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Im Interview

„Die wichtigste Vermögensbildung ist die Investition in die eigene Gesundheit“ Prof. Dr. Robert von Weizsäcker im persönlichen Gespräch

Lieber Herr von Weizsäcker, ich erinnere mich gut an unsere erste Begegnung anlässlich der ersten Verleihung des Schachwissenschaftspreises der Anatoli Karpow Schachakademie Rhein-Neckar im großen Hörsaal der MLP AG im November 2007. Womit begründen Sie Ihre Leidenschaft und Ihr Engagement für Schach? V. WEIZSÄCKER: Schach spiele ich seit meiner Kindheit. Faszinierend für mich sind der Wettkampf an sich, das strategische Element und die ästhetische Seite des Spiels. Jede Schachpartie fordert sie heraus, in hochkomplexen Situationen unter Zeitdruck vernünftige Entscheidungen zu treffen.

Prof. Dr. Robert von Weizsäcker

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Was Ihnen offensichtlich gut gelingt, da Sie es zum Großmeister und zum Mitglied der deutschen Fernschach-Nationalmannschaft gebracht haben. Führen Sie das auf Ihr mathematisches Talent zurück? V. WEIZSÄCKER: Ein mathematisches Verständnis kann nie schaden. Gute Schachspieler sind aber nicht notwendigerweise überdurchschnittliche Mathematiker. Zu glauben, man könne den jeweils folgenden Zug mathematisch errechnen, ist völlig illusionär. Im Schach ergeben sich schon nach wenigen Zügen millionenfache Konstellationen und Handlungsvarianten, die ein rein rationales Denken schnell an seine Grenzen stoßen lassen.

Ist Schach folglich ein emotionales Spiel? V. WEIZSÄCKER: Spontan würde ich sagen: es ist ein königliches Spiel, das Emotionen weckt. Schach hat zu tun mit einer immer wiederkehrenden, rationalen Prüfung von strategischen Alternativen. Am Brett bleiben dabei Gefühle oftmals nicht aus. Die erwähnte Komplexität führt letztlich jedoch zu Handlungen, die sich stark auf die Intuition stützen. Intuition darf aber nicht mit Emotionalität verwechselt werden. Es geht im Sinne des amerikanischen Sozialwissenschaftlers und Wirtschaftsnobelpreisträgers Herbert Simon um ein Phänomen, das er als „unterbewusste Mustererkennung“ bezeichnet hat. Dieser Prozess der unterbewussten Mustererkennung basiert auf Erfahrungen, die im langfristigen Gedächtnis gespeichert sind. Diesen Langfristspeicher kann man mit einer großen Enzyklopädie vergleichen, die über ein ausgefeiltes Indexsystem verfügt. Dieses Indexsystem greift auf Information mithilfe von intelligenten Querverweisen zu. Es sind diese Querverweise, die blitzartige Assoziationen erzeugen können und damit die Basis für unsere Fähigkeit der Mustererkennung liefern. Die Intuition ist folglich eine durchaus rationale, wenn auch im Unterbewussten stattfindende analytische Methode der Entscheidungsfindung. Hier erkennen Sie den Zusammenhang aus intuitiven Fähigkeiten, einer Art „inneren Führung“, und analytischen Fähigkeiten des logischen Schließens1. Ist das Wechselspiel aus „Intuition und Ratio“ ein schachtypisches Phänomen oder gilt das auch für andere Bereiche des Lebens oder zum Beispiel auch des Sports?

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