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Holzbulletin 128/2018 Holz bewegt Arena Crap Gries, Schluein ‹Base Camp›, Les Houches (FR) Multifunktionales Betriebsgebäude für die Biathlon-Arena, Lantsch/Lenz Restaurant und Golfarena im Migros Golfpark Holzhäusern ‹Maison des Compagnies›, Meyrin Bootshaus Solothurner Ruderclub, Solothurn

Die Golfarena tritt als einladendes, zweigeschossiges Volumen mit mehrschichtiger Fassadenstruktur und raumbildenden Arkaden in Erscheinung. Architektur: Fahrni Partner Architekten GmbH, Luzern


Zeit für Holz Holz bewegt uns. Nicht zuletzt deshalb, weil wir immer wieder Freizeit mit Aktivitäten verbringen, zu deren Ausübung wir neue oder erneuerte Holzbauten betreten und das Raumgefühl erleben, das sie vermitteln. Architektur braucht Anschauung! Stets neu stossen wir dabei auf Objekte, bei welchen wir das Gefühl haben, hier sei die Perfektion des Bauens mit Holz erreicht. Und doch verblassen Tag für Tag die Eindrücke von gestern, werden von den Erlebnissen von heute überlagert, verdrängt. Neues strömt ohne Unterlass in den Vorder­ grund, verlangt Aufmerksamkeit, füllt das Blickfeld. Ist die Spitzenleistung von gestern angesichts eines Exploits von heute weniger wert? Keinesfalls. Sie mag zwar nicht mehr als Nachricht in der Zeitung stehen, aber wer über die Jahre zurück­ schaut – zum Beispiel indem er oder sie die Holzbulletin-Hefte früherer Jahre oder gar Jahrzehnte durchblättert –, staunt immer wieder über Entwürfe, die schlicht zeitlos sind und deshalb kein Jota von ihrer Wirkung verloren haben. Oder über solche, die Dinge vorwegnehmen, die erst viel später Gemeingut geworden sind. Wir wissen, dass in vielen Projekten, die neu in unser Blickfeld und damit auch ins Holzbulletin gelangen, solche Qualitäten stecken, die es ausmachen, dass die Bauten in der Summe mehr sind als findige Kreation, exzellentes Engineering, modernste Fertigungs- und Verfahrenstechniken sowie optimierte Abläufe in der Planung und Ausführung. Das Kontinuum solcher Ent­deckungen über die Jahre und das dem Bauen mit Holz immanente unerschöpfliche Potential, das dahinter­ steht, sind unsere tägliche Motivation. Wir hoffen, sie übertrage sich Ausgabe für Ausgabe des Lignum-Holzbulletins.

Roland Brunner und Audanne Comment, Technische Kommunikation Lignum

Arena Crap Gries, Schluein Nach dem Zusammenschluss der Fussballclubs von Schluein und Ilanz wurde der US Schluein Ilanz zum grössten Verein in der Surselva. Gleichzeitig war aber die Infrastruktur in einem schlechten Zustand und genügte den Anforderungen nicht mehr. Das rief nach einem Neubau. Der Fokus bei der Entwicklung des Neubaus lag auf einer guten Infrastruktur für den Fussballbetrieb und den Begegnungszonen für den sozialen Austausch abseits des Spielfeldes. Es sollte ein Gebäude entstehen, mit dem sich nicht nur die Mitglieder des Vereins identifizieren können, sondern die Leute der ganzen Region und ihre Gäste. Der Traum vom neuen Zuhause des US Schluein Ilanz (USSI) sollte mit geringen finanziellen Mitteln und einem grossen Anteil an Eigenleistungen in Erfüllung gehen. Dementsprechend einfach mussten die Anordnung der Räume und deren bauliche Ausführung sein. Die Konstruktionselemente wurden so geplant, dass möglichst viele Arbeitsschritte durch die Mitglieder ausgeführt werden konnten. Das Vereinsgebäude ist auf der Längsseite des Fussballplatzes entlang der Via Isla, welche das angrenzende Kieswerk erschliesst, parallel zum Rhein ausgerichtet. Durch die mittige Setzung am Fussballplatz und das längliche Gebäudevolumen wird die Umgebung in zwei neue Aussenräume mit unterschiedlicher Nutzung aufgeteilt. Der Fussballplatz wird von der Strasse abgeschirmt, so dass die ganze Aufmerksamkeit auf der sportlichen Veranstaltung und auf dem sozialen Miteinander liegt. Diese Idee wird durch die differenzierte Materialisierung der Fassaden weiter verstärkt – eine archaisch wirkende Hülle gegen die Strasse, den Fluss und das Kieswerk und eine holzgeprägte zum Fussballplatz hin. Im Erdgeschoss befinden sich die Garderoben und Duschen der Spieler und Schiedsrichter, die WC-Anlagen, eine Garage mit Materialräu-

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men und Tribünensitzplätze. Im ersten Obergeschoss liegen das Vereinslokal einschliesslich Bar und Gastroküche, eine Aussenterrasse und Tribünensitzplätze. Die Akustikdecke im Vereinslokal besteht aus Stirnholzklötzen mit Schafwolle dazwischen, welche auf eine Dreischichtplatte aufgebracht wurden. Das Gebäude entstand in Massivbauweise aus Beton und Einsteinmauerwerk, während die Dach- und Tribünenkonstruktion aus massivem, nicht verklebtem Fichten- und Tannenholz besteht. Der Beton wie auch der Kies für den vor Ort angemachten Kalkputz konnten vom angrenzenden Kieswerk bezogen werden. Das Holz stammt aus Graubünden; der Stein für das Restaurant mit seiner Bar, die WC-Anlagen und Duschen wurde aus Vals gesponsert. Von Anfang an stand fest, dass man nachhaltige Materialien aus der Region verwenden und auf das fachliche Wissen der Vereinsmitglieder, deren Familien und der lokalen Unternehmungen bauen wollte. Die Wahl von lokalem Holz erfolgte in diesem Sinne ganz bewusst, um soviel Wertschöpfung wie möglich vor Ort zu behalten und einen ökonomischen Mehrwert für die Region zu schaffen. Die gewählte Kon­ struktion führt aber auch zu einer marka­teren architektonischen Erscheinung und stärkerer Haptik. Der Entscheid für massives Holz aus Graubünden hatte Konsequenzen für die gesamte Erscheinung der Dachkonstruktion: Die 13 m Spannweite bemassen sich an den verfügbaren Baumlängen und den Möglichkeiten der Sägereien im Kanton. Das Holz musste im Jahr vor dem Baubeginn im Wald geschlagen und getrocknet werden. Die Holzbalken wurden dabei mit Entlastungsschnitten versehen, damit sie beim Austrocknen kontrolliert reissen konnten, so dass die statische Wirkung nicht beeinträchtigt wurde. Und schliesslich war die ausführende Holzbaufirma vor Ort zwei Monate mit der Vorfertigung der Holzbauteile beschäftigt. Die Träger wurden mit Vollgewin-

deschrauben schubsteif miteinander verbunden. Die Holzstützen sind aufgrund der begrenzten Dimensionen des Holzes und des erforderlichen Querschnittes für den Widerstand vierteilig ausgeführt. Das Gebäude wird vom Frühling bis in den späten Herbst vom Fussballverein genutzt. Somit müssen nur die Randzeiten überbrückt werden, wofür wie von der Bauherrschaft gewünscht wenig Haustechnik genügt. Im Winter wird das Gebäude nur temperiert. Dank der gut isolierenden Materialien und der Verschattung der grossen Fensterflächen im Obergeschoss ist der Aufwand minimal. Als Heizsystem dient eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in Verbindung mit Bodenheizungen. Die Raiffeisen-Arena Crap Gries ist in vielerlei Hinsicht nachhaltig. Nicht nur aufgrund der Verwendung regionaler Materialien, der Vergabe der Arbeiten an lokale Unternehmungen und der architektonischen Qualität des Gebäudes, sondern auch deshalb, weil sich eine ganze Region mit dem Gemeinschaftswerk identifiziert. Die weit über 6000 Stunden an Eigenleistungen der Vereinsmitglieder und ihrer Familien, die Unterstützung aus den umliegenden Gemeinden und die vielen privaten Sponsoren zeigen dies eindrücklich. Dank der guten Trainingsbedingungen konnten auch schon der Hamburger SV und die österreichische Nationalmannschaft für Trainingslager in Schluein gewonnen werden.


Situation

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Querschnitt

20 m

Erdgeschoss

Obergeschoss

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Ort Via Isla, 7151 Schluein Bauherrschaft Fussball Verein US Schluein Ilanz Architektur Jan Berni, dipl. Architekt ETH, Ilanz, und Georg Krähenbühl, dipl. Architekt ETH/SIA, Davos Holzbauingenieur Walter Bieler AG, Bonaduz Holzbau Coray Holzbau AG, Ilanz Materialien rund 110 m3 Fichte/Tanne Baukosten CHF 1,35 Mio., ohne Eigenleistungen von rund 6000 Stunden und ohne Materialsponsoring Geschossfläche SIA 416 950 m2 Gebäudevolumen SIA 416 4020 m3 Bauzeit 2014–2015, davon zwei Monate Vorfertigung Holzbau durch Coray Holzbau AG, drei Monate Aufrichten in teilweiser Fronarbeit und vier Monate Ausbau in Fronarbeit Fotograf Ralph Feiner, Malans Detailschnitt

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‹Base Camp›, Les Houches (FR) Vor einer aussergewöhnlichen Naturkulisse hat sich die Firma Blue Ice im französischen Les Houches ein Schaufenster geschaffen, dessen Ausführung der Linie ihrer High-EndProdukte folgt. Das Unternehmen, das seit 2008 Bergausrüstung entwickelt und produziert, verfügt damit nun über repräsentative und grosszügige Räume. Chamonix, eingebettet in die Massive von Mont Blanc und Aiguilles Rouges, ist ein beliebter Aufenthaltsort für Bergsteiger. Die Stadt wird heute jedoch von einer riesigen Agglomeration umfangen, die entlang der Arve und der Autobahn A40 verläuft. Chalets und Siedlungen bedecken den Talboden. Das Dorf Les Houches, acht Kilometer vom berühmten Ferienort entfernt, liegt am Fusse der Skipisten, wo der Weltcup über die Bühne geht. In den letzten Jahren hat sich auch dieses Dorf vom Weiler zu einem Teil der Agglomeration von Chamonix entwickelt; es zählt heute 13 000 Einwohner. Lager, Büros, Ausstellungsfläche, ein Atelier für Prototyen und ein Konferenzraum sind neben einer Tiefgarage die Hauptpunkte im Raumprogramm des Blue-Ice-Neubaus. Er befindet sich in einem Gebiet entlang der Schnellstrasse. An dieser Schnittstelle von Tradition und Moderne folgt der Entwurf der Pariser Niederlassung von Kengo Kuma & Associates einem minimalistischen Ansatz. Die Architekten setzen auf Einfachheit und Effizienz und machen sich damit die Haltung des Unternehmens zu eigen. Indem Architekt und Bauherrschaft demselben Diskurs folgen, finden Form und Inhalt zur Kongruenz. Holz ist ein grundlegendes Element dieses Projektes. Im Aussenbereich kommt Eiche in bis zu 8 m langen, sägerohen und unbesäumten Brettern zum Einsatz. Diese bilden eine Stabstruktur, welche die Fassade mit ihren grossen Glasflächen vor direkter Sonneneinstrahlung schützt. Die unregelmässige Aufstellung der Bretter kontrastiert mit dem Bild der dunklen Aluminiumpaneele im Hintergrund. Im Inneren dagegen ist die Oberfläche der Eiche fein gearbeitet. Glatt kleidet das Holz die luftigen und hellen Räume aus. In der Mitte empfängt

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ein von Treppenläufen durchschnittenes vertikales Volumen den Besucher. Hier kommt die satte Erscheinung der Eiche zu voller Entfaltung, indem sie Wände, Boden und Stufen gleichermassen bedeckt. Die für Mittagspausen konzipierte Terrasse bildet einen Aussichtspunkt, von dem aus ein 360°-Panorama der Alpengipfel zu sehen ist. Die Büros des Unternehmens, die auf beiden Seiten eines Atriums organisiert sind, nehmen auch Startups und Freischaffende auf, die sich den Bergen verschrieben haben. Im ‹Open space› auf zwei kommunizierenden Geschossen angeordnet, passen sich die Arbeitsflächen der Dachneigung an. Sie werden dank der Verglasung des Dachs von natürlichem Licht durchflutet. Die stark gegliederte Dachkonstruktion ist im Innern sehr präsent und durchbricht die sonst herrschende Glätte. Naturbelassene Holzwolleplatten verbessern die Raumakustik. Mit seinem grossen Vordach im Süden erstreckt sich das Dach über eine Gesamtfläche von 1500 m2. Durch das zweimalige Brechen der Dachneigung zeichnet das Objekt einen Umriss, der den umliegenden Bergen ähnelt, womit sich das Volumen um so besser in die Landschaft einfügt. Die Dachgeometrie erfordert biegesteife Verbindungen der langen Brettschichtholzträger, welche dank einem System von eingeklebten Metallstäben vollständig eingebettet und nicht sichtbar sind. Dazwischen eingehängte Pfetten tragen die vorgefertigten Rippenelemente, und Kreuze aus Stahlstäben stabilisieren die Fläche aus. Keller, äussere Seitenwände und die beiden inneren Wände, welche die zentrale Erschliessung begrenzen, sind aus Stahlbeton. Die zwei Längswände, die das erwärmte Volumen schliessen, sind in Holzrahmenbauweise ausgeführt. Stützen in Brettschichtholz tragen die Struktur punktweise, im Bereich des Vordaches ersetzt durch dünne Metallsäulen. In den Betondecken ist ein Heiz- und Kühlsystem eingebaut. Das Gebäude ist umweltfreundlich, nutzt lokale Ressourcen und erneuerbare Wärmequellen. Eine Erdwärmesonde, die an eine Wärmepumpe angeschlossen ist, erzeugt den Primärenergiebedarf von 75,80 kWh/m2.


Situation


Längsschnitt

Querschnitt

20 m


Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

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Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm Lattung Ständer 160 mm/Dämmung OSB 15 mm Lattung 60 mm/Dämmung Füllhölzer Bekleidung in Aluminium Unterkonstruktion für Bohlen in Edelstahl Bohlen in Eiche 30 mm

Horizontalschnitt Nordfassade

Ort 336 route du Nant Jorland, 74310 Les Houches (FR) Bauherrschaft Blue Ice, Les Houches Architektur Kengo Kuma & Associates, Paris (FR) Bauleitung Société T.O.P., Servoz (FR) Baukostenmanagement LTA, Paris (FR) Bauingenieur EGIS-10, Schiltigheim (FR) Holzbauingenieur BARTHES Bureau d’Etudes Bois, Maidières (FR) Holzarbeiten Dasta Charpentes Bois SA, Plan-les-Ouates (Holzbau), Suscillon, La Tour-du-Pin (FR) (Innenausbau), JPF-Ducret SA, Bulle (Brettschichtholz) Materialien schichtverleimtes Vollholz und Brettschichtholz 121 m3, Bohlen in Eiche 30 mm 52 m3 Baukosten EUR 5,0 Mio. Geschossfläche 2500 m2 Gebäudegrundfläche 1000 m2 Bauzeit Oktober 2012 – Februar 2015 Fotograf Michel Denancé, Paris


Dachaufbau von aussen: Bohlen in Eiche 30 mm Unterkonstruktion für Bohlen in Edelstahl Bekleidung in Metall mit Thermolackierung Holzschalung Lattung 2 x 40 mm Dichtungsbahn Rippenelemente: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 180 mm/Dämmung 100 mm Dämmung 100 mm Holzwolleplatte 60 mm Pfetten 400 mm

Detailschnitt Lichtbänder im Dach


Multifunktionales Betriebsgebäude für die Biathlon-Arena, Lantsch/Lenz Das Nordic House vervollständigt die Biathlon-Arena Lenzerheide. Dank dem neuen Betriebsgebäude können in Lenz Anlässe der Internationalen Biathlon-Union (IBU) ausgetragen werden. Gleichzeitig erhalten Sportler und Sportbegeisterte damit einen Treffpunkt, wo sie Verpflegung und Unterkunft finden. Entlang der Kantonsstrasse zwischen Lenzerheide und Lenz blitzt zwischen den Bäumen immer wieder ein Streifen der Biathlon-Strecke auf. Direkt beim Schiessstand und am Rande einer Waldlichtung liegt das Nordic House, das neue Zentrum der Biathlon-Arena. Der Strasse abgewandt und nach Südwesten hin

orientiert, vermittelt es zwischen Sportanlage und Publikum. Als Sinnbild für die nationale Adresse des Biathlon-Sports kommt dem Nordic House zeichenhafte Bedeutung zu. Das langgezogene, imposante Volumen ist in Kopfund Längsteil gegliedert und damit zugleich dem Besucher und der Anlage zugewandt. Der kronenartige Dachabschluss akzentuiert den Kopfbau und bietet dem Besucher Aussicht auf das Biathlon-Gelände. Die Längsfassade mit den Bandfenstern ist nach Süden, zu Betrieb und Publikum hin ausgerichtet. Von der rückwärtigen Nordseite aus öffnet sich der Blick auf den nahen Fichtenwald. Die Gliederung in Kopf- und Seitentrakt und

die unterschiedlichen Längsfassaden finden ihre typologische Entsprechung im Grundriss. Während im plastisch hervortretenden Kopfbau die grossen öffentlichen Bereiche wie Bistro, Seminar- und Athletikraum untergebracht sind, befinden sich im kleinteilig strukturierten Längsteil die Schlafzimmer, Nasszellen, Garderoben und Büros. Die vertikale Erschliessung erfolgt durch den aussteifenden Betonkern im Kopfbau und die markante externe Kaskadentreppe. Dadurch können die Betreiber des Nordic House auf den vier Geschossen synchron unterschiedliche Veranstaltungen abhalten. Zugleich werden die Wege von Zuschauern, Sportlern und Medien-


vertretern optimal entflochten, und es resultiert eine sehr hohe Nutzungsflexibilität. Das Nordic House ist als multifunktionales Trainings-, Lager- und Wettkampfgebäude für Biathleten und andere Sportler konzipiert. Diese breite Auslegung erfordert von den einzelnen Räumen eine hohe Flexibilität und die Möglichkeit zur einfachen Umnutzung. Im Haupttrakt stehen auf drei Geschossen ein 120 m2 sowie zwei 80 m2 grosse, multifunktionale Räume zur Verfügung: Das Bistro im Erdgeschoss wird bei Bedarf zum Familienclub, der Seminarraum im ersten Obergeschoss zur Erweiterung des Restaurants und der Athletikraum im zweiten Obergeschoss zum Zeitmess-

raum. Die Schlafräume können dank Klappbetten mit wenigen Handgriffen in IBU-konforme Medien- und Funktionärsräumlichkeiten umgewandelt werden. Verschiedene Aussenräume ergänzen das Angebot: Im Erdgeschoss ein ebenerdiger, überdachter Aussensitzplatz, im ersten Obergeschoss eine grosse, offene Terrasse mit Sicht auf das Biathlon-Zielgelände und im dritten Obergeschoss eine teilüberdachte Aussichtsplattform mit Blick auf die Biathlon-Anlage und mit eindrücklicher Fernsicht in die umliegenden Berge. Die Länge des Volumens, die Bandfenster, die dramaturgisch inszenierte Kaskadentreppe sowie die horizontale Gliederung mittels eines

umlaufenden weissen Gesimses aus Metall erzeugen eine Dynamik des Baukörpers, die in Analogie zum Sport gelesen werden kann. Die dunklen Füllungen aus druckimprägniertem Fichtenholz stellen die Fassade im Winter in einen angenehmen Kontrast zum Schnee. Konstruktiv stülpt sich ein Holzbau aus vorgefertigten Elementen über das massiv gebaute Untergeschoss. Die Materialisierung in Holz findet auch im Innenraum ihre Anwendung. So sind die grossen, offenen Versammlungsräume teilweise und die Schlafzimmer ganz in Holz ausgekleidet und bieten den Nutzern des Nordic House ein gemütliches Ambiente.

Situation

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20 m

Längsschnitt

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1

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1 Bistro 2 Tourismus/Büro Administration 3 IBU/Umkleide Damen 4 IBU/Doctors, Umkleide Herren 5 Waiting/Shop 6 Lager/Lager Zeitmessung

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Erdgeschoss

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1 Restaurant/Seminar 2 Jury/Material control 3 IBU TD/IR Office 4 IBU RD/Race Director Office 5 OC Competition Management Office 6 Competitions Office 7 Besprechungsraum 8 IBU Office

1. Obergeschoss

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2

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2

1 Athletikraum 2 Unterkunft

2

2. Obergeschoss

1

3. Obergeschoss

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2

3

1 Dachterrasse 2 Vorraum 3 Abstellraum/Technik


Querschnitte


Detailschnitt Zimmertrennwand

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Dachaufbau von aussen: Kies 60 mm Drainage 30 mm Abdichtung vollflächig Gefällsdämmung Bauzeitabdichtung Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 220 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm, sichtbar

Dachaufbau von aussen: Kies 60 mm Drainage 30 mm Abdichtung vollflächig Gefällsdämmung Bauzeitabdichtung Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 220 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm, sichtbar

Deckenaufbau von oben: Bodenbelag Zementunterlagsboden 80 mm Trittschalldämmung 20 mm Dämmung 40 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 220 mm/Splittschüttung 100 mm Dreischichtplatte 27 mm, sichtbar

Deckenaufbau von oben: Bodenbelag Zementunterlagsboden 80 mm Trittschalldämmung 20 mm Dämmung 40 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 220 mm/Splittschüttung 100 mm Dreischichtplatte 27 mm, sichtbar

Aufbau Innenwand: Dreischichtplatte 19 mm, sichtbar Gipsfaserplatte 2 x 15 mm Ständer 160 mm/Dämmung SP > 1000 °C Gipsfaserplatte 2 x 15 mm Dreischichtplatte 19 mm, sichtbar

Aufbau Innenwand: Gipskartonplatte 15 mm Gipsfaserplatte 15 mm Brettsperrholz 120 mm Lattung 40 mm auf Federbügel/Dämmung SP > 1000 °C Gipsfaserplatte 15 mm Gipskartonplatte 15 mm

Detailschnitt aussteifende Zimmertrennwand


Ort Voia da Bual 1, 7083 Lantsch/Lenz Bauherrschaft Biathlon Arena Lenzerheide AG, Lantsch/Lenz Architektur Pablo Horváth, Chur; Mitarbeit: Ferruccio Badolato Inneneinrichtungen Thomas Sontheimer, Hamburg (DE) Generalunternehmer Uffer AG, Savognin Holzbauingenieur Pirmin Jung Ingenieure AG, Sargans Materialien Balkenschichtholz und Brettschichtholz 210 m3, Brettsperrholz 76 m3; Platten: Dreischichtplatten 27 mm 3800 m2, OSB 15 mm 3500 m2, Gipsfaserplatten 15 mm 3500 m2; Fassadenbekleidung: Schalung in Tanne 1400 m2 Baukosten CHF 5,34 Mio. Gebäudevolumen SIA 416 9000 m3 Bauzeit Mai–November 2016 Fotograf Ralph Feiner, Malans

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Restaurant und Golfarena im Migros Golfpark Holzhäusern Der Migros Golfpark Holzhäusern liegt am Ufer des Zugersees. Die Genossenschaft Migros Luzern als Betreiberin liess den Park im Rahmen einer Gesamtplanung modernisieren. In einer ersten Phase wurde das Projekt ‹Restauration› als Direktauftrag realisiert. Umbau und Erweiterung sollten die bestehenden Räumlichkeiten an die heutigen Bedürfnisse anpassen, die Infrastruktur erneuern und optimieren. Innerhalb der bereits genutzten Grundfläche erhöhen flexiblere und kompaktere Nutzungsmöglichkeiten die Attraktivität der Anlage und schaffen ein vielseitiges Angebot. Neu können die Räume auch für Schulungszwecke, für Firmenanlässe und Hochzeitsevents gebucht werden. Ein Höhepunkt des umgebauten Restaurants sind die Terrassen. Der verschränkte, offene Terrassenkörper bietet auf allen drei Geschossen überdeckte und beschattete Aussenflächen mit Blick über den Golfplatz und Weitsicht bis zum Zugersee und zur Rigi. Markenzeichen der Terrasse sind die tragenden, 14–16 m hohen Weisstannenstämme, welche dem Gast das

Erlebnis eines Baumhauses in luftiger Höhe bescheren. Kurze Zeit nach Fertigstellung des Restaurants wurde der Neubau der Golfarena in Angriff genommen. Sie liegt nahe bei den Parkplätzen, die sich entlang der Strasse finden und teils unter Bäumen liegen. Hier, am Ort der Ankunft, tritt die einladende, zweigeschossige Golfarena mit ihrer mehrschichtigen Fassadenstruktur und den raumbildenden Arkaden besonders schön in Erscheinung. Die Eingangszone ist gut ersichtlich und grosszügig gestaltet. Neu sind auch die notwendigen Infrastrukturräume wie Garderoben sowie Unterrichts- und Trainingsräumlichkeiten in diesem Gebäude vereint. Die Administration und Verwaltung des Golfparks verfügt hier über gut belichtete Arbeits- und Besprechungsräumlichkeiten. Die Caddiehalle und Parkmöglichkeiten für die Elektromobile sind in dem dezent wirkenden zurückversetzten Gebäudeteil unter­gebracht. Das gesamte Gebäudevolumen nimmt über die wechselseitigen Arkaden den Dialog mit den

umliegenden Aussenräumen unterschiedlicher Nutzung auf. Die Wegführung zu den Abschlagplätzen und den Starts der Kurse ermöglicht direkte Verbindungen sowie eine Entflechtung der Turnier- und Trainingsgäste auf dem Platz und innerhalb des Gebäudes. Die internen Erschliessungen sind den Besucherzahlen entsprechend grosszügig und repräsentativ ausgebildet. Der zweigeschossige, radiale Baukörper ist etwas erhöht positioniert und zoniert so den Kurzspiel- und Trainings- vom Abschlagbereich. Die filigrane, klar gegliederte Figur des Baukörpers akzentuiert die horizontale Linie in der Landschaft und ist sowohl von der vorbeiführenden Strasse als auch aus der Entfernung gut lesbar. Sie schliesst die bereits vorhandenen Wohn-, und Industriebauten entlang der Strasse und an der Kreuzung zu einer weilerartigen Siedlungsstruktur zusammen. Durch die Sichtverbindung, die Erschliessungsanbindung und die Ausrichtung auf den Trainingsbereich entsteht ein direkter Bezug zum gegenüberliegenden Restaurationsgebäude.

Situation

Ort Katharinenhof 3, 6343 Holzhäusern Bauherrschaft Genossenschaft Migros Luzern Architektur Fahrni Partner Architekten GmbH, Luzern Holzbauingenieur Pirmin Jung Ingenieure AG, Rain Holzbau Strüby Holzbau AG, Root (Restaurant), und Kost Holzbau AG, Küssnacht am Rigi (Golfarena) Materialien Baumstämme in Tanne 90 m3, Balkenschichtholz und Brett­ schichtholz 402 m3 (Restaurant); Balkenschichtholz und Brettschichtholz 330 m3, Brettsperrholz 13 m3, Dreischichtplatten 27 mm 5000 m2 und 19 mm 450 m2, OSB 1280 m2, Fassadenschalung 770 m2 (Golfarena) Baukosten BKP 1–9 CHF 8,2 Mio. (Restaurant), CHF 5,5 Mio. (Golfarena) Baukosten BKP 2 CHF 5,3 Mio. (Restaurant), CHF 4,6 Mio. (Golfarena), jeweils inklusive Mehrwertsteuer davon BKP 214 CHF 1,2 Mio. (Restaurant), CHF 1,6 Mio. (Golfarena), jeweils inklusive Mehrwertsteuer Geschossfläche SIA 416 1800 m2 (Restaurant), 1700 m2 (Golfarena) Gebäudevolumen SIA 416 6780 m3 (Restaurant), 12 900 m3 (Golfarena) Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 1209.– (Restaurant), CHF 427.– (Golfarena) Bauzeit September 2015 – April 2016 (Restaurant), Oktober 2016 – Juli 2017 (Golfarena) Fotografie Marco Sieber, Luzern, Fahrni Partner Architekten GmbH, Luzern, und Strüby Holzbau AG, Root

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Restaurant: Längsschnitt

Restaurant: Obergeschoss

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Restaurant: Querschnitt


Golfarena: Querschnitt


Golfarena: Längsschnitt

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Golfarena: Erdgeschoss

Golfarena: Obergeschoss

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Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 70–150 mm Drainagematte 3 mm Flachdachabdichtung Gefällsdämmung 40–120 mm Bauzeitabdichtung Brettschichtholz liegend 100 mm Träger 440 mm Deckenaufbau von oben: Holzrost 27 mm Holzlattung 40 mm Höhenverstellbare Bodenlager Vlies RF1 Abdichtung/Gummischrotmatte Gefällsdämmung 30–150 mm Bauzeitabdichtung Brettschichtholz liegend 140 mm Träger 520 mm Aufbau Aussenwand von innen: Blockholzplatte 19 mm Installationsrost 60 mm Dreischichtplatte 42 mm Dreischichtplatte 27 mm Ständer 220 mm/Dämmung Diffusionsoffene, mitteldichte Holzfaserplatte 15 mm Lattung 2 x 30 mm Bodenschalung 21 mm Vertikalleisten 60 mm Restaurant: Detailschnitt Terrassen


Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 100 mm Drainagematte 20 mm Flachdachabdichtung Dämmung 60 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 180 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Aufbau Aussenwand von innen: Gipsfaserplatte 15 mm oder Dreischichtplatte 19 mm Lattung 45 mm OSB/3 15 mm Ständer 220 mm/Dämmung Holzfaserdämmplatte 16 mm Lattung vertikal 27 mm Lattung horizontal 27 mm Deckleistenschalung vertikal 25 + 20 mm Deckenaufbau Aussenraum von oben: Sportbelag 15 mm Basisschicht Gummibelag 55–130 mm Splittbeton 50 mm Drainagematte 16 mm Flachdachabdichtung Dämmung 20–100 mm Bauzeitabdichtung Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 180 mm Dreischichtplatte 27 mm Golfarena: Detailschnitt


‹Maison des Compagnies›, Meyrin Die Genfer Theater- und Tanzszene litt lange darunter, dass sich zahlbare Proberäume nur schwer finden liessen. Neu verfügen sie nun in Meyrin über eine qualitativ hochstehende, vollständig aus Holz entstandene Einrichtung. Der Bau setzt schnörkellos die Anforderungen um, welche die darin gepflegten Formen der Bühnenkunst stellen. Im Jahr 2017 beauftragte die ‹Fondation Meyrinoise du Casino› den Architekten Christian Dupraz, einen Bau für die Bedürfnisse der darstellenden Künste zu entwerfen. Das viergeschossige Volumen sollte jedoch vollständig rückbaubar sein, da das bebaute Land nur für die Dauer von zehn Jahren kostenlos zur Verfügung steht. Da sich die modulare Bauweise für solche Bauaufgaben seit langem bewährt, schien ein Holzbau naheliegend. Das neue Volumen steht neben einer alten apostolischen Kirche, die 2015 in einen Proberaum umgewandelt wurde, ohne dass diese Lösung jemals die gehegten Erwartungen erfüllt hätte. Achteckig und schlecht isoliert, dient sie nur noch als Materialdepot. Der Neubau umfasst zwei Proberäume, die den Dimensionen einer Bühne entsprechen. Sie bilden nun endlich einen Rahmen, der Künstlern reale

Situation

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Bedingungen wie in einem Theater bietet. Die innere Erschliessung dient allen Nebenräumen, die für den Betrieb des Gebäudes notwendig sind. Sie ist im Osten mit dem Haupteingang verbunden, während sie im Westen zu einem Ladebereich führt. Boden, Decke und Wände sind hier mit nichtbrennbaren Metallplatten bekleidet, die den Gang vor Beschädigung schützen. Das kalte Material macht den Korridor so unpersönlich wie den eines Flughafens oder eines Bahnhofs. In einen ersten grossen Raum im Erdgeschoss gelangt man von einem breiten Flur durch zwei Doppeltüren. Dieser Proberaum ist auf einer fast quadratischen Fläche von 17 x 15 m aufgezogen und weist eine freie Höhe von 7,5 m auf. Dieser Raum wird auf halber Höhe von einem über alle vier Seiten umlaufenden Metallsteg für die Technik umfasst. Die oberen Bereiche der Wände sind mit perforierten Platten bekleidet, während eine mit Holzwolle verstemmte Struktur aus Tannenlatten die Decke ziert – beides dient der Raumakustik. Durch grosse Fensteröffnungen gelangt viel Licht ins Innere. Der Raum lässt sich jedoch durch dicke Vorhänge leicht abdunkeln. Auf der dritten Ebene erweitern Stufen, die als Ort des informellen Austauschs dienen, den

Korridor seitlich und führen zu einem zweiten Proberaum, der über dem ersten liegt. Er gleicht diesem, ist jedoch so skaliert, dass auf den Seiten Lagerplatz frei wird. Mit 15,6 x 14,5 m Grundfläche verfügt er über eine freie Höhe von 3,5 m. Auch dieser Raum wird durch Fenster gut belichtet. Zusätzlich zu den zwei mit modernster Technik ausgestatteten Räumen stehen den Künstlern Duschen, eine Waschküche, Umkleideräume, eine grosse Küche, die als Besprechungsraum dienen kann, und ein Büro zur Verfügung. In diesem Projekt prägen Verbindungen die Architektur. An der Fassade prägt die Verbindung der Metallrahmen mit der gestrichenen Holzschalung die Erscheinung. Einen zusätzlichen Akzent setzen die starken horizontalen Linien zwischen den Geschossen. An den Innenwänden sind im unteren und oberen Teil zwei Bänder sichtbar. Sie ermöglichen es, die Präzision der Verbindung zwischen den vorgefertigten Rahmen zu kontrollieren und die Montage und Demontage zu erleichtern. Um einen einfachen Abbau zu ermöglichen, sind die Anschlüsse mit sichtbaren Schrauben oder zugänglich bleibenden Anschlussteilen ausgeführt.


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Ort Rue du Cardinal-Journet 22, 1217 Meyrin Bauherrschaft Fondation Meyrinoise du Casino, Meyrin Architektur Christian Dupraz Architectes, Genf; Projektleiter: Javier Gonzalez Beratung Szenographie Gilles Lambert, Troinex Bauingenieur Thomas Jundt Ingénieurs Civils, Carouge Ingenieur HLKS Energestion SA – Ingénieurs Conseils SIA, Carouge Bauakustik Architecture & Acoustique SA, Genf Holzbauingenieur ERNE AG Holzbau, Laufenburg, und JPF-Ducret, Bulle Generalunternehmer JPF Construction SA, Bulle Materialien Brettschichtholz 240 m3 mit Herkunftszeichen Schweizer Holz Baukosten BKP 1–9 CHF 8,2 Mio. (inkl. Mwst.) Baukosten BKP 2 CHF 6,6 Mio. (inkl. Mwst.) Grundstücksfläche SIA 416 2420 m2 Geschossfläche SIA 416 568 m2 Gebäudevolumen SIA 416 6552 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 1000.– Bauzeit September 2016 – Dezember 2017 Fotografin Laura Keller Sanna, Genf

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Längsschnitt

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Erdgeschoss

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Innenansicht

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Dachaufbau von aussen: Kies 50 mm Trennlage Dichtungsbahn Dämmung 220 mm Dampfsperre Dreischichtplatte 25 mm

Aufbau Decke kleiner Übungsraum von oben: Hohlraum OSB 15 mm Holzwolle 60 mm Lattung 60 m

Bodenaufbau von oben: Dreischichtplatte 19 mm Gipsfaserplatten 2 x 12,5 mm Trittschalldämmplatte 20 mm Holz-Beton-Verbund-Elemente: Überbeton 100 mm Rippen 250 mm

Aufbau Decke grosser Übungsraum von oben: Hohlraum 125 mm OSB 25 mm Hohlraum 120 mm Holzwolle 60 mm Lattung 60 m


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Bootshaus Solothurner Ruderclub, Solothurn Das erneuerte Bootshaus des Solothurner Ruderclubs ist bis auf die Fundation aus Stahlbeton und den bestehenden Stahlbau in der Aare als Holzbau konzipiert und aufgrund der sehr kurzen Bauzeit teilweise vorfabriziert erstellt worden. Der Solothurner Ruderclub, 1910 gegründet, erhielt 1911 ein erstes, einfaches Bootshaus. Bereits 1919 musste dieses wegen Platzmangels einem grösseren Neubau weichen. Charakteristische Merkmale wie das steile Walmdach und die repräsentative, über die Aare hinausragende Altane des Kopfbaus sowie das schlanke, langgezogene Volumen des Bootslagers zeichneten diesen im Heimatstil errichteten Holzbau aus. Spätere bauliche Veränderungen verunklärten indessen teilweise die ursprünglich ausgewogene Gestalt. Aufgrund des schlechten Bauzustands und gestiegener Anforderungen des Ruderclubs wurden phalt Architekten AG 2015 mit der Erneuerung des Bootshauses beauftragt. Die geforderten zusätzlichen Nutzflächen konnten wegen der baurechtlichen Vorgaben und aufgrund der Lage in der Freihaltezone nur innerhalb des bestehenden Volumens generiert werden. Dank Absenkung des Bootshallenbodens und Optimierung der Aufbauhöhen der Konstruktion konnte das Dachgeschoss nutzbar gemacht werden. So liessen sich die geforderten Räume

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innerhalb des bestehenden Volumens organisieren und störende Anbauten entfernen. Zur natürlichen Belichtung und Belüftung des neu genutzten Dachraums wurde die nordseitige Dachfläche des Bootshallentrakts mit fünf liegenden Schleppgauben ergänzt. Die Längsfassaden wurden partiell geöffnet, um Einund Ausblicke in die Bootshalle zu gewähren. Die Fensterelemente aus Lochblech rhythmisieren zusammen mit den breiten Deckleisten den langen Baukörper und verleihen der Aussenhülle eine stärkere Tiefenwirkung. Die für den Heimatstil typische Farbgebung wurde adaptiert und verfeinert umgesetzt. Die schmalen, hell gestrichenen Deckleisten wurden durch breite Deckleisten im Rhythmus der dahinterliegenden Holzstützen ergänzt und prägen im Kontrast zu der dunkleren Holzschalung und den neuen Öffnungen das äussere Erscheinungsbild des Bootshauses. Um die räumliche Wirkung der Innenräume zu stärken und um der Forderung der Bauherrschaft nach einer unprätentiösen und robusten Materialisierung gerecht zu werden, wurde der Innenausbau bis auf die Nasszellen und den Bodenbelag der Garderoben einheitlich und aus einem Material ausgeführt. Gelaugte und geseifte Dreischichtplatten aus Fichtenholz bilden die Oberflächen im Inneren und prägen die Atmosphäre im gesamten Bootshaus.


Situation


Längsschnitt

Querschnitt

Untergeschoss

Erdgeschoss

Obergeschoss

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20 m


Dachaufbau von aussen: Ziegel Ziegellattung 30 mm Konterlattung 60 mm Unterdachfolie Holzfaserdämmplatte 35 mm Sparren 200 mm/Dämmung Dampfbremse Lattung 30 mm Dreischichtplatte 19 mm Deckenaufbau von oben: PU-Belag fugenlos Gipsfaserplatte 2 x 12,5 mm Trittschalldämmung 10 mm Kastenelement: Furnierschichtholz 45 mm Rippe 260 mm/Dämmung Dreischichtplatte 19 mm Aufbau Fassade Bootshalle von aussen: Holzleisten konisch 24 mm, sägeroh Holzschalung vertikal 16 mm, sägeroh Lattung horizontal 60 mm Holzstützen 200 mm Detailschnitt

Ort Römerstrasse 29, 4500 Solothurn Bauherrschaft Solothurner Ruderclub Architektur phalt Architekten AG, Solothurn/Zürich Bauleitung Anderegg Partner AG, Bellach Bauingenieur H. Katzenstein AG, Solothurn Bauphysik BAKUS Bauphysik & Akustik GmbH, Zürich HLKS-Ingenieur Gurtner AG, Solothurn Elektroingenieur Henzi Elektro AG, Bellach Holzbauingenieur Makiol Wiederkehr AG, Beinwil am See Holzarbeiten Späti Holzbau AG, Bellach (Holzbau), von Allmen Innenausbau AG, Zuchwil (Innenausbau und Türen), Gawo Gasser AG, Wolhusen (Fenster), und Bord GmbH – Design Furniture, Zürich (Möbel) Baukosten BKP 1–9 CHF 1,96 Mio. (inkl. Mwst.) Baukosten BKP 2 CHF 1,82 Mio. (inkl. Mwst.) davon BKP 214 CHF 690 000.– (inkl. Mwst.) Grundstücksfläche SIA 416 874 m2 Gebäudegrundfläche SIA 416 400 m2 Geschossfläche SIA 416 735 m2 Gebäudevolumen SIA 416 2104 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 865.– (inkl. Mwst.) Bauzeit August 2016 – April 2017 Fotograf Roger Frei, Zürich

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Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno Mühlebachstrasse 8 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 info@lignum.ch www.lignum.ch

Holzbulletin, September 2018 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

Redaktion Roland Brunner, Lignum, und Audanne Comment, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 140.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten.

Administration, Abonnemente, Versand Lignum, Zürich

Lignum-Mitglieder erhalten das Holz­bulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern.

ISSN 1420-0260

Lignum-Hotline: 044 267 47 83 Benutzen Sie unsere Fachberatung am Tele­fon von 8–12 Uhr, die täglich von Montag bis Freitag gratis zur Verfügung steht.

Druck Kalt Medien AG, Zug

Holzbulletin 128/2018  

Holz bewegt

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