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Holzbulletin 85/2007 Wohnen in Bergregionen Haus Raselli-Kalt, Li Curt Ferienhaus Biel-Kinzig, Bürglen Umbau eines Ferienchalets, Crans-Montana Haus Tumilasca, Fürstenaubruck Haus im Obstgarten, Salins Ferienhaus, Fiesch

Der Strickbaukern des Hauses Tumilasca in Fürstenaubruck gliedert den umlaufenden, offenen Raum mittels Übergängen in Bereiche unterschiedlicher Nutzung. Architektur: Gion A. Caminada, Architekt BSA/SIA, Vrin-Cons


Kräftiges Echo vom Berg Nach dem Holzbulletin Nr. 70 vom März 2004 nehmen wir das Thema ‹Bergregionen› erneut auf. Nicht ohne Grund – es ist verblüffend, wie sehr sich der Holzbau für gebirgige Regionen eignet. Dies zeigt sich darin, dass seit 2004 in der Redaktion nicht weniger als fünfzig zeigenswerte und für sich einzigartige Objekte zum Thema neu eingegangen sind. Aus dieser Fülle haben wir für die vorliegende Publikation sechs gute Bauten ausgewählt. Warum ist Holz für das Bauen in den Bergen so beliebt? Sicher, das Baumaterial Holz hat eine starke traditionelle Verbindung mit den Gebirgsregionen, und auch logistische Vorteile aufgrund des geringen Eigengewichts, des hohen Vorfertigungsgrads und der kurzen Montagezeit sind Pluspunkte, gerade wenn – wie so oft – ein Montagehubschrauber zum Einsatz kommt. Aber es muss doch noch andere Gründe für die häufige Wahl von Holz geben, denn schliesslich werden Fundamente und Stützmauern noch immer in Beton ausgeführt. Ist es die Ästhetik des Holzbaus, welche bei Einheimischen wie bei Fremden als passend zum ‹genius loci› erfahren wird, wo immer die Hänge steil werden? Ist es, noch spezifischer, die Erscheinung als Blockbau/Strickbau, die als Archetyp des Holzbaus von den Bewohnern reflexartig mit hohem Wohlbefinden assoziiert wird? Liegt die Triebfeder des Erfolgs – vielleicht etwas subversiver – in der Gelegenheit, mit den verschiedenen Holzbausystemen in einem Umfeld mit hoher Akzeptanz für Holz zu experimentieren? Oder steht schlicht die unaufhaltsame Evolution des Holzbaus in einer Region hinter der Menge und Breite neuer Realisationen? Wie auch immer, die dokumentierten Objekte regen zur Revision von Mustern und Denkschablonen an. Zum Beispiel indem sie die Kombination des Strickbaus mit dem Holzrahmenbau, den nicht wiedererkennbaren Blockbau nach einem Umbau, den Holzeinsatz in einem Steinhaus oder zwei Interpretationsformen des Holzrahmenbaus in Bergregionen zeigen. Und sicher fällt auch auf, dass mit Holz die schönsten Wohnlandschaften innerhalb einer Gebäudehülle realisierbar sind. Dabei vermag das Naturmaterial eine Verbindung von Innen und Aussen zu stiften, die im besten Fall von beinahe schon unheimlicher Kraft ist. Roland Brunner Technische Kommunikation Lignum

Haus Raselli-Kalt in Li Curt im Puschlav: Die Zentralperspektive im Treppenhaus zeigt das Vorhaben zur hölzernen Innenraumkonstruktion. Die Schnittkanten der sägerohen Brettstapelelemente bleiben im Treppenhaus sichtbar, die Unterzüge sind betoniert. Als primäres Baumaterial für diesen Einbau kamen 40 mm starke Bretter in Fichte/Tanne zum Einsatz. Architektur Conradin Clavuot, dipl. Architekt ETH/SWB, Chur Holzbau Moreno Kalt, Schreinerei, Poschiavo

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Haus Raselli-Kalt, Li Curt Im Puschlav sind die Siedlungen traditionell sehr dicht und wirken konglomeratartig gedrängt. Bei der Planung des Neubaus in der knapp zwei Kilometer südlich von Poschiavo liegenden Ortschaft Li Curt stiess der Architekt jedoch auf die eigenartige Situation eines gerasterten Quartierplans: Da soll nun ein Haus frei stehen, nur vom Privatgarten umgeben, ohne direkten Kontakt zum Nachbarn. Es stellte sich daher die Aufgabe, das zu erhalten, was verlorenzugehen drohte: das dem Puschlav Eigentümliche, das Bewährte, Bezeichnende, das Gewachsene, nicht das Extravagante, sondern das Zurückhaltende, Zwanglose, das ‹Unarchitektonische›, das NichtAufsehenerregende. So war die Motivation, ein Haus zu bauen, das sich keinem Trend unterwirft, sondern einzig auf die ‹Art des Puschlavs› lauscht – auf das Wesen einer Bevölkerung zwischen Italien und der Schweiz, zwischen 4000 Meter hohen Bergen und üppigfeuchten Vegetationszonen auf 300 Meter über dem Meer, in einem Tal, das durch steile Flanken, beschränkte Sonnenscheindauer und starke Winde charakterisiert ist. Der konzeptionelle Eingriff suchte mithin Allgemeingültigkeit für das Tal. Das Gebäude an sich wird zu einer kulturellen Studie des Tales und seiner Bewohner mit ihren Lebens-

gewohnheiten. Es kommt folglich auch nicht mehr darauf an, wo das Haus steht, ob im Quartierplan oder im Dorfzentrum oder auf der Alp. Es zeigt am Ende nur die Eigenart des Tales selbst. Das Ergebnis ist nicht ein gebautes ‹Haus›, viel eher ist es ein Gebrauchsgegenstand, eine rein technische Errichtung, ein Stück Landschaft. Haus und Terrain scheinen zu verschmelzen, da die Umfriedungsmauer der Parzelle mit dem Haus verbunden ist und den Übergang zur Umgebung bildet. Die äusseren Oberflächen sind rauh und grob, Weissputzwände ohne Farbe, und die Fassade zeigt eine von gewollten Geometrien losgelöste, fast schon zufällige Einteilung. Die Zufahrt zum Haus führt direkt auf das Erdgeschoss, was die Grenzen zwischen Tal, Strasse und Bau verschwinden lässt. Nach dem Eintreten ins Obergeschoss lässt sich über eine hölzerne Innenraumkonstruktion jedes Geschoss erreichen. So sind im Erdgeschoss um den Kern die Küche, das Wohn- und das Esszimmer angeordnet, im hinteren Teil Keller und Heizraum. Im Obergeschoss umgeben den Kern der Eingangsbereich, das Büro, das Elternschlafzimmer und ein Bad. Im Dachgeschoss empfängt der Kern als Bibliothek, der talseitig die zwei Kinderschlafzimmer vorgelagert sind, während rückseitig das Bad angehängt ist.

Die tragende Innenraumkonstruktion ist der Kern des Hauses, des Lebens, und offenbart die Suche nach einem Einraumbau, nach einem gefässartigen Inneren. Das Element zeigt rohbauähnliche Züge: die Holzoberflächen sind nur grob gehobelt; breite und wildstrukturierte Holzriemen charakterisieren die Böden. Holzelemente für Kästen, Badmöbel, Truhen usw. stellen die Möblierung dar und bieten den Bewohnern die Möglichkeit, einen individuellen Winkel für sich zu finden.

Situation

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Ort Amianti, 7745 Li Curt Bauherrschaft Sandra und Moreno Raselli-Kalt Architekten Conradin Clavuot, dipl. Architekt ETH/SWB, Chur; Mitarbeit: Norbert Mathis, Flurin Camenisch, Claudia Clavuot-Merz Bauingenieur Edy Toscano AG, Poschiavo Holzbau Moreno Kalt, Schreinerei, Poschiavo Materialien Brettstapelelemente 150 mm 110 m2, Bretter in Fichte/Tanne für Einbauten und Treppe 40 mm 352 m2 sowie für Türen, Tablare und Küchenfronten 22 mm 133 m2, Gratleisten in Birke 47 m, Bodenriemen Fichte/Tanne 25 mm 188 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 512 000.– Gebäudevolumen 916 m3 Kubikmeterpreis (BKP 2) CHF 559.– Bauzeit Oktober 2001–August 2002 Fotograf Ralph Feiner, Malans

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Längsschnitt

10 m


Erdgeschoss

Obergeschoss

Dachgeschoss

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Ferienhaus Biel-Kinzig, Bürglen An schöner Südhanglage auf rund 1700 Meter über Meer im Kanton Uri galt es ein Ferienhaus für eine Familie zu entwickeln, das sich von drei Generationen nutzen lässt. Dabei stellte sich die Herausforderung, auf einem schmal zugeschnittenen Grundstück mit einer Hangneigung von ca. 30° ein Gebäude zu entwerfen, das in unterschiedlicher Belegung bis zu zehn Personen aufnehmen kann. Während der Projektentwicklung wurde der Anspruch verfolgt, sowohl in topografischer als auch in baukultureller Hinsicht eine spezifische Lösung für genau diesen Ort und diese Bauaufgabe zu finden. Denn erstens verlangt ein Ferienhaus als Ort der Erholung die optimale Nutzung der örtlichen Qualitäten (Südhanglage, Aussicht). Zweitens sollen Lösungen für eine Extrembedingung wie die gegebene starke Hanglage zum Mehrwert werden. Und drittens soll ein solches Gebäude in der lokalen Architektursprache verortet werden. Durch den Grundstückszuschnitt und die vorgeschriebene Firstrichtung senkrecht zum Hang entstand ein schmaler Gebäudegrundriss, der sich leicht konisch ins Tal öffnet und die Aussichtsrichtung betont. Aufgrund der Aussichtslage wurde das Gebäude so hoch wie möglich auf dem Grundstück plaziert und die räumliche Organisation so gestaltet, dass sich ein vielschichtiges Raumangebot entwik-

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kelte, das dem individuellen Benutzerverhalten Rechnung trägt. Im Eingangsgeschoss finden sich Keller und Mehrzweckraum sowie eine Nasszelle, im Schlafgeschoss zwei ‹Schlafkammern› und Nasszellen. Halbgeschossig versetzt liegen das kleine, aber hohe Massenlager, das Schlafgelegenheiten für sechs Personen bietet. Unter dem Dach schliesslich ist der Wohn- und Aufenthaltsraum, das soziale Zentrum des Gebäudes. Analog einer Strasse in steilem Gelände ist die Erschliessung des Gebäudes gleichsam in Serpentinen konzipiert, die zu einem Höhepunkt emporführen. Ein Treppenraum durchmisst in Form eines Weges mit Richtungswechseln den gesamten Bau und führt zu den Räumen auf verschiedenen Niveaus. Durch die hochliegende Setzung der Fenster wird der Weg belichtet. Erst mit der Ankunft unter dem Dach, mit dem Abschluss der ‹Passstrasse› im Wohnraum, eröffnet sich erstmals ein direkter Ausblick in Südrichtung auf das majestätische Bergpanorama, und zugleich schweift der Blick frei ins Tal. Die Notwendigkeit der Transporte und Versetzarbeiten per Helikopter sowie lediglich kurze Jahresperioden ohne Schnee legten die Wahl einer vorfabrizierten Holzkonstruktion nahe. Der Holzbau nimmt das traditionelle Konstruktionsprinzip des Strickbaus auf, das in der Zentralschweiz über Jahrhunderte die verbreitete Bauweise war. Aus ökonomischen wie auch aus bau-, transport- und produk-

tionstechnischen Überlegungen wird das Thema der gestrickten Konstruktion als Elementbauweise angewendet. So wurden für die Aussenwände 900 mm hohe und über die gesamte Wandlänge verlaufende Elemente vorgefertigt, bestehend aus der Rahmenkonstruktion und der fertigen Aussenbekleidung. Das Stricken und Verbinden der Elemente erfolgte vor Ort. Das Ausdämmen, Abdichten, Installieren und fertige Bekleiden geschah anschliessend von innen.


Ort 6463 Bürglen Architekten Vetter Schmid Architekten, Zürich Holzbau Gebr. Bissig Holzbau GmbH, Altdorf Materialien Konstruktionsholz: Vollholz 8,5 m3, Rahmenbaukanteln 12 m3, Brettschichtholz 4 m3; Platten: Dreischichtplatten in Fichte/Tanne 570 m2, OSB 280 m2; Fassadenbekleidung: Dreischichtplatte in Lärche 250 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 635 000.– Geschossfläche SIA 416 170 m2 Gebäudevolumen SIA 416 545 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 1165.– Bauzeit Juni–Oktober 2006 (Holzbau und Ausbau) Fotograf Basil Stücheli, Zürich Eingangsgeschoss

Schlafgeschoss

Wohngeschoss

Schnitt

5m

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Detail der Elementfügung

Dachaufbau von aussen: Eternitschiefer Doppeldeckung Ziegellattung 30 mm Konterlattung 60 mm Unterdachbahn Schalung 22 mm, im Vordachbereich Dreischichtplatte in Lärche 2 x 27 mm Sparren 260 mm/Mineralfaserdämmung Dampfsperre Lattung 27 mm Dreischichtplatte Fichte/Tanne 19 mm, sichtbar geschraubt Deckenaufbau von oben: Dreischichtplatte Fichte/Tanne 27 mm und Linoleum auf Spanplatte 22 mm Lattung 27 mm Holzfasertrittschalldämmung 17 mm Kastenelement: OSB 25 mm Balkenlage 180 mm/Mineralfaserdämmung 80 mm Dreischichtplatte Fichte/Tanne 27 mm, sichtbar geschraubt Aufbau Aussenwand von innen: Dreischichtplatte Fichte/Tanne 19 mm, sichtbar geschraubt Lattung 27 mm Dampfsperre OSB 19 mm Ständer 180 mm/Mineralfaserdämmung Dreischichtplatte Lärche 27 mm, Abdeckung der horizontalen Stösse mittels Z-Blech Aufbau Aussenwand im Sockelbereich von innen: Dreischichtplatte Fichte/Tanne 19 mm, sichtbar geschraubt Dampfsperre Lattung zweilagig gekreuzt, 100 mm/Mineralfaserdämmung Abdichtung Stahlbeton 250 mm

Fassadenschnitt

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Umbau eines Ferienchalets, Crans-Montana Dieses Chalet, hoch oben auf einem Bergvorsprung in einer herrlichen Landschaft gelegen, wandelte sich im Rahmen eines Besitzerwechsels grundlegend. Die neuen Besitzer waren von der prachtvollen Umgebung und der Intimität des Standortes ungemein angetan, vermissten jedoch verschiedene Räume wie etwa eine Garage, einen Hobbyraum und ein Empfangszimmer. Gewünscht wurde demzufolge eine Vergrösserung der Liegenschaft, welche dadurch gleichzeitig eine neue Identität erhalten sollte. Der neue Innenausbau veredelte die Räume und befreite sie von allen Schnörkeln. Sie verströmen jetzt eine zeitgenössische Atmosphäre, welche mit dem Charakter eines traditionellen Ferienchalets nichts mehr zu tun hat. Da die Ausnützungsziffer keine zusätzlichen Räume zuliess, bestand die einzige Möglichkeit darin, das Chalet von innen her und unterirdisch zwischen dem bestehenden Gebäude und der Fundamentmauer zu vergrössern. Die über die Strasse hinausragende Position des Gebäudes sowie der Wunsch nach einer Garage liessen diese Lösung zusätzlich als sinnvoll erscheinen. Um die schön gewachsenen und für den Standort so charakteristischen Föhren nicht antasten zu müssen, konzipierten die Architekten einen Gebäudekörper unter dem bestehenden Garten, der sich zwischen die Baumwurzeln fügt. In diesem unterirdischen Teil entstanden eine Garage und ein Hobbyraum. Die räumliche

Organisation des ursprünglichen Chalets wurde von Grund auf verändert, was umfangreiche Arbeiten erforderte. Gewisse Teile des Tragwerks, so etwa im Aufenthaltsraum, wurden entfernt. Neu gruppieren sich die Tagesräume um den riesigen Kamin herum, der belassen wurde. Der Nachtbereich umfasst die Schlafzimmer der Eltern und der Kinder, welche durch ein Badezimmer voneinander abgetrennt sind, und befindet sich im Untergeschoss mit direktem Zugang zum Garten. Unter dem Dach finden sich verschiedene Zimmer und ein Zwischengeschoss, welches als Galerie zum Aufenthaltsraum hinausführt. Die Aneinanderreihung der Baukörper wurde als räumliche und sinnliche Abfolge konzipiert. Das führte dazu, dass für Böden, Wände und Decken jeweils ein einziges Material gewählt wurde. Die unterirdischen Räume bestehen aus orange gestrichenem Beton. Die Wände des Chalets dagegen wurden von allen ursprünglichen Verkleidungen befreit und neu mit Sperrholzplatten bekleidet, welche eine geölte Lärchenfurnier-Deckschicht tragen. Lärche kam deshalb zum Zug, weil sich das Holz sowohl für die Innen- als auch für die Aussenanwendung eignet. Im Chaletteil folgt die Raumanordnung einem strengen rechtwinkligen Muster, welches durch die Horizontale der Innenbekleidung sowie der Lärchenholzgefässe unterstrichen wird. Die Nasszellen sind mit weissem Corian verkleidet und mit leuchtenden Trennwänden aus Verbundglas, welche mit Leuchtdioden

bestückt sind, von den anderen Räumen abgetrennt. Dank ihrer veränderbaren Farbe schaffen diese Trennwände eine High-TechAtmosphäre, welche in einem angenehmen Kontrast zum warmen Ton des Holzes steht.

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Schnitt

luk_niveau 1

Obergeschoss

2m

20 m

luk_niveau 0

2m

luk_niveau -1

2m

luk_niveau -2

2m

Erdgeschoss

1. Untergeschoss

2. Untergeschoss

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Dachaufbau von aussen: Eindeckung in Kupfer Trennlage Diagonalschalung 2 x 18 mm Fachwerkträger als Sparren 400 mm/Dämmung 160 mm Dampfbremse Lattung 27 mm Sperrholz mit Decklagen in Lärche 18 mm Aufbau Aussenwand von innen: Sperrholz mit Decklage in Lärche 18 mm Lattung 27 mm Dampfbremse Strickwand 100 mm Mineralwolldämmung 120 mm Lattung 50 mm Lärchenschalung 22 mm Deckenaufbau von oben: Klebeparkett 16 mm Zementunterlagsboden 84 mm Trittschalldämmung 10 mm Beplankung 30 mm Balkenlage 180 mm Lattung Sperrholz mit Decklage in Lärche 18 mm

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Fassadenschnitt

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Ort 3963 Crans-Montana Architekten Bonnard-Woeffray Architectes FAS SIA, Monthey Holzbau Amédée Berrut SA, Collombey (Tragwerk), Schreinerei Albert Seppey & Fils SA, Hérémence (Inneneinrichtung), Cina Benjamin & Fils SA, Crans-Montana (Schreinerarbeiten) Materialien Vollholz 30 m3; Deckenbekleidungen in Sperrholz 765 m2; Böden in Lärche 235 m2; Fassade in Lärche 280 m2 Kubatur SIA 2500 m3 Bauzeit April–Dezember 2005 Fotograf Hannes Henz, Zürich


Haus Tumilasca, Fürstenaubruck Zwei Kilometer nördlich von Thusis liegt die kleine Ortschaft Fürstenaubruck: genau dort, wo der Albula in den Hinterrhein fliesst. Hier entstand nahe dem Flussufer das Wohnhaus ‹Tumilasca› auf einem leicht geneigten, grosszügigen Grundstück mit dichtem Baumbestand. Das namensgebende Wort findet sich als Bezeichnung für die Region erstmals um 840; es wird als ‹Tal von Tomils› gedeutet. Die Idee bestand darin, die räumlichen Qualitäten der Parzelle herauszuschälen. Durch die Setzung des Gebäudes sollten Akzente wie der Baumbestand, die weitläufige Wiese und die Waldböschungen erfahrbar bleiben. Die innenräumliche Anordnung reagiert dabei auf die spezifischen landschaftlichen Situationen insbesondere über verschiedene Öffnungsarten der Fassade. Die äussere Erscheinung ist fremd und vertraut zugleich: Das Vordach mit den Sparren, die auskragenden Pfetten, der Giebel und die massiven Fensterfutter lassen den Strickbau erahnen. Doch die eigentliche Hülle erscheint mit einem braun gefärbten Putz. Dann, im Gebäudeinnern, tritt der in Holz gestrickte Kern in Erscheinung. Der Strickbau bildet die tragende Struktur und gliedert gleichzeitig den um diesen Kern verlaufenden offenen Raum. Nicht Zimmer und Korridore, sondern Übergänge zwischen unterschiedlich nutzbaren Bereichen prägen das Innenleben. So gelangt man vom Eingangsbereich mit Garderobe zum Beispiel in den Wohnraum mit zugeordneter Küche, einem offenen Essplatz und einem Rückzugsbereich oder aber in die über zwei Geschosse führende Bibliothek mit Arbeitsplätzen. Daran angegliedert befinden sich im Obergeschoss zwei Schlafbereiche mit jeweils eigenem Bad.

Der 120 mm starke Strickbau in Fichte übernimmt die Gebäudestabilisierung und zusammen mit den vier bei den Aussenwänden liegenden säulenartigen Strickkonstruktionen die vertikale Lastabtragung. Die Geschosstrenndecke mit integrierter Hypokaustenheizung ist in Beton ausgeführt. Eine nichttragende, hochdämmende, vorgefertige Ständerkonstruktion umhüllt das Ganze. Innen sind diese Aussenwände mit Stoff oder mit einem Lehmputz bekleidet. Diese eher ungewöhnliche Kombination der beiden Holzbausysteme hat zum Vorteil, dass gleichzeitig eine hochdämmende Gebäudehülle bei kleiner Konstruktionsstärke sowie eine grosse, speicherwirksame Holzmasse im Innern vorhanden sind.

Situation

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Längsschnitt

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Erdgeschoss

Obergeschoss

5m

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Dachaufbau von aussen: Biberschwanzziegel Ziegellattung 30 mm Sparren 100 x 180 mm Unterdachbahn Schalung 27 mm, befestigt auf Pfetten 240 x 600 mm Deckenaufbau von oben: Dreischichtplatte 20 mm Balkenlage 100 x 220 mm/Mineralwolldämmung 200 mm Dampfbremse Lattung 30 mm Gipsfaserplatte 15 mm, bespannt mit Baumwollgewebe Innenausbau im Zentrum: Wandbohlen in Fichte 120 x 200 mm Deckenbohlen in Fichte 100 x 200 mm Blockwandelement als Stütze 140 x 380 mm Deckenaufbau von oben: Dielen in Fichte 26 mm, geseift Lattung 30 mm Stahlbetondecke 290 mm teilweise Deckenbohlen in Fichte 60 x 200 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm, bespannt mit Baumwollgewebe Dampfbremse Ständer 60 x 160 mm/Mineralwolldämmung Holzfaserdämmplatte 80 mm Netzarmierung und Grundspachtel Kalkputz braun geschlämmt, Lasur mit Graupigment 10 mm Bodenaufbau im Wohnbereich von oben: Dielen in Fichte 26 mm, geseift Querschnitt

Lattung 30 mm Feuchtigkeitssperre Lattung 50 x 200 mm/Zellulosedämmung Feuchtigkeitssperre Betonplatte Bodenaufbau im Eingangsbereich von oben: Beton geschliffen 95 mm Schaumglas 160 mm Betonplatte

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Ort Waldheim, 7413 Fürstenaubruck Architekt Gion A. Caminada, Architekt BSA/SIA, Vrin-Cons; Projektleiter: Timon Reichle Ingenieur Conzett, Bronzini, Gartmann AG, Chur; Projektleiter: Rolf Bachofner Holzbau Felix Hunger, Safien Platz (Strickbau), und FIBA Holzbau AG, Thusis (Ständerbau und Dach) Materialien Konstruktionsholz: Strickbau in Fichte 18 m3, Vollholz 10 m3, Brettschichtholz 5 m3; Platten: Dreischichtplatten 63 m2, Gipsfaserplatten 235 m2, Holzfaserdämmplatten 200 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 635 000.– Grundstück 2011 m2 Geschossfläche 75 m2 Kubatur SIA 116 660 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 962.– Bauzeit Mai–November 2005 Fotografin Lucia Degonda, Zürich

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Haus im Obstgarten, Salins Das Wohnhaus befindet sich auf einer Terrasse am Nordhang des Rhonetals unterhalb des Dorfes Salins inmitten wunderbarer Aprikosenbäume. Die Konstruktion besteht aus zwei Teilen: dem Betonsockel, welcher die Kräfte des Terrains aufnimmt, und dem darauf liegenden Gebäudekörper aus Holz. Eine Besonderheit des Projektes besteht darin, dass die Tages- und Nachträume dank einer rationellen Anordnung auf ein und demselben Niveau liegen. Dadurch liess sich die Wirkung des Obstgartens schön erhalten. Das untere Geschoss beherbergt den Eingangsbereich mit der Garderobe, verschiedene technische Räume sowie einen Mehrzweckraum zum Spielen, Basteln und Musizieren. Von hier aus führt eine Treppe ins Obergeschoss, dessen Grundriss durch eine tragende Mauer gegliedert ist. Diese grenzt gegen Westen einen Tagesbereich, gegen Osten einen Nachtbereich mit Schlafzimmern, Toiletten und Bad ab. Um einen offenen und flüssigen Grundriss zu erhalten, wurde die Abfolge der einzelnen Räume besonders gründlich studiert. So wird etwa die Küche wie ein Möbel behandelt, welches die Durchgängigkeit der Decke von der Fassade bis zur zentralen Mauer eindrücklich unterstreicht und so die vielfältigen Perspektiven und Verhältnisse des Innenraums zur Geltung bringt.

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Von der Essecke und dem Arbeitszimmer mit der Bibliothek aus lässt sich der wunderbare Ausblick auf die Rhoneebene, auf die beiden Schlösser Valère und Tourbillon sowie auf die Berge im Norden geniessen. Dank der grossen Fensterfront, welche sich über die gesamte Länge und Höhe des Hauses erstreckt, schafft die Aussicht eine Verbindung zur Aussenwelt. Dadurch erhalten die einzelnen Räume Dimensionen, die weit über die Fassade hinausgehen. Die Fussböden, Wände und Decken sind in Holzrahmenbauweise aus Brettschichtholz erstellt und mit Mineralwolle gedämmt. Die Innenbekleidung der Wandelemente besteht aus Gipsfaserplatten. Die horizontalen Elemente wie die Decke und der Boden sind aus Lärchenholz. Bei der Fassade fiel die Wahl auf eine Holzfaserdämmplatte mit einem mineralischen Verputz. Dadurch lassen sich die Lärmimmissionen des nahen Flugplatzes im Hausinnern beträchtlich reduzieren. Das begrünte Dach erlaubt eine ausgezeichnete Integration des Hauses in die Landschaft und reduziert seine optische Wirkung auf die weiter oben liegenden Grundstücke. Von Anfang an wurde grosses Gewicht auf Nachhaltigkeit gelegt. Davon zeugt nicht nur die hervorragende Wärmedämmung, welche zu einem sehr tiefen Energiebedarf führt, sondern auch die rationelle und kompakte Bau-

weise, welche die Auswirkungen des Hauses auf die Umgebung auf ein Minimum beschränkt und eine äusserst wirtschaftliche Lösung darstellt – sowohl bezüglich des Baus selber als auch im Hinblick auf die Nutzung der Liegenschaft.


Erdgeschoss

Obergeschoss

Querschnitt

10 m


Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 80 mm Abdichtung zweilagig Dreischichtplatte 27 mm Lattung 60 x 100 mm Unterdachbahn Balken 220 mm/Dämmung Dampfbremse Dreischichtplatte in Lärche 19 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm Lattung 30 mm Dampfbremse OSB 15 mm Ständer 80 x 140 mm/Dämmung Holzfaserdämmplatte 60 mm verputzt Deckenaufbau von oben: Bodenbelag Zementunterlagsboden Dämmlagen m.

Kastenelemente: OSB 25 mm Rippen 220 mm/Dämmung OSB 115 mm oder zementgebundene Spanplatte 15 mm

Fassadenschnitt

Ort Les Plats de Turin, 1991 Salins Bauherrschaft A. und J.-B. Moix-Voide Architekten Fournier-Maccagnan, Architekten ETH SIA, Bex Bauingenieure Hünerwadel & Häberli, Sion Holzbau Barman & Voeffray, Collombey Materialien Konstruktionsholz 31 m3; Platten: OSB 506 m2, Dreischichtplatten 150 m2, Gipsfaserplatten 214 m2, Holzfaserdämmplatten 70 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 510 000.– Kubatur SIA 116 898 m3 Bauzeit November 2004–Juni 2005 Fotograf Thomas Jantscher, Colombier

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Ferienhaus, Fiesch Das Wochenend- und Ferienhaus am Hang oberhalb des Dorfes Fiesch überrascht durch seine eigenwillige Geometrie. Es steht auf einer langgezogenen, fast gleichschenkligen Dreiecksparzelle zwischen der Bahnlinie weiter unten und einem Fussweg gleich oberhalb des Baus. Das Haus ist ganz auf die Parzelle zugeschnitten. Beim Umschreiten des Hauses offenbaren sich aufgrund der Geometrie unterschiedlichste Gesichter. Die lange Ostfassade mit den Lochfenstern gibt einen schönen Blick auf den alten Dorfteil von Fiesch frei und verweist mit dem Giebel in Hangrichtung bzw. zum Dorf auf die Typologie der alten Walliser Häuser. Die Nordfassade ist die schmalste und weist nur ein Fenster auf, das den Blick ins Fieschertal freigibt. Die rechtwinklige Stellung zur Westfassade lässt die Traufe schief verlaufen. Die Westfassade, wo sich der Fussweg dem Hang entlangschlängelt, ist geschlossen ausgebildet. Der Knick beim Giebel bricht die Fassade und lässt das Gebäudevolumen je nach Blickwinkel unterschiedlich erscheinen. Südwärts öffnet sich das Haus mit einer Glasfront gegen den unverbauten Hang und gibt einen herrlichen Blick auf das Breithorn frei. Im Ferienhaus sind zwei im Grundriss identische Dreieinhalb-Zimmer-Wohnungen organisiert. Die Wohnungen zeichnen sich durch

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grosszügige Wohn- und Esszimmer aus. Dieser Raum geht in einen überbreiten und sich verjüngenden Korridor über, welcher im nördlichen Zimmer aufgefangen wird, das sich durch eine Schiebetüre schliessen lässt. Abgeschlossenen Zellencharakter weisen jeweils nur ein Schlafzimmer und die Nasszelle auf. Die Wohnungen unterscheiden sich in der Raumhöhe des Wohn- und Essraums sowie des nördlichen Zimmers. In der oberen Wohnung erstrecken sich diese Räume bis unters Dach. In den Räumen dazwischen ist bis zum Dach zusätzlich ein Estrich eingeschoben. Ein weiterer Unterschied ist die Setzung der Fenster. Während sie sich im Erdgeschoss linksbündig an die Innenwand schmiegen, sind sie im Obergeschoss rechtsbündig plaziert. So ergibt sich das Spiel der versetzten Öffnungen zum Dorf hin. Das monolithische Volumen ist aussen mit einer sägerohen, vertikalen Lärchenschalung beplankt. Diese wird, nicht zuletzt durch das weggelassene Vordach, schnell und gleichmässig verwittern und nähert sich so in der Erscheinung den alten, schwarzen Walliser Häusern an. Die weiss gehaltenen Fensterrahmen nehmen Bezug auf die alten Nachbarbauten und werden beim Nachdunkeln der Fassade um so prägnanter in Erscheinung treten. Holz tritt auch im Innern in Erscheinung. Die Wände und Decken sind allesamt mit gross-

formatigen Dreischichtplatten in Fichte bekleidet, welche gleichzeitig stabilisierende Funktion haben. Fenster und Türen sowie deren Leibungen sind in Weiss gehalten und wirken wie aus den Holzflächen herausgeschnitten. Der orange Linoleum bringt Farbe in den Raum und betont durch seine schwellenlose Verlegeart das fliessende Raumgefüge. Die weisse Hochglanzküche strahlt Grosszügigkeit aus. Die olivgrüne Küchenrückwand wirkt demgegenüber als angenehmer Farbtupfer.

N

Situation 1:500

Situation


Erdgeschoss

Obergeschoss

5m

Querschnitt

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Dachaufbau von aussen: Eternitschiefer Ziegel- und Konterlattung Unterdachbahn Kastenelement: OSB 22 mm Rippen 220 mm/Dämmung Dampfbremse Dreischichtplatte 19 mm, sichtbar Aufbau Aussenwand von innen: Dreischichtplatte 19 mm, sichtbar Dampfbremse Ständer 160 mm/Dämmung OSB 15 mm Lattung 27 mm Schalung in Lärche 24 mm, sägeroh Deckenaufbau von oben: Linoleum Zementunterlagsboden 70 mm Trittschalldämmung 2 x 20 mm Kastenelement: OSB 22 mm Balken 220 mm/Dämmung 120 mm Dreischichtplatte 19 mm, sichtbar Bodenaufbau von oben: Linoleum Zementunterlagsboden 70 mm Trittschalldämmplatte 20 mm Dämmung 60 mm Feuchtigkeitssperre Beton 200 mm Fassadenschnitt

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Ort Klostermatte, 3984 Fiesch Bauherrschaft Lukas Walpen und Sybille Bayard Walpen, Zürich Architekt Lukas Walpen, dipl. Architekt ETH SIA, Zürich Ingenieur VWI Ingenieure AG, Naters Holzbauingenieur Neue Holzbau AG, Lungern Holzbau Hallenbarter Generalunternehmung AG, Obergesteln Materialien Konstruktionsholz: Rahmenbaukanteln 17 m3, Brettschichtholz 6 m3; Platten: OSB 543 m2, Dreischichtplatten 528 m2, Gipsfaserplatten 55 m2; Fassadenbekleidung: Schalung in Lärche 24 x 100 mm, sägeroh, 235 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 490 000.– Gebäudevolumen SIA 416 675 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 725.– Bauzeit Mai–November 2006 Fotografen Thomas Andenmatten, Brig (Innenaufnahmen) und Lukas Walpen, Zürich (Aussenaufnahmen)

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Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno

Falkenstrasse 26 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 E-Mail info@lignum.ch Internet www.lignum.ch

Holzbulletin, Dezember 2007 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

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Verantwortlich Roland Brunner Redaktion Roland Brunner, Lignum, Mélanie Baschung und Denis Pflug, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich Druck Kalt-Zehnder-Druck AG, Zug Administration, Abonnemente, Versand Andreas Hartmann, Lignum

ISSN 1420-0260

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 100.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten. Lignum-Mitglieder erhalten das Holzbulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern. Lignum-Hotline: 044 267 47 83 Benutzen Sie unsere Fachberatung am Telefon von 8–12 Uhr, die täglich von Montag bis Freitag gratis zur Verfügung steht.

Holzbulletin 85/2007  

Wohnen in Bergregionen

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