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Holzbulletin 108/2013 Innenräume Dauerausstellung Internationales Rotes Kreuz und Roter Halbmond, Genf Private Bibliothek Chasa Plaz, Ardez Innenausbau Hotel Frutt Lodge & Spa, Melchsee-Frutt Bibliothek des Fachhochschulzentrums, St. Gallen Innenausbau ‹Maison de l’écriture›, Montricher

Die Innenarchitektur für das Hotel Frutt Lodge & Spa schafft eine geborgene Stimmung in moderner Architektur unter Verwendung von natürlichen, wertvollen und meist einheimischen Materialien. Architektur: Lussi + Halter Partner AG, Luzern, Architekturwerk AG, Sarnen, und Matthias Buser, Zürich


Holzoberflächen gestalten Innenräume

Holz ist ein sinnliches und natürliches Material. Neben der Nutzung für Tragwerke und Gebäudehüllen, wofür technische, ökologische und ökonomische Argumente sprechen, kann Holz mit einer sichtbaren Anwendung in Innenräumen auch seine optischen und haptischen Pluspunkte gezielt ausspielen und damit wunderbare Raumwirkungen erzeugen. Dieser Aspekt bestimmt die Auswahl der fünf Projekte im vorliegenden Holzbulletin. Helle Nadelhölzer prägen die ersten beiden gezeigten Objekte. In der Dauerausstellung des Internationalen Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes bekleiden wellenförmige Lamellen in Tanne raumgestaltende Elemente im Kontrast zum Beton des Hochbaus – die Farbe, Feinheit und gute Bearbeitbarkeit des Tannenholzes waren zentrale Kriterien für die Materialwahl. Der Einbau einer Bibliothek im Heuschober eines alten Engadinerhauses gelingt mit einer feinjährigen Bergfichte aus Luzein, Nachbarort des holzsägenden und -verarbeitenden Betriebes. Der eingehängte Strickbau ist innen gedämmt und mit einer finierten Täfelung bekleidet, was zu seidigen, glatten und harten Holzoberflächen führt, da die Holzfasern komplett abgeschnitten sind. Die drei folgenden Objekte sind von Eichenholz geprägt. Der HotelInnenausbau in Melchsee-Frutt stützt sich auf natürliche, wertvolle und in der Mehrzahl einheimische Materialien – darunter verschiedene Holzarten als Kontrast zum massiv erscheinenden Äusseren und als Ergänzung zu den Stoffen und Metallen. In den Zimmern sind die Holzoberflächen fein ausgearbeitet; im Saunabereich werten Bekleidungen und Möblierung das Ambiente auf, und in den öffentlichen Räumen bringt die massive Eiche für Möbel, Wand- und Bodenbekleidungen die gewünschte Eleganz und auch Härte mit. Beim Innenausbau der Fachhochschul-Bibliothek in St. Gallen erzielt das Eichenfurnier die gewünschte Oberflächenhärte bei gleichzeitig feinem Erscheinungsbild. Verarbeitet ist es auf Holzwerkstoff-Trägerplatten, was Beschaffung und Verarbeitung vereinfachte. Bei der Gestaltung des Inneren der ‹Maison de l’écriture› spielt die Eiche nicht nur gestalterisch, sondern auch statisch eine tragende Rolle. Rund 320 m3 Eichenholz verwandelten sich hier in Brettschichtholzträger und weitere Innenausbauelemente als Kontrast zum massiven äusseren Erscheinungsbild. Fünf gelungene Innenausbauten in Fichte, Tanne, Eiche – das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus der Schönheit und Vielfalt von Schweizer Holz. In den hiesigen Wäldern wachsen etwa 50 Nutzholzarten – jede mit ihrem ganz eigenen Charakter. Die Lignum-Holzmustersammlung präsentiert 20 davon. Das obenstehende Bild zeigt die verblüffende Vielfalt dessen, was unser Wald bereithält, am Beispiel der Lignum-Holzmuster. Nebenstehende Auflistung ruft die botanischen Zusammenhänge in Erinnerung.

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Roland Brunner Technische Kommunikation Lignum

Nadelbäume Wichtigste und artenreichste, weltweit verbreitete Unterklasse der nadelblättrigen Nacktsamer, die vor allem auf der Nord-Halbkugel einen fast geschlossenen Waldgürtel bilden. Bäume mit meist starkem sekundärem Holzmantel, zahlreichen nadel- oder schuppenförmigen Blättern und getrenntgeschlechtlichen Blüten in verschiedengestaltigen Zapfen. Wichtige Schweizer Nadelhölzer sind die Arve/Zirbelkiefer (Pinus cembra), die Douglasie (Pseudotsuga menziesii), die Fichte/Rottanne (Picea abies), die Föhre/Kiefer (Pinus silvestris), die europäische Lärche (Larix decidua) und die Tanne/Weisstanne (Abies alba). Laubbäume Bedecktsamige Pflanzen mit mehrjährigen Sprossachsen. Bäume, Sträucher und Halbsträucher, die im Gegensatz zu den nacktsamigen Nadelhölzern breitflächige Laubblätter ausbilden. Wichtige Schweizer Laubhölzer sind der Ahorn mit dem Bergahorn (Acer pseudoplatanus) und dem Spitzahorn (Acer platanoides), die Birke mit der Weissbirke (Betula verrucosa), der Birnbaum (Pirus communis), die Buche mit der Rotbuche (Fagus sylvatica), die Edelkastanie/Esskastanie (Castanea sativa), die Eiche mit der Stieleiche (Quercus robur) und der Traubeneiche (Quercus petraea), die Esche (Fraxinus excelsior), die Hagebuche mit der Hainbuche (Carpinus betulus), der Kirschbaum (Prunus avium), die Linde mit der Sommer- (Tilia platyphyllos) und der Winterlinde (Tilia cordata), der Nussbaum (Iuglans regia), die Pappel/Schwarzpappel (Populus nigra) und die Ulme/Rüster (Ulmus scabra).


Dauerausstellung Internationales Rotes Kreuz und Roter Halbmond, Genf Das Museum, unmittelbar neben dem Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz IKRK gelegen, präsentiert unter dem Titel ‹Das humanitäre Abenteuer› neu eine Dauerausstellung. Diese setzt völlig neue museografische Massstäbe. Verbindendes Element zwischen den einzelnen Inszenierun­ gen ist der Baustoff Holz. Die neue Dauerausstellung ist in einem 1980 erstellten Betongebäude des Architekten Pierre Zoelly untergebracht. Mit dem Entscheid zugunsten des Baustoffes Holz suchte man weniger einen Bruch als vielmehr den Dialog mit dem Bestehenden. Ausschlaggebend war die Kontrastfähigkeit des Holzes gegenüber der Gebäudehülle aus Beton, was sich als roter Faden durch die Ausstellung zieht. Das museografische Konzept will zunächst Wissen vermitteln und zum Nachdenken anregen. Darüber hinaus umfasst es als zusätzliche Dimension auch die Gefühlsebene. Jeder der drei Themenräume entfaltet emotionale Wirkung, noch bevor der Inhalt der Ausstellung aufgenommen wird. Zahlreiche interaktive Einrichtungen lassen die Besucherinnen und Besucher selber zu einem Teil der Ausstellung werden. Die drei Gewinner des Architekturwettbewerbs wurden sowohl aufgrund der Qualität ihrer Projekte als auch wegen der besonderen Sensibilität ausgewählt, die sie bei der Umsetzung der ihnen vorgeschlagenen Themen an den Tag legten. Jeder von ihnen konnte eine Ausstel-

lungseinheit szenografisch gestalten. Dem Brasilianer Gringo Cardia wurde das Thema ‹Verteidigung der Menschenwürde› anvertraut. Der Architekt Diébédo Francis Kéré aus Burkina Faso gestaltete eine Einheit über ‹Familienbande›, und der japanische Stararchitekt Shigeru Ban beschäftigte sich in seiner Ausstellungseinheit mit der Frage der ‹Begrenzung der Risiken durch Naturgefahren›. Das Atelier oï aus Neuenstadt koordinierte das Gesamtkonzept des neuen Museums sowie die Teilkonzepte der drei Architekten für die Umsetzung der Dauerausstellung. Ausserdem entwarf das Büro die gemeinsamen Bereiche mit Empfang und Boutique sowie die Einrichtung des neuen Raums für Sonderausstellungen. Auf diese Weise entwickelte sich eine Architektur aus Kurven und ohne rechte Winkel, bei welcher das Holz in seinem Bezug zum Steinernen zum lebendigen Material wird. Dieses lebendige Material spielt mit seiner Umgebung und den anderen Materialien der Ausstellung wie dem Hanfbeton von Diébédo Francis Kéré oder den Kartonröhren von Shigeru Ban. Die verschiedenen für die Gestaltung der gemeinsamen Räume erforderlichen Trennwände und Mobiliarelemente wurden aus gewellten Massivholzlamellen erstellt. Ein leichtes Übereinanderschieben der Lamellen ermöglicht eine Variation des Durchlässigkeitsgrads der Trennwände. Dadurch können die Besucher auf ihrem Rundgang differenziert begleitet werden. Der in roter Erdfarbe gestrichene Boden führt fliessend die Schritte der Besucherinnen und

Besucher und verschmilzt farblich mit dem Holz der Ausstellungseinrichtungen und den vielfältigen Materialien, die man als Symbole der verschiedenen Szenografien vorfindet.

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Grundriss Ausstellung

Ort Avenue de la Paix 17, 1202 Genf Bauherrschaft Fondation du Musée International de la Croix-Rouge et du Croissant-Rouge Architektur Szenografien Gringo Cardia, Brasilien (Verteidigung der Menschenwürde), Diébédo Francis Kéré, Burkina Faso (Wiederherstellung der Familienbande), Shigeru Ban, Japan (Begrenzung der Risiken durch Naturgefahren) Architektur Masterplan atelier oï, Neuenstadt Bauleitung atelier oï, Neuenstadt Bauingenieure EDMS SA, Genf Haustechnikplaner Zanetti Ingénieurs-Conseils, Genf Ausstellungsbau Holz Wider SA, Montreux Aufwände CHF 8,9 Mio. (neue Dauerausstellung), CHF 3,6 Mio. (Sanierung Gebäudebestand), CHF 7,3 Mio. (Umgestaltung Besucherzentrum) Flächen Dauerausstellung 2000 m2, Sonderausstellung 500 m2 Bauzeit Juni 2011 – Mai 2013 Fotografin Corinne Cuendet, Clarens

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Dauerausstellung: Ansicht, Schnitte und Grundriss der Trennw채nde

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Boutique: Schnitte, Ansicht und Grundriss der Mรถbel

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Private Bibliothek Chasa Plaz, Ardez Eigentlich wollten die Bewohner eines tra­ ditionellen Engadiner Hauses in einem ihrer Zimmer Bücherregale einbauen lassen. Der Architekt überzeugte sie jedoch mit einem Gegenvorschlag, der auf einen Eingriff im historisch wertvollen Haupthaus verzichtete. Das realisierte Projekt ist eine feinfühlige Intervention im Heuschober des Hauses. Der Bedarf nach zusätzlichem Raum für Bücher stand am Anfang des Projektentwurfs. Entsprechend dem Wunsch der Bauherrschaft sollte die Lösung im Einbau präziser, fest eingebauter Büchereien in einem der bestehenden Zimmer im Haupthaus liegen. Problematisch erschien dabei zum einen jedoch der Verlust eines der Schlafzimmer der dreistöckigen Hauptwohnbaute. Zum anderen waren alle Zimmer mit Schreinereinbauten vom Ende des 19. Jahrhunderts ausgestattet. Entweder man hätte sie ausgebaut, oder sie wären hinter neueren Einbauten verschwunden. Der räumliche und der historische Verlust wogen am Ende dann doch zu schwer, weshalb die Architekten eine Alternative ausarbeiteten. Das Haupthaus der Chasa 75, zum zentralen Kirchplatz des mittelalterlichen Dorfes Ardez hin ausgerichtet, und der Heuschober mit darunterliegendem Stall im Süden stehen axial zur kleineren Plazetta. Die Lage bietet einen einzigartigen Blick über die tiefer liegenden Dächer hinweg bis zur gegenüberliegenden Talseite. Bislang konnte man die Aussicht nur im Sommer auf der Veranda geniessen. Nun sollte sie in der Bücherei ganzjährig eingefangen werden. Dafür setzte die Projektidee dort an, wo schon traditionell bei Bedarf nach einer weiteren Schlafstätte für einen Gutshofgehilfen kleinere räumliche Erweiterungen in die Engadiner Bauernhäuser eingebaut wurden: im freien Dachstock oder Heuschober mittels Ständerbohlen- oder Strickkisten. In die oberste Ebene des Heuschobers ist nun eine Bibliothek eingehängt – ein langgestreckter Körper mit zwei aneinandergereihten Raumzellen unterschiedlicher, aber zusammenhängender Funktionen. Die eine Zelle liegt im Halbdunkeln und ist gross genug, um 54 Laufmeter Bücher gut geschützt aufzubewahren. Die andere ist gleich gross und bietet nicht nur Tageslicht zum Lesen, sondern auch einen weiten Blick in die Bergwelt während der Lesepausen. Die beiden Zellen sind durch den eingeengten Querschnitt im Passagenbereich getrennt, der innen und aussen ähnlich einer Wespentaille erkennbar bleibt. Der Raum auf der Ebene unter der Bibliothek bietet sich als angenehm kühles Sommerwohnzimmer für gesellige Anlässe oder zum ruhigen Verweilen an. Der grosse, freitragende, mehrstöckige, offene Kaltraum sollte weder im ästhetischen Ausdruck noch im Hinblick auf spätere Nutzungen beeinträchtigt werden. Deshalb wurde sowohl auf vertikale Abstützungen als auch auf horizontale Abfangungen verzichtet. Die ersten Tragwerksskizzen hatten noch zwei firstparallele geschosshohe Kastenträger vorgesehen, welche wie eine Brückenkonstruktion die ganze Spannweite frei überspannten. Die Wärmedämmung wäre integriert gewesen. Die räumliche Struktur der Zellenreihe war damit aber nicht lesbar. Die Übersetzung des Raumkonzeptes in die Tragstruktur sowie eine passende architektonischkonstruktive Typologie des hier verfremdeten Strickbaus gelang erst im zweiten Schritt mittels Ausbildung der statisch unabhängigen, in sich

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stabilen Strickkisten, die an die bestehenden Dachbinder gehängt werden. Die nicht unbeträchtliche Zusatzlast erforderte eine Verstärkung der Strukturelemente der bestehenden, gesunden Dachbinder. Insbesondere die Ausbildung der Zugbänder und deren zuverlässige Verankerung im Auflagerbereich mussten sorgfältig durchdacht werden. Die beiden Passagenbereiche und das alkovenartige Gesims mit Rosshaarmatratze beim Kreuzfenster sind als sekundäre Elemente ausgebildet, die zwischen den beiden äusseren Auflagern und der Strickkiste respektive zwischen den beiden Strickkisten gespannt sind. Ebenso wie der traditionelle Strickbau hier verfremdet wurde und in seinem konstruktiven Potential erweitert zum Einsatz gelangte, sollte sich auch der Innenausbau an traditionellen architektonischen Elementen orientieren. Zudem lud die Nähe der konstruktiv sinnvollen Materialmasse des Massivholzes zum Mass der Bücher dazu ein, im inneren, isolierten Bereich eine Massivholzbekleidung zu entwickeln, welche eine modulare Einheit zwischen Boden- , Wand- und Deckenflächen bildet. Die Wangen der Bücherei und die Feder des Tafeltäfers sowie der Boden- und Wandbekleidung sind kantenseitig massgleich, lediglich deren mehr oder weniger gezeichnetes Relief im Verhältnis zur Tafel zeigt die konstruktive und funktionale Differenz zwischen den jeweils nagelfrei gefügten Elementen. Zum Einsatz gelangte eine sehr feinjährige Bergfichte aus Luzein, deren Oberfläche durch die Finierung mittels eines einzigen Hobelstosses eine seidige und glatte Oberflächenbeschaffenheit erhielt. Das Motiv des Kreuzfensters ist traditionelles Element im Engadin, wobei sich hier alle vier Fensterflächen als separater Flügel öffnen lassen und der Kämpfer und das Setzholz gleichzeitig als Absturzsicherung dienen. Die statischen Schlosserelemente und die Elektroschalterplatten wurden in Schwarzeisen ausgeführt, die Beschläge im Inneren sind aus silberpoliertem Nickel.

Situation


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Querschnitt

Längsschnitt

Grundriss Ebene Bibliothek

8 m

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Detailschnitt verstärkter Mittelbinder

Detailschnitt Fassadenbinder

Detailschnitt längs

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4 m


Ort 7546 Ardez Bauherrschaft Dr. J.C. Arquint Architektur Men Duri Arquint Architekten, Chur/Ardez Bauingenieur Jon Andrea Könz, Zernez Innenausbau Ruwa Holzbau AG, Küblis, und Schreinerei Clà Riatsch, Ardez Materialien Vollholz für Strick und Dachstuhlverstärkung 12 m3, Täfer sowie Tablare und Rückwände Bücherregal 24 mm 126 m2, Bodenriemen 30 mm 25 m2, Wände Bücherregal und Deckleisten 36 mm 33 m2, Isolationslattung 40 x 40 mm 350 m Geschossfläche SIA 416 Bibliothek 24,5 m2, umbaute Ebene im Heuschober 91,5 m2 Umbauter Raum total 433 m3, davon Bibliothek mit 65,4 m3 Bauzeit Februar–Mai 2011 Fotograf Heinrich Helfenstein, Zürich

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Innenausbau Hotel Frutt Lodge & Spa, Melchsee-Frutt Der Neubau des Hotels befindet sich am Stand­ ort des niedergebrannten früheren Kurhauses Frutt und prägt wie einstmals dieses im Verbund mit dem ehemaligen Hotel Reinhard die Silhouette des Bergdorfes. Das Volumen, kompakt und präzise, ist längs zum Hang und zum See situiert. Die hügelig-alpine Wiesenlandschaft auf einer Höhe von 2000 Meter über Meer und die markante Bergkulisse dominieren den Ort und die Landschaft auf der Melchsee-Frutt. Der Eingriff durch den Neubau in dieses Gesamtbild beschränkte sich in der Ausdehnung auf das Gebäudevolumen und lässt die Landschaft in ihrer Topografie intakt. Das kräftige Volumen in massiver Bauweise sitzt präzise im natürlichen Gelände. So erscheint das Gebäude als widerstandsfähiger Bau, welcher der rauen Bergluft trotzt und sich den Schönheiten der Naturlandschaft zuwendet. Der bauliche Eingriff setzt sich in Kontrast zur natürlichen Umgebung, welche dadurch noch imposanter und majestätischer erscheint. Der Gegensatz zwischen der schlichten, geometrischen, hellen Fassade und der je nach Jahreszeit wechselnden farbigen Alpenszenerie zeichnet sich scharf ab. Die klare Architektur ordnet sich der Umgebung also nicht unter, sondern inszeniert gerade durch ihre Eigenständigkeit die Berglandschaft. Das Gebäudevolumen will an die Hotelbauten in den Bergen um die Jahrhundertwende erinnern. Die präzise Formulierung des Baukörpers und die regelmässige Struktur der Fassade strahlen Ruhe und Zurückhaltung aus. Die murale Bauweise bezieht sich auf die regionale Bautradition und nimmt bestehende Typologien wie zum Beispiel das ehemalige Hotel Reinhard auf. Grosse Öffnungen bilden die Ausnahme und widerspiegeln die Grosszügigkeit der öffentlichen Aufenthaltsbereiche wie Restaurant, Lobby oder Bad nach aussen. Der Neubau tritt als massives Gebäude in Er-

scheinung. Die Fassadenkonstruktion besteht aus einer tragenden Schale in vorfabrizierten Betonelementen. Diese sind durch reliefartige Strukturen oder Sandstrahlen so bearbeitet, dass eine differenzierte, der Bergwelt angepasste Oberfläche entsteht. Spezifisch für diesen Bau wurde für die Elemente ein Relief entwickelt, welches in abstrakter Form das Thema von Schneekristallen als Ornament verwendet und so dem Gebäude eine unverwechselbare Prägung verleiht. Das identitätsstiftende Fassadendetail erschliesst sich erst aus der Nähe und offenbart sich dann wie ein mikroskopisches Zoom. Im Winter bleiben die Schneeflocken im Relief hängen, was die Fassade wie einen Bergkristall leuchten lässt. Das Hotel beherbergt neben 58 Hotelzimmer und drei Suiten auch 16 Appartements im östlichen Gebäudeteil. Die Zimmer vereinen moderne Gestaltung und traditionelle Ausführung. Blickfang ist jeweils das grosse Fenster, das als Nische mit einem grossen Sofa zum entspannten Eintauchen in die Bergwelt einlädt. Das Erdgeschoss umfasst die öffentlichen Räume. Einladend ist die grosse, zweigeschossige Hotelhalle, welche einen grandiosen Blick auf den Melchsee und die Berglandschaft bietet. Hier kommt der Lodge-Gedanke besonders zur Geltung. Ein grosser Kamin, eine Galerie aus perforierten, hinterleuchteten Holzläden – den Vorläden – und der schwere Leuchter bestimmen den Raum und machen ihn zum Treffpunkt des Hotels. Die ‹Trychle-Bar› im Anschluss an die Lobby wirkt mit ihren dunklen Farben geheimnisvoll. Zwei Restaurants in unterschiedlicher Ausstattung laden zum Verweilen ein. Das kleinere ist als Holzstube konzipiert; sein Innenausbau lebt von handwerklicher Tradition. Das grössere offeriert unterschiedliche Sitzplätze in Nischen, an grossen Tischen oder am Panoramafenster. Im Dachgeschoss befindet sich ein grosser, unterteilbarer Saal mit direktem Zugang zur Dachterrasse.

Die Bäderwelt im Sockel des Gebäudes überrascht durch vielfältige räumliche Gestaltung. Grosse Holzkuben gliedern den grosszügigen Innenraum und schaffen verschiedenartige Nischen und Ruhezonen. Die Raumkörper beinhalten die Angebote einer modernen Spa-Anlage und sind differenziert ausgestaltet. Im Zentrum des Bades befindet sich die grosse Wasserfläche, welche mit dem See zu einer Einheit zu verschmelzen scheint. Ziel der Innenarchitektur war, eine geborgene Stimmung in moderner Architektur zu schaffen. Dies gelang durch die Verwendung von natürlichen, wertvollen und meist einheimischen Materialien: massive Wandbekleidungen in astiger Eiche, massive Eichenholzböden, Messingbekleidungen, Bronzegussleuchten, Massivholzmobiliar in den Hotelzimmern und Restaurants. Der grösste Teil des Mobiliars – sämtliche Polstermöbel, Stühle, Tische, Leuchter, Hotelzimmermöbel und Einbauten – wurde eigens für dieses Projekt entworfen. Ergänzt werden sie mit für die Bergsituation passenden Textilien. Die Beleuchtung hebt die Plastizität der Räume und Materialien hervor und unterstützt in jedem Raum die Stimmung.

Situation

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Ort Frutt 9, 6068 Melchsee-Frutt Bauherrschaft Frutt Lodge AG, bei Eberli Generalunternehmung, Sarnen GU Eberli Generalunternehmung, Sarnen Projektleitung Siegwart Baumanagement, Buochs Architektur Lussi + Halter Partner AG, Luzern, und Architekturwerk AG, Sarnen Innenarchitektur Matthias Buser, Zürich Bauleitung Thomas Spitzmüller, Giswil Bauingenieur Durrer AG, Kerns Haustechnikplanung Rebsamen Elektroplan AG, Luzern (Elektro), Peter Berchtold Ingenieure, Sarnen (HLKK), und BauConnect AG, Stans (Sanitär) Innenausbau Amstutz Holzbau AG, Stans (Wandbekleidungen in Bar und Spa, Massivholzböden), Frank Türen AG, Buochs (Tore, Schiebetüren, verglaste Trennwände, Rahmentüren, Zargentüren, Aussentüren, Futter- und Blockfuttertüren jeweils mit und ohne Brandschutz, Eingangsportal mit Windfang, Steigzonen- und Elektrofronten mit Brandschutz), Holz + Idee GmbH, Meiringen (Vorläden, Treppenhäuser mit Treppengeländer), Holzbau Bucher AG, Kerns (Fenster, Sitzbank im Spa), Klosterschreinerei Engelberg (Ausbau Seminarraum mit Einbauschränken, Wandund Säulenbekleidungen in Eiche, Fensterfutter mit Jalousien in Zeder bei den Fensternischen der Sauna), schaerholzbau AG, Altbüron (Kassettendecke im Stübli in Eiche, Täferungen und Fensterfutter in Eiche im Stübli, im Restaurant und in Korridoren, Kassenmöbel und Buffettische in Eiche), und Vogel Design AG, Ruswil (Schränke, Bekleidungen, Simse, Garderobe, Empfang, Trennwände, Möbel) Investitionsvolumen CHF 44 Mio. (Hotel) und CHF 4 Mio. (Personalhäuser) Umbauter Raum 42 724 m3 Bauzeit Mai 2008 – Oktober 2009 (Wohnhaustrakt), Mai 2009 – Dezember 2011 (Hoteltrakt) Fotograf Franz Rindlisbacher, Zürich

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Querschnitt

Untergeschoss

Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2.+3. Obergeschoss

Dachgeschoss

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40 m


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Grundriss Hotelzimmer Superior

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Grundriss Restaurant ‹Stübli›, Vorzone, Buffet und Restaurant ‹Titschli›

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Bibliothek des Fachhochschulzentrums, St. Gallen Der Standort des neuen Fachhochschulzentrums nordwestlich des St. Galler Haupt­ bahnhofes ist für eine Ausbildungsstätte verkehrstechnisch ideal gelegen. Das Projekt umfasst neben der oberirdischen Nutzung auch eine öffentliche Parkgarage mit unterirdischer Bahnhofvorfahrt und überdachter Velostation in den Untergeschossen. Im Umfeld des Bahnhofs herrscht eine ebene Topografie vor, die sowohl südlich als auch nördlich des Geleisefeldes mehrheitlich mit einer rasterartigen Strassenstruktur gegliedert und mit ähnlich grossen Gevierten bebaut ist. Innerhalb dieser orthogonalen Parzellenstruktur sind entweder geschlossene Blockrandbebauungen oder zweiseitige Streifenbebauungen anzutreffen. Öffentliche Gebäude wie die Hauptpost sind in diese Gliederung eingebunden. Das Prinzip wurde im Planungsgebiet mit dem Neubau weitergeführt und damit verstärkt. Das Gebäude gliedert sich im Grundriss durch die Übernahme der bestehenden Strassenfluchten und im Schnitt durch die Bezugnahme auf die Regeltraufhöhe in den Stadtkörper ein. Im Innern des Blockes erhebt sich ein Turm, der mit den Türmen der Hauptpost und des Rathauses einen Dreiklang bildet und zu einem grösseren städtischen Massstab gehört. Der Turm verleiht dem an sich klar in den Stadtkörper eingebundenen Gebäude einen zweiten Charakter: den eines Solitärs, der zum Symbol für die neue Fachhochschule St. Gallen wird und den Aufbruchsgeist des Quartiers zwischen Rosenbergstrasse und Geleisefeld kennzeichnet. Das Gebäude bindet sich an zwei Seiten in den bestehenden Strassenraum ein, auf den zwei anderen Seiten entstehen Platzräume. Der erhöhte Platz vor der Fachhochschule ist zum Geleiseraum hin offen und wird durch die Anordnung der Zugangsrampe zur Bahnunterführung begrenzt. Die sanfte Neigung des Platzes gegen Südosten erzeugt eine räumliche Kante zum Geleisefeld. Der Übergang in den östlichen Platz und die Verbindung zur Rosenbergstrasse geschehen fliessend. Die Beanspruchung der Freiräume durch den motorisierten Verkehr wird möglichst gering gehalten. So sind die beiden an die Fachhochschule angrenzenden Plätze ganz dem Aufenthalt und Langsamverkehr gewidmet. Der Zugang von der Unterführung SBB-West zur Fachhochschule wie auch zum Rosenbergquartier ist dadurch optimal gewährleistet. Die Zufahrten für die Autos zur Bahnhofvorfahrt wie auch zur Parkgarage werden auf kurzem Weg über die Tulpenstrasse direkt ins Gebäudeinnere und in den Untergrund geführt. Bahnhofvorfahrt und Kurzzeitparking sind im zweiten Untergeschoss unmittelbar an die SBB-Unterführung West angeschlossen. Die Parkgarage für das Langzeitparking befindet sich im dritten und vierten Untergeschoss. Der Fahrradverkehr kann sicher über den südlichen Platz zu der unterirdischen Einstellhalle geführt werden, ohne die Zufahrt der Parkgarage zu kreuzen. Die Velostation ist aus allen Richtungen gut erreichbar und im zweiten Untergeschoss ebenfalls direkt an die SBB-Unterführung ange­ schlossen. Der Veloweg wird neu am Geleisefeld entlang bis zur St.-Leonhard-Strasse geführt. Entlang der Lagerstrasse werden durch die Stadt St. Gallen Parkplätze für Motorräder und Roller geschaffen.

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Die Verteilung des Raumprogramms in Hauptgruppen entspricht der volumetrischen Gliederung des Baukörpers. Im fünfgeschossigen unteren Gebäudeteil befinden sich alle Unterrichtsräume (Grundstufe, Allgemein- und Weiterbildung), wobei die Weiterbildung im obersten Geschoss untergebracht ist. Im vierzehngeschossigen Turm mit Blick über die Stadt befinden sich die kleinteiligeren Räume der Institute und Verwaltung. Das Erdgeschoss beinhaltet die publikumsintensiven Räume der Hörsäle, der Mensa und der Cafeteria, die auch eine grössere Raumhöhe benötigen. Die Auskragung der Ringgeschosse über den südlichen Platz weist auf den Haupteingang hin. Dadurch, dass alle nach aussen orientierten Unterrichtsräume wie ein umgehender Ring ausgebildet sind, entsteht in dessen Innerem ein freier Bereich, in dem einerseits der Turm und andererseits zwei unterschiedlich ausgebildete Hofräume eingeschlossen sind. Der östliche, kleinere Hof dient als Aussenhof zur Belichtung der Gangräume in den Obergeschossen. Der westliche, grössere Innenhof beherbergt als Lichthof die Bibliothek. Diese wird damit zum zentralen Raum der Anlage und kann in ihrer Ausformulierung als Referenz auf die Stiftsbibliothek des Klosters St. Gallen verstanden werden. Unter der Bibliothek ist zwischen den Hörsälen und der Cafeteria das Foyer angeordnet, welches als Ausstellungsraum, bei Bedarf aber auch dank Ausstattung mit Beamer, Projektionswand und Beschallungsanlage als grosser Versammlungsraum genutzt werden kann. Der gesamte Innenausbau der Bibliothek ist mit eichenfurnierten Holzwerkstoffplatten ausgeführt. Die damit bekleideten Brüstungen um den Lichthof sind teilweise mit Tischplatten zu Arbeitsplätzen ergänzt. Das gleiche Prinzip wurde bei den freistehenden Korpussen angewandt – Tischplatten ergänzen diese zu Arbeitsplätzen. Die Hauptelemente der Bibliothek sind die insgesamt 30 Büchertürme, welche alle für Revisionszwecke begehbar sind; zwei verfügen im Innern über eine Treppenerschliessung. Ergänzt wird die Möblierung mit Schränken, Wandregalen und rund 70 m Sitzflächen um die Oblichter herum.

Situation


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Schnitt

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Erdgeschoss

1. Obergeschoss

5. Obergeschoss

15. Obergeschoss

40 m

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Ort Rosenbergstrasse 59, 9000 St. Gallen Bauherrschaft Hochbauamt Kanton St. Gallen, City Parking AG St. Gallen, Tiefbauamt St. Gallen Architektur giuliani.hönger, Zürich Baumanagement b + p Baurealisation, Zürich Bauingenieur Dr. Lüchinger + Meyer Bauingenieure, Zürich Haustechnikplanung 3-Plan, Winterthur (HLKK, Koordination), mtp, Uster (Elektro), Tri Air, Jona (Sanitär, Sprinkler), und Boxler MSRL-Engineering, Rapperswil-Jona (MSRL) Fassadenplaner gkp fassadentechnik, Aadorf Landschaftsarchitekt Hager Landschaftsarchitektur, Zürich Lichtplanung Artlight, St. Gallen Bauphysik und Akustik Mühlebach Akustik + Bauphysik, Wiesendangen Brandschutzingenieur Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See, und Balzer Ingenieure AG, Chur Gastroplanung Rolf Hügli, Egnach Innenausbau Bibliothek Spirig Schreinerei AG, Oberegg Baukosten BKP 1–9 CHF 131 Mio. Geschossfläche SIA 416 36 600 m2 Rauminhalt SIA 416 131 000 m3 Termine offener Projektwettbewerb 2003 (1. Preis), Vorprojekt und Bauprojekt 2003–2004, Ausschreibung und Ausführung ab 2008, Fertigstellung 2012 Fotografie Walter Mair, Zürich (Innenaufnahmen), und Georg Aerni, Zürich (Aussenaufnahmen)

Schichtenplan

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Innenausbau ‹Maison de l’écriture›, Montricher Das ‹Haus der Schrift› der Fondation Jan Michalski setzt den Traum von einem kreativen Ort in die Wirklichkeit um, an dem sich Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus der ganzen Welt, befreit von lästigen Neben­ sächlichkeiten, vollumfänglich ihrer Kunst widmen können. In einer langen und intensiven Phase des Austausches und der Gespräche zwischen dem Architekten und der Bauherrschaft entstand eine gemeinsame Sichtweise, bis schliesslich, beinahe zufällig, ein geeigneter Ort gefunden werden konnte. Die ‹Maison de l’écriture› befindet sich in Montricher, am Fuss des Jura, gleich neben den Gebäuden der Ferienkolonie und der Kirche St. Joseph, wo sich im Sommer die Kinder aus Lausanne erholen. Ein fischnetzartiger, 4500 m2 grosser Baldachin aus Beton überpannt den Neubau, ohne ihn einzuschliessen. Darunter schiessen zwei nüchterne Prismen aus dem Boden und bilden in ihrer Mitte die Piazzetta, zu welcher man über eine leicht abschüssige, der ursprünglichen Strasse folgende Rampe gelangt. Von weitem im Sommerdunst erkennbar ist die Stadt Lausanne. Die ‹Maison de l’écriture› wurde von ihren Planern und Erbauern bewusst als sich ständig weiterentwickelnder Bau konzipiert. Die beiden heute bestehenden Gebäude stellen erst das Rückgrat dar. In einem Gebäude befinden sich der Hörsaal und der Ausstellungsraum, im anderen die Bibliothek. Bald werden sie ergänzt durch gemeinsame Einheiten sowie durch die am Baldachin aufgehängten Wohnräume für die Autorinnen und Autoren. Der Hörsaal

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mit dem darüberliegenden Ausstellungsraum befindet sich an der Stelle der früheren Kapelle. Während gegen aussen der Beton wie eine Schutzschicht wirkt und mit dem vom Baldachin gefilterten Licht spielt, dominiert im Innern Holz. Begleitet von der Pflasterung aus Jurasteinen, gestaltet das Material die Räume und führt die Besucher. Durch das Foyer und über sanft ansteigende Stufen gelangt man in den Ausstellungsraum. Dieser erinnert an ein Kirchenschiff. Das Dach bilden Balken aus Brettschichtholz in Eiche, welche auf Stützen der gleichen Holzart ruhen. Auf dem Weg zum Hörsaal tritt das Holz wieder in den Hintergrund. Die Zugangstreppe ruht hier auf riesigen, an kniende Atlanten gemahnenden Betonsegeln. Besonders auf Details geachtet wurde bei der Gestaltung der Treppengeländer aus Eichenholz. Die Rückseiten sind mit einer unsichtbaren Keilrinne versehen, welche die Hand der Besucher sicher führt. Der Hörsaal ist einer Krypta nachempfunden. An der Gewölbedecke sorgen Akustikelemente mit Eichenoberfläche dafür, dass die Gespräche und Debatten in einer akustisch günstigen Umgebung stattfinden können. Die Bibliothek grenzt ans Gebäude des Hörsaals und verfügt über eine Kapazität von rund 85 000 Titeln. Der Besucher wähnt sich hier in einer anderen Welt, wo sich unter dem allgegenwärtigen Eichenholz die Grenze zwischen Einrichtung und Gebäude verwischt. Die rund 260 mächtigen Eichen, welche für die Bibliothek verwendet wurden, mögen vor Hunderten Jahren für den Bau grosser Schiffe angepflanzt worden sein. Heute bilden sie die Stützen der Bücherregale und der Laufstege,

welche wie Schiffsbrücken über ein imaginäres Meer fahren. Der Genfersee, der sich im Hintergrund über die Erker hinweg erahnen lässt, verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Die Schreibplätze empfangen die Autorinnen und Autoren in Räumen, in denen die Grenze zwischen Innen und Aussen verschwimmt. Die Verbindungswege liegen aufgestützt auf Kon­ solen. Diese werden an ihrem Ende von Stahl­ ankern getragen, welche die Lasten an die Dachkonstruktion weitergeben. Als Folge der fehlenden Laufgänge entstand im Erdgeschoss ein grosser, freier Raum. Dieser wird ebenso für Versammlungen und Symposien genutzt wie der darüberliegende sogenannte Jury-Saal, der sich über zwei Geschosse erstreckt.

Situation


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Querschnitt durch Bibliothek

Querschnitt im Durchgang

Querschnitt durch Hörsaal

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Längsschnitt

40 m


Grundriss Ebene +2

Grundriss Ebene Garten

Grundriss Ebene –2

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Ort En Bois Désert, 1147 Montricher Bauherrschaft Fondation Jan Michalski für Schreibkunst und Literatur, Montricher; Präsidentin: Vera Michalski; Assistenz: AOS Studley SA, Lausanne, SO Management, Nyon Architektur Bureau d’Architecture Vincent Mangeat SA, Mangeat-Wahlen architectes associés, Nyon Generalunternehmung Losinger Marazzi SA, Bussigny Bauleitung Losinger Marazzi SA, Bussigny Holzbauingenieure Charpente Concept SA, Perly Bauingenieure E. Dupuis & associés Ingénieurs civils SA, A. Colombo, Nyon, und Muttoni & Fernandez Ingénieurs Conseils SA, Ecublens Ingenieur Umgebung Biol Conseils SA, Neuchâtel Haustechnikplaner Sorane SA, Ecublens Planung Hörsaal Schwab-System John Schwab SA, Prêles Sanitärplaner Tecsan, Ollon Elektroplaner Louis Richard Ingénieurs Conseils SA, Orbe Innenausbau Holz JPF-Ducret, Bulle (Holzbau), Pascal Montandon, Orzens (Holzbau), J. Bodenmann SA, Le Brassus (allgemeine Schreinerarbeiten), Schwab-System John Schwab SA, Prêles, Menétrey SA, Le-Mont-sur-Lausanne (Bodenbeläge), und André SA, Yens (Türen) Materialien Brettschichtholz und Massivholzplatten in Eiche 67 m3 (Auditorium) und 250 m3 (Bibliothek) Gebäudevolumen SIA 416 7100 m3 Bauzeit August 2009 – Juni 2013 (1. Etappe) Fotografin Corinne Cuendet, Clarens

Fassadenschnitt Bibliothek

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Lignum Holzwirtschaft Schweiz Economie suisse du bois Economia svizzera del legno Mühlebachstrasse 8 CH-8008 Zürich Tel. 044 267 47 77 Fax 044 267 47 87 info@lignum.ch www.lignum.ch

Holzbulletin, September 2013 Herausgeber Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich Christoph Starck, Direktor

Redaktion Roland Brunner, Lignum, und Denis Pflug, Lignum-Cedotec Gestaltung BN Graphics, Zürich

Das Holzbulletin erscheint viermal jährlich in deutscher und französischer Sprache. Jahresabonnement CHF 48.– Einzelexemplar CHF 20.– Sammelordner (10 Ausgaben) CHF 140.– Sammelordner leer CHF 10.– Preisänderungen vorbehalten.

Administration, Abonnemente, Versand Andreas Hartmann, Lignum

Lignum-Mitglieder erhalten das Holz­bulletin und die technischen Informationen der Lignum, Lignatec, gratis. Die Rechte der Veröffentlichung für die einzelnen Bauten bleiben bei den jeweiligen Architekten. Alle Angaben stammen von den Bauplanern.

ISSN 1420-0260

Lignum-Hotline: 044 267 47 83 Benutzen Sie unsere Fachberatung am Tele­fon von 8–12 Uhr, die täglich von Montag bis Freitag gratis zur Verfügung steht.

Druck Kalt-Zehnder-Druck AG, Zug

Holzbulletin 108/2013  

Innenräume

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