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Im Interview

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„Fleiß ist die Grundlage für Kreativität, egal auf welchem Gebiet!“ Prof. Dr. Daniel Memmert, DSHS Köln, im persönlichen Gespräch

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ir treffen uns an einem Freitagnachmittag in einem kleinen Café im Heimatort des Sportwissenschaftlers, der in Nürnberg geboren wurde, in Köln seinen Lehrstuhl hat und in Neckargemünd mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern lebt. Seit er vor fast 20 Jahren nach Heidelberg kam, um Sport und Mathematik für das Gymnasiallehramt zu studieren, hat ihn die Kurpfalz nicht mehr losgelassen. Auch die Wissenschaft hat ihn gepackt und nach Abschluss von Dissertation und Habilitation bei seinem akademischen Ziehvater Prof. Dr. Klaus Roth am ISSW der Universität Heidelberg im Jahre 2009 zog es ihn an die Deutsche Sporthochschule Köln. Dort hat er sich als Institutsleiter des Instituts für Kognitionsund Sportspielforschung etabliert. Prof. Dr. Daniel Memmert zählt heute international zu den innovativsten Forschern seines Fachs. Eine Professur an der Deutschen Sporthochschule Köln mit Wohnsitz Neckargemünd – das ist doch schon auffällig und führt mich zu der Frage, welchen alltäglichen Aufwand das mit sich bringt. Wie kann das funktionieren? Prof. Dr. MEMMERT (lacht): Das kann gut funktionieren, wenn man zu Beginn und zum Ende einer Arbeitswoche seinen Zug pünktlich erwischt und während der Woche ein Zimmer hat, in dem man gut schlafen kann. Aber Sie haben schon Recht. Wenn man als Sportwissenschaftler einen Ruf an die Deutsche Sporthochschule nach Köln erhält, streichelt das die Forscherseele sehr, das gebe ich zu! Andererseits waren meine beiden Töchter

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Selbstverwaltung an einem neuen Institut mussten erst einmal geschaffen werden – und das natürlich unter kritischer Beobachtung von Kolleginnen und Kollegen, die zu den renommiertesten Sportwissenschaftlern Deutschlands gehören. Dabei ist es die Forschung, die an der Deutschen Sporthochschule insgesamt und besonders auch an unserem Institut ganz klar im Vordergrund steht. Hier haben wir ein Team aufgebaut, unseren Weg gefunden und sind in der sportwissenschaftlichen Community klar positioniert: als Kognitions- und Motorik-, Kinder- und Jugend-, Sportspiel- und Evaluationsforscher. Dabei verstehe ich Forschungsarbeit immer als Teamarbeit.

damals nicht mal ein und drei Jahre alt. Wir sind eine junge Familie, die in der Region sehr verwurzelt ist. Deshalb habe ich ausgelotet, ob das zusammengeht: der Aufbau eines Instituts an einer Hochschule in Köln und das Leben in Heidelberg, in der die junge Familie lebt. Ich kann Ihnen sagen, das war am Anfang meiner Zeit schon hart, aber mittlerweile merke ich, dass dieser Rhythmus einem Forscher sogar Vorteile bringen kann. Um das verstehen zu können, muss man wissen, wie die Arbeit am Institut Kognitions- und Sportspielforschung in Köln aussieht. Wie gestaltet sich der Beruf des akademischen Lehrers und Forschers Daniel Memmert? Prof. Dr. MEMMERT: Zu Beginn war alles von Aufbauarbeit geprägt. Forschung, Lehre,

Trotzdem passiert ein Gutteil forscherischer Arbeit auch im stillen Kämmerlein… Prof. Dr. MEMMERT: …und genau das habe ich in meinem Haus in Neckargemünd. Zunächst aber passiert forscherische Arbeit im Kopf. Also kann man auch eine Zugfahrt sehr gut dazu nutzen, um über ein Problem nachzudenken. Und man gewinnt nicht nur räumliche Distanz zum Berufs- oder Familienalltag, sondern auch kognitive Distanz. Das ist der Vorteil, den ich meinte: ich kann mich während der Woche hervorragend auf meine Forschungsarbeit und am Wochenende auf meine Familie konzentrieren. Natürlich – wie schon angedeutet – entstehen zahlreiche Publikationen auch am heimischen Schreibtisch, da ich auch zu Hause sehr gut arbeiten kann. Aber die Teamarbeit findet in Köln statt. Und in dieser Teamarbeit bereichern sich die Beteiligten gegenseitig.

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