – ein neuer Innovationshub

FOTO: HALTER AG

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Holcim Schweiz

Token für Token zur Ferienimmobilie

#TheNextBigThing 6 Storys


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#InnovationIstChefsache

«Bis 2050 produzieren wir klimaneutrales, rezyklierbares Baumaterial» Nick Traber, CEO von Holcim Schweiz und Italien, hat sich zum Ziel gesetzt, sein Geschäft entlang der ganzen Wertschöpfungskette konsequent zu digitalisieren und klimaneutral zu gestalten. Dafür brauche es eine klare Roadmap, kompetente Mitarbeiter und eine Portion Risikobereitschaft. Die Digitalisierung verändert herkömmliche Praktiken radikal. Wie reagieren Sie und Ihre Firma auf diese Entwicklung, um «Gamechanger» in der Schweizer Baubranche zu sein? Nick Traber: Indem wir Worten Taten folgen lassen. Das ist für mich ein wichtiges Kriterium für einen Gamechanger. Zudem wollen wir in den Schlüsselbereichen ein «First Mover» sein. Dabei geht es um die drei Megatrends Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Urbanisierung. Als Gamechanger treiben wir Innovationen in diesen Bereichen voran und suchen Lösungen, um aktuellen Herausforderungen wie der Ressourcenknappheit oder dem Klimaschutz wirkungsvoll zu begegnen. Denken Sie da an bestimmte Beispiele? Aus heutiger Sicht spielt das Thema Recycling eine grosse Rolle – bei uns und bei den Kunden. Wer heute nachhaltig bauen will, wählt Baustoffe, die eine lange Lebensdauer haben, rezyklierbar sind und eine tiefe CO2-Bilanz aufweisen. Das erreichen wir, indem wir CO2 entlang der gesamten Wertschöpfungskette reduzieren, die Baustoffkreisläufe schliessen und dazu beitragen, Baustoffe effizienter einzusetzen. Mit der Entwicklung unseres neusten Produkts, des ressourcenschonenden und klimaneutralen Betons EvopactZERO, haben wir einen weiteren Schritt in diese Richtung gemacht. Bei der Digitalisierung setzen wir ebenfalls entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf neue Schlüsseltechnologien. Hier stehen für uns nicht nur die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch die Kreislaufwirtschaft, die Qualitätssicherung und die Arbeitssicherheit im Vordergrund. Die Digitalisierung hilft uns, die

Prozesse besser zu kontrollieren, und bietet die Chance für neue Geschäftsmodelle und Anwendungen. Ergeben sich daraus weitere Handlungsfelder? Dank der Digitalisierung verbessern wir die Interaktion mit den Kunden – die Customer Experience – ebenso wie die Abläufe auf der Baustelle und die Supply Chain. Beispiele dafür sind der BIM Model Checker und der Holcim-Konfigurator, der Kunden bei der Auswahl des optimalen Produktmixes berät. Oder auch die digitale Plattform «HolcimNow», die industriellen Kunden ermöglicht, Zementbestellungen jederzeit digital aufzugeben, den Fortschritt ihrer Lieferungen in Echtzeit zu verfolgen und nachträgliche Anpassungen vorzunehmen. Welche Attribute zeichnen Sie persönlich als Gamechanger aus? Ein Gamechanger braucht immer eine gewisse Risikobereitschaft, um die Komfortzone zu verlassen und neue Wege zu beschreiten. Zudem ist für uns die Fokussierung auf den Kunden enorm wichtig. Ich muss genau wissen und verstehen, was die Herausforderungen auf der Kundenseite sind. Daraus gilt es, neue Lösungen und Geschäftsmodelle abzuleiten. Unter Berücksichtigung der Corona-bedingten Abstandsregeln auf den Baustellen haben wir zum Beispiel vermehrt selbstverdichtenden Beton verwendet, damit nicht vier Personen um die Betonpumpe herumstehen mussten. Auch die Antizipation der steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Baumaterialien ist für mich ein Merkmal eines Gamechangers. Als CEO muss ich nicht nur eine Kultur schaffen, in der In-

FOTO: PD

Plattform «HolcimNow»: Sie ermöglicht industriellen Kunden, Zementbestellungen jederzeit digital aufzugeben und in Echtzeit zu verfolgen.

Nick Traber, CEO von Holcim Schweiz und Italien: «Ein Gamechanger braucht immer eine gewisse Risikobereitschaft, um die Komfortzone zu verlassen und neue Wege zu beschreiten.» FOTO: MICHELE LIMINA

novationen möglich sind, sondern auch die Kompetenzen dafür sicherstellen. Wir brauchen beispielsweise Leute, die mit Artificial Intelligence arbeiten können, und andere, die etwas von Nachhaltigkeit verstehen. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie mit Holcim? Innovation und Nachhaltigkeit sind bei Holcim Teil der DNA. Bereits seit Anfang der 2000er-Jahre haben wir dazu eine Roadmap. Bis 2050 wollen wir klimaneutrales und vollständig rezyklierbares Baumaterial produzieren und die Stoffkreisläufe komplett schliessen. Damit spielen wir eine Schlüsselrolle im Übergang zur Kreislaufwirtschaft und leisten einen massgeblichen Beitrag an eine nachhaltig gebaute Zukunft. Und wir wollen unser Geschäft vom Steinbruch bis zum Endkunden vollständig digital abwickeln. Wie wollen Sie das schaffen? Ganz wichtig sind die Mitarbeitenden. Viele von ihnen sind schon sehr lange bei uns tätig, kennen die Firmenkultur und haben ein enormes Wissen und grosse Erfahrung im Umgang mit unseren Schlüsselthemen. Diese Leute müssen wir pflegen und weiterentwickeln. Gleichzeitig müssen wir aber auch in der Lage sein, komplementäres Know-how von aussen zu holen und in die Firma zu integrieren. Meine Aufgabe als CEO ist es, eine Kultur zu schaffen, in der die Mitarbeiter sich trauen, etwas zu versuchen und auch Fehler zu machen. Und das in einer Branche, in der es keine Fehlertoleranz gibt, denn ein Bauwerk muss stabil und sicher sein. Welche Massnahmen greifen bei der Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft? Beim Recycling- und Entsorgungsgeschäft sind wir schon sehr gut aufgestellt. Wir verwerten beispielsweise in der Zementproduktion sehr viel Plastik und reduzieren so den Einsatz von traditionellen Brennstoffen. Aber auch Biomasse wie Klärschlamm und Abfallholz verwenden wir wieder und schliessen so den Kreislauf. Auf diese Weise decken wir heute mehr als 50 Prozent unseres thermischen Energiebedarfs mit Abfallstoffen ab. Und wir investieren jedes Jahr in neue Technologien, um noch mehr solcher Stoffe zu entsorgen. Zudem verwerten wir pro Jahr etwa 200 000 Tonnen mineralische Abfälle und sparen so der Schweiz alle fünf Jahre eine Deponie. Nicht vergessen darf man die Logistik: Jahr für Jahr produziert und vertreibt Holcim 2,5 Millionen Tonnen Zement. Gut 40 Prozent davon wird mit mehr als 400 Eisenbahnwagen auf der Schiene transportiert, was rund 98 Prozent CO2 im Vergleich zum Strassentransport einspart. Wie wichtig ist die Biodiversität für Holcim?

Nick Trabers Brancheneinschätzung Wie sehr beschleunigt die Corona-Krise die Digitalisierung in Ihrer Branche? Wie sehr wird künstliche Intelligenz den Umgang mit Daten beeinflussen? Bei aller Disruption und Automation: Wie wichtig bleibt der Faktor Mensch?

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Skala: 1 = Tiefstwert / 10 = Höchstwert

Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Holcim trägt viel dazu bei, die Biodiversität zu erhalten und zu fördern. Eingriffe in die Natur sind zeitlich begrenzt, und viele ehemalige Abbaugebiete von Holcim besitzen heute sogar den Status eines Naturschutzgebietes und sind wichtige Lebensräume für heimische Tiere und Pflanzen. In jedem Werk beschäftigen sich Umweltverantwortliche mit der Biodiversität und Renaturierung. Wir haben in den letzten rund fünf Jahren etwa 800 000 Quadratmeter Land renaturiert und rekultiviert – das sind etwa 16 Fussballfelder pro Jahr. Inwieweit hat die Digitalisierung schon die Baustelle erreicht? Baustellenplanung für Lieferungen und Verrechnungen laufen heute grösstenteils online. Auch die Kommunikation mit Baustellen und Baufirmen erfolgt digital über «holcimpartner.ch». Industrielle Kunden können mit der Plattform «HolcimNow» überprüfen, wo sich die Lieferung aktuell befindet und welchen Status sie hat. Uns ist es zusätzlich möglich, allfällige Probleme zu erkennen und Beschwerden zu bearbeiten. Auch der Verlad funktioniert online – die Fahrer scannen einen QR-Code und wissen sofort, welches Silo sie ansteuern müssen. Mit der Plattform «Savanna» digitalisieren wir die Interaktion mit den Lieferanten – von der Schulung für die Arbeitssicherheit bis zur Rechnungsstellung. Ziel ist, alles in einem System abwickeln zu können, damit es möglichst wenige Schnittstellen gibt. Wo liegen da die Herausforderungen? Kulturwandel, stabile Rahmenbedingungen und Interaktion aller Stakeholder sind drei Stichworte. Etwa im Verkauf müssen wir die Kunden von unse-

«Innovation und Nachhaltigkeit sind bei Holcim Teil der DNA.»

ren Recyclingprodukten überzeugen. Klimaneutralität erreichen wir nur, wenn alle mitmachen und auch bereit sind, lokal einzukaufen und allenfalls etwas mehr zu bezahlen. Die öffentliche Hand spielt da eine wichtige Rolle, weil sie einer der grössten Endkunden ist. Und wir müssen uns bei aller Innovationskraft auf gute und stabile Rahmenbedingungen verlassen können. Wie wichtig sind in Ihrem Unternehmen Ökosysteme und neue Plattformen? Die sind sehr zentral bei uns. Die ganze interne Kommunikation erfolgt zum Beispiel, wenn man so will, in einem eigenen, digitalen Ökosystem, in dem man alles findet, von der Weiterbildung über die Mitarbeiterbefragung bis zur Spesenabrechnung. Aber auch die erwähnten Plattformen «HolcimNow», «holcimpartner.ch» und «Savanna» sind Ökosysteme. Die Verwertung von Abfällen geschieht ebenfalls in einem eigenen Ökosystem, in dem Innovationen angestossen werden, die wir dann weltweit in der ganzen Gruppe verwenden können. Kreislaufwirtschaft ist für uns nicht nur ein Bekenntnis zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen – sie macht unsere Prozesse auch wirtschaftlicher. Deshalb investieren wir laufend in Massnahmen, mit denen wir Stoffkreisläufe schliessen. Interview: Michael Baumann

Holcim Schweiz 1912 in Holderbank gegründet, ist die Holcim (Schweiz) AG heute der grösste Bau­ stoffhersteller des Landes und eine Tochtergesellschaft der weltweit tätigen La­ fargeHolcim Ltd. Die Herstellung von Beton, Kies und Zement sowie dazugehörige Dienstleistungen bilden das Kerngeschäft der Firma. In der Schweiz beschäftigt Holcim an 55 Standorten rund 1200 Mitarbeitende und betreibt 3 Zement­, 16 Kies­ sowie 36 Betonwerke.


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Auf der Baustelle von «The Branch» (von links nach rechts): Nik Grubenmann, Kommunikationsleiter Halter, Sandra Romagnolo, Marketing & Events, und Andreas Hänsenberger, Konzeptentwickler Halter. FOTOS: MICHELE LIMINA

«Wir wollen Wissen aktiv teilen»

#TheNextBigThing

«The Branch» – ein neuer Innovationshub Kollaboratives Arbeiten gewinnt in der Bau- und Immobilienbranche immer mehr an Bedeutung. Mit «The Branch» lanciert Halter 2021 in Schlieren das schweizweit erste Innovationszentrum seiner Art – für alle, die ihr Know-how teilen und die Industrie gemeinsam weiterbringen wollen. Es wird gebohrt, gehämmert, geschliffen und gestrichen. Das ehemalige Druckereizentrum der NZZ-Mediengruppe an der Zürcherstrasse in Schlieren wandelt sich dieser Tage zum Innovationszentrum der Bau- und Immobilienbranche. Mit dem sichtbaren, baulichen Transfer geht ein kultureller Wandel einher, der sich letztendlich in den Köpfen vieler Einzelner abspielen soll. «Kollaboratives Arbeiten und der Wille zum Austausch über die eigenen Firmenstrukturen hinaus: Sie sollen das Fundament bilden, auf der sich unsere Branche ihre Zukunft aufbaut», sagt dazu Andreas Hänsenberger, Konzeptentwickler bei der Halter AG.

«Mit The Branch betreten wir zweifelsohne Neuland.»

Neue Strukturen, neue Denkweise Miteinander statt gegeneinander, teilen statt festhalten – bei Halter nennt sich das «The Branch». Konkret geht es um einen Innovationshub, der vieles unter einem Dach vereint: Büroräume, Big Rooms, Co-Working-Spaces, Meeting Rooms, Lounges, Eventinfrastrukturen, aber auch Veranstaltungsreihen. Alles in

Halter AG Die 1918 von Wilhelm Halter gegründete Halter AG mit Sitz in Zürich und Geschäftsstellen in Bern, Basel, Luzern, Lausanne und St. Gallen beschäftigt heute rund 270 Mitarbeitende und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 500 bis 600 Millionen Franken. Das Unternehmen wird geführt von Balz Halter (Verwaltungsratspräsident) und Markus Mettler (CEO). Halter gehört zu den führenden Firmengruppen für Bauund Immobiliendienstleistungen in der Schweiz. Die unternehmerischen Geschäftseinheiten umfassen die Bereiche Business Development, Gesamtleistungen, Renovationen und Entwicklungen. Ergänzend arbeitet das Unternehmen bei spezifischen Anforderungen im Bereich Immobilien- und Technologiedienstleistungen auf Projektbasis eng mit den Schwestergesellschaften zusammen. Diese sind in ihrem jeweiligen Marktsegment jedoch unabhängig tätig.

allem erfordern die kollaborativen Arbeitsmodelle grundsätzlich neue Zusammenarbeitsmöglichkeiten – virtuell genauso wie in der Realität. «Nicht nur Organisationen, Firmen und Menschen müssen dynamisch, flexibel und agil sein. Dasselbe gilt auch für die Gebäude», ergänzt Hänsenberger. «Räume und ganze Liegenschaften sollen sich schnell und idealerweise unkompliziert anpassen lassen, um so die jeweiligen Anforderungen situativ und rasch zu erfüllen.» «The Branch» – zu gut Deutsch «der Zweig» – wird zum Jahreswechsel hin als Teil von «JED», dem Gesamtbau, in dem die Halter AG samt ihren Schwestergesellschaften künftig ihren Hauptsitz haben wird, seiner Bestimmung übergeben. Ein weiterer Ankermieter des heute im Portfolio von Swiss Prime Site geführten Objekts ist Zühlke Engineering. Der Co-Working-Space in «The Branch» mit seinen 50 ganz unterschiedlich gestalteten Plätzen und Bereichen lädt externe Fachleute zum Arbeiten und Netzwerken vor Ort ein. «Wir befinden uns mitten in der Limmatstadt und damit einer der dynamischsten Regionen der Schweiz», sagt Nik Grubenmann, Kommunikationsleiter bei Halter. Ein Hotspot quasi für Start-ups und ebenso für etablierte Unternehmen. «Wir alle sind überzeugt davon, dass offenes und transparentes Arbeiten viel mehr Wirkung hat als noch so emsiges Schaffen im stillen Kämmerlein», fügt Grubenmann hinzu. Ein wichtiges Augenmerk gilt Aspekten wie der Digitalisierung und virtuellen Lösungen – aber eben auch den persönlichen Begegnungen. «Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, welch wichtige Rolle der persönliche Kontakt und der direkte Austausch in der Realität spielt», bemerkt Sandra Romagnolo, die verantwortlich zeichnet für den Bereich Marketing und Events bei «The Branch» (siehe Interview). Andere Branchen, etwa jene der Kreativen, machen es vor: Kollaboratives Arbeiten bringt ein Ökosystem als Ganzes weiter, aber auch die einzelnen Mitstreiter profitieren.

Abkehr vom «Wasserfall-Modell» Dynamisch, flexibel, agil: Diesen Grundsatz greift «The Branch» neben dem baulichen Kontext auch als schubliefernde Idee auf. Die heutige Verbandslandschaft in der Baubranche sei geprägt von Organisationen, die fokussiert einzelne Berufsgruppen oder spezifische Geschäftsmodelle vertreten würden, erklärt Romagnolo. Ergänzend beinhaltet das Konzept deshalb den Aufbau einer gleichnamigen

national ausgerichteten Unternehmerplattform «für eine integrierte Immobilienwelt», so die Mission. Mitwirken sollen darin Bauunternehmer, Architekten, Ingenieure, Service-Unternehmer im Gebäudebetrieb, Lieferanten, Gesamtleister und viele weitere Marktteilnehmer. Dahinter steht die Vision, mit der Digitalisierung Abschied zu nehmen von dem in der Bauwirtschaft derzeit noch vorherrschenden linearen «Wasserfall-Modell», bei dem Planung, Bau und Betrieb als voneinander isolierte Geschäftsphasen organisiert sind. «Ein zusammenhängendes Prozessmodell über den ganzen Immobilien-Lebenszyklus – und damit den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft – bedingt, dass die verschiedenen Disziplinen respektive die entsprechenden Berufsgruppen phasenübergreifend eng verzahnt zusammenarbeiten», sagt Konzeptentwickler Andreas Hänsenberger. «The Branch» versteht sich als eine Plattform für den inspirierenden Austausch zu aktuellen Themen rund um Bau und Immobilien. Hier soll physisch wie virtuell Raum geschaffen werden für grosse Ideen, welche die Branche insgesamt weiterbringen. So wurde unter anderem ein Manifest erstellt, das auf Kernthemen wie Klimapolitik, wirtschaftliche oder gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen Bezug nimmt. Entsprechend hoch sind denn auch die Erwartungen der Initianten: Mit «The Branch» soll in Schlieren ein Zweig für Innovationen in der Bauindustrie wachsen, der letztlich für die ganze Branche erblüht. Story: Flavian Cajacob

Ökosystem Neben Halter gehören die folgenden Unternehmen beziehungsweise Organisationen zum Ökosystem «The Branch»: • Tend AG: Immobiliendienstleister • Raumgleiter: Digitalspezialist • Wir sind Stadtgarten: Gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft • W21 Innenausbau AG: Innenausbau • MOVEment: Raumkonzept • Mivune AG: Softwareentwicklung für Gebäude • Limmatstadt: Kantonsübergreifende Standortförderung www.thebranch.ch

Nachgefragt bei Sandra Romagnolo, verantwortlich für Marketing & Events von «The Branch». Inwiefern unterscheiden sich die Events von «The Branch» von den übrigen Veranstaltungsreihen der Immobilienbranche? Sandra Romagnolo: Grundsätzlich geht es uns weniger ums Sehen- und Gesehen-Werden, sondern vielmehr um das gemeinsame Eintauchen in fachspezifische Themen. Trotz Digitalisierung und virtuellen Lösungen braucht es attraktive Orte, an denen man sich begegnen und austauschen kann. Dies ermöglicht «The Branch» in seiner Funktion als Dialogplattform. Anlässlich unserer Reihe «Branch Talks» soll beispielsweise aktiv Wissen geteilt werden. Was eine gewisse Offenheit der Teilnehmenden voraussetzt. Ganz genau. Offenheit ist ein zentrales Element von «The Branch», sowohl im täglichen Umgang miteinander und im kollaborativen Arbeiten als auch mit Blick auf die verschiedenen Events, die wie erwähnt vom «Branch Talk» über Workshops und Afterwork-Anlässe bis hin zu konkreten Kooperationen etwa mit Bildungsinstitutionen reichen. Ist die Immobilienbranche für ein solches Konzept überhaupt empfänglich? Das werden wir sehen. Mit «The Branch» betreten wir zweifelsohne Neuland. Die bisherigen Reaktionen auf das Vorhaben stimmen uns indes zuversichtlich. Wie fallen diese konkret aus? Es herrscht häufig grosses Erstaunen. Man ist überrascht, dass Zusammenarbeitsmodelle, wie wir sie anschieben, in der Immobilienbranche überhaupt möglich sein sollen. Wann erfüllt «The Branch» Ihrer persönlichen Meinung nach seinen Zweck? Ich fände es toll, wenn wir gerade mit unseren Events eine eigentliche Community in die Wege leiten könnten. Eine im Interesse geeinte Gruppe von Leuten also, die zusammen mit uns und anderen Partnern die Zukunft des Immobilienwesens mitgestalten wollen.


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#VorreiterDerImmobilienbranche

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Die Vermarktung von Neubauprojekten unterscheidet sich wesentlich von jener bestehender Wohnimmobilien. Um hier den speziellen Anforderungen und Bedürfnissen Rechnung zu tragen, setzt der Immobilienvermarkter Walde & Partner auf ein Kompetenzzentrum Neubau. Und auf digitale Erlebnisse.

Bindeglied, Übersetzer und Brückenbauer An der Zürcher Goldküste einen Wohnblock mit dreissig Einzimmerstudios hochziehen zu wollen, ist wohl keine wahnsinnig originelle Idee, geschweige denn eine gute. Um zu diesem Schluss zu kommen, braucht es kaum den Beistand eines Immobilienvermarkters, der Standorte sowie die Bedürfnisse von Investoren und Käufern aus dem Effeff kennt. In vielen anderen Fällen ist solche Expertise durchaus hilfreich, doch Immobilienvermarkter werden häufig erst dann eingeschaltet, wenn ein Neubauprojekt bereits realisiert ist und an den Mann respektive die Frau gebracht werden soll. Das sei in der Regel zwar nicht zu spät, bemerkt Leslie Schibler. «Aber besser ist es, den Vermarkter früh in der Projektentwicklung miteinzubeziehen, da er mit seinem Know-how und seiner Erfahrung einen Mehrwert für beide Seiten, also sowohl für den Investor als auch für den Endkäufer, bieten kann.»

sentiert wird, desto besser wird ein Interessent auch emotional abgeholt.» Und Emotionen sind es schliesslich, die uns einen Entscheid fällen lassen. Dieser Tatsache will Walde & Partner nicht zuletzt mit einem auf die persönlichen Ansprüche getrimmten Konfigurator für verschiedene Ausbaulinien gerecht werden. Das digitale Tool führt dem Interessenten den gewünschten Material- und Farbmix gleich mit dem entsprechenden Preisschild eins zu eins vor Augen. Der Wohnungskonfigurator kann in die Projektwebseite eingebunden oder innerhalb einer VR-Tour eingesetzt werden.

«Je realer und echter ein Projekt präsentiert wird, desto besser wird ein Interessent auch emotional abgeholt.»

Novum in der Branche Leslie Schibler ist Leiterin Neubau beim Immobilienvermarkter Walde & Partner (siehe Kasten). Das Kompetenzzentrum wurde auf dieses Jahr hin und als Novum in der Branche vom Bereich bestehender Immobilien abgespalten, um noch besser auf die damit verbundenen spezifischen Herausforderungen reagieren zu können. Dazu zählen über die eigentliche Vermarktung hinaus Beratungstätigkeiten in konzeptionellen und baulichen Fragen ebenso wie die Behandlung von rechtlichen und steuerlichen Aspekten. «Von der Standortabklärung über die Wahl des richtigen Küchenbauers bis hin zur Projektorientierung der künftigen Nachbarn: Unsere Kunden profitieren bereits auf der grünen Wiese von unserer Erfahrung», sagt Leslie Schibler. Je früher der Immobilienvermarkter eingebunden werde – immer als Vertreter der zukünftigen Bewohner –, desto effizienter liessen sich die Abläufe gestalten. Mögliche Probleme könnten rechtzeitiger erkannt und Missverständnisse oder Fehlplanungen vermieden werden. «Umso zufriedener sind am Schluss Bauherr und Besitzer», ergänzt Leslie Schibler. Eines ist für die Immobilienfachfrau klar: Die Zeiten, in denen der Architekt auf Geheiss des Investors im Alleingang einen Wurf landete und der künftige Eigentümer quasi die Katze im (Zement-) Sack kaufte, die gehören endgültig der Vergangenheit an. «Konzeptionelle oder auch baurechtliche Fragen werden zusehends komplexer, gleichzeitig wollen die künftigen Besitzer immer früher ein gewichtiges Wort mitreden können», so

Der Mix macht es aus

Leslie Schibler ist Leiterin Neubau beim Immobilienvermarkter Walde & Partner in Zollikon. FOTO: MICHELE LIMINA

Leslie Schibler. «Richtig auf- und eingestellt, kann der Immobilienvermarkter vor diesem Hintergrund zu einem starken Bindeglied werden, zu einem Brückenbauer und Übersetzer.»

Digitaler Showroom Als Hilfsmittel in unterschiedlichen Prozessen der Projektentwicklung bis hin zur Schlüsselübergabe stehen dem Vermarkter seit jeher visuelle Werkzeuge zur Verfügung. Die Digitalisierung und Automatisierung in der Immobilienbranche schreiten rasant voran. Waren

Walde & Partner Neue Struktur, neue Führung: Seit der Gründung im Jahre 1985 hat Walde & Partner Immobilien rund 8000 Liegenschaften im Gesamtwert von über 12 Milliarden Franken vermittelt. An den sieben Standorten Baden, Luzern, Sursee, Thalwil, Uster, Zollikon und Zürich sind heute über 60 Mitarbeitende tätig. Etwa 30 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Walde & Partner mittlerweile mit Neubauprojekten – Tendenz steigend. Auf diesen Umstand hat das Unternehmen per 2020 mit der Schaffung eines Kompetenzzentrums Neubau und einer neuen Führungsstruktur reagiert. Anstelle der bisherigen, hierarchisch organisierten Geschäftsleitung ist ein Management-Team getreten. Diesem gehören die langjährigen Geschäftsstellenleiterinnen und -leiter Mattia Bonasso (Baden), Stefan Felber (Luzern und Sursee), Sandra Iten (Thalwil), Lisa Rüscher (Zollikon), Nicolas Schnetzer (Uster) und Leslie Schibler, Leiterin Neubau, Thomas Moser, Leiter Anlageimmobilien, sowie Jann Felber, Chief Operating Officer (COO), an. Mitinhaber und Verwaltungsratspräsident Gerhard E. Walde steht als Delegierter dem Management-Team weiterhin unterstützend zur Verfügung.

es früher vielleicht schmucke Prospekte und Fotos, so sind es heute digitale Tools wie Virtual Reality (VR) und Desktop-Lösungen, die einen realitätsnahen Eindruck von der im Entstehen begriffenen Immobilie liefern. Zu diesem Zweck realisiert Walde & Partner in Zollikon unter anderem einen digitalen Showroom, eine sogenannte «Virtual Area», in der Projekte erleb- und adaptierbar gemacht werden. Die Corona-Krise hat das 1985 gegründete Unternehmen zusätzlich veranlasst, mit Hochdruck die Implementierung einer Desktop-Lösung voranzutreiben. Diese ermöglicht es, VR-Touren durch Immobilien ohne physischen Kontakt zu absolvieren. Jederzeit, je nach Lust und Laune, und von überall in der Welt aus. «In der frühen Projektentwicklung leistet der Einsatz von Virtual Reality bei der Produktdefinition Unterstützung, zudem kann das Vorhaben laufend kritisch überprüft werden», erläutert Leslie Schibler. Und schlussendlich kann diese als Instrument natürlich in der Vermarktung wirkungsvoll eingesetzt werden. Die Virtual Area ihrerseits soll beispielsweise bei Stockwerkeigentumsprojekten in der Käuferbetreuung eingesetzt werden, wo ein visualisierter Fundus an Materialisierungs-, Farb- und Stilvarianten die oft überforderten Käufer schneller zu einer Entscheidung bringe. Ein entscheidender Vorteil auch, wenn es um

den Streitpunkt Nummer eins bei Neubauprojekten gehe: Mängel – und deren Vermeidung dank perfekter Abstimmung von Auswahlmöglichkeiten für den Ausbau. «Je realer und echter ein Projekt prä-

Bestehende Immobilie oder Neubau: Ob ein Projekt vom Vermarkter erfolgreich veräussert werden kann, liegt nicht an einer einzelnen gezielten Massnahme, sondern an einem Mix von Aktivitäten, am Netzwerk des Vermarkters, der Erfahrung und dem Vertrauen, das ihm geschenkt wird. «Die digitalen Möglichkeiten, die wir heutzutage haben, sind zwar äusserst attraktiv», betont Leslie Schibler. «Sie ermöglichen es uns, Dienstleistungen auf den Kunden auszurichten und Entwicklungen am Markt jederzeit zu antizipieren.» Doch letztendlich, so die Leiterin des Kompetenzzentrums Neubau bei Walde & Partner weiter, gehe es im Immobiliengeschäft stets um individuelle Bedürfnisse. «Und deshalb stehen auch in Zukunft stets der Mensch und seine Vorstellungen einer idealen Immobilie im Zentrum der Überlegungen und Aktivitäten.» Story: Flavian Cajacob

Immobilienvermarktung – gestern und heute Die digitale Transformation wirkt sich auf das Kundenverhalten aus, sie ermöglicht aber auch neue Formen der Immobilienvermarktung. Ein kleiner Vergleich zwischen gestern und heute. Immobilienmarketing-Massnahmen in der «alten» Welt • Fotografie/Film • Animationen • Verkaufsbroschüre • Website • Möblierte Wohnungsgrundrisse • Architekturmodell vom Modellbauer • Visualisierungen/Renderings • Plakat-/Buswerbung Immobilienmarketing-Massnahmen in der digitalen Welt • Panorama-Tour (360-Grad-Visualisierungen) für Besichtigungen zu Hause • VR-Touren mit einer Brille oder via Desktop-Anwendung (Virtual Reality) • On Screen Streaming • 3D-Modelle, dargestellt mittels Bilderkennung (Augmented Reality) • Wohnungskonfiguratoren • Architekturmodell aus dem 3D-Drucker • Social-Media-Kampagnen • Influencer-Kampagnen • Blogs


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#VorreiterDerBaubranche

Treibende Kräfte der Transformation bündeln Von Gamechanger-Unternehmen kann man viel lernen: Zafer Bakir, Leiter Digitalisierung beim Schweizerischen Baumeisterverband, zeigt auf, wie der SBV solche Innovationen identifiziert und mit dem eigenen Netzwerk teilt. Digitale, prozessuale und materialbezogene Innovationen gelten heute in der Bauwirtschaft als die treibende Kraft für die fortschreitenden Transformationen entlang der Wertschöpfungskette Planen– Bauen–Bewirtschaften. «Wer innovativ denkt, wird als Bauunternehmer im veränderten Marktumfeld nachhaltig und langfristig bestehen können», erklärt Zafer Bakir, seit Anfang 2018 Leiter Digitalisierung beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV). Daneben ist er Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft «Bauen digital Schweiz» und in weiteren Kommissionen sowie Arbeitsgruppen zur Sicherstellung des digitalen Fortschritts der Baubranche tätig. Entsprechend engagiert sich der SBV als gesamtschweizerische Berufs-, Wirtschafts- und Arbeitgeberorganisation der Unternehmen des Hoch- und Tiefbaus sowie verwandter Zweige des Bauhauptgewerbes aktiv im Interesse seiner Mitglieder für die digitale Transformation der

«Wer innovativ denkt, wird als Bauunternehmer im veränderten Marktumfeld nachhaltig und langfristig bestehen können.» Baubranche. Ende 2018 lancierte der SBV das landesweite Programm «Baumeister 5.0» – mit der Mission, die gesamte Schweizer Bauwirtschaft bei der digitalen Transformation zu unterstützen.

www.baumeister5null.ch Nun geht der SBV abermals einen Schritt weiter und schafft ein Forum, in dem die Online-Vernetzung und die digitale Interaktivität aller Akteure im Bau vorangetrieben werden sollen. Mit der neuen Webseite www.baumeister5null.ch schafft der

#TheNextBigThing

Digitale Aktie für KMU Die Plattform daura ermöglicht Unternehmen, das Aktienbuch zu digitalisieren und somit Aktien elektronisch herauszugeben. Sie eröffnet dadurch auch nicht kotierten Firmen, etwa aus der Bau- und Immobilienbranche, einen spannenden Zugang zu neuen Investorenkreisen.

Als Peter Schnürer, CEO der daura AG in Zürich, 2013 Bekanntschaft mit der Blockchain machte, war es um ihn geschehen. Über Jahre hatte er als IT-Experte Entwicklungen an der Schnittstelle von Technologie und Finanzwirtschaft begleitet und geprägt. «Die Blockchain ist für die Herausgabe von Aktien ein ‹Gamechanger› und verleiht Schweizer KMU in Sachen Effizienz und Transaktionstempo einen markanten Schub.» Mit der Erkenntnis war Schnürer nicht allein. 2017 haben die Zürcher Anwaltskanzlei MME und Swisscom bei einer Veranstaltung von Digital Switzerland darauf gewettet, dass sich die Aktie nach Schweizer Recht auf einer Block-

«Die Blockchain ist für die Herausgabe von Aktien ein Gamechanger.»

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Mit der neuen Webseite www.baumeister5null.ch schafft der SBV eine Plattform. SBV eine Plattform, auf der ganz im Sinne der Sensibilisierung die unterschiedlichsten Aspekte der Digitalisierung in der Baubranche beleuchtet werden. In einem ersten Ausbauschritt liegt der Fokus des Netzwerks in der Kommunikation und dem Austausch von Innovationen im Bau. So soll die Plattform die Kreativität und Innovationskraft von unterschiedlichsten Akteuren bündeln. «Einerseits möchte der SBV von Bauunternehmern wissen, wie sie die Digitalisierung umsetzen. Andererseits bietet die Plattform weiteren Akteuren die Möglichkeit, selber Innovationen, Erfahrungsberichte und News rund um die Digitalisierung im Bau zu verfassen und mit dem gesamten Netzwerk des Schweizerischen Baumeisterverbandes zu teilen», sagt Zafer Bakir. In zukünftigen Ausbauschritten wird die Plattform um weitere Dienstleistungen ergänzt, beispielsweise mit einem digitalen Trendradar oder einem Tool zum

sogenannten Digital Maturity Assessment (DMA). «Mithilfe des DMA-Tools werden Bauunternehmen ihren eigenen digitalen Reifegrad bestimmen können und auf Grundlage dieser Erkenntnisse den Weg

chain-Lösung digitalisieren lässt. Die Wette wurde eingelöst. 2018 gründeten Swisscom und Luka Müller, Legal Partner bei MME, das Joint Venture daura und stellten den ersten Prototypen vor. «Ziel war es, insbesondere für nicht kotierte Schweizer KMU einen effizienten Zugang zu Investoren zu verschaffen», erinnert sich Schnürer. «Dank der effizienten Plattform können sich Investoren in einer beliebig kleinen Stückelung an spannenden Unternehmen beteiligen.» Das eröffnet KMU den Zugang zu viel breiter gefächerten Investorenkreisen. So konnte erst kürzlich ein Schweizer Start-up seine Aktien über die daura Plattform ab einer Investitionssumme von unter 17 Franken anbieten.

bietet daura Lösungen. «Wir vereinfachen nicht nur die Herausgabe von Aktien bei Kapitalerhöhungen, sondern geben der Gesellschaft auch Instrumente an die Hand, die neuen Aktionäre zu verwalten.» Zum Beispiel wird das Aktienbuch auf unserer Plattform nach jeder Kapitalerhöhung und bei einem Eigentumsübertrag der Aktien vollautomatisch auf den neuesten Stand gebracht. Das jüngste Angebot in diesem Zusammenhang ist die digitale Generalversammlung. Vom Einladungsprozess, über die virtuelle Abstimmung per App bis hin zur Protokollierung der Ergebnisse auf der Blockchain bietet daura alles, was ein KMU zur Durchführung einer digitalen GV benötigt.

Vehikel für Projektfinanzierungen

Aktionäre jünger und weiblicher

Live gegangen war daura im Februar 2019. Seither hat sie sich einen Kundenstamm von rund 20 KMU-Aktiengesellschaften aus verschiedenen Branchen erarbeitet, die ihr Aktienbuch auf der Plattform digitalisiert haben. Das Marktpotenzial hält Peter Schnürer für riesig. In der Schweiz gibt es rund 120 000 Aktiengesellschaften. «Da haben wir noch viel Wachstumsfantasie», lacht er und ist überzeugt, dass die Plattform branchenunabhängig für jedes KMU interessant ist, das neue Finanzmittel benötigt. Gerade für Unternehmen aus der kapitalintensiven Bau- und Immobilienbranche könne das Konzept sehr spannend sein, so Schnürer. «Der unbürokratische und rasche Aktienerwerb über unser Portal eignet sich zum Beispiel für Projektfinanzierungen und sichert frühen Investoren die Beteiligung an späteren Renditen zu.» Aufgrund der Möglichkeit zur kleinen Aktienstückelung seien auch Mitarbeitende, Kunden oder Lieferanten durchaus spannende Investoren und könnten so auf attraktive Weise ans Unternehmen gebunden werden. Natürlich bringt die steigende Anzahl von Aktionären Herausforderungen für ein Unternehmen mit sich. Auch hier

Neben Aktien haben Kunden von daura auch die Alternative, Partizipationsscheine herauszugeben. Sie ermöglichen Investoren eine überproportionale Beteiligung am Unternehmenserfolg, geben ihnen dafür jedoch keine Stimmrechte. «Speziell für kleinere Aktionäre ist die aktive Mitsprache bei der Firmenstrategie oft gar nicht vordergründig», sagt Schnürer. Er denkt dabei an weitere spannende Zielgruppen, die daura aktiv bewirbt: Zum Beispiel Hotels, Skigebiete oder Sportclubs mit Stadionprojekten, die ihren Gästen und Fans die Option einer aktiven Unterstützung und Mitfinanzierung geben wollen. daura versteht sich als Plattform für Aktionäre wie « Du und ich» und spricht nicht primär den Prototypen des grau melierten männlichen Aktionärs ab 60 an, wie man ihn aus Generalversammlungen am TV kennt. Das Durchschnittsalter der registrierten Investoren beträgt 35 bis 40 Jahre. «Dazu haben wir einen relativ hohen Frauenanteil», sagt Peter Schnürer. Die Blockchain scheint also neben Effizienz und Speed auch die Entwicklung von «Diversity» im Finanztransaktionsmarkt anzukurbeln.

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zur digitalen Transformation ganzheitlich und fokussiert steuern können», ergänzt Zafer Bakir. Story: Norman Bandi

Baumeisterverband

Zafer Bakir, Leiter Digitalisierung beim Baumeisterverband

Story: Robert Wildi

Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) besteht seit 1897. Er ist die gesamtschweizerische Berufs-, Wirtschaftsund Arbeitgeberorganisation der Unternehmen des Hoch- und Tiefbaus sowie verwandter Zweige des Bauhauptgewerbes. Der SBV vertritt zusammen mit seinen Sektionen, Fachverbänden und -gruppen die überbetrieblichen Interessen seiner Mitglieder im Staat, in der Wirtschaft sowie in der Öffentlichkeit, dafür engagiert er sich namentlich in den Bereichen Arbeitgeber-, Wirtschaftsund Berufsbildungspolitik.

Peter Schnürer, CEO der daura AG FOTO: PD

daura daura digitalisiert mithilfe der Blockchain-Technologie Aktien von kleinen, mittleren und etablierten Unternehmen aus der Schweiz. Durch das Registrieren auf der Plattform können Aktiengesellschaften ihr Aktienbuch digitalisieren, Kapitalerhöhungen schnell und günstig digital durchführen und bei Beteiligungsänderungen das Aktienbuch digital nachführen. Neuerdings können über daura zudem virtuelle Generalversammlungen abgewickelt werden. Investoren bekommen Zugang zu Anlagemöglichkeiten in Schweizer KMU und können ihre Aktien in Form von digitalen Token beziehen. Als Gemeinschaftsunternehmen von Swisscom und Luka Müller, dem Mitgründer der Anwaltskanzlei MME, setzt daura auf ein Netzwerk aus vertrauenswürdigen Ökosystempartnern. Zudem haben die Schweizer Börse SIX, die erste Digital Asset Bank der Welt, Sygnum, und Chrigel Wenger, der «Götti der Schweizer Jungunternehmer», ihre Beteiligung an daura bekannt gegeben.


NZZ am Sonntag 5. Juli 2020

Verlagsbeilage Zukunft Bauen

#InnovationIstChefsache

«Hightech wird immer mehr zum Standard» Die Steiner AG setzt auf innovative Technologien und nachhaltige Konzepte – nicht nur beim Bauen. CEO Karsten Hell sieht sein Unternehmen auch in schwierigen Zeiten bestens aufgestellt.

«Unter den Total- und Generalunternehmern gehören wir definitiv zu den innovativsten Firmen.»

Wenn man sich die aktuellen Projekte der Steiner AG ansieht, läuft das Geschäft trotz Corona-Krise offenbar ungebrochen gut. Gelten in der Bauindustrie eigene Gesetze? Karsten Hell: Wir konnten seit Jahresbeginn tatsächlich diverse neue Projekte und Entwicklungen akquirieren, vor allem Schulgebäude und Gesundheitsbauten. Hier sind wir führend im Schweizer Markt. Insgesamt deutet einiges darauf hin, dass unsere Branche bisher relativ glimpflich durch die Krise gekommen ist, auch wenn wir mit einer Korrektur des Baubooms rechnen. Sie wurde aber schon seit längerem vorausgesagt. Zugleich bin ich davon überzeugt, dass jede Krise auch Chancen mit sich bringt.

Das lässt sich vor allem bei der Entwicklung von Arealen realisieren, die neue Formen des Zusammenlebens ermöglichen. Ich halte es auch für wichtig, klimafreundliches Bauen weiter zu erforschen und die Schaffung bezahlbaren Wohnraums zu fördern.

Welche Chancen sehen Sie für Ihr Unternehmen? Die Steiner AG ist innovativ, bestens aufgestellt und konkurrenzfähig. Wir verfügen über eine gut gefüllte Auftrags-Pipeline und sind bereit, die Herausforderungen der Zukunft anzugehen. Vor allem städtische Lagen werden auch künftig gefragt sein. Natürlich wird nicht jedes Segment Chancen bieten, der Büromarkt ist schwierig, während der Wohnbedarf nach wie vor gross sein wird.

Welche Rolle spielen für Ihre Branche digitale Technologien – Stichwort Smart Home? Wie bei der Autoindustrie wird das eigene Hightech-Heim immer mehr zum Standard. Sie können fast alles in Ihrem Haus mit dem Internet verbinden und bequem über mobile Geräte dirigieren. Solche individuellen Steuerungsmöglichkeiten in vernetzten Wohnungen erhöhen den Komfort und vor allem: Sie sparen Energie.

Der private Wohnungsmarkt sorgt also dafür, dass die Bau- und Immobilienbranche weiter wächst … Davon gehe ich aus. Einer der Gründe ist sicher die demografische Entwicklung. Hinzu kommen die historisch tiefen Zinsen und der grosse Anlagebedarf institutioneller Investoren. Corona ändert vorderhand nicht viel an dieser Situation. Immobilien bleiben eine attraktive Asset-Klasse.

Wo wird diese Vision heute schon sichtbar? Ein Musterbeispiel ist das Projekt Glasi-Quartier in Bülach, wo wir ein zukunftsweisendes Stadtviertel mit wohnlicher Dichte an bester Lage erstellen. Bereits zuvor haben wir beim Projekt «mehr als wohnen» auf dem Hunziker-Areal in Zürich-Nord ein neues, besonders nachhaltiges Quartier errichtet, in dem unterschiedliche innovative Wohnformen der Zukunft schon heute gelebt werden. Dazu gehören auch generationenübergreifende WGs. «mehr als wohnen» ist ein echtes Leuchtturmprojekt und hat den «UN Global Habitat Award» gewonnen. In Kriens (Bell-Areal), Rorschach (Feldmüh-

le-Areal) und Genf (Jardins des Nations) entwickelt unser Unternehmen derzeit weitere Areale mit Vorbildcharakter. Und inwiefern setzt Steiner bei der eigenen Arbeit auf digitale Technologien? Das beginnt schon bei der Suche nach geeigneten Arealen: Wir kommunizieren mit den jeweiligen Interessengruppen zum Beispiel über Blogs. Bei der Planung und der Realisierung von Gebäuden wiederum nutzen wir die Vorteile des Building Information Modeling, kurz BIM, einer digitalen Methode, die das Bauen geradezu revolutioniert. Ein innovatives Tool ist auch der Wohnungskonfigurator zur Vermarktung neuer Gebäude. Damit lassen sich unterschiedliche Varianten des angebotenen Wohnraums online durchspielen. Wie erfolgreich das funktioniert, haben wir zum Beispiel beim Projekt Sihlterrassen im Zürcher Stadtteil Manegg erlebt. Eine neue Lösung haben Sie erst kürzlich aus der Taufe gehoben: Steiner Concept. Was muss man sich darunter vorstellen? Die Erfahrung zeigt, dass die bisherigen Vorgehensweisen bei der Realisierung von Immobilienprojekten oft nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen. Beim Gesamtleistungsmodell Steiner Concept geht es darum, die vorhandenen Kompetenzen innerhalb der Gruppe künftig besser in den Projekten zu bündeln und bei Drittmarktprojekten bereits in einem frühen Stadium an den Prozessen beteiligt zu sein. Unser Ziel ist es, die Bauherrschaften von Anfang bis zum Schluss kompetent zu begleiten. Das betrifft das Ingenieurwesen ebenso wie die Logistik oder die Haustechnik. Als innovativ gelten auch neue Vertragsmodelle für Ihre Kunden … Ja, diese stellen eine Besonderheit von Steiner Concept dar: Wir übernehmen hierbei den Gestaltungs- und Kostenprozess – von der Skizze bis zum Projektabschluss. Im Planungsprozess kommen weitere Partner wie Architekten, Ingenieure oder Gebäudetechniker hinzu. Wir überprüfen jederzeit den Kostenrahmen und die Qualität des Bauvorhabens. Design-to-Cost-Projekte betreuen wir als Total- und Generalunternehmer auch in der Bauausführung, kümmern uns um das Projekt- und Baumanagement, um die Einhaltung von Terminen und Kosten sowie um die Inbetriebnahme. Die Kunden können sich also entlang des gesamten Prozesses auf einen kompetenten Ansprechpartner verlassen. Wir haben bei jedem Projekt die konstruktiven, technologischen und wirtschaftlichen Vorgaben im Blick und stellen sicher, dass es während der Bauvorhaben nicht zu unerwünschten Überraschungen kommt. Langfristig gedacht – wohin geht die Reise für Steiner? Wir haben uns vorgenommen, mehr Eigenentwicklungen zu realisieren. Für uns sind dies die spannendsten Projekte. Jedes einzelne von ihnen fordert uns kreativ heraus. Da wir bei eigenen Entwicklungen von der Landakquise über die Planung bis zur Ausführung rundum verantwortlich sind, nach der Devise «Alles aus einer Hand», können Schnittstellenprobleme vermieden werden, wie sie andernorts zum Beispiel wegen unvollständiger Planungsunterlagen entstehen. Den Fokus legen wir auf die Entwicklung von ganzen Arealen, so wie beim Glasi-Quar-

Karsten Hell, CEO der Steiner AG: «Insgesamt deutet einiges darauf hin, dass unsere Branche bisher relativ glimpflich durch die Krise gekommen ist.» FOTO: MICHELE LIMINA

Karsten Hells Brancheneinschätzung Wie sehr beschleunigt die Corona-Krise die Digitalisierung in Ihrer Branche? Wie sehr wird künstliche Intelligenz den Umgang mit Daten beeinflussen? Bei aller Disruption und Automation: Wie wichtig bleibt der Faktor Mensch?

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tier in Bülach. Derartige Projekte wollen wir noch intensiver als bisher mit starken Partnern wie beispielsweise der Steiner Investment Foundation realisieren. Das hat sich in der Vergangenheit bewährt. Die Steiner AG sieht sich als «Innovationstreiber» in der Schweiz – was heisst das konkret? Unter den Total- und Generalunternehmern gehören wir definitiv zu den innovativsten Firmen. Digitale Technologi-

en, die wir bereits vor Corona implementiert hatten, haben sich jetzt in der Krise bezahlt gemacht. Dazu zähle ich auch das Virtual Private Network, das den Fernzugriff auf unsere Geschäftskommunikation ermöglicht. Dieses interne Netzwerk stand unseren Mitarbeitenden bereits vor der Pandemie zur Verfügung. Als dann der Lockdown kam, konnten wir von jetzt auf gleich auf Home-Office umstellen. Interview: Elmar zur Bonsen

Steiner AG Als Entwickler, Total- und Generalunternehmer begleitet die Steiner AG den Lebenszyklus von Immobilien – von der Planung über die Realisierung bis zum Umbau und zur Renovation. Hauptsitz des Unternehmens ist Zürich. Im Geschäftsjahr 2018/19 erzielte die Steiner Gruppe mit rund 600 Mitarbeitenden einen Umsatz von 830,4 Millionen Franken. Aktuell befinden sich rund 60 Projekte in der Pipeline, darunter Gloggeguet in Schaffhausen, Rives de Bramois in Sitten oder Manufakt 8048 in Zürich.

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Wenn Sie über das Tagesgeschäft hinausdenken: Was ist Ihre Vision vom Bauen? Im Kern geht es darum, die Qualität und die Art des Wohnens immer mehr zu verbessern. Nachhaltig und verdichtet.

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Glasi-Quartier, Bülach: Neues Stadtquartier mit mehr als 500 Wohnungen, Hotel, Pflegezentrum sowie attraktiven Gewerbeflächen.

Sihlterrassen, Zürich: Moderne Überbauung im neuen Zürcher Stadtteil Manegg, direkt an der Sihl gelegen und mit Blick ins Grüne.


Verlagsbeilage Zukunft Bauen

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die Kompetenz der Bauherren zu erhöhen, um transparent und auf Augenhöhe eine Planung definieren zu können. «Heute stellen wir fest, dass viele Auftraggeber nicht in der Lage sind, ihre Bestellung im Sinne von VDC zu verfassen und sie in Form von Zielen und Informationsbedürfnissen auszudrücken.» Mangelnde Erfahrung und Unwissen seien vielfach die Ursache. Es fehlten dann saubere Aussagen, was konkret zu tun sei, so Pancera. Aber man könne nicht nur von einer Bringschuld des Bestellers reden. «Wir haben auch eine Holschuld und müssen vermitteln, wie wir den Informationsbedarf des Auftraggebers zu decken gedenken. Zudem müssen wir offenlegen, welchen Input wir benötigen, um unsere Aufgabe effizient und zielgerichtet zu erfüllen.» Für diese Abstimmung sei genug Zeit einzuplanen, idealerweise vor der Bearbeitung des Projekts.

So viele Daten wie nötig

Drei Manager von IttenBrechbühl (von links nach rechts): Thomas Zaugg, Andreas Jöhri und Marc Pancera machen sich Gedanken um die Zukunft – ihr Lösungsansatz heisst Requirements Engineering. FOTO: MICHELE LIMINA

#VorreiterDerBaubranche

Analoge Zielfindung für digitale Prozesse Innovative Technologien eröffnen Planern und Architekten ganz neue Möglichkeiten. Doch viele Abläufe sind noch nicht klar definiert. Die IttenBrechbühl AG setzt auf digitale Lösungen und die enge Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten. Die Art und Weise, wie Bauprojekte geplant und visualisiert werden, hat sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Ein erster Paradigmenwechsel erfolgte, als man Pläne nicht länger von Hand zweidimensional zu Papier brachte, sondern zu computerunterstütztem Zeichnen (CAD) überging. Allerdings blieb das Resultat mehr oder weniger das gleiche. Seit die Digitalisierung und mit ihr Virtual Design and Construction (VDC) – in der Schweiz als BIM-Methode, sprich Building Information Modelling (BIM), bekannt – in der Planungsbranche Einzug gehalten haben, sind die technischen Möglichkeiten um ein Vielfaches grösser geworden. Jetzt geht es nicht mehr darum, bestehende Prozesse zu digitalisieren, sondern sie neu zu denken

und zu transformieren. Es ist wie eine neue bunte Welt, in der sich dreidimensional alles abbilden, mit Informationen verbinden und laufend verändern lässt. Doch in diesem Dschungel an Möglichkeiten muss man sich auskennen und zurechtfinden – womit wir bei der IttenBrechbühl AG wären. Die Firma zählt zu den grössten Architektur- und Generalplaner-Unternehmen der Schweiz.

Schnittstellen schärfen Wie Verwaltungsrats-Vizepräsident Andreas Jöhri im Gespräch erklärt, ist die Digitalisierung für IttenBrechbühl zum steten Begleiter in der täglichen Arbeit geworden. Doch das allein genüge nicht, um in der Baubranche ein «Gamechanger» zu sein und Technologieführerschaft zu beanspruchen. «Obwohl das

Spiel durch die Digitalisierung stark verändert wird, sind die Spielregeln heute noch nicht klar genug definiert», fasst Jöhri das Dilemma zusammen. Angesichts der vielfältigen Möglichkeiten, die die neuen Technologien eröffneten, gelte es, die Zusammenarbeit zwischen den Auftraggebern und den Architekten sowie den Planern neu zu definieren. «Nur so ist eine effiziente Arbeitsweise unter optimaler Ausnutzung der Digitalisierung möglich.» Für Marc Pancera, Verantwortlicher BIM Forschung & Entwicklung, ist klar, dass eine Bereinigung und Schärfung der Schnittstelle zwischen Auftraggebern und Planern erforderlich ist. «Wir haben schon viele Erfahrungen gemacht, was alles möglich ist», erläutert er den Ist-Zustand. Nun sei es wichtig, gemeinsam

Klarheit schon in einem frühen Projektstadium zu schaffen, diese Aufgabe sei durch die vielen technischen Möglichkeiten noch wichtiger geworden, sagt Thomas Zaugg, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Projektmanagement Schweiz sowie Digitalisierung. Es gehe nicht darum, so viele Informationen wie möglich zu erhalten, sondern so viele wie nötig. Andernfalls dienten die Modelle, die mit der BIM-Methode erstellt werden, nicht den Bedürfnissen von Auftraggebern und Auftragnehmern. Mit anderen Worten: Nicht die Menge an Informationen ist entscheidend, sondern die Qualität und die richtige Auswahl. «Wir wollen ja keine Datenfriedhöfe produzieren», ergänzt Marc Pancera. Deshalb müsse ein Projekt von Anfang an richtig strukturiert werden. Laut Andreas Jöhri lässt sich die Aufgabe auch so auf den Punkt bringen: «Je digitaler ein Prozess ist und je mehr Informationen gebraucht werden, desto besser müssen vorher die Anforderungen geklärt werden, um die richtigen Inhalte zuordnen zu können.» Wenn das nicht geschehen sei, komme es häufig zu dem Vorwurf, die Baubranche sei ineffizient. Das stimme aber nicht. Die Crux liege vielmehr in der nicht verknüpften Datenbasis und in nicht definierten oder nicht eingehaltenen Standards. In vielen Fällen hätten Bauherren nur eine gewisse Vorstellung vom groben Raumprogramm, vom Preis, vom Endtermin und vielleicht noch von der Qualität, erklärt Pancera. Zu den Prozessen, den Betriebsabläufen und der späteren Bewirtschaftung durch das Facility Management (FM) lägen hingegen nur vage Ideen vor. «Selbst wenn wir ein Pflichtenheft erhalten, enthält dies oberflächliche Aussagen wie: Wir wollen BIM to FM.» Häufig würde auch einfach ein «BIM-Projekt» bestellt, ohne Angabe, was damit geschehen solle. «Das Modell und die enthaltenen Informationen sollten einen Wert für den Auftraggeber darstellen, wie sie für uns einen Wert haben bei der effizienteren Koordination oder der Ermittlung von Mengen.» Deshalb gelte es, die ausschlaggebenden Informationen für den Auftraggeber zu benennen. «Bei uns BIM zu bestellen, ist so, als würde man bei Starbucks einfach nach einem Kaffee verlangen», veranschaulicht Pancera das Problem. Es könne sein, dass eine Virtual-Reality-Begehung für die Verifikation der Betriebsabläufe, ein informiertes Modell als Projektdokumentation oder die Gewinnung strukturierter Informationen für die Submission im Interesse des Auftraggebers sei. Dann sollten diese sogenannten Anwendungsfälle entweder bestellt oder weggelassen werden. «Nicht immer ist das, was man will, auch das, was man braucht», ergänzt Zaugg. Was man brauche, diene einem Ziel, und dieses gelte es zu formulieren und kommunizieren. Denn anders als bei Systemgastronomen wie Starbucks und Co. seien beim Planen die Möglichkeiten beinahe unbegrenzt und noch weit davon entfernt, modularisiert bestellbar zu sein.

Anforderungen managen Externe Beratungsdienstleistungen führen in bereits bearbeiteten Projekten oft zu unnötigem Mehraufwand. Dies ist aus Sicht von Pancera zu vermeiden, wenn Personen, die Anforderungen an die Modelle stellen, im Projekt eine entsprechende Verantwortung mittragen, etwa

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Modellersteller oder -nutzer sind. Würde die Bestellung auf Basis von Anwendungsfällen vereinbart, so könnte man eine saubere Auslegeordnung machen, was in welcher Form und zu welchem Zeitpunkt im Modell abgelegt werden soll. Diese sogenannten Informationsanforderungen pro Anwendungsfall seien ein erster Schritt zur modularisierten Bestellung. Zudem könne man die Modellqualität konkret ableiten und während des Prozesses kontinuierlich überprüfen, um möglichst direkt zum Ziel zu kommen. Das verhindert laut Marc Pancera auch unnötige Kosten. «Requirements Engineering, also das Entwickeln von Anforderungsspezifikationen zwischen dem Auftragnehmer und dem Auftraggeber, kommt hier zum Tragen», skizziert Andreas Jöhri einen zentralen Lösungsansatz. In Workshops werden die Anforderungen an die digitalen Modelle erarbeitet, sodass diese aufbereitet werden können und sich danach strukturiert digital bewirtschaften lassen. «Das Ziel ist, dass ein Bewusstsein für BIM-Prozesse geschaffen wird», sagt er. Das Requirement Engineering sei eine nicht delegierbare Gemeinschaftsaufgabe. Nur wenn alle am gleichen Projekt arbeiten, komme es am Ende zu einem guten Ergebnis.

«Dann sprechen wir von echtem Virtual Design and Construction.»

Ein anderer «Gamechanger»-Aspekt ist für Jöhri, aus der Komplexität ein Konzentrat zu machen: «So kommen wir zum besten Resultat.» Für Zaugg geht es darum, das Ziel des Bestellers genau zu erkennen, damit massgeschneiderte Lösungen erreicht werden. «Dafür braucht es Interaktion. Wir müssen Mass nehmen und möglichst früh mit dem Bauherrn die Anforderungen anschauen und konkretisieren.» Ganz wichtig sei es, dass die definierten Ziele messbar seien, was mit dem ersten Schritt in Richtung modularisierte Bestellung möglich sei. Nur so könnten auch die modernen Technologien und virtuellen Gadgets richtig eingesetzt werden und eine verändernde Rolle übernehmen. «Dann sprechen wir von echtem Virtual Design and Construction.»

À-la-carte-Modell 4.0 Thomas Zaugg regt an, ein Basispaket mit den nötigsten Anwendungsfällen für den Planungsprozess anzubieten, das modular ausbaubar ist und weiterentwickelt wird. «Das Ziel muss eine Art À-la-carte-Modell 4.0 sein, mit dem Planungs- und Bauprozesse konfiguriert werden.» Für Jöhri müsste eine Branchenlösung geschaffen werden, angestossen vom Schweizerischen Ingenieurund Architektenverein SIA und gestützt auf ISO-Normen, damit sie international kompatibel ist. «Solche Ansätze lassen sich mit proprietären Systemen nicht für alle Projektbeteiligten gewinnbringend umsetzen, daher sind standardisierte, offene Datenmodelle wichtig, damit das Modell auch in Zukunft genutzt werden kann», sagt er. Grundsätzlich sei das Bewusstsein zu schaffen, dass in erster Linie Prozesse sowie Datenmodelle und nicht Gebäude oder Softwaretools bestellt werden. Story: Flavian Cajacob

IttenBrechbühl Die IttenBrechbühl AG gehört zu den grössten Architektur- sowie Generalplaner-Unternehmen der Schweiz und ist spezialisiert auf Grossprojekte wie Spitäler, Flughäfen, Universitäten, Labore und Forschungsbauten. Zu den bekanntesten Projekten in der jüngeren Vergangenheit zählt der letztes Jahr eingeweihte Hauptsitz der Swatch Group in Biel. Die Anfänge der Firma gehen auf 1922 und die Stadt Bern zurück. Heute beschäftigt IttenBrechbühl landesweit an sieben Standorten rund 300 Mitarbeitende.


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#TheNextBigThing

Virtual Reality für alle Sehen und erleben, wie es einmal sein wird: HEGIAS ermöglicht das Begehen von Bauwerken, die noch gar nicht stehen. Das Ziel des Zürcher Start-ups ist die Demokratisierung von Virtual Reality – mit einer einfach anwendbaren, kostengünstigen Lösung. Die VR-Brille aufgesetzt, und schon stehen wir in einer Vier-Zimmer-Attikawohnung hoch über dem Vierwaldstättersee. Der Ausblick von der Terrasse des neuen Eigenheims ist phänomenal. Ist das alles echt oder doch nur Einbildung? Wir befinden uns im Urnerland und gleichzeitig im Luftlinie rund 50 Kilometer entfernten Zürich. Eine halbe Körperdrehung und ein paar Schritte später, schon stehen wir im grossen Wohnzimmer des Traumhauses und machen uns daran, das Interieur umzustellen sowie Wände und Böden neu zu materialisieren. Dank Echtzeitrendering und einer Frequenz von 90 Bildern pro Sekunde geht das ruckzuck und völlig ruckelfrei. «Virtual Reality wird auch dank unserer Lösung bald ein Massenmedium sein und die Planungs-, Bauund Immobilienbranche grundlegend verändern», sagt Patrik Marty.

Die Demokratisierung kommt Er ist Gründer und CEO von HEGIAS. Das Zürcher Start-up hat eine cloudbasierte Software gleichen Namens entwickelt, die es dem Nutzer ermöglicht, sich dank VR-Brille oder am Desktop-PC frei in einem Bauwerk zu bewegen und Aktionen auszuführen, noch bevor die Bagger aufgefahren sind. Alles, was es dazu braucht, ist ein handelsüblicher Computer und einen Internetbrowser. Im Auge haben die Entwickler in erster Linie Architekten und Fachplaner, aber auch Küchenbauer und Badausstatter sowie Ver-

markter, Verwaltungen und schliesslich Bauherren und Käufer einer geplanten Immobilie. «Unser Ziel ist die Demokratisierung der Virtual Reality», sagt Marty. «Die Möglichkeiten zum Erschaffen von interaktiven und täuschend echten Welten sollen breit zugänglich gemacht werden, und das zu einem Preis, den sich Einmannbüros genauso leisten können wie grosse Firmen.» Leistungsstarke Computer gibt es heute unter 2000 Franken, VR-Brillen ab 500 Franken. Und HEGIAS? «Die Software-Lösung ist im Abo erhältlich, kann also laufend aktualisiert über Jahre hinweg für verschiedene Projekte genutzt werden», führt Tuan Nguyen, Chief Technology Officer (CTO) von HEGIAS, aus. Dadurch sei die Investition rasch amortisiert. «HEGIAS ist trotz grossem Mehrwert letztendlich weit günstiger als eine handgemachte VR-Anwendung einer Agentur oder Architektur-Modelle und 3-D-Visualisierungen», so Nguyen. Marty und seine Kollegen Tuan Nguyen und Andreas Schmeil, die HEGIAS vor knapp drei Jahren gegründet haben, vergleichen ihre Lösung denn auch gerne mit einem Content-Management-System (CMS) für Websites. «Bis zur Jahrtausendwende war das Erstellen einer Homepage eine komplizierte und kostenintensive Angelegenheit, für die häufig eine Agentur beigezogen werden musste», erläutert Nguyen. «Heute kann dank CMS praktisch jede und jeder binnen kürzester Zeit, und ohne sich gleich verschulden zu müssen, den Inhalt seiner Website verändern und neuen Content hochladen – und genau das wollen wir mit unserer Lösung auch für die VR ermöglichen.»

Einfacher, schneller, realer

Blick ins virtuelle Eigenheim. FOTO: HEGIAS.COM

HEGIAS HEGIAS hat das weltweit erste browserbasierte und automatisierte Virtual-Reality-Content-ManagementSystem entwickelt. Optimiert ist dieses für die Planungs-, Bau- und Immobilienbranchen. CAD-/BIM-Planungsdaten können jederzeit innerhalb weniger Minuten in der virtuellen Welt ortsunabhängig von mehreren Personen gleichzeitig betrachtet, besprochen und verändert werden. Im Ranking interessanter Schweizer Start-ups erscheint HEGIAS regelmässig in den Top Ten. Das PropTech-Unternehmen beschäftigt inzwischen 24 Mitarbeitende in Zürich und Lugano. Gegründet wurde HEGIAS 2017 von Patrik Marty (CEO), Tuan Nguyen (CTO) und Andreas Schmeil (CPO).

Zurück am Vierwaldstättersee. Einmal klicken und HEGIAS «beamt» den Besucher ins höhergelegene Stockwerk der Musterwohnung. Der Anwender bewegt sich wie im realen Leben durch den (virtuellen) Raum. An die Stelle statischer 3D-Visualisierungen und aufwendig gebauter Architekturmodelle oder gar 1:1-Musterbauten treten hier interaktive 360-Grad-Welten, die dank Automation und Cloud innerhalb weniger Minuten begangen, materialisiert und möbliert werden können. Ein Rundgang lässt sich gleichzeitig mit mehreren Personen durchführen, auch wenn diese verschiedene Endgeräte verwenden und sich aktuell an unterschiedlichen Standorten – mit oder ohne VR-Brille – befinden. «Gerade mit Blick auf die immer wichtiger werdenden BIM-KollaborationsMeetings ist das ein springender Punkt», bemerkt Andreas Schmeil, Chief Product Officer (CPO) und Entwicklungschef von HEGIAS: Da lange Anfahrtswege entfallen, reduziere dies nicht nur den CO2-Ausstoss; der virtuelle Klon solle primär mithelfen, Fehler und Missverständnisse frühzeitig zu erkennen, Änderungen vorzunehmen und Nerven wie Kosten zu sparen. «Sämtliche Projektpartner sprechen immer vom selben, da alle stets dasselbe sehen», so Schmeil.

Patrik Marty, CEO von HEGIAS, demonstriert das VR-Erlebnis einer Wohnungsbesichtigung am Vierwaldstättersee. FOTO: MICHELE LIMINA

Pläne gehören der Vergangenheit an, Wohnbesichtigungen und Wohnberatungen können direkt von zu Hause aus absolviert werden, und Ideen lassen sich umgehend gemeinsam mit dem Architekten, Interior Designer oder Badausstatter umsetzen.»

Erst verstehen, dann umsetzen

«Virtual Reality wird der neue Standard in der Architektur.»

Die Entwickler von HEGIAS profitieren von ihrer speziellen Erfahrung: Das PropTech-Unternehmen, das voll und ganz auf Schweizer Know-how setzt und seine Software im eigenen Büro in Lugano komplett inhouse entwickelt, ist vor drei Jahren aus einer Agentur hervorgegangen, die branchenübergreifend die ersten reinen Virtual-Reality-Projekte der Schweiz entwickelt hat. «Ich glaube, das ist auch der grosse Vorteil unserer Lösung», erläutert Patrik Marty, «da wir selber nicht aus der Architektur- und Immobilienbranche kommen, nehmen wir stets die Kundenposition ein. Erst wenn wir verstehen, wie etwas funktionieren soll und was die effektiven Bedürfnisse sind, wird es auch umgesetzt.» Nach einer guten halben Stunde ist der Rundgang hoch über dem See vorbei. Eindrücklich die Virtualität. Und die Realität? Bisher zur Anwendung gelangt

HEGIAS in der Arealentwicklung, im Zuge von Konzeptabklärungen bei denkmalgeschützten Bestandsbauten, beim Testen von verschiedenen Varianten – etwa bezüglich Raumhöhe –, bei der Planung neuer und der Renovation bestehender Gebäude, für die Visualisierung und frühzeitige Begehung neuer Ladenformate wie «Migros Daily» oder bei der Vermarktung neuer Wohnungen und Gewerberäume inklusive Tests bezüglich Arbeitsabläufen oder Rollstuhltauglichkeit. «Viele unserer Partner und Kunden staunen im ersten Moment, dass eine solch innovative Lösung aus der Schweiz kommen kann – Silicon Valley ja, aber Zürich?», zeigt sich Patrik Marty über entsprechende Reaktionen amüsiert. Klimadebatte und Corona-Krise würden das Highend-VR-Content-Management-System sowohl für künftige Besitzer wie aktuelle Planer und Entwickler gleichermassen interessant machen. Nicht allein zu sehen, sondern richtiggehend zu erleben, wie etwas einmal sein wird, das setze neue Massstäbe, ist sich der HEGIAS-CEO sicher. «Virtual Reality wird der neue Standard in der Architektur.» Story: Flavian Cajacob

PropTech

Weil die Daten in der Cloud gespeichert werden, müsse keiner der Anwender spezielle Programme installieren, das Versenden grosser Files würde darüber hinaus hinfällig; ein per Mail versendeter Link ermöglicht den Zutritt in die virtuelle Welt. «Bauherren und Architekten haben ihre Objekte auf dem Handy und damit immer in der Hosentasche mit dabei», ergänzt Schmeil. «Besprechungen und der Kauf anhand für den Laien schwer vorstellbarer zweidimensionaler

Die Finanzwelt hat ihre FinTech, das Gesundheitswesen setzt auf HealthTech, die Versicherungsbranche bezeichnet den digitalen Wandel und die damit einhergehenden technologischen Errungenschaften als InsurTech. Und im Immobilienwesen? Da nennt sich das Ganze PropTech, abgeleitet von Property und Technology. Stetig wachsende Rechenleistungen und kleinere Sensoren ermöglichen es in zunehmendem Masse, Immobilien zu vermessen und zu analysieren. Die Spanne der Entwicklungen reicht dabei von intelligenten Sensoren bis hin zu kompletten Virtual-Reality-Darstellungen. PropTech-Unternehmen vereinen den Offline- und den Online-Markt und wirken sich durch den Einsatz digitaler Technologien positiv auf Kosten, Qualität, Flexibilität und Transparenz von Leistungsangeboten aus. PropTechs sind inzwischen in sämtlichen Bereichen der Immobilienbranche zu finden – vom Investment über den Bau und die Instandhaltung bis hin zum Verkauf oder zur Verwaltung.


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#InnovationIstChefsache

«Das Hypothekargeschäft von morgen ist digital» UBS lanciert mit der Hypothekenplattform «key4» eine ausgesprochen innovative Lösung. Martha Böckenfeld, Leiterin «Digital Platforms & Marketplaces» bei UBS Schweiz, stellt die neuen Services vor und erläutert, wie mit dem digitalen Plattformgeschäft eine neue Dynamik entstehen soll.

Die Digitalisierung setzt starke Impulse im Bankenbereich, vor allem in Bezug auf das Plattformgeschäft. UBS hat dafür Ende des letzten Jahres einen neuen Geschäftsbereich ins Leben gerufen. Wie wichtig war dieser Schritt? Martha Böckenfeld: UBS hat sich letztes Jahr entschieden, den Geschäftsbereich «Digital Platforms & Marketplaces» zu gründen, um die Digitalisierung der Bank weiter voranzutreiben und neue digitale Geschäftsmodelle einzuführen. Die neue Plattform «key4» bildet einen zentralen Teil der Digitalstrategie von UBS Schweiz. Internationale Trends zeigen, dass Plattformen bestehende Geschäftsmodelle ergänzen. Als führende Universalbank der Schweiz möchte UBS den Hypothekarbereich der Zukunft entscheidend mitprägen. Wie gross ist das Potenzial des digitalen Hypothekargeschäfts in der Schweiz? Das Potenzial ist sehr gross, denn wir stehen hier im Vergleich zu Grossbritannien und Deutschland erst am Anfang der Entwicklung. Gemäss einer Studie von McKinsey werden in Deutschland jährlich rund 45 Prozent aller Hypothe-

Zur Person Seit Ende des letzten Jahres leitet Martha Böckenfeld bei UBS Schweiz den neu geschaffenen Bereich «Digital Platforms & Marketplaces». Sie gehört der Geschäftsleitung an. Davor war sie mehr als 20 Jahre lang in verschiedenen Funktionen und Positionen für diverse Unternehmen im Versicherungs-, Asset-Management- und Bankgeschäft in Asien, Europa und in der Schweiz tätig. Unter anderem arbeitete Martha Böckenfeld bei einem Online-Fonds-Start-up-Projekt, bei der Kleinwort Benson Gruppe, bei der Winterthur, bei der Unicredit oder bei der Generali. Dabei sammelte sie umfangreiche operative und strategische Erfahrungen in den Bereichen Financial Services, Turnaround- und Change-Management, Fusionen, Akquisitionen und Digitalisierung.

kargeschäfte und in Grossbritannien mehr als 75 Prozent über Vermittlungsplattformen abgeschlossen. Der Marktanteil der Online-Hypotheken in der Schweiz ist mit aktuell 3,1 Prozent noch sehr tief, wobei das Wachstum über die letzten fünf Jahre mit über 40 Prozent sehr bedeutend ist und einen Trend aufzeigt. Wie sieht diese Plattform genau aus? Mit «key4» lancieren wir nicht nur eine digitale Finanzierungsplattform für selbstgenutztes Wohneigentum, die auf die Bedürfnisse digital-affiner Hypothekarkunden ausgerichtet ist. Darüber hinaus wird die Plattform als ein offenes Ökosystem auch zahlreiche weitere Services anbieten, zum Beispiel Versicherungen, Haussuche, Bewirtschaftung – dies dank Partnerschaften mit ausgewählten Drittparteien. Damit erhalten unsere Kunden wichtige Informationen und Lösungen aus einer Hand zu allen Fragen rund um die Themen Wohnen und Eigenheimfinanzierung. Zum Ökosystem gehört beispielsweise ein Content-Hub namens «The Better Life», um die verschiedenen Bedürfnisse der Kunden und die Angebote unserer Partner miteinander zu vernetzen. Dort finden die Kunden auf einer dedizierten Website eine Vielfalt von Artikeln mit Inspirationen, Ideen sowie Empfehlungen zu den Themen Wohnen, Immobilien, Bauen und Renovation. Wo liegen für die Kunden die Vorteile von «key4»? Unser Anspruch ist es, den Hypothekarmarkt innovativ und nachhaltig zu verändern. Der Kunde kann online kostenlos und mit wenig Aufwand innerhalb weniger Minuten Zinsangebote erhalten. Eine echte Innovation liegt aber insbesondere darin, dass der Hypothekarnehmer erstmalig in der Schweiz Offerten von verschiedenen Schweizer Finanzierungsanbietern respektive Investoren miteinander kombinieren und sich so das für ihn beste Angebot zusammenstellen kann. Zudem erhält der Kunde eine kompetente persönliche Beratung von «key4»-Mitarbeitern. Die Beratung und Abwicklung erfolgen aus einer Hand, der Kunde hat also mit UBS einen einzigen kompetenten und erfahrenen

Martha Böckenfeld, Leiterin «Digital Platforms & Marketplaces» bei UBS Schweiz: «Als führende Universalbank der Schweiz möchte UBS den Hypothekarbereich der Zukunft entscheidend mitprägen.» FOTO: PETER RIGAUD

Ansprechpartner. Zu Beginn kann man bestehende Hypotheken verlängern, ab Herbst sind dann auch Neugeschäfte möglich. An welchen Typus von Kunden richtet sich das neue Angebot? Mit der benutzerfreundlichen Online-Plattform richten wir uns an digital-affine Kunden, die von innovativen Services aus einer Hand profitieren und gerne selbst verschiedene Angebote vergleichen und kombinieren wollen. Der Abschluss einer Hypothek ist eine grosse Entscheidung, die man nicht jeden Tag fällt. Selbst für jüngere Leute, die digital sehr affin sind, ist es nicht selbstverständlich, ein solches Geschäft über das Smartphone zu tätigen. Zudem wird das Zuhause noch wichtiger werden, weil Home-Office ein Trend ist, der sich wohl durchsetzen wird.

«Der Abschluss einer Hypothek ist eine grosse Entscheidung, die man nicht jeden Tag fällt.»

In der heutigen Zeit stellt sich immer mehr die Frage, ob sich nicht doch ein Eigenheimkauf lohnt, statt eine Wohnung zu mieten. Genau da bieten wir Hilfestellung. Beim aktuellen Zinsniveau fahren Eigenheimbesitzer gemäss einer Studie um bis zu 15 Prozent günstiger. Wir möchten den Kunden diese Kalkulationen aufzeigen und erklären, damit sie die Vorund Nachteile einander gegenüberstellen, auch anhand einer persönlichen Beratung. Welche Vorteile haben die Investoren? Die Plattform ist offen für institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen oder auch Banken. Für sie alle ist die Plattform ebenfalls online verfügbar. Der Investor stellt seine Finanzierungskriterien und die Investitionshöhe in seinem UBS E-Banking-Profil


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ein und kann seine Investition nach Region oder Objekt einfach gestalten. UBS übernimmt die gesamte Administration der Hypothek gegenüber dem Kreditnehmer bis zum Abschluss der Finanzierung und über die gesamte Kreditlaufzeit. Das Finanzierungsgesuch des Kreditnehmers muss zudem den Kreditvergabekriterien von UBS genügen. Dies ist ein Vorteil, da die Investoren so davon ausgehen können, dass UBS-Standards eingehalten werden. Gibt es noch weitere Pluspunkte? Erstmalig in der Schweiz kann der Investor einzelne Tranchen und Laufzeiten auswählen, ohne die gesamte Finanzierung sicherstellen zu müssen. Darüber hinaus ist «key4» auch der Ansprechpartner für Investoren über die gesamte Kreditlaufzeit. Durch die Digitalisierung ist der Prozess der Kreditvergabe vereinfacht: Kreditentscheid, Bonitätsprüfung und Risikoüberwachung sind automatisiert. Somit werden der Aufbau und die Überwachung des Hypothekenportfolios für den Investor auch günstiger. Mit welchen Partnern spannen Sie bei «key4» zusammen? Wir haben bereits eine strategische Partnerschaft mit Homegate für die Immobiliensuche, sie wird im Herbst lanciert. Mit einem weiteren Partner werden wir unseren Kunden schon sehr bald eine digitale Plattform für Eigenheimbesitzer anbieten können. Dort kann jeder Käufer oder Eigenheimbesitzer kostenlos und unverbindlich zum Beispiel den Sanierungsbedarf seiner Immobilie abklären und die dafür anfallenden Kosten

sowie die prognostizierte Wertentwicklung prüfen. Mit gebündeltem Fachwissen von Immobilienexperten, Handwerkern, Maklern, Versicherungen und weiteren Partnern aus der Branche kann «key4» Hilfestellung aus einer Hand anbieten. Wie sind sie bei der Entwicklung von «key4» vorgegangen? Ein kundenzentriertes Geschäftsmodell ist für Plattformen essenziell. Daher haben wir uns im ersten Schritt ein Bild der konkreten Kundenbedürfnisse, die durch die Plattform bedient werden können, verschafft. Mit einem soziologischen und ethnologischen Team haben wir anonymisiert Immobilienkäufer in der Schweiz befragt und so die Erlebniswelten, Bedürfnisse und Gedanken beim Hauskauf näher erforscht. Dabei haben wir zum Beispiel festgestellt, dass das Bankenprodukt bei der Suche nach einem neuen Zuhause in den Hintergrund tritt und Mittel zum Zweck ist. Den Immobilienerwerber beschäftigen viele andere Themen rund um die Frage, wie er sich seinen grossen Lebenstraum, das eigene Zuhause, erfüllen kann. Welche Schlüsse haben Sie aus diesen Erkenntnissen gezogen? Wir wollen den Kunden mit «key4» Lösungen zu all diesen Fragen anbieten und sie auf dieser Reise begleiten, unterstützen und beraten. In der UBS Digital Factory haben wir mit Prototypen und ungefähr 300 Nutzern sogenannte User-Testings durchgeführt, um gemeinsam mit dem Kunden in einem iterativen Prozess «key4» zu entwickeln. Die Feed-

«Selbst für jüngere Leute, die digital sehr affin sind, ist es nicht selbstverständlich, ein solches Geschäft über das Smartphone zu tätigen.»

backs der Testkunden wurden dabei sukzessive in den neuen Entwicklungszyklus der Plattform eingebaut. Diese agile Arbeitsweise werden wir auch weiter nutzen, um den Bedürfnissen unserer Kunden Rechnung zu tragen und schnell und flexibel darauf reagieren zu können. Im Plattformgeschäft wurde bereits UBS Atrium lanciert. Was sind die Unterschiede im Vergleich zu «key4»?

UBS Atrium ist als Plattform für Renditeobjekte seit rund drei Jahren erfolgreich im Markt etabliert. Auf UBS Atrium finden Besitzer von Renditeliegenschaften, die eine Hypothekarfinanzierung suchen, und institutionelle Schweizer Investoren zusammen. Seit ihrer Lancierung im Jahr 2017 konnten wir über diese Plattform bereits Kredite von mehr als 1,6 Milliarden Franken vermitteln. Der Beratungsaspekt ist bei UBS Atrium noch ausgeprägter, da Renditeobjekte komplexer sind als selbstbewohntes Wohneigentum. Jeder Fall muss einzeln angeschaut werden. Das ist ein grosser Unterschied zur «key4»-Plattform, wo viele Prozesse standardisiert werden konnten, für den Kunden selbst jedoch trotzdem ein individualisiertes Angebot zusammengestellt wird. Wie wird sich Ihr Geschäft unter Berücksichtigung der Digitalisierung und Transformation in Zukunft weiterentwickeln? Die Corona-Krise hat einen gewaltigen Schub bei der Digitalisierung gebracht. Digitale Lösungen und Angebote setzen sich in immer mehr Bereichen unseres Lebens durch und können über Apps genutzt werden. Die Krise hat die allgemeinen Trends beschleunigt. Das bedeutet auch für unsere Branche, dass der Kunde innovative, einfache und digitale Lösungen wünscht. Bereits heute nutzen zwei Drittel unserer Kunden im Personal Banking und in der Vermögensverwaltung unsere digitalen Applikationen, bei den Firmen und institutionellen Kunden liegt diese Zahl sogar noch höher, etwa bei 80 Prozent. Interview: Michael Baumann

«key4»: Die neue Immobilienplattform für digital-affine Hypothekarkunden

Verlängern oder abschliessen Zum Start ermöglicht die Plattform die unkomplizierte Verlängerung bestehender Hypotheken. In einer nächsten Phase werden ab Herbst zudem Abschlüsse neuer Hypotheken möglich sein und kontinuierlich weitere Dienstleistungen sowie Partnerschaftsangebote hinzukommen. «key4» steht Interessenten auf dem Desktop, Smartphone oder Tablet zur Verfügung: Online werden hier die zentralen Angaben zur gewünschten Hypothek, zur Immobilie und zur individuellen finanziellen Situation erfasst. Innert weniger Sekunden werden die attraktivsten unverbindlichen Angebote der verschiedenen Anbieter angezeigt. Hat der Kunde Interesse an einem verbindlichen Angebot, wählt er sein bevorzugtes Zeitfenster für einen telefonischen Beratungstermin aus. Gleichzeitig mit der Terminbestätigung erhält der Antragsteller bereits ein persönliches Angebot als Diskussionsgrundlage

für das Beratungsgespräch. Nach erfolgtem Abschluss der Finanzierung verwaltet, betreut und bewirtschaftet «key4» die Hypothek aus einer Hand, egal für welchen Anbieter sich der Kunde entschieden hat. Einfacher war es noch nie, ein Eigenheim zu finanzieren. Gleichzeitig war es noch nie einfacher, in Hypotheken zu investieren. Auf «key4» bieten neben UBS ausgewählte

Schweizer Drittinvestoren Finanzierungen für selbstgenutztes Wohneigentum an Schweizer Privatkunden an. Institutionelle Investoren können im sicheren UBS E-Banking direkt ihre Anlagekriterien hinterlegen und darauf vertrauen, dass nur Kreditanträge, die den UBSKreditrichtlinien entsprechen, auf «key4» finanziert werden. Auch UBS nimmt schliesslich am Bieterverfahren

teil und erhöht somit das Vertrauen der Investoren in den Kreditantrag. Die Gebühren für die Investoren sind transparent, über die Laufzeit gestaffelt (anstatt einmalig) und für alle gleich. Dies ergibt insgesamt ein Rundum-Sorglos-Paket für Investoren. Mehr dazu unter www.key4.ch. Story: Michael Baumann

Seit der Grenzöffnung für EU-/EFTAStaaten am 15. Juni 2020 hat die Schweiz nach dem grossen Lockdown allmählich zur Normalität zurückgefunden. Die Wirtschaftsentwicklung hat das Vorkrisenniveau allerdings noch nicht wieder erreicht. Im ersten Halbjahr ist das Wachstum massiv eingebrochen – eine Erholung dürfte erst allmählich ab dem zweiten Halbjahr erfolgen. Die vorerst anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit lässt Verkäufer und Käufer von Eigenheimen vorsichtiger agieren. Trotz weiterhin sehr niedriger Hypothekarsätze bleibt die Marktaktivität relativ flau. Die Anzahl eingereichter Kreditanträge dürfte immer noch mindestens 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. Dennoch dürften die Eigenheimpreise über die nächsten Monate nur minimal nachgeben; ein Preisrückgang im schweizweiten Marktdurchschnitt von mehr als 5 Prozent ist zum jetzigen Zeitpunkt eher unwahrscheinlich. Mit den wirtschaftlichen Perspektiven wird sich auch die Nachfrage wieder erholen. Insbesondere Eigenheime im günstigen bis mittleren Preissegment sowie Einfamilienhäuser im Einzugsgebiet der Grosszentren werden gefragt bleiben. Aus Investorensicht gewinnt der Verkauf von Stockwerkeigentum gegenüber der Vermietung zunehmend an Attraktivität. Daher dürfte das Angebot an Eigentumswohnungen mittelfristig wieder zunehmen. Das weiterhin vergleichsweise tiefe Finanzierungskostenniveau bietet einen Kostenvorteil für Eigentumswohnungen gegenüber Mietwohnungen. Bei aktuellen Kaufpreisen, Mieten und Zinsen liegen die jährlichen Wohnausgaben von Neueigentümern rund 15 Prozent tiefer als diejenigen von Mietern einer gleichwertigen Wohnung. Diese Schere zwischen den beiden Segmenten kann sich bei sinkenden Zinsen noch weiter öffnen.

Möglichkeiten für Steuerersparnisse FOTO: PD

Die UBS baut ihr Plattformgeschäft kontinuierlich aus – und schlägt damit ein ganz neues Kapitel auf. Nach der Markteinführung von UBS Atrium, der Vermittlungsplattform für Renditeliegenschaften, vor rund drei Jahren hat die Schweizer Grossbank Ende Juni mit «key4» eine neue benutzerfreundliche Online-Plattform rund um die Finanzierung und den Erhalt von Eigenheim und Wohnungen lanciert. Mit «key4» ergänzt UBS ihr umfassendes Beratungsangebot und erweitert ihre Hypothekarlösungen entlang der veränderten Kundenbedürfnisse. Der Eigenheimkauf ist keine alltägliche Sache und einer der wichtigsten Lebensentscheide. Im Mittelpunkt stehen deshalb bei «key4» nebst der Finanzierung auch eine Vielfalt an Dienstleistungen sowie Orientierungshilfen für aktuelle und künftige Immobilienbesitzer, die sich über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie erstrecken: von der Suche und dem Kauf eines Eigenheims über die Verlängerung bestehender Hypotheken bis hin zu laufend dazukommenden Partnerschaftsangeboten zu den Themen Eigenheim und Wohnen.

Markteinschätzung für Besitzer von Eigenheimen

Der Kostenvorteil von Eigentum gegenüber Miete erhöht die frei verfügbaren und somit anderweitig investierbaren Mittel. Zudem ergeben sich aus der Kombination von Wohneigentum und Vorsorge bei frühzeitiger Planung Möglichkeiten für Steuerersparnisse. Beide Aspekte werden in Zukunft steigende Beachtung erfahren. Denn sichere Alternativanlagen sind Mangelware, so dass solche impliziten Renditen wie die aus Wohnkosten- und Steuerersparnissen an Bedeutung gewinnen. Ausserdem machen die zunehmende Umverteilung von Erwerbstätigen zu Rentnern und sinkende Umwandlungssätze der Pensionskassen den Kapitalvorbezug attraktiver. Daher ist in den nächsten Jahren mit einer Zunahme der Kapitalbezüge für Wohneigentum aus der Altersvorsorge zu rechnen. Eine Wirtschaftserholung dürfte erst im späteren Verlauf der zweiten Jahreshälfte eintreten. In diesem Fall dürfte der Immobilienmarkt mit einem blauen Auge davonkommen. Wertberichtigungen sind primär in den am stärksten exponierten Segmenten wie Verkauf und Hotels zu erwarten. Der Grossteil des Eigenheimmarkts und der Wohnrenditeliegenschaften sollte aber keine grössere Wertkorrekturen erfahren. Die Chancen stehen hier gut, dass sich der Aufwärtstrend nach der leichten, Corona-bedingten Delle weiter fortsetzen wird. Quelle: UBS


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NZZ am Sonntag 5. Juli 2020

Das Führungstrio von Bonainvest (von links nach rechts): Alain Benz, neuer CEO von Bonacasa, Ivo Bracher, Gründer und Verwaltungsratspräsident, und Jacques Garnier, neuer Vorsitzender der Geschäftsleitung. FOTO: MICHELE LIMINA

#VorreiterDerImmobilienbranche

Klug bauen, vernetzt wohnen, clever leben «Smart Living» gehört die Zukunft. Ivo Bracher, Gründer der Bonainvest Holding, versteht intelligente Lösungen nicht nur als Dienstleistungsangebot, sondern auch als neue Maxime für die Bau- und Immobilienbranche.

Es gibt eine schöne Binsenwahrheit, die da lautet: Wir möchten alle alt werden, alt sein dagegen nicht. Gerade wenn es ums Wohnen geht, ist die Anzahl der Lebensjahre von zentraler Bedeutung. Dann geht es immer mehr um die Frage, wie wir auch im fortgeschrittenen Alter unsere Selbstständigkeit bewahren können. Für Ivo Bracher ist die Antwort klar: «Mit intelligenten und vernetzten Lösungen.» Diese machten es möglich, dass wir möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben könnten. Bracher hat vor zehn Jahren Bonacasa ins Leben gerufen – eine Tochterfirma der Solothurner Immobilien-Anlagegesellschaft Bonainvest, die in den letzten Jahren über 1000 Wohnungen erstellt hat. Zu deren Markenzeichen zählen nachhaltige Architektur, vernetzte Haustechnik und individuelle Wohnservices. Bonacasa nimmt heute eine schweizweit führende Position rund um das Thema «Smart Living» ein. Das Unternehmen betreut über das holdingeigene Portfolio hinaus mehr als 8500 Objekte von Drittinvestoren. Der Fokus liegt auf «Living Services». Das Prinzip: Wer Mieter oder Kunde von Bonacasa ist, kann sich ein «Rundumsorglospaket» schnüren lassen, das über die baulichen Belange wie schwellenfreie Durchgänge oder ökologische Heizsysteme hinausreicht. «Was den älteren Mietern häufig die Sicherheit ist, das ist den jüngeren primär der bezahlbare Komfort», sagt Bracher. «Smart Living ist somit ganz klar eine generationenübergreifende Angelegenheit.»

Megathemen im Fokus Als Orientierungshilfe, welche Massnahmen und Services mit Blick auf künftige Käuferinnen und Mieter interessant –

«Was den älteren Mietern häufig die Sicherheit ist, das ist den jüngeren primär der bezahlbare Komfort.»

wohnungen als sinnvoll, als wünschenswert und als geboten erachtet werden sollte», so der Rechtsanwalt, der im Verlaufe seiner Karriere über 50 Wohnbaugenossenschaften mitbegründet hat. «Und glauben Sie mir: Meine Mutter war eine sehr kritische Zeitgenossin!» Wenn es um die wichtigsten Trends beim Bauen und Wohnen geht, spielen für Bonacasa diese vier Megathemen eine zentrale Rolle: • Individualisierung: Neue Lebens- und Wohnformen wecken neue Bedürfnisse. So wächst der Anteil an Single-Haushalten beispielsweise beständig. Damit geht häufig der Wunsch nach Dienstleistungen – eben «Living Services» – einher. • Konnektivität: Vernetzung ist ein neues Grundprinzip. Virtuelle Netzwerke ermöglichen den Kontakt mit Menschen und Geräten. Intelligente Sensoren in Wohnungen und Gebäuden steuern beispielsweise Licht und Heizung, sie können aber auch über den Gesundheitszustand von Bewohnern wachen. Die digitale Vernetzung fördert letztlich die soziale, indem sie beispielsweise auf Veranstaltungen in unmittelbarer Nähe hinweist und Gleichgesinnte in der Nachbarschaft zusammenbringt. • Silver Society: Die Zahl der über 65-Jährigen wächst und wächst. Doch «alt» ist immer relativ. Neue Lebensstile prägen das Alter und den Alltag – und damit die gängigen Wohnformen. Komfort, Gesundheit, Austausch und Sicherheit spielen eine wichtige Rolle. • Ökologie: Innovative Ideen, die Ressourcen sparen, rücken noch stärker in den Vordergrund. Energetisch-optimierte Bauweisen, langlebige Materialien und ein bewusster Umgang mit den Ressourcen gewinnen an Bedeutung.

und für die Entwickler lukrativ – sind, dienen Bracher und seinem Team einerseits die Megathemen, die die Bau- und Immobilienbranche besonders an- und umtreiben, andererseits die persönlichen Erfahrungen. «Meine inzwischen verstorbene Mutter mit ihren Ansprüchen und Bedürfnissen führte mir stets plastisch vor Augen, was für Senioren-

«Smart Living» umfasst für Ivo Bracher entgegen landläufiger Meinung nicht alleine die neuen technischen Möglichkeiten des Immobiliensektors. Im Kern gehe es um eine neue, frische Denk- und Handlungsweise in der Planung, der Architektur, der Ausführung und der Verwaltung von Gebäuden. «Für mich ist Smart Living Mittel zum Zweck. Das Ziel: hohe Lebensqualität schaffen, und das zu einem vernünftigen Preis.» Durch die Brille des Investors sieht der 62-Jährige

selbstredend immer auch das Preisschild, das einem Neubau oder einer Dienstleistung anhängt. Stirnrunzeln verursachen die Mehrkosten, die intelligente Lösungen wie etwa Sensoren oder energiesparende Komponenten verursachen, bei ihm allerdings nicht. Eine smarte Wohnung zu bauen, koste im Schnitt 10 000 Franken mehr als der Bau einer herkömmlichen. «Der damit verknüpfte Mehrwert allerdings liegt letztendlich bei weitem über diesem Betrag.»

Mit Concierge-Modell Schwellenfreie Badezimmer, Duschen mit Energierückgewinnung, smarte Beleuchtung, 24-Stunden-Notruf, intelligente Leitungsverlegung, Schlüsseldepot und Paketannahmeanlagen, funktionale Küchen, Stromtankstellen für E-Bikes – sie sollen uns das Leben erleichtern, egal, ob wir nun alleine wohnen, gerade eine Familie gegründet haben oder ob wir uns auf einen ruhigen Lebensabend einstellen. Die Grundlage für «Smart Living» wird zuerst baulich geschaffen. Die nach Gusto mal mehr, mal weniger intensiv genutzten Dienstleistungen sorgen ihrerseits für Entlastung im Alltag. Bonacasa setzt dabei auf das Concierge-Modell: Wer eine zentrale Nummer wählt, dem wird geholfen. Die Palette an Hilfestellungen reicht vom Wäschewaschen über Kinderhüten und Einkaufen bis hin zum Notruf, dem Einrichten eines Internetzugangs oder dem Aufbieten eines Handwerkers. Zum Teil deckt Bonacasa die Services mit eigenem Personal ab, darüber hinaus wird mit regionalen Partnern zusammengearbeitet. Das Angebot ist modular aufgebaut und kann auch in Neubauprojekten und Bestandsliegenschaften von Dritten aufgeschaltet werden. Dass die Bau- und Immobilienbranche noch stärker in Richtung solcher smarten Lösungen und intelligenten Serviceleistungen gehen müssen, davon ist Ivo Bracher, der die operative Leitung der Bonainvest Holding in diesem Sommer abgibt (siehe Kasten), felsenfest überzeugt. Sowohl Entwickler als auch Architekten und Verwalter seien nebenbei ja immer auch Mieter oder Eigentümer. «Es liegt also in unserem eigenen Interesse, gescheite Wohnformen zu kreieren», sagt Bracher. Denn es gehe ja schliesslich uns allen so, dass wir einmal älter werden – ob wir es nun wollen oder nicht. Story: Flavian Cajacob

Bonainvest Holding Bei der Bonainvest Holding wurde in den vergangenen Wochen ein Stab­ wechsel vollzogen. Per 1. Juli 2020 über­ gab Firmengründer Ivo Bracher seinen Posten als Vorsitzender der Geschäfts­ leitung an Jacques Garnier, um sich fortan auf das Präsidium des Verwal­ tungsrats zu konzentrieren. Der neue CEO war seit der Gründung der Bona­ invest Holding deren Leiter Finanzen und ist bestens mit der Materie «Smart Living» vertraut. Garnier sagt: «Die durch die Megatrends ausgelösten Veränderungen und die individuellen Ansprüche an Ökologie und Konnektivi­ tät sind die Treiber der neuen Wohnkul­ tur – die Strategie der Bonainvest weist überdurchschnittliches Potenzial auf und zielt genau auf diese neuen Bedürf­ nislagen.» Ebenfalls einen neuen Geschäftsführer hat die Tochtergesellschaft Bonacasa erhalten. Alain Benz, seit sieben Jahren Leiter Unternehmensentwicklung, trat per 1. Juli 2020 die Nachfolge von Hans Fischer an, der das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen hat. Für Benz ist mit Blick auf «Living Services» klar: «Zwei grosse Gruppen werden die zukünftige Nachfrage bei den Immobi­ lien prägen: die Millennials und die Seni­ oren. Beide wünschen, sicher, komforta­ bel und bedürfnisgerecht zu wohnen.» Mit möglichst optimal auf den Kunden ausgerichteten und einfachen Lösun­ gen will Benz diesem Umstand gerecht werden. «Wohnungen und Services bieten letztlich Mehrwerte mit digitaler und sozialer Integration.» Die Bonainvest Holding mit Sitz in Solo­ thurn hat an 23 Standorten in der Schweiz bisher über 1000 Wohnungen errichtet. Zurzeit befinden sich über 500 weitere Wohnungen in Entwick­ lung oder Bau. Das Tochterunterneh­ men Bonacasa hat zusätzlich über 8500 Wohnungen von Geschäftskunden unter Vertrag, deren Bewohner vom «Smart Living»­Angebot profitieren. Die Unternehmensgruppe wies im Geschäftsjahr 2019 eine Bilanzsumme von 416 Millionen Franken und eine Marktkapitalisierung von 267 Millionen Franken aus. Eigentümer der Gesell­ schaft sind über 130 Aktionäre, darunter rund 70 Pensionskassen wie jene von Migros und Coop.


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anderen Branchen meilenweit hinterher, wusste Louis-Philippe Müller in der Gründungsphase aus eigener Erfahrung. Mit ImmoZins sollte dieser Missstand behoben werden, was mit der Entwicklung eines speziellen Tools gelang. Es erlaubt Investoren, mittels persönlichem Login auf Tastendruck den Weg ihres Geldes in Echtzeit mitzuverfolgen. «Ab dem Zeitpunkt der Transaktion haben die Investoren Einsicht über jede Ausgabe und Zahlung im Rahmen des Projekts, sei es eine Handwerkerrechnung, der Kostenvoranschlag für eine Bodenplatte oder die Abrechnung der Kücheninstallation», erklärt Fazlic. Auch über den Baustand werden die Investoren permanent informiert. Fast wöchentlich liefern Drohnenbilder und -videos den Fortschritt in gestochen scharfen Bildern auf den heimischen Computerbildschirm. Auch die eigenen Prozesse hat ImmoZins durchgehend digitalisiert. Dank der Übernahme des Start-ups BMapp AG können sämtliche Baudokumente digital abgelegt werden. Dies erleichtert etwa die Arbeit von künftigen Hausverwaltungen, die im Handumdrehen auf alle Dokumente zugreifen können und dafür nicht stundenlang Ordner mit Papier durchforsten müssen. Das System von BMapp erleichtert ebenfalls die Bauphase. Für der Ausführung der Bauprojekte setzt ImmoZins auch sonst zu 100 Prozent auf die Expertise von Schweizer Unternehmen.

Das Gründertrio der ImmoZins AG in Zürich (von links nach rechts): Louis-Philippe Müller, Chief Executive Officer (CEO), Igor Brestovac, Chief Operating Officer (COO), und Dario Fazlic, Investor.

Drei Anlagemodelle als Co-Eigentümer FOTO: MICHELE LIMINA

#VorreiterDerImmobilienbranche

Mehr Transparenz bei Immobilieninvestments Mit einer selbst entwickelten Software, die es den Investoren ermöglicht, jeden Projektschritt in Echtzeit mitzuverfolgen, will die ImmoZins AG die Branche revolutionieren. Zudem investiert das Zürcher Start-up in jedes Projekt eigenes Geld und schafft damit Vertrauen. Igor Brestovac ist in seinem Element. Auf einem riesigen 82-Zoll-Flachbildschirm präsentiert der gelernte Elektroplaner und Wirtschaftsingenieur Slide um Slide, klickt auf vollautomatisierte Statistiken, deutet farbige Diagramme und erklärt komplexe Kalkulationstabellen. Dann muss er gehen. Ein wichtiger Termin steht an. Brestovacs Unterschrift ist gefragt. Und zwar unter einen Kaufvertrag für ein ganzes Mehrfamilienhausprojekt, das im Kanton Zürich auf der grünen Wiese entstehen soll. Projektvolumen – mehr als 20 Millionen Franken. Brestovac entschuldigt sich höflich und ist bereits weg. Es übernimmt Dario Fazlic. Die beiden kennen sich schon ewig und sind inzwischen sogar verschwägert. Seit drei Jahren sind Brestovac und Fazlic auch Geschäftspartner. Gemeinsam mit dem dritten Grün-

dungsmitglied Louis-Philippe Müller besitzen sie die ImmoZins AG in Zürich. Neben Müller steht Fazlic genauso für Unternehmertum in grösseren Massstäben. Ersterer hat in den letzten 15 Jahren bereits Projekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 1 Milliarde Franken realisiert. Letzterer kann mit 35 schon auf eine zwölfjährige Start-up-Karriere zurückblicken. Fazlic gründete die Erfolgsplattformen DeinDeal.ch und MOVU.ch und hat sie anschliessend an Ringier respektive die Baloise Group verkauft. Zudem ist er Mitgründer der digitalen Versicherungslösung wefox group. Das grösste InsureTech-Start-up Europas beschäftigt heute 600 Mitarbeitende. Unter diesen Vorzeichen ging auch ImmoZins vor einem Jahr mit keinem geringeren Ziel an den Start, als den Deutschschweizer Bau- und Immobilienmarkt

«Wir wollen das bedeutendste PropTech-Start-up der Schweiz sein und zum Unicorn werden.»

gründlich aufzumischen. Mithilfe einer vollautomatisierten Abwicklungs-Software sollen neue Privatinvestoren für grössere Immobilienprojekte gewonnen werden. Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal: ImmoZins tritt bei jedem Bauprojekt als Mitinvestor auf und besitzt minimal 50 Prozent jeder Immobilie. «Unsere Spezialisierung auf ‹Club Deals› schafft bei potenziellen Investoren viel Vertrauen, weil wir als Mitinvestor auch alle Risiken teilen», sagt Dario Fazlic.

Den Weg des Geldes live verfolgen

Was die Art der finanziellen Beteiligung betrifft, können die Investoren zwischen verschiedenen Varianten wählen. Je nach Anlagemodell profitieren sie von laufenden Zinsausschüttungen, generieren nach Projektabschluss Mieteinnahmen oder werden bei einem Verkauf der Liegenschaft proportional zu ihrer Einlage am Gewinn beteiligt. Den Entscheid, ob ein Projekt nach Bauabschluss verkauft oder behalten wird, fällen ImmoZins und die Investoren als Co-Eigentümer in der Regel gemeinsam. Um die Qualität der finanzierten Projekte müsse sich ebenfalls kein Investor Sorgen machen, so Fazlic. Jedes Projekt werde einer Qualitätsprüfung durch QualiCasa unterzogen. Das Konzept von ImmoZins scheint aufzugehen. Seit dem offiziellen Start ist kein Jahr vergangen und schon ist das Portfolio auf über 20 Immobilienprojekte mit einem Durchschnittswert von je rund 15 Millionen Franken angewachsen. Die Corona-Krise hat das rasante Wachstum nicht im Geringsten gebremst. «Im Gegenteil», sagt Fazlic. Er erwartet bis Ende 2020 einen Ausbau auf über 30 Projekte mit einem Gesamtvolumen von fast 500 Millionen Franken. «Ganz offensichtlich schätzen Investoren unser auf Vertrauen basierendes Konzept sowie die hohe Transparenz», folgert er. Und Dario Fazlic wäre nicht er selbst, würde er die Messlatte für ImmoZins nicht entsprechend hoch ansetzen. «Wir wollen das bedeutendste PropTech-Start-up der Schweiz sein und zum Unicorn werden, also einen Unternehmenswert von mehr als 1 Milliarde Franken erreichen.» Story: Robert Wildi

ImmoZins

Die zweite Errungenschaft von ImmoZins: Anlegern wird rund um die Bauprojekte hundertprozentige Transparenz geboten. Die Bauindustrie hinke diesbezüglich wie etwa in der Digitalisierung

So funktioniert das Investieren

QUELLE: IMMOZINS

Die 2017 gegründete ImmoZins AG ist im Sommer 2019 online gegangen und hat im Rahmen der Seed-Finanzierung innerhalb weniger Monate bis Ende letztes Jahr 12,5 Millionen Franken an frischem Kapital aufnehmen können. Die Series-A-Investmentrunde ist in vollem Gang. Zurzeit betreut das Start-up über 20 Immobilienprojekte mit einem Gesamtprojektvolumen von rund 300 Millionen Franken. Neben ausgewählten Investitionspartnern, die in der Regel je 1,2 Millionen Franken investieren, ist ImmoZins bei jedem Projekt zu 50 Prozent beteiligt. Alle Objekte befinden sich in der Deutschschweiz und sind zu 90 Prozent Neubauten im Wohnbereich. Im zweiten Halbjahr 2020 arbeitet ImmoZins mit diversen Banken zusammen und lässt sich von PricewaterhouseCoopers International (PwC) auditieren.


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#TheNextBigThing

Die Lösung im Sprachenstreit Digitale Baumodelle sind nur sinnvoll, wenn die darin enthaltenen Informationen und Daten für alle Beteiligten die Sicherheit bieten, dass sie geprüft und für gut befunden wurden. Der «Singular Qualifier» gibt Bauherren die gewünschte Sicherheit.

Julian Amann ist Geschäftsführer und Partner des Zürcher Start-ups Singular. FOTO: MICHELE LIMINA

hält der Geschäftsführer des Start-ups Vorträge vor Unternehmen, an der ETH oder an deutschen Fakultäten, um Branchenkollegen mit den Möglichkeiten von BIM und den sich daraus ergebenden neuen Anforderungen vertraut zu machen. Dabei hat sich der «Singular Qualifier» aus Zürich längst von einer bestechenden Idee zur praxiserprobten Lösung entwickelt. Grosse, komplexe Laborprojekte für Schweizer Pharmakonzerne etwa wurden schon mithilfe der Software geplant und gebaut. «Ein Labor hat so hochkomplexe Anforderungen, dass ein gut strukturiertes digitales Modell unerlässlich ist», sagt Julian Amann. Als Beispiel nennt er die bis zu 70 verschiedenen Leitungen für Gase, Kalt- und Warm- oder Osmosewasser, die ein solches Gebäude quasi wie Blutbahnen durchziehen. Damit Planung, Logistik und Installation dieser Systeme reibungslos gelingen, sind präzise Informationen im digitalen Baumodell zwingend erforderlich. «Wir stellen sicher, dass die Informationen nach einem gewissen Standard aufgebaut, geprüft und aufbereitet werden», ergänzt Amann.

Mehr für sein Geld bekommen Digitale Technologien gelten als grosse Chance für die Bauwirtschaft. Speziell das «Building Information Modeling» (BIM) soll das Planen und Bauen in einer traditionell noch wenig digitalisierten Branche effizienter machen. Tatsächlich aber können manche digitale 3D-Modelle die Erwartungen nicht erfüllen, was nicht selten in Frustration über die vielgelobte Technik endet. Dass die Digitalisierung eines Tages für seine Arbeit unerlässlich sein würde, war dem gebürtigen Berliner Julian Amann früh klar. Schon bald nach dem Abschluss seines Studiums an der ETH Zürich fand er sich in einem Dilemma: «Ich bin leidenschaftlicher Architekt, aber die schöpferische Kraft verpufft oft in der Kleinarbeit an einem Bauplan», erzählt Amann. Der Gedanke, dass das «besser gehen muss», begleite-

«Wir stellen eine Firewall auf, durch die nur die passenden Informationen hindurchkommen.»

te den kreativen Kopf fortan in seiner Karriere. BIM sollte als fast schon magische Methode dieses Dilemma auflösen. Weil die neuen technischen Möglichkeiten aber ohne einheitliche Standards angewendet werden, sind die vielen Informationen, die in einen digitalen Bauplan einfliessen, oft nicht aufeinander abgestimmt. Gleichzeitig erwarten immer mehr Bauherren, vor allem institutionelle oder staatliche, die Anwendung von BIM, oder machen es gar zur Bedingung für die Planung eines neuen Projekts.

Ansatz des «Model Checking» Aus den neuen Möglichkeiten und den damit verbundenen Anforderungen entstand bei den beiden Gründungspartnern des Zürcher Start-ups Singular, Bruno Ruch und Julian Amann, die Idee für

ein wissenschaftlich basiertes «Model Checking». Die von Singular entwickelte Software macht aus dem häufig auftretenden babylonischen Sprachengewirr in BIM-Projekten eine singuläre, für alle Beteiligten zu verstehende digitale Sprache, gekoppelt mit einem durchdachten Qualitätsmanagement und einer auf wissenschaftlichen Grundlagen beruhenden Prozessoptimierung. «Wir stellen eine Firewall auf, durch die nur die passenden Informationen hindurchkommen», erklärt Planungsexperte Amann: «Man kann das vergleichen mit einem Textdokument, bei dem viele Stellen rot markiert sind, weil die Rechtschreibeprüfung einen Fehler erkannt hat.» Amann und sein Team aus Architekten, Software-Entwicklern und BIM-Experten haben mit dem «Singular Qualifier» einen Nerv getroffen. Immer öfter

#TheNextBigThing

Vom Bild zur digitalen Erlebniswelt Das interdisziplinäre Team der Agentur Raumgleiter in Zürich hat sich zum Ziel gesetzt, Architekturpläne und Immobilienmodelle emotional erfahrbar zu machen. So können Bauherren und Endkunden bessere Entscheide fällen. «Ein Bauprojekt bloss zu visualisieren, ist heute zu wenig», sagt Matthias Knuser, einer der Managing Partner von Raumgleiter. Die Zürcher Agentur hat sich schon bei ihrer Gründung vor 19 Jahren das Ziel gesetzt, über einzelne Disziplinen hinaus zu denken und zu arbeiten. Heute ist das Team von rund 50 Spezialisten – Architekten, Gamedesigner oder Programmierer – schweizweit führend darin, abstrakte Baupläne in Erlebnisse umzuwandeln. Knuser ist von den Möglichkeiten der Technik überzeugt, und er wendet sie mit seinen Leuten auch virtuos an, es geht ihm aber letztlich um etwas ganz Anderes: «Wir arbeiten mit Emotionen.» Wo früher ein einzelnes, computergeneriertes Bild für die Visualisierung einer Wohnung – oder vielmehr eines kleinen Ausschnitts davon – genügen musste,

«Am Ende gewinnt das beste Projekt und nicht einfach das beste Rendering.»

sind heute bei Raumgleiter Spezialisten im Einsatz, die zwei, drei Schritte weitergehen.

Mit VR begehbar machen … Mithilfe von Virtual Reality (VR) beispielsweise können Bauprojekte digital begehbar gemacht werden. «Bei uns arbeiten Sounddesigner, die sich Gedan-

Raumgleiter hilft, gute Projekte in digitale Erlebniswelt zu überführen. FOTOS: RAUMGLEITER.COM

ken darüber machen, wie eine Wohnung klingt. Je nach Bodenbelag oder durch ein Fenster, das zur Strasse hin geöffnet wird, verändert sich natürlich der Klang im Raum», erklärt Knuser. Während man noch vor wenigen Jahren aufgrund eines Bauplans abschätzen musste, ob die Küche in einer Eigentumswohnung gross genug sein und ob das Wunschsofa im Wohnzimmer Platz finden würde, können die «Raumgleiter» heute Küchen, Bäder und andere Räume zum digitalen Erlebnis machen. Die Anwendung der entsprechenden Technik ist faszinierend, doch für die Agentur kein Selbstzweck. Es geht ums Bauen und um die gestiegenen Ansprüche, die damit verbunden sind – und das nicht nur in boomenden Zentren wie Zürich. «Nur gute Projekte lassen sich heute noch verkaufen», weiss Knuser aus Erfahrung. «Wir können helfen, gute Projekte optimal in Bildwelten zu überführen.» Besonders in Architekturwettbewerben sei es eindeutig, dass durch digitale Bildwelten bessere Entscheidungen gefällt würden als durch die blosse Beurteilung von Plänen und dazugehörigen Gipsmodellen. «Am Ende gewinnt das

beste Projekt und nicht einfach das beste Rendering», sagt Matthias Knuser.

… und vor Baubeginn testen Auch die Ansprüche der Kunden änderten sich, berichtet der studierte Architekt. Wer heute in eine Eigentumswohnung investiere, wolle genau wissen, was er am Ende bekomme. Entspricht das künftige Heim tatsächlich seinen Vorstellungen? Wird er sich darin wohlfühlen? Architektur an sich sei wenig emotional, daher stelle sich die Aufgabe, eine Wohnung schon vor Baubeginn erlebbar zu machen. Gelingt das, steigt die Zufriedenheit auch nach Abschluss des Projekts. «Wenn es keine bösen Überraschungen gibt, wenn jemand zum ersten Mal in der Realität seine Immobilie betritt, ist das ein grosser Fortschritt», so Knuser. Dafür entwickelt Raumgleiter sogenannte Wohnungskonfiguratoren – digitale Tools, wie sie heute ganz ähnlich auch Autohersteller anbieten. Per App oder Website können sich Kunden den Traum vom Eigenheim ganz individuell erfüllen, durch selbstständiges Gestalten und Auswählen der gewünschten Interi-

Unabhängig von der Art des Bauvorhabens gehe es immer darum, das Vertrauen zwischen Bauherren, Planer und Lieferanten zu sichern. Denn wie Amann aus eigener Erfahrung weiss, möchte der Planer «gute Arbeit abliefern», während der Bauherr «Sicherheit für seine Investition erwartet». Mit dem Model Checking erhält der Besteller die Gewissheit, dass er ein gutes, nachhaltiges Gebäude erhält, das sämtlichen Ansprüchen genügt – etwa in Bezug auf Kostenplanung, Windsimulation oder Brandschutz. Amann erklärt es so: «Wie man bei Börseninformationen die Sicherheit hat, dass die Angaben zu Kursentwicklungen korrekt sind, sorgen wir dafür, dass die Daten in einem Baumodell geprüft wurden. Am Schluss bekommt man ganz einfach für sein Geld ein besseres Gebäude.» Story: David Schnapp

eurs, vom Bodenbelag über die Badarmaturen bis hin zu den Küchenoberflächen. Und das alles schon vor dem Spatenstich. «Projekte, die optimal sichtbar gemacht werden können, sind die besseren Projekte», sagt Knuser. Der Vorteil dieser Art von digitaler Massarbeit sei auch, dass es dafür weder Showrooms noch Musterwohnungen brauche. Für einen Kunden in Frankfurt am Main zum Beispiel hat Raumgleiter eine grosse Überbauung mit Hunderten Wohneinheiten vollständig virtuell in Szene gesetzt. Nicht nur zum Ansehen, sondern auch zum Begehen. Über Bildschirme oder mithilfe von Virtual-Reality-Brillen können potenzielle Käufer durch Räume schlendern und dabei jedes Detail des Objekts in Augenschein nehmen, ja erleben: Was passiert, wenn man ein Fenster öffnet, wie ist die Aussicht vom Wohnzimmer aus, oder wie verändert sich das Licht im Raum, wenn die Sonne untergeht? «Pläne und selbst Visualisierungen sind letztlich abstrakt», sagt Knuser. Seinem Raumgleiter-Team gelingt es aber, aus der Abstraktion realitätsnahe digitale Bildwelten zu kreieren, und damit einem Bau, der noch gar nicht steht, Leben einzuhauchen. Story: David Schnapp

Matthias Knuser, Managing Partner von Raumgleiter


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#InnovationIstChefsache

«Wir sind bereit, dass die Zukunft bei uns stattfinden kann» Das Dienstleistungszentrum The Circle ist derzeit das grösste Hochbauprojekt der Schweiz. Beat Pahud, Project Director bei der Flughafen Zürich AG, erklärt, warum der Nutzungsmix ebenso wichtig ist wie der Gebäudekomplex selbst. Beat Pahud, Project Director von The Circle bei der Flughafen Zürich AG: «Zum Teil sind auch unsere Mieter Gamechanger. Sie waren bereit, in sich abzeichnende Entwicklungen zu investieren.» FOTO: MICHELE LIMINA

Inwiefern? Auf diese Weise ist es uns gelungen, dem Projekt eine spezielle DNA zu geben. Das Gebäude lebt von der Architektur und der Form, aber auch ganz stark vom Inhalt. Die sieben Module nutzen Synergien, sie befruchten sich gegenseitig. Von Anfang an war unser Statement, dass wir nicht in erster Linie ein Gebäude bauen, sondern einen Stadtteil, und nicht einfach Büroflächen, sondern einen Campus. Wir bieten nicht nur Fläche an, sondern einen Mehrwert für die Mieter und ihre Mitarbeitenden, der durch den Nutzungsmix entsteht. Ob Essen, Sport oder Kita – im Circle findet man alles, was man braucht. Gab es für dieses Konzept Vorbilder? Ein effektives Beispiel, das 1:1 als Vorbild diente, hatten wir nicht. Aber wir waren in Tokio, Peking und Los Angeles und haben einzelne Elemente angeschaut. So haben wir Erkenntnisse gewonnen, die ins Projekt einflossen. Ein konkretes Beispiel ist der Retail. In Zukunft wird der Verkauf noch stärker online passieren, die einzelnen Marken müssen aber identitätsstiftende Orte schaffen und mit den Kunden in Dialog treten. Wir bieten dazu die Plattform und stellen beispielsweise Brand Houses zur Verfügung, die sich bis über vier Stockwerke erstrecken und flexibel ausbaubar sind. Haben Sie weitere Trends aufgenommen? Die Bereiche Hotel & Conventions und Dining & Events gehören zu einem solchen Projekt, das sich an einer so gut erschlossenen Verkehrsdrehscheibe befindet, einfach dazu. Besonders ist aber das Element Health. Das Universitätsspital Zürich betreibt hier das grösste Ambulatorium Europas. Das Thema Gesundheit ist ein Megatrend, den wir früh erkannt

haben, ohne eine Spitalatmosphäre zu schaffen. Diese Rechnung ist aufgegangen, denn das Gesundheitswesen entwickelt sich von stationär zu ambulant. Ein weiterer Megatrend, den wir aufgegriffen haben, ist die Bildung, für die wir grosse Flächen reserviert haben. Und ein Bereich ist für die Kunst vorgesehen, die für alle zugänglich sein soll. Wir denken da an Galerien und Dauer- sowie Sonderausstellungen.

Circle täglich nutzen werden. Gerade in der Corona-Zeit hat man gesehen, wie wichtig dieser Entscheid war. Der Flughafen Zürich hat bewusst auf diesen Pfeiler gesetzt und das Projekt bis am Schluss konsequent durchgezogen. Wie werden Sie weiter proaktiv agieren? Bei der Destinationsentwicklung sind wir aktiv dran und haben zusätzliche Projekte in der Pipeline. Unter anderem wollen wir den Shopping-Bereich weiter stärken. Ziel ist es, als Destination eine möglichst grosse Ausstrahlung zu erreichen. Als ich vor 25 Jahren beim Flughafen Zürich zu arbeiten begonnen habe, befanden sich auf dem Areal des Circle ein Parkdeck und der Nachtclub Blackout. Damals hatte niemand daran gedacht, dass dort jemals ein solches Projekt entstehen würde. Aber es ist passiert. Mit Blick auf die Entwicklung des Fluggeschäfts kann es sein, dass in ein paar Jahren zusätzliche Flächen entwickelt werden. Wir verstehen den Circle als Impulsgeber für die Immobilienbranche in der ganzen Region. Der Flughafen Zürich besitzt selbst noch Land, andere Parzellen in der Nähe gehören dem Bund und einigen Privatbesitzern.

Am wichtigsten sind aber schon die Büros? Auf das Modul Headquarter & Offices entfällt mit knapp 70 000 Quadratmetern die grösste Fläche. Für unsere Mieter ist dabei Flexibilität von grosser Bedeutung. Diese schaffen wir mit dem Coworkingund Bildungsbereich sowie dem Conference Center. Der Standort profitiert natürlich von der Nähe zum Flughafen, ist aber auch regional und national hervor-

«Wir verstehen den Circle als Impulsgeber für die Immobilienbranche in der ganzen Region.»

Wie könnte eine solche Entwicklung in Zukunft konkret aussehen? In den nächsten 20 Jahren wird sich die Lücke zwischen dem Flughafen und der Stadt Kloten mit Sicherheit schliessen. Von einer Brücke über die Autobahn träumen wir schon lange. Mit Kloten sind wir bereits an der Planung einer Fussgängerüberführung. Denn wir möchten auch die Bevölkerung aus der Umgebung bei uns willkommen heissen. Nicht zuletzt deshalb haben wir den Park gestaltet: Er wird als identitätsstiftendes Naherholungsgebiet dienen. Im Retail-Bereich werden Dienstleistungen und Erlebnisse

ragend erschlossen, zum Beispiel mit dem grössten Busbahnhof der Schweiz. Welche Attribute zeichnen für Sie einen «Gamechanger» aus? Ein Gamechanger muss Visionen und Mut haben. Für ein Projekt dieser Grössenordnung brauchte es ganz viele mutige Personen. Ich bin ein Teil des Ganzen, und meine Aufgabe ist es, das Konzept umzusetzen. Vor zehn Jahren wurden die Nutzungen festgelegt. Bis heute hat sich bei allen Veränderungen des Umfelds im Grundsatz nichts daran geändert. Wir haben es gewagt, an der grossen Bürofläche festzuhalten und Entwicklungen vorwegzunehmen, wie etwa bei der Kunst und der Gesundheit. Zum Teil sind auch unsere Mieter Gamechanger. Sie waren bereit, in sich abzeichnende Entwicklungen zu investieren. Welche strategische Bedeutung hat The Circle für den Flughafen Zürich? Der Circle ist wichtig, weil er den Flughafen noch stärker als jetzt schon zur Destination macht für Gäste, die gar nicht fliegen. Wir bieten 6500 Arbeitsplätze an und rechnen mit durchschnittlich 20 000 bis 30 000 Personen, die den

Beat Pahuds Brancheneinschätzung Wie sehr beschleunigt die Corona-Krise die Digitalisierung in Ihrer Branche? Wie sehr wird künstliche Intelligenz den Umgang mit Daten beeinflussen? Bei aller Disruption und Automation: Wie wichtig bleibt der Faktor Mensch?

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wichtiger. Ich bin auch davon überzeugt, dass die Menschen in Zukunft mehr in sich selbst und deshalb in Wissen und Erlebnisse investieren werden. Wie wichtig sind Ökosysteme und neue Plattformen? Sehr wichtig. Der Circle ist eine Plattform für erfolgreiche Marken. Und unser Convention Center verstehen wir als Plattform für viele Nutzungen und neue Trends, die wir heute noch gar nicht kennen. Wir sind bereit, dass die Zukunft bei uns stattfinden kann, und haben die dafür nötige Flexibilität. So können wir jederzeit auf neue Entwicklungen reagieren und sind sehr zukunftsfähig. Welche aktuellen Megatrends sind für Sie besonders wichtig? Der Circle wird ein Ort sein, wo Menschen in Communities interagieren können und wo die Technologie eine grosse Rolle spielt. Deshalb sind wir glücklich, dass Microsoft und SAP bei uns Mieter sind, weil sie technologisch das Netzwerk der Zukunft gestalten. Und heute erwarten die Mieter, dass Gebäude ökologisch sind. Bezüglich Urbanisierung und Mobilität haben wir weitere Megatrends aufgenommen. So haben wir 30 Ladestationen

für E-Autos, weitere Parkplätze sind für die Nachrüstung vorbereitet. Welche Rolle spielt die Digitalisierung? Die Digitalisierung ist für uns nie Selbstzweck, sondern ein Instrument, um Herausforderungen besser bewältigen zu können. Deshalb stellen wir beispielsweise die Vernetzung im ganzen Gebäude sicher, sodass man sich nur einmal ins WLAN einwählen muss und dann überall verbunden bleibt. Auch das Facility Management soll digitale Verbesserungen erfahren, damit wir eine höhere Qualität zu tieferen Kosten erreichen. Wie könnte Ihre Firma im Jahre 2050 aufgestellt sein? Die Menschen werden immer noch reisen und andere Kulturen entdecken wollen. Deshalb wird das Kerngeschäft des Flughafens bestehen bleiben. Gerade im zwischenmenschlichen Bereich hat Online seine Grenzen. Ich bin überzeugt, dass sich die Mobilität weiterentwickeln wird. Der Circle wird ein Ort sein, wo es viel um Bereicherung geht und um Erlebnisse. Unsere Gäste nehmen etwas nach Hause mit, aber nicht unbedingt etwas Physisches. Interview: Michael Baumann

The Circle

FOTO: PD

Warum kann man Ihre Firma als «Gamechanger» in der Schweizer Baubranche bezeichnen? Beat Pahud: Gamechanging ist ein radikaler Ansatz und bedeutet, dass die Spielregeln sich vollkommen ändern. Das haben wir mit dem Circle nicht gemacht. Aber wir haben ein Projekt realisiert, das Einfluss darauf hat, wie man in Zukunft Gebäude konzipiert. Wir hatten keine Angst vor der Grösse, denn der Circle mit insgesamt 160 000 Quadratmetern Mietfläche war bei seiner Ankündigung vor zehn Jahren für Schweizer Verhältnisse gigantisch und wurde zum Teil auch kritisiert. Wir hatten aber den Mut, trotz aller Warnungen das Projekt ohne Etappierung umzusetzen. Zudem haben wir konsequent eine Mixed-Use-Nutzung mit sieben Modulen verfolgt.

Der Circle stärkt den Flughafen als städtischen Zentrumsmagneten mit kosmopolitischen Flair.

Trotz Coronavirus macht der Circle gute Fortschritte, und es wird nur mit leichten Verzögerungen bis zur Fertigstellung gerechnet. Mehrere Mieter haben ihre Bürofläche – von den rund 70 000 sind noch knapp 10 000 Quadratmeter verfügbar – bereits übernommen, die offizielle Eröffnung der publikumswirksamen Bereiche wie Kongresszentrum, Hotel, Restaurants und Shops ist ab November 2020 geplant. Realisiert wird das Projekt durch eine Miteigentümergemeinschaft, woran die Flughafen Zürich AG mit 51 Prozent und die Swiss Life AG mit 49 Prozent beteiligt sind.


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Verlagsbeilage Zukunft Bauen

NZZ am Sonntag 5. Juli 2020

«Im Endeffekt verbinden wir her­ kömmliche Prozesse mit BIM und entwi­ ckeln daraus einen neuen Prozess, durch den sich die Projektbeteiligten und die Projektleiter des Bauherrn armasuisse Immobilien durchklicken können ¬– Schritt für Schritt, entlang den einzelnen Vorgaben und Normen», so Joël Maire. Kommuniziert wird, selbstverständlich, auf digitaler Basis, mittels einer Projekt­ management­Software namens JIRA, mit der sich zum Beispiel Pendenzen er­ fassen und bestimmte Abläufe vordefi­ nieren lassen. Mehr noch erarbeiten die Experten von RPG zusammen mit ihren Partnern auf Bundesseite konkrete Kri­ terien, interne Richtlinien zu Prozessen und Strukturen, Ausschreibungsunterla­ gen und auch Anforderungsprofile zur Auswahl von Planungspartnern für ar­ masuisse Immobilien. Ausserdem wer­ den anhand verschiedener Pilotprojekte BIM-Anwendungsfälle analysiert und fortlaufend gecheckt. Sie zeigen im De­ tail, wo die grössten Potenziale und wichtigsten Wertschöpfungsfaktoren aus Sicht des Bauherrn liegen.

Neue Strategien und Standards

Bei Righetti Partner steht Teamwork im Vordergrund (von links nach rechts): CEO Marc Righetti zusammen mit Samuel Grünwald, Yvonne Schröder, Raoul Müller und Joël Maire. FOTO: MICHELE LIMINA

#VorreiterDerBaubranche

Digital auf dem Vormarsch Nicht nur private Unternehmen, auch öffentliche Einrichtungen wie armasuisse Immobilien ticken zunehmend digital. Schon bald sollen die Bauprojekte des Bundes mit der BIM-Methode erstellt werden. Das gilt auch für Ausschreibungen – eine Aufgabe, die zu den Kernkompetenzen von Righetti Partner gehört. Wie muss eine Ausschreibung formuliert sein, damit sie den Standards des Buil­ ding Information Modeling (BIM) ent­ spricht? Und wie müssen Vergabekriteri­ en formuliert sein, damit sie so präzise wie möglich bewertet werden können? Fragen wie diese gehören zum täglichen Repertoire der Righetti Partner Group AG (RPG). Das Unternehmen mit Sitz in Zürich und Bern gilt als Spezialist für BIM-Projekte und ist aufgrund seiner langjährigen Erfahrung ein gefragter Be­ rater bei grossen Bauvorhaben. Zum Kundenkreis zählt auch armasuisse Im­ mobilien, das Immobilienkompetenz­ zentrum des VBS, zuständig für das Ma­ nagement von rund 24 000 Hektaren Land sowie 7500 Gebäuden und Anlagen. Zum Hintergrund muss man wissen, dass BIM, das digital vernetzte Planen, Ausführen und Bewirtschaften von Ge­ bäuden für Behörden des Bundes noch weitgehend Neuland ist. Das betrifft auch das öffentliche Beschaffungsrecht. Es soll sich zeitnah grundlegend ändern: In seiner Strategie «Digitale Schweiz» sieht der Bund vor, bis 2021 die BIM-Me­ thode als Standard für Immobilienpro­ jekte einzuführen, bis 2025 ebenfalls für

Righetti Partner «The fine art of construction» lautet der Claim der Righetti Partner Group AG. Das 2010 gegründete Unternehmen mit Sitz in Zürich und Bern verfügt über langjährige Erfahrung im Prozessmanagement und in der Beratung, speziell auf dem Gebiet des Building Information Modeling (BIM). Es ist heute in allen Schlüsselgebieten des Bauwesens aktiv. Das Team umfasst 20 Mitarbeitende, die meisten von ihnen Architektinnen und Architekten mit Zusatzausbildungen.

sämtliche Infrastrukturvorhaben. arma­ suisse Immobilien und andere öffentli­ che Bauherren stehen damit vor der Auf­ gabe, die Anforderungen an die jeweili­ gen Planerteams und an Projektleitun­ gen neu zu konzipieren und an die ent­ sprechenden Vorgaben anzupassen.

Teamwork ist Trumpf Die BIM-Methode, in der Fachwelt «Virtual Design and Construction» ge­ nannt, greift tief in bisherige Arbeitswei­ sen ein. Sie ist nicht nur technisch an­ spruchsvoll, sondern verändert auch tra­ dierte Rollen und Anforderungsprofile. «Gefragt ist jetzt vor allem Teamarbeit, die nicht nur möglichst viele Beteiligte, sondern auch den Auftraggeber ein­ schliessen sollte», betont Ralph Fell­ mann, Projektleiter Bauherr bei arma­ suisse Immobilien. Fachgerecht ange­ wendet, führt die Methode zu mehr Transparenz, direkter Kommunikation und kurzen Entscheidungswegen. «Noch weit mehr als bei herkömmli­ chen Planungsprozessen braucht es dafür klare Zielsetzungen und Regeln für die Zusammenarbeit», weiss Marc Righetti, CEO und Gründer von RPG, aus Erfahrung. Das koste in frühen Projekt­ phasen zwar Zeit und Geld, führe aber zu Qualitätsgewinnen und Kostenerspar­ nissen im Zuge der Projektierung und Realisierung – und noch viel mehr ent­ lang des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Die wichtigsten Instrumente, um Führungswerkzeuge und Prozessorgani­ sationen effizient zu vereinheitlichen, sind die Informationsanforderungen des Auftraggebers (IAG) und der BIM­ Projektabwicklungsplan (BAP). In den IAG sind Ziele, Anforderungen und Randbedingungen des Auftraggebers in einer Art Lastenheft festgehalten. Der BAP wiederum regelt in Form eines Pflichtenhefts die Zusammenarbeit un­ ter den Projektbeteiligten und be­

«Im Endeffekt verbinden wir herkömmliche Prozesse mit BIM und entwickeln daraus einen neuen Prozess.»

schreibt, wie die digitalen Bauwerksmo­ delle aufzubauen sind, um die geforder­ ten Projektziele und Modellanwendun­ gen zu erreichen.

Modelle zusammenführen Angesichts der komplexen Aufgaben ist schon in der Planungsphase eine enge Zu­ sammenarbeit der zahlreichen Projekt­ partner sinnvoll, ja erforderlich. «Perio­ disch werden dabei die unterschiedlichen Fachmodelle der beteiligten Planer in einem Koordinationsmodell zusammen­ geführt und genauestens überprüft», er­ läutert Joël Maire, Partner und Mitglied der Geschäftsleitung von RPG. In Koope­ rations­Workshops, den sogenannten ICE-Sessions, sucht das Projektteam anschliessend gemeinsam Lösungen für mögliche Fehler und Konflikte. Technik und Organisation helfen, die für das Pro­ jekt erforderlichen Informationen zu er­ zeugen, sie zu verifizieren und wieder zu­ gänglich zu machen, zum Beispiel als Da­ tensätze, mit denen Tools für das spätere Facility Management gefüttert werden. Allerdings herrscht in der Praxis häufig noch grosse Unsicherheit darüber, welche Informationen überhaupt relevant sind.

Darüber hinaus werden Prozesse oftmals sehr allgemein definiert und erfordern für eine benutzerspezifische Anwen­ dung umfangreiche Anpassungen. Dank ihrer profunden Kenntnisse im Umgang mit BIM werden darum Experten wie die Righetti Partner Group AG als Berater beigezogen, und das bereits in der Aus­ schreibungsphase. Sie überarbeiten da­ bei jene Aufgabenprofile und Vorgaben, die für Bauprojekte von armasuisse Immobilien massgebend sind, und brin­ gen sie in Form eines Leitfadens, «Level of Information Need» (LOIN) im Fachjar­ gon, auf einen gemeinsamen Nenner: die BIM-Standards, erfasst in den Informati­ onsanforderungen des Auftraggebers.

Das BIM-Entwicklungsteam arIMMO – besetzt mit sieben internen und exter­ nen Fachleuten – erarbeitet auf der Basis des vom Schweizer Ingenieur­ und Ar­ chitektenverein entwickelten Merkblatts 2051 in regelmässigen Meetings strategi­ sche Papiere und Standards und garan­ tiert so die Balance zwischen Qualität und Quantität, Nachhaltigkeit, Mehr­ wert und Praktizierbarkeit. RPG beteiligt sich auf diese Weise aktiv an der Ent­ wicklung nachhaltiger Beschaffungskri­ terien – in enger Kooperation nicht nur mit armasuisse Immobilien, sondern neuerdings auch mit weiteren Bau­ und Liegenschaftsorganen des Bundes. Die besondere Stärke der Spezialisten von RPG liegt darin, komplexe Zusam­ menhänge klar und verständlich zu for­ mulieren. «Wir erstellen gewissermas­ sen das Fundament, auf dem Projekte mit der BIM-Methode überhaupt erst umgesetzt werden können», so Firmen­ chef Marc Righetti. Das Ziel ist es, die Ab­ läufe bei neuen Projekten zu beschleuni­ gen, die jeweiligen Planungs­ und Steu­ erungsprozesse zu optimieren – auf der Basis digitaler Kollaborationsplattfor­ men und Workflows. Das spart nicht nur wertvolle Zeit und Kosten, sondern er­ höht zugleich die Qualität der Projekte. Dazu braucht es eine Harmonisierung der jeweiligen Projektmodelle und ­pro­ zesse und den Einsatz von zielorientier­ ten Datenbanken, die nicht zu viele, aber auch nicht zu wenige Informationen be­ inhalten dürfen. Und die auch langfristig bewirtschaftet werden können, zum Bei­ spiel im Hinblick auf spätere Sanierungs­ arbeiten. Dank «Gamechangers» wie der Righetti Partner Group AG hat die Zu­ kunft schon begonnen – auch im öffent­ lichen Bausektor. «Wir arbeiten mit grösstem Engagement daran, um die Projektorganisation sowie Abläufe und Strukturen zu optimieren», ergänzt Marc Righetti. «Wo immer möglich und sinn­ voll, reizen wir dazu technische Innova­ tionen aus.» Story: Elmar zur Bonsen

armasuisse Immobilien Das Immobilienkompetenzzentrum des VBS über die Zusammenarbeit mit der Righetti Partner Group AG (RPG). Die Digitalisierungsstrategie des Bundes umfasst auch den Bau- und Immobilienbereich: Welchen Beitrag leisten hier externe Berater wie RPG? Die Prozesse in der Planung und Realisierung werden durch die Digitalisierung verändert und teilweise neu definiert, etwa in den Bereichen Bestellung, Qualitätsprüfung und Datenaustausch. Die Righetti Partner Group AG unterstützt armasuisse Immobilien mit ihrem Wissen im Bereich der Beschaffung von BIM-Dienstleistungen und beim Projektmanagement. Ist RPG für Sie ein Innovationstreiber, das heisst, ein Unternehmen, das neue Entwicklungen gezielt voranbringt? Ja, mit dem Wissen und der Erfahrung der Righetti Partner Group AG im Bereich digitale Bearbeitung und Prozesse können wir die Veränderung lösungsorientiert mit Pilotprojekten voranbringen. armasuisse Immobilien hat in Zusammenarbeit mit RPG konkrete Richtlinien und Ausschreibungsunterlagen für die Anwendung von BIM erarbeitet: Was sind hier die grössten Herausforderungen? Die openBIM-Standards zu berücksichtigen und die konkrete Datenbestellung sind momentan die grössten Herausforderungen. Es war uns wichtig, die Ausschreibungsunterlagen für die Anbieter so übersichtlich und einfach wie möglich zu gestalten, damit die Beschaffung einfach bleibt und transparente Angebote eingereicht werden können.


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Dieter Beeler (rechts), Präsident des SVIT Zürich, und Pascal Stutz, CEO des SVIT Zürich. FOTO: MICHELE LIMINA

#VorreiterDerImmobilienbranche

Sanfte Revolution für Online-Muffel Die Branche tut sich schwer mit der Umstellung ihrer Prozesse auf Bits und Bytes. Das soll sich jetzt ändern: Mit einem «Digital Kompass Schweiz» hilft der Verband der Immobilienwirtschaft SVIT seinen Mitgliedern, die Hürden im Kopf zu überwinden. Dreimal klick – und schon ist die Schadensmeldung für die Wohnung fertig, unterzeichnet und an alle Beteiligten verschickt? Die Idee vom papierlosen Büro hat in Corona-Zeiten wahrlich Konjunktur. Denn wenn Kolleginnen und Kollegen daheim schaffen und nicht mobil sein dürfen, dann gehen Dokumente und Vorgänge eben auf eine virtuelle Reise – meist in die Cloud. Die seit Jahren in Wirtschaft und Politik viel beschworene Digitalisierung von Abläufen und Services für Kunden, Bürger oder Mandanten umzusetzen, ist vor allem für Mittelständler (KMU) immer noch leichter gesagt als getan. Das gilt auch für die Immobilienbranche, in der es besonders viele «Kleine» gibt. Unternehmen also, die mit weniger als 10 Mitarbeitenden Wohnungen, Gewerbeflächen oder Ferienhäuser vermarkten und bewirtschaften. Sie machen in puncto Digitalisierung erfahrungsgemäss immer noch dem Namen ihrer Branche alle Ehre: Sie bewegen sich gar nicht oder viel zu langsam, sie sind

«Digital Day» Am 21. September 2020 findet der erste «Digital Day SVIT Schweiz» statt, eine Fachtagung für die digitale Immo­ bilienbewirtschaftung. Beim «Meet and Greet» können Besucher mit Profis der Kommission «SVIT Digital» konkrete Probleme diskutieren. Zudem sind verschiedene Fachvorträge geplant. Ort des Geschehens ist von 11.00 bis 18.00 Uhr das «Kosmos» in Zürich, der Eintritt ist für Besucher kostenlos.

schlicht «immobil», wie Dieter Beeler, Präsident des SVIT Zürich, bedauert. Das soll jetzt endlich anders werden.

svit-digital-kompass.ch Denn seit diesem Jahr gibt es den «Digital Kompass Schweiz», einen interaktiven Online-Ratgeber für Immobilienunternehmen – kostenfrei. Unter svitdigital-kompass.ch, einem auch öffentlich zugänglichen Portal, können die User ihre digitale Fitness in den übergeordneten Bereichen «Vermarktung» und «Bewirtschaftung» testen, jeweils aufgefächert in zahlreiche Unterthemen. So erfährt man beim Stichwort «Vermarktung» mehr über Instrumente zur Kundenbindung (CRM), über Analyseund Reporting-Tools etwa zur digitalen Immobilienbewertung oder über strategisches Content Marketing auf Websites, die so angelegt sind, dass potenzielle Kunden (Leads) online gewonnen werden können. Im zweiten Themenblock kann man seinen Digitalstatus rund um die Bewirtschaftung von Immobilien analysieren (digitale Belegprüfung, Heiz- und Betriebskostenmanagement), bei der Organisation von Eigentümerversammlungen, in der Objektverwaltung und der Unternehmensführung. Alle digitalen Lösungen helfen der Immobilienwirtschaft, Kundenbedürfnisse besser zu erfüllen, den Zeitaufwand der Mitarbeitenden zu reduzieren und auch die Fehlerquote herunterzufahren. Am Ende der Selbstanalyse wissen die Unternehmen, auf welchen Feldern sie gut sind und wo nicht, sie erhalten Empfehlungen und auch Hinweise darauf, welcher externe Dienstleister sich für welche Aufgabe anbietet. Auf diese Wei-

«Wir sehen den Digital-Kompass als Serviceangebot, um Innovationen anzustossen und Hemmschwellen zu überwinden.»

se will der SVIT Schweiz seine Mitgliedsunternehmen dazu ermutigen, den Schritt in die Digitalisierung zu wagen – auch wenn dies erst einmal Geld und Zeit kostet. Das Pilotprojekt dazu hat der SVIT Zürich in Kooperation mit dem Immobilienverband Deutschland (IVD) entwickelt. Schliesslich ist der Verband an der Limmat mit 450 Unternehmen schweizweit die grösste der SVIT-Mitgliederorganisationen. Dort ist auch der Wettbewerb um Immobilien am härtesten und der Druck besonders gross, sich digital besser aufzustellen, wie Pascal Stutz, CEO des SVIT Zürich, bestätigt. Die Branche steht vor grossen Herausforderungen, das ist hier allen klar. «Als Verband wollen wir unsere Mitglieder in allem unterstützen, ihnen einen Mehrwert bieten. Den Digital-Kompass sehen wir als neues Serviceangebot, um Innovationen anzustossen und Hemmschwellen zu überwinden», sagt Dieter Beeler. Das erfordert einige Anstrengungen besonders im Hinblick auf meist ältere Immobilienunternehmer, die gewohnt sind, dass es ihrer Branche immer sehr gut gegangen ist. Warum sollte man also investieren und alles Hergebrachte über den Haufen werfen? Doch genau darum geht es. «Die Veränderung muss im Kopf anfangen, und der Wandel ist wirklich tiefgreifend. Die Schweiz hat da Nachholbedarf», weiss der Präsident.

Geprüfte Geschäftspartner Denn die Zukunft ist digital. Das bedeutet, dass der gesamte Lebenszyklus einer Immobilie über kurz oder lang ins Netz wandern wird, man also sämtliche Geschäftsaktivitäten der Immobilienwirtschaft künftig über Software abbildet. Einige SVIT-Mitglieder seien heute schon so weit, dass nur noch ein einziges Dokument in Papier vorliege: der Mietvertrag – und dies auch nur für den Fall juristischer Auseinandersetzungen, berichtet Pascal Stutz. Seit Jahren hat sich neben der Fintechoder MedTech-Industrie auch eine dynamische PropTech-Branche entwickelt.

PropTech? Der Begriff steht für meist junge Firmen, die ursprünglich eher von der Technologieseite als von der Immobilienthematik kommen und Dienstleistungen zur digitalen Transformation in der Wohnungswirtschaft offerieren. Das Wort PropTech setzt sich aus den Begriffen Property (Eigentum/Immobilie) und Technology (Technologie) zusammen. Die Start-ups dieser Szene tun sich allerdings oft schwer mit den langfristigen Prozessen im Immobiliengeschäft und können dann finanziell nicht lang genug durchhalten – das wissen auch die Verantwortlichen des SVIT Zürich. Umso wichtiger ist es für sie, den Verbandsmitgliedern in der Schweiz valide Firmen der Branche zu empfehlen. Genau das leistet der «Digital Kompass Schweiz» eben auch. Denn wer sich durch die Plattform geklickt hat, gelangt stets zu einer Auflistung möglicher Dienstleister. Der SVIT Zürich hat für diese Selektion eine Kommission aus eigenen Verbandsmitgliedern gebildet: Sie prüft die Firmen und achtet dabei vor allem darauf, ob und wie eine Software-Lösung die Frage der Schnittstellen berücksichtigt. Denn auf die Kompatibilität von Systemen kommt es an, um ineffiziente Insellösungen im Unternehmen zu vermeiden. Die Resonanz der SVIT-Mitglieder ist jedenfalls sehr positiv. Bereits während der Pilotphase bis Ende 2019 beteiligten sich auf Anhieb 35 Prozent der SVIT Mitglieder, zum Jahresbeginn 2020 waren bereits mehr als 100 Firmen registriert. Heute, ein halbes Jahr nach dem offiziellen Start, tüfteln Pascal Stutz und sein Team bereits an neuen Tools: So soll ein weiterer, dritter Bereich zum Thema «Immobilien-Entwicklung» aufgebaut werden. In Zukunft soll der «Digital Kompass Schweiz» im Segment der landesweiten Immobilienbranche eine unverzichtbare Lösungsplattform sein. Für die Dienstleister ist die Online-Empfehlung auf dem SVIT-Kompass ebenfalls attraktiv, was auch mit den moderaten Preisen zu tun hat: Für ein Jahr müssen die Firmen 300 Franken, für zwei Jahre 500 Franken zahlen. Immerhin lässt sich so der Aufwand dafür refinanzieren. «Wir wollen ja kein Geschäft daraus machen, sondern primär unseren Mitgliedern einen Service bieten», erklärt Dieter Beeler.

Der Kompass zieht Kreise Richtig spannend findet Pascal Stutz nun das, was sich in kurzer Zeit schon aus diesem neuen Portal entwickelt hat: «Diverse Software-Anbieter des Digital-Kompass haben uns angefragt, ob sie die SVIT-Mitglieder nicht auch physisch treffen könnten, etwa auf unserer jährlichen Immobilienmesse. Und das, obwohl wir ja gerade von Digitalisierung sprechen. Aber ein persönlicher Kundenkontakt ist eben doch an bestimmten Punkten wichtig», erzählt der CEO. Daher hat sich sein Verband etwas einfallen lassen. Weil die Immobilienmesse einem an Wohnraum interessierten Publikum vorbehalten ist, startet der SVIT ein ganz neues Format: den Digital Day SVIT Schweiz, der erstmals am 21. September in Zürich stattfindet (s. Box) – natürlich unter Einhaltung aller Corona-Auflagen. Anbieter, User und Interessierte können sich an dieser Fachtagung fortbilden und untereinander austauschen. Besonderes Highlight ist das Dialogformat «Meet and Greet», bei dem Besucher in wechselnden Kleingruppen mit Software-Profis der Kommission «Digital SVIT Zürich» konkrete Anliegen diskutieren und Lösungen dafür suchen können. «Alle 40 Ausstellerplätze sind längst ausgebucht», bemerkt der CEO. Für 2021 nimmt er gerne wieder Anfragen entgegen. Story: Cornelia Glees

SVIT Zürich Die Mitgliederorganisation Zürich des Schweizerischen Verbands der Immobilien­ wirtschaft (SVIT), 1933 gegründet, vertritt die Interessen von rund 450 Mitglieds­ unternehmen und versteht sich als Gütesiegel der Schweizer Immobilienwirt­ schaft. Der SVIT Zürich fördert das Networking innerhalb der Branche und schafft durch Veranstaltungen, Serviceangebote und Fortbildungen Mehrwert für seine Mitglieder. Bei der «Swiss Real Estate School» des SVIT kann man beispielsweise den eidgenössischen Fachausweis Bewirtschaftung erlangen. Im SVIT Zürich gibt es ein Juniorprogramm zur Unterstützung des Fachkräftenachwuchses wie auch die Aktionsgruppe SVIT Senior, die älteren Menschen bei der Wohnungssuche hilft. Seit 2018 fördert die Kommission «Digital SVIT Zürich» die digitale Transfor­ mation in der Branche.


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«Ein Investment der neuen Generation» Nachgefragt bei Patricia Sommerlad, Gründerin und Geschäftsführerin der Palmtrip GmbH. Was unterscheidet das Immobilieninvestment über die Palmtrip GmbH von einer herkömmlichen Anleihe? Patricia Sommerlad: Bei unserer Anleihe handelt es sich um eine tokenisierte Schuldverschreibung. Das ist eine Kombination aus «klassischer» Anleihe und innovativer Blockchain-Technologie. Wir sprechen darum von einem hybriden Investment. Die herausgegebenen Token sind elektronische Wertpapiere. Diese liegen auf einer Blockchain. Eine feste Laufzeit ist nicht vorgesehen. Der Palm-Token ist beidseitig frühestens nach fünf Jahren kündbar. Worin bestehen die Unterschiede zu anderen Finanzierungsformen? Wer einen Security-Token erwerben möchte, der hat zwei Möglichkeiten: Entweder er kauft direkt beim Emittenten, im Rahmen eines «Security Token Offering» (STO) über einen Vermittler oder nach dem Ende des öffentlichen Angebots auf einem Zweitmarkt, zum Beispiel in Zukunft an einer digitalen Börse.

Mallorca bezaubert mit traumhaften Buchten.

Mit einer Luxus-Finca werden Ferienträume wahr. FOTOS:PD

#VorreiterDerImmobilienbranche

Token für Token zur Ferienimmobilie Sonne, Strand und türkisblaues Meer: Auf Mallorca werden Ferienträume wahr. Aber nicht nur das. Auch Anleger geraten ins Schwärmen, wenn sie an die Mittelmeerinsel denken. Für sie hat die deutsche Palmtrip GmbH ein innovatives Geschäftsmodell lanciert. Wer schon immer mit dem Gedanken gespielt hat, eine attraktive Ferienimmobilie auf den Balearen zu erwerben, aber vielleicht das ganz grosse Investment scheut, ist bei Patricia Sommerlad an der richtigen Adresse. Die Geschäftsfrau aus Rabenau bei Giessen kennt Mallorca wie aus dem Effeff, sprüht vor Ideen und verfügt bereits über mehrjährige Erfahrung in der Vermietung von luxuriösen Appartementanlagen. 2019 gründete sie eine eigene Firma, die Palmtrip GmbH, mit der sie nun, von diesem Sommer an, ein neues Geschäftskonzept in die Tat umsetzt: digitale Investments in mallorquinische Ferienimmobilien auf Basis der Blockchain-Technologie.

Elektronische Wertpapiere Das tönt innovativ – und ist es auch. Anleger können über die Online-Plattform www.palmtrip.de bereits ab einem Betrag von 500 Euro in sogenannte Palm-Token investieren. Es handelt sich dabei um übertragbare elektronische Wertpapiere, die über eine Blockchain abgebildet werden. Die Anlage wird von Palmtrip mit 4,25 Prozent pro Jahr verzinst. Darüber hinaus winkt eine variable Gewinnbeteiligung an der GmbH, jeweils abhängig von den Erträgen aus dem Vermietungsgeschäft. Wie das Unternehmen in einer Medienmitteilung darlegt, hat die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) den entsprechenden Wertpapierprospekt am 30. April 2020 gebilligt. Somit können sogar

Kleinanleger in den Security-Token investieren. Dieser repräsentiert eine nachrangig qualifizierte Schuldverschreibung in Höhe von 1 Euro. Erwerben lässt sich die «digitale Münze» ganz einfach per Banküberweisung. Akzeptiert werden aber auch die Krypto-Währungen Bitcoin (BTC) und Ether (ETH). Als «digitale Geldbörse» fungiert die Blockchain – im Grunde eine Datenbank, über die sämtliche Transaktionen fälschungssicher verwaltet werden können. Mit der Wertpapieremission, dem «Security Token Offering» (STO), will Palmtrip insgesamt 20 Millionen Euro einsammeln. Das ist der Plan. Patricia Sommerlad, die mit ihrer Familie seit fünf Jahren mit der Luxus-Finca «Leilani» auf Mallorca vertreten ist, möchte so bis zu 14 weitere Feriendomizile der Extraklasse hinzukaufen und ihr Start-up damit zu einer «sichtbaren, namhaften Marke» auf der Mittelmeerinsel entwickeln. In ihrer Geschäftspolitik verfolgt die junge Unternehmerin einen klaren Portfolio-Ansatz: Es sollen bewusst unterschiedliche Immobilien zur Ferienvermietung erworben werden. Damit sei auch das Risiko diversifiziert. Wie Sommerlad als erfahrene Mallorca-Vermieterin weiss, sind ertragsstarke Luxusobjekte für entspannte Ferien oder als Eventlocations für Feiern in stilvollem Ambiente gefragt. Über die Online-Plattform möchte sie eine Community von Anlegern gründen, die über Empfehlungen das Interesse weiterer

«Blockchain-basierte Anlagen in Token sind jederzeit transparent und nachvollziehbar.»

Patricia Sommerlad, Geschäftsführerin von Palmtrip Investoren wecken – und dafür mit einer «5-Prozent-Tippgeber-Belohnung», ausgezahlt in Euro, bedacht werden.

Chancen und Risiken Warum sie bei ihrem ambitionierten Projekt gezielt auf die Blockchain setzt? «Diese Technologie bietet gleich mehre-

re Vorteile», erklärt Sommerlad, «Blockchain-basierte Anlagen in Token sind jederzeit transparent und nachvollziehbar.» Ausserdem braucht es für die Transaktionen keine Banken, was wiederum Gebühren spart. Die Verwahrung der digitalen Wertpapiere erfolgt Sommerlad zufolge über eine von der deutschen Finanzaufsicht zugelassene Krypto-Verwahrstelle. In der Zusammenfassung des Wertpapierprospekts für das Palmtrip STO werden auch die Risiken benannt, die mit einem Security-Token verbunden sein können. Neben möglichen Programmierfehlern in den verwendeten Smart Contracts oder auf Seiten der Krypto-Verwahrung weist das Unternehmen auch auf die eingeschränkte Handelbarkeit der Token hin: «Das Risiko, dass der Anleger keinen Käufer für den Palm-Token findet oder nur zu einem aus seiner Sicht zu geringen Preis verkaufen kann, trägt allein der Anleger.» Patricia Sommerlad ist vom Erfolg ihres Anlagekonzepts fest überzeugt. «Wir haben mehrere Optionen geprüft. Dabei ist uns schnell klar geworden: Der Blockchain gehört die Zukunft.» Und Mallorca? Die Insel wurde vom monatelangen Lockdown hart getroffen, doch jetzt blüht sie rasch wieder auf. «Sie werden sehen», sagt Sommerlad. «Mallorca bleibt eine erste Adresse, um Ferienträume wahr zu machen. Das gilt ganz sicher auch für Luxusimmobilien.» Story: Elmar zur Bonsen

Warum ist der Palm-Token ein SecurityToken? Der Palm-Token ist als Security-Token klassifiziert, weil er übertragbar und handelbar ist. Er gibt dem Investor einen Anspruch auf Zins und Rückzahlung. Die Erträge für den Zins und die Rückzahlung werden aus der Bewirtschaftung eines Immobilienportfolios erwirtschaftet. Für den Token wird ein Wertpapierprospekt nach EU-Prospektrecht erstellt und gebilligt von der Finanzaufsicht. Zur Abwicklung der Anlage braucht es keine Banken? Die Blockchain-Technologie ermöglicht es, dass die Palmtrip GmbH ohne Einschaltung von Dritten wie Banken oder Broker direkt die Anleihe begeben kann. Das Verfahren läuft komplett digital ab, was weniger Aufwand bedeutet und Kosten spart. Davon profitieren nicht nur wir, die Emittenten, sondern auch die Anleger. Letztere haben zudem über ein persönliches Investorenkonto auf der Webseite palmtrip.de ihre Anlagen immer im Blick. Auch das ist ein Vorteil gegenüber klassischen Anlagen. Sind Sie mit der Emission von Immobilien-Token eine Pionierin auf diesem Gebiet? Das Angebot der Palmtrip GmbH ist nach unserer Kenntnis die erste Blockchain-basierte Kapitalanlage auf Basis eines neuartigen EU-Wachstumsprospekts nach dem seit dem 21. Juli 2019 geltenden neuen EU-Prospektrecht in Deutschland. Mit unserem Palm-Token für Immobilienanlagen auf Mallorca betreten wir Neuland, es ist ein Investment der neuen Generation. Wir sind fest davon überzeugt: Die Kombination aus innovativer Technologie und nachhaltigem Sachwert, einer Immobilie, weist in die Zukunft. Wofür wird das von der Palmtrip GmbH eingesammelte Kapital genutzt? Die Emission einer tokenisierten Anleihe ist günstiger als die eines klassischen Wertpapiers. Gleichwohl kostet sie Geld. Ein Teil des eingeworbenen Kapitals wird genutzt, um die Kosten für die Begebung der Anleihe zu begleichen. Der verbliebene Betrag wird ausgegeben für den Ankauf von Ferienimmobilien sowie für die Investition in die Vermietungsaktivitäten der Palmtrip GmbH. Ist der Palm-Token auch in der Schweiz zum Vertrieb zugelassen? Ja, da arbeiten wir gerade sehr intensiv daran. In Kürze wird der Token über unseren Partner area2invest.com auch für Privatanleger in der Schweiz erhältlich sein. Die Zeichnung ist kostenfrei und durchgängig digital.


NZZ am Sonntag 5. Juli 2020

Verlagsbeilage Zukunft Bauen

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Das Gründerquintett der ConReal Swiss AG in Winterthur mit Co-Investor Ivo Lenherr: Roberto Vetrano, Stefan Schärer, Marc Righetti, Christoph Meili und Claude Dütschler (von links nach rechts). FOTO: MICHELE LIMINA

#VorreiterDerBaubranche

Mit präzisen Spielzügen zum Wohntraum Der Ball zirkuliert in Sekundenschnelle, wie am Schnürchen gezogen, von Spieler zu Spieler. Im optimalen Timing erfolgt das Zuspiel zum Kreis, eiskalter Ab­ schluss, Tor. Die Szene spielt in einem Handballmatch, von denen Stefan Schä­ rer Tausende in den Knochen hat. 13 Jah­ re lang spielte der heute 55-Jährige für die Schweizer Nationalmannschaft auf Topniveau. Den Erfolgsfokus hat er nach dem Rücktritt vom Leistungssport im Blick behalten, war CEO von Immo­ scout24 und Moneyhouse und hat sechs digitale Start­ups in der Bau­ und Immo­ bilienbranche mit zum Laufen gebracht.

«Digitales Powerhouse» Das neuste «Baby» in Schärers Firmen­ portfolio befindet sich aktuell im Aufbau und soll als «digitales Powerhouse» den Schweizer Bau­ und Immobilienmarkt aufmischen. Die ConReal Swiss AG ist ei­ ne virtuelle Kollaborationsplattform, auf der sich Protagonisten der Bau­ und Im­ mobilienbranche beliebig vernetzen und projektorientiert zusammenarbeiten können. Hersteller, Planer, Architekten, Handwerksfirmen, Küchenbauer und Vermarkter bündeln so ihre digitalen Touchpoints auch für den Kunden res­ pektive Bauherren zentral auf dem Por­ tal. «Wir verkaufen Lösungen bestehend aus den physischen Produkten, den rich­ tigen Handwerkern und Dienstleistun­ gen und bieten damit all unseren Part­ nern eine digitale End­to­End­Lösung», sagt Schärer. Auf diese Weise fallen administrative Doppelspurigkeiten weg, Handwerker profitieren von vereinfachten Prozessen,

und Hersteller von Küchen oder Bädern erhalten den wertvollen Direktzugang zur Kundschaft. «Alle Beteiligten können dank diesem virtuellen Marktplatz ihre eigene Position im Netzwerkverbund stärken sowie unnötige Kosten vermei­ den und den Aufwand reduzieren», ist Schärer überzeugt. Hauptprofiteure sol­ len die Nutzer der Plattform sein. ConRe­ al Swiss peilt als lukrative Zielgruppe die Privateigentümer von heute rund 2,5 Millionen Schweizer Wohneinheiten an. Das Wesen seiner neuen Firma, die als eine Art strategisches Dach vorderhand Minderheitsbeteiligungen an fünf digita­ len Start­ups hält (siehe Kasten), davon vier von ihm selbst gegründet, erinnert Schärer an die Handballdynamik. «Wir schicken kleine Schnellboote mit einheit­ licher Fahrtrichtung ins Rennen, die sich gegenseitig ergänzen und in Szene set­ zen sollen mit dem übergeordneten Ziel, ein Tor zu erzielen respektive Kunden­ wünsche in Perfektion umzusetzen.»

Lösungen statt Papierkram Nicht verwunderlich, dass Stefan Schärer in der Person des ebenfalls aus Winterthur stammenden Unternehmers Christoph Meili den optimalen Partner für ConReal Swiss zur Seite hat. Der um 19 Jahre jünge­ re Meili war ebenfalls Handballer in Schä­ rers Stammclub Pfadi Winterthur, wie die­ ser ein klassischer Linksaussen, und hat in der jüngeren Vergangenheit auch diverse digitale Start­ups im Bau­ und Immobili­ en­ sowie Reisesektor mitaufgebaut oder beraten. Schärer und Meili bilden zusam­ men mit Oliver Zimmermann (CEO der Condair Group) den Verwaltungsrat der

Company Factory Mit der Company Factory in Winterthur hat Christoph Meili, Mitgründer der ConReal Swiss AG, 2017 ein weiteres digitales Start-up mitgegründet, das er heute als CEO führt. Entstanden ist die Company Factory quasi aus der Not, als Tochtergesellschaft der Bodenschatz AG aus Allschwil BL, und sollte dem unter Druck geratenen Badeaccessoire-Spezialisten neue strategische Impulse sowie digitales Know-how verleihen. Heute ist die Company Factory eigenständig, sie beschäftigt in Winterthur über 20 Mitarbeitende und hat sich für mehr als 50 Firmenkunden aus dem Bau- und Immobiliensektor erfolgreich als Partnerin bei der Umsetzung von Transformationsprozessen positioniert. Neben der digitalen Weiterentwicklung von bestehenden Geschäftskonzepten oder Produktesortimenten ist es dem Start-up gelungen, für Kunden bahnbrechende Neuentwicklungen umzusetzen. Auch in der Company Factory sind ehemalige Handball-Nationalspieler vereint, so etwa Heinz Karrer (Präsident von Economiesuisse) als Verwaltungsratspräsident und David Parolo als Managing Partner.

«Es macht den Anschein, dass viele Investoren in Anbetracht der boomenden Digitalisierung genau auf ein solches Projekt gewartet haben.»

neuen Firma. Als weitere Namen im Grün­ derquintett tauchen die Unternehmer Claude Dütschler, Roberto Vetrano und Beat Scheidegger auf, sie werden unter­ stützt von den Co­Investoren Ivo Lenherr, Markus Schmidiger, Marc Righetti und Oli­ ver Rappold – alles ausgewiesene Exper­ ten aus der Bau­ und Immobilienbranche. Vom Erfolg sind Meili wie Schärer felsenfest überzeugt. Das Konzept, unter einer digitalen Dachstruktur unterschied­ liche Dienstleistungen und Services mit­ einander zu verknüpfen und kundenori­ entiert zu bündeln, gebe es etwa in der Finanzbranche schon länger. Im kleins­ trukturierten Bau­ und Immobiliensektor hätten sich viele Protagonisten bis dato schwergetan mit der Idee. «Ich bin über­ zeugt, dass wir mit ConReal Swiss zum richtigen Zeitpunkt kommen, viele offene Türen einrennen und sich die Mehrwerte sowohl auf Partner­ wie auch Kundenseite rasch herumsprechen werden», so Meili. Als typisches Anwendungsbeispiel nennt er den Eigentümer einer Überbau­ ung mit vier Etagenwohnungen, der sich mit dem Gedanken einer Küchen­ und Bäderrenovierung herumschlägt. «Über unsere Plattform erhält er passend zu sei­ nen Vorstellungen sofort Zugang zu spe­ zialisierten Herstellern und Handwer­ kern, die ihrerseits direkt miteinander kommunizieren und ihm in kurzer Zeit massgeschneiderte Lösungen inklusive Umsetzungsplan präsentieren.» Statt über Wochen etliche Offerten und Papier­ kram hin­ und herzuschicken, lassen sich Projekte über die zentrale Plattform rasch und unbürokratisch realisieren. Diese digitale Dynamik gefällt den bei­ den Ex­Handballern, die schnelles und präzises Spiel gewohnt sind, ausseror­

ConReal Swiss lanciert ein digitales Ökosystem aus innovativen Start-ups der Bau- und Immobilienbranche. Es kann damit Hersteller direkt mit Handwerkern verknüpfen und Hauseigentümern ganzheitliche Lösungen präsentieren. dentlich gut. Nun geht es darum, die Botschaften und Mehrwerte ihrer neu­ en Plattform bekannt zu machen.

Viele Geldgeber trotz Corona Neben den über zwei Millionen Privat­ besitzern von Wohneigentum soll das «digitale Powerhouse» auch zusätzliche Start­ups mit komplementären Dienst­ leistungen und Services anziehen. «Wir möchten unser Firmenportfolio laufend verbessern und mit zusätzlichen Skills und Potenzialen erweitern», sagt Stefan Schärer. Als erfahrene Start­up­Unter­ nehmer sind er und Christoph Meili auch stets in den Startlöchern, um selbst vielversprechende Neufirmen zu gründen und in die ConReal­Swiss­Flot­ te zu integrieren. «Gegen oben setzen wir uns dabei keine Grenzen», so Meili. Natürlich muss das angestrebte Wachstum auch finanziert werden. Der Auftakt ist gut gelungen. Trotz Coro­ na­Lockdown und wirtschaftlicher Un­

sicherheit konnte ConReal Swiss innert drei Monaten eine Finanzierungsrunde von knapp 2 Millionen Franken mit di­ versen Smart­Money­Investoren ab­ schliessen. «Es macht den Anschein, dass viele Investoren in Anbetracht der boomenden Digitalisierung genau auf ein solches Projekt gewartet haben», sagt Meili. Die Gründer setzen sich denn auch ambitionierte Ziele. Bis Ende 2021 soll die Bewertung der ConReal Swiss AG mindestens sechs­ bis zehn­ mal höher sein, da sich alle Start­ups in starken Wachstumsphasen befinden. Den Schlüssel zum Erfolg umschreiben Schärer und Meili als eine Mischung aus Sportsgeist und Cleverness. Optimale Verstärkungen (Start­ups) integrieren, mit Trainingsfleiss noch bessere Spiel­ züge (Lösungen) einstudieren, damit Geldgeber (Aktionäre) begeistern und Fans (Kunden) ins Stadion locken. Story: Robert Wildi

Die «Start-up-Flotte» von ConReal Swiss In der ConReal Swiss AG sind vorderhand die folgenden fünf eigenständigen KMU und Start-ups vereint, an denen sich die Dachorganisation zunächst mit einer Minderheitsbeteiligung engagiert: • Houzy ist die erste kostenlose Wohneigentümer-Plattform mit vielen nützlichen Tools. Sie ermöglicht aktuell über 450 Partnern (Handwerker und Makler) den digitalen Touchpoint zum Endkonsumenten (Eigentümer). Houzy wächst mit mehreren Tausend neuen Eigenheimbesitzern pro Monat und wird mit strategischen Kooperationen das Leistungsangebot weiter ausbauen. • Habitects ist eine Multi-Stakeholder-Plattform für den Innenausbau und ermöglicht dem Bauherrn, gesamte Räume (Produkte, Dienstleistungen, Handwerker) aus einer Hand zu kaufen. Habitects verändert den Markt als Baustoffzulieferer durch die Direktbelieferung von Kunden durch Hersteller (B2C und B2B). • Smart Devis vereinfacht den Ausschreibungsprozess für Architekten und Planer, steigert die Prozesseffizienz zwischen Architekten und Handwerkern deutlich und stellt eine hohe Qualität der Realisierung durch die frühe Einbindung der Ausführenden in die Planung sicher. • Neubau Portal betreibt seit 2008 die gut etablierten Nischenportale neubauprojekte.ch und erstbezug.ch. Diese zählen jeden Monat über 130 000 Besucher und kennen deren Bedürfnisse (Touchpoints). Neubau Portal wird in Zukunft das digitale Vermarktungsangebot für Bauherren weiter ausbauen. • Fixify ist eine offene Plattform für Verwaltungen, Verwalter, Hersteller und Handwerker sowie existierende Software-Anbieter. Sie eröffnet dem Mieter in Schadenund Servicefällen einen direkten Zugang zu den notwendigen Ressourcen. Fixify pilotierte die neue Lösung gemeinsam mit Allthings im ersten Halbjahr 2020 in der Region Bern.


Verlagsbeilage Zukunft Bauen

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NZZ am Sonntag 5. Juli 2020

#TheNextBigThing

Luftfeuchtigkeit – ein unterschätzter Gesundheitsfaktor Grippewellen und Pandemien verleihen der Frage nach dem perfekten Raumklima an Gewicht. Oliver Zimmermann, CEO der Condair Group, sieht die Branche vor einen Paradigmenwechsel gestellt: Die relative Luftfeuchte soll künftig eine zentrale Rolle in Planung und Bewirtschaftung von Gebäuden spielen. Die relative Luftfeuchtigkeit ist der meist unterschätzte Parameter, wenn es um das Raumklima geht. Dies sagt Oliver Zimmermann, CEO der Condair Group, dem Weltmarktführer in Sachen Luftbefeuchtung mit Sitz in Pfäffikon/Freienbach SZ (siehe Kasten). Gerade moderne, energieeffiziente Wohnhäuser würden heutzutage mehr oder weniger luftdicht konstruiert, was sich direkt auf die relative Luftfeuchtigkeit auswirke.

Wüstenklima in der Stube Eine Studie der Yale University siedelt diesen Wert zwischen 40 und 60 Prozent an, was in etwa den in freier Natur herrschenden Verhältnissen Mitteleuropas entspricht. In der Praxis allerdings sieht es völlig anders aus: Im Winter, wenn geheizt werde, liege die relative Luftfeuchtigkeit in vielen Privathaushalten vielleicht gerade einmal bei 15 bis 20 Prozent, führt Zimmermann aus. «Das ist, als ob wir während der Heizsaison einige Monate in der Wüste verbringen würden. Und wie gesund oder eben ungesund das ist, kann man sich ja bestens ausmalen.» Das Spektrum der negativen Auswirkungen von trockener Luft in Innenräumen ist weit gesteckt. Doch gerade was die «Humidity» – also die Luftfeuchtigkeit – anbelangt, weisen wir Menschen von Natur aus ein sensorisches Manko auf. Im Gegensatz beispielsweise zu Luftzug und Temperatur, können wir die relative Luftfeuchtigkeit nicht als zu hoch oder zu tief wahrnehmen. Zeitverzögert spüren wir lediglich die Symptome: Antriebslosigkeit, schmerzhafte elektrostatische Entladungen, trockene Augen oder Nasenbluten sind noch das kleinste Übel. Was darüber hinaus oftmals vergessen geht: Gerade Bakterien, Milben, Sporen oder gar Viren fühlen sich in trockener Umgebung pudelwohl und sorgen dafür, dass Allergien entste-

hen und Infektionen rasch übertragen werden. Die Folge davon sind Husten, Schnupfen, Bronchitis, Nebenhöhlenentzündungen – kurz Grippe- und Atemwegserkrankungen. «Forscher haben schon vor über zehn Jahren mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass Pandemien durch ein zu trockenes Klima in Innenräumen, wo Ansteckungen erfolgen, begünstigt werden. Bloss wollte das lange Zeit niemand hören», so Zimmermann.

Abwehrkräfte gegen Viren Die Entwicklung der letzten Monate im Zusammenhang mit Covid-19 hat dazu geführt, dass namhafte Mediziner aus aller Welt eine gemeinsame Petition gestartet haben, in der sie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu auffordern, für öffentliche Gebäude einen verbindlichen Mindestwert von 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit zu empfehlen. Mitunterzeichner der von der amerikanischen Ärztin und Architektin Stephanie Taylor lancierten Initiative «40to60rh.com» (siehe Kasten) sind unter anderem auch der Schweizer Allgemeinmediziner und Aerosolexperte Walter Hugentobler sowie Adriano Aguzzi, Direktor des Instituts für Neuropathologie am Universitätsspital Zürich. Aguzzi ist überzeugt davon, dass eine angemessene Regelung der Luftfeuchtigkeit in Gebäuden die Halbwertzeit aerogener Viren zu senken vermag und eventuell sogar die natürlichen Immunabwehrkräfte sowie die Schleimhäute besser gegen deren Angriff rüstet. Für Hugentobler derweil steht fest: «Befeuchtung ist ein einfaches Mittel zur aktiven Bekämpfung saisonaler Atemwegserkrankungen.» Durch die Erhöhung der Feuchtigkeit sinke das Risiko der Ausbreitung von Viren und Bakterien in öffentlichen Gebäuden, am Arbeitsplatz und im privaten Umfeld bei

Condair Group Die Condair Group mit Sitz in Pfäffikon/Freienbach SZ ist der weltweit führende Hersteller im Bereich kommerzieller und industrieller Luftbefeuchtung und Verduns­ tungskühlung. Gegründet wurde das Unternehmen 1948, zwischen 1975 und 2014 gehörte es zur börsenkotierten Walter Meier AG. Mit innovativen Luftbefeuchtungs­ systemen setzt Condair heute neue Massstäbe in Bezug auf eine gesunde, komforta­ ble sowie energieeffiziente «Hydrierung» der Raumluft in Büros und Privathaushalten. Die Firma beschäftigt weltweit rund 750 Personen, ist in mehr als 50 Ländern präsent und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 180 Millionen Franken.

«40to60rh.com» Die Online­Petition «40to60rh.com» ruft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf, wissenschaftliche Beweise im Zusammenhang von Luftfeuchtigkeit und Gesundheit zu prüfen und einen Mindestwert für die Luftfeuchtigkeit in öffentlichen Gebäuden zu empfehlen. Ziel ist eine Reduktion der Atemwegsinfektionen. In den Vorschriften bezüglich der Luftqualität in Innenräumen soll der Wert von 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte festgehalten werden. Dieses Niveau ist gemäss Dr. Stephanie Taylor, die die Initiative lanciert hat, ideal für das Immunsystem und die Atemwege. Es verringert gemäss Petitionstext die Verbreitung saisonaler Atemwegserkrankungen und senke dadurch letztlich auch die Last für die Gesellschaft.

geringem Kostenaufwand und ohne schädliche Nebenwirkungen. Aber auch in breiten Bevölkerungsschichten scheint die Thematik der adäquaten Raumbefeuchtung angekommen zu sein. Das jedenfalls würden, so Zimmermann, die Besuche auf der Website von Condair belegen. «Seit Ausbruch der Corona-Krise sind die entsprechenden Klicks um über 60 Prozent gestiegen.» Auf der einen Seite freut den Firmenchef die gesteigerte Sensibilisierung und Wahrnehmung natürlich. Andererseits zeige sie aber auch auf, dass grundsätzlich eine sehr grosse Verunsicherung herrsche. Und das komme nicht von ungefähr. Denn viel zu lange hätten Investoren und Architekten das Gebäude an sich in den Vordergrund gestellt. «Ich denke, nun ist es an der Zeit, den Menschen wieder vermehrt ins Zentrum zu rücken. Gebäude sollten in allererster Linie da sein, um uns zuverlässig Schutz zu bieten.» Und das nicht einzig und allein gegen aussen hin, sondern auch intern, mit Blick auf Bewegung, Begegnung und Austausch. «Die Rolle des Raumklimas ist in diesem Kontext klar definiert», betont der CEO der Condair Group. «Im Idealfall wirkt sich dieses nicht nur auf unser Wohlbefinden oder unsere Leistungsentfaltung aus, sondern eben auch ganz allgemein auf unsere Gesundheit.»

Oliver Zimmermann ist CEO der Condair Group mit Sitz in Pfäffikon/Freienbach SZ. FOTOS: PD

«Das Innenraumklima sollte zu einem wichtigen Bestandteil der Gesundheitsvorsorge werden.»

Befeuchten und sparen Für Oliver Zimmermann ist denn auch klar: Gewinnt das Thema der perfekten Luftbefeuchtung weiterhin an Bedeutung, so stehen die Bau- und Immobilienbranche vor einem eigentlichen Paradigmenwechsel. «Der Trend hin zum Energiesparen scheint sich auf den ersten Blick nicht unbedingt mit den Aufwendungen zu decken, die durch den zusätzlichen Einbau von Luftbefeuchtungslösungen entstehen.» Doch dies sei

ein Verdikt, das bei genauerem Hinsehen keinen Bestand haben könne. «Denn die heutige Technik lässt durchaus eine effiziente Kombination von Energieeinsparung und perfekter Raumfeuchte zu», sagt Zimmermann. Dank einem umfassenden Produktund Serviceportfolio hat Condair für jede Aufgabe die passende Lösung zur

Hand. Die Technologien entwickeln sich laufend weiter, alternative und gerade energieeffiziente Lösungen bilden mittlerweile den Grundpfeiler für Luftbefeuchtung und Verdunstungskühlung in Geschäfts- und privaten Gebäuden. So sind moderne Luftbefeuchtungssysteme beispielsweise in der Lage, verschiedene Räume in einem Gebäude unabhängig voneinander individuell zu versorgen. Sie lassen sich bequem per App über das Smartphone steuern. Sensoren und die Möglichkeit zur Ferndiagnose sowie ein automatisches Nachfüllen mit Wasser erhöhen zudem den Bedienkomfort. Zweifelsohne wird uns das Thema der relativen Luftfeuchtigkeit fortan stärker beschäftigen. «Das Innenraumklima sollte eigentlich zu einem wichtigen Bestandteil der Gesundheitsvorsorge werden», fordert Zimmermann. Wenn man bedenke, dass wir in unseren Breitengraden rund 90 Prozent der Zeit in Innenräumen verbrächten, liege dieses Ansinnen gar nicht so quer in der (Bau-) Landschaft. Story: Flavian Cajacob


BRAND RELATIONS PRÄSENTIERT

#ZukunftBauen Die Gamechanger der Schweizer Bau- und Immobilienbranche 2020 02

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Verlagsbeilage

NZZ am Sonntag 5. Juli 2020

Zukunft Bauen

Gamechanger der Schweizer Bau- und Immobilienbranche

04 #InnovationIstChefsache

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#Vision2050 HAUPTSITZ DER SWATCH GROUP IN BIEL; ARCHITEKTUR: SHIGERU BAN ARCHITECTS EUROPE; GESAMTLEITUNG: ITTENBRECHBÜHL; PROJEKTMANAGEMENT: HAYEK ENGINEERING; FOTO: SWATCH GROUP

FIRST CLASS B2B STORYTELLING 360° BRAND AWARENESS TRANSFORMATION PR

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BRAND RELATIONS kommuniziert, was die Schweizer Bau-, Immobilien- und Bankingbranche bewegt, und setzt Massstäbe im Storytelling disruptiver, digitaler Trendthemen. Sarah Schlagenhauf | Inhaberin & Herausgeberin | schlagenhauf@brandrelations.ch

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