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Holzbulletin 81/2006 Kanton Tessin Passerelle, Valle di Muggio Unterhaltswerkstätte FART, Ponte Brolla Ausstellungspavillon für Autos, Cureglia Arbeitsstätte für Behinderte, Origlio Ausbau der Berghütte ‹Motterascio Michela› Zwei Einfamilienhäuser, Aranno Verwaltungs- und Entwicklungsgebäude Hugo Boss, Coldrerio 32 weitere Tessiner Holzbauten im Kurzporträt

Der Ausbau der Berghütte ‹Motterascio Michela› hat nicht nur grössere Kapazität geschaffen, sondern erhöht auch die Aufenthaltsqualität für Übernachtende. Bauherrschaft: Schweizer Alpen-Club SAC, Sektion Tessin Architekten: Baserga Mozzetti Architetti, Muralto


Das Tessin mit Holzbauten neu entdecken Das vorliegende Holzbulletin führt zu insgesamt 39 Objekten im Kanton Tessin. Sieben davon treten in der bekannten, umfassenden Dokumentation in Erscheinung, wie sie das Holzbulletin als Standard pflegt. 27 Projekte kommen in einer Auflistung als Überblick über die Holzbautätigkeit der letzten Jahre zur Darstellung. Auf der letzten Seite finden sich fünf Objekte in Kurzform, welche in früheren Ausgaben des Holzbulletins schon einmal Aufnahme gefunden haben.

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Passerelle, Valle di Muggio

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Unterhaltswerkstätte FART, Ponte Brolla

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Ausstellungspavillon für Autos, Cureglia

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Arbeitsstätte für Behinderte, Origlio

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Ausbau der Berghütte ‹Motterascio Michela›

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Die Sammlung dieses Holzbulletins geht nur auf einen Teil des breiten Spektrums an Projekten ein, die wir aktiv recherchiert oder eingesandt erhalten haben. Ihr Sinn ist es, einen Querschnitt der Holzbautätigkeit in der Südschweiz zu zeigen, von den vielen Einfamilienhäusern in sonniger Hanglage, im städtischen Umfeld oder mit ruhigem Seeanstoss über Umbauten und Renovationen von Steinhäusern mit einer stimmigen Ergänzung in Holz bis zu öffentlichen Bauten, repräsentativen Firmensitzen und spektakulären Ingenieurbauwerken. Im nebenstehenden Satellitenbild sind die Standorte aller 39 Objekte eingetragen, ergänzt mit einem Index zum leichteren Auffinden auf den nächsten Seiten – eine kleine Anregung für den nächsten Ausflug ins Tessin.

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Zwei Einfamilienhäuser, Aranno

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Verwaltungs- und Entwicklungsgebäude Hugo Boss, Coldrerio

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Multifunktionaler Unterstand in Copera, San Antonino

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Haus Conceprio, Corzoneso

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Bootshaus, Caslano

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Zollstation Chiasso Brogeda

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Haus Valli, Morbio Inferiore

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Haus Descamps, Novaggio

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Haus Colombo, Sala Capriasca/Bigorio

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Umbau eines Landwirtschaftsgebäudes, San Antonino

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Ferienhäuser Crivelli und Peyer, Locarno/Cardada

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Einfamilienhaus, Olivone

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Neu- und Umbau zu Passivhaus, Calpiogna

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Erweiterungsbau der Sekundarschule, Castione

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EcoHotel Cristallina, Coglio

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Rustikaler Umbau und Anbau, Prato Vallemaggia

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Zweifamilienhaus, Cureglia

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Ersatzbau für Vierfachkindergarten, Giubiasco

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Schulhaus, Preonzo

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Zwei Einfamilienhäuser, Biasca

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Stallung, Campo Blenio

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Landwirtschaftsgebäude, Corzoneso

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Umbau Theater OSC, Mendrisio

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Haus Gnehm, Pianezzo

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Einfamilienhaus, Aquila

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Tanzschule, Chiasso

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Doppeleinfamilienhaus, Cademario

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Einfamilienhaus, Dalpe

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Renovation und Erweiterung Rustico, Iragna

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Wochenendhaus, Campo Vallemaggia

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Casa minima, Gerra Gambarogno

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Cristallina-Hütte, Bedretto

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Atelier Pedro Pedrazzini, Lavertezzo Piano

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Gewerbezentrum Blenioart, Dongio

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Auf die Reise kann man ein paar Zahlen mitnehmen, die zum Nachdenken anregen. Der Kanton Tessin, 1803 der Schweizerischen Eidgenossenschaft beigetreten, umfasst eine Landfläche von 2812,5 km2, eine Bevölkerung von rund 315 000 Personen sowie 201 Gemeinden. Fast die Hälfte der Landfläche, nämlich rund 1400 km2, ist Wald. Eigentümer sind 300 öffentliche Besitzer (auf 79% der Waldfläche) und 30 000 Private (auf 21% der Fläche). Im Tessiner Wald wachsen jährlich rund 500 000 m3 Holz nach, wovon durchschnittlich nur gerade 60 000 m3 genutzt werden. Im Bereich der Holzverarbeitung sind aber doch rund 300 Firmen tätig, die 1800 Personen beschäftigen. Entdecken Sie das Tessin mit diesem Heft durch seine Holzbauten neu – buon viaggio!

Roland Brunner Technische Kommunikation Lignum

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Satellite Image Š CNES / Spot Image / swisstopo, NPOC

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Passerelle, Valle di Muggio Zuhinterst im Valle di Muggio verbindet eine neue Passerelle das schweizerische Scudellate mit dem italienischen Erbonne. Obschon die beiden Dörfer durch die Landesgrenze getrennt sind, unterhielten sie immer enge Beziehungen, welche jedoch wegen der Schroffheit des BreggiaTals zumal bei Hochwasser oft schwierig waren. Aufkommender Agrotourismus in der Region machte nun den Bau einer Fussgängerpasserelle möglich. Der neue Übergang ist nicht bloss physische Verbindung, sondern hat auch kulturelle Bedeutung. Die Tiefe des Tales rechtfertigte von Anfang an die Wahl einer bogenförmigen Realisierung. Die Passerelle hat eine Spannweite von 29 Meter, eine Gesamtlänge von 38,5 Meter und überquert das Tal auf einer Höhe von rund 30 Meter. Der Aufbau besteht aus zwei leicht nach innen geneigten Brettschichtholzbögen in Lärche mit einem Querschnitt von 480 x 200 mm. Dazwischen sind alle 2,65 Meter Querbalken und kreuzförmig angeordnete Rundstäbe aus Stahl befestigt, welche als Fachwerk den Steg stabilisieren.

Weit mehr Kreativität als die konstruktive Ausgestaltung forderte die Montage des Werkes den Planern und dem Unternehmer ab. Die engen Gassen der Dörfer auf der italienischen Seite der Grenze verunmöglichten jeglichen Schwertransport, während auf der schweizerischen Seite der Zugang zum Tal auf Fahrzeuge von weniger als zehn Meter Länge beschränkt war. Zudem existierte in einem weiten Umkreis des Standortes kein flaches, für Lastwagen zugängliches Gelände, wo die einzelnen Elemente hätten zusammengebaut werden können. Als einzige Möglichkeit verblieb der Transport per Helikopter. Auf einem Feld bei Melano wurde das Haupttragwerk mit den beiden Bögen und der dazwischenliegenden Stabilisierung zusammengebaut. Ein Helikopter flog das über vier Tonnen schwere Tragwerk anschliessend auf die andere Seite des Monte Generoso ins Valle di Muggio, wo es auf die Widerlager montiert wurde. An Ort erfolgte die Montage der quer auf den Bögen stehenden Rahmen mit kreuzförmiger Stahlseilabspannung und den längs darüber verlaufenden Trägern. Die meisten Anschlüsse sind mittels eingeschlitzter Bleche und selbstbohrender Stahl-

schrauben ausgebildet, wodurch man sich von den Montagetoleranzen befreien konnte. Die Balkenlagen, der Brückenbelag und die Handläufe aus Kastanienholz der Region wurden in einem weiteren Arbeitsschritt montiert. Die Verwendung der beiden sehr resistenten Holzarten Lärche und Kastanie sowie von verzinktem Stahl gewährleistet die Dauerhaftigkeit der Passerelle. Die Wahl des Baustoffs Holz war für diese Gebirgsregion völlig normal. Dank dieser Wahl besticht das Bauwerk nicht durch seinen technischen Charakter, sondern durch seine Feingliedrigkeit und seine Fähigkeit, sich in respektvoller Art und Weise in seine natürliche Umgebung einzufügen. Damit steht die Passerelle in absolutem Einklang mit den Grundsätzen des angestrebten sanften Tourismus im Val Muggio.


Aufsicht Tragkonstruktion

Ansicht

10 m

Ort 6838 Scudellate (CH), Erbonne (I) Bauherrschaft Gemeindeverband Region Valle di Muggio, Val Mara und Salorino Projekt- und Bauleitung Comal e Associati SA, Morbio Inferiore Holzbauingenieur Andrea Bernasconi, Mendrisio (Vorprojekt); Laube SA, Biasca (Ausführungsplanung) Holzbau Laube SA, Biasca (Konstruktion); Azienda forestale della Valle di Muggio (Brückenbelag und Handläufe) Materialien Brettschichtholz Lärche 11 m3, Kastanie 6 m3 Charakteristik Länge 38,5 m, Breite 1,8 m Baukosten (BKP 2) CHF 250 000.– Bauzeit Oktober 2004–März 2005 Fotografen Laube SA, Biasca, und Andrea Bernasconi, Mendrisio

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Unterhaltswerkstätte FART, Ponte Brolla Die neue Unterhalts- und Reparaturwerkstätte der FART (Ferrovie Autolinee Regionali Ticinesi), welche die Centovalli-Bahn betreiben, ist das Resultat eines langen Reifungsprozesses. Nachdem in den achtziger Jahren die Bahnlinie an ihrem Ende in Locarno in den Untergrund verlegt worden war, hatte die bestehende Unterhaltswerkstätte plötzlich keinen direkten Gleisanschluss mehr. Nach vielem Hin und Her konnte in Ponte Brolla, bei der früheren, heute stillgelegten Abzweigung der Bahn ins Maggiatal, ein neuer Standort gefunden werden. Das neue Gebäude integriert die Charakteristiken der umliegenden Natur und der Berge. Zwei parallel zu den Längsfassaden angeordnete Stützmauern ermöglichten eine Wiederherstellung der ursprünglichen Geländeform. Da sie die Halle vom Berg abtrennen, schützen sie sie vor dem Wasser, welches bei Regen in grossen Mengen vom Berg herunterfliesst. Eingelassen in den felsigen Hügel, scheint die Werkstätte aus der stillgelegten Eisenbahngalerie hervorzutauchen. Das Gebäude mit Innenmassen von 19,5 x 60 Meter besteht aus einem vertikalen Stahlskelett-Tragsystem und vorfabrizierten Betonelementen. Das Sheddach ist in Holzbauweise ausgeführt. Dazu spannen quer über den Stützen des Skeletts geneigte Fachwerkträger, welche die

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verglasten Dachflächen fassen. Zwischen die Fachwerkgurten aus Brettschichtholz sind die Pfosten und Diagonalen aus Metallrohren eingebracht. Die Fachwerkknoten sind mit eingeschlitzten Blechen und selbstbohrenden Stahlschrauben ausgeführt. Zwischen diesen Hauptträgern spannen 140 mm dicke Brettstapelelemente; sie sind abwechselnd am unteren und am oberen Gurt des Fachwerkträgers befestigt. Deren Plastizität in Querrichtung erlaubte eine Montage in die gebogene Dachfläche ohne spezielle Zuschnitte oder sonstige Anpassungen. Einzig für die seitlichen Abschlusselemente war ein spezieller Zuschnitt erforderlich, der in der Vorfertigung mittels CNC erfolgte. Auf den Brettstapelelementen sind eine Dämmung mit Lüftung und eine Dachbekleidung aus Aluminiumblech aufgebracht. Die Stabilisierung des Daches wird in Querrichtung durch die dreieckigen, horizontal liegenden Betonelemente gewährleistet, auf welchen die Fachwerkträger fix montiert sind. In Längsrichtung wird die Stabilisierung über die Brettstapelelemente mit darüber aufgenagelten Flacheisen gewährleistet, welche als Scheiben die Lasten auf die seitlichen Fassaden übertragen. So befindet sich die organische Plastik des Daches in einem ständigen Dialog mit der umliegenden Natur, während die strukturelle Abfolge der Betonfassaden die Bewegung der

Züge aufnimmt. Im Innern sorgen die nach Norden ausgerichteten Dachflächenfenster für eine optimale Ausnutzung des natürlichen, diffusen Tageslichtes. Dazu zeigt die Innenseite des Daches eine warme Farbe, welche in starkem Kontrast zu den technischen Einrichtungen steht.

Situation


Querschnitt

L채ngsschnitt

Grundriss

20 m

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Dachaufbau von aussen: Dachbekleidung in Aluminium Lattung 45 x 50 mm/L체ftung Unterdeckfolie Lattung 60 x 60 mm/D채mmung Dampfbremse Brettstapelelemente 140 mm Isolierverglasung 32 mm mit einem U-Wert von 1,6 W/m2K

Detail Dachaufbau

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Visualisierung Tragstruktur

Ort Ponte Brolla Bauherrschaft Ferrovie Autolinee Regionali Ticinesi (FART), Locarno Architekten Moro & Moro, Locarno Bauingenieur Gianfranco Sciarini, Vira Gambarogno Holzbauingenieur Gianfranco Sciarini, Vira Gambarogno (Vorprojekt); Laube SA, Biasca (Ausführungsplanung) Holzbau Laube SA, Biasca Materialien Brettschichtholz 40 m3, Brettstapelelemente 1270 m2/178 m3 Gebäudekubatur SIA 116 12 375 m3 Kubikmeterpreis SIA (BKP 2) CHF 310.– Bauzeit Mai 2002–Juli 2003 Fotograf Massimo Pedrazzini, Losone

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Ausstellungspavillon für Autos, Cureglia Cureglia ist eine kleine Ortschaft rund fünf Kilometer nördlich von Lugano. Der neue Pavillon entstand hier entlang der Hauptstrasse von Vezia nach Origlio, zwischen einem Wohngebiet im Süden und einer Tennisanlage im Norden. Die Funktion, für welche der Pavillon entworfen wurde, ist direkt mit der Tätigkeit der Garage gegenüber verbunden und dient als Ausstellungsraum für die zu verkaufenden Autos. Der Pavillon nimmt entsprechend seiner Funktion direkt Bezug zur Strasse und dem Firmensitz, indem er sich gegenüber beiden grosszügig öffnet. Der eingeschossige Neubau ist als sich nach Osten verjüngender und leicht neigender Körper konzipiert. Das Volumen scheint einzig durch die Rückwand nach Norden, die nur leicht geneigte Dachfläche und eine unauffällige Querwand begrenzt. Von aussen verleiht eine unterbruchsfreie Hülle aus einer Kupfer-Zink-Legierung diesen Flächen ihren eigenständigen Charakter. Die zweiteilige Ausstellungsfläche öffnet sich zur Strasse nach Südwesten hin, wo sich der Asphaltplatz scheinbar ohne Abgrenzung in den Pavillon zieht. Riesige Glasfronten teilen einen inneren Ausstellungsbereich zwischen Boden und

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Dach ab. Die äussere Ausstellungsfläche wird nur vom Dach-Wand-Profil und der stark geneigten Säule gefasst. Eigenständige, kleine Möbelstücke gliedern die Ausstellung weiter. Ein rotgefärbter Kubus aus Massivholzplatten durchdringt beinahe keilförmig das Glas und markiert den Eingangsbereich. Im grossflächigen Innenraum bildet ein anthrazitfarbenes, ebenfalls mit Massivholzplatten konstruiertes Trapezmöbel den Orientierungspunkt für Empfang und Kundendienst, wobei es gleichzeitig als kleines Lager und Serviceposten (Toilette und Kaffeemaschine) dient. Der schlicht und zurückhaltend gestaltete Innenraum rückt immer die wertvollen Ausstellungsstücke in den Vordergrund. In den Dienst dieser Aufgabe stellen sich die opaken, hellgrau gefärbten Innenflächen ebenso wie der mit schwarzer Paste eingefärbte Zementfussboden, welcher die bruchlose Verbindung von Aussen und Innen übernimmt. Das Konstruktionsprinzip des Pavillons ist relativ einfach: zwei Wände in Holzrahmenbauweise von 160 mm, beidseitig beplankt, eine Reihe von Stahlrohren mit einem Durchmesser von 139 mm und einem darüberliegenden Brettschichtholzträger sowie zwischen Wand und Träger eingehängte

Balken. Der jeweils über der Stütze liegende Balken verläuft bis in den Vordachbereich, wo ein Randabschlussbalken die Sticher des Vordaches trägt. Zur Queraussteifung des westlichen Gebäudeteils mit dem grossen Vordach ist quer zur Stützenreihe ein zusätzliches Stahlrohr über einen Randbalken eingebunden. Zwischen dieser und der Eckstütze übernimmt eine Abspannung mit Stahlseilen die Aussteifungskräfte. Die rund sechs Meter Distanz von der Stütze unter dem Vordach bis zur Eckstütze bei der Verglasung überbrückt ein im Dachaufbau integrierter Stahlträger.

Situation


Dachaufbau von aussen: Bekleidung mit Kupfer-Zink-Legierung Abdichtung und diffusionsoffene Trennlage Dreischichtplatte 27 mm Rippen 360 mm/Dämmung Dampfbremse OSB 16 mm Lattung Gipsfaserplatte 15 mm Untersicht Vordach: Dreischichtplatte 19 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm Lattung OSB 16 mm Dampfbremse Ständer 160 mm/Dämmung Schalung 27 mm Fassadenschnitte

Abdichtung und diffusionsoffene Trennlage Bekleidung mit Kupfer-Zink-Legierung Konstruktion Glasfront: Stahlrohrstützen mit Durchmesser 139 mm Verbundsicherheitsglas 22 mm

Grundriss

10 m

Ort Via Cantonale, 6994 Cureglia Bauherrschaft Inge Rossinelli, Cureglia Architekt Sergio Grignoli, Architekturbüro, Cureglia Holzbauingenieur neue Holzbau AG, Lungern Holzbau Holzbau Kayser AG, Stans, und N. & G. Fratelli Maestrani, Dangio Torre Materialien Konstruktionsholz: Rahmenbaukanteln und Brettschichtholz 21 m3, GFP-Platten 70 mm und 90 mm 63 m2; Dreischichtplatten 19 mm und 27 mm 560 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 500 000.– Nutzfläche Ausstellung 120 m2 (Innenraum), 65 m2 (Aussenraum) Kubatur SIA 116 850 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 588.– Bauzeit März–Juli 2005 Fotograf Piernicola Federici, Sta. Maria in Calanca

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Arbeitsstätte für Behinderte, Origlio Der Sinn einer eng mit der Natur verbundenen Arbeitsstätte für Menschen mit Behinderungen überzeugte den Besitzer des Grundstücks und des kleinen, aufgelassenen Bauernbetriebs auf Anhieb, und er stellte deshalb seinen Besitz für die Errichtung eines solchen Zentrums zur Verfügung. Dieses umfasst einen Landwirtschafts- und einen Schreinereibetrieb sowie Reittherapie, die als Pilotprojekt für den Kanton Tessin geführt wird. Das Konzept des Zentrums bestand darin, den Bau für eine soziale Institution in einen Standort zu integrieren, welcher in Beschaffenheit wie Nutzung einen sehr engen Bezug zur Natur aufweist. Dazu sollte der alte Bauernhof mit einem zeitgenössischen architektonischen Aspekt versehen und mit einer unterschiedlich strukturierten Holzanwendung an den Fassaden neu interpretiert werden. Weitere Rahmenbedingungen wie die räumliche Anordnung, die äusseren Dimensionen, die rechteckige Form, die Höhe sowie das Steildach waren durch Einschränkungen und Auflagen der Raumplanungsgesetzgebung gegeben. Eine Besonderheit des Grundrisses stellt der Innenhof dar. Dieser schafft Intimität und schirmt gegen Wind und Regen ebenso ab wie gegen neugierige Blicke. Zudem bietet der Innenhof auch Platz für unterschiedlichste Aktivitäten: für Arbeit, Feste oder Ausstellungen. Zudem bildet der sich über zwei Geschosse erstreckende Hof auch die Erschliessung der beiden Ebenen aus. Dank seiner

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ovalen Form entsteht nicht nur ein weiter Raum, sondern auch ein einfacher Durchgang als Verbindung zwischen den Gebäudeseiten mit den drei Haupteingängen. Die Raumgliederung um den Innenhof folgt einer Dreiteilung: Pferdehaltung, Schreinereibetrieb und Landwirtschaftsräume. Der Bereich der Pferdehaltung ist über die gesamte Gebäudehöhe mittels einer Wand aus Stahlbeton von den anderen Teilen abgetrennt und beherbergt im Erdgeschoss Lager-, Sanitärund Technikräume sowie die Pferdeboxen. Im Obergeschoss ist neben dem Heustock eine Hauswartwohnung angegliedert. Der Schreinereibereich ist ebenfalls zweigeschossig mit interner Treppe ausgelegt und bietet neben den Arbeitsräumen auch Umkleideräume und Duschen sowie einen Essraum mit Küche und Terrasse. Der im Erdgeschoss liegende Landwirtschaftsbereich umfasst diverse Kühl-, Technik- und Lagerräume sowie ein kleines Büro. Die innere Dreiteilung widerspiegelt sich in den verschieden ausgeführten Aussenbekleidungen in naturbelassener Lärche: hier eine horizontal angebrachte Schalung mit Zwischenraum für die Lagerräume, da eine horizontale Schalung mit dazwischen angebrachten, rhomboidförmigen Lamellen für die Arbeitsräume, dort eine horizontale Bekleidung nur aus Rhomboiden für die Pausenräume, die Wohnungen und die Büros. Die Verwendung von Holz ist denn auch die Grundlage des architektonischen Konzepts und ermöglicht es, im Laufe der Jahre die Integration des Gebäudes in die Umgebung

zu verfolgen, da die natürliche Alterung des Holzes unterschiedliche Grautöne verursacht und das ursprüngliche Rot nach und nach verschwinden lässt. So sind neben dem massiv erstellten Pferdehaltungsbereich alle anderen Wände in Holzrahmenbauweise ausgeführt, innen sichtbar mit OSB beplankt und mittels einer konventionellen Holzkonstruktion überdacht. Für die Geschossdecken wurden vertikale Holzbretter mit einem Versatz in der Höhe nebeneinander gestapelt und mit einer oben liegenden OSB-Beplankung begehbar gemacht.

Situation


Erdgeschoss

Längsschnitt

Obergeschoss

10 m

Ort 6945 Origlio Bauherrschaft Stige SA, Cureglia Architekten Swen Panzera und Giorgia Ghezzi, Lugano Bauingenieur Alfio Casanova, Lugano Holzbauingenieur Conceptboistechnologie, Saint-Sulpice Holzbau Xilema, Bedano Materialien Rahmenbaukanteln, Bretter für Decken, OSB und Lärchenschalung 150 m3 Baukosten (BKP 2) CHF 1,673 Mio. Geschossfläche SIA 416 966 m2 Gebäudevolumen SIA 416 4160 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 402.– Bauzeit Juni 2003–Juli 2004 Fotografin Giorgia Ghezzi, Lugano

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Dachaufbau von aussen: Dacheindeckung mit Ziegeln und Welleternit Lattung Lattung 80 x 80 mm/Dämmung OSB 18 mm Holzkonstruktion Aufbau Aussenwand von innen: OSB 15 mm Ständer 60 x 140 mm/Dämmung 100 mm OSB 15 mm Lattung 30 mm Lärchenschalung 30 mm

Detailschnitt Wand–Dach

Deckenaufbau von oben: OSB 25 mm Vertikale Bretter 40 x 160 mm mit 50 mm Versatz nach oben und unten

Detailschnitt Wand–Decke

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Ausbau der Berghütte ‹Motterascio Michela› Die Berghütte ‹Motterascio Michela› liegt nahe der Grenze zum Kanton Graubünden im nördlichsten Zipfel des Kantons Tessin, am Eingang zur Greina-Hochebene, welche zu den Landschaften von nationaler Bedeutung zählt. Angesichts der stark angestiegenen Belegung der Hütte beschloss die Besitzerin, die Tessiner SAC-Sektion, deren Kapazität zu vergrössern und den dritten Ausbau seit der Inbetriebnahme im Jahr 1967 anzugehen. Die Bauherrschaft wollte nicht nur die Kapazität der Berghütte erweitern, sondern auch die Qualität weiter fördern. Insbesondere die starke Zunahme von Familienübernachtungen erforderte eine Anpassung des Angebots. Zudem sollte im Obergeschoss mit dem Umbau auch Wohnraum für das Hüttenpersonal geschaffen werden. Als Antwort auf dieses Pflichtenheft haben die Architekten eine zusätzliche, unabhängige Einheit vorgeschlagen. Diese ist als einfacher Baukörper konzipiert. Darin befinden sich Schlafräume mit je vier oder acht Betten. Zur Vermeidung von Energieverlusten sind die Fenster hier kleiner. Im bestehenden Teil wurde das Dachgeschoss in einen Schlafraum mit zehn Betten umgewandelt. Die niedrigen Möbel schaffen intimere und behaglichere Nischen. Die Möglichkeit zur vollständigen Vorfabrikation sowie die kurze Montagezeit auf der einen und schwierigste Zufahrtsverhältnisse auf der anderen Seite sprachen von Beginn an für eine Elementbauweise in Holz. Nur so war es letztlich möglich, den Baukörper mit dem Helikopter in einem Tag zu errichten. Für die Decken- und Dachelemente kamen primär vorgefertigte Rippenplatten mit unterschiedlichen Bauhöhen zum Einsatz. Die Elemente sind gedämmt, von unten mit einer Dreischichtplatte sichtbar bekleidet und oben mit einem Trockenestrich versehen. Für das Flachdach wurde das Gefälle von rund 60 mm in den vorgefertigten Rippenplatten berücksichtigt. Als einzige Ausnahme von dieser Deckenkonstruktion kamen über dem ersten Obergeschoss mit dem Aufenthaltsraum Hohlkastenelemente mit ab Werk gelieferter Schlitzung an der Unterseite für eine bessere Raumakustik zum Einsatz.

Schnitt

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Alle Wandelemente wurden in Holzrahmenbauweise gefertigt und sind innen mit einer sichtbar belassenen Dreischichtplatte beplankt. Die äussere Bekleidung in Kupfer ist dauerhaft und schützt den Bau hervorragend vor den extremen Klimaverhältnissen. Die braunschwarze Oxidationsfarbe der Bleche ermöglicht auch die passive Nutzung der Sonnenenergie durch Adsorption der Strahlung und lässt den Erweiterungsbau mit der Landschaft der Greina verschmelzen. Die Stromversorgung der Hütte wird von Photovoltaikpaneelen sichergestellt, welche ins architektonische Konzept eingegliedert wurden. Sie befinden sich auf der Südseite der Hütte im oberen Teil der Fassade und stellen so architektonisch eine Antwort auf das grosse Fenster im ersten Obergeschoss dar.

Situation

10 m

Erdgeschoss


1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

3. Obergeschoss

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Dachaufbau von aussen: Betonplatten 40 mm Dichtungsbahn Schaumglasdämmung Dampfsperre Dreischichtplatte 27 mm Rippenplatte mit Gefälle: Rippe 180–240 mm/Dämmung 100 mm Dreischichtplatte 27 mm, sichtbar belassen Deckenaufbau über 2. OG von oben: Dreischichtplatte 19 mm Estrichelement 25 mm Holzfaserdämmplatte 22 mm Dreischichtplatte 27 mm Rippenplatte: Rippe 100 mm/Dämmung Dreischichtplatte 60 mm, sichtbar belassen Deckenaufbau über 1. OG von oben: Dreischichtplatte 19 mm Estrichelement 25 mm Holzfaserdämmplatte 22 mm Hohlkastenelement 180 mm mit Akustik-Perforierung Deckenaufbau über EG von oben: Dreischichtplatte 27 mm in Lärche, sichtbar belassen Rippenplatte: Rippe 100 mm/Dämmung Dreischichtplatte 60 mm, sichtbar belassen Aufbau Aussenwand von innen: Dreischichtplatte 19 mm OSB 15 mm Rahmen 120 x 200 mm/Dämmung Mitteldichte Holzfaserplatte 15 mm Lattung 27 mm Dreischichtplatte 27 mm Kupferbekleidung

Fassadenschnitt

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Ort Alp Motterascio, 2172 m.ü.M., 6719 Aquila Bauherrschaft Schweizer Alpen-Club SAC, Sektion Tessin Architekten Baserga Mozzetti Architetti, Muralto Holzbau Gebr. Bissig Holzbau GmbH, Altdorf Materialien Konstruktionsholz: Rahmenbaukanteln 35 m3, Brettschichtholz 8 m3, Hohlkastenelemente 60 m2; Platten: Dreischichtplatten 1200 m2, OSB 500 m2, Gipsfaserplatten 750 m2 Gebäudekubatur SIA 116 860 m3 (Anbau), 940 m3 (bestehender Teil) Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 1050.– (Anbau), CHF 450.– (Umbau bestehender Teil) Bauzeit Juli–Oktober 2005 Fotograf Filippo Simonetti, Brunate (I)

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Zwei Einfamilienhäuser, Aranno Aranno liegt rund zehn Kilometer westlich von Lugano am Südosthang des Monte Lema. In der nur wenige hundert Seelen zählenden Gemeinde entstanden 2005 an bester Lage am Hang gleichzeitig zwei Einfamilienhäuser. Die beiden Häuser sind Hauptwohnsitz zweier verschiedener Bauherren mit jeweils ganz individuellen Bedürfnissen. Beide Häuser sind parallel zur bergwärts gelegenen Strasse ins naturbelassene Gelände mit leichter Abstufung eingefügt und stellen talwärts auf Stahlrohren und Betonpfeilern ab. Entlang der Nordgrenze des Grundstücks führt von der Strasse her ein Fussweg zu den Wohnhäusern. Von diesem Weg ist der Eingang des oberen Hauses gleich neben dem Parkplatz über wenige Tritte erreichbar. Zum unteren Haus folgt man dem Fussweg bis auf ein kleines Plateau, von wo ein Holzsteg zum Eingang im oben liegenden Wohngeschoss führt. Die Baukuben mit Flachdach sind in zwei gegenseitig verschobene Raumeinheiten gegliedert. Deren Raumeinteilung orientiert sich hauptsächlich gegen Südwesten, talwärts über die weiten Naturräume des Monte Lema

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mit seinen am Hang klebenden Dörfern. Diese Orientierung ist an den ausdrucksvollen Fassaden mit den grossen Glasfronten und Fenstern, aber auch an den grosszügigen Terrassen abzulesen. Die weitere Raumeinteilung wurde anhand der Bauherrenbedürfnisse angelegt und ist entsprechend in beiden Häusern sehr verschieden. Einzige Gemeinsamkeit bleibt die konsequente Trennung in ein Wohn- und ein Zimmergeschoss, welche über offene Treppen verbunden sind. Entsprechend wirkt die Fassadenbekleidung aus rhomboiden Brettern in unbehandelter Lärche wie selbstverständlich passend in die Landschaft eingebettet. Die Holzrahmenbauelemente der Aussenwände sowie die Elemente der Flachdächer und der Decken ermöglichten zudem mit Dämmstärken von mindestens 200 mm einen hohen thermischen Komfort bei geringem Energieverbrauch. Die innere Beplankung der Dach- und Deckenelemente aus Dreischichtplatten ist weiss lasiert sichtbar belassen, die Wände sind weiss verputzt. Die gesamten Böden der Innenbereiche bestehen aus massivem Bambus und verlaufen übergangslos zu den aussenliegenden Terrassen mit Lärchenrost.

Situation


Wohngeschoss unteres Haus

Zimmergeschoss unteres Haus

Ort 6994 Aranno Bauherrschaft Paolo und Margherita Farina sowie Silvana Bernasconi Architekt Sergio Grignoli, Architekturbüro, Cureglia Holzbau Xilema, Bedano Materialien (pro Haus) Konstruktionsholz: Rahmenbaukanteln und Brettschichtholz 16,5 m3; Dreischichtplatten 19 mm und 27 mm 396 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 525 000.– (pro Haus) Nutzfläche 165 m2 (oberes Haus), 160 m2 (unteres Haus), 50 m2 (Terrasse pro Haus) Kubatur SIA 116 800 m3 (pro Haus) Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) CHF 656.– Bauzeit März–August 2005 (oberes Haus), Juni–November 2005 (unteres Haus) Fotograf Sergio Grignoli, Cureglia

Querschnitt

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Zimmergeschoss oberes Haus

Wohngeschoss oberes Haus

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Dachaufbau von aussen: Dachabdichtung mit Bitumenbahnen Rohschalung 22 mm Lattung 60 x 80 mm/Hinterlüftung Hohlkastenelemente: Diffusionsoffene Holzfaserplatte 15 mm Rippen 60 x 200 mm/Dämmung Dampfbremse Dreischichtplatte 19 mm, weiss lasiert Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm Lattung 40 x 60 mm/Dämmung OSB 16 mm, an den Stössen luftdicht abgeklebt Ständer 160 mm/Dämmung Holzfaserdämmplatte 16 mm Lattung 30 x 50 mm Rhomboidschalung horizontal in Lärche 22 x 90 mm Deckenaufbau von oben: Bodenbelag in Bambus Spanplatte 25 mm Lattung 40 x 60 mm/Dämmung Hohlkastenelemente: OSB 30 mm Dampfbremse (nur bei der Decke auf der Pfählung) Rippen 80 x 200 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm

Fassadenschnitt

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Verwaltungs- und Entwicklungsgebäude Hugo Boss, Coldrerio Der Konzern Hugo Boss baut für sich in der Oase eines Tessiner Tälchens. Das Gebäude liegt als Solitär zwischen hochgewachsenen Bäumen in einer Bachsenke und orientiert sich allseitig ins Grüne. Vor dem Eingang im Westen liegt ein grosser Freibereich, der weiter bebaut werden kann und den Bach als Element einbindet. Holz wird hier zum Bindeglied zwischen Hugo Boss-Lifestyle und Natur. Eine vorgehängte, raumschichtbildende Holzstruktur verleiht dem Gebäude Massstablosigkeit bis hin zur körperhaften Gesamterscheinung. Gebogene Brettschichtholzträger bilden in der Fortführung des Dachtragwerkes das Skelett der gekrümmten Hülle. Holzrauten und Membrane symbolisieren das Thema Textilien. Sich kreuzende Fäden, in Folie geschweisst, und sich kreuzende Holzrhomben, handwerklich ornamental gefügt, ergeben jeweils für sich ein ‹weiches Gewebe›, das sich in gekrümmten Ebenen spannen lässt. Die Membrane schmiegt sich dem Holzskelett an, nimmt die Form auf und vollendet sie unter Fortführung der Dynamik. Funktional betrachtet bildet sie einen vorgelagerten Witterungsschutz mit anteiliger Verschattung und garantiert so Dauerhaftigkeit und Aufenthaltsqualität. Die thermische Hülle bilden Holzständerelemente im Wechsel mit umlaufenden Bandfenstern. Durch die Verblendung der massiven

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Brüstungselemente mit schwarz emailliertem Glas entsteht ein homogener, prägnanter Glaskubus. Er fungiert als zurückgenommener Hintergrund für die Holzstruktur, verschwindet durch Spiegelung der allseitig grünen Landschaft oft fast und steht mit der Hüllstruktur in reizvollem Widerspiel. Im Innenraum zeigt sich Holz nach dem Prinzip ‹high touch – low colour›: Lasuren nehmen die Farbigkeit zugunsten einer neutralen Arbeitswelt zurück. Die Maserung bleibt erfahrbar. Das Tragsystem aus Stützen und Platten lässt eine flexible Raumeinteilung zu. Es entsteht ein offenes Raumkonzept mit allseitigem Ausund Durchblick ins Grüne: Aussen und Innen verbinden sich. Die über alle Ebenen angelegten offenen Räume umgeben ein zentrales Atrium, das für eine ausreichende Belichtung der Ebenen sorgt und an dessen Stirnseiten sich die vertikale Erschliessung anlagert. Das Atrium dient als Raum im Raum der geschossweisen Verbindung, als Ort der Begegnung und des Geschehens, und ist damit identitätsstiftendes Mittel zur Mitarbeiterbindung und Firmendarstellung. An den zentralen Licht- und Kommunikationshof gliedern sich zwei aussteifende Betonkerne. Sie enthalten die gesamte technische Infrastruktur und ermöglichen die vertikale Verteilung. Die weitere horizontale Technikverteilung erfolgt im zentralen, längsgerichteten Technik-Strang.

Die offene Raumstruktur im Gebäudeinneren sorgt für guten Licht- und Sichtbezug, auch für die weiter innen liegenden Arbeitsplätze. Eine Raumhöhe von über drei Meter, die hellen Farbtöne und die grosszügige Belichtung von innen über das Atrium tragen zum Nutzungskomfort bei. Sorgfältig auf die Tageslichtplanung abgestimmt ist der Fixsonnenschutz durch die vorgesetzte Holzfassade, insbesondere durch die Fluchtbalkonroste und das textile Vordach bei höherem Sonnenstand, ergänzt durch einen beweglichen, aussenliegenden Sonnen- und Blendschutz. In Verbindung mit der hohen Wärmespeicherfähigkeit im Gebäude und einem im Estrich integrierten System für die Raumkonditionierung (Vorlauftemperaturen zur Kühlung 17–19 °C, zum Heizen 20–24 °C) ergibt sich ein einfacher Selbstregelungseffekt für die Raumtemperierung. Die hohe Kompaktheit des Gebäudes, Holzrahmenbauelemente in der Fassade mit niedrigem Wärmedurchgangskoeffizienten und hochwertige DreischeibenWärmeschutzgläser tragen zur Stabilisierung des thermischen inneren Wärmeausgleichs bei. Fast selbstverständlich scheint der Einsatz einer Wärmerückgewinnung in der für die Regelbüroflächen ausschliesslich mit Frischluft betriebenen, einfachen Lüftung. Bei der Wahl für die Tragkonstruktion waren die wichtigsten Parameter die Spannweite mit fast 14 Meter, eine strikte Begrenzung der ge-


Erdgeschoss

30 m

2. Obergeschoss

Querschnitt

samten Bauhöhe durch gesetzliche Auflagen und der Wunsch der Bauherrschaft nach einem Leichtbau unter Verwendung von Holz bei gleichzeitig hohen Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit (Schallschutz und Schwingen der Decken). Daraus entstanden ist ein Skelett aus Stahl, Holz und Beton. Geschossweise gestossene Pendelstützen aus Stahl sind in einem Raster von 4,80 x13,65 Meter angeordnet. Darüber spannen Einfeldträger mit beidseitigen Kragarmen aus handelsüblichen Stahl-Walzprofilen, die bei der Gebäudehülle jeweils thermisch getrennt sind. Das Nebentragsystem ist eine 120 mm starke Brettstapeldecke mit Akustikprofil. Sie wirkt im Verbund mit 100 mm Überbeton, wobei die Schubsteifigkeit dazwischen über Flachstahlbänder sichergestellt wird. Die Betonplatte versteift aber nicht nur die Brettstapeldecke, sie ist ebenso mit dem Hauptträger aus Stahl verbunden und gewährleistet dadurch eine ausreichende Steifigkeit des Gesamtsystems. Der fugenlose Beton bildet zudem die aussteifende, horizontale Scheibe, welche die ‹gependelte› Struktur zusammen mit den beiden 50 Meter auseinander liegenden Erschliessungskernen stabilisiert. Analog zu den Decken ist das Dach aufgebaut, jedoch komplett in Holz. Brettschichtholzträger treten an die Stelle der Stahlprofile, und eine Scheibe aus Holzwerkstoffplatten (OSB-3, 18 mm) übernimmt die aussteifende

Funktion des Betons. Über dem Lichthof ist die Fixverglasung direkt auf die Holzträger geklemmt. Die opaken Teile der Fassade sind konventionelle Holzrahmenelemente von 220 mm Stärke, mit einer hinterlüfteten Aussenhaut aus emailliertem Glas. Den beiden Obergeschossen vorgelagert sind umlaufende Balkone. Die darübergespannte Rautenkonstruktion in Lärche definiert zusammen mit der transluzenten Abdeckung aus einer Ethylen-Tetrafluorethylen-(ETFE)-Membran einen geschützten Bezugsraum zur Aussenwelt, der Natur.

Situation

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Rautenkonstruktion: Rahmen, Brettschichtholz in Lärche, 140 x 300 mm Rauten, Brettschichtholz in Lärche, 180 x 60 mm ETFE-Membran mit eingeschweisstem Gewebe Dachaufbau von aussen: Bitumenbahn zweilagig Mineralwolle 200 mm Bitumenbahn (Dampfsperre) OSB 18 mm (Scheibe) Brettstapelelemente in Fichte 120 mm Brettschichtholzträger in Fichte 320 x 480-800 mm Aufbau Aussenwand von innen: Naturgipsplatte mit Akustik-Perforation 16 mm Akustik-Vlies Lattung 40 mm/Dämmung OSB 25 mm Ständer 60 x 220 mm/Dämmung Mitteldichte Holzfaserplatte 16 mm Lattung 80 mm Glas 8 mm, schwarz emailliert Deckenaufbau von oben: Fertigstabparkett Eiche 8 mm Estrich 65 mm mit integrierten Heiz- und Kühlelementen Trennlage Trittschalldämmung 35 mm Verbunddecke: Überbeton 100 mm Brettstapelelemente, Fichte, C24, 120 mm mit Akustikprofil Stahlträger HEA 600, S 235

Fassadenschnitt

Detail Deckenaufbau: Das sekundäre Tragsystem aus einem Verbund von 100 mm Überbeton und Brettstapelelementen von 120 mm mit Flachstahlbändern als Schubverbindung bildet gleichzeitig über Stahlbolzen einen Verbund zum primären Tragsystem aus Stahl, was die Gesamtsteifigkeit des Systems erhöht.

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Ort Via Sant’ Apollonia 32, 6877 Coldrerio Bauherrschaft Hugo Boss Industries (Switzerland) Ltd. Architekten Matteo Thun & Partners, Mailand (I) Ingenieur Betonbau Comal e Associati SA, Morbio Inferiore Ingenieur Stahl- und Holzbau Merz Kaufmann Partner, Altenrhein GU oa.sys Systemhaus GmbH, Alberschwende (A) Materialien Konstruktionsholz: Brettschichtholz Fichte 220 m3, Brettschichtholz Lärche 60 m3, Brettstapelelemente 900 m3; Platten: OSB 3200 m2, mitteldichte Holzfaserplatten 1100 m2; Stahlbau 350 Tonnen Grundstücksfläche 10 500 m2 Geschossfläche 2890 m2 Nutzfläche 14 460 m2 Gebäudevolumen 54 140 m3 Bauzeit März 2005–Juli 2006 Fotograf Florian Koehler, Mailand-Kochel (I)

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Weitere Tessiner Holzbauten im Überblick 8

Multifunktionaler Unterstand in Copera, San Antonino Bauherrschaft Ufficio Costruzioni Federali, circ. 2, Lugano Architektur Marius Andreetti, Lugano Holzbau Carpenteria Alpina SA, Grono, und Olivier Veuve, La Forclaz Baujahr 1998

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Haus Conceprio, Corzoneso

Bootshaus, Caslano

Bauherrschaft Familie Conceprio Architektur Conceprio & Piazzini, Osogna Holzbau Xilema, Bedano Baujahr 2000

Bauherrschaft Mario Veragouth, Bedano Architektur Bruno Keller, Lugano Holzbau Xilema, Bedano Baujahr 2001

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Zollstation Chiasso Brogeda

Haus Valli, Morbio Inferiore

Haus Descamps, Novaggio

Bauherrschaft Amministrazione federale delle dogane, Direzione del IV circondario, Lugano Architektur Cabrini Keller Verda, Lugano Holzbau Laube SA, Biasca, und Studer Peter Holzbau AG, Hägendorf Baujahr 2001

Bauherrschaft Familie Valli Architektur Cattaneo und Birindelli Architetti Associati, Balerna Holzbau Schaerholzbau, Altbüron Baujahr 2001

Bauherrschaft Irene und Hubert Descamps Architektur R. Regazzoni und P. Brack Architekten, Bellinzona Holzbau Schaerholzbau, Altbüron Baujahr 2001

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Bilder von Bauplanern und Ausführenden

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Haus Colombo, Sala Capriasca/Bigorio Bauherrschaft Familie Colombo Architektur Nicola Colombo, Sala Capriasca/Bigorio Holzbau Schaerholzbau, Altbüron Baujahr 2001

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Umbau eines Landwirtschaftsgebäudes, San Antonino Bauherrschaft Aleardo und Mariagrazia Zanni, San Antonino Architektur Teamwork, Tottoli Luigi, Lugano Holzbau Laube SA, Biasca Baujahr 2002

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Ferienhäuser Crivelli und Peyer, Locarno/Cardada Bauherrschaft Claudio Crivelli und Paul Peyer, Locarno Architektur Mario Botta, Studio d’architettura, Lugano Holzbau Giacomazzi e Ruffini SA, Avegno Baujahr 2002

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Einfamilienhaus, Olivone Bauherrschaft Gabriele Conceprio, Olivone Architektur Conceprio & Piazzini, Osogna Holzbau Laube SA, Biasca Baujahr 2002

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Ersatzbau für Vierfachkindergarten, Giubiasco Bauherrschaft Gemeinde Giubiasco Architektur Doninelli Livio und Renato SA, Bellinzona Holzbau Laube SA, Biasca Baujahr 2004

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Neu- und Umbau zu Passivhaus, Calpiogna Bauherrschaft M. und M. Canevascini sowie G. Del Piero Architektur R. Regazzoni und P. Brack, Bellinzona Holzbau Schaerholzbau, Altbüron Baujahr 2003

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Erweiterungsbau der Sekundarschule, Castione Bauherrschaft Republica e Cantone Ticino, Dipartimento delle finanze e dell’economia, Divisione delle risorse, Sezione della logistica, Bellinzona Architektur Lorenzo Felder, Lugano Holzbau Xilema, Bedano Baujahr 2003

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Schulhaus, Preonzo

Zwei Einfamilienhäuser, Biasca

Bauherrschaft Gemeinde Preonzo Architektur Canonica & Rosselli, Prosito Holzbau Laube SA, Biasca Baujahr 2004

Bauherrschaft Claudio Vanzetta und Pierre Falconi, Biasca Architektur Ribo Architecture, Rivera Holzbau Laube SA, Biasca Baujahr 2005

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Haus Gnehm, Pianezzo

Einfamilienhaus, Aquila

Tanzschule, Chiasso

Bauherrschaft Familie Gnehm Architektur Renggli AG, Sursee Holzbau Renggli AG, Schötz Baujahr 2005

Bauherrschaft Graziano Rigiani, Aquila Architektur Bob Gysin + Partner AG, Zürich Holzbau Holzbau Kayser AG, Stans, und Maestrani Fratelli, Dangio Baujahr 2006

Bauherrschaft ARCO Architettura e Costruzioni SA, Chiasso Architektur ARCO Architettura e Costruzioni SA, Chiasso Holzbau Laube SA, Biasca Baujahr 2006

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EcoHotel Cristallina, Coglio

Bilder von Bauplanern und Ausführenden

Bauherrschaft M. Kälin, Albergo Cristallina, Coglio Architektur Michele e Francesco Bardelli, Locarno Holzbau Renggli AG, Schötz Baujahr 2003

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Rustikaler Umbau und Anbau, Prato Vallemaggia Bauherrschaft Barbara und Paul Peyer, Muralto Architektur Germano Mattei, Cavergno Holzbau Carpenteria Biadici, Peccia Baujahr 2004

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Zweifamilienhaus, Cureglia Bauherrschaft Francesco und Sara Guerriero-Sassi Architektur Stefano Tibiletti und Enrico Sassi, Lugano Holzbau Xilema, Bedano Baujahr 2004

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Stallung, Campo Blenio

Landwirtschaftsgebäude, Corzoneso

Umbau Theater OSC, Mendrisio

Bauherrschaft Gianni und Guiliano Martinelli, Campo Blenio Architektur Imperatori & Giamboni, Dongio Holzbau Laube SA, Biasca Baujahr 2005

Bauherrschaft Celso Donetta, Corzoneso Architektur Imperatori & Giamboni, Dongio Holzbau Laube SA, Biasca Baujahr 2005

Bauherrschaft Stato del Cantone Ticino Architektur Ivano Ghirlanda architetto FAS, Sorengo Holzbau Laube Augusto, Prosito Baujahr 2005

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Doppeleinfamilienhaus, Cademario

Einfamilienhaus, Dalpe

Bauherrschaft Familien Diem und Garbarino Architektur Piero Conconi, Bioggio Holzbau Renggli AG, Schötz Baujahr 2006

Bauherrschaft Fabrizio und Anna Zanetta, Dalpe Architektur Giorgio Guscetti, Ambri Holzbau Gebr. Bissig Holzbau GmbH, Altdorf Baujahr 2006

Renovation und Erweiterung Rustico, Iragna Bauherrschaft Martin und Beatrice Hügli, Iragna Architektur Moro & Moro, Locarno Holzbau Laube SA, Biasca Baujahr 2006

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Tessiner Holzbauten im Holzbulletin

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Wochenendhaus, Campo Vallemaggia

Casa minima, Gerra Gambarogno

Cristallina-Hütte, Bedretto

Bauherrschaft Familie Briccola, Giubiasco Architektur Roberto Briccola, Giubiasco Holzbau Carpenteria Alpina SA, Grono Publikation Holzbulletin 60/2001

Bauherrschaft VELA ISCOS (Sergio Vela), Locarno Architektur Britta & Francesco Buzzi, Locarno Holzbau Mosimann Holzbau, Köniz Publikation Holzbulletin 69/2003

Bauherrschaft SAC-Sektion Tessin Architektur Nicola Baserga und Christian Mozzetti, Muralto Holzbau Gebr. Bissig Holzbau GmbH, Altdorf Publikation Holzbulletin 70/2004

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Atelier Pedro Pedrazzini, Bugaro, Lavertezzo Piano Bauherrschaft Pedro Pedrazzini, Bugaro, Lavertezzo Piano Architektur Nicola Baserga und Christian Mozzetti, Muralto Holzbau Gebr. Bissig Holzbau GmbH, Altdorf Publikation Holzbulletin 71/2004

Gewerbezentrum Blenioart, Dongio Bauherrschaft Blenioart AG, Dongio Architektur Architekturbüro Giorgio Ceresa AG, Dongio Holzbau Laube SA, Biasca; Egg Holz Kälin AG, Egg Publikation Holzbulletin 75/2005

Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno Falkenstrasse 26 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 E-Mail info@lignum.ch Internet www.lignum.ch Holzbulletin, November 2006 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

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Verantwortlich Roland Brunner Redaktion Roland Brunner, Lignum; Mélanie Baschung und Denis Pflug, Lignum-Cedotec; Fulvio Giudici, Federlegno Ticino; Andrea Bernasconi, Mendrisio Gestaltung BN Graphics, Zürich Druck Kalt-Zehnder-Druck AG, Zug Administration, Abonnemente, Versand Andreas Hartmann, Lignum

ISSN 1420-0260 Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 100.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten. Lignum-Mitglieder erhalten das Holzbulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern.


Holzbulletin 81/2006