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FOTO: SHUTTERSTOCK, UNSPLASH.COM/ANDREJ-LISAKOV, MONTAGE: L. DIEßNER

76 Lesungen und Themenabende an 16 Orten in sechs Städten: Das bietet die große Herbst­Lese im Ruhrgebiet.


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LIT.RUHR

Oktober 2019

Aus dem

Inhalt Buchpreis-Kandidatin Jackie Thomae

Seite 4

Ewig Jung Astrid Lindgren Seite 9 Jürgen Klopp zu Gast in Dortmund. FOTO: GETTY

Text-Künstler

Wolfgang Niedecken Seite 3

WEITERE THEMEN DIESER BEILAGE Lucas Vogelsang und Joachim Król reisen Seite 5 Alle Termine der Lit.Ruhr im Überblick Seite 6-7 Simon Strauß flaniert, Jens Harzer liest Seite 8 Die Lesereihe „Transformationen“ Seite 10 Übersicht über das Zollverein-Festivalgelände Seite 11

IMPRESSUM

ZUM FESTIVAL

Tickets und Preise WAZ Westdeutsche Allgemeine Zeitung Chefredakteur: Andreas Tyrock (V.i.S.d.P.) Redaktion dieser Ausgabe: Tobias Appelt, Jens Dirksen, Britta Heidemann, Lars von der Gönna Realisierung: WAZ Kulturredaktion / FUNKE Redaktions-Services Casten Oberste-Kleinbeck (Chef vom Dienst), Lisa Dießner (Gestaltung), Michael Gottschalk, Elsa Wehmeier (Foto)

Verlag: FUNKE Medien NRW GmbH, Jakob-Funke-Platz 1, 45127 Essen

Geschäftsführung: Ove Saffe, Andreas Schoo, Michael Wüller Druck: Druckzentrum Essen GmbH, Betriebs KG, Friedrichstraße 34-38, 45128 Essen. Druckzentrum Hagen GmbH, Hohensyburgstraße 67, 50099 Hagen

Die guten Dinge: Lit.Ruhr, zum Dritten

Z

um dritten Mal bringt die Lit.Ruhr Bücher und ihre Schöpfer auf die Bühne, bringt namhafte Autorinnen und Autoren ins Ruhrgebiet. Freuen wir uns auf spannende Begegnungen – auf dem Gelände der Zeche Zollverein oder der Philharmonie in Essen, im Bochumer Schauspielhaus, in Dortmunds Signal Iduna Park, in Gelsenkirchens Kaue und Duisburgs Gramatikoff. Prominente wie Thomas Gottschalk, Doris Dörrie und Jürgen Klopp sind dort zu erleben, literarische First Ladys wie Ildikó von Kürthy und BuchpreisKandidatin Jackie Thomae, Spannungskünstler wie Robert Harris, Martin Walker und Jan Weiler. Den Blick in die Zukunft wagt die Reihe „Transformationen“, hier denken etwa Philosoph Wolfram Eilenberger, Sozialpsychologe Harald Welzer oder

Blogger Sascha Lobo über Gegenwärtiges und Künftiges nach. Und am Wochenende dürfen sich Familien auf Stars wie Ralph Casper, die Brüder Steinhöfel und Grüffelo-Erfinder Axel Scheffler freuen. Fünf Hauptförderer ermöglichen das umfangreiche Programm: die BrostStiftung, Evonik Industries, die Innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft, die RAG-Stiftung, die Stiftung Mercator. Auf der Panoramaseite in der Mitte dieser Sonderbeilage geben wir einen Überblick über sämtliche Veranstaltungen des Festivals. Einen Plan des zentralen Festivalgeländes von Zeche und Kokerei Zollverein finden Sie auf der vorletzten Seite dieser Sonderbeilage. Wir wünschen allen Festivalgästen anregende, spannende Stunden und Lese-Erlebnisse! Ihre Redaktion

K Karten für die Lit.Ruhr sind im Vorverkauf erhältlich in den Leserläden unserer Zeitung, unter www.ruhrticket.de oder den Telefonnummern 0201/804-6060 und 0211/274000. Zusätzlich zu den in dieser Beilage angegebenen Vorverkaufspreisen können Gebühren hinzukommen. Die Preise an der Abendkasse (AK) sind Endpreise.

K Ermäßigungen gibt es für Schülerinnen und Schüler, Studierende bis 28 Jahre, Auszubildende, FSJler, Schwerbehinderte sowie Empfänger von Sozialgesetzbuch-Leisungen.

K Die Veranstaltungen des KlasseBuch-Programms für Schulklassen sind kostenlos, es ist allerdings eine Anmeldung erforderlich: www.lit.ruhr/klassebuch. Informationen über barrierefreie Veranstaltungen finden sich unter www.lit.ruhr/barrierefreiheit.


Köln. „Ich werd ja nur Lieder singen und ansonsten schweigen“, sagt Wolfgang Niedecken über die Auftakt-Gala zur Lit.Ruhr unter dem Titel „Story of my Life“. Aber das stimmt natürlich nur halb. Denn die sieben Songs, die er in der Essener Philharmonie zusammen mit Mike Herting spielen wird („Den kenne ich schon ewig, da war ich noch der Maler und er der Musiker“), sind selbstverständlich auch Geschichten aus seinem Leben, so wie alle seine Songs zusammen eine Art Autobiografie ergeben. Jens Dirksen sprach mit dem BAP-Musiker übers Songschreiben und Songsingen.

Herr Niedecken, wie entstehen Ihre Songs? Wolfgang Niedecken: Eigentlich immer anders. Aber die 15 Songs fürs neue Album sind sehr einfach entstanden: Unser Gitarrist „Ulle“ Rode hat mir eine CD mit den Musiken geschickt mit „Blendax-Texten“… … so etwas wie die „scrambled eggs“, also die Rühreier, die Paul McCartney in der ersten Fassung von „Yesterday“ besungen hat? Ja, genau! Und dann hat er noch eine weitere CD mit der Musik ohne Gesang geschickt, und ich konnte mir das so lange anhören, bis mich ein Text, ein Thema angesprungen hat. Ich schreibe ja immer nur über Sachen, die mir wirklich durch den Kopf gehen und teilweise sogar rausmüssen. Bei den ersten Songs für ein Album ist der Druck sogar fast unerträglich

FOTO: UWE ANSPACH

LIT.RUHR

Oktober 2019

Die Songs seines Lebens Wolfgang Niedecken spricht über das Songschreiben – und dessen Grenzen groß, denn da geht es um Sachen, die mich schon lange umtreiben.

Wann kommt das Album denn ? Irgendwann im nächsten Jahr. Basteln Sie lange am Text? Kommt drauf an. Es gibt manchmal Stellen, von denen weiß man, dass sie nicht stimmen, dass sie handwerkliche Fehler haben. Ich spreche gern von meiner Nackenhaarkontrolle – wenn sich keine mehr aufstellen, ist der Songtext rund. Haben Sie schon mal einen Songtext bereut? Ja klar, das war bei der Verfassung von „Anna“ so, das war ein unverschämter Text! Der ist aus einer Verletzung heraus entstanden, aber übers Ziel hinausgeschossen. Ich hab dann ja viele Jahrzehnte später auf dem Album „Live & deutlich“ eine Fassung mit einem Text eingespielt, mit dem ich (und hoffentlich auch die Angesungene) leben kann.

Können Sie sich vorstellen, wie es ist, ein „One-Hit-Wonder“ zu sein? Sowas muss furchtbar sein! Wenn die Leute immer nur kommen, weil sie „In The Summertime“ oder so etwas hören. Nichts gegen „In The Summertime“, das war ein wunderbar fröhliches Lied aus den 60ern, und mit den Mädels lief‘s dann auch gleich besser. Aber wenn du das immer spielen musst, und der Rest ist eigentlich egal? Furchtbar!

Ja, das hat er hier in Köln auch gesagt, ich finde das sympathisch. Paul McCartney zum Beispiel macht das ja auch, der müsste ja nur einen Beatles-Song nach dem anderen spielen, und die Leute wären aus dem Häuschen, der könnte auch lauter Wings-Songs spielen, und die Leute wären aus dem Häuschen. Macht er aber nicht. Er macht alle drei Jahre ein neues Album, und die Leute sollen sich davon dann auch ein, zwei Songs live anhören. Dafür liebe ich ihn, er ist ein Künstler, der dazu steht, dass er einen Gestaltungsdrang hat. Er ist eben nicht zufrieden damit, das Leben einer Musikbox zu führen.

Kann eigentlich alles zum Songtext werden? Man kann sich schon relativ weit rauswagen, wenn es anonymisiert ist. Aber als meine erste Ehe in die Brüche gegangen ist, habe ich darauf geachtet, nicht allzu privat zu werden und niemanden bloßzustellen. Denn wenn sich auf einmal noch der Boulevard dafür interessiert, wird es schlimm. Oder man behauptet wie Bob Dylan bei „Blood on the Tracks“, dass so ein Album nichts mit der eigenen Geschichte zu tun hat. Allerdings hat sein Sohn Jakob später in einem Interview gesagt, immer wenn er das Album höre, höre er seine Eltern streiten. Entscheidend ist aber, ob die Poesie zum Hinhören zwingt und viele sich darin wiederfinden können.

»Ich schreibe ja immer nur über Sachen, die mir wirklich durch den Kopf gehen und teilweise sogar raus müssen.«

Solche Sorgen haben Sie ja nicht. Haben Sie Songs in der Schublade, mit denen Sie unzufrieden sind? Im Gegenteil! Wir haben das LuxusProblem, dass wir gar nicht alle Hits spielen können, noch nicht mal in unseren drei Stunden-Konzerten. Herbert Grönemeyer hat neulich auf Schalke den Song „Mein Lebensstrahlen“ angesagt mit der Bemerkung, dass den kaum einer mag, dass er ihn aber liebt und so lange immer wieder spiele, bis es endlich ein Hit werde.

Die Eröffnungsgala

K „Story of my Life“ lautet der Titel der diesjährigen Eröffnungsgala: Wolfgang Niedecken singt Songs seines Lebens, am Piano begleitet von Mike Herting. Eva Mattes und Peter Kurth lesen Autobiografisches von Heine bis Meyerhoff. Schriftsteller Saša Stanišić erzählt von seiner „Herkunft“. Dienstag, 8.10., 19.30 h, Philharmonie Essen, Karten 18 - 59 Euro.

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LIT.RUHR

E Top Tipps

Oktober 2019

Biografie, zwei Spiele Jackie Thomaes Roman „Brüder“ ist Buchpreis-Kandidat Von Britta Heidemann

Boris Palmer

FOTO: SOEDER / DPA

Boris Palmer über Politik und Wirklichkeit Essen. Grünen-Politiker Boris Palmer (47) versteht es, Diskussionen zu befeuern. Ein Beispiel ist sein Buch „Wir können nicht allen helfen“, das für Gesprächsstoff sorgte. Jetzt legt der schreibende Kommunalpolitiker nach: „Erst die Fakten, dann die Moral! Warum Politik mit der Wirklichkeit beginnen muss“, heißt sein neues Werk. In Essens Kongresszentrum an der Messe wird Palmer bei der Lit.Ruhr daraus lesen. 9.10., 20 h, Messe Essen, Congress Center West. Karten 14/ AK 19 €

Ildikó von Kürthy

FOTO: J. RICKERS

Ildikó von Kürthy wird immer älter – und lustiger Essen. Die Karriere von Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy begann als Journalistin, und vielleicht deshalb schreckt sie nicht davor zurück, die Gabe der genauen Beobachtung auch bei schwierigsten Objekten zu nutzen: bei sich selbst. Im neuen Roman „Es wird Zeit“ erzähtl die unterdessen auch schon 51-Jährige vom Älterwerden – und wie sich das anfühlt, verrät sie auf dem Podium Cordula Stratmann.

Essen. Allein schon sein Thema macht „Brüder“ zum geborenen Kandidaten für den Deutschen Buchpreis, und so darf man Jackie Thomae getrost die Daumen drücken: Mauerfall und Wende, Herkunft, Hautfarbe und Rassismus, Familienformen und natürlich Berlin, Berlin, Berlin – alles da, was ein Roman bräuchte, der durch den Preis ausgewiesen werden soll als eine Visitenkarte deutscher Gegenwartsliteratur mit geschichtlicher Schwere und gesellschaftsrelevanter Problemstellung. Darüber hinaus ist das Erzählte gedeckt durch die Biografie der Autorin: Wie sie sind ihre „Brüder“ (Mick und Gabriel) in der DDR geboren als Söhne eines dunkelhäutigen Vaters, den sie – ebenfalls wie Thomae – erst sehr spät im Leben kennenlernen. Das alles spräche dafür zu glauben, der Roman ersticke an politischer Korrektheit und Selbstgewissheit, erzähle vom Alltagsrassismus im Horror-Osten und halte uns den moralischen Zeigefinger riesengroß vor Augen. Das Gegenteil ist der Fall: wir dürfen staunen über ein lebenslustig dahin geplaudertes Spiegelkabinett, das Fragen nach familiären und charakterlichen Prägungen und biografischen Wendepunkten stellt. Mick und Gabriel haben zwar denselben Vater, aber wissen nicht voneinander; erst ganz am Ende kommen ihre gemeinsamen Wurzeln überhaupt ins Spiel. Der erste

Die Widmung im Roman gilt allen Neu-Berlinern der wilden 90er Jahre

Die Hautfarbe ist nur ein Detail Gabriel hingegen ist von Jugend an zielstrebig, orientiert, einer, der weiß, was er will. Seine Wirkung auf Frauen interessiert ihn weit weniger als Mick, wobei beide einen Hang zu „starken“ Frauentypen haben. Der Crash, der sein so strukturiertes Leben überfährt, kommt umso überraschender – ein Ausbruch aus der Beherrschtheit, der alles bisherige infrage stellt. Zuletzt hat Paul Auster in seinem Roman „4321“ eindrucksvoll das Biografie-Spiel gespielt, indem er ein Leben in vier Varianten erzählt hat. Thomaes Protagonisten sind nicht identisch, aber beginnen ihr Leben doch unter nahezu identischen Voraussetzungen. Ihr gelingt das Kunststück, die Hautfarbe nur als weiteres Detail scheinen zu lassen – und so bleibt die spannendste Frage im Roman, in welchem Maße wir unser Schicksal selbst in der Hand haben.

Die Lit.Ruhr-Lesung

K Der Roman: Jackie Thomae: Brüder. Hanser Berlin, 432 Seiten, 23 €

K Die Lesung: Schauspieler Alexander Fehling (38, Foto) sitzt neben Jackie Thomae auf dem Podium und liest aus dem Roman: Am Samstag, 12.10., 19.30 Uhr im Essener Katakomben-Theater. Es moderiert Thomas Laue. Jackie Thomae, 1972 in Halle an der Saale geboren. FOTO: U. ZINTEL FOTO: UNSPLASH.COM, PAUL-HANAOKA

11.10., 20 h, Zollv. 16/AK 21 €

»Für euch, schwarze Schafe«

Teil des Romans gehört ganz Mick. Er lebt in Berlin ein verpeiltes Partygängerleben, nachdem seine Mutter mit ihm von Ost nach West zog, sich leider aber von ihrem wohlhabenden Ehemann wieder trennte – was Mick um seine monatliche Überweisung mit dem Vermerk „Ausbildung“ bringt, wobei der Vermerk noch nie gestimmt hat, das Geld aber eine Vertagung von Sinn und Lohnfragen des Lebens ermöglichte.


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Oktober 2019

In Helmstedt suchen sie den alten Braunkohle-Tagebau Harbke auf, der von Deutschland-Ost und –West gleichermaßen betrieben wurde. Die Ost-West-Reisenden treffen Cornelia Grüchow, die als Servierkraft 2008 eine alte Transit-Raststätte für immer abschloss. Sie besuchen Andreas Thom, den ersten Fußballprofi der Oberliga, der nach der Wende in den Westen ging - zu Bayer Leverkusen, geködert von einem trickreichen Rainer Calmund. Und am Ende geht es, wie im Film, nach Boltenhagen, ins westlichste Ostseebad der Stasi-Republik, und auch hier sammeln Król und Vogelsang mal Enttäuschungen auf, mal Glückssträhnen.

Von Jens Dirksen Essen. Der Berliner Reporter Lucas Vogelsang, der bis vor wenigen Tagen noch Stadtschreiber Ruhr war, weiß sich auch im Kino meist im richtigen Film, Peter Thorwarths „Bang Boom Bang“ etwa hat ihm das Herz fürs Revier aufgeschlossen und Detlev Bucks Ost-Western „Wir können auch anders“ das für die komischen Widersprüche der Wiedervereinigung. Als Vogelsang dann vor einigen Jahren auf Joachim Król traf, einen der beiden Hauptdarsteller aus „Wir können auch anders“, verwickelte sie nicht nur die gemeinsame Liebe zum Fußball in ein langes Gespräch – und so verabredeten sie am Ende eine Tour auf den Spuren des Films und der deutschen Wiedervereinigung.

Die DDR-Polizistin, die floh Und weil der Osten für Lucas Vogelsang tief im Westen beginnt, treffen die beiden in Bochum eine ehemalige Polizistin aus der DDR, die an die Ideale dieses Staates glaubte und von seiner Realität so enttäuscht war, dass sie zwei Tage vor dem Fall der Mauer in den Westen floh. Das Gegenstück wird dann Andreas Maluga in Wattenscheid, der noch über den Fall der Mauer hinaus an die DDR glaubte und über eine gigantische FanartikelSammlung des selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaats verfügt. Und weiter geht’s über die alte Transit-Strecke der A2 nach Berlin.

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Die Grenze erfahren von West nach Ost Autor Lukas Vogelsang und Schauspieler Joachim Król erzählen von einem, Road Trip

Kohl-Wortspiele Und man lernt: Die Geschichte der Wende ist noch nicht zu Ende. Sie besteht aus den Geschichten der Gewinner und Verlierer. Und einige der bizarrsten, anrührendsten hat Vogelsang, der sich allzu gern mal den Ball auf den KalauerElfmeterpunkt legt und auch vor Kohl-Wortspielen keine Angst hat, aufgeschrieben. Und aufgesprochen, den Band gibt es auch als Hörbuch, von beiden Autoren eingelesen.

Grenzerfahrungen K Das Buch: Lucas Vogelsang/Joachim Król: Was wollen die den hier? Deutsche Grenzerfahrungen. 271 S., 20 Euro. Hörbuch: Goya Lit/Jumbo, 6 CDs, ca. 16 Euro. K Die Lesung: Samstag, 12.10., 21 Uhr, Salzlager Zollverein. Karten 16/ AK 21 €.

Joachim Król

Lucas Vogelsang

E Top Tipps Beleidigend: Cordula Stratmann & Bjärne Mädel Essen. Die Komikerin Cordula Stratmann (55) und der Schauspieler Bjarne Mädel (51) beschäftigen sich bei der Lit.Ruhr mit der „hohen Kunst der Beleidigung“. Anhand von literarischen Beispielen erkunden sie im Essener Traditionskino Lichtburg die Geschichte der Cordula Stratmann und Bjarne Mädel FOTO: PICTURE ALLIANCE

Beleidigung und geben Tipps für den cleveren Umgang mit ihr: „Wir üben, manche Beleidigung als schillernde Seifenblase aufzufassen, die ganz leicht zum Platzen zu bringen ist“, erklären Stratmann und Mädel. 9.10., 19.30 h, Lichtburg Essen. Karten: VVK ab 14 €, AK ab 19 €.

Martin Sonnenborn geht nach Brüssel Essen. Der frühere Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn (54) nimmt das Publikum der Lit.Ruhr mit auf eine „Klassenfahrt nach Brüssel“, und er erklärt, wie Europa funktioniert. Seit 2014 sitzt Sonneborn für „Die Partei“ im EU-Parlament. In dieser Zeit hat er jede Menge Material gesammelt und mit dem Blick des Satirikers aufbereitet. Die Ergebnisse dieses Blicks hinter die Kulissen finden sich im neuen Buch „Herr Sonneborn geht nach Brüssel – Abenteuer im Euopaparlament“.

Martin Sonneborn

FOTO: DPA

10.10., 19.30 Uhr, Zollverein, Salzlager. Karten: VVK 16 €, AK 21 €.


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Oktober 2019

DIENSTAG 8.10.2019

DONNERSTAG 10.10.2019

19:30 Uhr „Story of my life!“: Die große Gala der lit.RUHR mit Eva Mattes, Peter Kurth und Wolfgang Niedecken. Philharmonie Essen

09:30 Uhr Thilo Reffert Halle 2, Zollverein

11:30 Uhr Matthias Morgenroth KAUE Gelsenkirchen

09:30 Uhr Karsten Teich und Eva Muszynski Stratmanns Theater Essen

11:30 Uhr Julya Rabinowich Lichtburg-Filmpalast Essen

MITTWOCH 9.10.2019

09:30 Uhr Ocke Bandixen Stadion Essen

19:30 Uhr Jürgen Klopp, Joachim Watzke, Michael Horeni Signal Iduna Park Dortmund

09:30 Uhr Andrea Paluch Foyer Halle 12, Zollverein

09:30 Uhr Menno Metselaar und Ute Wegmann Alte Synagoge Essen

19:30 Uhr Emilia Smechowski und Steffen Möller Grammatikoff

09:30 Uhr Barbara Iland-Olschewski Stratmanns Theater Europahaus

09:30 Uhr Eymard Toledo Grammatikoff Duisburg

19:30 Uhr SPEECHES of NOTE! Reden, die die Welt veränderten Schauspielhaus Bochum

09:30 Uhr Iben Akerlie & David Fermer Grammatikoff Duisburg

09:30 Uhr Nikolas Gorny Rotunde Bochum

09:30 Uhr Felix Homann (innogy) Showlabor: Energie! Rotunde Bochum

09:30 Uhr Lomp Bauer KAUE Gelsenkirchen

09:30 Uhr Anne Becker Halle 2, Zollverein

09:30 Uhr Christopher Tauber KAUE Gelsenkirchen 09:30 Uhr Elisabeth Steinkellner Lichtburg-Filmpalast 11:30 Uhr Dirk Reinhardt Halle 2, Zollverein

09:30 Uhr Frauke Ange Lichtburg-Filmpalast 11:30 Uhr Hugo Horiot und Tobias Goldfarb Halle 2, Zollverein 11:30 Uhr Karsten Teich und Eva Muszynski Stratmanns Theater Essen

11:30 Uhr Sybille Hein & Ra’fat Muhammad Stratmanns Theater Essen

11:30 Uhr Kathrin Schrocke Halle 12, Zollverein

11:30 Uhr Teri Terry & David Fermer Grammatikoff Duisburg

11:30 Uhr Ben Redelings Stadion Essen

11:30 Uhr Robert M. Sonntag Rotunde Bochum

11:30 Uhr Sandra Borgmann liest Mirjam Pressler Alte Synagoge

11:30 Uhr Benjamin Tienti Lichtburg-Filmpalast Essen 11:30 Uhr Dorit Linke KAUE Gelsenkirchen 19:30 Uhr The Future Is Female!? Dr. Bitch Ray & Caroline Rosales Halle 6, Zollverein

19:30 Uhr Tobias Korenke und Ludger Fittkau Halle 2, Zollverein 19:30 Uhr Martin Sonneborn Salzlager, Zollverein 20:00 Uhr Hendrik Otremba Literaturhaus Oberhausen 20:00 Uhr Martin Walker und Dominic Raacke KAUE Gelsenkirchen 20:00 Uhr Thomas Gottschalk Halle 5, Zollverein

LIT.RUHR

Oktober 2019

Lit.Ruhr 2019 Alle

Termine Wer, wann, wo – von Thomas Gottschalk bis Doris Dörrie und Ildikó von Kürthy

FREITAG 11.10.2019

SAMSTAG 12.10.2019

SONNTAG 13.10.2019

09:30 Uhr Susann Schädlich, Gesine Grotrian Halle 2, Zollverein

15:00 Uhr Matthias Sodtke Katakomben-Theater

11:00 Uhr Ralph Caspers Halle 2, Zollverein

18:00 Uhr Gaby Köster Halle 5, Zollverein

14:00 Uhr Axel Scheffler Halle 12, Zollverein

18:00 Uhr Annette Frier und Alexandra Helmig über Astrid Lindgren Halle 12, Zollverein

16:00 Uhr Andreas und Dirk Steinhöfel Halle 2, Zollverein

09:30 Uhr Johanna Steingässer Halle 12, Zollverein 09:30 Uhr Nina Weger Stratmanns Theater Essen 18:00 Uhr Fernando Aramburu und Alexander Fehling Halle 2, Zollverein

18:00 Uhr Anika Decker und Katja Riemann Salzlager, Zollverein

18:00 Uhr Harald Welzer und Lutz Raphael Salzlager, Zollverein

19:30 Uhr Sascha Lobo Halle 2, Zollverein

19:30 Uhr Anthony McCarten und Peter Lohmeyer Katakomben-Theater

19:30 Uhr Jackie Thomae und Alexander Fehling Katakomben-Theater Essen

19:30 Uhr Paul Ingendaay und Joachim Krol Halle 5, Zollverein

21:00 Uhr Jan Weiler Halle 12, Zollverein

20:00 Uhr Ildikó von Kürthy und Cordula Stratmann Halle 12, Zollverein 20:30 Uhr Lucas Vogelsang Halle 6, Zollverein 21:00 Uhr Volker Weidermann Halle 2, Zollverein 21:00 Uhr Stoppok über sein Songwriting Salzlager, Zollverein

21:00 Uhr Lucas Vogelsang und Joachim Król Salzlager, Zollverein 21:00 Uhr Anneke Kim Sarnau und Mechthild Großmann Halle 5, Zollverein

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12:00 Uhr Luisa Neubauer Salzlager, Zollverein 17:00 Uhr Olga Tokarczuk und Katja Riemann Alte Synagoge Essen 17:00 Uhr Ewald Lienen Foyer Halle 12, Zollverein 17:00 Uhr Doris Dörrie Salzlager, Zollverein 17:00 Uhr Robert Harris und Florian Lukas Halle 5, Zollverein 19:30 Uhr John Strelecky Halle 12, Zollverein 20:00 Uhr Dietmar Bär, Christiane Paul und Jakob Hein Halle 5, Zollverein 20:00 Uhr Simon Strauß und Jens Harzer Halle 2, Zollverein 20:00 Uhr Deniz Yücel Salzlager, Zollverein

11:30 Uhr Bernd Flessner Grammatikoff 11:30 Uhr Christine SchulzeReiss, Oliver Wurm und Jürgen Wiebicke Rotunde Bochum

19:30 Uhr Cordula Stratmann und Bjarne Mädel und die Kunst der Beleidigung Lichtburg Essen 19:30 Uhr Christoph Amend & Wolfram Eilenberger Halle 2, Zollverein 20:00 Uhr Boris Palmer Congress Center West, Messe Essen 20:00 Uhr Eva Mattes & Michaela Karl über Dorothy Parker Salzlager, Zollverein

FOTO: ISTOCK

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Oktober 2019

DIENSTAG 8.10.2019

DONNERSTAG 10.10.2019

19:30 Uhr „Story of my life!“: Die große Gala der lit.RUHR mit Eva Mattes, Peter Kurth und Wolfgang Niedecken. Philharmonie Essen

09:30 Uhr Thilo Reffert Halle 2, Zollverein

11:30 Uhr Matthias Morgenroth KAUE Gelsenkirchen

09:30 Uhr Karsten Teich und Eva Muszynski Stratmanns Theater Essen

11:30 Uhr Julya Rabinowich Lichtburg-Filmpalast Essen

MITTWOCH 9.10.2019

09:30 Uhr Ocke Bandixen Stadion Essen

19:30 Uhr Jürgen Klopp, Joachim Watzke, Michael Horeni Signal Iduna Park Dortmund

09:30 Uhr Andrea Paluch Foyer Halle 12, Zollverein

09:30 Uhr Menno Metselaar und Ute Wegmann Alte Synagoge Essen

19:30 Uhr Emilia Smechowski und Steffen Möller Grammatikoff

09:30 Uhr Barbara Iland-Olschewski Stratmanns Theater Europahaus

09:30 Uhr Eymard Toledo Grammatikoff Duisburg

19:30 Uhr SPEECHES of NOTE! Reden, die die Welt veränderten Schauspielhaus Bochum

09:30 Uhr Iben Akerlie & David Fermer Grammatikoff Duisburg

09:30 Uhr Nikolas Gorny Rotunde Bochum

09:30 Uhr Felix Homann (innogy) Showlabor: Energie! Rotunde Bochum

09:30 Uhr Lomp Bauer KAUE Gelsenkirchen

09:30 Uhr Anne Becker Halle 2, Zollverein

09:30 Uhr Christopher Tauber KAUE Gelsenkirchen 09:30 Uhr Elisabeth Steinkellner Lichtburg-Filmpalast 11:30 Uhr Dirk Reinhardt Halle 2, Zollverein

09:30 Uhr Frauke Ange Lichtburg-Filmpalast 11:30 Uhr Hugo Horiot und Tobias Goldfarb Halle 2, Zollverein 11:30 Uhr Karsten Teich und Eva Muszynski Stratmanns Theater Essen

11:30 Uhr Sybille Hein & Ra’fat Muhammad Stratmanns Theater Essen

11:30 Uhr Kathrin Schrocke Halle 12, Zollverein

11:30 Uhr Teri Terry & David Fermer Grammatikoff Duisburg

11:30 Uhr Ben Redelings Stadion Essen

11:30 Uhr Robert M. Sonntag Rotunde Bochum

11:30 Uhr Sandra Borgmann liest Mirjam Pressler Alte Synagoge

11:30 Uhr Benjamin Tienti Lichtburg-Filmpalast Essen 11:30 Uhr Dorit Linke KAUE Gelsenkirchen 19:30 Uhr The Future Is Female!? Dr. Bitch Ray & Caroline Rosales Halle 6, Zollverein

19:30 Uhr Tobias Korenke und Ludger Fittkau Halle 2, Zollverein 19:30 Uhr Martin Sonneborn Salzlager, Zollverein 20:00 Uhr Hendrik Otremba Literaturhaus Oberhausen 20:00 Uhr Martin Walker und Dominic Raacke KAUE Gelsenkirchen 20:00 Uhr Thomas Gottschalk Halle 5, Zollverein

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Lit.Ruhr 2019 Alle

Termine Wer, wann, wo – von Thomas Gottschalk bis Doris Dörrie und Ildikó von Kürthy

FREITAG 11.10.2019

SAMSTAG 12.10.2019

SONNTAG 13.10.2019

09:30 Uhr Susann Schädlich, Gesine Grotrian Halle 2, Zollverein

15:00 Uhr Matthias Sodtke Katakomben-Theater

11:00 Uhr Ralph Caspers Halle 2, Zollverein

18:00 Uhr Gaby Köster Halle 5, Zollverein

14:00 Uhr Axel Scheffler Halle 12, Zollverein

18:00 Uhr Annette Frier und Alexandra Helmig über Astrid Lindgren Halle 12, Zollverein

16:00 Uhr Andreas und Dirk Steinhöfel Halle 2, Zollverein

09:30 Uhr Johanna Steingässer Halle 12, Zollverein 09:30 Uhr Nina Weger Stratmanns Theater Essen 18:00 Uhr Fernando Aramburu und Alexander Fehling Halle 2, Zollverein

18:00 Uhr Anika Decker und Katja Riemann Salzlager, Zollverein

18:00 Uhr Harald Welzer und Lutz Raphael Salzlager, Zollverein

19:30 Uhr Sascha Lobo Halle 2, Zollverein

19:30 Uhr Anthony McCarten und Peter Lohmeyer Katakomben-Theater

19:30 Uhr Jackie Thomae und Alexander Fehling Katakomben-Theater Essen

19:30 Uhr Paul Ingendaay und Joachim Krol Halle 5, Zollverein

21:00 Uhr Jan Weiler Halle 12, Zollverein

20:00 Uhr Ildikó von Kürthy und Cordula Stratmann Halle 12, Zollverein 20:30 Uhr Lucas Vogelsang Halle 6, Zollverein 21:00 Uhr Volker Weidermann Halle 2, Zollverein 21:00 Uhr Stoppok über sein Songwriting Salzlager, Zollverein

21:00 Uhr Lucas Vogelsang und Joachim Król Salzlager, Zollverein 21:00 Uhr Anneke Kim Sarnau und Mechthild Großmann Halle 5, Zollverein

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12:00 Uhr Luisa Neubauer Salzlager, Zollverein 17:00 Uhr Olga Tokarczuk und Katja Riemann Alte Synagoge Essen 17:00 Uhr Ewald Lienen Foyer Halle 12, Zollverein 17:00 Uhr Doris Dörrie Salzlager, Zollverein 17:00 Uhr Robert Harris und Florian Lukas Halle 5, Zollverein 19:30 Uhr John Strelecky Halle 12, Zollverein 20:00 Uhr Dietmar Bär, Christiane Paul und Jakob Hein Halle 5, Zollverein 20:00 Uhr Simon Strauß und Jens Harzer Halle 2, Zollverein 20:00 Uhr Deniz Yücel Salzlager, Zollverein

11:30 Uhr Bernd Flessner Grammatikoff 11:30 Uhr Christine SchulzeReiss, Oliver Wurm und Jürgen Wiebicke Rotunde Bochum

19:30 Uhr Cordula Stratmann und Bjarne Mädel und die Kunst der Beleidigung Lichtburg Essen 19:30 Uhr Christoph Amend & Wolfram Eilenberger Halle 2, Zollverein 20:00 Uhr Boris Palmer Congress Center West, Messe Essen 20:00 Uhr Eva Mattes & Michaela Karl über Dorothy Parker Salzlager, Zollverein

FOTO: ISTOCK

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Oktober 2019

E Top Tipps

Römische Tage Anthony McCarten

FOTO: GETTY

Simon Strauß wandert durch die ewige Stadt

Essen. Zwei Päpste, Tür an Tür, treffen sich zu Spaziergängen, plaudern über ihre moralische Ungeeignetheit für dieses große Amt und die Skandale, die den Vatikan umtosen. Benedikt XVI. und Franziskus: Das ist großer Stoff, den Anthony McCarten da stemmt – „Superhero“-Stoff, für einen, der Bestseller- und Drehbuch-Erfahrungen hat. Den deutschen Text liest Peter Lohmeyer. 11.10., 19.30 h, KatakombenTheater Essen, 16/AK 21 €

Thomas Gottschalk

FOTO: ©MUSACCHIO

Anthony McCarten bringt zwei Päpste ins Gespräch

Von Welf Grombacher Essen. Rom sind schon viele verfallen. „Zur Treue ist diese Stadt nicht begabt, sie lässt sich von jedem lieben, der an sie denkt. Und doch könnte ich schwören, ich wäre der Erste gewesen, den sie so angeschaut hat, dessen Blick sie auf diese Weise erwiderte“, schreibt Simon Strauß in „Römische Tage“. Einer autobiographischen Erzählung, in der ein junger Mann „zerfressen von vergangenen Idealen“ und „getrieben von unbefriedigtem Ehrgeiz“ in die ewige Stadt flieht. Die Gegenwart will er abschütteln, den Geist reinigen, „dass er von Schönheit gestreift wiederbelebt, zumindest durchgelüftet wird.“

FOTO: DPA

Bunter Herbst mit Thomas Gottschalk Essen. Berufsjugendlicher, so haben sie ihn genannt. Und was, wenn der Jugendliche älter wird? Thomas Gottschalk hat die Antwort: „Wer nur alt wird, aber nicht klüger, ist schön blöd“ – so ist sein Buch „Herbstbunt“ untertitelt. Der Entertainer plaudert über das Leben, die Liebe (alt und neu), über Rück- und Ausblicke, über ein kaputtes Knie und den Kampf gegen die Pfunde. Jörg Thadeusz moderiert den Abend. 10.10., 20 h, Zollv. 18/Ak 25 €

»Zur Treue ist diese Stadt nicht begabt« Nun muss man wissen, dass der 1988 in Berlin geborene Simon Strauß der Sohn des Dramatikers Botho Strauß ist. Die Liebe zum hohen Ton und zur Antike wurde ihm also in die Wiege gelegt. Ohne ihn in „Sippenhaft“ legen zu wollen, lässt sich doch nicht abstreiten, dass der Filius, der Altertumswissenschaften studiert und an der Uni Tübingen Vorträge zur Rezeption des antiken Rom in der Publizistik des 20. und

21. Jahrhunderts gehalten hat, seine eiÄsthetik am Vater geschult hat. In der Via del Corso, gegenüber des Hauses, in dem Goethe vor 231 Jahren wohnte, quartiert sich der schwermütige IchErzähler ein. Mahler-Lieder summend streift er durch die Straßen, belauscht den Pizzabäcker, der beim Teigausrollen mit der Freundin telefoniert und die Tür schließt, „als sie anfängt, Intimes zu sagen“. Beobachtet den Priester in Tennissocken, der ein Abwesenheitsschild „Ferien bis Ende August“ an den Beichtstuhl hängt, als wäre der ein Handwerksladen. Und trifft immer wieder die junge Frau mit dem Leberfleck, die als Kostümbildassistentin an der Oper jobbt, und legt mit ihr die Hand in die bocca della veritá, diese Marmorfratze, von der es heißt, sie verschlinge die Hände der Lügner. Ein wenig erinnert der Ton an Josef Winklers Novelle „Natura Morta“ (2002). Mehr Reflektor als Erzähler lässt der Protagonist „Paare und Passanten“ auf sich wirken. Wie schon im Debüt „Sieben Nächte“ (2017) gibt sich Strauß als bekennender Melancholiker. Mit seinem stimmungsvollen Buch hat er sich eingeschrieben in die lange Liste der Romfahrer, die von Goethe bis Wolfgang Koeppen und Ingeborg Bachmann reicht. Er macht ähnliche Erfahrungen wie so mancher vor ihm. Aber wer will es ihm verdenken, dass er die ewige Stadt für sich neu entdeckt.

Die Lit.Ruhr-Lesung

K Schauspieler Jens Harzer (47, Foto), Träger des Iffland-Rings, wird Simon Strauß’ „Römische Tage“ (Tropen, 142 S., 18 Euro) lesen. Die Veranstaltung mit den beiden moderiert Christian Schärf. Sonntag, 13.10., um 20 Uhr in Zollvereins Halle 2. Karten: 16 €/AK 21 €.


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LIT.RUHR

Oktober 2019

FOTOS: DPA PA, AKG-IMAGES / NORDICPHOTOS, INGRID VANG NYMAN, GETTY

E Top Tipps

Astrid aus Bullerbü Wer war Astrid Lindgren? Drei Bücher nähern sich der Autorin

Martin Walker

FOTO: IMAGO

Martin Walker kocht ein neues Krimi-Süppchen Gelsenkirchen. Das Périgord ist auf der literarischen Landkarte jedes Krimi-Gourmets verzeichnet: Hier lässt der Schotte Martin Walker seinen Kommissar Bruno, Chef de Police, so genussvoll kochen wie ermitteln. Im „Menu surprise“ besteht die Überraschung im Verschwinden einer Kochkurs-Schülerin – und einer Prise Geheimdienst. Den deutschen Text liest Cominic Raacke. 10.10., 20 h, Kaue Gelsenkirchen, 16/AK 21 €

Von Britta Heidemann Essen. Denkt euch nur! Ein kleines Mädchen kommt auf die Welt im November 1907, in einem alten roten Haus, umgeben von Apfelbäumen, als Kind Nummer zwei des Landwirts Samuel August Eriksson und seiner Frau Hanna. Der Hof heißt Näs, er liegt ganz in der Nähe von Vimmerby, einer Kleinstadt in Småland. Es gibt Mägde und Knechte auf dem Hof, Pferde, Vieh

sel mit ihrer Berliner Freundin Louise Hartung. Wer diese Bücher liest, entdeckt eine von Beginn an ungewöhnliche, kämpferische Frau – und ein Leben, das früh herausgeschleudert wurde aus der behüteten Bullerbü-Welt.

Geschichten von verlassenen Jungen Die kleine Astrid, die mit vier Jahren von einer Tochter der Hofmagd das erste Märchen vorgelesen bekam, begann mit 16 eine Lehre bei der örtlichen Zei-

»Weil es ein merkwürdiger Name war, wurde es auch ein merkwürdiges Mädchen.« und Ackerbau. Eine Bullerbü-Kindheit, noch bevor Bullerbü zum Inbegriff des Glücks wurde: Denn in ihren Beschreibungen griff Astrid Lindgren ja auf das zurück, was sie selbst erleben durfte: „Zwei Dinge hatten wir, die unsere Kindheit zu dem machten, wie sie war – Geborgenheit und Freiheit.“ Wer war Astrid Lindgren? Gleich drei Bücher stellt der Abend über die berühmteste Kinderbuchautorin der Welt vor, angefangen mit ihren Kindheitserinnerungen über ihre Kriegstagebücher bis hin zu einem Briefwech-

tung. Mit 19 aber zwang ein Skandal sie, Vimmerby zu verlassen: Sie war schwanger, der Vater war der sehr viel ältere, verheiratete Redaktionsleiter. Astrid Lindgrens Sohn Lasse wuchs in seinen ersten vier Lebensjahren bei Pflegeeltern und seinen Großeltern auf, während seine Mutter als Sekretärin in Stockholm arbeitete. Erst ihre Hochzeit mit Sture Lindgren führte Mutter und Sohn wieder zusammen; bald bekam Lasse die jüngere Schwester Karin. Man darf vermuten, dass die einsamen Jungen-Figuren in Lindgrens

späterem Werk dem Trauma ihres eigenen Sohnes nachspüren. Die Kriegsjahre dokumentierte Lindgren in Tagebüchern, die klug reflektieren und ihr Alltagsleben in Beziehung setzen zu den Verheerungen, die Europa erlebte. Die junge Mutter flüchtet sich in die Spiele mit ihren Kindern im Park, später, als ihre Tochter erkrankt und das Bett hüten muss, erfindet sie Geschichten für sie. „Erzähl mit von Pippi Langstrumpf“, verlangt die Tochter – was für ein ungewöhnlicher Name, dachte Astrid Lindgren: „Weil es ein merkwürdiger Name war,“, wird sie später erzählen, „wurde es auch ein merkwürdiges Mädchen“. Und denkt euch nur: Dieses Mädchen kennt heute jedes Kind!

Die Lit.Ruhr-Lesung

K Schauspielerin Annette Frier (45, Foto) und ihre Kollegin Alexandra Helmig (43) lesen aus den Kindheitserinnerungen, Tagebüchern und Briefen von Astrid Lindgren. Zu entdecken ist „eine Humanistin und Melancholikerin, die Klettern auf Bäume für ein Menschenrecht hielt“. Termin: Samstag, 12.10., Zollverein Halle 12. Karten 20/ AK 27 €

Doris Dörrie

FOTO: K. KOKOSKA

Doris Dörrie empfängt zum Schreib-Kurs Essen. „Leben, Schreiben, Atmen“ – das fällt für Doris Dörrie in eins. Ihre Begeisterung möchte sie gerne weitergeben, und so dürfen die Besucher ihrer Lesung Stift und Papier mitbringen und unter prominenter Anleitung kreativ werden. Darüberhinaus gibt die Autorin und Regisseurin ehrlich Auskunft: über sich, ihr Leben, ihre Freundund Leidenschaften. Es moderiert Knut Elstermann. 13.10., 17 h, Salzlager auf Zollverein. 16/AK 21 €


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LIT.RUHR

Oktober 2019

Blicke auf den Wandel Vier Abende mit namhaften Gästen: Die Lit.Ruhr-Reihe „Transformationen“ schaut auf den Zustand der Bundesrepublik – Rück- und Ausblicke inklusive

Lutz Raphael

FOTO: JÜRGEN BAUER

Reyhan Sahin

FOTO: JÖRG CARSTENSEN

Sascha Lobo

FOTO: JAN WOITAS

Wolfram Eilenberger

FOTO: DDP

Als die Schornsteine verschwanden „Bang Boom Bang? Jenseits von Kohle und Stahl. Wie gelingt Wandel?“: Der Sozialpsychologe Harald Welzer (61, „Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen“) und der Historiker Lutz Raphael (64, „Jenseits von Kohle und Stahl. Eine Gesellschaftsgeschichte Westeuropas nach dem Boom“) betrachten gemeinsam den von der Deindustrialisierung bedingten Strukturwandel, der die westeuropäischen Gesellschaften in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Angekündigt ist ein Gespräch „über den Wandel der Zeiten und gelingende Transformationsdynamiken“.

Die Rolle der Frau „The Future is Female?!“: Gleich zum Auftakt der „Transformationen“-Reihe bei der Lit.Ruhr gibt es eine Veranstaltung, die in der Festival-Ankündigung als „Aufklärungsstunde“ bezeichnet ist. Die Feministin und promovierte Linguistin Reyhan Şahin (39, „Yalla, Feminismus“), auch bekannt unter dem Namen Dr. Bitch Ray, und die Journalistin Caroline Rosales (37, „Sexuell verfügbar“) schauen auf Fragen von Gleichberechtigung und Chancengleichheit, erklären, wie die Weichen dafür bereits im Kindesalter gestellt werden – und blicken auf die Herausforderungen der Zukunft.

Lernen für die Zukunft Sascha Lobo (44), Blogger und Buchautor, berichtet dem Publikum in Essen, welche zehn Lehren er aus der Gegenwart gezogen hat. Im Gepäck hat er sein neues Buch „Realitätsschock“, das im September erschienen ist. Darin erklärt Lobo, warum die Welt plötzlich aus den Fugen geraten zu sein scheint. Brexit, Trumps Präsidentschaft, Flüchtlingsbewegungen, Klimawandel – Lobo untersucht mögliche Gründe für diese drastischen Veränderungen und zeigt, was wir daraus lernen können: „Unser Umgang mit dieser Erkenntnis entscheidet darüber, wie wir in den nächsten Jahrzehnten leben werden“, heißt es dazu.

Der Zustand einer Nation „Zeit der Zauderer? Wie geht es Dir, Deutschland?“: Christoph Amend (45), Chefredakteur des ZEITmagazins, und Wolfram Eilenberger (47), der neue Stadtschreiber des Ruhrgebiets, diskutieren, wie es um unser Land bestellt ist: „Die beiden sprechen über aufgeregte Diskurse und gelähmte Politik und zeigen mit Esprit, Humor und Weitsicht Perspektiven für ein Land im Wandel auf“, so die Ankündigung. Amend hat im August ein Buch zum Thema veröffentlich: Bei der Recherche reiste er durch Deutschland und sprach mit Menschen über die Spaltung der Gesellschaft. Auch davon berichtet er auf Zollverein. tap

Freitag, 11.Oktober, 18 Uhr. Zeche Zollverein, Salzlager (Kokerei), Tickets (zzgl. Gebühr): 16 Euro, ermäßigt 12 Euro. Abendkasse: 21 Euro, ermäßigt 17 Euro.

Mittwoch, 9. Oktober, 19.30 Uhr. Zeche Zollverein, Halle 6, Tickets (zzgl. Gebühr): 14 Euro, ermäßigt 10 Euro. Abendkasse: 19 Euro, ermäßigt 15 Euro.

Samstag, 12.Oktober, 19.30 Uhr. Zeche Zollverein, Halle 2, Tickets (zzgl. Gebühr): 14 Euro, ermäßigt 10 Euro. Abendkasse: 19 Euro, ermäßigt 15 Euro.

Mittwoch, 9. Oktober, 19.30 Uhr. Zeche Zollverein, Halle 2, Tickets (zzgl. Gebühr): 14 Euro, ermäßigt 10 Euro. Abendkasse: 19 Euro, ermäßigt 15 Euro.

E Top Tipps Gespräche über Fußball

Jürgen Klopp FOTO: GETTY

Dortmund. Für die Lit.Ruhr kehrt Fußballtrainer Jürgen Klopp (52) vom FC Liverpool zurück an seine ehemalige Wirkungsstätte in Dortmund. Anlass ist eine Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Vorstellung des Buches „Echte Liebe. Ein Leben mit dem BVB“, das Borussia-Dortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gemeinsam mit dem FAZ-Journalisten Michael Horeni geschrieben hat. 10.10., 19.30 h, Signal Iduna Park, Raum „Borussia Park“, Strobelallee 50, Dortmund. Karten: VVK 14 €, AK 19 €.

Jan Weiler gibt kriminelle Diät-Tipps

Jan Weiler

FOTO: SOCRATES TASSOS

Essen. Niemand hat die Leiden eines Vaters von „Pubertieren“ treffender beschreiben als Jan Weiler. Und auch als Gatte einer italienischen Ehefrau

machte der Autor eine unvergleichlich komische Figur. Wenn Weiler nun im neuen Krimi seinen Kommissar Kühn einmal mehr alt aussehen lässt, darf man erneut auf jede Menge Selbstironie schließen: „Kühn hat Hunger“, und das aufgrund selbstverordneter Diät, darüber hinaus hat er es aber auch noch mit einer handfesten Karriere-Krise zu tun – und mit einem Mörder, der der Phrase vom menschlichen Abgrund ganz neue Dimensionen abgewinnt. 12.10., 21 h, Zollverein. 16 €/AK 21 €.


LIT.RUHR

Oktober 2019

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Ein

FOTO: ISTOCK, MONTAGE: L. DIEßNER

Duell der

Giganten Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki waren erst Freunde, dann Feinde Von Roland Mischke Essen. Da war los, damals! Die Literaturkritik wurde hochgehalten, Günter Grass (1927-2015) kannten auch Schüler aus dem Deutschunterricht und wer las, der las auch Kritiken von Marcel Reich-Ranicki (1920-2013). Aber was sagt der 1988 im „Literarischen Quartett“ über Grass‘ IndienTagebuch „Zunge zeigen“. Er keift. „Was steht denn da drin?“, fragt er die anderen, die mit ihm diskutieren. „Wozu soll ich eigentlich ein Buch über Kalkutta lesen? Was ist mit diesem Grass los? Ich meine, der ist doch ein Talent sondergleichen. Aber er ist ausgeschrieben.“

Zu dieser Zeit war das Freundschaftsverhältnis der beiden Männern längst zerbrochen. 1995 verreißt Reich-Ranicki Grass‘ Roman „Ein weites Feld“. Auf dem Titel des „Spiegel“ gab es eine „unselige Karikatur“, erzählt Volker Weidermann. Ein auf einer Fotomontage tobender Reich-Ranicki zerreißt das Grass‘sche Buch mit bloßen Händen. Weidermann schreibt: „ReichRanicki fand die Karikatur grauenvoll. Der Ruhm hat ihn gefreut. Günter Grass blieb sein liebster Gegner.“ Für das Publikum waren die zwanzig Jahre der offenen Fehde sehr unterhaltsam. Doch als sich der Ostpreuße und der Berliner Jude zum

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Weidermanns Spurensuche

K Das Buch: Volker Weidermanns literarische Spurensuche „Das Duell“ ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, hat 314 Seiten und kostet 22 €.

K Die Lesung: Freitag, 11.10., 21 Uhr auf Zeche Zollverein in Essen (Halle 2). Tickets kosten 14/erm 10 Euro, an der Abendkasse 19/ erm 15 Euro. Es moderiert Bettina Böttinger.

UNESCO-Welterbe Zollverein

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ersten Mal 1958 in Warschau treffen, empfinden sie Sympathie füreinander. Reich-Ranicki erzählt Grass, wie er mit seiner Frau den Zweiten Weltkrieg überlebt hat. Grass ist fasziniert und bittet Reich-Ranicki, ob er diese Geschichte haben kann. Als das Buch erscheint, möchte Reich-Ranicki einen Teil des Honorars – und erhält von Grass nur eine seiner Grafiken, mit der er nichts anfangen kann. Zwei Männer derselben Generation, die ihr Verhältnis einmal mit einer Ehe verglichen hatten, kamen bis zu ihren Toden nicht mehr zusammen. Das ist traurig, aber es hatte Gründe. Volker Weidermann beschreibt und analysiert sie.

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Parkour-Anlage

08. – 13.10.2019

Spielort lit.Ruhr T

Infopunkt

Bullmanna

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Kohlenwäsche

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Öffentliches WC Haltestelle ÖPNV

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Forum A5 A2

Getränke Gastronomie

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Tickets lit.Ruhr

Schacht 1/2/8

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Schacht XII A2

Halle 2 (Umformer- und Schalthaus)

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Halle 4 (Fördermaschinenhaus) Restaurant „The Mine“

Kokerei A5

Halle 5 (Zentralwerkstatt)

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Halle 6 (Elektrowerkstatt)

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Halle 9 (Niederdruckkompressorenhaus) Restaurant Casino Zollverein Halle 12 (Lesebandhalle) Shops und Ateliers, Bistro Schacht XII

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Kohlenwäsche Ruhr.Visitorcenter Essen Ruhr Museum Denkmalpfad Zollverein Portal der Industriekultur Café Kohlenwäsche

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Mischanlage die kokerei – café und restaurant Infopunkt Kokerei Denkmalpfad Zollverein

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Salzlager The Palace of Projects Ilya und Emilia Kabakov

© Stiftung Zollverein, Stand August 2019, Änderungen vorbehalten

Schacht XII


KEINE MÄRCHEN. UND NICHT IMMER EIN HAPPY END.

VIELMEHR: AKTUELLE NACHRICHTEN UMFASSENDER HINTERGRUND VIELSEITIGE MEINUNG

JOURNALISMUS AUS LEIDENSCHAFT

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