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 Mit 80 Potsdamern um die welt LEbensgefühl

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Welt!

#69 Michael Schulze in Coron (Philippinen)

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s war der fröhliche Optimismus der Menschen, erinnert sich Michael Schulze, der ihn in Coron am meisten beeindruckte. Ein halbes Jahr, bevor der Potsdamer Softwareentwickler am Ende seiner sechsmonatigen Weltreise hier, im Herzen der Philippinen, im äußersten Norden der Provinz Palawan ankam, war mal wieder ein Taifun über die weißen Strände gewütet, hatte Palmen, Stege und die Holzhütten der Fischer mit sich gerissen, ihre Boote weit ins Landesinnere getragen. Tod und Verwüstung aber – das haben die Einheimischen über Generationen zu akzeptieren gelernt – sind der Preis, den sie für ein Leben im Paradies bezahlen. Stürme gibt es hier jedes Jahr, alle paar Jahre sind es schwere Taifune. Wie bereits ihre Vorfahren fügen sie sich in dieses Schicksal, betrauern ihre Toten, bauen wieder auf, was verloren gegangen ist, reparieren die Boote und fahren wieder hinaus ins ewige Blau zwischen den Atollinseln und schleudern mit Wurfleinen ihre Fangnetze in das klare Wasser, durch das man in der Tiefe eine bunte Korallenwelt erahnen kann. Es wird viel gelacht. Fremden begegnet man offen und neugierig. Hier hat der Massentourismus noch nicht Einzug erhalten. Das Leben ist einfach, und die Menschen teilen und handeln mit dem, was sie der Natur

abringen. Viele sind Fischer. Wegen des stark zerklüfteten Meeresuntergrundes können hier keine Fangflotten navigieren. Die intakte Meeresfauna bringt bunte Vielfalt auf die Teller. Wer nicht mit dem Boot hinausfährt, ist zumeist in der Landwirtschaft tätig. Wie überall in Südostasien sind im Landesinneren weitläufige Reisterrassen angelegt. Michael Schulze war als Backpacker unterwegs. Nur mit dem Nötigsten, einer Kameraausrüstung und gelegentlichen Weggefährten hatte er die halbe Welt gesehen. Von Kalifornien aus führte ihn seine Reise über Brasilien, Argentinien, Bolivien und Peru, dann Hawaii, Hongkong, Singapur und Malaysia auf die Philippinen. Aus den zahlreichen Aufnahmen aus den unterschiedlichen Erdregionen ist ein Kunstprojekt entstanden. Neben analogen und digitalen Fotos fertigte Schulze auch Bilder mit Falschfarbenfilmen an, benutzte Infraroteffekte und bearbeitete einige Motive anschließend digital nach. Herausgekommen ist dabei das erste Kapitel der dreiteilig angelegten Serie ›Red Planet‹: alles, was in der Natur grün vorkommt, ist bei ihm rot. Bäume, ganze Wälder, zarter Bewuchs am Wegesrand, Parks, Stadien und Spielplätze in Städten, Hügel und Täler, in die kaum ein Mensch einen Fuß setzt. Alles rot.

friedrich - Zeitschrift für BerlinBrandenburg  

Mai 2015