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Holzbulletin 86/2008 Mehrgeschossige Wohnbauten Wohnhaus Maienzugstrasse, Aarau Mehrfamilienhaus am Finkenweg, Köniz Alterswohnungen, Speicher Gebäudeerweiterung, La Tour-de-Peilz Mehrfamilienhäuser ‹Grosswil›, Horw Mehrfamilienhaus Walker, Bitsch Sechsgeschossiges Mehrfamilienhaus ‹Holzhausen›, Steinhausen 16 weitere mehrgeschossige Wohnbauten im Überblick

Die drei Baukörper der Siedlung mit Alterswohnungen in Speicher, bekleidet mit anthrazitfarbenem Naturschiefer, bringen Zusammengehörigkeit zum Ausdruck. Architektur: Affolter und Kempter, St. Gallen


Mehrgeschossige Wohnbauten in Mehrgeschossiges Bauen mit Holz ist nicht mehr die singuläre Pioniertat, als die es noch vor zwei, drei Jahren galt – es ist mittlerweile kontinuierlich geübte interdisziplinäre Zusammenarbeit erfahrener Spezialisten. In den konstruktiven Bereichen setzen Holzbauingenieure die gestellten Anforderungen in Konzepte und Konstruktionen um. Sie stützen sich dabei auf das gesicherte Wissen und die Effizienz der Holzbauer sowie auf vorzügliche Grundlageninformationen der Baustoff- und Systemanbieter. Weil das mehrgeschossige Bauen mit Holz bereits diese Geläufigkeit in der Umsetzung gewonnen hat, entstehen nun über die ganze Schweiz verteilt laufend drei- und viergeschossige Gebäude, in Ballungszentren und deren Agglomerationen vereinzelt fünf- und sechsgeschossige oder noch höhere Volumen. Dabei fällt eine Tendenz auf: Das gesamte Tragwerk wird in Holz ausgeführt – zumindest dort, wo es im gesetzlichen Rahmen möglich ist. Am augenscheinlichsten wird dies bei den Geschossdecken. Dieses Bauteil wird vermehrt in Holz ausgeführt, wobei Kastenelemente, Brettstapel- und HolzBeton-Verbundlösungen klar favorisierte Systeme sind. Das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit von Decken in Holz scheint also zugenommen zu haben. Im Vergleich mit dem vor einigen Jahren festgehaltenen Stand – etwa in den ‹Holzbulletins› 73/2004 ‹Vier und mehr Geschosse›, 59/2001 ‹Mehrgeschossiger Holzbau› oder 55/2000 ‹Wohnsiedlungen› – ergibt sich bei der Durchsicht der in diesem Heft versammelten Objekte auf jeden Fall ein Überraschungseffekt: In kurzer Zeit ist in der Schweiz eine ansehnliche Zahl mehrgeschossiger Wohnbauten entstanden, in denen tendenziell ein immer grösserer Anteil des Tragwerkes durch den Holzbauer ausgeführt werden kann.

Zürich/ZH, Wohn- und Geschäftshaus an der Badenerstrasse (2010) pool Architekten, Zürich SJB.Kempter.Fitze AG, Herisau

Roland Brunner Technische Kommunikation Lignum

Sechs MFH im Rheintal (2007–2008) archinova, Buchs Liesch Ingenieure AG, Chur Schöb AG, Gams

Starrkirch-Wil/SO, MFH Dörfli Eich (2007) Peter Studer Holzbau AG, Hägendorf Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau GmbH, Rain Peter Studer Holzbau AG, Hägendorf

Davos/GR, Überbauung Dischmabach (2006) Giubbini Architekten ETH SIA, Bonaduz Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Künzli Holz AG, Davos

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Holz für die ganze Schweiz

Bern/BE, Wylerpark (2008) Baumag Generalbau AG, Liebefeld-Bern Rolf Mühlethaler Architekt BSA SIA, Bern HRB Ingenieurbüro für Holzbau GmbH, Thun Boss Holzbau, Thun, Hector Egger Holzbau, Langenthal, und Mosimann Holzbau, Köniz

Lausanne/VD, MFH ‹Victor Ruffy› (2008) Bonhôte-Zapata architectes, Genf Chabloz et partenaires SA, Lausanne Amédée Berrut SA, Collombey

Lugano/TI, MFH Montarina (2008) Lorenzo Felder, Lugano Borlini & Zanini SA, Pambio-Noranco Laube SA, Biasca

Beatenberg/BE, Bebauung Silberhorn (2007) Fahrni Heinz, Steffisburg Timbatec GmbH, Steffisburg Künzi + Knutli AG, Adelboden

Plan-les-Ouates/GE, MFH mit Genossenschaftswohnungen (2007) Atba – Stéphane Fuchs architecte et collaborateurs, Genf EDMS SA, Petit-Lancy Racines Carrées Charpente, Meinier

Sisseln/AG, MFH ‹Stichmatt› (2007) Kaufmann Holz und Bau AG, Wallbach Zimmermann Architekten, Rheinfelden Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See

Appenzell/AI, Überbauung Oberbad (2006) HTS Architekten, Cham Blumer-Lehmann AG, Gossau

Basel/BS, MFH Amerbachstrasse (2006) Simon Rösch, Basel, und Seiberth + Moser GmbH, Arlesheim Lauber Ingenieurbüro für Holzbau, Luzern Hector Egger Holzbau, Langenthal

Buttisholz/LU, MFH ‹Bösgass› (2005) A6 Architekten AG, Buttisholz Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau GmbH, Rain Haupt AG, Ruswil, und Roos Walter Holzbau, Buttisholz

Escholzmatt/LU, MFH Althusmatte (2007) Peter Portmann Architekturbüro GmbH, Escholzmatt Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau GmbH, Rain ARGE ‹hölziges aus escholzmatt›, Escholzmatt

Fully/VS, MFH Morisod (2006) W.+R. Leuenberger AG, Rain Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau GmbH, Rain Morisod et Fils SA, Troistorrents

Zollikofen/BE, Terrassenhäuser (2005) Will + Partner Architekten AG, Worb HRB Ingenieurbüro für Holzbau GmbH, Thun Boss Holzbau, Thun

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Wohnhaus Maienzugstrasse, Aarau Der Ersatzneubau fügt sich in eine einheitliche Wohnsiedlung aus den fünfziger Jahren mit sehr kostengünstigen Mietwohnungen. Er optimiert die Gesamtwirtschaftlichkeit der Anlage und entlastet die bestehenden Häuser vom Veränderungsdruck. Die neuen Wohnungen und Aussenräume erhalten die Identität der bestehenden Wohnanlage und begründen mit dieser eine neue Einheit. Ende der vierziger Jahre erstellte die allgemeine Baugenossenschaft Aarau und Umgebung (ABAU) ihre erste Familien-Wohnsiedlung an der Maienzugstrasse in der Aarauer Telli. Die Siedlung mit den durchfliessenden Grünräumen und die schlichten Baukörper atmen den Geist der Landisiedlungen jener Zeit. Die dreigeschossigen Häuser mit Drei- oder Vierzimmer-Familienwohnungen wurden später im Südosten mit zweigeschossigen ‹Stöckli-Blocks› ergänzt. Darin boten Ein- oder Zweizimmerwohnungen mit Etagenduschen günstigen Wohnraum für die nachfamiliäre Zeit. Veränderte Bedürfnisse führten dazu, dass die beiden Blocks mit den Alterswohnungen seit Jahren nicht mehr gemäss ihrem ursprünglichen Zweck als ‹Stöckli› vermietet werden konnten. Nach einer kreativen Zwischennutzungsphase lohnte sich die Sanierung der Bauten wegen der mangelnden Entwicklungsfähigkeit der Baustruktur nicht mehr. Deshalb hat die Genossenschaft im Jahr 2001 nach einer Präqualifikation einen Studienauftrag unter fünf Architekturbüros durchgeführt, den das Büro Zimmermann Architekten für sich entschied. Das realisierte Konzept erhält das konkurrenzlos tiefe Mietpreisniveau der Siedlung an der Maienzugstrasse als wichtiges Element des

Aarauer Wohnungsmarktes. Es berücksichtigt zugleich die Zentrumsnähe des Wohnumfelds mit geringer Verkehrsbelastung, die unmittelbare Nähe zum Erholungsgebiet des Aareufers und die Nachbarschaft zu Kindergärten und zur Primarschule. Zudem weist das Projekt als erste Neubauinvestition der Genossenschaft seit mehr als 20 Jahren auch auf den Generationenwechsel und die Neuausrichtung der Genossenschaftsziele hin. Die vorgeschlagene und realisierte Mischbauweise aus Holzund ergänzenden Betonelementen setzt Aspekte der Nachhaltigkeit exemplarisch um. Vorgefertigte Betonelemente bilden die Balkone und die Treppenhäuser aus. Ab den Kellerwänden bestehen die Aussen- und Innenwände in Holzrahmen- und in Tafelbaubauweise, die Geschossdecken und das Dach ausschliesslich aus vorfabrizierten Kastenelementen. Die Stabilisierung des gesamten Gebäudes erfolgt über die Holzbauelemente, welche die Auswirkungen in den massiven Unterbau ableiten. Als einer der ersten dreigeschossigen Bauten im Kanton Aargau entspricht das dem Projekt zugrundeliegende, rein bauliche, aber objektspezifische Brandschutzkonzept der damaligen Zeit einem baulichen Standardkonzept gemäss heutigen Kenntnissen und Vorschriften. Aus Rücksicht auf den Ort und die Bauweise der fünfziger Jahre wird Holz als geeignetes und wirtschaftliches Baumaterial unter der Oberfläche eingesetzt. Stimmungs- und Bedeutungsträger bleiben die sicht- und spürbaren Oberflächen des Verputzes und der geschliffenen Betonelemente sowie die kostbaren Schiebeläden aus in zwei Farbtönen eloxierten Aluminiumtafeln. Die knappen Wohnungsgrundrisse aus den fünfziger Jahren wurden auf einen heute an-

gemessenen Wohnkomfort für Familien weiterentwickelt. Die neuen Wohnungen und Aussenräume behalten damit den Bezug zur Stimmung und Identität der bestehenden Wohnanlage, fassen diese aber gleichzeitig zu einer neuen Einheit. So sind die übertiefen Grundrisse einfach strukturiert und erlauben eine sehr ökonomische Organisation der Nutzungen und der Installationsführung. Die klare Funktionstrennung bildet sich in der Mischkonstruktion ab: Der Erschliessungskern mit Installationsschacht und die übereinanderliegenden, zusammengefassten Balkone bestehen aus Beton, die Wohnungen mit der durchgehenden Zimmerschicht nach Norden und den offenen Wohn-/Essräumen nach Süden sind in Holzbauweise ausgeführt. Aus baumethodischer Sicht wurde beim Neubau an der Maienzugstrasse ein innovatives, qualitativ hochstehendes und kostengünstiges Gebäude geplant und realisiert. Nebst den konstruktiven Lösungen in den Bereichen Statik, Schall- und Brandschutz wurden mit der Materialwahl auch bezüglich Ökologie, Energiehaushalt sowie Wertschöpfung Zeichen gesetzt. Die intelligente Kombination der Vorzüge verschiedener Materialien erlaubt eine deutliche Qualitätssteigerung in der Ausführung wie im Unterhalt und Gebrauch. Darüber hinaus entspricht die eingesetzte Bauweise in vielen Belangen den zeitgemässen Forderungen der Nachhaltigkeit: In Kombination mit der Gasheizung und der Installation einer kontrollierten Wohnungslüftung wird der Minergiestandard erreicht. Sämtliches anfallende Meteorwasser wird über Sickergalerien dem Grundwasser zugeleitet. Ökologie und Nachhaltigkeit werden durch ein intelligentes Installationskonzept erreicht. Die konsequente Trennung von Roh- und Ausbau


Velos

b e s t. v or ge fe r tig et B e ton platte

erlaubt neben flexibler und jederzeit nachrüstbarer Installationsführung auch die einfache Trennung der verschiedenen Komponenten bei künftigen Umbauarbeiten oder im Rückbau. Damit wird Materialrecycling erst wirtschaftlich möglich. Die herausragenden bauphysikalischen und baubiologischen Eigenschaften des Werkstoffes Holz ergeben sehr behagliche Räume. Damit wird einem vernünftigen Heiz- und Lüftungsverhalten Vorschub geleistet; die Raumtemperaturen können tiefer angesetzt werden. Zudem wurde der Grauenergieeinsatz unter Wahrung der hervorragenden bauphysikalischen Werte auf ein Minimum reduziert.

Situation


Querschnitt im Eingangsbereich

Velos

b e s t. v or ge fe r tig et B e ton platte

Querschnitt im Balkonbereich

Erdgeschoss

1. + 2. Obergeschoss

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20 m


Ort Eversweg 2, 5000 Aarau Bauherrschaft ABAU, Allgemeine Wohnbaugenossenschaft Aarau und Umgebung, Aarau Architektur Zimmermann Architekten, Aarau Ingenieur Mund Ganz + Partner AG, Aarau Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Bauphysik Institut Bau und Energie, Bern HLKS-Ingenieur Bösch AG Ingenieurbüro, Aarau Holzbau Wey Modulbau AG, Wohlen Materialien Konstruktionsholz aus der Schweiz 175 m3; Platten: OSB 28 m3, Dreischichtplatten 285 m3, Gipskartonplatten 75 m3; Fassadenbekleidung: Putzträgerplatten 690 m2 Hauptnutzfläche SIA 416 1950 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 5 Mio. davon BKP 214 CHF 1,55 Mio. (Holzbau) Kubatur SIA 116 10 584 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 472.– Bauzeit Juni 2003 (Holzbau), Februar–November 2003 (Gesamtbauzeit) Fotograf Jürg Zimmermann, Zürich


Dachaufbau von aussen: Extensivbegrünung 60 mm Dichtungsbahn Holzfaserdämmplatte 80 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 200 mm/Zellulosefaserdämmung Dreischichtplatte 27 mm Dampfbremse Abhängesystem 120 mm/Dämmung 50 mm Gipskartonplatte 18 mm Aufbau Aussenwand von innen im 2. OG: Gipskartonplatte 12,5 mm Blockholzplatte 35 mm, mit Rippe verleimt Blockholzrippe 40 x 180 mm/Mineralwolldämmung Querlattung 40 mm/Holzfaserdämmplatte Putzträgerplatte 15 mm Deckenaufbau von oben über EG und 1. OG: Anhydrit 60 mm, geschliffen und versiegelt/Bodenheizung Trennlage Trittschalldämmplatte 22 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 240 mm/Hohlraumdämmung 80 mm Dreischichtplatte 27 mm Gipsfaserplatte 15 mm Abhängesystem 120 mm/Dämmung 50 mm Gipskartonplatte 18 mm Aufbau Aussenwand von innen im EG und 1. OG: Gipskartonplatte 2 x 15 mm Lattung 20 mm/Mineralwolldämmung Blockholzplatte 35 mm, mit Rippe verleimt Blockholzrippe 60 x 180 mm/Mineralwolldämmung Querlattung 40 mm/Holzfaserdämmplatte Putzträgerplatte 15 mm Deckenaufbau von oben über UG: Anhydrit 60 mm, geschliffen und versiegelt/Bodenheizung Trennlage Trittschalldämmplatte 22 mm Dampfbremse Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 180 mm/Zellulosefaserdämmung Dreischichtplatte 27 mm Fassadenschnitte

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Sandwichplatte 50 mm


Mehrfamilienhaus am Finkenweg, Köniz Der Neubau ist der erste viergeschossige Wohnbau in Holz des Kantons Bern. Südlich des Könizer Zentrums zeugt er vom erklärten Willen der Bauherrschaft, Nachhaltigkeit baulich umzusetzen, und der daraus folgenden Offenheit für den Baustoff Holz. Diese spiegelt sich formal ehrlich im Ausdruck des klar strukturierten Fassadenbilds. Lokal ansässige Handwerker und Geschäftsleute sowie die Gemeinde Köniz gründeten 1944 die ‹Genossenschaft Wohnraum Köniz›, um einerseits Schwung ins lokale Gewerbe zu bringen und andererseits das Sozialwohnungsproblem zu lösen. Die Genossenschaft baute zu Ende des Zweiten Weltkrieges die umstehenden Häuser am Finkenweg mit 84 Wohnungen. Dabei war sie mit einkommensabhängigen Mietzinsen, mit der vollumfänglichen Investition der Gewinne in die Liegenschaften und dem statutarischen Ausschluss von spekulativen Geschäften wegweisend. Noch heute stellt sie mit den gleichen Statuten wie damals preisgünstige Wohnungen zur Verfügung. Beste Voraussetzungen für das genossenschaftliche Bauen bot das südliche BlinzernQuartier mit der familienfreundlichen Lage sowie der Nähe zur Schule, zum Kindergarten und zum Naherholungsgebiet Gurten. Hier füllt das vierstöckige Mehrfamilienhaus eine Baulücke und orientiert sich in seiner Ausrichtung von Nordwesten nach Südosten am Bestand. Die Bauherrschaft war von Holz als nachhaltigem, einheimischem und zugleich umweltverträglichem Rohstoff für Bau und

Innenausbau von Beginn an überzeugt. Entsprechend wurde der Baukörper ab dem Untergeschoss als Holzbau realisiert und gibt sich von innen wie auch von aussen als solcher zu erkennen. Einzig die Einstellhalle im Zentrum der Siedlung, die vom Neubau direkt zugänglich ist, die zwei Treppenhäuser mit einem rollstuhlgängigen Aufzug sowie die zwei nach Nordosten orientierten Eingangsbereiche sind in Beton ausgeführt. Der Gebäudegrundriss ist über alle drei Vollgeschosse gleich organisiert: vier Wohnungen mit zweieinhalb bis viereinhalb Zimmern, eine Schicht an der Nordostfassade, die primär Bäder und Küchen umfasst, sowie eine Schicht an der Sonnenfassade mit den Schlafzimmern. Im Attikageschoss sind zwei Wohnungen mit Terrassen über das eine Treppenhaus erreichbar. Das Haustechnikkonzept wurde für den Wohnungsbau in Holz zeitgemäss umgesetzt, wodurch das Gebäude schliesslich auch mit dem Minergielabel ausgezeichnet wurde. Dazu trugen die grosszügig dimensionierte und mehrschichtige Dämmung, die Komfortlüftung und die Energie aus Sonnenkollektoren zur Aufbereitung des Warmwassers bei. Die primäre Energiegewinnung erfolgt über einen bestehenden Nahwärmeverbund. Als einem der ersten viergeschossigen Wohnbauten im Kanton Bern liegt dem Projekt ein objektspezifisches Brandschutzkonzept mit rein baulichen Massnahmen zugrunde. So sind das Tragwerk und die Brandabschnitte auf 30 Minuten Feuerwiderstand ausgelegt; die Treppenhäuser und der Eingangsbereich im Erdgeschoss bestehen aus Beton. Für die

Aussen- und Innenwände kam die Holzrahmenbauweise zur Anwendung. Brettstapelelemente bilden das Tragwerk der Decken, Kastenelemente dasjenige der Terrassen und des Daches. Entsprechend der Bauweise mit dem hohen Vorfertigungsgrad war eine Montage innerhalb von nur gerade drei Wochen möglich. Die Bauherrschaft schätzt den Neubau, denn die zugrundeliegenden Konzepte gewährleisten gute Werterhaltung, tiefe Unterhaltskosten und einen niedrigen Energieverbrauch, aber auch hohe Bewohnerzufriedenheit und somit eine geringe Mieterfluktuation. Die Erstvermietung erwies sich als äusserst einfach, und die Chancen für eine Wiedervermietung stehen damit gut.

Situation

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Querschnitt

Erdgeschoss

1.+2. Obergeschoss

Attikageschoss

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10 m


Ort Finkenweg 4+6, 3098 Köniz Bauherrschaft Genossenschaft Wohnraum Köniz Architektur Wilk Architekten AG, Liebefeld Ingenieur Henauer Gugler AG, Bern Holzbauingenieur Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau GmbH, Rain HLKS-Ingenieur Grünig + Partner AG, Liebefeld, und Energieatelier AG, Thun Holzbau Mosimann Holzbau AG, Köniz Materialien Konstruktionsholz: Rahmenbaukanteln 54 m3, Brettschichtholz 15 m3, Brettstapelelemente 154 m3, Furnierschichtholz 19 m3; Platten: Massivholzplatten 60 mm 180 m2 und 27 mm 650 m2, OSB 2400 m2, Gipsfaserplatten 5500 m2; Lattung 50 x 50 mm 12 m3; Fassadenbekleidung: Stülpschalung in Tanne 950 m2; Sand als Beschwerung 8000 kg; HEB-Träger und RHS-Stützen 14 000 kg Grundstücksfläche 1770 m2 Geschossfläche BGF 1764 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 5,16 Mio. (inklusive Einstellhalle) Gebäudevolumen SIA 116 6971 m3 (Wohnhaus), 1476 m3 (Einstellhalle) Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 611.– (inklusive Einstellhalle) Bauzeit September 2004 (Holzbau), März 2004–Mai 2005 (Gesamtbauzeit) Fotograf Fotostudio Roulier, Zimmerwald

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Dachaufbau von oben: Substrat 60 mm Filterschicht 30 mm Wasserdichtung Dämmung 60 mm Kastenelement: Furnierschichtholz 27 mm Rippen 140 mm/Dämmung Furnierschichtholz 27 mm Abhängesystem 120 mm/Dämmung 30 mm Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Aufbau Terrasse von oben: Rostkonstruktion mit Gefälle Gummischrotmatte Wasserdichtung Dämmung mit Gefälle Kastenelement: Furnierschichtholz 27 mm Rippen 140 mm/Dämmung 80 mm/Sandschüttung 60 mm Furnierschichtholz 27 mm Abhängesystem 120 mm/Dämmung 30 mm Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag 10 mm Zementunterlagsboden 75 mm Trennlage Trittschalldämmung 20 mm OSB 15 mm Brettstapel 120 mm Abhängesystem 180 mm/Dämmung 30 mm Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm Lattung 50 x 50 mm/Dämmung OSB 15 mm Ständer 180 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Folie Lattung 40 mm Stülpschalung in Tanne 26 mm, oberflächenbehandelt Aufbau Decke über UG von oben: Bodenbelag 10 mm Zementunterlagsboden 75 mm Trennlage Trittschalldämmung 20 mm Dämmung 80 mm Feuchtigkeitssperre Beton 200 mm

Fassadenschnitte

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Aufbau Wohnungstrennwand: Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Metallständer 100 mm/Mineralfaserdämmung OSB 15 mm Ständer 120 mm/Mineralwolldämmung OSB 15 mm Metallständer 100 mm/Mineralfaserdämmung Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Detail Unterzug in der Decke:

Schnitt Wohnungstrennwand

Als Unterzug dient ein HEB-180-Profil, dessen unterer Flansch als Auflager für das hier von Brettstapel- auf Kastenelemente wechselnde Deckensystem genutzt wird.

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Alterswohnungen, Speicher Die Siedlung mit Alterswohnungen im Appenzell liegt nahe beim Dorfzentrum, am Fuss eines kleinen Hügels in einer leichten Senke. Sie besteht aus drei gleich grossen Gebäuden. Zwei werden zum Wohnen genutzt; die dritte, im Zentrum gelegene Liegenschaft dient der Pflege. Die Strukturierung der Baukörper verleiht der Siedlung einerseits einen Charakter gemütlicher Zusammengehörigkeit. Auf der anderen Seite erlaubt sie eine Differenzierung der zu erfüllenden Brandschutzvorschriften pro Gebäude in Abhängigkeit von den unterschiedlichen Nutzungen. Das Pflegezentrum ist eine Massivkonstruktion. Einzig das Dach und die vorgehängten Fassadenelemente sind in Holzbauweise ausgeführt. Zusätzlich zu den therapeutischen Räumen beherbergt das Pflegezentrum verschiedene Gemeinschaftsräume wie ein Restaurant, einen Weinkeller, eine Sauna, einen Coiffeursalon sowie Verwaltungsräume. Im untersten, halb unterirdisch angelegten Geschoss befindet sich zudem ein Mehrzwecksaal für die verschiedensten Aktivitäten. Eine Tiefgarage verbindet die drei Komplexe untereinander.

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Die beiden viergeschossigen, in Holzbauweise realisierten Wohngebäude umfassen insgesamt 33 geräumige Zweieinhalb-, Dreieinhalbund Viereinhalbzimmerwohnungen. Die Wohnungen sind um einen massiven Gebäudekern herum gruppiert, welcher der Stabilisierung des Gebäudes dient und das Treppenhaus, den Liftschacht, die Badezimmer der Wohnungen sowie für jedes Geschoss einen Gemeinschaftsraum mit Waschküche und Aufenthaltsraum umfasst. Die Wohnungen verfügen über einen grossen Balkon beziehungsweise im Erdgeschoss über einen Sitzplatz. Die Aussenwände sind in Holzrahmenbauweise erstellt, die Geschossdecken als Rippenplatten ausgebildet. Das Flachdach baut auf einer Balkenlage auf. Es ist nicht zugänglich und mit einer Begrünung versehen. Alle Bauteile sind gegen die Wohnräume mit Gipsfaserplatten bekleidet. Zwischen den Wohneinheiten sind diese Bekleidungen mittels Federbügeln vor- respektive abgehängt. Die Fassadenverkleidung verleiht den Gebäuden ein einheitliches Aussehen. Sie besteht aus anthrazitfarbenem Naturschiefer, welcher das Sonnenlicht je nach Einfallswinkel ganz unterschiedlich reflektiert. Damit die Bewoh-

nerinnen und Bewohner möglichst viel von der natürlichen Wärme des Holzes profitieren können, wurden der Zutrittsbereich und die balkonseitige Fassade mit einer horizontalen Lattung aus Lärchenholz bekleidet. Abwechslungsreiche Aussenanlagen mit vielen Pfaden und Wegen führen zur Bocciabahn, zu einem Biotop und schliesslich bis ins Dorfzentrum. Schattige Plätzchen, Sträucher und eine sich im Laufe der Jahreszeiten stetig verändernde Vegetation sind weitere Elemente, welche zum Verweilen einladen. Natürliche Materialien schaffen in Verbindung mit einer qualitativ hochstehenden Infrastruktur Voraussetzungen für einen erfüllten Lebensabend der Mieterinnen und Mieter.


Ort Zaun 5–7, 9042 Speicher Bauherrschaft Stiftung ‹Leben im Alter Speicher›, Trogen Architektur Affolter und Kempter, St. Gallen Bauingenieure Merz Kaufmann + Partner, Altenrhein Holzbauingenieure Josef Kolb AG, Uttwil, und Kaufmann Holzbau AG, Roggwil Holzbau Kaufmann Holzbau AG, Roggwil Materialien Konstruktionsholz: Brettschichtholz 182 m3, Rahmenbaukanteln 148 m3, Deckenelemente in Brettschichtholz 2050 m2; Platten: OSB 18 mm 4250 m2 und 25 mm 600 m2, Holzfaserplatten 2570 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 17,65 Mio. davon BKP 214 CHF 1,23 Mio. (Holzbau) Kubatur SIA 116 29 000 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 608.– Bauzeit Mai 2004–Mai 2006 Fotograf Dachcom AG, Rheineck

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Niveau –2

Niveau 0

Niveau 2

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20 m

Querschnitt


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Dachaufbau von aussen: Substrat 80 mm Schutzschicht Wasserdichtung Dämmung 240–180 mm Dampfbremse OSB 22 mm Balken 120 x 300 mm/Dämmung 40 mm Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm, befestigt über Federbügel Aufbau Aussenwand von innen: Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm Lattung 30 mm/Dämmung Dampfbremse OSB 18 mm Ständer 200 mm/Dämmung Holzfaserplatte 16 mm Lattung 40 mm Lattung 30 mm Naturschieferplatten oder Lärchenschalung Deckenaufbau von oben: Klebeparkett 15 mm Zementunterlagsboden 70 mm Trittschalldämmung 22 mm Brettschichtholzelemente 140 mm Dämmung 20 mm Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm, befestigt über Federbügel

Fassadenschnitt

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Gebäudeerweiterung, La Tour-de-Peilz Der aussergewöhnliche Bau entstand aus dem Wunsch zweier Familien, in städtischer Umgebung zu wohnen, aber doch unmittelbar ins Grüne gelangen zu können. Nach dem Erwerb einer kleinen Liegenschaft aus den frühen zwanziger Jahren in einem typischen Wohnquartier mit geringer Siedlungsdichte entschied man sich für einen Erweiterungsbau auf dem Rest der Parzelle. Der Erweiterungsbau musste gemäss Pflichtenheft ökologisch und im wesentlichen aus Holz sein und erhöhte Schallschutzanforderungen erfüllen. Er sollte zudem einen zeitgenössischen Ausdruck finden, welcher in der Lage ist, adäquat auf die starke Persönlichkeit des bestehenden Baus zu antworten. Zudem war es erklärter Wille der Bauherrschaft, das Minergielabel zu erlangen. Im übrigen liess man der Kreativität der Architekten und Planer freien Lauf. Der Bau erstreckt sich über vier vollständig aus Holz gebaute Geschosse. Diese ruhen auf einem massiven Fundament, welches die Garagen beherbergt. Mit einer Fläche von 191 m2 sind die Wohnungen äusserst geräumig. Zwei von ihnen sind dreigeschossig, eine erstreckt sich nur über ein Geschoss. Die eingeschossige, ebenerdige Wohnung verfügt über eine voll nach Süden ausgerichtete Terrasse. Die beiden dreigeschossigen

Wohnungen sind von einem verglasten Gang erschlossen, zu welchem man über eine Treppe auf der Ostseite gelangt. In Verlängerung der Küchenterrasse führt vom zweiten Geschoss eine Passerelle zum Garten hinunter und dient gleichzeitig als Fluchtweg. Im ersten Geschoss der dreigeschossigen Wohnungen stellt die räumliche Anordnung die herkömmlichen Gewohnheiten auf den Kopf: Küche und Aufenthaltsraum liegen auf der Südseite, das Wohnzimmer auf der Nordseite. Im zweiten Geschoss befinden sich die Schlafzimmer sowie ein Arbeitsraum im Zwischengeschoss. Das Dachgeschoss beherbergt eine Loftwohnung, welche sich auf eine grosse Terrasse hin öffnet. Ein grosszügiger Lichtschacht durchbricht alle drei Geschosse und bringt Helligkeit in die Wohnungen. Die einzelnen Elemente des Holzbaus wurden vorfabriziert. Die Aussenwandelemente sind nach aussen mit Holzfaserplatten und gegen innen mit Gipsfaserplatten bekleidet. Für die Fassadenbekleidung wurden Massivholzplatten eingesetzt, welche mit einer auf Aluminium basierten Farbe gestrichen sind. Die Geschossdecken bestehen aus Kastenelementen. Eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung ermöglicht die Erfüllung des Minergiestandards. Die Gasheizung erwärmt beide Gebäude und wird von thermischen Sonnenkollektoren auf dem Dach ergänzt.

Das Projekt zeigt, dass eine Verdichtung in Wohngebieten möglich ist, ohne die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner zu beeinträchtigen oder historische Bausubstanz zu entstellen. Eine bessere Nutzung von knappen Bodenressourcen, weniger Pendlerverkehr sowie die konsequente Verwendung von Holz tragen hier dazu bei, den Prinzipien der Nachhaltigkeit gerecht zu werden.

Situation

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1. Obergeschoss

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2. Obergeschoss


Seitenansicht

Attikageschoss

10 m

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Ort Traménaz 38b, 1814 La Tour-de-Peilz Bauherrschaft Frédéric Gumy und Michel Müller Architektur AAS cristobal delgado veluzat SA, Vevey Bauingenieur Edmond Sumi, La Tour-de-Peilz Holzbauingenieure Marc Jeannet, Moiry, und Guy Volet, Lignocad Sàrl, Vevey Holzbau JPF Construction SA, Bulle Materialien Brettschichtholz 50 m3; Platten: OSB 50 m2, Dreischichtplatten 20 mm 835 m2 und 26 mm 420 m2, Gipsfaserplatten 2490 m2; Schalung 27 mm 100 m2 Gebäudekubatur SIA 116 3030 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 720.– BKP 214 CHF 500 000.– (Holzbau) Baujahr April–Oktober 2006 (Holzbau), September 2005–Oktober 2006 (Gesamtbauzeit) Fotograf Arnaldo Genitrini, Lausanne/Mailand

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Dachaufbau von aussen: Kies 50 mm Schutzschicht Wasserdichtung Trennlage Dämmung 40 mm Kastenelement: Schalung 27 mm Rippen 220 mm/Zellulosefaserdämmung Dreischichtplatte 26 mm Beschichtung dampfdicht Deckenaufbau von oben über 2. OG: Gehbelag 10 mm Bodenverlegeplatte 20 mm Folie Sandschüttung 40 mm Folie Trittschalldämmung 20–25 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 26 mm Rippen 220 mm/Mineralfaserdämmung Dreischichtplatte 26 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Dampfbremse Ständer 140 mm/Mineralwolldämmung Lattung 45 mm/Mineralwolldämmung Lattung 27 mm Fassadenbekleidungsplatte 24 mm Aufbau Decke von oben über EG: Zementunterlagsboden 75 mm Folie Sandschüttung 35 mm Folie Trittschalldämmung 25 mm Trittschalldämmung 15 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 20 mm Rippen 240 mm/Mineralfaserdämmung Dreischichtplatte 20 mm Mineralfaserdämmung 15 mm Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm

Fassadenschnitt

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Mehrfamilienhäuser ‹Grosswil›, Horw Die familienfreundliche Wohnüberbauung mit zehn Etagenwohnungen im Stockwerkeigentum, südwestlich des Zentrums von Horw gelegen und nur knapp 300 Meter vom See entfernt, bietet dank Hanglage ein Maximum an Besonnung und Aussicht. Als Eigentümer des Grundstücks trat ein regional bekannter Holzbaubetrieb als Bauherrschaft auf. Die neue Wohnüberbauung weist beste Wohnqualitäten auf. Sie liegt ruhig, mitten im Erholungsgebiet und bietet eine fantastische Fernsicht auf See und Berge. Die Abendsonnenscheindauer wird nur durch den nahegelegenen Pilatus etwas beschränkt. Die Grenzen des neu erschlossenen Grundstücks bilden südlich das bestockte Bachtobel des Hinterbaches sowie auf der Südost- und Nordwestseite jeweils eine Erschliessungsstrasse. Die drei klaren, würfelförmigen Bauvolumen mit den architektonisch ausgebildeten zugehörigen Aussenräumen sind sorgfältig ins Gelände eingepasst. Die Zugänge zu den Gebäuden und die Erschliessung der Tiefgaragen erfolgen möglichst kompakt von den umliegenden Strassen her. Die umliegende Landschaft blieb in Topografie wie auch in Bepflanzung und Nutzung naturnah erhalten. Entlang dem Bachtobel wurde ein fünf Meter breiter Bereich zur natürlichen Bildung eines Waldsaumes ausgeschieden. Daran angrenzend erstreckt sich die naturbelassene Wiese, die verschiedenen extensiven Nutzungen offensteht: Nutzgärten ohne Terrainveränderungen, Kleintierhaltung und diversen Spielmöglichkeiten. Im speziellen ist ein grosser, eingebetteter Spielbereich für Kinder kleineren und mittleren Alters ins Gelände eingefügt. Die Anordnung der zehn Wohneinheiten in drei Gebäudewürfeln ermöglicht für sämtliche

Geländeschnitt

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Wohnungen eine optimale Besonnung und Aussicht. Die Fünfeinhalbzimmerwohnungen mit einer Nutzfläche von 163 m2 weisen eine gedeckte, süd- und ostorientierte Loggia auf. Die entsprechenden drei Gartenwohnungen verfügen zusätzlich über private Gartensitzplätze; die Dachwohnungen sind durch sonnige Dachterrassen ergänzt. Nur eine der zehn Wohnungen, die Viereinhalbzimmerwohnung mit 140 m2 Nutzfläche, liegt im Untergeschoss und hat erdberührte Wandanteile. Alle Wohneinheiten liegen auf einer Etage und sind bedingt rollstuhlgängig. Zudem zeigen die grossen Wohnungen denselben Grundriss: Wohnbereich und Loggia sind nach Süden orientiert, die Schlafzimmer mit Bad und WC nach Norden. Sämtliche Konstruktionen wurden nach ökologisch sinnvollen Grundsätzen ausgeführt, um eine hohe Wohnqualität zu erzielen. Dazu wurde eine diffusionsoffene Konstruktion angestrebt, und die Gebäudehülle baut sich gemäss heutigem Standard energieeffizienten Bauens auf. Unter Berücksichtigung eines baulichen Standardkonzeptes für den Brandschutz bedeutet dies in der Umsetzung die Anwendung der Massivbauweise für die Untergeschosse, die erdberührten Wände und das Treppenhaus mit Lift sowie die Holzbauweise für alle übrigen Bauteile. Im speziellen kamen die Holzrahmenbauweise für die Innenund Aussenwände, Holz-Beton-Verbundelemente auf der Basis von Brettstapeln für die Geschossdecken sowie gedämmte Kastenelemente für das Flachdach zum Einsatz. Letzteres ist im Terrassenbereich mit Zementplatten als Gehbelag ausgelegt; der ungenutzte Bereich ist extensiv begrünt.

B

C

Situation

A


Ort Grosswil, 6048 Horw Bauherrschaft Kost Holzbau AG, Küssnacht am Rigi Architektur Guido Baumeler, Luzern, und Peter Gander, Luzern Generalunternehmen Kost AG Generalunternehmung, Küssnacht am Rigi Bauingenieur Wipfli und Partner AG, Ebikon Holzbauingenieur Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau GmbH, Rain Bauphysik Martinelli & Menti AG, Meggen HLKS-Ingenieur Stalder & Felber Planungs AG, Reiden Materialien Rahmenbaukanteln 98 m3, Brettstapelelemente 155 m3; Platten: OSB 1140 m2, Dreischichtplatten 1470 m2, diffusionsoffene Holzfaserplatten 840 m2 Grundstücksfläche 4374 m2, 5437 m2 (mit Wald) Gebäudegrundfläche SIA 416 750 m2, rund 250 m2 pro Haus Geschossfläche SIA 416 3999 m2 Anrechenbare Geschossflächen 1465 m2 Gebäudevolumen SIA 416 9573 m3 Bauzeit Februar 2006–April 2007 Fotograf Georg Sidler, Schwyz

1689


Längsschnitt

Querschnitt

Gartengeschoss, Haus A 1. Untergeschoss, Haus A

1690

Erdgeschoss, Häuser A–C


1. Obergeschoss, Häuser A–C

2. Obergeschoss, Häuser A–C

Dachterrasse, Häuser A–C

1691


Dachaufbau von aussen bei der Terrasse:

Aufbau der Trennwand:

Zementplatten 40 mm

Beton 200 mm

Kies 40 mm

Dämmung 30 mm

Gummischrotmatte 10 mm

Ständer 120 mm/Dämmung

Wasserdichtung

Luftdichtungsbahn

Mineralfaserdämmung 60–140 mm

Gipsfaserplatte 15 mm

Kastenelement:

Gipsfaserplatte 10 mm

Dreischichtplatte 27 mm Rippen 260 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 12,5 mm OSB 15 mm Ständer 200 mm/Dämmung Diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 15 mm Mineralfaserdämmung 40 mm Aussenputz 10 mm Deckenaufbau von oben: Gehbelag Zementunterlagsboden 80 mm Trittschalldämmplatte 30 mm Holz-Beton-Verbund: Überbeton 120/140 mm Brettstapel 100/120 mm Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm

Fassadenschnitt

1692

Schnitt Trennwand zu Treppenhaus


Mehrfamilienhaus Walker, Bitsch Das Baugrundstück liegt an zentraler Lage an der Furkastrasse in Bitsch, auf 692 Meter über Meer mit Südausrichtung. Prominenter Nachbar Richtung Goms ist das neue Gebäude der Raiffeisenbank, ein weisser, monolithischer Kubus. Die Herausforderung lag darin, ein Gegenüber zu dieser starken Präsenz zu schaffen. Die Bauherrschaft wünschte sich eine grosszügige Attikawohnung in einem Mehrfamilienhaus in ökologischer, zeitgemässer Bauweise. Zudem sollten die Wohnungen flexibel gestaltbar sein. Dies veranlasste die Architekten, von Anfang an mit einem Holzbausystem zu planen, mit einem Raster und klaren Strukturen zu entwerfen. Entstanden ist ein viergeschossiger Baukörper mit Flachdach, der als präzis geschnittener Kubus ein Pendant zum Neubau der Raiffeisenbank schafft. Der Baukörper ist so ins Gelände eingepasst, dass das Erdgeschoss mit dem Eingang auf dem Niveau der Strasse liegt. Die Garagen im Untergeschoss werden über die Zufahrt des Nachbargebäudes von der Nordostseite her erschlossen. Das Gebäude orientiert sich gegen Südosten und zeigt in dieser Richtung eine grosszügig bemessene Balkonschicht über die ganze Gebäudelänge. Die dunkelgraue Farbe der hinterlüfteten Fassadenverkleidung aus witterungsbeständigen Holzwerkstoffplatten verleiht dem Gebäude

dezente Eleganz und hebt es vom Weiss des Nachbarkubus ab. Der gedeckte Eingangsbereich im Erdgeschoss ist dem Volumen ausgeschnitten und mit dunkelroten Fassadenplatten bekleidet. Ebenso rot leuchten die Innenwände der Balkone auf der Südseite durch die transparenten Glasbrüstungen und geben dem Gebäude Wärme. Im Untergeschoss befinden sich Garagen, Veloraum, Waschküche, Technikraum sowie Abstellräume. Im Erdgeschoss sind eine Zweieinhalb- und eine Dreieinhalbzimmerwohnung untergebracht, zwei weitere Dreieinhalbzimmerwohnungen liegen im Obergeschoss. Darüber befindet sich die Attikawohnung mit Sonnendeck auf dem Dach. Die Flexibilität der Wohngeschosse wird gewährleistet, indem nur wenige der Innenwände tragend sind. Die primäre, lastabtragende Struktur wird durch Stützen in den Wänden, durch einen Träger in der Decke und die Aussenwände übernommen. Installationen für Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Elektroanlagen sind in den Vorsatzschalen respektive in der Zwischendecke so geführt, dass eine nachträgliche Umrüstung, Wartung oder Ergänzung ohne grossen Aufwand möglich ist. Diese Flexibilität erlaubt es, die Wohnungen an die sich über die Jahre ändernden Wohnbedürfnisse anzupassen. Bezüglich Brandschutz basiert die Umsetzung auf einem baulichen Standardkonzept. Das

Untergeschoss ist in Sichtbeton erstellt, ebenso das Treppenhaus und der Liftschacht. Die Wohngeschosse sind in vorfabriziertem Holzelementbau im Minergiestandard ausgeführt: die Wände in Holzrahmenbauweise, die Decken und das Dach als Kastenelemente. Im Innern sind die Elemente mit Gipskartonplatten beplankt und verputzt. Das Dach ist extensiv begrünt, einzig das Sonnendeck ist begehbar.

Situation

1693


L채ngsschnitt

Erdgeschoss

Obergeschoss

Attikageschoss

Dachaufsicht

1694

10 m

Querschnitt


Ort Furkastrasse 90, 3982 Bitsch Bauherrschaft Familie Walker-Perler, Bitsch Architektur Vomsattel Wagner Architekten, Visp Bauingenieur Teysseire & Candolfi AG, Visp Bauakustik Zeugin Bauberatung AG, Münsingen Holzbauingenieur Timbatec GmbH, Steffisburg Holzbau Bärtschi Bau AG, Frutigen, und Noll Holzbau, Brig-Glis Materialien Konstruktionsholz: Rahmenbaukanteln 28 m3, Brettschichtholz 30 m3; Platten: Dreischichtplatten 1160 m2, OSB 350 m2, Gipsfaserplatten 930 m2, diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 320 m2; Fassadenbekleidung: polyurethangebundene Holzwerkstoffplatten 670 m2, zementgebundene Spanplatten 28 m2; Stahlteile 6500 kg Baukosten BKP 2 CHF 2,47 Mio. davon BKP 214.1 CHF 237 000.– (Tragwerk/Elemente) davon BKP 214.4 CHF 215 000.– (Innenbekleidungen/Fassade) Grundstücksfläche SIA 416 918 m2 Geschossfläche SIA 416 830 m2 (ohne Balkone/Dachsitzplatz 185 m2) Gebäudevolumen SIA 416 2465 m3 Kubatur SIA 116 2890 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 1000.– Bauzeit April–Dezember 2007 Fotograf Thomas Andenmatten, Brig

1695


Dachaufbau von aussen: Substrat 80 mm Schutzschicht 35 mm Wasserdichtung Mineralfaserdämmung 160–220 mm Dampfsperre Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 200 mm/Mineralfaserdämmung 60 mm Dreischichtplatte 27 mm Installationshohlraum 80 mm Lattung 30 mm, mit Distanzschrauben befestigt Gipsfaserplatte 15 mm Balkonaufbau von oben: Zementgebundene Spanplatten 28 mm, gestrichen Lattung 25–70 mm, mit Gummiband belegt Gummischrotmatte 6 mm unter Lattung Wasserdichtung Dreischichtplatte 27 mm Gefällsschiftung Auskragende Rippen 100 x 180 mm Lattung 30 mm Fassadenbekleidungsplatte 18 mm Deckenaufbau von oben: Keramische Platten 10 mm Zementunterlagsboden 70 mm Trennlage Trittschalldämmplatte 20 mm Trennlage Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 180 mm/Mineralfaserdämmung 140 mm Dreischichtplatte 27 mm Installationshohlraum 80 mm Lattung 30 mm, mit Federbügeln befestigt/Dämmung 30 mm Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm Lattung 40 mm/Mineralfaserdämmung OSB 18 mm, luftdicht abgeklebt Ständer 200 mm/Mineralfaserdämmung Diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 15 mm Lattung 40 mm Fassadenbekleidungsplatte 18 mm Aufbau Decke von oben über UG: Keramische Platten 10 mm Zementunterlagsboden 70 mm Dampfsperre Fassadenschnitte

Trittschalldämmplatte 20 mm Dämmung 80 mm Stahlbeton 250 mm Zementgebundene Holzwollplatte mit Mineralwollkern 50 mm

1696


1697


Sechsgeschossiges Mehrfamilienhaus ‹Holzhausen›, Steinhausen Im zugerischen Steinhausen, in unmittelbarer Nähe zum Dorfkern und einem Gebiet mit unterschiedlichen Mehrfamilienhäusern, entstand ab August 2005 im Auftrag einer privaten Bauherrschaft ein sechsgeschossiges Mehrfamilienhaus im Holzsystembau mit Platz für zwei Gewerbe- und neun Wohneinheiten. Als Generalunternehmung für diese Schweizer Premiere trat eine national führende Holzbaufirma auf. Da das Gebäude eine Sonderstellung im Bereich des mehrgeschossigen Holzbaus einnimmt, war es naheliegend, dass sich das Konstruktionsmaterial Holz in der Fassade zeigt, auch wenn das im Kontext der umliegenden, durchwegs verputzten Gebäude nicht das Selbstverständlichste ist. Die Fensteröffnungen liegen übereinander und vermitteln den Eindruck einer klaren Struktur. Das vertikale Muster ergibt sich aus dem Tragwerk, da die vertikale Lastabtragung in dieser Dimension des Holzbaus eine grosse Disziplin verlangt. Die notwendigen Brandschutzmassnahmen führen in der Fassade zu einem die Vertikale unterteilenden Ornament, das nicht auf der Höhe der Geschossdecken, sondern jeweils in der Mitte der einzelnen Stockwerke liegt. Das für die Fassade verwendete rötliche Zedernholz führt zusammen mit den anthrazitfarbenen Fenstern und Balkon-Eternitplatten zu einem kontrastreichen, aber

harmonischen Zusammenspiel der Farben und Materialien. Im Untergeschoss befinden sich Keller, Technikräume und Garagen. Das Erdgeschoss stellt zwei Einheiten zur Nutzung als Büro- oder Gewerberäume zur Verfügung. In den Obergeschossen reagiert der Grundriss auf die beiden primären Orientierungen und bietet zwei verschiedene Wohnungstypen an: eine grössere Einheit (166 m2) mit dem Wohnraum gegen Süden und eine kleinere (149 m2), welche mit den Haupträumen gegen Westen blickt. Die meisten Zimmer der beiden Varianten geniessen Morgensonne. Jede Wohnung verfügt über einen grossen, teilweise eingezogenen Aussenraum, der die Ausrichtung verdeutlicht. Das ‹Haus auf dem Dach› ist ganz spezifisch auf die Wünsche und die Vorstellungen der Bauherrschaft ausgerichtet, bietet spannende räumliche Bezüge und differenzierte Ausblicke in die Landschaft und verspricht somit ein spektakuläres Wohnerlebnis. Alle Räume sind überhoh: die Gewerberäume im Erdgeschoss 2,97 m, die Vollgeschosse 2,57 m und das Attikageschoss 2,75 m. Zusammen mit der grosszügigen Tageslichtnutzung und dem Einsatz von ausschliesslich schadstofffreien Innenmaterialien wird so dem Bedürfnis nach gesundem, behaglichem Wohnklima Ausdruck verliehen. Mit dem Energiebewusstsein der Bauherrschaft als auch der massgeblichen Planer war das

Einhalten des Minergiestandards reine Formsache, aber auch Gewähr dafür, dass das Gebäude nach Jahren noch dem Stand der Technik entsprechen wird. Mit hochwärmedämmenden, opaken Bauteilen, dreifach verglasten Fenstern und einem konsequent umgesetzen Haustechnikkonzept wird dieser Energie- und Komfortstandard erreicht. Die Energiegewinnung wird von 72 Erdwärmekörben gewährleistet. Eine WasserSole-Wärmepumpe arbeitet gleitend auf einen Pufferwärmespeicher. Die Vorlauftemperatur wird witterungs- und lastabhängig gesteuert. Vom Technikraum im Untergeschoss führen die Wärmeverteilungen auf die einzelnen Wohnungsverteiler für die Fussbodenheizungen. Alle Wohn- und Schlafräume verfügen über eine Einzelraumregelung. Zusätzlich kann mittels eines digitalen Raumgerätes jede Wohnung als separate Zone geregelt werden. Mit demselben System kann eine leichte Kühlung der Räumlichkeiten realisiert werden. Als Schnittstelle ist ein zusätzlicher Wärmetauscher eingebaut, welcher die von der Fussbodenheizung aufgenommene Wärme an die Soleflüssigkeit der Energiekörbe abgibt. Gleichzeitig wird über elektrische Rafflamellenstoren die Nutzung der Sonneneinwirkung bei den Fenstern reguliert. Jede einzelne Wohn- und Gewerbeeinheit ist mit einem Kompaktlüftungsgerät mit Wärme-


rückgewinnung und Feinstaubfilter ausgestattet. Die Fassung der Aussenluft erfolgt über das Dach. Das Lüftungsgerät, die Schalldämpfer und weitere Systemteile haben ihren Platz in einem Hochschrank, der sich jeweils im Eingangsbereich der Einheiten befindet. Die Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung reduziert den Lüftungswärmeverlust um etwa einen Drittel, womit bei korrektem Nutzerverhalten ein effektiver Heizwärmebedarf von noch 20 kWh/m2 erreicht wird. Nicht nur beim Energie- und Haustechnikkonzept, sondern auch beim Schallschutz wurden beste Standards gewünscht. So orientierte man sich bei der Planung an den erhöhten Anforderungen gemäss der erst später erscheinenden Norm SIA 181 (Ausgabe 2006). Eine ideale Grundrisskonzeption war die Basis für einen guten Schallschutz: Der Erschliessungskern trennt die beiden Wohnungen voneinander ab und bietet links und rechts vom Liftschacht auch eine grosszügige vertikale Erschliessungszone für die Haustechnik. Durch die schalltechnische Entkoppelung des Holzbaus vom Erschliessungskern in Stahlbeton sollen auch Luft- und Trittschallübertragungen vom Treppenhaus in die Wohnungen reduziert und die in die Wohnungen abgestrahlten Liftgeräusche minimiert werden. Die abschliessende Qualitätsüberprüfung mittels Messungen am Bau bestätigte die gewählte konstruktive Umsetzung: Die

erhöhten Anforderungen wurden teils deutlich übertroffen, und Geräuscheinwirkungen aus dem Treppenhaus und vom Lift waren weder subjektiv noch messtechnisch ermittelbar. Basierend auf einem baulichen Brandschutzkonzept wurde der sechsgeschossige Holzbau gemäss der Qualitätssicherungsstufe Q4 umgesetzt. Das Untergeschoss mit der Decke darüber, der Gemeinschaftsraum und die Eingangspartie im Erdgeschoss sowie der ganze Treppenhausturm sind in Massivbauweise ausgeführt. Ab hier wurde die gesamte Konstruktion aus vorfabrizierten Elementen in Holz erstellt. Eine gezielte Raumgestaltung ermöglichte zudem die Anordnung der tragenden Innenwände übereinander. In den Innen- und Aussenwänden sind lastabtragende Stützen mit Querschnitten bis maximal 160 x 380 mm integriert. Bei den Geschossübergängen erfolgt die setzungsfreie Lastübertragung über Stirnholzverbindungen oder über in den Decken integrierte, stehende Hölzer. Durch den asymmetrischen Grundriss des Mehrfamilienhauses und infolge der in grossen Mengen verwendeten Materialien lasten auf einzelnen Elementen in den unteren Geschossen enorme Kräfte. Betroffene Wände wurden deshalb mit stahlverstärkten Massivholzplatten gefertigt. Die Stabilität des Gebäudes gewährleisten aussteifende Wände des Massivbaus und des

Holzbaus, wobei sich die Beplankung der Holzbauwände nach der Beanspruchung richtet und davon abhängig mit OSB oder Dreischichtplatten ausgeführt wurde. In den untersten zwei Geschossen übernehmen die sieben- und fünfschichtigen Massivholzplatten mit bis zu 200 mm Dicke diese Funktion. Kastenträger als Tragwerk der Geschossdecken und des Attikadaches reichen mit einer Länge von maximal 13,5 m über das ganze Gebäude. Im Bereich der Attikaterrassen kamen Brettstapelelemente zum Einsatz. So konnte eine flächige Wärmedämmung auf die Tragsysteme aufgebracht werden, ohne die Aufbauhöhen der Decken im Übergang von innen nach aussen zu ändern.

Situation

1699


Erdgeschoss

1.–4. Obergeschoss

Attikageschoss

1700

10 m

Querschnitt


Ort Zugerstrasse 20, 6312 Steinhausen Generalunternehmung Renggli AG, Sursee Architektur Scheitlin-Syfrig+Partner Architekten AG, Luzern Bauingenieur Emch & Berger AG, Zofingen Holzbauingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Bauphysik Ragonesi Strobel & Partner AG, Luzern HLKS-Ingenieur Gloor + Sehringer GmbH, Reinach Materialien Rahmenbaukanteln und Brettschichtholz 155 m3, Brettstapel 29 m3; Platten: Massivholzplatten 196 mm 116 m2, Massivholzplatten 27 mm, 40 mm und 42 mm 1257 m2, OSB 12 mm und 15 mm 4869 m2, OSB 30 mm 4217 m2, Furnierschichtholz 29 m3, Gipsfaser- und Gipskartonplatten 8751 m2; Fassadenbekleidung: Zedernholz 1515 m2 Grundstücksfläche 1581 m2 Gebäudegrundfläche 411 m2 Nettowohnfläche 1647 m2 Kubatur SIA 116 9995 m3 (Wohngebäude ohne Carport) Bauzeit Februar–April 2006 (Holzbau), Oktober 2005–August 2006 (Gesamtbauzeit) Fotograf Renggli AG, Sursee


Aufbau Terrasse von oben: Gartenplatten 50 mm Kies 30–60 mm Wasserdichtung Dämmung 160–130 mm Dampfbremse OSB 12 mm Brettstapelelement 220 mm Gipskartonplatte 18 mm Abhängung 100 mm/Dämmung 60 mm Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag Anhydrit-Fliessestrich 55 mm Trenn- und Gleitlage

Detail Verankerung der aussteifenden

Trittschalldämmung 22 mm

Innenwände: Die bis zu 200 mm

Gartenplatte 50 mm

dicken, mehrschichtigen Massivholz-

Filzunterlage

platten sind kraftschlüssig mit der

Kastenelement:

40 mm starken Grundplatte verbun-

OSB 30 mm

den. Diese wiederum ist vollflächig

Balken 240 mm/Dämmung 60 mm

unterschlagen und mit Verbund-

OSB 30 mm

ankern in der Betondecke des Unter-

Gipskartonplatte 18 mm

geschosses verankert. Die Anschlüsse

Abhängung 150 mm/Dämmung 60 mm

der Wandelemente im Geschoss-

Gipskartonplatte 2 x 12,5 mm

übergang sind mit in den vorgefertigten Wandelementen eingebauten

Aufbau Aussenwand von innen:

Stahlteilen ausgeführt, die auf der

Gipskartonplatte 18 mm

Baustelle mittels hochfester, vorge-

Luftdichtungsbahn

spannter Stahlbauschrauben verbun-

OSB 15 mm

den wurden.

Ständer 240 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Fassadenbahn Lattung 2 x 27 mm Geschlossene Schalung in Zeder 20 mm Fassadenschnitt

1702


Aufbau Innenwand ab 1. OG: Installationssystem 200 mm Gipskartonplatte 18 mm OSB 15 mm Ständer 80 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Dämmung 55 mm Gipsfaserplatte 2 x 15 mm Ständer 120 mm/Dämmung OSB 15 mm Gipskartonplatte 18 mm Lattung 40 mm Gipskartonplatte 12,5 mm Detail Lastabtragung der Innenwände: Die in die Innenwände integrierten,

Die Geschossübergänge sind als

lastabtragenden Stützen weisen

Schottungen mit 60 Minuten

in den Elementübergängen einfache

Feuerwiderstand ausgeführt.

Stirnholzverbindungen zur Reduktion der Setzungen und zur höheren Aus-

Aufbau Innenwand im EG:

nutzung der Druckfestigkeit des

Installationssystem 200 mm

Holzes auf. Im Übergang zur massi-

Beton 180 mm

ven Decke sind diese unterschlagen,

Luftraum 18 mm

im Übergang der Geschossdecken

Gipsfaserplatte 15 mm

sind stehende Hölzer in die Decken-

Ständer 120 mm/Dämmung

elemente eingearbeitet.

OSB 15 mm Gipskartonplatte 18 mm Lattung 40 mm Gipskartonplatte 12,5 mm

Schnitt Wohnungstrennwand bei Steigzone


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Holzbulletin, März 2008 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

1704

Verantwortlich Roland Brunner Redaktion Roland Brunner, Lignum, Mélanie Baschung und Denis Pflug, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich Druck Kalt-Zehnder-Druck AG, Zug Administration, Abonnemente, Versand Andreas Hartmann, Lignum

ISSN 1420-0260

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 100.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten. Lignum-Mitglieder erhalten das Holzbulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern. Lignum-Hotline: 044 267 47 83 Benutzen Sie unsere Fachberatung am Telefon von 8–12 Uhr, die täglich von Montag bis Freitag gratis zur Verfügung steht.

Holzbulletin 86/2008  

Mehrgeschossige Wohnbauten

Holzbulletin 86/2008  

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