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Holzbulletin 126/2018 Bauen für Kinder Neubau zweier Doppelkindergärten, Ipsach Kinderkrippe Monthoux, Meyrin Kindergarten Räsch, Obfelden Kinderkrippe La Chapelle-Les Sciers, Grand-Lancy Neubau Doppelkindergarten Zelgli, Kleinandelfingen Neubau Kinderkrippe Universitätsspital Zürich Aufstockung Tagesbetreuung ‹Arche›, Wallisellen Kindergarten Cassarate, Lugano

Bei den beiden neuen Doppelkindergärten in Ipsach schärft der Wechsel von Innenund Aussenräumen den Sinn der Kinder für Nachbarschaft und Gemeinschaft. Architektur: bauzeit architekten GmbH, Biel


Strukturierte Innenräume, durchlässige Aussenbereiche Die acht dokumentierten Projekte auf den folgenden Seite könnten nicht besser gefasst werden als mit dem Zitat von Winston Churchill: ‹There is no finer investment for any community than putting milk into babies› – ungefähr: ‹Es gibt für jedwelche Gemeinschaft keine bessere Investition, als Milch in Kleinkinder fliessen zu lassen.› Das launige Wort des grossen englischen Premiers ist nicht bloss eingängig, sondern verweist trotz humorvoller Formulierung auch direkt auf den gewichtigen Anteil der Verantwortung, die dem Gemeinwesen für unsere Kinder zukommt. Nicht nur Kindergärten und Schulen sind ein infrastrukturelles Muss, sondern auch Krippen und Tagesstätten sind ein wachsendes Bedürfnis, das aus dem gesellschaftlichen Wandel folgt: Zunehmend sind beide Elternteile berufstätig. So sind derartige Bauten in unserer Auswahl gut vertreten. Was bei allen Projekten dieses Heftes ins Auge fällt, ist die sorgfältige Verbindung der Innen- und der Aussenräume auch unter teils schwierigen Voraussetzungen. Klug gestaltete Übergangszonen führen dann etwa vom geordneten Innen zum teils wilden Aussen. Der gebaute Innenraum wird damit Teil der inszenierten baulichen Wahrnehmung und lässt manchmal die Komplexität der Ausgangslage fast vergessen. So entstehen vielseitige Konstruktionen, welche Ausdruck vielfältiger, in Einklang gebrachter Anforderungen verschiedenster Natur sind. Nicht ausschliesslich, aber zu einem guten Teil verdankt sich dieses Gelingen immer wieder dem Material Holz. Roland Brunner und Audanne Comment, Technische Kommunikation Lignum

Ort Höhestrasse 9a+b, 2563 Ipsach Bauherrschaft Einwohnergemeinde Ipsach Architektur bauzeit architekten GmbH, Biel Bauingenieur Weber + Brönnimann AG, Bern Bauphysik Grolimund + Partner, Bern HLKK- und Elektroingenieur MSR-Technik, Orpund Holzbauingenieur Indermühle Bauingenieure GmbH, Thun Holzarbeiten Hector Egger Holzbau AG, Langenthal (Holzbau), Brodbeck AG, Biel (Bodenbeläge aus Holz), sowie Sabag AG, Biel, und Schreinerei Hübscher + Partner AG, Biel (Innenausbau) Materialien Brettschichtholz und Balkenschichtholz 280 m3, Fassadenschalung 66 m3 Baukosten BKP 1–5 CHF 4,9 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 4,3 Mio. davon BKP 214 CHF 0,956 Mio. Grundstücksfläche SIA 416 21806 m2 (ganze Parzelle) Gebäudegrundfläche SIA 416 853 m2 Geschossfläche SIA 416 930 m2 Gebäudevolumen SIA 416 3213 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) 1340.– Bauzeit Oktober 2014 – Juni 2015 (1. Etappe), Oktober 2015 – Juli 2016 (2. Etappe) Fotograf Yves André, Vaumarcus

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Neubau zweier Doppelkindergärten, Ipsach Das aus Holz gebaute Volumen steht auf einem Betonsockel. Eine differenzierte Farbgebung charakterisiert die Gebäudehülle: dominantes Gelb-Rot für den lebendigen Innenhof und Grün-Gelb zur Orientierung auf die Umgebung. Das Gebäude ist im Minergie-PEco-Standard entstanden; Solarpaneele decken das gesamte Dach. Die Lage der zwei neuen Doppelkindergärten ist geprägt durch den nordwestlichen Hang, der zum See hin abfällt und im unteren Bereich an ein Wohngebiet angrenzt. Das Projekt situiert sich im untersten, flachsten und sonnigsten Teil des Grundstücks, so dass der grüne Streifen am oberen Ende der Parzelle frei bleibt. Der eingeschossige Grundriss bettet sich in die vorhandene Topografie. Die Räume öffnen sich zur Sonnenseite. Umfang und Geometrie des Projekts stehen in Bezug zur Umgebung; die Lage am relativ steilen Hang schafft Durchlässigkeit hin zum See. Dank der vielfältigen geometrischen Anordnung bilden die sehr einfachen Elemente ein organisches Ganzes und eröffnen diverse Spiel- und Aufenthaltsräume im Aussenbereich. Der Wechsel von Innenund Aussenräumen schärft auf spielerische und geschützte Weise den Sinn der Kinder für Nachbarschaft und Gemeinschaft.

Jeweils zwei Kindergärten spannen einen Innenhof auf. Verbunden sind sie durch einen überdachten Teil, der zum gemeinsamen Eingang führt. Auf der sonnigen und windgeschützten Seite, teilweise im Hang, sind weitere, durch Stützelemente eingerahmte Aussenräume angeordnet. Diese Plätze sind sowohl für gemeinschaftliche als auch für individuelle Aktivitäten geeignet. Abgesehen von den Garderoben, welche sich zwischen den beiden Klassenzimmern befinden, gestatten die Haupträume einen weiten Blick nach aussen. Mittelpunkt ist der grosse, offene Gemeinschaftsraum. Für ruhigere Aktivitäten und für kleine Gruppen sind die intimere Galerie und ein abtrennbarer Raum vorgesehen. Die Volumetrie der Räume soll anregen und Gegensätze in Beziehung setzen. Die Disposition der Grundrisse macht eine Integration in die bestehende Tagesschule möglich. Die Wände sind vorgefertige Holzständerwände. Über den grossen Fensteröffnungen mit bis zu 10,5 m Breite sind diese als verklebte Stegträger ausgeführt. Das belüftete Dach baut auf Kastenelementen auf, welche bis zu 8,5 m überspannen. Dabei bilden sie eine leichte Satteldachform aus, welche mit biegesteifen Knicken in den Kastenelementen erreicht wurde.

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10 m

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Kiga 2: Schnitt


Kiga 1: Untergeschoss

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Kiga 1: Erdgeschoss

Kiga 1: Galerie

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Dachaufbau von aussen: Fotovoltaik-Anlage Befestigungselemente Konterlattung 100 mm Unterdachbahn Kastenelement: Dreischichtplatte 40 mm Rippen 280 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Dampfbremse Lattung 120 mm/Dämmung Lattung 30 mm Akustikvlies Dreischichtplatte 19 mm, gelocht Aufbau Aussenwand von aussen: Vertikalschalung 22 mm mit offenen Fugen Lattung 2 x 20 mm Fassadenbahn Holzfaserdämmplatte 60 mm Lattung 100 mm/Dämmung Ständer 240 mm/Dämmung OSB 15 mm Dreischichtplatte 19 mm Bodenaufbau von oben: Parkett 9 mm Unterlagsboden 86 mm mit Bodenheizung Dampfbremse Dämmung 20 mm Dämmung 180 mm Feuchtesperre Beton 200 mm Magerbeton 50 mm Fassadenschnitt

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Detailschnitt Dach: Die First- respektive Gratlinien in den Dachflächen sind als biegesteife Stösse mit in den Kastenelementen integrierten Pfetten ausgeführt. Laschen in Furnierschichtholz dienen der Übertragung der Zugkräfte.

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Kinderkrippe Monthoux, Meyrin Mitten in einem Park in Genf-Meyrin wurde eine Kinderkrippe in Elementbauweise realisiert. Sie bildet eine einfache und ästhetische Lösung für drängende Platznot. Die Ortschaft Meyrin, rund 6 km vom Zentrum von Genf entfernt, hat seit den sechziger Jahren einen tiefgreifenden Wandel erlebt. Das ehemalige 3000-Seelen-Dorf ist zu einer Satellitenstadt mit über 23 000 Einwohnern angewachsen. Heute zeigt sich Meyrin als Agglomerationsstadt mit geordneten Häuserzeilen, durchschnitten von grossen Industriegebieten. Die Kinderkrippe Monthoux liegt nicht weit vom alten Ortszentrum entfernt, auf einem Grundstück mit einer bestehenden Schule. Der Neubau ist auf einer Ebene organisiert. Mit seiner schlichten Erscheinung setzt er sich der komplex strukturierten baulichen Umgebung entgegen und konzentriert sich auf den Dialog mit dem ihn umgebenden Grün. Um dem Wunsch nach kurzer Bauzeit, hoher Raumqualität und Kostenkontrolle gerecht zu

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werden, schlugen die Architekten einen modularen Holzbau vor. Die Krippe konnte schliesslich in sehr kurzer Zeit realisiert werden: Nur ein Jahr nach den ersten Gesprächen war sie mit 82 Kindern im Vorschulalter belegt. Die Kinder, von denen einige den ganzen Tag in der Krippe verbringen, sind einige Monate bis fünf Jahre alt. Das leicht abfallende Gelände sprach für ein niedriges Volumen. Es ist nach allen Seiten offen und wird an seinen Rändern durch Laubengänge erweitert. Diese dienen im Brandfall als Fluchtwege. Darüber hinaus werden sie zum Spiel- und Erkundungsraum für die Kinder, vermitteln zum Park hin und werden zur strukturierten Empfangszone. Der natürliche Bewegungsdrang der Kinder kann sich in grosszügigen Räumen entfalten. Draussen durchquert eine lange Rampe den Park und bringt Kleinkinder, ihre Eltern und Spaziergänger zur Front des Gebäudes. Dort führt ein grosser Vorraum zu einem innenliegenden Gang, der über die gesamte Länge

des Volumens verläuft. Die Aufteilung über die 70 m Länge erfolgt durch die drei Garderoben mit darüberliegenden Oberlichtern, welche das natürliche Licht modulieren und seine Verteilung lebendiger erscheinen lassen. Die sechs Gruppenräume bilden ein durchgehendes Band nach Nordwesten. Mittels einer grossen Schiebetüre lassen sich jeweils zwei Räume zu einem grossen verbinden. Jedem der sechs Gruppenräume ist ein Zwischenraum zugeordnet, der wie ein losgelöster Kern behandelt wird und die dahinterliegenden Ruheräume abtrennt. Eine zweite durchgehende Zone gegenüber beherbergt den Verpflegungsraum, verbunden mit einer professionellen Küche, Sitzungszimmer und verschiedenen Nebenräumen. Über den betonierten Punktfundamenten spannen Stahlträger, über welche die Bodenelemente versetzt sind. Die Flachdachkonstruktion ist auf den beiden längs verlaufenden Innenwänden und den Aussenwänden abgestützt. Letztere zeigen sich mit zwei Typen von Fassadenbekleidungen: zum einen


mit einer weiss verputzten Aussenwärmedämmung im Hinblick auf die kantonalen Anforderungen an eine hohe Energieeffizienz, zum anderen mit zwei horizontalen Bekleidungsflächen aus Lamellen in Douglas der Abmessung 120 x 60 mm als Sichtschutz für die Laubengänge und als Dachrandbekleidung. Der leicht rosafarbene Ton von Douglas inspirierte zu weichen Tönen im Inneren, die einen neutralen Farbraum bilden. Im Laufe der Zeit wird das sichtbare Holz der Fassaden gleichmässig vergrauen und noch stärker mit seiner grünen Umgebung verschmelzen. Die vorgefertigten Elemente der Konstruktion orientieren sich in ihren maximalen Massen am LKW-Transport. So konnten die Hauptarbeiten vor Ort in nur drei Wochen realisiert werden, wodurch die Nachbarschaft einer minimalen Lärmbelastung ausgesetzt war.

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Situation

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Ort Rue Alphonse-Large 12, 1217 Meyrin Bauherrschaft Service d’urbanisme, travaux publics, énergie – Commune de Meyrin Architektur Christian Dupraz Architectes, Genf; Projektleiter: Javier Gonzalez Bauingenieur Thomas Jundt Ingénieurs Civils SA, Carouge HLK-Planer Energestion SA, Les Acacias Baugrundvorbereitung Rampini & Cie SA, Vernier Generalunternehmer ERNE AG Holzbau, Laufenburg Materialien Konstruktionsholz 260 m3; Platten: Gipsfaserplatten 5100 m2, zementgebundene Spanplatten 2200 m2; Latten in Douglas für Bekleidungen 45 m3 Baukosten BKP 1–9 CHF 7,6 Mio. inkl. Mwst. Baukosten BKP 2 CHF 5,2 Mio. inkl. Mwst. davon BKP 214 CHF 1,8 Mio. inkl. Mwst. Grundstücksfläche SIA 416 7275 m2 Geschossfläche SIA 416 1585 m2 Gebäudevolumen SIA 416 7108 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 700.– Bauzeit September 2014 – Januar 2015 (Gebäude), 2016 (Umgebung) Fotografin Laura Keller Sanna, Petit-Lancy, © Christian Dupraz Architectes

Erdgeschoss

Längsschnitt

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Dachaufbau von aussen: Kies 40 mm Wasserdichtung Gefällsdämmung Dampfsperre Rippenelement: OSB-4 25 mm Balken 280 mm/Dämmung Gipsfaserplatte 15 mm Aufbau Aussenwand von aussen: Aussenputz Holzfaserdämmplatte 80 mm Ständer 180 mm/Dämmung Dampfbremse Gipsfaserplatte 15 mm Deckenaufbau von oben: Linoleum 2,5 mm Unterlagsboden 100 mm mit Bodenheizung Kastenelement: OSB-4 25 mm Balken 200 mm/Dämmung OSB-4 15 mm

Fassadenschnitt

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Kindergarten Räsch, Obfelden Das Dorf Obfelden im Süden des Kantons Zürich wird von Feldern, Wiesen und Waldstreifen umschlossen. In seiner Mitte, zwischen der Kirche und einem Bach gelegen, wurde das baufällige Kindergarten-Provisorium aus dem Jahr 1973 ersetzt. Der neue Solitärbau in Holz ist auf dem bestehenden Plateau zentriert angeordnet und von Spielflächen umgeben. Der Entwurfsprozess war inspiriert vom spielerischen Entdecken der Formen, Silhouetten, Raumstrukturen mittels selber erbauter Modelle. Basis waren die engen formalen Vorgaben klassischer Bauwerke wie der Villa Rotonda aus der Renaissance, erstellt von Andrea Palladio. Daraus ergab sich die erste Grundrisstypologie des griechischen Kreuzes, in dem quadratische Flächen aufeinandertreffen. Das grosse Dach, das den Bau wie ein Hut überspannt, folgt dem Gedanken, den Kindern die Natur zugänglich zu machen und sie zugleich vor der Witterung zu schützen. Unter diesem Dach erlebt das Kind die Unterrichts-

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räume als grosse Nischen. Dazwischen ergeben sich Verbindungswege, Korridore und Aufenthaltsräume. So sind im Erdgeschoss drei Kindergartenräume, Räume für Kleingruppen, Psychomotorik, Malen und Werken sowie Toiletten und Duschen, Stau-, Putz- und Geräteraum angeordnet. In der Gebäudemitte öffnet sich der Raum über zwei Geschosse, führt Licht nach unten und den Blick über eine Wendeltreppe ins Obergeschoss. Hier sind weitere Gruppenräume, das Lehrerzimmer mit Küche sowie Toiletten und Duschen angeordnet. Auf dem Weg zum Kindergarten geht das Kind den Spielplatz entlang, vorbei an einem grossen Regenwasser-Dachspeier, über Treppenstufen unter das weit auskragende Vordach zum Gebäudeeingang und gelangt in die Garderobe. Lernen und Spielen kann an vielen Orten stattfinden: im Erdgeschoss, auf der Galerie des doppelgeschossigen Innenraums, auf der überdeckten Holzveranda und im Garten. Das Gebäude ermöglicht es dem Kind, die Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen, und wird

so nicht nur zu einem olfaktorischen, akustischen und haptischen Erlebnis, sondern lässt das Kind auch Dimensionen, Proportionen und Perspektiven erfahren. Konstruiert ist das Tragwerk des Gebäudes aus Schweizer Holz. Die inneren Oberflächen und die Fassadenbekleidung sind in Fichte/ Tanne ausgeführt. Die Böden im Inneren und die Treppenstufen bestehen aus massiven Eschenriemen. Der Bodenrost aussen ist aus Lärche. Über Punktfundamente mit darüber spannenden Stahlträger sind der Boden, die Decke und das Dach als Rippenelemente aufgebaut. Die Wände sind in Holzrahmenbauweise ausgeführt. Das 950 m2 grosse, begrünte Dach liegt auf diesen Wänden und einer umlaufenden Struktur aus Stützen und Streben auf. Um das Gebäude wachsen Sträucher und Bäume, dazwischen gibt es Spielgeräte, eine Feuerschale und Weidenhütten, und vom Dach plätschert das Regenwasser aus weit auskragenden Speiern in den Garten.


Ort Räsch 15, 8912 Obfelden Bauherrschaft Primarschule Obfelden Architektur Melk Nigg Architects AG SIA, Zug Landschaftsarchitektur Hager Partner AG, Zürich Bauingenieur Gruner Berchtold Eicher AG, Zug Energie- und Umweltingenieur Olos AG, Baar Geologie Schläpfer & Partner, Ingenieurbüro AG, Zürich Bauphysik RSP Bauphysik AG, Luzern Lichtplanung Neue Werkstatt GmbH, Winterthur Holzbauingenieur Lauber Ingenieure AG, Luzern Holzbau PM Mangold Holzbau AG, Ormalingen Materialien Bauholz: Brettschichtholz 67,9 m3, Vollholz Fichte/Tanne 7,3 m3 und Lärche 3,9 m3, Balkenschichtholz 99,3 m3, Grossformatplatten 80 mm 2,2 m3; Platten: OSB 10 m2, Dreischichtplatten 27 mm 3655 m2 und als Akustikplatten mit Lochung 850 m2, Einschichtplatten 27 mm 44 m2; Latten 4,1m3; Fassadenschalung in Fichte/Tanne, sägeroh 300 m2; Bodenriemen in Esche 820 m2; Auszeichnung ‹Herkunftszeichen Schweizer Holz› für die Tragkonstruktion (100 % Schweizer Holz, Vorgabe mind. 80 %) Baukosten BKP 1–9 CHF 4,2 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 3,0 Mio. davon BKP 214 CHF 0,99 Mio. Grundstücksfläche SIA 416 1936 m2 Gebäudevolumen SIA 416 5179 m3 (total), 4719 m3 (Obergeschosse), 460 m3 (Untergeschoss) Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 580.– Bauzeit September 2016 – April 2017 Fotografen Sverin Jakob, Zürich, und Melk Nigg, Zug

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Erdgeschoss

Obergeschoss

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Längsschnitt

Querschnitt

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Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung 80 mm Schutzschicht 20 mm Abdichtung Dämmung 100 mm Rippenelemente: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 260 mm Lattung 50 mm/Dämmung 30 mm Dreischichtplatte 19 mm, mit Lochung für Akustik Aufbau Decke von oben: Bodenriemen in Esche 22 mm Dreischichtplatte 27 mm Rippenelemente: Rippen 220 mm/Dämmung 80 mm Dreischichtplattenstreifen 27 x 300 mm Lattung 30 mm Gipsfaserplatte 15 mm Lattung 30 mm Dämmung 30 mm Dreischichtplatte 19 mm, mit Lochung für Akustik Aufbau Aussenwand von aussen: Schalung vertikal in Fichte/ Tanne 22 mm, sägeroh Lattung horizontal 27 mm Lattung vertikal 30 mm Holzfaserdämmplatte 52 mm Ständer 200 mm/Dämmung Luftdichtigkeitsbahn Dreischichtplatte 27 mm Aufbau Boden von oben: Bodenriemen in Esche 22 mm Lattung 100 mm/Dämmung Luftdichtigkeitsbahn Rippenelemente: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 220 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Holzfaserdämmplatte 20 mm

Detailschnitte Traufe

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Kinderkrippe La Chapelle-Les Sciers, Grand-Lancy Die Kinderkrippe besteht aus zwei komplementären Teilen: der eigentlichen Krippe zum einen und dem Innenhof zum anderen. Während die Krippe Platz für fast hundert Kinder schafft, öffnet sich der Aussenraum auf eine grosszügige Grünfläche. In der Zone La Chapelle-Les Sciers entstehen im Laufe der Zeit nicht nur 1300 Wohneinheiten, sondern es werden auch Geschäfte, Büros, Schulen und eine Kinderkrippe geschaffen, um das neue Quartier zwischen den beiden Städten Plan-les-Ouates und Lancy zu beleben. 2011 wurde der Wettbewerb für die Realisierung einer Kinderkrippe gestartet. Das Gewinnerprojekt baut ein Volumen auf zwei Ebenen auf. Seine gefaltete Geometrie

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bildet zwei Flügel, die einen offenen Raum umschliessen. Letzterer kommuniziert mit einem weitläufigen Innenhof mit Holzdecks, die den mit Bäumen – darunter zwei grossen Zedern – besetzten Raum akzentuieren. Das gebaute Volumen und die ebene Umgebungsfläche sind gleichwertige Teile. Sie passen zueinander und greifen präzise ineinander. Diese Geste ist symbolisch. Sie erinnert an den Stellenwert des Materials Holz in der kindlichen Entwicklung. Die Architekten knüpfen mit ihrer Gestaltung an die Musikinstrumente, die Baumhütten, das Holzspielzeug an und schaffen eine Fläche für Assoziationen, die den Kindern nahe liegen. In den Innenräumen dominiert das Mineralische des rohen Betons. Kleine Eingriffe mit Holz

kontrastieren damit. Auf der Aussenseite ist das Gleichgewicht zwischen Holz und Mineralischem umgekehrt, zusätzlich hervorgehoben mit der edlen und dauerhaften Eiche. Dazu wurde die massive Struktur mit Holzelementen für die Aussenwände umhüllt. Die Öffnungen werden als einfache Formen behandelt, deren Proportionen trotz unterschiedlicher Grössen erhalten bleiben. Mächtige Rahmen betonen sie, indem sie zusammenkommen, sich berühren und manchmal ineinander verlaufen. Die Dicke der Fassaden, die den kantonalen Anforderungen an eine sehr hohe Energieeffizienz entspricht, ermöglicht die diskrete Aufnahme von Lüftungsgittern, die in der Leibung der Fenster sichtbar sind.


Situation

Schnitt

20 m

Erdgeschoss

Obergeschoss

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Ort Route de la Chapelle 20, 1212 Grand-Lancy Bauherrschaft Ville de Lancy Architektur Lacroix Chessex, Genf Bauingenieur Perreten & Milleret, Carouge Holzbau Vial Charpentes SA, Le Mouret Materialien Balkenschichtholz 29 m3, Fassadenschalung in Eiche 26 m3 Baukosten BKP 1–9 CHF 11,98 Mio. inkl. Mwst. Baukosten BKP 2 CHF 9,38 Mio. inkl. Mwst. davon BKP 214 CHF 566 000.– inkl. Mwst. Gebäudegrundfläche SIA 416 821m2 Geschossfläche SIA 416 1979 m2 Gebäudevolumen SIA 416 317 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 1280.– Bauzeit März 2014 – August 2015 Fotograf Joël Tettamanti, Lausanne

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Dachaufbau von aussen: Blecheindeckung Spundschalung 30 mm Lattung 60 mm Wasserdichtung Holzfaserdämmplatte 24 mm Lattung 250 mm/Dämmung Dampfbremse Stahlbetondecke 280 mm Lattung 130 mm/ Akustikdämmung punktuell Holzwerkstoffplatte als Akustikdecke 20 mm Aufbau Aussenwand von aussen: Fassadenschalung vertikal in Eiche 25 mm Lattung 2 x 27 mm Winddichtung Holzfaserdämmplatte 24 mm Ständer 160 mm/Dämmung OSB 15 mm Dampfbremse Lattung 60 mm/Dämmung Mitteldichte Holzfaserplatte 20 mm

Fassadenschnitt

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Neubau Doppelkindergarten Zelgli, Kleinandelfingen Der neue Doppelkindergarten Zelgli wurde als Ersatz des bestehenden Einfachkindergartens aus den fünfziger Jahren erstellt. Mit einer eigenständigen Geometrie reagiert der eingeschossige Pavillon auf seine periphere Stellung am Dorfrand. Er sucht die Verbindung eher mit der angrenzenden offenen Landschaft und dem Garten als mit den bestehenden Bauten. Auf diese Weise bleibt die gewachsene, stimmige und beinahe romantische Anlage intakt. Dennoch bezieht sich der neue Kindergarten mit seinen drei seriellen Satteldächern auf die angrenzenden Gebäude. Er ist Nord–Süd ausgerichtet, analog dem ursprünglichen Kindergarten. Das ermöglicht eine optimale, dreiseitige Orientierung der beiden Haupträume und ihrer dazugehörigen Gruppenräume. Mit der Plazierung des Hauses im Schwerpunkt des Grundstücks bleiben gut bemessene Aussenräume für den Aufenthalt und das Spiel der Kinder bestehen. Über sechseckige Verbundsteine erreicht man die rhomboide Eingangshalle. Jedes Kind zieht hier seine Schuhe aus und schlüpft in die Hausschuhe, die es in seinem eigenen Garderobenabteil am Vortag ordentlich eingestellt hat. Nach links und rechts strömen die Kindergartenkinder in die beiden hellen und offenen Haupträume mit Satteldach. Ein paar Kinder steuern schon zielstrebig den angrenzenden Gruppenraum an, und einzelne klettern über die schmale Treppe in den Dachraum, bevor die Kindergärtnerin zur Versammlung im eingerichteten Kreis ruft. Im angrenzenden, dreieckigen Lehrerraum hat sie sich auf die Stunden vorbereiten können. Der gesamte Kindergarten ist auf einem gleichschenkligen Dreieck aufgebaut. Einerseits hat sich diese Konzeption aus der Grundstücksform entwickelt, andererseits aber auch aus der Erkenntnis der vielfältigen Raumqualitäten, die sich daraus ableiten lassen. So sind unterschiedlichste, inspirierende Räume zum Aufenthalt und Spiel für das kreative Lernen und Entdecken entstanden. Auf ein Untergeschoss wurde aufgrund der Wirtschaftlichkeit bewusst ver-

zichtet; weitere Liegenschaften der Primarschule bieten ausreichend Lager- und Stauraum. Beim gesamten Bau kamen nachhaltige und ökologische Materialien zur Anwendung. Das äussere Erscheinungsbild wird durch eine glasierte, indigoblaue Ziegelhülle geprägt. Die lebhaft changierende Oberfläche verändert sich mit dem Wechsel des Tageslichts von spiegelndem Weiss zu tiefem Blau und verbindet sich komplementär mit dem Grün der Umgebung. Die grosszügigen Fensterflächen gewährleisten eine optimale Tageslichtsituation in den Räumen, verbunden mit einem guten Aussenraumbezug. Die Anordnung der Räume und der Türen ermöglicht Durchblicke und Bezüge zu den allseitig um das Gebäude angeordneten Spielflächen. Bei schönem Wetter ist der Unterricht in der kindergerecht gestalteten Umgebung ein besonderes Erlebnis. Mit einfachen landschaftlichen Mitteln wird die Umgebung des Baus ergänzt, so dass neue und abwechslungsreiche Erfahrungsräume für die Kinder entstanden. Die konsequente Arrondierung des ganzen Areals mit einer Hecke erhöht die Sicherheit für die spielenden Kinder. Für diese ist der Zugang über ein zentrales Gartentor von der Ostseite geregelt, und ein neues Trottoir parallel zur Zelglistrasse führt sie sicher von der Breitestrasse zum Haupteingang. Der kleine Platz mit der Kreuzung Breite- und Zelglistrasse sorgt mit seinem Dorfbrunnen für einen schönen Eintritt in das Kindergartenareal. Der Neubau ist in vorgefertigter Holzrahmenbauweise mit einer den Anforderungen von Minergie entsprechenden Gebäudehülle erstellt. Das ermöglichte einen präzisen Bau in kurzer Zeit. Das Dach wurde als Scheibe durchgebildet, um über den weitgespannten Fensteröffnungen in den Haupträumen mit schlanken Unterzügen viel Licht ins Innere zu bringen. Mit dem Grundriss in Form eines Sechsecks ergibt sich aus der Stabilisierung mit den Wandscheiben keine relevante Lastkonzentration für die Lasteinleitung in die Fundation. Grosse Sorgfalt floss in die konstruktiv und bauphysikalisch korrekte Durchbildung der Sheddachrinnen ein.

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Ort Zelglistrasse 256, 8451 Kleinandelfingen Bauherrschaft Primarschule Andelfingen Architektur Arge Meyer Stegemann Architekten AG und Hunkeler Hürzeler Architekten AG, Schaffhausen Bauingenieur Bachmann Stegemann + Partner AG, Andelfingen Bauphysik Zehnder & Kälin AG, Winterthur Haustechnikplanung Rolf R. Mäder Haustechnikplanung, Schaffhausen Elektroplanung Elektro Design + Partner AG, Winterthur Holzbauingenieur IHT Rafz Ingenieurholzbau + Holzbautechnik GmbH, Rafz Holzbau Strabag AG, Lindau Materialien Brettschichtholz 70 m3, Dreischichtplatten 27 mm und 42 mm 975 m2, OSB 15 mm und 25 mm 1365 m3, Holzfaserdämmplatten 35 mm 12 m3 Baukosten BKP 1–5 CHF 2,176 Mio. inkl. Mwst. Baukosten BKP 2 CHF 2,026 Mio. inkl. Mwst. davon BKP 214 CHF 445 500.– inkl. Mwst. Grundstücksfläche SIA 416 1893 m2 Gebäudegrundfläche SIA 416 458 m2 Geschossfläche SIA 416 568 m2 Gebäudevolumen SIA 416 2412 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 840.– Bauzeit Dezember 2014 – Juli 2015 Fotograf Hannes Henz, Zürich

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Erdgeschoss

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Obergeschoss

5m


Längsschnitt

10 m

Dachaufbau von aussen: Eindeckung Tonziegel, glasiert Ziegellattung 30 mm Konterlattung 60 mm, teilweise in Keilform Unterdachbahn Holzfaserdämmplatte 120 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Balken 200 mm/Dämmung OSB-3 25 mm, luftdicht abgeklebt Akustikdecke mit Abhängung und Gipsfaserplatte gelocht 100 mm Dachaufbau bei Randflächen von aussen: Eindeckung Tonziegel, glasiert Ziegellattung 30 mm Konterlattung 60 mm, teilweise in Keilform Unterdachbahn Holzfaserdämmplatte 100 mm Dreischichtplatte 27 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Balken 200 mm/Dämmung OSB-3 25 mm, luftdicht abgeklebt Akustikdecke mit Abhängung und Gipsfaserplatte gelocht 100 mm

Fassadenschnitt

Aufbau Aussenwand von aussen: Eindeckung Tonziegel, glasiert Ziegellattung 30 mm Konterlattung 30 mm Winddichtungsbahn Holzfaserdämmplatte 35 mm Ständer 240 mm/Dämmung OSB-3 15 mm, luftdicht abgeklebt Gipsfaserplatte 15 mm

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Neubau Kinderkrippe Universitätsspital Zürich Aufgrund dringenden Platzbedarfs in der Kindertagesstätte des Universitässpitals Zürich wurde ein eigenständiger Neubau realisiert, der wie ein Anbau an die bestehende Kindertagesstätte anschliesst. Der neue Krippenbetrieb mit drei Gruppen von Kindern im Alter bis vier Jahre funktioniert denn auch in Abhängigkeit von seinem Nachbargebäude. Die Gebäude Sonneggstrasse 16, erbaut 1855/57, und Sonneggstrasse 12 stehen als klassizistische Solitäre in einer Gartenanlage, die von einer fragmentierten Blockrandbebauung des späten 19. Jahrhunderts umgeben ist. Ungefähr an der Stelle des heutigen Neubaus stand bis 1985 das zweigeschossige Innenhofgebäude Culmannstrasse 4. Ein viergeschossiger Baukörper bildet zusammen mit dem Gebäude der Sonneggstrasse 16 ein kompaktes Ensemble, das einen Rücken zur Erschliessungsstrasse im Hof bildet. Es entstehen eine Eingangsseite und eine Gartenseite. Der Anbau schliesst direkt an die bestehende Veranda an. Sie wird zum verbindenden Element der Gebäude. Der Durchgang unter der Veranda bildet den Zugang zum Grundstück und zu den beiden Hauseingängen. Mithilfe der prägnanten Auskragung der Obergeschosse

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nach Süden kann die Grundfläche des Anbaus minimal gehalten werden. Es bilden sich klar definierte Aussenräume, und der Garten kann optimal genutzt werden. Die Gebäudehöhe des Anbaus orientiert sich an den Traufhöhen der umgebenden Bebauung. Das einseitig geneigte Dach unterstreicht die hierarchische Unterordnung des Anbaus gegenüber der Sonneggstrasse 16. Das Erdgeschoss dient der allgemeinen Nutzung. Neben einem grosszügigen Kinderwagenraum, einer behindertengerechten Toilette mit Dusche und diversen Nebenräumen liegt hier der Bewegungsraum mit direkter Verbindung zum Garten. In den drei Obergeschossen befindet sich je eine Krippengruppe für zehn bis zwölf Kinder. Jede Gruppe verfügt über einen zentralen, nach Süden zum Garten ausgerichteten Spielraum mit kranzartig angeordneten peripheren Nutzungen wie Schlafen, Küche, Garderobe und Bad. Zusätzlich ist pro Geschoss ein unabhängiger Raum mit unterschiedlicher Nutzung untergebracht, im ersten Obergeschoss ein Atelierraum, im zweiten die Personalgarderobe mit Toiletten und zuoberst ein Büro respektive Besprechungsraum. Der Verzicht auf ein Untergeschoss und ein sehr ungleichmässig tragfähiger Baugrund

führten schon sehr früh in der Planung zum Entscheid, den Neubau in Leichtbauweise zu erstellen. Dadurch konnte auf aufwendige Fundationen mit Pfählungen verzichtet werden. Eine massive Bodenplatte aus Ortbeton dient als Fundament und Druckverteilplatte. Sie liegt auf einer lastabtragenden Perimeterdämmung. Das lastabtragende Tragwerk in Skelettbauweise ist in die Innen- und Aussenwände integriert. Einige Wandelemente sind zur Gebäudestabilisierung als Fachwerke über die gesamte Gebäudehöhe ausgebildet. Die Aussenwände sind mit einer hinterlüfteten Fassadenbekleidung aus horizontal und vertikal überlappenden, zementgebundenen Spanplatten erstellt. Im Bereich der Spielzimmer besteht die innere Beplankung aus Dreischichtplatten, ansonsten aus Gipsfaserplatten. Die Beplankungen der Innenwände variieren je nach Brandschutz-, Schallschutz- und ästhetischen Anforderungen zwischen doppelten und einfachen Gipsfaserplatten oder Dreischichtplatten. Die Flachdach- und Deckenkonstruktionen bestehen aus vorgefertigten Flächenelementen mit Spannweiten bis zu 6,0 m, ausgelegt auf einen Feuerwiderstand von REI 60. Der Aufbau darüber ist ein Trockenestrich. Die Flächenelemente sind gegen das dumpfe Dröhnen und


Poltern speziell ausgeführt. Zur Verbesserung der Raumakustik in den Gruppenräumen sind deren Unterseiten zudem perforiert und mit einer Absorberplatte hinterlegt. Die Konstruktion des Treppenhauses und des Liftschachtes erfolgten aus nichtbrennbaren Baustoffen in Stahl-Leichtbauweise. Der Baukörper tritt als schlichter Monolith in Erscheinung. Wegen der Nähe zum Nachbargebäude mussten die Fassaden nichtbrennbar ausgebildet werden. Die Verkleidung aus ungeschliffenen, zementgebundenen Spanplatten erfüllt diese Anforderung und nimmt mit ihrem mineralischen Charakter Bezug auf das bestehende Gebäude. Die Proportionen der Holzfenster wurden analog zum bestehenden Gebäude ausgebildet. Die Brüstungshöhen sind kindergerecht. Die Fenster sind aussen mit Metallzargen eingefasst. Im Inneren bleibt der Charakter des Holzbaus durch die rohe Holzdeckenuntersicht und die Holzverkleidung des Hauptraumes lesbar. Die übrigen Wände sind mit Gipsfaserplatten verkleidet und in einem hellen Elfenbeingelb gestrichen. Den Boden prägt ein blauer Linoleumbelag, in den Nassräumen ein farblich darauf abgestimmter Polyvinylbelag. Alle Materialien sind dampfdiffusionsoffen und

tragen zur Behaglichkeit der Räume bei. Die Energieversorgung des Neubaus der Kinderkrippe erfolgt gleich wie im bestehenden Nachbargebäude. Das Fernwärmenetz der ETH Zürich liefert Wärme für die Heizung. Das Brauchwarmwasser wird vom Gebäude an der Culmannstrasse 8 bezogen. Küchen und Nasszellen sind direkt an der Steigzone angeschlossen, welche über dem Technikraum liegt. Durch diese Massnahmen konnte der Platzbedarf der Haustechnik auf ein Minimum reduziert werden. Die Gartenfläche wurde durch den baulichen Eingriff kaum verkleinert. Eine gute Besonnung ist sichergestellt. Die Gartengestaltung schafft eine Spiellandschaft für die über 100 Kinder der bestehenden Kindertagesstätte und der neuen Kinderkrippe, die unter Nutzung der räumlichen Gegebenheiten, der Topografie und der Bepflanzung verschiedenartigste Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten bietet.

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Ort Sonneggstrasse 16 und Culmannstrasse 4, 8006 Zürich Bauherrschaft Gesundheitsdirektion Kanton Zürich, Hochbauamt Kanton Zürich, Baubereich 4 Architektur und Bauleitung Zinsli Magdeburg Architekten AG, Zürich Bauingenieur Knecht und Würmli, Porta AG, Zürich Elektroplaner Armin Spaltenstein, Kloten HLK-Planer RT Haustechnik GmbH, Zürich Sanitärplaner MS-Plan & Partner AG, Urdorf Gartengestaltung Spielträumer, Toni Anderfuhren, Bauma Holzbauingenieur Lauber Ingenieure AG, Luzern Holzarbeiten Kost Holzbau AG, Küssnacht am Rigi (Holzbau), und Lignatur AG, Waldstatt (Herstellung Flächenelemente) Materialien Bauholz: Brettschichtholz 20 m3, Balkenschichtholz 21m3; Flächenelemente für die Decken 240 mm 339 m2, Flächenelemente für das Dach 220 mm 114 m2; Platten: Dreischichtplatten 19 mm 155 m2, OSB 15 mm 432 m2, Gipsfaserplatten 1680 m2, mitteldichte diffusionsoffene Holzfaserplatten 335 m2; Fassadenbekleidung: zementgebundene Spanplatten 18 mm 433 m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 2,9 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 2,4 Mio. davon BKP 214 CHF 0,76 Mio. (inklusive Fassade, Fenster und Stahltreppe) Grundstücksfläche SIA 416 1570 m2 (exklusiv bestehende Gebäude) Gebäudegrundfläche SIA 416 118 m2 (nur Neubau) Geschossfläche SIA 416 490 m2 Gebäudevolumen SIA 416 1470 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 1630.– Bauzeit April 2014 – Februar 2015 Fotografen Hannes Henz, Zürich (Innenaufnahmen), und Jörg Magdeburg, Zürich (Aussenaufnahmen)

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Querschnitt

20 m

Lageplan

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Erdgeschoss

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1. Obergeschoss


2. Obergeschoss

3. Obergeschoss

10 m

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Tragwerksaxonometrie

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Dachaufbau von aussen: Extensive Begrünung Abdichtung Dämmung 160 mm Bauzeitabdichtung OSB 15 mm Vorgefertigtes Flächenelement 220 mm mit Hohlraumdämmung 60 mm Aufbau Aussenwand von aussen: Zementgebundene Spanplatte 18 mm Lattung 30 mm Mitteldichte diffusionsoffene Holzfaserplatten 16 mm Ständer 240 mm/Dämmung Luftdichtigkeitsbahn Gipsfaserplatte 15 mm oder Dreischichtplatten 19 mm Aufbau Decke von oben: Bodenbelag 10 mm Estrichelement mit Gipsfaserplatten 2 x 12,5 mm Hartschaumplatte 30 mm Wabenschüttung 60 mm OSB 15 mm Vorgefertigtes Flächenelement 240 mm mit Perforation für die Raumakustik und Hinterlegung mit Absorberplatte

Fassade: Detailansicht mit Horizontal- und Vertikalschnitt

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Situation

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Aufstockung Tagesbetreuung ‹Arche›, Wallisellen Die Tagesbetreuung ‹Arche›, 2009 in Betrieb genommen, kann seit 2016 den weiter gewachsenen Raumbedarf dank einer Aufstockung abdecken. In Anlehnung an die Primärstruktur des bestehenden Holzgebäudes liess sich eine Raumdisposition gemäss neuen Nutzerbedürfnissen schaffen. Im Baubestand von 2009 auf dem Areal der Schulanlage ‹Alpen› wurde die Tagesbetreuung der Kinder im Vorschul- und Schulalter an einem Ort zusammengefasst. Der Bau spannt sich orthogonal zwischen dem Alten Kirchweg und der Fussgängerachse Ruhgässli auf. Die städtebauliche Setzung des Längskörpers stellt den Abschluss zwischen der Wohnzone und dem öffentlichen Raum her. Auf der Südseite (Alter Kirchweg) bildet das dreigeschossige Volumen mit auskragendem Kopf eine klare Adressbildung. Gegen Norden fügt sich das Gebäude in die Hangtopografie ein, so dass zum Ruhgässli hin nur noch ein Geschoss in Erscheinung tritt. Die Gebäudeanordnung erlaubt es, jedes der drei Geschosse mit separaten, ebenerdigen Zugängen zu erschliessen, was gegenseitige Störungen im Betrieb vermeidet. Der Horteingang mit optionaler Schulraumerweiterung ist der Schulzone im Norden, der Krippeneingang der Wohnzone im Westen und der Mittagstisch dem öffentlichen Strassenraum im Süden zugewandt. Während die Westseite dem Zugangsbereich mit Spiel- und Erlebniszone dient, bildet die ostseitige Parkanlage mit dem imposanten Baumbestand eine wertvolle Erlebnis- und Verweilzone. Mit Hilfe einer Terrassierung wird der unmittelbare Aussenraum entlang des Gebäudes optimal nutzbar gemacht. Die Raumorganisation von Krippe und Hort ermöglicht einen autonomen Betrieb. Die Raumfolgen pro Geschoss sind intern verbunden und schaffen betriebliche Flexibilität in der Betreuung. Für die Aufstockung wurde das Konzept von geschossweise unabhängigen Betrieben beibehalten. Dazu wurde das innenliegende Treppenhaus mit Lift weitergeführt. Der neue Zugang auf der Nordseite wird über eine massive Aussentreppe in Sichtbeton erschlossen. Über grosszügige Vorzonen mit Garderoben sind sämtliche Räume erreichbar. Wie in den untenliegenden Geschossen sind Kleinküche und Personalräume auf der Westseite und die Nassräume in der zentralen Schicht angeordnet. Die neue Raumdisposition umfasst drei grossräumige Esszimmer mit dazwischenliegenden Spielräumen. Auch

hier sind die Räume untereinander verbunden, damit die betriebliche Flexibilität gewährleistet ist. Den Abschluss in der Raumfolge bildet der grosse Bewegungsraum auf ganze Gebäudebreite im südseitigen Gebäudekopf. Die Aufstockung als Holzbau ist eine materialgerechte und architektonisch selbstverständliche Ergänzung. Einerseits zeigt sich dies in der Fassadenbekleidung, welche sich aus den brandschutztechnischen Auflagen heraus entwickelte, andererseits wurde die gewählte Holzstruktur für die Aufstockung bewusst in einer differenzierten Horizontalschichtung thematisiert. Das Tragwerk zeigt sich als logische Weiterführung der bestehenden Konstruktion, welche im Gebäudebestand in Holz aus vier lastabtragenden Längsachsen an den Aussen- und den beiden zentralen Innenwänden bestand. Für den Bodenaufbau der Aufstockung werden diese Achsen genutzt: Die zusätzlichen Unterzüge in Brettschichtholz der Abmessung 200 x 300 mm setzen über Stahlprofile auf den bestehenden Stützen auf, dazwischen spannen die Kastenelemente als Einfeldträger. Trotz der für den Baubestand nicht vorgesehenen Aufstockung waren in den tragenden Innenwänden keine Ertüchtigungsmassnahmen erforderlich. Die neue Doppelbodenkonstruktion mit einem Dämmgranulat und schwimmend verlegten Estrichplatten darüber sowie einem fugenlosen Bodenbelag erfüllen die Anforderungen an den Trittschall optimal. Das Dach spannt mit Rippenelementen über die gesamte Breite zwischen den Aussenwänden. Die 600 mm hohen Rippen der Dachelemente erlaubten einen Kaltdachaufbau, welcher Dämmung und Lüftungsebene beinhaltet. Eine innen an den Aussenwänden liegende Zusatzkonstruktion trägt die Mehrlasten aus dem Dach bis in die Fundation ab und bildet ein Auflager für die Bodenelemente der Aufstockung. Die Aufstockung und die Zusatzkonstruktion im Gebäudebestand sind auf Abbrand bemessen. Zudem wurden der Gebäudebestand und die Aufstockung mit einem Sprinkler ausgerüstet. Die mit dem Brandschutzkonzept und dem gewählten Tragwerk notwendigen Interventionen im Bestand waren so gering, dass die Ertüchtigungen und die Aufstockung in kürzester Zeit im laufenden Betrieb ausgeführt werden konnten. Wie schon beim Baubestand galten Anforderungen an ein gesundes Innenraumklima, welche auch im neuen Geschoss erfüllt werden.

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Erdgeschoss

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1. Obergeschoss


Längsschnitt

20 m

Querschnitt

2. Obergeschoss

Aufstockung

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Ort Alter Kirchweg 6, 8306 Wallisellen Bauherrschaft Schulverwaltung Wallisellen Bauherrenvertretung Landis AG Bauingenieure + Planer, Geroldswil Architektur Schmitter Architektur AG, Aarau GU und Bauleitung Holzbau Zehnder Holz + Bau AG, Winterthur Bauingenieur Bona + Fischer Ingenieurbüro AG, Winterthur Bauphysik Braune Roth AG, Rorschacherberg Haustechnikplanung Brunner Haustechnik AG, Wallisellen Holzbauingenieur/Brandschutz Makiol Wiederkehr AG, Beinwil am See Materialien Balken- und Brettschichtholz 170 m3; Platten: OSB 15 mm 1000 m2, Dreischichtplatten 27 mm 2200 m2 und formaldehydfrei 27 mm 500 m2, Furnierschichtholz 69 mm 650 m2, Gipsfaserplatten 800 m2, Holzfaserdämmplatten 35 mm 650 m2; Fassadenbekleidung: Schalung in Tanne 320 m2 Baukosten BKP 2 CHF 2,99 Mio. davon BKP 214 CHF 0,85 Mio. Gebäudegrundfläche SIA 416 700 m2 Geschossfläche SIA 416 675 m2 Gebäudevolumen SIA 416 2800 m3 Kubikmeterpreis SIA 416 (BKP 2) CHF 1070.– Bauzeit März 2016 – Juli 2017 Fotografie Schmitter Architektur AG, Aarau

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Dachaufbau von aussen: Extensivbegrünung 70 mm Abdichtung Spundschalung 27 mm Gefällslattung 0–120 mm Unterdachbahn Rippenelement: Rippen 600 mm, überhöht/ Holzfaserdämmplatte 35 mm und Dämmung 300 mm Furnierschichtholz 69 mm Dampfbremse Abhängung und Bekleidung Dachanschluss: Die Rippen sind mit Balkenschuhen am Unterzug in Brettschichtholz von 200 x 380 mm angeschlossen, welcher über Querdruckverstärkungen auf Stützen in Brettschichtholz von 180 x 360 mm aufliegt. Deckenaufbau von oben: Bodenbelag 15 mm Gipsfaserplatten 2 x 15 mm Dämmung 2 x 30 mm Kastenelement: Dreischichtplatte 27 mm Rippen 200 mm/Dämmung 120 mm Dreischichtplatte 27 mm Luftraum 100 mm Kastenelement: OSB 25 mm Rippen 300 mm/Dämmung Dreischichtplatte 27 mm Dampfbremse Abhängung und Bekleidung Deckenübergang Obergeschoss: Ein Stahlträger HEA 450 bildet das Auflager für die neuen Kastenelemente. Über RND-Profile mit Durchmesser von 60 mm ist dieser Träger auf den Kopfplatten der Stützen in Brettschichtholz von 180 x 120 mm abgestellt.

Detailschnitte Tragachse Innenwände und Tragachse Aussenwände

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Kindergarten Cassarate, Lugano Mit dem Neubau des Kindergartens im Quartier Cassarate, einer Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts, die sich über die vergangenen Jahrzehnte konsolidiert hat, wurde die Gelegenheit genutzt, mit einer urbanistischen und architektonischen Neuorganisation die öffentlichen Räume zu überdenken und die Qualität des Quartiers zu akzentuieren. Die vorherrschende Morphologie in Cassarate stellt der Geschosswohnungsbau mit drei bis acht Etagen und meist kommerzieller Nutzung im Erdgeschoss dar. Manche Baukörper stehen in der Strassenflucht, andere zurückversetzt, um Platz für einen Vorgarten zu schaffen. Dadurch formen die Häuser eine Morphologie, die zwischen der kompakten Stadt des 19. Jahrhunderts und der modernen Utopie im Grünen stehender Solitäre laviert. Der Raum zwischen den Gebäuden und der Strasse gerät dadurch oft zu einem Ort ohne besondere Qualität. Eine präzise Definition und Artikulation der Aussenräume war daher massgebendes Ziel für die Qualität der Intervention. Der Neubau wurde so gesetzt, dass die städtebaulichen Qualitäten des Quartiers verstärkt werden. Zusammen mit den bestehenden Gebäuden der Schulanlage entsteht eine schachbrettartige Struktur, in welcher die Turnhalle, der neue Kindergarten und die Primarschule – durch eine neue, offene Pausenhalle ergänzt – die ‹schwarzen Felder› darstellen. Die ‹weissen Felder› hingegen werden durch die drei offenen Räume gebildet: den eingezäunten Sportplatz, die Spielfläche vor dem Kindergarten und den Hauptplatz vor der Primarschule, der auch als Eingang dient. Fussgängerwege verbinden diese Räume untereinander und sorgen dafür, dass der Campus für die Öffentlichkeit durchlässig wird. Jeder Aussenbereich zeichnet sich durch einen anderen Grad an Zugänglichkeit beziehungsweise Privatheit aus und erhält seine spezifische Identität durch leichte Höhenunterschiede, differenzierte Materialisierung, Bepflanzung und Aussenmöblierung, die den jeweiligen Perimeter abstecken. Eine Steinpflasterung bildet den Grund, der sich über den gesamten Aussenbereich ausdehnt. Davon ausgenommen sind Felder mit spezifischen Bodenbelägen: eine Wiese für die

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Spielfläche des Kindergartens, welche mittels einer Pergola und eines Behältnisses für die Aussenmöbel von der Strasse abgetrennt wird, eine Kieselsteinfläche für den Eingangsbereich vor der Schule, ein körniger Polyurethanbelag für den Sportplatz. Die Aussenräume sind nicht exklusiv für schulische Nutzungen vorgesehen. Die Spielflächen und der Sportplatz stehen entsprechend während deren Schliesszeiten den Anwohnern offen, während der Hauptplatz der Schule einen Begegnungsort für das ganze Quartier darstellt. Innerhalb des Kindergartens befinden sich kleine, mit Bäumen bepflanzte Höfe, welche nur von den Kindern genutzt werden. Entlang des Perimeters der Schulanlage sind weitere Bäume vorgesehen, welche die bestehende Vegetation verstärken. Sie tragen zur räumlichen Definition der Wege bei, die das Quartier mit dem Fluss Cassarate verbinden, und machen aus dem Geviert der Schulanlage eine grüne Insel innerhalb des Quartiers. Der Kindergarten ist als eingeschossiges Gebäude konzipiert. Einzig im Eingangsbereich wurde die Gebäudehöhe variiert, was die Unterbringung der Administrationsräume in einem minimalen Obergeschoss und eine Auflockerung der Komposition der Module erlaubte. Das Gebäude funktioniert wie eine kleine Stadt, innerhalb deren jede Unterrichtseinheit ein Haus repräsentiert. Jeder Unterrichtseinheit ist ein kleiner Garten mit einem Obstbaum einer anderen Sorte zugeordnet. 56 Module – 35 volle, 13 leere, acht gedeckte – sind wie übergrosse Bauklötze miteinander kombiniert und bilden zusammen die Grundstruktur des Kindergartens. Die Wiederholung eines Moduls in Form eines unregelmässigen Rechtecks gestaltet die Konstruktion rational und erlaubt gleichzeitig eine Sequenz abwechslungsreicher Raumsituationen. Jede Unterrichtseinheit besteht aus fünf Modulen: ein Modul Garderobe, ein Modul Sanitärräume, ein Modul Speisesaal und zwei Module für den Raum der ruhigen Tätigkeiten. Zwei Module für die Bewegungsräume werden jeweils von zwei Unterrichtseinheiten geteilt. Die Module haben präzise funktionale Bezüge zueinander, sind jedoch in jeder Unterrichtseinheit anders gruppiert. Die Spannung zwischen der geometrischen Irregularität der Module

und ihrer repetitiven Wiederholung verleiht dem Gebäude zusammen mit der bewegten Kontur des Daches einen plastisch starken Ausdruck und eine einprägsame Identität. Die Innenräume fliessen vom einen Modul zum andern ineinander und ermöglichen eine grosse Nutzungsflexibilität. Der zentrale, gedeckte Aussenraum bildet die zentrale Erschliessungsachse. Im Winter kann er mittels verglaster Schiebetore geschlossen und als Spielraum, Festsaal oder für Ausstellungen und kleine Märkte genutzt werden. Im Sommer wandelt er sich zu einer Pergola, die als gedeckter Spielplatz dienen kann. Der neue Kindergarten wurde in vorfabrizierten Massivholzelementen erstellt. Die Vorfabrikation ermöglichte eine Ausführung in zwei Bauphasen unter laufendem Kindergartenbetrieb. Zudem erlaubte der Einsatz von Holz, das Material der Tragstruktur mit demjenigen der Inneneinrichtung zu verbinden. Die Holzkonstruktion ermöglicht es auch, hohe Standards bezüglich der Energieeinsparung zu erreichen. Die Wände bestehen aus Brettsperrholzplatten mit einer aussen aufgesetzten Dämmung und einer hinterlüfteten Fassadenbekleidung in Thermopappel. Das Brettsperrholz ist in der Höhe zweiteilig. Dieser Plattenstoss läuft wie ein Horizont durch das gesamte Haus und ist über eine Schattenfuge innen wie aussen ablesbar. Durch Unterbrechungen und Richtungswechsel der unteren Wandscheibe werden Durchgänge, Fenster und Türen wie selbstverständlich in das Konzept der Module integriert. Zur Stabilisierung der beiden Plattenteile in ihrer Ebene sind in der Dämmebene I-Träger integriert. Das Dach wurde mittels Sparrenpfetten aus Brettschichtholz mit Querschnitten von 60 x 400 mm und Achsmassen von rund 450 mm erstellt. Die auf den Sparren aufgebrachte Dreischichtplatte lässt das Dach wie eine steife Platte agieren und stabilisiert so die einzelnen Module aus. Die als Warmdach ausgeführte Dachlandschaft ist mit einem Rost aus Thermoesche abgedeckt und verbindet sich so mit der Fassade des Hauses.


1 2 3 4 5

Turnhalle Spielplatz Pausenhof Schule Vorplatz

1

2

3 4 5

Lageplan

Situation

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Längsschnitt

Querschnitt

Erdgeschoss

Obergeschoss

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40 m


Konstruktionsablauf

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Dachaufbau von aussen: Dachlattung in Thermoesche Unterkonstruktion Betonauflagerplatten EPDM-Abdichtung Dämmung 260 mm Dampfsperre Dreischichtplatte 19 mm Träger in Brettschichtholz 60 x 400 mm im Abstand von 510 mm Aufbau Aussenwand von aussen: Fassadenschalung in Thermopappel Unterkonstruktion Windsperre Steg-Träger 160 mm/Dämmung 170 mm Dampfsperre Brettsperrholz 80 mm Bodenaufbau von oben: Bodenbelag aus Hartsteinholz 12 mm Unterlagsboden 91mm Fussbodenheizung Trittschalldämmung 30 mm Dämmung 160 mm Dampfsperre Stahlbeton 120 mm Schüttung in Schaumglas 450 mm

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Fassadenschnitt


Ort Via Concordia 4, 6900 Lugano Bauherrschaft Città di Lugano, Dicastero Edilizia Pubblica e Genio Civile Architektur Bruno Fioretti Marquez Architekten, Lugano/Berlin Bauleitung Rolando Spadea Sagl, Lugano Aussenraumplanung Capatti Staubach, Berlin (D) Bau- und Holzbauingenieur Borlini & Zanini SA, Mendrisio/Pambio Noranco Bauphysik physARCH Sagl, Viganello HLS-Planer Arge A. Reichlin und M. Gavazzini, Ruvigliana Elektroplanung C & C Electric SA, Lugano Holzanwendung Veragouth AG, Bedano (Holzbau), und RWD Schlatter AG, Roggwil (Innenausbau) Materialien Brettsperrholz 80 mm 130 m3 und 160 mm 70 m3, Brettschichtholz 70 m3, Steg-Träger 1800 m, Dreischichtplatten 19 mm 2000 m2, Fassadenbekleidung in Thermopappel 1600 m2, Dachrost in Thermoesche 2000 m2 Baukosten BKP 1–9 CHF 12,7 Mio. Baukosten BKP 2 CHF 9,9 Mio. davon BKP 214 CHF 3,6 Mio. Nutzfläche 1602 m2 Bruttogrundfläche 2290 m2 Bruttorauminhalt 6966 m3 Bauzeit Juli 2010 – August 2014 Fotografin orsenigo_chemollo, Alessandra Chemollo, Venezia Marghera (I)

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Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno Mühlebachstrasse 8 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 info@lignum.ch www.lignum.ch

Holzbulletin, März 2018 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

Redaktion Roland Brunner, Lignum, und Audanne Comment, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 140.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten.

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Holzbulletin 126/2018  

Bauen für Kinder

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