Skip to main content

VISITE Ausgabe 2/2019

Page 1

AUSGABE NR. 2 | 2019

www.visite-blog.de

klinikumbielefeld unsere kompetenz für ihre gesundheit

Das Gesundheitsmagazin des Klinikums Bielefeld

Außerdem: Dysplasie

UNTERLEIBSCHMERZEN

Zellverände rungen am Gebärm utter hals

Eine reine FRAUENSACHE?

FRAUEN

IN

MÄNNERBERUFEN

WECHSELJAHRE

Wie sich das Zusammenspiel der Hormone verändert


Wir freuen uns über Ihre Unterstützung! Über 2.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen sich täglich mit Herzblut und Leidenschaft für das Wohl unserer Patientinnen und Patienten ein – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Unterstützt werden sie von zahlreichen Helfern, die sich ehrenamtlich für das Klinikum Bielefeld engagieren. Gemeinsam haben wir nur ein Ziel: eine optimale, ganzheitliche Versorgung und die Zufriedenheit unserer Patientinnen und Patienten. Die Finanzierung der Behandlungskosten ist durch die Krankenkassen gesichert. An vielen Stellen würden wir uns jedoch wünschen, etwas mehr für unsere Patienten tun zu können – mit Ihrer Spende können wir dies ermöglichen. Spendenkonto: IBAN: DE79 4805 0161 0050 0696 81 BIC: SPBIDE3BXXX Verwendungszweck: Spenden und Helfen Weitere Informationen auf www.klinikumbielefeld.de/spenden-und-helfen.html


EDITORIAL

LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER, noch haben wir Sommer, aber der Herbst drängt sich langsam in der Vordergrund, auch wenn die Temperaturen noch immer sehr sommerlich sind. Sie halten nun also die Herbstausgabe unserer VISITE in den Händen, die sich diesmal ganz konsequent dem Thema Frauengesundheit widmet. Männer und Frauen sind verschieden. In vielerlei Hinsicht. Das gilt auch für die Medizin. Frauen unterscheiden sich physiologisch und biochemisch vom männlichen Körper, ihr Leben kennt mehr Zyklen und Phasen. Ein Grund sich in der VISITE einmal intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es ist ja auch eigentlich gar nicht verwunderlich, dass sich eine Einrichtung, in der der Frauenanteil bei den Mitarbeiterinnen bei nahezu 70 Prozent liegt, einmal mit einem solchen Thema im Schwerpunkt beschäftigt. „Die Medizin wird weiblich!“ lautet auch ein gerne zitiertes Bonmot im Gesundheitswesen. Schon aus biologischen Gründen gibt es Erkrankungen und Beschwerden, die nur Frauen

betreffen. Auch nehmen Männer und Frauen Gesundheitsthemen anders wahr und thematisieren sie durchaus anders. Während Männer meistens schweigen und es ihnen oft unangenehm ist, über Schmerzen zu sprechen, berichten Frauen häufiger darüber. Symptome und Beschwerden können bei Frauen völlig andere Ursachen haben als bei Männern. Auch die verschiedenen Lebensphasen der Frau benötigen oft besondere Aufmerksamkeit und Behandlungen, wenn etwa Menstruationsbeschwerden oder gar Endometriose, Unwohlsein und Beckenbodenschwäche in den Wechseljahren auftreten. Natürlich ist die aktuelle VISITE kein Frauenmagazin. Es ist ganz gewiss auch für Männer sehr interessant, sich einmal mit den spezifischen Themen der Frauengesundheit zu beschäftigen! Wir wünschen Ihnen gute Unterhaltung

Ihre Redaktion

3


INHALTSVERZEICHNIS

TITELTHEMA 6

FRAUEN IN MÄNNERBERUFEN Ein Interview mit Heike Tölle, Betriebsschlosserin am Klinikum Bielefeld

8

UNTERLEIBSCHMERZEN

KREBS

Eine reine Frauensache?

10

WECHSELJAHRE Wie sich das Zusammenspiel der Hormone verändert

12

ENDOMETRIOSE Eine gutartige gynäkologische Erkrankung

14

LASS SPUREN SICHERN Nach sexuellen Übergriffen auf Mädchen und Frauen ist schnelles Handeln gefragt

am Klinikum Bielefeld

BRUSTKREBS-FRÜHERKENNUNG UND VORSORGE

SELBSTUNTERSUCHUNG DER BRUST

YOGA BEI BRUSTKREBS

Redaktion Axel Dittmar, Sandra Knicker, Marlene Flöttmann, Stefanie Riesenberg, Lara Sommer, Lina Hansmeier, Kathrin Möcking Lingel, Dr. med. Wiebke Scharf, Prof. Dr. med. Werner Bader, Dr. med. Angelika Cervelli, Indra Babin, Dr. med. Kristin Radke, Olga Tarusinov, Gabriele Lösing

Bildnachweis Steffi Behrmann | Klinikum Bielefeld (S. 6, 7, 16, 18, 20, 22, 24, 25, 26, 32, 33, 34, U4), Fotolia, Christina Falke (S. 32) Konzeption screen concept - runge

Anschrift Klinikum Bielefeld gem. GmbH | Unternehmenskommunikation | Teutoburger Str. 50 | 33604 Bielefeld | info@klinikumbielefeld.de

4

20

22

Wie Sie Ihre Lebensqualität verbessern können

Herzkissen für Brustkrebspatientinnen

Verantwortlich für den Inhalt: Axel Dittmar, Kliniksprecher

18

Eine Möglichkeit der Krebs-Früherkennung

MIT DEM HERZEN DABEI

IMPRESSUM Herausgeber Klinikum Bielefeld gem. GmbH Michael Ackermann, Geschäftsführer

16

Wie schütze ich mich am besten?

DYSPLASIE Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals

15

ZERTIFIZIERUNG ZUM GYNÄKOLOGISCHEN KREBSZENTRUM

24


INHALTSVERZEICHNIS

GESUNDHEIT & WOHLBEFINDEN DIE GRÜNEN DAMEN

25

des Klinikums Bielefeld

EINE HERZENSANGELEGENHEIT

26

Warum der Herzinfarkt bei Frauen häufig unerkannt bleibt

DAS BROKEN HEART SYNDROM

29

Kann das Herz wirklich „brechen“?

HARNINKONTINENZ BEI FRAUEN

SERVICE

30

Krankheitsbild, Formen und Maßnahmen

32

KLINIKUM BIELEFELD NEWS

34

KLINIKUM BIELEFELD VERANSTALTUNGEN von September 2019 bis November 2019

35

REZEPTE • Tomatencarpaccio mit Joghurtfrischkäsebällchen • Chicken-Fajitas • Wassermelonen-Feta-Salat

RÄTSELSPASS FÜR KINDER UND ERWACHSENE .... AUF SEITE 38

5


TITELTHEMA

Frauen in Männerberufen Ein Interview mit Heike Tölle, Betriebsschlosserin in der technischen Abteilung am Klinikum Bielefeld Frauen in Männerberufen sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Trotzdem wird vielfach noch zwischen sogenannten Frauen- und Männerberufen unterschieden. Frauen können aber viele Berufe genauso gut ausführen wie Männer. Häufig werden ihnen Berufe, in denen viel Kraft gefordert ist, nicht zugetraut. Mit technischer Hilfe wie Hubwagen etc. stellt auch das kein großes Hindernis mehr dar. Doch wie ist es eigentlich wirklich, als Frau in einer Männerdomäne zu arbeiten? Wir haben uns mit Heike Tölle aus der Technischen Abteilung des Klinikums Bielefeld zum Interview getroffen, um genau diese Frage zu klären. Frau Tölle, erzählen Sie doch etwas über Ihren Werdegang. Heike Tölle: Ich bin gelernte Betriebsschlosserin. Während meiner Ausbildung war ich bei den Stadtwerken Bielefeld tätig. Seit 1987 bin ich nun Betriebsschlosserin in der Technischen Abteilung am Klinikum Bielefeld und unter anderem zuständig für die Wartung und Reparatur von Betten, Tischen oder Rollstühlen.

6

einige Frauen zu und das ist auch in Ordnung, nur auf mich eben nicht. Auch meine Mutter war zunächst über meinen Berufswunsch verwundert, hat es aber ziemlich schnell akzeptiert und mich unterstützt, meinen Weg zu gehen. Im Beruf musste ich mich die ersten Jahre schon durchsetzen, konnte allerdings gut damit umgehen. Bei mir war immer der Ehrgeiz, wenn ich mit Männern zusammen gearbeitet habe, es genauso gut oder besser zu machen wie sie. Das hat mich ziemlich angespornt, vor allem, weil ich besonders am Anfang das Gefühl hatte, mich beweisen zu müssen, um akzeptiert zu werden. Zum Glück habe ich aber so gut wie keine negativen Erfahrungen gemacht und meine männlichen Kollegen hier am Klinikum sind alle nett. Wir kommen gut miteinander aus.

Wieso haben Sie sich dazu entschlossen, Betriebsschlosserin zu werden? Heike Tölle: Dass es später einmal ein handwerklicher Beruf sein soll, habe ich schon früh gemerkt. Als Kind war ich immer handwerklich interessiert, mein Lieblingsfach in der Schule war der Werkunterricht. Da wäre ein Job im Büro für mich nicht in Frage gekommen. Zuerst wollte ich Tischlerin werden, aber damals waren Frauen in dieser Branche nicht üblich, also suchte ich mir eine Alternative.

Wir haben erfahren, dass Sie in der Abteilung Technik im Ressort Mechanik tätig und für die Bettenund Rollstuhlwartung zuständig sind. Wie können wir uns einen typischen Arbeitstag von Ihnen vorstellen? Heike Tölle: Wenn ich in der Werkstatt ankomme, schaue ich als Erstes, ob im Gang Betten, Rollstühle oder Nachttische stehen. Die repariere ich zuerst. Zwischendurch kommen auch immer Anrufe, wenn zum Beispiel Heizkörperventile ausgetauscht oder Türen geölt werden müssen. Bei Bedarf schaue ich nach neuem Inventar und leite Bestellungen an den Einkauf weiter. Ab und zu muss ich auch mal in den OP-Sälen etwas reparieren, zum Beispiel Kopfschalen. Ich arbeite zwar hauptsächlich am Standort Mitte, habe aber auch eine Werkstatt in der Rosenhöhe, dort bin ich immer donnerstags. In Halle übernehme ich dagegen eher Aufgaben, wenn ich Telefonaufträge erhalte.

Hat Ihnen je jemand gesagt: „Das ist doch nichts für eine Frau!“? Heike Tölle: Ja, das musste ich mir schon als junges Mädchen anhören. Es hieß immer: „Frauen werden doch Sekretärin oder Krankenschwester.“ Das trifft auf

Was schätzen Sie am meisten an Ihrem Beruf? Heike Tölle: Am meisten gefällt mir die Vielseitigkeit und die abwechslungsreichen Aufgaben. Außerdem bin ich im Berufsalltag weitestgehend selbstständig tätig.


Wie schätzen Sie die derzeitige Situation von Frauen in „typischen“ Männerberufen ein? Heike Tölle: Hier am Klinikum würde ich die Situation als sehr gut einschätzen. In der Mechanik sind drei Frauen tätig. Außer mir gibt es noch eine Tischlerin und eine Elektrikerin. Wir sind hier auch alle sehr zufrieden. Im Endeffekt gibt es meiner Meinung nach keine typischen Frauen- oder Männerberufe. Letztlich muss jeder Mensch das tun, was ihn glücklich macht. Wie kann man aus Ihrer Sicht sogenannte Männerbranchen für Frauen interessanter machen? Heike Tölle: Es hat sich im Vergleich zu früher schon viel verändert. Heute ist viel mehr für Frauen ausgelegt. Trotzdem finde ich es gut, wenn Frauen in technischen oder handwerklichen Berufen mehr bestärkt werden und die Kollegen und Vorgesetzten ihnen zeigen, dass sie akzeptiert sind. So eine Akzeptanz beginnt aber schon im Elternhaus. Auch die Eltern sollten das Potential ihrer Kinder fördern und sie nicht in gesellschaftliche Schubladen drängen. Es muss noch mehr Umdenken stattfinden. Schulen können da auch noch aktiver werden und handwerkliche Berufe, wie Steinmetz oder Tischler vorstellen oder die Schulfächer erweitern. Eine gute Idee wäre es, im Handwerksfach zum Beispiel einen „Bohrmaschinenführerschein“ anzubieten. Da ist ein bisschen Kreativität gefragt.

2

3

37

8

55 117

Personal der Ausbildungsstätten

Verwaltungsdienst

72 250

Technischer Dienst

31 357

Wirtschafts- und Versorgungsdienst

Funktionsdienst

120 755

Med.-Technischer Dienst

Pflegedienst

Ärztlicher Dienst 258 163

Sonstiges Personal

Mitarbeiter Mitarbeiterinnen

Personalstatistik Klinikum Bielefeld (Juli 2019)

0

9

16

77

7


TITELTHEMA

Unterleibschmerzen Eine reine Frauensache? 

8

von Marlene Flöttmann, Kathrin Möcking Lingel


V

iele Frauen leiden vor oder während ihrer Regelblutung an Unterleibschmerzen (Dysmenorrhö). Das krampfartige Ziehen im unteren Drittel der Bauchregion ist bei jeder Frau unterschiedlich stark ausgeprägt. Doch nicht immer ist die Menstruation Ursache für die Schmerzen, in einigen Fällen kann auch eine ernsthafte Erkrankung dahinter stecken. Unterleibschmerzen entstehen in den Organen im unteren Beckenraum. Hier befinden sich die inneren Geschlechtsorgane, die Harnblase samt Harnröhre und Harnleiter, der Blinddarm und die unteren Darmteile sowie Gefäße, Nerven und Lymphknoten. Beinahe jede Frau leidet während ihrer Periode an leichten bis starken krampfartigen Schmerzen im Unterleib, die bis in den Rücken strahlen können. Einige Frauen spüren sogar den Eisprung als ein Ziehen auf einer Seite des Unterleibs oder in der Schamregion. Besonders starke Regelschmerzen können Anzeichen einer Endometriose sein. Bei dieser Erkrankung liegt die Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter (lesen Sie mehr auf Seite 12). Ursache Die monatlichen Regelschmerzen sind individuell und verändern sich oft je nach Situation und Lebensphase. In manchen Fällen leiden Frauen neben Schmerzen im Unterleib an Kopfschmerzen (Menstruationsmigräne), Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Der primäre Regelschmerz wird nicht durch eine körperliche Erkrankung verursacht, sondern durch Prostaglandine, die eine schmerzhafte Verkrampfung der Gebärmuttermuskulatur auslösen, die für die Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut und den damit einhergehenden Blutverlust sorgt. Prostaglandine sind Schmerzbotenstoffe, die am Zyklusende vermehrt gebildet werden. Die dadurch entstehende Minderdurchblutung der Arterien in der Gebärmutterschleimhaut löst den Schmerzreiz aus.

TITELTHEMA

Was kann man tun? Bei einer sekundären Dysmenorrhö muss die Behandlung mit einem Arzt/einer Ärztin besprochen werden. Bei regelbedingten Unterleibschmerzen können folgende Methoden Linderung schaffen: • Wärme: Eine Wärmflasche, ein Körnerkissen oder ein warmes Bad sorgen für eine bessere Durchblutung und Entkrampfung. • Bewegung: Auch wenn einem bei Regelschmerzen nicht nach Bewegung oder gar Sport zumute ist, kann durch die dadurch bedingte Endorphinausschüttung dem Schmerz entgegengewirkt werden. • Entspannung: Durch Yoga oder Entspannungsübungen kann man für eine Entkrampfung der Gebärmutter sorgen. • Letzte Möglichkeit Schmerzmittel: Zu Schmerzmitteln sollte nur gegriffen werden, wenn der Schmerz durch andere Methoden nicht in den Griff zu bekommen ist. Vor der Einnahme sollte ein Arzt konsultiert werden. Schmerz ist nicht gleich Schmerz Neben den Menstruationsbeschwerden kann auch eine Endometriose, eine Eileiterentzündung oder eine Eierstockzyste die Ursache für das Leiden sein. Andere Gründe für einen andauernden Schmerz im Unterleibbereich sind Verdauungsstörungen, Harnwegsinfekte oder chronische Entzündungen sowie Erkrankungen der Geschlechtsorgane. In diesen Fällen können nicht nur Frauen, sondern auch Männer betroffen sein. Diese können zudem bei Prostataund Hodenerkrankungen ebenfalls über Schmerzen oder ein Stechen im Unterbauch klagen.

Primäre und sekundäre Unterleibschmerzen Treten die krampfartigen Schmerzen unmittelbar vor oder während der Monatsblutung auf, spricht man von einer primären Dysmenorrhö (Unterleibschmerz), die ihre Ursache in der menstruationsbedingten Verkrampfung der Gebärmutter hat. Bei einer sekundären Dysmenorrhö ist der Schmerz auf eine Erkrankung im Unterleib zurückzuführen.

9


TITELTHEMA

Wechseljahre

Wie sich das Zusammenspiel der Hormone verändert 

von Prof. Dr. med. Werner Bader (Chefarzt des Zentrums für Frauenheilkunde, Leiter des Gynäkologischen Krebszentrums, Klinikum Bielefeld), Lara Sommer

Wechseljahre - ein umgangssprachlicher Begriff für das Klimakterium, also die Zeit der hormonellen Umstellung. Damit wird der Übergang von der reproduktiven zur postmenopausalen Phase bezeichnet, also die Jahre vor und nach der Regelblutung. Die Wechseljahre kennzeichnen somit die Zeitspanne, in denen Frauen Kinder bekommen können bis zu den Jahren, in denen dies nicht mehr möglich ist. Medizinisch lässt sich dieser Zeitraum in drei Phasen aufteilen: Perimenopause Dies ist die Zeit kurz vor dem Ausbleiben der Menstruation. Die Phase beginnt meist im Alter von Mitte bis Ende 40. Menopause Auf die Perimenopause folgt die Menopause. Sie markiert den Zeitpunkt der letzten Menstruation, auf die mindestens 12 Monate lang keine weitere Blutung folgt. Postmenopause Dies ist die letzte Phase des Klimakteriums. Ein Mangel an Östrogen und Progesteron ist entstanden, bei gleichzeitig unverändertem Testosteron-Spiegel. Dieses Ungleichgewicht im Hormonhaushalt kann Beschwerden wie trockene Haut oder Schleimhäute, Rücken- und Gelenkschmerzen, Haarausfall und vermehrten Haarwuchs im Gesicht hervorrufen. Die Hälfte der Frauen erreicht bis zum 51. Lebensjahr die Postmenopause. Obwohl die Übergänge der einzelnen Phasen fließend sind, variiert der Verlauf von

10

Frau zu Frau individuell. Es kann passieren, dass durch eine erneute Eierstockaktivität einzelne Phasen mehrmals durchlaufen werden, oder dass es zu Wechseln oder Sprüngen kommt. Während einige Frauen das Klimakterium innerhalb mehrerer Monate beschwerdefrei durchlaufen, kann es bei anderen ein jahrelanger Prozess sein, der mit starken Beeinträchtigungen verbunden ist und Einbußen in der Lebensqualität fordert. Wie machen sich die Wechseljahre bemerkbar? Erste Anzeichen sind Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme oder unregelmäßige Blutungen. Weiterhin kann es zu Osteoporose, also geringerer Knochendichte kommen. Die Knochen werden durch das Hormon Östrogen geschützt und durch die Wechseljahre verringert sich der Östrogenspiegel im Körper einer Frau, dementsprechend werden die Knochen brüchiger und anfälliger gegenüber Belastungen. Zusätzlich zu den bereits genannten Symptomen können Gewichtszunahme und Blähungen oder Verstopfungen vermehrt auftreten. Dies ist nicht verwunderlich, da hormonelle Veränderungen sich auf das Verdauungssystem auswirken und den Stoffwech-


TITELTHEMA

sel verlangsamen können. Der Mangel an Östrogen führt dazu, dass die Haut dünner wird und dementsprechend auch mehr Falten entstehen können, da es ihr an Elastizität mangelt. Gleichzeitig wird auch die Scheide aufgrund des Östrogenrückgangs weniger durchblutet. Die vaginalen Schleimhäute werden wegen des veränderten Hormonhaushalts dünner und trockener. Das begünstigt Symptome wie Juckreiz, lokale Infektionen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, weil die natürliche Gleitflüssigkeit beim Sex nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden ist. Auch andere Schleimhäute im Körper sind durch eine geringere Durchblutung von der Hormonumstellung betroffen. Harnwegsinfektionen oder Bindehautinfektionen werden beispielsweise begünstigt. Einige Frauen leiden auch psychisch, da die Wechseljahre das Ende der fruchtbaren Jahre markieren. Vielfach entsteht die Angst, durch die eingestellte Eierstockfunktion keine vollwertige Frau mehr zu sein und die Sorge um das Altern an sich wächst. In diesen Fällen hilft es, sich vor Augen zu führen, dass die Wechseljahre einen ganz natürlichen Prozess in Gang setzen. Eine offene Einstellung kann den Eintritt in die neue Lebensphase maßgeblich erleichtern, wenn diese als Chance, statt als Herausforderung angesehen wird. Durch die gestiegene Lebenserwartung und Lebensqualität der vergangenen Jahrzehnte, zusammen mit der bereits erreichten und heute noch stetig wachsenden Emanzipation, können Frauen auch in dieser Phase ihres Lebens zuversichtlich und aktiv sein, ohne sich dabei weniger attraktiv zu fühlen.

Östrogen Hormon-Spiegel im jeweiligen Alter

Was hilft gegen die Beschwerden? Obwohl die Wechseljahre zum Teil viele Beschwerden mit sich bringen können, bestehen auch zahlreiche Möglichkeiten, den für die ein oder andere beschwerlichen Prozess, angenehmer zu gestalten. Vielen Frauen kann es bereits helfen, ihre Lebensweise und Ernährung umzustellen. Also auf einen ausgewogenen Speiseplan und genügend Bewegung zu achten. Damit wird nicht nur langfristig das Gewicht gehalten oder reduziert, auch die Knochen und Gelenke werden durch weniger Gewicht und eine gestärkte Muskelmasse entlastet. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, auf pflanzliche Mittel oder eine Hormonersatztherapie zurückzugreifen, wenn die Belastungen durch die hormonelle Umstellung zu groß werden. Auch hier gilt, dass jede Frau die Wechseljahre unterschiedlich wahrnimmt. Für die eine ist eine Umstellung der Lebensweise ausreichend, andere hingegen fühlen sich dank einer Hormonersatztherapie gut. Hier sollte jede Frau individuell entscheiden, was ihr guttut. Wechseljahre: Schwangerschaft und Verhütung Die Symptome der Wechseljahre können auch positiv betrachtet werden: ab der postmenopausalen Phase kann auf die Empfängnisverhütung beim Geschlechtsverkehr verzichtet werden und auch die schmerzhaften Regelblutungen gehören der Vergangenheit an. Allerdings muss beachtet werden, dass Frauen auch in den Wechseljahren schwanger werden können, sofern ein Eisprung erfolgt ist. Daher sollte bis etwa zum 52. Lebensjahr verhütet werden. Bleibt die Periode mehr als 12 Monate aus, kann davon ausgegangen werden, dass die Menopause vorüber ist. Auch interessant: eine langjährige Migräne kann im Zuge der Wechseljahre verschwinden.

Der Verlauf variiert von Frau zu Frau. Während einige Frauen das Klimakterium innerhalb weniger Monate durchlaufen, kann es bei anderen ein jahrelanger Prozess sein.

11


E N D O M E T R I O S E Was genau ist eigentlich Endometriose und wie äußert sie sich? Bei einer Endometriose wächst gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe nicht nur in der Gebärmutterhöhle, sondern „verirrt“ sich an Stellen, an die es nicht gehört, wie zum Beispiel die tieferen Wandschichten der Gebärmutter oder in anderen Organen, wie Bauchfell, Eierstock oder Eileiter. Auch Blase, Darm oder Lunge können in seltenen Fällen betroffen sein. Kurz: Wenn die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der inneren Höhlen der Gebärmutter zu finden ist, spricht man von Endometriose. Das dort angewachsene Gewebe ist voll funktionstüchtig und beteiligt sich wie die normale Gebärmutterschleimhaut am Menstruationszyklus. Auch wenn die Erkrankung gutartig ist, so verläuft sie doch chronisch und oft schmerzhaft. Es lassen sich drei Formen der Endometriose unterscheiden:

1 Wissenswert Während der Schwangerschaft und mit Beginn der Wechseljahre verschwinden die Endometriose-Symptome komplett, da die Regelblutung ausbleibt.

von Dr. med. Wiebke Scharf (Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe), Lara Sommer

Bei der Endometriose handelt es sich um eine gutartige, gynäkologische Erkrankung. Die Krankheit geht oft mit starken Schmerzen vor und während der Monatsblutung einher und kann unter Umständen eine Unfruchtbarkeit zur Folge haben. Häufig bleibt Endometriose über längere Zeit unerkannt. Viele Frauen leiden jedoch an einer Endometriose und schätzungsweise kommen jährlich 40.000 Neuerkrankte hinzu.

12

Endometriosis genitalis externa Die Gewebsansammlung, auch als Endometrioseherde bezeichnet, entwickelt sich innerhalb des kleinen Beckens wie der Gebärmutter, dem Bauchfell, den Eierstöcken oder den Eileitern.

2

Endometriosis genitalis interna Endometrioseherde befinden sich innerhalb der Gebärmuttermuskulatur. Starke Regelschmerzen treten auf. Frauen mit einer Endometriosis genitalis externa haben teilweise gleichzeitig auch eine Endometriosis genitialis interna.

3

Endometriosis extragenitalis In den Nachbarorganen der Gebärmutter, wie Blase oder Darm, treten Endometrioseherde auf. Selten sind die Organe außerhalb des kleinen Beckens wie zum Beispiel Zwerchfell, Nabel oder Lunge betroffen. Zwar kann Endometriose im Prinzip alle Organe betreffen, sie tritt allerdings am häufigsten bei Organen in unmittelbarer Nähe zur Gebärmutter auf.


TITELTHEMA

Ursachen Die genauen Ursachen für Endometriose sind bislang ungeklärt. Es existieren verschiedene Ansätze, um den Grund für das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle zu erklären. Zum einen wird davon ausgegangen, dass durch Muskelbewegungen der Gebärmutter kleinste Verletzungen entstehen, wodurch die Schleimhautzellen über die Eileiter in den Bauchraum gelangen. Zusätzlich gibt es die Theorie der retrograden Menstruation. Dabei wird angenommen, dass durch den Menstruationszyklus Gebärmutterschleimhautzellen über die Eileiter verschleppt werden. Weitere mögliche Ursachen sind ein gestörter Hormonzyklus sowie eine genetische Veranlagung. Symptome Die typischen Endometriose Symptome sind abhängig vom jeweiligen Zyklus:

sätzen sollte allerdings generell beachtet werden, wie groß die Endometriose ist, welche Position die Herde haben, in welchem Alter die Betroffene ist und ob ein Kinderwunsch besteht. Gegen übermäßige Schmerzen können Medikamente und Hormonpräparate helfen. Dabei sind jedoch stets die Nebenwirkungen zu beachten wie: Gewichtszunahme, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen oder Kopfschmerzen. Der Einsatz solcher Präparate ist aber nur möglich, solange die betroffene Frau keinen Kinderwunsch hegt. Verändertes Gewebe kann operativ entfernt werden. Dafür gibt es verschiedene Ansätze. Eine Operation kann direkt über die Vagina erfolgen (Exzision), wenn die Endometrioseherde auf diesem Weg zugänglich sind oder bei kleineren Herden im Bauchraum in Form einer Bauchspiegelung (Laparoskopie). Bei ausgedehnten oder ungünstig gelegenen Herden muss in seltenen Fällen ein Bauchschnitt erfolgen.

• Regelschmerzen • Menstruations• Dauerschmerzen störungen • Schmerzen im • Eierstockzysten Rücken und beim • Unfruchtbarkeit Geschlechtsverkehr • Blut im Stuhl oder Urin Eines der wichtigsten Anzeichen für eine Endometriose ist jedoch eine schmerzhafte Regelblutung, eine sogenannte Dysmenorrhoe. Die Schmerzen setzen meist vor der Regelblutung ein und klingen im Anschluss an die Blutung wieder ab. Bei einigen Betroffen sind die Schmerzen so stark, dass sie für die Tage der Regelblutung arbeitsunfähig werden. Endometriose kann auch einen Dauerschmerz hervorrufen, welcher unabhängig vom Zyklus auftritt. Die Ursache hierfür ist vermutlich eine Schädigung oder Verwachsung des Gewebes. Diagnose Die Diagnose erfolgt über eine gynäkologische Untersuchung durch Abtasten oder mittels bildgebender Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen oder Computertomographie. Dass es sich jedoch um Endometriose handelt, kann nur durch eine Bauchspiegelung in Erfahrung gebracht werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Gewebeproben zu entnehmen und zu untersuchen. Therapiemöglichkeiten Verursacht die Endometriose keine Beschwerden, muss sie nicht behandelt werden. Bei Therapiean-

UNFRUCHTBARKEIT Viele Frauen, die unter Endometriose leiden, sind unfruchtbar. Das bedeutet aber nicht, dass man mit Endometriose zwangsläufig nicht schwanger werden kann. Die betroffenen Frauen haben häufig Probleme, spontan schwanger zu werden. Ursache dafür sind Verklebungen oder Verwachsungen des Eileiters oder der Eierstöcke, die eine Schwangerschaft auf „mechanische“ Weise behindern. Auch Herde im Bauchfell können zu Problemen führen. In einigen Fällen kann es daher von Vorteil sein, die Endometrioseherde operativ zu entfernen. Wenn kein Kinderwunsch (mehr) besteht oder die Familienplanung abgeschlossen ist, können Betroffene mit starken Beschwerden im Notfall eine Entfernung der Eierstöcke in Erwägung ziehen, um die Symptome zu bekämpfen.

13


TITELTHEMA

D Y S P L A S I E Seit dem Jahr 2018 ist die gynäkologische Dysplasiesprechstunde im Klinikum Bielefeld Mitte nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert.

14

von Olga Tarusinov (Oberärztin Zentrum für Frauenheilkunde), Marlene Flöttmann

Unter einer Dysplasie (aus dem Griechischen: Fehlbildung, fehlerhafte Ausbildung) versteht man eine Gewebeveränderung am Gebärmutterhals. Die Zellen des Gewebes am Gebärmutterhals (Cervix) unterliegen einem ständigen Wandel. Bei einer Dysplasie bilden sich jedoch Zellen, die in ihrer Beschaffenheit nicht typisch für das Gewebe des Gebärmutterhalses sind. Die Zellveränderung wird meist nur durch eine Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs festgestellt. Bei einer Dysplasie handelt es sich nicht um Krebszellen, aber eine Dysplasie kann sich zu einer Krebserkrankung entwickeln.

Frauenheilkunde am Klinikum Bielefeld Mitte wird für Frauen mit einer Dysplasie eine Sprechstunde angeboten. Im Rahmen der damit einhergehenden Untersuchung werden mit Hilfe einer Kolposkopie (Untersuchungsmikroskop mit Vergrößerungstechnik) mögliche Veränderungen am Muttermund, in der Scheide oder an den Schamlippen genauer eingegrenzt und beurteilt. Sollte eine Probeentnahme (Biopsie) erforderlich sein, wird diese meist in derselben Sitzung und mit örtlicher Betäubung durchgeführt.

Meist bilden sich geringe Veränderungen von allein wieder zurück. Hierbei spricht man dann von einer leichten Dysplasie. Diese wird kontrolliert, um festzustellen, wie sich Veränderungen entwickeln. Bei einer hochgradigen Dysplasie wird deutlich anders vorgegangen: Bei dieser kann mit der Zeit Krebs entstehen. Daher wird im Falle einer hochgradigen Dysplasie meist operiert und die Zellveränderung entfernt. Ursachen für solche Veränderungen an der Haut und den Schleimhäuten können zum Beispiel Humane Papillomaviren (HPV) sein. Es gibt rund 100 verschiedene Typen, einige davon sind krebserregend. Die Viren werden in der Regel durch Geschlechtsverkehr übertragen. Regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchungen werden daher allen Frauen im geschlechtsreifen Alter empfohlen. Seit einigen Jahren gibt es für Mädchen eine Schutzimpfung, diese wurde 2018 auch für Jungen eingeführt und wird ab 9 Jahren empfohlen. Im Gynäkologischen Krebszentrum des Zentrums für

• • •

Was Sie für einen Termin in der Dysplasie-Sprechstunde benötigen: eine Überweisung von der Frauenärztin oder dem Frauenarzt aktuelle PAP-Abstrich-Ergebnisse von den letzten drei Untersuchungen wenn vorhanden Kopien von HPV-Test, Voroperationen, Medikamentenplan, Allergiepass

DYSPLASIESPRECHSTUNDE Sprechzeiten: Mittwoch: 8:00 Uhr - 12:00 Uhr Terminvereinbarung: über die Gynäkologische Ambulanz Telefon: 05 21. 5 81 - 32 71 Montag bis Donnerstag: 8:00 Uhr - 16:00 Uhr Freitag: 8:00 Uhr - 14:00 Uhr


TITELTHEMA

LASS SPUREN SICHERN Nach sexuellen Übergriffen auf Mädchen und Frauen ist schnelles Handeln gefragt 

von Dr. med. Wiebke Scharf (Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe), Lina Hansmeier

E

s ist wohl eines der schlimmsten Szenarien für jedes Mädchen und jede Frau: Opfer sexueller Gewalt zu werden. Sei es im Club, auf der Straße oder in den eigenen vier Wänden, Übergriffe können jederzeit und überall stattfinden. Was Betroffene nach so einem traumatischen Erlebnis leisten müssen, ist enorm. Neben der Bewältigung und der damit einhergehenden psychischen Belastung stehen unzählige Fragen: Was sollen Opfer nun tun? An wen können sie sich wenden? Soll Anzeige erstattet werden? Wie geht es weiter? Um überhaupt etwas gegen den oder die Täter in der Hand zu haben, ist es wichtig, so schnell wie möglich - am besten innerhalb von 24 Stunden - eine kostenlose Untersuchung im Krankenhaus durchführen zu lassen. Nur so können Spuren gesichert werden, die später im Falle einer Anklage essentielle Beweismittel sind. Dafür sollte die geschädigte Frau nach der Misshandlung weder geduscht, noch die Kleidung gewechselt haben, um möglichst viel genetisches Material sicherstellen zu können. Sollte der Verdacht auf K.O.-Tropfen im Raume stehen, sollte eine Untersuchung sogar schon innerhalb von 6 Stunden erfolgen, da die Substanzen schnell vom Körper abgebaut werden. Besonders nach solch einem traumatischen Erlebnis ist es wichtig, dass das Opfer im Laufe eines einfühlsamen und erklärenden Gespräches Vertrauen zu dem/der behandelnden Gynäkologen/in aufbaut. Nur, wenn Ärzte und Patientin gut zusammenarbeiten, ist die etwa einstündige Spurensicherung wirklich aussichtsreich. Neben einer Untersuchung auf äußerliche und innere Verletzungen werden Abstriche angefertigt und bei Bedarf Blut- und Urintests durchgeführt. Wie jede andere Behandlung fällt

selbstverständlich auch die Untersuchung nach einem sexuellen Übergriff unter die ärztliche Schweigepflicht und findet in absolut vertraulichem Rahmen statt. Nur bei Mädchen unter 14 Jahren müssen die Ärzte in der Regel eine erziehungsberechtigte Person benachrichtigen. Alle anderen können selbst bestimmen, wer von der Misshandlung und der Behandlung im Krankenhaus erfahren soll. Auch wenn ein Opfer sich für die Spurensicherung entscheidet, bleibt es ihm freigestellt, wie rechtlich mit dem Fall weiterverfahren werden soll. Die Geschädigte kann sich Zeit dafür nehmen, darüber nachzudenken, ob sie den oder die Täter anklagen möchten. Die sichergestellten Tatspuren und Beweismaterialien werden mindestens zwei Jahre (bei Minderjährigen bis zwei Jahre nach Erreichen der Volljährigkeit) in der Klinik verwahrt. Möchte eine Betroffene Anzeige erstatten, kann sie sich an die behandelnden Ärzte oder an die Polizei wenden. Diese leiten dann alle erforderlichen Schritte ein. Was jedoch bleibt, egal ob Anzeige erstattet wird oder nicht, ist die psychische Belastung, die ein traumatisches Ereignis mit sich bringt. Um sich gesundheitlich abzusichern, sollten sich Betroffene bei Beschwerden beim Frauenarzt und / oder Hausarzt vorstellen. Wer von Angst, Flash-Backs oder Panikattacken geplagt wird, kann entweder Hilfe bei einem Psychotherapeuten suchen oder sich vertrauensvoll an Fachberatungsstellen wenden. Dort bekommen Opfer sexueller Gewalt nicht nur seelischen Beistand, sondern auch Ratschläge zum weiteren rechtlichen Verfahren und zur Bewältigung des Erlebten. In Bielefeld gibt es neben der Beratungsstelle des Mädchenhaus Bielefeld e.V. oder dem Frauennotruf Bielefeld e.V. noch zahlreiche weitere Hilfsangebote.

15


KREBS

Fachübergreifende Diagnostik und Therapie bei gynäkologischen Krebserkrankungen Zertifizierung zum Gynäkologischen Krebszentrum Beide Zentren bieten nun bei allen gynäkologischen Krebserkrankungen der Frau ein breites Spektrum an Diagnose-, Operations- und konservativen Therapieverfahren an. Hierfür stehen uns vielseitig spezialisierte Kooperationspartner aus dem Hause zur Verfügung. An vorderster Stelle seien hierbei die Radiologie, Strahlentherapie und Pathologie genannt. Ergänzt wird das Spektrum durch die Viszeral-, Plastische- und Thoraxchirugie als auch die Möglichkeit zur stationären und ambulanten chemotherapeutischen Versorgung durch die Hämatoonkologen. Als urologischen Kooperationspartner konnten wir das Johannesstift des EvKB gewinnen. Die Anbindung an die Palliativstation, die Psychoonkologie, den Sozialdienst und die Selbsthilfegruppen ist wiederum vor Ort gegeben, so dass unsere Patientinnen nun vollumfänglich in hervorragender Weise behandelt werden können.

Prof. Dr. med. Werner Bader Chefarzt des Zentrums für Frauenheilkunde, Leiter des Gynäkologischen Krebszentrums, Klinikum Bielefeld

Mit der Zertifizierung zum gynäkologischen Krebszentrum komplettiert das Zentrum für Frauenheilkunde seinen onkologisch operativen Schwerpunkt. Nachdem über viele Jahre das zertifizierte Brustzentrum eine optimale Kooperationsstruktur etabliert hatte, war es bei zunehmenden onkologischen Fallzahlen genitaler Krebserkrankungen nur ein konsequenter Schritt, auf diese bestehenden Strukturen das Gynäkologische Krebszentrum aufzubauen.

16

Das Ziel einer Zertifizierung ist es, sich von einem externen und unabhängigen Expertengremium regelmäßig überwachen zu lassen, damit man für die eigenen Patienten nachweislich die optimalen Behandlungsmethoden anwendet und diese auf dem neuesten Stand des Wissens vorgenommen werden. Auch der sogenannte Benchmark-Vergleich mit anderen zertifizierten Kliniken in Deutschland zeigt die Wertigkeit der Behandlung auf höchstem Niveau. Dies beinhaltet eine strenge Orientierung an den bestehenden Leitlinien nationaler und internationaler Gesellschaften als auch die Möglichkeit ganz individuell auf die Bedürfnisse der Patientinnen einzugehen. Hierbei hat auch die Komplementärmedizin einen hohen Stellenwert für uns. Über die Hälfte der Patientinnen möchte über das Maß der Schulmedizin hinaus alternative Behandlungsmethoden ergreifen. Hier stehen wir mit Rat und Tat gerne zur Seite. Über den Zertifizierungsprozess wird dann durch regelmäßige Audits überprüft, ob man diesen Anforderungen auch tatsächlich entsprechen kann und entsprochen hat.


KREBS

KONTAKT Gynäkologisches Krebszentrum Klinikum Bielefeld Mitte Teutoburger Straße 50, 33604 Bielefeld

Das Wichtigste ist uns jedoch, dass die Patientinnen sich in unserem Krebszentrum gut aufgehoben fühlen und wir Ihnen eine individuell angepasste Behandlung und Betreuung zu Teil werden lassen. Mit dem Brustzentrum und dem Gynäkologischen Krebszentrum stehen dem Klinikum Bielefeld Mitte nun zwei hochrangige zertifizierte Tumorzentren zur Verfügung, welche die allgemeine Schwerpunktbildung unseres Krankenhauses in Richtung eines onkologischen Kompetenzzentrums, eines Cancer Centers, begründen.

Zentrumsleitung: Prof. Dr. med. Werner Bader Chefarzt des Zentrums für Frauenheilkunde, Leiter des Gynäkologischen Krebszentrums Klinikum Bielefeld Zentrumskoordination: Dr. med. Wiebke Scharf Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe E-Mail: wiebke.scharf@klinikumbielefeld.de Sprechstunde: Tel.: 05 21. 5 81 - 32 71 (Termin nach Vereinbarung)

17


BRUSTKREBSFRÜHERKENNUNG UND VORSORGE WIE SCHÜTZE ICH MICH AM BESTEN?

Dr. med. Angelika Cervelli Leiterin des Brustzentrums Bielefeld Zentrum für Frauenheilkunde

Die Frage danach, was Sie tun können, um Brustkrebs vorzubeugen, ist ein Thema, mit dem sich schon viele Studien auseinandergesetzt haben. Es konnte noch nicht bewiesen werden, ob manche Einflüsse Brustkrebs verhindern oder sogar fördern. Themen wie vitaminreiche Ernährung, Alkohol und Zigaretten sind sehr umstritten. Eines jedoch ist auf jeden Fall klar: Die Chancen wieder gesund zu werden, wenn man an Brustkrebs erkrankt ist, sind größer, wenn man den Krebs frühzeitig erkennt.

Welche Früherkennungsmethoden gibt es? Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen. In welchen Intervallen und was genau untersucht wird, ist abhängig von Ihrem Alter. Wenn Sie noch unter 30 sind, ist eine Früherkennungsuntersuchung generell nicht vorgesehen, da das Risiko, in Ihrem Alter an Brustkrebs zu erkranken, minimal ist.

Ab 30 Jahren können Sie dann einmal im Jahr zu einer Tastuntersuchung zu Ihrem Frauenarzt


KREBS

oder Ihrer Frauenärztin gehen. Diese/r tastet dann die Brüste und die Lymphknoten bis zu den Achselhöhlen ab. Der Frauenarzt / die Frauenärztin kann Ihnen dann auch erklären, wie Sie Ihre Brust selbst abtasten und auf Veränderungen achten können.

sen, dass gesunde Ernährung oder ein Verzicht von Alkohol oder Zigaretten Brustkrebs vorbeugt. Auch ob Umweltfaktoren – wie z.B. ein unregelmäßiger Schlaf – das Brustkrebsrisiko erhöhen, konnte noch nicht bewiesen werden.

Ab dem 40. - 45. Lebensjahr

Die Statistiken sagen aber:

kann die Durchführung einer einmaligen Mammographie als sogenannte Basis- oder Ausgangsmammographie sinnvoll sein, um als Vergleich zu dienen, wenn dann ab 50 Jahren die regulären Mammographien beginnen. Am besten beraten Sie sich mit Ihrem Arzt, wann Sie mit den Früherkennungsmethoden beginnen. Die Untersuchungen können auch je nach Ihrem Risiko an Brustkrebs zu erkranken angepasst werden. Wenn auch Verwandte an Brustkrebs erkrankt sind oder es eine gutartige Veränderung in Ihrer Brust gibt, die überwacht werden muss, können die Untersuchungen häufiger und intensiver gemacht werden, als bei Frauen ohne eine entsprechende Vorgeschichte. Die Teilnahme am Früherkennungsprogramm ist jedoch absolut freiwillig.

Je übergewichtiger man ist, desto höher kann das Brustkrebsrisiko sein. Daher ist häufige und regelmäßige Bewegung sehr wichtig für Sie. Wenn Sie ein Kind im Säuglingsalter haben, sollten Sie es nach Möglichkeit stillen. Wenn Ihre Familienplanung abgeschlossen ist, beraten Sie sich mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin, welche Verhütungsmittel nun am günstigsten sind. Wenn Sie in den Wechseljahren sind, kann eine Hormonersatztherapie das Risiko verändern und Sie können frühzeitig an Brustkrebs erkranken. Wenn Sie nicht um die Therapie herum kommen, weil die Probleme, die in den Wechseljahren auftreten, zu groß sind, nehmen Sie die Hormone nur so lange ein, wie es unbedingt notwendig ist.

Wenn Sie über 50 Jahre alt sind

Fazit

ist es ratsam, zusätzlich zur Tastuntersuchung alle zwei Jahre ein Mammographie-Screening (eine Röntgenaufnahme der Brust) machen zu lassen, da das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, nun viel höher ist als in den vorherigen Jahren. Damit Sie diese Möglichkeit zur Vorbeugung nicht versäumen, sendet Ihnen das Screening-Zentrum alle 2 Jahre eine Einladung mit einem Terminvorschlag und weiteren Informationen. Das reguläre Mammographie-Screening ist erst ab 50 Jahren ratsam, da das Brustdrüsengewebe bei jüngeren Frauen noch empfindsamer ist als bei älteren und die Bestrahlung über die Jahre hinweg eher schaden als nützen würde. Im Rahmen des Screenings erfolgt die Mammographie bis zu einem Alter von 70 Jahren alle 2 Jahre, also etwa 10 mal. Auch wenn Sie danach nicht mehr vom Screening-Institut informiert werden, haben Sie weiterhin die Möglichkeit, alle 2 Jahre eine Überweisung bei Ihrer Frauenärztin zu bekommen und eine Mammographie machen zu lassen.

Viel Bewegung, die Vermeidung von Gewichtszunahme und eine regelmäßige Untersuchung beim Arzt können schon viel dazu beitragen, das Brustkrebsrisiko zu senken. Und trotz der umstrittenen Studien zu anderen Risikofaktoren: Ein gesunder Lebensstil kann etlichen Krankheiten vorbeugen!

Was kann ich zur Vorsorge tun?

Generell wird immer gesagt, dass ein gesunder Lebensstil viel zu Ihrer Gesundheit beiträgt. Doch die Studien und Statistiken konnten noch nicht bewei-

19


KREBS

Selbstuntersuchung der Brust

Dr. med. Angelika Cervelli Leiterin des Brustzentrums Bielefeld Zentrum für Frauenheilkunde

Wenn man einen Knoten in der eigenen Brust entdeckt, geht man schnell vom Schlimmsten aus. Dabei erweisen sich vier von fünf Knoten als gutartig. Dennoch gilt: Je früher Brustkrebs entdeckt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. Eine regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust ist eine gute Möglichkeit der Früherkennung. Nehmen Sie sich Zeit bei der Untersuchung. Es ist wichtig, dass Sie genau auf Ihren Tastsinn hören. Hier geht es vor allem darum, dass Sie die Beschaffenheit Ihrer Brust kennenlernen, um Veränderungen und mögliche Knötchen erkennen und beurteilen zu können. Zeitpunkt der Untersuchung Sollten Sie Ihre Menstruationsblutungen noch haben, eignen sich der dritte bis siebte Tag nach dem Einsetzen der Blutungen besonders gut für eine Selbstuntersuchung. Zu diesem Zeitpunkt ist die Brust frei von hormonbedingten Gewebsveränderungen. Außerdem haben Sie so einen festen Zeitraum, der Vergleichsmöglichkeiten bietet. Bleibt die Regel in den Wechseljahren aus, sollten Sie entweder im selben Rhythmus fortfahren oder sich ein festes Datum wählen, zum Beispiel der erste jeden Monats. Hinweise: Beim ersten Abtasten der Brüste sollten Sie nicht erschrecken, wenn Ihnen das Gewebe knotig vorkommt. Dies ist ganz normal, besonders bei jünge-

20

ren Frauen, da das Drüsengewebe noch besonders ausgeprägt ist. Sie sollten sich nicht darauf konzentrieren, etwas zu finden, was eventuell krankhaft sein könnte. In erster Linie dient die Tastuntersuchung dazu, dass Sie Ihren Körper und Ihr Gewebe kennen lernen, und im Falle einer Veränderungen schnell reagieren können.

So tasten Sie Ihre Brüste ab: Zum Abtasten Ihrer Brüste können Sie Körper-Öle oder Duschgel verwenden, um den Tastsinn zu verstärken. Tasten Sie Ihre Brüste optimalerweise immer in derselben Reihenfolge ab (von innen nach außen, von außen nach innen), so können Sie keine Stelle vergessen und Ihnen fallen Veränderungen schneller auf. Machen Sie sich mit dem Gefühl der Brust direkt unter der Haut, aber auch im tieferen Gewebe vertraut. Tasten Sie auch das Brustmuskelgewebe in Richtung der Achselhöhle sorgfältig ab, da es hier ebenfalls zu Veränderungen kommen kann, beispielsweise zum Anschwellen von Lymphknoten. Optimalerweise tun Sie dies mit gesenktem Arm. Auch die Brustwarze sollten Sie beim Abtasten einbeziehen. Drücken Sie die Brustwarze zusammen und achten Sie darauf, ob Sekret austritt.


KREBS

Um ganz sicher zu gehen, wiederholen Sie die Tastuntersuchung noch einmal im Liegen. Sollten Sie sich in der Ausführung der Tastuntersuchung unsicher sein, holen Sie sich Rat bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt. Bitte beachten Sie auch, dass die Selbstuntersuchung keinesfalls ein Ersatz für die Früherkennungs-Untersuchungen bei einem Arzt oder einer Ärztin sind, sondern dazu dienen, Veränderungen am eigenen Körper rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abzuklären. Sollten Sie ein vermeintliches Symptom für eine krankhafte Gewebeveränderung feststellen, zögern Sie nicht, sich an Fachleute Ihres Vertrauens zu wenden.

Mögliche Symptome, die bei einer Selbstuntersuchung entdeckt werden können, sind: • Knotige Veränderungen im Brustgewebe Einen Knoten in der Brust kann man meist erst ab 1-2 cm Größe ertasten, dies ist auch abhängig von seiner Lage und der Größe der Brust. Man erkennt

einen Knoten daran, dass er nicht schmerzhaft ist, seine Position im Gewebe nicht veränderbar ist und er sich fest anfühlt. • Veränderungen der Größe der Brust Die meisten Frauen haben Brüste, die nicht gleich groß sind. Sollte der Größenunterschied zwischen den Brüsten jedoch neu auftreten, sollte dies mit einem Arzt oder einer Ärztin abgeklärt werden. • Veränderung an den Brustwarzen Die Einsenkung und eine Einziehung der Brustwarze sowie Entzündungen oder Veränderungen der Haut sind Warnsignale. Auch die Absonderung eines Sekretes kann auf eine krankhafte Veränderung des Brustgewebes hinweisen. • Veränderungen im Bereich der Achselhöhle Knoten und Schwellungen im Bereich der Achselhöhlen können ein Hinweis auf abzuklärende Veränderungen sein. • Veränderungen der Haut Großporigkeit oder Einziehungen sowie Rötungen, die nicht wieder abklingen oder Entzündungen können ein mögliches Anzeichen für eine Brustkrebserkrankung sein.

21


KREBS

Yoga

bei Brustkrebs

Wie Sie Ihre Lebensqualität verbessern können

Indra Babin Oberärztin des Brustzentrums Bielefeld - Zentrum für Frauenheilkunde

Bei einer Brustkrebserkrankung denkt man zunächst eher an Ruhe und Schonung. Doch Bewegung hat viele positive Auswirkungen auf den Körper und kann dazu beitragen, dass Krankheitsfolgen und Nebenwirkungen der Therapien gemindert oder gar verhindert werden. Eine gute Möglichkeit, sich nach einer Operation oder während einer Therapie körperlich zu betätigen, bietet Yoga. Spezielle Übungen können auch nach oder während einer Chemooder Bestrahlungstherapie oder nach einer Operation erfolgen.

22

Direkt nach der Operation und während eine Chemo- oder Strahlentherapie bleiben die Frauen eher passiv, erst später folgen Übungsreihen, in denen sie langsam aktiver werden. Daher müssen die Übungen in ihrer Ausführung oder durch Hilfsmittel angepasst werden. Hier können Kissen, Decken, Stühle und Gurte zum Einsatz kommen. So kann beispielsweise ein Kissen helfen, die Haut behutsam zu dehnen, wenn die Operationsnarbe bei einer Übung spannen sollte. Um es der Patientin leichter zu machen, können Füße und Hände mit Gurten fixiert werden, um die Position zu halten und die Stabilität nicht mit eigener Kraft leisten zu müssen. Die Übungen dienen dazu, dass die Patientinnen zur Ruhe kommen, eine neue Balance finden und ihren eigenen Körper neu wahrnehmen. Die Empfehlung ist, sobald man sich nach der Operation in der Lage dazu fühlt, zweimal pro Woche ca. eine Stunde lang Übungen zu machen. Je länger man


KREBS

übt, desto schneller merkt man, dass sich etwas ändert. Durch die Anregung von Kreislauf und Lymphfluss kann Ödemen vorgebeugt werden, die ein Risiko nach einer Brustkrebsoperation darstellen. Aber Yoga stärkt nicht nur Muskeln und das Nervensystem. Es kann auch Ängste und Depressionen verringern, denn der Spiegel des Stresshormons Cortisol sinkt deutlich ab. Auch die Nebenwirkungen einer Chemotherapie wie Übelkeit, Erbrechen, Gelenkschmerzen und Hitzewallungen können durch Yoga abgeschwächt werden. In einer Studie nahmen 191 Brustkrebspatientinnen in einem Zeitraum von sechs Wochen drei mal wöchentlich am Yoga-Unterricht teil. Die Studie hat gezeigt, dass

regelmäßige Yoga-Übungen das Fatigue-Syndrom lindern können, ein Leiden, das viele Betroffene im Anschluss an ihre Therapie betrifft.

Yoga für Brustkrebspatientinnen am Klinikum Bielefeld

Bei Interesse können Sie sich gern telefonisch anmelden:

Bisher haben vier Yoga-Kurse für Krebspatientinnen am Klinikum Bielefeld stattgefunden. Finanziert wurden die Kurse durch die Einnahmen des Spendenlaufs „Aktiv gegen Krebs“ aus dem Juni 2018. Auch im kommenden Herbst wird wieder ein Kurs angeboten.

Vor dem Yoga sollten Sie mit Ihren behandelnden Ärzten über Ihren derzeitigen Zustand sprechen. Stellen Sie sicher, dass die Übungen gut in Ihren Therapieplan integriert werden können. Nach einer Operation sollten Sie behutsam in die Dehnung gehen. Bei den ersten Anzeichen von Erschöpfung sollten Sie sich einen Moment der Ruhe gönnen, damit sich Ihre Muskeln regenerieren können. Bringen Sie Ihre Bewegungen und Ihre Atmung in Einklang. Ihre Atmung sollte entspannt, aber tief sein.

Zentrum für Frauenheilkunde - Brustzentrum Klinikum Bielefeld gem. GmbH Teutoburger Str. 50, 33604 Bielefeld Telefon: 05 21. 5 81 - 32 72 Nach erfolgreicher Anmeldung wird sich eine Mitarbeiterin des Brustzentrums mit allen Informationen zum Kurs bei Ihnen melden.

23


KREBS

Mit dem

Herzen

dabei

Herzkissen für Brustkrebspatientinnen Die Nähgruppe „Mit dem Herzen dabei“ der Selbsthilfevereinigung Viktoria e.V. aus Bielefeld näht seit 2015 jeden 2. Dienstag im Monat in der capella hospitalis am Klinikum Bielefeld für an Krebs erkrankte Frauen und Kinder. Von Sorgenfresserchen, um Tränen zu trocknen, über Kuschelkissen, um besser zu liegen, bis hin zu großen Herzkissen, die die Schmerzen nach einer Brust-OP lindern sollen und kleinen Herzkissen, um sich festzuhalten, zum Beispiel bei einer Stanzbiopsie der Brust: Die Gruppe aus 10 Frauen im Alter von 26 bis 79 Jahren spendet, was bei ihren Treffen in liebevoller Handarbeit entsteht, unter anderem auch an das Brustzentrum im Klinikum Bielefeld Mitte. Über die Jahre konnte bereits vielen Patientinnen und Patienten eine Freunde in dieser schweren Zeit gemacht werden.

„Herzen lindern Schmerzen“ - unter diesem Motto hat sich in Brenken im Jahr 2012 eine Gruppe von Frauen zusammengefunden, die ehrenamtlich Herzkissen für Brustkrebspatientinnen näht. Die Gruppe besteht aus 35 Frauen, die sich 9 Mal im Jahr zum Nähen der Herzkissen treffen. Auch das Klinikum Bielefeld wird von der Herzkissengruppe aus Brenken jedes Jahr reich beschenkt. In vielen Kliniken bekommen Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind und operiert werden müssen, direkt nach der Operation die sogenannten Herzkissen geschenkt. Diese Kissen dienen als therapeutisches Lagerungskissen, lindern den Wundschmerz und spenden etwas Trost in der schweren Zeit nach der Operation. Die Patientinnen dürfen das Kissen bei der Entlassung mit nach Hause nehmen. Denn auch bei einer anschließenden Chemotherapie oder Bestrahlung ist ein solches Kissen noch sehr nützlich.

Ansprechpartnerin

Ansprechpartnerin

Gabriele Beckmann Tel.: 05 21. 91 50 - 74 68 E-Mail:

Renate Grewe Tel.: 02 95 1. 9 35 - 84 58 E-Mail:

g.beckmann@viktoriafrauen-selbsthilfegruppen.de

info@herzen-lindern-schmerzen.de

Über Geld- oder Sachspenden freuen sich beide Nähgruppen. Das Ziel ist es, auch in Zukunft so viele Frauen wie möglich mit Herzkissen zu versorgen.

24


GESUNDHEIT & WOHLBEFINDEN

Die Grünen Damen des Klinikums Bielefeld

D

ie „Grünen Damen“ sind seit 1986 ehrenamtlich im Klinikum Bielefeld Mitte und seit 2004 ehrenamtlich im Klinikum Bielefeld Rosenhöhe tätig. Die 23 Damen und ein Herr in ihren mintgrünen Kitteln sind Montag bis Donnerstag von 09.00 bis 11.30 Uhr im Klinikum Bielefeld Mitte und jeden Mittwoch von 09.00 bis 11.30 Uhr im Klinikum Bielefeld Rosenhöhe und besuchen dort Patientinnen und Patienten auf den Stationen.

Kontakt Ökumenische Krankenhaushilfe "Grüne Damen" Telefon: 05 21. 5 81 - 22 12 (Anrufbeantworter)

Die Grünen Damen sind an die Schweigepflicht gebunden und stehen bei ihrer Tätigkeit in engem Kontakt zum ärztlichen Dienst und zum Pflegedienst. Ihre Tätigkeiten umfassen unter anderem den Empfang von Patientinnen und Patienten bei der Aufnahme in das Klinikum, kleine Besorgungen im Haus, Vorlesen, Briefe schreiben, aber auch die Begleitung bei Spaziergängen im Haus und auf dem Klinikgelände. Sie nehmen sich Zeit zum Zuhören und für Gespräche am Krankenbett. Nehmen Sie bei Bedarf gerne Kontakt mit ihnen auf.

25


GESUNDHEIT & WOHLBEFINDEN

EINE HERZENSANGELEGENHEIT Warum der Herzinfarkt bei Frauen häufig unerkannt bleibt Ein Gespräch mit Dr. med. Kristin Radke Oberärztin der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin

Ein Herzinfarkt gilt bis heute als eine typische „Männerkrankheit“. Auch die allgemein bekannten Symptome und Vorzeichen eines Infarktes – Beschwerden im Brustkorb, die in den linken Arm ausstrahlen – fehlen bei Frauen häufig, weshalb die Gefahr oft unbemerkt bleibt. Hier ist eine Aufklärung von Nöten.

26


GESUNDHEIT & WOHLBEFINDEN

Zwar sterben mehr Männer an einem Herzinfarkt, jedoch ist der Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen häufiger tödlich. Auch bei Frauen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die führende Todesursache. „Der Herzinfarkt bei einer Frau bringt besondere Tücken mit sich: Die Beschwerden, die bei einem Herzinfarkt auftreten, unterscheiden sich von den allgemein bekannten Signalen eines Infarktes beim Mann und werden oft dafür verantwortlich gemacht, dass die Erkrankung bei Frauen später oder sogar zu spät erkannt wird.“, warnt Dr. med. Kristin Radke, Oberärztin der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin. Ist es bei Männern ein Schmerz in der Brust, der bis in den linken Arm ausstrahlt, treten bei Frauen eher Kurzatmigkeit, Rücken- und Nackenschmerzen, Kiefer- oder Halsschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Schmerzen im Oberbauch auf. Bereits Tage oder Wochen zuvor können anhaltende Müdigkeit, Schlafstörungen, Kurzatmigkeit, Verdauungsstörungen oder ein Taubheitsgefühl in den Armen Vorboten eines drohenden Infarktes sein. Die zunächst untypischen Beschwerden werden häufig

auf andere Ursachen zurückgeführt, bis der Verdacht auf einen Herzinfarkt fällt. Auch die Gefahr der Nicht-Beachtung oder auch Verharmlosung von Krankheitssymptomen tritt bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Daher wird der Notruf oft erst sehr spät gewählt, im Schnitt liegt die Verzögerungszeit zwischen Auftreten der Beschwerden und der Alarmierung des Notarztes knapp 20 Minuten über dem Schnitt der Männer. Ein Wettlauf gegen die Zeit Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, wenn erkannt wird, dass es sich bei den Beschwerden um einen Herzinfarkt handelt. Dass die Symptome gerade bei Frauen häufig erst sehr spät auf einen möglichen Herzinfarkt zurückgeführt werden, kann fatale Folgen haben. „Bei einem Herzinfarkt können Minuten über die Schwere der Folgeschäden, und sogar über Leben und Tod entscheiden“, so Oberärztin Dr. Radke. Ein Herzinfarkt entsteht meist dadurch, dass ein Blutgerinnsel ein Herzkranzgefäß verstopft und dadurch die Sauerstoffzufuhr zum Herzen verhindert wird. Meist ist die betroffene Arterie bereits durch Ablagerungen an der Innenwand des

>>

Ein Herzinfarkt wird meist durch ein oder mehrere Blutgerinnsel ausgelöst. Sie verschließen Koronararterien, die häufig durch Ablagerungen (Plaque) bereits verengt sind.

27


GESUNDHEIT & WOHLBEFINDEN

Gefäßes vorgeschädigt. Diese Ablagerungen, auch „Plaques“ genannt, bestehen aus Fetten und Kalk. Eine solche Verkalkung im Bereich der Herzkranzgefäße (Gefäße, die das Herz mit Blut versorgen) nennt sich Koronare Herzkrankheit (KHK), und gilt als Hauptursache für einen Herzinfarkt. Bekommt nun ein abgelagertes Kalk/Fett-Plaque einen Riss und bricht auf, lagern sich sofort Blutplättchen an, um den Riss wieder zu verschießen. Dadurch werden Botenstoffe freigesetzt, die weitere Blutplättchen herbeirufen: es entsteht ein Blutgerinnsel. Ist die betroffene Arterie vollständig verstopft, kommt es zum Herzinfarkt. Für beide Geschlechter gilt: Die erste Stunde, nachdem sich das Gefäß verschlossen hat, ist ausschlaggebend. Daher wird diese Zeit auch „goldene Stunde“ genannt. Wird schnell gehandelt, kann möglicherweise Schlimmeres verhindert werden: Bereits nach 20 Minuten beginnt der Herzmuskel, in dem mit Sauerstoff unterversorgten Bereich abzusterben. Dieser Vorgang ist nicht mehr rückgängig zu machen. Durch das Absterben des Herzmuskelgewebes vernarbt das Herz, was später wiederum zu einer Herzschwäche und auch zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Risiken „Für Frauen gelten die selben Risikofaktoren, die auch bei Männern ausschlaggebend sind: Rauchen,

Rauchen erhöht das Herzinfarktrisiko um das 6-fache! Aber nicht nur Raucher leiden unter den schädlichen Auswirkungen – auch Passivraucher haben ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden.

28

Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, eine genetische Veranlagung, Übergewicht, Bewegungsmangel und Psychosoziale Faktoren.“ stellt Dr. Radke fest. Aufgrund der weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene) sind Frauen bis zu den Wechseljahren gut gegen eine Arteriosklerose (Verengung der Herzkrankgefäße) geschützt, was sie auch vor einem Herzinfarkt bewahrt. Eine Ausnahme gibt es: Frauen, die die Anti-Baby-Pille nehmen und rauchen, haben ein hohes Herzinfarktrisiko. Setzen die Wechseljahre ein, wird die Produktion von Östrogen nach und nach eingestellt. Dadurch nimmt das Herzinfarkt-Risiko zu. Es ist daher auch wichtig, nach der Menopause verstärkt auf weitere Risikofaktoren wie z.B. den Blutdruck und Diabetes zu achten, da sich das Risiko dadurch potenziert. Auch das Schlaganfallrisiko steigt z.B. durch den in den Wechseljahren auftretenden erhöhten Blutdruck an. Währet den Anfängen Sind die Symptome bei Männern und Frauen noch so verschieden, bleiben die Risikofaktoren bei beiden Geschlechtern doch dieselben. Dr. med. Kristin Radke empfiehlt: „Wer auf eine gesunde Lebensweise, regelmäßige körperliche Bewegung und auf sein Körpergewicht achtet, hat eine größere Chance, im Alter Krankheiten vorzubeugen.“ 


GESUNDHEIT & WOHLBEFINDEN

Das Broken Heart Syndrom Kann das Herz wirklich „brechen“?

von Marlene Flöttmann

„Mir wurde mein Herz gebrochen“ oder „das zerreißt mir das Herz“ sind Ausdrücke, mit denen wir versuchen, einen inneren Schmerz, einen „Herzschmerz“ auszudrücken. Ein „gebrochenes“ Herz verbindet man mit Liebeskummer. Wer schon einmal davon betroffen war, der weiß, dass es sich tatsächlich so anfühlt, als sei das Herz „gebrochen“. Man fühlt eine Enge in der Brust und eine tiefe Trauer, da man in so einer Situation extremen Stressreizen ausgesetzt ist. Dieses Phänomen lässt sich in einigen Fällen tatsächlich medizinisch begründen und nennt sich Broken Heart Syndrom. Die Ursachen dieses Phänomens wurden noch nicht gänzlich erforscht, man weiß aber, dass die Symptome nach starker psychischer oder auch physischer Belastung auftreten können. Bei dem Syndrom handelt es sich um eine Funktionsstörung des Herzmuskels. Der medizinische Begriff lautet „Tako-Tsubo-Kardiomyopathie“ oder „Stress-Kardiomyopathie“ und wurde erstmalig in Japan diagnostiziert. Das Broken Heart Syndrom tritt in ca. 80 % der Fälle bei Frauen auf, häufig während oder nach den Wechseljahren, kann aber auch jüngere Menschen betreffen. Die Symptome sind ähnlich wie bei einem Herzinfarkt, es treten das

Gefühl von Enge im Brustraum, Herzrasen, Atemnot und Schmerzen im Brustraum bis hin zu den Armen auf. Die Form der linken Herzkammer verändert sich stark, sodass die Herzspitze ballonartig vergrößert und die Hauptschlagader stark verengt ist. Der Name Tako-Tsubo steht im Japanischen für „Oktopusfalle“. Dies bezieht sich auf die Form der linken Herzkammer, die im Falle des Broken Heart Syndroms aussackt und so die Krugform einer japanischen Tintenfischfalle annimmt. Was passiert im Körper bevor das Herz „zerbricht“? Bei enormer emotionaler oder körperlicher Belastung, zum Beispiel durch den Verlust eines geliebten Menschen oder auch bei sehr stark ausgeprägtem Liebeskummer erhöht sich die Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol und Katecholamin. Durch die vermehrte Ausschüttung wird die Herzwand überreizt, besonders in dem Bereich der Herzspitze. Durch einen Einstrom von Kalzium in die Zellen kommt es zu einer Verkrampfung, das Herz verfällt in eine Art Schockstarre. Dieser Zustand hält mehrere Stunden bis Tage an, das Herz erholt sich meist erst nach einem Monat von einer solchen Attacke.

29


Harninkontinenz

bei Frauen

von Gabriele Lösing, Prof. Dr. med. Werner Bader (Chefarzt des Zentrums für Frauenheilkunde, Leiter des Gynäkologischen Krebszentrums, Klinikum Bielefeld), Marlene Flöttmann

Inkontinenz ist ein Thema, was bei Betroffenen mit viel Scham behaftet ist. Keiner spricht gern darüber, und doch ist es für diejenigen, die unter unfreiwilligem Urinverlust leiden, ein ständig präsentes Problem, welches die Lebensqualität erheblich einschränkt. Die Ursachen sind vielfältig.

Formen einer Harninkontinenz Eine Harninkontinenz beschreibt den unwillkürlichen Verlust von Urin und wird im Volksmund auch als „Blasenschwäche“ oder als „schwache Blase“ bezeichnet. Es werden drei Formen unterschieden: • Belastungsinkontinenz: Unwillkürlicher Urinverlust, sobald sich der Druck im Bauchraum bzw. auf die Blase erhöht. Dies kann beim Tragen oder Heben schwerer Gegenstände, beim Husten. Niesen, Lachen oder Pressen der Fall sein. Die Belastungsinkontinenz wird in die folgenden drei Grade eingeordnet:  Grad 1: Harnverlust bei Husten, Pressen, Niesen oder schwerem Heben  Grad 2: Harnverlust beim Gehen, Bewegen oder Aufstehen  Grad 3: Harnverlust in Ruhe oder im Liegen bei Bewegung • Dranginkontinenz: Plötzlicher, übermäßig starker Harndrang, obwohl die Blase noch nicht voll ist. Der Harn wird schwallartig abgelassen • Mischinkontinenz: Eine Mischung aus Belastungsund Dranginkontinenz Wie entsteht eine Inkontinenz? Eine Harninkontinenz kann bei Frauen in jedem Alter auftreten, wobei die Wahrscheinlichkeit, diese zu entwickeln, mit dem Alter steigt. Ursachen einer In-

30

kontinenz können das Alter, Übergewicht, hormonelle Störungen wie ein Östrogenmangel, schwaches Bindegewebe, Schwangerschaft und Geburt sowie Harnwegsinfekte oder Nervenschädigungen durch Unfälle, Tumore oder Traumata sein. Um zu verstehen, wie es zu einer Inkontinenz kommt, muss erst erklärt werden, wie die Blase im gesunden Zustand funktoniert: Die Blase muss in der Lage sein, den Urin für eine längere Zeit zu speichern. Während dieser Phase ist der Blasenmuskel entspannt, wodurch sich die Blase ausdehnen und mit Urin füllen kann. Der Schließmuskel der Blase sorgt dafür, dass der angesammelte Urin nicht umgehend über die Harnröhre abfließt, und dient demnach als Abdichtung der Blase. Neben dem Speichern muss sich die Blase zu einem gewünschten Zeitpunkt entleeren und den Urin über die Harnröhre abgeben können. Bei der Entleerung zieht sich der Blasenmuskel zusammen, während der Schließmuskel der Blase entspannt wird und der Urin über die Harnröhre abfließen kann. An der Koordinierung dieser Vorgänge sind das Hirn, das Rückenmark, Muskeln und Nerven beteiligt. Gibt es einen Defekt, arbeiten das System der Blasenkontrolle nicht mehr sinnvoll und es kommt zum unwillkürlichen Harnverlust. Was hilft? Neben dem offenen Gespräch mit Freundinnen und Freunden oder der behandelnden Ärztin / dem Arzt gibt es Tipps und Tricks, die den Alltag mit einer Harninkontinenz erleichtern können.


GESUNDHEIT & WOHLBEFINDEN

Training Was zunächst banal klingt, kann durchaus funktionieren: Gehen Sie in festgelegten Intervallen zur Toilette, auch wenn Sie keinen Harndrang verspüren. Nach einer Weile können die zeitlichen Abstände vergrößert werden, wodurch die Blase trainiert wird, den Urin länger zu halten. Nehmen Sie sich allerdings bei der Vergrößerung der Abstände nicht gleich zu viel vor! Ernährung Nahrungsmittel, die Koffein, Alkohol, scharfe Gewürze, Kohlensäure oder viel Fruchtsäure enthalten, sollten gemieden werden, da hierdurch die Blase gereizt wird. Menschen, die an einer Blasenschwäche leiden, neigen dazu, wenig zu trinken, um nicht so oft auf die Toilette gehen zu müssen. Allerdings kann die ausreichende Aufnahme von Wasser dabei helfen, den Urin zu „verdünnen“, da hochkonzentrierter Urin die Blase zusätzlich belastet. Präparate und Einlagen Zusätzlich zum Training und einer Ernährungsumstellung kann durch Medikamente die Lebensqualität von Frauen, die an einer Harninkontinenz leiden, verbessert werden. Die Einnahme sollte jedoch im Vorfeld mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin besprochen werden. Auch spezielle Einlagen können Schutz bieten, sollte man es nicht rechtzeitig auf die Toilette schaffen oder unkontrolliert Urin verlieren. Diese können sowohl in der Apotheke als auch im Drogeriegeschäft erworben werden.

Selbsthilfegruppe Inkontinenz Bielefeld Die Gynäkologische Klinik im Zentrum für Frauenheilkunde am Klinikum Bielefeld Mitte und die Klinik für Allgemeinchirurgie und Koloproktologie am Klinikum Bielefeld Rosenhöhe kooperieren mit der Selbsthilfegruppe Inkontinenz Bielefeld. Unter dem Motto „Inkontinenz, ein Tabuthema? Für uns nicht, wir reden drüber!“ bietet die etwa 15-köpfige Selbsthilfegruppe unter der Leitung von Gabriele Lösing Betroffenen einen Raum, um sich über die Erfahrungen und den Umgang mit der Inkontinenz austauschen. Darüber hinaus werden praktische Tipps für den Alltag besprochen (zum Beispiel „Wie finde ich die nächsten WCs in der Stadt?“) und Präventionsmaßnahmen vorgestellt. Hin und wieder finden auch Fachvorträge von Ernährungs- oder Sanitätsberatern statt, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktuelle Informa-tionen zum Thema Inkontinenz erhalten und einem Experten Fragen stellen können. Bei jedem Treffen steht zudem Chefarzt Prof. Dr. med. Bader den Gruppenmitgliedern mit fachlichem Rat zur Seite. Die Selbsthilfegruppe Inkontinenz Bielefeld trifft sich alle zwei Monate im Seminarraum 3 im Klinikum Bielefeld Mitte, Teutoburger Str. 50, 33604 Bielefeld. Das nächste Treffen findet am Montag, den 21.10.2019, von 17.00 bis 18.30 Uhr statt. Um eine telefonische Voranmeldung unter der Nummer 05 21. 3 37 - 30 75 wird gebeten.

31


SERVICE

klinikumbielefeld unsere kompetenz für ihre gesundheit

NEWS

Alle News finden Sie unter: www.klinikumbielefeld.de/newsroom.html

Neuer Kaufmännischer Direktor des Klinikums Bielefeld

D

iplom-Kaufmann Maik Büscher ist seit dem 1. Juni 2019 neuer Kaufmännischer Direktor des Klinikums Bielefeld. Er folgt auf Ulrich Falk, der diese Position seit 2014 inne hatte. Herr Falk verließ das Klinikum Bielefeld, um neue Aufgaben nahe seines Wohnortes zu übernehmen. Als ehemaliger Leiter der Abteilung für Konzerncontrolling und Unternehmensentwicklung der Paracelsus Kliniken Osnabrück ist Nachfolger Maik Büscher an den Arbeitsplatz Krankenhaus und dessen Alltag gewöhnt. Die Geschäftsführung der Klinikum Bielefeld gem. GmbH freut sich darüber, in dem studierten Betriebswirt für Einrichtungen des Gesundheitswesens einen „erfahrenen Krankenhausfachmann“ für das Klinikum gefunden zu haben.

Ein großer Erfolg: Aktiv gegen Krebs – Laufen für das Leben 2019

A

m Sonntag, den 16. Juni 2019 fand der jährliche Spendenlauf „Laufen für das Leben“ bereits zum 13. Mal statt, nun zum dritten Mal im Rahmen der Veranstaltung „Aktiv gegen Krebs – Laufen für das Leben rund um das Klinikum Bielefeld Mitte“ im Park des Klinikums. Über 330 Läuferinnen und Läufer waren diesmal am Start. Das ist ein neuer Spitzenwert für die Veranstaltung. Die Veranstaltung wurde von den Lauf-Profis des TSVE untersützt. Wer aktiv werden wollte, konnte gegen eine Startgebühr von 5 Euro für einen guten Zweck am Lauf um das Klinikum teilnehmen (4,8 km). Die Zeit wurde nicht gemessen. Ab 11 Uhr gab es im Park zudem Informationen zu den Themen Bewegung und Ernährung bei Krebs sowie zur Krebsvorsorge. Das Gynäkologische Krebszentrum und das Brustzentrum des Klinikums Bielefeld informierten über gynäkologische Krebserkrankungen. Zudem standen an den Infoständen des Palliativnetzes Bielefeld e.V., der Selbsthilfe-Kontaktstelle Bielefeld und der Selbsthilfegruppen für Frauen nach Krebs AnsprechpartnerInnen zur Verfügung. Das bunte Rahmenprogramm im Park bot eine große Spielelandschaft und Kinderschminken für die jüngeren Besucher. Mit dem nebenstehenden QR-Code gelangen Sie zu unserem Video-Rückblick.

32


SERVICE

G

eschafft! Im Juli 2019 ist der Kooperationsvertrag zum Aufbau und Betrieb des neuen Universitätsklinikums zwischen der Universität Bielefeld, dem Klinikum Bielefeld, dem Evangelischen Klinikum Bethel und dem Klinikum Lippe unterzeichnet worden. Der Vertrag dient als Grundlage der Zusammenarbeit in klinischer Forschung und Lehre des künftigen Universitätsklinikums Ostwestfalen Lippe der Universität Bielefeld. An der Unterzeichnung des Vertrages waren neben den genannten Kooperationspartnern für die Landesregierung Isabell Pfeiffer-Poensgen (Ministerin für Kultur und Wissenschaft) sowie Karl-Josef Laumann (Minister für Arbeit und Gesundheit) beteiligt. Durch die Einführung der Medizinischen Fakultät in OWL soll Nordrhein-Westfalen um einen Hochschulstandort für Medizin erweitert werden. Ziel ist es, die klinische Ausbildung am Universitätsklinikum OWL zu ermöglichen. Im Wintersemester 2021/2022 soll der Studienbeginn erstmalig aufgenommen werden. Nach einer ersten Anlaufphase werden 2025 über 300 Studierende pro Jahr angestrebt.

Klinikum Bielefeld als Uniklinik

Premiere: Bewerbertag

A

m Samstag, den 14.09.2019 wird das Klinikum Bielefeld am Standort Bielefeld Mitte erstmalig von 10 bis 16 Uhr einen Bewerbertag veranstalten. Herzlich eingeladen sind Berufstätige, Auszubildende, Schüler und Interessierte. Im Vordergrund stehen die Bereiche Ärztlicher Dienst, Pflege, die MTA-Schule, der Funktionsdienst sowie die Dienstleistungs- und Reinigungsgesellschaft mit den Bereichen Ergo- und Physiotherapie. Besucherinnen und Besucher haben die Möglichkeit, sich an Informationsständen sowie bei Führungen und Vorträgen über die Bereiche ihrer Wahl zu informieren. Außerdem wird es zwei Highlights geben: Bei einem Gewinnspiel haben die Teilnehmer die Möglichkeit, ein iPad zu gewinnen. Hierfür ist eine Vorab-Anmeldung zum WhatsApp Live-Ticker erforderlich. Zudem wird es Speed-DatingBewerbungsgespräche mit Vertretern der Berufsgruppen aus dem Personalbereich geben. Für das leibliche Wohl ist mit einem vielseitigen Superfood-Buffet gesorgt. Vorbeischauen lohnt sich!

A

Ausstellung „Zauber der Bäume und des Waldes“ im Klinikum Bielefeld

uf der Palliativstation des Klinikums Bielefeld Mitte werden derzeit Fotografien des Bielefelder Hobby-Fotografen Gerald Paetzer ausgestellt. Die Ausstellung „Zauber der Bäume und des Waldes“ ist zusammengestellt aus Motiven von Wäldern in OWL, Hessen und an der Ostsee. Am Wald begeistert Paetzer besonders das Mystische: „Man könnte fast meinen, sich in einer Märchenwelt zu befinden und zwischen den Baumstämmen Elfen und Geister zu sehen“, schwärmt der Fotograf, der selbst am Klinikum Bielefeld Mitte im Begleitdienst arbeitet. Seine Fotografien sind käuflich zu erwerben, ein Teil des Erlöses wird an die Palliativstation gespendet.

33


SERVICE

klinikumbielefeld unsere kompetenz für ihre gesundheit

VERANSTALTUNGEN von September 2019 bis November 2019

KREISSSAALFÜHRUNGEN IM KLINIKUM BIELEFELD MITTE

MONTAGSGESPRÄCHE DER PALLIATIVSTATION

Veranstaltungsort Klinikum Bielefeld Mitte - Ebene 12

Veranstaltungsort Klinikum Bielefeld Mitte - Seminarraum 2

Bei der Besichtigung von Babytown werden Kreißsaal, Wochenbettstation und die Kinderzimmer vorgestellt. Danach gibt es die Möglichkeit Fragen an die Ärztin und die Hebammen zu stellen. Interessierte treffen sich in der 12. Etage (Babytown) des Klinikums Bielefeld Mitte - direkt vor dem Kreißsaal.

Trauersensible Palliativmedizin – Trauerkomplikationen frühzeitig erkennen Montag, 09. September 2019, 19.00 bis 21.00 Uhr  Referentin: Dipl. Pol. Heidi Müller

Spirituelle Begleitung bei schwer kranken und sterbenden Kindern und Jugendlichen

Termine Mittwoch, 04. September, 18.00 Uhr Dienstag, 17. September, 19.00 Uhr Mittwoch, 02. Oktober, 18.00 Uhr Dienstag, 15. Oktober, 19.00 Uhr Mittwoch, 06. November, 18.00 Uhr Dienstag, 19. November, 19.00 Uhr

Montag, 30. September 2019, 19.00 bis 21.00 Uhr

 Referent: Pfarrer Dr. Erhard Weiher

Gefährdet Krankheit unsere Selbst achtung und Würde? Montag, 18. November 2019, 19.00 bis 21.00 Uhr  Referentin: Nele Röttger (M.A.)

Alle Veranstaltungen finden Sie unter: www.klinikumbielefeld.de/Veranstaltungen-NewsRoom.html

34


SERVICE

Vegetarisch genießen

Tomatencarpaccio Mit Joghurtfrischkäsebällchen

Zutaten für 4 Personen 1

2 EL 6 EL 1 EL 1 EL 2 EL 1 kg 1 60 g 200 g ½ Bund 400 g

Knoblauchzehe Fleur de Sel, Pfeffer, gemahlener Kreuzkümmel Zitronensaft Olivenöl Sesam Sonnenblumenkerne gehackte Pistazienkerne gemischte Tomaten rote Zwiebel grüne Oliven Brunnenkresse Koriander Joghurtfrischkäse

Zubereitung 1. Knoblauch schälen und fein hacken. Mit Salz, Pfeffer, Zitronensaft und Olivenöl verrühren. Sesam, Sonnenblumen- und Pistazienkerne, ½ TL Salz und ½ TL Kreuzkümmel kurz anrösten. 2. Tomaten waschen, in feine Scheiben schneiden. Die Zwiebel schälen, in Ringe schneiden. Oliven entsteinen. Brunnenkresse und Koriander waschen, trocken schütteln. Alles mit dem Dressing mischen, anrichten. Mit Kernen bestreuen. Den Joghurtfrischkäse als Bällchen darauf anrichten. Guten Appetit!

35


SERVICE

Ein mexikanisches Fest der Farben und Aromen!

Chicken-Fajitas

36

Zutaten für 4 Stück

Zubereitung

5 EL 3 je ¼ TL TL 2 TL 450 g 1 1 1 150 g 400 g

In einer Schüssel 3 EL Öl mit Knoblauch, Salz, Kreuzkümmel, Paprikapulver, Zucker, Chili und Limettensaft verrühren. Zwiebel und Paprika in Streifen schneiden. Avocado in zwei Hälften schneiden, Kern vorsichtig entfernen, Fruchtfleisch in Streifen schneiden. Kirschtomaten halbieren. Mais abtropfen lassen. 2 EL Öl in einer Pfanne erhitzen und die Hähnchenbrustfilets darin anbraten, die Würzsoße dazugeben. Zwiebel, Paprika und Mais hinzufügen und weiterbraten, bis alles gar ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Jeweils ¼ Füllung auf einen Tortilla-Fladen verteilen, zusammenfalten und eventuell mit einem kurzen Spieß fixieren. Zu den Chicken-Fajitas schmecken Avocadospalten und Kirschtomaten.

El Öl gehackte Knoblauchzehen Salz, Kreuzkümmel, Paprikapulver, Zucker Chilipulver frischer Limettensaft Hähnchenbrutstfilet Zwiebel rote Paprika Avocado Kirschtomaten Mais aus der Dose Pfeffer, Salz Mais-Tortillafladen Koriander zum Garnieren


SERVICE

Wassermelonen-Feta-Salat An heißen Tagen genau die richtige Erfrischung!

Zutaten für 4 Personen

Zubereitung

1 kg 2 80 g ½ Bund 350 g

Melone in Spalten schneiden, Schale entfernen. Das Fruchtfleisch in große Würfel schneiden. Limetten waschen, trocken reiben, halbieren und den Saft auspressen. Die Melone mit Limettensaft beträufeln. Walnüsse in einer Pfanne ohne Fett leicht anrösten, aus der Pfanne nehmen, abkühlen lassen und grob hacken. Die Minzblätter waschen, trocken schütteln und Blättchen von den Stielen zupfen. Wassermelone in einer Schale oder auf einem Teller anrichten. Den Feta-Käse grob darüber bröseln. Nüsse, Minze und ein wenig Pfeffer darüberstreuen, mit Olivenöl beträufeln. Fertig!

2 EL

Wassermelone, kernlos Bio-Limetten Walnusskerne Minze Feta-Käse frisch gemahlener Pfeffer Olivenöl

37


RÄTSELSPASS

RÄTSELN...

Senden Sie das Lösungswort im Betreff an: info@klinikumbielefeld.de und gewinnen tolle Preise. Unter allen Einsendungen verlosen wir einen Bluetooth-Kopfhörer.

1. Wie heißt die linke Seite eines Schiffs? 2. Was benutzen Piraten, um in die Ferne sehen zu können? 3. Was tragen die meisten Piraten im Gesicht? 4. Wie werden Piraten noch genannt? 5. Welches Tier haben Piraten oft auf ihrer Schulter sitzen? 6. Welchen Kopf findet man meist auf Piratenflaggen? 7. Was sagen Piraten zur Begrüßung? 8. Was trinken Piraten gerne?

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Einsendeschluss ist der 30.09.2019

... UND GEWINNEN

2

1

6

5 7 2

3 7 1

8 4 5

4 3

6

Das Lösungswort lautet: 1

FINDE DEN RICHTIGEN SCHATTEN... 38

2

3

4

5

6

7


RÄTSELSPASS

FINDE DIE 10 FEHLER IM RECHTEN BILD!

UNSER PIRAT IST AUF SCHATZSUCHE. ZEIGE IHM DEN WEG!

VERBINDE DIE ZAHLEN! Wer versteckt sich hier? Verbinde die Zahlen und finde es heraus!

39


klinikumbielefeld unsere kompetenz für ihre gesundheit

Sprich mit uns am Bewerbertag, Informier Dich über spannende Berufe*, und gewinne . ein

iPad

#teildesganzen

* Wir stellen uns vor: Ärztlicher Dienst, Pflege, MTA, Funktionsdienst, Dienstleistungsgesellschaft, Ergotherapie, Physiotherapie, Reinigungsgesellschaft

BEWERBER TAG Samstag 14.09.2019 10 bis 16 Uhr

Jetzt via WhatsApp mit dem Stichwort BEWERBERTAG anmelden und das iPad gewinnen! 0152/029 415 47

Klinikum Bielefeld gem.GmbH Teutoburger Straße 50, 33604 Bielefeld


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
VISITE Ausgabe 2/2019 by Klinikum Bielefeld - Issuu