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Holzbulletin 75/2005 Gewerbe- und Industriebauten Neubau Produktionshalle Hector Egger, Langenthal Neubau Werkhalle Schaerholzbau, Altbüron Gewerbezentrum Blenioart, Dongio Werkhof Nationalstrasse A1, Bursins Bürotrakt und Unterstand für Reisecars, Laufen Wattwerk-Gebäude, Bubendorf Halle Ost der Kistenfabrik, Merenschwand

Zufahrt zur neuen Werkhalle in Altbüron. Bauherrschaft: Schaerholzbau AG, Altbüron Architekten: Blum und Grossenbacher, Langenthal, und Schaerholzbau AG, Altbüron


Dauer im Wechsel

Das ‹Holzbulletin› darf sich freuen: Das vorliegende Heft trägt die Nummer 75 und ist der Lignum deshalb eine Kerze wert, wie es die aussergewöhnliche Titelseite antönt. Der Moment regt zur Reflexion an: Was unterscheidet das ‹Holzbulletin› von heute von seinen Stammeltern – und welche Merkmale sind ihm umgekehrt über die Jahre, sozusagen als Chromosomensatz, erhalten geblieben, wenn man die Ausformung der Thematik, mit der die aktuelle Ausgabe antritt, über die Jahrzehnte zu vergleichen versucht? Jede Nummer des ‹Holzbulletins› ist seit 75 Ausgaben einzigartig. 1979 erschienen die ersten beiden Nummern (Nr. 1, Dorfzentrum Uitikon; Nr. 2, Festhalle Payerne) in Weiterentwicklung der 1939 begonnenen Serie ‹Holz in Technik und Wirtschaft› und der ab den sechziger Jahren eingeführten Zwischenform der ‹Technischen Hefte›. Zu Beginn wurden zwei bis drei ‹Holzbulletin›-Ausgaben pro Jahr veröffentlicht. Diese ersten Hefte präsentierten ein einziges Projekt auf bis zu 16 Seiten. Allmählich entstanden Themenhefte mit mehreren Objekten. Zu Beginn war das ‹Holzbulletin› zweisprachig; deutscher und französischer Text fanden sich im gleichen Heft. Ab 1988, mit der Nummer 17, änderte dies – das ‹Holzbulletin› erschien fortan sprachengetrennt. Eine weitere Zäsur markierte 1998 die Nummer 47, welche ab sofort wieder – die ‹Technischen Hefte› waren bunt – Farbe ins Heft brachte. Heute dokumentiert das vierteljährlich erscheinende ‹Holzbulletin› bis zu 24 Bauten pro Jahr. Die Palette zur Auswahl stehender Objekte hat sich im letzten Vierteljahrhundert unerhört verbreitert: War Ende der siebziger Jahre die Redaktion noch ein Sammeln, ist sie heute über weite Strecken ein Auswählen geworden. Entsprechend sorgfältig erfolgt auch die Themensetzung, welche sich an der Gebäudenutzung, an der Bauaufgabe oder auch einmal an einer Region orientieren kann. So finden sich zum Beispiel Bauten für Gewerbe und Industrie nicht nur im vorliegenden Heft des ‹Holzbulletins› mit der Jubiläumsnummer 75, sondern auch in verschiedenen früheren Ausgaben: 13/1985, Bauten für Industrie und Gewerbe; 18/1988, Gewerbliche und industrielle Bauten; 27/1991, Gewerbehallen; 35/1994, Hallen; 42/1996, Form und Funktion; 48/1998, Produktion, Lager, Veranstaltungen; 49/1998, Eins plus Eins; 50/1999, Holzbau amtlich bewilligt; 64/2002, Hallen und Hüllen. Wenn an dieser Stelle eine Aussage über die Differenz von Gegenwart und Vergangenheit anhand dieser konkreten Referenzpunkte angebracht ist, dann die, dass der Baustoff heute häufiger als positiv imageprägend wahrgenommen wird, weswegen Holz – ob konstruktiv oder gestaltend – gerade für die Kategorie der Gewerbe- und Industriebauten wohl noch vermehrt zum Einsatz kommen wird. Was es an einem Bauprojekt für Gewerbe und Industrie für den Bauherrn zu vereinen gibt, ist über die Jahre gleich geblieben: Orientiere ich mich in der Gestaltung an den eigenen Werten oder an den Vorstellungen meiner Kunden? Wie stark verbinde ich Betriebsabläufe und die Pflege der Kundenbeziehungen? Treffe ich die Baustoffwahl rein objektiv, oder folgt der primär eingesetzte Baustoff meiner Firmenphilosophie und damit auch subjektiven Gesichtspunkten? Die in diesem Heft präsentierten Objekte nehmen jedes für sich Bezug auf die gestellten Fragen. So zum Beispiel die beiden ersten Gewerbebauten von zwei klassischen Holzbauunternehmen, Hector Egger

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Holzbau in Langenthal und Schaerholzbau in Altbüron. Räumlich steht bei beiden eine Halle mit einer industriellen Produktion für die Holzelementbauweise im Zentrum. Doch manifestiert sich die Beziehung zum Kunden völlig unterschiedlich: In Langenthal lässt man den Kunden von einer umlaufenden Galerie aus, mittels Internet-Kameras oder Veranstaltungen am Produktionsgeschehen teilhaben und vermittelt gleichzeitig ein Bild von Innovation und hohem Technologiestandard. In Altbüron stehen die harmonische Eingliederung des Baukörpers in die traditionelle Kulturlandschaft sowie der Baukörper an sich mit seiner eigenwilligen Befensterung, mit der Fassadengliederung durch stehende Lamellen und dem Einbezug der umgebenden Landschaft in die Halle im Zentrum. Wieder ganz anders im Gewerbezentrum Blenioart in Dongio, initiiert von vier jungen Unternehmern. Mit der Schaffung des Zentrums wollen sie zur wirtschaftlichen Belebung der Region beitragen. Als ‹Visitenkarte› vermittelt das Gebäude ein dynamisches und modernes Bild und gliedert sich gleichzeitig sanft in die Landschaft ein. Nachvollziehbar im Sinne der Firmenphilosophie ist, dass der lokale Baustoff Holz aus dem Bleniotal zum Einsatz kam. Die Förderung nachhaltiger Entwicklung spielte beim Bau des Werkhofes an der Nationalstrasse A1 in Bursins, realisiert vom Kanton Waadt, eine ausschlaggebende Rolle. Die Vorgabe führte zu einem Gebäude, das hauptsächlich aus Holz besteht und beispielhaft zeigt, wie sich Nachhaltigkeit in Architektur umsetzen lässt. Beton wird benutzt, wo keine Alternativen sinnvoll sind, ansonsten kommt der leichte Baustoff Holz zum Tragen. Die persönliche Kundenpflege des Reisecar-Unternehmens Erich Saner beginnt schon zum Auftakt der Ferienreise. Die Reisegäste können bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln über den nahe gelegenen Bahnhof anreisen oder ihr Auto im Firmengelände auf eingezäunten Parkplätzen abstellen. Der Einsatz von Holz als bevorzugtem Baumaterial ergibt sich aus technischen Vorteilen wie Leichtigkeit und schneller Bauweise sowie aus der Bejahung eines innovativen Vorhabens. Der Holzrahmenbau ist die ideale Bauweise, wenn es um hochgedämmte Gebäudehüllen geht – so auch beim Wattwerk der Holinger Solar AG in Bubendorf. Bis zu 440 mm starke Aussenwandelemente mit 360 mm Dämmung und ein hochintegriertes Energiekonzept auf niedrigem Technikniveau erlaubten die Realisation des energieautarken Gewerbegebäudes in der Minergie-Plus-Klasse mit nur zwei Tagen Montagedauer. Zum einen sprachen die rein sachlichen Vorteile für Holz, jedoch rundet das Image dieses Baustoffes den Gesamtcharakter des Gebäudes ab. Holz war als Material für die neue Halle Ost zur Ergänzung der bestehenden Gebäudegruppe der Kistenfabrik Merenschwand gegeben. Um so entscheidender die Gestaltung: Die Umhüllung der Halle besteht aus einem licht- und luftdurchlässigen Screen aus Holz, welcher bewusst die visuelle Beziehung zwischen Innen und Aussen ins Spiel bringt.

Roland Brunner, Technische Kommunikation Lignum


Neubau Produktionshalle Hector Egger, Langenthal Die Hector Egger Holzbau AG hat eines der modernsten Holzbauzentren der Schweiz realisiert und setzt diesen Stand auch optisch in ihrem Neubau um. Der Baukörper von 80 Meter Länge, 30 Meter Breite und 17 Meter Höhe fasst die Produktionshalle sowie einen mehrgeschossigen, vielfältig genutzten Kopfbau, in dem die Büroräume liegen. Halle wie Kopfbau wurden unter Berücksichtigung eines objektbezogenen Brandschutzkonzeptes komplett in Holzbauweise realisiert. Das Erscheinungsbild wird an beiden Giebelseiten von hell behandelten Holzlamellen geprägt, die Wetter- und Sonnenschutz zugleich bieten. Die Neigung der Lamellen ist so gewählt, dass der Vorhang im Sommer möglichst wenig und im Winter möglichst viel Sonnenlicht in das Gebäude leitet. Die beiden Längsseiten der Halle werden von der Nutzung bestimmt: Das Vordach weist eine Höhe von 5,60 Meter auf und kann mit dem Seitenstapler mit Lagerware bis auf 5,50 Meter beschickt werden. Auf den Längsseiten ist der Lichteinfall minimal. Systematisch angeordnete Lichtkuppeln im Dach bringen aber zusammen mit dem Lichteintritt in den Giebeln genug Helligkeit in die Halle. Oberstes Ziel der auf die industrielle Holzelementbauweise ausgerichteten Produktion ist ein grösstmöglicher Vorfertigungsgrad. Konsequenterweise ist die Fabrikationshalle auf einen bis ins letzte Detail durchdachten Arbeitsfluss konzipiert und ausgelegt worden. Das beginnt am Eingangstor, wo die Balken sowie die plattenförmigen Werkstoffe termingenau angeliefert werden. Von dort gelangen sie zum Balkenbearbeitungscenter und zur modular konzipierten Multifunk-

tionsbrücke mit Schmetterlingswender. Der Abtransport der Elemente erfolgt auf der Hinterseite, welche mit sechs Toren über eine Breite von 25 Meter stützenfrei geöffnet werden kann. Im Bereich des Kopfbaus ist ein Zwischenboden für die Zwischenlagerung von Material mit einer Nutzlast von 1000 kg/m2 eingebaut, der als Holz-Beton-Verbunddecke ausgebildet ist. Die ganze Halle verfügt zudem über eine unterirdische Lagerhalle mit fünf Meter Höhe und 2000 m2 Lagerfläche. Der Zugang ist über einen 40-Tonnen-Lastwagenlift gelöst. Der viergeschossige Kopfbau, durch eine Brandmauer in Stahlbeton von der Produktionshalle getrennt und mit einem massiv gebauten Treppenhaus ausgerüstet, hat mit seinem Raumprogramm verschiedene Nutzfunktionen zu erfüllen. Das Erdgeschoss ist das Magazin. Während im ersten Obergeschoss die Sozialräume untergebracht sind, wird das zweite Obergeschoss als Grossraumbüro genutzt. Darüber ist ein grosszügiger Showroom angeordnet. Von den Sitzungszimmern aus gelangt man direkt auf die Galerie, die rund um die ganze Produktionshalle führt. Der gut 200 Meter lange Spaziergang auf 5,80 Meter Höhe bietet einen faszinierenden Überblick über den gesamten logistischen Ablauf und macht ihn so leicht nachvollziehbar. Das statische Konzept im Hallenbereich beruht auf einem quergespannten Haupttragsystem im Abstand von 5,62 Meter. Der Zweigelenkbogen (180 x 660 mm) mit Zugband (180 x 260 mm), beide in Brettschichtholz ausgeführt, überspannt 30 Meter stützenfrei und endet auf Pendelstützen (180 x 700 mm) in Brettschichtholz. Sowohl die Längs- als auch die Queraussteifung wird

mit der Ausbildung des Bogendachs als statischer Scheibe erreicht. Aus der Dachscheibe werden die Lasten in die als Fachwerk ausgebildete Giebelwand beziehungsweise in die Trennwand zwischen Halle und Kopfbau eingeleitet. Die Pendelstützen sind im oberen Bereich ausgeklinkt. Dort werden die Lasten aus der Kranbahn mit einem Stahlteil direkt eingeleitet. Eine Schnitzelheizung erzeugt die Heizwärme und entsorgt gleichzeitig die Holzabfälle. Die Dimensionierung der Heizkessel erfolgte entsprechend der Menge der anfallenden Holzabfälle. Mit der überschüssigen Heizwärme wird eine benachbarte Firma beliefert. Die Beheizung des eigenen Baukörpers erfolgt über eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung und Erdregister zum Ansaugen der Frischluft. Diese Haustechnik und die kompakte, gut gedämmte Gebäudehülle ermöglichten die Zertifizierung einer der grössten Schweizer Gewerbebauten nach Minergie.

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Ort Steinackerweg 18, 4901 Langenthal Bauherrschaft Hector Egger Holzbau AG, Langenthal; Inhaber: Paul Schär Architektur Paul Schär Bauingenieur Duppenthaler & Wälchli, Langenthal Ingenieur Holzbau Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Holzbau Hector Egger Holzbau AG, Langenthal; Roth Holzleimbau + Stahlbau AG, Burgdorf (Konstruktionsteile in BSH); Blumer BSB AG, Waldstatt (BSB-Fachwerkträger) Materialien Konstruktionsholz: Brettschichtholz 320 m3, Rahmenbaukanteln 165 m3; Platten: OSB 152 m3, Dreischichtplatten 35 m3; Schalung: für Akustik in Fichte 60 m3 Baukosten (BKP 2) CHF 5184 000.– Gebäudevolumen SIA 116 54 000 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 CHF 96.– Bauzeit Oktober 2002– August 2003

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Neubau Werkhalle Schaerholzbau, Altbüron Der Schaerholzbau AG genügten am bisherigen Standort in Grossdietwil die Platzverhältnisse für die zeitgemässe Produktion von Holzelementen im Wohn- und Gewerbebau nicht mehr. Deshalb entschied sich die Geschäftsleitung für einen Neubau in Altbüron. Das grosszügige Platzangebot im Neubau bietet den idealen Rahmen, um die Arbeitsabläufe optimal zu gestalten. Die neue, 78 Meter lange, 32 Meter breite und 10,5 Meter hohe Werkhalle ist eine Kombination von Stahlkonstruktion und Holzbau und wurde so konzipiert, dass sie sich harmonisch in die traditionelle Kulturlandschaft einfügt. Durch die unterschiedliche Anordnung von nur zwei Typen von Wandelementen entstand eine eigenwillige Befensterung, die Ausschnitte aus der umgebenden Landschaft in die Halle hereinholt, ohne aber dabei die Seitenwände zu unterbrechen. Entlang der Werkhalle lassen stehende Lamellen mit weissen Aussenkanten die Wände je nach Blickwinkel flächig oder gegliedert erscheinen. Die stirnseitigen Giebelwände sind geprägt von grossflächigen, halbtransparenten Fronten. Dadurch wirkt die Halle in der Richtung des Tals offen und durchscheinend. Die Hallenwände werden so als gliedernde Elemente in der Landschaft wahrgenommen. Eine Ergänzung erfuhr der Hallenbau am Südostgiebel mit einem betonierten Anbau für technische Installationen, wozu auch eine moderne Holzschnitzelheizung gehört. Das Terrain ist über den Technikraum geführt, was den ebenerdigen Zugang zum Zwischenboden im Südteil der Halle mit einer Nutzlast von 1000 kg/m2 erlaubt. Die Zufahrt zur Halle erfolgt von Norden. Durch sechs Tore lässt sich die nordwestliche Giebelwand auf der gesamten Breite öffnen. Hier werden die Werkstoffe angeliefert und die fertigen Holzelemente auf Pritschen wieder abtransportiert. Entlang der einen

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Längsfassade erfolgen der Zuschnitt der Balken und deren Zwischenlagerung. Im Bereich des Zwischenbodens ist das Rahmenholz gelagert, wo es gleichzeitig für die Elementfertigung kommissioniert wird. Entlang der anderen Längswand werden die Holzrahmenelemente auf Fabrikationstischen produziert. Eine kleine, über diese Fläche geführte Kranbahn mit Vakuumheber unterstützt die Herstellung. Am Ende der Elementfertigung ist die Arbeitsstation zum Ausdämmen der Elemente eingerichtet, von wo die fertigen Elemente auf die Pritschen verladen werden. Zum Bau der Gewerbehalle wurde jedes Material dort eingesetzt, wo es unter funktionellen, wirtschaftlichen und ästhetischen Gesichtspunkten Sinn machte. So bildet den Kern der neuen Werkhalle ein Stahlgerippe aus sechs Bindern mit einem Achsabstand von rund zehn Meter, paarweise mit Windverbänden zu drei tischartigen Böcken verbunden. Es dient als Tragkonstruktion in Querrichtung und für die fahrbaren Transportkräne (den erwähnten kleinen sowie einen grossen über die gesamte Hallenbreite). Über die Querträger in Stahl tragen Fachwerkbinder in Holz in der Längsrichtung. Sie sind in einem Abstand von rund 2,60 Meter angeordnet und bilden mit ihren unterschiedlichen Höhen gleichzeitig die Dachneigung in Querrichtung aus. Zwischen die Fachwerke sind Dachelemente in Holzrahmenbauweise eingehängt, welche 160 mm stark gedämmt und mit einer Akustikschalung verkleidet sind. Die Dachhaut über den Fachwerken besteht aus Trapezblech. Die ebenfalls mit 160 mm Mineralwolle gedämmten Wandelemente sind mit Kistenbrettern in Fichte/Tanne verkleidet, die aussen als sägerohe, vertikale Wechselfalzschalung und innen als leicht gehobelte Akustikschalung über eine Luftdichtigkeitsbahn montiert wurden. Die markant sichtbaren, stehenden Lamellen messen

in der Tiefe rund 700 mm und 400 mm in der Breite und wurden so konstruiert, dass die Windlasten von den Wänden auf den Boden und das Dach abgegeben werden können. Die sehr wirtschaftliche Konstruktion nutzt bestmöglich das natürliche Tageslicht. Dazu wurden neben der grösszügigen Befensterung in allen Fassaden zusätzlich im Dachbereich zwei Oblichter als vorgefertigte Module von 5 Meter Breite, 10,4 Meter Länge und 3,5 Meter Höhe eingebaut und auf die Querträger gestellt.

Situation


Ort Kreuzmatte, 6147 Altbüron Bauherrschaft Schaerholzbau AG, Altbüron Architekten Blum und Grossenbacher, Langenthal, und Schaerholzbau AG, Altbüron Holzbau Schaerholzbau AG, Altbüron Materialien Konstruktionsholz: Brettschichtholz und Massivholz 250 m3; Schalung: für Akustikverkleidung und Fassade 5900 m2 (rund 50 km) Baukosten (BKP 2) CHF 1900 000.– Geschossfläche 3895 m2, davon Fläche für Produktion 3000 m2 Gebäudevolumen SIA 116 29 380 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 CHF 70.– Baujahr 2001

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Gewerbezentrum Blenioart, Dongio Die Initiative für dieses Projekt ging von vier jungen Unternehmern aus. Mit der Schaffung eines Gewerbezentrums zur Ansiedlung von handwerklichen Betrieben und Bürogemeinschaften wollten sie zur wirtschaftlichen Belebung einer abgeschiedenen Region beitragen. Das Gebäude war auch als ‹Visitenkarte› für die darin untergebrachten Unternehmungen gedacht und bedurfte deshalb eines architektonischen Lokalbezugs. Die Wahl fiel auf eine Konstruktion aus Holz, welches im Bleniotal als natürliche Ressource im Überfluss zur Verfügung steht. Das fernab der Gotthardachse gelegene Bleniotal ist eine Region mit eingeschränkten wirtschaftlichen Perspektiven. Vier junge Unternehmer haben ihre Kräfte gebündelt, um in einem gemeinsamen Projekt den Wind des Aufschwungs ins Tal zu bringen. Ihre Idee war es, verschiedene Unternehmen des Ortes unter einem gemeinsamen Dach zu vereinigen. Dadurch sollten sich Gemeinschaftsräume teilen, Betriebskosten senken sowie Synergieeffekte schaffen und nutzen lassen. Die Idee stiess von Anfang an auf grosses Echo. Ihre Realisierung wurde schliesslich möglich dank Unterstützung seitens des Kantons und des Bundes. Bei der Wahl des Standortes standen strategische Überlegungen im Vordergrund. Das Dorf Dongio befindet sich zwar am Eingang

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zum mittleren Bleniotal, ist aber nicht allzu weit entfernt von den regionalen städtischen Zentren wie Biasca und Bellinzona. Das flache Gelände beim Dorfeingang ist ideal gelegen, da es unmittelbar an die Hauptstrasse des Tals angrenzt. Das Gebäude des Gewerbezentrums sollte ein dynamisches und modernes Bild zeigen und sich gleichzeitig sanft in die Landschaft eingliedern. Es hatte zweckmässig zu sein, und die interne Organisation sollte sich modular gestalten lassen. Gefordert waren zudem eine kurze Realisierungszeit, möglichst tiefe Kosten sowie Sparsamkeit im Ausbau. Der Baustoff Holz kam diesen architektonischen Vorgaben nicht nur in idealer Art und Weise entgegen, sondern punktet zugleich auch durch ausgezeichnete ökologische Eigenschaften. Das rechteckige Gebäude liegt senkrecht zur Strasse und ist in zwei verschiedene Teile gegliedert. Der Teil aus Holz beherbergt die handwerklichen Betriebe und die Büros. In einem zentralen Kern aus Beton sind die gemeinsamen Nutzungsbereiche untergebracht: Sitzungszimmer, Treppenhaus, Toiletten. Dieser Kern übernimmt zudem die Stabilisierung des Gebäudes. Die Tragstruktur des Holzteils baut auf einer Betonplatte auf und ist in Skelettbauweise realisiert. Dies erlaubt die Gliederung in offene Räume und maximale Flexibilität bei der Unterteilung. Die

als Hohlkasten ausgeführten Deckenelemente des Obergeschosses tragen als Zweifeldträger über eine Spannweite von jeweils sieben Meter und lagern dabei auf dem Skelettbau in Holz. Die vorfabrizierten, nichttragenden Holzrahmenelemente der Fassade integrieren in optimaler Art und Weise die Aussenbekleidung, welche aus horizontalem, unbehandeltem Lärchentäfer und einer Sonnenblende besteht. Um Kosten zu sparen, wurde die Inneneinrichtung der Räume den zukünftigen Mietern überlassen. Sie können diese je nach ihren Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten individuell gestalten. Die Südfassade ist grossflächig verglast, was eine optimale passive Sonnenenergienutzung erlaubt. Die Nordseite ist mit kleineren, teilweise durchbrochenen Öffnungen versehen, welche die Wärmeverluste begrenzen. Zur Wärmeerzeugung steht eine Stückholzheizung (Holzherkunft Bleniotal) zur Verfügung. Sonnenkollektoren auf dem Dach sorgen für Brauchwarmwasser. Alle technischen Anlagen sowie der Lagerraum für das Stückholz sind in einem kleinen Aussenanbau untergebracht. Dieser lehnt sich an die Stützmauer an und besteht ebenfalls aus vorfabrizierten, mit vertikalen Lamellen verkleideten Elementen. Dank der räumlichen Trennung des Technikraums hat man sich eine maximale Freiheit hinsichtlich einer zukünftigen horizontalen oder vertikalen Erwei-


terung des Hauptgebäudes offengelassen. Zu Beginn der Bauarbeiten standen rund ein Drittel der Räume noch leer. Dann aber stieg das Interesse schnell an. Heute beherbergt das Gewerbezentrum Blenioart AG acht kleine und mittlere Unternehmen verschiedenster Branchen: Planungs- und Beratungsbüros (Architekten, Ingenieure), kleine Gewerbebetriebe (Schreinerei, Ofenbau) sowie eine Tierarztpraxis. Zwischen den einzelnen Firmen liessen sich bereits zahlreiche Synergien nutzen, und das Gewerbezentrum ist in der lokalen Bevölkerung gut verankert. Mit einer Bauzeit von nur sechs Monaten und tiefen Baukosten konnten die zu Beginn festgelegten Vorgaben erfüllt werden. Dank der Dynamik der jungen Unternehmer verbreitet sich von Dongio aus heute eine positive Stimmung über die ganze Region.

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Erdgeschoss

Obergeschoss

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Situation

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Ort 6715 Dongio Bauherrschaft Blenioart AG, Dongio Architekten Architekturbüro Giorgio Ceresa AG, Dongio Bauingenieure Ingenieurbüro Lucchini–David–Mariotta AG, Dongio Ingenieure HKLS Ingenieurbüro Guglielmetti, Torre Holzbau Laube AG, Biasca (Holzbau); Egg Holz Kälin AG, Egg (Hohlkastenelemente); Oliva AG, Motto und Truaisch & Derighetti GmbH, Dongio (Schreinerei) Baukosten CHF 1 843 225.– Geschossfläche 980 m2 Gebäudevolumen SIA 116 4655 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 396.– Bauzeit April–September 2003


Werkhof Nationalstrasse A1, Bursins 1999 schrieb der Kanton Waadt einen zweistufigen Wettbewerb für den Bau eines neuen Werkhofs für den Nationalstrassenunterhalt in Bursins aus. Der Neubau sollte die alten Unterhaltsgebäude ersetzen, welche 1964 gleichzeitig mit der Nationalstrasse A1 erstellt worden waren. Die Vorgaben für den Wettbewerb hatten für die Westschweiz insofern Premierencharakter, als die Bauherrschaft verlangte, dass der Aspekt nachhaltiger Entwicklung in die Erarbeitung des Projektes einbezogen werden müsse. So entstand ein Gebäude, welches hauptsächlich aus Holz besteht und beispielhaft zeigt, wie sich Nachhaltigkeit in Architektur umsetzen lässt. Der neue Werkhof von Bursins an der Nationalstrasse A1, zwischen dem Genfersee und den Weinbergen gelegen, fügt sich nahtlos in die Weinbauregion ‹La Côte› ein, welche Aufnahme ins Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) gefunden hat. Erstellt wurde er auf einem freien, schalenförmigen Grundstück in der Nähe der Autobahnraststätte ‹La Côte› und der bestehenden Unterhaltsgebäude. Der Bauplan sah einen Verwaltungstrakt für das Personal des Werkhofs und für die Polizei sowie eine dreimal so grosse Halle für die Lagerung des Materials und den Unterhalt der schweren Fahrzeuge vor. Die Raumanordnung hatte genügend flexibel zu sein, um zukünftige Veränderungen und, falls nötig, neue Zweckbestimmungen der einzelnen Räume zu ermöglichen. Zudem musste der Betrieb des Werkhofs auch während der Bauphase aufrechterhalten bleiben. Deshalb erfolgte der Neubau in Etappen. Die nüchterne Architektur des Gebäudes und seine einfache und zweckmässige räumliche Konzeption widerspiegeln die Sparsamkeit, von welcher die Ausarbeitung des Projektes geleitet wurde. Zwei lange, nebeneinander angeordnete und ineinander verschachtelte Riegel vereinigen unter einem Dach die Büro-

räume, welche in Zwischengeschossen zur Südseite hin angeordnet sind, und die technische Halle mit den Werkstätten, den Garagen und den Lagerräumen. Dank dieser Anordnung lassen sich die Verschiebungen zwischen den einzelnen Bereichen reduzieren, ohne die Fahrzeuge und Geräte der Witterung aussetzen zu müssen. Gleichzeitig wird Augenkontakt geschaffen zwischen dem administrativen und dem technischen Personal. Bei der Gestaltung der räumlichen Anordnung legte man Wert darauf, dem natürlichen Licht möglichst überall freien Zugang zu verschaffen und den Bedarf an Kunstlicht dadurch auf ein Minimum zu reduzieren. Die gewählte konstruktive Lösung besteht in einer Mischung aus Holz und Beton. Die Pfeiler müssen allfälligen Anprallstössen von Lastwagen gewachsen sein und sind deshalb aus Beton. Die Sekundärstrukturen dagegen – Balken, Träger, Inneneinrichtung – sind aus Holz. Die Vorfabrikation der Elemente erlaubte ein modulares Bauprinzip und einen etappenweisen Baufortschritt. Die Südfassade ist mit unverglasten Sonnenkollektoren versehen. Dieselbe schwarze Metallverkleidung dient als einfaches Blech zur Verkleidung der übrigen Fassade. Das Dach ist begrünt. Was die Fundationen betrifft, hätten die geotechnischen Gegebenheiten – wenig tragfähiger Untergrund – und die Geometrie des Gebäudes eigentlich zwei durchlässige Fundationspfähle erfordert. In Anbetracht der zähen Sohle und des aufgeschütteten und verdichteten Untergrundes entschieden sich die Architekten nach reiflicher Überlegung jedoch für eine andere Lösung, welche auch günstig für die Umwelt ist. So entstand ein Gebäude, das mehr auf den Boden aufgesetzt als in der Tiefe verankert ist. Diese Struktur von begrenzter Tragfähigkeit macht die Verwendung von leichten Baumaterialien – im vorliegenden Fall von Holz – notwendig und ist zugleich in der Lage, die feinen Bewegungen, welchen der Bau ausgesetzt ist, aufzufangen. Für die Aufschüttungen konnte

Abfallmaterial von einer anderen Baustelle verwendet werden. Die für den Fahrzeugverkehr notwendigen wasserundurchlässigen Flächen wurden auf ein Minimum beschränkt. Ein Rückhaltebassin fängt das Regenwasser auf und verhindert, dass das im Betrieb anfallende Abwasser in die Bäche und den See fliesst. Das Gebäude wurde an ein bestehendes, für die Bewässerung der Weinberge erstelltes Wassernetz angeschlossen. Dieses Wasser ist nicht trinkbar und wird für den Betrieb des Werkhofs gebraucht (Reinigung der Fahrzeuge, Bewässerung, WC). Für die Lavabos, die Duschen und die Küche steht Wasser aus dem Trinkwassernetz zur Verfügung. Der Heizenergiebedarf ist im Verhältnis zum Bauvolumen sehr gering. Für den grössten Teil der Räumlichkeiten genügt es, ein Unterschreiten der Frostgrenze zu verhindern. Die Deckung des Heizenergiebedarfs erfolgt ausschliesslich mittels erneuerbarer Energien. Gewählt wurde eine Kombination von Solarund Holzenergie. Die Solarkollektoren auf der Südseite des Gebäudes decken ungefähr 40 % des Wärmebedarfs und stellen die Brauchwarmwassererzeugung im Sommer sicher. Die restlichen 60 % deckt eine Holzfeuerung. Sie ist zwischen November und März in Betrieb und verbrennt Grünschnitzel, welche bei der Pflege der Autobahnböschungen anfallen. Die Büroräumlichkeiten verfügen über eine kontrollierte Lüftung. Im Sommer sorgen Erdsonden für ein kühles Klima. In den Garagen sind Detektoren installiert. Beim Austritt von zuviel Abgasen lösen sie automatisch das Öffnen der Fenster und damit die natürliche Lüftung aus.

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Ort En Mely, 1183 Bursins Bauherrschaft Kanton Waadt, Departement für Infrastrukturen (Amt für Gebäude, Denkmäler und Archäologie; Strassendienst), Lausanne; Projektleiter: Jacques-Victor Pitteloud Architekten Atelier niv-o, Ivo Frei Architekt EPFL FAS SIA, Lausanne Bauingenieure Chabloz & Partner AG, Ingenieure, Lausanne Ingenieure HKLS Keller – Burnier, Ingenieure, Lavigny Holzbau JPF SA, Bulle Holzeinsatz 1950 m3 Baukosten (BKP 1–9) CHF 34 Mio. Geschossfläche 8545 m2 Gebäudevolumen SIA 116 57 000 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 (BKP 2) 376.– Bauzeit 2004–2005 (1. Etappe), 2005–2006 (2. Etappe)

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chauff ch auffage de sol sol

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Erdgeschoss

Obergeschoss

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Bürotrakt und Unterstand für Reisecars, Laufen Das Reisecar-Unternehmen Erich Saner wollte seine Basler Filiale mit dem Hauptsitz in Büsserach zusammenlegen. Dafür wurde eine grössere Parzelle gesucht. Als Ideallösung sollte diese in der Nähe eines Bahnhofs liegen, damit die Kunden auch mit dem Zug anreisen, in die komfortablen Reisecars umsteigen und ohne Stress in die Ferien fahren können. In Laufen an der Ziegeleistrasse wurde man bei der Parzellensuche fündig. Der neue Sitz des Unternehmens liegt in der Industrie- und Gewerbezone zwischen dem Bahnhofareal und der Birs. Nicht alle Gäste reisen mit der Bahn an, einige kommen auch mit dem Auto. Deshalb verfügt das Gelände über eine grosse Zahl eingezäunter Parkplätze. Während der Ferien werden sie den Kunden vom Reiseunternehmen gratis zur Verfügung gestellt. Die acht Reisecars sind immer sauber und startklar unter einem offenen, gedeckten Unterstand eingestellt. Die von der Bauherrschaft gewünschte Waschanlage ist darin integriert. Angrenzend an den Carport findet sich der Bürotrakt. Ursprünglich waren nur zwei Geschosse über Terrain geplant. Aus dieser Erstidee entwickelte sich dann aber im intensiven Austausch zwischen Bauherrschaft und Architekten ein dreigeschossiger Bürotrakt mit Unterkellerung. Im Untergeschoss stehen neben Archiv- und Technikräumen Garderoberäume mit Dusche für Chauffeure und Angestellte zur Verfügung. Das Erdgeschoss wird vom Reisebüro genutzt. Hier sind die Büroräumlichkeiten, Besprechungszimmer und ein Warteraum für die Kunden eingerichtet. Das erste und zweite Obergeschoss mit Grossraumbüros sind vermietet. Der Unterstand für die Reisebusse und der Bürotrakt wurden in Holzbauweise ausgeführt, wobei das Treppenhaus im Sinne des Brandschutzes massiv in Beton und Kalksandstein erstellt wurde. Holz als bevorzugtes

Baumaterial kam wegen seiner Leichtigkeit und aufgrund der schnelleren Realisierbarkeit des Projektes, aber auch aus der Bereitschaft zu einem innovativen Vorhaben zum Zug. So kamen unter anderem eine Tragkonstruktion sowie brandabschnittsbildende Bauteile mit 60 Minuten Feuerwiderstand in Holzbauweise im Rahmen eines objektbezogenen Brandschutzkonzeptes zum Einsatz. Aus demselben Grund ist die gesamte Fassade nichtbrennbar ausgeführt. So besteht der nichttragende Wandaufbau der Nord- und der Ostfassade aus einem mit Steinwolle gedämmten Holzrahmenbau von 140 mm Stärke und einer zusätzlichen äusseren Dämmung von 52 mm aus einer Holzfaserdämmplatte. Diese Elemente sind innen mit 15 mm OSB und aussen mit Gipsfaserplatten von 15 mm Stärke nichtbrennbar beplankt. Aussen sind eine Vertikallattung von 40 mm und das auf 18 mm Höhe profilierte Wellblech montiert. Innerhalb der Fassadenelemente sind zusätzlich Stützen in Brettschichtholz mit einem Querschnitt von 140 x 140 mm eingebaut. Diese Stützen wurden unter der Berücksichtigung des entsprechenden Abbrandes für den Feuerwiderstand von 60 Minuten dimensioniert. Die Deckenkonstruktion über dem Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss basiert auf Brettschichtholzelementen von 220 mm Höhe. In der Breite ist die Fuge dieser Elemente mit 15 mm starken, zementgebundenen Holzspanplatten brandschutztechnisch unterbrochen. Gleiche Sorgfalt wurde dem Deckenanschluss an das massive Treppenhaus beigemessen, indem eine Brandabschottung mit 60 Minuten Feuerwiderstand eingebaut wurde. Der über den Brettschichtholzelementen eingebaute Boden besteht aus einer Trittschalldämmung von 22 mm, einer Trennschicht und Gussasphalt 35 mm. Das bekieste Kaltdach besteht primär aus einem Hohlkastenträger von 280 mm Gesamthöhe mit 220 mm Steinwolledämmung.

Darüber sind eine Lattung zur Belüftung in der Stärke 60 –100 mm, eine OSB-Platte sowie eine mit Rundkies beschwerte EPDMFolie angebracht. Im Herbst 2002 konnte so in Laufen ein Reiseunternehmen einen neuen Firmensitz in Betrieb nehmen, welcher nicht nur modernste Holzbautechnologie berücksichtigt, sondern auch über eine moderne Gebäudetechnologie, zum Bespiel eine kontrollierte Raumlüftung, verfügt und insgesamt im Minergie-Standard konzipiert wurde.

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Erdgeschoss

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Querschnitt

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

Ort Ziegeleistrasse 52, 4242 Laufen Bauherrschaft Erich Saner AG, Laufen Architekten Holzart Architektur AG, Laufen Bauingenieur Peter Jermann, dipl. Bauing. ETH, Zwingen Brandschutzberatung Makiol + Wiederkehr, Dipl. Holzbauing. HTL/SISH, Beinwil am See HLKS-Ingenieur EPL EnergiePlan, Laufen Holzbau Martin Speiser AG Holzbau und Bedachungen, Diegten Materialien Konstruktion: Brettschichtholz 12 m3, Massivholz 15 m3, Rahmenbaukanteln 12 m3, Brettschichtholz-Bodenelemente 49 m3, Hohlkastenelemente Dach 105 m2; Platten: Holzfaserdämmplatten 52 mm 290 m2, OSB 15 mm (Wand) 420 m2, OSB 18 mm (Dach) 150 m2, Gipsfaserplatten 15 mm 400 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 1 455 000.– Gebäudevolumen SIA 116 5252 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 CHF 277.– Bauzeit 5 Monate (2002)


Dachaufbau von aussen:

Dachaufbau von aussen im Treppenhaus:

Rundkies

Rundkies

EPDM 1,3 mm

EPDM 1,3 mm

OSB 18 mm

OSB 18 mm

Lüftungslattung 60–100 mm

Lüftungslattung 60–100 mm

Winddichtung

Winddichtung

Hohlkastenträger 280 mm/Steinwolle 220 mm

Hohlkastenträger 280 mm/Steinwolle 220 mm Gipsfaserplatte 15 mm

Aufbau Aussenwand von innen: OSB 15 mm

Deckenanschluss:

Dampfbremse

Gipsfaserplatten 2 x 12,5 mm anstelle

Ständer 80 x 140 mm/Steinwolle

Trittschalldämmung

Holzfaserdämmplatte 52 mm

Stahlwinkel 8 mm dick in Beton und

Gipsfaserplatte 15 mm

Deckenelemente verschraubt

Lattung vertikal 40 mm

Brandabschottung mit Steinwolle,

Wellblech 18 mm

60 Minuten Feuerwiderstand

Deckenaufbau von oben:

Deckenaufbau von oben:

Gussasphalt-Unterlagsboden 35 mm

Gussasphalt-Unterlagsboden 35 mm

Trennschicht Wellkarton 5 mm

Trennschicht Wellkarton 5 mm

Trittschalldämmung 22 mm

Trittschalldämmung 22 mm

Brettschichtholz-Deckenelemente 220 mm

Brettschichtholz-Deckenelemente 220 mm

Wandaufbau: Beton 180 mm

Fassadenschnitt

Schnitt Treppenhauswand


Wattwerk-Gebäude, Bubendorf

Das energieautarke Gebäude in der MinergiePlus-Klasse vermag sowohl optisch als auch konzeptionell zu überzeugen. Das Wattwerk ist einerseits Pilot- und Demonstrationsobjekt, anderseits Info-, Dienstleistungs- und Synergiezentrum für erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Ökologie. Für den Bauherrn steht fest, dass es kein Experimentalbau im eigentlichen Sinne ist, sondern ein angenehmes und alltagstaugliches Gewerbegebäude mit schönen, hellen Räumen und angenehmem Raumklima. Das Plus-Energie-Objekt wurde dank planerischem Aufwand zu einem niedrig technisierten Gebäude optimiert. Im nordöstlichen Teil befindet sich ein unbeheiztes Lager von 24 Meter Länge und 9,2 Meter Breite (220 m2), während der Südwestteil für den 11,3 Meter breiten, zweigeschossigen gewerblichen Trakt (550 m2) mit Büros, Showroom, Werkstatt/Labor und Sanitärräumen reserviert ist. Der Gebäudekörper wurde in Holzelementbauweise erstellt, wobei die vorfabrizierten Elemente in nur zwei Tagen über einer Betonbodenplatte zum Rohbau zusammengefügt waren. Die 440 mm dicken, zweischalig aufgebauten Aussenwände weisen eine innere Schale mit einem Holzständer von 40 x 200 mm und eine äussere Schale mit einer Querlattung von 40 x 160 mm auf. Dazwischen ist 15 mm starkes OSB eingebracht. Innen ist die Konstruktion mit einer Gipsfaserplatte von 15 mm

beplankt. Aussen auf der Konstruktion sind eine Holzwerkstoffplatte von 13 mm, eine Kreuzlattung und die Fassadenbekleidung (Solar-Fassadenelemente 10 mm oder Faserzement-Fassadenplatten 8 mm) montiert. Geschossdecken und Dach bestehen aus Hohlkastenelementen mit einem Steg aus Brettschichtholz von 60 x 380 mm und beidseitiger Beplankung aus 27 mm starkem Furnierschichtholz. Für die Geschossdecke wurden 100 mm Dämmung eingebracht und der Boden mit Trittschalldämmung, 60 mm Zement-Unterlagsboden sowie einem Bodenbelag in Linoleum ausgeführt. Die Dachelemente wurden komplett ausgedämmt. Der Lagerteil ist als Brettschichtholz-Konstruktion ausgeführt und mit ebenfalls vorgefertigten, ungedämmten Fassadenelementen verkleidet. Wesentliches Element dieses Projektes ist die Haustechnik, wobei Solarenergie die zentrale Rolle spielt. Die Photovoltaik-Anlage in der Südwestfassade mit einer Fläche von 100 m2 liefert rund 8000 kWh pro Jahr, eine weitere Anlage auf dem Flachdach trägt nochmals 12 000 kWh pro Jahr bei. Der Ertrag aller Solaranlagen von über 20 000 kWh pro Jahr liegt weit über dem geschätzten Verbrauch des Wattwerks von 12 000 kWh. Ein kleiner Teil dieser Anlage ist hybrid mit Batterie ausgeführt. Damit können bei Stromausfall einige wichtige Verbraucher weiter versorgt werden. Direkt vor dem Gebäude gibt es eine öffentliche Stromtankstelle für firmeneigene und andere Fahrzeuge. Um den Anspruch des Plus-Energie-Konzeptes zu erfüllen, wurde die Energieversorgung und Produktion monovalent mit Elektrizität ausgeführt. Somit hat sich der Einsatz einer Wärmepumpenheizung aufgedrängt, zum Schutz des Grundwassers mit flüssigem CO2. Zur Lufterneuerung ist eine mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung eingebaut. Dank Erdregister wird die Zuluft im Winter vorgewärmt und mit Ausschalten der Wärmerückgewinnung im Sommer gekühlt.

Querschnitt

Erdgeschoss

Das Wattwerk steht mit seinem Volumen von 2900 m3 und seiner knallroten Farbe unübersehbar an der Hauptstrasse zwischen Liestal und Hölstein. Hinter der roten Fassade verbirgt sich das welterste Betriebsgebäude, welches dank optimaler Wärmedämmung, hocheffizienter Wärmepumpenheizung und Solaranlagen in der Gebäudehülle auf nachhaltige Weise mehr Energie produziert, als der Betrieb und die Benutzung erfordern.

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Gute Erreichbarkeit mittels öffentlicher Verkehrsmittel, eine ökologische Umgebungsgestaltung, eine Regenwasser-Nutzungsanlage, halogenfreie Elektromaterialien, LinoleumBodenbeläge und Geräte wie Kühlschrank, Beleuchtung usw. in der Energieklasse A runden das Konzept ab. Entsprechend ist das Wattwerk mit dem Minergie-P-Label BL 001-P als erstes Passivhaus im Kanton Basel-Land zertifiziert worden.

Obergeschoss


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Dachaufbau von aussen: Kiesauflage Schwarzdach Furnierschichtholz 27 mm Steg BSH 60 x 360 mm/Dämmung Furnierschichtholz 27 mm

Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm Ständer 40 x 200 mm/Mineralwolle OSB 15 mm Querlattung 40 x 160 mm/Mineralwolle Holzwerkstoffplatte 13 mm Lattung vertikal 30 mm Lattung horizontal 30 mm Solar-Fassadenelemente 10 mm

Deckenaufbau von oben: Linoleum 2,5 mm Zementunterlagsboden 60 mm Trittschalldämmung 20 mm Furnierschichtholz 27 mm Steg BSH 60 x 360 mm/Dämmung 100 mm Furnierschichtholz 27 mm

Bodenaufbau im Erdgeschoss von oben: Linoleum 2,5 mm Zementunterlagsboden 60 mm Dampfsperre Dämmung 140 mm Feuchtigkeitssperre 4 mm Beton 180 mm

Fassadenschnitt

Ort Wattwerkstrasse 1, 4416 Bubendorf Bauherrschaft Holinger Solar AG Architekten ArchiTeam Design AG, Liestal Passivhauskonzept Franco Fregnan, Basel Ingenieur Holzbau Erne AG Holzbau, Laufenburg Generalunternehmer/Holzbau/Fensterbau Erne AG Holzbau, Laufenburg; Projektleiter: Martin Troxler Materialien Konstruktionsholz: Brettschichtholz und Rahmenkanteln 72 m3; Platten: OSB 1220 m2, Furnierschichtholz 27,5 m3, Gipsfaserplatten 1050 m2; Fassade: Gesamtfläche 530 m2, Holz-Metall-Fenster mit einem U-Wert von 1,042 W/m2K Baukosten CHF 1,8 Mio. Geschossfläche 720 m2 Gebäudevolumen SIA 116 2900 m3 Bauzeit September 2003–März 2004

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Halle Ost der Kistenfabrik, Merenschwand Der als offener Werkhof genutzte Neubau kam aufgrund zweier sich ergänzender Bedürfnisse zustande: Die jetzige Mieterin, ein Gartenbauunternehmen, suchte neue Räumlichkeiten; der Bauherr war an einer weiteren Nutzung der Landreserven interessiert. Die Halle Ost orientiert sich aufgrund der Ergänzung des Gebäudebestandes an dessen Rastern und Bauprinzipien und bietet ein Raumprogramm, welches dem Mieter entspricht und gleichzeitig dem Bauherrn langfristig eigene Nutzungsmöglichkeiten eröffnet. Mit der Verwendung von Holz und der einfachen Konstruktionsart sowie mit der reduzierten und formal zurückhaltenden Ausformulierung wurde ein ökologisch sehr gutes Gebäude erzielt. Der neue Baukörper der Kistenfabrik ergänzt die bestehende Gebäudegruppe analog den Lagerhallen auf der Süd- und Südostseite des Produktionsgebäudes und schliesst den Bestand in nordöstlicher Richtung ab. Die Umhüllung der 15 Meter tiefen und 24 Meter breiten Halle besteht aus einem licht- und luftdurchlässigen Screen aus Holz, dessen horizontale Gliederung den Rhythmus der bestehenden Fassaden aufnimmt. So entsteht ein grosser, sehr gut belichteter und stützenfreier Innenraum. Bewusst wird in beschränktem Mass eine visuelle Beziehung zwischen Innen und Aussen erzeugt. Der Blick von aussen lässt erahnen, was drinnen geschieht; im Inneren bleibt der Kontakt zur näheren Umgebung wie auch zur weiten Landschaft

bestehen. Die Halle nimmt zwei autonome Holzboxen auf. Die eine dient als Büro und verfügt im Erdgeschoss über entsprechende Arbeitsplätze, einen grosszügigen Aufenthaltsraum sowie eine Garderobe mit Nassräumen. Die andere Box dient als Werkstatt. Die Fläche auf beiden Boxen ist als Lagerraum mit einer Nutzlast von 5 kN/m2 konzipiert. Der Einstellraum zwischen den Boxen ist knapp sieben Meter hoch und auf eine Nutzlast von 8 kN/m2 beziehungsweise Einzellasten bis 85 kN ausgelegt; er ist somit für Lastwagen befahrbar. Die Halle ruht analog dem Fabrikgebäude auf einem niedrigen Sockelgeschoss, dessen Hohlraum begehbar ist und so optimal Installationszwecken dient. Der darüber liegende Hallenboden besteht aus 180 mm hohen, auf 10 % Holzfeuchte vorkonditionierten Massivholzbalken in Fichte, welche mit 15 mm Fuge zueinander montiert und über Stahlrohre quer ausgesteift wurden. Darüber sind Eschenriemen von 32 mm rostartig als Verschleissschicht verlegt. Mit zusätzlichen 60 mm Dämmung und einem Eschenriemen der Stärke 24 mm wurde der Boden der Bürobox versehen. Deren Wände bestehen aus Holzrahmenelementen mit einer inneren Bekleidung aus Dreischichtplatten von 19 mm, einer gedämmten Rahmenkonstruktion von 160 mm und einer äusseren Beplankung aus Furnierschichtholz mit 15 mm Dicke. Darüber sind als Decke gedämmte Hohlkastenelemente mit beidseitiger Beplankung in Dreischichtplatte von 27 mm

sowie Rippen von 200 mm Höhe eingebaut. Die Umhüllung der Werkstattbox erfolgte in gleicher Bauweise, jedoch mit dünnerer Dämmung (120 mm in den Wänden und in der Decke) und einer auf die längere Spannweite angepassten Dimensionierung der Deckenrippen auf 260 mm. Die eigentliche Hallenkonstruktion ist in Brettschichtholz ausgeführt. Die umhüllenden Hallenwände bestehen aus 110 mm starken Ständern, einer Horizontallattung von 50 mm und dem vertikal geschuppten, 30 mm starken Screen. In der Ebene der Ständer ist die Aussteifung mittels Zugbändern in Stahl eingebaut. Zwei in die Wände integrierte Längsträger sind auf wenige Stützen abgestellt und tragen die 20,3 Meter langen und 1,85 Meter breiten Dachelemente. Der Dachaufbau besteht aus Brettschichtholzträgern mit einem Abstand von rund 460 mm und einem Querschnitt von 80 x 520 mm, einer Dreischichtplatte von 27 mm, einer wurzelfesten Polymerbitumenbahn und 50 mm Rundkies als Schutzschicht.

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Ort Zürichstrasse 28, 5634 Merenschwand Bauherrschaft Kistenfabrik AG, Merenschwand; Projektleiter: Peter Birrer Architekten Max Steiger, Architekt BSA SIA, Baden; Mitarbeit: David Burkhard (Bauleitung), Heinz Rempfler, Marion Steiger Bauingenieur SHNZ dipl. Ing. ETH/SIA, Rotkreuz; Mitarbeit: M. Krebs Ingenieur Holzbau (Vorprojekt)/Brandschutzberatung Makiol + Wiederkehr, Dipl. Holzbauing. HTL/SISH, Beinwil am See Holzbau Holzbau Erni AG, Schongau; Projektleiter: Peter Henggeler Materialien Konstruktionsholz: Brettschichtholz 60 m3, Massivholz 53 m3; Platten: Dreischichtplatten 1200 m2, Furnierschichtholz 400 m2; Bodenbelag: Massiv-Parkett Esche 310 m2 Baukosten (BKP 2) CHF 689 000.– Grundstücksfläche 9978 m2 Geschossfläche 2884 m2 (bestehende Gebäude für Produktion und Lager); 552 m2 (neues Gebäude) Gebäudevolumen SIA 116 3537 m3 Kubikmeterpreis SIA 116 CHF 195.– Bauzeit November 2003–März 2004

Situation

Querschnitt

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Längsschnitt


Erdgeschoss

Obergeschoss

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Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno

Verantwortlich Roland Brunner Redaktion Roland Brunner, Lignum, André Carlen und Mélanie Baschung, Lignum-Cedotec

Falkenstrasse 26 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 E-Mail info@lignum.ch Internet www.lignum.ch

Gestaltung BN Graphics, Zürich Druck Kalt-Zehnder-Druck, Zug

Holzbulletin, Juni 2005 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

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Fotografie Michael Jung, Olten (Hector Egger); Francesca Giovanelli, Zürich (Schaerholzbau); David Künzi, Zürich (Gewerbezentrum Blenioart); Fred Hatt, Lausanne, (Werkhof in Bursins); Corinne Cuendet, Clarens (Zentrum Saner in Laufen); Erne AG, Laufenburg (Wattwerk); Heinz Rempfler, Architekturbüro Max Steiger, Baden (Kistenfabrik in Merenschwand)

Administration, Abonnemente, Versand Andreas Hartmann, Lignum ISSN 1420-0260 Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 100.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten. Lignum-Mitglieder erhalten das Holzbulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern.

Holzbulletin 75/2005  

Gewerbe- und Industriebauten

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