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Konstruieren mit Holz 1992–2012

Makiol + Wiederkehr Holzbauingenieure

Dokumentierte Bauprojekte

In Zusammenarbeit mit Lignum, Holzwirtschaft Schweiz


Konstruieren mit Holz 1992–2012

Herausgeber Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Verlag Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich

Erschienen im Mai 2012 ISBN 978-3-906703-31-2

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Symbiose

Symbiose nennt man eine Lebensgemeinschaft von Organismen zweier (verschiedener) Arten, bei der beide zumindest zeitweise aus dieser Gemeinschaft Nutzen ziehen. Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen her und bedeutet eigentlich Zusammenleben. Die Biologie weiss, dass der grösste Teil der Biomasse auf der Erde aus symbiotischen Systemen besteht. So etwa sind die meisten Bäume und Sträucher auf Bestäubung durch andere Spezies angewiesen. Alle Blütenpflanzen benötigen Insekten zur Bestäubung und Fortpflanzung – sie belohnen dies mit Nektar als Nahrung der Insekten. Kleine Putzerfische befreien Haie von Parasiten – sie ernähren sich auf diese nützliche Weise. Symbiosen sind eigentliche WinWin-Situationen, beide Seiten halten sich an Spielregeln und ziehen daraus Gewinn. Die Symbiose ist das nutzbringende Zusammenwirken von Trägern unterschiedlicher Fähigkeiten. Auf die menschliche Gesellschaft übertragen geht es um unterschiedliche Talente, Kenntnisse und Erfahrungen. In der Natur gelte das Recht des Stärkeren. So lautet die gängige Meinung. Wer nicht den andern frisst, wird selber aufgefressen. Doch ganz so einfach ist das nicht. Auch Geben und Nehmen kennt die Natur tausendfach und profitiert davon. Ein Zusammenleben oder Zusammengehen, das vom ausgeglichenen Geben und Nehmen lebt, kennen auch Gesellschaft, Familie und Berufsleben. Denn auch hier gilt: Wenn zwei sich gegenseitig zu Nutzen sind, steigen die Überlebenschancen beider Partner. Hier ist nicht länger die Rede von der Symbiose in der Natur, sondern von Partnerschaften in der Baubranche. Gerade das Bauen lebt ausgesprochen von Teamarbeit – von der Planung bis hin zum fertigen Bauwerk. Kein Bauplan wird Realität ohne die handwerklichen Kenntnisse der Ausführenden. Kaum ein Handwerker schafft es, ein komplexes Bauwerk ohne koordinierende Vorausplanung, allein mit seinen Berufskenntnissen, zu verwirklichen. Die unterschiedlichen Talente, Kenntnisse und Erfahrungen der beteiligten Partner ergänzen sich und führen im Idealfall zu einem herausragenden Ergebnis. Die Mär vom abgehoben von der Realität seine hochfliegenden Pläne schmiedenden Architekten wird gerne erzählt. Und dazu, wie er auf seinen willigen Rechenknecht herabschaut, den Bauingenieur. Die Realität ist anders, denn genau wie anderswo kommt der eine ohne den andern nicht recht zugange, und die jeweiligen Berufskenntnisse ergänzen sich. Dies zum Vorteil der Bauherrschaft, der beteiligten Unternehmungen, der späteren Nutzer. Bei den Arbeiten aus dem Büro von Peter Makiol und Reinhard Wiederkehr wird dies ganz deutlich: Die meisten Auftraggeber und Planungspartner haben längst begriffen, dass sie sich mit Vorteil frühzeitig an einen Tisch setzen, am besten bereits in der Phase des Entwurfs. Denn oft beruht die beste Lösung auf einem überlegten Grundkonzept, das sich nicht in Detailarbeit verliert, das Ganze im Auge behält und doch schon vorausblickend schwierige Schnittstellen erkennt. Derart lassen sich im Idealfall bereits frühzeitig konzeptionelle Massnahmen ergreifen, die technische Konflikte vermeiden helfen. Und nicht nur das: Ein Bauprojekt kann derart in einer frühen Phase an Qualität gewinnen. Der zweite Band zu ‹Konstruieren mit Holz› liegt nun vor und zeigt 37 entsprechende Bauprojekte, die Makiol + Wiederkehr bis zum Jahr 2012 mitgestaltet haben. Es handelt sich dabei um eine umfassende und breite Palette von Bauwerken. Dabei sind Umnutzungen wie etwa die Wandlung der nicht mehr betriebenen Weichenbauhalle der Firma von Roll in Bern zu einem Universitätsgebäude. Dokumentiert sind auch Bauten für Gewerbe, Unterricht, Wohnen, Hotels, Sanierungen, Bauerweiterungen sowie Brücken und Stege. Wiederum sind zahlreiche dieser Bauwerke mit Holz erstellt, daher stimmt der Titel dieser Broschüre immer noch. Mehrere PionierProjekte, wie beispielsweise das sechsgeschossige Mehrfamilienhaus ‹Holzhausen› in Steinhausen, zeigen die Entwicklung im mehrgeschossigen und urbanen Holzbau deutlich auf. Die Entwicklung geht indes weiter. So etwa ist der Prime Tower in Zürich, das mit 126 Metern Bauhöhe höchste Gebäude der Schweiz, alles andere als ein Holzbau. Die Architekten sind über einen Architekturwettbewerb zum Planungsauftrag für dieses Dienstleistungs- und Bürogebäude gekommen und haben sich für die Brandschutzkonzeption an Makiol + Wiederkehr gewandt. Es handelt sich hierbei um eine Ausweitung des bisherigen Tätigkeitsgebiets ‹Brandschutz im Holzbau› die eigentlich auf der Hand liegt. Denn wer das Brandschutzingenieurwesen für komplexe Holzbaustrukturen beherrscht,

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der kann auch im Massivbau zu optimaler Sicherheit beitragen. Das ist beim Beispiel Prime Tower ebenso gut gelungen wie beim Fachhochschulzentrum St. Gallen, beim Toni Areal in Zürich oder beim Hilti Innovationszentrum in Schaan. Denn bei allen diesen Beispielen erfolgte die Zusammenarbeit bereits in einer frühen Projektierungsphase, und statt Flickarbeit konnte gemeinsam mit Architekten und Spezialplanern eine runde Lösung vorgelegt werden. Gewerbebauten und speziell Holzbaubetriebe sind für Makiol + Wiederkehr in mancher Hinsicht besonders. Denn dabei bestehen stets auch persönliche Beziehungen zum Unternehmen. Das war besonders beim ersten Auftrag vor bald zwanzig Jahren für die Zimmerei in Niederlenz der Fall. Es war der Lehrbetrieb von Reinhard Wiederkehr, bei dem Makiol + Wiederkehr als einer der Startaufträge die Sporen als junges Büro abverdienen konnte (publiziert in Band 1, Seite 10). Vergleichbar ist der erste Neubau einer bedeutenden Holzbaufirma in Langenthal aus dem Jahre 2003 (Band 1, Seite 99). Peter Makiol hat in dieser Zimmerei seine Lehrzeit absolviert. Mit dem heutigen Inhaber war er damals als Zimmermann auf etlichen Baustellen tätig. Gegenseitiges Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung bilden den Boden beständiger ‹Seilschaften› und auch Freundschaften. Knapp zehn Jahre nach dem ersten Bau konnte Makiol + Wiederkehr am zweiten Bauwerk, der Betriebserweiterung in Langenthal, mitwirken. Die gute Zusammenarbeit ist immer noch dieselbe, die bereits in Lehr- und Wanderjahren begonnene Symbiose hat Bestand. Dasselbe war auch der Fall beim Betriebsneubau in Savognin. Reinhard Wiederkehr und Peter Makiol kennen den Bauherrn aus seiner Zeit als Student in der Schweizerischen Bauschule Aarau, Reinhard und Peter waren damals als Dozenten tätig. Er lernte dort den Beruf des Technikers und Bauführers im Bereich Holzbau und entwickelte sich zu einem typischen ‹Nachwuchsunternehmer›: jung, dynamisch und unkompliziert. Er strebte schon kurz nach seinem Eintritt in den elterlichen Betrieb in Savognin die Zusammenarbeit mit Makiol + Wiederkehr an. Nach rund 15 Jahren war es soweit, dass dieser Holzbauunternehmer einen Neubau realisieren konnte. Nicht irgendeinen Neubau, sondern ein Bauwerk mit Signalwirkung. Das Büro Makiol + Wiederkehr hat die am Vorhaben Beteiligten in allen Belangen unterstützt. Architekten prägen Projekte, Makiol + Wiederkehr ist mit Vorteil bereits früh beigezogen, manchmal bereits in der Projektentwicklung oder sogar beim Wettbewerb. So etwa kamen zwei Architekten aus Zürich über einen Wettbewerb zum anspruchsvollen Auftrag für den Umbau einer Liegenschaft in der Stadt Solothurn, das Gebäude ‹Bregger›. Aus einem Lagergebäude wurde ein städtisches Wohnhaus mit Restaurant. Die Architekten waren auf der Suche nach einem Holzbauingenieur, der sie im Bereich der Konstruktionslösung (mehrgeschossig, Decken mit hohen Anforderungen), im Umgang mit der bestehenden Bausubstanz (Denkmalpflege) und im Bereich Brandschutz (Konzept und Konstruktion) unterstützen kann. Makiol + Wiederkehr wurde ihnen von verschiedenen Seiten empfohlen, sie nahmen Kontakt auf, und eine erste Sitzung zeigte: Die Chemie stimmt. Makiol + Wiederkehr war begeistert vom architektonischen Konzept und der sorgfältigen Arbeitsweise, die Architekten überzeugte Kreativität, Fachwissen und Dialogfähigkeit der Ingenieure. Die Zusammenarbeit entwickelte sich durchs Band fruchtbar und bereichernd. Das Resultat ist bestechend. Ein Beispiel sind die massiven Holzstützen in Eiche mit ihren konischen Auflagerlaschen für die Doppelunterzüge. Dies alles ist bezüglich Brandsicherheit so bemessen, dass auf Bekleidungen dieser Holzträger verzichtet werden konnte. Zwei Jahre später (2011) kamen diese Architekten wieder auf Makiol + Wiederkehr zu. Eine ähnliche Aufgabe, ebenfalls in Solothurn, nämlich das alte Zeughaus, ein öffentlicher Wettbewerb im Präqualifikationsverfahren. Makiol + Wiederkehr machten mit Freuden mit, und mit einem in vielen Belangen überzeugenden Lösungsvorschlag sowie dem notwendigen Quentchen Glück gewann das Team. Daraus entsteht erneut eine längere und anspruchsvolle Zusammenarbeit, auch zusammen mit anderen Fachplanern des Teams ‹Bregger›.

(Stiftung Wildpark und Stadt Zürich) nicht zu überzeugen. Andere Möglichkeiten wurden geprüft, es gab eine Offertphase mit anschliessendem Vergabegespräch. Peter Makiol konnte dort skizzenhaft Lösungsmöglichkeiten präsentieren. Sein kecker Vorschlag, das Ganze mit einem Bogen frei zu überspannen und ein langgezogenes Bauwerk zu gestalten, fand Gefallen, und so erhielt Makiol + Wiederkehr den Planungsauftrag. Die Brückenkonstruktion wurde vor allem im Hinblick auf den konstruktiven Holzschutz durchgestaltet. Das zeigt sich vor allem beim Geländer. Der Lattenschirm ist konsequent durchgezogen, und so kann das Wasser gut ablaufen, die Querschnitte trocknen immer gut aus. Den Dialog mit Architekten und Kunstschaffenden empfindet Makiol + Wiederkehr immer wieder befruchtend und wertvoll. Nebst der technisch einwandfreien Lösung, die ja für Ingenieure so oder so Pflicht ist, liegt Makiol + Wiederkehr der gestalterische Umgang mit dem Werkstoff Holz sowohl im Detail als auch in der Tragwerkskonzeption sehr am Herz. Auch hier also die Suche nach einer Symbiose. Seit 20 Jahren besteht das Ingenieurbüro Makiol + Wiederkehr. Dieses Jubiläum ist äusserer Anlass dazu, diesen Band herauszugeben. Es ist aber auch eine Hommage an die Mitarbeiter, die Gestalter, die Architekten, die Holzbauer und zudem an die Investoren, die Bauherren und im weitesten Sinne auch an die involvierten Behörden und Institutionen. Alle diese Bauwerke würden sich niemals derart überzeugend präsentieren, wäre da nicht das tiefe Vertrauen aller Beteiligten in ihre Fähigkeiten, Zuverlässigkeit und Termintreue. Symbiotisches Zusammengehen ist hier gelebter Alltag. Dies gilt auch für die tägliche Arbeit im Büro Makiol + Wiederkehr, denn dort sind derzeit über zwölf Mitarbeitende beschäftig. Allesamt verantwortungsbewusste Persönlichkeiten, selbständig auftretende Projektleiter mit fundiertem Fachwissen und überzeugendem Engangement. Ein Team, das eine auf Vertrauen basierende und dadurch effiziente Zusammenarbeit zu schätzen weiss. Peter Makiol und Reinhard Wiederkehr leben und arbeiten nach wie vor in Beinwil am See, dieser ursprünglich als Tabak-, Zigarren- und Bauerndorf bekannten Ortschaft im Seetal, der Visitenstube des Kanton Aargaus. Sie pflegen den Dialog mit Bauherren und Mitarbeitenden, suchen den Kontakt zu anspruchsvollen Architekten so gut wie zu jungen Leuten in Ausbildung. In kurzer Zeit führen Bahn und Auto hinaus aus dem beschaulichen Beinwil am See in die Zentren Zürich, Basel, Bern oder in die Ost-, Zentral- und Südschweiz. In diesem geografischen Umfeld sind auch die meisten Bauwerke zu finden, die Makiol + Wiederkehr mit seinem Team mitgeplant und mitgestaltet hat. Doch die notwendige Ruhe zum Arbeiten, zum überlegten Suchen nach der besten Lösung für grössere und auch für kleinere Projekte finden Peter und Reinhard am Hallwilersee. Sie sind ihren Wurzeln treu, und daraus erwachsen die tragenden Ideen. Charles von Büren, Bern

Charles von Büren ist Autor und Herausgeber von Sachbüchern zu Bautechnik und Design. Er war während Jahrzehnten für die Lignum und zudem für die WSL Birmensdorf sowie den SIA im Bereich Kommunikation tätig. Heute freischaffend als Korrespondent der Zeitschrift TEC21 und für die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Holzforschung SAH.

Brücken sind in erster Linie durch statische und nutzungsbedingte Überlegungen und Entwurfskriterien charakterisiert. Dabei liegt also die Federführung bei den Ingenieuren. Makiol + Wiederkehr holt sich dafür aber bei Bedarf gerne Rat bei Architekten und Landschaftsgestaltern. Denn erst der formale Feinschliff macht den Brückenbau zu einem sehenswerten Bauwerk. Die Brücke im Wildpark Langenberg (Langnau am Albis) war ursprünglich in Stahlbeton geplant. Die vorgelegte Lösung vermochte die Bauherrschaft

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Werkheim Heuwiese, Reinach Dreh- und Angelpunkt des Hauses für Bildung und Arbeit Heuwiese ist eine zentrale, zweigeschossige Halle. Sie ist ein Raum für temporäre Nutzungen aller Art, für Ausstellungen, Meetings, geselliges Beeinander oder einfach als Raum zum ‹Atmen›, als Treffpunkt und Kommunikationsort. Das neue Gebäude steht als kompakter Baukörper an der Nordgrenze der zur Verfügung stehenden Parzelle. Gegenüber dem Trassee der Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) und der Baselgasse erscheint der Baukörper zweigeschossig, nach Osten zum Kindergarten und zum Spielplatz hin eingeschossig. Durch die gewählte Disposition ist ein maximaler Spielraum für zukünftige Entwicklungen vorhanden. Ein bestehender Fussweg entlang der östlichen Parzellengrenze erschliesst das Gebäude. Dieser Weg liegt ideal zur Erschliessung von Kindergarten, Spielplatz, Schulpavillon und neuem Haus der Stiftung Lebenshilfe. Ab diesem Weg kann das neue Haus über einen gedeckten Vorplatz und einen Windfang betreten werden. Die seitlich belichtete, zweigeschossige Eingangshalle liegt zentral, von hier aus sind sämtliche Räume erschlossen. Die Anlieferung erfolgt von der Baselgasse. In unmittelbarer Nähe zur Annahme und Spedition liegen die Küche mit den Nebenräumen und die Wäscherei. Über einen Lift sind sowohl die Lagerräume im Untergeschoss als auch die Werkstätten im Obergeschoss erschlossen. Die im Untergeschoss liegenden Lagerräume sowie der Raum für die Aussengeräte sind zusätzlich über eine Rampe zugänglich. Sämtliche Räume, Balkone, Terrassen und die Aussenräume sind behindertengängig. Dem einfach, kompakt und rechteckig konzipierten Baukörper sind verschiedene weitere Rechtecke eingeschrieben, in denen die einzelnen Nutzungen, zu sinnvollen Gruppen zusammengefasst, angeordnet sind. Innerhalb der einzelnen Nutzungsgruppen ist eine maximale Flexibilität für sich verändernde Ansprüche gewährleistet. So können sowohl im Werkstatttrakt als

auch im Bürobereich und im Trakt von Mehrzweckraum, Essen und Kochen sämtliche Leichtbauwände verschoben oder ganz entfernt werden. Durch die gewählte Konzeption entstand trotz der einfachen, kostengünstigen Gebäudegrundform ein spannungsvolles und abwechslungsreiches, aus Teilvolumen bestehendes Ganzes. Dies trägt dazu bei, dass das grosse Volumen als differenziertes, vielfältiges Haus wahrgenommen wird. Die gesamte Konstruktion ist konsequent in Primärstruktur und Sekundärstruktur getrennt. Die Primärstruktur besteht aus tragenden Wandscheiben, Stützen und Decken. Sämtliche Trennwände und Fassaden sind demgegenüber in Leichtbauweise erstellt. Dadurch ergaben sich nicht nur geringe Erstellungskosten, sondern es entstehen daraus auch die Möglichkeit einer maximalen Flexibilität für künftige Veränderungen. Die gesamte Konstruktion unter Terrain, die tragenden Innenwände, Treppenhäuser sowie die Decke über dem Erdgeschoss sind in Massivbauweise ausgeführt. Die Wände im Erdgeschoss sind als zweischalige Betonwand aufgebaut und sichtbar belassen. Die Betondecke ist zur Verbesserung der Raumakustik mit Akustikplatten bekleidet. Das gesamte Dach ist als Holzkonstruktion mit Trägern in Brettschichtholz von 100 x 380–600 mm Querschnitt und 1,35 m Abstand mit maximalen Spannweiten bis 10,8 m erstellt. Darüber bildet eine 40 mm dicke Dreischichtplatte die Unterkonstruktion für den Aufbau des Flachdachs, an dem ebenfalls Akustikelemente heruntergehängt sind. Die transparenten Fassadenteile sind als Pfosten-Riegel-System in Holz im Raster der Dachträger und mit grossformatigen Verglasungen ausgeführt. Die opaken Fassadenteile im Obergeschoss bestehen aus einer gedämmten Holzrahmenkonstruktion mit einer äusseren Bekleidung in unbehandelter Zeder. Die Verbindung zum Aussenbereich stellen schwellenlose Flügeltüren her. Der Bodenbelag ist in den allgemeinen Räumen wie Cafeteria, Essraum, Eingangshalle usw. in Hartbeton sowie in

den Werkstätten und Ateliers in Holzpflaster ausgeführt. Das Gebäude erfüllt den Minergie-Standard. Die Wärmeerzeugung übernimmt eine Grundwasserwärmepumpe. Die Wärmeabgabe erfolgt über eine Bodenheizung im Unterlagsboden. Die kontrollierte Zuluft strömt über einbetonierte Rohre und via Bodenauslässe sowie über Schrankwände ein. Die Abluft wird über einbetonierte Rohre in den Decken weggeführt.

Situation


Querschnitt

L채ngsschnitt

Erdgeschoss

Obergeschoss

20 m


Ort Saalbaustrasse 9, 5734 Reinach Bauherrschaft Stiftung Lebenshilfe, Haus für Arbeit und Bildung Heuwiese, Reinach Architektur Frei Architekten AG, Aarau; Projektleitung: Philipp Schenker; Bauleitung: Gideon Schöni Bauingenieur Eichenberger AG, Muhen HLKS-Planer Hans Abicht AG, Aarau Elektroningenieur Intec Elektroplanung AG, Reinach Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Hecht Holzbau AG, Sursee Materialien Bauholz 98 m3, Dreischichtplatten 27 mm 403 m2 und 42 mm 1735 m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 9,56 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 7,33 Mio. davon BKP 214 CHF 414 000.– (Rohbau), CHF 89 000.– (Bodenroste), CHF 148 000.– (Deckenbekleidungen) Gebäudegrundfläche SIA 416 1878 m2 Geschossfläche SIA 416 3841 m2 Bruttogeschossfläche SIA 116 2700 m2 Kubatur SIA 116 18 067 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 406.– Bauzeit April 2005 – August 2006 Fotograf Daniel Roznovjak, Zürich


Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 80 mm Abdichtung Gefällsdämmung Dampfsperre Dreischichtplatte 40 mm Träger 600 mm Aufbau Aussenwand von innen: Dreischichtplatte 27 mm Dampfbremse Riegel 173 mm/Dämmung Diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 35 mm Winddichtung Lattung 45 mm Rhomboidschalung in Zeder 20 mm

Fassadenschnitt Mehrzweckraum


Tagesbetreuung ‹Arche›, Wallisellen Die Schulgemeinde Wallisellen wollte mit dem Neubau eines Hort- und Krippengebäudes auf dem erweiterten Areal der Schulanlage ‹Alpen› die Tagesbetreuung der Kinder im Vorschul- und Schulalter an einem einzigen Ort zusammenfassen. Das realisierte Projekt ging 2005/2006 siegreich aus dem zweistufigen Gesamtleistungswettbewerb mit Präqualifikation hervor. Mit der Situierung des neuen Hort -und Krippengebäudes in Querrichtung zum nach Süden abfallenden Terrain spannt sich das neue Volumen zwischen dem Alten Kirchweg und der Fussgängerachse Ruhgässli auf. Mit der Ausrichtung des Längskörpers wird der Abschluss zwischen der Wohnzone und dem öffentlichen Raum hergestellt. In Richtung Süden (Alter Kirchweg) bildet der dreigeschossige Bau einen repräsentativen Auftakt. Gegen Norden schneidet sich das Volumen in die Hangtopographie ein, so dass zum Ruhgässli hin nur noch ein Geschoss in Erscheinung tritt. Während die Westseite dem Zugangsbereich mit Spiel- und Erlebniszone dient, bildet die ostseitige Parkanlage mit dem imposanten Baumbestand eine wertvolle Aussichtsund Verweilzone. Mit Hilfe einer Terrassierung wird der unmittelbare Aussenraum entlang des Gebäudes optimal nutzbar gemacht. Die bestehenden Gebäude der Schulanlage ‹Alpen› stehen parallel zum Hangverlauf. Wie eine am Ufer angelegte Arche schiebt sich das neue Krippen- und Hortgebäude in die Hanglage ein. Diese Gebäudeanordnung erlaubt es, jedes der drei Geschosse mit separaten, ebenerdigen Zugängen zu erschliessen. Der Baukörper bildet eine Nahtstelle zwischen der öffentlichen Parkzone im Osten, dem nördlichen Schulbereich

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und der Wohnzone im Westen. Die Geschosszugänge der einzelnen Nutzungen sind diesen Zonen zugewandt, was den Betrieb entflechten hilft und gegenseitige Störungen vermeidet. Der Horteingang und die optionale Schulraumerweiterung sind der Schulzone im Norden, der Krippeneingang der privateren Wohnzone im Westen und der Mittagstisch sind dagegen dem öffentlichen Strassenraum im Süden zugewandt. Die inneren Raumorganisationen von Krippe und Hort ermöglichen einerseits den autonomen Betrieb, andererseits ist eine betriebliche Verbindung der einzelnen Betreuungsgruppen gewährleistet. Zudem erleichtern die klaren Raumstrukturen den Kindern die Orientierung. Ebenerdige Zugänge, übersichtliche Raumzonen und niedrige Fensterbrüstungen nehmen Rücksicht auf die Körpergrösse von Kindern. Das Raumprogramm ist für die Betreuung von 110 Kindern ausgelegt. Das Erdgeschoss ist von den Besucherplätzen am Alten Kirchweg direkt erschlossen. Über einen gedeckten Eingang betritt man das Erdgeschoss, in dem der Mittagstisch mit der zentralen Küche liegt. Dem Essund Aufenthaltsraum ist ein Sitzplatz zum Park hin vorgelagert. Nebst einem Aussenfussweg zu den oberen Geschossen dienen eine Treppe und ein Lift der Vertikalverbindung. Die gemeinsamen Nutzräume fürs Basteln und Austoben sowie die Abstellräume sind im rückwärtigen Bereich untergebracht. Die Technikräume liegen im fensterlosen Sockelbereich. Der Krippenbereich findet sich im ersten Obergeschoss und dient drei Gruppen zu elf Kindern im Alter von vierzehn Wochen bis vier Jahren. Der ebenerdige und gedeckte Zugang auf der Westseite ist über einen mit Kinderwagen befahrbaren Fussweg erreichbar. Die grosszügige Vorzone

dient als Spiel- und Erlebnisbereich. Der Grundriss weist einen grossräumigen Erschliessungsbereich auf, an den sämtliche Räume angebunden sind. Während in Eingangsnähe der Abstellraum für Kinderwagen und Spielgeräte liegt, weitet sich der Erschliessungsbereich auf der Südseite zu einer multifunktionalen Aufenthaltszone aus, die heute als eine Art Auffangraum für die morgendliche Begrüssung der Kinder dient. Auf der Westseite liegen die Kleinküche und die Personalräume mit Orientierung zum Eingang und zum aussenliegenden Spiel- und Erlebnisbereich. Die drei Krippengruppen mit innenliegenden Nassräumen sind für die Betreuungspersonen intern mit Türen verbunden. Die Haupträume orientieren sich auf die Ostseite zum Park hin. Direkte Austrittsmöglichkeiten auf den Sitzplatz stellen den Aussenbezug zum Park her. Im zweiten Obergeschoss ist der Hortbereich für zwei Gruppen zu zwanzig Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren angeordnet. Das Eingangsniveau liegt auf der Höhe Ruhgässli und bietet Platz für Aussenaktivitäten der Hortkinder. Über den gedeckten Eingang mit angrenzendem Abstellraum gelangt man in den grosszügigen Erschliessungsbereich, über den sämtliche Räume zu erreichen sind. Die erweiterte Erschliessungszone auf der Südseite lädt zu verschiedenen Aktivitäten ein. Die Kleinküche und die Personalräume liegen an der Westfassade. Die separaten Nassräume für Mädchen und Knaben sind von der Erschliessungszone her zugänglich. Die zwei Hortgruppen sind untereinander verbunden, was die Flexibilität im Betrieb erhöht. Die Tragkonstruktion ist ein Holztafelbau, wobei das Erdgeschoss aus Stahlbeton mit seiner Aussendämmung als Sockelgeschoss dient. Die Holzwände wurden mit Dreischichtplatten


Sockelgeschoss

ausgeführt und unbehandelt belassen. Die Gebäudestabilisierung der beiden oberen Geschosse erfolgt in Querrichtung über die beiden Stirnfassaden und die mittig angeordnete Innenwand, in Längsrichtung über zwei Bereiche in der Westfassade. Die Dach- und die Deckenelemente über dem ersten Obergeschoss sind als Kastenelemente ausgebildet, jeweils mit einer Akustikdämmung in Schafwolle hinter den abgehängten und gelochten Gipsfaserplatten. Die Baukommission legte von der Planungsphase an besonderen Wert auf ein schadstofffreies und gesundes Innenraumklima. Daraus folgte der Auftrag an die Bau- und Umweltchemie AG, das Projekt von der Planung über die Ausführung bis zur Abnahme zu begleiten und abschliessend eine Innenraum-Luftmessung durchzuführen. So wurden in der Planung alle Baustoffe auf deren Schadstoffe geprüft, mit den Unternehmen alternative Lösungen gesucht und auf der Baustelle stichprobenartig die angewandten Baustoffe kontrolliert, was am Ende zur Zertifizierung des Innenraumklimas führte. Natürlich erreicht das Gebäude mit der kontrollierten Lüftung der hochgedämmten Gebäudehülle auch den Minergie-Standard.

Situation

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

Längsschnitt

20 m

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Ort Alter Kirchenweg 6, 8306 Wallisellen Bauherrschaft Schulgemeinde Wallisellen Bauherrenvertretung Landis AG Bauingenieure + Planer, Geroldswil Architektur Spörri & Schmitter Architekten AG, Rupperswil Bauleitung Martin Schweizer Baumanagement, Winterthur Bauingenieur Bona + Fischer Ingenieurbüro AG, Winterthur Bauphysik Braune Bauphysik + Akustik, Binz Bauökologie Bau- und Umweltchemie AG, Zürich Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Generalunternehmer Zehnder Holz und Bau AG, Winterthur Materialien Bauholz: Vollholz 17 m3, Brettschichtholz und schichtverleimtes Vollholz 138 m3; Platten: Dreischichtplatten 114 m3, OSB 52 m3 Baukosten BKP 1–9 CHF 4,50 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 4,08 Mio. davon BKP 214 CHF 957 000.– Grundstücksfläche SIA 416 2800 m2 Geschossfläche SIA 416 1864 m2 Gebäudevolumen SIA 416 6105 m3 Kubatur SIA 116 6920 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 667.– Bauzeit Mai 2008 – Februar 2009 Fotografin Masha Roskosny, Wallisellen

Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 70 mm Abdichtung Gefällsdämmung Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 300 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Dampfbremse Abhängesystem 50 mm/Lattung 30 mm/Dämmung 30 mm Gipskartonplatte 15 mm mit Akustikbohrung Deckenaufbau von oben: Linoleum Zementunterlagsboden 60 mm Trittschalldämmplatte 30 mm Gartenplatten 40 mm Trennlage Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 220 mm/Dämmung 80 mm Dreischichtplatte 27 mm Abhängesystem 50 mm/Lattung 30 mm/Dämmung 30 mm Gipskartonplatte 15 mm mit Akustikbohrung Aufbau Aussenwand von innen: Dreischichtplatte 27 mm Lattung 30 mm Dampfbremse OSB 15 mm Ständer 240 mm/Dämmung OSB 25 mm Windpapier Lattung 2 x 27 mm gekreuzt Holzschalung 20 mm

Fassadenschnitte

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Details Eingangsbereich Hort, 2. Obergeschoss: Von links nach rechts die Details des gedeckten Vorplatzes, der Eingangst端re und des opaken Wandaufbaus.

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Neubau Kreisschule, Neuendorf Die Planungsgeschichte des Kreisschulhauses geht auf einen Wettbewerb von 1997 zurück. Nach einem Projektstopp 1999–2002 konnte ab 2003 mit der definitiven Planung und Umsetzung begonnen werden. Im Laufe dieser Zeit mussten einige Anpassungen und Ergänzungen beim Raumprogramm zur Berücksichtigung von Anforderungen neuer Lehrpläne miteinbezogen werden. Am Konzept des Projektes und der Grundidee des haushälterischen Umgangs mit Landreserven und Ressourcen hat sich bis zuletzt nichts geändert. Das neue Schulgebäude ist in Ost-WestRichtung längs des Chessiweges angeordnet, westlich der bestehenden Mehrzweckhalle. Das Schulhaus ist als kompakter, zweispänniger Baukörper aufgebaut. Es besteht aus einem Untergeschoss mit Werkräumen und Reserveklassenräumen, die über einen flach geneigten Lichthof auf der Südseite belichtet werden. Im Nordbereich befinden sich Lagerräumlichkeiten. Im Erdgeschoss erreicht man über einen gedeckten Pausenbereich via Eingangshalle, welche zur Mehrfachnutzung ausgelegt ist, zwei Klassenzimmer und zwei naturwissenschaftliche Unterrichtsräume mit den entsprechenden Vorbereitungszimmern. Betriebsräumlichkeiten und Lehrerzimmer sowie Toiletten sind auf der anderen Seite der Erschliessung untergebracht. Im Obergeschoss befinden sich fünf weitere Klassenzimmer mit Vorbereitungssowie Gruppenarbeits- und Halbklassenräumen. Eine Bibliothek/Mediothek liegt im gleichen Geschoss über dem Eingangsbereich. Die vertikale Erschliessung erfolgt über eine offene Treppenanlage im Eingangsbereich und eine zweite, auch als Fluchtweg dienende Treppe. Eine Liftanlage für Behinderte und Material-

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transport verbindet das Untergeschoss mit dem Erd- und Obergeschoss. Die Gebäudehülle mit der hinterlüfteten und transluzenten Glasverkleidung bietet insofern Vorteile, als sie eine sehr unterhaltsfreundliche und gestalterisch interessante Fassade ermöglicht. Das Spiel von Licht und Schatten im Wechsel von Tages- und Jahreszeiten bringt immer wieder neue, interessante Oberflächenreflektionen hervor. Die Betonung der Horizontalen mit den Fensterbändern, die aus einer Holz-Metall-Konstruktion bestehen, verleiht dem Gebäude Leichtigkeit. Ein automatisiertes Beschattungssystem schützt die Innenräume des Gebäudes vor Überhitzung im Sommer und gewährleistet den Blendschutz sowie die Verdunkelung. Im Innenausbau werden die eingesetzten Materialien und Konstruktionen wo immer möglich in ihrer natürlichen Form gezeigt. Die profilierten Untersichten der Holzdecken im Erd- und Obergeschoss sorgen so nicht nur für ein angenehmes Raumklima, sondern bilden auch eine gut absorbierende Oberfläche für die Raumakustik. Farbige Kautschukböden und eingefärbte Holzbekleidungsplatten schaffen zusätzliche Akzente in den Räumen. Der wichtige Grundsatzentscheid der Konstruktionswahl wurde sehr früh gefällt, um die Planung und Kostenermittlung für den Baukörper in die richtigen Bahnen zu lenken. Der Entscheid fiel aufgrund von Besichtigungen und Variantenvergleichen von verschiedenen Konstruktionsarten. Unter Berücksichtigung von Kriterien wie Kosten, architektonische Gestaltung und Ökologie wurde eine HolzbetonVerbundkonstruktion mit Brettstapelelementen für die Deckenkonstruktion sowie eine vorgefertigte Holzrahmenkonstruktion für die Wände ausgewählt. Über dem in Massivbau-

weise ausgeführten Untergeschoss sind die Kernzonen sowie die Korridorwände in Sichtbeton ausgeführt. Der Korridor übernimmt denn auch die Gesamtstabilisierung in Längsrichtung. Daran angehängt sind die knapp 8,50 m frei tragenden Holzbeton-Verbunddecken und Dachelemente, wobei Stützen in Brettschichtholz mit einem Abstand von rund 3 m für die Lastabtragung vor den Längsfassaden sorgen. Die Giebelwände und einzelne Trennwände der Schulzimmer tragen mit der massiven Erschliessung zur Querstabilisierung bei. Die Verteilung der Wärmeenergie aus einer Fernwärmestation erfolgt über eine Unterstation auf die Niedertemperaturheizkörper in den Brüstungsbereichen der Aussenwände. Dem Prinzip von Low-Tech folgend werden die Klassenzimmer über Fensterflügel und im Obergeschoss zusätzlich über Oberlichter natürlich belüftet. Einzig die Werkräume und alle innliegenden Räume sind mit einer mechanischen Lüftungsanlage ausgerüstet.

Situation


Querschnitt

L채ngsschnitt

20 m

Untergeschoss

Erdgeschoss

Obergeschoss

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Ort Chessiweg 18, 4623 Neuendorf Bauherrschaft Zweckverband Kreisschule Gäu Architektur A + P Architekten AG, Egerkingen; Kurt Roschi und Urs Latscha Architekten FH/SIA Landschaftsarchitektur Schneider und Partner Landschaftsarchitekten BSLA Olten Örtliche Bauleitung Kurt Steiner Bauleitungen, Härkingen Bauingenieur KFB AG, Egerkingen Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzberatung Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Wenger Holzbau + Schreinerei AG, Unterseen, Von Rohr Holzbau, Egerkingen, U. Büttiker Holzbau AG, Wolfwil, und Kissling Holzbau AG, Wolfwil Materialien Konstruktionsholz: Brettschichtholz 113 m3, Brettstapelelemente 219 m3; Platten: OSB 620 m2, Dreischichtplatten 1450 m2, Holzfaserdämmplatten 20 mm 1040 m2, Gipsfaserplatten 15 mm und 18 mm 100 m2; Blindschalung 1940 m2; Deckenbekleidungen mit Leisten 1040 m2 Baukosten BKP 2 CHF 5,91 Mio. davon BKP 214 CHF 1,07 Mio. Bruttogeschossfläche 2850 m2 Gebäudevolumen SIA 416 12 091 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 489.– Kubatur SIA 116 13 700 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 431.– Bauzeit Februar 2004 – Juni 2005 (Gesamtbauzeit), Mai – September 2004 (Korridorwände und Sanitärkerne in Sichtbeton, Brettstapeldecken, Wände und Dach in Holz) Fotograf Hansruedi Aeschbacher Fotografie, Egerkingen

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Dachaufbau von aussen: Doppelfalzdach Chromstahl Blindschalung 27 mm Schalenelemente: Hinterlüftung 100 mm Unterdachbahn Holzfaserdämmplatte 19 mm Dämmung 240 mm Rippen 80 x 360 mm Dreischichtplatte 27 mm Dampfbremse Lattung 40 mm/Dämmung Vlies schwarz Akustiktäfer 15 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 18 mm Dampfsperre Ständer 200 mm/Dämmung OSB 25 mm, luftdicht, gestrichen Glasbekleidung hinterlüftet

Detail Deckenauflager Fassade: Der Träger mit 240 x 380 mm Querschnitt in Brettschichtholz ist mit zwei verschweissten Profilen LNP versehen, an dem halbe IPE-300-Teile angeschweisst sind. Nach der Montage dieses Trägers an die Brettstapelelemente wurde das ganze Bauteil auf die Auflager (Betonwand und Stützen) verlegt.

Aufbau Giebelwand von innen: Gipsfaserplatte 18 mm Dampfsperre Dreischichtplatte 27 mm Ständer 180 mm/Dämmung OSB 25 mm, luftdicht, gestrichen Glasbekleidung hinterlüftet Deckenaufbau von oben: Bodenbelag 10 mm Unterlagsboden 60 mm Trittschalldämmung 40 mm Holzbeton-Verbundelemente: Überbeton 120 mm Brettstapel 220 mm

Fassadenschnitt Süd

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Neubau Schulhaus mit Turnhalle St. Martinsgrund, Sursee Die Erweiterung der bestehenden Pavillonbaute zur vollständigen Primarschulanlage erfolgte durch zwei voneinander unabhängige Baukörper: eine Einfachturnhalle und ein zweigeschossiges Schulhaus. In ihrer Höhenstaffelung sind die Bauten leicht voneinander differenziert und nehmen den Massstab der angrenzenden Bebauung auf. Die drei Gebäude gruppieren sich um einen Aussenplatz, welcher als Zentrum der neuen Schulanlage funktioniert. Er ist zugleich Orientierungs- und Aufenthaltsraum; von ihm aus sind die jeweiligen Eingänge zu den Gebäuden zu erreichen. Der Platz erfährt durch die raumhaltige Spielplatzinstallation und die Baumbepflanzung eine spezielle Prägung. Das Ensemble wird ergänzt durch die Parkplätze für Nutzer und Besucher sowie einen Aussenhartplatz nördlich der Turnhalle und ein Rasenspielfeld als östlicher Abschluss der Anlage. Der Schulhauskörper ist in beiden Geschossen ähnlich aufgebaut. Nach Südosten liegen jeweils funktionale Einheiten aus Klassen- und Halbklassenzimmern. Im Erdgeschoss wird den Zimmern der Kindergarten- und Basisstufe ein gefasster und direkt erreichbarer Aussenraum zugeordnet. Im Erdgeschoss finden sich des weiteren die Bibliothek, der Musikraum

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sowie die Räumlichkeiten für den Mittagstisch. Im Obergeschoss liegen die Räume für die Lehrerschaft sowie an den Stirnseiten die beiden Werkräume, alle über eine grosszügige Erschliessungszone zu erreichen. Das Gebäude ist teilunterkellert – hier befinden sich neben den erforderlichen Haustechnikzentralen verschiedene Lagerräume. Die Turnhalle, konzipiert als Einfachhalle für Schulund Vereinssport, kann zusätzlich für Schulversammlungen und Anlässe genutzt werden. Sie beherbergt im Erdgeschoss neben der eigentlichen Halle die Geräteräume sowie ein Materiallager; im Obergeschoss befinden sich die Garderoben für Schüler und Lehrer sowie die Technikzentrale. Beide Gebäudekörper sind aus ökonomischen Gründen sehr kompakt gehalten und strukturell modular aufgebaut. Die hochisolierte Aussenhülle ermöglichte zusammen mit der kontrollierten Lüftung der Nutzräume eine Erstellung der Bauten im Minergie-Standard und sichert langfristig niedrige Betriebskosten. Als Antwort einerseits auf die Nutzung als Primarschulanlage in ländlicher Umgebung, andererseits auf die Anforderungen der Nachhaltigkeit eines öffentlichen Bauwerks in der heutigen Zeit wurde eine Holzbaukonstruktion errichtet, die in den Kernbereichen durch

massive Bauteile in Sichtbeton ergänzt wird. Diese Bauweise ermöglicht eine serielle Produktion, räumliche Flexibilität und reagiert durch geringes Eigengewicht zudem auf die am Ort herrschenden Baugrundverhältnisse. Die äussere Erscheinung ist geprägt durch ein Spiel von geschlossenen, lamellierten, halbtransparenten oder vollständig verglasten Bereichen. Je nach Blickrichtung und Lichtverhältnissen erscheint der Bau manchmal schwer und solid, in anderen Fällen beinahe leicht und flüchtig. Durch die Metallpigmentierung des Holzanstrichs erhält die Aussenhaut einen edlen Glanz, die den gemeinhin mit Holz assoziierten Eindruck verfremdet und die Langlebigkeit der Holzverschalung sichert.

Situation


40 m

Erdgeschoss

Obergeschoss

Querschnitt Turnhalle, Ansicht Schulhaus

Querschnitte

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Ort St. Martinsweg 3, 6210 Sursee Bauherrschaft Einwohnergemeinde Stadt Sursee Architektur Burkard Meyer Architekten BSA, Baden; verantwortlicher Partner: Oliver Dufner; Mitarbeit: Hannes Küng, Marianne Sigg, Simon Holenstein, Thomas Steiner, David Sidler, Patrick Rüdisüli, Christiane Illing Örtliche Bauleitung Kunz Architekten, Sursee Bauingenieur Kost + Partner AG, Sursee Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Elektroplaner Wey + Partner AG, Sursee HLK-Planer Künzle + Partner AG, Horw Sanitärplaner Arregger + Partner AG, Luzern Bauphysik Ragonesi Strobel & Partner, Luzern Umgebung Bucher + Partner, Sursee Projekt-Controller Cornel Meyer, Neuenkirch Holzbau Renggli AG, Sursee Materialien Bauholz: Rahmenbaukanteln 105 m3, Brettschichtholz 196 m3; Platten: Dreischichtplatten 22, 27, 40 mm 5740 m2, OSB 15, 18, 22 mm 1850 m2, Gipsfaserplatten 1000 m2, Gipskartonplatten 810 m2; Schalungen: Fassadenschalung Nut und Kamm 850 m2, Zahnleistenschalung vertikal 600 m2, Beschattungsbretter 1020 m2; Gartenplatten für Beschwerung 720 m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 12,9 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 6,8 Mio. (Schulhaus, inkl. Honorare), CHF 3,2 Mio. (Turnhalle, inkl. Honorare) davon BKP 214 CHF 1,4 Mio. (Schulhaus), CHF 0,8 Mio. (Turnhalle) Geschossfläche SIA 416 2610 m2 (Schulhaus), 1030 m2 (Turnhalle) Gebäudevolumen SIA 416 10 330 m3 (Schulhaus), 6650 m3 (Turnhalle) Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 658.– (Schulhaus), CHF 490.– (Turnhalle) Bauzeit Juli 2008 – August 2009 Fotograf Roger Frei, Zürich

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Dachaufbau von oben: Extensivbegrünung und Kies 100 mm Wasserdichtung Dämmung 240 mm Dampfbremse Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 380 mm/Dämmung 60 mm Dreischichtplatte 27 mm Akustikelement 62 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag Hartsteinholz 14 mm Zementunterlagsboden 70 mm Trittschalldämmung 20 mm Dämmung 20 mm Gartenplatten 40 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 380 mm/Dämmung 60 mm Dreischichtplatte 27 mm Akustikelement 62 mm

Fassadenschnitt

Aufbau Aussenwand von innen: Gispkartonplatte 2 x 12,5 mm Lattung 40 mm Dampfbremse OSB 18 mm Ständer 200 mm/Dämmung Holzfaserdämmplatte 35 mm Windpapier Lattung Fassadenschalung

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Schulhaus Eichmatt, Cham/Hünenberg Das Gebiet Enikon-Eichmatt-Zythus im Grenzbereich der beiden Gemeinden Cham und Hünenberg verzeichnete über Jahre ein rasches Wachstum. Damit verbunden war auch ein zunehmender Bedarf an Schulräumen. Gemeinsam führten Cham und Hünenberg deshalb im Jahr 2006 einen Projektwettbewerb durch. Nach Genehmigung des Planungskredites bei Gemeindeversammlungen und später des Baukredites in Urnenabstimmungen konnte der Bau des gemeinsamen Schulhauses im Februar 2008 starten. Das neue Schulhaus gliedert durch einfache Volumetrie und präzise Setzung die bestehende Situation und stärkt damit die Strassenführung der neuen Eichmattstrasse. Durch seine Lage in der nordöstlichen Parzellenecke besetzt es die Mitte des neuen Wohngebietes und definiert zusammen mit der grosszügigen Treppe, dem baumbestandenen Vorplatz und der Bushaltestelle das Zentrum dieses Quartiers. Gleichzeitig spielt es sich durch seine Lage und Ausrichtung frei von der bestehenden Schulanlage Kemmatten und tritt als eigenständiges Gebäude in Erscheinung. Der Neubau ist geprägt durch die Ambivalenz zwischen der äusseren Erscheinung als kompaktes Volumen und der durch das Programm bestimmten Gliederung in unterschiedliche Nutzungseinheiten. Dabei bildet der Erschliessungsbereich das zentrale Element, welches sowohl die einzelnen Teile zueinander als auch das Ganze mit dem Aussenraum in Beziehung setzt. Die grosszügigen Eingangshallen verbinden die Eingänge in Ebene 1 und Ebene 2 miteinander und erschliessen mit Ausnahme der Kindergärten und der Musikschule alle Nutzungseinheiten. Die Lichthöfe dienen als Orientierungspunkte, welche die einzelnen

Einheiten optisch miteinander verbinden und gleichzeitig räumlich voneinander trennen. Durch die gestaffelte Abfolge von Schule, Turnhalle und Musikschule sind die Bereiche räumlich und akustisch klar voneinander getrennt. Die Musikschule erhält, wie die Kindergärten, einen separaten Zugang. Die Ebene 3 ist dem Unterricht vorbehalten; die vier Einheiten mit Klassenzimmern, Gruppenräumen, Logopädieräumen und heilpädagogischer Früherziehung werden mit einer Treppe von der Pausenhalle aus direkt erschlossen. In Ebene 2 befinden sich neben der Turnhalle die Bibliothek, der Lehrerbereich und die Werkräume. Die Kindergärten, die Aula, die Nebenräume der Sporthalle, die Technik- und Hauswarträume sowie die Hauswartwohnung befinden sich in Ebene 1. Die vertikale Tragstruktur wird im Innern von Betonwänden gebildet, welche auch der Aussteifung des Gebäudes dienen. Um die Flexibilität zu erhalten, werden die Trennwände zwischen den Schulzimmern und in der Musikschule nichttragend ausgeführt. Hier kommen gemischte mehrschalige Wandkonstruktionen zum Einsatz. Die Geschossdecken sind in Stahlbeton ausgeführt. Sie lagern innen auf den Betonwänden und in der Fassadenebene auf Stützen aus Lärchenbrettschichtholz mit Querschnitten von 240 x 800 mm respektive 240 x 1600 mm. Diese Holzstützen sind der eigentlichen Hülle nach innen vorgelagert und werden so zu gestalterischen Elementen der Fassade. Die gesamte Fassade ist als hochgedämmter Holzrahmenbau ausgeführt. Die opaken Fassadenbereiche sind innen und aussen mit einer naturbelassenen Lärchenschalung bekleidet. Die Holzmetallfenster sind zur Gewährleistung eines optimalen Wetterschutzes aussen mit Aluprofilen belegt.

Innen fügen sich die naturbelassenen Holzprofile der Fenster in die Holzoberflächen der Stützen und Brüstungen ein. Die Innenhöfe erhalten im Gegensatz zu den Holzfassaden eine stärker artifizielle Bekleidung aus farbig bedruckten Glasplatten. Die glatte Oberfläche des Glases reflektiert farbiges Licht in die obere Halle. Die Gestaltung der Höfe ist das Resultat eines Wettbewerbs für Kunst am Bau, den der Künstler Peter Regli gewonnen hat. Beim Turnhallendach überspannen Satteldachträger mit gerader Unterkante in Brettschichtholz die gesamte Gebäudebreite von knapp 29 m mit Höhen von 1080 mm an der Traufe und 1380 mm am First sowie variablen Breiten von 760 mm bis 880 mm. Dazwischen sind Holzrippenelemente angeordnet. Die Lasten werden wiederum über Stützen in Lärchenbrettschichtholz abgeleitet. Die übrigen Dächer sind aus Beton. Alle Dächer sind extensiv begrünt. Ein Teil der Dachfläche wird durch eine Fotovoltaikanlage genutzt. Gemäss Vorgabe der Bauherrschaft sind nicht nur Volumetrie und Bauteile, sondern auch das Haustechnikkonzept auf den Minergie-P-Standard ausgelegt. Für die Lüftung wird die Aussenluft über ein Gerät zentral aufbereitet. Die Feinverteilung erfolgt über mehrere Zonengeräte und ab dort über mehrere Medienschächte. Die Lufteinführung in die Räume geschieht vorwiegend über Verdrängungslüftung. Die Abluft wird an der Decke entnommen und über das zentrale Fortluftgerät ins Freie geführt. Als Energiequelle für Heizen und Kühlen wurde ein Erdsondenfeld realisiert. Die Heizung und die Brauchwarmwasseraufbereitung werden durch eine Wärmepumpe erbracht. Die Kühlung erfolgt mittels Wärmetauscher direkt durch die Erdsonden. Die Anlage wird auf den Heizbetrieb ausgelegt. Der Kühlbetrieb für das


ganze Jahr ist vom Kühlpotential der Erdsonden abhängig. Die Rohrregister werden im Unterlagsboden integriert und je nach Bedarf zur Beheizung oder zur Kühlung der Räume eingesetzt. Als Reverenz an die ursprüngliche lokale Kulturlandschaft wird beim neuen Schulhaus Eichmatt auf eine naturnahe Umgebung Gewicht gelegt. Auf dem Gelände verstreut werden verschiedene einheimische, feuerbrandresistente Baumsorten gepflanzt. In besonderen Bereichen werden die Bäume in Gruppen oder entlang des Rasenplatzes als Reihe angeordnet. Im Gegensatz zu den Schulsport- und Kindergartenspielflächen, die rechtwinklig zum Schulhaus mit einem Asphaltbelag an das Schulgebäude angebunden werden, sind die Fusswege über das Schulgelände schwungvoll ins Gelände gezeichnet. An den Kreuzungspunkten und innerhalb grosszügiger Kurven der Fusswege finden öffentliche Kinderspielflächen auf der Wiese ihren Platz. An der Südostecke des Grundstückes beim Wildenbach ist eine Retentionsmulde eingeplant. Die Fahrräder werden entlang des Rasenspielfeldes unter einem Dach abgestellt. Die Parkplätze befinden sich am nördlichen Kopf des Rasenspielfeldes an der Eichmattstrasse. Das hangseitig zweigeschossige Gebäude bildet eine Hangkante, welche den öffentlichen Bereich des Flanierfeldes klar von den schulischen Aussenräumen trennt. Zusammen mit den Freizeitfeldern bilden diese einen grosszügigen zusammenhängenden Bereich, der dem ganzen Quartier als Erholungsraum dienen kann.

Ort Eichmattstrasse 11, 6333 Hünenberg See Bauherrschaft Einwohnergemeinden Cham und Hünenberg Architektur Bünzli & Courvoisier Architekten, Zürich Bauleitung b + p baurealisation ag, Zürich Bauingenieur Aerni + Aerni Ingenieure AG, Zürich Gebäudetechnik Meierhans + Partner AG, Schwerzenbach Umgebung Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Keiser Xaver Zimmerei Zug AG, Zug, und Burkhart AG trilegno, Auw Materialien Bauholz: Vollholz 130 m3, Brettschichtholz in Lärche 122 m3, Brettschichtholz in Fichte/Tanne 170 m3; Dreischichtplatten 1250 m2 respektive 35 m3; Fensterleibungen in Lärche 16,5 m3; Bekleidung: Schalungen in Lärche 1900 m2 (Fassade) und 300 m2 (innen) Baukosten BKP 1–9 CHF 29,24 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 24,38 Mio. davon BKP 214 CHF 1,65 Mio. Grundstücksfläche SIA 416 19 079 m2 Umgebungsfläche SIA 416 15 431 m2 Geschossfläche SIA 416 8581 m2 Gebäudevolumen SIA 416 38160 m3 Kubatur SIA 116 43124 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 639.– Bauzeit Februar 2008 – Oktober 2009 Fotograf Hannes Henz, Zürich

Situation


Querschnitt Aula

L채ngsschnitt Erschliessung

Querschnitt Pausenhalle

L채ngsschnitt Klassenzimmer

Querschnitt Sporthallen

Querschnitt Eingangshallen

Grundriss Ebene 3

Grundriss Ebene 2

Grundriss Ebene 1

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40 m


Deckenaufbau von oben: Anhydritfliessmörtel 60 mm Trittschalldämmplatte 20 mm Stahlbeton 280 mm Gipslochplatte abgehängt 140 mm Aufbau Aussenwand von innen im Regelquerschnitt: Schalung in Lärche geölt 20 mm Lattung 41 mm Dampfbremse Dreischichtplatte 19 mm Riegel 120 mm/Dämmung Riegel 260 mm/Dämmung Riegel 120 mm/Dämmung Fassadenbahn Lattung 30 mm Schalung in Lärche 20 mm Aufbau Aussenwand von innen bei den Stützen: Hauptstütze in Lärche 240 x 800 mm Dampfbremse Riegel 220 mm/Dämmung Riegel 120 mm/Dämmung Fassadenbahn Lattung 30 mm Schalung in Lärche 20 mm Fassadenschnitte

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Hörsaalgebäude Weichenbauhalle, von Roll-Areal, Bern Die Weichenbauhalle wurde 1914 von der Firma von Roll erbaut und diente während mehrerer Jahrzehnte der Herstellung von Weichen für Bahngleise. Sie bildet den Mittelpunkt des Industrieareals von Roll in Bern, das sich in den nächsten Jahren schrittweise zu einem erziehungswissenschaftlichen Zentrum für die Universität und die Pädagogische Hochschule Bern wandelt. Grundlage dafür ist das Siegerprojekt von Giuliani Hönger Architekten in einem offenen europäischen Architekturwettbewerb. Als Herzstück des neuen Campus wird die Weichenbauhalle durch den Umbau mit einer zentralen Gemeinschaftsnutzung belegt und zu einem Hörsaalgebäude mit sieben Hörsälen und insgesamt 1500 Plätzen transformiert. Im Inventar der Denkmalpflege ist das Gebäude als erhaltenswert eingestuft, so dass der Umbau mit denkmalpflegerischen Gesichtspunkten abzustimmen war. Der Entscheid zur Transformation ermöglichte die Wahl des Raumprinzips ‹Haus im Haus› und die Bildung eines Zwischenraums mit weniger hohen klimatischen Anforderungen. Auf räumlicher Ebene entstanden so differenzierte Foyerräume, in konzeptionell-konstruktiver Hinsicht liessen sich aber auch die hohen energetischen Anforderungen mit dem Anspruch der Denkmalpflege vereinen, die bestehende Hülle integral zu erhalten. Die Hörsäle sind als wärmegedämmte Einbauten in die Halle hineingestellt und von der bestehenden Fassade abgelöst, stossen aber an das neu gedämmte und eingedeckte Dach. Der grosse Hörsaal bildet einen Körper, die anderen sechs Hörsäle mit Infrastrukturräumen schliessen sich zu einem zweiten zusammen. Durch die plastische Verformung der beiden Einbauten – der Körper des grossen Hörsaals ist unten eingeschnitten, der andere ist auf

einer oberen Ebene ausgeschnitten und begehbar – verzahnt sich die Leere der Aufenthaltsbereiche mit der Masse der Einbauten. Zwischen erhaltener Aussenwand, bestehender Dachträgerstruktur und neuer Hülle entstehen spannungsvolle Gassenräume mit Zwischenklima für Foyer, Erschliessung und Begegnung. Das Foyer wirkt als thermische Übergangszone zwischen den Hörsälen und aussen. Es kann an kalten Tagen mit der Abwärme aus der hausinternen Kälteerzeugung auf eine Temperatur von 15 Grad geheizt werden. Die inneren Wände und das Dach sind als Holzmontagebau errichtet und bestehen aus hochwertig gedämmten Holzelementen, welche mit Brandschutzbekleidung werkseitig vorgefertigt wurden und dadurch in kurzer Zeit montiert werden konnten. Durch die neuen Innenwände, welche die energetischen Anforderungen erfüllen, konnten das Mauerwerk der bestehenden Gebäudehülle innen und aussen sowie der bestehende Stahlbau unverändert erhalten bleiben. Aussen sind aus energetischen Gründen und zum Schutz der bestehenden Sprossenverglasungen Vorfenster mit integriertem textilem Sonnenschutz angebracht. Sie sind Zeichen des Eingriffs und wirken wie Schaukästen, in denen die bestehenden Industrieverglasungen ausgestellt sind. Dachaufbau und Glasoberlicht, beide nicht mehr im Originalzustand, wurden in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege den heutigen technischen Anforderungen entsprechend neu erstellt. Das neue transluzente Glasoberlicht funktioniert als ‹Tagesleuchte› für die darunter angeordneten Hörsäle, so dass in diesen Räumen tagsüber auf Kunstlicht verzichtet werden kann. Montagelogistisch bildet die Errichtung des vorfabrizierten Holzbaus innerhalb eines denkmalgeschützten Bestands eine Herausforderung. Die gebäudehohen Holzelemente der

inneren Hörsaalkörper konnten über das Dach, zwischen den bestehenden Stahlträgern hindurch, in die Halle eingebracht werden, so dass der Holzeinbau innerhalb kürzester Zeit ablaufen konnte. Um die Lasten der neuen gedämmten Dacheindeckung aufnehmen zu können, wurden sämtliche Dachbinder durch aufgesetzte Stahlprofile verstärkt. Die Verstärkungen dienen gleichzeitig als Auflager für die neuen vorfabrizierten Deckenelemente in Holz. Sämtliche Verbindungen zwischen den Holzwänden und der Dachkonstruktion wurden aufgrund der Verformungen des Stahlbaus gleitend ausgebildet. Für die Umsetzung der komplexen Schnittstellen zwischen Stahlund Holzbau war eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Bau- und Holzbauingenieur beziehungsweise Stahlbau- und Holzbauunternehmung unabdingbar. Die Bekleidung zum Foyerraum besteht aus zementgebundenen Holzwerkstoffplatten in mittelgrauem Farbton, welche die Holzkonstruktion den Brandschutzvorschriften entsprechend schützen und den industriellen Charakter weitertragen. Diese Platten sind unbehandelt und unbeschnitten sichtbar verschraubt. Nach innen sind die Wände mit den gleichen Platten in beigegrauer Ausführung und hellerer Zementmischung beplankt, je nach Bedarf mit akustisch wirksamer Perforation. Die Decken sind in allen Hörsälen mit Akustik-Kühlelementen aus Metallblech belegt. Im Foyer ist die Hallendecke aus feuerpolizeilichen Gründen mit Gipsfaserplatten bekleidet und lasiert. Den Hallenboden bildet ein industrieller Hartbetonbelag, auf den Tribünen setzt sich die Materialität in Form von vorgefertigten Beton-Stufenelementen fort. Die dauerhafte Möblierung besteht aus Stühlen in gebeiztem Sperrholz und Schreibflächen in braungrün gebeizten, verleimten Eichenbrettern.


Situation

Dachaufbau von aussen: Welleternit 57 mm Lattung 60 mm Konterlattung 60 mm Unterdachbahn Rippenelement: mitteldichte Holzfaserplatte 15 mm Rippe 200 mm/Wärmedämmung Dreischichtplatte 27 mm Kühldecken-Elemente mit Unterkonstruktion 100 mm (Hörsaal) oder Gipsfaserplatte 12,5 mm (Foyer) Deckenaufbau von oben: Hartbeton geglättet, farblos imprägniert 80 mm Trennlage Trittschalldämmung 8 mm Wärmedämmung 50 mm Verbunddecke: Überbeton 150 mm Profilblech für Verbund Stahlkonstruktion 500 mm Abhängesystem/Dämmung 80 mm Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm Kühldecken-Elemente mit Unterkonstruktion 100 mm Aufbau Innenwand: Zementgebundene Spanplatte 18 mm Gipsfaserplatte 15 mm Ständer 180 mm/Wärmedämmung Gipsfaserplatte 15 mm Lattung/Wärmedämmung 50 mm Zementgebundene Spanplatte 18 mm

Detailschnitt

Aufbau Bodenplatte von oben: Hartbeton geglättet, farblos imprägniert 100 mm Trennlage Trittschalldämmung 8 mm Wärmedämmung 130 mm Feuchtigkeitssperre 10 mm Stahlbetondecke 250 mm Magerbeton 50 mm

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L채ngsschnitt

Erdgeschoss

Obergeschoss

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40 m


Ort Fabrikstrasse 6, 3012 Bern Bauherrschaft Kanton Bern, Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG) Architektur giuliani.hönger, Lorenzo Giuliani und Christian Hönger, Zürich; Projektteam: Julia Koch (Projektleitung ab 2008), Gabriele Oesterle (Projektleitung bis 2008), Bianca Hohl, Caroline Schönauer Baumanagement b + p Baurealisation, Zürich Bauleitung Eberhart Bauleitungen, Bern Bauingenieur Dr. Schwartz Consulting, Zug Holzbauingenieur Walter Bieler, Bonaduz Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Haustechnikplaner Amstein + Walthert, Bern Bauphysiker Bakus Bauphysik & Akustik, Zürich Holzbau Wenger Holzbau, Unterseen Materialien Bauholz: Rahmenbaukanteln 150 m3, schichtverleimtes Vollholz 70 m3, Brettschichtholz 68 m3; Platten: Dreischichtplatten 2610 m2, OSB 220 m2, Gipsfaserplatten 9170 m2, mitteldichte Holzfaserplatte 2265 m2, zementgebundene Spanplatte 4665 m2 Geschossfläche SIA 416 4367 m2 Gebäudevolumen SIA 416 26 185 m3 Bauzeit September 2007 – Mai 2010 Fotograf Walter Mair, Zürich

Querschnitt kleine Hörsäle

Querschnitt grosser Hörsaal


Sporthalle ‹Der Eisberg›, Grossmatt, Kirchberg Die Namensgebung der Sporthalle hat ihren Grund: Nur der oberste Teil ragt über das Terrain hinaus, das meiste bleibt darunter verborgen. Die sichtbare Spitze des Baukörpers funkelt im Sonnenlicht. Auf den glatten Flächen spiegelt sich die Umgebung. Teilweise sind sie so klar, dass der Blick tief ins Innere dringt. In der Nacht tritt der Bau leuchtend in Erscheinung. Die leichte, transparente, kubisch geschnittene Konstruktion der Sporthalle kontrastiert mit dem massiven, schweren, unregelmässig geformten Baukörper des Saalbaus, welcher der Sporthalle gegenüber steht. Die beiden Gebäude sind wichtig im öffentlichen Leben von Kirchberg. Sie stehen, trotz der unterschiedlichen Gestaltung, in starker Beziehung zueinander. Die Haupt- beziehungsweise Eingangsfassaden sind einander zugewandt. Die Gebäude ergänzen sich im Nutzungsangebot. Die Halle mit 54,4 m Länge, 39,5 m Breite und 11 m Höhe ist 6,5 m in das Erdreich abgesenkt. ⅔ des Volumens sind demnach unterirdisch angeordnet. Die Absenkung vermindert im Winter die Auskühlung und im Sommer die Überhitzung. Der aus dem Terrain ragende Gebäudeteil ist umlaufend verglast. Je nach Anforderung ist das Glas klar oder mit einer Mattfolie ausgerüstet. Die Glasfassaden ermöglichen eine optimale Nutzung des Tageslichts und schaffen damit ein angenehmes Raumklima. Die Fassadenbereiche mit transparentem Glas sind zum Beispiel als geschützte Aussenbereiche in das Gebäudevolumen eingezogen. Das Spielfeld ist in drei Teile trennbar und misst insgesamt rund 46 x 28 m. Längsseitig zur Halle

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befinden sich im Untergeschoss die Tribünen, welche via Foyer auf gleicher Ebene erreichbar sind. Hier werden für 260 Personen Plätze auf festen Tribünen geboten, für 340 Personen auf Ausziehtribünen. Weitere 400 Plätze stehen in den Foyers und auf den Galerien zur Verfügung. Wer sich hier aufhält, richtet seine Aufmerksamkeit auf das Geschehen in der Halle: Es entsteht eine Arena-Situation. Die Garderoben befinden sich kopfseitig des Spielfeldes und sind kompakt dreigeschossig angeordnet. Die Orientierung ist einfach. Jeder Garderobenbereich hat über eine Galerie eine Beziehung zur Halle, und die Installationswege sind entsprechend kurz. Im Aussenbereich der Sporthalle wurde ein Vereinslokal als eingeschossiger Holzelementbau errichtet, in dem auch ein Lager für Aussengeräte und ein WC untergebracht sind. Mit seiner Infrastruktur kann die Sporthalle Grossmatt von zahlreichen Vereinen aus der Region und von den Volksschulen genutzt werden, so unter anderem für Turniere, Trainingslager oder Veranstaltungen. Die eingesetzten Materialien wie Sichtbeton, Glas und Holz werden weitgehend unbehandelt gezeigt. Der blaue Hallenboden und der silberne Garderobenblock setzen dabei die Akzente. Die gesamte Konstruktion unter Terrain und der Bereich mit den Nassräumen kopfseitig des Spielfeldes sind in Massivbauweise ausgeführt. Die Dachkonstruktion und die Tragkonstruktion der Aussenwände sind in Holzbauweise erstellt. Über die kurze Seite des Spielfeldes sind einfeldrige Kastenträger mit einer Spannweite von 31,3 m in einem Abstand von 2,6 m angeordnet. Der obere Gurt ist in Brettschichtholz von 200 x 300 mm Querschnitt ausgebildet, der untere in Furnier-

schichtholz von 75 x 800 mm Querschnitt. Die Kastenseiten bilden zwei Rippen in Brettschichtholz von 100 x 1225 mm Querschnitt aus. Die Abfangung der Träger ist mit H-Profil-Stützen in Brettschichtholz gelöst (100/200/100 x 550 mm). In Längsrichtung sind zwischen einem Stützenpaar sechs Auskreuzungen mit Stahlzugstangen zur Stabilisierung eingebaut. In Querrichtung erfolgt diese mit den tribünenseitig angeordneten, eingespannten Stützen sowie durch das Anbinden der Dachscheibe an den massiven Garderobentrakt. Dazu ist die Dachfläche über Trägern mit grossformatigen Dreischichtplatten von 60 mm Dicke ausgebildet. Die Stützen im Bereich der Aussenwände bilden zudem die Tragkonstruktion für die Glasfassade, welche je nach Lage und Anforderung rahmenlos oder als Pfosten-Riegel-System mit maximalen Glasformaten von 4 x 1,7 m ausgeführt ist. Aufgrund ihrer Sensibilität auf Verformungen ist die zulässige Auslenkung oben auf gerade einmal 6 mm begrenzt. Die Sporthalle erfüllt den Minergie-Standard. Dabei kann die Lüftungsanlage auf verschiedene Belegungsdichten wie Schul- und Vereinssport sowie Anlässe mit wenigen oder sehr vielen Besuchern eingestellt werden. Die notwendige Wärmeerzeugung erfolgt über eine Grundwasserwärmepumpe und Sonnenkollektoren. Die erforderlichen Installationen wie Lüftungsrohre, Beleuchtung und auch Schallschutzelemente sind zwischen den Trägern eingebaut – so auch die Faltwände zur Trennung der Sporthalle, welche in hochgezogenem Zustand in speziell ausgebildeten Trägern verschwinden.


Querschnitt

20 m

L채ngsschnitt

Hallengeschoss

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Anschluss Binder an Stützen: Die Kastenträger sind gelenkig auf den Stützen gelagert und mit den Stahlteilen seitlich stabilisert. Die rund 1,6 m Auskragung im Vordach sind durch in der Dämmebene eingebaute Sticher im Verbund mit der Furnierschichtholzplatte ausgeführt.

Ort Neuhofstrasse 32, 3422 Kirchberg Bauherrschaft Einwohnergemeinde Kirchberg Architektur Arn + Partner AG Architekten ETH HTL SIA, Münchenbuchsee Bauingenieur Marchand + Partner AG, Bern HSL-Planer Strahm AG Ingenieure und Planer, Ittigen Elektroplaner Louis Stuber AG, Kichberg (Projekt), und Elektro Linder AG, Lyss (Ausführungsplanung) Fassadenplaner Buri, Müller + Partner GmbH, Kirchberg (Projekt), und Krapf AG Metall + Glas, Engelburg (Ausführungsplanung) Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Brawand Zimmerei AG, Grindelwald Materialien Sporthalle Bauholz: Rahmenbaukanteln 58 m3, Brettschichtholz 175 m3; Platten: Furnierschichtholz 37 m3, Dreischichtplatten 60 mm 1800 m2 und 40 mm 282 m2 Materialien Vereinslokal/Geräteraum Rahmenbaukanteln 12 m3; Platten: OSB 650 m2, Dreischichtplatten 27 mm 360 m2, Holzfaserdämmplatten 16 mm 165 m2 Anlagekosten BKP 1–9 CHF 9,76 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 7,5 Mio. davon BKP 214 CHF 915 000.– Geschossfläche 3400 m2 Kubatur SIA 116 25 600 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 310.– Bauzeit Juli 2004 – September 2005 Fotografie Jens Ellensohn Fotografie, Koblach (A)


Binderquerschnitt normal: Ein oberer Gurt in Brettschichtholz von 200 x 300 mm Querschnitt, ein unterer Gurt in Furnierschichtholz von 75 x 800 mm Querschnitt und zwei Rippen in Brettschichtholz von 100 x 1225 mm Querschnitt bilden den Kastentr채ger aus. Binderquerschnitt bei Faltwand: Die Vorrichtung zum Einziehen der Faltw채nde ist in den Bindern integriert, wozu hier die Rippen einen Abstand von 500 mm aufweisen. Zur Stabilisierung des Kastens sind Stahlrahmen im Querschnitt eingebaut.

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Neubau Schul- und Sporthalle, Schüpfheim Mit der Projektumsetzung der MoosmättiliHalle konnte für den Schulsport, aber auch für die zahlreichen Sportvereine in der Entlebucher Gemeinde Schüpfheim ein seit langem schon notwendiger Infrastrukturbau realisiert werden. Dass die Schulsporthalle mit einem Dachtragwerk aus Holz und einer Gebäudehülle in Holzrahmenbauweise realisiert werden konnte, ist einem eingehenden Entscheidungsfindungsprozess der kommunalen Gremien zu verdanken. Die neue Schulsporthalle steht in engem Bezug zum neu gebauten Primarschulhaus Moosmättili. Die klare, kubische Formsprache des Primarschulhauses wird in der Schulsporthalle weitergeführt. So entsteht ein Ganzes aus der harmonischen Beziehung der beiden Bauten. Durch die Positionierung der Schulsporthalle im Gelände wird ein angenehmes Verhältnis in den Proportionen der Baukörper erreicht. Die Schulsporthalle ist in zwei Gebäudekörper gegliedert. Das vorgelagerte zweigeschossige Volumen umfasst Foyer und Nebenräume und ist auf den Stirnseiten durch vertikale Fensterbänder von der Sporthalle optisch wirksam abgesetzt. Das grössere Volumen, welches den vorgelagerten Gebäudekörper in der Höhe überragt, erhält durch die als horizontales Band ausgestatteten Oberlichtfenster einen eigenständigen Ausdruck. In diesem Gebäudeteil befindet sich die Schulsporthalle, welche in zwei oder drei Einzelhallen unterteilbar ist. Mit der feingegliederten Gebäudehülle fügt sich die Schulsporthalle harmonisch in die bestehende bauliche Umgebung und in die dahinterliegende Landschaft ein. Sowohl an den Fassaden als auch am Grundriss sind die Funktionen der Schulsporthalle klar ablesbar. Das eingeschnittene Volumen des zweigeschossigen, vorgelagerten Gebäudekörpers dient als grosszügiger gedeckter Eingangsbereich. Zwischen der Moosmättilistrasse und der Schul-

sporthalle liegt als Auftakt ein grosser Vorplatz. Davor und auf der südlichen Seite des Gebäudes sind die Parkplätze angeordnet. Die Wegführungen zwischen Primarschulhaus und Sporthalle sind so aufeinander abgestimmt, dass sich daraus eine klar signalisierte und damit sichere Querung der Moosmättilistrasse ergibt. Durch die klare und funktionsgerechte Grundrissstruktur des Baus ist eine gute Orientierung für die Schüler, Sportler und Besucher gewährleistet. Das Foyer ist über zwei Geschosse geöffnet und empfängt die Ankommenden durch wohltuende Raumproportionen. Über Treppenanlagen im Foyer gelangen die Besucher ins Obergeschoss. An die Sporthalle direkt angegliedert sind die Geräteräume, wobei die Geräteräume von Halle 1 und 2 mit einfachen Vorkehrungen zu einem grossen Office umgenutzt werden können. Dieses Office lässt sich gegen Nordwesten durch ein Schiebetor für die Anlieferung eines Caterings öffnen. Zum Foyer hin öffnet sich ferner ein kleineres Office, welches unmittelbar an den Geräteraum von Halle 1 und 2 angrenzt und mit diesem je nach betrieblicher Notwendigkeit flexibel ergänzt werden kann. Die Toilettenanlagen sind im Bereich der zweiten Treppenanlage im Erdgeschoss plaziert. Das Obergeschoss öffnet sich mit einer Galerie zur Halle hin und lädt die Besucher ein, die Sportanlässe zu verfolgen. Des weiteren sind im oberen Geschoss je zwei Umkleideräume mit Duschen pro Einzelhalle sowie ein kleiner Theoriesaal und Räume für die Lehrerschaft angeordnet. Der Baukörper der Schulsporthalle zeichnet sich durch eine sanfte Holzfassade mit offener Front nach Südosten aus. Die Halle wird so mit viel Tageslicht von Südosten und über Oberlichtfenster auch von Nordwesten belichtet. Auf der Nordwestseite zur Moosmättilistrasse sind die Nebenräume und die Erschliessungsbereiche angeordnet. Die Wegführung wird durch einen

gesteuerten natürlichen Lichteinfall unterstützt. Der Aussenbereich mit viel Grün zwischen Primarschulhaus und Schulsporthalle zeugt von urbaner Lebensqualität. Die Schulsporthalle ist ein Holzbau mit einem massiven Nebentrakt für die Nasszellen. Die Fassade trägt ein einheimisches Holzkleid aus dem Biosphärenwald Entlebuch. Zudem ist die Holzhülle mit einer Farblasur versehen, welche mit dem Farbton der Fassade des Primarschulhauses abgestimmt ist. Somit entsteht ein feines Spiel zwischen Farbtönen und kubischen Baukörpern. Die Schulsporthalle erscheint also einerseits als charakterstarkes Gebäude und strahlt andererseits eine spielerische, sanfte Wärme aus. Die unterteilbare Dreifachturnhalle mit einer Breite von 28,9 m wird in Querrichtung von Zwillingsträgern in Brettschichtholz überspannt, wobei die Einzelquerschnitte 200 x 2200 mm bei einem Binderabstand von 8,3 m betragen. Die Binder wiesen eine Überhöhung bei Montage von 300 mm auf. In der Endform reduziert sich die Überhöhung infolge Verformung auf 220 mm, was gleichzeitig das Dachgefälle ausbildet. Darüber spannen als Einfeldträger Rippenelemente aus Brettschichtholz und OSB-Platten, wodurch gleichzeitig die Aussteifung der Dachebene erfolgt. Die Lagerung der Zwillingsträger erfolgt einseitig auf dem massiven Annexbau, in der anderen Längsfassade lagern sie auf Stützen in Brettschichtholz. Zur Stabilisierung tragen auch die Stirnwände der Halle, zwei rund 3,5 m lange Stützwände in der einen Längsfassade und die zweite Längsfassade beim Annexbau in Massivbauweise bei. Bei den drei Aussenwänden, die in Holzrahmenbauweise vorfabriziert wurden, besteht die innere Beplankung aus Dreischichtplatten.


Situation

Querschnitt

Erdgeschoss

20 m

Obergeschoss

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Details Zwillingsträger: Dreimal ist der Zwillingsträger mit vollflächig verleimten Distanzbrettern gekoppelt (links), zweimal sind die beiden Träger über eine Distanzhalterung verbunden (rechts), um im Zwischenraum die Trennvorhänge und deren Führung unterzubringen.

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Dachaufbau von aussen: Extensivbegrünung Dichtungsbahn Dämmung 160 mm Dampfsperre Rippenelement: OSB 22 mm Rippen 80 x 400 mm Träger 2 x 200 x 2200 mm Akustikelemente zwischen Rippen: Traglatten 60 mm/Dämmung 30 mm Vlies schwarz Täfer Fichte/Tanne sägeroh 15 x 105 mm, Abstand 25 mm Aufbau Aussenwand von innen: Dreischichtplatte 27 mm, luftdicht Ständer 240 mm/Dämmung Fassadenbahn schwarz Lattung 40 mm Rhomboidschalung in Fichte 27 x 140 mm, farbig gestrichen Binderstützen 400 x 493 mm oder 2 x 200 x 466 mm

Ort Moosmättili 2, 6170 Schüpfheim Bauherrschaft Einwohnergemeinde Schüpfheim Architektur Jeannette Stalder Vetter, dipl. Architektin HTL, Atelier für Architektur & Gestaltung AG, Luzern Bauleitung Benno Baumeler, dipl. Arch. ETH/SIA/FSAI, Wolhusen Bauingenieur Manfred Aregger AG, Hasle Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Holzbau Erni AG, Schongau (Tragwerk), sowie ARGE Zimmerei Stalder AG, Schüpfheim, und Josef Wicki Holzbau, Marbach (Fassade und Akustikdecke) Materialien Bauholz rund 300 m3, Akustikdecke in Holz rund 1100 m2, Fassadenbekleidung in Holz rund 1500 m2 Baukosten BKP 2 CHF 5,35 Mio. davon BKP 214 CHF 0,91 Mio. Grundstücksfläche SIA 416 31 779 m2 Geschossfläche SIA 416 2770 m2 Gebäudevolumen SIA 416 20 475 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 261.– Bauzeit April 2008 – August 2009 Fotografie Atelier für Architektur & Gestaltung AG, Luzern


Überbauung Schärerareal, Neubau Mehrzweckhalle, Murgenthal Über viele Jahre wurden in Murgenthal Vereinsund Sportanlässe sowie Gemeindeversammlungen in der Turnhalle von 1931 abgehalten. 1981/1982 war diese renoviert und saniert worden. Doch vor einigen Jahren wurde immer deutlicher, dass die gegebenen Räumlichkeiten nicht mehr den Bedürfnissen der Schule und der Vereine entsprachen. Nach der Übernahme des Schärerareals führte die Gemeinde ab 2002 einen Wettbewerb in einem zweistufigen Verfahren durch. Daraus ging das Projekt ‹Xylos› der Aarauer Architekten Hertig Noetzli Wagner zur Weiterbearbeitung hervor. Waren im Wettbewerb neben der Mehrzweckhalle auch noch ein Feuerwehrmagazin sowie ein Kindergarten und ein Gebäude für den Jugendtreff zu planen, so beschränkte sich das Raumprogramm in der Weiterbearbeitung auf die eigentliche Mehrzweckhalle und deren Nebenräume. Zusammen mit einer Planungskommission unter der Leitung von Gemeinderat Fritz Indermühle arbeiteten die Architekten das Projekt und den Kostenvoranschlag aus. Im Verlauf der Projektierung wurde auf einen Raum für Luftgewehrschiessen im Untergeschoss und den Samariterraum aus Kostengründen verzichtet. An einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung im Februar 2005 wurde der Ausführungskredit in der Höhe von 5,8 Millionen Franken gesprochen. Darin eingeschlossen waren auch die Mehrkosten für eine Holzschnitzelheizung. Auf Wunsch des Gemeinderates kam es anschliessend zu einer Generalunternehmersubmission. Mit dem Abbruch der alten Gebäude fiel im Februar 2006 der Startschuss. Nach dem Aushub und der Baugrubensicherung wurden im Mai 2006 56 Betonpfähle in den schlechten Baugrund gerammt. Danach konnte mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen werden. In der nassen zweiten Augusthälfte wurde die Halle im vorgefertigten Holzelementbau aufgerichtet. Ende September 2006 fand in der alten Turnhalle das Aufrichtefest statt. Nach der Inbetriebnahme der Holzschnitzelheizung Anfang November fand in den Wintermonaten der Innenausbau

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statt. Die Mehrzweckhalle konnte Ende Mai 2007 der Bauherrschaft übergeben werden. Mit einem scheinbar schwebenden, weit ausladenden Vordach holt die neue Mehrzweckhalle die Besucher ab und führt sie in den Foyerbereich. Dessen transparente Längsfront öffnet sich auf den grosszügigen Eingangsvorplatz, der so ausgelegt ist, dass darauf auch Dorffeste gefeiert werden können. Die Halle entspricht in ihren Abmessungen den Erfordernissen des Schul- und Vereinsturnens. Eine einfache Bühne, ein Küchen-Office und das Eingangsfoyer ermöglichen eine vielfältige Nutzung für gesellschaftliche und kulturelle Anlässe. Der Ausblick auf den ruhigen Grünhof und zur Waldkulisse verleiht dem Raum eine besondere Qualität. Das Gebäude liegt in unmittelbarer Nähe zum Schulgebäude und zum Gemeindehaus. Der südwestliche Teil des Geländes wurde frei belassen und dient als Reservefläche für weitere öffentliche Nutzungen, etwa für den ursprünglich vorgesehenen Kindergarten oder ein Jugendlokal. Der Baukörper erstreckt sich parallel zum Rothkanal und zur bewaldeten Hangkante und ist, entsprechend den unterschiedlichen Raumhöhen, in zwei ineinander verschränkte, einfache Kuben gegliedert. Die Fassadenverkleidung aus horizontalen Lärchenleisten erinnert daran, dass vor nicht langer Zeit auf dem Schärerareal noch Stapel aus zu Brettern gesägten Baumstämmen lagerten. Doch nicht nur an der Oberfläche wurde Holz verwendet: Bis auf die beiden Stirnwände der Halle wurden alle über Terrain liegenden Bauteile in Holzelementbauweise erstellt. Das erforderte von allen Beteiligten eine präzise Planung und zahlte sich durch eine kurze Bauzeit aus. Die Baukommission, die Architekten, die Fachplaner und die ausführende Generalunternehmung arbeiteten intensiv zusammen, so dass ein qualitätsvoller Bau mit einem vernünftigen Kostenaufwand erstellt werden konnte. Die Palette der verwendeten Materialien wurde bewusst eingeschränkt. Ein einheitlich sandfarbener Bodenbelag aus Polyurethan erstreckt sich durch das ganze Gebäude. An der Hallendecke erscheinen die Fassadenelemente wieder als

Akustikdecke. Die verwendeten Grüntöne kontrastieren mit dem Lärchenholz und verbinden den Bau mit der Waldkulisse. An den Aussenfassaden, wo der natürliche Bewitterungsprozess den Farbton des Lärchenholzes in Richtung Grau verschiebt, wurden die offenen Fugen zwischen den Leisten mit einer ziegelroten Folie hinterlegt. Die Aussenmasse der Mehrzweckhalle betragen inklusive Bühne und Geräteraum 40,5 m Länge, 15,7 m Breite und 8,4 m Höhe. In Längsrichtung erscheint der Baukörper sechsteilig, mit einem Bühnenfeld Richtung Norden, vier Feldern der eigentlichen Halle und einem Feld mit weniger Bauhöhe für den Geräteraum. Diese Unterteilung wird von querlaufenden Tragwerksteilen aufgenommen: Über die Halle spannen knapp 2,0 m hohe Fachwerkträger die 15 m frei, gelagert auf Pendelstützen in Stahlbeton. Im Übergang zur Bühne, nordseitig, ist eine Betonwand bis unter das Dach hochgezogen. Im südseitigen Übergang reicht die Betonwand nur bis zum Abschluss des Geräteraums. Darüber verläuft eine Holzrahmenbauwand bis unter das Dach weiter, so wie auch bei allen anderen Aussenwänden. Als Dachelemente dienen über der Halle 340 mm hohe Rippenelemente, welche zwischen die Träger eingehängt sind. Über dem Geräteraum und der Bühne wechselt der Aufbau zu Kastenelementen, wobei bei der Bühne eine stärkere untere, 42 mm dicke Beplankung aus Dreischichtplatten eingesetzt wurde, an der die diversen Bühneninstallationen direkt montiert sind. Im Bereich des Foyers und Eingangsbereichs bildet ein 600 mm hoher Träger in Brettschichtholz das äussere Auflager für das Dach und den Unterstand. Rückseitig bilden die Hallenwände sowie im Aussenbereich IPE-Träger das Auflager für die 187 mm hohen Brettstapelelemente. Die Gesamtstabilität wird mit der Dachscheibe und den Wandscheiben in Beton und Holzbauweise erbracht. Bei den Holzrahmenbauwänden besteht die innere Beplankung aus einer Dreischichtplatte, welche partiell gelocht und mit Akustikdämmung hinterlegt ist, um den akustischen Anforderungen gerecht zu werden.


Querschnitt

L채ngsschnitt

20 m

Untergeschoss

Erdgeschoss

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Ort Friedrichstrasse 4, 4853 Murgenthal Bauherrschaft Gemeinde Murgenthal Architektur Hertig Noetzli Architekten, Aarau Generalunternehmer Gross Generalunternehmung AG, Brugg Bauingenieur Rothpletz & Lienhard Cie AG, Aarau Akustik Bruno Gandet, Baden Bauakustik Zimmermann + Leuthe, Aetikofen Elektroingenieur Herzog Kull Group, Aarau HLKS-Ingenieur IKP Iten, Kaltenrieder + Partner AG, Münchenbuchsee Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzberatung Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Meienberger Holzbau Technik, Murgenthal, und Hector Egger Holzbau AG, Langenthal Materialien Bauholz: Rahmenbaukanteln 66 m3, Brettschichtholz 31 m3, Brettstapelelemente 185 mm 186 m2; Platten: Dreischichtplatten 19 mm 80 m2, 27 mm 526 m2 und 42 mm 109 m2, OSB 15 mm 663 m2 und 22 mm 862 m2, diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 569 m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 6,10 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 4,33 Mio. davon BKP 214 CHF 479 000.– Geschossfläche SIA 416 1531 m2 Gebäudevolumen SIA 416 8010 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 541.– Bauzeit Februar 2006 – Mai 2007 Fotograf Jiří Vurma, Aarau

Isometrie

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Dachaufbau von aussen, Ebene Obergurt des Fachwerks: Extensivsubstrat 30 – 90 mm/Randbereich Kies Schutzbahn 20 mm Dichtungsbahn Dämmung 200 mm Dampfsperre Rippenelement: OSB 22 mm Rippen 300 mm Aufbau Zwischendecke von oben, Ebene Untergurt des Fachwerks: Rippenelement: OSB 15 mm Rippen 240 mm Lattung 30 mm/Dämmung Vlies schwarz Akustikschalung in Lärche 20 mm Aufbau Aussenwand von innen: Dreischichtplatte 30 mm Ständer 240 mm/Dämmung Fassadenplatte 15 mm Fassadenbahn rot Lattung 40 mm mit Nageldichtung Schalung in Lärche 27 mm

Fassadenschnitt

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Dachsanierung der Eishalle im Sportzentrum, Zuchwil Die Eissporthalle Zuchwil weist einen Grundriss von 81,5 x 63 m auf. Im Zuge einer periodischen Überprüfung des bestehenden Tragwerks wurden Schäden festgestellt. Das Tragwerk und die Rückverankerungen der Stahlabspannungen gewährleisteten die erforderliche Tragsicherheit nicht mehr. In der Folge wurde der Ersatz des Eishallendaches ins Auge gefasst. Die realisierte Lösung entsprang einem Wettbewerb mit drei Planerteams, welche verschiedene Varianten in Holz und Stahl vorschlugen. An Nord- und Südseite sollten die Nagelplattenbinder der Dächer und die Wände der ursprünglichen Konstruktion erhalten bleiben. Somit konnten komplizierte Anpassungsarbeiten an die angrenzenden Nebendächer des Eingangbereiches und des Hallenbades vermieden werden. Über dem Eisfeld und den angrenzenden Westund Osttribünen wurde ein neues Tragwerk erstellt, das aufgrund des erforderlichen Lichtraumprofils 2,5 m höher liegt als die frühere Dachkonstruktion. Bei 12,5 Grad Dachneigung galt es 41,5 m frei zu überspannen, was jetzt Fachwerke in der Form eines Fischbauches im Abstand von 10,2 m mit einer statischen Höhe von 4,9 m übernehmen. Die Fachwerke bestehen aus Brettschichtholz; für die Anschlüsse und Verbindungen sind eingeklebte Gewindestangen im Einsatz. Die frühere Konstruktion wurde südseitig im Abstand von 20,4 m über Pylonen in Stahlbeton abgespannt. Zwischen diesen Pylonen, nun jedoch in der Höhe auf das neue Dachprofil zurückgeschnitten, sind als Fachwerke ausgebildete Abfangträger in Brettschichtholz angeordnet,

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auf welchen die Fischbauchfachwerke lagern. Nordseitig wurde vor dem bestehenden Sprengwerk, das nach wie vor als Auflager für ein Nebendach dient, eine zusätzliche Auflagerkonstruktion erstellt. Vor die bestehenden Stahlstützen, die im selben Raster wie die Pylonen stehen, sind nun zusätzliche Stahlhohlprofile gestellt. Darüber ist ein neues Sprengwerk in Brettschichtholz aufgelagert, welches als Abfangkonstruktion für die Fischbauchfachwerke dient. Über den Fischbauchträgern sind Sparrenpfetten als Einfeldträger angeordnet beziehungsweise als Zweifeldträger mit seitlicher Auskragung über den äussersten Feldern. Beim neu entstandenen Dachversatz bilden Holztafelwände die Gebäudehülle aus. Die Dachkonstruktion beim Tribünenbereich West und Ost ist einerseits an diesen Holztafelwänden aufgehängt und anderseits auf den bestehenden Giebelwänden aufgelagert. Als Dacheindeckung dienen Wellplatten aus Faserzement; bei der Nordwand besteht die Fassadenbekleidung aus glatten Faserzementplatten. Der Dachversatz an West-, Ost- und Südseite ist mit Lamellen aus Faserzement bekleidet. Für die Aufnahme der Wind- und Erdbebenkräfte und für die seitliche Stabilisierung der Fischbauchträger wurden Windverbände in der Dachebene integriert. Sie sind unterhalb der Sparrenpfetten angeordnet und mit verschraubbaren Stahlteilen angeschlossen, welche wiederum mit eingeklebten Gewindestangen an die Obergurte des Fachwerks befestigt sind. Horizontale Einwirkungen in Ost-West-

Richtung werden über die südseitige rahmenbildende Konstruktion – kraftschlüssiger Anschluss der Gurten der Abfangfachwerke an die Pylonen – in die Fundamente geleitet. In Nord-Süd-Richtung sind die alten Brettschichtholzträger mit den Betonauflagern, welche bei der alten Halle als Rückverankerung der Abspannkabel dienten, kraftschlüssig verbunden. In Eissporthallen mit niedrigen Innenraumtemperaturen kann es schnell zu Kondensat kommen. Deshalb wurde in der Halle eine Luftentfeuchtungsanlage installiert, und das Klima wird nun permanent elektronisch überwacht. Damit wird die Luftfeuchtigkeit auf ein für die Bausubstanz erträgliches Mass gesenkt. Trotzdem mussten die Bauteile in Holz für eine Nutzung in der Feuchteklasse 3 ausgeführt und bemessen werden. So wurden als Klebstoff für das Brettschichtholz Polyurethan und Melamin-Formaldehydharz verwendet, stabförmige Verbindungsmittel mit kleinen Durchmessern wurden in Edelstahl ausgeführt, oder Stahlbauteile wurden mit mehreren Anstrichen versehen, damit die Behandlung der Korrosivitätskategorie C3 entsprach. Für die Demontage der alten Konstruktion und die Montage der neuen Dachkonstruktion stand ein grosser Oberdreherkran zur Verfügung. Zusätzlich wurde für die Montage der Fischbauch- und Längsfachwerke ein grosser Mobilkran als Unterstützung eingesetzt. Die angelieferten Bauteile waren weitestmöglich vorgefertigt. Die über 40 m langen Fischbauchträger wurden zweiteilig transportiert, mit dem Kran eingehoben und beim mittigen Montagestoss endmontiert.


Die gesamte Dachsanierung wurde in einem engen zeitlichen Rahmen realisiert. Von den Vorabklärungen über das Bauprojekt bis zur Ausführungsplanung standen nur gerade vier Monate zur Verfügung. Die ersten Vorbereitungsarbeiten auf der Baustelle begannen dann im Februar 2009. Mit den Abbrucharbeiten konnte erst nach Beendigung der Eissaison im März begonnen werden. Die Montage der neuen Konstruktion begann im Juni; schon im September 2009 wurde der Betrieb der Eissporthalle wiederaufgenommen.

Ort Amselweg 59 – 61, 4528 Zuchwil Bauherrschaft Einwohnergemeinde Zuchwil Planung und Bauleitung ZSB Architekten SIA AG, Oensingen Bauingenieur Emch + Berger AG, Solothurn Bauphysik Gartenmann Engineering AG, Bern Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See, und Holzing Maeder GmbH, Evilard Holzbau Zaugg AG, Rohrbach, mit Hüsser Holzleimbau AG, Bremgarten, und Ducret SA, Orges Materialien Bauholz: Rahmenbaukanteln 40 m3, Brettschichtholz 482 m3; OSB 3100 m2 Baukosten BKP 2–5 CHF 5,67 Mio. (Dachersatz), CHF 0,35 Mio. (Notmassnahmen) davon BKP 214 CHF 1,17 Mio. (Dachersatz) Nettogeschossfläche 4760 m2 Bauzeit März – September 2009 (Dachersatz), Oktober 2008 – Februar 2009 (Notmassnahmen) Fotografie ZSB Architekten SIA AG, Oensingen

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Grundriss

L채ngsschnitt

Ansicht Querfachwerk zwischen Pylonen

Ansicht Querfachwerk nordseitig

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20 m


Querschnitt Nebendach

20 m

Querschnitt Hauptfachwerk

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Reithalle, Aarau Die Reithalle orientiert sich entlang der ehemaligen 300-Meter-Schiessanlage und nimmt gleichzeitig Rücksicht auf die vorhandene Vegetation und die unterschiedlichen Bodenverhältnisse, bedingt durch die Auffüllung des alten Aarelaufes. Dabei ist das Konzept für die Reithalle auf Wirtschaftlichkeit durch kompakte Bauweise und auf Optimierung der betrieblichen Abläufe ausgelegt. Der Schachen in Aarau, ein ausgedehntes Exerzier- und Festgelände im Westen der Stadt, wurde mit der Regulierung des Aarelaufes auch Ort für permanente Anlagen. Nach dem Ausbau der Pferderennbahn, der Schiessanlage und des Leichtathletikstadions kam 1954 der Neubau des Schwimmbades dazu. Weitere Bauten mit öffentlicher Nutzung schlossen sich an, so etwa die Sporthalle 1965. Zu Beginn der neunziger Jahre wurde der Betrieb der Schiessanlage eingestellt, da sie die Lärmschutzverordnung nicht mehr erfüllte. Die Zufahrt zum Areal erfolgt über die bestehende Schwimmbadstrasse. Die Parkplätze für Personenwagen befinden sich nördlich der Reithalle in unmittelbarer Nähe der beiden Haupteingänge. Durch diese Massnahme bleibt der Reitbetrieb frei von störendem Verkehr. Die Abstellplätze für Pferdetransporter befinden sich südlich der Reithalle in unmittelbarer Nähe der rückwärtigen Eingänge. Das Erschliessungssystem bildet sowohl für Personenwagen als auch für Pferdetransporter einen Kreisverkehr für einen reibungslosen Fluss. Die Aussenmasse der eingeschossigen Halle betragen 81,4 x 32,6 m x 10,4 m (Länge x Breite x Höhe). Dieses stattliche Volumen scheint über dem Sockel zu schweben. Durch die

Polykarbonat-Doppelstegplatten ist die Tragkonstruktion kaum zu erkennen. Von der Seite gesehen, erscheint die Fassade flächig glänzend; bei frontaler Aufsicht zeichnet sich eine zarte, filigrane Struktur ab. Das Kunststoffmaterial lässt das Licht gefiltert ins Halleninnere, so dass es nicht blendet und eine angenehme Atmosphäre schafft. Die senkrecht angeordneten Kunststoffplatten, durch Nut und Feder miteinander verbunden, sind am Fusspunkt fest eingespannt, oben dagegen lose gefasst, um thermische Längenänderungen zu ermöglichen. Von aussen unsichtbar sind die Platten mit Metallprofilen an schmale, mit Stahlstäben abgehängte Fassadenriegel geklammert. Der Sockelbereich ist mit grossflächigen Holzwerkstoffplatten bekleidet. Diese sind sichtbar geschraubt und können bei Beschädigung ohne grossen Aufwand durch den Benutzer ersetzt werden. Die gewählte Fassadenplatte zeichnet sich nicht nur durch ihre Wetterfestigkeit, sondern auch durch ihr ausgezeichnetes PreisLeistungs-Verhältnis aus. Ihre Oberfläche ist aussergewöhnlich glatt und geschlossen; die Verschmutzung wird dadurch minimiert. Die Platten einschliesslich der Schraubenlöcher wurden mit Lasertechnik nach den individuellen Plänen zugeschnitten und konfektioniert. Durch den Laserzuschnitt wurden die Kanten nicht nur veredelt, sondern auch versiegelt. Längsseitig ist ein zweigeschossiger Einbau als sichtbares Betonvolumen in die Halle ‹hineingestellt›. Hier sind die Restauration, die Tribüne, die Treppenhäuser, ein Juryraum sowie Räume für Technik und Gebäudeunterhalt untergebracht. Über die beiden Eingänge bei den Parkplätzen, durch die Halle und weiter über die

zwei Treppenanlagen gelangt der Zuschauer ins Obergeschoss mit der Restauration und dem Juryraum. Hier wird die Aussicht auf die Reitbahn zum Raumerlebnis. Das primäre Tragwerk bilden 15 Fachwerkträger auf Pendelstützen in einem Abstand von 5,05 m. Die 2,70 m hohen Fachwerkträger in Brettschichtholz spannen über 32 m und sind mit einem Dachgefälle von 1,5 % versehen. Rippenplatten, bestehend aus OSB-Platten von 18 mm Stärke und Rippen mit einem Querschnitt von 60 x 180 mm, bilden die Dachscheibe aus. Im nordseitigen, massiven Einbau werden die Horizontalkräfte in Querrichtung der Halle und die Längskräfte der Nordfassade abgegeben. Südseitig werden die längs wirkenden Horizontalkräfte mit Zugstangen in den Betonriegel abgegeben. Einzelne Bauteile des eingebauten Betonvolumens sind ebenfalls in Holzbauweise ausgeführt. Kastenelemente bilden die oberste Decke, welche über 3,90 m zwischen den Aussenwandelementen und auf Holzstützen mit Glasbekleidung spannen. Im Gegensatz zur ungedämmten Halle ist dieser Raum mit Restauration und Jurybereich 100 –120 mm gedämmt, womit eine minimale Temperaturstabilität erreicht wird.


Situation

Ort Schwimmbadstrasse 9, 5000 Aarau Bauherrschaft Kavallerie- und Reitverein Aarau und Umgebung, Aarau Architektur Andreas Marti und Partner, Aarau; Mitarbeit: Andreas Marti, Lukas Kaiser, Bianka Wirtz Bauingenieur Rothpletz Lienhard + Cie, Aarau Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzberatung Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Hecht Holzbau AG, Sursee Materialien Konstruktionsholz: Brettschichtholz für Fachwerkträger 98 m3, Brettschichtholz für Stützen und Riegel 61 m3, Rahmenbaukanteln 98 m3; Platten: OSB-Platten 3580 m2, Gipsfaserplatten 270 m2; Fassadenbekleidung: Holzwerkstoffplatten 670 m2 Baukosten BKP 2 CHF 2,29 Mio. davon BKP 214 CHF 720 000.– Gebäudegrundfläche 2392 m2 Gebäudevolumen 2233 m3 (Restaurant, Tribüne), 27 197 m3 (Reithalle) Bauzeit März – November 2008 (Gesamtbauzeit), Juli – September 2008 (Holzbau) Fotograf René Rötheli, Baden


Dachaufbau von aussen: Kies 20 mm Bitumenbahn beschiefert Rippenplatte: OSB-Platte 22 mm Rippen 140 mm Obergurte 360 mm x 460 mm des Fachwerkträgers Aufbau Decken von oben Büro und Juryraum: Kastenelement: OSB-Platte 15 mm Rippen 200 mm/Dämmung 100 mm OSB-Platte 15 mm Aufbau Fassade im OG von aussen: Polykarbonatplatte 20 mm Riegel 80 x 160 mm Stützen in BSH 300 mm x 200 mm/Luftschicht OSB-Platte 19 mm Ständer 220 mm/Dämmung 120 mm OSB-Platte 25 mm Aufbau Fassade im EG von aussen: Holzwerkstoffplatte 18 mm, gestrichen Riegel 60 x 160 mm Stützen in BSH 460 mm x 200 mm

Fassadenschnitt


L채ngsschnitt

Obergeschoss

Erdgeschoss

20 m


Bürogebäude Hug AG, Malters Das neue Bürogebäude ist an der Neumühlestrasse situiert, östlich des bestehenden Produktionsgebäudes. Selbstbewusst und selbstverständlich reagiert der Neubau mit seinem Solitärcharakter und dem markanten Volumen auf die unterschiedliche Bedeutung der beiden Strassenräume. Der strenge, rechteckige, ost-westlich orientierte Baukörper vermeidet jegliche Anpassung an die angrenzende Produktion und steht somit klar zu seiner Nutzung. Über den Eingang an der Neumühlestrasse gelangen Besucher und Mitarbeiter in das Gebäude. Eine offen gestaltete Halle beherbergt das Besucherzentrum als öffentlichen Bereich. Hier findet man den ‹Hug-Träff›, den im November 2011 eröffneten ‹Chnusper-Laden› sowie das Forum für Schulung und Konferenzen. In der Mitte des Eingangsgeschosses werden Gäste an der Rezeption empfangen. Im Erdgeschoss sowie im Obergeschoss befinden sich Büro- und Besprechungsräume mit Arbeitsplätzen für insgesamt 80 Mitarbeitende. Das Hug-Leitbild sieht die Firmenkultur geprägt von einer offenen und transparenten Kommunikation. Die Architektur der Büroetage fördert das gute Arbeitsklima durch eine offene Bürolandschaft im Verbund mit zahlreichen Begegnungsflächen. Die Tragkonstruktion des Gebäudes erlaubt eine variable Raumaufteilung ohne fixe Zwischenwände. Prägendes Element ist der Innenhof, ein offener Raum in der Gebäudemitte mit einem grossen Dachflächenfenster, um den die Bürolandschaft angeordnet ist. Gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen wie der Rückzugs- und Besprechungsbereich mit Kaffeebar und Postfächern liegen zwischen dem Atrium und der Fassade mit dem Panoramafenster. Eine spezielle Treppenarchitektur trägt wesentlich zur

Kommunikationskultur im Unternehmen bei. Ein auffälliges Mittelpodest fördert bewusst die zufällige Interaktion im Alltag – die Treppe wird zum spontanen Sitzungszimmer. Im Konsens mit der Bauherrschaft stand beim Büroneubau keine prestigeträchtige Innenarchitektur im Vordergrund. Um die Nähe unter den Mitarbeitenden in der Produktion und im Büro zu visualisieren, wurde vielmehr die Anlehnung an die Bauweise von Fabrikneubauten gesucht: offene Leitungsführung, keine abgehängten Decken, funktionale Materialien und schlichte Oberflächen. Diese Überlegung war der Ausgangspunkt für die Ausführung der Akustikdecke, der Deckensegel, der Pendelwände sowie des Holz- und Schieferbodens im Erdgeschoss. Für alle Oberflächen der Möblierung wurde ein warmer Weisston gewählt. Die Akustikdecke in Kombination mit den Absorptionsflächen der Deckensegel und den Schallpaneelen zwischen den Arbeitsplätzen reduziert Störgeräusche auf ein Minimum. Die Gebäudehülle sowie das Energie- und Haustechnikkonzept sind auf den MinergieStandard und auf lokal verfügbare Energiequellen ausgelegt. So dient als Grundlage für die Wärmebedarfsdeckung des Neubaus die Abwärme aus der Kältemaschine der Tartelettes-Produktionsanlage in einem Betriebsgebäude. Die Abwärme wird in Wärmespeichern im Untergeschoss abgepuffert, um auch während Produktionspausen die benötigte Wärmemenge bereitzustellen. Die Raumkühlung wird mit der Nutzung von Grundwasser über die Flächenheizung und mittels Akustikdecken mit zusätzlichen Kühlelementen realisiert. Als Schnittstelle ist ein zusätzlicher Wärmetauscher eingebaut, welcher die von der Fussbodenheizung und Kühldeckenelementen aufgenommene Wärme an das Medium Grundwasser

abgibt und eine sogenannte ‹stille Kühlung› über diese Bauteilflächen bewirkt. Für die Komfort-Bürolüftung wird die Aussenluft über die Fassade gefasst. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen wurde auf ein Erdregister für die Luftvorwärmung verzichtet. Dafür kommen dezentrale Lüftungsgeräte mit rund 90 % Wärmerückgewinnung zum Einsatz. Frische, gefilterte Luft wird in die inneren Zonen eingebracht und mittels sichtbarer Düsenrohre verteilt. Die verbrauchte Luft wird im Fassadenbereich wieder abgesaugt. Dieses Konzept gewährleistet jederzeit die Individualität und Unabhängigkeit innerhalb der offenen Bürolandschaft. Über dem massiven Untergeschoss besteht das Tragwerk aus Geschossdecken in Stahlbeton, betonierten Stützen entlang der Längsfassaden sowie massiv ausgeführten Treppenhaus- und Nasszonen. Dagegen sind die nichttragenden Fassaden in Holzrahmenbauweise mit einer Dämmstärke von 220 mm ausgeführt, um dem Minergie-Standard auch in der Gebäudehülle zu entsprechen. Dieses Gesamtkonzept sorgt für ein Höchstmass an Energieeffizienz: Der Heizwärmebedarf liegt bei 40 kWh/m2a.

Situation


L채ngsschnitt

20 m

Erdgeschoss

Obergeschoss

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Ort Neumühlestrasse 4, 6102 Malters Bauherrschaft Hug AG Planung und Gestaltung Christian Kohler AG front office design, Basel: Christian Kohler, Innenarchitekt; Hug AG, Malters: Edi Renggli, Künstler und Farbberater; Renato Lampugnani, Landschaftsarchitekt, Malters; Renggli AG, Sursee: Simone Pretelli, Architekt HTL Generalunternehmung Renggli AG, Sursee Bauingenieur Berchtold + Eicher, Zug Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Holzbau Renggli AG, Schötz Materialien Rahmenbaukanteln 47 m3; Platten: Flachpressplatten 1540 m2, Dreischichtplatten 144 m2, Gipskartonplatten 682 m2; Akustikplatten 1744 m2; Fassadenbekleidung: Schalung in Schweizer Tanne 780 m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 6,5 Mio. davon BKP 214 CHF 0,58 Mio. Geschossfläche SIA 416 3276 m2 Gebäudevolumen SIA 116 12 688 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 512.– Bauzeit März – Dezember 2006 Fotografie Renggli AG, Sursee

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Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 80 mm Drainagevlies Dachbahnen Wärmedämmung 220 mm Dichtungsbahn Stahlbetondecke 360 mm Lattung 30 mm /Akustikdämmung Akustikplatte 25 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag 10 mm Anhydrit-Unterlagsboden 70 mm Trennlage Trittschalldämmplatte 20 mm Wärmedämmung 40 mm Stahlbetondecke 360 mm Lattung 30 mm /Akustikdämmung Akustikplatte 25 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 12,5 mm Dampfbremse Flachpressplatte 15 mm Ständer 220 mm/Dämmung Flachpressplatte 15 mm Lattung 50 mm Schalung 22 mm

Fassadenschnitt


Werkstatt- und Wohnatelier Storni, Meilen Oberhalb von Meilen liegt der Weiler Burg. Das geschützte Ortsbild und insbesondere die Burg Friedberg gehen bis auf das Jahr 1200 zurück. Nach einem Brand galt es, zwei etwa hundertjährige Scheunenteile in unmittelbarer Nachbarschaft des historischen Ensembles im Sinne eines Ersatzbaus/Wiederaufbaus neu zu erstellen. Ursprünglich landwirtschaftlich, dann als Teil eines Werkhofs genutzt, sollte der Neubau sowohl als Werkstatt- als auch als Wohn- und Ateliergebäude dienen. Die Bauherrschaft betrieb schon vor dem Neubau eine benachbarte Holzwerkstatt und wünschte sich einen ökonomischen und zugleich atmosphärischen Holzbau. Aufgrund der Nähe zum geschützten Ortsbild wurde die Gestaltung des Neubaus durch das Baukollegium der Gemeinde begleitet. Während der alte Baukubus und das ursprüngliche Erscheinungsbild als Scheune erhalten bleiben sollten, durfte der architektonische Ausdruck eine zeitgemässe Sprache sprechen. Die Idee für eine Gesamtbebauung des Werkhofareals basiert auf einem Hofkonzept. Belichtung und Erschliessung der Gebäude folgen der hofseitigen Hauptorientierung. Der Ersatzbau übernimmt dieses Muster und bildet zugleich Eingangsvolumen und Stras-

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senrücken. Die strassenseitige Westfassade erscheint möglichst geschlossen, während die Hofseite grössere Öffnungen aufweist. Besondere Anforderungen wurden an die Dachfenster als nichthistorisches Bauelement gestellt. Zur Kaschierung wurden sie in der Dachfläche versenkt und mit einem ziegelebenen Dachflächengitter belegt. Im Vergleich zu den alten, sehr heterogenen Gebäuden ist der neue Baukörper sowohl formal als auch hinsichtlich Materialisierung ruhig ausgebildet. Aufgrund der Ökonomie des Baustoffes Holz und wegen der beruflichen Verbundenheit des Bauherrn mit dem Material wurde der Ersatzbau in Holzbauweise ausgeführt. Die Aussenwände und Geschossdecken bestehen aus vorgefertigten Holzrahmenbauelementen. Der massive Kern aus Beton und Backstein dient der Gesamtstabilisierung und der Brandabschnittbildung. Innerhalb des ursprünglichen Scheunenprofils ist der Neubau auf einem ökonomischen Holzraster von 1,25 m aufgebaut. Träger in Brettschichtholz überspannen in diesem Rhythmus den stützenfreien Werkstattraum über eine Tiefe von 9 m. Der Raster wird ebenfalls für den angrenzenden, durch ein Treppenhaus getrennten Wohnteil weitergeführt. Während im Werkstattbereich der Bau zweigeschossig ist, mit einem Schaulager im Dachraum, entwickelt sich das seeseitige,

loftartige Wohnatelier über total drei Geschosse. Wo der Stützenrhythmus nicht verglast ist, ist die Fassade mit einer rohen Bretterschalung bekleidet. Zusammen mit dem weitausladenden Dach nimmt der Bau auf diese Weise Bezug auf traditionelle Scheunenformen und lehnt sich an die historische Umgebung an.

Situation


Ort Auf der Burg 12, 8706 Meilen Bauherrschaft Candido Storni, Meilen Architektur Leo Frei Architekten, Stäfa und Zürich Bauleitung LP Leuenberger Partner, Horgen Bauingenieur HTB AG, Stäfa Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzberatung Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Kübler AG, Oetwil am See Materialien Brettschichtholz in Fichte/Tanne 52 m3 und in Lärche 2 m3; Platten: Dreischichtplatten 27 mm 627 m2, 35 mm 93 m2, 50 mm 44 m2, 80 mm 216 m2, diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 616 m2; Bodenriemen 50 mm 194 m2, Fassadenbekleidung: zweilagige Deckelschalung 262 m2 Baukosten BKP 2 CHF 1,78 Mio. davon BKP 214 CHF 420 000.– Grundstücksfläche 1150 m2 Geschossfläche 450 m2 Kubatur SIA 116 2500 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 712.– Bauzeit 2007–2009 Fotograf Hannes Henz, Zürich

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Erdgeschoss

Galeriegeschoss

Dachgeschoss

10 m

L채ngsschnitt

Querschnitt Erschliessung

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Querschnitt Atelier

Querschnitt Werkstatt


Dachaufbau von aussen: Ziegel Lattungen Unterdachfolie Diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 16 mm Binder 100 x 300 mm, im Abstand von 1250 mm Pfetten zwischen Binder 180 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag Unterlagsboden Trittschalldämmung Rippenelement: Fünfschichtplatte 80 mm Rippen 420 mm, im Abstand von 1250 mm

Fassadenschnitt Werkstatt

Aufbau Aussenwand von innen: Stütze 100 x 350 mm, im Abstand von 1250 mm Dreischichtplatte 27 mm, luftdicht Riegel 180 mm/Dämmung Diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 16 mm Fassadenbahn Lattung 2 x 30 mm gekreuzt Schalung 24 mm

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Werkhalle sowie Kompetenzzentrum der Uffer AG, Savognin Der Neubau der in Savognin verwurzelten Zimmerei Uffer besteht aus der Werkhalle und einem dreigeschossigen Logistik- und Bürotrakt, in dem auch ein Kompetenzzentrum für Bauen und Energie untergebracht ist. Von der Planung bis zur Fertigstellung war das Zusammenspiel von Architektur, Ökologie und Ökonomie ein prägendes Thema. Seit über 100 Jahren ist die Zimmerei Uffer im klassischen Holzbau tätig. In den letzten Jahrzehnten expandierte das Unternehmen stetig und nahm immer neue Tätigkeitsbereiche und Dienstleistungen ins Portfolio auf. Doch das im Dorfkern liegende Gebäude platzte in der Folge aus allen Nähten. Zudem wuchsen die Immissionen aus dem Betrieb, was im Ortszentrum für die Akzeptanz des Unternehmens nicht unbedenklich war. Beide Aspekte führten die Firmeninhaber zum Entscheid, einen neuen Standort zu suchen. Savognin verfügt auf der Hauptverbindungsachse zwischen den Wirtschaftsräumen Engadin, Davos und Thusis über eine ausgezeichnete Lage. Mit Unterstützung der Gemeinde liess sich in derselben Standortgemeinde wie bisher ein geeigneter Bauplatz für das prosperierende Unternehmen finden, indem am südöstlichen Dorfrand eine Umzonung und Erschliessung für die Gewerbenutzung erfolgte. Das Firmengebäude konnte damit direkt an der Julierstrasse errichtet werden, womit optimale Bedingungen bezüglich verkehrstechnischer Erschliessung und Firmenrepräsentation gegeben waren. Der Standort am Dorfeingang verpflichtete andererseits aber auch hinsichtlich Nutzung und Architektur. Neben den Produktions- und Verwaltungsbauten der Uffer AG umfasst der attraktive neue Komplex auch ein Kompetenzzentrum für Bauen und Energie. Der im Minergie-P-Standard erstellte Gebäudetrakt beherbergt Ausstellungs-, Schulungs- und Seminarräume und bietet ein breites Informations- und Beratungsangebot zum Bauen und Sanieren in den Standards Minergie,

Minergie-P und Minergie-A. Die Architekten gliederten den Neubau in zwei Teilvolumen. Direkt an der Strasse liegen das dreigeschossige Logistik- und Verwaltungszentrum sowie das Kompetenzzentrum für Bauen und Energie. Daran schliesst sich die grosse Produktionshalle. Die Gebäudevolumen sind in der Höhe zum Strassenraum hin gestaffelt; die langgezogenen Fassaden werden durch einen vorgelagerten Filter aus Holzstäben und die durchscheinende Tragwerksstruktur optisch gegliedert. Der Filter erinnert an sich verzweigende Äste; er ist ein architektonisches Aushängeschild des Komplexes und gleichzeitig mit seinen Verschattungselementen essentieller Bestandteil des Gebäudekonzeptes. Die dunkel gebeizte Holzfassade aus einfachen Brettern bildet zusammen mit der flächenbündigen Verglasung eine straffe Haut und vereinheitlicht die dahinterliegenden Funktionen. Grosse Innenfenster geben den Blick frei auf die Produktionsabläufe in der Werkhalle. Das Tragwerk und das Grossraumkonzept der Produktionshalle mit 72 m Länge und 33 m Breite ermöglichen eine hohe Flexibilität für wechselnde Bedürfnisse und Nutzungen und bieten gute Bedingungen für die Arbeitsplätze bezüglich Raumklima und Tageslichtnutzung. 16 Fachwerke überspannen die Produktionshalle in Querrichtung. Deren Stäbe sind in Brettschichtholz, die Knoten mit eingeklebten Gewindestangen ausgeführt. Gelagert auf Pendelstützen in Brettschichtholz, weisen die Fachwerke eine Stützweite von 29,7 m und eine Gesamtlänge von 37 m auf. Die hallenmittige Höhe beträgt 3,12 m, die Endhöhe 2,9 m. Über den Fachwerken überspannen liegende Balken mit einer Höhe von 120 mm die 4,7 m Trägerabstand einfeldrig, wobei der Holzanteil dieser Ebene rund 70 % beträgt. Zur Ausbildung der Dachscheibe sind bei zwei Feldern darüber 40 mm dicke Holzwerkstoffplatten vernagelt. Der weitere Dachaufbau besteht aus Dämmung, Dichtungsbahn und Kies. Die Stabilisierung der Halle erfolgt über die Dachscheibe, die Anbindung ans betonierte Spänesilo, die in der Nord-

fassade unter dem Fachwerk eingespannte Wandscheibe sowie vereinzelte Abspannungen mit Stahlzugstangen. Der dreigeschossige Logistiktrakt ist in Holzrahmenbauweise für die Wände und mit Kastenelementen für Decken und das Dach ausgeführt. Die Deckenelemente spannen stützenfrei über knapp 8 m von der Hallentrennrespektive von der Treppenhaus- bis zur Aussenwand. Als Energieträger für Heizung und Warmwassererzeugung der gesamten Anlage dienen ausschliesslich die zu Hackschnitzeln verarbeiteten Holzreste aus der eigenen Produktion. Die Aussenluft wird über ein Luft-Erd-Register vorgewärmt; die Wärmerückgewinnung der Komfortlüftung reduziert den Lüftungswärmeverlust um rund 80 %. Bei Bedarf kann zudem die Abwärme der Druckluftanlagen für die Beheizung der Produktionshalle verwendet werden. Sowohl der Logistiktrakt als auch die Werkhalle sind mit einer Sprinkleranlage für den Brandfall gewappnet. Neben den architektonischen und nutzungsspezifischen Qualitäten sind die ökologischen Aspekte ausgewiesene Stärken des Baus. Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach, welche mit mehr als 1200 m2 Nettofläche eine Spitzenleistung von 174 kWp ausweisen kann, die Energienutzung durch Verbrennung der betrieblichen Holzabfälle sowie die Möglichkeit, zusätzlich noch mehrere umliegende Häuser mittels einer Fernwärmeleitung zu versorgen, machen das Projekt zukunftsweisend.

Situation


Querschnitt

Längsschnitt

40 m

Erdgeschoss

Ort Veia Padnal 1, 7460 Savognin Bauherrschaft Uffer AG, Savognin Architektur Fanzun AG, dipl. Architekten + Ingenieure, Chur/Samedan/Arosa/Zürich Bauleitung Uffer AG, Savognin Bauingenieur Fanzun AG, dipl. Architekten + Ingenieure, Chur/Samedan/Arosa/Zürich Haustechnik-Planer Gini Planung AG, Lenzerheide, und IBG B. Graf AG Engineering, Chur Bauphysik Fanzun AG, dipl. Architekten + Ingenieure, Chur/Samedan/Arosa/Zürich Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Uffer Holz AG, Savognin Materialien Bauholz: Vollholz 302 m3, Brettschichtholz 514 m3; Holzwerkstoffe 117 m3 Baukosten BKP 2 CHF 6,74 Mio. (total, ohne Fotovoltaikanlage), CHF 2,76 Mio. (Produktionshalle), CHF 3,98 Mio. (Logistiktrakt) davon BKP 214 CHF 1,9 Mio. (total), CHF 0,9 Mio. (Produktionshalle), CHF 1,0 Mio. (Logistiktrakt) Grundstücksfläche SIA 416 7704 m2 Gebäudegrundfläche SIA 416 2212 m2 (Produktionshalle) Geschossfläche SIA 416 2194 m2 (Logistiktrakt) Gebäudevolumen SIA 416 39 173 m3 (total), 32 413 m3 (Produktionshalle), 6721 m3 (Logistiktrakt) Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 172.– (total), CHF 85.– (Produktionshalle), CHF 592.– (Logistiktrakt) Bauzeit September 2008 – Juli 2009 (Produktionshalle), April 2010 – Mai 2011 (Logistiktrakt) Fotograf Urs Homberger, Arosa

Obergeschoss

Dachgeschoss

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Dachaufbau von aussen: Rundkies 50 mm Dichtungsbahn Dämmung 120–230 mm Dampfsperre Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippe 280 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 15 mm OSB 15 mm Ständer 320 mm/Dämmung Holzfaserdämmplatte 40 mm Lattung 30 mm Schalung 20 mm Deckenaufbau von oben: Fliessestrich versiegelt 56 mm Trittschalldämmplatte 20 mm Dämmplatte 40 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 300 mm/Dämmung 60 mm Dreischichtplatte 27 mm

Fassadenschnitt Logistiktrakt


Ansicht Binder mit Wandscheibe

Ansicht Giebelwand-Fachwerk


Überführung Horen, Küttigen Der Neubau der Staffeleggstrasse dient zur Verkehrsentlastung in Aarau, Rombach und Küttigen. Der neue Staffeleggzubringer führt von Süden über die neue Aarebrücke, durch den neuen Tunnel ‹Horental› und via neuen Trasseebau bis zum Knoten Küttigen Nord. Bestandteil dieses neuen Streckenabschnittes ist die Überführung Horen. Sie bildet die Verbindung der westlich und östlich liegenden Erschliessungsstrassen. Das Brückenbauwerk dient in erster Linie der Landwirtschaft, den Fussgängern sowie dem Wildwechsel. Es überspannt die auf zwei Spuren ausgebaute Staffeleggstrasse, die in diesem Bereich voll im Einschnitt liegt. Das Lichtraumprofil unter der Brücke ist so gewählt, dass ein späterer Ausbau der Staffeleggstrasse auf drei Fahrspuren möglich ist. Die Brücke wurde als dreifeldrige Holztragkonstruktion ausgeführt. Die Spannweiten der einzelnen Felder betragen 6,25 m, 17,32 m und 7,30 m. Die Tragkonstruktion wurde mit zwei durchlaufenden Blockholzträgern – je sieben aneinandergeklebte Brettschichtholzträger – mit unterschiedlichen Höhen ausgebildet. In der Brückenmitte sind die Träger 1,10 m hoch und verjüngen sich bis zu den Pfeilern um rund 140 mm. Über den Pfeilern wird die Querschnittshöhe nochmals um rund 200 mm reduziert. Gegen die Widerlager verjüngen sich die Träger erneut auf gut 500 mm Resthöhe. Auf diese längs gespannten Träger wurden quer ausgerichtete Balken aufgeschraubt. Diese verteilen Einzellasten auf die beiden unteren Längsträger. In derselben Lage der Querbalken verlaufen U-Rahmen aus Stahl. An diesen Profilen sind die Leitplanke und das Geländer mit dem Handlauf befestigt.

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Eine Dreischichtplatte auf den Querbalken bildet die Grundlage für den Gussasphaltaufbau. Der Brückenquerschnitt ist total knapp 5,60 m breit, die reine Holztragkonstruktion misst etwas über 5,00 m. Die Fahrbahn besteht aus einem 4,40 m breiten Fahrstreifen mit beidseitigem Quergefälle von 3% und zwei Banketten zu je 0,30 m. Als seitlicher Abschluss der Fahrbahn dienen eine Leitplanken- sowie eine Geländerkonstruktion mit Handlauf. Die Dichtigkeit wird durch eine vollflächige Polymerbitumen-Dichtungsbahn sichergestellt. Zur Brückenausrüstung gehört ebenfalls ein dreischichtiger Gussasphaltbelag. Das Regenwasser wird in einer Belagsrinne ohne Splitt über die Fahrbahnübergänge geführt. Die Auflagerung der Brücke erfolgt auf zwei Widerlagern und zwei Pfeilern. Das Widerlager West und die Pfeiler sind auf Pfählen gegründet, das Widerlager Ost flach. Horizontale Bremskräfte werden durch die feste Verankerung der Brücke in die beiden Pfeiler eingeleitet. Die Lagerungen bei den Widerlagern sind längs verschiebbar ausgebildet. Die Stabilisierung der Brücke in Querrichtung erfolgt auf den beiden Pfeilerachsen. Bei den beiden Übergängen von den Widerlagern auf die Brücke sind Fahrbahnübergänge aus Stahl mit Dehnfugenprofilen eingebaut. Die gesamte Holztragkonstruktion liegt unter dem Strassenbelag. Der Gussasphalt und die Abdichtungsbahn bilden die wasserdichte Ebene. Die Blockholzträger sind bewusst im inneren Bereich des Brückenquerschnittes angeordnet. Eine Bekleidung der seitlichen Aussenflächen war daher nicht nötig. Über dem Blockholzträger wurde vor der Montage eine Dichtungsbahn verlegt. Diese schützte die Träger ab der Bauphase. Dank der zwischen

den Querträgern liegenden Querlüftung werden die Hölzer mit Luft umspült. Eine Austrocknung der Hölzer bei einer Leckage der Dichtung wäre gewährleistet. Die zwischen den Querträgern verlaufenden Stahlrahmen sind der freien Bewitterung ausgesetzt. Wasser wird entlang den Stützen und Riegeln fliessen. Aufgeschweisste Tropfnasen im äusseren Bereich der Brücke verhindern, dass Wasser bis zu den Längsträgern angezogen werden kann. Das heutige Landschaftsbild im Horental mit seiner sanften Geländemodulation wird durch die neue Schnellstrasse einschneidend verändert: Die weichen Linien der gewachsenen Topografie werden kontrastiert durch die markanten Einschnitte und Aufschüttungen für den neuen Strassenkörper. Vor diesem bewegten Horizont wird die neue Brücke bewusst einfach gehalten. Zwei kräftige, leicht überhöhte Holzbalken überspannen den Strassenraum. Die darauf aufgelegte, weit auskragende Balkenlage betont die Leichtigkeit der Holzkonstruktion und schützt gleichzeitig alle Holzteile vor direkter Bewitterung. Der sanft gespannte Bogen wird in der Gestaltung durch alle Elemente fein gegliedert und dennoch in einem ruhigen Gesamtbild zusammengehalten: Träger, Balkenlage, Leitplanke und der kräftige Holzhandlauf ergeben ein ruhiges und spannungsvolles Ensemble. Konstruktion und Gestalt stimmen auf einfache und sinnfällige Art überein.


Grundriss

Querschnitt

Längsschnitt

10 m

Ort Staffeleggstrasse, 5024 Küttigen Bauherrschaft Kanton Aargau, Departement Bau, Verkehr und Umwelt, Abteilung Tiefbau Totalunternehmer Hunziker Holzbau AG, Walde Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Bauingenieur Härdi & Fritschi AG, Buchs (Projektierung), und Wilhelm + Wahlen Bauingenieure AG, Aarau (Bauleitung) Gestaltung Zimmermann Architekten AG, Aarau Subunternehmer Hüsser Holzleimbau AG, Bremgarten, Purinox Metallkonstruktionen, Schöftland, und Johler Gussasphalt AG, Hunzenschwil Materialien Brettschichtholz 126 m3, Dreischichtplatte 6,7 m3 Gesamterstellungskosten CHF 460 000.– Baukosten Holzbau CHF 240 000.– Charakteristik Strassenbrücke bis 40 Tonnen, Brückenlänge total 30,87 m, Spannweiten 6,25 m, 17,32 m und 7,30 m, Fahrbahnbreite 5,0 m (zwischen Geländern) Bauzeit April – Juli 2008 Fotograf Hannes Henz, Zürich

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Detail Pfeilerauflager: Die in Längsrichtung wirkenden Kräfte werden in die Pfeiler eingeleitet. Dies geschieht mit einem Stahlteil pro Blockholzträger, welches mit zwei eingeschlitzten Blechen und Stabdübeln mit diesem verbunden ist. Das entsprechende Gegenstück des Stahlteils ist im Pfeiler einbetoniert.

Detail Widerlager: Die Trägerlagerung im Widerlager ist gelenkig ausgeführt. Direkt darüber verläuft in Querrichtung ein Stahlträger oberhalb der Blockholzträger, an welchem das Geländer befestigt ist. Gewindestangen (Durchmesser 20 mm) verankern die Blockholzträger gegen abhebende Kräfte.

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Steg über den Frey-Kanal, Aarau Der neue Steg für Fussgänger und Radfahrer ersetzt die 1982 erbaute Militärbrücke im Telli-Wäldchen in Aarau, die vom Sommerhochwasser 2007 weggeschwemmt wurde. Auf Wunsch der Bauherrschaft wurde der Übergang in Holz geplant und ausgeführt. Mit seiner transparenten Wirkung integriert er sich harmonisch und selbstverständlich in die Auenlandschaft, welche von hohen Bäumen und den Gewässern der Aare und des Frey-Kanals geprägt ist. Witterung und Hochwasser setzten der alten Sappeurbrücke über die Jahre zu. Von Ortsbürger- und Einwohnergemeinde wurden Budgetposten für 2008 zur Erneuerung eingeplant, doch mit dem Hochwasser im Sommer 2007 war die alte Brücke weg und der Weg durch das beliebte Ausflugsziel unterbrochen. Der Stadtrat handelte rasch und erteilte den Auftrag zum Ersatzneubau des Stegs. Aufgrund der gemeinsamen Nutzung durch Fussgänger und Radfahrer wurde von Beginn an eine grosszügige Variante verfolgt. So verbreitert sich die nutzbare Breite der Gehfläche beidseitig vom Brückenkopf mit 2,5 m hin zur Brückenmitte auf 3,5 m, was im Mittelbereich eine Art Aussichtsplattform schafft und zum kurzen Verweilen respektive zur Aussicht auf den Frey-Kanal und auf die Aare einlädt. Neben dieser eigentlichen

Nutzung ist auch ein Befahren mit Fahrzeugen für Unterhalt und Rettung möglich. Zur Realisierung des Bauwerkes wurden weitere Gegebenheiten berücksichtigt. So wurden die bestehenden Widerlager und die Betonpfähle des Mittelauflagers übernommen. Einzig ein zusätzlicher Schutz der Widerlager mit einem Blockwurf wurde vorgenommen. Die jeweils 10 m Spannweite zwischen den Lagern werden mit Einfeldbalken in Brettschichtholz mit Querschnitten von 200 x 480 mm überbrückt. Zum Schutz vor Witterung sind diese mit einem Aluminiumblech abgedeckt. Verzinkte Stahlkonsolen bilden die Kipphalterungen zwischen den Längsträgern aus. Die Lagerung erfolgt längs gelenkig und quer fixiert über an den Trägern eingespannte Stahlteile, welche auf die Widerlager respektive auf den Stahlträger verschraubt sind, der die beiden Betonpfähle in der Mitte überspannt. Quer über den Trägern verlaufen die Bodenbohlen in Eiche mit Querschnitten von 60 x 100 mm respektive 57 x 100 mm, also mit abwechselnd ungleich hoher Ausbildung, um der Rutschgefahr entgegenzuwirken. Zudem sind die Bohlen trapezförmig hinterschnitten, damit anfallender Schmutz wie Laub oder Kies ungehindert nach unten durchfallen kann. Die Bohlen sind von oben so verschraubt, dass einzelne Bohlen bei Bedarf mit wenig Aufwand ausgewechselt werden können. Das

Geländer wird aufgrund der Befahrbarkeit mit Fahrrädern bis auf eine Höhe von 1,3 m hochgezogen. Die Geländerpfosten sind konsolenartig als verzinkte Stahl-L-Profile ausgebildet und an den Brettschichtholzträgern angeschlossen. Für die Geländerbekleidung und -abdeckung kam unbehandeltes Lärchenholz zum Einsatz; die besonders breite Abdeckung soll zudem das Besteigen des Geländers verhindern. Die Montage erfolgte mit einem Pneukran. Dieser hob die zwei vorgefertigten Teile der Brücke auf die Fundamente.


Grundriss

Längsschnitt

10 m

Querschnitt Widerlager

Ort Telligebiet, 5000 Aarau Bauherrschaft Ortsbürgergutsverwaltung der Ortsbürgergemeinde Aarau Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Bauingenieur Wilhelm + Wahlen, Aarau Holzbau Schäfer Holzbautechnik AG, Dottikon Materialien Brettschichtholz 9,8 m3, Bodenbretter und Vollholz in Eiche 4,5 m3, Geländerlatten und Handlauf in Lärche 3,4 m3 Gesamtkosten Brücke CHF 120 000.– Kosten Holzbau CHF 90 000.– Charakteristik Fussgänger- und Fahrradbrücke, Gesamtlänge 20 m, Spannweite 10 m, Breite Gehfläche 2,5 m bis 3,5 m Bauzeit Juni – September 2008 Fotograf Hannes Henz, Zürich

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Detail Widerlager: Stahlkonsolen stabilisieren und halten die Längsträger an den Widerlagern. Die Längsverschiebung wird unter anderem durch den Stahlwinkel am Widerlager begrenzt.

Detail Mittelauflager: Die Stahlteile zur Lagerung der Längsträger sind auf den quer verlaufenden Stahlträger geschweisst.


Fussgängerbrücke im Wildpark Langenberg, Langnau am Albis Die neue Fussgängerbrücke im Wildpark Langenberg verbindet die beiden Parkteile über die trennende Albisstrasse. Mit dem weitgespannten, flachen Bogen fügt sich die neue Holzbrücke harmonisch ins Gelände ein. Formal übernimmt sie die Konturen der Hügellandschaft. Das gesamte Erscheinungsbild der Brücke wirkt leicht und transparent und signalisiert, ähnlich einem grossen Tor, den Eingang des Tierparks. Die Brücke dient in erster Linie den Parkbesuchern tagsüber, aber auch den Gästen des Restaurants Wildpark, welche das Gelände auch abends und nachts begehen. Auf Wunsch der Bauherrschaft wurde die Nutzbarkeit nicht nur auf Fussgänger, sondern im speziellen auch auf Rollstuhlgängigkeit und Familien mit Kinderwagen ausgelegt. Das Gefälle der Rampen beträgt maximal 12 %, was in etwa den Gefällen der Umgebung entspricht. Das Geländer sowie die Rutschfestigkeit des Bodenbelages bieten zudem gute Sicherheit. Neben dem Brückenbauwerk wurden im Bauvorhaben diverse andere, sozusagen verkehrstechnische Aufgaben realisiert. Die Zugangswege zur Brücke wurden neu angelegt. Sie bilden mit den Rampen der Brücke einen für die Benutzer angenehmen Übergang von der Brücke zum Gelände. Einerseits wurde der grosse Besucherparkplatz, der parallel zur Albisstrasse angeordnet ist, direkt an die Fussgängerbrücke angeschlossen, was sowohl den Besuchern des Wildparks tagsüber als auch den Restaurantbesuchern am Abend dient. Andererseits wurde ein direkter Anschluss zum Rundweg beim Elchgehege gebaut, so dass neu eine direkte überirdische Verbindung zwischen

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dem westlichen und östlichen Parkteil entstand. Der Brückenzugang vom Restaurant und Besucherzentrum her verläuft durch die alte Kastanienallee (Orelliallee). Neben dem Murmelgehege zweigt der gekieste Weg vom bestehenden Asphaltweg ab und führt die Besucher zwischen den majestätischen alten Bäumen zur neuen Fussgängerbrücke. Um die Bäume optimal zu schützen, wurden für den Wegbau keinerlei Grabarbeiten vorgenommen. Auf den bestehenden Boden wurde als Schutzschicht für die hervorstehenden Wurzeln ein Geotextil verlegt, worauf direkt, ohne Kofferung, der Mergelschotterbelag aufgebracht wurde. Zudem wurde eine Sicherheitsbeleuchtung von Weg und Brücke erstellt, damit die Besucher auch in der Nacht sicher vom grossen Parkplatz zum Restaurant gelangen. Deren Umsetzung orientiert sich an der bestehenden Beleuchtung, wobei die Leuchten im Bereich der Brücke in die Holzkonstruktion integriert sind und somit nicht in Erscheinung treten. Natürlich führten die Weganpassungen auch dazu, dass einige Zäune und Gehegetore um- und neu angelegt werden mussten. Die Bogenbrücke bildet sich aus den primären Tragwerksteilen der zwei Dreigelenkbogen mit Querschnitten von 240 x 1080–940 mm sowie den zwei Strebenreihen mit Querschnitten von 360 x 120–160 mm und 280 x 120 –140 mm, jeweils bestehend aus Brettschichtholz in Fichte/Tanne. Die Bögen überspannen im Abstand von 2,80 m eine Weite von 43,85 m zwischen den zwei Hauptfundamenten in Stahlbeton, welche mit Mikropfählen fundiert sind. Von hier führen auch die Strebenreihen zu den Rip-

pen der Gehfläche, wo die Kraftübertragung mit Versätzen erfolgt. Zwischen den Bögen übernehmen Querträger aus Stahl-Rechteckprofilen deren Kippsicherung und tragen die Lasten der Gehfläche in die Bögen ab. Von den Fusspunkten der Bogenbinder bis zu den Hauptquerträgern – Schnittpunkt Gehfläche mit Bogen – sind die Querträger um Stahlrahmen mit Aussteifungskreuzen ergänzt, um die Kräfte aus Wind und Anprall in das Hauptfundament einzuleiten. Über den stählernen Querträger verlaufen in Längsrichtung Rippenplatten aus Furnierschichtholz in einer Dicke von 69 mm und Rippen in Brettschichtholz mit einem Querschnitt im Rampenbereich von 120 x 640 mm und im Bereich Brückenmitte von 120 x 320 mm. Diese Gehfläche ist als Zugband ausgebildet und am Querträger in Bogenmitte angeschlossen. In der Brückenmitte weisen die als Einfeldträger ausgebildeten Rippenplatten eine Spannweite von 6,75 m auf. Die Rampe West weist Spannweiten von 16,25 m und 14,47 m auf und ist als Gerberträger ausgebildet. Die Rampe Ost zeigt sich als Zweifeldträger mit Spannweiten von 13,35 m und 6,81 m. Die Rampenauflager sind als Gleitlager auf konventionellen Streifenfundamenten erstellt. Eine geringe Setzung des Westfundamentes kann infolge des gelenkig angeschlossenen Endfeldes akzeptiert werden. Als Gehwegbelag wurde ein dreilagiger, 60 mm dicker Gussasphaltbelag eingebaut. Er wird seitlich mit T-Stahlprofilen wasserdicht abgeschlossen und schützt somit die Fahrbahnkonstruktion vor Witterungseinflüssen. Feine Splitteinstreuungen verhindern Rutschung bei Nässe.


Grundriss

Ansicht

20 m

Die Entwässerung erfolgt dem Längsgefälle entlang zu den beiden Rampenauflagern hin. Dort wird das Oberflächenwasser in quer angeordneten Entwässerungsrinnen gefasst, um es dann via Abflussleitung abzuführen. Das Geländer ist aus Latten und Pfosten in unbehandelter Lärche gefertigt. Die Geländerpfosten sind im Abstand von rund 2 m über Stahlteile an den Fahrbahnrippen befestigt. Zwischen die Pfosten sind auf der Höhe des Fahrbahnbelages abgeschrägte Lärchenkanthölzer als Abschluss montiert. Die Geländerlatten sind von aussen sichtbar geschraubt, wodurch die Auswechselbarkeit gewährleistet ist. Die Bögen, die Mittelfelder der Fahrbahn, das Geländer und die Aussteifungskreuze wurden im Werk zusammengebaut und in fünf Grosselementen auf die Baustelle geliefert. Diese Hauptteile wurden in einer Nacht montiert, während die Albisstrasse für den Verkehr gesperrt war. Anschliessend erfolgte die Endmontage des Geländers, welches dann auch als Absturzsicherung für alle Folgearbeiten diente.

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Querschnitte bei der Rampe und in der Mitte: Rippenelemente aus Brettschichtholz mit 120 x 640 mm Querschnitt und aus Furnierschichtholz von 69 mm Dicke bilden mit den darüber aufgebrachten Schichten die Gehfläche aus. Auf Höhe der Geländerpfosten sind Querrippen aus Dreischichtplatten von 60 mm Stärke zur Stabilisierung der Rippen mittels Gewindestangen eingespannt. Im Geländer unter dem Handlauf ist die Beleuchtung integriert.

Ort Wildparkstrasse Langenberg, 8135 Langnau am Albis Bauherrschaft Stiftung Wildnispark Zürich, Sihlwald, vertreten durch Tiefbauamt Werterhaltung der Stadt Zürich Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Bauingenieur Wilhelm + Wahlen, Aarau Landschaftsarchitektur Balz Hofmann, Zürich Holzbau Keiser Xaver Zimmerei Zug AG, Zug, Weiss Zimmerei & Blockbau GmbH, Langnau am Albis Materialien Bauholz: Brettschichtholz 77 m3 (Schweizer Holz), Furnierschichtholz 69 mm 310 m2, Dreischichtplatten 60 mm 20 m2, Lärche für Geländer 13 m3, Abdeckungen Binder in Fichte/Tanne 4 m3 (Holz für Geländer und Abdeckungen aus dem Kanton Zürich) Gesamtkosten Brücke CHF 820 000.– Kosten Holzbau CHF 445 000.– Charakteristik Fussgängerbrücke, Gesamtlänge 78 m, Spannweite Bogen 43,85 m, Spannweite Gehfläche maximal 14 m, Breite Gehfläche 2,56 m Bauzeit Juli – September 2009 Fotografin Corinne Cuendet, Clarens

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Anschlüsse Bogen und Streben am Hauptauflager: Die beiden Bögen und die sechs Streben tragen die Kräfte auf die Hauptauflager ab. Am Anschlusspunkt der Bögen sind zudem der Stahlrahmen und die Zugstangen angeschlossen.

Auflager Rampen: Die sechs Rippen in Brettschichtholz sind gleitend auf dem Streifenfundament gelagert. Seitliche Stahlflansche stabilisieren die Rippen. Der Übergang von der Fahrbahn zum Wegbelag erfolgt als dichter Fugenübergang, an dem eine Abwasserrinne angeschlossen ist.

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Luthernbrücke, Schötz Die Kantonsstrasse verbindet Ohmstal mit Schötz und überquert die Luthern mit der Luthernbrücke im Gebiet Feld der Gemeinde Schötz. Die Dienststelle Verkehr und Infrastruktur des Kantons Luzern erteilte den Ingenieurunternehmen ewp AG und Makiol + Wiederkehr den Auftrag zur Ausarbeitung der Phasen Variantenstudium bis Ausführungsprojekt für den Neubau der Luthernbrücke, weil sich bei einer Bestandesaufnahme herausgestellt hatte, dass die Tragsicherheit des 1933 in Stahlbeton erstellten Übergangs unzureichend war. Belag und Widerlager wiesen erhebliche Schäden auf. Die Sicherheit für die Strassenbenützer war mit Blick auf Sichtverhältnisse und Längenprofil ungenügend, aber auch der Hochwasserschutz war zu verbessern. Untersuchungen hatten gezeigt, dass eine Verstärkung respektive Instandsetzung der bestehenden Bausubstanz nicht wirtschaftlich war. Aufgrund der vorhandenen Tragreserven des Bestandes musste die Nutzlast der Brücke vorübergehend auf 28 Tonnen beschränkt werden. Aus diesen Gründen entschied sich der Kanton im vorliegenden Abschnitt für eine Verbesserung der Strassensicherheit und für einen Neubau der Brücke. Da der Baustoff Holz an dieser Stelle nutzbringend und sinnvoll verwendet werden konnte, beschloss die Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (vif), die neue Brücke in Holz projektieren zu lassen. Um ein weitsichtiges und späteren Ausbauwünschen nicht hinderliches Strassenprojekt zu realisieren, wurden als Entscheidungsgrundlagen drei Varianten erarbeitet. In Absprache mit dem vif, Abteilung Planung Strassen, wurde diejenige Variante gewählt, welche die Lage der Ersatzbrücke eher flussabwärts, die Linienführung Seite Ohmstal südlich der bestehenden Strasse und einen Ausbau für eine Geschwindigkeit von 60 km/h vorsah. Diese Variante erfüllte unter

anderem die Anforderungen bezüglich Wasserbau, bot grösste Sicherheit durch verbesserte Sichtverhältnisse und erlaubte unabhängiges Bauen von Brücke und Strasse. Die Lage der Widerlager ist so gewählt, dass die Luthern ohne Probleme und hydraulisch günstig durchfliessen kann. Im Bereich der Brücke wurden Flusssohle und Böschungen mit einem Blocksteinwurf befestigt, der im Sohlenbereich auch als Erosionsschutz dient. Im Anschluss an die kurzen Betonflügelmauern wurden trichterförmig schwach geneigte Blocksteinmauern erstellt. Durch die Tiefenfundation mittels Mikropfählen besteht für die Widerlagerbänke keine Erosionsgefahr. Die Brücke ist leicht schiefwinklig zum Bach, die Widerlager sind aber rechtwinklig zur Strassenachse angeordnet. Im Brückenbereich wird der Verkehr zweispurig geführt. Die nutzbare Breite der Verkehrsfläche beträgt insgesamt 8,0 m, aufgeteilt in eine Fahrbahn von 6,0 m, ein Bankett von 0,6 m und eine Sperrfläche von 1,4 m. Zusammen mit den optimierten Sichtverhältnissen und dem verbesserten Längenprofil kann der Verkehr uneingeschränkt fliessen. Der Oberbau der neuen Brücke besteht aus einer einfeldrigen Holztragkonstruktion, ausgebildet als Verbundquerschnitt aus sechs blockverleimten, die 13 m überspannenden Brettschichtholzträgern und fünf darüber kreuzweise aufgeklebten Lagen Furnierschichtholzplatten. Durch die kreuzweise Verklebung erhalten diese Lagen Eigenschaften analog einer lastverteilenden Fahrbahnplatte. Darüber sind eine vollflächige PBD-Abdichtung, eine Trennlage und ein zweischichtiger Gussasphalt von total 95 mm Höhe eingebaut. Die Fahrbahn entwässert quer mit 4,5 % Gefälle. Der Oberbau liegt beidseitig mittels LastoBlock-Lager auf Stahlbeton-Widerlagern auf. Um vertikale Höhenänderungen aufgrund von Schwinden, Quellen und Stauchungen des liegenden Holzes zu minimieren, sind im Bereich

der Widerlager Gewindestangen in das Brettschichtholz eingeklebt. Horizontalkräfte werden durch die feste, in Brückenachse liegende Verankerung im westlichen Widerlager eingeleitet. In Querrichtung wird die Brücke auf beiden Auflagerachsen stabilisiert. Bei den zwei Übergängen von der Brücke zur Strasse sind Fahrbahnübergänge aus Polymerbitumen eingebaut. Beidseitige Schleppplatten minimieren Setzungsdifferenzen zwischen Brücke und Vorland. Die Brücke ist seitlich mit einem Rückhaltesystem und mit Geländern abgeschlossen. Die Randelemente werden in Ortbeton ausgeführt. Sie dienen als Abschluss des Gussasphalts, als Befestigungsgrundlage der Leitschranken und seitlich mit Überstand als Schutz der Holzunterkonstruktion. Ihre Grundlage und entsprechende Fugen sind mit Flüssigkunststoff abgedichtet. Als Rückhaltesystem kam die Holzleitschranke CH in Anlehnung an die ASTRARichtlinien zur Ausführung. Die blockverleimten und auf 15 % Holzfeuchte vorkonditionierten Brettschichtholzträger wurden im Werk des Holzleimbauers hergestellt und passgenau abgebunden. Das Furnierschichtholz wurde ebenfalls auf die gewünschte Endfeuchte von 15 % akklimatisiert. Auf der Baustelle wurden die sechs Brettschichtholzträger auf ein Lehrgerüst aufgelegt, ausgerichtet und provisorisch befestigt, so dass die Stahlplatten der Lasto-BlockLager mit Fliessmörtel eingegossen werden konnten. Als nächstes wurde im Bereich der Brücke eine Einhausung auf das Lehrgerüst montiert. Diese wurde klimatisiert, wodurch darin auch das Aufkleben der Furnierschichtholzplatten auf die Brettschichtholzträger erfolgen konnte. Zur Sicherung der Verklebungsqualität wurden alle Arbeitsschritte detailliert protokolliert, und mittels Kernbohrungen wurde die Festigkeit der Verklebung überwacht.


Grundriss

20 m

Schnitt

Ansicht

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Detail Randelement: Der Aufbau erfolgte stufenweise. Zuerst wurden die passgenauen Kerven für den Stahlnocken der Stahlplatte ausgebildet. Das auf die gesamte Länge aufgeschraubte Blech wurde mit einer Abdichtung aus Flüssigkunststoff versehen. Nach dem Schalen und Armieren konnte der Randbereich ausbetoniert und schliesslich die Leitplankenkonstruktion auf die Randelemente aufgedübelt werden. Als Absturzsicherung für die Fussgänger ist beidseitig ein Geländer aus Holz und Stahl an das Betonelement befestigt.

Ort An der Luthern, Feld, 6247 Schötz Bauherrschaft Kanton Luzern, Bau-, Umwelt und Wirtschaftsdepartement, Dienststelle Verkehr und Infrastruktur, Kriens Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Bauingenieur ewp AG, Luzern Holzbau Hecht Holzbau AG, Sursee, und Neue Holzbau AG, Lungern Materialien Brettschichtholz 60,5 m3, Furnierschichtholz 29,3 m3, 39 000 Schrauben Gesamtkosten Projekt CHF 1,29 Mio. Kosten Brückenbau CHF 625 000.– Kosten Holzbau CHF 260 000.– Charakteristik Strassenbrücke bis 40 Tonnen, Gesamtlänge 13,55 m, Spannweite 13,05 m, Fahrbahnbreite 6 m plus Sperrfläche 1,4 m und Bankettstreifen 0,6 m Bauzeit Juni 2009 – März 2010 Fotograf Dr. Walter Bogusch, holz-promotion, Zürich


Längs- und Querschnitt Widerlager beweglich: Das Stahlteil fixiert die Brücke in Querrichtung. In Längsrichtung sind die blockverleimten Träger beweglich auf dem Streifenfundament gelagert.

Längs- und Querschnitt Widerlager fest: Ein eingespanntes Stahlteil fixiert die Brücke in Längs- und Querrichtung, wobei eingeklebte Gewindestangen die Kräfte vom Brettschichtholz in die Stahlteile einleiten.


Bünzbrücke, Dottikon Die neue Geh- und Radwegbrücke überquert die Bünz im Zentrum von Dottikon. Dabei erschliesst sie vom südlich liegenden Bahnhof kommend das Einkaufszentrum mit dem neu erstellten Park, dem Altersheim und dem Quartier Mitteldorf nördlich der Bünz. Neben der eigentlichen Nutzung durch Fussgänger und Radfahrer ist auch ein Befahren mit leichten Unterhaltsfahrzeugen möglich. Aufgrund ihrer Eingliederung in den Park rund um die Bünz wurde von der Bauherrschaft einer filigranen hölzernen Struktur der Vorzug gegeben. Um eine optimale Abstimmung von Geometrie und Erscheinungsbild zu erlangen, arbeiteten die Ingenieure zur Ausgestaltung der Brückenkonstruktion schon früh mit einem Architekturbüro und dem Landschaftsarchitekten zusammen. Die letztlich realisierte Struktur ist eine ideale Ergänzung der beiden Baumaterialien Stahl und Holz, wobei beim Holz auf eine ausschliessliche Herkunft aus der Schweiz geachtet wurde. Die Brücke besteht aus zwei leicht nach innen geneigten Dreigelenkbogen in Brettschichtholz mit Querschnitten von 240 x 640 mm. Sie sind seitlich mit Lamellen in Douglasie bekleidet und oben mit einem Kupferblech abgedeckt. Vier Stahlrohre bilden zwischen den beiden Bö-

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gen die Kipphalterung aus. Mit Zugstangen sind Querträger in Stahl an den Bögen aufgehängt. Dazwischen spannt eine Balkenlage mit Querschnitten von 140 x 280 mm in Längsrichtung der Brücke, welche als Unterkonstruktion für den Gehbelag aus massiven Eichenbohlen mit 100 mm Breite dient. Die Bohlen sind abwechselnd 40 mm beziehungsweise 43 mm hoch, womit eine Oberflächenrauheit und somit eine gewisse Rutschsicherheit erzielt wird. Alle im Brückenbauwerk auftretenden Kräfte werden über die beiden 24 m spannenden Bögen in die zwei Widerlager und von dort mit Mikropfählen in den Untergrund eingeleitet. Zur seitlichen Stabilisierung der taillierten Gehfläche sind unterhalb dieser Zugbänder an den Querträgern und am Widerlager angeschlossen. Die Brücke wurde nahe der Baustelle auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums vormontiert: die beiden Dreigelenkbögen mit gegenseitiger Stabilisierung, Abhängung mit Zugstangen sowie Gehfläche. Anschliessend wurde das zwölf Tonnen schwere Teilwerk mit einem Autokran eingehoben und auf provisorische Lager gesetzt. An den Widerlagern konnten danach die ebenfalls vormontierten Anschlussteile in Stahl einbetoniert werden, bevor die Schlussmontage der Brücke erfolgte.


Isometrie Tragwerk

Querschnitt

L채ngsschnitt

10 m

Grundriss

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Ort Park Bünzhalde, 5605 Dottikon Bauherrschaft Gemeinde Dottikon Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Bauingenieur Wilhelm + Wahlen, Aarau Beratung Architektur Architheke, Brugg Landschaftsarchitektur Naef & Partner, Landschaftsplanung und Gartenarchitektur, Brugg Holzbau Schäfer Holzbautechnik AG, Dottikon Materialien Brettschichtholz 13 m3; Lamellen in Douglasie 67 m2; Handlauf in Douglasie 0,6 m3; Lattung und Bohlen in Eiche 3,2 m3 Gesamtkosten Brücke CHF 380 000.– Kosten Holzbau CHF 170 000.– Charakteristik Geh- und Radwegbrücke, Gesamtlänge 26 m, Spannweite 24 m, Breite Gehfläche 3 m Bauzeit Januar – März 2011 Fotografie Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See

Ansicht und Querschnitte beim Anschluss der Zugstange und der Kipphalterung am Bogen: Die Aufhängung der Zugstangen unter und die Kipphalterungen zwischen den Bögen sind mit Bauschrauben durch die Bögen hindurch befestigt. Seitliche Holzbekleidungen und eine Blechabdeckung gewährleisten den Witterungsschutz.

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Anschlüsse Gehfläche beim Querträger: An den über Zugstangen abgehängten Querträgern sind die Balkenlage der Gehfläche über eine Stabdübelverbindung mit eingeschlitzten Blechen und die Zugbänder unterhalb der Balkenlage angeschlossen.

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Wellness-Hotel Rössli, Weggis Das Wellness-Hotel Rössli liegt in der Kur- und Hotelzone im Unterdorf von Weggis. Seine frühere Erscheinung mit den grossen Betonbalkonen an der Hauptfassade war formal und baulich nicht mehr zeitgemäss. Das breitgefächerte und hochstehende Behandlungsangebot im Wellnessbereich verlangte nach modern gestalteten Räumen von entsprechender Grösse und Qualität; ähnliches galt für die Gästezimmer. Das Haus sollte mit einem Umbau eine neue Identität erhalten. Bereits im 16. Jahrhundert wurden in der Wirtschaft zum Rössli, dem ältesten Gasthof von Weggis, Gäste empfangen. Das Hotelangebot und der dem Umbau zugrunde liegende Ursprungsbau gehen auf die Gründerzeit des Tourismus in der Innerschweiz zurück. 1898, in der Zeit der Klimakurortgründung, wurde im ländlichen Renaissancestil ein Neubau errichtet. In den letzten Jahrzehnten wurde das Hotel stetig erweitert, während es sich auf Wellness spezialisierte. Der Umbau setzt im wesentlichen die Ergänzung des Hauptbaus mit zwei Volumen im Süden und Westen um. Im westlichen Zusatzvolumen entstand über dem bestehenden Restaurant ein Ruheraum. In den darüberliegenden Obergeschossen wurden die bestehenden Zimmer verlängert und durch innenliegende Balkone ergänzt. Das südliche Zusatzvolumen steht auf dem bestehenden Saal im ersten Obergeschoss. Analog dem Westvolumen wurden die Zimmer vergrössert und durch innenliegende Balkone ergänzt. Die jeweils bestehenden Fassaden wurden abgebrochen und mit den Zusatzvolumen nach den aktuellen wärmetechnischen Vorschriften neu aufgebaut. Diese Massnahmen generierten 21 neue Gästezimmer und drei grosse Turmzimmer. Die innere Organisation des Gebäudes ist mit der Neuglie-

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derung der Räume vereinfacht und optimiert worden. In den Gästezimmern führen geringe Zimmerbreiten und grosse Raumtiefen zu einer klaren Struktur. Die Zimmer wirken durch ihre grosse Raumhöhe und die offenen Nasszellen grosszügig und lichtdurchflutet. Auf eine präzise Materialisierung wurde besonderer Wert gelegt. Zur stimmungsvollen Ausformulierung der Thematik Wellness drängte sich der Baustoff Holz geradezu auf. Die gewählten Holzarten erfüllen bezüglich Nutzung und Oberfläche die notwendigen Anforderungen präzis. Die Fassadenbekleidung bilden Schindeln in Western Red Cedar (Fachweite 140 mm, Breite 80–160 mm). Neben dem gestalterischen Aspekt und dem Bezug zu städtebaulichen Strukturmerkmalen – weiteren Hotels in naher Umgebung und der Unterdorfskapelle gleich gegenüber – erfüllt die Schindelbekleidung auch Widerstandsansprüche hinsichtlich Witterung bestens. Für die Bodenroste der Balkone wurde Yellow Cedar eingesetzt. Das Holz erfüllt die im Hotelbereich herrschenden hohen Anforderungen an Hygiene, Wohlfühlfaktor und wartungsarme Oberflächen. Die Deckenuntersichten sind mit Akustikplatten naturfarben bekleidet. Die Fensterrahmen und Fensterflügel bestehen aus Oregon Pine. Diese Holzart weist neben der hohen Widerstandsfähigkeit und dem ausgeglichenen Schwundverhalten auch die Möglichkeit einer offenporigen Oberflächenbehandlung auf. Im Ruheraum sind Sitz-/Liegebank und Deckengeflecht in Western Red Cedar ausgeführt. Diese Holzart wurde wegen ihrer Inhaltsstoffe ausgewählt, deren Schutzwirkung sich bei feuchtem Innenklima als Vorteil erweist. Zudem erzeugen die schlichte Maserung und der feine Farbton die gewünschte Wohlfühlstimmung. Der Boden der Gästezimmer, der Behandlungsräume und des Ruhe-

raums besteht aus massivem, geöltem Parkett in europäischem Kirschbaum. Diese Holzart ist sehr feinporig und gegenüber Feuchtigkeit widerstandsfähig. Der Gerbstoffgehalt ist klein und passt gut zu den bereits angewandten Holzarten. Beide Erweiterungsvolumen sind mit Brettstapelelementen für Wände, Decken und Dach konstruiert. Die Aussenwände bestehen aus sägerohen Brettstapeln mit einer inneren Beplankung aus Gipsfaserplatten, einer aussen aufgebrachten Dämmung und einer Abdeckung aus Gipsfaserplatten sowie schliesslich der auf der Lattung aufgebrachten Schindelbekleidung. Die Brettstapelelemente der Trennwände sind beidseitig mit Gipsfaserplatten beplankt, wobei aus bauakustischen Gründen einseitig eine Vorsatzschale mit Federbügeln abgesetzt ist. Über den Brettstapelelementen der Decke sind ein Trockenestrich mit integrierter Bodenheizung und darauf das massive Parkett eingebaut. Eine abgehängte Bekleidung erlaubt das Führen von Elektro-, Lüftungs- und Sprinklerleitungen. Die Stabilisation der Anbauten geschieht über neue aussteifende Wände und die Anbindung an den bestehenden Bau. Die neuen Wandscheiben sind in der Ebene der Aussenwände des Gebäudebestandes angeordnet. Die Gebäudeversicherung des Kantons Luzern verlangte für den fünfgeschossigen Beherbergungsbetrieb ein Brandschutzkonzept. Im Rahmen eines objektspezifischen Brandschutzkonzeptes mit Sprinkleranlage als Vollschutz konnte der Um- und Anbau des Hotels in Holzbauweise realisiert werden. Das objektbezogene Brandschutzkonzept diente als Grundlage für die feuerpolizeiliche Ausnahmebewilligung im Einzelfall.


Sees

trass e

Situation

1. Obergeschoss

2.–4. Obergeschoss

Grundriss neue Gästezimmer

5m

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Bauherrschaft Wellness Hotel Rössli, Josef Nölly, Weggis Architektur Alois M. Fischer, dipl. Arch. ETH/SIA, Cham; Projektleiterin: Mariette Nölly, dipl. Arch. ETH HKLS-Ingenieur Imboden Solista GmbH, Horw Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holz- und Innenausbau Tschopp Holzbau, Hochdorf (Holzbau), Schär AG, Wil (Fenster), Stalder Bodenbeläge AG, Ermensee (Böden), Hüsler Nest AG, Oberbipp (Betten), Victoria Trade GmbH, Baar (Mobiliar) Materialien Bauholz: Brettstapelelemente 196 m3; Bekleidungen: Boden in europäischer Kirsche 625 m2, Balkonroste in Yellow Cedar 152 m2, Balkonuntersicht 131 m2, Deckenuntersichten und Sitzbänke in Red Cedar 79 m2; Fassadenbekleidung: Schindeln in Western Red Cedar 952 m2; Fensterkanteln in Oregon Pine 1800 m Baukosten BKP 2 CHF 4,68 Mio. davon BKP 214 CHF 1,65 Mio. Bauzeit Januar – August 2008 Fotografin Selina Nauer, Zug

Dachaufbau von aussen: Extensivbegrünung 80 mm Bituminöse Sperrschicht Gefällsdämmung 160 mm Dampfsperre Brettstapelelement 140 mm Gipsfaserplatten 15 mm Abhängesystem 330 mm/Dämmung 100 mm Gipsfaserplatten 2 x 12,5 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm Brettstapelelement 87 mm Lattung 160 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Lattung 24 mm Schindelbekleidung Deckenaufbau von oben: Parkett in Kirsche 10 mm Verlegeplatte 30 mm mit integrierter Bodenheizung Trittschalldämmplatte 10 mm Lattung 70 mm/Schüttung Rieselschutz Brettstapelelement 140 mm Gipsfaserplatten 15 mm Abhängesystem 300 mm/Dämmung 100 mm Gipsfaserplatten 2 x 12,5 mm

Fassadenschnitt neue Gästezimmer

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Detail Abfangung S채li mit Loggia: Brettsperrholzplatten von 200 mm Dicke bilden die aussteifenden Wandscheiben in der Ebene der Aussenw채nde des Geb채udebestandes aus. Die Abfangung der Geschossdecken erfolgt teilweise mit einer Stahlkonstruktion.

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Hotel City Garden, Zug Das Parkhotel Zug plante den Bau einer temporären Dépendance auf einem öffentlichen Grundstück, das in zwölf bis fünfzehn Jahren als Installationsplatz für ein Strassenbauprojekt vorgesehen ist. Trotz der beschränkten Lebensdauer sollte das Hotel die Auflagen eines Vier-Stern-Betriebs erfüllen und einen unverwechselbaren Ausdruck haben. Angesichts des Mangels an Hotelbetten in der Stadt entschieden sich Kanton und Bauherrin, benachbarte Grundstücke zusammenzufassen und darauf ein Hotel zu errichten. Dies geschah in unmittelbarer Nähe zum bestehenden Hotel der Bauherrin an idealer Lage. So befinden sich der Zuger Hauptbahnhof und ein grosses Einkaufszentrum in Gehdistanz, und ein parkähnlicher Grünraum beginnt gleich vor der Türe. Das Projekt wurde aus dem seriellen Charakter von Hotelbauten entwickelt. Die übliche Aneinanderreihung von Zimmern ist durch die Ausdrehung des Moduls in einen expressiven Baukörper verwandelt, der sich in der plastischen Fassade mit einem Gegenstück in der inneren Gangfigur ausdrückt. Auch Kopf und Ende des Baukörpers sind markant ausgebildet. Die idyllische Lage zwischen Bäumen am Waldrand führte zur Idee einer spiegelnden Fassade aus poliertem Chromstahl. Der facettierte Baukörper bildet die umliegende Natur ab und

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verwandelt den Ort in ein Kaleidoskop aus Bau und Natur. Die grosszügigen Fenster setzen die Zimmer gezielt mit dem Garten und dem Wald in Beziehung. Der Hotelbau verfügt über vier Vollgeschosse und einen Attikaaufbau als Technikraum. Die Basis des inneren Aufbaus bildet ein Zimmermodul. Jedes Geschoss fügt sich aus 26 Modulen. Pro Geschoss ergeben sich 20 Einheiten, die jeweils ein Superiorzimmer aufnehmen können, vier Einheiten für Juniorsuiten und zwei Einheiten für Fluchttreppenhäuser und Nebenräume. Insgesamt verfügt das Hotel über 82 Zimmer und Suiten. Die Zimmer sind klassisch aufgeteilt in einen Wohn- und Schlafbereich sowie in eine Nasszelle. Der Nassbereich ist farblich von den weissen Wänden des Zimmers abgesetzt. In den Superiorzimmern ist der Waschtisch jeweils in den Wohn-/Schlafbereich integriert, ein Spiegel aus poliertem Chromstahl schafft eine formale Trennung. Farblich variierte Stoffdrucke mit Blütenmuster sorgen am Kopfende der extrahohen Betten für einen Akzent. Grosszügige Fenster bieten eine visuelle Verbindung zur Umgebung, und schmale, raumhohe Lüftungsflügel ermöglichen einen Kontakt zur Aussenwelt. Bei den Suiten am dreieckigen Kopfende des Baus öffnen sich raumhohe und fast die gesamte Breite des Zimmers einnehmende Verglasungen

zum Wald. Die Lobby ist mit schwarzem Terrazoboden, schwarzem Stucco lustro und raumhohen Verglasungen gestaltet, wodurch die Präsenz des Gartens verstärkt wird. Drei verspiegelte Schmetterlingsstützen bilden das räumliche Zentrum des Raums und dienen neben der Lastabtragung ebenso der Raumwirkung. Die kurze Amortisationszeit bedingte eine zeitsparende Bauweise. Das Hotel wurde daher in Mischbauweise errichtet. Die Betonarbeiten beschränkten sich auf eine Bodenplatte und zwei Treppenanlagen; auf ein Kellergeschoss wurde aus Kosten- und Zeitgründen verzichtet. Daneben entstanden alle weiteren Bauteile in Holzbauweise. Aufgrund der Nutzung als Hotel, der Geschossigkeit und des Holzeinsatzes war ein objektspezifisches Brandschutzkonzept erforderlich. Die Umsetzung sieht die Nutzung der beiden Treppenhäuser als Fluchtwege vor. Jedes Zimmer bildet einen eigenen Brandabschnitt, wobei die Bekleidungen nichtbrennbar mit 60 Minuten Feuerwiderstand ausgeführt sind. Auch die Installationsschächte, welche vom Technikgeschoss von oben herab durch alle Zimmer nach unten führen, sind stockwerkweise abgeschottet sowie innen nichtbrennbar EI60(nbb) bekleidet und vollständig ausgedämmt. Zusätzlich besteht ein Sprinklervollschutz.


Querschnitt

Längsschnitt

20 m

Erdgeschoss

Obergeschoss

Aufgrund des seriellen und modularen Aufbaus der Grundrisse konnten sämtliche Holzbauelemente vorgefertigt werden. Für die Wände kam die Holzrahmenbauweise zum Einsatz, für die Geschossdecken und das Dach wurden Kastenelemente verwendet. Die Bauteile wurden bereits im Werk mit Wärmedämmung und allen Leitungen sowie Elektroanschlüssen vormontiert. So betrug die Realisationszeit mit Planung und Bauen nur gerade zehn Monate.

Situation

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Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 100 mm Abdichtung Dämmung 160 mm mit Gefälle Bauzeitabdichtung/Luftdichtigkeit Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 160 mm/Dämmung 60 mm/Kalksandsplitt 100 mm Dreischichtplatte 27 mm Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Deckenbekleidung auf Unterkonstruktion Deckenaufbau von oben: Parkett Zementunterlagsboden 60 mm Trittschalldämmplatte 2 x 20 mm Gipsfaserplatte 15 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 160 mm/Kalksandsplitt 145 mm Dreischichtplatte 27 mm Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Abhängung/Installationsraum Deckenbekleidung Aufbau Zimmertrennwand: Gipsfaserplatte 12,5 mm Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Ständer 120 mm/Dämmung Dämmung 30 mm Ständer 120 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm

Detailschnitt Zimmertrennwand

Ort Metallstrasse 20, 6304 Zug Bauherrschaft MZ-Immobilien AG, Zug Betreiber Hotelbusiness Zug AG Architektur EM2N, Mathias Müller und Daniel Niggli, Zürich; Projektleitung: Bernd Druffel, Benjamin Nordmann Baumanagement Ghisleni Planen Bauen, Zug Bauingenieur Berchtold + Eicher, Zug Holzbauingenieur Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau AG, Rain Brandschutzexperte QS Holzbau Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See HLKS-Planer Gruenberg + Partner, Zürich Elektroplanung IBG B. Graf, Baar Bauphysik Gartenmann Engineering, Zürich Fassadenplaner Fiorio Fassadentechnik, Zuzwil Innenarchitektur IDA 14, Zürich Signaletik Bringolf Irion Vögeli, Zürich Holzbau Renggli AG, Schötz Materialien Bauholz: Rahmenbaukanteln 310 m3, Brettschichtholz 89 m3, Massivholzdeckenelemente 81 m3, Furnierschichtholz 60 m3; Platten: Dreischichtplatten 42 mm 100 m2 und 27 mm 7000 m2, OSB 300 m2, Gipsfaserplatten 29 500 m2, zementgebundene Spanplatten 250 m2; Rauhspundschalung 320 m2 Geschossfläche SIA 416 3978 m2 Gebäudevolumen SIA 416 15 500 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 950.– Bauzeit April – Dezember 2009 (gesamter Bau), Juli – August 2009 (Holzbau) Fotograf Roger Frei, Zürich

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Axonometrie

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Altes Hospiz, St. Gotthard Der Gotthardpass ist einer der symbolträchtigsten Alpenübergänge der Schweiz. Die Erneuerung des Alten Hospizes – im August 2010 wurde es als Dreisternhotel mit vierzehn Zimmern neu eröffnet – trägt der Bedeutung des Ortes umfassend Rechnung. Die ästhetisch schlüssige optische Neufassung und Zentrierung des Ensembles schafft mit ihrer ausdrucksstarken Dachkonstruktion einen markanten Fixpunkt in der mythenbeladenen alpinen Landschaft. Der Gotthard ist seit Jahrhunderten die wichtigste Verkehrsader zwischen der italienisch- und der deutschsprachigen Schweiz und gleichzeitig auch eine bedeutende Verbindung im innereuropäischen Verkehrsnetz. Die umfangreichen Festungsbauwerke der Schweizer Armee zeugen eindrücklich von der Bedeutung des Gotthardübergangs nicht nur in kultureller und politischer, sondern auch in militärischer Hinsicht. Die Strasse über den Gotthard war über die Jahrhunderte einem fortlaufenden baulichen Wandel unterworfen, der den jeweils aktuellen Reisebedürfnissen und technischen Möglichkeiten Rechnung zu tragen hatte. Die Vielzahl der über den Pass führenden Wege und Strassen belegt diese wechselvolle Geschichte ebenso wie die zahlreichen Zeitschichten, die das Gebäudeensemble zwischen den zwei Seen aufweist. Die Ankunft auf der Passhöhe wird baulich von der Alten Sust und dem Hotel St. Gotthard geprägt. Das Alte Hospiz liegt etwas zurückversetzt hinter diesen Bauten und hat mit seiner

hohen, nach Süden gerichteten Giebelfassade eine bedeutsame Fernwirkung. An der Nordseite umschliesst das Gebäude die kleine Kapelle aus dem 16. Jahrhundert. Ursprünglich als Haus des Priesters 1623 erbaut, wurde es im 18. Jahrhundert nach dem Niedergang der Lawine vom Monte Prosa als eigentliches Kapuzinerhospiz neu aufgebaut. Das Gebäude wurde nach und nach vergrössert und den Bedürfnissen angepasst. Nach dem grossen Brand von 1905 wurde die innere Struktur vollständig ersetzt und die Kapelle mit einer mehrgeschossigen Aufstockung überbaut. Das ortsbauliche und architektonische Potential des heutigen Alten Hospizes liegt einerseits im trutzigen Ausdruck des Bauvolumens auf der dem harten Bergklima ausgesetzten Passhöhe und andererseits in der aufrechten, Richtung Süden zeigenden Hauptfassade mit ihren gedrungenen Fensteröffnungen. Diese Elemente prägen sich dem Reisenden als Erinnerung an den bedeutungsvollen Ort ein und transportieren mit dem Gestus des Gebäudes die Symbolik des Ortes. Der Eingriff will diesem prägenden Charakter gerecht werden und mit dem notwendigen Respekt vor dem kulturellen Denkmal eine neue Zeitschicht mit angemessenen Mitteln hinzufügen. Diese baulichen Massnahmen umfassen einerseits das Entfernen verunklärender Teile und andererseits eine gezielte Stärkung der ortsbaulichen und architektonischen Wirkung, ohne jedoch die historische Bedeutung und architektonische Form kompromittieren zu wollen. Die Aufstockung der Kapelle aus dem frühen

20. Jahrhundert wurde volumetrisch reduziert, was dem Sakralbau seine Bedeutung zurückgibt. Die bislang getrennt wahrgenommenen Gebäudeteile von Kapelle und Hospiz werden nun unter einem grossen, mit Blechbahnen aus Blei belegten Dach vereint, wobei sich die neu eingefügte Nutzung als Hotel in den aufgesetzten Dachgauben manifestiert. An der um ein Geschoss erhöhten Hauptfassade lassen sich die verschiedenen Zeitschichten der letzten Jahrhunderte ablesen, indem den heute schon unterschiedlichen Fenstertypen ein zeitgenössischer hinzugefügt wurde. Die Einrichtung eines zeitgemässen Hotelbetriebes in der zu Anfang des 20. Jahrhunderts eingebauten Struktur hätte so tiefgreifende Umbaumassnahmen zur Folge gehabt, dass ihr Erhalt nicht sinnvoll erschien. Daher wurde die innere Raumstruktur bis auf das erste Obergeschoss zurückgebaut, wobei die Fassaden bestehen blieben. Die ersten zwei Geschosse sind massiv ausgeführt; darüber ist innerhalb der umfassenden Fassaden eine Holzkonstruktion in Ständerbauweise mit Bohlenfüllung eingestellt, wie sie im Kanton Uri seit dem 15. Jahrhundert verwendet worden ist. Genauso wie die traditionelle Anwendung dieser Konstruktion nur für Innenwände galt, ist das neue Holztragwerk zwischen die umfassenden Fassaden eingefügt und mit liegenden Bohlen ausgefacht. Diese Trockenbauweise ermöglichte das Fabrizieren der Holzkonstruktion im Tal und eine verkürzte Bauzeit während der kurzen schneefreien Periode im Sommer. Zugleich erlaubt die gedämmte Holzkonstruktion eine energetische Optimierung des Gebäu-


des, so dass es heute mit Erdwärme beheizt werden kann. Unter der mächtigen Fassade betritt der Gast durch die alte Holztüre das Gebäude und gelangt über die historische Treppe in das Obergeschoss, in welchem gemeinschaftliche Räume angeordnet sind. Eine grössere Stube mit dem alten, wieder instand gesetzten Ofen sowie zwei kleinere Seitenkammern mit Lesezimmer und Teeküche werden zu einem Ort der Begegnung in dem auch zur Sommerzeit eher unwirtlichen Klima auf der Passhöhe. In den darüber liegenden Geschossen sind auf beiden Seiten des langgezogenen, verputzten Korridors die Gästezimmer angeordnet. Der Gast betritt aus dem Flur – wie in einem Wohnhaus – direkt sein Zimmer, welches über ein kleines Fenster belichtet wird. Dem mit einem Sessel und einer Kommode für die Kleider des Reisenden möblierten Zimmer sind in einer alkovenartigen Erweiterung eine Bettnische und als abgeschlossene Einheit der Nassraum angefügt. Die massive Holzkonstruktion fasst die intimen Gästezimmer ein und verleiht ihnen einen urtümlichen Charakter. Die Zimmer sind mit wenigen Möbeln zurückhaltend möbliert und erinnern so an die Geschichte des Hauses als einfaches Gasthaus. Die giebelständige Südfassade aus Bruchsteinmauerwerk wurde um ein Geschoss erhöht. Ein auf das Mauerwerk aufgesetztes, umlaufendes Betonband bildet den Abschluss der Fassaden rings um das Gebäude. Es sichert die Mauerkrone und dient der Aufnahme der Schubkräfte des neuen Dachstuhls. Die neuen Fassadenbereiche wurden mit einem

neuen, rauhen Putz überzogen, welcher sich in seiner Struktur am bestehenden Charakter orientiert. Die Baustruktur bis und mit erstes Obergeschoss ist als Massivbau erstellt. Die betonierte Decke über dem ersten Obergeschoss trennt die Gemeinschaftsräume der ersten beiden Geschosse von den darüber liegenden Hotelzimmern. Diese wurden in der schon beschriebenen Ständerbauweise mit Bohlenfüllung errichtet. Die Ständer bilden die Tragstruktur für die neuen Holzdecken der Hotelzimmer und werden im Dachgeschoss zum Auflager für die hölzerne Dachkonstruktion. Die Raumtrennung erfolgt durch die in die Ständer eingelegten Bohlen. Der Zwischenraum zwischen der neuen, innenliegenden Holzkonstruktion und dem bestehenden Mauerwerk ist gedämmt, was das Gebäude wärmetechnisch aufwertet. Die Korridorwände sind aufgrund der feuerpolizeilichen Vorschriften in Ortbeton erstellt und mit einem Naturputz belegt. Die Kapelle blieb nahezu unberührt. Einzig die Wandoberflächen wurden von Feuchteschäden befreit und mit einer etwas abgetönten Keimfarbe neu gestrichen, und die bestehenden Sockelleisten des Granitbodens wurden entfernt, um die massive Erscheinung des Bodens zu verstärken.

Situation


Ort St.-Gotthard-Pass, 6780 Airolo Bauherrschaft Fondazione Pro San Gottardo, Airolo Bauherrenvertretung/Projektkoordination Architekt Franco Poretti, Lugano Architektur Miller & Maranta, dipl. Architekten ETH BSA SIA, Basel; Mitarbeit: Quintus Miller, Paola Maranta, Jean-Luc von Aarburg Bauleitung CAS Architekten, Altdorf Bauingenieur Conzett Bronzini Gartmann AG, Chur; Projektleitung: Rolf Bachofner Bauphysik BWS Bauphysik AG, Winterthur Ingenieur HLKS Visani Rusconi Talleri SA, Lugano Holzbauingenieur Conzett Bronzini Gartmann AG, Chur; Projektleitung: Rolf Bachofner Brandschutzberatung Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau ARGE URI: Gebr. Bissig Holzbau, Altdorf, Herger & Co. GmbH, Spiringen, und Paul Stadler Zimmerei, Flüelen Materialien Bauholz: Ständerholz 30 m3, Brettschichtholz und Bodendielen 90 m3; Bohlenbretter 40 mm 35 m3, Schalung 30 mm 25 m3; OSB 15 mm 600 m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 5,4 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 4,2 Mio. davon BKP 214 CHF 600 000.– Bruttogeschossfläche 1020 m2 Gebäudevolumen SIA 416 3285 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 1278.– Bauzeit 1. Bauetappe: Mai – Oktober 2008; 2. Bauetappe: Mai – Oktober 2009; 3. Bauetappe: Mai – Juni 2010; Fertigstellung: 1. Juli 2010; Eröffnung: 1. August 2010 Fotograf Ruedi Walti, Basel

Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

3. Obergeschoss

4. Obergeschoss

5. Obergeschoss

10 m


Dachaufbau von aussen: Bleiblechbedachung 2–2,5 mm Trennlage Holzschalung 30 mm Entspannungsebene 40 mm Bituminöse Abdichtung beschiefert Holzschalung 30 mm Sparren 260–320 mm/Dämmung Dichtungsfolie Installationsebene 40 mm Holzbohlen 30 mm Aufbau Aussenwand von innen: Holzbohlen 40 mm Lattung 80 mm /Dämmung OSB 15 mm Hohlraum 220 mm Dämmung 160 mm Betonwand 300 mm Aussenputz 20 mm Deckenaufbau von oben: Massivholzdielen Langriemen 25 mm Holzfaserdämmung 60 mm Gartenplatten 50 mm Kokosfasermatte 5 mm Massivholzdielen-Decke 100 mm Deckenaufbau von oben: Holzdielen Lärche 20 mm Unterlagsboden 60 mm Stahlbetondecke 160 mm Deckenaufbau von oben: Massivholzdielen Langriemen 25 mm Holzfaserdämmung 60 mm Stahlbetondecke 280 mm

Schnitt

10 m


Zunfthaus zur Zimmerleuten, Zürich Das Haus zum Roten Adler am rechten Limmatufer blickt auf eine Geschichte von 850 Jahren zurück. Seit 550 Jahren gehört es der Zunft, in der die Zimmerleute, Maurer, Küfer und Rebleute Zürichs zusammengeschlossen waren. Mit der feingliedrigen Sandsteinfassade und dem prachtvollen Zunftsaal von 1708 ist es eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Stadt Zürich. Ein Grossbrand zerstörte es im November 2007. Nach dem Wiederaufbau erstrahlt das Haus seit Oktober 2010 in neuem Glanz. Nach dem Brand von 2007 sah sich die Zunft zur Zimmerleuten vor die Frage gestellt, wie mit der Brandruine umgegangen werden sollte. Es war unklar, ob das Gebäude überhaupt wieder aufgebaut werden konnte. Auch innerhalb der Zunft gab es unterschiedliche Haltungen. So leitete die Zunft umfassende Abklärungen für eine breit abgestützte Entscheidungsfindung ein. Für den Wiederaufbau wurden zwei Vorschläge ausgearbeitet. Nach kontrovers geführten Sitzungen entschied sich die Zunft für den Vorschlag von Rüegg Architekten mit einem Konzept für die Denkmalschutz-Gestaltung, einem Konzept für die Nutzung sowie den Wiederaufbau in Übereinstimmung mit dem Inventar des Kulturgüterschutzes. Damit hat sich die Zunft auch für die Beibehaltung der Nutzung Gastronomie im historischen Rahmen entschieden. Entsprechend stellten Nutzungsänderungen im Gebäude die Ausnahme dar, und bei der Planung erwiesen

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sich die Erfahrungen aus dem nur wenige Jahre zuvor unternommenen Umbau als sehr wertvoll. Im Nutzungskonzept wurden vier wesentliche Bereiche vorgesehen: Der Gästebereich mit historisch wertvollen Räumen und handwerklich anspruchsvollem Innenausbau, wo eine Restaurierung der wertvollen Originalsubstanz und eine Rekonstruktion der fehlenden Elemente gewünscht war. Der Betriebsbereich mit Räumen für die Produktion, das Lager und den Service, wo ein moderner Ausbau nach Massgabe des Betriebes erforderlich war. Der Haustechnikbereich, wo durch Behördenauflagen und erhöhte Komfortansprüche, insbesondere des Betriebes, gegenüber dem Altbau ein erheblicher zusätzlicher Raumbedarf bestand. Und schliesslich der Zunftadministrationsbereich, wo ein Ausbau nach Massgabe des Bedarfs der Zunft im Rahmen der noch verfügbaren Restfläche erfolgen sollte. Für den zusätzlichen Raumbedarf, der sich daraus ergab, wurden Restflächen im Dachgeschoss und im neuen Untergeschoss verwendet. Das Zunfthaus war gut, teilweise sogar ausgezeichnet dokumentiert. So lagen im Staatsarchiv Pläne, die es erlaubten, die Baugeschichte praktisch lückenlos nachzuzeichnen. 1976 wurde das Zunfthaus durch den Kulturgüterschutz ausführlich dokumentiert. Es handelte sich damals um einen der wenigen Profanbauten, die der höchsten Schutzstufe zugeordnet wurden. Diverse Umbauten unter der Leitung von Zünfter und Architekt Caspar Rüegg waren ebenfalls gut dokumentiert.

Im Vorfeld des Umbaus von 2000/2001 wurden die Fassaden fotogrammetrisch erfasst und aufgezeichnet. Im Innern wurden im gleichen Zug alle Wände gegen Limmatquai und Römergasse elektronisch ausgemessen. Vom Umbau her existierte verlässliches Planmaterial. So gab es neben dem Bestand auch unzählige Anhaltspunkte und Plangrundlagen, die in sehr kurzer Zeit zu aktuellen Bauplänen aufgearbeitet werden konnten. Diese provisorischen Pläne dienten den Spezialisten als Grundlage für die jeweiligen Haustechnikprojekte. Aber bereits hier zeigten sich Schwierigkeiten: Mauern standen selten im rechten Winkel zueinander, Decken verfügten über verschiedene Höhenangaben, lagen also in Schräglage und oft nicht als Ebenen im Gebäude. Etliche Wände waren nicht gerade, sondern gewölbt und gekrümmt und in dieser Form auch in den Plänen erfasst. Zudem gab es die Bausubstanz. Fassaden mit Fenstern hatten den Brand überstanden. Diese stellten Referenzpunkte dar, die nicht verschoben werden konnten. Ebenso verhielt es sich mit noch bestehenden Balkenlagen, Treppen, Säulen in den Sälen sowie ausgebauten Täferelementen, die ihren alten Platz wiederfinden sollten. Radiatorabdeckungen sollten wieder eingebaut werden können, obwohl inzwischen Heizrohre, Sprinklerleitungen und Brandschutz auch in Decken Platz finden mussten. Das war für die Haustechnikplaner und die Bauleitung gewöhnungsbedürftig. Aufgrund der Laufzeit für die Abschätzung durch die Gebäudeversicherung, der erforder-


Schnitt

Erdgeschoss

lichen Austrocknungszeit des Brandobjektes, der noch ausstehenden Baubewilligung und des bevorstehenden Winters mit einem neuerlichen Notdach wurden die Arbeiten an Fassade und Dach vorgezogen. Für die frühe Erstellung des definitiven Daches sprach auch die Tatsache, dass bis auf wenige Fassadenpartien die Umfassungsmauern den Brand weitgehend und ohne grössere Schäden überstanden hatten. So konnte das Dach mit den notwendigen Mauerschwellen mit zusätzlichen Spriessungen im Gebäudeinnern aufgerichtet werden. Das Dach über dem grossen Zunftsaal ist als liegender Binder ausgeführt, also eine Konstruktion nach alter Zimmermannstradition, und wurde zusammen mit der Balkenlage der Zunftsaaldecke konventionell aufgerichtet. Die Aufzüge und Transporte dazu erfolgten im Sechsminutentakt, um die Tramlinien nicht zu stören. Das Türmchen und die Dachlukarnen kamen fertig montiert auf die Baustelle. Über dem hinteren Teil des Zunfthauses wurde der Wiederaufbau mit einem zweistöckigen Holzelementbau realisiert, wobei auch der hintere Dachteil in Elementbauweise auf die Baustelle angeliefert wurde. Rund ein Jahr nach dem Brand erhielt die Bauherrschaft im Oktober 2008 die Baubewilligung. Bereits im November 2008 konnte das Aufrichtfest gefeiert werden. Nach archäologischen Grabungen und Rohbauarbeiten begann im November 2009 der Einbau der Haustechnik und im Frühjahr 2010 der Innenausbau. Im Oktober 2010 wurde das Zunfthaus feierlich wiedereröffnet.

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

3. Obergeschoss

10 m

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Innenansichten grosser Zunftsaal im 2. Obergeschoss

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Innenansichten kleiner Zunftsaal im 2. Obergeschoss

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Ort Limmatquai 40, 8001 Zürich Bauherrschaft Zunft zur Zimmerleuten, Zürich Gesamtleitung Rüegg Architekten, Zürich Bauleitung Dallco GmbH, Zürich Denkmalpflege Kantonale Denkmalpflege Zürich, Dübendorf Bauingenieur Suter + Walser AG, Zürich Bauphysik BWS Bauphysik AG, Winterthur Ingenieur HLSE Ernst Basler + Partner AG, Zürich Holzbauingenieur Paul Grunder AG, Teufen Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holz- und Innenausbau ARGE Moser + Oberholzer, Gossau (Holzbau), Peter Epting AG, Zürich, Pendt Innenausbau AG, Gossau, und Ernst Wieland AG, Zürich (Schreinerarbeiten), Xaver Fuchs, Uerzlikon, und Treppenbau AG, Bazenheid (Treppenbau), Jos. Berchtold AG, Zürich (Brandschutztüren), R. Brunner AG, Zürich (Schreinerarbeiten Türen), Müller Parkett GmbH, Kägiswil (Parkettarbeiten), Hans Rentsch, Zürich (Rekonstruktion Barockdecke), sowie Jörg Magener, Zürich (Holzrestaurierung) Materialien Bauholz: Brettschichtholz 47 m3, Vollholz 43 m3; Platten: Furnierschichtholz 33 mm 324 m2, OSB 18 mm 204 m2, Dreischichtplatten 27 mm 729 m2; Dachschalung 21 mm 318 m2 Baukosten CHF 17,5 Mio. Bauzeit Oktober 2008 – September 2010 Fotografie nave fotografie, Nadja Athanasiou und Peter Lüem, Zürich

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Wohnhaus Maienzugstrasse, Aarau Der Ersatzneubau fügt sich in eine einheitliche Wohnsiedlung aus den fünfziger Jahren mit sehr kostengünstigen Mietwohnungen. Er optimiert die Gesamtwirtschaftlichkeit der Anlage und entlastet die bestehenden Häuser vom Veränderungsdruck. Die neuen Wohnungen und Aussenräume erhalten die Identität der bestehenden Wohnanlage und begründen mit dieser eine neue Einheit. Ende der vierziger Jahre erstellte die allgemeine Baugenossenschaft Aarau und Umgebung (ABAU) ihre erste Familien-Wohnsiedlung an der Maienzugstrasse in der Aarauer Telli. Die Siedlung mit den durchfliessenden Grünräumen und die schlichten Baukörper atmen den Geist der Landisiedlungen jener Zeit. Die dreigeschossigen Häuser mit Drei- oder Vierzimmer-Familienwohnungen wurden später im Südosten mit zweigeschossigen ‹Stöckli-Blocks› ergänzt. Darin boten Ein- oder Zweizimmerwohnungen mit Etagenduschen günstigen Wohnraum für die nachfamiliäre Zeit. Veränderte Bedürfnisse führten dazu, dass die beiden Blocks mit den Alterswohnungen seit Jahren nicht mehr gemäss ihrem ursprünglichen Zweck als ‹Stöckli› vermietet werden konnten. Nach einer kreativen Zwischennutzungsphase lohnte sich die Sanierung der Bauten wegen der mangelnden Entwicklungsfähigkeit der Baustruktur nicht mehr. Deshalb hat die Genossenschaft im Jahr 2001 nach einer Präqualifikation einen Studienauftrag unter fünf Architekturbüros durchgeführt, den das Büro Zimmermann Architekten für sich entschied. Das realisierte Konzept erhält das konkurrenzlos tiefe Mietpreisniveau der Siedlung an der Maienzugstrasse als wichtiges Element des Aarauer Wohnungsmarktes. Es berücksichtigt

zugleich die Zentrumsnähe des Wohnumfelds mit geringer Verkehrsbelastung, die unmittelbare Nähe zum Erholungsgebiet des Aareufers und die Nachbarschaft zu Kindergärten und zur Primarschule. Zudem weist das Projekt als erste Neubauinvestition der Genossenschaft seit mehr als 20 Jahren auch auf den Generationenwechsel und die Neuausrichtung der Genossenschaftsziele hin. Die vorgeschlagene und realisierte Mischbauweise aus Holzund ergänzenden Betonelementen setzt Aspekte der Nachhaltigkeit exemplarisch um. Vorgefertigte Betonelemente bilden die Balkone und die Treppenhäuser aus. Ab den Kellerwänden bestehen die Aussen- und Innenwände in Holzrahmen- und in Tafelbaubauweise, die Geschossdecken und das Dach ausschliesslich aus vorfabrizierten Kastenelementen. Die Stabilisierung des gesamten Gebäudes erfolgt über die Holzbauelemente, welche die Auswirkungen in den massiven Unterbau ableiten. Als einer der ersten dreigeschossigen Bauten im Kanton Aargau entspricht das dem Projekt zugrundeliegende, rein bauliche, aber objektspezifische Brandschutzkonzept der damaligen Zeit einem baulichen Standardkonzept gemäss heutigen Kenntnissen und Vorschriften. Aus Rücksicht auf den Ort und die Bauweise der fünfziger Jahre wird Holz als geeignetes und wirtschaftliches Baumaterial unter der Oberfläche eingesetzt. Stimmungs- und Bedeutungsträger bleiben die sicht- und spürbaren Oberflächen des Verputzes und der geschliffenen Betonelemente sowie die kostbaren Schiebeläden aus in zwei Farbtönen eloxierten Aluminiumtafeln. Die knappen Wohnungsgrundrisse aus den fünfziger Jahren wurden auf einen heute angemessenen Wohnkomfort für Familien

weiterentwickelt. Die neuen Wohnungen und Aussenräume behalten damit den Bezug zur Stimmung und Identität der bestehenden Wohnanlage, fassen diese aber gleichzeitig zu einer neuen Einheit. So sind die übertiefen Grundrisse einfach strukturiert und erlauben eine sehr ökonomische Organisation der Nutzungen und der Installationsführung. Die klare Funktionstrennung bildet sich in der Mischkonstruktion ab: Der Erschliessungskern mit Installationsschacht und die übereinanderliegenden, zusammengefassten Balkone bestehen aus Beton, die Wohnungen mit der durchgehenden Zimmerschicht nach Norden und den offenen Wohn-/Essräumen nach Süden sind in Holzbauweise ausgeführt. Aus baumethodischer Sicht wurde beim Neubau an der Maienzugstrasse ein innovatives, qualitativ hochstehendes und kostengünstiges Gebäude geplant und realisiert. Nebst den konstruktiven Lösungen in den Bereichen Statik, Schall- und Brandschutz wurden mit der Materialwahl auch bezüglich Ökologie, Energiehaushalt sowie Wertschöpfung Zeichen gesetzt. Die intelligente Kombination der Vorzüge verschiedener Materialien erlaubt eine deutliche Qualitätssteigerung in der Ausführung wie im Unterhalt und Gebrauch. Darüber hinaus entspricht die eingesetzte Bauweise in vielen Belangen den zeitgemässen Forderungen der Nachhaltigkeit: In Kombination mit der Gasheizung und der Installation einer kontrollierten Wohnungslüftung wird der Minergiestandard erreicht. Sämtliches anfallende Meteorwasser wird über Sickergalerien dem Grundwasser zugeleitet. Ökologie und Nachhaltigkeit werden durch ein intelligentes Installationskonzept erreicht. Die konsequente Trennung von Roh- und Ausbau erlaubt neben flexibler und jederzeit


Velos

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nachrüstbarer Installationsführung auch die einfache Trennung der verschiedenen Komponenten bei künftigen Umbauarbeiten oder im Rückbau. Damit wird Materialrecycling erst wirtschaftlich möglich. Die herausragenden bauphysikalischen und baubiologischen Eigenschaften des Werkstoffes Holz ergeben sehr behagliche Räume. Damit wird einem vernünftigen Heiz- und Lüftungsverhalten Vorschub geleistet; die Raumtemperaturen können tiefer angesetzt werden. Zudem wurde der Grauenergieeinsatz unter Wahrung der hervorragenden bauphysikalischen Werte auf ein Minimum reduziert.

Situation


Querschnitt im Eingangsbereich

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Querschnitt im Balkonbereich

Velos

Ort Eversweg 2, 5000 Aarau Bauherrschaft ABAU, Allgemeine Wohnbaugenossenschaft Aarau und Umgebung, Aarau Architektur Zimmermann Architekten, Aarau Ingenieur Mund Ganz + Partner AG, Aarau Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Bauphysik Institut Bau und Energie, Bern HLKS-Ingenieur Bösch AG Ingenieurbüro, Aarau Holzbau Wey Modulbau AG, Wohlen Materialien Konstruktionsholz aus der Schweiz 175 m3; Platten: OSB 28 m3, Dreischichtplatten 285 m3, Gipskartonplatten 75 m3; Fassadenbekleidung: Putzträgerplatten 690 m2 Hauptnutzfläche SIA 416 1950 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 5 Mio. davon BKP 214 CHF 1,55 Mio. Kubatur SIA 116 10 584 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 472.– Bauzeit Juni 2003 (Holzbau), Februar–November 2003 (Gesamtbauzeit) Fotograf Jürg Zimmermann, Zürich

Erdgeschoss

1. + 2. Obergeschoss

20 m


Dachaufbau von aussen: Extensivbegrünung 60 mm Dichtungsbahn Holzfaserdämmplatte 80 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 200 mm/Zellulosefaserdämmung Dreischichtplatte 27 mm Dampfbremse Abhängesystem 120 mm/Dämmung 50 mm Gipskartonplatte 18 mm Aufbau Aussenwand von innen im 2. OG: Gipskartonplatte 12,5 mm Blockholzplatte 35 mm, mit Rippe verleimt Blockholzrippe 40 x 180 mm/Mineralwolldämmung Querlattung 40 mm/Holzfaserdämmplatte Putzträgerplatte 15 mm Deckenaufbau von oben über EG und 1. OG: Anhydrit 60 mm, geschliffen und versiegelt/Bodenheizung Trennlage Trittschalldämmplatte 22 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 240 mm/Hohlraumdämmung 80 mm Dreischichtplatte 27 mm Gipsfaserplatte 15 mm Abhängesystem 120 mm/Dämmung 50 mm Gipskartonplatte 18 mm Aufbau Aussenwand von innen im EG und 1. OG: Gipskartonplatte 2 x 15 mm Lattung 20 mm/Mineralwolldämmung Blockholzplatte 35 mm, mit Rippe verleimt Blockholzrippe 60 x 180 mm/Mineralwolldämmung Querlattung 40 mm/Holzfaserdämmplatte Putzträgerplatte 15 mm

Fassadenschnitte

Deckenaufbau von oben über UG: Anhydrit 60 mm, geschliffen und versiegelt/Bodenheizung Trennlage Trittschalldämmplatte 22 mm Dampfbremse Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 180 mm/Zellulosefaserdämmung Dreischichtplatte 27 mm Sandwichplatte 50 mm


Sechsgeschossiges Mehrfamilienhaus ‹Holzhausen›, Steinhausen Im zugerischen Steinhausen, in unmittelbarer Nähe zum Dorfkern und einem Gebiet mit unterschiedlichen Mehrfamilienhäusern, entstand ab August 2005 im Auftrag einer privaten Bauherrschaft ein sechsgeschossiges Mehrfamilienhaus im Holzsystembau mit Platz für zwei Gewerbe- und neun Wohneinheiten. Als Generalunternehmung für diese Schweizer Premiere trat eine national führende Holzbaufirma auf. Da das Gebäude eine Sonderstellung im Bereich des mehrgeschossigen Holzbaus einnimmt, war es naheliegend, dass sich das Konstruktionsmaterial Holz in der Fassade zeigt, auch wenn das im Kontext der umliegenden, durchwegs verputzten Gebäude nicht das Selbstverständlichste ist. Die Fensteröffnungen liegen übereinander und vermitteln den Eindruck einer klaren Struktur. Das vertikale Muster ergibt sich aus dem Tragwerk, da die vertikale Lastabtragung in dieser Dimension des Holzbaus eine grosse Disziplin verlangt. Die notwendigen Brandschutzmassnahmen führen in der Fassade zu einem die Vertikale unterteilenden Ornament, das nicht auf der Höhe der Geschossdecken, sondern jeweils in der Mitte der einzelnen Stockwerke liegt. Das für die Fassade verwendete rötliche Zedernholz führt zusammen mit den anthrazitfarbenen Fenstern und Balkon-Eternitplatten zu einem kontrastreichen, aber harmonischen

Zusammenspiel der Farben und Materialien. Im Untergeschoss befinden sich Keller, Technikräume und Garagen. Das Erdgeschoss stellt zwei Einheiten zur Nutzung als Büro- oder Gewerberäume zur Verfügung. In den Obergeschossen reagiert der Grundriss auf die beiden primären Orientierungen und bietet zwei verschiedene Wohnungstypen an: eine grössere Einheit (166 m2) mit dem Wohnraum gegen Süden und eine kleinere (149 m2), welche mit den Haupträumen gegen Westen blickt. Die meisten Zimmer der beiden Varianten geniessen Morgensonne. Jede Wohnung verfügt über einen grossen, teilweise eingezogenen Aussenraum, der die Ausrichtung verdeutlicht. Das ‹Haus auf dem Dach› ist ganz spezifisch auf die Wünsche und die Vorstellungen der Bauherrschaft ausgerichtet, bietet spannende räumliche Bezüge und differenzierte Ausblicke in die Landschaft und verspricht somit ein spektakuläres Wohnerlebnis. Alle Räume sind überhoh: die Gewerberäume im Erdgeschoss 2,97 m, die Vollgeschosse 2,57 m und das Attikageschoss 2,75 m. Zusammen mit der grosszügigen Tageslichtnutzung und dem Einsatz von ausschliesslich schadstofffreien Innenmaterialien wird so dem Bedürfnis nach gesundem, behaglichem Wohnklima Ausdruck verliehen. Mit dem Energiebewusstsein der Bauherrschaft als auch der massgeblichen Planer war das Einhalten des Minergiestandards reine Formsache, aber auch Gewähr dafür, dass das Gebäude

nach Jahren noch dem Stand der Technik entsprechen wird. Mit hochwärmedämmenden, opaken Bauteilen, dreifach verglasten Fenstern und einem konsequent umgesetzen Haustechnikkonzept wird dieser Energie- und Komfortstandard erreicht. Die Energiegewinnung wird von 72 Erdwärmekörben gewährleistet. Eine Wasser-Sole-Wärmepumpe arbeitet gleitend auf einen Puffer-Wärmespeicher. Die Vorlauftemperatur wird witterungs- und lastabhängig gesteuert. Vom Technikraum im Untergeschoss führen die Wärmeverteilungen auf die einzelnen Wohnungsverteiler für die Fussbodenheizungen. Alle Wohn- und Schlafräume verfügen über eine Einzelraumregelung. Zusätzlich kann mittels eines digitalen Raumgerätes jede Wohnung als separate Zone geregelt werden. Mit demselben System kann eine leichte Kühlung der Räumlichkeiten realisiert werden. Als Schnittstelle ist ein zusätzlicher Wärmetauscher eingebaut, welcher die von der Fussbodenheizung aufgenommene Wärme an die Soleflüssigkeit der Energiekörbe abgibt. Gleichzeitig wird über elektrische Rafflamellenstoren die Nutzung der Sonneneinwirkung bei den Fenstern reguliert. Jede einzelne Wohn- und Gewerbeeinheit ist mit einem Kompaktlüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung und Feinstaubfilter ausgestattet. Die Fassung der Aussenluft erfolgt über das Dach. Das Lüftungsgerät, die Schalldämpfer und weitere Systemteile haben ihren Platz in einem Hochschrank, der sich jeweils im Eingangsbereich


der Einheiten befindet. Die Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung reduziert den Lüftungswärmeverlust um etwa einen Drittel, womit bei korrektem Nutzerverhalten ein effektiver Heizwärmebedarf von noch 20 kWh/m2 erreicht wird. Nicht nur beim Energie- und Haustechnikkonzept, sondern auch beim Schallschutz wurden beste Standards gewünscht. So orientierte man sich bei der Planung an den erhöhten Anforderungen gemäss der erst später erscheinenden Norm SIA 181 (Ausgabe 2006). Eine ideale Grundrisskonzeption war die Basis für einen guten Schallschutz: Der Erschliessungskern trennt die beiden Wohnungen voneinander ab und bietet links und rechts vom Liftschacht auch eine grosszügige vertikale Erschliessungszone für die Haustechnik. Durch die schalltechnische Entkoppelung des Holzbaus vom Erschliessungskern in Stahlbeton sollen auch Luft- und Trittschallübertragungen vom Treppenhaus in die Wohnungen reduziert und die in die Wohnungen abgestrahlten Liftgeräusche minimiert werden. Die abschliessende Qualitätsüberprüfung mittels Messungen am Bau bestätigte die gewählte konstruktive Umsetzung: Die erhöhten Anforderungen wurden teils deutlich übertroffen, und Geräuscheinwirkungen aus dem Treppenhaus und vom Lift waren weder subjektiv noch messtechnisch ermittelbar. Basierend auf einem baulichen Brandschutzkonzept wurde der sechsgeschossige Holzbau gemäss der Qualitätssicherungsstufe Q4

umgesetzt. Das Untergeschoss mit der Decke darüber, der Gemeinschaftsraum und die Eingangspartie im Erdgeschoss sowie der ganze Treppenhausturm sind in Massivbauweise ausgeführt. Ab hier wurde die gesamte Konstruktion aus vorfabrizierten Elementen in Holz erstellt. Eine gezielte Raumgestaltung ermöglichte zudem die Anordnung der tragenden Innenwände übereinander. In den Innen- und Aussenwänden sind lastabtragende Stützen mit Querschnitten bis maximal 160 x 380 mm integriert. Bei den Geschossübergängen erfolgt die setzungsfreie Lastübertragung über Stirnholzverbindungen oder über in den Decken integrierte, stehende Hölzer. Durch den asymmetrischen Grundriss des Mehrfamilienhauses und infolge der in grossen Mengen verwendeten Materialien lasten auf einzelnen Elementen in den unteren Geschossen enorme Kräfte. Betroffene Wände wurden deshalb mit stahlverstärkten Massivholzplatten gefertigt. Die Stabilität des Gebäudes gewährleisten aussteifende Wände des Massivbaus und des Holzbaus, wobei sich die Beplankung der Holzbauwände nach der Beanspruchung richtet und davon abhängig mit OSB oder Dreischichtplatten ausgeführt wurde. In den untersten zwei Geschossen übernehmen die siebenund fünfschichtigen Massivholzplatten mit bis zu 200 mm Dicke diese Funktion.

Kastenträger als Tragwerk der Geschossdecken und des Attikadaches reichen mit einer Länge von maximal 13,5 m über das ganze Gebäude. Im Bereich der Attikaterrassen kamen Brettstapelelemente zum Einsatz. So konnte eine flächige Wärmedämmung auf die Tragsysteme aufgebracht werden, ohne die Aufbauhöhen der Decken im Übergang von innen nach aussen zu ändern.

Situation

103


Erdgeschoss

1.–4. Obergeschoss

Attikageschoss

104

10 m

Querschnitt


Ort Zugerstrasse 20, 6312 Steinhausen Generalunternehmung Renggli AG, Sursee Architektur Scheitlin-Syfrig + Partner Architekten AG, Luzern Bauingenieur Emch & Berger AG, Zofingen Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Bauphysik Ragonesi Strobel & Partner AG, Luzern HLKS-Ingenieur Gloor + Sehringer GmbH, Reinach Materialien Rahmenbaukanteln und Brettschichtholz 155 m3, Brettstapel 29 m3; Platten: Massivholzplatten 196 mm 116 m2, Massivholzplatten 27 mm, 40 mm und 42 mm 1257 m2, OSB 12 mm und 15 mm 4869 m2, OSB 30 mm 4217 m2, Furnierschichtholz 29 m3, Gipsfaserund Gipskartonplatten 8751 m2; Fassadenschalung in Zeder 1515 m2 Grundstücksfläche 1581 m2 Gebäudegrundfläche 411 m2 Nettowohnfläche 1647 m2 Kubatur SIA 116 9995 m3 (Wohngebäude ohne Carport) Bauzeit Februar – April 2006 (Holzbau), Oktober 2005 – August 2006 (Gesamtbauzeit) Fotografie Renggli AG, Sursee


Aufbau Terrasse von oben: Gartenplatten 50 mm Kies 30–60 mm Wasserdichtung Dämmung 160–130 mm Dampfbremse OSB 12 mm Brettstapelelement 220 mm Gipskartonplatte 18 mm Abhängung 100 mm/Dämmung 60 mm Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag Anhydrit-Fliessestrich 55 mm Trenn- und Gleitlage Trittschalldämmung 22 mm Gartenplatte 50 mm Filzunterlage Kastenelement: OSB 30 mm Balken 240 mm/Dämmung 60 mm OSB 30 mm Gipskartonplatte 18 mm Abhängung 150 mm/Dämmung 60 mm Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 18 mm Luftdichtungsbahn OSB 15 mm Ständer 240 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Fassadenbahn Lattung 2 x 27 mm Geschlossene Schalung in Zeder 20 mm Fassadenschnitt

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Detail Verankerung der aussteifenden Innenwände: Die bis zu 200 mm dicken, mehrschichtigen Massivholzplatten sind kraftschlüssig mit der 40 mm starken Grundplatte verbunden. Diese wiederum ist vollflächig unterschlagen und mit Verbundankern in der Betondecke des Untergeschosses verankert. Die Anschlüsse der Wandelemente im Geschossübergang sind mit in den vorgefertigten Wandelementen eingebauten Stahlteilen ausgeführt, die auf der Baustelle mittels hochfester, vorgespannter Stahlbauschrauben verbunden wurden.


Aufbau Innenwand ab 1. OG: Installationssystem 200 mm Gipskartonplatte 18 mm OSB 15 mm Ständer 80 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Dämmung 55 mm Gipsfaserplatte 2 x 15 mm Ständer 120 mm/Dämmung OSB 15 mm Gipskartonplatte 18 mm Lattung 40 mm Gipskartonplatte 12,5 mm Detail Lastabtragung der Innenwände: Die in die Innenwände integrierten lastabtragenden Stützen weisen in den Elementübergängen einfache Stirnholzverbindungen zur Reduktion der Setzungen und zur höheren Ausnutzung der Druckfestigkeit des Holzes auf. Im Übergang zur massiven Decke sind diese unterschlagen, im Übergang der Geschossdecken sind stehende Hölzer in die Deckenelemente eingearbeitet.

Die Geschossübergänge sind als Schottungen mit 60 Minuten Feuerwiderstand ausgeführt. Aufbau Innenwand im EG: Installationssystem 200 mm Beton 180 mm Luftraum 18 mm Gipsfaserplatte 15 mm Ständer 120 mm/Dämmung OSB 15 mm Gipskartonplatte 18 mm Lattung 40 mm Gipskartonplatte 12,5 mm

Schnitt Wohnungstrennwand bei Steigzone


Wohnüberbauung Eulachhof, Winterthur Das Projekt stellt den Auftakt zur Wohnquartierentwicklung auf einer weitläufigen Sulzer-Industriebrache in Oberwinterthur dar. Die Baukörper spannen Innenhöfe als subtil gestaltete Gärten auf. An den Parzellengrenzen werden die Gebäude mit Brandmauern abgeschlossen. Diese ermöglichen das nahtlose Weiterstricken des Bebauungsmusters zu einer vielschichtigen Stadtraumstruktur. In unmittelbarer Nachbarschaft des Grundstücks wird durch die Stadt Winterthur eine neue Parkanlage, der Eulachpark, erstellt. Ein rechtsgültiger Rahmenplan lag bereits vor. Auf dieser Basis hat Sulzer durch das Planungsbüro Dürig ein städtebauliches Konzept erarbeiten lassen, den ‹Hybrid-Cluster›. Durch die umliegenden Gebäude kommt es zu keiner zusätzlichen Verschattung; eine passivsolare Bebauungsstruktur war gut zu realisieren. Dazu wurde das Wissen der GlassX AG genutzt, welches das Bauen von Nullenergiehäusern mit angemessenen Gestehungskosten ermöglicht. Das Kernelement des entwickelten Gebäudekonzeptes liegt in der Ausgewogenheit von Heizenergieersparnis und Solarenergiegewinn. Die beiden Hauptkörper des Eulachhofs sind als 100m lange und 16m tiefe Ost-West-Riegel mit 40 m Abstand zueinander organisiert. Das ermöglicht auch im Winter optimal besonnte Südfassaden. Die zweigeschossigen Nebenbaukörper mit den publikumsorientierten Nutzungen entlang der Else-Züblin-Strasse profitieren von den Fussgängerströmen zwischen der neuen S-Bahn-Station und der Stadt. Die Innenhöfe werden im Westen durch zweigeschossige Reihenhäuser abgeschlossen. Die Wohnbauten sind über einem Hochparterre organisiert; die Privatsphäre ist bereits im

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ersten Wohngeschoss gewährleistet. Im Erdgeschoss sind die langen Gebäude für die Fussgänger durchlässig. In Nord-Süd-Richtung führen sechs Passagen von der BarbaraReinhart-Strasse zu den Gartenhöfen. In OstWest-Richtung sind die Nebenbauten an der Else-Züblin-Strasse für die Feuerwehrzufahrten durchbrochen. Die Südfassade ist energetisch optimiert, ohne das Komfortbedürfnis und das Lebensgefühl der Bewohner zu vernachlässigen. Zu 60 % wird diese mit dreifachisolierverglasten Fenstern belegt. Die flache Wintersonne dringt tief ins Gebäude ein. Komplementär dazu wird ein speziell entwickeltes Solarglas eingesetzt. Es ermöglicht das Speichern des Sonnenlichts in Form von Wärme im Glas selbst, und zeitverzögert bietet es eine komfortable Wärmeabstrahlung zum Innenraum. Ein integriertes Prismenglas wirkt als saisonaler Überhitzungsschutz. Grosszügige Balkone bieten einen zusätzlichen Sonnenschutz und den von den Bewohnern gewünschten Aussenraum zum Garten. Die gewählte Vertikalerschliessung als Zweispänner hat den grossen Vorteil, dass alle Wohnungen beidseitig ausgerichtet sind. Die zentral gelegenen Nasszellen sind direkt an den Installationsschächten angeordnet. Dies ermöglicht absolut minimierte Horizontalinstallationen für sämtliche Medien. Eine optimale Ausnutzung der Nutzfläche des Gebäudes relativiert den Mehraufwand für das Nullenergiekonzept. Die Haupt- und die Nebenbauten sind zu einem Gebäude verschmolzen. In der Fassadengestaltung wurde darauf geachtet, dass trotz stark repetitivem Charakter der vorfabrizierten Holzelemente eine ausgewogene, differenzierte

Erscheinung entsteht. Die Fassaden sind durch die Minimierung der Transmissionsverluste und die Maximierung der solaren Gewinne geprägt. Hochwärmegedämmte Fassadenmodule, klassische Fensterteilungen und grossformatige Solargläser wechseln innerhalb der Fassadengestaltung ab. Die geschlossenen Fassadenoberflächen bestehen aus sägeroher, vorvergrauter, horizontaler Schalung in Douglasie. So entsteht ein städtischer Bautypus mit einer soliden Selbstverständlichkeit, der sich auf ungewohnte Weise an den benachbarten hellen Industrie-Backsteinbauten orientiert.

Situation


Grundriss

20 m

Schnitt

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Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 15 mm Dampfbremse OSB 15 mm Ständer 380 mm/Holzfaserdämmung Gipsfaserplatte 12,5 mm Windpapier Lattung 40 mm Schalung in Douglasie 25 mm Fenster: Holz-Metall-Fenster mit Dreifachverglasung (0,5 W/m²K), Randverbund aus Chrom-Nickel-Stahl, kleiner Rahmenanteil (1,35 W/m²K), U-Wert Fenster 0,97– 0,63 W/m²K

Fassadenschnitt

Ort Else-Züblin-Strasse/Barbara-Reinhart-Strasse, 8404 Winterthur Bauherrschaft Allianz Suisse Lebensversicherungsgesellschaft AG, Zürich, und Profond Vorsorgeeinrichtung, Rüschlikon Architektur GlassX AG, Architekturbüro ETH/SIA Prof. Dietrich Schwarz, Zürich GU Allreal Generalunternehmung AG, Zürich Bauingenieur Werner Höhn, Ingenieurbüro für Hoch- und Tiefbau, Winterthur Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzberatung Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Haustechnik Amstein + Walthert AG, Zürich Holzbau Erne AG Holzbau, Laufenburg, und Husner AG Holzbau, Frick Materialien Bauholz 850 m³; Fassade: Lattung 21500 m, Schalung in Douglasie 7800 m²; Fenster: Leibungsbretter in Fichte 5500 m², Leibungs- und Sturzbretter in Douglasie 6100 m, Fensterkanteln in Föhre 20 000 m, Fensterfläche inklusive Rahmen 3600 m²; Gläser: Glas total 103 Tonnen, Solarglas 1350 m² Bausumme ca. CHF 55 Mio. Grundstücksfläche SIA 416 11 526 m² Geschossfläche SIA 416 Wohnen 14 512 m², Laden 660 m², Lager 333 m² Gebäudevolumen SIA 416 96 300 m³ Bauzeit März 2006 – Dezember 2008 Fotografie Marc Lendorff Fotografie, Zürich

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Wohn- und Geschäftshaus Selnaustrasse, Zürich Das ursprüngliche Bürohaus aus dem 19. Jahrhundert befindet sich in der innerstädtischen Kernzone Zürichs, die heute auch eine begehrte Wohnlage ist. Mittels einer Aufstockung in Holzbauweise wurde das Gebäude in den bestehenden Strukturen erweitert und beherbergt nun neben Geschäftsräumen im Erdgeschoss sieben für den Mittelstand erschwingliche Wohnungen. Mit dem Umbau entstand rund ein Drittel mehr Nutzfläche bei gleichbleibendem Landanteil. Zürich, geprägt durch eine dynamische Entwicklung, ist mit seiner hohen Lebensqualität attraktiver Wohnort für eine gut durchmischte Bevölkerung. Für ein urbanes Publikum mittleren Alters wird zunehmend die Kernstadt, zentral gelegen und mit städtischem Flair, zum bevorzugten Wohngebiet. Unter diesen Gegebenheiten übernahmen zwei federführende Eigentümergruppen und fünf Stockwerkeigentümer, die sich mit dem anspruchsvollen Vorhaben identifizierten, die Liegenschaft von der Stadt mit der Auflage, darin neuen Wohnraum zu schaffen. Der Entwurf des Umbaus gründet auf einer eingehenden Analyse der städtebaulichen Situation und des Gebäudes von Ferdinand Stadler aus dem Jahr 1861. Ausserhalb des Schanzengrabens gelegen, ist das nach klassizistischen Ordnungsprinzipen gestaltete Eckvolumen Teil des städtebaulichen Ensembles um das ehemalige Bezirksgericht. Diese bestehenden Parameter wurden respektiert und weiterentwickelt. So verbindet das Projekt die Logik des ursprünglichen Bürobaus mit den täglichen

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Bedürfnissen urbaner Wohn- und Lebenswelten. Der architektonisch-konstruktive Entwurf zielt nicht auf Kontrastierung, vielmehr wird in verschiedensten Bereichen das Gegenteil im Sinne einer produktiven Ambivalenz als mögliche Haltung eingeschlossen. So folgen die neuen Öffnungen mit leichten Verschiebungen den Fensterachsen; die neuen Innenwände liegen deckungsgleich über den bestehenden und lösen sich nach oben zunehmend auf. Mit der Farbgebung über Eck postuliert das alt-neue Haus letztlich die gleichzeitige Richtigkeit von Widersprüchlichem auch im Stadtraum. Die Teilung der Fassaden in wechselweise weisse und braune Felder markiert die ehemalige Traufe und die Volumenmitte, thematisiert nochmals die Ecke des städtischen Blockrandes sowie die Aufstockung. Trotz des kleinen Massstabs und der begrenzten Reichweite manifestiert die Aufstockung den aktiven und respektvollen Umgang mit dem Bestand im Stadtraum. Mit der Lage im Geschäftsviertel setzt das neue Wohnhaus zudem ein Zeichen für eine zukünftige Durchmischung. Die Kombination von Weiternutzung bestehender Bruchsteinmauern und Aufstockung in Holzbauweise zeigt die Bandbreite ökologischer Bauweise. Nicht nur Neues kann ökologisch gebaut werden. Zuerst stellt sich auch mit wirtschaftlichen Überlegungen die Frage, was erhalten bleiben kann. Die weitere Nutzung bestehender Materialien spart nicht nur deren Ersatzproduktion, sondern auch den Transport und die Verarbeitung vor Ort. Viele Teile des Hauses sind damit im eigentlichen Wortsinn vorfabriziert, durch die Situation gegeben.

Die enge Situation (Grundstück gleich Gebäude) und die geringe Belastbarkeit der Fundamente bedingten zum einen eine schnelle Erstellung in Holzrahmenbauweise. Zum andern war eine Parkierung von motorisiertem Individualverkehr ausgeschlossen, eine vielleicht immer selbstverständlichere Situation im urbanen Umfeld. Die innere Verdichtung der Stadt bildet in vielen Beispielen eine verträgliche, sinnvolle und gleichzeitig wirtschaftlich attraktive Alternative zur weiteren Erschliessung von Bauland. Mit der Aufstockung verfügt das Gebäude an der Selnaustrasse über deutlich mehr Nutzfläche (1440 m2 anstelle von 815 m2) bei gleichbleibendem Landanteil. Dank der Beschränkung auf wesentliche Wohnqualitäten und dem Erhalt bestehender Bausubstanz entstanden sieben begehrte Stadtwohnungen und zwei attraktive Geschäftsräume im Erdgeschoss. Die Aufwertung der Liegenschaft und damit auch der näheren Umgebung bildet die Grundlage für eine nachhaltige Wertschöpfung, wobei die Nähe zum Stadtzentrum und die Mikrolage wesentlich zur Minimierung der Risiken beitragen. Vernünftige Wohnungsgrössen, einfache Haustechnik, ein systematisches Tragwerk und eine langlebige Materialisierung runden die nachhaltige Investition ab.


Schnitt Nord-Süd

Schnitt Ost-West

Erdgeschoss

2. Obergeschoss

Ort Gerechtigkeitsgasse, 8002 Zürich Bauherrschaft Peter Bichsel, Frédéric Dedelley, Michael Hauser, Mark Müller Architektur Ferdinand Stadler, Architekt, Zürich (ursprüngliches Gebäude), und PARK Peter Althaus Markus Lüscher, Zürich (Aufstockung und Umbau); Team: Peter Althaus, Markus Lüscher, Gabi Eichenberger (PL), Anna Lehmann, Doris Haller, Anne Röhl, Stefan Jetten, Katharina Kiesbauer, Nikolas Waelli, Johannes Maier Bauingenieur Aerni + Aerni Ingenieure AG, Zürich HLSE HL-Technik AG, Zürich Bauphysik Raumanzug, Daniel Gilgen, Zürich Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Implenia Bau AG, Holzbau, Zürich Materialien Bauholz: schichtverleimtes Vollholz 65 m3, Brettschichtholz 18 m3; Platten: Dreischichtplatten 27 mm 1330 m2, OSB-Platten 15 mm und 18 mm 660 m2, Gipsfaserplatten 15 mm 1020 m2 Baukosten CHF 4,5Mio. (Renovation und Aufstockung) Parzellenfläche 404 m2 Geschossfläche SIA 416 2000 m2 (neu)/1000 m2 (Bestand) Hauptnutzfläche SIA 416 1440 m2 (neu)/815 m2 (Bestand) Gebäudevolumen SIA 416 6800 m3 (neu)/3500 m3 (Bestand) Bauzeit Januar 2008 – März 2009 (gesamt), Juni – Juli 2008 (Holzbau) Fotograf Dominique Marc Wehrli, Regensdorf

3. Obergeschoss

4. Obergeschoss

10 m

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Dachaufbau von aussen: Dachschiefer 25 mm Lattung 30 mm Konterlattung 60 mm Unterdachbahn Diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 16 mm Sparren 320 mm/Dämmung Dampfbremse Lattung 20 mm Dreischichtplatte 19 mm Aufbau Aussenwand von innen: Dreischichtplatte 19 mm Lattung 50 mm Luftdichtigkeitsbahn Gipsfaserplatte 15 mm Ständer 200 mm/Dämmung OSB-Platte 18 mm Verputzbare Dämmung 60 mm Aussenputz 15 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag Anhydrit-Fliessestrich 55 mm Trennlage Trittschalldämmplatte 18 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 280 mm/Dämmung 100 mm Dreischichtplatte 27 mm Gipsfaserplatte 15 mm Lattung 30 mm Gipskartonplatte 25 mm

Detailschnitt Fassade Südosten (Gerechtigkeitsgasse)

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Isometrie von Westen

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Siedlung Galmisbach, Rüttenen An zentraler Lage im Dorf Rüttenen entstand unter Mitwirkung verschiedener Interessenten die Siedlung Galmisbach. Die Bebauung nimmt die einzigartigen Qualitäten des Ortes auf und integriert sie: Das Grundstück liegt direkt an einem Wald sowie an einem eingedolten Bach, der geöffnet und renaturiert wurde. Im Jahr 2004 wurde das ausführende Architekturbüro vom Landbesitzer kontaktiert und mit der schwierigen Ausgangslage vertraut gemacht: ein schwer bebaubares Grundstück, ein eingedolter Bach und ungünstige Bauvorschriften. In Zusammenarbeit mit der örtlichen Planungskommission erarbeitete der Architekt einen Erschliessungsund Gestaltungsplan, der eine verbesserte Bebaubarkeit ermöglichte und den speziellen örtlichen Verhältnissen entgegenkam. Im Zentrum der Siedlung wurde der Galmisbach als ‹Rückgrat› und gemeinsamer Aussenraum renaturiert. Zwischen Bach und Hauptstrasse wurde ein grösseres Bauvolumen gestellt, ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus, zum Wald wurden Einzelbaukörper gesetzt, vier Einfamilienhäuser und ein Doppeleinfamilienhaus. Die Gesamtanlage orientiert sich nun einerseits zum Bach hin mit Blick auf den nahen Jura, andererseits zum angrenzenden Wald. Durch die Nutzung der Hanglage und die Ausrichtung der Baukörper liess sich trotz gemeinsamen Aussenräumen ein hohes Mass an Privatheit erreichen. Bei allen Bauten des Projektes wurde eine einheitliche Materialisierung angestrebt, um der Überbauung einen Gesamtcharakter zu geben – mit grossen Fensterfronten in den Längsfassaden und Fassadenbekleidungen in Lärche. Jedes der Einfamilienhäuser nimmt die besonderen Qualitäten des Ortes auf. Im teilweise unter Terrain liegenden Erdgeschoss befinden sich Garage, Technik und Kellerraum, ein separates Zimmer und der Eingang. In den beiden Obergeschossen verschmilzt das Haus durch die beidsei-

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tige, grosszügige Befensterung mit seiner Umwelt, Wald und Jura. Hier ist im ersten Geschoss der Wohnbereich nach Osten zum Wald hin angeordnet. Terrasse und Küche liegen gegen Westen, Reduit, WC und Treppe im respektive um den massiven Kern. Im zweiten Geschoss finden sich die Schlafzimmer und Bäder. Selbst im geschlossenen Innenraum kann man sich so mit Natur und Aussenwelt intensiv verbunden fühlen, ist aber gleichwohl geborgen. Schutz bietet primär die Gebäudehülle, je nach Bedürfnis ergänzt durch Storen und Vorhänge, welche den sommerlichen Wärmeschutz gewährleisten, aber auch der Regulierung von Ein- und Aussicht dienen. Einem Einfamilienhaus ist zudem eine Praxis angegliedert, welche ebenso mit der Umwelt räumlich verwoben ist. Eine Sichtbetonwand, die das eingeschossige Gebäude durchstösst, trennt den öffentlichen Teil von dem privaten Behandlungsraum, der, voll verglast, räumlich erst gehalten wird durch die Sichtschutzwände im Aussenbereich. Dies lässt den Innenraum optisch viel grosszügiger erscheinen und stellt einen starken Bezug zur umliegenden Natur her. Aus raumklimatischen Gründen wurde für die Obergeschosse mit den Wohn- und Schlafräumen die Holzrahmenbauweise gewählt. Die Einfamilienhäuser konnten so ab dem massiv ausgeführten, teils unter Terrain liegenden Erdgeschoss mit den vorfabrizierten Holzelementen in nur zwei Arbeitstagen pro Haus montiert werden. Der Sichtbetonkern übernimmt einen Teil der Längsaussteifung des Gebäudes; er dient zugleich als Wärmespeicher und als gestalterisches Element. Für die ins Pfosten-Riegel-System integrierten Schiebefenster wurde eine Holz-MetallAusführung gewählt. Die boden- und deckenbündige Verglasung weist einen U-Wert von 1,1 W/m2K auf. Den Sonnenschutz übernehmen elektrisch angetriebene Alu-Rafflamellen. Die verbleibenden Bereiche der Fassade sind mit

einer Schalung in naturbelassenem Lärchenholz gestaltet. Das Kompaktdach ist extensiv begrünt. Das Mehrfamilienhaus wurde ab dem Untergeschoss in Holzrahmenbauweise nach System und Materialisierung der Einfamilienhäuser ausgeführt. Die Montage dauerte hier gerade einmal vier Arbeitstage. Beim Doppeleinfamilienhaus handelt es sich nicht um ein Objekt in der herkömmlichen Ausführung eines Reiheneinfamilienhauses. Es wurden lediglich zwei Einfamilienhäuser zusammengeschoben, mit gemeinsam genutzten Räumen dazwischen. Dadurch konnte auf eine Brandmauer verzichtet werden, doch ist aus schalltechnischen Gründen die Trennwand zweischalig ausgeführt. Die Realisierung begann im Herbst 2006 mit einem dreigeschossigen Einfamilienhaus und dem angegliederten Atelier. 2007 erfolgte der Spatenstich zum Mehrfamilienhaus. Die restlichen Einfamilienhäuser wurden erst nach Verkauf zwischen 2007 und 2010 realisiert. Alle Bauten entsprechen den heutigen Erfordernissen der Energieeffizienz: MinergieStandard, überdurchschnittlich gedämmte Gebäudehülle, kontrollierte Lüftung, Erdsonde mit Wärmepumpe sowie solarunterstützte Warmwasseraufbereitung.

Situation


Erdgeschoss EFH

Ort Hauptstrasse 72 und Widlisbachstrasse 1–5, 4522 Rüttenen Totalunternehmer felber architekten ag, Solothurn Architektur felber architekten ag, Solothurn Bauingenieur Emch und Berger, Solothurn HLK-Ingenieur Enerconom AG, Solothurn Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Fluri Holz AG, Bellach Materialien Bauholz: schichtverleimtes Vollholz 60 x 140 mm bis 80 x 260 mm 2450 m, Brettschichtholz 50 m3; Platten: Dreischichtplatten 19 mm 495 m2, 27 mm 2250 m2 und 60 mm 50 m2, OSB-Platten 15 mm und 22 mm 2250 m2, Gipskartonplatten 12,5 mm 1980 m2, Gipsfaserplatten 15 mm 3780 m2; Aussenschalung in Lärche 1850 m2 Baukosten BKP 2 CHF 0,67 Mio. (EFH), CHF 2,54 Mio. (MFH) davon BKP 214 CHF 125 000.– (EFH), CHF 568 000.– (MFH) Arealfläche SIA 416 5370 m2 Grundstücksfläche SIA 416 788 m2 (EFH), 1330 m2 (MFH) Geschossfläche SIA 416 262 m2 (EFH), 1222 m2(MFH) Gebäudevolumen SIA 416 820 m3 (EFH), 3860 m3 (MFH) Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 817.– (EFH), CHF 658.– (MFH) Bauzeit sieben Monate pro EFH, August 2007 – Mai 2008 (MFH), September 2006 – Juni 2010 (gesamte Siedlung) Fotografie felber architekten ag, Solothurn

1. Obergeschoss EFH

2. Obergeschoss EFH

Querschnitt EFH

10 m

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Querschnitte MFH

Untergeschoss MFH

Erdgeschoss MFH

Attikageschoss MFH

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10 m


Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 80 mm Drainageschutzbahn Dachhaut Dämmung 140–180 mm Dampfsperre Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 180 mm Dreischichtplatte 27 mm Federbügel/Lattung/Dämmung 50 mm Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm Terrassenaufbau von oben: Holzrost 27 mm Lattung 30–60 mm Gartenplatten 40 mm Flachdachbelag Gummischrotmatte Gefällsdämmung 50–80 mm Aufbau Decke von oben: Keramische Platten oder Parkett 15 mm Anhydritunterlagsboden 55 mm Trennlage Trittschalldämmplatte 2 x 20 mm Trennlage Lattung 50 mm/Sandschüttung Rieselschutz Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 200 mm/Dämmung 80 mm Dreischichtplatte 27 mm Federbügel/Lattung/Dämmung 50 mm Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 12,5 mm OSB 15 mm, luftdicht abgeklebt Ständer 240 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Fassadenbahn Lattung 40 mm Rhomboidschalung in Lärche 24 mm

Fassadenschnitt

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Mehrfamilienhaus L der Quartierüberbauung Heiligkreuz, Chur Im Bündner Hauptort hat die Wohnbaugenossenschaft der Stadt Chur mit der Übernahme eines Baurechtgrundstückes von der Stadt die Gelegenheit wahrgenommen, ein ökologisches und energieeffizientes Mehrfamilienhaus nach Minergie zu erstellen. Zur Realisierung des Objekts entschied sie sich für die Holzsystembauweise. Der enorm hohe Grad der Elementvorfertigung und eine ausgeklügelte Transportlogistik ermöglichten das Errichten des fünfstöckigen Gebäudes in nur neun Tagen. Als Antwort auf die anhaltende Nachfrage nach geräumigen 3½- und 4½-Zimmer-Wohnungen und um in Zukunft auf demografische und soziale Entwicklungen reagieren zu können, wünschte die Bauherrschaft ein Konzept mit einer frei gestaltbaren Grundrisseinteilung sowie das Einhalten des Standards Minergie. Nach einer Offertrunde wurde der Architekt mit dem Ausarbeiten des Konzeptes beauftragt. Zur Steigerung der Energieeffizienz und Verbesserung der Ökobilanz schlug er der Wohnbaugenossenschaft ein Passivhaus in Holzelementweise vor, also eine Erhöhung der Anforderungen an den Baustandard. Um die Bedenken der Bauherrschaft bezüglich Kosten auszuräumen, wendete der Architekt das Verfahren der Gesamtleister-Ausschreibung mit konkreten Vorgaben respektive genauen Rahmenbedingungen an. Das Verfahren hatte sich in der Umsetzung von Grossbauten durch das kantonale Hochbauamt bereits bewährt. Nach Freigabe dieses Vorgehens arbeitete ein Projektteam um den Architekten mit Fachplanern die Rahmenbedingungen aus. Die engen Vorgaben des Quartierplanes Heiligkreuz liessen architektonisch nur wenig Spielraum. Nebst einer Studie der Grundrisse im Massstab

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1:50 und der Detailpläne im Massstab 1:5 wurden die Statik des Holztragwerkes sowie die Heizungs- und Elektroinstallation genau geprüft. Es folgten die Kontrolle und Berechnung durch den Bauphysiker und die Überprüfung durch die internen Fachleute des städtischen Hochbauamtes. Zum Schluss erfolgte die rechtliche Kontrolle der Ausschreibung von einem in diesem Gebiet versierten Juristen. Das Ausarbeiten der Ausschreibung ging von folgenden architektonischen Parametern aus: Obwohl die Orientierungen der Wohnungen verschieden sind, sollten gleichwertige Grundrisse für helle und grosszügige Wohnungen entstehen. Dabei sollte die Flexibilität der Wohnungen bezüglich Vergrösserung über die Ecke gewährleistet werden. Die Hauptinstallationen sollten im zentralen Kern Platz finden, um eine Wohnungsverschiebung zu ermöglichen. Nebenräume und Hausinstallationen würden hier konzentriert angeordnet, und im Treppenhaus aus Beton müssten auch Haustechnikzentralen (Lüftung usw.) gut zugänglich sein. Mit Blick auf den Minergie-P-Standard erfolgten etliche Änderungen am Grundkonzept des Gebäudes. Um jedoch auch die Wirtschaftlichkeit und Vermietbarkeit der Wohnungen zu sichern, wurde im Baubeschrieb zusätzlich eine Alternative vorgegeben, eine Optimierung des zertifizierten Standards Minergie. Diese Variante stellte teilweise die gleichen Anforderungen wie beim Umsetzen des Minergie-P-Standards: Wärmebrückenfreiheit sowie Ausstattung der sprossenund flügelteilungslosen Fenster mit Solarglas. Die Unterschiede lagen vor allem bei der Reduktion der Dämmstärke in den Aussenwänden, den nicht notwendigen Balkonverglasungen, der reduzierten Dämmstärke im Untergeschoss, dem Wegfallen der künstlichen Be- und Entlüftung des Kellergeschosses sowie den tieferen

Anforderungen an die U-Werte der Gläser. Die komplette Gesamtleister-Ausschreibung bestand am Ende aus einem detaillierten Baubeschrieb, den Grundriss- und Schnittplänen, den Detailplänen und den Projektplänen zur Gebäudetechnik sowie dem Gesamtleistervertrag, womit dem Gesamtleister wenig Spielraum für Qualitäts- und Kostenabweichungen blieb. Das schliesslich nach Minergie realisierte Mehrfamilienhaus L fügt sich architektonisch harmonisch in das bestehende Quartierbild ein, dem Farbkonzept des Quartierplans Heiligkreuz Chur aus dem Jahr 2007 folgend. Die verputzten Zementbauplatten als Fassadenbekleidung unterstreichen den Charakter des Gebäudes und unterstützen die Integration ins Quartierbild. Die dreizehn Wohnungen unterschiedlicher Grösse, eine mit 5½, zwei mit 4½ und zehn mit 3½ Zimmern, weisen einen gehobenen Standard auf. Sämtliche Balkone sind in den Baukörper integriert und werden räumlich als erweiterter Wohnraum wahrgenommen. Die Ausrichtung der Wohnungen nach Südwesten und die erhöhte Lage garantieren eine optimale Besonnung und Aussicht. Die Gestaltung der Grün- und Spielzonen ist sehr familienfreundlich. Insbesondere beim Tragwerk wird die weitgehende Optimierung ersichtlich. Die Lastabtragung erfolgt über in den Aussenwänden integrierte Stützen mit Stirnholzstössen im Geschossübergang, über den massiven Kern und über tragende Innenwände. Die Hauptaussteifung erbringt die betonierte Kernzone. Zwei in den Aussenwänden integrierte Tragwände in Holz reduzieren die Exzentrizität von horizontaler Steifigkeit und Massenzentrum. Für das Dach und die Geschossdecken kamen Kastenelemente zum Einsatz, welche die


2. Obergeschoss

10 m

verbleibende Konstruktionshöhe, vorgegeben von den Geschosshöhen und Deckenniveaus des Bebauungsplanes, optimal nutzen. Trotzdem war die Reduktion der Spannweiten notwendig, was durch den Einbezug von tragenden Innenwänden und in den Decken integrierte Unterzüge in Stahl erfolgte.

Schnitt im Aussenbereich

Situation

Schnitt im Kernbereich

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Dachaufbau von aussen: Kies 40 mm Wasserdichtung Dachschalung 24 mm Lattung 140 mm Unterdachfolie OSB 22 mm Balkenlage 260 mm/Dämmung Dampfbremse Unterkonstruktion abgehängt 60 mm/Dämmung Gipskartonplatte 18 mm Deckenaufbau Terrasse von oben: Lattenrost in Lärche 26 mm Lattung 24–50 mm Gummischrotmatte 10 mm Wasserdichtung Dämmung 60–80 mm Zementplatte 40 mm Dampfbremse Gipsfaserplatte 18 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 240 mm/Dämmung 80 mm Dreischichtplatte 27 mm/Gipsfaserplatte 15 mm Unterkonstruktion abgehängt 60 mm/Dämmung Gipskartonplatte 18 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 15 mm Metallrost 50 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Ständer 260 mm/Dämmung/Gipsfaserplatte 15 mm Windpapier Lattung 30 mm Putzträger Zementbauplatte 12,5 mm

Fassadenschnitt

Deckenaufbau von oben: Parkett 10 mm Unterlagsboden 60 mm Trennlage Trittschalldämmung 20 mm Dämmung 20 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 180 mm/Dämmung 80 mm Dreischichtplatte 27 mm/Gipsfaserplatte 15 mm Unterkonstruktion abgehängt 60 mm/Dämmung Gipskartonplatte 18 mm


Ort Schellenbergstrasse 18, 7000 Chur Bauherrschaft Wohnbaugenossenschaft der Stadt Chur WSC Architektur Konzept und Vorprojekt von Robert Albertin, Haldenstein, Ausführung von Büsser AG, Chur Generalunternehmer Büsser AG, Chur Bauingenieur Foidl Hegland & Partner AG, Thusis Haustechnik HT-Plan, Chur Bauphysik Martin Kant, Chur Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Künzli Holz AG, Davos Materialien Bauholz: Rahmenbaukanteln 85 m³, Brettschichtholz 40 m³; Platten: Furnierschichtholz 15 m³, Gipsfaserplatten 5100 m²; Fassadenbekleidung: Zementbauplatten 780 m² Baukosten BKP 2 CHF 4,4 Mio. davon BKP 214 CHF 970 000.– Gebäudegrundfläche SIA 416 342 m² Gebäudevolumen SIA 416 Erd- bis Dachgeschoss 4650 m³, Untergeschoss 1265 m³ Bauzeit Mai 2009 – März 2010 Fotografinnen Dolores Rupa, Chur (Aussenaufnahmen) und Andrea Badrutt, Chur (Innenaufnahme)

Visualisierung Tragwerk: Die Hauptaussteifung erbringt die betonierte Kernzone. Mit den zwei in der Fassadenebene liegenden Holztragwänden werden in erster Linie die Kräfte infolge Torsion abgeleitet.

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Wohn- und Geschäftshaus an der Badenerstrasse, Zürich Der Baukörper überspannt die gesamte Parzelle zwischen der Badenerstrasse und dem neuen Stadtpark Hardau. Die Ausrichtung auf diese beiden öffentlichen Räume wird mit der Bildung von zwei prägnanten Hauptfassaden gestärkt. Entlang der Badenerstrasse wird die Strassenflucht geschlossen. Die vertikale Gliederung mit den aus dem durchgehenden Sockelgeschoss aufsteigenden Volumen nimmt den Rhythmus der typischen Erkerbauten auf. Das Projekt wurde konsequent nach den Kriterien der 2000-Watt-Gesellschaft entwickelt. Es ist das erste Gebäude in Zürich, welches den hohen Standard erfüllt, der neu durch die Gemeindeordnung vorgegeben wird. Mit Hilfe des SIA-Effizienzpfads Energie wurden die entscheidenden Grössen, Verbrauchs- und Herstellungsenergie (Grauenergie), permanent überprüft und optimiert. Zusätzlich eingesetzte Nachhaltigkeitsspezialisten begutachteten im interdisziplinären Planungsteam sämtliche Entscheide. Das Volumen reagiert auf die Umgebungssituation, indem die Baukörper auf der lärmbelasteten Strassenseite geschlossen sind, während sich zum Park hin wohnliche Balkone finden, die das Bild baumartig auflösen. Aus der plastischen Gestalt des Gebäudes ergeben sich in den drei obersten Geschossen grosszügige Terrassen, welche die dazugehörenden Wohnungen attraktiv erweitern. Die Hauseingänge sind gleichmässig auf beiden Seiten angeordnet und begünstigen so die Belebung der Umgebung und die Vernetzung mit ihr. Die Idee eines ‹Central Park› wird mit den Häusersilhouetten interpretiert, die den Park begrenzen. Der Parkzugang wird von der Badenerstrasse her durch eine volumetrische

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Ausweitung akzentuiert. An dieser markanten Gebäudeecke befindet sich der Eingang der im Erdgeschoss liegenden Migros-Filiale. Eine raumhohe Verglasung begleitet den Weg zum Park. Die Überbauung bietet durchgehende, weit und grosszügig wirkende Wohnungen mit einer linearen Abfolge von Räumen. Sie sind sowohl nach Süden als auch zum Park hin orientiert. Für die Bewohner, mehrheitlich Single- und Zwei-Personen-Haushalte sowie Kleinfamilien, ist das offene Wohnkonzept ideal. Das Raumkontinuum wird mit präzise gesetzten Verengungen moduliert. Es erzeugt ein hohes Mass an Raumerlebnis und erlaubt trotzdem eine Zonierung der einzelnen Wohnbereiche. Eine vielseitige Nutzbarkeit für unterschiedliche Wohnformen ist gewährleistet. Jeweils ein Raum kann sowohl als geschlossenes Individualzimmer als auch als Wohnraumerweiterung genutzt werden. Das siebengeschossige Gebäude ist oberhalb der Betondecke über dem ebenerdigen Ladengeschoss als Holzbau ausgeführt. Das Sockelgeschoss ist als Abfangtisch in Ortbeton ausgeführt, um der Migros eine möglichst stützenfreie Verkaufsfläche anzubieten. Darauf wurde in Holz der sechsgeschossige Wohnteil erstellt. Die Vorteile dieser Bauweise waren neben der kurzen Erstellungszeit, gegeben durch Vorfabrikation und Elementbau, das geringere Gewicht und die optimalen Werte des Holzbaus bezüglich Nachhaltigkeit. Das in den Aussenwänden verwendete Bausystem besteht aus vertikalen, in einem Raster von 200 mm aneinandergereihten Bohlen in der Abmessung 100 x 195 mm. Die Bohlen wurden in der Montagephase mit Hartholzdübeln auf eine Schwelle respektive einen Einbinder aufgesteckt. Bei konzentrierter Last-

ableitung bei grösseren Fensteröffnungen nimmt eine entsprechend dicker dimensionierte Stütze aus Brettschichtholz die Last aus dem Fenstersturz auf. Innenseitig sind die Bohlen mit Vorsatzschale aus Blechständer, Gipsfaserbeplankung und Steinwolldämmung abgedeckt. Direkt auf die Bohlenwände ist aussen ein vollflächiges Windpapier aufgebracht. Zwischen die Vorhängekonstruktion ist die Dämmebene aus Steinwolle geklemmt und in die Bohlenwand geschraubt. Die Wohnungstrennwände sind nach demselben Prinzip stehender Bohlen wie die Aussenwände konstruiert. Die Brandschutzanforderungen wurden mit einem Standardkonzept für fünf- bis sechsgeschossige Bauten erfüllt und mit einer entsprechenden Qualitätssicherung gewährleistet. Die einfache, über alle Geschosse gleichbleibende Struktur erlaubte eine wirtschaftliche Erstellung der Überbauung. Die durchgehende Schottenstruktur der Wohngeschosse wird im Ladengeschoss in Stützenreihen aufgelöst. Eine Ausnahme zum Holzbau bilden im Wohnteil die massiven Treppenhäuser, die den Zugang, den Fluchtweg und die Gebäudeaussteifung sicherstellen. Durch die Verwendung von Holz für das leichte Tragwerk konnte die Massivbaukonstruktion des Ladengeschosses im Erdgeschoss aus Stützen und einer Rippendecke entsprechend kleiner dimensioniert werden. Die Kastenelemente der Geschossdecken spannen als Einfeldträger über bis zu 5,65 m. Die Elemente sind in ihrer Ebene als Scheibe zur Gebäudestabilisierung ausgebildet und geben ihre horizontalen Kräfte an die massiven Treppenhäuser ab. Der Hohlraum im Kastenelement ist mit getrocknetem Splitt mit einem


Flächengewicht von ca. 90 kg/m² gefüllt. Für das Dach und die Terrassen der obersten Geschosse kamen Brettstapelelemente mit einer scheibenbildenden Beplankung aus OSB-Platten zur Anwendung. Die vorgehängte Fassade aus Faserzementplatten ist an vertikalen Profilen und Aluminiumkonsolen befestigt. Die Platten enthalten nicht nur wenig Grauenergie, sondern erscheinen auch hinsichtlich Unterhalt günstig. Zudem verleihen sie dem Gebäude den massiven Ausdruck, der für das innerstädtische Wohngebäude gewünscht wurde. Die HolzMetall-Fenster sind aussen mit farbig anodisierten Aluminiumprofilen abgedeckt. Die Wärmeerzeugung erfolgt über die Rückkühlung der Kälteaggregate des Grossverteilers im Erdgeschoss sowie eine Grundwasserwärmepumpe, welche mit Strom der Fotovoltaikanlage auf dem Dach betrieben wird. Die unter Druck stehenden Leitungen (Wasser/ Heizung) und die Elektrozuleitungen werden im Treppenhaus in jederzeit frei zugänglichen Schächten geführt. Die kontrollierte Wohnungslüftung ist dezentral mit einem CO² -gesteuerten Fensterlüfter mit Wärmerückgewinnung unter geringem Installationsaufwand gelöst.

Situation

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Querschnitt

L채ngsschnitt

Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. / 3. Obergeschoss

5. Obergeschoss

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20 m


Ort Badenerstrasse 378/380, 8004 Zürich Bauherrschaft Baugenossenschaft Zurlinden, Zürich Architektur Pool Architekten, Zürich Bauleitung Caretta Weidmann Baumanagement, Zürich Beratung Nachhaltigkeit Architekturbüro H.R. Preisig, Zürich Bauingenieur Henauer Gugler AG, Zürich Bauphysik Wichser Akustik + Bauphysik AG, Zürich HLS-Planer Amstein + Walthert AG, Zürich Elektro-Planer Kälin & Müller AG, Zürich Holzbauingenieur SJB Kempter Fitze AG, Herisau Brandschutzexperte QS Holzbau Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Zimmereigenossenschaft Zürich und Jäggi Hafter Holzbau, Regensdorf Materialien Bauholz: Wandbohlen 329 m³, Brettstapelelemente 212 m³; Platten: Dreischichtplatten 40 mm 9593 m² und 55 mm 304 m², Furnierschichtholz 33 mm 2018 m²; Dübel in Buche 20 mm 4023 m; Stahlteile 6500 kg Baukosten BKP 1–5 CHF 33,5 Mio. (ohne öffentliche Parkierung) davon BKP 214 CHF 2,9 Mio. Grundstücksfläche SIA 416 2670 m² Verkaufsfläche im EG 1300 m² Hauptnutzfläche Wohnen SIA 416 7050 m² Bruttogeschossfläche 13 876 m² Kubatur SIA 116 46 640 m³ Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 709.– Bauzeit September 2008 – März 2010 Fotograf Giuseppe Micciché, Photography, Zürich

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Visualisierung Montageablauf: Verlegen und Verankern der Schwellen, Einstecken der Buchend端bel, Aufsetzen der Holzbohlen, Einstecken der Buchend端bel, Aufsetzen des Einbinders, Einlegen der Deckenelemente und Montage der Bohlen im dar端berliegenden Geschoss.

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Dachaufbau von aussen: Rundkies 80 mm Schutzbahn 10 mm Wasserdichtung Dämmung 150–250 mm Dampfsperre OSB 10 mm Brettstapelelemente 200 mm Luftdichtigkeitsbahn Unterkonstruktion mit Federbügeln 27 mm Gipsfaserplatte 18 mm

Detail Dachrand 6. OG

Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Filz Unterkonstruktion 30 mm Dämmung 80 mm Holzbohle stehend 100 mm Windpapier Dämmung 160 mm Unterkonstruktion 30 mm Glasfaserbetonelement 70 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag 10 mm Zementunterlagsboden mit Bodenheizung 70 mm Trittschalldämmung 30 mm Kastenelement: Dreischichtplatte oder Furnierschichtholz 40 mm Rippen 160 mm/Splittschüttung 50 mm Dreischichtplatte oder Furnierschichtholz 40 mm Unterkonstruktion mit Federbügeln 27 mm Gipsfaserplatte 18 mm

Detail Deckenanschluss

Aufbau Wohnungstrennwand: Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Filz Unterkonstruktion 30 mm Holzbohle stehend 100 mm Dämmung 40 mm Holzbohle stehend 100 mm Unterkonstruktion 30 mm Filz Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag 10 mm Zementunterlagsboden mit Bodenheizung 70 mm Trittschalldämmung 30 mm Kastenelement: Dreischichtplatte oder Furnierschichtholz 40 mm Rippen 160 mm/Splittschüttung 50 mm Dreischichtplatte oder Furnierschichtholz 40 mm Unterkonstruktion mit Federbügeln 27 mm Gipsfaserplatte 18 mm

Detail Wohnungstrennwand

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Wohnhaus Herzogenmühlestrasse 25 + 27, Zürich An die Stelle einer im August 2006 abgebrannten Scheune in Zürich-Schwamendingen ist ein Neubau in den gleichen Ausmassen getreten. Das benachbarte Wohnhaus aus dem 19. Jahrhundert, beim Brand schwer beschädigt, wurde sorgfältig wieder instand gestellt. Zusammen mit dem direkt angebauten Wohngebäude bildete die Scheune eines jener typischen bäuerlichen Ensembles, die in Schwamendingen entlang der alten Landstrasse nach Winterthur standen. Erbaut 1832, bildete das Bauernhaus die erste ausserhalb des alten Dorfkerns erbaute Gebäudegruppe. Über hundert Jahre lang blieben die Bauten vor dem Dorf alleine, und bis heute stehen sie frei, umgeben von einer öffentlichen Grünfläche. So ist das bäuerliche Ensemble an der Herzogenmühlestrasse ein wichtiger Orientierungsund Identifikationspunkt inmitten der Schwamendinger Vorstadtstruktur. Aus diesem Grund sind Wohnhaus und Scheune seit 1992 im Inventar der schutzwürdigen Bauten der Stadt Zürich aufgeführt. Beim Brand 2006 wurde das Wohngebäude stark beschädigt, die Scheune konnte nicht gerettet werden. Nachdem eine erste Variante für eine Erweiterung des Wohnhauses auf dem Gelände der Scheune verworfen wurde, konzentrierten sich die Stadt Zürich und die in einem Planerwahlverfahren ermittelten Zürcher Architekten Michael Meier und Marius Hug ganz auf den Wiederaufbau des Ökonomiegebäudes in den ursprünglichen Umrissen. Grundriss und Dachform waren also vorgegeben, ebenso die statische Einteilung in vier Felder. In der weiteren Ausformulierung der

Architektur war aber eine zeitgemässe Interpretation des Themas Scheune möglich und erwünscht. Augenfällig ist insbesondere die Bekleidung der beiden Längsfassaden mit ausgesägten Brettern: Das einfache Element orientiert sich klar an der traditionellen Bauweise, kann aber genauso der seit einigen Jahren wiedererwachten Freude am Ornament zugeordnet werden. Diente die Perforation der Fassade einst der Durchlüftung einer Scheune, geht es hier und heute um den Lichteinfall. Die neue Scheune besteht aus einer Rahmenbinderkonstruktion mit querliegenden Pfetten. Dank dieser Konstruktionsform präsentiert sich die Scheune im Innern als hoher, stützenfreier Einraum. Unterstützt wird dessen Ausdruck von der edel wirkenden, leicht rötlich schimmernden Lärche als Bauholz. Die zwischen den Bindern befestigte Rahmenkonstruktion dient der Befestigung der Fassadenbekleidung und zur Einbringung von Fenstern und Wandelementen bei einem späteren Nutzerausbau – eine Verglasung würde entlang den ausgesägten Brettern die Gebäudehülle ergänzen. Das Dach würde dann im Bereich der Pfetten ausgedämmt und bekleidet. Die Querseiten der Scheune sind als beplankte Holzständerkonstruktion ausgeführt und bereits gedämmt. Die Tragkonstruktion ist zudem so bemessen, dass je nach Nutzung auch ein weiteres Geschoss eingeführt werden kann. Die Scheune erhielt eine elektrische Installation und dimmbare Beleuchtung. In der Giebelwand zum Wohnhaus befindet sich ein Installationsschacht, über den bei Bedarf die Sanitär- und Elektroerschliessung für eine kleine Sanitärbox zur Scheune geführt werden kann. Das Abwasser kann in die bestehende Kanalisation des

Wohnhauses geleitet werden. Es ist lediglich eine zusätzliche Kernbohrung zum Keller des Wohnhauses notwendig. Das Wohnhaus wurde zu einem Einfamilienhaus mit acht Zimmern ausgebaut. Obwohl es deutlich kleiner ist als die Scheune, war seine Instandsetzung ungleich komplexer. Die notwendigen Massnahmen reichten vom Keller bis zum Dach, von der kompletten Erneuerung der Haustechnik und sämtlicher Leitungen über die Rekonstruktion und Auffrischung aller Oberflächen bis hin zur bauphysikalischen Nachrüstung des ganzen Hauses. So mussten sämtliche Fenster ersetzt, die Aussenwände stellenweise und das Dach komplett neu gedämmt werden. Rettende Eingriffe in die Tragstruktur waren nötig, da die ohnehin statisch schwache Bausubstanz durch den Brand, aber auch durch aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich in Mitleidenschaft gezogen worden war. Die Balkenlage im südlichen Teil des Dachgeschosses musste gewechselt und quer verlegt werden. Zusätzlich war es aus statischen Gründen notwendig, den gesamten Dachbereich mit einer Dreischichtplatte zu verstärken, um mehr statische Höhe zu erreichen. Der Kachelofen im Obergeschoss wurde zugunsten der statischen Entlastung der Decke rückgebaut. Auf diese Weise konnte auch die nachträglich eingebrachte Stütze im Wohnraum eingespart werden, wodurch der untere Kachelofen wieder voll zur Geltung kommt. Die Oberflächen der Wände und Decken mussten in allen Räumen saniert werden. Die Türen, Türrahmen und die Wand- und Deckentäfer wurden abgelaugt und mit wasserlöslicher Ölfarbe neu gestrichen. Die Holzriemenböden


wurden geschliffen und geölt. Die Wände im Treppenraum erhielten einen Straminbezug, der mit Ölfarbe gestrichen wurde. In den Räumen wurden neue Gipskartondecken eingebracht. Die Böden in der Küche und in den Sanitärbereichen erhielten einen neuen PU-Belag. Der Wohnraum im Anbauteil der dreissiger Jahre erhielt im Erdgeschoss eine Tapete als Oberflächenfinish. Die Wände der Sanitärräume wurden mit blauen Wandfliesen belegt. Alle übrigen Wände erhielten einen Sumpfkalkabrieb.

Situation

Erdgeschoss

Obergeschoss

Dachgeschoss

Querschnitt Wohnhaus

Querschnitt Scheune

Längsschnitt Wohnhaus und Scheune

10 m

131


Ort Herzogenmühlestrasse 25 + 27, 8051 Zürich Bauherrschaft Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich, vertreten durch das Amt für Hochbauten, Zürich Architektur Michael Meier und Marius Hug Architekten AG, Zürich; Projektleitung: Christiane Illing Bauleitung Caretta + Weidmann Baumanagement AG, Zürich Elektroningenieure Kuratli Elektroplan AG, Zürich HLKS-Ingenieure TEWE AG, Zürich Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Bühlmann AG, Dietikon Materialien Bauholz: Vollholz und schichtverleimtes Vollholz in Fichte/ Tanne 18 m3, Brettschichtholz in Lärche 34 m3; Dreischichtplatten 27 mm in Fichte/Tanne 420 m2 und in Lärche 325 m2; Fassadenbekleidung: Schalung in Lärche 22 mm 178 m2, 36 mm 90 m2, 45 mm 104 m2, 50 mm 145 m2 Baukosten BKP 1–5 CHF 2,1 Mio. (total), CHF 1,4 Mio. (Wohnhaus), CHF 0,7 Mio. (Scheune) Baukosten BKP 2 CHF 1,17 Mio. (Wohnhaus), CHF 0,57 Mio. (Scheune) davon BKP 214 CHF 107 000.– (Wohnhaus), CHF 267 000.– (Scheune) Grundstücksfläche SIA 416 2316 m2 Geschossfläche SIA 416 309 m2 (Wohnhaus), 205 m2 (Scheune) Gebäudevolumen SIA 416 1060 m3 (Wohnhaus), 1890 m3 (Scheune) Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 1104.– (Wohnhaus), CHF 303.– (Scheune) Bauzeit März – Oktober 2010 Fotograf Roman Keller, Zürich

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Dachaufbau von aussen: Dachziegel 70 mm Ziegellattung 30 mm Konterlattung 120 mm Unterdachbahn Rippenelement: Dreischichtplatte 27 mm Pfetten 220 mm Rahmenträger 300–900 mm Aufbau Längsfassade von innen: Rahmenträger 300–900 mm Riegel 180 mm Fassadenbretter in Lärche sägeroh 65 x 285 mm/45 x 204 mm/35 x 170 mm Hasenschutzgitter Aufbau Giebelfassade von innen: Dreischichtplatte 27 mm Ständer 180 mm/Zellulosedämmung/Unterzug im Bereich künftiger Geschossdecke Dreischichtplatte 27 mm Windpapier Lattung vertikal 30 mm Lattung horizontal 20 mm Fassadenbekleidung in Lärche 18–35 mm

Detailschnitte Scheune


Haus Bregger und Restaurant Salzhaus, Solothurn Mit dem Umbau des Hauses Bregger, dessen Bauvolumen sich zwischen Löwengasse und Landhausquai erstreckt, konnte ein lange herrschendes Nutzungsvakuum in der Altstadt von Solothurn mit neuem Leben gefüllt werden. Aus einem reinen Lagergebäude wurde ein städtisches Wohnhaus mit Restaurant, das mit seiner Aussengastronomie am Landhausquai den städtischen Umraum beleben und aktivieren soll. Die Liegenschaft umfasste einst eine Scheune mit Stallung an der Löwengasse und ein durch ein Höflein abgetrenntes Speichergebäude am Landhausquai. Die ältesten Bausubstanzen stammen von einem zweigeschossigen Bau mit zentralem Rundbogenportal und kleinen Fenstern mit Gewändeprofilen (ca. 1500). Zu einem unbekannten Zeitpunkt erfolgte eine Aufstockung um zwei Meter. Von 1826 bis 1864, im Besitz der Stadt Solothurn, wurden die Liegenschaften als Salzlager benutzt. Mit dem anschliessenden Umbau in ein Wohnhaus mit Lagerräumen wurde die Liegenschaft erneut aufgestockt. 1896 erfolgte eine weitere Aufstockung, bei welcher beide Baukörper unter einem gemeinsamen Dachstuhl vereinigt wurden. Über hundert Jahre diente das inzwischen zu stattlicher Grösse angewachsene Gebäude als Lagerhaus der stadtbekannten Firma Bregger. Seit längerer Zeit wurde das Haus in dieser Funktion nur noch zeitweise und sehr extensiv genutzt. Als Zwischennutzung vor dem Umbau diente das Gebäude schliesslich als Partyraum. Mit dem Ziel, das Gebäude einer neuen Nutzung zuzuführen, schrieb die Miteigentümergesellschaft Ende 2006 einen beschränkten Architektenwettbewerb aus, der vornehmlich an jüngere Architekturbüros gerichtet war.

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Nach einem vorgeschalteten Bewerbungsverfahren wurden acht Architekturbüros ausgewählt und zur Teilnahme aufgefordert. In der Jurierung 2007 wurde das Projekt ‹Paravent› von Edelmann Krell Architekten aus Zürich mit dem 1. Preis ausgezeichnet und zur Ausführung empfohlen. Das historisch gewachsene Bauvolumen vermittelt auf prägnante Weise zwischen den kleinteiligen Altstadtstrukturen an der Löwengasse und der Weite des Aareraums. Die Sanierungsmassnahmen an der Aussenhülle erfolgten im wesentlichen nach denkmalpflegerischen Grundsätzen. Die neue Raumstruktur zeigt sich nach aussen lediglich mit den neuen Öffnungen an der Westfassade und in der auf dezente Weise neu modellierten Dachabwicklung. Aufgrund der neuen Zweckbestimmung waren die Eingriffe an der inneren Gebäudestruktur dagegen weitaus umfangreicher. Trotz der in weiten Teilen aus statischen Gründen erforderlich gewordenen Entkernung konnte ein Raumkonzept umgesetzt werden, das die räumlichen Eigenheiten des Bestands aufgreift und in die heutige Zeit übersetzt. Hierzu zählt vor allem die Neuinterpretation des historischen Holztragwerks der Wohngeschosse mit einer neuen Struktur, die auf dem historischen Stützenraster basiert und in nobilitierter Form die Raumatmosphäre der weiten ehemaligen Lagerflächen in den grossen Wohnungen weiterleben lässt. Das offene Raumgefüge ist partiell durch verglaste Schiebetüren unterteilbar und ermöglicht verschiedenste Formen zeitgemässen Wohnens und Arbeitens. Die erzielte elegante Grosszügigkeit wurde möglich durch eine straffe Bündelung aller dienenden Räume in einem neuen Erschliessungs- und Funktionskern aus Stahlbeton, der alle Bereiche

des Hauses bedient und miteinander verbindet. Zentrales Merkmal dieses neuen Rückgrats ist eine über die Geschosse räumlich verwobene Treppenanlage, die auf einfache Weise die komplexen Raumbeziehungen von Wohn- und Restaurantteil ermöglicht. Ein neues Element bildet der zentrale Lichthof, der subtil in die neue Struktur eingepasst wurde und die Wohnungen des immerhin fast 30 Meter tiefen Gebäudes ausreichend mit Tageslicht versorgt. An den Lichthof angelagert befinden sich grosse Loggienbereiche, die mit einer grosszügigen Öffnung zur Westseite mit Blick zu Altstadt und Aare versehen sind. Der Ausbau des Hauses ist geprägt durch eine durchgehend hochwertige Materialisierung der Oberflächen, welche die konstruktiven Eigenheiten der einzelnen Bereiche widerspiegeln und unterstützen. Die massive Wirkung des durchlaufenden Erschliessungskerns wird unterstützt durch die geschliffene Betonoberfläche der gewendelten Treppenläufe und die homogene, mehrlagige Polyurethanbeschichtung der Sanitärräume. Die durch die prägnanten Eichenstützen gegliederten Wohnbereiche zeichnen sich aus durch Bodenbeläge aus massiven Eichendielen und fein gegliederte Einbauten aus gestrichenem Holzwerk. Im Erdgeschosss dient der grossartige Raum am Landhausquai als Gastraum des Restaurants und bildet die Grundlage für eine stimmungsvolle Inszenierung im Spannungsfeld von Alt und Neu. Diese Ausgangslage schreibt ein harmonischer Akkord aus wenigen, ausgesuchten Materialien fort, die untereinander und mit dem Bestand eine symbiotische Einheit bilden sollen. Allen eingesetzten Materialien sind folgende Attribute eigen: Sinnlichkeit, Wertbeständigkeit und Dauerhaftigkeit. Dies schafft die Vor-


aussetzungen für eine gestalterische Beständigkeit und somit eine atmosphärische Nachhaltigkeit, die in bewusstem Gegensatz zu einer modischen Oberflächlichkeit steht. Im Gegenteil sollte eine Zeitlosigkeit erreicht werden, die es dem Raum und dem Betrieb ermöglicht zu reifen, sich zu entwickeln und zur konstanten Grösse in der schnellebigen Gastroszene zu werden. Folgerichtig bilden Mobiliar und Licht integrale Bestandteile des Konzepts. Sie generieren eine Aufenthaltsqualität, die geprägt ist durch Bequemlichkeit, Geborgenheit und charmante Eleganz. Gerade durch diese ursprünglichen, einfachen Werte befreit sich der Raum von der Fokussierung auf eng gefasste Zielgruppen. Das Restaurant wird über eine grosszügige, zweiflüglige Tür betreten. Im Entréebereich befindet man sich vor dem massiven, durch hinterleuchtete Ornamentbleche aus brüniertem Messing gegliederten Bartresen aus geöltem Eichenholz. Es öffnet sich der dreiteilig gegliederte, überhohe Gastraum, welcher in ein warmes und gedämpftes Licht getaucht ist. Massive Stützen an den Seitenwänden und in den Ecken bilden zusammen mit der durch Unterzüge und Randträger kassettierten Decke den eindrücklichen räumlichen Rahmen. Die Textilbespannungen in den Deckenfeldern und im oberen Teil der Längswände reflektiert das gedämpfte Licht der drei grossen, ringförmigen Leuchter, welche jeweils in der Mitte der Deckenfelder abgehängt sind. Zur rechten und linken Seite des Eingangs sind die Steh- und Sitzplätze des Barbereichs angeordnet. Im hinteren Teil der Bar befindet sich das effektvoll hinterleuchtete, zweireihige Flaschengestell. Nach dem Passieren der Bar gelangt man in den eigentlichen Essbereich, wo man nun den Raum

in seiner ganzen Spannung wahrnimmt. Während die beiden hoch hängenden Leuchter für ein angenehmes indirektes Licht sorgen, welches über die Wand- und Deckenbespannung effektvoll reflektiert wird, erzeugen kleinere, tief hängende Ringleuchter einen warmen Lichtraum im Aufenthaltsbereich. Dieser ist geprägt durch dunkel gebeizte Eichentische und mit changierendem, warmtonigem Veloursstoff bezogene Sitzmöbel, deren Basis ein Feld aus klassischem Fischgratparkett bildet. Der Raum endet an einer eindrücklichen, heterogenen Bruchsteinmauer, welche zusammen mit den Längswänden auf die Geschichte des Orts verweist und in ihrer Rauhheit in einem spannungsvollen Kontrast zur Weichheit der Decken- und Wandverkleidungen steht. Der breite Durchgang zum Gewölbekeller besitzt ein eindrucksvolles, trichterartig gestuftes Natursteingewände. Über vier Stufen erreicht man einen länglichen Raum, welcher von einem Tonnengewölbe überspannt wird. In der Lichtstimmung und in den Materialien unterscheidet sich dieser Raum radikal vom Gastraum. Das prägnante Zirkelornament, welches als durchgehendes Gestaltungselement die Einbauten des Gastraums prägt, überzieht hier vollflächig Fussboden, Decke und Sitzmöbel. Das in aufwendiger traditioneller Handarbeit hergestellte Deckensgraffito wird im Zusammenspiel mit den versiegelten Zementfliesen des Fussbodens zum bestimmenden atmosphärischen Element. Ein fein gearbeitetes Leistentäfer bildet den Rahmen für die Möblierung, die in verschiedenen Anordnungen sowohl dem normalen Restaurantbetrieb als auch Bankettveranstaltungen gerecht wird. Situation

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Ort Löwengasse 8, 4500 Solothurn Bauherrschaft Miteigentümergesellschaft Geschwister Bregger, Solothurn Restaurantbetreiber Genossenschaft Baseltor, Solothurn Architektur Edelmann Krell Architekten GmbH, dipl. Architekten ETH SIA, Zürich Baumanagement Anderegg Partner, Bellach Bauingenieur H. Katzenstein AG, Solothurn Bauphysik MBJ Bauphysik + Akustik AG, Kirchberg Gebäudetechnik Enerconom AG, Solothurn Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Späti Holzbau AG, Bellach Materialien Brettschichtholz in Fichte 50 m3 und in Eiche 5,5 m3, Brettstapelelemente in Fichte 62 m3 Baukosten BKP 2 CHF 4,491 Mio. davon BKP 214 CHF 610 000.– Geschossfläche SIA 416 1456 m2 Gebäudevolumen SIA 416 4700 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 955.– Bauzeit Mai 2008 – Oktober 2009 Fotografie Roger Frei, Zürich (Innenaufnahmen), und Edelmann Krell, Zürich (Aussenaufnahme)

Axonometrie Tragwerk in Holz

136


Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

3. Obergeschoss

4. Obergeschoss

5. Obergeschoss

10 m

L채ngsschnitt

Querschnitt

137


Wohn- und Geschäftsüberbauung Mühlebachstrasse/Hufgasse, Zürich An innerstädtischer Lage in Zürich, direkt am hochfrequentierten Bahnhof Stadelhofen, sind zwei Bauten mit Pioniercharakter für nachhaltige Baukultur entstanden. Die beiden sechsgeschossigen Wohn- und Bürohäuser sind konstruktiv in vorfabrizierter Holzbauweise erstellt und haben das provisorische Zertifikat Minergie-PEco erhalten. Obwohl die Parzelle sehr zentral liegt, ist der Standort relativ ruhig und sowohl für Wohn- als auch für Büronutzung geeignet. Zwei bestehende Gebäude, ein Gewerbebau aus dem Jahr 1910 und eine 250-jährige Villa, wurden aufgrund des sich im Laufe der Jahrhunderte veränderten städtebaulichen Gefüges und der schlechten Bausubstanz abgebrochen. Das Haus an der Mühlebachstrasse schliesst nun eine das Strassenbild der Gründerzeit störende Baulücke in der Blockrandbebauung. Dank seiner klar strukturierten Fassade mit grossen Fensteröffnungen und kleinteiligen Naturschieferplatten vermittelt das Haus zwischen den Nachbarn – einem Jugendstilhaus mit Sichtmauerwerk und einem Bürohaus aus den siebziger Jahren. An der Hufgasse bildet ein ebenfalls sechsgeschossiger, leicht gerundeter Bau den Abschluss der in den vierziger Jahren begonnenen Häuserzeile. Die spezielle Form schafft einerseits einen Abstand zum klassizistischen Solitärbau im Süden der Parzelle und definiert andererseits die Aussenräume neu. Durch beide Neubauten wird die vor über hundert Jahren konzipierte und gewachsene Blockrandbebauung vervollständigt. Dazwischen entsteht ein ruhiger und landschaftlich gestalteter nutzbarer Hofraum. Beide Gebäude sind konstruktiv gleich ausgeführt, unterscheiden sich aber in Grösse, Struktur und Ausformulierung, wobei sich die Grundrissstruktur um das innenliegende Treppenhaus

mit Lift der Gebäudeform anpasst. An der Mühlebachstrasse sind flexible Grundrisse umgesetzt worden, die sowohl als Büroräume als auch für Wohnzwecke genutzt werden können. Das Gebäude an der Hufgasse hingegen ist aufgrund der abgeschirmten Lage für eine reine Wohnnutzung prädestiniert. Die beiden sechsgeschossigen Immobilien sind als Holzsystembauten ausgeführt. Die tragenden Aussenwände sind aus grossflächigen Rahmenbauelementen mit integrierten Stützen in Brettschichtholz aufgebaut. Die meisten Innenwände sind nichttragend, um die grösstmögliche Nutzungsflexibilität zu gewährleisten. Vorfabrizierte Holz-Beton-Verbundelemente mit sichtbarer Holzuntersicht bilden die Geschossdecken aus. Die Grauenergiebilanz dieses Deckenaufbaus ist besser als diejenige einer konventionellen Betondecke. Die Treppenhäuser, der Liftschacht und alle erdberührenden Wände des Untergeschosses sind in sichtbarem Recyclingbeton ausgeführt. Die Materialisierung der Fassadenbekleidung verbindet die Gebäude trotz der volumetrischen Unterschiede zu einer Einheit. Kleinteilige Naturschieferplatten lassen die Fassade je nach Tageszeit und Witterung ganz unterschiedlich erscheinen. Die Attikageschosse hingegen sind mit grossformatigen, hellgelben Fassadenplatten ausformuliert und treten so in den Hintergrund. Bei den Fenstern handelt es sich um dreifach verglaste Holz-Metall-Fenster, aussen der Fassade angepasst. Die grossen Fenster lassen viel Tageslicht in das Innere der Gebäude dringen und nutzen dank dem guten g-Wert der Gläser den passiv-solaren Ertrag maximal. Die beiden Häuser sind über die gemeinsame Tiefgarage verbunden. Diese nimmt alle vorgeschriebenen Abstellplätze auf. Auch die Räume für die Heizung sind gemeinsam angeordnet.

Die Wärmeerzeugung erfolgt mittels einer Pellets-Feuerung, die zur Aufbereitung von Warmwasser und zur Heizungsvorwärmung zusätzlich von vertikalen Flachkollektoren in der Hoffassade des Baus an der Mühlebachstrasse und Vakuumröhrenkollektoren auf dem Dach des Gebäudes an der Hufgasse unterstützt wird. Die Flachkollektoren werden als Fassadenelemente eingesetzt und fügen sich in die architektonische Gestaltung ein. Für einen optimalen Betrieb und die Speicherung der Energie werden mittels eines semi-zentralen Systems in beiden Häusern Speicher eingesetzt. Das Pellets-Lager ist zweigeschossig und befindet sich in den Untergeschossen des Gebäudes an der Mühlebachstrasse. Je eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Baus Mühlebachstrasse (27 kWp) und des Baus Hufgasse (14 kWp) sind darauf ausgelegt, jährlich rund 37000 kWh Strom zu produzieren. Damit sollte sich der Jahresstrombedarf von zehn der 15 Wohnungen komplett decken lassen. Die Lüftungsanlage funktioniert für die beiden Häuser separat, um einen möglichst einfachen Regelungsmechanismus zu erhalten. Die Luft wird mittels Erdsonden vorgewärmt oder gekühlt. Die Luftmenge kann je nach Wohnung oder Büroeinheit separat reguliert werden. Schon im Konzept des Entwurfs wurde Gewicht auf eine optimale Energiebilanz des Projekts gelegt. In der Ausführungsplanung wurde dann nicht nur die Minimierung der Betriebsenergie, sondern auch die investierte graue Energie genau analysiert und optimiert. Das Ergebnis zeigt, dass auch innerstädtische Bauten sehr ökologisch und energieeffizient erstellt werden können. Der komplexe Bauprozess stellte hohe Anforderungen an die Logistik und an die Präzision der Ausführung. Durch die computergestützte Produktion und exakte Planung konnte der Bauprozess effizient umgesetzt werden.


Situation

Ort Mühlebachstrasse 8 und Hufgasse 11, 8008 Zürich Architektur kämpfen für architektur ag, Beat Kämpfen, Zürich; Projektteam: Beni Knecht (Projektleiter), Andreas Rabara (Entwurf), Daniel Wächerle (Bauleitung), Adrian Bierlein (Ausführungsplanung), Sigrun Rottensteiner Bauingenieur De Vries Engineering GmbH, Zürich Bauphysik Amstein & Walthert AG, Zürich Elektroningenieur Marcel Wyder GmbH, Zürich HKLS-Ingenieur Planforum GmbH, Winterthur Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holz- und Fensterbau Hector Egger Holzbau AG, Langenthal (Holzbau), und 1a hunkeler, Ebikon (Fenster) Materialien Bauholz: Rahmenbaukanteln 120 m3, Brettschichtholz 50 m3, Brettstapelelemente 400 m3; Platten: Furnierschichtholz 24 m3, Dreischichtplatten 27 mm 605 m2 und 40 mm 122 m2, OSB 15 mm 645 m2 und 25 mm 210 m2, Gipsfaserplatten 4520 m2 Baukosten BKP 2 CHF 9,5 Mio. (Mühlebachstrasse), CHF 7,0Mio. (Hufgasse) davon BKP 214 ca. CHF 1,2 Mio. (Mühlebachstrasse), ca. CHF 0,9 Mio. (Hufgasse) Gebäudegrundfläche SIA 416 1130 m2 (Mühlebachstrasse), 1592 m2 (Hufgasse) Geschossfläche SIA 416 5470 m2 (Mühlebachstrasse), 5500 m2 (Hufgasse) Gebäudevolumen SIA 416 9855 m3 (Mühlebachstrasse), 6057 m3 (Hufgasse) Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 946.– (Mühlebachstrasse), CHF 1156.– (Hufgasse). Die Unterschiede sind unter den Aspekten Form und Kleinteiligkeit beim Gebäude Hufgasse sowie zwei Fassaden weniger wegen Nachbaranschlüssen beim Gebäude Mühlebachstrasse zu beurteilen. Zudem ist der Ausbaustandard gehoben, und die Fassaden sind mit Naturschiefer und Faserzementplatten bekleidet. Bauzeit Januar 2010 – Februar 2012 Fotograf Rene Rötheli, Baden 139


Hofgeschoss Mühlebachstrasse

Untergeschoss Mühlebachstrasse und Hufgasse

Erdgeschoss Mühlebachstrasse

2. Obergeschoss Mühlebachstrasse

3.–4. Obergeschoss Mühlebachstrasse

Attikageschoss Mühlebachstrasse

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Schnitt Mühlebachstrasse und Hufgasse

20 m


Erdgeschoss Hufgasse

1.–4. Obergeschoss Hufgasse

Attikageschoss Hufgasse


Fassadenschnitt

142


Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 80 mm/PV-Anlage Schutzlagen Wasserdichtung Dämmung 160–240 mm Dampfsperre Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 200 mm/Zellulosefaserdämmung Dreischichtplatte 27 mm Deckenaufbau von oben: Parkett in Eiche massiv 20 mm Unterlagsboden Anhydrit 70 mm, mit Bodenheizung Trennlage Trittschalldämmplatte 30 mm Schüttung 50 mm Folie Holz-Beton-Verbundelement: Überbeton 80 mm Brettstapel 160 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm Metallständer 75 mm/Mineralwolledämmung Gipsfaserplatte 15 mm Ständer 240 mm/Mineralwolledämmung Lattung horizontal 40 mm/Mineralfaserdämmung Gipsfaserplatte 15 mm Lattung 55 mm Schalung 27 mm Naturschiefer 15 mm, kleinformatig, oder Faserzementplatten 8 mm, grossformatig


Fachhochschulzentrum, St. Gallen Mit dem Neubau des Fachhochschulzentrums wird das Bildungs- und Forschungsangebot am Standort St.Gallen um ein zentrales Element ergänzt. Die Universität, die Empa und das Bundesverwaltungsgericht bilden zusammen mit dem neuen Fachhochschulzentrum einen attraktiven Cluster, in dem spezifisches Wissen generiert und angewandt wird. Das Gebäude besteht aus einem liegenden Baukörper mit Unterrichtsräumen, welcher die Traufhöhe der umliegenden Liegenschaften bei 18 Metern übernimmt und den Strassenfluchten folgt, sowie einem 66 Meter hohen Turm mit Verwaltungs- und Institutsräumen, welcher über das Geleisefeld hinweg einen Dreiklang mit den Türmen des Stadthauses und der Hauptpost aufbaut. Die Lage des Turmes im Ring definiert zwei unterschiedliche Höfe: Einen Innenhof als Zentrum der Anlage, der als Mediathek genutzt wird, und einen Aussenhof, der die Erschliessungen und die Eingangshalle belichtet. Die Aussenhülle, welche die Gebäudefigur zusammenbindet, aber durch die Reliefierung – im Ring horizontal, im Turm vertikal – fein differenziert, besteht aus vorfabrizierten und eingefärbten Betonelementen.

Erdgeschoss

1. Obergeschoss

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Längsschnitt

Ort Rosenbergstrasse 59, 9000 St. Gallen Bauherrschaft Hochbauamt Kanton St. Gallen, City Parking AG St. Gallen, Tiefbauamt St. Gallen Architektur giuliani.hönger, Zürich Baumanagement b + p Baurealisation, Zürich Bauingenieur Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure, Zürich Haustechnikplanung 3-Plan, Winterthur (HLKK, Koordination), mtp, Uster (Elektro), Tri Air, Jona (Sanitär, Sprinkler), und Boxler MSRL-Engineering, Rapperswil-Jona (MSRL) Fassadenplaner gkp fassadentechnik, Aadorf Landschaftsarchitekt Hager Landschaftsarchitektur, Zürich Lichtplanung Artlight, St. Gallen Bauphysik und Akustik Mühlebach Akustik + Bauphysik, Wiesendangen Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See und Balzer Ingenieure AG, Chur Gastroplanung Rolf Hügli, Egnach Baukosten BKP 1–9 CHF 131 Mio. Geschossfläche SIA 416 36 600 m2 Rauminhalt SIA 416 131 000 m3 Termine offener Projektwettbewerb 2003 (1. Preis), Vorprojekt und Bauprojekt 2003–2004, Ausschreibung und Ausführung ab 2008, Fertigstellung 2012 Fotografie/Visualisierung Karin Gauch und Fabien Schwartz, Oberägeri, sowie maaars architektur visualisierungen, Zürich, und Total Real, Zürich

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Toni Areal, Zürich Auf dem Toni Areal soll aus einer ehemaligen Milchverarbeitungsfabrik eine Plattform für Bildung und Kultur entstehen. Das umgebaute Gebäude wird 2013 zur neuen Heimat für die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und für zwei Departemente der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Es schliesst zusätzlich neunzig Wohnungen sowie private Kultur- und Eventflächen ein. Im Projekt verschränken sich zwei spannende Entwicklungen. Einerseits entsteht hier ein neuer Standort der in den letzten Jahren umgestalteten Hochschullandschaft der Schweiz. Andererseits ist in diesem Quartier ein städtebaulicher Transformationsprozess in Gang, der den Charakter von ganz Zürich entscheidend verändern und prägen wird. Das Toni Areal stellt in dieser Entwicklung einen zentralen Baustein dar. Es gilt, ein Konzept für ein Haus zu finden, das fast die Grösse eines Stadtgevierts aufweist. Es geht um das Miteinander von vielfältigsten

Längsschnitt

146

Nutzungen innerhalb eines solchen Gebäudes und dessen Impulse im Stadtraum. Die Architekten gehen deshalb davon aus, dass es sich primär um ein städtebauliches und programmatisches Problem handelt. Der Entwurf schlägt vor, der Grösse des Projekts mit einer Art innerem Urbanismus zu begegnen. Die bestehende Rampenanlage im Norden wird als vertikaler Boulevard gelesen und zur Haupterschliessung umfunktioniert. An die Schnittstelle von Hoch- und Flachbau wird eine grosse, als öffentlicher Raum gedachte Halle gelegt. Diese beiden Elemente werden durch eine kaskadenartige Abfolge von Hallen und Treppenanlagen miteinander vernetzt. Es entstehen innere Adressen, welche die einzelnen Nutzungen wie Häuser in der Stadt verorten. Gleichzeitig wird das Haus zum Stadtbaustein in einer unwirtlichen Umgebung. Schliesslich machen die unkonventionellen baulichen Rahmenbedingungen das Projekt aber auch zu einer architektonischen Herausforderung. Um für die Benutzer des Campus einen

offenen Handlungsrahmen zu schaffen, arbeiten die Architekten mit verschiedenen Genauigkeiten, Massstäben und Tonarten: mal roh, mal verfeinert, teils über-, teils unterdefiniert, mit einem Angebot von riesigen öffentlichen bis hin zu intimen privaten Räumen. Das Haus als Stadt, die Stadt als Haus.

Situation


Ort Förrlibuckstrasse 109, 8005 Zürich Bauherrschaft Allreal Toni AG, Zürich, vertreten durch Allreal Generalunternehmung AG Totalunternehmer Allreal Generalunternehmung AG, Zürich Projektleitung/Architektur EM2N, Zürich; Christof Zollinger, Björn Rimner, Enis Basartangil, Nils Heffungs, Jochen Kremer Bauingenieur Walt + Galmarini, Zürich Fassadenplaner gkp Fassadentechnik, Aadorf HLKS-Planung Portmann Planung, Zürich, Büro 349, Zürich, und GRP Ingenieure, Zürich Elekroplanung Bürgin & Keller, Adliswil Bauphysik/Akustik Wichser Akustik & Bauphysik AG, Zürich, und Applied Acoustics GmbH, Gelterkinden Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See, und Gruner AG, Basel Landschaftsarchitektur Schweingruber Zulauf, Zürich Lichtkonzept realities:united, Berlin Signaletik Bringolf Irion Vögeli, Zürich Baukosten BKP 1–9 CHF 350 Mio. Geschossfläche BGF 125 000 m2 Rauminhalt SIA 116 493 400 m3 Termine Studienauftrag 2005 (1. Preis), Planung 2005–2009, Baubeginn 2008, Fertigstellung 2013

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Hilti Innovationszentrum, Schaan Die Hilti Aktiengesellschaft, eines der führenden Bautechnologieunternehmen, will in einem multifunktionalen Gebäude Konzernforschung, Entwicklungs-, Engineering- und Businessfunktionen eng vernetzen. Der Neubau im liechtensteinischen Schaan soll dazu ab 2015 bereitstehen. Das entstehende Innovationszentrum wird den Hangfuss der Bergkette markieren, mit einer durchgängigen Traufe von beschränkter Höhe die Gesamtsituation beruhigen und damit dem höheren Hauptverwaltungsgebäude seine dominante Position überlassen. Der Anspruch der Firma Hilti ist Ausgangslage für das Raumkonzept. Das Herz der Anlage bildet die zweigeschossige, stützenfreie Versuchshalle, welche sich in der Mitte um ein Geschoss zum sogenannten ‹Auge› erhöht und mit der Eingangshalle an der Feldkircherstrasse den Eingang charakterisiert. Die Halle wird dreiseitig mit Labors und Büroebenen ummantelt und mit Brücken überspannt, so dass ein grosses optisches und funktionales Beziehungspotential entsteht. Mit einer horizontalen Schichtung aus opaken Bändern und tiefliegenden, transparenten Verglasungen entsteht eine ruhige, homogene Erscheinung des Gebäudes, welche das umgebende Panorama inszeniert und der gewünschten Flexibilität im Inneren Ausdruck verleiht.

Längsschnitt

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Erdgeschoss

Ort Feldkircherstrasse 100, 9494 Schaan (FL) Bauherrschaft Hilti Aktiengesellschaft, Schaan (FL) Architektur giuliani.hönger, Zürich Baumanagement Caretta + Weidmann Baumanagement, Zürich Bauingenieur Dr. Schwartz Consulting, Zug, und Wenaweser + Partner Bauingenieure, Schaan Haustechnikplanung Sytek AG, Binningen (Koordination, Elektro), Aicher, De Martin, Zweng AG, Zürich (Lüftung, Kälte, Klima), und tib Technik im Bau AG, Luzern (Sanitär) Fassadenplaner gkp Fassadentechnik, Aadorf (ab 2010), und Feroplan Engineering, Zürich (bis 2009) Industrieplaner Rapp-OTB, Basel (ab 2011), und Resoplan, Brugg (bis 2011) Landschaftsarchitekt Hager Landschaftsarchitektur, Zürich Lichtplaner Reflexion, Zürich Bauphysik/Akustik BAKUS Bauphysik & Akustik, Zürich Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Termine eingeladener, zweistufiger Wettbewerb 2008 (1. Preis), Planung ab 2008, Baubeginn Hochbau 2012, Fertigstellung Ende 2014 Fotografie/Visualisierung (Stand Vorprojekt 2009) Karin Gauch und Fabien Schwartz, Oberägeri, sowie maaars architektur visualisierungen, Zürich

3. Obergeschoss

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Bürohochhaus Prime Tower mit Annexbauten, Zürich Der Standort des Prime Tower und seiner beiden Annexbauten Cubus und Diagonal ist Teil eines ehemals unzugänglichen Industrieareals, das sich in einem sukzessiven Wandlungsprozess zu einem Dienstleistungs- und Wohngebiet befindet. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Bahnhof Hardbrücke gelegen, setzt das Hochhaus mit seinen 126 Metern Höhe bei 36 Geschossen als derzeit höchstes Gebäude der Schweiz einen markanten städtebaulichen Akzent, nicht nur zugunsten des Areals selbst, sondern auch für das gesamte aufstrebende Gebiet Zürich-West. Der Prime Tower ist als Bauwerk mit vielfältiger Erscheinung konzipiert, dessen Grundstruktur und Machart jedoch verhältnismässig einfach sind. Die entwerferische Suche galt einerseits einer Grundrissfigur, die ein Maximum an optimal belichteten Arbeitsplätzen ermöglicht, und andererseits einer einprägsamen Gebäudeform, die gleichwohl je nach Standort des Betrachters unterschiedliche Wirkungen erzielt. Entstanden ist ein Baukörper, der sich entgegen der gewohnten Wahrnehmung von Hochhäusern nach oben ausweitet, mit einem unregelmässigen Achteck als Grundrissform. Die städtebauliche Bedeutung des Projekts bewegt sich zwischen den beiden Polen der Fern- und der Nahwirkung. Aus der Ferne erscheint das Hochhaus als abstrakter, eleganter Körper aus grünlichem Glas, dessen Erscheinung mit dem Wechsel des Standorts changiert, je nachdem, ob er von der Seite (von Süden

Schnitt

150

oder Norden) oder frontal (von Osten oder Westen) gesehen wird. Mit seinen unterschiedlich ausgerichteten Fassadenflächen reflektiert er das Licht und die jeweilige Umgebung, gliedert und unterteilt sein Volumen gewissermassen in riesige ‹Pixelflächen›. Auch aus der Nähe gewinnt man je nach Blickrichtung unterschiedliche Eindrücke von dem Baukörper. Aus kurzer Distanz wird deutlich, dass die Vorsprünge des sich nach oben ausweitenden Körpers bezüglich der benachbarten Bauten eine integrierende Wirkung erzielen. Auf der Höhe der Geroldstrasse entsteht zwischen dem Hochhaus und dem neuen Nachbarbürogebäude Cubus ein einladender Aussenraum, der zum Eingang des Prime Tower leitet und in die künftige Lichtstrasse einmündet. Südwestlich wird zusammen mit dem bestehenden, denkmalgeschützten Diagonal-Gebäude und dem neuen bahnseitigen Bürogebäude Platform ein neuer Platz geschaffen. Das Erdgeschoss des Prime Tower bietet den Büronutzern wie auch den Passanten mit einer Café-Bar und Ladenflächen ergänzende Angebote. Als Attraktion verfügt der Turm im obersten Geschoss über ein öffentliches Restaurant, ein Bistro mit Bar und eine Lounge, im zweitobersten Geschoss über eine Konferenzzone. Die Kerne und Fluchttreppen sind so angeordnet, dass die Bürogeschosse auf bis zu vier verschiedene Mieter aufgeteilt werden können. Gleichzeitig ist es möglich, Büronutzungen über mehrere Geschosse zusammenzufassen und dabei Lufträume und interne Treppen anzubie-

ten. Die Auskragungen des Baukörpers schaffen zusätzliche Büroflächen an höherer und daher gesuchter Lage und erweitern die Nutzungsmöglichkeiten der Flächen. Die Tragkonstruktion des Hochhauses ist eine Skelettbauweise in Beton mit aussteifenden Kernen. Der Lastabtrag der unterschiedlich grossen Auskragungen wird durch Schrägstellung der Fassadenstützen über zwei oder drei Geschosse bewerkstelligt. Die Fassaden bestehen aus dreifachen Isoliergläsern. Für den Komfort der Arbeitsplätze, aber auch für die feuerpolizeilich vorgeschriebene Möglichkeit der Entrauchung bei einem Brandfall können alternierend Fenster zu Lüftungszwecken parallel ausgestellt werden. Die vorfabrizierten Fensterelemente sind nach aussen rahmenlos. Sie verleihen dem polygonalen Gebäude die facettenreiche Erscheinung eines grünlichen Kristalls.

Situation

Grundriss Regelgeschoss


Ort Hardstrasse 201, 8005 Zürich Bauherrschaft Swiss Prime Site AG, Olten, vertreten durch Perolini Baumanagement AG, Zürich Totalunternehmung ARGE Prime Tower: Losinger Marrazi AG, Zürich, und Karl Steiner AG, Zürich Architektur Annette Gigon/Mike Guyer Architekten, Zürich; Mitarbeiter Wettbewerb: Stefan Thommen; Mitarbeiter Planung und Ausführung: Stefan Thommen (Teamleitung), Christian Maggioni (stellvertretende Teamleitung), Christoph Rothenhöfer (Projektleitung bis 2007), Pieter Rabijns (Projektleitung ab 2007), Franziska Bächer, Armin Baumann, Raffaella Bisceglia, Martin Bischofberger, Urs Meyer, Leander Morf, Roberto Outumuro, Rafael Schmid, Karin Schultze, Alex Zeller; Mitarbeit Mieterausbau: Karla Pilz, Griet Aesaert, Yvonne Grunwald, Julia Löscher, Markus von Dellingshausen Bauingenieur Dr. Schwartz Consulting AG, Zug, Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure AG, Zürich, Freihofer & Partner AG, Zürich, Walt + Galmarini AG, Zürich, und Bänzinger Partner AG, Richterswil Landschaftsarchitektur Schweingruber Zulauf, Zürich Kosten-/Terminplanung b + p baurealisation ag, Zürich Elektrotechnik IBG Graf AG, St. Gallen, und Hefti Hess Martingnoni, Zürich Heizung/Kälte PB P. Berchtold, Sarnen Lüftung Waldhauser Haustechnik AG, Münchenstein, und Hans Abicht AG, Zürich Sanitär/Sprinkler PB P. Berchtold, Sarnen, und GRP Ingenieure, Rotkreuz Koordination Haustechnik PB P. Berchtold, Sarnen, und Hans Abicht AG, Zürich Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See, Gruner AG, Basel, AFC Air Flow Consulting AG, Zürich, und Klingsch GmbH, Düsseldorf Bauphysik Bakus, Zürich Verkehrsplaner Enz & Partner GmbH, Zürich Fassade gkp fassadentechnik ag, Aadorf, und Reba Fassadentechnik AG, Chur Aufzugsanlagen Jappsen + Stangier, Baar Bestandesaufnahme/Grundwasser Basler & Hofmann AG, Zürich Umweltbaubegleitung Basler & Hofmann AG, Zürich Geotechnik Friedlipartner AG, Zürich, und Dr. Heinrich Jäckli AG, Zürich Werkleitungsplanung Henauer Gugler AG Türengineering ESS AG, Uhwiesen Windkanal RWTH, Aachen (D) Mitarbeit Raumgestaltung Studio Hannes Wettstein, Zürich Lichtarchitektur Ernst Basler + Partner, Zürich Signaletik Integral Ruedi Baur Zürich GmbH Kunst Adrian Schiess, Zürich und Mouans-Sartoux (F), und Harald F. Müller, Öhningen (D) Investitionsvolumen CHF 380 Mio. (mit Gebäude Platform) Geschossfläche NGF, SIA 416 49 121 m2 (Prime Tower), 6206 m2 (Cubus), 2759 m2 (Diagonal), 11 200 m2 (UG) Rauminhalt SIA 416 ca. 228 000 m3 (Prime Tower), 35 000 m3 (Cubus), 18 000 m3 (Diagonal) Termine Wettbewerb 2004 (1. Preis), Planung 2005–2011, Ausführung 2008–2011 Fotograf Thies Wachter, Zürich

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Biographien Peter Makiol

*1965 1982–1987 1987–1991 1990–1991 1991 seit 1992 Lehraufträge 1993–1995 seit 1995

aufgewachsen in Thunstetten Berufslehre und praktische Tätigkeit als Zimmermann Studium als Holzbauingenieur an der Schweizerischen Ingenieur- und Fachschule fßr die Holzwirtschaft (SISH), Biel Praktikum bei Fritz Allenbach, Ingenieurbßro fßr Holzbau, Frutigen Diplomarbeit ‚Projektierung der Eissporthalle in Kandersteg› Ingenieurbßro fßr Holzbau mit Reinhard Wiederkehr Lehrauftrag am Institut fßr technische Ausbildung ITA, Zßrich Lehrauftrag an der Schweizerischen Bauschule Aarau, Unterentfelden

Reinhard Wiederkehr

*1966 1982–1987 1987–1991 1990–1991 1991 1992 seit 1992 Lehraufträge 1993–2005

seit 1992 seit 1995

Mitarbeit in Fachkommissionen t 1SPKFLUHSVQQFk4DIBMMTDIVU[l -JHOVN ;Ă SJDI t 1SPKFLUHSVQQFk"VTCJMEVOHl )PM[CBV4DIXFJ[ ;Ă SJDI t 1SPKFLUQBSUOFS k)PIMLBTUFOFMFNFOUF BMT 5SBHLPOTUSVLUJPO GĂ S %ĂŠDIFSl Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau, Biel t 'PSUCJMEVOHTLVST/PSN4*")PM[CBV t /PSNFOLPNNJTTJPO/PSN 4*" )PM[CBV t +VSZNJUHMJFE1SJY-JHOVN

aufgewachsen in Beinwil am See Berufslehre und praktische Tätigkeit als Zimmermann Studium als Holzbauingenieur an der Schweizerischen Ingenieur- und Fachschule fßr die Holzwirtschaft (SISH), Biel Praktikum im Technischen Dienst der Lignum, Zßrich Diplomarbeit zum Thema ‚Brandschutz im Holzbau› Diplom als Zimmermeister Ingenieurbßro fßr Holzbau mit Peter Makiol

Lehrauftrag an der Schweizerischen Bauschule Aarau, Unterentfelden Lehrauftrag an der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau, Biel Lehrauftrag fĂźr Weiterbildungskurse Brandschutzexperten, VKF, Bern

Mitarbeit in Fachkommissionen t 4*"k#SBOETDIVU[JN)PDICBVl ;Ă SJDI t ,PNNJTTJPOk*OOPWBUJPOl )PM[CBV4DIXFJ[ ;Ă SJDI t %(G)'"  k#SBOETDIVU[l .Ă ODIFO t 'BDIBVTTDIVTT k#SBOETDIVU[VOE)PM[l -JHOVN7,'4*" ;Ă SJDI t 'BDILPNNJTTJPO #BVUFDIOJL 7,' #FSO t &VSPQFBO/FUXPSL k'JSF4BGF 6TFPG8PPEl )FMTJOLJ

Verbandstätigkeit seit 1992 Mitglied STE – Swiss Timber Engineers, Verband Schweizerischer Holzingenieure, Zßrich seit 1992 Mitglied Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zßrich

Verbandstätigkeit 1991–1998 Vorstand STE – Swiss Timber Engineers, Verband Schweizerischer Holzingenieure, Zßrich 1992–1997 Präsident STE – Swiss Timber Engineers, Verband Schweizerischer Holzingenieure, Zßrich 1999–2005 Revisor SAH – Schweizerische Arbeitsgemeinschaft fßr Holzforschung, Zßrich 2000–2008 Delegierter Einzelmitglieder von Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zßrich 2003–2010 Zentralvorstand Swiss Engineering STV, Zßrich seit 2003 Vorstand Pro Holz Aargau, Unterentfelden seit 2004 Schweizer Nationalkomitee FEANI/WFEO seit 2008 Vorstand Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zßrich

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit 1995 Stefan Schlegel (*1968), Zimmermann, Baufßhrer SBA, Techniker TS Holzbau, dipl. Zimmermeister seit 1998 Kurt von Felten (*1973), Zimmermann, dipl. Bauingenieur HTL seit 2000 Beat Bart (*1972), Zimmermann, dipl. Holzbauingenieur HTL/SH-Holz, Brandschutzexperte VKF seit 2004 Raphael Greder (*1980), Zimmermann, dipl. Holzingenieur FH, Vertiefungsrichtung Holzbau seit 2005 Dominik Graber (*1977), Zimmermann, Baufßhrer SBA, Techniker TS Holzbau seit 2005 Marina Wyss (*1986), dipl. Kaurau seit 2007 Christoph Blättler (*1970), Zimmermann, Baufßhrer SBA, Techniker TS Holzbau seit 2008 David Sauser (*1980), Schreiner, Zimmermann, Holzbauingenieur BSC FH seit 2010 Felicitas Wiederkehr Laubscher (*1967), Sekretariat seit 2010 Zoltan Librecz (*1959), dipl. Architekt HTL, freier Mitarbeiter seit 2011 Marco Aolter (*1980), Zimmermann, Holzbauingenieur BSC FH seit 2012 Alexander Leib (*1986), Schreiner, Student Holzbauingenieur

Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Andreas Wermuth, Ronald Kunz, Rita Favetto, Stephan Bßhler, Roland Fähndrich, Yvonne Grob, Martin Adam, Doris Fessler

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Ehemalige Praktikantinnen und Praktikanten Markus Reichenbach, Stefan ZĂśllig, Pirmin Jung, Andreas Dietz, Markus Warnecke, Serguei Grigoriev, Joachim NĂśrr, Philipp NĂźckles, Mareike Vogel, Ueli Makiol


Inhaltsübersicht 15 24 3 9 28 32 10

37 35 33 31 30 27 23

19 11

16 18

1

5

25

34

2

17

M+W

4

26

13 36

21

7 12 6

20

8

© 2007 Bundesamt für Landestopografie. Alle Rechte vorbehalten.

29

14 22

Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See

1

Werkheim Heuwiese, Reinach

Seite 6

20

Wellness-Hotel Rössli, Weggis

Seite 82

2

Tagesbetreuung ‹Arche›, Wallisellen

Seite 10

21

Hotel City Garden, Zug

Seite 86

3

Neubau Kreisschule, Neuendorf

Seite 14

22

Altes Hospitz St. Gotthard

Seite 90

4

Schulhaus St. Martinsgrund, Sursee

Seite 18

23

Sanierung Zunfthaus zur Zimmerleuten, Zürich

Seite 94

5

Schulhaus Eichmatt, Cham/Hünenberg

Seite 22

24

Wohnhaus Maienzugstrasse, Aarau

Seite 98

6

Hörsaalgebäude Weichenbauhalle, Bern

Seite 26

25

Sechsgeschossiges Mehrfamilienhaus Holzhausen, Steinhausen

Seite 102

7

Sporthalle ‹Der Eisberg›, Grossmatt, Kirchberg

Seite 30

26

Wohnüberbauung Eulachhof, Winterthur

Seite 108

8

Neubau Schul- und Sporthalle, Schüpfheim

Seite 34

27

Wohn- und Geschäftshaus Selnaustrasse, Zürich

Seite 112

9

Überbauung Schärerareal, Neubau Mehrzweckhalle, Murgenthal

Seite 38

28

Siedlung Galmisbach, Rüttenen

Seite 116

10

Dachsanierung der Eishalle im Sportzentrum, Zuchwil

Seite 42

29

Mehrfamilienhaus L der Quartierüberbauung Heiligkreuz, Chur

Seite 120

11

Reithalle, Aarau

Seite 46

30

Wohn- und Geschäftshaus an der Badenerstrasse, Zürich

Seite 124

12

Bürogebäude Hug AG, Malters

Seite 50

31

Wohnhaus Herzogenmühlestrasse 25 + 27, Zürich

Seite 130

13

Storni, Auf der Burg, Meilen

Seite 54

32

Umbau Haus Bregger, Solothurn

Seite 134

14

Werkhalle Uffer AG, Savognin

Seite 58

33

Wohn- und Geschäftsüberbauung Mühlebachstrasse/Hufgasse, Zürich

Seite 138

15

Überführung Horen, Küttigen

Seite 62

34

Fachhochschule Bahnhof Nord, St. Gallen

Seite 144

16

Steg über den Frey-Kanal, Aarau

Seite 66

35

Toni-Areal, Zürich

Seite 146

17

Fussgängerbrücke im Wildpark Langenberg, Langnau am Albis

Seite 70

36

Neubau Innovationszentrum Hilti, Schaan

Seite 148

18

Luthernbrücke, Schötz

Seite 74

37

Neubau Prime Tower mit Annexbauten, Zürich

Seite 150

19

Bünzbrücke, Dottikon

Seite 78

Projekte in Band 1 vom Januar 2008

ISBN-13 978-3-906703-20-6

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Impressum Konstruieren mit Holz 1992–2012 Makiol + Wiederkehr Holzbauingenieure 20 Jahre Hand in Hand für das Konstruieren mit Holz Das Ingenieurbüro Makiol + Wiederkehr wurde am 1. März 1992 gegründet und besteht nun seit über 20 Jahren. Dieses Jubiläum ist Anlass dazu, einen zweiten Band herauszugeben, nachdem der erste Band im Januar 2008 erschienen ist. Im ersten Band konnte das Geschehen der Jahre 1992 bis 2007 abgebildet werden. Dabei wurde auf das Holzbulletin der Lignum als baufachliches Zeitdokument des Holzbaus zurückgegriffen. 35 Bauwerke daraus, an denen das Büro mit wesentlichen Beiträgen und bezüglich Ingenieurarbeiten federführend beteiligt war, dokumentierten den technischgestalterischen Fortschritt des Holzbaus mit seiner Entwicklung von einer althergebrachten Bauweise in die Moderne. Der nun zweite Band öffnet das Zeitfenster wieder und orientiert sich bezüglich Objektwahl an den Dienstleistungen des Ingenieurbüros Makiol + Wiederkehr. Insgesamt 37 Bauwerke zeigen in einer ersten Objektserie die Ingenieurtätigkeiten für den Baustoff Holz bei Schulbauten, Hallen, im Büro- und Gewerbebau, für Brücken, bei Unterkünften und im Wohnungsbau. Das Bauen mit Holz wurde auch in engem Bezug zur technischen Entwicklungen zum Brandschutz entwickelt – einem langjährigen Fachgebiet des Büros. So geht eine zweite Serie auf Objekte ein, bei welchen Makiol + Wiederkehr als Fachplaner für den Brandschutz beigezogen wurde – in neuerer Zeit kommt dieses Fachwissen auch bei Projekten mit geringem Holzeinsatz zum Zug. Die vorliegende Publikation ist zudem eine Hommage an die Mitarbeiter, die Gestalter, die Architekten und an die Investoren, die Bauherren und im weitesten Sinne auch an die involvierten Behörden und Institutionen. Alle diese Bauwerke würden sich niemals derart überzeugend präsentieren, wäre da nicht das tiefe, gegenseitige Vertrauen in die Fähigkeiten, die Zuverlässigkeit und die Termintreue aller Beteiligten.

Herausgeber Makiol + Wiederkehr Industriestrasse 9 5712 Beinwil am See Verlag Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Redaktion Charles von Büren, Bern Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Gestaltung und Realisation BN Graphics, Zürich Druck Kalt-Zehnder-Druck AG, Zug Die Publikation beruht auf den Angaben und Daten der am Bau beteiligten Firmen. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten verbleiben bei den jeweiligen Architekten. Erschienen im Mai 2012 ISBN 978-3-906703-31-2

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Konstruieren mit Holz, 1992–2012  

Makiol + Wiederkehr, Holzbauingenieure

Konstruieren mit Holz, 1992–2012  

Makiol + Wiederkehr, Holzbauingenieure