Jahresbericht Krebsliga Schweiz 2020

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Jahresbericht 2020


Die 1910 gegründete gemeinnützige Organisation Krebsliga Schweiz engagiert sich in der Krebsprävention, in der Beratung und Unterstützung von Menschen mit Krebs und ihren Angehörigen und in der Forschungsförderung. Die nationale Dachorganisation mit Sitz in Bern vereinigt als Verband 18 kantonale und regionale Ligen, wird vorwiegend durch Spenden finanziert und ist ZEWO-zertifiziert.


EDITO

Eine verlässliche Anlaufstelle – auch in Krisenzeiten Liebe Leserin, lieber Leser Für Krebsbetroffene und ihre Angehörigen und auch für die Krebsliga war 2020 ein herausforderndes, turbulentes Jahr. Mit dem Covid-19-Ausbruch machte sich grosse Verunsicherung breit. Viele Krebspatientinnen und -patienten standen unweigerlich vor entscheidenden Fragen: Gehöre ich zu den Risikopatienten? Wie schütze ich mich am besten und welche Konsequenzen hat das Virus auf meine Therapie? Mit ihren Anliegen gelangten sie an die regionalen und kantonalen Ligen, die in Windeseile ihre Angebote auf digitale Kanäle verlagerten und alles daransetzten, um den Kontakt mit Betroffenen während des Lockdowns aufrechtzuerhalten oder sogar auszubauen (s. Seite 6). Viele wählten aber auch die Gratis-Nummer 0800 11 88 11: Beim Krebstelefon, dem Beratungs- und Informationsdienst der Krebsliga Schweiz, galt es, den starken Anstieg von Anfragen zu bewältigen und zugleich die Empfehlungen der Behörden mit der sich täglich ändernden Situation abzugleichen. Das Virus torpedierte so manches Vorhaben – auch bei der Krebsliga Schweiz. Wie etwa die Jubiläumsfeier des Krebstelefons, das zweifelsohne etwas Aufmerksamkeit verdient hätte, um auf 25 Jahre Beratungstätigkeit zurückzublicken. Doch Zeit zum Feiern fehlte in diesem Ausnahmejahr; die Drähte liefen heiss, und die Anzahl Beratungen verzeichnete mit über 6000 Anrufen im 2020 einen neuen Rekord. Das grösste Geschenk zum Jubiläum sind aber zweifelsohne die Rückmeldungen von Menschen, die beim Krebstelefon beraten wurden (s. Seite 13). «Sie machen einfach eine fantastische Arbeit», schrieb etwa der Sohn einer krebskranken Frau per E-Mail im Anschluss an eine Beratung. Solche Feedbacks sind für die Mitarbeiterinnen des Krebstelefons Antrieb, auch in Zukunft Höchstleistungen zu erbringen. Die Krebsliga hat sich bereits vor Corona dafür engagiert, dass Krebsbetroffene sich in jedem Stadium der Erkrankung gut informiert und umsorgt wissen. Im Ausnahmejahr 2020 ist es uns gelungen, die Unterstützung und Beratung mit digitalen Angeboten weiter auszubauen und damit ganz nahe bei unseren Klientinnen und Klienten zu sein. Dass wir dies schnell und professionell realisieren konnten, verdanken wir nicht zuletzt den Spenderinnen und Spendern. Ohne sie wären unsere Dienstleistungen nicht möglich. Wir möchten Ihnen an dieser Stelle einmal mehr Merci sagen und Ihnen versichern, dass Ihre Unterstützung am richtigen Ort ankommt!

Daniela de la Cruz CEO Krebsliga Schweiz

Gilbert B. Zulian Präsident Krebsliga Schweiz

Krebsliga Schweiz 2020 / Jahresbericht

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ZAHLEN!

Inhalt

Corona & Krebs

6–9

Die Pandemie verunsichert Menschen mit Krebs. Die Krebsliga reagiert mit neuen Angeboten. Unsere Aktivitäten

10 – 11

FA

Von Broschüren, Bilderbüchern und Labels: Engagement an allen Fronten. Krebstelefon 12 – 13 Seit 25 Jahren erhalten Krebsbetroffene und ihre Angehörigen kostenlose Beratung und Informationen. Rauchstopp 14 – 15 Tipps und Tricks für den Rauchstopp von Catherine Abbühl, Leiterin der Rauchstopplinie. Das Jahr im Überblick

16 – 17

Bewegen, begegnen und immer wieder informieren: Was die Krebsliga im Jahr 2020 organisiert hat. Aus den Regionen

18 – 19

Die Aktivitäten der kantonalen und regionalen Ligen vor Ort: ein Einblick in laufende Projekte.

42 500

Personen erkranken in der Schweiz jährlich an Krebs.

Oder anders ausgedrückt: Jede dritte Person wird im Verlauf ihres Lebens mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Die Krebsliga ist in dieser schwierigen Zeit für Betroffene und ihre Angehörigen da. Als Kompetenzzentrum für alle Fragen rund um Krebs übernimmt sie schweizweit eine führende Rolle in der Beratung und Begleitung von Betroffenen und ihren Angehörigen, der Prävention, der Früherkennung von Krebs und der Forschungsförderung.

Auszeichnungen 20 Politik 21 Forschung

22 – 23

Organisation 24 – 25 Spenden

26 – 27

Finanzen

28 – 31

Zusammenarbeit 32 Kantonale und regionale Ligen 33 Ausblick

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> 30 Mio. Personen werden bis 2040 weltweit von Krebs betroffen sein.

Laut WHO wird sich die Zahl der Krebsfälle bis 2040 auf über 30 Millionen verdoppeln. Verantwortlich hierfür sind die wachsende und älter werdende Bevölkerung, aber auch ein ungesunder Lebensstil (Rauchen, mangelnde Bewegung, unausgewogene Ernährung). Ein Drittel aller Krebserkrankungen geht auf diese Faktoren zurück und ist damit potenziell vermeidbar. Mit Prävention, Information und gezielten Kampagnen setzt sich die Krebsliga dafür ein, dass diese Risiken bekannt sind und weniger Menschen an Krebs erkranken und sterben.


2,36 Mio.

FACTS & FIGURES

Franken hat die Krebsliga Schweiz im 2020 in die Krebsforschung investiert.

Dank der Forschung sind heute die Überlebenschancen bei einer Krebserkrankung so gut wie nie zuvor. Derzeit liegt die Wahrscheinlichkeit, fünf Jahre nach der Diagnose noch zu leben, bei über 60 Prozent. Die Krebsliga Schweiz unterstützt Projekte im Bereich Grundlagenforschung, klinische, psychosoziale und epidemiologische Krebsforschung.

AK TE N!

80 Prozent der Gesundheitskosten in der Schweiz gehen auf nichtübertragbare Krankheiten wie Krebs, Herz-KreislaufErkrankungen oder Diabetes zurück.

80%

Gerade die neuen, hochpreisigen Krebstherapien belasten unser Gesundheitssystem und führen zusehends zu Ungleichbehandlungen. Die Krebsliga engagiert sich für einen fairen Zugang und bezahlbare Preise von Krebsmedikamenten.

370 000

Personen mit einer Krebsdiagnose leben heute in der Schweiz.

Die Anzahl der Personen, die im Laufe ihres Lebens an Krebs erkrankt sind, ist in den letzten 20 Jahren exponentiell angestiegen; Schätzungen zufolge leben heute hierzulande zirka vier Prozent der Gesamtbevölkerung mit einer Krebsdiagnose. Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht: Bis ins Jahr 2030 werden es Hochrechnungen zufolge über eine halbe Million Menschen sein. «Cancer Survivors» leiden teilweise unter Spätfolgen der Behandlungen wie Herz-Kreislauf-Problemen, kognitiven Defiziten oder Osteoporose. Damit sie wieder eine bessere Lebensqualität erreichen, unterstützt sie die Krebsliga mit Angeboten, die auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten sind.

9500

Personen sterben in der Schweiz jährlich an den Folgen von Tabakkonsum.

Rauchen ist die häufigste vermeidbare Todesursache hierzulande. Der Preis des Rauchens ist hoch: schnellere Alterung, verminderte Lebenserwartung und ein hohes Risiko für Lungenkrebs. Ziel der Tabakprävention der Krebsliga ist es, den Einstieg ins Rauchen zu verhindern, den Ausstieg zu erleichtern sowie Kinder und Erwachsene vor dem Passivrauchen zu schützen. 62 Prozent der Raucherinnen und Raucher in der Schweiz wollen mit ihrem Tabakkonsum aufhören – die Krebsliga hilft ihnen dabei.

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CORONA & KREBS

Leben mit mehreren Bedrohungen: Betroffene suchen Hilfe Das Coronavirus hat bei vielen Menschen mit Krebs zu grosser Ver­ unsicherung geführt: Gehöre ich zur Risikogruppe? Muss ich die Chemotherapie unterbrechen? Die Isolation setzt mir zu – was kann ich tun? Die Krebsliga stand Betroffenen und Angehörigen das ganze Jahr über mit Rat und Tat zur Seite. «Mit dem Coronavirus war da plötzlich etwas, das wir nicht kannten und nicht wussten, wie man es behandelt. Diese grosse Unbekannte machte Angst. Gerade bei Menschen, die sich schon durch die Krebserkrankung unsicher oder verletzlich fühlten, verstärkten sich diese Ängste teils zusätzlich», sagt Brigitta Wössmer, Psychoonkologin und Vorstandsmitglied der Krebsliga Schweiz. Ein Eindruck, den Georg Stüssi, Vizepräsident des Vorstands der Krebsliga Schweiz und Chefarzt Hämatologie im Onkologie-Institut der italienischen Schweiz (IOSI), bestätigt: «Die grosse Verunsicherung von Krebsbetroffenen spürten wir auch im Spital. Unsere Patienten waren sich bewusst, dass sie bei dieser Pandemie zur Risikopopulation gehören und hielten sich sehr genau an die Schutzmassnahmen. Die psychische Belastung war für viele aber gross – über Monate befanden sie sich im Ausnahmezustand.» Starke Verunsicherung Mit diesen Sorgen und Ängsten gelangten viele Betroffene und ihre Angehörigen direkt an die Krebsliga. Bereits zu Beginn der Pandemie erreichten die kantonalen und regionalen Ligen und die Krebsliga Schweiz deutlich mehr Anfragen. Alleine während des Lockdowns verzeichnete das Krebstelefon – der kostenlose Beratungs- und Informationsdienst – rund 25 Prozent mehr Anfragen per Telefon, E-Mail oder Chat.

«Obschon wir es in unseren Beratungen oft mit Menschen in einer Ausnahmesituation zu tun haben, hat die Coronakrise noch mehr verunsichert. Plötzlich war da diese doppelte Belastung. Das war für alle neu und ungewohnt», bilanziert Anna Zahno, Leiterin des Krebstelefons. Viele der Ratsuchenden hätten sich nach verlässlichen, fundierten Informationen erkundigt. Andere wiederum stellten Fragen nach optimalen Schutzmassnahmen, nach den Auswirkungen auf ihre Therapie oder zu ihrer Gefährdung aufgrund der Krebsart und des Stadiums. Angehörige erzählten von ihren Befürchtungen, die krebsbetroffene Person anstecken zu können. Die sieben Beraterinnen des Krebstelefons nahmen sich auch im Pandemiejahr für jede Anfrage Zeit, um zuzuhören, zu recherchieren und zu informieren. Nahe bei den Leuten – trotz «Social Distancing» Die kantonalen und regionalen Krebsligen reagierten im Nu auf die neue Ausgangslage: Trotz der temporären Schliessungspflicht ihrer Geschäftsstellen gelang es ihnen, Unterstützungsangebote für Krebsbetroffene und ihre Familien sicherzustellen: mit Online-Kursen, Beratungen per Telefon bzw. per Videokonferenz, Webinaren oder Corona-Newsletter. Finanzielle Unterstützung dank zusätzlicher Beiträge Mit Corona hat sich die wirtschaftliche Situation für viele Menschen mit Krebs weiter verschärft, was sich in der Anzahl eingegangener Gesuche nach finanzieller Nothilfe widerspiegelte. 2020 stellte die Krebsliga Schweiz für die kantonalen und regionalen Ligen mittels eines Covid-19-Spezialfonds insgesamt 109 100 Franken für Menschen bereit, die durch ihre Krankheit und die Pandemie in finanzielle Not geraten sind.

«Es ist gut zu wissen, dass es die Krebsliga mit den kantonalen und regionalen Ligen und dem Krebstelefon gibt! Dafür bin ich gerade in dieser speziellen Krisenzeit sehr dankbar.» Martina Bayer, IT-Fachfrau und Brustkrebsbetroffene

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CORONA & KREBS

Krebsliga Solothurn «Ich bin stolz auf mein Team. Trotz der Coronakrise waren wir dank unserem ausgebauten Online-Angebot ganz nahe bei unseren Klientinnen und Klienten: mit Beratungsgesprächen via Skype, Instruktionsvideos unserer Kursleitenden in den sozialen Medien und mit der Online-Version des im Mai neu eröffneten Treffpunkts «Oase» für Betroffene. Auch im Kleinen konnten wir Grosses bewirken: Etwa für ein zehnjähriges Mädchen, dem wir eine Trauerbegleiterin organisiert haben, als seine Mutter in einer palliativen Situation war.» Stephanie Affolter, Geschäftsführerin

Krebsliga Graubünden «Die Belastung, welche eine Krebserkrankung mit sich bringt, wurde durch die Pandemie noch viel grösser. In dieser schwierigen Situation wollten wir für unsere Klientinnen und Klienten da sein, ohne sie einem erhöhten Risiko auszusetzen. Beratungen fanden telefonisch, per E-Mail oder Skype statt. Unser Beratungsteam fragte proaktiv bei unseren Klientinnen und Klienten nach, wie es ihnen ging und wo sie zusätzlich Unterstützung brauchten. Das wurde sehr geschätzt. Vielen tat es gut zu spüren, dass sie nicht alleine waren.» Christoph Kurze, Geschäftsführer

Krebsliga Tessin «Unser Team, bestehend aus Sozialberatern, Psychologen, Pflegefachfrauen, Freiwilligen und Lehrkräften, musste zwar plötzlich aus der Ferne agieren, konnte aber die engen Kontakte mit den Betroffenen immer aufrechterhalten. Yoga-Kurse, Kunsttherapie und Heilgymnastik fanden online statt. Die Mitarbeitenden der drei Zweigstellen waren stets per Telefon, EMail und im Chat erreichbar. Von den Pflegefachfrauen für Rehabilitation erhielten Betroffene und Angehörige praktische Tipps zur Stärkung ihres seelischen und körperlichen Wohls.» Alba Masullo, Geschäftsführerin

Krebsliga Waadt «Wir verstärkten unsere Anstrengungen, um besonders gefährdete Patientinnen und Patienten trotz Corona weiterhin zu unterstützen. Wichtig dabei war, dass die sozialen Kontakte nicht unterbrochen wurden und die körperliche und seelische Verfassung der Teilnehmenden trotz Distanz stabil blieb. Es fanden Online-Kurse statt und wir erstellten Sonder-Newsletter, für die unsere Teams Video- und Audiobeiträge produzierten. So kam die Krebsliga regelmässig zu den Betroffenen nach Hause.» Chantal Diserens, Geschäftsführerin

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CORONA & KREBS

Heisse Drähte: Deutlicher Anstieg an Rechtsberatungen Die rechtliche Beratung der Krebsliga verzeichnete im ersten Halbjahr 2020 eine starke Zunahme an Anfragen. Patricia Müller, Fachspezialistin Recht­ liche Beratung, erzählt im Interview, welche Fragen mit Ausbruch von Covid-19 besonders knifflig waren. 53 Prozent mehr Anfragen in den ersten fünf Monaten des Jahres 2020 – diese Zunahme an rechtlichen Problemen lässt darauf schliessen, dass viele Krebsbetroffene auch direkt vom Coronavirus betroffen waren. Patricia Müller: Viele Krebsbetroffene gehören der Covid-19-Risikogruppe an. Sie und ihre Angehörigen sind daher von der Pandemie stark betroffen. Manche hatten grosse Angst, sich während der Arbeit mit dem Coronavirus zu infizieren und schwer zu erkranken. Sie wollten häufig wissen, unter welchen Voraussetzungen sie zu Hause bleiben dürfen, auch wenn keine Möglichkeit zum Homeoffice gegeben war. Welche Themenbereiche bereiteten den Krebsbetroffenen besonders häufig Sorgen? Die meisten Fragen betrafen die Arbeitswelt: Arbeitspflicht trotz Ansteckungsrisiko, Ferienbezug, Minusstunden etc. Die Betroffenen mussten sich zum Beispiel möglichst gut schützen und sich gleichzeitig ihrem Arbeitgeber gegenüber korrekt verhalten. Auch der Wunsch von Krebsbetroffenen, eine Patientenverfügung aufzusetzen, um beispielsweise eine Beatmung im Falle einer Coronainfektion zu verhindern, führte zu Fragen. Und was davon bereitete Ihnen am meisten Kopfzerbrechen? Der mangelnde Kündigungsschutz. So konnte besonders gefährdeten Personen, die nicht zur Arbeit vor Ort erscheinen durften, gekündigt werden. Eine solche Kündigung kann missbräuchlich sein, aber sie wäre trotzdem gültig. Es gab auch Arbeitgeber, die trotz der Möglichkeit zur Kurzarbeit eine Kündigung ausgesprochen haben. All diese Rechtsanfragen gelangen aber nicht direkt zu Ihnen... Genau. Die Krebsbetroffenen wenden sich hilfesuchend mit solchen Anliegen an die Beratenden der kantonalen und regionalen Krebsligen. Die Beratenden wiederum gelangen dann an mich, wenn es sich um komplexere rechtliche Fragen handelt. Konnten Sie den Betroffenen Hoffnung bieten? Mehr als Hoffnung! Die Beratenden in den kantonalen und regionalen Krebsligen finden sehr oft eine Mög-

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lichkeit, die Betroffenen bei Schwierigkeiten zu unterstützen, sie sind trotz der Coronakrise immer für die Betroffenen erreichbar. Und die juristische Beratung ist durch die Zusammenarbeit zwischen mir und den Ligen vor Ort sichergestellt. Können Sie von einem beispielhaften Fall berichten? Häufig hatten Angehörige Fragen zu ihren Rechten im Arbeitsverhältnis. Der Ehemann einer Krebsbetroffenen arbeitete auf einer Baustelle ohne jede Schutzmassnahme. Er befürchtete, das Coronavirus nach Hause zu tragen und seine Frau anzustecken. Sie war in einer ambulanten, immunsupprimierenden Therapie. Ich konnte ihm mitteilen, dass er die Situation auf der Baustelle gut dokumentieren soll, sich bei seinem Arbeitgeber melden muss und freundlich die sofortige Einrichtung der notwendigen Schutzmassnahmen verlangen darf. Würden über eine längere Zeit keinerlei Schutzmassnahmen eingerichtet, so müsste er nicht mehr auf dieser Baustelle arbeiten und bekäme trotzdem seinen Lohn, denn der Arbeitgeber hätte in diesem speziellen Fall seine Fürsorgepflicht grob verletzt. Der Arbeitgeber des Angehörigen hat sich anschliessend für seinen Mitarbeiter eingesetzt, und der Bauführer hat die nötigen Schutzmassnahmen umgehend eingerichtet. Das Beispiel zeigt, dass es vorteilhaft ist, sich mit seinem Arbeitgeber nicht zu überwerfen, sondern gemeinsam eine Lösung zu finden.

Beratung vor Ort Eine Krebserkrankung wirft neben medizinischen oft auch arbeitsrechtliche, sozial­ versicherungsrechtliche und finanzielle Fragen auf. Die 18 kantonalen und regionalen Krebsligen informieren, unterstützen und begleiten Rat­suchende in der jeweiligen Region in allen Phasen der Erkrankung. krebsliga.ch/region


Danke, dass Sie mir geholfen haben, den Brief an die Versicherung zu schreiben. Ich erhalte jetzt wieder Krankentaggeld. Was für eine Erleichterung!

WAS BETROFFENE SAGEN

Mein Arbeitgeber hat nun akzeptiert, dass die Kündigung gar nicht gültig war. Merci, dass Sie mir den juristischen Artikel zugestellt haben. Ohne diesen hätte ich meinen Chef nicht überzeugen können.

„ “ “ „ „ “ „ “ Luc C.

Sandra K.

Cool,

Durch das Gespräch mit Ihnen wurde mir endlich ganz klar, welches der nächste Schritt im IV-Verfahren ist.

dass ich Sie anrufen darf. Meinem Chef habe ich gesagt, dass ich nun auch einen «Rechtsdienst» habe!

Emil N.

Leanne I.

Ich bin unendlich dankbar, dass Sie mich finanziell unterstützen. Aufgrund dieser Hilfe kann ich erstmals wieder etwas aufatmen und mich um meine Familie und meine Gesundheit kümmern.

Jacqueline R.

Die Therapien

Ich möchte Ihnen von ganzem Herzen Danke sagen für den Support. Es bringt mir wenigstens in finanzieller Hinsicht ein Stück Erleichterung; ich kann nun die wichtigsten Rechnungen begleichen.

Miriam G.

und die Erkrankung ermüdeten mich. Das Schwierigste war die Angst um meinen Arbeitsplatz. Diese Existenzangst zog mir den Boden unter den Füssen weg. Dank Ihrer Unterstützung sehe ich jetzt wieder Perspektiven.

Doris F.

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UNSERE AKTIVITÄTEN

Gesund und fit dank Telefon-Coaching

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telefonische Beratungsgespräche fanden im Jahr 2020 im Rahmen des Pilotprojekts TELCAS, telefonische Gesundheitsberatung für Cancer Survivors statt. «Ich habe dank den Beratungen deutlich mehr Bewegung in meinen Alltag integriert und bin so fit wie seit 20 Jahren nicht mehr. Zudem achte ich jetzt wieder bewusst auf meinen Körper» sagt eine der 24 Teilnehmenden. Das auf ein australisches Programm abgestütztes Pilotprojekt für Krebsüberlebende richtet den Fokus auf körperliche Aktivität und Ernährung und soll zu mehr Lebensqualität führen. Die Teilnehmenden wurden über sechs Monate hinweg zur Lebensstiländerung telefonisch beraten und im Anschluss für weitere sechs Monate auf Wunsch hin per SMS begleitet. Erste Ergebnisse zeigen eine hohe Zufriedenheit der Teilnehmenden. Eine ausführliche Evaluation liegt Mitte 2021 vor. krebsliga.ch/beratung-unterstuetzung/telefonische-gesundheitsberatung

Gut informiert unterwegs Dickdarm- und Enddarmkrebs

Eine Information der Krebsliga

Online

lesen

> 220 000

Mal wurden die Broschüren der Krebsliga im Jahr 2020 heruntergeladen. Die Palette umfasst mittlerweile rund 200 Publikationen, die die Krebsliga Schweiz in ihrem Shop der breiten Öffentlichkeit anbietet. Sie können online heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden. Die Themen sind so vielfältig wie die Herausforderungen, vor denen Menschen mit Krebs und ihre Angehörigen stehen. Ziel dieses Angebots ist es, Menschen mit Krebs und ihre Angehörigen bestmöglich mit den für ihre Erkrankung relevanten Informationen vertraut zu machen. Die sorgfältig aufbereiteten Publikationen werden laufend überprüft und aktualisiert; bei medizinisch relevanten Inhalten mithilfe von externen Fachpersonen. Im 2020 wurden insgesamt 35 Broschüren komplett überarbeitet. Auch bezüglich Lesefreundlichkeit erfolgten diverse Anpassungen: Dank dem neu implementierten Tool E-Pub sind die Publikationen auf mobilen Geräten noch angenehmer zu lesen. shop.krebsliga.ch

Finanzielle Not lindern

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Einzelpersonen, Paare und Familien, die durch eine Krebserkrankung in finanzielle Not geraten sind, hat die Krebsliga Schweiz im Jahr 2020 mit einem Gesamtbeitrag von 514 698 Franken unterstützt. Während einer Krebserkrankung können erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten entstehen. Betroffene haben in dieser Situation die Möglichkeit, sich an eine kantonale oder regionale Krebsliga zu wenden. Sind deren finanziellen Möglichkeiten ausgeschöpft, kommt der «Hilfsfonds zur Unterstützung von Krebsbetroffenen» der Krebsliga Schweiz zum Einsatz. Nach einer sorgfältigen Abklärung der finanziellen und sozialen Situation hilft der Fonds Betroffenen unbürokratisch und bedarfsorientiert. krebsliga.ch/region

Betroffenen und Angehörigen eine Stimme geben

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Krebsbetroffene und Angehörige haben sich im Jahr 2020 im Betroffenenrat engagiert. Sie halfen, die Angebote der Krebsliga weiterzuentwickeln, nahmen an elektronischen Umfragen zu krebsbezogenen Themen teil, prüften überarbeitete Broschüren auf ihre Verständlichkeit oder stellten sich als Interviewpartner zur Verfügung. «Das Bedürfnis, sich zu engagieren, sich einzubringen, Erfahrungen zu teilen und sich mit anderen in einer ähnlichen Situation auszutauschen, ist nach wie vor gross», sagt Isabelle Hertel, Verantwortliche für den Betroffenenrat. In Zukunft soll der persönliche Austausch unter Betroffenen und Angehörigen – zum Beispiel mit Anlässen – noch stärker gefördert werden. In Zusammenarbeit mit den kantonalen und regionalen Ligen hat die Krebsliga begonnen, Interessierte auch untereinander zu vernetzen. krebsliga.ch/betroffenenrat

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UNSERE AKTIVITÄTEN

Vernetzung sichern

2014

fiel der Startschuss für die «Nationale Strategie gegen Krebs (NSK)». Dahinter stand die Vision, durch die Vernetzung aller Akteure im Krebsbereich die Situation von Krebsbetroffenen zu verbessern und die Zugangsgerechtigkeit und eine hohe Qualität in der Versorgung sicherzustellen. Nach sieben arbeitsintensiven Jahren ist das Kapitel NSK im Dezember 2020 zu Ende gegangen, handelte es sich doch von Anfang an um einen zeitlich begrenzten Auftrag von Bund und Kantonen. Es seien zahlreiche Projekte erfolgreich zu Ende geführt worden, bilanziert Michael Röthlisberger, Co-Projektleiter der NSK. Zu den Meilensteinen gehören insbesondere die Charta Darmkrebs-Früherkennung, bei der die Krebsliga Schweiz den Lead innehatte, oder die Erarbeitung und Einführung der nationalen Krebsregistrierung. Damit die Vernetzung auch in Zukunft gesichert ist, werden die Anstrengungen auf nationaler Ebene weitergeführt. Mit dem «Oncosuisse Forum», das seit Januar 2021 operativ tätig ist und das die Krebsliga Schweiz mitträgt, wurde hierfür eine neue Plattform geschaffen. oncosuisse.ch

«Vorsorgen – Sie auch?»

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Personen haben an den kostenlosen Vorsorgeanlässen, wie sie die Krebsliga Schweiz zusammen mit der Bank Cler durchführt, teilgenommen: an Veranstaltungen vor Ort oder bequem vom Wohnzimmer aus dank eines Live-Streams. Die Themen Patientenverfügung, Vorsorgeauftrag und Nachlassplanung stiessen trotz oder womöglich gerade wegen Corona auf grosses Interesse. Rechtsexpertinnnen und -experten erläuterten an den insgesamt sechs Veranstaltungen, wie sich vorsorgen lässt für Situationen, in denen man nicht mehr selber entscheiden kann – bis ans Lebensende und darüber hinaus. krebsliga.ch/erbschaften

Bessere Behandlungen dank Qualitätsprüfungen

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Brustzentren in der Schweiz tragen mittlerweile das Q-Label, ein von der Krebsliga Schweiz und der Schweizerischen Gesellschaft für Senologie (SGS) vergebenes Qualitätslabel für ausgezeichnete Behandlung und Betreuung. Indem Qualität geprüft und transparent gemacht wird, soll die Behandlung und Betreuung von Frauen mit Brustkrebs weiter verbessert und den Patientinnen eine Orientierungshilfe geboten werden. Um das Q-Label zu erhalten, muss ein Brustzentrum rund 70 Qualitätskriterien erfüllen. Dazu gehört zum Beispiel ein Tumorboard, an dem alle Experten teilnehmen, die in die Entscheidungen bezüglich Therapie involviert sind. Weitere Vorgaben betreffen die jährlichen Fallzahlen, die Diagnostik, die Therapie, die apparative Ausstattung sowie Information und Nachsorge der Patientinnen. Im November 2020 wurde zwei weiteren Brustzentren (Brustzentrum Bern Biel, Hirslanden Bern-Biel und BrustCentrum Zürich, Bethanien & Zollikerberg) das Label verliehen. krebsliga.ch/q-label

Die Haut schützen: Ein Bilderbuch klärt auf

11 500

DAS HAUS IM SCHATTEN Ein Bilderbuch zum Thema Sonnenschutz

Annina Holzer

Mal hat die Krebsliga das Bilderbuch «Das Haus im Schatten» gedruckt, einen Grossteil davon im handlichen Pixi-Format. Es erzählt die Geschichte von Mia, die wegen ihres Sonnenbrands nicht mit den anderen Kindern nach draussen darf. Das Bilderbuch ist Bestandteil verschiedener Unterrichtsmate­ rialien, die die Krebsliga zusammen mit der Pädagogischen Hochschule Zug erarbeitet hat. Sie richten sich an vier- bis achtjährige Kinder und führen auf spielerische Art an die Thematik und Wichtigkeit der Sonne und des Sonnenschutzes heran. Eine Erlebnismappe mit Bewegungs-, Spiel- und Bastelideen steht für Eltern, Lehr- oder Betreuungspersonen ebenfalls kostenlos zur Verfügung. krebsliga.ch/haus-im-schatten

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BERATEN UND UNTERSTÜTZEN

25 Jahre Krebstelefon Immer ein offenes Ohr für Krebsbetroffene

Aufgrund der grossen Nachfrage wurden die Beratungszeiten ausgedehnt: Das Krebstelefon ist mittlerweile täglich während zehn Stunden erreichbar und bietet Beratungen auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch an.

6152 Beratungen hat das Krebstelefon im Jahr 2020 durchgeführt.

Eine Krebsdiagnose reisst Betroffene aus ihrem Alltag. Sie müssen sich im Behandlungsdschungel zurechtfinden und Antworten auf unzählige Fragen suchen. Das Krebstelefon unterstützt sie und ihr Umfeld dabei – seit genau 25 Jahren. Die Nachfrage nach Beratung und Information ist so gross wie nie zuvor.

25 Prozent mehr Anfragen wurden im Frühling 2020 im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet.

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Was meinte der Onkologe mit «Rezidiv-Rate»? Wie rede ich mit meinen Kindern über meine Krebsdiagnose? Muss ich die Zahnarztkosten während der Behandlung selbst tragen? Seit 25 Jahren beantworten Fachleute beim Krebstelefon Fragen rund um das Thema Krebs. «Mit unserem niederschwelligen Angebot begleiten wir Betroffene und ihr Umfeld nicht nur fachlich, sondern auch emotional», sagt Anna Zahno, Leiterin des Krebstelefons. Längst mehr als ein Telefon 1995 startete das Krebstelefon als telefonischer Beratungs- und Informationsdienst. An fünf Abenden konnten Betroffene und Angehörige zwischen 16 und 19 Uhr den anonymen Service in Anspruch nehmen. «Kompetent, einfühlsam und kostenlos» hiess der Slogan damals. Aus dem Pilotprojekt wurde bald eine etablierte Dienstleistung der Krebsliga, die über die telefonischen Beratungen hinausging und sich den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer laufend anpasste: E-Mail-Anfragen ersetzten die Briefpost weitgehend und dank Live-Chat mit einer Fachberaterin erreicht das Krebstelefon heute auch ein junges Publikum. Im Krebsforum wiederum können sich Betroffene, Nahestehende und Fachpersonen zu verschiedenen Themen austauschen. Das Bedürfnis nach präzisen, professionellen Beratungen, wie sie das Krebstelefon bietet, steigt seit Jahren: Von 1550 Beratungen im 1995 auf über 6000 im 2020.

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Mal mehr Anfragen verzeichnet das Krebstelefon seit Gründung.

Krebs wirft viele Fragen auf Beim Krebstelefon erhalten Betroffene, Angehörige und Interessierte jeden Alters im vertraulichen Gespräch Informationen und persönliche Beratung rund um das Thema Krebs (Prävention, Therapie, Nebenwirkungen, Palliative Care, Forschung). Das Gespräch findet am Telefon, per Mail, im Chat oder per Skype statt.

Telefon 0800 11 88 11, 9–19 Uhr, Mo–Fr

E-Mail helpline@krebsliga.ch

Skype krebstelefon.ch, 11–16 Uhr, Mo–Fr

Chat krebsliga.ch/cancerline, 11–16 Uhr, Mo–Fr

Forum krebsforum.ch


Ich möchte Ihnen nochmals Merci sagen. Dafür, dass Sie mir zugehört und mich ernst genommen haben. Ich fühle mich jetzt nicht mehr so verzweifelt und irgendwie ruhiger. Dank unserem Gespräch ist mir klar geworden, welches die nächsten Schritte sein könnten.

Andi I.

Grosses Merci für Ihre kompetente Beratung und die vielen Informationen, die Sie mir zugestellt haben. Ich finde es bewundernswert, mit wie viel Engagement sich die Krebsliga um die Betroffenen und auch die Angehörigen kümmert.

John W.

Sorry,

für mein Gelabber, aber ich bin froh, kann ich einfach mal drauflosschreiben und den ganzen Riesenfrust auf eurem Chat loswerden. Ich habe mega Schiss vor diesem doofen Krebs.

Liliane A.

Ich wollte meine Kinder mit meiner Diagnose nicht schockieren, und doch mussten sie davon wissen. Dank dem Gespräch mit Ihnen fand ich einen guten Weg, wie ich ihnen erklären konnte, was Krebs ist und was es für uns als Familie bedeutet.

Isabelle K.

Hiermit möchte ich mich nochmals recht herzlich bei Ihnen bedanken. Jetzt weiss ich auch wo meine nächste Spende hingeht, Sie machen einfach eine fantastische Arbeit!

Florian N.

WAS Was BETROFFENE BetroffeneSAGEN sagen

Das Gespräch mit Ihnen hat mir gutgetan. Auch das Wissen, dass ich mich jederzeit wieder melden darf, hilft mir in dieser schwierigen Situation.

Brigitte C.

Vielen Dank, für Ihre ausführliche und einfühlsame Antwort. Und das innerhalb so kurzer Zeit. Was für eine tolle Dienstleistung!»

Nicole B.


VORSORGEN

15 Jahre Rauchstopplinie: individuelle Beratungen in zehn Sprachen Vor 15 Jahren wurde die Nummer 0848 000 181 zum ersten Mal gewählt. Heute ist die nationale Rauchstopplinie die erste Adresse für all jene, die mit dem Rauchen aufhören wollen. Wie gelingt es, die Zigarette ein für allemal aus dem Alltag zu verbannen? Catherine Abbühl, Leiterin der Rauchstopplinie, weiss Rat. Schätzungen zufolge geht rund ein Drittel aller Krebserkrankungen auf Tabakkonsum zurück. Wieso gibt es überhaupt noch Rauchende? Catherine Abbühl: Es sind vor allem junge Leute, die mit Rauchen beginnen. Die Tabakindustrie peilt mit ihrer Werbung genau diese Zielgruppe an und sichert sich so langjährige Kunden. Kommt hinzu: Jugendliche sind mit den Gefahren des Konsums noch wenig vertraut – zum Teil wissen sie schlichtweg nicht, dass man sehr schnell abhängig wird. Auch setzen sie sich kaum mit gesundheitlichen Spätfolgen des Rauchens auseinander. Welches sind die häufigsten Motive, dass sich jemand zum Rauchstopp entschliesst? Auf den ersten beiden Plätzen rangieren die Gesundheit und die Kosten. Einige stellen fest, dass sie nicht mehr gut atmen können, häufig husten oder sportliche Aktivitäten nicht mehr möglich sind. Es gibt auch viele, die sich in ihrer Sucht gefangen fühlen. Andere wiederum gelangen zur Einsicht, dass die gesund-

Professionelle Beratung seit 15 Jahren

Mehr als die Hälfte aller Raucherinnen und Raucher will mit dem Rauchen aufhören. Aber oft wissen sie nicht, wie ein Rauchstopp am besten anzupacken ist. Die Rauchstopplinie ist ein telefonischer Beratungsservice, der unkompliziert bei der Tabakentwöhnung hilft. Die Krebsliga Schweiz betreibt die Rauchstopplinie seit 2005. Das Programm wird durch den Tabakpräventionsfonds finanziert. stopsmoking.ch

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heitlichen Risiken zu gross sind. Auch an den gelben Zähnen oder am Geruch, der sich an den Kleidern festsetzt, stören sich viele. Und dann sind da noch all jene, die von ihrem Arzt an uns weitergeleitet werden. Teils handelt es sich um stark abhängige Raucherinnen und Raucher mit sehr hohem Konsum. Wer meldet sich bei der Rauchstopplinie? Die Anrufenden stammen aus allen sozialen Schichten und Altersklassen; Jugendliche, Studierende, Erwerbstätige, IV-Bezüger, Senioren, Männer und Frauen mit den unterschiedlichsten Vorerkrankungen und Biografien. Wir sind für alle da und erreichen wirklich sehr viele Bevölkerungsgruppen, weil unser Angebot kostenlos und fundiert ist und Beratungen auf zehn Sprachen möglich sind. Ein starker Raucher wählt die Nummer 0848 000 181. Er will den ersten Schritt machen. Was erwartet ihn bei einem solchen Anruf? Wir stellen zuerst Fragen zum Rauchverhalten, zum Tabakkonsum, aber auch zur Motivation für einen Rauchstopp. Dann prüfen wir, wie stark die Abhängigkeit vom Nikotin und von den Gewohnheiten ist. Als Nächstes planen wir den Rauchstopp von Grund auf und besprechen Strategien in Bezug auf mögliche Rückfallszenarien; manche Leute greifen in ganz bestimmten Situationen zur Zigarette, etwa bei starkem Stress. Diese Risiken gilt es zu benennen. Wenn die Person in den nächsten 30 Tagen aufhören möchte, begleiten wir sie relativ eng mit mehreren Gesprächen. Wie viele Beratungen braucht es durchschnittlich, damit der Rauchstopp gelingt? Aufgrund unserer Daten zeigt sich: Ein guter Wirkungszusammenhang ist belegt bei fünf Gesprächen. Aber das ist kein fixer Wert. Manche Menschen brauchen mehr, andere weniger. Das Coaching ist auf drei Monate begrenzt. Darüber informieren wir die Hilfe-


VORSORGEN

suchenden, damit wir die Zeit von Beginn an optimal nutzen können. Wie gross sind die Chancen für Rauchende, mithilfe der engmaschigen Begleitung, wie sie die Rauchstopplinie bietet, vom Rauchen wegzukommen? Rund einem Drittel gelingt der Ausstieg, das zeigen unsere Auswertungen. Jene, die auch Folgegespräche in Anspruch nehmen, haben die besseren Chancen auf Erfolg, d.h. nach einem Jahr immer noch stabile Exraucher zu sein. Nationale telefonische Rauchstoppangebote gibt es auf der ganzen Welt. Es gibt dazu viele Daten, die die hohe Wirksamkeit dieser so genannten Quitlines belegen. Die Beratungen basieren auf der Methode der kognitiven Verhaltenstherapie, folgen einer klaren Struktur, sind aber dennoch sehr individuell und niederschwellig. Was sind Ihre letzten zwei Sätze, bevor Sie sich von jemandem aus einer mehrmonatigen Beratung verabschieden? Ich gratuliere natürlich zum Erfolg. Für mich ist es jedes Mal eine grosse Freude, beobachten zu dürfen, wie viel sich nach einem Rauchstopp zum Positiven verändern kann; wie sich die Stimmung hebt und wie unsere Klientinnen und Klienten ihre körperlichen Ressourcen wiederentdecken. Meistens bespreche ich noch prophylaktisch Strategien für mögliche Risikosituationen in der Zukunft. Wichtig ist es auch, beim Rauchstopp zu bleiben und sich nicht gelegentlich einige Zigaretten zu gönnen. Das funktioniert nicht. Ein Zug kann reichen, um die Sucht zu reaktivieren und wieder bei Null starten zu müssen.

> 50 000 Beratungen hat die Rauchstopplinie seit der Gründung durch­ geführt.

80 Prozent der Lungenkrebsfälle sind auf den Tabakkonsum zurückzuführen.

27 Prozent der Schweizer Bevölkerung rauchen; 31 Prozent der Männer, 23 Prozent der Frauen.

«Seit dem Rauchstopp habe ich morgens viel weniger Kopfschmerzen, und die schmerzhaften Hustenanfälle sind ebenfalls verschwunden. Anfangs nutzte ich ein Nikotinpflaster, um die Entzugserscheinungen in den Griff zu bekommen. Ich war froh, dass ich regelmässig in Kontakt mit einer Beraterin der Rauchstopplinie stand. Sie hatte stets Verständnis für meine Situation und gab mir hilfreiche Tipps, damit mein Projekt zum Erfolg wurde.»

Lionel B., Sozialpädagoge

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DAS JAHR IM ÜBERBLICK

Februar #worldcancerday: Arme hoch, Puls rauf! Ein Star-Fussballer, eine Profi-Sportkletterin, die Biathlon-Frauenstaffel und Hunderte Sportbegeisterte: Sie alle verfolgen am internationalen Weltkrebstag am 4. Februar das gleiche Ziel und animieren die Bevölkerung dazu, mehr Sport zu treiben. Das Motto heisst: Bewegung tut gut! Sie wirkt sich in jedem Alter positiv auf die Gesundheit, die Psyche und die Lebensqualität aus: zur Krebsvorbeugung wie auch zur Reduktion der Nebenwirkungen und der Rückfälle bei einer Krebserkrankung. Einmal mehr ruft die Krebsliga in den Wochen vor dem Weltkrebstag in den sozialen Medien dazu auf, mehr Schwung in den Alltag zu bringen und wird dabei tatkräftig von Profi- und Amateursportlerinnen und -sportlern unterstützt. facebook.com/krebsliga instagram.com/krebsliga

März «Ich bin mehr als mein Krebs» Die Krebsliga nimmt das Motto zum Tag der Kranken 2020 «Ich bin mehr als meine Krankheit(en)» zum Anlass dafür, sich am 1. März für die Bedürfnisse von Krebsbetroffenen stark zu machen. In der Schweiz werden jährlich über 40 000 Krebsdiagnosen gestellt. Etwa 15 000 davon betreffen Menschen, welche im Berufsleben stehen und sich nach der Therapie wieder in den Arbeitsprozess integrieren wollen. Die Krebsliga leistet hierzu direkte Unterstützung; sie steht Betroffenen beratend zur Seite und bietet Unternehmen zum Thema Krebs am Arbeitsplatz spezifische Schulungen an. Dazu gehören Fachreferate, Workshops sowie Telefoncoachings. krebsliga.ch/krebsundarbeit

Mai Ungenügender Tabakschutz für Kinder und Jugendliche Der Welttag ohne Tabak am 31. Mai 2020 widmet sich demThema «Protecting Youth» – ein Anliegen, für das sich die Krebsliga Schweiz seit Jahren engagiert. Der Handlungsbedarf, um Kinder und Jugendliche hierzulande besser vor Tabak zu schützen, ist gross: Die Schweiz schneidet diesbezüglich im europäischen Vergleich nicht gut ab. Deshalb sind griffige Massnahmen wie ein umfassendes Werbeverbot dringend nötig, hält die Krebsliga in einer Medienmitteilung zum Welttag ohne Tabak fest. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Jugendliche, die häufig mit Tabakwerbung in Kontakt kommen, eher zu Zigaretten greifen. Die Krebsliga Schweiz setzt sich deshalb mit anderen Partnern für einen stärkeren Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den schädlichen Folgen des Tabakkonsums ein. So reichte sie im Herbst 2019 die Eidgenössische Volksinitiative «Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung» ein. kinderohnetabak.ch

Juni Betroffene berichten Am 23. Juni startet die Krebsliga eine neue Webinar-Serie. «Resilienz – die grosse Stärke von Krebsbetroffenen?» lautet der Titel der ersten Ausgabe. Daniela de la Cruz, CEO der Krebsliga Schweiz, unterhält sich mit Peter Brunold über seine Erkrankung: Über den Schock nach der Diagnose Darmkrebs, über den Weg zurück in die Normalität und über die Erkenntnis, dass dies nicht alleine zu schaffen ist. «Es braucht Mut, sich helfen zu lassen», sagt der Ostschweizer rückblickend. «Heute fühle ich mich wieder wohl in meiner Haut, bin gestärkt und zuversichtlich. Es kann kommen, was will – ich bin bereit.» youtube.com/watch?v=BbV3RP502B8

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DAS JAHR IM ÜBERBLICK

Juni – August Rot, röter, am rötesten? Sommer und Sonne, das wünschen sich all jene, die wegen der Pandemie zuhause bleiben müssen. Die Krebsliga nimmt dies zum Anlass, die wichtigsten Regeln für einen guten Sonnenschutz in Erinnerung zu rufen. Schatten, Kleider und ergänzend Sonnenschutzmittel heisst das wirkungsvolle Trio, um sich vor UV-Strahlung zu schützen. Die Krebsliga informiert über verschiedene Kanäle zum Thema Sonnenschutz und Hautkrebs: mit Broschüren, Faktenblättern und sechs informativen Kurzvideos, die auf den sozialen Medien über 45 000 Mal angeklickt werden. krebsliga.ch/sonnenschutz

September Bessere Chancen auf Heilung dank Früherkennung Für einige Krebsarten gibt es spezifische Früherkennungsuntersuchungen, mit denen die Krankheit entdeckt werden kann, bevor Symptome entstehen. In solchen Fällen stehen die Chancen auf Heilung gut. Um die Früherkennung dreht sich auch die nationale Tagung vom 24. September 2020 in Bern; renommierte Referentinnen und Referenten erläutern an der von der Krebsliga Schweiz mitorganisierten Veranstaltung den allgemeinen Forschungsstand, die Frage nach dem Nutzen und die Bedeutung der Zugangsgerechtigkeit. krebsliga.ch/krebs-vorbeugen/praeventionund-frueherkennung

Oktober Auch Angehörige unterstützen Im Brustkrebsmonat Oktober richtet die Krebsliga den Fokus auf Partner, Kinder und Nahestehende von Brustkrebspatientinnen. In der Schweiz erkranken jährlich rund 6200 Frauen an dieser Krebsart. Die wichtigste emotionale Stütze sind für viele die Familien. Doch für Angehörige ist der Spagat zwischen Pflege, Berufsalltag, Kinderbetreuung und eigenen Bedürfnissen äusserst schwierig. Das Krebstelefon richtet sein Beratungsund Informationsangebot deshalb ganz gezielt auch an Angehörige: Sie können sich kostenlos mit einer Fachperson austauschen, per Telefon, EMail oder im Chat. Auch die 18 kantonalen und regionalen Krebsligen sind für Angehörige eine wichtige Anlaufstelle in Wohnortsnähe. krebsliga.ch/region

November Reine Männersache Das Krebsforum, eine digitale Plattform, auf der Betroffene Fragen stellen und ihre Erfahrungen mit andern teilen können, widmet sich den ganzen November über dem Thema Männergesundheit und Männertumoren. Ziel ist es, Männer für gesundheitliche Themen zu sensibilisieren und sie gezielt zu informieren. In der Expertensprechstunde beantworten ausgewiesene Spezialistinnen und Spezialisten die Fragen von Betroffenen und Angehörigen. krebsforum.ch Wissen schützt, Prävention ebenso Verschiedenste Umweltfaktoren beeinflussen unsere Gesundheit – sowohl positiv als auch negativ. Was bedeutet dies für die Krebsprävention? Diese Frage steht am 24. November 2020 am Forum Umwelt und Krebs im Vordergrund, einer Veranstaltung der Krebsliga Schweiz im Rahmen der Nationalen Strategie gegen Krebs, die vom Bundesamt für Umwelt und vom Bundesamt für Gesundheit unterstützt wird. Die Krebsliga publiziert zum Thema zudem eine interaktive digitale Grafik, die den Zusammenhang zwischen Krebs und Umwelteinflüssen verdeutlicht. krebsliga.ch/umwelt

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AUS DEN REGIONEN

Auftanken! Die Krebsliga Solothurn hat im Mai 2020 die «Oase» eröffnet – einen Treffpunkt für Krebsbetroffene, der einmal monatlich stattfindet. Betroffene haben dank des neuen Angebots die Möglichkeit, Kontakte mit Menschen in einer ähnlichen Situation zu knüpfen und Inputs von Fachpersonen zu Therapieformen und zur Alltagsbewältigung zu erhalten. Kreative Aktivitäten, Einblicke in komplementäre Behandlungen oder Achtsamkeitsübungen – die «Oase» bietet viele Möglichkeiten, Farbe ins eigene Leben zu bringen. Aufgrund von Corona fanden die meisten Veranstaltungen online statt. solothurn.krebsliga.ch

«Info-Classe»: Zurück ins Schulzimmer In der Schweiz erkranken jedes Jahr mehr als 200 Kinder an Krebs. Die Rückkehr ins Klassenzimmer ist eine Herausforderung für alle. Die kantonalen Ligen der Romandie haben im 2020 ein Projekt lanciert, das genau hier ansetzt. Eine Fachperson diskutiert mit Mitschüler/-innen des erkrankten Kindes Themen rund um die Krankheit, die Behandlung und die Rückkehr des betroffenen Kindes in die Schule. Die Schülerinnen und Schüler dürfen in diesem Rahmen auch ihre Fragen, Zweifel und mögliche Ängste im Zusammenhang mit der Krankheit auszudrücken. Farbenfrohe, altersgerechte Materialien helfen dabei, diese Treffen zu gestalten. lvc.ch/info-classe

Bis ganz zuletzt Auch im Jahr 2020 hat die Krebsliga Schaffhausen Menschen mit komplexen onkologischen und anderen unheilbaren Erkrankungen mit dem spitalexternen Onkologiepflegedienst zuhause betreut. Die Betreuung und Begleitung von schwerkranken Menschen erfordert nebst einem hohen Mass an Fachkompetenz auch Kreativität, langjährige Erfahrung im pflegerischen Bereich und viel Einfühlungsvermögen. Der Dienst ist sieben Tage die Woche während 24 Stunden telefonisch erreichbar. schaffhausen.krebsliga.ch

Am Netz: Visp gegen Köniz Anlässlich des Brustkrebsmonats Oktober sponserte die Krebsliga Wallis den Spielerinnen des VBC Visp ein pinkes Matchshirt. Am 10. Oktober 2020 spielten die Sportlerinnen in Liebefeld (BE) gegen den Club Volley Köniz. Die Bernische Krebsliga war mit einem Stand vor Ort und informierte im Rahmen eines Interviews zu Beginn des Matches über die Risikofaktoren und die Bedeutung der Früherkennung. wallis.krebsliga.ch bern.krebsliga.ch

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AUS DEN REGIONEN

Zurück in den Alltag Onkologische Therapien werden immer erfolgreicher. Sie sind jedoch oft mit Nebenwirkungen verbunden, die die Lebensqualität einschränken können. Deshalb hat die Krebsliga Aargau im 2020 gemeinsam mit der Hirslanden Klinik Aarau die ambulante onkologische Rehabilitation Aargau ins Leben gerufen. Damit erhalten Aargauer Patientinnen und Patienten Zugang zu Rehabilitationsprogrammen, die auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten sind und die Auswirkungen der Krebstherapie lindern. aargau.krebsliga.ch

Darmkrebs: rechtzeitig vorsorgen Darmkrebs ist in der Schweiz die dritthäufigste Krebsart bei Männern bzw. die zweithäufigste Krebsart bei Frauen und trifft ungefähr fünf Prozent der Bevölkerung im Verlauf des Lebens. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko zu erkranken. Mit einer Vorsorgeuntersuchung kann Darmkrebs frühzeitig entdeckt und meistens geheilt werden. Die Krebsliga empfiehlt, ab dem 50. Lebensjahr regelmässige Darmkrebs-Früherkennungsuntersuchungen durchzuführen. Im Jahr 2020 sind vier neue Programme zur Früherkennung gestartet worden, die die Krebsliga beider Basel, die Krebsliga Freiburg und die Krebsliga Graubünden im Auftrag der jeweiligen Kantone durchführen. Im Kanton Wallis ist die Krebsliga Wallis als Partner am Projekt Früherkennung beteiligt. swisscancerscreening.ch

Perle für Perle hin zum Ziel Auch im Jahr 2020 hat die Krebsliga Tessin zusammen mit der Krebsliga Waadt das Projekt «Mutperlen» durchgeführt: Hierbei erhalten krebskranke Kinder, die sich einer Tumorbehandlung unterziehen müssen, für jede schwierige Etappe eine Perle. Im Laufe der Behandlung wird die Halskette immer länger: Die in aufwändiger Handarbeit erstellten Glasperlen motivieren auch in schwierigen Zeiten und dokumentieren den Mut und die Kraft, die das Kind in der Therapie aufbringt. ticino.legacancro.ch vaud.liguecancer.ch

Corona: einkaufen für Risikogruppen Der Krebsliga beider Basel war es ein grosses Anliegen, während des Lockdowns und der Corona-Pandemie weiterhin für Betroffene da zu sein. So wurde beispielsweise unkompliziert und rasch ein Einkaufs- und Besorgungsdienst für die Klientinnen und Klienten eingeführt: «Wir kaufen für Sie ein» – hiess eines von mehreren neuen Angeboten, das auf rege Nachfrage stiess. Zusätzlich schuf das Beratungsteam die Möglichkeit, Online-Beratungen in Anspruch zu nehmen. basel.krebsliga.ch

Die 18 kantonalen und regionalen Krebsligen bieten in der Schweiz ein flächendeckendes und kosten­ loses Grundangebot an Beratung und Begleitung von Krebsbetroffenen und ihrem Umfeld an: mit Kursen, Gruppenangeboten und Seminaren – vor Ort oder virtuell. krebsliga.ch/region


AUSZEICHNUNGEN

Anerkennungspreis und Krebsmedaille für besondere Verdienste Die Krebsliga hat im Jahr 2020 zwei Auszeichnungen verliehen. Der Anerkennungs­preis ging an «Nanas Lunchbox» und die Krebsmedaille an Pascal Couchepin. artige Zeichen der Solidarität und die Wertschätzung unserer Arbeit. Das gibt uns Elan zum Weitermachen», hielt Nannette Keller auf LinkedIn fest. Spendenaktion für Familien mit kranken Kindern Die Krebsliga hat im Anschluss an die Preisverleihung eine Participate-Spendenaktion gestartet und über 6000 Franken gesammelt, um betroffene Familien in der Vorweihnachtszeit mit einer Lunchbox zu überraschen. krebsliga.ch/anerkennungspreis

Krebsmedaille für Altbundesrat Pascal Couchepin

Daniela de la Cruz, CEO der Krebsliga Schweiz, überreicht Nannette Keller von «Nanas Lunchbox» die Auszeichnung.

Mit einem kranken Kind wird etwas Alltägliches wie das gemeinsame Essen am Familientisch plötzlich zu etwas Besonderem. Diese Erfahrung musste Nannette Keller vor acht Jahren machen, als bei ihrem damals achtjährigen Sohn Leukämie diagnostiziert wurde. Die Krebserkrankung stellte den gesamten Familienalltag auf den Kopf. Anders als bei ihrer Familie, wo die Schwiegermutter während der Spitalaufenthalte des Enkels oft gekocht hat, kommt in vielen betroffenen Familien der Genuss einer gesunden, gemeinsamen Mahlzeit zu kurz. Diese Lücke füllt «Nanas Lunchbox». Zeichen der Solidarität Oft möchten Angehörige und Freunde den betroffenen Familien helfen, wissen aber nicht wie. Mit den bestellbaren Mahlzeiten von Nannette Keller und ihrem Team können sie schweizweit konkrete Unterstützung schenken. Die Lebensmittel werden hauptsächlich aus der Region bezogen, und jeder Mahlzeit liegen eine handgeschriebene Karte und eine kleine Überraschung bei. «Nanas Lunchbox ist für mich ein Akt der Solidarität, ein Zeichen von Mitgefühl bei Schicksalsschlägen, wie sie uns alle treffen können», sagte Daniela de la Cruz, CEO der Krebsliga Schweiz, bei der Checkübergabe. «Wir sind überwältigt vom Anerkennungspreis der Krebsliga Schweiz. Herzlichen Dank für dieses gross-

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Die letzte Lebensphase wird gerne verdrängt und oft erst zum Thema, wenn die Tage aufgrund einer unheilbaren Krankheit oder hohem Alter gezählt sind. Doch nicht nur die Direktbetroffenen, auch die Gesellschaft und die Politik kommen nicht umhin, sich intensiv mit der letzten Lebensphase auseinanderzusetzen. Mit der demografischen Entwicklung wird die Nachfrage nach palliativen Leistungen in Zukunft weiter steigen. Und auch die Coronapandemie hat deren Rolle noch verstärkt. Als Gesundheitsminister liess Pascal Couchepin verlauten, es sei eine «zivilisatorische Aufgabe», für kranke Menschen gute Palliativ-Angebote bereitzustellen. Er war einer der Geburtshelfer des Konzeptes «Palliative Care». Mehr medizinische und pflegerische Angebote und mehr Lebensqualität am Lebensende, das war das ambitionierte Ziel dieser Nationalen Strategie, die der Öffentlichkeit im Herbst 2009 präsentiert wurde. «Wir teilen die humanistische Vision von Pascal Couchepin, die Idee zu verinnerlichen, dass Palliativpflege zu den Rechten eines jeden Menschen gehört», sagte Gilbert Zulian, Präsident der Krebsliga Schweiz, im Rahmen der online durchgeführten Preisver­­­ leihung. krebsliga.ch/forschung/auszeichnungen/krebsmedaille


POLITIK

Einsatz für optimale Versorgung von Menschen mit Krebs und ihre Familien Im 2020 hat sich die Krebsliga erneut für die Interessen von Krebsbetroffenen und ihren Angehörigen auf politischer Ebene eingesetzt. Im Zentrum der Bestrebungen standen optimale gesetzliche Rahmenbedingungen, um die Chancen- und Zugangsgerechtigkeit und eine koordinierte, qualitativ hochstehende Versorgung sicherzustellen. Volksinitiative Kinder ohne Tabak und Tabakproduktegesetz Aufgrund der neuen Zusammensetzung des Parlaments sollte das Bundesgesetz über Tabakprodukte heute eigentlich bessere Karten haben als noch vor vier Jahren, als eine bürgerliche Mehrheit die Vorlage an den Bundesrat zurückgewiesen hatte. Zudem ist die eingereichte Volksinitiative «Kinder ohne Tabak» ein klarer Auftrag an das Parlament. Dementsprechend setzte der Ständerat in der Herbstsession 2019 starke Akzente. In der Wintersession 2020 hat der Nationalrat das Tabakproduktegesetz beraten, verpasste aber leider einmal mehr die Chance, effektiven Jugendschutz und wirksame Massnahmen zur Reduktion des Tabakkonsums gesetzlich zu verankern. Er will einzig Werbung in Kinos sowie im öffentlichen Raum (z.B. im ÖV oder auf Plakaten) verbieten. In Gratiszeitungen oder im Internet, also dort, wo Jugendliche heute gut erreicht werden, soll Werbung hingegen weiterhin erlaubt sein. Leider sind im Nationalrat zudem Anträge durchgekommen, die den Passivrauchschutz aufweichen, indem unter anderem der Konsum von E-Zigaretten in Restaurants in gewissen Bereichen erlaubt sein soll. Falls der Ständerat nicht nachbessert, will die Krebsliga sich dafür einsetzen, dass das Volk das letzte Wort hat.

Off-Label-Medikamente: Zugangsgerechtigkeit verbessern Der Schlussbericht des Bundesamtes für Gesundheit zur Evaluation der Vergütung im Einzelfall zeigt die hohe Bedeutung der Artikel 71a–71d KVV für den raschen Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten und bestätigt gleichzeitig, was zahlreiche Onkologen und die Krebsliga seit Jahren bemängeln: Die heutige Situ-

ation ist in der Praxis unbefriedigend. Es besteht eine stossende Ungleichbehandlung, und der administrative Aufwand, um eine Kostenübernahme zu beantragen, ist für alle beteiligten Akteure unverhältnismässig gross. Die Krebsliga begrüsst deshalb, dass der umfassende Schlussbericht die heutige herausfordernde Situation gut aufzeigt und konkrete Empfehlungen zur Optimierung formuliert. Die vorgesehene Überarbeitung der Rechtsgrundlage, ein nationales Register inkl. digitaler Plattform zur Einreichung der Gesuche, die Erhöhung derTransparenz und eine zentrale Stelle für die Nutzenbeurteilung von komplexen Fällen lassen hoffen, dass sich die Zugangsgerechtigkeit in der Schweiz massgeblich verbessert. Für Krebspatientinnen und -patienten und ihre Angehörigen ist es zentral, dass die Vergütung und damit der Zugang zur lebensnotwendigen Behandlung fair und verbindlich geregelt ist.

Krebsliga bündelt Kräfte mit neuer Politik-Kommission Um das politische Engagement weiter zu stärken, hat die Krebsliga Ende 2020 eine neue Politik-Kommission mit Vertreterinnen und Vertretern aus den kantonalen und regionalen Ligen und der Krebsliga Schweiz geschaffen. Die Anliegen von Krebsbetroffenen und ihren Angehörigen werden so noch besser in die Politik getragen und bei der Suche nach Lösungen stärker berücksichtigt. Ausserdem sollen Herausforderungen vorausschauend identifiziert und proaktiv auf die politische Agenda eingebracht werden.

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FORSCHUNG

Metastasen austricksen: neue Hoffnung in der Krebsbekämpfung

Hat ein Tumor erst einmal Absied­ lungen in anderen Regionen des Körpers gebildet, sinken die Chancen auf Heilung dramatisch. Forschende aus Basel, deren Projekt die Krebsliga Schweiz mitfinanziert, untersuchen ein neuartiges Verfahren zur Bekämpfung von Metastasen. Ihre Entdeckungen lassen hoffen. Die schlechte Nachricht vorweg: Fast 90 Prozent aller krebsbedingten Todesfälle sind laut WHO auf Metastasen zurückzuführen. Eine Zahl, die in den letzten Jahrzehnten konstant hoch geblieben ist – trotz immenser Fortschritte bei der Behandlung von Primärtumoren.

«Fast 90 Prozent aller krebsbedingten Todesfälle sind laut WHO auf Metastasen zurückzuführen.» Nicola Aceto, Professor am Departement Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel, hat eine Erklärung für diese Diskrepanz: «Bei der Behandlung der Primärtumore gibt es heute erfolgsversprechende Verfahren. Die Behandlung von Metastasten jedoch ist

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bedeutend komplexer. Hier stehen wir noch ganz am Anfang.» So war insbesondere lange wenig darüber bekannt, wann Krebszellen die Fähigkeit zur Metastasierung erlangen und welche molekularen Eigenschaften diese Zellen aufweisen. Für den Forscher, den die Krebsliga Schweiz bereits zum dritten Mal in Folge unterstützt, ist klar: «Wir müssen die Prozesse der Metastasierung noch viel präziser durchleuchten, damit wir neue zielgerichtete Therapien für Betroffene entwickeln können.» Gefährliche Gruppenbildung Und doch: Acetos Team darf bereits erste, in der Fachwelt vielbeachtete Erfolge vermelden. So entdeckten die Forschenden durch Analysen von Krebszellen im Blut von Brustkrebspatientinnen, dass sich zirkulierende Tumorzellen – kurz CTCs – in Blut zu Clustern von bis zu 50 Zellen zusammenlagern können. Und just diese Krebszellgruppen bilden offensichtlich viel einfacher Metastasen als einzelne Krebszellen. «Bei der Cluster-Bildung finden Veränderungen auf der Zellebene statt. Dabei nehmen die CTC-Cluster gewisse Eigenschaften von embryonalen Stammzellen an; zum Beispiel die Fähigkeit, unkontrolliert zu wachsen», erläutert Nicola Aceto. Eine Wandlung mit Folgen beziehungsweise mit meist tödlichem Ausgang. Auch wenn es noch viele offene Fragen zur Bildung dieser CTC-Cluster gibt, zeigen die bisherigen Entdeckungen, wo Angriffspunkte gegen die Metastasen liegen könnten. Dabei verfolgen die Forscher aus Basel


FORSCHUNG

einen gänzlich neuen Ansatz: Statt nach Wirkstoffen zu suchen, die Krebszellen abtöten, versuchen sie Medikamente zu identifizieren, die diese Zellcluster unwirksam machen und damit die Metastasierung ausbremsen. Dank einer neuartigen Technologie, die individuelle zirkulierende Tumorzellen mit hoher Präzision aus Milliarden gesunder Blutzellen heraussondert, können sie ihre Arbeitshypothesen direkt im Blut des Menschen überprüfen. In Zukunft soll dann mittels pharmakologischer Tests mit verschiedenen Wirkstoffen die beste Behandlung für jeden Krebspatienten ganz individuell gesucht werden. Doch bis dahin gilt es noch bei einigen Prozessen mehr Licht ins Dunkle zu bringen: Etwa bei der Frage, wie sich die CTC-Cluster vom Tumor ablösen oder wie sie in der Blutbahn mit anderen Blutkörperchen kommunizieren. Neue Wege in der Onkologie Nicola Aceto ist sich sicher: Die neuen Methoden sind ein Ausgangspunkt für eine ganze Bandbreite vielversprechender Forschungsprojekte: «Die Arbeit mit zirkulierenden Tumorzellen und die Entnahme von Blutproben zur Identifikation von CTC sind wichtige Schritte in Richtung personalisierte Medizin. Dieser auf den einzelnen Patienten abgestimmte Ansatz könnte ebenso bei der Bekämpfung von Metastasen zum Tragen kommen.» Weitere Forschungsprojekte der Krebsliga: krebsliga.ch/schulterblick

Forschung fördern – Leben retten Im vergangenen Jahr hat die Krebsliga Schweiz 2,36 Millionen Franken in die Krebsforschung investiert. Die geförderten Projekte sollen die Überlebenschancen und die Lebensqualität von Krebsbetroffenen weiter verbessern. Jedes Forschungsgesuch, das bei der Krebsliga Schweiz eingeht, wird eingehend von der Wissenschaftlichen Kommission (WiKo) begutachtet. Laut Dr. Rolf Marti, in der Geschäftsleitung der Krebsliga Schweiz für Forschung, Innovation und Entwicklung zuständig, hat gerade auch die Coronapandemie das Bewusstsein für die Bedeutung der Forschung weiter gestärkt: «Die Erforschung des Immunsystems ist für Krebsbetroffene mit ihrem oft geschwächten Abwehrsystem unglaublich wichtig.»

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ORGANE

Der Vorstand

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Präsident Gilbert Bernard Zulian PD Dr. med. Ehemaliger Chefarzt Abteilung für Palliativmedizin Universitätsspital Genf

Hans Neuenschwander Dr. med. Ehemaliger Arzt Palliative Care Lugano

Vizepräsident Georg Stüssi Prof. Dr. med. Chefarzt Hämatologie Onkologisches Institut der italienischen Schweiz (IOSI)

Markus Notter Dr. med. Radioonkologe Lindenhofspital Bern

Past President Jakob R. Passweg Prof. Dr. med. Chefarzt Hämatologie Universitätsspital Basel (mit beratender Stimme)

Solange Peters Prof. Dr. med. Chefärztin für medizinische Onkologie, Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV), Lausanne

Kassier Gallus Mayer Ehemaliger Bankfachmann Notenstein La Roche Privatbank AG, St. Gallen

Brigitta Wössmer Dr. phil. Ehemalige Leitende Psycho­login / Psychoonkologin Universitätsspital Basel

Christoph Kurze Geschäftsführer Krebsliga Graubünden

Karin Zimmermann Dr. Wissenschaftliche Mitarbeiterin Universitätsspital Zürich bis Juli 2020

Franck Moos Geschäftsführer Krebsliga Wallis

Marika Bana PHD in Nursing Sciences ab Oktober 2020

Thomas Cerny Prof. em. Dr. med. Ehemaliger Chefarzt Onkologie / Hämatologie Kantonsspital St. Gallen (mit beratender Stimme)

Claude Thomann Dr. iur. Rechtsanwalt, LL.M. Rechtskonsulent seit 1980 (mit beratender Stimme)

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ORGANE

Geschäftsleitung

Daniela de la Cruz CEO

Markus Sallin Leiter Finanzen, Personal & Dienstleistungen

Marc Kempe Leiter Marketing, Kommunikation & Mittelbeschaffung

Rolf Marti Dr. rer. nat. Leiter Forschung, Innovation & Entwicklung

Mirjam Weber Leitung Vorsorge, Betreuung & Nachsorge ab September 2020

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MERCI

Die Krebsliga sagt: danke – merci – grazie – grazia fich! Nur mit der Unterstützung von Spenderinnen und Spendern kann die Krebsliga Schweiz dafür sorgen, dass Krebsbetroffene rasch und unkompliziert Hilfe erhalten und dank innovativer Forschungsprojekte weiterhin Hoffnung schöpfen dürfen. Auch im Jahr 2020 setzten sich aktive, hilfsbereite Menschen und Firmen mit grossartigen Aktionen für andere ein. «Participate.Krebsliga»: Gutes tun für Krebsbetroffene Im 2020 sind auf der Online-Spendenplattform Participate 71 Aktionen gestartet und 82 900 Franken gesammelt worden. Hinter jedem einzelnen Projekt stecken viel Herzblut, Engagement und Solidarität. Da ist etwa Amanda J., die erzählt, dass sie vor wenigen Wochen eine Krebsdiagnose erhalten hat: «Die Prognosen sind gut, und ich bin sehr dankbar für die Informationen und die Beratung der Krebsliga. Bitte helft mit, Krebskranke mit einer Spende zu unterstützen», so ihr vorweihnächtlicher Aufruf an Freunde und Verwandte. Oder Philipp E., der mit Hund und Schnauz posiert, um an den «Movember» und die Brisanz von Prostatakrebs zu erinnern, woran in der Schweiz jährlich 6000 Männer erkranken. Seine gesammelten Spenden fliessen in die Früherkennung, die Beratung und die Behandlung. Und da sind die Hinterbliebenen des 43-jährigen David S., die eine Sammelaktion zugunsten von Menschen mit Hautkrebs lanciert haben und sich bei ihrem Umfeld bedanken: «Merci für eure lieben Worte und Spenden. David fehlt uns allen weiterhin sehr. Es ist tröstlich zu sehen, dass er in den Herzen so vieler weiterleben darf. Ebenso tröstlich ist es, dass wir anderen Betroffenen hoffentlich etwas mit den Spenden helfen können.» participate.krebsliga.ch

«Dimitriathlon»: eine Tour de Suisse zugunsten der Krebsliga Der 31-jährige Dimitri Egger hat in jedem Kanton der Schweiz einen kompletten Ironman (3,8 km Schwimmen, 180 km Velofahren und 42,195 km Laufen) absolviert. «Ich wollte etwas Neues, etwas anderes machen», verrät er. Sein ungeheurer Bewegungsdrang wie auch die Neugierde, jeden Winkel des Landes zu erkunden, hätten ihn zur Ironman-Idee geführt. Gleichzeitig war da das Verlangen, etwas Sinnvolles zu tun. Dass Dimitri Egger seine Tagesetappen mit einer Spendenaktion für die Krebsliga verbunden hat, geht auf eine ganz persönliche Erfahrung zurück; sein Vater verstarb vor drei Jahren an Krebs. Der «Dimitriathlon», wie er seine Ironman-Tour schalkhaft nennt, sei auch ein Mittel, um für Krebs zu sensibilisieren. «Mit relativ einfachen Mitteln lässt sich das Krebsrisiko senken: Bewegung, gesunde Ernährung und Nichtrauchen.» Es brauche nicht gerade ein Ironman zu sein: «Auch Treppensteigen statt Liftfahren ist ein vielversprechender Anfang.» causetoujours.ch

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MERCI

InfoMonat Brustkrebs: Partnerfirmen lancieren Spendenaktion Dank einer Aktion von vier Firmenpartnern der Krebsliga Schweiz anlässlich des InfoMonats Brustkrebs im Oktober haben viele Menschen und Firmen eine Spende getätigt. Ganz nach dem Motto «Gemeinsam gegen Brustkrebs» ist ein Gesamtbetrag in der Höhe von 13 343 Franken zusammengekommen, welcher in die Beratung, Betreuung und Unterstützung von Betroffenen fliesst. An Brustkrebs erkranken in der Schweiz pro Jahr etwa 6200 Frauen und 50 Männer. Damit handelt es sich um die häufigste Krebsart bei Frauen. Obwohl das Brustkrebs-Risiko nach dem 50. Lebensjahr deutlich ansteigt, betrifft die Krankheit auch jüngere Frauen: 20 Prozent aller Patientinnen sind zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 50 Jahre. participate.krebsliga.ch

Grosses Engagement trotz Turnierabsage Das sechste Jahr LADIES for LADIES war eine grosse Herausforderung, denn zum ersten Mal seit der Gründung mussten alles drei Charity-Golfturniere wegen des Coronavirus und den damit verbundenen Schutzmassnahmen abgesagt werden. Dementsprechend gross war die Enttäuschung bei den Organisatorinnen und den Veranstalterinnen vor Ort in den Golfclubs Domat/Ems, Blumisberg und Schönenberg. Trotzdem sind – dank des grossartigen Einsatzes und der Kreativität der Sektionen und allen Spenderinnen der bereits bezahlten Anmeldegebühren – 41 325 Franken für die Krebsliga Schweiz und ihre Arbeit für krebsbetroffene Frauen zusammengekommen. ladiesforladies.ch

Gemeinsam gegen Hautkrebs Nicht nur am Strand droht der Sonnenbrand und damit ein erhöhtes KAUFEN & Risiko für Hautkrebs. Auch zuhause auf dem eigenen Balkon, bei Outdoor-Sportaktivitäten oder in der Badi lauert bei ungeschützter Haut die Gefahr, sich einen Sonnenbrand zuzuziehen. Ziel der Pro-SuncareCHF 1.– AN DIE KREBSLIGA Initative ist es, die Bevölkerung für diese Themen zu sensibilisieren und so Sonnenbrände und langfristig Hautkrebserkrankungen in der Schweiz zu reduzieren. Teil der Pro-Suncare-Initiative 2020 war auch eine Spendenkampagne an ausgewählten Verkaufspunkten. Pro verkauftes NIVEA-Sun-Produkt ging ein Franken an die Krebsliga Schweiz. Diese Einnahmen hat die Beiersdorf AG mit einer eigenen Spende auf 30 000 Franken erhöht. nivea.ch/prosuncare

SPENDEN FÜR DIE ERSTEN 50ʼ000 VERKAUFTEN NIVEA SUN PRODUKTE SPENDET NIVEA JE

empfiehlt:

Eine NIVEA Sun Initiative

• Schatten aufsuchen • Kleidung tragen • Richtig eincremen

Herzlichen Dank! Dank der Unterstützung vieler Einzelpersonen, Unternehmen und Stiftungen kann die Krebsliga die Bevölkerung über Krebsprävention und Früherkennung informieren und dafür sorgen, dass Betroffene und Angehörige rasch und unkompliziert Hilfe erhalten. Ganz besonders danken wir folgenden Stiftungen: Berty Fricker-Hubmann Stiftung, SPS Foundation, Dr. med. h.c. Erwin Braun Stiftung, Vaduz, MAIORES Stiftung, Vaduz, Hennessy Stiftung, EVER Stiftung, 296 Fondation, Hans Marti-Stiftung, R. und V. Draksler Stiftung, Andrea Stöcklin-Stiftung.

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VOX

«Wir sind die Anlaufstelle bei sämtlichen Fragen zum Thema Krebs. Dass wir unsere Beratungen und Angebote kostenlos anbieten können, verdanken wir unseren Spenderinnen und Spendern.» Marika Schaeren, Leiterin Fundraising und Marketing

«Es braucht bezahlbare

«Unser oberstes Ziel ist es, die uns anvertrauten Mittel dort einzusetzen, wo es sie am meisten braucht: für Menschen mit Krebs, die Forschung und die Prävention.» Markus Sallin, Leiter Finanzen, Personal und Dienste

«Krebs kann jeden treffen. Nach einer Diagnose steht die Welt plötzlich Kopf. Wir setzen alles daran, dass Betroffene und ihnen Nahestehende jene Unterstützung erhalten, die sie benötigen.» Mirjam Weber, Leiterin Vorsorge, Betreuung und Nachsorge


FINANZEN

Jahresrechnung 2020

Mittelherkunft 2020 (in Mio. CHF) Die Krebsliga Schweiz wird überwiegend durch Spenden finanziert Hinter jeder Spende stehen eine persönliche Motivation und eine individuelle Geschichte. Deshalb setzen wir jede Spende sorgfältig zur Unterstützung von Betroffenen, für die Forschung sowie für die Prävention und Früherkennung ein. 11,152

Spenden

3,273

Erbschaften und Legate

1,300

Öffentliche Hand

346

Dienstleistung und Warenertrag

141

Projektbeiträge und Sponsoring

133

Übrige Erträge

Total 16,396 in Mio CHF

49 Mitgliederbeiträge

Mittelverwendung 2020 Die Krebsliga Schweiz engagiert sich dafür, dass die ihr anvertrauten Spendengelder zweckbestimmt und wirksam eingesetzt werden und ist der Transparenz des Mitteleinsatzes verpflichtet.

Total 100 %

72 %

Projekte

19 %

Mittelbeschaffung

Administration

9 %

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FINANZEN

Bilanz per 31. 12. 2020

in TCHF

2020

2019

Flüssige Mittel Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Übrige kurzfristige Forderungen Vorräte Aktive Rechnungsabgrenzungen Umlaufvermögen

10 010 829 305 707 891 12 742

10 061 550 323 564 555 12 054

Finanzanlagen Gesondertes Fondsvermögen (Stiftungsfonds) Finanzanlagen

37 408 27 238 64 646

42 478 21 012 63 491

35 237 110 382

29 219 96 344

174 65 202 77 944

122 63 957 76 011

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen Bewilligte Forschungsförderungsbeiträge (kurzfristig) Übrige kurzfristige Verbindlichkeiten Passive Rechnungsabgrenzungen Kurzfristiges Fremdkapital

774 3 342 3 416 2 081 9 613

1 005 3 570 2 681 4 398 11 654

Bewilligte Forschungsförderungsbeiträge (langfristig) Übrige langfristige Verbindlichkeiten Langfristiges Fremdkapital

2 479 500 2 979

3 264 0 3 264

6 000 27 238 33 238

5 352 21 012 26 364

Erarbeitetes Betriebskapital

7 662

4 272

Reserven für Publizistik Reserven BVG Reserven für Expertengremium Früherkennung Wertschwankungsreserven

0 300 79 5 387

17 300 313 5 854

Gebundenes Kapital aufgrund Vorstands- / DV-Entscheid

5 765

6 483

Freie Reserven Jahresergebnis (+ Gewinn / -Verlust) Freies Kapital

20 600 -1 914 18 686

20 600 3 374 23 974

Organisationskapital Passiven

32 114 77 944

34 729 76 011

Mobiliar und Einrichtungen Büromaschinen und EDV Fahrzeuge Sachanlagen Immaterielle Anlagen Anlagevermögen Aktiven

Zweckgebundene Fonds Gesonderte Fonds (Stiftungsfonds) Fondskapital

Revisionsbericht Die Revisionsstelle hat die Buchführung und die Jahresrechnung der Krebsliga Schweiz für das am 31. 12. 2020 abgeschlossene Geschäftsjahr geprüft. Sie bestätigt, dass die Jahresrechnung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage in Übereinstimmung mit Swiss GAAP FER vermittelt. Ferner hat sie bestätigt, dass die Buchführung und die Jahresrechnung dem schweizerischen Gesetz und den Statuten entsprechen.

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Krebsliga Schweiz 2020 / Jahresbericht

Download Die vollständige und revidierte Jahresrechnung sowie der Revisionsbericht sind auf der Website krebsliga.ch abrufbar und werden allen Interessierten auf Wunsch kostenlos zugestellt.


FINANZEN

Betriebsrechnung per 31. 12. 2020 (nach Umsatzkostenverfahren)

in TCHF

2020

2019

Spenden Spendenanteile kantonale und regionale Krebsligen Erbschaften und Legate Mitgliederbeiträge der kantonalen und regionalen Krebsligen Projekt- und Kostenbeiträge Dritter Erhaltene Zuwendungen davon zweckgebunden davon frei Beiträge der öffentlichen Hand Beitragsanteile der kantonalen und regionalen Ligen Beitragsanteile von Dritten Beiträge der öffentlichen Hand Erlöse aus Lieferungen und Leistungen an Dritte

17 932 -6 779 3 273 49 141 14 616 3 490 11 126 4 730 -3 247 -183 1 300 346

15 006 -6 582 8 127 48 429 17 028 1 281 15 747 3 982 -2 927 -129 926 382

Beiträge von nahestehenden Personen Übrige Erträge Betriebsertrag

133 133 16 395

0 0 18 336

-3 130 -8 436 -2 879 -1 011 -35 1 372 -14 118 -4 399 -2 278 -18 2 922 -3 774 -673 -2 345 -213 1 392 -1 840 -19 732 -3 337

-4 334 -8 361 -4 135 -587 -79 1 106 -16 390 -3 613 -1 767 -38 2 662 -2 757 -1 362 -2 535 -325 1 033 -3 190 -22 336 -4 000

Finanzertrag Finanzaufwand Finanzergebnis

5 359 -4 021 1 338

5 236 -354 4 882

Ausserordentlicher Ertrag Ausserordentlicher Aufwand Ausserordentliches Ergebnis Jahresergebnis vor Veränderung des Fondskapitals

32 0 31 -1 967

210 -1 209 1 091

Veränderung zweckgebundener Fonds Veränderung des Fondskapitals Jahresergebnis vor Veränderung des Organisationskapitals

-648 -648 -2 615

2 257 2 257 3 347

0 467 234 1 914 2 615 0

186 -426 266 -3 374 -3 347 0

Sachaufwand Projekte Personalaufwand Projekte Entrichtete Beiträge an Dritte und Projekte Entrichtete Beiträge an andere nahestehende Personen Abschreibungen projektbezogen An Nahestehende verrechnete Aufwandsanteile Direkter Projektaufwand Sachaufwand Fundraising Personalaufwand Fundraising Abschreibungen Fundraising An Nahestehende verrechnete Aufwandsanteile Fundraisingaufwand Sachaufwand Administration Personalaufwand Administration Abschreibungen administrativer Bereich An Nahestehende verrechnete Aufwandsanteile Administrativer Aufwand Betriebsaufwand Betriebsergebnis

Angaben über die Zuweisung / Verwendung des Organisationskapitals: Zuweisung (-) / Entnahme (+) Reserve für Publizistik Zuweisung (-) / Entnahme (+) Wertschwankungsreserve Zuweisung (-) / Entnahme (+) Reserven für Expertengremium Früherkennung Zuweisung (-) / Entnahme (+) erarbeitetes freies Kapital Veränderung des Organisationskapitals Jahresergebnis nach Veränderung

Krebsliga Schweiz 2020 / Jahresbericht

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ZUSAMMENARBEIT

Unsere Partner

Die Krebsliga Schweiz ist Mitglied diverser nationaler und internationaler Organisationen und Fachgesellschaften und kooperiert mit zahlreichen Partnerorganisationen.

Unsere nationalen Partner Allianz «Gesunde Schweiz» allianzgesundeschweiz.ch Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz at-schweiz.ch Interessengemeinschaft Angehörigenbetreuung IGAB cipa-igab.ch International Breast Cancer Study Group IBCSG ibcsg.org Krebsforschung Schweiz krebsforschung.ch Nationales Institut für Krebsepide­mio­logie und -registrierung NICER nicer.org Oncoreha.ch oncoreha.ch Oncosuisse oncosuisse.ch Onkologiepflege Schweiz onkologiepflege.ch palliative ch palliative.ch Public Health Schweiz PHS public-health.ch Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften SAMW samw.ch Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung SAKK sakk.ch

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Krebsliga Schweiz 2020 / Jahresbericht

Schweizerische Gesellschaft für Hämatologie SGH sgh-ssh.ch Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Onkologie SGMO sgmo.ch Schweizerische Gesellschaft für Psychoonkologie SGPO psychoonkologie.ch Schweizerische Gesellschaft für Senologie SGS senologie.ch Schweizerische GesundheitsligenKonferenz GELIKO geliko.ch Schweizerische Pädiatrische Onkologie Gruppe SPOG spog.ch Schweizer Kinderkrebsregister (SKKR) kinderkrebsregister.ch SCS, Swiss Cancer Screening swisscancerscreening.ch

Unsere internationalen Partner Association of European Cancer Leagues ECL europeancancerleagues.org European CanCer Organisation ECCO ecco-org.eu European Organisation for Research and Treatment of Cancer EORTC eortc.org European Society for Medical Oncology ESMO esmo.org Union internationale contre le cancer uicc.org


DIE KREBSLIGA IN IHRER REGION

Die kantonalen und regionalen Ligen

Die Arbeitsteilung zwischen den 18 kantonalen und regionalen Krebsligen und der Krebsliga Schweiz geschieht nach klaren Kriterien und mit dem Ziel, dass jede Aufgabe dort wahrgenommen wird, wo dafür die besten Voraus­ setzungen gegeben sind. So sind die individuelle Unterstützung und Beratung von Betroffenen und deren Angehörigen Aufgaben der kantonalen und regionalen Ligen.

Krebsliga Aargau Kasernenstrasse 25 Postfach 3225 5001 Aarau T 062 834 75 75 admin@krebsliga-aargau.ch krebsliga-aargau.ch PK 50-12121-7

Ligue jurassienne contre le cancer Rue des Moulins 12 2800 Delémont T 032 422 20 30 info@ljcc.ch liguecancer-ju.ch CP 25-7881-3

Ligue vaudoise contre le cancer Place Pépinet 1 1003 Lausanne T 021 623 11 11 info@lvc.ch lvc.ch CP 10-22260-0

Krebsliga beider Basel Petersplatz 12 4051 Basel T 061 319 99 88 info@klbb.ch klbb.ch PK 40-28150-6

Ligue neuchâteloise contre le cancer Faubourg du Lac 17 2000 Neuchâtel T 032 886 85 90 LNCC@ne.ch liguecancer-ne.ch CP 20-6717-9

Ligue valaisanne contre le cancer Krebsliga Wallis Siège central: Rue de la Dixence 19 1950 Sion T 027 322 99 74 info@lvcc.ch lvcc.ch CP / PK 19-340-2

Krebsliga Bern Ligue bernoise contre le cancer Schwanengasse 5/7 Postfach 3001 Bern T 031 313 24 24 info@krebsligabern.ch bern.krebsliga.ch PK 30-22695-4 Ligue fribourgeoise contre le cancer Krebsliga Freiburg Route St-Nicolas-de-Flüe 2 Case postale 96 1701 Fribourg T 026 426 02 90 info@liguecancer-fr.ch liguecancer-fr.ch CP 17-6131-3 Ligue genevoise contre le cancer 11, rue Leschot 1205 Genève T 022 322 13 33 ligue.cancer@mediane.ch lgc.ch CP 12-380-8 Krebsliga Graubünden Ottoplatz 1 Postfach 368 7001 Chur T 081 300 50 90 info@krebsliga-gr.ch krebsliga-gr.ch PK 70-1442-0

Krebsliga Ostschweiz SG, AR, AI, GL Flurhofstrasse 7 9000 St. Gallen T 071 242 70 00 info@krebsliga-ostschweiz.ch krebsliga-ostschweiz.ch PK 90-15390-1 Krebsliga Schaffhausen Mühlentalstrasse 84 8200 Schaffhausen Tel. 052 741 45 45 info@krebsliga-sh.ch krebsliga-sh.ch PK 82-3096-2 Krebsliga Solothurn Wengistrasse 16 4500 Solothurn T 032 628 68 10 info@krebsliga-so.ch krebsliga-so.ch PK 45-1044-7 Thurgauische Krebsliga Bahnhofstrasse 5 8570 Weinfelden T 071 626 70 00 info@tgkl.ch tgkl.ch PK 85-4796-4 Lega ticinese contro il cancro Piazza Nosetto 3 6500 Bellinzona T 091 820 64 20 info@legacancro-ti.ch legacancro-ti.ch CP 65-126-6

Beratungsbüro: Spitalzentrum Oberwallis Überlandstrasse 14 3900 Brig T 027 604 35 41 Mobile 079 644 80 18 info@krebsliga-wallis.ch krebsliga-wallis.ch CP / PK 19-340-2 Krebsliga Zentralschweiz LU, OW, NW, SZ, UR, ZG Löwenstrasse 3 6004 Luzern T 041 210 25 50 F 041 210 26 50 info@krebsliga.info krebsliga.info PK 60-13232-5 Krebsliga Zürich Freiestrasse 71 8032 Zürich T 044 388 55 00 info@krebsligazuerich.ch krebsligazuerich.ch PK 80-868-5 Krebshilfe Liechtenstein Im Malarsch 4 FL-9494 Schaan T 00423 233 18 45 admin@krebshilfe.li krebshilfe.li PK 90-4828-8

Krebsliga Schweiz 2020 / Jahresbericht

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AUSBLICK

«Wir versuchen, ganz individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse einzugehen.»

Bereits heute erkrankt jede dritte Person in der Schweiz an Krebs, und die Zahl der Neuerkrankungen wird in den nächsten Jahren weiter dramatisch steigen. Was bedeutet dies für die Krebsliga? Wie wappnet sie sich für die Zukunft? Daniela de la Cruz, CEO der Krebsliga Schweiz, gibt Auskunft. Corona hat das Jahr 2020 geprägt, und die Krebsliga war gefordert wie noch nie, um auch in dieser Ausnahmesituation eine verlässliche Anlaufstelle für Menschen mit Krebs und ihre Angehörigen zu sein. Inwieweit sind die getroffenen Massnahmen im 2021 von Nutzen? Wir waren gezwungen, rasch Entscheide zu treffen und im Verband eng zusammenzuarbeiten. Diese Erfahrung wird uns in Zukunft von Nutzen sein. Auch die Verlagerung der Angebote auf digitale Kanäle wird sich weiterhin als wertvoll erweisen. Die neu etablierten Online-Angebote helfen unserem Verband, noch näher bei den Betroffenen zu sein und auch Zielgruppen zu erreichen, mit denen wir bisher eher wenig Kontakt hatten: digital affine Menschen, die von Krebs betroffen sind. Die stärkere Präsenz auf Online-Kanälen hilft uns auch, unsere Visibilität weiter zu erhöhen und Interessierten – Betroffenen wie auch Fachleuten – aufzuzeigen, was die Krebsliga ihnen alles bietet. Welches ist das wichtigste Vorhaben im Jahr 2021? Die neue Verbandsstrategie 2022–26 steht vor der Verabschiedung: Ziel ist es, die Kernangebote der Ligen vor Ort zu harmonisieren und so zu etablieren, dass wir sie überall in der Schweiz in der gleichen Qualität anbieten. Wir möchten in der Bevölkerung das Bewusstsein verankern, dass die Krebsliga DIE Anlaufstelle für alle Themen rund um Krebs ist und dass wir uns in der Prävention, der Wissensvermittlung, Beratung und Unterstützung engagieren. Die Anzahl Krebserkrankungen steigt seit Jahren – eine Trendwende ist nicht in Sicht. Was bedeutet dies für den Verband? Dadurch, dass sich Krebserkrankungen immer früher und besser erkennen lassen, steigt auch die Anzahl der Diagnosen. Gleichzeitig ist dank intensiver Forschung und immer besseren Therapien die Sterblichkeit gesunken. Krebs ist heute kein Todesurteil mehr. Die Herausforderungen für die Betroffenen bleiben aber.

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Krebsliga Schweiz 2020 / Jahresbericht

Unser Verband ist gefordert, sich laufend an diese Veränderungen anzupassen, die Bedürfnisse von Betroffenen und Angehörigen im Auge zu behalten und darauf zu reagieren. Einerseits mit massgeschneiderten Angeboten, andererseits mit gezielten Informationen. Weiterhin beschäftigt uns natürlich auch die Frage, in welchen Bereichen Früherkennungsprogramme sinnvoll sind. Immer mehr Menschen überleben Krebs. Wie engagiert sich die Krebsliga für diese «Cancer Survivors», deren Anzahl sich in der Schweiz auf über 300 000 beläuft? Wir sind in jedem Stadium der Krankheit für Betroffene und ihre Angehörigen da. Die Bedürfnisse variieren je nach Person stark: Einige plagt die Fatigue, andere brauchen Tipps zur Ernährung oder wenden sich mit Fragen zur Reintegration in den Arbeitsprozess an uns. Je nach Kanton werden auch in Zukunft regionale und lokale Zusatzangebote der Ligen erforderlich sein, je nach Ausgestaltung der örtlichen Versorgung – zum Beispiel im Bereich der Onkorehabilitation. Was können Betroffene konkret von der Krebsliga erwarten, wenn sie vor einer Herausforderung stehen? Wir versuchen, ganz individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse einzugehen. Dabei unterstützen wir Menschen direkt nach der Diagnose, aber auch in einem späteren Stadium der Krankheit, wenn der Spitalalltag bereits weit zurückliegt. Häufig sind es ganz konkrete Herausforderungen im Alltag, wegen denen sich Menschen an die Krebsliga wenden: Der Umgang mit den eigenen Ängsten, rechtliche Fragestellungen, finanzielle Sorgen oder der Wunsch, sich mit anderen Betroffenen oder einer unabhängigen Person auszutauschen.


«Wir danken für Ihre Unterstützung im Jahr 2020!»

Impressum Herausgeberin: Krebsliga Schweiz Effingerstrasse 40, Postfach, 3001 Bern T 031 389 91 00, info@krebsliga.ch krebsliga.ch

Druck Länggass Druck AG, Bern Bilder Shutterstock parlament.ch

PK 30-4843-9 Projektleitung: Tanja Aebli Redaktion Tanja Aebli Joëlle Beeler Lars Haefner Korrektorat rubmedia AG, Wabern Gestaltung Sophie Frei

Version vorbehaltlich der Genehmigung durch die Delegiertenversammlung. Der Jahresbericht ist auch in französischer Sprache erhältlich.

© 2021 Krebsliga Schweiz, Bern KLS / 4.2021/ 1300 D / 011902028021


Krebsliga Schweiz Effingerstrasse 40 Postfach CH-3001 Bern T +41 31 389 91 00

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