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Siedlung Halen – Meilenstein moderner Siedlungsarchitektur


Siedlung Halen Meilenstein moderner Siedlungsarchitektur

Heinz J. Zumbühl Barbara Miesch Oliver Slappnig Peter Kühler (Hrsg.)

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Siedlung Halen Meilenstein moderner Siedlungsarchitektur

Heinz J. Zumbühl Barbara Miesch Oliver Slappnig Peter Kühler (Hrsg.)

Haupt Verlag Bern · Stuttgart · Wien

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Diese Publikation erscheint anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Siedlung Halen.

1. Auflage: 2010 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. ISBN 978-3-258-07616-4 Alle Rechte vorbehalten. Copyright © 2010 by Haupt Berne Jede Art der Vervielfältigung ohne Genehmigung des Verlages ist unzulässig. Gestaltung und Satz: Oliver Slappnig, Herrenschwanden Englische Übersetzung: J. Roderick O’Donovan, Wien Druckvorstufe: Lithwork AG, Niederwangen Umschlagbild: Croci & du Fresne, Ittigen Printed in Germany www.haupt.ch

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Eine urbane Siedlung mitten im Wald, hoch über der Aare. Aus der Luft zeigt sich ein Wechselspiel aus Baumkronen, Grasflächen und Sichtbeton. Die Halenbrücke aus Spannbeton verbindet die Siedlung Halen mit der Stadt Bern.

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Inhalt

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Vorwort der Herausgeber

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«… really doing honor to Switzerland»_Die Siedlung Halen, ihre Entstehung und Rezeption. Einführung von Hubertus Adam

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«Halen war als vollständig vorfabrizierte Anlage geplant.» Gespräch mit Alfredo Pini

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«Ohne Göhner gäbe es wahrscheinlich weder das Atelier 5 noch die Siedlung Halen.» Gespräch mit Hans Hostettler

37

«Verantwortungsgefühl für längerfristig gültiges Design» Gespräch mit Hans Eichenberger

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Die Siedlung Halen nach 50 Jahren: Auslaufmodell oder wegweisend für das 21. Jahrhundert? von Hans-Luzius Schmid

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«… meine wunderbare Waldwiese!» Inside Halen_Texte aus der Siedlung

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Bildstrecken_Aussenansichten, Innenansichten

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Anhang

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Pläne und technische Angaben

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Chronologie Siedlung Halen 1954–2010

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Gutachten des Heimatschutzes / Protokoll der Gemeindeversammlung Kirchlindach von 1955

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Halen auf der Karte

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‘… really doing honor to Switzerland’_The Halen estate, its origins and reception. Introduction by Hubertus Adam

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Literaturverzeichnis

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Dank der Herausgeber

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Fototermin_Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung Halen am 5. Juni 2010

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Über die Herausgeber

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Vorwort der Herausgeber

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nde Juni 1955 wird die alle bisherigen Formen in einzigartiger Weise sprengende Wallfahrtskirche Notre-Dame-duHaut von Ronchamp fertiggestellt. Le Corbusiers revolutionäres Gotteshaus, das Besucher und Fachwelt in höchstem Grade polarisierte, ist ein Solitär: «Ein Bau der Zitate, Erinnerungen, … historischer Architekturen und Naturformen.»1) Ronchamp wird so zu einem gebauten Manifest, das die Moderne verändert und bis heute Architekten auf der Suche nach neuen Formen und Räumen inspiriert. Die weltweite Wirkung Le Corbusier’s setzte nicht erst mit Ronchamp ein. Das zeigt das Konzept der Siedlung Halen in Herrenschwanden/CH in exemplarischer Weise. Im August 1955 reicht das Berner Atelier 5 das Baugesuch für die Überbauung Halen ein, auch ein Projekt, das mit der überkommenen Bauweise radikal bricht. Das für diese architektonische Neuheit erforderliche Gutachten des Heimatschutzes vom 15. Dezember 1955 ist aufschlussreich und erscheint fast schon visionär: «… [wir begrüssen] es sehr, wenn Ihr architektonisch einheitlich und straff konzipierter Vorschlag verwirklicht werden könnte. Der reihenweise Zusammenbau Ihrer Einfamilienhäuser ist zudem eines der Gegenmittel gegen den zunehmenden Kulturlandverlust.»2) Bei den expliziten Vorbildern der Siedlung Halen, den nie realisierten Projekten Roq und Rob im südfranzösischen Cap Saint Martin (1949) von Le Corbusier, ist ähnlich

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argumentiert worden: «Die Projekte Roq und Rob haben als Ziel, der Degradierung der Landschaft durch die Ausbreitung der Einzelwohnhäuser entgegenzuwirken.»3) Im Dezember 19554) legte die Gemeindeversammlung der Standortgemeinde Kirchlindach die politisch-planerische Grundlage für den Bau der Siedlung Halen. Einige Monate später – Anfang 1956 – wurden in Brasilien nach der Einsetzung von J. Kubitschek als Präsident die Voraussetzungen für den Bau der neuen Kapitale Brasilia geschaffen, der «letzten Utopie der Moderne». So verschieden die beiden Projekte – Halen und Brasilia – in vielen Bereichen auch sein mögen, haben sie doch Gemeinsamkeiten: Erstens ist ihre Architektur in stärkstem Masse von Le Corbusier und der von ihm dominierten Moderne beeinflusst. Die Architekten des Ateliers 5 sind während ihrer Ausbildungszeit in Paris und bei Hans Brechbühler in Bern von Le Corbusiers Doktrin durchdrungen worden. Auch Oskar Niemeyer, der von Kubitschek verpflichtete Hauptarchitekt von Brasilia, hat sich als Bewunderer von Le Corbusier von dessen Bauten inspirieren lassen.5) Zweitens verbindet die Siedlung Halen und Brasilia eine praktisch gleichzeitig verlaufende Entstehungs- und Bauzeit von 1955/56 bis zur Einweihung 1960. Nachdem die wichtigsten Regierungsgebäu-


de und Hauptstrassen fertiggestellt worden waren, wurde Brasilia am 21. April 1960 mit einem aufwendigen Festprogramm als neue Hauptstadt des Riesenstaates eingeweiht. Das Aufrichtefest in der Siedlung Halen fand am 16. September 1960 in einem wesentlich bescheideneren Rahmen in der dortigen Einstellhalle statt. Der «Federal District» Brasilia ist seit 1987 auf der WeltkulturerbeListe der UNESCO eingetragen. Frankreich, die Schweiz und fünf weitere Staaten verfolgen seit 2006 das Ziel, Le Corbusiers architektonisches und städtebauliches Werk und damit erstmals das künstlerische Schaffen einer genialen Persönlichkeit auf die Liste des Weltkulturerbes zu setzen. Gäbe es nicht auch gute Gründe, die Architektur der Siedlung Halen – eines der sieben Weltwunder der Moderne6) – als Weltkulturerbe anzuerkennen, so wie es mit der mittelalterlichen Zähringerstadt Bern bereits geschehen ist? Kern dieses Buches zum 50-jährigen Bestehen der Siedlung Halen ist die Frage nach der Veränderung der Wahrnehmung dieses Meilensteins moderner Siedlungsarchitektur. Der Architekturhistoriker Hubertus Adam geht dieser Frage in seinem Hauptbeitrag nach. Die Gespräche mit den beiden Mitbegründern des Ateliers 5, Hans Hostettler und Alfredo Pini, sowie mit Hans Eichenberger, dem Entwerfer und Gestalter der ursprünglichen Einrichtungen von Bistro und Laden, vermitteln drei Haltungen zur Siedlung Ha-

len, die sich während ihres 50-jährigen Lebens in Halen gewandelt haben. Der Beitrag von Hans Luzius Schmid, Halenbewohner seit 1980, befasst sich mit der Bausubstanz der Siedlung Halen, die nach 50 Jahren einer Gesamtsanierung unter Einbezug von Alternativenergien bedarf. Neun Texte von älteren und jüngeren Halenbewohnerinnen und -bewohnern bereichern das Buch mit Geschichten und einem persönlichen Blick zurück auf ihr Leben in der Siedlung. Welche revolutionären Qualitäten der Siedlung Halen eigen sind, zeigen aktuelle Luftbilder und Fotos der Aussen- und Innenräume zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten. Eine Chronologie der Bau- und Siedlungsgeschichte sowie Pläne, Gutachten und Protokollauszüge runden das Buch ab. Sicher ist dieses Buch auch aus Dankbarkeit entstanden, wohl wissend um das Privileg, in der Siedlung Halen wohnen zu dürfen. Ohne die Mithilfe vieler Menschen wäre die Verwirklichung dieses Buches nicht möglich gewesen: Dank gilt allen Mitarbeitenden, Mitschreibenden und Fotografierenden, dem Verleger Matthias Haupt und natürlich allen, die finanziell zur Herausgabe dieses Buchs beigetragen haben.

Die Herausgeber Heinz J. Zumbühl, Barbara Miesch, Oliver Slappnig, Peter Kühler

1) Niklas Maak, Der Architekt am Strand. Le Corbusier und das Geheimnis der Seeschnecke. München, 2010, S. 189. 2) Bauberater A. Schaetzle, Dipl. Arch SIA, an die Sagitta AG, Olten, ganzes Gutachten vgl. Anhang. 3) Text aus dem Frz. übers. Bruno Chiambretto, Le Corbusier à Cap Martin. Marseille, 1988, S. 17.

Willy Boesiger (Hrsg.), Le Corbusier. Œuvre complète 1946–1952. Deuxième éd. augmentée. Zürich, 1955, S. 58.

4) vgl. Anhang: Auszug aus Versammlungsprotokoll 5) Alexander Fils (Hrsg.), Oskar Niemeyer. Selbstdarstellung. Kritiken. Œuvre. Düsseldorf, 1982. 6) Der Hamburger Architekt Hadi Teherani zitiert von Christine Schott in: Die Zeit, 5.7.2007 (vgl. Hauptbeitrag von H. Adam).

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«… really doing honor to Switzerland» Die Siedlung Halen, ihre Entstehung und Rezeption von Hubertus Adam

introductory essay in English, page 140

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«… really doing honor to Switzerland»

I

n den Jahren des Zweiten Weltkriegs und der frühen Nachkriegszeit befand sich die Schweizer Architektur in einer Phase der Stagnation. Die Tradition der modernen Architektur, die sich 1932 im Gemeinschaftsprojekt der Werkbundsiedlung Neubühl in Zürich-Wollishofen1) manifestiert hatte, war unterbrochen, und tonangebend wurde ein eher konservativ-moderates Verständnis im Sektor des Entwerfens und Bauens. Kritik an der Durchschnittlichkeit Zu einem der schärfsten Kritiker dieser Situation avancierte der ausgebildete Architekt Max Frisch, der 1951/52 auf Einladung der Rockefeller Foundation ein Jahr in den USA verbracht hatte und nach seiner Rückkehr im Juni 1952 unter dem Titel Cum grano salis einen Vortrag vor der Ortsgruppe Zürich des Bund Schweizer Architekten BSA hielt, der im Jahr darauf in der Zeitschrift Werk publiziert wurde. Angesichts des Amerikaerlebnisses attestierte der Schriftsteller der Schweizer Architektur «etwas Niedliches, etwas Putziges, etwas Nippzeughaftes, etwas von der Art, als möchte die ganze Schweiz (ausser wenn sie Staumauern baut) ein Kindergarten sein».2) Und weiter: «Der Heimkehrende kann es wohl verschweigen, um keinen Ärger zu erregen, aber nicht vor sich selbst bestreiten, dass das allermeiste, was er an Bauten der letzten zwei Jahrzehnte sieht, inbegriffen natürlich das wenige, was er selber beigetragen hat, einen unverkennbaren Hang zum Spiessbürgerlichen hat, zum Trauten, auch wo es nicht zur Aufgabe gehört, zum Bieder-Behaglichen um jeden Preis, also auch um den Preis der sachlichen Aufrichtigkeit; allenthalben waltet eine Art ängstlicher Vernünftigkeit. Mut wird als Übermut verdächtigt […]»3)

Ursprüngliches Modell der Siedlung Halen, Atelier 5

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Prangerte Max Frisch in seinem Vortrag die «Diktatur des Durchschnittlichen» an, so postulierte er zwei Jahre später den Ausweg aus der Krise, indem er gemeinsam mit Lucius Burckhardt und Markus Kutter die Idee einer modernen, neu zu gründenden Stadt für 15 bis 20 000 Einwohner vorstellte, welche das für 1964 in Lausanne geplante Vorhaben einer neuerlichen Landesausstellung ersetzen sollte.4) Es ging um eine Alternative zu den suburbanen Siedlungen am Rande der Städte; diese vergrösserten sich ständig, doch käme dieses nicht zum Ausdruck: «Es geht einfach weiter, Serie um Serie, wie die Vergrösserung einer Kaninchenfarm.»5) Die Kritik von Frisch und seinen Ko-Autoren betraf vor allem den Wunsch nach Unauffälligkeit und das Bild einer inszenierten Idylle: «Im Vortäuschen, mag sein, haben wir es weit gebracht. Man sehe sich unsere Siedlungen an! Sie sind zwar nicht gewachsen, sondern aus dem Boden gestampft, den die Spekulation oder der Staat hierfür erkoren hat. Sie sind geplant, aber man soll’s nicht sehen, und nun kommen die Architekten (eine gewisse Sorte von Architekten) mit ihrer Kosmetik, die sie für Architektur halten: nämlich sie stellen die vierundsiebzig Häuslein etwas schräg zueinander und so, als wären sie wie ein altes Dorf im Laufe der Jahrhunderte gewachsen. Sie zaubern eine Idyllik, dass jedem empfindsamen Menschen beinahe die Tränen kommen vor Freude, denn es sieht wirklich aus, als müssten wir gar nicht in unserm leider städtischen Jahrhundert leben.»6) Frischs Vision der neuen Stadt blieb Utopie, doch seine Weckrufe verhallten nicht ungehört. Die Siedlung Halen, deren Planung zur Gründung des Architekturbüros Atelier 5 führte, kann in ihrer rigiden, auf der Schottenbauweise basierenden Geometrie als endgültiger Bruch mit dem von Frisch kritisierten Landistil-Traditionalismus verstanden werden. Halen zählt zu den Meisterwerken der Schweizer Architektur des 20. Jahrhunderts und ist schon seit


Anbeginn auf internationale Beachtung gestossen. Der Hamburger Architekt Hadi Teherani, Prinzipal des Architekturbüros Bothe Richter Teherani, zählte die Siedlung gar unlängst zu den sieben architektonischen Weltwundern der Moderne.7) Entstehungsgeschichte und Konzeption Wie es zum Projekt der Siedlung gekommen ist, lässt sich anhand von Aussagen der Gründer sowie später hinzu gestossener Mitglieder von Atelier 5 relativ gut rekonstruieren und kann deshalb hier in Kürze zusammengefasst werden.8) Im Büro von Hans Brechbühler9), der 1930 einige Monate bei Le Corbusier in Paris gearbeitet und mit der Gewerbeschule (1935–39) das Hauptwerk der Moderne in Bern errichtet hatte, waren vier junge Mitarbeiter zusammengetroffen: Erwin Fritz, Rolf Hesterberg, Hans Hostettler und Alfredo Pini. Weil es bei Brechbühler zu dieser Zeit vergleichsweise wenig zu tun gab, entstand 1954 die Idee zu einem gemeinsamen Bauprojekt, an dem auch der zuvor in Brasilien bei Roberto Burle Marx tätige Samuel Gerber beteiligt wurde. Das gemeinsame Büro, 1955 gegründet, erhielt den programmatischen, weil nicht die Namen der Entwerferpersönlichkeiten in den Vordergrund stellenden Titel Atelier 5. Ein Grundstück fanden die Berufsanfänger ungefähr fünf Kilometer nördlich der Berner Altstadt mit einer inmitten eines unverbaubaren Waldes gelegenen Lichtung bei Herrenschwanden, die zur politischen Gemeinde Kirchlindach gehörte. Auch wenn das Terrain, das 80 Meter über den zum Wohlensee aufgestauten Wassern der Aare liegt, grundsätzlich erschwinglich war, musste die erste Idee, je ein Einfamilienhaus für die fünf Gründer des jungen Büros zu errichten, relativ bald aufgegeben werden: Ökonomische Gründe zwangen dazu, das vorhandene Grundstück durch eine Siedlung für möglichst viele Bewohnerinnen und Bewohner maximal aus-

zunutzen. An der Gemeindeversammlung vom 17. Dezember 1955 wurden die Sonderbauvorschriften und der Alignementsplan für die Überbauung des Zwygartackers bei der Halenbrücke mit 89 zu 38 Stimmen gutgeheissen.10) Damit konnte die Baueingabe eingereicht werden und im Juni 1956 lag die Bewilligung vor. Zum Problem geriet indes die Finanzierung, da die Gesellschaft, welche die Finanzierung des Landerwerbs und der ersten Projektierungskosten übernehmen sollte, zahlungsunfähig wurde. Mitte 1956 konnten die jungen Architekten ein Modell der Siedlung in der Berner Galerie Gutekunst + Klippstein (heute Kornfeld) ausstellen und lernten anlässlich dieser Gelegenheit den etwas älteren Architekten Niklaus Morgenthaler kennen. Über ihn, der noch ein eigenes Büro führte, kam Atelier 5 mit Rudolf Steiger in Kontakt, einem der Architekten der Neubühl-Siedlung von 1932; dieser vermittelte den Kontakt zu dem erfolgreichen Bauunternehmer Ernst Göhner. Göhner stellte den jungen Architekten ein Darlehen zu überaus günstigen Konditionen zur Verfügung und haftete – nach der Vorlage von 40 Kaufabsichtserklärungen – persönlich für den Baukredit. 1958 wurde die im September 1956 gegründete Baugenossenschaft aufgelöst; die E. Göhner AG übernahm die Bauherrschaft unter der Voraussetzung, dass sich die Architekten am Erfolg oder Misserfolg beteiligten und den Verkauf übernähmen. 1959 wurden die ersten drei Häuser realisiert, 1961 war die Siedlung fertiggestellt, 1963 hatten die letzten Häuser ihre Käufer gefunden. Begeistert von dem Konzept der Siedlung war auch Niklaus Morgenthaler, der sich in der Folge insbesondere mit Marketing und Verkauf beschäftigte, dem Architektenteam beigetreten; 1959 auch Fritz Thormann, der als Bauleiter fungierte. Damit hatte sich das für Halen verantwortliche Team der sieben Partner komplettiert. Die Innenarchitektur des Ladens und Restaurants übernahm Hans Eichenberger.

Schnitt durch kleinen Haustyp

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«… really doing honor to Switzerland» Atelier 5 projektierte Halen als verdichteten Flachbau. Realisiert wurden 33 Häuser mit 4,81 Metern und 41 Häuser von 3,86 Meter lichter Breite, ausserdem einige Ateliers und Spezialhäuser wie die Energiezentrale mit der vertikalen Dominante ihres Kamins; die Gesamtzahl der Wohnungen beträgt 79.11) Die Wohnfläche variierte zwischen 120 und 170 Quadratmetern. Das erste Modell sah lediglich breitere Bauten vor, doch musste die Anlage aus finanziellen Erwägungen komprimiert werden; dass schmale Grundrisse mit einem Achsmass von vier Metern funktionieren konnten, hatte die 1958 vollendete Siedlung Flamatt 1 bewiesen, die im Auftrag von Rudolf und Anna Hesterberg entstand und – später begonnen, aber früher vollendet – als Prototyp und Musterbau für die Halenidee genutzt wurde.12) Auch wenn das Konzept in der Fachöffentlichkeit begeistert aufgenommen wurde, blieb das breite Publikum skeptisch, und es erforderte seinerzeit einiges an Mühe, genügend Käufer zu finden.13) Der Kaufpreis (für die Erstbezüger durchschnittlich 110 000 Franken), aber auch die Gesamtkonzeption und die Formgebung zielten auf eine dem Modernen gegenüber aufgeschlossene obere Mittelschicht. Hinsichtlich seiner sozialen Schichtung eignete Halen von Anbeginn an eine gewisse Homogenität – auffallend war und ist der hohe Anteil von Bewohnern aus intellektuellen und kreativen Milieus. Nicht zuletzt für Mitglieder von Atelier 5 ist Halen seit jeher eine bevorzugte Wohnadresse.

Die überaus ökonomisch organisierten dreigeschossigen Wohnungen in Halen umfassen sechs Zimmer. Betreten werden sie – dank der Hangsituation – auf der mittleren Ebene und über einen vorgelagerten Patio. Küche und Wohnraum mit Loggia sind durch eine steile, quergestellte Treppe getrennt, die nach oben zu den Schlafzimmern sowie nach unten in das Gartengeschoss führt, das sich bei Bedarf unterteilen lässt. Der Innenausbau oblag den Eigentümern; entgegen ersten Absichten musste die Präfabrikation der Struktur auf wenige Betonelemente (Brüstungsgitter, Aussentreppen) beschränkt werden. Die Aussenmauern wurden mit Durisolsteinen, die Brandmauern und Trennwände in Backstein gemauert, die Decken bestehen wie Sockel, Loggien und Stützmauern aus Beton. Eine Luftschicht trennt jedes Haus von seinem Nachbarn, damit eine Schallübertragung vermieden wird.

Erster und zweiter Verkaufsprospekt Siedlung Halen

Projekt Roq et Rob, Cap Saint Martin, Le Corbusier, 1949

© FLC / 2010, ProLitteris, Zurich

Vorbildlich in der autofreien Siedlung war die Differenzierung von privaten, durch die hohen Mauern sichtgeschützten Bereichen, halböffentlichen, einsehbaren Zonen (Patios) und öffentlichen Bereichen. Die untere Strasse, die in den Dorfplatz mündet, verleiht Halen urbane Qualitäten – angesichts der schmalen Parzellen sowie der gedeckten Vorzonen vor den Häusern verwiesen die Architekten selbst auf die verdichtete Struktur der Berner Altstadt mit ihren Lauben als Vorbild. Und die Gemeinschaftseinrichtungen – Laden, Café, Tankstelle, Schwimmbassin, Sportplatz – verhinderten die übliche Monotonie einer suburbanen Schlafsiedlung. Neu-

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land beschritt man überdies zu einer Zeit, da in der Schweiz noch kein Stockwerkeigentum eingeführt war, mit dem Konzept des Miteigentums. Mit dem Erwerb eines Hauses wurden die Käufer automatisch Miteigentümer der öffentlichen Einrichtungen, der Autoeinstellhalle, der Wege und Plätze, des Landes sowie der umgebenden Waldparzelle. Die Modernität des wegweisenden Konzepts bezeugt nicht zuletzt die grafisch bemerkenswerte (zweite) Vermarktungsbroschüre, die von Marcel Wyss gestaltet wurde.14)

Stadt oder Land? Im Rahmen der Überlegung, welchen Modellen Siedlungsbau am Rande der Stadt folgen solle, nimmt Halen eine ambivalente Stellung ein. Überdeutlich ist hinsichtlich Materialität und Struktur der Bruch mit idyllischen pseudodörflichen Siedlungsformen, wie sie Max Frisch kritisiert hatte: Halen war der Aufbruch in eine neue Ära. Durch das Konzept des Miteigentums wurde es mög-

© FLC / 2010, ProLitteris, Zurich

Inspiration Le Corbusier Explizite Vorbilder für die Siedlung Halen waren Projekte von Le Corbusier, der seit der Zeit bei Brechbühler gleichsam als Fixstern für die frühen Jahre fungierte. Als Anregungen dienten dabei weniger die schmalen zweigeschossigen Wohneinheiten der Unités d’Habitation, deren erste 1947–1952 in Marseille erstellt worden war und von der die Brüstungselemente der Balkone in Halen inspiriert sind, als vielmehr zwei unrealisierte südfranzösische Projekte aus den Jahren 1948/49, die 1953 im fünften Band des von Willy Boesiger in Zürich herausgegeben Œuvre complète des Architekten veröffentlicht wurden: La Sainte-Baume sowie die Siedlungen Roq und Rob für Cap Saint Martin.15) Bei der Cité permanente von Sainte-Baume handelte es sich um eine am Hang gestaffelte Wohnanlage für den Maria-Magdalenen-Wallfahrtsort, bei Roq und Rob

um zwei an der Steilküste der Côte d’Azur geplante kompakte Hotel- und Wohnkomplexe. Vergleicht man Le Corbusiers Entwürfe mit Halen, so sind die Affinitäten unverkennbar: Hier wie dort stehen die einzelnen Häuser quer zu den Erschliessungsachsen und staffeln sich längs entlang des Hangs; hier wie dort sind die Häuser zu kompakten Gruppen vereint; hier wie dort fand ein der Schottenbauweise entsprechender, streng orthogonaler Grundrissraster Anwendung; hier wie dort sind die Häuser lang gestreckt und mehrgeschossig organisiert; hier wie dort münden schmale Erschliessungswege in einem platzartig ausgebildeten, zentralen Freiraum. Selbst die steile schmale Treppe, die in Cap-Martin schon existierte und als zentrale Fussgängerachse in die Bebauung Roq integriert werden sollte, wurde in Halen modifizierend aufgegriffen.16) Zweifelsohne war den Architekten die Assoziation eines mediterranen Dorfs, an dessen Struktur sich auch Le Corbusier anlehnte, wichtiger als der Bezug zu den Zähringerstädten mit ihrer engen Parzellierung.

Unité d’Habitation, Marseille, Le Corbusier, 1947–1952

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«… really doing honor to Switzerland»

Städtische Programmierung und Strukturierung haben indes nicht zu einer Siedlung geführt, die man wirklich als urbane Siedlungsform begreifen kann – wegen der ungewöhnlichen Gegebenheiten, der Lage auf einer Lichtung im Wald, dürfe man Halen «nicht als Musterbeispiel städtischen Bauens betrachten», heisst es in der Architekturreportage von Esther Thormann-Wirtz und Fritz Thormann.18) Halen ist eine autofreie Siedlung, aber doch eigentlich nur mit dem Auto zu erreichen – von dem durch den Wald führenden Weg hinunter zur Bushaltestelle einmal abgesehen. Halen liegt nicht nur auf einer Lichtung mitten im Wald, sondern ist auch – worauf Irenée Scalbert hingewiesen hat19) – von aussen nahezu unsichtbar und damit anders konzipiert als die auf Fernwirkung berechneten Siedlungsvisionen von Le Corbusier. Die berühmten Gesamtansichten von Balthasar Burkhard20) führen in die Irre: Bei der einen handelt es sich um eine Perspektive von einem nahezu unzugänglichen Ort jenseits des Flusses, aufgenommen zu einer Zeit, da die Bäume keine Blätter tragen, bei den anderen um Luftbilder. Die Fotos geben Ansichten wieder, wie sie kaum ein Bewohner oder Besucher je zu Gesicht bekommt. Tatsächlich erlebt wird Halen nicht gesamthaft, sondern in Teilen: auf der Strasse, die vom Eingang der Siedlung und der Einstellhalle zum Hauptplatz führt, auf den Treppenwegen, entlang der die Hauseingänge verbindenden Wegzonen. In Halen läuft man zwischen – zum Teil im Lauf der Zeit überwachsenen – Wänden; mal ergeben sich Durchblicke, dann Einblicke in die den Wohnungen vorgelagerten Patios. Es ist eine kaleidoskopische Wahrnehmung, die das Erlebnis Halen bestimmt, nicht eine panoramatische. Die kompakte Anordnung der Häuser führte dazu, dass es keine ungenutzten Abstandsflächen gibt; nicht ohne Grund sahen die Architekten Halen als Gegenmodell zum anlässlich der Internationalen Bauausstellung 1957 fertiggestellten Berliner Hansaviertel, dessen Zeilenbauten und Wohnscheiben inmitten einer fliessenden Parklandschaft stehen. Mustergültig an Halen ist die Differenzierung von öffentlichen, halböffentlichen und privaten Bereichen. Platz und Wege dienen als

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informelle Treffpunkte, die Patios fungieren als Schnittstelle zwischen innen und aussen, wobei sich der gewünschte Grad an Öffentlichkeit durch die Bewohner regulieren lässt. Die Wohnungen selbst garantieren trotz der Dichte der Bebauung ein maximales Mass an Privatheit; hohe Mauern grenzen die Gärten voneinander ab und gewährleisten die optische und akustische Trennung, so dass von den Nachbarn weder etwas zu sehen noch zu hören ist. Die Blicke gehen ungehindert zum Bremgartenwald, über dem von den höheren Häusern aus bei klarer Sicht die Gipfel der Alpen zu erkennen sind. Halen war nicht als kollektives Wohnmodell geplant, nicht als Zwangsgemeinschaft, sondern als Siedlung, die Kommunikation, aber auch privates Sich-Zurückziehen ermöglichen sollte. Eine gewisse Anonymität der seriellen Häuser und ihrer Formensprache war beabsichtigt. Denn Anonymität provoziert individuelle Aneignung: «Die Architektur der Räume ist möglichst nichtssagend. Jeder soll sich seine Wohnatmosphäre unbeschwert selber schaffen können. Der persönliche Geschmack des Architekten soll sich nicht aufdrängen.»21) Nur Fassaden und Brandmauern besitzen statisch tragende Funktionen, das Innere ist damit flexibel. Von der farbigen Gestaltung über den Umbau der inneren Struktur bis hin zum Abriss reichte damit das Spektrum möglicher Interventionen, das von den Architekten explizit akzeptiert wurde. Daher wehrten sie sich gegen die Unterschutzstellung der Siedlung, welche die

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lich, den Bewohnerinnen mit dem Erwerb eines Hauses zugleich ein Schwimmbad, einen Laden, einen Clubraum, eine Tankstelle, eine Autoeinstellhalle, einen Hausmeister und andere Annehmlichkeiten mehr zur Verfügung zu stellen, welche in einer typischen Einfamilienhaussiedlung nicht vorhanden waren. Halen kann man damit nicht nur als Statement gegen das übliche Einfamilienhausquartier, was schon in der Vermarktungsbroschüre17) ausgeführt wurde, sondern auch als Alternative zu den monofunktionalen Schlafsiedlungen der Spätmoderne verstehen.

Projekt La Sainte-Baume, Le Corbusier, 1948


individuellen Freiheiten der Eigentümerinnen und Eigentümer an ihrem Besitz einschränkt und die Siedlung gewissermassen in einem Idealzustand einfriert.

Die gleichsam offizielle Publikation erfolgte zwei Jahre später im Werk. Fast 30 Fotos von Albert Winkler, eine grosse Anzahl von Plänen, der Projektbeschrieb sowie zwei Statements der Bewohner Paul Hofer und Claus Bremer gaben auf 14 Seiten einen umfangreichen Überblick über die Siedlung.25) Es ist bemerkenswert, dass auch die internationale Rezeption frühzeitig einsetzte; schon im Dezember 1961 brachte Casabella einen umfangreichen Bericht über Atelier 5, der mit Halen begann. Aldo Rossi, der den einleitenden Text beisteuerte, sah in diesem Projekt «la loro opera più originale ed […] una delle opere più importanti realizzate in Svizzera negli ultimi anni». Rossi lobte den Rationalismus der Struktur, nannte die Berner Altstadt, Neubühl und Le Corbusier als Referenzen und schloss mit folgenden Worten: «Chiara nella sua concezione generale, basata su rapporti precisi e innovatrice nel mondo di abitare, la Siedlung Halen è un’esperienza di grande interesse. La volontà di applicare uno schema e di realizzarlo rigorosamente nelle costruzione ricorda, come in certe recenti esperienze inglesi, l’importanza dell’insegnamento dei ‹teorici› dell’architettura e dei temi che essi hanno proposto.»26)

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Rezeption in der Architekturpresse Nicht zuletzt um (Kauf-) Interesse für ihre Siedlung zu erwecken, suchte Atelier 5 seit Planungsbeginn die publizistische Öffentlichkeit – ein Umstand, der zum Bekanntwerden des Projekts auch ausserhalb der Schweiz erheblich beigetragen hat. Schon 1957 veröffentlichte Das Werk das erste Projekt, das damals noch aus 66 Häusern von fünf Meter Breite bestand,22) im Dezember 1959 publizierte die Schweizerische Bauzeitung das Modell des veränderten Entwurfs zusammen mit einer ausführlichen Beschreibung.23) 1961 gab wiederum das Werk einen kurzen Zwischenbericht in einer Nummer zum Thema Neue Formen des Wohnens. Die im Bau befindliche Siedlung wurde hier eingereiht in eine Sequenz von gerade fertiggestellten zeitgenössischen Wohnkomplexen: das Terrassenhaus von Claude Paillart und Peter Leemann in ZürichWitikon; die geschichteten Wohnterrassen in Zug von Fritz Stucky und Rudolf Meuli, welche eine für die Schweiz neue Typologie begründeten; die um eine zentrale Grünfläche gruppierte Einfamilienhaussiedlung Gustacker von Karl Wicker, Alfred Senn und Hans Roduner in Bottmingen; die Atriumsiedlung In den Gartenhöfen von Ulrich Löw und Theodor Manz im basellandschaftlichen Reinach; und schliesslich – als einziges ausländisches Beispiel – die

berühmten Atriumhäuser in Helsingør von Jørn Utzon. Benedikt Huber charakterisierte Halen in seinem kurzen Textbeitrag als einen «der interessantesten Beiträge seit der Werkbundsiedlung Neubühl in Zürich».24)

Halen während der Bauzeit

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«… really doing honor to Switzerland» Rossis Hinweis auf England kam nicht ungefähr, denn seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Bau neuer Siedlungen und Städte in Grossbritannien forciert worden, um dem Wohnungsmangel zu begegnen. 3,5 Millionen Häuser und Wohnungen seien seit 1945 neu erstellt worden, schrieb der Architekt Eric Lyons als Gastredaktor des Septemberheftes 1960 von Architectural Design, das dem Thema «Building a Community» gewidmet war.27) Halen leitete mit Modellfotos und Innenansichten des Musterhauses die Beispielserie ein,28) gefolgt wiederum von den auch im Werk thematisierten Häusern von Utzon in Helsingør sowie einer Reihe von britischen Projekten in Reihen-, Cluster- und Atriumformationen und schliesslich dem Lafayette Park von Mies van der Rohe in Detroit. Fotos der Altstadt von Lindos mit ihren Hofhäusern sowie Skizzen der Ville spatiale von Yona Friedman illustrierten am Ende des Heftes die Vergangenheit und Zukunft des «group-housing». Verdichteter Flachbau war zu dieser Zeit in England ein wichtiges Thema, wie die Projekte von Michael Neyland, Peter Phippen oder Neave Brown belegen.29) Zweieinhalb Jahre später widmete sich Architectural Design noch einmal Halen.30) Mit 21 Seiten Umfang stellte die Publikation sogar jene im Werk in den Schatten. Eingeleitet wurde die Veröffentlichung durch einen Beitrag des amerikanisch-britischen Architekten Neave Brown, der durch Komplexe des öffentlichen Wohnungsbaus in England bekannt wurde. Im Gegensatz zu den Lobeshymnen und sachlichen Beschreibungen, welche die bisherigen Veröffentlichungen bestimmt hatte, wagte Brown einen kritischen, wenn auch grundsätzlich wohlwollenden Blick. Kritikpunkte des Rezensenten waren die abgeschlossene Lage, die ein zukünftiges Wachstum verhindere, aber auch die Fokussierung auf eine vergleichsweise wohlhabende Käuferschicht. Insbesondere aber problematisierte er einen für die Spätmoderne typischen Eklektizismus, den er in Halen an den – verglichen mit den Bauten Le Corbusiers – überbetonten und damit expressiv aufgeladenen brise-soleils festmachte. So vermisste er eine gewisse Selbstverständlichkeit, die noch die Werkbundsiedlung Neubühl bestimmt habe. «In fact, as each year passes, the need for a disinterested approach becomes more pressing. For the work of many talented architects is seen to be more frequently an indulgence in individual virtuosity, rather than an attempt to correlate the problem at hand with the problem at large. In this situation, the eclecticism of Atelier 5, or any other group with a similar attitude, is something of an act of faith. It affirms that if the future course is not clear, to progress at all it is necessary to adopt the successful forms and idioms of the immediate past and thus avoid working endlessly over the same ground or degenerating into a chaotic individualism. […]

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It is bound to be sectarian and, by avoiding the need to redefine the nature of the whole problem at its most general in each programme, misses the very level from which a contribution to a general approach can be valid.»31) Anlässlich einer nochmaligen Publikation des Textes von Neave Brown wies Atelier 5 die Kritik des formalen Eklektizismus zurück und behauptete – vielleicht eine typisch schweizerische Argumentation –, Halen allein aus den Rahmenbedingungen entworfen zu haben, negierte also die individuell-entwerferische Komponente seiner Architektur: «Beim Planen von Halen ordneten wir den äusseren Ausdruck der Funktion, unserer Erfahrung des inneren Raumes und der ökonomischsten Methode der Konstruktion unter.»32) Roger Sherwood, der Halen 1978 neben dem Fleet Road Terrace Housing in London von Neave Brown in seinem Standardwerk Modern Housing Prototypes veröffentlichte, kam noch einmal auf die kritischen Punkte zurück, entkräftete die Vorwürfe aber: «Nevertheless, Halen has certainly set the standard for the design of dense, indiviudal houses in a communal context without the sacrifice of individual privacy. Although the setting is rural, Halen is potentially an urban building form: the standards of privacy are a function not of the suburban site but rather of careful unit design and arrangement. Halen probably has been singularly influential as the model of high-density, low-rise housing in the Western world.»33) Die Bedeutung, die Halen in England attestiert wurde, zeigt sich daran, dass der Architekturtheoretiker Reyner Banham die Siedlung in sein Buch über den New Brutalism aufnahm34) – eine eher fragwürdige Zuordnung – und nicht zuletzt an der Tatsache, dass das junge team4, das aus Richard Rogers, Norman Foster und deren Frauen Su und Wendy bestand, dem Generalunternehmer Wates Ltd. den Besuch von Halen empfahl – das Zusammentreffen im Jahr 1964 führte schliesslich für Atelier 5 zu dem Bauauftrag der nur teilweise realisierten Siedlung Park Hill Village im Londoner Vorort Croydon.35) Eine eigene Wirkung entfaltete Halen auch in Japan: Im Dezember 1971 widmete die Zeitschrift a+u dem Werk von Atelier 5 ein ganzes Sonderheft,36) 1973 erschien eine Spezialausgabe von Global Architecture, die – mit Fotos von Yukio Futagawa – die Siedlungen Flamatt, Halen und Brügg vorstellte.37) Kenneth Frampton hat darauf aufmerksam gemacht, dass auch die Terrassen-Wohnsiedlung Rokko (1981) in Kobe von Tadao Ando deutlich den Einfluss von Halen offenbart.38)


Begeisterte Besucher Neben Roland Rainer, dessen Gartenstadtsiedlungen Puchenau bei Linz (1974/1979) ebenfalls als Hommage an Halen verstanden werden können, zählt auch Herman Hertzberger zu den Bewunderern des Gründungsprojekts von Atelier 5. Um 1960 einer der niederländischen Pioniere des Strukturalismus und seither Vertreter eines Bauens, das sich den Bedürfnissen der Bewohner anpasst, hat Hertzberger in einem Interview bekannt, in seinen Anfängen tief von Halen beeindruckt gewesen zu sein, das er – gerade angesichts des Verzichts auf dunkle Gänge – als Le Corbusiers Unité d’Habitation überlegen erachtete: «Vor Halen hatte ich in Marseille die Unité d’Habitation gesehen, die mich sehr begeisterte. Allerdings gab es hier schon einige Probleme, in Halen jedoch habe ich gesehen, wie es Le Corbusier hätte machen sollen. Das heisst, ich fasste Halen als einen weiteren Schritt auf, der mir bestätigte, dass es doch gut ist, von einem Mann wie Le Corbusier beeinflusst zu sein. Das hat mir damals Mut gemacht, auch auf diesem Weg weiterzugehen.»39)

zum Leidwesen des Büros nicht erfahren, und Niklaus Morgenthaler schrieb schon 1973: «Unfortunately, none of these have had so extensive an impact as Halen upon international discussions concerning housing problems and their potential contribution to have more just living environments.»43) Hubertus Adam, Kunst- und Architekturhistoriker/-kritiker, Redaktor der «archithese» (Zürich) und Arbeit v.a. für die «Neue Zürcher Zeitung», 2004 Swiss Art Award (Sektor Kunst- und Architekturvermittlung).

Bislang unbekannt geblieben ist die Wertschätzung der Siedlung durch Richard Neutra.40) Auf ihrer ersten Europareise des Jahres 1960 hatten Richard und seine Frau Dione einen der seltenen freien Tage in Bern verbracht, das die aus der Schweiz stammende Dione zum letzten Mal im Alter von 19 Jahren besucht hatte. Als Chauffeur vor Ort fungierte auf Vermittlung von dem mit Neutra befreundeten Alfred Roth Hans Brechbühler, der dem Ehepaar nicht nur die historische Altstadt zeigte, sondern auch neuere Bauten, vor allem die von seinen ehemaligen Mitarbeitern errichtete und zu dieser Zeit nahezu vollendete Siedlung Halen. Dione sprach in ihrem Jahresbrief, den sie hektografiert an Freunde und Familienmitglieder versandte von «an excellent new housing development outside Berne, still under construction, but very promising».41) Seiner Bewunderung verlieh Neutra noch einmal 1965 in einem Brief an Paul Hofer Ausdruck, dem Kunsthistoriker und Lehrer für Städtebaugeschichte an der ETH Zürich, der in Halen lebte und sich schon frühzeitig für die Realisierung der Siedlung stark gemacht hatte: «I was delighted to think that you have been residing in the fine housing cluster of Halen, designed by the group and team of Morgenthaler, which I had admired for years during construction. […] Again, let me congratulate you on the splendid accomplishment of the Halen housing project which is, in the opinion of many, really doing honor to Switzerland.»42) Halen steht am Beginn einer langen, bis heute andauernden Reihe von Auseinandersetzungen des Ateliers 5 mit dem Thema Wohnungsbau. So bedeutend manche der nachfolgenden Projekte auch sind: Eine vergleichbare Wahrnehmung wie Halen haben sie

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1) Vgl. hierzu: Ueli Marbach / Arthur Rüegg, Werkbundsiedlung Neubühl in ZürichWollishofen 1928–1932. Ihre Entstehung und Erneuerung, Zürich 1990. 2) Max Frisch, «Cum grano salis: eine kleine Glosse zur schweizerischen Architektur, in: Das Werk, Jg. 40, 1953, S. 325–329, hier S. 326. 3) Ebd. 4) Max Frisch, Lucius Burckhardt, Markus Kutter, achtung: Die Schweiz [1954], in: Max Frisch, Schweiz als Heimat? Versuche über 50 Jahre, Frankfurt am Main 1990, S. 133–179. 5) Ebd., S. 146. 6) Ebd., S. 155. 7) Christiane Schott, «7 Weltwunder der Moderne», in: Die Zeit, 5.7.2007. 8) Esther Thormann-Wirz/Fritz Thormann: Wohnort Halen – eine Architekturreportage, Niederteufen 1973 [Neuausgabe der Originalausgabe von 1964]; Peter F. Althaus, «Erinnerungen an die Anfangszeit des Ateliers 5 und das Projekt Halen», in: Werk, Bauen + Wohnen, Jg. 67, 1980, H.7/8, S. 16/17; Atelier 5: Siedlungen und städtebauliche Konzepte, Braunschweig/ Wiesbaden 1994, S. 30–47; Irenée Scalbert, «Siedlung Halen: between standards and individuality», in: arq, Bd.2, Herbst 1996, S. 14–24; Nancy WiesmannBaque­ro, Die Kinder der Siedlung Halen. Lebenserfahrungen mit Architektur und Städtebau, Bern 2005; «50 Jahre nach Halen. Jacques Blumer im Gespräch mit Faruk Murat», in: Raimund Blödt, Frid Bühler, Faruk Murat, Jörg Seifert (Hrsg.), Beyond Metropolis. Eine Auseinandersetzung mit der verstädterten Landschaft, Sulgen / Zürich 2006, S. 168–171. aut. architektur und tirol (Hrsg.), konstantmodern. Fünf Positionen zur Architektur. Atelier 5, Gerhard Garstenauer, Johann Georg Gsteu, Rudolf Wäger, Werner Wirsing, Wien/New York 2009, S. 9–42.

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9) Zu Brechbühler: Ueli Zbinden (Hrsg.), Hans Brechbühler 1907–1989, Zürich 1991. 10) Handschriftliches Protokoll der betr. Gemeindeversammlung S. 335–341; (erg. von B. Miesch). 11) Insgesamt wurden folgende Typen realisiert: 33 Häuser Typ 380 (4, 5 oder 6 Zimmer); 5 Häuser Typ 380 (mit Atelier auf der Nordseite); 3 Häuser Typ 380 (mit Atelier unter den Gärten); 17 Häuser Typ 12 (4, 5 oder 6 Zimmer); 16 Häuser Typ 12 (mit grossem Garten); 3 Studios Typ 1 (Einzimmerhaus mit kleinem Garten); 1 Haus Typ 1D (Dreizimmerhaus mit Garten); 2 Ateliers Typ R (in ursprünglichen Reserveräumen); 1 Laden/Restauranttrakt mit Dreizimmerwohnung für den Pächter. Vgl. Das Werk, Jg.50, 1963, S. 61. 12) Atelier 5: Siedlungen und städtebauliche Konzepte, Braunschweig/Wiesbaden 1994, S. 24–29. 13) Vgl. ebd. S. 32. 14) Vermarktungsbroschüre der Siedlung, gestaltet von Marcel Wyss, 2. Auflage, 1960. 15) Willy Boesiger (Hrsg.), Le Corbusier. Œuvre complète 1946–1952, Zürich 1953, S. 26–35 u. 54–61. Der Verweis auf die beiden Siedlungen findet sich schon bei: Esther Thormann-Wirz/ Fritz Thormann: Wohnort Halen – eine Architekturreportage, Niederteufen 1973 [Neuausgabe der Originalausgabe von 1964], o.S. 16) Ein Foto der Treppenanlage in Cap Martin: Willy Boesiger (Hrsg.), Le Corbusier. Œuvre complète 1946–1952, Zürich 1953, S. 56. 17) Vermarktungsbroschüre der Siedlung, gestaltet von Marcel Wyss, 2. Auflage, 1960. 18) Esther Thormann-Wirz/Fritz Thormann: Wohnort Halen – eine Architekturreportage, Niederteufen 1973 [Neuausgabe der Originalausgabe von 1964], o.S.

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19) Vgl. Irenée Scalbert, «Siedlung Halen: between standards and individuality», in: arq, Bd.2, Herbst 1996, S. 14–24, hier S. 22.

33) Roger Sherwood, Modern Housing Prototypes, Cambridge/Mass. und London 1978, S. 65.

20) Atelier 5. 26 ausgewählte Bauten, Zürich 1986, S. 66/67, 75.

34) Reyner Banham, The New Brutalism. Ethic or Aesthetic?, London 1966, S. 90 u. 130.

21) Esther Thormann-Wirz/Fritz Thormann: Wohnort Halen – eine Architekturreportage, Niederteufen 1973 [Neuausgabe der Originalausgabe von 1964], o.S.

35) Vgl. zu diesem Projekt und seiner Vorgeschichte: Atelier 5: Siedlungen und städtebauliche Konzepte, Braunschweig/ Wiesbaden 1994, S. 54–57.

22) «Projekt Siedlung ‹Halen› bei Bern», in: Das Werk, Jg.44, 1957, S. 16.

36) a+u architecture and urbanism, 1971, H.12.

23) H.M., «Siedlung Halen bei Bern», in: Schweizerische Bauzeitung, Jg. 77, 1959, S. 812–816.

37) GA Global Architecture: Atelier 5, Tokio 1973, o.S.

24) Das Werk, Jg.48, 1961, H.2; der Beitrag über Halen auf S. 52. 25) «Die Siedlung Halen bei Bern», in: Das Werk, Jg.50, 1963, S. 58–71. 26) A[ldo] R[ossi], «L’Atelier 5 di Berna», in: Casabella 258, Dezember 1958, S. 26. Halen wird an diesen Text anschliessend auf den Seiten 27–31 vorgestellt. 27) Eric Lyons, «Building a community», in: Architectural Design, September 1960, S. 344. 28) Ebd., S. 25/26. 29) Vgl. Kennneth Frampton, «Die Enwicklung des modernen Siedlungsbaus und der Beitrag von Atelier 5», in: Atelier 5: Siedlungen und städtebauliche Konzepte, Braunschweig/Wiesbaden 1994, S. 11–21, hier S. 20. 30) Architectural Design, Februar 1963, S. 63–83. 31) Neave Brown, «Siedlung Halen and the eclectic predicament», in: ebd., S. 63. 32) Zitiert nach: Bernhard Hoesli, «Atelier 5. Über das Zusammenwirken von Geschichte und Entwurf», in: Werk, Bauen + Wohnen, 1980, H.7/8, S. 14/15, hier S. 15. Browns Artikel und die Entgegnung von Atelier 5 waren abgedruckt worden in: John Donat (Hrsg.), World Architecture, Bd.1, London 1964.

38) Vgl. Kennneth Frampton, «Die Entwicklung des modernen Siedlungsbaus und der Beitrag von Atelier 5», in: Atelier 5: Siedlungen und städtebauliche Konzepte, Braunschweig/Wiesbaden 1994, S. 11–21, hier S. 19/20. 39) «Gespräch mit Herman Hertzberger: Antitypologische Prototypen», in: Atelier 5. 26 ausgewählte Bauten, Zürich 1986, S. 9–10, hier S. 9. 40) Zu Richard Neutras Bewunderung der Siedlung vgl. auch: Hubertus Adam, «‘A country which I dearly love’. Richard Neutra und die Schweiz», in: Klaus Leuschel (Hrsg.), Richard Neutra und Europa. Bauten und Projekte 1960–1970, Köln 2010, S. 135-148, hier S. 139f. 41) Dione Neutra, The Year 1960 in the Life of Richard and Dione Neutra, Nachlass Dione Neutra, Pomona College. 42) Brief Richard Neutra an Paul Hofer, 1.4.1965; UCLA-RDNP, Karton 1502, Umschlag 12. 43) GA Global Architecture: Atelier 5, Tokio 1973, o.S.


«Halen war als vollständig vorfabrizierte Anlage geplant.» Gespräch mit Alfredo Pini

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Gespräch mit Alfredo Pini

Die Halen erinnert in vielem an Le Corbusier. Wie sehr wurden Sie durch ihn beeinflusst? Ich wollte als junger Architekt unbedingt bei Le Corbusier arbeiten und war in meinem jugendlichen Übermut überzeugt, dass er mich auch unbedingt brauchen würde. Aber so dachten viele. Es war nicht einfach, an Le Corbusier direkt heranzukommen. Ich habe nie mit ihm direkt, sondern nur mit André Wogensky – gewissermassen seiner rechten Hand – sprechen können, einem sehr netten und gescheiten Menschen. Er hörte geduldig zu, aber zu mehr kam es nicht. Auch wenn niemand vom Atelier 5 direkt bei Le Corbusier arbeitete, so hat sein Wirken uns alle doch stark geprägt bei der Suche nach einer anderen Architekturform als der in der Schweiz nach 1945 verbreiteten Nachkriegsarchitektur. Wir betrachteten uns als seine geistigen Schüler und verfolgten unter anderem in allen Details die Entstehung der Unité d’Habitation in Marseille. Es gibt also einen direkten Zusammenhang zwischen den Werken Le Corbusiers und der Halen? Wir waren erstaunt, dass ein Bauwerk wie die Unité d’Habitation überhaupt realisiert werden konnte. Dass sie möglich wurde, lag am günstigen politischen Umfeld. Mit der Siedlung Halen ergab sich für uns die Gelegenheit, bei uns das umzusetzen, was uns Le Corbusier vorgezeigt hatte. Halen ist zwar sehr stark von den Ideen Le Corbusiers geprägt, aber keine Kopie. Wir haben gewissermassen unsere Lehren aus dem Werk von Le Corbusier gezogen. Im Übrigen bin ich überzeugt, dass Künstler oder Architekten immer solche Vorbilder brauchen, die sie leiten und beeinflussen. Inwieweit war die Nachkriegszeit prägend? Es gab verschiedene Projekte von Le Corbusier, die uns direkt beeinflusst haben. Wir waren besonders begeistert vom Projekt Roq und Rob an der Côte d’Azur, wo Le Corbusier den künstlerischen Freiraum umfassend ausschöpfte. Wir hätten das Projekt Roq und Rob, das nie realisiert wurde, für die Halen fast kopieren können. Beim Projekt La Sainte Baume faszinierten uns die Materialien. In den vom Krieg heimgesuchten Ländern herrschte grosser Mangel an Baumaterialien. Le Corbusier machte aus der Not eine Tugend und plante La Sainte Baume mit Lehmbauten. Die Halen als «Produkt» der Nachkriegszeit? Man muss sich vergegenwärtigen, dass in der Schweiz nach 1945 eine Art Aufbruchsstimmung herrschte. Im Gegensatz zu den Ländern, welche vom Krieg direkt betroffen waren, dominierte eine Haltung, die sich am besten mit den Worten beschreiben lässt: «es

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geht uns wieder gut, wir haben Material, Mittel und Möglichkeiten, um etwas Neues zu schaffen». Während andere Länder weitgehend zerstört waren und ihre Wirtschaft am Boden lag, konnte sich die Schweiz schon bald auf den Wohnungsbau konzentrieren. Man darf nicht vergessen, dass die Behebung der Wohnungsnot eine der grössten damaligen Sorgen war. Demografen gingen davon aus, dass nach dem Krieg ein Babyboom ausbrechen würde und rechneten mit einer Schweizer Wohnbevölkerung von mindestens 10 Millionen im Jahre 2000. Gewaltige Bedürfnisse – hatte das auch Einfluss auf die Bauweise? Ganz sicher. Es stellte sich ganz grundsätzlich die Frage, ob es überhaupt möglich wäre, die nötige Wohnmasse produzieren zu können. Zudem war dies auch eine Frage der Ökonomie! Wir haben deshalb die Halen als vollständig vorfabrizierte Anlage geplant. Aus dem damit verbundenen Konstruktionszwang entstand die ungewohnte Disziplin der Halen. Wir waren überzeugt, durch eine ökonomisch günstige Bauweise Voraussetzungen zu schaffen, dass die Halen für ihre Bewohnerinnen und Bewohner finanzierbar würde. Wir vom Atelier 5 waren nicht in der Lage, auch nur einen kleinen Teil unseres Projektes mitfinanzieren zu können. Aber wir hatten eine Idee, das Land sichergestellt und eine Baubewilligung, mehr nicht. Hätte es für ein solches Bauvorhaben nicht Sonderbauvorschriften gebraucht? Doch! Die von uns vorgesehene Bauweise hatte ja nichts zu tun mit dem, was bisher üblich gewesen war. Die Gemeinde Kirchlindach hätte unser Bauvorhaben gar nicht bewilligen dürfen, sondern zuerst den Kanton angehen müssen. Wie war denn das möglich? Es gab verschiedene Gründe. Einer war sicher, dass unser Gemeindepräsident verstanden hatte, was wir machen wollten. Er schenkte uns Vertrauen. Vergessen wir nicht, dass Hans Hostettler mit 28 oder 29 Jahren der Älteste von uns allen im Atelier 5 war. Wir bekamen aber prominente Unterstützung. Der Berner Professor für Kunstgeschichte, Paul Hofer, hat sich energisch und sehr engagiert eingesetzt. Sukkurs erhielten wir auch von Alfred Roth, einem sehr bekannten Architekten und Professor für Architektur an der ETH in Zürich. Beide haben sich bei den Behörden für unser Vorhaben eingesetzt. Ohne diese beiden Leute gäbe es heute vielleicht keine Siedlung Halen. Wir waren unserer Sache so sicher, dass wir Plä-


ne, Modelle und Kostenvoranschläge machten. Umso herber war nachher der Rückschlag … … Rückschlag? Wir mussten leider feststellen, dass unsere Vorfabrikationsidee nicht realisierbar war. Es gab damals in der Schweiz nur zwei Unternehmer, die ganze Gebäudeteile in Beton vorfabrizierten. Wir hatten zwar in der ganzen Schweiz eine Ausschreibung gemacht und auch einige Offerten erhalten, aber die Preise für Vorfabrikation waren weit höher als für konventionelle Bauweise. Dabei wurden wir uns bewusst, dass unser Projekt nur eine Chance auf Verwirklichung hätte, wenn wir es vereinfachen würden. In welcher Weise wurde das ursprüngliche Projekt vereinfacht? Die Form der Häuser war bei den ersten Varianten zu aufwendig und damit zu teuer. Wir haben uns schliesslich auf zwei Haustypen beschränkt, in der Hoffnung, damit eine kostengünstige Familiensiedlung bauen zu können. Dabei gingen wir von der Überzeugung aus, dass uns die Wohnungsnot entgegenkommen würde. Die Halen sollte gewissermassen eine Antwort sein auf die Überflutung des Landes mit freistehenden Einfamilienhäusern. Wir haben jetzt viel vom Einfluss Le Corbusiers auf die Halen gesprochen. Hat er selber denn die Halen einmal gesehen? Le Corbusier hat die Halen selber nie gesehen. Er schickte aber einen seiner Angestellten (José Oubrerie), um ihm Bericht zu erstatten. Oubrerie war von der Halen begeistert und dokumentierte dies auch mit Fotos. Le Corbusier soll daraufhin nur kurz mit «alors, c’est bien» geantwortet haben. Man muss sich vergegenwärtigen, dass Le Corbusier grundsätzlich kritisch war, ganz besonders gegenüber Plagiaten. Sie wohnen selber nicht mehr in der Halen, sondern in der Thalmatt 1. Warum sind Sie weggezogen? Unser Projekt Thalmatt 1 ist in einem gewissen Masse die Weiterentwicklung der Halen. Die Thalmatt 1 entstand aus der Erkenntnis heraus, dass die Halen als eigentliche Familiensiedlung nicht alle Bedürfnisse einer sehr heterogenen Bevölkerungsstruktur befriedigen konnte. Wenn eine Siedlung eine echte Alternative zur Streubauweise sein soll, dann sollte sie sich nicht nur auf Familien beschränken. Unsere Gesellschaft besteht ja nicht nur aus Familien, sie ist bedeutend komplexer und es gibt z.B. Einzelpersonen,

Paare mit und ohne Kinder, oder Patchworkfamilien, Haushalte mit kleineren und grösseren Einkommen und unterschiedlichen Ansprüchen. Kommt dazu, dass die Familien immer weniger Kinder haben. All diese Erkenntnisse wollten wir in der Thalmatt 1 mit ihren 18 Wohneinheiten berücksichtigen. Unser Ziel war es, individuell gestaltete Einfamilienhäuser in einer Gruppe so anzuordnen, dass sich daraus ein befriedigender Zusammenhang ergibt. Natürlich geht dabei die wohltuende Klarheit verloren, welche die Siedlung Halen mit ihren genormten Einfamilienhäusern auszeichnet. Trotzdem ist die Thalmatt 1 eine vernünftige Alternative zur Streubauweise und genügt in Bezug auf Zusammenwohnen denselben Anforderungen wie die Halen. Die Thalmatt 1 ist eine bedeutend kleinere Siedlung und ist überraschenderweise noch dichter gebaut als die Halen. Heute steht die Halen unter Denkmalschutz. Macht das in Ihren Augen Sinn? Ich habe meine Zweifel, ob es sinnvoll war, die Siedlung Halen (und auch die Thalmatt 1) unter Denkmalschutz zu stellen. Es handelt sich sicher um wichtige Bauten, aber die Bewohner der Halen haben während nunmehr 50 Jahren bewiesen, dass sie imstande sind, die besonderen Qualitäten ihres überschaubaren Environments zu wahren und auf einfache aber wirksame Art zu schützen. Dafür hatten wir in den ersten Verkaufsverträgen ja auch vorgesorgt, als wir drei Bedingungen bei Umbauten formulierten: alle Formen von Umbauten sollten möglich sein, wenn zwischen den Häusern die Akustik nicht beeinflusst würde oder neue Einblicke geschaffen würden und die beiden angrenzenden Nachbarn mit dem Umbau einverstanden wären. Es hat sich in der Halen bewährt, dass Umbauprojekte zur Begutachtung durch die Mitbewohner nur in der Siedlung öffentlich ausgehängt werden. Die Ansprüche ans Wohnen haben sich während der letzten 50 Jahre erheblich verändert und werden es weiterhin tun. Eine Wohnsiedlung muss in der Lage sein ihre Qualität zu aktualisieren, nur so kann sie diese auf die Dauer auch behalten. Der Halen darf kein Korsett durch die Denkmalpflege angelegt werden! Alfredo Pini, 1932, Architekt BSA/ SIA, Autodidakt, 1955–1996 Mitbegründer und Mitglied des Atelier 5, 1994/95 Gastprofessur an der ETHZ, 1996–2004 Professor an der Universita della Svizzera Italiana (USI).

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«Ohne Göhner gäbe es wahrscheinlich weder das Atelier 5 noch die Siedlung Halen.» Gespräch mit Hans Hostettler

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Sie sind einer der Mitbegründer des Ateliers 5. Wie ist das Atelier 5 entstanden? Wir haben Ende 1955 beschlossen, zusammen ein Architekturbüro zu eröffnen. Von den fünf Gründern des Ateliers 5 waren vier – Erwin Fritz, Rolf Hesterberg, Alfredo Pini und ich – zuvor bei Hans Brechbühler tätig. Samuel Gerber kehrte von Brasilien, wo er beim Gartenarchitekten Roberto Burle Marx gearbeitet hatte, zurück als Fünfter im Bunde. Wir hatten vor, für uns fünf kleine Wohnhäuser mit Atelier zu erstellen. Alfredo Pini kannte die Lichtung – in der jetzt Halen liegt – und den Grundbesitzer. Der hielt aber nichts von unserem Ansinnen, fünf kleine Parzellen am Waldrand zu erwerben. Er verkaufe entweder alles oder gar nichts. Die «Fünfer-Bande» hat aber trotzdem weiter geplant und entworfen … Schliesslich wollten wir alles erwerben. Jeder von uns hat während mindestens einem Jahr zu Hause versucht, Ideen für die Halensiedlung zu entwerfen. Aus dem Sammelsurium von ziemlich verrückten Entwürfen haben wir in gemeinsamen Sitzungen versucht, einen konstruier- und finanzierbaren gemeinsamen Nenner zu finden für unsere Siedlung. Das bescheidene kleine Gesamtmodell und die dazugehörigen Pläne haben dann zwischen Bern und Zürich bei diversen Finanzierungsinstituten die Runde gemacht – von vielen belächelt, von den wenigsten akzeptiert. Also schwierig, einen Finanzier zu finden? Zunächst holten wir Rat bei unserem Bankfachmann Dr. E. Albisetti, Direktor der damaligen Spar + Leihkasse in Bern (jetzt Valiant, Red.). Wir liefen zu weiteren möglichen Finanzgebern und gingen auch gewissen Leuten auf den Leim, die uns etwas über Finanzierung vorblufften. Dank der Fürsprache von Architekt Niklaus Morgenthaler bei seinem Vater, dem Künstler Ernst Morgenthaler, und beim Kunstsammler und Architekt Rudolf Steiger konnte der ebenfalls kunstliebende Ernst Göhner begeistert werden. Er war bereit, etwas für moderne Architektur zu tun. Die Ernst Göhner AG in Zürich war damals eine der grössten Schweizer Vorfabrikationsfirmen für Holzarbeiten, Fenster, Türen, Küchen usw. Jetzt endlich konnte Kunstmäzen E. Albisetti einhaken. Er stellte unseren zukünftigen Käufern die Finanzierung mit ersten, zweiten und dritten Hypotheken in Aussicht, garantiert über die Kiefer Hablitzel Stiftung. Unser damals grösster Konkurrent in Bern interessierte sich ebenfalls für das Grundstück. Wir kamen unter Zeitdruck.

Schliesslich ging es um viel Bargeld und um Minuten. Ja, Göhner hat offenbar sowohl dem Sohn seines Freundes Ernst Morgenthaler als auch Steiger keine abschlägige Antwort erteilen wollen. Der Countdown lief: Nachdem uns ein Abgesandter von Göhner eine Aktentasche voll Geld, Noten im Betrag von 600 000 Franken, in unser Estrichbüro an der Mühlemattstrasse 53 gebracht hatte, sind wir am selben Nachmittag mit dem Geld zum Landeigentümer gerast. Wir haben das Grundstück nur knapp vor dem Zuschlag an unseren grössten Konkurrenten erworben. Welchen Einfluss hatte Le Cobusier auf die Siedlung Halen? Le Corbusier war für uns fünf Architekten natürlich das grosse Vorbild. Als Schüler und als Mitarbeiter von Le Corbusier war Hans Brechbühler unser geistiger Ziehvater. Der Übervater aber war natürlich Le Corbusier. Jeder von uns hat den Modulor, die legendäre «Goldener Schnitt Skala», auswendig gekannt. Alle unsere frühesten Entwürfe waren auf Modulormassen aufgebaut. Der Grundrisstyp der Halen geht mehr oder weniger auf unsere sechs Häuser von Flamatt 1 als Reihenhausobjekt zurück. Sie sind fast ohne Abweichung von Le Corbusiers Ideen durchzogen, bis zu seinen typischen Details wie Dachspeier etc. Wir haben mit Familie in einem Flamatt-1-Haus mit der Innenbreite 3,66 m und der Raumhöhe 2,26 m gewohnt. Unsere Erfahrungen haben uns bewogen, für Halen eine Innenbreite von 3,85 m für den kleinen Haustyp zu wählen. Die Raumhöhe musste den kantonalen Vorschriften entsprechend leicht auf 2,30 m erhöht werden. Auch Sie haben LC persönlich erlebt! Ich arbeitete zwei Jahre lang im Büro von Architekt André Sive in Paris, wo wir hauptsächlich an grossen Projekten «pour le Ministère de la Reconstruction» unter Claudius Petit arbeiteten. An Gelegenheiten, «grossen Tieren» zu begegnen, fehlte es nicht. Corbu hat damals im Grand Palais seine Pläne für Chandigarh vorgestellt. Leute wie die Gebrüder Prouvé, Hänning, Bodiansky oder Charlotte Perriaud waren oft bei uns im Büro Sive. Für Sive und Prouvé habe ich den Bau der Aluminium-Siedlungshäuser in Meudon geleitet (plan d’execution et chantier). Haben Sie auch an die LC-Projekte La Sainte Baume und Roq et Rob bei Cap Martin angeknüpft? Wir haben sie natürlich von Fotos her gekannt. Die Unité d’Habitation in Marseille war als Wohnidee das Hauptvorbild für die Siedlung Halen. Es waren auf der einen Seite die faszinierende Gesamtsiedlung Roq et Rob und andererseits die sehr einfachen

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Gespräch mit Hans Hostettler

Grundrisse von Marseille, die dann zum Wurf Halen geführt haben; nicht zuletzt weil Göhner auf Einfachheit gedrängt hat. Welcher Bezug besteht zu Bern, zu dem von Paul Hofer entwickelten Begriff der Hofstatt als Grundmass für die Berner Altstadt? Mit Professor Paul Hofer fuhren wir fünf in meinem Citroen, dem ersten Büroauto, oft auf Reisen. An diversen Samstagsausflügen haben wir mit Hofer die Schönheiten vieler Berner Campanien entdeckt, all die schönen Patrizierlandsitze. Der Entstehung der Hofstatthäuser in der Altstadt von Bern galt unser spezielles Interesse, verglichen wir doch schon damals den Altstadt Haustyp mit dem Halenhaus: bescheiden, Landverbrauch, Konzentration, einsichtsfrei, energiesparend usw. Andererseits interessierte uns auf den Ausflügen bis Turin und Mailand der Gross-Siedlungsbau «ennet der Alpen» – und vor allen Dingen auch die Schönheit einer Betonarchitektur wie sie zum Beispiel der Ingenieur Ponti oder der Architekt G.C. de Carlo produzierten. Und mit der Baubewilligung für Halen gab es keine Schwierigkeiten? Als die Bauarbeiten abgesteckt waren, lobte Gemeindepräsident Brönnimann, der gleichzeitig der Landverkäufer war, das Projekt. Er betonte, dass der Siedlungsbau im Gleichgewicht der politischen Parteien der Gemeinde stehe. Morgenthaler und ich sind auf Tournee gegangen und haben versucht, unsere eventuell möglichen Gegner – sieben Gemeinderäte (sechs bürgerliche und ein sozialdemokratischer) – von der Bewohnbarkeit und dem sozialen Aspekt für die Gemeinde zu überzeugen. Je nach Partei haben wir das eine oder das andere Argument herunter- oder heraufgespielt. Wie gross war das Käuferinteresse?

Das Projekt war bewilligt und wir begannen anhand eines ersten grösseren Prospekts und mit Zeitungsbeilagen Käufer zu suchen. Wir machten speziell in Bern Reklame für die Halensiedlung. Als ungefähr 30 Interessenten zugesagt hatten, ein Haus zu kaufen, haben wir frohlockt und gedacht, bei 50 Zusagen mit dem Bauen beginnen zu können. Aber wir hatten Pech. Die damalige Hypothekarkrise hat uns einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht: Viele Interessenten erhielten keine Hypothekarkredite mehr. Das Atelier 5 hätte damals als einfache Gesellschaft mit dem 600 000-Franken-Darlehen von Göhner Pleite gemacht. Morgen­

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thaler hat wiederum über Steiger Ernst Göhner schmackhaft gemacht, dass er doch weiterhelfen solle und Göhner hat erneut zugesagt. Er übernahm als Generalunternehmer das ganze Paket und beauftragte Atelier 5 mit Architektur, Ausführung und Verkauf. Das war unser Glück: Ohne Göhner gäbe es wahrscheinlich weder das Atelier 5 noch die Siedlung Halen. Sie leben jetzt 50 Jahre hier. Da muss es Ihnen in Halen ja gefallen haben. Wie sehen Sie Halen heute? 50 Jahre Halen zu bewohnen ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir haben entschieden, hier zu bleiben, bis zum «geht nicht mehr». Dies, obwohl sich die Ambiance aus unserer Sicht stark verändert hat. Die Halen war zu Beginn bewohnt von sehr vielen Freunden und Bekannten. In den ersten zehn, zwanzig Jahren kannten wir alle Halenbewohner persönlich. Viele waren miteinander befreundet. Man ist sozusagen im gleichen Schiff vereint gewesen mit allem Drum und Dran, mit allen Vor- und Nachteilen, sozusagen ein kleines Ghetto von Gleichgesinnten. Unsere Vorstellung vom Ganzen war eigentlich ein für alle offenes Konglomerat von politisch und sozial Ungleichgesinnten. Heute ist es bald so weit: Viele Bewohner und Bewohnerinnen haben sich in einem mehr oder weniger teilnahmslosen Verbund zusammengefunden. Man kennt sich oder man kennt sich nicht. Hans Hostettler, 1925, Architekt BSA/ SIA/SWB, 1946–1949 Ausbildung im Technikum Burgdorf, Weiterbildung in Florenz und Paris (André Sive), speziell Wohn- und Siedlungsbau, später bei Henry Daxelhofer und Hans Brechbühler in Bern, 1955 Mitbegründer Atelier 5.


Dank der Herausgeber

Herzlicher Dank an:

Allianz Suisse Atelier 5 Emil Breu (EB)1) Martin Bruderer Christa Christen (CC) † Yvonne Clough Croci & du Fresne Hans Eichenberger Fondation Le Corbusier Isabelle Godineau Veronica Grandjean (VG) Christoph Grünig Hanspeter Gsell Matthias Haupt Barbara und Thomas Hess Hans Hostettler Hans Ineichen (HI)

Lithwork AG Johanna Mahler (JM) Gebr. Marthaler Christoph Miesch Elsbeth Mühlethaler (EM) Hans Mühlethaler (HM) Heinz Müller Felix Nünlist Samuel Nussbaumer J. Roderick O’Donovan Alfredo Pini Hans-Luzius Schmid Ava Slappnig (AS) Hans Soltermann Fritz Thormann (FT) Olivier Vogt Lisbeth Winiger (LW)

sowie an alle Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung Halen.

1) Die Initialen verweisen auf die Autorinnen und Autoren der Texte S. 48–53.

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Die Herausgeber danken folgenden Institutionen, Firmen und Gönnern, die finanziell und ideell zur Herausgabe dieses Buchs beigetragen haben:

BEKB/BCBE Gemeinde Kirchlindach Kultur Stadt Bern Swisslos/Kultur Kanton Bern

Teo Jakob Einrichtungshaus GEOTEST AG Zollikofen MBT Michel-Beton-Technik AG Ortschwaben Baugeschäft Petris Herrenschwanden

atelier arba architekten Bern bichsel bigler partner AG Gümligen Contafin Treuhand und Revisions AG Liebefeld

Martin Bruderer, dipl. Betriebsorganisator, www.halen.ch Hans Andreas Jordi und Susanna Wüthrich-Jordi, Bremgarten Fam. Jürg Marti, im Andenken an Chrigs (Christa) Christen-Marti Christoph Miesch, Fürsprecher, Halen 59 Felix Nünlist und Yvonne Clough Bäckström, Halen 26 Regula Zumbühl, Musikerin, Bern

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Fototermin Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung Halen am 5. Juni 2010

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Über die Herausgeber Heinz J. Zumbühl, Geograph und Kunsthistoriker, Professor an der Universität Bern. Halenbewohner seit 1978. Barbara Miesch, Kunsthistorikerin. Halenbewohnerin seit 1967. Oliver Slappnig, selbstständiger Grafiker in der Siedlung Halen. Halenbewohner seit 1992. Peter Kühler, Nationalökonom. Halenbewohner seit 1969.

Besonderer Dank für wertvolle Anregungen und grosses Engagement geht an: Hans Peter Luginbühl, Primar- und Werklehrer. Halenbewohner seit 2005. Robert Stähli, Journalist, Auslandchef Schweizer Radio DRS. Halenbewohner seit 1979.

Bildnachweise: Croci & du Fresne, Ittigen (S. 5–15, 31, 34, 37, 55–85, 109–121) W. Boesiger, Le Corbusier. Œuvre complète 1946–1952 (S. 24, 26) Heinz J. Zumbühl, Herrenschwanden (S. 25) Oliver Slappnig, Herrenschwanden (S. 41, 47, 117 unten, 149–157) Christoph Grünig, Biel (S. 89– 91) Pixelschmiede, Ittigen (S. 93) Lithwork/Hans Minder, Niederwangen (S. 94–107) swisstopo (S. 138–139) Alle übrigen: Archiv

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Zumbühl u.a., Siedlung Halen