Müller/Heinicker, Schöne Post

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Schöne

Tabea Heinicker Michaela Müller



Tabea Heinicker Michaela Müller

Schöne Post


Autor Name | Kolumnentitel | 2

Foto


Tabea Heinicker Michaela MĂźller

SchĂśne Post Papeterie gestalten, mit Handschrift spielen, Postkunst austauschen

Haupt Verlag


Schöne Post | 4

Inhalt 06 08 09 10 12 14

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Brieffreundschaft | Posteingang Tabea Heinicker | Geringswalde Michaela Müller | Bergisch Gladbach Post-Kunst-Werk | Ein virtuell analoges Mitmachprojekt Die zwei Seiten dieses Buches | Kleine Gebrauchsanweisung Werkzeug | Tabea | Michaela

Schreibtisch Michaela

Schreiben 18 20 21 22 24 26 30

Wo schreibst du? | Am Schreibtisch Worauf schreibst du? | Papierkunde Angeklemmt | Briefbrett Sortiertes Chaos | Ordnung in Fächern Out of the box | Einfache Schachteln Briefkasten | Schachtelbau Gastbeitrag Svea Winkler

Tabea 50 52 54 56 58 60 62 64

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Charakter | Gruß aus dem Schriftmuseum Schriftbild | Schriftvielfalt Me-Moodboard | Die eigene Arbeitsweise Zwischen den Zeilen | Papier mit Lineatur gestalten Schachtelsatz | Einen Briefbogen layouten Schöner Anfang | Initialen gestalten Buchstaben erzählen | Initialen aus Handschrift Gastbeitrag Chris Campe

Musterpapiere Michaela · Tabea 34 36 39 40 42 44 46

Glücksinspiration | Auf der Wiese Glücksdruck | Gelli-Print Herzblatt in Serie | Musterentwicklung Drucken mit der Scheibe | Monoprint Schablonenglück | Schablonendruck mit Folie Glück zum Fühlen | Relief-Schablonendruck Gastbeitrag Carmen Strohecker-Lauber

Hüllen Michaela 68 70 72 74 76 78 79 80 82

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Verhüllt und eingetütet | In der Papeterie Regelwerk | Formate Umgeschlagen und fertig | Briefhüllen falten Brief-Geometrie | Konstruktion Verschließen | Klebeband und mehr Gefüttert … | Veredelte Hüllen und versiegelt | Brief und Siegel Siegelstempel | Selbst geschnitzt Gastbeitrag Kristina Schaper


Adressieren Tabea 86 88 92 94 96 98 100 104 106

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Unterwegs Michaela 146 148 150 152 154 156

Austausch

Michaela

Tabea

Rund ums Jahr | Am Küchentisch Schnittblumen | Scherenschnitt zum Geburtstag Schneiden und Schnitzen | Stempelentwurf Mit guten Wünschen | Sticker und Postkarten Lauf des Lebens | Hochzeiten und Todesfälle Alle Jahre wieder | Weihnachtlicher Schablonendruck Gastbeitrag Angelika Schäfer

Füllung Tabea 126 128 132 134 136 140 142

Aufmerksamkeit | In der Eisdiele Briefroman | Ein Buch in den Umschlag binden Mini-Set | Eine Briefpapier-Mappe gestalten Mini-Mini-Set | Ein Briefschreib-Set entwerfen Mini-Album | Ein einfaches Lederbuch binden Briefschachtel | Eine robuste Schachtel bauen Gastbeitrag Mano Kellner

160 162 164 168 170 172 176 180

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Grüße aus der Ferne | Auf Reisen Pack die Brief-Tasche | Kreatives Gepäck Reiseplanung | Karten und Farben Edition Malaysia | Postkarten aus Asien Schnipselpost | Collage-Karten Gastbeitrag Sabine Ickler

Events 110 112 114 116 118 120 122

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Beschriftung | Im Café Adressbuch | Ein flexibles Adressbuch gestalten Post-Mixmedia | Beschrifte nach Gusto Die gute Etikette | Adressschilder-Scherenschnitt Zierrahmen | Strichzeichnung von der Scheibe Schön platziert | Adressfelder aus Motivstempeln Icon-Stempel | Namensstempel Absender | Die Adresse reproduzieren Gastbeitrag Lukas Horn

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Botschaften | Aus der Bücherei Makulatur-Briefpapier | Künstlerische Basis Bildbrief | Impressionen festhalten Große Worte | Formatfüllende Sprüche versenden Post mit Format | Einen XXL-Brief schreiben Patchpost | Briefe zu einem Wandbild nähen Waisenbindung | Lose Karten zusammenbinden Gastbeitrag Therese Olivier

Anhang

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184 Unsere Gäste 185 Mach mit | Wie funktioniert die Postkunst? 186 Sponsoren Bezugsquellen Literatur 187 Vorlagen

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Nur eine kleine Auswahl aus Michaelas Briefsammlung


Posteingang | Hast du heute schon in den Briefkasten geschaut? Rechnungen und Werbung? Schade eigentlich. Niemand muss heute Briefe schreiben. Kommunikation ion ber findet auf vielen anderen Wegen statt, viel schneller, aber auch viel flüchtiger. In unserer digitalen Zeit haben ein von Hand geschriebeebener Brief oder eine schöne Postkarte an Wert gewonnen, nen, weil sie selten geworden sind und viel mehr senden als den reinen Inhalt. Schon auf dem Umschlag erkenne ich eine vertraute Handschrift, finde schöne Briefmarken und Spuren der Reise. Während ich öffne und lese, höre ich die Stimme des Absenders. Ich tauche in den Brief ein, derr in meinen Händen raschelt. In der Corona-Krise, in der wir dieses Buch vollenden, kommt gerade wieder ein neues ues Bewusstsein für den Wert des Briefes auf, der ein greifbafbarer Ersatz für eine echte Begegnung sein kann. Dem analogen Brief haftet die Vorstellung des Entstesteomhungsprozesses mit an. Der Absender hat sich Zeit genommen, Papier ausgesucht, vielleicht den guten Füller genommen, hat an mich gedacht und sich zusätzlich zum um Inhalt der Botschaft auch Gedanken über die Form gemacht. Wäre es nicht schön, öfter solche Schätze im Briefriefkasten zu finden? Nicht nur zum Geburtstag und an Weiheihhafnachten? Beschenken wir uns selbst mit Brieffreundschafnstten, kultivieren wir das Briefeschreiben unter künstlerischen Aspekten und erhalten Antworten, die wir aufbewahren und nach vielen Jahren noch zur Hand nehmen men können. Dazu wollen wir einladen und dich mitnehmen men an Orte, die zum Briefeschreiben inspirieren.

Postbündel aus Tabeas Kindheit, das mit anderen schriftlichen Erinnerungen in eine kleine Schachtel passt

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Brieffreundschaft


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Tabea Heinicker Geringswalde | Das Briefeschreiben begleitet mich seit meiner Kindheit. Einerseits ist es mir sehr leicht gefallen, schreiben zu lernen, andererseits hatte ich so große Probleme mit der Rechtschreibung, dass mich meine Lehrer aufgaben. Meine Liebe zu Buchstaben und Büchern, zum Schreiben und Lesen entwickelte sich auf einem anderen Planeten, meinem ureigensten. Meine kreative Entwicklung ist linear. Nach dem Realschulabschluss kamen eine Ausbildung und Fachabitur mit dem Schwerpunkt Gestaltung, worauf mein Studium der Visuellen Kommunikation an der Bauhaus-Universität in Weimar anschloss. Seit 2000 bin ich selbstständige Designerin. Ich lebe von Grafikdesign-Aufträgen, gebe kreativen Unterricht, leite mit Michaela das Post-Kunst-Werk und nun schreibe ich Bücher. Zu Schulzeiten pflegte ich einen besonderen Briefaustausch mit meiner Banknachbarin Sabine. Im Studium begegnete mir der Mailart-Künstler Jürgen O. Olbricht und meine ersten »Open Call«-Postkarten entstanden. International nahm ich bis 2009 an unterschiedlichen Projekten teil. Ich geriet in einen Austausch mit dem Künstler Schoko Casana Rosso (alias Christian Mildbrand, verstorben 2014). Christians Art der Projektplanung war mir ein Vorbild, es entstanden hochwertige Künstlerbücher, eine Herausforderung für die Teilnehmer. Unsere PostkunstPhilosophie orientiert sich daran.

2011 eröffnete ich meinen Blog und Michaela war meine erste Leserin. Schnell merkten wir, wie gut wir uns ergänzen und trotz der unterschiedlichen Herangehensweisen miteinander arbeiten konnten. An Michaela bewunderte ich die Leichtigkeit, mit der sie stetig die schönsten Muster, Farbkombinationen und Gestaltungsideen postete und viele anregte mitzumachen. Man sieht ihrer Arbeit die Freunde am Schaffensprozess an, frei von Verkopftheit und Perfektionismus. Das Post-Kunst-Werk wuchs über die Jahre zu einem regen Austauschort für kreative Frauen, die das Briefschreiben schätzen. Zwischen Selbstständigkeit, Haushalt und Kinderhüten sind die Postkunst-Projekte kreative Inseln im Alltag. Diese Arbeit so viele Jahre ernst zu nehmen, hat mir kreative Resilienz eingebracht, die ich nicht missen möchte. Das Arbeiten in unikater Serie ist eine wertvolle Auseinandersetzung, das Abwägen der Machbarkeit, das Kalkulieren des Materials, die Visualisierung des Themas. Der Knackpunkt liegt für mich darin, dass ich in der Auseinandersetzung mit meinem Machen in einen Dialog mit anderen gerate. Und somit über den Postaustausch anders arbeite, als würde ich es für mich alleine tun.


Bergisch Gladbach | Briefeschreiben und schöne Post sind für mich etwas Natürliches, das zum Leben dazugehört. Angefangen von der Korrespondenz mit meiner älteren Schwester, über Brieffreundschaften während der Schulzeit bis zu vielen Briefen und Karten, die ich zu allen Gelegenheiten verschicke. Nach einem sehr inspirierenden Kunst-Leistungskurs im Gymnasium hatte ich keine Alternative zum GrafikdesignStudium, es gab keinen Plan B. An der Fachhochschule in Münster konnte ich mich in Illustration, Typografie und Grafik austoben. Nach dem Diplom und zwei intensiven Jahren in einer Design-Agentur, habe ich mich früh selbstständig gemacht und arbeite nun seit fast 25 Jahren als freiberufliche Designerin. Mit meinem Blog, den ich seit 2010 wöchentlich füttere, kann ich meine freie gestalterische Seite unabhängig von Kundenaufträgen ausleben. Daraus ergaben sich nach und nach immer mehr interessante Projekte und Workshops, die in meine beiden ersten Bücher und 2019 in die Eröffnung des Müllerin-Art-Studios mündeten, wo ich kreativen Menschen die Möglichkeit zum Experiment mit Papier und Stoff biete.

Bei einem unserer seltenen Treffen in der Planungsphase dieses Buches im Müllerin-Art-Studio. Unten Tabea an meinem Schreibtisch

Meine Post hatte nie den Anspruch, Kunst zu sein; ich will nur gut gestalten, bin ich doch eher die Designerin als die Künstlerin. Eine Karte zu verschicken, die ich nicht selbst gestaltet habe, fällt mir schwer. Deshalb entwerfe ich schon seit Jahren im Urlaub eigene Unikat-Postkarten-Kollektionen. 2014 habe ich ein Jahr lang jeden Tag eine Postkarte verschickt, fast alle selbst gestaltet, und dafür sehr viel positive Resonanz bekommen. Als ich 2011 in meinem jungen Blog dazu aufrief, mir im Sommer zu schreiben, konnte ich nicht ahnen, welche Welle ich lostrete. Tabea war von Anfang an dabei – ihre Farbwelt, ihr genauer Blick und der unverwechselbare Strich waren mir von Anfang an sympathisch. Sie war diejenige, die den einfachen Postaustausch auf eine künstlerische Ebene hob. Seitdem haben wir eine Post-Kunst-Community aufgebaut, die sich dreimal im Jahr über Anstöße zu neuen Techniken und Sichtweisen und über viel wunderschöne Post im Briefkasten freut. Die virtuelle Ateliergemeinschaft, in der Tabea und ich über 500 km Distanz zusammenarbeiten, ist mir sehr wertvoll. Wir pflegen einen täglichen Austausch, ein PingPong-Spiel über alle Kommunikationskanäle, bei dem wir gemeinsam so viel bessere Ideen haben, als es alleine möglich wäre. Tabea war nach vielen Jahren Austausch auch diejenige, die die Idee zu diesem Buch hatte. Damit rannte sie bei mir offene Türen ein, obwohl mein letztes Buch »Stoff trifft Papier« noch gar nicht fertig war.

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Michaela Müller


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Post-Kunst-Werk Ein virtuell analoges Mitmachprojekt | Seit 2012 motivieren wir dreimal jährlich kreative Frauen zu experimentieren: sich Drucktechniken annähern, Buchbindetechniken ausprobieren, sich kreativ und künstlerisch weiterentwickeln, Spaß haben. Am Ende landet alles im Briefkasten. Das Post-Kunst-Werk gibt im Blog und auf Instagram den äußeren Rahmen vor, setzt Termine, Themen, Techniken und koordiniert die Anmeldung und Bildung der GruppenListen. Auch können die Ergebnisse verlinkt oder per Hashtag auf Instagram verfolgt werden. Die Teilnehmerinnen zeigen ihre Entstehungsgeschichten sowie die erhaltene Post gern per Social Media. Es finden sich sogar kleine Gruppen, die sich an einen Tisch setzen, um in Gemeinschaft kreativ zu sein. Diese Entwicklung freut uns sehr! Es gibt die Frühlingspost, die Sommerpost und die Adventspost. Die wärmere und hellere Jahreszeit nutzen wir gern, um in kleineren Gruppen neue Techniken auszuprobieren. Umschlag und Verpackung sind Teil des Kunstwerks, die persönliche Handschrift ist wichtig. Wir setzen uns mit der Verwendung hochwertiger Materialien auseinander, thematisieren die Farbe, den eigenen Stil. Die Adventspost, die beliebteste Aktion, ist eine Postkarten-Serie von 24 Stück. Ein künstlerischer Adventskalender: jeden Tag eine Karte. Wir möchten die Teilnehmerinnen einerseits inspirieren und herausfordern, andererseits lassen wir viel Platz für eigene Ideen und Experimente. Im Kreise der Teilnehmerinnen kann jede ihren Stil weiterentwickeln und sich durch die Werke der anderen inspiriert fühlen. Unsere Postkunst-Projekte eignen sich, um Kreativität, Handwerk und künstlerisches Arbeiten im Alltag zu integrieren. Mittlerweile haben wir viele regelmäßige Teilnehmerinnen gewonnen; Brieffreundschaften sind entstanden. Alle Infos, wie du bei der Postkunst mitmachen kannst, findest du auf Seite 185.

Sommerpost 2013: »Sommer in der Schachtel«

www.post-kunst-werk.de @post.kunst.werk.blog


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Die zwei Seiten dieses Buches Kleine Gebrauchsanweisung | Dieses Buch hat zwei Autorinnen und zeigt somit zwei Ansichten und künstlerische Herangehensweisen. Ein Perspektivwechsel ist schließlich auch Grundlage eines Briefaustauschs. Als wir im Frühjahr 2019 »Brieffreundschaft« über unser Postkunst-Projekt schrieben, fühlte es sich so an, als seien wir angekommen. Wir können auf ein gutes Team, eine kreative, treue und freundliche Gemeinschaft postliebender Frauen blicken. Unsere Erfahrungen, die wir im Laufe der Jahre mit und an der Arbeit der Postkunst sammelten, haben wir hier verdichtet. Zugutekommt uns, dass wir im Post-Kunst-Werk interdisziplinär und projektorientiert arbeiten. Ähnlich wie bei der Postkunst stehen in diesem Buch Schrift, Papier, künstlerische Technik, Farbästhetik, Inhalt und Objekt im Vordergrund. Die Arbeit am Buch hat uns weitergebracht und zeigt, dass das Thema noch lange nicht erschöpft ist.

Tabea fühlt sich in selbst gebundenen Büchern am wohlsten: ein Wochenplaner für Gedanken, Skizzen und Vorhaben.


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Abwechselnd haben wir die Autorenschaft für ein Kapitel übernommen. Im Inhaltsverzeichnis siehst du, welche Beiträge von wem stammen: Michaela oder Tabea. Vielleicht errätst du es auch am Schreibstil, am Layout, an den Arbeitsplatten, den Werkzeugen und vor allem an der Artt und Weise, wie wir uns dem Thema nähern und es umsetzen. Briefeschreiben ist so individuell wie ihre Verfasserinnen, dies soll auch im Buch Wirkung zeigen. Schau uns über die Schultern und passe alles deinen persönlichen Vorlieben und Begabungen an. Es gibt Schritt-für-Schritt-Anleitungen, um Techniken zu veranschaulichen. Jedoch steht auch vieles zwischen den Zeilen, und nicht jede Idee wird ins Kleinste erklärt. So istt es uns wichtig, dir viele Projekte und Möglichkeiten zu zeigen, ohne jedes zu vertiefen. Wir möchten dich anregen, selbst kreativ zu werden. Natürlich darfst du dich an unseren Arbeiten und Ideen orientieren. Größen, Musterund Farbkombinationen, Material und Ähnliches sind abwandelbar, wozu wir aufmuntern. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Ein Brief ist authentisch, er darf Spuren und Persönlichkeit zeigen, die nur du ihm beisteuern kannst. Alle Briefe in diesem Buch sind echt und, mit wenigen Ausnahmen, extra für dieses Buch entstanden. Die Kapitel und Projekte stehen für sich, sind jedoch thematisch so angeordnet, dass sie aufbauend die Facetten des Postschreibens verdeutlichen. Im letzten Kapitel regen wir dazu an, eigene Post-Projekte ins Leben zu rufen, um in einen Austausch mit anderen zu kommen. Um die Vielfalt der Postt zu verdeutlichen, haben wir Gäste eingeladen, die uns Post passend zum Thema der Kapitel schickten. Dafür haben wir Freunde und Kollegen angeschrieben, die uns am Ende eines jeden Kapitels per Post antworten.

In Michaelas Jahresplaner aus einer Mischung aus Stoff und Papier sammeln sich Termine, Ideen und Projekte.


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Out of the box Einfache Schachteln | Schuhkartons sind der traditionelle Aufbewahrungsort für Briefe. Ich habe einige Schachteln voller alter Korrespondenz und das Wühlen darin ist eine Reise in die Vergangenheit. Aber auch Kleinkram will gut verstaut sein. Einfache Faltschachteln eignen sich perfekt dazu. Schachteln, Kisten oder Boxen kann ich nie genug haben. Manchmal frage ich sogar extra im Schuhgeschäft nach leeren Kartons – gerade kleine Kinderschuh-Kartons sind wunderbar als dekorativer Aufbewahrungsort für kreativen Kram. Natürlich bleiben die Kartons nicht im Originalzustand, sondern ich beklebe sie mit schönem Musterpapier. Das funktioniert am besten mit einer Mischung aus Buchbinderleim und Kleister, mit dem ich die einzelnen Seiten der Schachtel nach und nach mit passend zugeschnittenem Papier beklebe. Natürlich wird das nicht immer perfekt und durch die zusätzliche Papierschicht icht wird die Schachtel enger und manchnchmal sitzt dann der Deckel etwas twas stramm, aber das finde ich grundsätzsätzlich nicht schlimm.

Noch einfacher sind kleine Faltschachteln aus Papier, die du ganz ohne Kleber und Schere herstellen kannst. Ich beschreibe hier eine Technik, die mir eine Kursteilnehmerin gezeigt hat. Es gibt noch viele andere Varianten von Origamischachteln. Diese hier sind sehr leicht und funktionieren am besten bis zu einer Größe von ca. 60 × 90 mm (aus einem Bogen DIN A5). Kleinkram auf dem Schreibtisch oder in der Schublade, von der Büroklammer über Briefmarken bis zu Stempel oder Klebeband, lassen sich darin dekorativ aufbewahren.

Die leichten Faltschachteln sind nicht geklebt, lassen sich wieder auseinanderfalten oder auch flach verschicken (siehe Post an Svea auf Seite 30).


Material: Papier, DIN A5, 90–130 g/m²

(1) Ein rechteckiges Papier, zum Bei-

spiel im Format DIN A5, falte ich mittig und wieder auf; (2) die beiden kurzen Kanten falte ich zur Mittellinie. (3) In die andere Richtung falte ich genauso, bis dieses Gittermuster entstanden ist. (4) Ich lege das Papier quer und falte die beiden äußeren Seiten nach innen und (5) dann jeweils die Ecken zur nächsten Faltlinie. Dadurch bleibt ein Papierstreifen zur Mitte hin stehen. (6) Diesen falte ich nach außen und kann die Schachtel dann nn komplett auffalten. Der umgenn dann klappte klappp Streifen hält die Schachtel zusammen. zusa zu sam sa m

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Dieses Schächtelchen ist in Originalgröße abgebildet, es wurde aus einem Papier in Postkarten-Größe gefaltet.

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Michaela M Mi icch hae aela la | Schreibtisch Scch hrre eib ibtisscch | 25 25

Faltschachteln


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Briefkasten

Rohbau

Schachtelbau | Du brauchst gar nicht unbedingt einen festen Platz zum Schreiben, du kannst alle deine Utensilien für schöne Post in einer Box sammeln und aufbewahren. Diese »Mailbox« steht dekorativ im Regal oder auf dem Tisch und kommt mit an den Platz, an dem du sschreiben möchtest. IIm Gegensatz zu dem einfachen Schuhkarton und den FFaltschachteln von der vorherigen Seite ist dies eine gganz besondere Schatzkiste: ein »Briefkasten«, selbst ggebaut und mit eigenen Papieren bezogen. Mein Kasten hat eine Grundfläche von 25 × 25 cm und iist 16 cm hoch. So passen sowohl Umschläge im DIN-Lang-Format quer und Postkarten hochkkant hinein. Das Format kannst du bei einem sselbst gebauten Kasten, einer Kassette oder SSchachtel selbst bestimmen und genau auf deine Bedürfnisse abstimmen. Diese Box bbeherbergt nun Umschläge und Karten, übersichtlich sortiert und mit einem ü ppraktischen Klappdeckel verschlossen.

Diese Mailbox ist bezogen mit einem Musterpapier-Mix von Tabea und mir.

(1) Kräftige Graupappe schneide ich

mit Cutter und Lineal oder mit der Schneidemaschine zu. Deckel und Boden sind genau gleich groß. Zwei Seitenteile haben die gleiche Breite wie der Boden, die beiden anderen sind kürzer (minus zweimal die Pappstärke). Vom Buchbinderleinen schneide ich zwei ca. 6 cm breite Streifen zu: Ein Streifen ist ca. 4 cm länger als der Deckel, der andere ca. 1 cm kürzer. (2) Ich verteile unverdünnten Buchbinderleim mit dem Pinsel auf der Unterkante eines Seitenteils und platziere es auf der Kante des Bodens. Die drei anderen Seitenteile klebe ich nach und nach an. Dabei sehe ich auch, ob die Maße stimmen, eventuell korrigiere ich vor dem Kleben noch etwas. Überschüssigen Leim wische ich ab. Vorübergehend, bis der Leim richtig getrocknet ist, fixiere ich die Pappen mit Kreppklebeband. (3) Wenn die Schachtel stabil ist, leime ich den langen Streifen Buchbinderleinen von hinten ein, platziere die Rückseite der Schachtel ganz oben darauf und den Deckel mit einem Abstand von etwas mehr als zwei Pappstärken, damit der Deckel geklappt werden kann. Ich schneide den überstehenden Leinenstreifen ein und klappe die Seiten um. Den kürzeren Leinenstreifen klebe ich nun von innen dagegen. (4) Den Falz kann ich mit dem Falzbein schön ausarbeiten. Der Rohbau ist fertig!


Boden

Bezug Deckel

Seitenteil kurz 1

Material:

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3

6

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Graupappe, 2 oder 3 mm Buchbinderleinen Buchbinderleim Kleister Kreppklebeband buntes Papier Werkzeug: Cutter oder Schneidemaschine Metalllineal Schere Pinsel Falzbein Ahle oder Nadel

Das Papier zum Beziehen der Box schneide ich nach und nach für jede Seite der Box passend zu. Ich benutze selbst gedruckte Bögen aus 120 g/m² schwerem Zeichenpapier und Kraftpapier im Format DIN A3. Ich mag es, wenn jede Seite ein anderes Muster hat, die Farben jedoch zusammenpassen. Zum Beziehen verwende ich eine Mischung aus Buchbinderleim und Kleister. Durch den Kleister lässt sich der Leim leichter verstreichen und nach dem Aufkleben noch eine Zeit lang verschieben. (5) Ich beginne mit dem Deckel. Das äußere Papier schneide ich an drei Seiten ca. 2 cm größer zu als die Pappe, leime die Rückseite mit dem Kleister-LeimGemisch gleichmäßig ein und platziere es knapp über der Leinenkante. Die anderen drei Kanten schlage ich ein. (6) Bevor ich von der Innenseite ein anderes Papier (»Spiegel« genannt, rundum ca. 5 mm kleiner als der Deckel) gegenklebe, kann ich als Verschluss ein Band mit einer Perle provisorisch mit Klebeband ankleben. Der Spiegel verdeckt später diese Stelle. (7) Die vier Seiten der Box beklebe ich nach und nach ebenso, die Papiere sind oben und unten jeweils ca. 2 cm länger als die Pappe, nur an der Rückseite wird das Papier knapp über den Leinenstreifen geklebt. Zwei gegenüberliegende Seiten sind breiter als die Pappen und werden zuerst um die Ecken der Box geklebt. Die beiden anderen Seiten sind nur minimal kürzer und werden im Anschluss darübergeklebt.

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Seitenteil lang

Seitenteil lang

Seitenteil kurz


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Innenleben

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Den Kasten von innen zu beziehen, ist etwas kniffelig, da solltest du nicht zu streng mit dir sein. Ich schaffe es auch meist nicht ohne Leimflecken und kleine Knicke, was soll’s! (8) Ich fange damit an, den Boden von innen zu bekleben, das ist das Schwierigste. Das Papier schneide ich rundum 2 cm größer als den Boden zu, lege es auf die Schachtel, um die richtige Schnittposition zu ermitteln, schneide die Ecken ab und nutze eine Ahle oder Nadel, um zu markieren, wo die inneren Ecken sind. Bis zu diesem Loch schneide ich die Ecke ein. Um mir das Positionieren zu vereinfachen, kann ich die Kanten auch umknicken. (9) Dann wird das Papier auf der Rückseite eingeleimt – hier ist die Kleisterbeimischung wichtig, damit ich das Papier noch etwas verschieben kann. Ich platziere es vorsichtig im Inneren der Schachtel, versuche die Ecken zu treffen und drücke das Papier in die Kanten. Für die Innenaufteilung der Box beziehe ich Pappstücke, die möglichst knapp in die Schachtel passen, rundum mit Papier und klebe sie an den Kanten fest. Das gelingt mir nie ohne Leimspuren, diese schnell wegwischen! Ich drehe die Box mit der Öffnung nach unten und beschwere die Box von außen, damit sich die Pappstücke mit der Box verbinden und die Bezugspapiere sich glatt ziehen.

Die Türen des Schränkchens sind mit kleinen Schraubknöpfen versehen und ein Herzchen aus SnapPap verschließt sie.

Nach dem gleichen Prinzip wie der Briefkasten ist dieses Schränkchen gemacht. Nur ist es hochkant aufgestellt und hat zwei Türen anstatt eines Deckels – ein Mini-Brief-Möbel für den Schreibtisch.


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Post von Post von

Svea Winkler Svea Winkler swig-filz-felt-feutre.blogspot.com


Impressum 1. Auflage 2020 ISBN 978-3-258-60223-3 Illustrationen, Fotografie, Umschlag, Gestaltung und Satz: Tabea Heinicker, D-09326 Geringswalde, www.tabeaheinicker.de Michaela Müller, D-51465 Bergisch Gladbach, www.muellerin-art-studio.de S. 9: Porträtfoto Monika Nonnenmacher Lektorat: Antje Krause Schriften: Weidemann, Fago, LiebeGerda @liebefonts Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 2020 Haupt Verlag, Bern Jede Art der Vervielfältigung ohne Genehmigung des Verlages ist unzulässig. Wir verwenden FSC-Papier. FSC sichert die Nutzung der Wälder gemäß sozialen, ökonomischen und ökologischen Kriterien. Gedruckt in Deutschland

Diese Publikation ist in der Deutschen Nationalbibliografie verzeichnet. Mehr Informationen dazu finden Sie unter http://dnb.dnb.de Der Haupt Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2016–2020 unterstützt. Wir verlegen unsere Bücher mit Freude und großem Engagement. Daher freuen wir uns immer über Anregungen zum Programm und schätzen Hinweise auf Fehler im Buch, sollten uns welche unterlaufen sein. Falls Sie regelmäßig Informationen über die aktuellen Titel im Bereich Gestalten erhalten möchten, folgen Sie uns über Social Media oder bleiben Sie via Newsletter auf dem neuesten Stand! www.haupt.ch



Mit diesem Buch inspirieren Micha ela Müller und Tabea Heinic ker zum Briefesch reiben unter künstlerischen Asp ekten. Abwechse lnd stellen sie kreative Techn iken, Projekte un d Ideen zum Verschicken vor: vo m schablonierten Briefpapier über die schwun gvoll inszenierte Etikette hin zur gebundenen Reisepost-Mappe.

ISBN 978-3-258-60223-3