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panorama südtirol

Das Wirtschaftsmagazin

Juli 2012

Interview LVH-Präsident Gert Lanz Direktverkauf Wie man durch Beziehungen der Krise trotzt Autotest Das neue Golf Cabrio will schön sein UNT

Vers. in Post. - 45% - Art. 1 Abs. 1 - Ges. 353/2003 (abg. Ges. 27.02.2004 Nr. 46) - CNS Bozen Poste Italiane SpA - Taxe percue / Tassa pagata - Abo im Inland: 11 Euro - Abo im Ausland: 20 Euro

www.panorama-online.com – Nr. 04/2012 – 1,80 Euro

ERN E TYP HMEREN

KLEIN IST GUT Ohne die kleinen und mittleren Unternehmen würde der Wirtschaft die Basis fehlen


FLUGHAFEN INNSBRUCK Der Sommer lässt grüßen!

in die weite Welt

mit Flügen über Frankfurt oder Wien

Ägypten

Hurghada

Grieche

nland

Preveza/Le Ko fkas, Kos, Rh rfu, Kefalonia, odos, Herak lion

INNSBRUCK

Italien

Kroatien Sardinien/ Cagl Kalabrien iari, Pescara, Lamezia Te rme

Rijeka/Krk, Brac

Spanien

Mallorca

www.innsbruck-airport.com


INHALT

EDITORIAL

Klein und groß

Foto: Alexander Alber

Wer klein ist, dem hört man oft nicht zu. Das ist bei Unternehmen oft nicht anders als bei Kindern. Zu Unrecht - in beiden Fällen. Denn so wie Kinder - es ist einfach so, obwohl der Spruch ziemlich abgenutzt klingt - unsere Zukunft sind, so sind kleine und mittlere Unternehmen die Grundlage, auf der große gedeihen können. Die Kleinenunternehmen spielen eine wichtige Rolle für die Wirtschaft in ganz Europa. Deshalb sollte man ihnen zuhören. Auch den Kindern. Artikel und Interview zum Thema KMU gibt es ab Seite 6. Es ist Krise und es kümmert sie nicht. Nein, eigentlich sind sie froh darüber. Denn Krisenzeiten seien immer gute Zeiten. Die Rede ist von den Direktvermarktern und Multi-Level-Marketing-Unternehmen wie Tupperware. Ihre Geschäfte in Südtirol und den umliegenden Gebieten liefen noch nie so gut. Autorin Susanne Pitro hat sich die Szene angeschaut. Ihren Bericht darüber gibt es ab Seite 30. Ab Seite 34 finden Sie unser Tischgespräch, das wir diesmal mit einem jungen Unternehmer geführt haben, der noch viel mit seinem Betrieb vorhat. Hannes Vaia ist 25 und will „ordentlich Gas geben“. Wir haben uns angehört, wohin das führen soll. Es ist eines der heiß begehrtesten Gadgets in diesen Tagen - sogar mancher iPhone-Benutzer liebäugelt damit: das Galaxy SIII. Das neue Wunderding aus dem Hause Samsung solle Unglaubliches leisten. Ein ausgewiesener Experte hat das Gerät für Südtirol Panorama getestet. Seine Einschätzung gibt es ab Seite 50. Ein wenig weiter hinten im Heft gibt es dann die Fotostrecke zum Südtirol Panorama-Event des Jahres. Gastrednerin war die Top-Bankerin und gebürtige Südtirolerin Christine Novakovic.

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Titel 06 Sag einfach KMU Kleine und mittlere Unternehmen sind flexibel und europaweit die stützende Basis der Wirtschaft. Bleibt das so?

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Titelbild: iStockphoto.com/Ceneri

Impressum

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Zusammen wären wir stark Ein Gespräch mit dem Präsidenten des Landesverbandes der Handwerker, Gert Lanz

Unternehmer & Märkte 26 So ticken Südtirols Unternehmer Es gibt einige Charakterzüge, die Menschen als Unternehmer prädestinieren

29 Das Unternehmer-Gen Der Wirtschaftspsychologe Erich Kirchler über Psychologie in der Wirtschaft und die Besonderheiten in Südtirol

30 Multi-Level-Marketing Tupperware und Co. spüren keine Krise, sondern profitieren davon. Dank „echtem“ Social Network

34 Was darf es sein, Herr Vaia? Hannes Vaia ist 25, sieht aus wie 18 und spricht wie ein Unternehmer mit 35. Und er ist Geschäftsführer der Vaia Group

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Nachruf Oswald Lechner war eine Institution in Südtirol und hat die Wirtschaftsentwicklung im Lande nicht nur dokumentiert, sondern dazu beigetragen. Jetzt ist er verstorben

Geld & Finanzen 39 Endlich Die Börsen sind auf Talfahrt und Max Otte schreibt ausgerechnet über das Geldverdienen mit Aktien ein Buch

Karriere 48 Zurück auf Los Sicherer Arbeitsplatz, gutes Einkommen - und dann einfach kündigen, um nochmals die Schulbank zu drücken? Ja!

Luxus & Lifestyle 50 Ein galaktisches Smartphone Ein Experte hat für Südtirol Panorama das Samsung Galaxy SIII auf Herz und Nieren geprüft. Und ist begeistert

52 Ein Golf mit Stil Das neue VW Golf Cabrio im Sommer-Sonne-Test. Eines ist sicher: Es hat die Linie schön

54 Natürlicher Sonnenschutz Glitschige Sonnencreme ist out, edle Kopfdeckungen sind in. Südtirol Panorama zeigt die schönsten

PETER SEEBACHER

Erscheinungstermin: 13.07.2011 Chefredakteur: Peter Seebacher Verantwortlicher Direktor: Kurt W. Zimmermann Autoren: Susanne Pitro, Ariane Löbert, Sonja Marzoner, Max Otte, Thomas Amonn, Beate Holzner, Roland Pircher, Kiri Korrektur: Christine Burger Rückmeldungen an die Redaktion: panorama@ff-bz.com Grafik und Produktionsleitung: Ralf Kohler Anzeigenkoordination: Lisa Forer-Naumann Anzeigenleitung: Michael Disertori – 0471 304545 Herausgeber: FF-Media GmbH Bozen – Eintrag. Lg. Bozen 20/98 R.P. vom 07.10.98 Südtirol Panorama: Brennerstraße 7a, 39100 Bozen, Tel. 0471 30 45 50, Fax 30 45 11, www.panorama-online.com Druck: Radin-Berger Print GmbH, Innsbruck (A) Gesamtauflage: 26.000 Stück

News & Trends

56 Stilvoll und informativ Die Bilder des Südtirol Panorama-Events des Jahres

Service 40 41 55 55 58 58 58

Finanzkommentar: Nur aufgeschoben? Finanzkolumne: Jetzt richtig entscheiden Lesezeichen: Bill Clinton Reisebericht: Vilnius Ein Anruf bei... Richard Piock Logout Cartoon

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NEWS & TRENDS

Digitale soziale Werkzeuge - nicht nur bloßer Zeitvertreib Wer nutzt soziale Netze?

Schweden

Die europäischen Länder mit den begeistertsten Nutzern digitaler sozialer Werkzeuge

Vereinigtes Königreich

Spanien

74%

Italien

74%

Vereinigtes Königreich

Niederlande

65%

Schweden

62%

Frankreich

61%

Deutschland

55%

Niederlande

Frankreich

53%

Deutschland

Italien

0

10

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30

40

50

70

80

Dedagroup trotzt der Krise

Korn aus Südtirol

Die zur Podini Holding gehörende Dedagroup ICT Network mit Sitz in Gardolo (TN) hat ihre Bilanzkennzahlen veröffentlicht. Denmach konnte Dedagroup mit seinen 12 Fachunternehmen, die

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vor allem auf Softwarelösungen für öffentliche Verwaltungen, Banken und Betriebe spezialisiert sind, im vergangenen Jahr eine konsolidierte Ertragssumme von 114 Millionen Euro erwirtschaften. Der rohe Betriebsgewinn betrug 6,7 Mio. Euro, das Nettoergebnis lag allerdings mit 1,9 Mio. Euro im Minus. Trotzdem konnten so 30 Prozent des Verlustes aus dem vorangegangenen Jahr wieder wettgemacht werden. Durch Expansion auf internationalen Märkten will die Gruppe in Zukunft den Rückgang auf dem nationalen Markt ausgleichen. (PAS)

Regiokorn ist eine Initiative, getragen vom Tis Innovation Park, dem Südtiroler Bauernbund und dem Versuchszentrum Laimburg. Ziel ist es, den Getreideanbau in Südtirol wiederzubeleben und eine regionale Wertschöpfungskette vom Bauern über die Mühle bis zum Bäcker aufzubauen. Ende Juni wurde beim Regiokorn-Sommerfest die nach einem Jahr Arbeit anstehende Zwischenbilanz gezogen. Demnach sind beim Regiokorn-Netzwerk nun 34 Bauern aktiv, die 63 Hektar Ackerfläche bebauen. Eine Mühle (Meraner Mühle) und 44 Bäcker sind ebenfalls dabei. (PAS)

Foto: TIS

und Italien. Und dort vor allem jene, die in schnell wachsenden Unternehmen arbeiten oder eine höhere Position bekleiden. Menschen im Büro nutzen die digitalen Werkzeuge hauptsächlich, um schneller Personen, Informationen oder Fachwissen zu finden (41 Prozent), zur Zusammenarbeit und zum Teilen von Informationen (37 Prozent), sowie um die Anzahl und Länge von E-Mails zu reduzieren (31 Prozent). Besonders interessant: Führungskräfte nutzen diese Möglichkeiten öfter als jüngere Mitarbeiter auf den unteren Stufen der Karriereleiter. (PAS)

Foto: Dedagroup

Soziale Netzwerke sind Zeitverlust, Ablenkung und kosten jede Menge Arbeitsstunden, so die einhellige Meinung. Nun hat Google mit einer Studie in Zusammenarbeit mit der Agentur Millard Brown versucht herausfinden, wie Menschen die digitalen sozialen Werkzeuge für den beruflichen Alltag nutzen. Dazu wurden 2.700 Berufstätige in mehreren Ländern Europas zwischen Februar und März 2012 befragt. Am begeistertsten über die Möglichkeiten, die ihnen moderne digitale Werkzeuge und Netzwerke für die Arbeit bieten, sind die Beschäftigten in Spanien

Gianni Camisa, Geschäftsführer der Dedagroup

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60

Spanien

LH Luis Durnwalder beim Regiokorn-Sommerfest

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NEWS & TRENDS PR-INFO

Finstral-Gesundheitswoche

Thun enthüllt Kunstwerk

Im Mai wurde bei Finstral die Gesundheit der Mitarbeiter eine Woche lang in den Mittelpunkt gestellt. Dabei wurden verschiedene Aktivitäten rund um das Thema Gesundheit angeboten. Neben den „DauerbrennerThemen“, wie gesunder Rücken und Augenentspannung, lag der Schwerpunkt vor allem auf aktiver Stressprävention, aber auch entspannende Angebote wie Pilates, progressive Muskelentspannung oder Lachyoga standen auf dem Programm. Die Gesundheitswoche wurde in Zusammenarbeit mit Barbara Brugger von ecovital organisiert und wurde von allen Mitabeitern sehr gut angenommen. Besonders die Vorträge und Workshops zur Stressbewältigung und mentaler Fitness, aber auch die Vorträge über gesunde Ernährung waren sehr gut besucht. Es gab Tipps gegen Rückenschmerzen, Anregungen, wie man gesund älter

Weil die öffentliche Hand in Italien immer öfter Gelder streicht, braucht es das Engagement von Privatunternehmen wie Thun, um das kulturelle Erbe und die Kunstschätze Italiens zu erhalten. Am Donnerstag, 21. Juni enthüllten Firmenpräsident Peter Thun und Thun-Geschäftsführer Paolo Denti in der römischen Basilika Santa Maria degli Angeli die Marmorskulptur des Hl. Johannes des Täufers. Diese war vom römischen Bildhauermeister Giuseppe Ducrot dank der Finanzierung des Südtiroler Unternehmens rekonstruiert worden. Das ursprüngliche Gipsmodell der Statue, 1764 von Jean-Antoine Houdon geschaffen, war im Jahr 1894 zerstört worden. Seither stand die Nische des Hl. Johannes leer. Bei der erstmaligen Präsentation der Statue des Hl. Johannes war auch der italienische Kulturminister Lorenzo Ornaghi anwesend,

Bewegung hält gesund auch am Arbeitsplatz

wird oder wie man das Kneippen für sich nutzen kann. Finstral hat bereits mehrmals für seine Mitarbeiter Veranstaltungen dieser Art organisiert, dieses Jahr stand den rund 150 Mitarbeitern am Verwaltungssitz in Unterinn ein Angebot von insgesamt 12 Vorträgen und 15 Workshops mit 14 Referenten zur Auswahl. Für Ende Juli ist auch für die 750 Mitarbeiter in den Produktionsstätten ein Gesundheitstag mit ähnlichen Inhalten geplant. Info: www.finstral.com

Preis der Preise

(v.l.) Mario Varesco und Alex Terzariol von MM Design mit dem „Preis der Preise“

Am Nationaltag der Innovation bekam MM Design aus Bozen vom Senatspräsidenten Schifani die höchste Auszeichnung für Design überreicht. Der von MM Design für Garmont designte Tourenskischuh „Masterlite“, vor einem Jahr bereits mit dem begehrten „reddot design award“ ausgezeichnet, erhielt nun auch in Italien höchste Anerkennung. Das Bozner Designbüro wurde am vergangenen 12.06.12 im römischen Senatspalast „Palazzo Madama“ in Anwesenheit des Senatspräsidenten Re-

nato Schifani sowie des Ministers für Universität und Forschung, Francesco Profumo, mit dem sogenannten „Premio dei Premi“ ausgezeichnet, der höchsten italienischen Auszeichnung für herausragende technologische Innovationen. Das Konzept, Material zu entfernen, ohne dabei die Struktur zu beeinträchtigen, hat den Masterlite zu einem der leichtesten Skischuhe in seiner Kategorie gemacht. Das Design spiegelt diesen Grundsatz wider. Dies sind die Aspekte, die die Jury von ADI „Associazione del Design Industriale“ dazu bewogen haben, den Masterlite als ein Produkt mit hohem Innovationsgehalt der nationalen Stiftung für technologische Innovation „Fondazione COTEC“ als Anwärter für den Preis vorzuschlagen. Info: www.mmdesign.eu

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Die rekonstruierte Statue wird vom Minister enthüllt

welcher der Firma Thun seinen Dank aussprach. Peter Thun erinnerte daran, dass Kunst und Kreativität seit jeher grundlegende Werte der Firma Thun sind. Info: www.thun.com

Bozen, ganz Human

Eine freundliche und angenehme Atmosphäre erwartet Kunden bei Human

Am 7. Mai eröffnete, nur wenige Schritte vom Einkaufszentrum Twenty entfernt, die neue Zahnklinik Human ihre Tore. Innovative Zahnheilkunde, verteilt auf 800 Quadratmetern, sowie 25 reservierte Parkplätze stehen den Kunden zur Verfügung. Viele fühlen sich unwohl, wenn sie an einen bevorstehenden Zahnarzttermin denken. Ab heute werden solche Ängste jedoch nur mehr eine vage Erinnerung sein, denn Human, die neue Zahnklinik, die auf Wohlfühlatmosphäre und

Freundlichkeit sowie Know-how und Professionalität setzt, ist ganz anders. Die dort tätigen Spezialisten der Zahnmedizin bieten ein umfangreiches Leistungsspektrum, das von medizinischen bis zu ästhetischen Behandlungen reicht. Die Ärzte stehen in ständigem Dialog untereinander, um die richtige Diagnose stellen und einen individuellen Behandlungsplan festlegen zu können. Dabei werden sie von den neuesten Technologien, Applikationen und Materialien unterstützt. Der multidisziplinäre Ansatz von Human hält an der Idee fest, dass das Lächeln nicht nur ein einfaches Ziel ist, sondern Basis eines ganzheitlichen Gesundheitsansatzes. Nicht nur Zähne, sondern die orale Gesundheit sind Voraussetzung für allgemeines Wohlbefinden. Human, your dental clinic Info: www.human.bz.it

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TITEL

U M

K Basiswirtschaft

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind nicht nur in Südtirol die Basis der Wirtschaft, sondern in ganz Italien und Europa. Ihr wichtige Rolle im Wirtschaftsgefüge wird gerne unterschätzt. Dabei gäbe es ohne die Kleinen auch keine Großen.

I

m Schlaglicht der Medien stehen meist nur die Großen. Artikel über Volkswagen, Eni oder Novartis und wie sie alle heißen, füllen die Seiten der Wirtschaftszeitungen. Die Kleinen - frei nach Bert Brecht - sieht man nicht oder zumindest kaum. Die Rede ist von den kleinen und mittleren Betrieben (KMU) die einen großen Teil der heimischen und europäischen Wirtschaft ausmachen. Mag sein, dass die großen Unternehmen oft als Zugpferde fungieren, doch die breite Basis, auf der Europas Wirtschaft steht, sind die kleinen und mittelständischen Unternehmen, oft nicht mit mehr als ein paar

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Südtirol Panorama | Juli 2012

Mitarbeitern. Wie wichtig diese sind, hat vor einiger Zeit auch die EU erkannt. So heißt es etwa in einer Broschüre des Europäischen Mittelstandsportals: “Die 23 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in der EU sind das Rückgrat der europäischen Wirtschaft: Über 98 Prozent aller Unternehmen gehören dieser Kategorie an. Zudem entfallen auf sie zwei Drittel aller Arbeitsplätze im Privatsektor und ca. 80 Prozent aller in den letzten fünf Jahren neu geschaffenen Stellen.” ZAHLEN In Südtirol ist die Situation

nicht viel anders. Legt man die Zahl der

Klein- und Mittelbetriebe im Jahre 2008 zugrunde – neuere Zahlen werden wahrscheinlich erst in den nächsten Wochen veröffentlicht – dann beschäftigen die 41.112 Betriebe des Landes, die der Klassifizierung für KMU entsprechen, ganze 131.650 Personen. Mit diesen erwirtschaften sie einen Umsatz von 18,8 Milliarden Euro. Die Wertschöpfung dieser kleinen und mittleren Unternehmen belief sich 2008 auf 5,5 Milliarden Euro. Der Anteil am Bruttoinlandprodukt des Landes betrug ein knappes Drittel, nämlich 31,6 Prozent. Die meisten kleinen und mittleren Betriebe in Südtirol können dem

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TITEL Dienstleistungsbereich zugerechnet werden. Dort sind es vor allem die Bereiche Handel und Gastgewerbe, welche die höchste Zahl an KMU aufweisen. Beim produzierenden Gewerbe sind es das Bauund das verarbeitenden Gewerbe, welche die höchste Anzahl an kleinen und mittleren Unternehmen aufweisen.

Südtiroler Klein- und Mittelbetriebe Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick (2008)

Betriebe Beschäftigte Umsatz

SMALL IS BEAUTIFUL. Einmal erkannt,

GEBEUTELT. Die Vorteile eines kleinen

Unternehmens liegen auf der Hand. Wer

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Wertschöpfung

Quelle: ASTAT

Angekauftes Anlagevermögen Personalausgaben

PRO BETRIEB

41.112

131.650

3,2

18,8 Mrd. €

456.413 €

5,5 Mrd. €

133.271 €

1,1 Mrd. €

26.308 €

2,3 Mrd. €

30.753* €

*je unselbstständig Beschäftigte

Südtiroler Klein- und Mittelbetriebe Betriebe und Beschäftigte* nach Wirtschaftsabschnitt (2008) BETRIEBE

BESCHÄFTIGTE

WIRTSCHAFTSABSCHNITT ANZAHL Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden

%

ANZAHL

%

35

0,1

223

0,2

2.821

6,9

14.300

10,9

210

0,5

788

0,6

61

0,1

436

0,3

Baugewerbe

5.837

14,2

20.662

15,7

Produzierendes Gewerbe

8.964

21,8

36.409

27,7

Handel; Reparatur von Kraftwagen und -rädern

8.460

20,6

28.845

21,9

Verkehr und Lagerung

1.416

3,4

5.705

4,3

Gastgewerbe/Beherbergung und Gastronomie

8.547

20,8

33.346

25,3

Information und Kommunikation

826

2,0

2.756

2,1

Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen

327

0,8

810

0,6

1.779

4,3

2.947

2,2

5.348

13,0

9.113

6,9

1.311

3,2

3.544

2,7

298

0,7

615

0,5

1.694

4,1

3.306

2,5

557

1,4

1.179

0,9

1.585

3,9

3.075

2,3

Dienstleistungen

32.148

78,2

95.241

72,3

INSGESAMT

41.112

100,0

131.650

100,0

Verarbeitendes Gewerbe Energieversorgung Wasserversorgung; Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen

Grundstücks- und Wohnungswesen Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen Vermietung, Reisebüros, unterstützende Dienstleistungen für Unternehmen Erziehung und Unterricht Gesundheits- und Sozialwesen Kunst, Sport, Unterhaltung und Erholung Erbringung von sonstigen Dienstleistungen

Quelle: Astat

wie wichtig mittlere Unternehmen für eine gut funktionierende Wirtschaft sind, hat die EU entsprechend reagiert. Im Juni vor vier Jahren hat die Europäische Kommission den Small Business Act (SBA) lanciert. Darin gesammelt sind eine Reihe von unternehmerfreundlichen Maßnahmen, welche speziell den kleinen Unternehmen das Leben erleichtern sollen. Außerdem verpflichteten sich die Mitgliedsstaaten zur Einhaltung von zehn KMU-freundlichen Grundsätzen. Die Begründung solcher speziell auf KMU abgestimmter Maßnahmen erläuterte Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission, im vergangenen Jahr noch folgendermaßen: “Bei der Sicherung des Wirtschaftsaufschwungs in der Europäischen Union fällt KMU eine Schlüsselrolle zu. Aus diesem Grunde sollten sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gefördert werden. Genau darauf zielt der SBA ab. Er soll es kleinen und mittleren Unternehmen ermöglichen, auf Finanzierungen zuzugreifen, um Märkte besser zu erschließen - bei gleichzeitiger Verringerung der Verwaltungslasten.” Es hat einige Zeit gedauert, bis Italien das im SBA enthaltene Maßnahmenbündel umgesetzt und in ein nationales Gesetz gegossen hat. Erst im vergangenen Herbst wurden das “Statuto delle imprese”, welches einen großen Teil der Leitlinien des SBA enthält, vom römischen Abgeordnetenhaus genehmigt. Eine Tatsache, die den Landesverband der Handwerker von “einem wichtigen Meilenstein für Kleinund Mittelbetriebe” sprechen ließ. Trotzdem geht LVH-Präsident Gert Lanz im Interview mit Südtirol Panorama mit der heutigen Politik hart ins Gericht. Die sich ständig ändernden gesetzlichen Vorgaben würden vor allem kleine und mittlere Betriebe sehr belasten. Eine Beruhigung in dieser Hinsicht sei unbedingt und sehr bald notwendig.

INSGESAMT

*Selbstständig und unselbstständig Beschäftigte

Die Anzahl der Klein- und Mittelbetriebe der verschiedenen Wirtschaftssparten auf einen Blick. Der Diensleistungssektor verzeichnet die meisten KMU

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TITEL klein ist, ist schnell und wendig und kann rasch auf Veränderungen reagieren. Die Kommunikationswege sind kurz, die Organisationsstruktur überschaubar. Letzteres ist allerdings gerade bei sich ändernden Voraussetzungen ein Nachteil. Bei begrenzter Personaldecke sind oft kaum Ressourcen frei, um zusätzliche Verwaltungsaufgaben zu übernehmen. Und so manche Aufträge können kleine Unternehmen nicht annehmen, weil sie diese aufrund ihrer geringen Größe nicht stemmen könnten. Laut EU-Richtlinien gelten Betriebe mit unter zehn Beschäftigten als Kleinstunternehmen, jene mit unter 25 Mitarbeitern als Klein- und jene mit einer Personalzahl zwischen 25 und 250 Personen als mittlere Unternehmen. “Diese Einteilung ist für Südtirol eigentlich nicht besonders sinnvoll”, urteilt Stefan Perini vom Wirtschaftsforschungsinstitut der Handelskammer. “In Südtirol haben wir sehr viele Betriebe mit nur drei oder vier Mitarbeitern. Deshalb benutzen wir bei unseren Untersuchungen auch eine andere Einteilung. Wir sprechen bei so kleinen Betrieben auch von Micro-Unternehmen.”

rasant wachsenden Kleinunternehmens ist wohl das soziale Netzwerk Facebook, das, erst 2004 gegründet, heute über 900 Millionen Nutzer hat und 2011 einen Gewinn von einer Milliarde Dollar in seiner Bilanz aufweisen konnte. Doch für Erfolgsgeschichten kleiner Unternehmen muss man nicht nach Übersee schauen, es gibt sie auch hierzulande. SCHNELLWACHSTUM Eines von vielen

der Erwachsene einmal Kind war, war jedes heute große Unternehmen einmal klein. Dies ist eine weitere Funktion von Micro- und Kleinunternehmen: Sie sind quasi der Humus, aus dem große Unternehmen erwachsen können. Verfolgt man die Geschichte großer Unternehmen zurück, dann stößt man meistens auf einen Beginn als Ein- oder Zweimannbetrieb. Das Wachstum eines Kleinunternehmens kann dabei oft rasant verlaufen. Manchmal innerhalb nur weniger Jahre. Eines der bekanntesten Beispiele eines solchen extrem

Foto: Alexander Alber

KLEINE KÖNNEN WACHSEN So wie je-

Die rasante Wachstumsphase des Unternehmens gut im Griff: Robert Blaas

KMU-Schwellenwerte Die Unterscheidung kleiner und mittlerer Unternehmen nach EU-Richtlinien Mitarbeiterzahl: Jahresarbeitseinheit (JAE)

Jahresumsatz

oder

Jahresbilanzsumme

Mittleres Unternehmen

< 250

< 50 Mio. €

oder

< 43 Mio. €

Kleines Unternehmen

< 25

< 10 Mio. €

oder

< 10 Mio. €

Kleinstunternehmen

< 10

< 2 Mio. €

oder

< 2 Mio. €

Quelle: Europäische Kommission

Größenklasse

Beispielen eines erfolgreich groß gewordenen Unternehmens hierzulande ist Rothoblaas in Neumarkt, das technologische Produkte für den Holzbau anbietet. Zwar hat das Wachstum etwas länger gedauert - das Unternehmen gibt es seit 20 Jahren - doch der große Sprung nach vorne geschah erst im rasanten Tempo in den letzten Jahren. Für 2011 konnte Rothoblaas einen Umsatz von rund 35 Millionen Euro vermelden. Heute exportiert das von Robert Blaas und seinem Bruder gegründete Unternehmen sogar nach Russland und Südamerika. Dabei scheint das Unterlandler Unternehmen diese Phase ohne große Wachstumsschmerzen überstanden zu haben. Denn auch das Größerwerden will gelernt sein. So mancher Betrieb kann mit seinem Erfolg und den damit einhergehenden Veränderungen nicht richtig umgehen. Wenn die innere Struktur dem schnellen Wachstum des Unternehmens nicht mehr hinterherkommt, dann kann es schon auch einmal schief gehen. Aber nicht jedes Unternehmen kann oder will wachsen. Trotzdem gibt es für kleine und mittlere Betriebe eine Möglichkeit, neue Märkte zu erschließen: Zusammenarbeit. Bei schrumpfenden heimischen Märkten sieht Stefan Perini vom Wifo darin auch für kleine Betriebe eine Möglichkeit, weitere Absatzmärkte zu finden: “Sich gemeinsam neuen Zielen zuzuwenden, wird in Zukunft eine gute Möglichkeit für kleine Betriebe sein, um neue Abnehmer für ihre Produkte zu finden.” Auch LVH-Präsident Gert Lanz betont, dass eine verstärkte Zusammenarbeit der Betriebe untereinander eine Notwendigkeit sein wird. “Da werden wir uns weiterentwickeln müssen”, so sein Statement zu diesem Thema. Lanz kann sich sogar vorstellen, dass kleine Unternehmen Bereiche wie Marketing gemeinsam betreiben könnten. Gemeinsam ist man eben immer ◀ stärker. PETER SEEBACHER

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PR-INFO

SCHAUFENSTER FÜR DEN WIRTSCHAFTSSTANDORT Südtirols Unternehmen sind das Herzstück des Wirtschaftsstandorts Südtirol und dürfen deshalb bei einer Standortpräsentation nicht fehlen. Das ist der Gedanke hinter der Rubrik „Made in Südtirol“ der Webseite von Südtirols Standortagentur BLS.

Z

ur Gänze den Südtiroler Betrieben gewidmet ist die Plattform „Made in Südtirol“ der Webseite www.bls.info der Business Location Südtirol (BLS). Darin stellt BLS Unternehmen aller Branchen und Tätigkeitsfelder vor, die in Südtirol tätig sind. Große, mitarbeiterstarke Betriebe sind darin ebenso willkommen und vertreten wie Kleinund Mittelunternehmen. Die BLS-Webseite ist oft erste Anlaufstelle für Unternehmer und Investoren von außen, die sich ein umfassendes Bild über den Wirtschaftsstandort Südtirol verschaffen wollen und Kontakte zu heimischen Unternehmen suchen. ‚Made in Südtirol‘ – das sind drei Worte, die auf der ganzen Welt Garant für Qualität sind. Dahinter stehen Unternehmen aus Südtirol, die über exzellentes Know-how und Kompetenz verfügen. Viele von ihnen sind führend in ihrer Branche - auch international. Und jedes einzelne Unternehmen hat dazu beigetragen, dass Südtirol heute ein lebendiger und sehr attraktiver Wirtschaftsstandort ist. „Deshalb stellt diese Rubrik der BLS-Webseite ein Schaufenster für den Wirtschaftsstandort Südtirol dar“, sagt Wirtschaftslandesrat Thomas Widmann. „Diese Rubrik zeigt auf, welche Branchen hierzulande vertreten sind, und gibt eine übersichtliche Kurzinformation über die einzelnen Unternehmen“, erklärt BLS-Direktor Ulrich Stofner, der sich „eine möglichst rege Beteiligung“ der Südtiroler Unternehmer wünscht. „Wer sich genauer über ein Unternehmen informieren bzw. Kontakt aufnehmen möchte, kommt über einen Link direkt auf die Website der jeweiligen Firma.“ Online sind bereits 60 Unternehmen aus allen Teilen Südtirols, darunter große Betriebe wie etwa Finstral, Forst, Rubner oder Thun, vor allem aber auch Klein- und Mittelbetriebe, wie z.B. Daunenstep, ewo, Heiss Fensterbau oder KKR. Die Teilnahme ist kostenlos. Interessierte Betriebe, die gerne mit dabei wären, können ❧ sich bei der BLS melden casale@bls.info).

Südtiroler Unternehmen präsentieren sich auf: www.bls.info/madeinsuedtirol infobox

BLS – Business Location Südtirol – Alto Adige Dompassage 15 39100 Bozen Tel. 0471 06 66 00 service@bls.info www.bls.info

Südtirol Panorama | Juli 2012

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PR-INFO Minimalistisches Design prägt den neuen Firmensitz der Firma WF Mechanik in Vahrn. Hierher übersiedelte das Unternehmen im Januar, nachdem das bisherige Werk in Klausen zu klein wurde

DIE KRAFT DES METALLS Kein anderes Material ist so flexibel einsetzbar wie der Werkstoff Metall. In Form gebracht wird es von WF Mechanik, dem Leader in der Blechbearbeitung. Jetzt ist das Unternehmen von Klausen nach Vahrn übersiedelt. Und konstruiert von dort aus Millionen von Einzelteilen für das Handwerk und die Industrie.

S

tahl ist das Trendmaterial in der Südtirol Architektur. Schwarz gefärbt verleiht es Innen- wie Außenräumen einen ästhetischen Charakter, der gleichzeitig Beständigkeit und Funktionalität ausdrückt. Zu sehen ist das auch hier, in diesem neuen, 5000 Quadratmeter großen Firmensitz von WF Mechanik in Vahrn. Hierher ist das Unternehmen der Familie Weissteiner im Januar übersiedelt. Ein notwendiger Schritt, da das bis-

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Südtirol Panorama | Juli 2012

herige Betriebsgebäude in Klausen für die gestiegene Nachfrage zu klein wurde. Die Architektur. Ein Jahr lang dauerten die Umbauarbeiten, keine leichte Aufgabe, schließlich war hier noch bis vor Kurzem ein holzverarbeitender Betrieb angesiedelt. Für die beauftragten Brixner Architekten bergmeisterwolf stand von Beginn der Planungsarbeiten fest, dem sogenannten Schwarzblech die Show zu überlas-

sen. Es bildet in den luftigen Büroräumlichkeiten den gewünschten Kontrast zu den geradlinigen Eichenholzmöbeln. Verleiht den Büros Wärme genauso wie Geborgenheit – eine Wohlfühlatmosphäre für die rund 40 Mitarbeiter. Die Kompetenz. Dabei ist die Materialauswahl kein Zufall. Der Architekt wollte dem Tätigkeitsfeld von WF Mechanik Rechnung tragen. Denn das Unternehmen hat sich in den vergangenen


PR-INFO

Die Firmeninhaber Alexander und Felix Weissteiner in den Büroräumlichkeiten des neuen WF Mechanik-Sitzes in Vahrn. Dem Schwarzblech wurde hier die Show überlassen. Es bildet den gewünschten Kontrast zu den geradlinigen Eichenholzmöbeln und spiegelt die Kernkompetenz des Unternehmens wider

13 Jahren auf die Bearbeitung von Metallen spezialisiert: Also auf Stahl, Edelstahl, Aluminium, Messing oder Kupfer. Hochtechnologische Maschinen beschneiden, fräsen oder biegen die Metalle – je nach Wunsch des Kunden. Damit wurde WF Mechanik zu einem Komplettanbieter in Sachen Metallbearbeitung und Oberflächenbehandlung, ist Zulieferer sowohl für die Automobilindustrie, als auch für den Maschinenbau. Produziert, konzipiert und entwirft Serien- und Einzelteile – von Dreh- und Frästeilen über komplexe Blechbauteile, bis hin zu großen Schweißkonstruktionen.

Die Kreativität kennt keine Grenzen: Erst kürzlich hat WF Mechanik einen 5 Meter großen Skifahrer aus Edelstahl für den Künstler Hubert Mussner realisiert.

Die Technologie. Voller Stolz steht Firmengründer Felix Weissteiner vor seinen zwei Laserschneideanlagen. Über ein vollautomatisches Hochregallager werden sie beladen und kön-

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PR-INFO

WF Mechanik: Innovation, Präzision, Qualität, Effizienz, Flexibilität, Know-How

nen die Metalle in höchster Qualität schneiden. Gleichzeitig schaffen diese Laser auch Feinarbeiten, sie beschriften und gravieren die Metalle, und das nonstop, 24 Stunden am Tag. Die Innovation. Für Weissteiner ein großer Sprung, denn mit diesen Maschinen ist ihm

die Automatisierung gelungen. „Damit konnten wir unsere Kapazitäten verdreifachen und die Lieferzeiten für die Kunden wesentlich verkürzen“, so Weissteiner, der das Unternehmen vor 13 Jahren gegründet hat, damals noch mit 6 Mitarbeitern in einer kleinen Werkhalle in Klausen.

Wir kümmern uns um den Kern der Dinge (z. B. beim Innenausbau des Unternehmens WF Mechanik)

building interior architecture

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Südtirol Panorama | Juli 2012

www.barth.it

Die Expansion. Schritt für Schritt, vor allem durch die Investition in ständig neue Technologien, hat Weissteiner das Auftragsvolumen, das Produktportfolio und vor allem das Kundensegment kontinuierlich ausgebaut. WF beliefert heute nicht nur die Industrie, sondern auch kleinere Unternehmen, Designer, Künstler oder Privat-


PR-INFO

WF Mechanik produziert, konzipiert und entwirft Einzel- und Serienteile

kunden. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, erst kürzlich hat das Unternehmen ein fünf Meter großes Kunstobjekt aus Edelstahl für den Künstler Hubert Mussner realisiert. „Wir sind sehr breit aufgestellt und beliefern verschiedenste Branchen und Unternehmen unterschiedlichster Größe. Gerade in Krisen-

Das Herzstück des Unternehmens: Das vollautomatische Hochregallager

zeiten ist dies ein großer Wettbewerbsvorteil“, so Sohn Alexander Weissteiner. Er leitet das Unternehmen seit mittlerweile fünf Jahren als Geschäftsführer und wird die Unternehmensnachfolge antreten. Sein Ziel dabei ist klar: Mit innovativen Ideen die Kraft des Werkstoffs Metall ❧ stärken.

infobox

WF Mechanik GmbH Eisackstraße 11 39040 Vahrn Tel. 0472 84 50 78 info@WFmechanik.it www.wfmechanik.it

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Südtirol Panorama | Juli 2012

praderCo

Heute und vor 100 Jahren. 13


PR-INFO

Foto: Expo12

Das Passeiertal im Spiegel der Wirtschaft - die Expo12 im kommenden Oktober macht es möglich

PASSEIRER EXPO12 Betriebe der verschiedenen Sektoren aus Handwerk, Industrie und Dienstleistung präsentieren am letzten Oktoberwochenende 2012 in der Handwerkerzone Passeier ihre Neuheiten und bieten Betriebsbesichtigungen an.

N

SÜDTIROL PANORAMA: Warum eine eigene Wirtschaftsschau im Passeiertal? ULRICH KÖNIGSRAINER: Das Passeiertal punktet neben dem Tourismus auch mit vie-

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Südtirol Panorama | Juli 2012

Foto: Expo12

eu ist bei dieser 2. „Passeier Expo12“ unter anderem, dass verstärkt auf die virtuelle Welt gesetzt wird. Will heißen: erstmals kann die Wirtschaftsschau auch live online verfolgt werden. Ein Gespräch mit den beiden Koordinatoren Ulrich Königsrainer und Werner Kofler.

An der Expo12 haben schon über 100 Betriebe ihr Interesse angemeldet

len kleinen und mittleren Unternehmen in den verschiedenen Sektoren. Die Expo12 bietet den Betrieben nach sechs Jahren wieder die Gelegenheit, sich einem noch größeren Publikum zu präsentieren. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten: Interessierte können - wie bei einem das gesamte Tal umfassenden Tag der offenen Tür - größere Betriebe besichtigen; kleinere Betriebe haben die Chance, ihre Produkte in Partnerbetrieben vorzustellen. Und es gibt auch noch ein großes Expo-Zelt, in dem eine Vielzahl kleiner Stände zu finden sein werden. Ein attraktives Rahmenprogramm rundet das Ganze ab. Wir sind sehr zuversichtlich,


PR-INFO Werner Kofler will bis zum Ende der Expo12 ganze 1.000 Kilometer mit dem E-Bike zurückgelegt haben und so 1.000 Euro „erfahren“

„Die Zahl der interessierten Unternehmen ist bereits auf über Hundert gestiegen.“

Foto: Expo12

ULRICH KÖNIGSRAINER

Werner Kofler freut sich auf die neue Ausgabe der Expo12 im Oktober 2012

ein großes Spektrum der Wirtschaft des Passeiertales der interessierten Öffentlichkeit zeigen zu können. Wie viele Betriebe haben sich bisher schon angemeldet? ULRICH KÖNIGSRAINER: Im Moment laufen die Anmeldungen noch. Die Zahl der interessierten Betriebe ist aber bereits auf über 100 gestiegen. Davon sind zwei Drittel als effektive Aussteller dabei, der Rest ist virtuell im Netz vertreten. Interessierte Unternehmen können sich immer noch bei uns melden. Welche Erwartungen haben die Aussteller? ULRICH KÖNIGSRAINER: Neben der effektiven Präsenz ist es den Ausstellern sehr wichtig, dem Publikum neue Produkte vorzustellen. Bedeutend ist aber sicherlich auch die Auffrischung bereits bestehender Kundenkontakte

Wer unterstützt die Initiative Expo12? ULRICH KÖNIGSRAINER: Wie auch bei der letzten Wirtschaftsschau können wir auf eine Vielzahl starker Partner zählen, so auch auf die drei Passeirer Gemeinden und die Raiffeisenkasse Passeier und St. Martin. Ein großer Dank geht auch an das Amt für Handwerk und den zuständigen Landesrat Thomas Widmann. Sie alle unterstützen diese Initiative sehr großzügig. Was soll das neue Expo12-Logo symbolisieren? WERNER KOFLER: Im Jahr 2006 ging es uns vor allem darum, die Wirtschaft des Passeiertales zu präsentieren. Im neuen Logo ist die Passeirer Wirtschaft ebenfalls wieder präsent, allerdings wird der Begriff „Expo“ im neuen Logo noch stärker betont und die Marke „Passeier Expo“ damit weiter ausgebaut und an die Erfordernisse interaktiver Medien angepasst. Trotz schwieriger Wirtschaftslage treten wir damit selbstbewusst auf und unterstreichen das hohe Qualitäts- und Innovationsdenken der Passeirer Wirtschaft. Mit welchen Neuigkeiten kann die Expo 2012 aufwarten? WERNER KOFLER: Drei Begriffe wurden der Basis von Expo 2006 hinzugefügt: nachhaltig –

Foto: Expo12

Foto: Expo12

beziehungsweise das Knüpfen neuer. Hier bietet die Expo12 viel Raum und schafft auch für kleine Unternehmen die Möglichkeit, gesehen zu werden.

Ulrich Königsrainer ist einer der beiden Koordinatoren der Expo12 im Passeiertal

vernetzt – innovativ. Ein aktuelles Beispiel unterstreicht das: Als Koordinatoren gehen wir mit gutem Beispiel voran und fahren mit dem E-Bike oder E-Auto zu den Expo-Terminen. Jeder Kilometer wird in bare Münze umgerechnet, das heißt, pro „sauberen Kilometer“ ein Euro. Mein Ziel mit dem E-Bike: 1000 Kilometer, sprich 1000 Euro „einzufahren“ Damit wird dann ein Sozialprojekt im Tal unterstützt. Mehr zu allen Neuigkeiten der Expo12 erfahren Interessierte auf unserer Homepage. Ab Juli gibt ❧ es dort alle News zur Expo12.

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Passeier Expo12 www.expo12.it

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TITEL

Lösungsorientiert in die Zukunft Gert Lanz, Präsident des Landesverbandes der Handwerker, über die Stärken und Schwächen der Südtiroler Handwerksbetriebe und warum sich bald einiges ändern muss. SÜDTIROL PANORAMA: In den 14 Monaten Ihrer Zeit als Präsident des LVH hat sich die wirtschaftliche Lage ziemlich verschlechtert. Wünschen Sie sich manchmal, dass Sie Nein gesagt hätten zu diesem Amt? GERT LANZ: (lacht) Wenn ich dadurch

die wirtschaftliche Situation verbessert hätte, dann ja. Sicher ist, dass die brennenden Themen zur Zeit massiv auftreten – und auch extrem schnell. Man hat kaum mehr Zeit, sich Strategien zu überlegen oder darüber nachzudenken, wie man reagieren könnte. Es häuft sich einfach zu sehr. Das ist wahrscheinlich die größte Herausforderung. Sei es für mich als Person, aber auch generell gesehen für den Verband.

„Die brennenden Themen häufen sich in letzter Zeit massiv und auch extrem schnell. Man hat kaum mehr Zeit, über die richtige Reaktion nachzudenken“ Gert Lanz

Sie bereuen das Ja zum Amt also nicht und nehmen die Herausforderungen gerne an?

Nun, ich war mir schon bewusst, dass das kein Honigschlecken wird, sondern dass das Amt eine gewisse Verantwortung mit sich bringt und ein gewisses Maß an Einsatz braucht. Das war mir klar. Sicher gibt es manchmal Situationen, bei denen man denkt, wieso gibt es gerade jetzt so viel Themen, die aufbrechen, wieso kommt die Weltwirtschaft nicht zur Ruhe und wie kann man die Effekte vor Ort abfedern? Selbstverständlich sind das Herausforderungen, aber es ist nicht so, dass uns das entmutigen würde. Im Gegenteil, so wird uns noch mehr bewusst, dass es wichtig ist, uns in den Gremien austauschen und nach Lösungen zu suchen. Sie melden sich oft und gerne zu Wort. Sind Sie vom Charakter her grundsätzlich ein kämpferischer Mensch?

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Ich denke, was ich als Eigenschaft sicher mitbringe ist, dass ich sehr lösungsorientiert bin. Wenn ich mich zu einem Thema einbringen soll, dann gehe ich davon aus, dass man mich fragt, weil man meine Meinung hören will. Das ist eine Eigenschaft von uns Handwerkern, dass wir immer eine Lösung anstreben. Und deswegen bringen wir uns auch zu bestimmten Themen schnell ein. Das ist eine Stärke, aber andererseits auch wieder eine Schwäche, weil wir vielleicht zu oft vorpreschen und dann manchmal andere Meinungen gar nicht mehr hören oder auf unsere zu sehr fixiert sind. Andererseits ist das aber schon eine Eigenschaft, die mich und auch alle anderen Handwerker auszeichnet. Wenn wir in eine Situation kommen, sind wir es gewohnt, dass man darauf reagieren muss. Oft müssen wir in der Reaktion

eine neue Aktion setzen und das ist etwas, was – wie sagt man so schön – in unserer DNA als Handwerker enthalten ist. Ein Thema, um das Sie sich in letzter Zeit stark gekümmert haben, war die IMU. Ist die Einführung dieser Steuer, welche die ICI ersetzt, wirklich für die Handwerker so schlimm oder übertreiben Sie da nicht in Ihren Darstellungen?

Diese Steuer ist insofern schlimm, als dass sie zu einer Zeit kommt, in der andere Themen aufbrechen, der Steuerdruck generell höher wird und die Wirtschaftslage schlecht ist. Und vor allem ist sie für die Betriebe auch deswegen ein Problem, weil sie nicht erfolgsorientiert ist. Das heißt, sie ist von Anfang an geschuldet, egal, ob ich mit meinem Betrieb erfolgreich bin oder nicht. Ich muss für meine Immobilie die Steuer immer abführen, und das ist natürlich belastend. Und so, wie es momentan ausschaut, in einem Ausmaß, das einfach eine große Belastung für uns Handwerker mit sich bringt. Der Hebel wird ja an mehreren Punkten angesetzt, will heißen, die Katasterwerte sind erhöht worden, der Koeffizient ist erhöht worden und eben auch der Promillesatz. Das wirkt sich dann natürlich aus und bringt Schwierigkeiten für die Betriebe mit sich, das ist klar. Der LVH vertritt ja kleinste, kleine und mittlere Betriebe, ein breites Spektrum also. Kann man als Verband unterschiedliche Betriebe wirklich für alle zufriedenstellend vertreten?

Es ist für uns sicher eine große Herausforderung, wobei die Grenzen ja fließend sind. Wenn man von der Klassifizierung der EU ausgeht – alle

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TITEL

Foto: Othmar Seehauser

Gert Lanz ist Eigentümer und Geschäftsführer der Lanz Metall GmbH in Toblach und seit 14 Monaten Präsident des Landesverbandes der Handwerker. Lanz hat in Wien Betriebswissenschaft studiert.

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TITEL Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern gelten dort als Klein- und Mittelbetriebe â&#x20AC;&#x201C; dann hält das der Realität nicht stand. Wenn man die Zahlen anschaut, dann sieht man, dass knapp 90 Prozent der Betriebe in SĂźdtirol, in Italien und auch in Europa, die Zahlen sind ja Ăźberall ähnlich, weniger als zehn Mitarbeiter haben. 99,5 Prozent haben weniger als 50 Mitarbeiter. Wenn man diese Zahlen hĂśrt, dann wird klar, dass die Kleinst- und Kleinbetriebe den GroĂ&#x;teil der Betriebe ausmachen. Sicher haben wir auch Mitglieder, die mehr Mitarbeiter haben, aber diese haben meist die gleiche Geschichte wie die anderen, sie kommen aus der gleichen Ecke. NatĂźrlich, die Herausforderung besteht darin, herauszufinden, wie ich die Informationen in die Betriebe bekomme, wer mein Ansprechpartner sein kann und wer auch die Zeit hat, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Wie ist also Ihre Herangehensweise?

Ich interpretiere die Arbeit des Verbandes so, dass wir TĂźren Ăśffnen und sagen, du hast diese oder jene MĂśglichkeit, aber du musst selbst aktiv werden und die Entscheidung treffen, welche LĂśsung fĂźr dich die beste ist, oder eben eine eigene LĂśsung suchen. Auf diese Weise lassen sich die verschiedenen Themen und AnsprĂźche der Betriebe schon kombinieren. Leider ist die Gesetzgebung in ihren Vorgaben auch nicht so, dass sie differenziert zwischen einem kleinen und einem groĂ&#x;en Betrieb, denn die Auflagen, die Bestimmungen, die Notwendigkeiten sind fĂźr alle gleich. Das ist eigentlich die Schwie-

â&#x20AC;&#x17E;Wir wollen nicht nur fordern, sondern auch gleich LĂśsungen mitliefern. Dadurch kann man mehr beitragen als mit bloĂ&#x;er Kritikâ&#x20AC;&#x153; Gert Lanz

rigkeit. Wenn der Gesetzgeber selber differenzieren wĂźrde, kĂśnnten wir das auch tun. Es ist aber nicht so. FĂźhlen Sie sich eigentlich, wenn Sie sich Ăśffentlich zu Wort melden, von Politik, Verwaltung und Ă&#x2013;ffentlichkeit genĂźgend ernst genommen?

Wenn man es von auĂ&#x;en betrachtet, dann mag man schon Ăśfters den Eindruck haben, dass wir eigentlich stärker wahrgenommen werden mĂźssten. Aber es ist einfach notwendig, dass man auf bestimmte Situationen aufmerksam macht. Man muss darauf hinweisen, und man muss vor allem informieren und Aufklärungsarbeit leisten. Die Informationen mĂźssen so aufbereitet werden, dass sie auch von der Politik entsprechend verstanden werden. Klar, wenn heute eine neue Bestimmung beschlossen wird, dann mĂźssen sich alle

Interessengruppen bewegen und dafĂźr sorgen, dass die Informationen ankommen. Weil von Haus aus davon auszugehen, dass diese bei allen schon vorhanden sind, ist unmĂśglich. Aber das ist dann ja die Aufgabe der Interessenvertretung, dass man die Themen, die uns wichtig sind, vorbereitet und aufbereitet. Darauf legen wir groĂ&#x;en Wert. Wir wollen nicht nur fordern, sondern auch gleich LĂśsungen mitliefern. Ich glaube, dass man damit weiter kommt und zum ganzen System mehr beitragen kann, als wenn man bloĂ&#x; ich der Ecke sitzt und sagt, das ist gut und das ist schlecht. Die Globalisierung ist auch in SĂźdtirol angekommen. Finden Sie, dass die Handwerksbetriebe darauf genĂźgend vorbereitet sind?

Unsere Betriebe haben zwei Stärken, die uns relativ ruhig schlafen lassen. Einmal ist es das Qualitätsbewusstsein und auch das Verständnis dafĂźr. Das ist sicher weltweit einzigartig. Die zweite Stärke ist unsere traditionelle Verwurzelung, die wir haben. Die Tradition, aus der wir kommen, unsere Kultur, unsere Erfahrung, unsere Ausbildung. Wenn wir uns jetzt auf den globalen Markt begeben, dann besteht die Schwierigkeit darin, die Schnittstelle dafĂźr zu finden. Wie finde ich meinen Kunden, wie finde ich meinen Markt? Nur zu sagen, ich bin da und ich bin gut, das ist zu wenig. Das ist Voraussetzung. Vor allem Betriebe, die nach auĂ&#x;en gegangen sind, haben gemerkt, dass der SĂźdtiroler Standard sehr wohl geschätzt, aber dass dieser auch gefordert wird. Zu sagen, ich bin besser als mein

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SĂźdtirol Panorama | Juni 2012

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TITEL Mitbewerber, und anschließend den Standard reduzieren, weil der Kunde weniger zahlt, geht nicht. Nein, ich muss meinen Standard halten, weil mit diesem bewerbe ich mich ja. Und da ist es sicher notwendig, eine gemeinsame Lösung zu finden. Wenn wir uns in Südtirol umschauen, dann haben Handwerksbetriebe im Schnitt drei Mitarbeiter. Also schon rein von der Größe her ist es für so einen Betrieb nicht möglich, auf dem internationalen Markt etwas zu erreichen.

Lanz gilt als Mann des Ausgleichs im LVH. Von sich sagt er, er sei vor allem lösungsorientiert.

Das ist ja die oft geäußerte Kritik: Südtirols Betriebe sind zu klein für den internationalen Wettbewerb.

Sicher, aber ich sehe da schon Möglichkeiten. Wenn sich mehrere solcher Betriebe zusammenschließen, sich in Nischen positionieren, dann können sie durchaus erfolgreich sein. Wir haben ja heute schon Fälle, wo das klappt. Man muss auch sagen, dass die Exportstatistik bei uns ein wenig verfälscht ist, denn es gibt genug Betriebe, welche größeren, die exportieren, zuliefern. Das scheint dann in der Exportstatistik nicht auf. Aber sicher, Export ist ein Bereich, der Potenzial hat, der aber ich nicht das Allheilmittel ist. Denn Hersteller und Verbraucher werden immer patriotischer, will heißen, Deutsche kaufen lieber Produkte aus Deutschland, und die Unternehmen werben ja verstärkt mit diesem Argument. Wir in Südtirol machen ja auch Gesetze, die besagen, dass wir nur mehr heimische Nahrungsmittel in unseren Schulen und Kindergärten verwenden dürfen. Jeder versucht also, seine Region zu schützen. Export ist also keine Option?

Doch, Export ist sicher ein Thema, das anzugehen ist, weil es nämlich eine gewisse Dynamik entwickelt. Ein Betrieb, dem es gelingt, zu exportieren, entfaltet eine gewisse Sogwirkung für andere Unternehmen.

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Foto: Othmar Seehauser

Foto: Othmar Seehauser

Der heimische Absatzmarkt schrumpft. Da wird so manchem Unternehmen wohl nichts anderes übrig bleiben, als sein Heil im Export zu versuchen?

Sicher, dadurch, dass unsere Unternehmen in der Vergangenheit sehr viel in Produktion und Technologie investiert haben, haben wir alle größere Kapazitäten, die eigentlich über dem Notwen-

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TITEL

Manche prognostizieren ein Ende der Kleinstbetriebe, wenn sie sich nicht zusammenschließen.

Das kann ich mir nicht vorstellen, denn in dem Moment, in dem die Kleinbetriebe aussterben, sterben auch die großen aus. Auch der Große war einmal klein. Wir brauchen neue Betriebe, und die sind eben meist klein. Was aber unbedingt passieren sollte, ist, dass sich diese Firmen in gewissen Bereichen zuammen organisieren, sprich, eine gemeinsame Vermarktung, eine gemeinsame Dienstleistungsstruktur, eine gemeinsame Montagetruppe, eine gemeinsame Wartungsabteilung oder Ähnliches. In diesen Bereichen müssen wir uns zusammenschließen. Einem Betrieb zu sagen, du hast zu wenig Mitarbeiter, also sperr zu, bedeutet 90 Prozent der Betriebe zu sagen, sie sollen dicht machen. Ich glaube kaum, dass das die Lösung wäre. Wir haben heute in Betrieben mit bis zu fünfzig Mitarbeitern 80 Prozent der Arbeitsplätze, und das sind meistens unbefristete, also sichere Arbeitsplätze. Ich glaube, wenn man zu diesen Unternehmen sagt, sperrt zu, dann würde man eine Stärke verlieren. Es ist ja nicht alles schlecht, was klein ist. Vor allem, wenn man heute die Tendenz zur Regionalität sieht, die Identifikation damit. Das heißt, der Kunde will heute wissen, woher kommt dieses Produkt, was steckt dahinter, wer ist diese Person, die mir dieses Produkt bringt?

Kleine Betriebe sind da sehr transparent. Der Knackpunkt ist: Wann ist es als kleiner Betrieb besser, sich in ein größeres Organisationsmodell einzufügen, das auch anderen Ansprüchen gerecht wird. Aber das eine schließt das andere nicht aus. Oft scheitern aber Zusammenschlüsse an der Tatsache, dass keiner der Betriebe Kompetenzen abgeben will.

Sicher, das kommt vor. Das ist vielleicht auch ein wenig historisch bedingt. Unser Land ist hauptsächlich landwirtschaftlich geprägt und früher war es eben so, dass es den Hoferben gegeben hat und die anderen mussten den Hof verlassen. Jeder hat sich dann wieder sein eigenes kleines Reich aufgebaut. Und das ist möglicherweise so tief in uns drin, dass wir gerne weiterhin unsere kleinen Könige bleiben möchten. Aber da müssen wir uns alle einfach weiterentwickeln, und mit alle meine ich nicht nur die Kleinbetriebe, sondern auch die größeren, denn auch die sind draußen auf dem Weltmarkt immer noch klein. Es gibt aber auch Fälle von Betrieben mit zwei, drei Mitarbeitern, die international tätig sind, weil sie sich in einer Nische bewegen. Wichtig ist, dass sich jeder bewegt, dass jeder Betrieb schaut, wo kann ich das selbst machen, wo brauche ich einen Partner. Und dann muss man halt auch lernen, einen Partner so zu nehmen, wie er ist. Gibt es in Ihren Augen da schon Bewegung?

Na ja, Änderungen kommen entweder, wenn der Leidensdruck so hoch ist,

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digen liegen. Wir haben – um es so auszudrücken – in der Vergangenheit zu viel aufgerüstet. Und das muss man natürlich einsetzen, sonst ist es totes Kapital.

dass sie jemand durchziehen muss, oder wenn jemand der Zeit wirklich einige Schritte voraus ist und sagt, ich will das unbedingt machen, weil ich davon überzeugt bin. In Südtirol haben wir momentan nur die zweite Kategorie. Gottseidank ist der Leidensdruck nicht so groß, das muss ich schon dazusagen. Weil wenn es so wäre, dann würde das bedeuten, dass es uns wirtschaftlich um einiges schlechter geht. Ich hoffe aber, dass jetzt vor allem das Umdenken in den Köpfen einsetzt und dass allen klar wird, dass es eine Chance ist und dass wir neue Modelle der Zusammenarbeit entwickeln müssen.

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TITEL Gert Lanz beklagt vor allem die rechtliche Unsicherheit in Italien. Die ständigen Änderungen seien Gift für die Entwicklung der Betriebe.

Wie sehen Sie die Rolle des LVH in Zukunft?

Wo sehen Sie, abgesehen von der IMU, die größten Probleme?

Ganz sicher bei den rechtlichen Veränderungen in Italien, die ständig auf uns hereinprasseln. Wir brauchen relativ schnell langfristige Sicherheit in dieser Beziehung, weil diese ständigen Änderungen bringen die kleinen Strukturen in Bedrängnis. Dann brauchen wir einen neuen Zugang zum Thema Vermarktung. In den vergangenen Jahrzehnten war das für uns Handwerker nicht notwendig, deshalb haben wir das auch nicht gelernt. Da müssen wir aufholen. Wir müssen lernen, uns besser zu verkaufen, das steht fest. Das fängt in der eigenen Gemeinde an, wo wir uns besser präsentieren müssen, und geht dann darüber hinaus. Wir müssen auch lernen, aufeinander zuzugehen. Oft sind Betriebe Tür an Tür und wissen nicht einmal, was der andere macht. Da müssen wir dazulernen und Synergien nutzen. Also: Bürokratieabbau und Vermarktung. Sie haben selbst einen großen Handwerksbetrieb und sind auch im Export erfolgreich. Welche Erfahrungen können Sie bei dieser Entwicklung einbringen?

Vor allem meine Erfahrungen, die ich im Bereich Export und auch im Umgang mit Behörden im In- und Ausland

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„Wir brauchen einen neuen Zugang zum Thema Vermarktung. Da müssen wir aufholen.“ Gert Lanz

gemacht habe. Ebenso die Erfahrung, dass auch im Ausland nicht alles Gold ist, was glänzt. Dort trifft man auf dieselben Probleme wie hier. Bürokratie, Rechtsunsicherheit und Liquiditätsengpässe gibt es auch dort. Was mich beim Vergleich zwischen einem Südtiroler Betrieb und einem im Ausland immer beruhigt, ist, dass wir hier eine sehr gute Basis haben, eben zum Beispiel das erwähnte Qualitätsbewusstsein. Da müssen wir uns besser verkaufen.

Für uns ist wichtig, dass wir die verschiedenen Probleme der Betriebe sammeln und bündeln. Es ist utopisch, zu glauben, dass man als Interessenvertretung auf jedes individuelle Problem eingehen kann, das ist unmöglich. Unsere Aufgabe ist es deshalb, diese Probleme zu sammeln, zu analysieren und nach Lösungen zu suchen. Wir haben uns als Ziel gesetzt, dass wir vor allem die Interessenvertretung professionalisieren und ein kompetenter Ansprechpartner sein wollen. Wenn ein Betrieb ein Problem hat und damit zu uns kommt, müssen wir Antworten haben, und zwar hier im Hause. Die Schwierigkeit ist, wie kommuniziere ich das Ganze. Heute nur mehr Informationen zu streuen, ist zu wenig, weil niemand mehr die Zeit hat, allen so verteilten Informationen zu folgen. Wir müssen es schaffen, die Informationen so zu bündeln, dass sie auch beim Empfänger ankommen. Und im Verband selbst?

Wichtig für uns hier intern ist es, dass wir uns die Zeit nehmen, Modelle für die Zukunft zu entwickeln und Möglichkeiten aufzuzeigen. Dabei wollen wir gar nicht, dass dann jeder sagt, super, das mache ich so, sondern es reicht, wenn er sich daran orientiert und dann vielleicht seine Nische findet. Ein starker Wunsch der Mitglieder ist auch, dass die Geselligkeit wieder Einzug hält, dass Möglichkeiten geschaffen werden, bei welchen die Mitglieder sich ungezwungen treffen und sich austauschen können. Früher ging das vielleicht bei der Arbeit nebenher, heute ist jeder zu viel eingespannt, alles läuft nur noch über Handy und E-Mail. Der per◀ sönliche Kontakt kommt zu kurz. PETER SEEBACHER

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Foto: stock.xchng/e-Eva-a

PR-INFO

FORSCHUNG UND ENT WICKLUNG IN SÜDTIROL Innovation bedeutet Zukunft, denn Innovationen von heute sichern Wachstum und Wohlstand von morgen. Dies gilt auch für den Standort Südtirol, wo die fortschreitende Globalisierung für viele Unternehmen zunehmend eine Herausforderung darstellt.

S

üdtirols Betriebe sind vielfach auf traditionellen Wirtschaftsfeldern tätig, wie etwa Fremdenverkehr, Bauwirtschaft, Holzverarbeitung, Transport, Handel, Dienstleistung und Landwirtschaft. Dort ist das Potenzial an Forschung und Entwicklung begrenzt. Trotzdem tragen laut Innovationslandesrat Bizzo auch die Unternehmen dieser Sektoren maßgeblich zur Stabilität der Südtiroler Wirtschaft bei. Für die Wirtschaftsentwicklung und für das Überleben der Unternehmen ist es wichtig, Forschung, Entwicklung und Innovation zu betreiben. Aber die Unternehmen müssen oft feststellen, dass dies leichter gesagt als getan ist. Die Betriebe müssen sich mit Produktion, Beschaffung der Aufträge, Einkauf, Verwaltung,

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Initiativen, die vom Amt für Innovation gefördert werden: • Grundlagenforschung, industrielle Forschung, experimentelle Entwicklung • Technische Durchführbarkeitsstudien • Registrierung von gewerblichen Schutzrechten und Patenten • Die Ersteinführung von Managementsystemen • Die Innovationsberatung und innovationsunterstützende Dienstleistungen • Die Durchführung von Prozess- und Betriebsinnovationen • Einstellung oder Ausleihung von hoch qualifiziertem Personal.

Finanzierung und Personal auseinandersetzen. Hinzu kommen noch der Konkurrenzdruck mit Preisabschlägen und Billigprodukten, die Energiekosten, die Bürokratie und die Steuern, die das Unternehmen belasten. In diesem Kontext ist es für die Unternehmen schwierig, auch noch innovativ zu sein, Ideen für neue Produkte und Prozesse zu entwickeln und Ressourcen wie Zeit, Geld und Personal aufzubringen. Um die Hürden bei der Umsetzung von F&E-Projekten bei KMUs zu senken, arbeitet das Assessorat für Innovation direkt mit den Unternehmerverbänden (LVH, CNA und Unternehmerverband), der Handelskammer und dem TIS innovation park zusammen. Auch die neuen Richtlinien für Forschung und Entwicklung, welche demnächst von der EU verabschie-


PR-INFO Dr. Maurizio Bergamini Riccobon ist Direktor der Abteilung Innovation, Forschung, Entwicklung und Genossenschaftswesen (links im Bild); Dr. Franz Schöpf ist Direktor des Amtes für Innovation, Forschung und Entwicklung (rechts im Bild)

det werden und mit September dieses Jahres in Kraft treten werden, bringen zusätzliche Erleichterungen für die Südtiroler Unternehmen. „Die wesentlichen Neuerungen bestehen in der Ausweitung der Fördermöglichkeiten und in der Vereinfachung der Gesuchsabwicklung“, so der zuständige Landesrat Roberto Bizzo. So wurden zum Beispiel bei der Berechnung der Personalkosten vier Gehaltsstufen mit fixen Tagessätzen festgelegt, weshalb es in Zukunft keiner Lohnstreifen mehr bedarf. Zusätzlich wurde das vereinfachte Gesuchsverfahren auf die Innovationsberatung und auf die Durchführung von Machbarkeitsstudien ausgeweitet. Jährlich reichen zirka 120 bis 150 Südtiroler Unternehmen im Bereich der Forschung und Entwicklung (F&E) gemeinsam 200 bis 250 Projekte beim Amt für Innovation, Forschung und Entwicklung ein. Bezogen auf die verschiedenen Förderbereiche, wie Forschung und Entwicklung, Schulung und Beratung, Einführung von Qualitätssystemen sowie Confidi-Operationen, bearbeitet das Amt zirka 1.000 Gesuche im Jahr. Die Rolle des TIS (Techno Innovation Südtirol) und des Technologieparks. Ein strategischer Partner für die Unterstützung der Innovationstätigkeit ist der TIS innovation park. Er bietet den Unternehmen Dienstleis-

Ing. Roberto Bizzo ist Landesrat für Innovation, Informatik, Arbeit, Genossenschaften und Finanzen

Aufteilung der F&E-Einzelgesuche nach Unternehmensgröße und Jahr (2007–2011) F&E-GESUCHE

tungen in drei Hauptbereichen an. Eine Grunddienstleistung besteht in der Unterstützung der Unternehmensgründungen, vor allem, wenn diese einen technologischen Schwerpunkt haben. Ein wesentlicher Bereich ist auch die Unterstützung beim Aufbau von Netzwerken zwischen Unternehmen, wo es darum geht, durch das Zusammenführen der Stärken und gemeinsamen Interessen zusätzliche Synergien und mehr Wettbewerbsfähigkeit zu schaffen. Der dritte Bereich beinhaltet den Know-how-Transfer zwischen Betrieben und vor allem zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen oder Universitäten. Dieses Dienstleistungspaket ist gerade in einer klein strukturierten Wirtschaft, wie sie in Südtirol herrscht, von besonderer Bedeutung. Neben der Möglichkeit, Einzelgesuche einzureichen, kommt auch der Ausschreibung für Kooperationsprojekte im Bereich F&E eine besondere Bedeutung zu. Ziel der jährlichen Ausschreibung für Forschung und Entwicklung ist es, einerseits die Synergien von Unternehmen, die in komplementären Sektoren arbeiten, zu nutzen und andererseits durch die Einbindung von Forschungseinrichtungen und Universitäten die Entwicklung hochtechnolo❧ gischer Produkte zu unterstützen.

2007

2008

2009

2010

2011

Summe

Großunternehmen

50

38

51

42

40

221

infobox

Mittelunternehmen

39

32

37

39

19

166

Kleinunternehmen

74

35

49

48

44

250

Amt für Innovation, Forschung und Entwicklung

Kleinstunternehmen

53

66

83

73

68

343

Summe der Gesuche

216

171

220

202

171

980

Raiffeisenstr. 5 39100 Bozen Tel. 0471 41 37 10 www.provinz.bz.it/innovation

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PR-INFO

NATURSTEIN AUS DEM ALPENRAUM Fuchs AG ist Spezialist für den Import und Export von Natursteinen aus aller Welt. In den letzten Jahren konzentrierte sich das Südtiroler Familienunternehmen verstärkt auf den Handel mit Naturstein aus dem Alpenraum.

D

ie Fuchs AG ist seit Jahrzehnten im Handel mit Naturstein aktiv. Das Südtiroler Unternehmen mit Hauptsitz in Vetzan/Schlanders importiert Natursteine aus aller Welt und exportiert hauptsächlich nach Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Fuchs AG betreut internationale Großprojekte und ist Ansprechpartner bei jeglicher Art von Bodenbelägen, wie etwa Naturstein, Fliesen, Holz-, Laminat- und Teppich-

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böden. Im 10.000 Quadratmeter umfassenden Hauptsitz befindet sich neben Bürofläche, Ausstellungsräumen und Lagerhalle auch eine eigene Produktionsstätte, in welcher der Naturstein nach individuellen Kundenwünschen zu Treppenbelägen, Fensterbänken, Küchen- und Badabdeckplatten verarbeitet wird. In den Verkaufsstellen in Schlanders und Sinich/Meran (Keramarket Fuchs) erwartet den Kunden ein breites und auf den neuesten Stand gebrachtes

Materialsortiment. Besonderen Wert legt die Fuchs AG auf individuelle Beratung - egal, ob der Kunde eine Baufirma, ein Architekt, ein Inneneinrichter oder ein privater Bauherr ist. 40 Jahre erfolgreiche Firmengeschichte. Die Fuchs AG ist ein Familienunternehmen mit einer langen Tradition. In den 1970er-Jahren übernahm Günther Fuchs den damaligen Betrieb mit zwei Mitarbeitern von seinem Vater


PR-INFO

Auener Hof, Luxury Gourmet Resort, Sarntal: Lieferung und Verlegung von Naturstein, Fliesen sowie Holzund Teppichböden

Hotel Schweizerhof, Bern: Lieferung und Verlegung von Lobby und Hotelbädern. Schauspielhaus Stuttgart, Sanierung, durchgeführt von der Firma Fliesen Röhlich GmbH: Lieferung Boden in Marteller Granit „Plima“

Martin Fuchs, In den darauffolgenden Jahren expandierte das Unternehmen, und in der Industriezone Latsch wurde ein Bürogebäude mit Ausstellungsräumen und Lagerhallen errichtet. 1980 kamen zur Produktpalette Keramikfliesen hinzu. Um die steigende Nachfrage besser befriedigen zu können, wurde 1987 die Verkaufsstelle Keramarket Fuchs in Sinich/Meran eröffnet. 1997 wurde dann der neue Hauptsitz in Vetzan eingeweiht. Heute wird die Fuchs AG mit ihren 33 Mitarbeitern bereits in dritter Generation von der Familie Fuchs geführt. Persönliche Kontakte und kollegiale Zusammenarbeit mit Kunden haben für die heutige Geschäftsleitung nach wie vor oberste Priorität. Auf diese Weise entstehen langjährige Kunden- und Lieferantenbeziehungen. So gibt es gar einige Firmen, die bereits seit der Gründung der Fuchs AG Kunde des Unternehmens aus Vetzan sind. Authentisch. Fair. Nah. Die Fuchs AG ist zwar vor allem Spezialist für lokale und europäische Natursteine aus Italien, der Schweiz, Deutsch-

Die Zentrale: Der Hauptsitz der Fuchs AG in Vetzan/Schlanders

land und Österreich, gleichzeitig importiert das Unternehmen aber auch Natursteine aus China, Brasilien und Indien. Neben dem großflächigen Lager im Hauptsitz in Vetzan unterhält die Fuchs AG zugunsten kürzerer Lieferzeiten weitere Lager in Livorno, Verona und Trient. Dabei ist vor allem die Exportabteilung der Fuchs AG gefordert, die immer wieder neue Wege sucht, um die Kunden zeitgerecht zufriedenzustellen. Kurze Transportwege, faire Arbeitsbedingungen und qualitativ hochwertige Materialien

– das Thema Nachhaltigkeit spielt im Familienbetrieb Fuchs eine wichtige Rolle. Seit Jahren handelt die Fuchs AG mit Naturstein aus dem Alpenraum. Bereits seit Ende der 1980er-Jahre vertreibt das international erfolgreiche Traditionsunternehmen beispielsweise den aus dem Martelltal stammenden Marteller Granit „Plima“. Die Fuchs AG ist auch Mitglied des Natursteinverbandes Südtirol, der sich die Förderung von Südtiroler Naturstein auf die Fahne geschrieben hat. Im Vergleich zum importierten Naturstein hat einheimisches Gestein ganz klare Vorteile. Die Fuchs AG legt mittlerweile besonderes Augenmerk auf den Vertrieb von Gestein aus den Alpen, wie etwa Laaser Marmor und Schweizer Gneis. So werden nicht nur lange Transportwege vermieden, sondern auch die Arbeitsbedingungen während des Abbaus sind vollkommen transparent. Denn die Fuchs AG setzt auf faire Qualität – und trifft damit den ❧ Nerv der Zeit.

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Fuchs AG Gewerbegebiet Vetzan 39028 Vetzan/Schlanders Tel. 0473 74 17 41 info@fuchs.it www.fuchs.it

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Eigentlich gleich, aber irgendwie anders In Südtirol ticken die Uhren anders ist eine Aussage, die man immer wieder hört, wenn es um Wirtschaft und Krise geht. Sind auch die Südtiroler Unternehmer anders?

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üdtirol ist ein Land der Unternehmer. Über ein Zehntel der Bevölkerung betreibt sein eigenes Geschäft, das sagen zumindest die statistischen Zahlen. Mit Stichtag 31. Mai 2012 gab es laut Wirtschaftsforschungsinstitut der Handelskammer in Südtirol 57.895 eingetragene Firmen. Betriebe, die von jemand gegründet und von jemand geführt werden. Das heißt, dass es in Südtirol fast 58.000 Menschen gibt, die im weitesten Sinne als Unternehmer bezeichnet werden können. Mag sein, dass viele dieser Firmen Einzelunternehmen ohne Beschäftigte sind und deshalb im engen Sinne und auch im umgangssprachlichen Gebrauch des Wortes nicht als Unternehmen gelten können. Trotzdem, vergleicht man das Verhältnis von Firmeninhabern zur Anzahl der Gesamtbevölkerung, hat Südtirol die Nase vorn. Mit einer Gesamtzahl von 3,6 Millionen Firmen liegt dieses beispielsweise in Deutschland bei 4,36 Prozent. In Italien hingegen sind rund 6,13 Millionen Betriebe in das Firmenregister eingetragen, was bei einer Bevölkerung von rund 60,5 Millionen einer Quote von rund 9,8 Prozent entspricht. In Südtirol hingegen liegt diese bei 11,3 Prozent. Ist das ein Zeichen dafür, dass in Südtirol besonders viele Gründernaturen leben, die risikofreudiger sind als in anderen Gegenden? Nicht unbedingt, meint der Psychologe Erich Kirchler, der selbst gebürtiger Südtiroler ist und heute an der Wirtschaftsuniversität in Wien lehrt. Vielmehr seien es wohl die günstigen Rahmenbedingungen, die Menschen hierzulande öfter zur Gründung einer eigenen Firma veranlassen (siehe Interview). Deshalb könne man auch nicht von einem Südtiroler Unternehmer-Gen sprechen.

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„Ergeiz, Einsatzbereitschaft und Risikobereitschaft sind Eigenschaften, die Unternehmer haben sollten, wenn sie erfolgreich sein möchten“ Bundesministerium für Wirtschaft

genannt, die sie haben sollten, wenn sie erfolgreich sein möchten. Dazu kommen noch Belastbarkeit, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein. Allesamt Charakterzüge, ohne die der Aufbau eines Unternehmens zum Vabanque-Spiel wird. Und das unabhängig vom Standort. Der deutsche Psychologe Fred Müller hat aufgrund mehrerer empirischer Studien bei erfolgreichen Unternehmern fünf Grundtypen ausgemacht, nach denen Unternehmerpersönlichkeiten unterschieden werden können: DER DISTANZIERTE LEISTUNGSTYP

ist weniger auf hohe Gewinne aus, sondern sieht seine Rolle als Unternehmer als persönliche Herausforderung, die es zu meistern gilt. Besonders wichtig ist es ihm, selbstständig arbeiten zu können. Er ist engagiert und liebt seine Unabhängigkeit. DEN RATIONALEN AUSDAUERTYP

Ob Menschen, die sich entschließen, eine Firma zu gründen, überhaupt besondere Voraussetzungen haben, versucht die Wissenschaft schon seit Langem herauszufinden. Einige gemeinsame Eigenschaften konnten so auch tatsächlich herausgefiltert werden, wobei diese von Untersuchung zu Untersuchung etwas unterschiedlich sind. Einige gemeinsame Nenner haben sich aber trotzdem herauskristallisiert. Kirchler: „Leistungsstreben, Autonomie und soziale Unabhängigkeit werden oft genannt.“

bringt nichts aus der Ruhe und Druck behindert seine Leistungsfähigkeit kaum, sondern stachelt ihn eher an. Aufgeben ist seine Sache nicht und bei Problemen macht er sich systematisch auf die Suche nach einer Lösung. Er ist belastbar und in seinem Tun sehr ausdauenrd. DIE STÄRKE DES IDEENREICHEN AKQUISITIONSTYPS

ist seine große Kommunikationsfähigkeit sowie seine große Flexibilität. Dank dieser Fähigkeiten kann er sich schnell auf Personen und Situationen einstellen und wirkt dabei immer souverän. Er ist kreativ und risikofreudig.

CHARAKTER. Ehrgeiz, Einsatzbereitschaft

und Risikobereitschaft werden vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie außerdem als Voraussetzung für Gründer als Eigenschaften

DER KONTROLLIERTE MACHTTYP

ist äußerst durchsetzungsstark und ein kühler Denker. Hierarchien und Status sind ihm wichtig.

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Foto: Alexander Alber

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Geballte Unternehmerschaft: Jahreshauptversammlung des Unternehmerverbandes Südtirol

DER ICH-BEZOGENE AKTIVITÄTSTYP

lässt sich ungern etwas von anderen vorschreiben und widmet sich am liebsten Aufgaben, die er sich selbst gestellt hat. Bei deren Lösung ist er dann äußerst konsequent. Er ist innovativ, aber auch egozentrisch. GLEICH, ABER ANDERS Gelten diese Ka-

tegorien auch für Südtiroler Betriebsinhaber? Oder unterscheiden sich Südtiroler Unternehmer von den Berufskollegen in Nord und Süd? „Ich glaube, dass es keine großen Unterschiede zwischen Unternehmern in Deutschland, Südtirol oder Italien gibt“, sagt einer, der berufsbedingt mit vielen Betriebsinhabern in Südtirol und ganz Mitteleuropa zu tun hat, aber lieber anonym bleiben möchte. Mehr oder weniger würden alle Unternehmer in Europa mit denselben Problemen

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Wer ist eigentlich ein Unternehmer? In der Volkswirtschaftslehre gibt es klare Definitionenen, was ein Unternehmen und wer ein Unternehmer ist. So heißt es etwa in “Moderne Volkswirtschaftslehre: Logik der Marktwirtschaft”: Während das Unternehmen als Ort der Produktion auf die konkrete Ausführung der Produktion und aller damit verbundenen Tätigkeiten gerichtet ist, steht der Unternehmer für die zugrunde liegende kreative, leitende Idee, für die Schaffung neuer Produkte und Technologien im weitesten Sinne, die dann im Unternehmen ausgeführt, realisiert werden. Vom unternehmerischen Entscheidungsverhalten, von unternehmerischen Kenntnissen und Fähigkeiten, von Einfällen, der Innovationsund Tatkraft und der Problemlösungskapazität des Unternehmers hängen sowohl die Qualität und Quantität der zur Verfügung gestellten Güter und Dienstleistungen ab, als auch die Quantität und Qualität der beschäftigten Arbeitskräfte.

konfrontiert und in ähnlicher Weise damit umgehen. Einen Unterschied habe er aber trotzdem festgestellt: Südtiroler Unternehmer hätten im Vergleich zu europäischen Berufskollegen öfter einen Scheuklappenblick und würden sich mit Neuerungen schwerer tun. „Ein wenig mehr Weltoffenheit könnte unseren Managern und Unternehmern hier nicht schaden“, so seine Einschätzung. Wenn man mit Südtiroler Unternehmern spricht und diesen Vorwurf zur Sprache bringt, trifft man durchaus auf Verständnis für diese Feststellung. „Mein Eindruck ist,“ so meint der Inhaber einer bekannten Südtiroler Firma mittlerer Größe, „dass dies vor allem bei den kleinen Unternehmen zutrifft. Da werkelt jeder nach seiner seit Jahren bewährten Methode in seinem eigenen kleinen Schrebergarten, ohne groß einen Blick über den Zaun zu werfen.“ Mehr Offenheit und Interesse für

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Foto: Apparatebau

Foto: Alexander Alber

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Gewerkschafter Alfred Ebner: Die Süditoler Unternehmer sind bodenständige Menschen, mit denen man reden kann

Neues und die Bereitschaft, mit anderen zusammenzuarbeiten, könnte da durchaus alle ein wenig weiterbringen. BLICK VON AUSSEN. Andreas Reichel,

Geschäftsführer der Firma Apparatebau in Neumarkt mit 120 Mitarbeitern und gebürtiger Deutscher, hat ebenfalls einige Unterschiede festgestellt. Zuerst einmal habe aber seiner Ansicht nach die Größe eines Unternehmens Einfluss auf die Unternehmenskultur und den Stil der Führung: “Große Betriebe, sagen wir mal, ab einem Umsatz von 500 Millionen jährlich, werden anders geführt als kleinere. Da kommen dann ganz ander Komponenten ins Spiel, wie etwa der Kontakt zur Politik, Beratern und so weiter. Das erfordert dann ganz andere Führungsmethoden.” Bei Südtiroler Unternehmern sei ihm aufgefallen, dass sie sehr gut untereinander vernetzt sind und auch sehr großes Verständnis füreinander haben: “Das Bewusstsein, Unternehmer zu sein, aber eben auch Südtiroler, ist hierzulande sehr stark vorhanden.” Das sei bei Unternehmern in Deutschland anders. Die Kontaktfreude Südtiroler Firmenleiter über die Grenzen hinaus sei aber tatsächlich ein wenig eingeschränkt.

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Andreas Reichel, Geschäftsführer Apparatebau GmbH: Südtirols Unternehmer sind gut untereinander vernetzt

„Das Bewusstsein, Unternehmer zu sein, aber eben auch Südtiroler, ist hierzulande sehr stark vorhanden“ Andreas Reichel

LOB. Wenig an den Südtiroler Unterneh-

mern auszusetzen hat Alfred Ebner von der Gewerkschaft AGB/CGIL: „Der Südtiroler Unternehmer ist ein durch und durch bodenständiger Mensch, mit dem man durchaus reden kann“, ist seine Ein-

schätzung. Auf reines neoliberales Denken sei er bei den vielen Verhandlungen, denen er als Gewerkschaftsvertreter aktiv beigewohnt hat, nie getroffen. „Natürlich hängt es auch mit der Größe des Betriebes zusammen und welche Einstellung ein Unternehmer grundsätzlich hat“, so Ebner weiter. Jene, die lokalen Ablegern großer internationaler Unternehmen vorstünden, hätten bestimmte Erwartungen zu erfüllen, die das Mutterhaus an sie hat. Da ginge es bei Verhandlungen schnell etwas härter zu. Dass die Südtiroler Unternehmer sich recht gerne etwas abschotten, ist auch dem Gewerkschafter aufgefallen: „Meiner Einschätzung nach besteht wirklich tendenziell die Gefahr, dass sich so mancher Betriebsinhaber hierzulande zu sehr in der eigenen Sonne sonnt.“ Grundsätzlich beurteilt Ebner die Südtiroler Unternehmerschaft durchaus positiv: „Alles in allem sind sich die Unternehmer hier ihrer sozialen Verantwortung durchaus bewusst, obwohl die Sozialpartnerschaft nicht die ist, wie etwa in Österreich. Ich würde unseren Unternehmern wirklich kein schlechtes Zeugnis ausstel◀ len.” PETER SEEBACHER

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Kein Unternehmer-Gen Der aus Mühlen in Taufers stammende und heute an der Universität Wien lehrende Wirtschaftspsychologe Erich Kirchler über Psychologie in der Wirtschaft, die Zukunft des Euro und die Besonderheiten bei Südtiroler Unternehmern. Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist nicht nur generell problematisch und für eine trübe Stimmung verantwortlich, sondern wirkt auch ganz besonders auf Einzelschicksale. Wer seine wirt-

SÜDTIROL PANORAMA: In der zurzeit herrschenden Krisensituation ist die Frage besonders aktuell: Wieviel Psychologie ist in der Wirtschaft enthalten? ERICH KIRCHLER: Nun, nachdem sich

die Psychologie generell mit dem Erleben und Verhalten von Menschen befasst und wirtschaftliche Phänomene von Menschen geschaffen, wahrgenommen und verändert werden, ist die Wirtschaft zu einem erheblichen Teil Psychologie, keine Frage.

Wie sehen Sie die Südtiroler Unternehmer? Ticken diese anders als etwa österreichische, deutsche oder italienische?

Ich vermute, dass nicht die Persönlichkeit der Südtiroler Unternehmer besonders ist, sondern dass die Wirtschaftslage sowie die politische und geographische Lage unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten bieten. Südtirol hat nicht nur aufgrund der besonderen Werthaltungen, sondern auch aufgrund der poltischen und geographischen Lage gute Möglichkeiten.

Ist der allgemeine Aufruf zum Sparen wirklich das richtige Signal, um aus der Krise zu kommen?

Dazu sollten Sie besser einen Ökonomen befragen. Meiner Einschätzung nach ist der Aufruf, mit Geld sorgsam umzugehen, in jeder Zeit sinnvoll. Fraglich ist, welche Strategie die öffentliche Hand in Krisenzeiten fahren soll. Aber dazu hat die Psychologie keine Meinung, sondern die Ökonomie. Viele italienische Unternehmer scheinen momentan recht mutlos und voller Zukunftsängste zu sein. Immer wieder ist auch von Selbstmorden italienischer Unternehmer in den Medien zu lesen. Können Sie diese Stimmung als Psychologe nachvollziehen?

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Foto: privat

Wieviel Vertrauen genießt die europäische Einheitswährung noch in Europa und der Welt?

Meines Erachtens wird der Euro nach wie vor als eine starke Währung gesehen, wenngleich die kritischen Bedenken aufgrund der wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Entwicklungen zugenommen haben. Manchmal entsteht auch der Eindruck, das Vertrauen in die Währung basiere weniger auf wissensbegründetem Vertrauen denn auf einem impliziten, „blinden“ Vertrauen.

schaftliche Existenz bedroht sieht oder verliert, reagiert nicht nur allgemein negativ, sondern oft mit Resignation und Verzweiflung. Das kann dazu führen, dass der Betroffene keinen Ausweg aus seiner Lage und auch keine Zukunftsperspektive mehr sieht.

Erich Kirchler ist Vizedekan der Fakultät für Psychologie an der Uni Wien

„Meiner Einschätzung nach ist der Aufruf, mit Geld sorgsam umzugehen, in jeder Zeit sinnvoll“ Erich Kirchler

Der Tiroler wird oft als folgsamer Untertan charakterisiert. Gilt das auch in der Wirtschaft? Zum Beispiel: Wenn die Parole „Kauft heimische Produkte“ ausgegeben wird, dann tun das alle?

Auch diesbezüglich glaube ich nicht an ein „besonderes Tiroler Gen“, sondern an Werthaltungen und nationale und lokale Identität, die in Südtirol stark ist. Gibt es Ihrer Erfahrung nach Charakterzüge, die allen Unternehmern gemein sind?

Über Persönlichkeitsmerkmale von UnternehmerInnen wurde schon immer viel spekuliert und geforscht. Verlässliche einfache Aussagen gibt es dazu nicht. Die Persönlichkeit dürfte in der Gründerphase wichtiger sein als in späteren Phasen der Unternehmensführung. Häufig werden Leistungsstreben, Autonomie und soziale Unabhängigkeit ◀ als „günstige Trias“ genannt. INTERVIEW: PETER SEEBACHER

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Erfolgreiche Freunderlwirtschaft Soziale Netzwerke wirken nicht nur in der virtuellen Welt als Appetitanreger für bereits gesättigte Konsumenten, sondern auch in der analogen Wirklichkeit. Die Macht der Empfehlung oder wie der Direktvertrieb der aktuellen Konsumkrise mit Rezepten des vergangenen Jahrhunderts trotzt.

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uf den ersten Blick lässt die Szenerie auf eine abendliche Freundinnenrunde schließen. Sechs Frauen um einen Tisch, Rotweingläser und kleine Leckereien vor sich, angeregtes Stimmengewirr und immer wieder schallendes Gelächter. Doch das Gesprächsthema des geselligen Abends dreht sich weder um Männer oder Kinder, noch um nervige Arbeitskollegen, neue Bücher oder gemeinsame Erinnerungen. Im Mittelpunkt steht vielmehr eine ansehnliche Menge an Tuben, Fläschchen und Tiegeln, die nach Bereichen geordnet auf der angrenzenden Kücheninsel der Gastgeberin aufgebaut sind: Ätherische Öle und Hautpflegecremes, Körper- und Gesichtspflegeprodukte sowie Haushaltsmittel – das gesamte Sortiment des Schweizer Naturkosmetikherstellers Just.

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Gut zwei Stunden lang wird nun gerochen und gesprayt, werden Öle auf Nacken oder Stirn oder Cremes und Lotionen auf Handrücken und anderen freien Körperstellen verrieben. Parallel dazu wird erklärt und kommentiert – allen voran von Just-Beraterin Elfriede Gufler, die neben technischen Infos jede Menge Tipps und Tricks aus ihrem scheinbar unerschöpflichen Erfahrungsschatz mit den Produkten liefert. Ob Ohrenschmerzen, Sonnenbrand oder Stress, Läusebefall auf Pflanzen oder hartnäckige Kugelschreiberflecken: Die dreifache Mutter, Teilzeit-Gemeindeangestellte und, laut eigenen Angaben überzeugte Just-Konsumentin, hat nicht nur für jedes Problem das passende Produkt, sondern kann dazu auch noch eine entsprechende Geschichte zu Besten geben. Sei es aus der eigenen Familie, sei es von all jenen Kun-

dinnen und Kunden, von denen sie als Beraterin seit fast sieben Jahren bei ein bis zwei Partys pro Woche ein direktes Feedback erhält. Dieses bleibt auch an diesem Abend nicht aus. „Das musst du probieren“ oder „Die funktioniert genial“ – auch die Kommentare Just-erfahrener Teilnehmerinnen tragen dazu bei, dass am Ende des gemütlichen Abends auf so mancher Bestellliste mehr angekreuzt wird als zu Beginn geplant war. BINDUNG. Mache deine Kundinnen zu

deinen Verkäuferinnen – und ihre Freundinnen zu neuen Kundinnen: Mit dieser Formel kann das Vertriebssystem des Partyverkaufs beschrieben werden, das vor fast einem Dreivierteljahrhundert in den USA erfunden wurde und neben dem Heimverkauf durch Handelsvertreter

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Foto: fotolia/thingamajiggs

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Mund-zu-Mund-Werbung und freundschaftliche Bande wirken verkaufsfördernd

die wichtigste Form des Direktvertriebes darstellt. Eine Nische, die häufig belächelt oder misstrauisch beäugt wird und im Zeitalter des E-Commerce schon fast anachronistisch anmuten mag. Doch bei genauerem Hinsehen beruhen die Grundmechanismen des Direktvertriebs genau auf demselben Prinzip, nach dem in der heutigen virtuellen Welt mit „Gefällt mir“Buttons und Share-Applikationen gearbeitet wird. Dass ein solches Empfehlungsmarketing auch in der realen Welt nach wie vor bestens funktioniert, demonstrieren Unternehmen wie Just, die qualitativ hochwertige Produkte vielfach schon seit Jahrzehnten ausschließlich über diese Vertriebsform an den Mann und die Frau bringen. Doch auch die Umsatzstatistiken des Direktvertriebs sprechen eine

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klare Sprache. Während der traditionelle Handel angesichts des stagnierenden Konsums chronisch mit rückläufigen Zahlen kämpft, haben sich die Umsätze des Direktvertriebes innerhalb des vergangenen Jahrzehnts europaweit auf fast 16 Milliarden Euro verdoppelt. Und während die Wirtschaftskrise viele Unternehmen zwingt, ihr Personal zu reduzieren, sind die meisten Unternehmen im Direktvertrieb auf der Suche nach Menschen, die sich mit dem Verkauf ihrer Produkte einen Nebenverdienst oder auch eine neue Existenzbasis schaffen möchten. MULTILEVEL-MARKETING. Zu den Er-

folgsfaktoren des Direktvertriebes zählen zweifelsohne die lockere Verkaufsatmosphäre im eigenen Heim und die intensive Beratung durch Menschen, die

ausschließlich die Produkte des jeweiligen Herstellers vertreiben und in vielen Fällen selbst begeisterte Nutzerinnen sind. Ein vielfach noch wichtigerer Faktor ist aber auch das ausgeklügelte System an Prämien, Geschenken und Reisen, mit denen die selbstständigen Vertriebspartner vieler Unternehmen einerseits für den Verkauf von Produkten, aber in vielen Fällen auch für die Anwerbung neuer Vertriebspartner entlohnt werden. Ein Mechanismus, der ein kontinuierliches Wachstum oder zumindest eine beständige Erneuerung des Vertriebsnetzes garantiert und unter dem Fachbegriff Multilevel-Marketing oder Netzwerk-Marketing bekannt ist. Eines der bekanntesten Beispiele für ein solches Netzwerk ist der Küchen- und Freizeitartikelhersteller Tupperware. Die legendäre US-Marke, mit der das Party-

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Foto: Tupperware

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Tupperware-Party: Ein System, das seit Jahrzehnten bestens funktioniert und weiterhin steigende Umsätze generiert

system in den Fünfzigerjahren dank Verkaufspionierin Brownie Wise seine erste Blüte erlebte, hat allein in Italien 26.000 Vorführerinnen, die im Vorjahr insgesamt 400.000 Verkaufspartys veranstalteten. Diese breite Basis ist in insgesamt 2500 Gruppen organisiert, die wiederum von einer der 59 Konzessionärinnen im ganzen Land geleitet werden. An der Spitze dieser hierarchischen Struktur stehen schließlich drei Zonenleitungen sowie die Zentrale in Mailand. Von dort aus wird der Verkauf mit Produktneuheiten, Sonderangeboten oder Geschenken für Party-Gastgeberinnen, aber auch mit einem umfangreichen Motivationssystem für die vorwiegend weiblichen TupperwareVertriebspartnerinnen angekurbelt (siehe Kasten). Wie effizient all das derzeit gemacht wird, zeigt sich auch in der Zentrale der Südtiroler Tupper-Konzession, die seit neun Jahren von der Monna Lisa OHG der jungen Unternehmerin Karin Spinell gehalten wird. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres konnten insgesamt 210 Südtiroler Tupperware-Vorführerinnen – drei davon sind Männer – den Umsatz gegenü-

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Wirtschaftskrisen sind in unserem Bereich immer ein Vorteil. Karin Spinell

ber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um stolze 66% steigern. Dabei hatte das Südtiroler Team das vorgegebene Jahresziel bereits 2011 mit einem Umsatz von 1,4 Millionen Euro übertroffen; als Anerkennung dafür wurde Karin Spinell erst kürzlich mit allen anderen erfolgreichen europäischen Konzessionärinnen zu einem 4-Tages-Trip nach Neapel eingeladen. Den derzeitigen Boom erklärt die Unternehmerin vor allem mit den massiven Investitionen, die nach einem Führungswechsel in Mailand 2011 in Prämien und Reisen gemacht wurden. Gleichzeitig sieht sie darin bereits erste Auswirkungen der aktuellen Krise. „Wirtschaftskrisen sind in

unserem Bereich immer ein Vorteil“, erklärt sie, „denn je mehr Arbeitslosigkeit es gibt, desto mehr Anfragen haben wir. Und je mehr Beraterinnen wir haben, desto mehr Produkte verkaufen wir.“ STEIGENDE UMSÄTZE. Auch auf gesamtstaatlicher Ebene trotzen die Verkaufsstatistiken der Direktverkäufer der chronischen Krise der italienischen Wirtschaft. Univendita, die vor zwei Jahren gegründete Interessenvertretung großer in Italien tätiger Direktvertreiber wie AMC, bofrost, Jafra Cosmetic, Vorwerk, Tupperware oder Just, meldet für das Vorjahr eine Umsatzsteigerung ihrer Mitglieder von 5 Prozent auf insgesamt 1,117 Milliarden Euro. Bei Avedisco, der zweiten großen Interessenvertretung mit einem Mitgliederumsatz von 895 Millionen Euro, legte die Zahl der Verkaufsberater im Vorjahr um 7,2 Prozent auf fast 241.000 zu. Die Suche nach neuen Vertretern ist auch bei der italienischen Vorwerk-Niederlassung ein aktuelles Thema – vor allem in einer strategisch wichtigen Provinz wie Südtirol, wo die Verkaufszahlen kontinuierlich steigen und die Zahlungsmoral

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Foto: Tupperware

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Netzwerk-Marketing am Beispiel Tupperware Erfolg muss belohnt werden – dieses Motto wird bei Netzwerkvermarktern wie Tupperware nicht nach persönlichem Gutdünken von Führungskräften, sondern nach strikten Tabellen umgesetzt. Für die breite Menge an Vorführerinnen gilt als Maßstab dafür „nur“ der erzielte Umsatz: Bei Überschreiten bestimmter monatlicher Grenzen erhalten sie zusätzlich zu ihrem Grundgehalt, dem 18prozentigen Skonto auf die eingekauften Produkte, eine Provision im Rahmen von 3,5 bis 10 Prozent. Ab der darüberliegenden Stufe, den Gruppenleiterinnen, die bei Tupperware mindestens drei Beraterinnen unter sich haben müssen, steigt die Provision dagegen nicht nur mit wachsendem Umsatz, sondern auch mit der Anwerbung neuer Vorführerinnen. So erhöht sich das Fixum von 3% auf den Gruppenumsatz auf 3,75%, wenn die Leiterin eine neue Beraterin im Monat für ihre Gruppe gewinnt; der maximale Wert von 10% wird bei vier Neuanwerbungen erreicht. Umsätze und Neuanwerbungen bestimmen bei Tupperware aber nicht nur das Gehalt. Auch für den Aufstieg auf der vierstufigen Tupper-Karriereleiter oder für die zahlreichen Reisen, die das Unternehmen verdienten Vertriebspartnerinnen bietet, muss man sich mit vorab definierten Zielwerten qualifizieren.

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weit besser ist als im restlichen Staatsgebiet, sagt Enea Bonato von Vorwerk Folletto. „Derzeit arbeiten wir in der Provinz mit 20 Vertretern“, sagt er, „doch Vorwerk würde auf der Stelle 20 weitere beschäftigen, wenn wir sie nur finden könnten.“ Der deutsche Direktvertriebs-Koloss beschäftigt weltweit in mehreren Unternehmenssparten rund 590.000 selbstständige Berater. Auch in Südtirol vertreibt er seine bekanntesten Produkte, den Staubsauger Kobold sowie das Küchengerät Thermomix, unter den italienischen Markennamen Folletto sowie Bimby im klassischen Tür-zu-Tür-Vertrieb. Also auf exakt dieselbe Art wie in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, als der Wuppertaler Produzent in Bozen seine zweite Italien-Niederlassung eröffnete. Aus durchschnittlich 40 bis 60 Kontaktversuchen, die jeder Vertreter tagtäglich unternimmt, ergeben sich laut Bonato bei dieser Vertriebsart rund drei bis vier Produktvorführungen. Jede dritte davon führe schließlich zu einem Produktverkauf. Zahlt sich dieser Aufwand tatsächlich aus – für rund einen verkauften Staubsauger pro Tag? „Absolut“, sagt der Vertreter und erzählt von einem Experiment, die Staubsauger in Deutschland in einem Shop zu verkaufen. Das Ergebnis? „Die Umsätze sind drastisch zurückgegangen“, so Bonato. Im italienischen Tür-zu-Tür-Verkauf habe Vorwerk das Krisenjahr 2012 dagegen mit einem Umsatzplus von 16 Prozent gestartet. Für Enea Bonato liegt das Geheimnis hinter diesem Erfolg in der Kreativität vieler individueller Berater, deren Einkommen schließlich davon abhängt, ob sie verkaufen. „Jeder von uns muss Tag für Tag seine persönlichen Strategien gegen die Krise entwickeln“, sagt er. „Denn wir haben keinen General über uns, wir sind selbst unsere Generäle“. RUF. Wie Konsumenten die „Kreativität“

einzelner Vertreter empfinden, hängt wie bei allen Formen des Direktvertriebs von der Professionalität und Seriosität der jeweiligen Unternehmen und ihrer Vertriebspartner ab. Der schlechte Ruf, der der Branche vielerorts anhaftet, hat auch damit zu tun, dass immer wieder Fälle aufgedeckt werden, in denen sowohl Berater als auch Kunden zu Schaden kommen. Ob Stellenangebote mit utopischen Gehaltsversprechen, Geschichten von Beratern, die auf vorher bezahlten Produkten sitzen bleiben oder von Kunden, die überteuerte

Produkte mit völlig unrealistischen Produktversprechen gekauft haben: Bereits eine kurze Internetrecherche zeigt, dass es in der Welt des Direktmarketings auch jede Menge schwarze Schafe gibt. Besonders das Image von Multilevel-Marketing ist durch die vermeintliche Nähe zu sogenannten Schneeballsystemen stark angekratzt, also Pyramidensysteme, deren Geschäftsmodell nicht auf dem Verkauf von Produkten, sondern allein darauf beruht, dass neue Teilnehmer Geld in das System investieren. Seit der gesetzlichen Regelung des Direktvertriebes mit Gesetz Nr. 173/2005 sind solche Pyramiden auch in Italien verboten – und die Möglichkeit, seriöses von unseriösem Netzwerk-Marketing zu unterscheiden, gestiegen. NICHTBEACHTUNG. Beim Handels- und

Dienstleistungsverband Südtirol (hds) wird das Thema Netzwerk-Marketing dennoch eher skeptisch betrachtet bis ignoriert. Eine eigene Fachgruppe für die Kategorie gebe es innerhalb des Verbandes nicht und sie sei auch nicht geplant, meint hds-Sprecher Mauro Stoffella auf Anfrage. Ganz anders wird das Thema jenseits des Brenners gesehen. Mit dem Bundesgremium Direktvertrieb der Wirtschaftskammer Österreich haben die rund 11.000 aktiven Direktberater im Land „die europaweit einzige öffentlich-rechtliche Interessenvertretung“, wie es auf der Homepage des Gremiums heißt. Mit Slogans wie „mobil. modern. menschlich“ oder Imagefilmen wird der Direktvertrieb auch auf der Ebene von neun Landesgremien als dynamische Zukunftsbranche positioniert, die sowohl Personen, die selbständig unternehmerisch sein möchten, als auch Konsumenten zahlreiche Vorteile biete – von geringen Einstiegsbarrieren und Kapitalbedarf bis hin zu einer optimalen Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf der einen Seite oder dem „Einkauf ohne Einkaufswege“ sowie einem breiten Produktangebot mit hoher Qualität und Servicegrad auf Seite der Kunden. „Der Direktvertrieb wird in der Gesellschaft immer noch zu Unrecht als eine Art Schattenwirtschaft abgestempelt, in der Keiler oder Leute unterwegs sind, die einem etwas aufschwatzen wollen“, sagt die Geschäftsführerin des Tiroler Landesgremiums Direktvertrieb Karolina Holaus, „hier gibt es sicherlich noch viel Aufklä◀ rungsbedarf.“ SUSANNE PITRO

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„Was darf es sein, Herr Vaia?“ Hannes Vaia ist erst 25 Jahre alt und führt bereits seit einem Jahr das Familienunternehmen in Leifers. In dieser Zeit hat er den Betrieb bereits nach seinen Vorstellungen umgestaltet. Das soll aber erst der Anfang sein, denn der Jungunternehmer hat mit seinem Betrieb noch viel vor.

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äbe es einen Wettbewerb „Mr. Unternehmer“ in Südtirol, Hannes Vaia wäre wohl einer der Anwärter auf diesen Titel. Mit akkurat nach vorne geföhnter und zur Seite gekämmter Youngster-Frisur erscheint er federnden Schrittes zum Termin mit Fotograf und Redakteur. Sein modisch geschnittener, dunkelblauer Anzug in Kombination mit weißem Hemd – getragen ohne Krawatte und mit offenem Kragen – unterstreicht diesen Eindruck des Beobachters nur noch. Souverän gibt sich Vaia nicht nur in seinem äußeren Erscheinungsbild, sondern auch im Umgang mit den Medien. Ohne große Scheu plaudert der Jungunternehmer drauflos. Dabei wird schnell klar: Dieser Mann mag äußerlich fast noch wie ein Teenager aussehen, seine Worte könnten aber auch aus dem Munde eines Mittdreißigers kommen. Die Gedankenwelt von Hannes Vaia scheint im kompletten Kontrast zu seinem jugendlichen Erscheinungsbild zu stehen. Statt als Luftikus gibt sich Vaia zielstrebig, ernsthaft und äußerst motiviert. So ist es denn auch kein Wunder, dass der Mittzwanziger sich nur unter bestimmten Bedingungen bereit erklärte, die Geschäftsführung des Familienunternehmens zu übernehmen: „Für mich war klar“, so der 25-Jährige“, dass ich die Leitung des Unternehmens nur dann übernehmen würde, wenn ich auch die volle Entscheidungskompetenz übertragen bekomme.“

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Hannes Vaia

LOCATION Foto: Alexander Alber

BESCHEIDEN. Die Kellnerin bringt die Menükarte. Ohne seinen Redefluss allzu lange zu unterbrechen, hat sich Vaia schnell entschieden. Seine Wahl an diesem heißen Sommertag fällt auf Reis mit Kirschtomaten und Mozzarella. Dazu gibt

„Für mich war klar, dass ich die Leitung des Unternehmens nur dann übernehmen würde, wenn ich auch die volle Entscheidungskompetenz erhalte“

Sonneninsel Bistro Reinisch eine ruhige, sonnige Insel im hektischen Bozen.

es stilles Mineralwasser. Gleich darauf fährt er mit seinen Ausführungen fort. Obwohl es für ihn selbst nach eigener Aussage nicht immer so klar war, ob er überhaupt einmal Teil des väterlichen Unternehmens sein wollte, hat Vaia konsequent an seiner Ausbildung gearbeitet. Einer Tischlerlehre bei einem bekannten und international tätigen Südtiroler Unternehmen folgte die Ausbildung zum Holztechniker. Praktika bei Unternehmen in Deutschland und Spanien folgten. Bereits als Mittelschüler, so Vaia, half er im väterlichen und großväterlichen Betrieb mit. Der heutige Geschäftsführer kennt seinen Betrieb von der Pieke auf. Den Drang, gestalten zu wollen, spürte Hannes Vaia ebenfalls sehr früh: „Ich wusste immer schon, dass ich, egal was ich einmal tun sollte, etwas schaffen, etwas gestalten wollte.“ Dafür arbeitete Hannes Vaia konsequent an seiner Weiter- und Ausbildung. 2009 fasste er den Entschluss, sich berufsbegleitend am Management Center Innsbruck (MCI) in das Masterstudium für Wirtschaft und Management einzuschreiben. Nur: Der Anwärter wurde als zu jung abgelehnt. Doch Vaia gab nicht auf. 2010 nahm er einen erneuten Anlauf und durfte nach Ablegen einer Aufnahmeprüfung schließlich sein Studium beginnen. Anstatt, wie laut Studienplan üblich, in zwei Jahren, wollte er das Studium in einem Jahr absolvieren. Der Grund: Ende des Jahres wollte er ein weiteres Praktikum irgendwo in Europa antreten. Schon beim Erzählen merkt der Zuhörer, dass, wenn sich Hannes Vaia einmal etwas vorgenommen hat, es wenig gibt, was ihn davon abbringen kann. Der Wille, aus sich und seinem Unternehmen etwas Besonderes zu machen, ist im Gespräch jederzeit spürbar.

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Foto: Alexander Alber

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Hannes Vaia beim Tischgespräch mit Südtirol Panorama. Der Mittzwanziger weiß genau, wo sein Unternehmen hin soll. Noch lässt er sich aber nicht in die Karten schauen.

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UNTERNEHMER & MÄRKTE Vaia erreichte in Innsbruck sein sich selbst gestecktes Ziel und schloss das Master-Studium in der von ihm selbst gesetzten Zeit ab, auch wenn dies eine enorme Doppelbelastung zwischen Engagement im Unternehmen und Studium bedeutete. Anschließend sah er sich, wie geplant, nach einem geeigneten Praktikumsplatz um, den er schließlich bei einem großen Holzimporteur in London fand. ZURÜCK. Der Ruf an die Spitze des vom

Die Geburtsstunde für das Unternehmen Vaia schlug im Jahr 1958. Anton Vaia senior betrieb damals mit seinen beiden Söhnen Anton und Konrad ein Sägewerk in Kardaun bei Bozen. Später übernahmen die Söhne Roland und Oskar zusammen mit ihrem Schwager Elmar Zöschg gemeinsam die Führung des Betriebes, der damals noch Holzland Vaia hieß. Seit einem Jahr sitzt der Sohn von Roland, Hannes Vaia, als alleiniger Geschäftsführer am Ruder des Familienunternehmens. In dieser Zeit hat der erst 25-Jährige, der am MCI in Innsbruck einen Master of Science in Management erworben hat, dem Betrieb bereits seinen Stempel aufgedrückt. Die Geschäftsfelder wurden neu geordnet und auch die interne Organisation umstrukturiert. Unter dem neuen Namen Vaia Group beackert das Unternehmen nun vier Geschäftsfelder: Brands in Italy, Retail, Trade und Service. Auch die Mitarbeiterzahl wurde von 15 auf 19 aufgestockt. Bei den Zahlen hält sich das Unternehmen unter der neuen Geschäftsleitung bedeckt. Begründung: „Da wir uns in einer starken Entwicklungsphase befinden, möchten wir uns zu Gewinn- und Umsatzzahlen nicht äußern.“ Nur soviel wird verraten: Im vergangenen Jahr konnte der Umsatz um sieben Prozent gesteigert werden.

gesteht er irgendwann zwischen Risotto und Kaffee, „aber ich wusste, dass ich nur weitermachen wollte und konnte, wenn ich das Unternehmen nach meinen Vorstellungen ausrichte.“ Dass es da von der einen oder anderen Seite Widerstand ge-

ben würde, war von vornherein klar, so Vaia. Und auch für seinen Vater sei es nicht immer leicht gewesen, die getroffenen Entscheidungen zu akzeptieren. REIF. Der älteste von drei Geschwistern

wirkt im Gespräch sehr abgeklärt und reifer als die meisten seiner Altersgenossen. „Klar bin ich sehr motiviert“, gesteht er, „jetzt habe ich die Chance, etwas zu gestalten und zu bewegen. Wenn ich nicht jetzt Vollgas gebe, wann dann?“ Das Vollgas geben hat aber für Vaia auch seine Grenzen. „Ich versuche es immer so zu organisieren, dass ich an den Wochenenden nicht arbeite, wenn es nicht unbedingt sein muss. Dann trifft sich der Jungunternehmer, der in Bozen in einer WG lebt, mit Freunden oder geht Skioder Radfahren. Oder er bekocht seine Freunde bei sich zu Hause. „Ich liebe es, zu Kochen. Dabei kann ich mich super entspannen, da schalte ich vollkommen ab“, lacht Vaia. Professionelle Tipps dazu erhält er oft von einem Freund, der Koch ist. Ebenso gerne – obwohl schon beruflich viel unterwegs – begibt er sich auf Reisen, um neue Länder zu entdecken. In die Welt hinauszugehen und neue Erfahrungen zu sammeln, das, betont er, finde er für jeden jungen Südtiroler wichtig. „Der Blick über den Horizont hinaus sollte niemals fehlen.“ ◀ PETER SEEBACHER

Foto: Alexander Alber

Großvater gegründeten Unternehmens erfolgte dann aber plötzlich und vollkommen unerwartet. „Es war ein Freitag im Juni vergangenen Jahres“, erzählt Hannes Vaia, „als mich mein Vater in London anrief und mir mitteilte, dass mein Großvater gestorben war. Gleichzeitig fragte er mich, ob ich bereit wäre, die Geschäftsführung des Unternehmens zu übernehmen.“ Nach einer kurzen Bedenkzeit habe er zurückgerufen und zugesagt. „Am Montag darauf saß ich schon im Flieger zurück nach Hause“, erzählt Hannes Vaia mit einem Lächeln. Heute ist Hannes Vaia alleiniger Geschäftsführer der Vaia Group, wie das Unternehmen heute heißt. In diesem einen Jahr als alleiniger Verantwortlicher für das Wohl und Wehe des Betriebes hat der 25-Jährige mehr oder weniger alles im Betrieb umgestellt und reorganisiert. „Natürlich war das keine leichte Zeit“,

Vaia Group

Einfaches und sommerleichtes Mittagsgericht: Risotto mit Kirschtomaten und Mozzarella

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UNTERNEHMER & MÄRKTE

Der uneitle Experte Ein Nachruf auf den am 11. Juni an den Folgen eines Unfalls verstorbenen Wirtschaftsfachmann und Generaldirektor der Handelskammer, Oswald Lechner. Von Gottfried Tappeiner.

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DER ERSTE GRUNDSATZ kam aus sei-

nem tiefen sozialen Bewusstsein: Es war ihm immer ein Anliegen, zu „helfen“. Das hat er auf vielerlei Art getan und er wollte es auch durch seine Arbeit tun. Selbstverliebte Forschung und Eitelkeit waren ihm vollkommen fremd. Der zweite Grundsatz entsprang seiner tief verwurzelten Ethik und das hieß für ihn: „Was herauskommt, kommt heraus!“, ganz gleich, ob man ein Ergebnis erwartet hat oder nicht, ob es einem gefällt oder

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smanagements. Eine zentrale Eigenschaft von Oswald Lechner war seine uneitle Kompetenz und seine Wertschätzung der Menschen (fast ist man versucht zu schreiben „des Menschen an sich“). Er führte seine Mitarbeiter kompetent, klar und mit der notwendigen Nachsicht. Er forderte und ließ gleichzeitig den jungen Menschen viel Spielraum, um sich zu entwickeln. AUSGEGLICHEN Oswald Lechner war in

Foto: Alexander Alber

m Jahre 1985 schrieb ein ungewöhnlich interessierter Student bei Professor John Ren Chen an der Universität Innsbruck eine hochkomplexe Diplomarbeit mit dem Thema „Die Bufferstocks als Preisstabilisierungsinstrument im integrierten Rohstoffprogramm“. Chen war damals der erste Professor in Innsbruck, der sich mit Ökonometrie – der systematischen Analyse volkswirtschaftlicher Zusammenhänge mithilfe statistischer Methoden – auseinandersetzte. Nur wenige Studierende trauten sich auf dieses Feld vor. Einer von ihnen war Oswald Lechner, der auch der Verfasser besagter Diplomarbeit war. Aufgrund seiner Begabung und seines Einsatzes, aber auch wegen seiner außerordentlichen Sozialkompetenz hätte Professor Chen seinen Studenten Oswald Lechner gerne für eine wissenschaftliche Karriere gewonnen. Lechner zog es vor, nach Südtirol zurückzukehren. Wenige Jahre vorher (1982) hatte die Handelskammer Bozen unter ihrem Präsidenten Robert von Fioreschy und auf Betreiben von Christoph Amonn ein Wirtschaftsforschungsinstitut gegründet. Die Beiden nutzten die Chance, Oswald Lechner für diese Einrichtung zu gewinnen. Rasch baute Oswald Lechner ein kleines Team auf, das konzentriert an regionalen Themen forschte. Dabei folgte er zwei Grundsätzen: das Thema muss für die Bevölkerung wichtig sein und die Ergebnisse sind nicht verhandelbar.

Oswald Lechner in den Räumen der Handelskammer (2010)

nicht. Basierend auf diesen Grundsätzen blieben die aus der Arbeit des WIFO resultierenden Ergebnisse immer unumstritten. Dass sie danach politisch unterschiedlich bewertet wurden, war richtig und notwendig. IN DIESEM LICHT entstanden unter der

Leitung von Oswald Lechner mehr als 100 Studien zu diversen Lebensbereichen. Als ob das nicht genug gewesen wäre, arbeitete er beständig an der Organisationsentwicklung der Handelskammer mit, zum Beispiel bei der Einführung des Qualität-

mehrfacher Hinsicht ein sehr ausgeglichener Mensch. Er ging – so schien es – hundertprozentig im Beruf auf und gleichzeitig hatte er große Freude an seiner Familie. Er begleitete die Kinder zum Skirennen und zum Fußballturnier und setzte sich gleich danach mit der Wettbewerbsfähigkeit Südtirols auseinander. Und das, ohne dass man den Eindruck gehabt hätte, etwas davon sei zu kurz gekommen. Er war, wie viele beobachteten, ständig unter Strom und hatte doch immer ein Lächeln im Gesicht und für jeden einen Gruß oder ein gutes Wort. Schließlich war er ein erstklassiger Volkswirt und hatte gleichzeitig ein großes soziales Herz. Er wurde in einer Zeit groß, in der der Glaube an den Markt unbeschränkt und die neoliberalen Ideen modern waren. Gegen solche Moden war er immun, er hatte nie den kurzfristigen Vorteil, sondern immer das langfristige Wohl vor Augen. Dies gilt in gleicher Weise für Südtirol, für die Handelskammer, für seine Gemeinde und besonders für seine Familie. Ganz zuletzt erst dachte Oswald Lechner auch an sich. Wir können das Andenken an Oswald Lechner am besten ehren, wenn wir in unserem Handeln das WIR stärker betonen als das ICH und mehr an die morgige Generation denken als an die heutige. Es ist aber auch im Sinne von Oswald Lechner, wenn wir das gleichzeitig mit Sachverstand und Mitgefühl tun. Viele werden sich in diesem Sinn bemühen, aber Oswald Lechner wird uns in vielerlei Hinsicht ganz ◀ stark fehlen.

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PR-INFO

Neuer Sitz in Verona – Interfama Rent, spezialisiert für die Lagerung von Schalsystemen

HYPO VORARLBERG LEASING: VERLÄSSLICHER PARTNER DER WIRTSCHAFT Trotz der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist Leasing auch heuer eine interessante Finanzierungsform für Unternehmen – im Vorjahr wurden wieder zahlreiche Projekte mit der Südtiroler Wirtschaft realisiert – „Wir setzen auf ein stabiles und starkes Mutterhaus sowie auf unsere engagierten Mitarbeiter.“

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ie Hypo Vorarlberg Leasing hat auch im Vorjahr wieder zahlreiche Projekte mit der Südtiroler Wirtschaft realisiert. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Bereich Immobilienleasing. „Wir werden auch in Zukunft erfolgreiche Unternehmen, die expandieren wollen, in puncto Immobilienleasing unterstützen und ein wichtiger Ansprechpartner für die Wirtschaft in unserer Region sein“, erläutert Dr. Michael Meyer, Delegierter des Verwaltungsrates. Leasing bleibe auch in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld ein interessantes Finanzierungsinstrument für Investitionsprojekte. „Außerdem sprechen die nunmehr kürzeren Leasinglaufzeiten für diese Finanzierungsvariante. Der Kunde kann selbst entscheiden, wie lange sein Vertrag läuft.“

Partner der Wirtschaft Im Vorjahr finanzierte die Hypo Vorarlberg Leasing die neue Produktions- und Lagerhalle der Rizzi-Gruppe in Glurns, die im Laufe des heu-

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rigen Jahres fertiggestellt wird. Die RizziGruppe ist im Obst- und Gemüsegroßhandel tätig und unter anderem auf den Vertrieb von biologischen Produkten spezialisiert. Das Investitionsvolumen für die neue Immobilie liegt bei 6,4 Millionen Dr. Michael Meyer Euro. Außerdem hat die Hypo Vorarlberg Leasing den neuen Sitz der Interfama Rent in Verona finanziert. Das Volumen lag bei 2,9 Millionen Euro. Das Mutterhaus mit Hauptsitz in Prad am Stilfserjoch produziert Schalungssysteme, die von Interfama Rent vermietet werden. Ein weiteres Referenzprojekt ist das E-Werk der ESTL Konsortial GmbH in St. Leonhard in Passeier. Die Anteile an der Gesellschaft teilen sich die Gemeinde, private Investoren und die Bürger von St. Leonhard. Die Besonderheit: Durch das

Beteiligungsmodell erhalten die Bürger der Gemeinde den Strom zu einem reduzierten Preis. Das Finanzierungsvolumen beträgt rund 6,3 Millionen Euro. Über die Hypo Vorarlberg Leasing Die Hypo Vorarlberg Leasing mit Hauptsitz in Bozen sowie den Filialen in Como, Bergamo (wird im September 2012 geschlossen) und Treviso ist eine 100-prozentige Tochter der Vorarlberger Landes- und Hypothekenbank AG, einem internationalen Finanzinstitut mit „A1“-Rating. Die Hypo Vorarlberg Leasing AG im Internet: ❧ www.hypoleasing.it

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Hypo Vorarlberg Leasing AG Für Rückfragen: Melissa Fischer Galileo-Galilei-Str. 10/H, I-39100 Bozen Tel.: 0471 060 547 www.hypoleasing.it


GELD & FINANZEN

Anlegen statt zocken

Foto: stock.xchng/OmirOnia

Weg von New Economy und NASDAQ, hin zu Value-Investing, könnte man die simple Regel von Investor Max Otte zusammenfassen. Sein neues Buch „Endlich mit Aktien Geld verdienen“ ist ein Leitfaden für werteorientiertes Anlegen, bei dem mit gründlicher Fundamentalanalyse überprüft wird, ob die Aktie des analysierten Unternehmens an der Börse unter- bzw. überbewertet ist.

Märkte sind nicht rational, sondern manisch-depressiv, sagt Max Otte

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en März 2000 haben Sie noch gut in Erinnerung, als die Dotcom-Blase große Teile ihres Aktienportfolios über Nacht in Ramsch verwandelte? Auch später hatten Sie kein glückliches Händchen mit Parmalat, argentinischen Staatsanleihen oder Zertifikaten von Lehman Brothers? Statt sich jetzt in den sozialen Netzwerken auch noch über den Absturz der FacebookAktie zu beklagen, empfiehlt es sich, den Computer auszuschalten und zum guten alten Buch zu greifen: „Endlich mit Aktien Geld verdienen“ heißt ein soeben erschienener Ratgeber von Südtirol PanoramaKolumnist Max Otte. Otte, von BörseOnline zum Börsenstar 2009, 2010 und 2011

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gekürt, vermittelt darin in sieben Schritten „Strategien und Techniken, die Erfolg versprechen“. KLEINVIEH MACHT AUCH MIST. Mit viel

Geld kann man viel Geld verdienen, lautet eine einfache Wahrheit. Aber auch wer 50 oder 100 Euro pro Monat investiert, kann zu seinem Batzen kommen, wenn er den Zinseszinsen-Effekt ausnützt. Otte bemüht zur Anschauung die Erfindung des Schachspiels und die Legende um die Entlohnung seines Erfinders. Angefangen mit einem Reiskorn auf dem ersten Feld des Schachbrettes, hatte sich der Gelehrte Sissa ibn Dahir eine Verdopplung der Reismenge auf jedem weiteren Feld ge-

wünscht. Die Reismenge auf dem 64. Feld würde reichen, um die heutige Weltbevölkerung 11.000 Jahre zu ernähren. 100 Prozent Zinsen sind heute nicht mehr drin, aber mit Ausdauer bringen Aktien mehr Rendite als Immobilien, Festgeld oder seine Groschen unter der Matratze zu bunkern. FALLEN UND MYTHEN. Die Märkte sind

nicht rational, sondern mit ihrem ständigen Auf und Ab manisch-depressiv, meint der Autor. Nicht Warenwerte werden gehandelt, sondern Gemütslagen wie Gier, Neid oder nackte Angst, wenns mal wieder in den Keller geht und jeder nur noch verkaufen will. Wer mit der Her-

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KOMMENTAR VON THOMAS AMONN

ROSSKUR Zum wiederholten Male in den vergangenen Jahren sollen wir uns über eine Lösung freuen, die keine ist. Am Ende eines zweitägigen Treffens einigen sich die Regierungschefs der Eurozone um vier Uhr morgens auf ein Maßnahmenpaket, um der Vertrauenskrise der Südländer etwas entgegenzusetzen. In der Folge atmen die Finanzmärkte auf, die zuvor angeschwollenen Risikoaufschläge auf italienische und spanische Staatsanleihen gehen ein wenig zurück. Doch was wurde konkret erreicht? Die Rettungsfonds EFSF und ESM sind in Zukunft ermächtigt, Zinsexplosionen der italienischen und spanischen Obligationen durch Käufe auf dem Primär- und dem Sekundärmarkt einzudämmen, vorausgesetzt, Rom und Madrid halten sich an die verordneten Programme zur Budgetkonsolidierung. In den Tagen nach diesem angeblich historischen Ergebnis stabilisierte sich die Zinsdifferenz zwischen 10-jährigen italienischen und deutschen Staatsanleihen bei knapp über 4%, und die Zinsdifferenz zwischen 10-jährigen spanischen und deutschen Staatsanleihen bei über 4,5%: Wenn man bedenkt, dass Spanien und Italien sich in einer Rezession befinden – für Italien rechnet Confindustria 2012 gar mit einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 2.5% –, so wird augenscheinlich: Die Deckelung der Zinsbelastung durch EFSF- und ESM-Interventionen reicht nicht für mehr aus, als einen schnellen Kollaps zu verhindern. Es geht nicht nur darum, dass die Finanzierungskosten der südlichen Regierungen exorbitant hoch sind. Da die Finanzierungskosten für Unternehmen und private Haushalte über denen des jeweiligen Staates liegen, ächzt der Privatsektor unter enormen Fremdkapitalkosten. Werden wir die Krise überstehen? Im Falle Italiens ist die Antwort sicherlich „Ja“: Das Wirtschaftspotential und die Vermögenswerte der Nation reichen aus, um den öffentlichen Schuldenberg abzutragen. Die eigentliche Frage ist, wie Italien nach überwundener Krise dastehen wird, nämlich viel ärmer als vor 2008. Bereits heute liegt das pro Kopf gerechnete Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf dem Niveau der späten 90er Jahre, und es könnte weiter zurückgehen. Die Kombination aus hohen Zinsen und Rezession droht, sich in bleibend reduzierten Investitionen niederzuschlagen. Dies wiederum hätte ein bleibend niedrigeres Potenzialwachstum zur Folge. Der abzubauende Schuldenberg reduziert sich jedoch nicht - dieser muss vielmehr aus verminderten volkswirtschaftlichen Ressourcen bedient werden, was die finanzielle Belastung und Verarmung der italienischen Bürger noch größer macht.

de läuft, wird mit der Herde untergehen. Gefährlich ist auch Selbstüberschätzung: Anfängliche Erfolge suggerieren Kompetenz bei der Anlageentscheidung, weshalb Investitionen nicht mehr wie zu Beginn akribisch überprüft werden. Schlimmer noch, nach den ersten Verlusten wird erneut in die einstigen „Gewinner-Aktien“ investiert. WER-WAS-WO. Der erste Schritt, Ihr sauer

Erspartes durch Aktien zu vermehren, ist die Vermögensaufteilung: Sind die Kurse gerade gnadenlos überbewertet, ist Ihr Geld vielleicht besser in Zinspapieren aufgehoben. Falls nicht, dann suchen Sie, um es mit Warren Buffett, dem drittreichsten Mann der Welt zu sagen, „nach einem Dollar, der nur 50 Cent kostet“. Sie haben die berühmte Nadel im Heuhaufen gefunden? Dann steht als dritter Schritt die Bewertung an: Weniger der aktuelle Kurs, als vielmehr der Kurs im Verhältnis zum fairen Wert der Firma sollte ausschlaggebend sein. Der vierte Schritt beim Value-Investing besteht in einem systematischen Kauf- und Verkaufsprozess. Verkaufen ist dabei sogar noch wichtiger, als zum richtigen Zeitpunkt einzusteigen. Hier gilt Börsenregel Nummer eins: „Kein Geld verlieren“. MEHR FÜR IHR GELD. „Schuster, bleib bei

deinen Leisten“ könnte man Max Ottes Ratschlag für die Suche nach dem richtigen Unternehmen zusammenfassen. Kleinanleger, die Hobbyfotografen sind, können börsennotierte Foto- und Softwareunternehmen sicher besser beurteilen als Pharmakonzerne. Lassen Sie die Finger von Finanzprodukten, die Sie nicht verstehen, und investieren Sie als Neuling in solide, „langweilige“ Unternehmen. Gehen Sie einmal nicht mit der Mode und überlassen Sie Sonnenenergie oder Elektroautos anderen. Schnäppchen finden Sie

ganz sicher nicht in den Hochglanzprospekten von Banken. Doch ohne etwas Mathematik, und sei es das Ausrechnen eines banalen Kurs-Gewinn-Verhältnisses, geht gar nichts, denn der Aktienkurs allein sagt nichts über den wirklichen Wert Ihres Schätzchens. Darf ‘s ein bisschen mehr sein? Kurs-CashflowVerhältnis, Buchwert, Dividendenrendite. Der Betriebswirtschaftler Max Otte gibt ihnen Werkzeuge in die Hand, damit ihr Einstieg in den Markt kein Rohrkrepierer wird. BUFFETT-UNTERNEHMEN. Anstatt sich

im spanischen Immobiliensektor zu versuchen, rät Max Otte dem Börsenneuling zu „großartigen“ Unternehmen, die für langfristige Anlagen am besten geeignet sind: Coca-Cola, Microsoft, Nestlè. An Hand der Netto-Gewinnmarge rechnet er Ihnen vor, wie Sie den fairen Wert des größten Lebensmittelherstellers der Welt errechnen können und in welchem Verhältnis er zum tatsächlichen Aktienkurs steht. Schwieriger wird es bei „normalen“ Unternehmen, die im Wettbewerb stehen und keine Alleinstellung für sich in Anspruch nehmen können, aber immerhin 70 Prozent der an der Börse notierten Unternehmen ausmachen. Mit Equity und Entity werden neue Berechnungsmethoden vorgestellt und an Firmen wie RWE oder voestalpine AG vorgerechnet. Zum Ende des Buches zeigt Otte anhand von Beispielen, wie sich graue Theorie in Praxis und klingende Münze umsetzen lassen. An Cisco Systems, Henkel oder American Express wird gezeigt, wann gute Aktien zu früh verkauft wurden. BP und die Explosion ihrer Tiefseebohrplattform Deepwater Horizont stehen exemplarisch für den richtigen Kaufzeitpunkt samt späterer Gewinnmitnahme. ◀ ARIANE LÖBERT

Max Otte: „Endlich mit Aktien Geld verdienen“ ▶ FinanzBuch Verlag ▶ 304 Seiten ▶ Euro 22,99 Prof. Dr. Max Otte gilt als einer der wichtigsten Ökonomen Deutschlands. Der Vater von zwei Kindern hat an der Princeton University promoviert und war von 1998 bis 2000 Assistant Professor an der Boston University. Der in Köln lebende Otte entwickelt seit 2001 ausschließlich Vermögensstrategien für Privatanleger.

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GELD & FINANZEN

KOLUMNE

Fakten, Fakten, Fakten Einige Vergleiche zeigen: europäische Aktienmärkte sind billig

MAX OTTE ist Profes-

NACH dem jüngsten Euro-Gipfel – dem zwanzigsten seit Ausbruch der Krise – wurde ein „Wachstumspaket“ in Höhe von 120 Milliarden Euro geschnürt. Spanische Banken können direkt aus dem EFSF und ESM gestützt werden, italienische und spanische Staatsanleihen unter bestimmten Bedingungen von den Krisenfonds gekauft werden, ohne dass massive staatliche Auflagen erfolgen.

sor für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms und Professor für Unternehmensanalyse und -diagnose an der Karl-Franzens-

Prinzipiell ist das nicht verkehrt: die Krise der europäischen Union besteht aus zweierlei Ursachen – erstens einer Zahlungsbilanzkrise durch die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Südstaaten und zweitens darüber gelagerter Spekulation, welche die Krise verstärkt, indem sie die Renditen für italienische oder spanische Staatsanleihen in die Höhe und die Kurse in den Keller treibt.

Universität Graz.

Es bringt nichts, über staatliche Sparprogramme die Bürgerinnen und Bürger für massive Fehlleistungen des Finanzsektors bluten zu lassen und gleichzeitig die Wirtschaft abzuwürgen. Die Reformen, die zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit notwendig sind, sind andere als staatliche Ausgabenkürzungen, zumindest in Italien und Spanien. In Italien müssten Strukturreformen bei Arbeitsgesetzgebung und in anderen Bereichen erfolgen, ebenso in Spanien. Zudem muss Spanien seinen Bankensektor reorganisieren. Zudem müsste Griechenland aus dem Euro austreten, Spanien und Portugal sollten, Italien sollte drinbleiben.

ENTWICKLUNG DES ITALIENISCHEN AKTIENMARKTES PUNKTE 40.000

Nach dem Gipfel geht es weiter wie bisher, mit leichter Entspannung in der Fiskalpolitik. Wir machen mehr Schulden, reformieren etwas und setzen auf einen Anstieg der Inflation. Das Ergebnis erfreute die Kapitalmärkte – die Börsen schossen kurzzeitig nach oben. Insgesamt hat das Gezerre die europäischen Aktienmärkte tief in den Keller geschickt.

35.000 30.000 25.000 20.000 15.000 10.000 2006

2008

2010

2012

In den vergangenen Jahren ging der italienische Aktienindex - unterbrochen von einem Zwischenhoch - nur mehr nach unten

Zum Vergleich: Der Wert des gesamten italienischen Finanzsektors entspricht nun der Marktkapitalisierung von Colgate-Palmolive (47 Mrd. Dollar).

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Die Marktkapitalisierung aller europäischen Finanztitel ist nun genauso hoch wie die Marktkapitalisierung der kanadischen Finanztitel (361 Mrd. Dollar). Der Wert aller italienischen und spanischen Aktien entspricht dem Wert des taiwanesischen Aktienmarktes. Alle portugiesischen Aktien sind zusammen so viel wert (16,4 Mrd. Dollar) wie Whole Foods Market, dem 191. Wert des S&P 500. Anfang Juni waren auch bei vielen Staatsanleihen historische Marken erreicht. Die Rendite der zehnjährigen U.S.-Staatsanleihe war mit 1,56% in der Nähe ihres 200-Jahres-Tiefs vom November 1945 (Staatsanleihen sind so teuer wie nur einmal in der Geschichte.) Die Rendite der zehnjährigen holländischen Staatsanleihe war mit 1,61% am niedrigsten Punkt der vergangenen 500 (!) Jahre angelangt. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihe war mit 1,2% auf dem niedrigsten Stand der vergangenen 200 Jahre (ausgenommen die Hyperinflation von 1923 und 1924). Die Rendite der zehnjährigen französischen Staatsanleihe war mit 2,35% auf einem 260-Jahrestief. Die Rendite der fünfjährigen englischen Staatsanleihe ist auf einem 110-Jahrestief. Italien und die Südländer mussten demgegenüber überhöhte Zinsen von 6 Prozent und mehr zahlen. Im Vergleich zum U.S.-amerikanischen Zinsniveau von unter 2% ist das viel zu hoch, denn der italienische Staatshaushalt ist viel solider als der amerikanische. Viele europäische Aktienmärkte sind lächerlich billig. Die Renditen auf Staatsanleihen sind lächerlich gering. Selbst wenn es dort keine Inflations- und Insolvenzrisiken gäbe, wären diese Renditen immer noch lächerlich gering. Wer jetzt keine europäischen Aktien hat, wird es in der Zukunft bereuen. Wer jetzt zu viele Anleihen hat, wird es auch bereuen. Wir lesen uns! Ihr Prof. Dr. Max Otte

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PR-INFO

LÖWENGRUBE IN NEUEM KLEID

Fotos: Alexander Alber

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Das Alt-Bozner Wirtshaus „Löwengrube“ hat nach jahrelanger Pause wieder geöffnet, unter neuer Führung und behutsam renoviert. Das Konzept reicht vom kleinen, aber feinen Gasthaus über eine exzellent bestückte Vinothek, bis hin zur Organisation von Verkostungen in der modernen Showküche. Wir kümmern uns um den Kern der Dinge (z. B. beim Innenausbau des Gasthauses Löwengrube)

building interior architecture

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www.barth.it


PR-INFO Die frisch renovierte Löwengrube von außen (1). Der Gastraum im Parterre gibt sich modern-traditionell (2). Die Räume im Obergeschoss hingegen versprühen eine elegante Gemütlichkeit (3), die bekannte Stube der Löwengrube blieb hingegen im Original erhalten (4) und bildet zum ebenerdig gelegenen Schankraum einen aparten Kontrast (5)

K

urzer Streifzug durch die Geschichte. Das Alt-Bozner Wirtshaus „Löwengrube“ trug bis vor 116 Jahren noch den Namen „Zollwirtshaus“ und erinnert damit an den alten Stadtzoll, der hier – von den aus dem Eisacktal kommenden Reisenden und Frachtfuhrwerken – eingehoben wurde. Dieser Zoll wurde bereits um 1208 in einer Urkunde des Grafen Meinhard II. von Tirol „in burgo apud stangam“ erwähnt, als „Ort an der Zollstange der Stadt“, wie der Platz auch heute noch heißt. Die zweigeschossigen Kellergrundmauern des Wirtshauses dürften vermutlich aus dieser Zeit stammen. In den Bozner Ratsschriften vom 19. Oktober 1543 wird der „Wirt an der Zollstang“ erstmals urkundlich erwähnt. Verschiedenste Eigentümer hinterließen ihre Spuren in dem traditionsreichen Wirtshaus. So zählte etwa auch die Gemeinde Bozen im 19. Jahrhundert zu den erwähnten Besitzern. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt das Zollwirtshaus dann einen neuen Namen – eben Gasthaus „Zur Löwengrube“. Bald nach der Jahrhundertwende schmückte der bekannte Maler Albert Stolz die Fassade mit dem Motiv des Heiligen Daniel in der Löwengrube. Dieses Symbol, das Schutz und Geborgenheit versinnbildlicht, ist zum Symbol des traditionsreichen Wirtshauses geworden. Auch in der neugotischen Weinstube vergegenwärtigen Motive von Albert Stolz diese Attribute des Löwen. Die alte Zirmtäfelung zieren hier Ansichten der Umgebung von Bozen. Im Jahre 1905 erwarben Peter und Heinrich Maier – sie waren Fleischhauer in Zwölfmalgreien – die Löwengrube von Michael Pichler zum Preis von 120.000 Kronen. In der Folgezeit übernimmt Heinrich Maier den Anteil seines Bruders Peter und führt die Löwengrube mit seiner Frau Magdalena, geborene Viehweider, bis zum Jahr 1933. Die Tochter des Paares, Helene, wird 1906 im „Ofenzimmer“ des ersten Obergeschosses geboren. Seit 1933 ist das Wirtshaus immer wieder verpachtet worden, verblieb aber stets im Eigentum der Nachkommen Heinrich Maiers.

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Fotos: Alexander Alber

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Behutsame Renovierung. 2011 wurde mit dem vollständigen Umbau des seit 1977 unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes begonnen. Das beauftragte Architekturbüro „BergmeisterWolf“ machte es sich zur Aufgabe, die alte Bausubstanz weitgehend zu erhalten. „Es war uns sehr wichtig,

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Fotos: Alexander Alber

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Das Gemäuer des kühlen, zweigeschossigen Weinkellers entstand wahrscheinlich bereits im 13. Jahrhundert und ist aus Bachsteinen der Talfer gemauert.

das traditionsreiche Flair, das historische Ambiente zu bewahren“, so die Architektin Michaela Wolf. „Die Unregelmäßigkeiten der Mauern, Durchgänge und Pfeiler boten uns Inspiration für den neuen Raum“. • Die neue Einrichtung unterstreicht gekonnt das Ambiente der alten Bausubstanz. • Eingefügte Stahlkörper, die Eingang und Badbereiche beinhalten, wurden als freistehende Boxen in den Raum gestellt und erhalten somit den Charakter eines Möbels. • Die gesamte Innenausstattung punktet mit klaren Linien und Formen und wahrt somit die respektvolle Distanz zur historischen Struktur. Das Resultat: moderne, unprätentiöse Architektur in historischem Flair. Einladend. Den Gästen bietet sich hier die Möglichkeit entspannten Genusses in traditionsreichem, „unverstaubtem“ Ambiente. Die Küche verwöhnt die Gäste mittags oder abends mit kleinen, aber feinen Gerichten. Außerdem bietet sich dem Weinliebhaber eine wahre Fundgrube besonderer Weine, auch aus kleinen Kellereien mit Geheimtipp-Status. Die Showküche im ersten Obergeschoss lädt zu Verkostungen in exklusivem Rahmen und der kühle, zweigeschossige Weinkeller aus alten Bachsteinen der Talfer kann auch für private Feiern und Feste angemietet werden.

Spezielle Bodenbeläge für denkmalgeschützte und biologische Bauten!

Eines ist sicher: Die Bozner Wirtshauskultur ist mit der Wiedereröffnung der „Löwengrube“ um ein ganz besonderes „Gustostückerl“ reicher, das bald in vielen Reiseführern als „must see“ auftauchen ❧ wird.

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des Mair Gert & Co

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LÖWENGRUBE Wirtshaus seit 1543 Zollstange 3 39100 Bozen Tel.: 0471 97 00 32 www.loewengrube.it

Die IPM Italia Systeme sind:


PR-INFO

UNVERFÄLSCHTE ESSGESCHICHTEN AUS ITALIEN italia&amore steht für handwerklich hergestellte Qualitätslebensmittel aus Familienbetrieben und kleinen Manufakturen aller Regionen Italiens.

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orbert Kier, Gründer von italia&amore, ist glühender Verfechter der ehrlichen, authentischen italienischen Gastronomie. Sein Label italia&amore ist auf Expansionskurs und findet immer mehr begeisterte Anhänger.

ze, sondern um die Chance für die Bewohner, das zu machen, was sie lieben, wofür ihr Herz schlägt. Jetzt war mir klar, welche Aufgabe italia&amore hat: die Unterstützung kleiner Manufakturen, und damit einen konkreten Beitrag in Richtung Schaffung und Bewahrung von Arbeitsplätzen in strukturschwachen Gebieten zu leisten. Mit unseren kleinen Möglichkeiten können wir Großes für andere tun. Darüber bin ich sehr froh.

SÜDTIROL PANORAMA: italia&amore war Ihre ganz persönliche Idee. Was hat Sie bewogen, die Herausforderung anzugehen, daraus mehr als nur eine persönliche Leidenschaft unter Freunden zu machen? NORBERT KIER: Zündender Anlass war ein Essen unter Freunden. Ich wollte kochen, und zwar mit unverfälschten, authentischen Grundprodukten aus Italien. Eigentlich nichts Grandioses, möchte man meinen. In Wahrheit nahezu unmöglich. Am Markt nur industriell hergestellte Massenware – weit davon entfernt, die „cucina mediterranea“ nur im Entferntesten zu vertreten. Mein Ehrgeiz war aber angestachelt. Unterstützt von der Begeisterung meiner Freunde, machte ich mich auf die Suche nach dem wirklichen kulinarischen Italien. Mit Erfolg. italia&amore ist mehr als nur das reine Geschmackserlebnis. Das Label hat aber auch ein ganz klar definiertes soziales Ziel. Das Aha-Erlebnis bescherte mir ein Besuch im kleinen Ort Gazzo d’Arroscia. Das 50-SeelenDorf an der ehemaligen Salzstraße in Ligurien liegt malerisch an einem Berghang, umgeben von Olivenbäumen. Schon allein die Atmosphäre ist dort Balsam für die Seele. Und doch: Das Dorf war zum Aussterben verdammt. Keine Arbeitsplätze. Trist und trostlos. Marco Ferrari, der mich in seinem Restaurant willkommen hieß, erzählte mir die faszinierende Geschichte. Er ist der einzige private Arbeitgeber im Ort. Acht Personen arbeiten für ihn im Olivenhain und am Wochenende gehts weiter. Da öffnet Marco seine bereits seit 120 Jahren bestehende Trattoria. Seine Sekretärin serviert, sein Magazineur spült ab, er selbst steht in der Küche. Und Marco geht noch einen Schritt weiter: Der berühmte „Aglio di Vessalico“, den er

Norbert Kier, Gründer von italia&amore, Verfechter des echten, unverfälschten Italiens

Marco Ferrari und seine La Baita-Familie, die in Ligurien traumhafte eingelegte Oliven, Olivenpaté, eingelegtes Gemüse und Pesto herstellt

für seinen köstlichen Pesto verwendet, steht nun unter Schutz von Slow food. Weitere sechs Familien können von dessen Produktion leben und damit in ihrem Ort wohnen bleiben. Und es geht dabei nicht nur um Arbeitsplät-

Natürlich und authentisch italia&amore steht für natürliche, authentische, italienische Qualitätslebensmittel, handwerklich und nach alten Traditionen mit Liebe und Herzblut von kleinen Produzenten hergestellt, die stolz auf ihr Land, ihre Heimat und ihre Kultur sind, für soziale Partnerschaften, für unverfälschtes Italien und vor allem für großartige Geschmackserlebnisse. www.italiaamore.it

Ökologisches Essen liegt voll im Trend. Regionale Produkte erleben einen unglaublichen Aufschwung. Warum diese Änderung der Essensgewohnheiten? Analogkäse, Gel-Schinken, Etikettenschwindel, Gammelfleisch – der Konsument ist dieser Lebensmittelskandale endgültig überdrüssig und besinnt sich immer mehr seiner durchaus aktiven und machtvollen Einflussnahme auf das Marktgeschehen. Lebensmittel sind „Mittel zum Leben“. Qualität ist kein Optional mehr, sondern wird bewusst immer öfter verlangt und gefordert. Positioniert sich italia&amore am Massenmarkt oder ist es ein Nischenprodukt? Es ist unser Ziel, immer mehr Menschen für Qualität und unverfälschte Echtheit der Produkte zu begeistern. Noch steckt italia&amore in den Kinderschuhen, aber wir sind zuversichtlich, in naher Zukunft nicht mehr nur über Dritte zu verkaufen, sondern z.B. über Verkaufsräume, die Restaurants angeschlossen sind, direkt in Verbindung mit dem Endkonsumenten zu treten. So bin ich stolz darauf, dass in Bozen die Löwengrube nicht nur mit unseren Produkten kocht, sondern diese aus Überzeugung auch vertreibt. In Zukunft wollen wir in jedem Dorf in Südtirol solch einen Partner haben, damit alle, die so denken wie wir, die Möglichkeit haben, an diese wunderbaren Produkte zu kommen. Allerdings wird es immer unser wichtigstes Grundprinzip sein, mit Menschen zu arbeiten, die leidenschaftlich an unsere Idee glauben und auch dazu stehen. Das ist eine Grundvoraussetzung dafür, in die italia&amore-Familie als Händler oder Produ❧ zent aufgenommen zu werden.

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PR-INFO

RESTAURANT CASTEL RINGBERG FEIERT: 10 JAHRE  10 GENUSSABENDE! Gemeinsam stark: So könnte man das Erfolgsrezept des Teams im Restaurant Castel Ringberg Teams umschreiben. Und gemeinsam soll auch den ganzen Sommer hindurch kulinarisch gefeiert werden. So schmeckt der Sommer im Restaurant Castel Ringberg.

Das Castel-Ringberg-Team: vorne: Nikolei Oberrauch, Stefan Unterkircher, Claudia Pitscheider, Marco Pedrotti. Hinten: Charly Unterrainer, Sabine Weissenegger, Flo Schweikl

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tefan Unterkicher und Claudia Pitscheider vom Restaurant Castel Ringberg in Kaltern haben sich anlässlich ihres 10-jährigen Jubiläums etwas Besonderes einfallen lassen: an 10 verschiedenen Genussabenden werden 10 Spitzenköche kulinarische Leckerbissen zubereiten. Jeder Genussabend steht unter einem anderen Thema. Den Anfang machte am 22. Juni Oskar Messner vom Restaurant Pitzock in Villnöss. Er hat für die anwesenden Gäste interessante Gerichte aus dem zart aromatischen und mageren „Villnösser Brillenschaf“ zubereitet. Der Höhepunkt des 10-jährigen Jubiläums findet am 20. Juli, mit dem bayrischen Aufsteiger des Jahres, Helmut Schwögler, statt. Gemeinsam mit dem Küchenteam des Restaurants Castel Ringsberg sowie weiteren Gastköchen wird er feinste Gerichte auf die Teller der Gäste zaubern. GESCHICHTE & TRADITION Das Castel Ringberg wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts von Franz Benno Bonett erbaut, dem Sohn von Hans Nikolaus Bonett. Die-

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ser hatte es bis zum „Advokaten“ bei der Tiroler Landesregierung gebracht und war 1620 von Kaiser Ferdinand II. in den Adelsstand erhoben worden. Der Name Ringberg geht auf ein Wappen der Familie Bonett zurück: ein weißer Vogel auf blauem Boden mit einem goldenen Ring im Schnabel. Der Chronik zufolge hätte der jun-

ge Bonett nie und nimmer so viel Geld gehabt, um ein dermaßen edles Anwesen in einer solch fantastischen Position zu errichten. Es heißt, er habe Ringberg praktisch geschenkt bekommen, und zwar vom Tiroler Landesfürsten Erzherzog Ferdinand Karl. Von den Bonetts verlieren sich bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts alle

Die einzelnen Termine der Jubiläumsveranstaltungen: 22. Juni: 29. Juni: 6. Juli: 13. Juli: 20. Juli: 27. Juli: 3. August: 10. August: 17. August: 24. August:

Oskar Messner | Villnöss & das Villnösser Brillenschaf Karl Volgger | Tanz in den Sommer mit üppigen Blüten und Blättern Jean Bos & Wolfgang P. Menge | Freundschaftsmenü der Eurotoque Polen & Deutschland Florian „Flo“ Schweikl & das Castel Ringberg Team | Aroma & Textur Helmut Schwögler & jede Menge Gastköche | 10 Jahre Castel Ringberg Manuel Astuto | Fair Cooking Überraschungskoch | Slow Food Menü mit „schützenswerten“ Produkten Andreas „Andy“ Köhne | kulinarische Köstlichkeiten aus meiner Frischeküche Hubert Oberhollenzer | Schokolade Michael „Muggi“ Reiterer | The Magic Bubbles …. cook & Show by Dj Muggi

Informationen und Anmeldungen unter www.castel-ringberg.com; E-Mail info@castel-ringberg.com; Tel. +39 0471 960 010. Für alle Genussabende ist eine Anmeldung erwünscht.


PR-INFO

Kartoffel-Bärlauchsalat mit Kaninchenrücken im Bauchspeckmantel

Tempura von sizilianischen Steingarnelen, Erdbeeren und Kokosespuma

Spuren. Ringberg wechselt mehrmals Besitzer. Im Jahr 1892 wird das Anwesen von Franz Waldthaler, Weinhändler in Auer, gekauft. Dessen Sohn, der ebenfalls Franz hieß, verkaufte es dann im Jahr 1928 gemeinsam mit den dazugehörenden Weinbergen an den Traminer Weinmacher Wilhem Walch. Von 1955 bis 1987 war auf Castel Ringberg das Südtiroler Weinmuseum untergebracht. Im Jahr 2002 übernahmen der Spitzenkoch Stefan Unterkircher und die Konditormeisterin Claudia Pitscheider die Führung des Restaurants Castel Ringberg, das sich immer noch im Besitz der Winzerfamilie Elena Walch befindet. AMBIENTE & GENUSS Fragt man Stefan Unterkircher nach der Philosophie des Hauses, lautet die Antwort überraschend bescheiden: „Unsere Philosophie ist, dass das Produkt der Star in der Küche ist.“ Will sagen: Nur Qualität kommt auf den Teller. Nicht von ungefähr arbeitet Unterkircher schon seit Jahren mit Slow Food zusammen. Nicht von ungefähr beginnt er die Festlichkeiten mit Oskar Messner, mit dem er gemeinsam die Verarbeitung und Vermarktung des Villnösser Brillenschafes vorangebracht hat. „Für unsere Gerichte sind wir immer auf der Suche nach neuen, hochwertigen, einheimischen Qualitätsprodukten. Ebenso finden die Gäste in unserem Weinkeller eine große Auswahl an regionalen und lokalen Weinen, allen voran natürlich jene der Kellerei Elena Walch“, so das Credo des engagierten Küchenchefs. Mit seiner exzellenten Küche gelang es Stefan Unterkircher dann auch, aus seiner Passion ein nachhaltiges Erfolgskonzept zu machen. Zufrieden kann er heute feststellen: „Ein zufriedener Gast ist jener Gast, der wiederkommt.“ Dabei gibt es zumindest einen weiteren Grund, um diesen Ort immer wieder aufzusuchen: das Ambiente von

Lammschinken vom „Villnösser Brillenschaf“ mit Apfelsalz und Spargel

Panoramaterrasse mit Blick auf die Weinberge von Elena Walch

Castel Ringberg. Es dürfte wenige Plätzchen in Südtirol geben, die ein solch einzigartiges Flair ausstrahlen wie dieses Anwesen inmitten der Weinberge mit Blick auf den Kalterer See. ERFOLGSREZEPT Der starke Zusammenhalt der Familie, die motivierten und kompetenten Mitarbeiter, sowie eine Menge Visionen und Zukunftspläne scheinen das Erfolgrezept des Duos UnterkircherPitscheider zu sein. „Die Arbeit muss den Gästen, den Mitarbeiter sowie einem selbst Spaß machen“, so Unterkircher. Das eigene Catering-Unternehmen SUEC, die Teilnahme an verschiedenen Projekten wie Fair Cooking, Alleanza dei cuochi del presidio Slow Food, Furchetta (Villnösser Brillenschaf) und die Süße Marke seiner Frau „ClaudiaS“, spiegeln die Liebe zur ihrer Arbeit wider. DER GEBURTSTAG Das 10-jährige Jubiläum feiern Stefan Unterkircher und Claudia Pitscheider mit 10 Genussabenden und einem besonderen Genuss-High-

Süße Symphonie

light am 20. Juli. Gemeinsam mit Freunden des Hauses, Kochprofis, Verbänden sowie verschiedenen Organisationen werden an 10 aufeinanderfolgenden Freitagen, vom 22. Juni bis 24. August, lukullische Leckerbissen kreiert. So wird zum Beispiel Manuel Astuto vom Parkhotel Laurin unter dem Motto fair&local einen Freitagabend gestalten. Bei Karl Volgger werden Kräuter&Co die Protagonisten sein und mit Hubert Oberhollenzer, dem Weltmeister der süßen Kunst, kommt auch die Schokolade nicht zur kurz. Beginn ist jeweils um 19.00 Uhr. Der Preis beträgt 80 € und versteht sich inkl. Getränke. Die genauen Termine und Themenschwerpunkte finden Sie unter www.castel-ringberg.com. Die Krönung des Jubiläumsjahres bildet das Genuss-Highlight am 20. Juli. Während Helmut Schwögler die Gäste kulinarisch verwöhnt, sorgen die beiden Musikgruppen Pamstiddn Kings und Vielsoatig, welche Lieder im „Puschtra“ Dialekt zum Besten geben, für die musikalische Unterhaltung. Erfrischende Getränke erwarten die Gäste in der Weinlounge von Elena Walch und in der Sektbar von Arunda. Anschließend wird DJ NG die Tanzfläche bis spät in die Nacht zum Brodeln bringen. Das Large Ticket für das Highlight-Event kostet 99 € (Essen inkl. Getränke ab 19:00 Uhr). Das Small Ticket für 49 € ist ab 23:00 Uhr gültig (Getränke inkl. klei❧ ner Gerichte).

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Castel Ringberg St. Josef am See 1 39052 Kaltern Tel. +39 0471 960 010 info@castel-ringberg.com www.castel-ringberg.com

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KARRIERE

Ich studier’ dann mal später Während die einen um ihren Arbeitsplatz bangen, geben andere ihren Job freiwillig auf. Was treibt jemand dazu, eine begehrte Festanstellung gegen ein unsicheres Studentenleben einzutauschen?

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Foto: Alexander Alber

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unge Menschen werden immer später zu Studienanfängern. Laut dem Landesinstitut für Statistik ASTAT haben im Jahr 2009/10 über 12.000 Südtiroler an Universitäten in Italien und Österreich studiert. Doch nicht jeder entscheidet sich für den direkten Weg, nach der Matura eine Universität zu besuchen. So sind an der Freien Universität Bozen 56 Prozent der neu eingeschriebenen Studenten bereits 21 Jahre alt oder gar älter. Beim Amt für Bildungsförderung sind 540 Südtiroler verzeichnet, die derzeit im Inoder Ausland studieren und vor Beginn ihres Studiums mindestens drei Jahre einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sind. Eine von ihnen ist Barbara von Dellemann. Die Vilpianerin hatte den Mut, ihren krisensicheren Job bei einer Südtiroler Tageszeitung an den Nagel zu hängen und sich ins Studium zu stürzen. Die Arbeit als Sekretärin war von Dellemann zu eintönig, die tagtäglichen Aufgaben zu anspruchslos. Die Festanstellung zu kündigen und das Unternehmen zu verlassen, in dem sie sich sehr wohl gefühlt hatte, fiel der jungen Südtirolerin aber trotzdem nicht leicht. Am Ende war die Tatsache ausschlaggebend, dass in ihrer Position klare Karrieregrenzen gezogen waren und sie kaum Entwicklungschancen für sich sah. Umso mehr lockten sie neue Herausforderungen und eine Veränderung in ihrem Leben. Für das Studium hat Barbara von Dellemann Südtirol verlassen und ist nach München gezogen. An der Akademie für Mode und Design studierte sie sieben Semester Mode- und Designmanagement. Seit einem halben Jahr ist die Vilpianerin im Vertrieb der PremiumModemarke René Lezard in Schwarzach (Bayern) tätig. „Ich arbeite genau in der Branche, die mich schon immer interes-

Erfordert Mut: Zurück auf die Schulbank der Karriere willen

siert hat“, schwärmt die junge Südtirolerin und ist sehr glücklich, dass sie den Mut aufgebracht hat, ihre Arbeit als Sekretärin aufzugeben. Von Dellemann ist sich sicher, dass sie diesen Schritt immer wieder wagen würde. „Ich habe nicht nur ein Studium abgeschlossen und einen Job, den ich immer machen wollte, sondern auch persönlich viel Neues dazugewonnen, wie etwa neue Freunde, Selbstbewusstsein und auch Selbstständigkeit.“ Auf die Frage, ob sich der Aufwand für das Studium gelohnt hat, erklärt die Wahl-Bayerin: „Der Aufwand ist immer so groß wie man ihn sich selbst macht und was man als Aufwand sieht. Vieles in meinem Studium war kein Aufwand, sondern hat mir einfach Freude bereitet.“ Das Studium hat von Dellemanns Erwartungen zum Großteil erfüllt und vor allem hat es Spaß gemacht und ihren Horizont erweitert. Auch Daniel Holzner hat sich erst zu einem späteren Zeitpunkt in seinem Leben für das Studium entschieden. Der Lananer hatte eine gut bezahle Festanstellung. Er hatte viel Freude mit seiner Arbeit bei der Raiffeisenkasse. „Die Arbeitszeiten waren super und meine Kollegen waren Spitze. Ich war vollkommen zufrieden mit meiner Arbeit“, stellt Holzner klar. Dennoch entschloss er sich, seine sichere Arbeitsstelle aufzugegeben, denn auch ihm waren klare Karrieregrenzen gesetzt. „Ich habe festgestellt, dass höhere Positionen in der Bank von Akademikern besetzt wurden. Deshalb habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie es wohl in fünf bis zehn Jahren sein würde.“ Holzner wollte nicht abwarten, bis sich vielleicht zufällig eine Chance ergeben würde, die Karriereleiter auch ohne Studium nach oben zu steigen. Außerdem war da immer der Gedanke, dass er es vielleicht einmal bereuen könnte, nicht ein Studium absolviert zu haben.

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Barbara von Dellemann hat ihre Festanstellung als Sekretärin gekündigt, um in München Mode- und Designmanagement zu studieren

Dieser Gedanke sorgte bei Daniel Holzer schließlich für die nötige Motivation, einen kompletten Neuanfang zu wagen. Mittlerweile studiert der Lananer im sechsten Semester an der Wirtschaftsuniversität in Wien. Der Studiengang entspricht voll und ganz seinen Erwartungen. Er habe schon viel Neues gelernt, erzählt der jetzige Student. Seine weiterhin ungebremste Motivation lässt ihn bei seinem Studium zügig vorankommen. Von diesem erwartet sich Holzner, dass es ihm neue Perspektiven und Möglichkeiten in der Berufswelt eröffnet. Nach der Ausbildung würde er gerne als Manager arbeiten. Seinen Unternehmergeist hat er jetzt schon bewiesen. Während andere Studenten das Leben zwischen Hörsaal, Bibliothek und Studentenparty vollkommen ausfüllt, hat Daniel Holzner vor einigen Monaten eine Firma gegründet. Seine Schwäche brachte ihn auf eine glänzende Geschäftsidee: „Weil ich ein kleiner Schussel bin und schon viel in meinem Leben verloren und noch weniger davon zurückbekommen habe, überlegte ich mir, wie man das ändern könnte.“ Das Ergebnis dieser Überlegungen: Zusammen mit zwei Freunden hat der Student ein internetbasiertes Fundbüro entwickelt. Die Produkte von „Bring me back“ sollen den Leuten

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helfen, ihre verlorenen Gegenstände wieder zurückzubekommen. Holzner ist schon jetzt davon überzeugt, dass sich der Aufwand und die Bemühungen im Studium lohnen werden. Er ist sich sicher: „Sich weiterzubilden hat eigentlich nur Vorteile. Sei es für sich als Person, sei es für die zukünftige Karriere.“ Trotzdem: Es braucht Mut, diesen Schritt zu wagen. Das Amt für Bildungsförderung verzeichnet in den vergangenen Jahren einen kontinuierlichen Rückgang an Ansuchen von Studierenden, die vor Beginn ihres Studiums mindestens drei Jahre einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sind. Nur dann sind diese nämlich, unabhängig vom Einkommen der Familie, stipendienberechtigt. Gab es im akademischen Jahr 2009/10 noch 635 Anträge, so waren es zwei Jahre später (2011/12) nur mehr 540 Ansuchen. Wer einmal gearbeitet hat, kennt die Vorteile eines regelmäßigen Einkommens. Als Student muss man viele Kompromisse eingehen und auf so manches verzichten. Für Barbara von Dellemann hat sich mit dem Studium auch ihr gewohnter Lebensstandard verändert. Die bayrische Hauptstadt ist ein ziemlich teures Pflaster, deshalb musste sie sich ihr monatliches Budget genau einteilen. „Ich musste mich in einigen Dingen einschränken, weniger Klamotten kaufen, kleinere Urlaube machen und zusätzlich noch etwas arbeiten. In dieser Zeit habe ich gelernt, was es heißt, zu sparen und was das Leben eigentlich kostet. Problematisch war es dennoch nicht.“ Schlussendlich könne sie heute den Lohn für die Entbehrungen von damals ernten. Als Bankangestellter hatte Daniel Holzner ein gutes Gehalt. „Als Student muss man schon zweimal überlegen, wofür man sein Geld ausgibt. Man muss sich sein spärliches Einkommen und das Ersparte gut einteilen, um über die Runden zu kom-

„Als Student muss man schon zweimal überlegen, wofür man sein Geld ausgibt“ Daniel Holzner

Foto: Privat

Foto: Privat

KARRIERE

Daniel Holzner gab seine Stelle bei der Raiffeisenkasse auf und studiert zurzeit im sechsten Semester an der Wirtschaftsuniversität Wien

men“, erzählt der Student. Der Lebensstandard habe sich verändert. Seine Leidenschaft, das Reisen, musste er in den vergangenen Jahren etwas einschränken. Trotzdem hat der Lananer seine Entscheidung nie bereut. Er würde diesen Schritt immer wieder wagen. Anderen rät er: „Wenn man wirklich mit den Gedanken spielt, sich ins Studium zu stürzen, sollte man es wagen und einfach mal etwas riskieren. Den Schritt zurück kann man immer noch machen, wenn man sieht, dass es einem nicht liegt.“ Die beiden Südtiroler waren noch bis vor wenigen Jahren fest in die Arbeitswelt integriert. Für das Studium haben sie nicht nur ihre Festanstellung aufgegeben, sondern auch ihre Heimat verlassen. Die Frage, ob sie irgendwann nach Südtirol zurückkehren werden, können beide noch nicht beantworten. Während es für Barbara von Dellemann hierzulande an Arbeitsmöglichkeiten in der Modebranche mangelt, fehle es laut Daniel Holzner in Südtirol generell an Perspektiven für die Jugend. Neben mangelnden Arbeitsangeboten seien für ihn das niedrige Lohnniveau und die hohen Lebenshaltungskosten ausschlaggebend, vorerst nicht nach ◀ Südtirol zurückzukehren. BEATE HOLZNER

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LUXUS & LIFESTYLE

Eine neue Galaxie Das Galaxy S3 ist das neue Smartphone-Schlachtschiff von Samsung. In der Fachpresse wird das Gerät gar als iPhone-Killer bezeichnet. Zu recht? Roland Pircher, Technikexperte und langjähriger iPhone-Nutzer, hat den Umstieg gewagt. Hier sein Bericht.

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enn man das Smartphone zum ersten Mal in der Hand hält, dann fällt einem sofort die Größe des Galaxy S3 auf. Der Sichtbereich des Displays entspricht ziemlich genau der Gesamtgröße des iPhone 4. Insgesamt wirkt das iPhone neben dem Galaxy wie dessen kleiner Bruder. Überraschend ist das Gewicht des Geräts. Es wirkt sehr leicht im Vergleich zum iPhone und ist auch etwas dünner. Das geringe Gewicht erreicht Samsung durch die Verwendung von leichteren Materialien. Dadurch wirkt das Galaxy leider nicht ganz so edel und robust wie das Smartphone von Apple. Auch die abnehmbare Rückseite lässt das S3 nicht so kompakt wirken wie den Konkurrenten aus Cupertino. Der Vorteil dieser Bauart ist zwar, dass ein austauschbares Akku verbaut werden kann aber braucht man das wirklich? Platz für Daten kann auf dem Samsung reichlich geschaffen werden, denn neben der MicroSIM Karte kann mittels einer microSDSpeicherkarte der Speicherplatz bis zu 64 Gigabyte erweitert werden.

Das neuen Spitzenmodell von Samsung punktet vor allem durch sein großes und gestochen scharfes Display. Ob Apple da bald gleichziehen wird?

braucht man sich beim Galaxy S3 keine Sorgen zu machen. Die Rechenleistung lässt alle Operationen schnell und flüssig ablaufen. Die 8-Megapixel-Kamera sollte mehr als ausreichen und für Videoanrufe gibt es auch noch eine 1,9-MegapixelFrontkamera. Der Speicherplatz lässt sich, wie bereits erwähnt, günstig mit Speicherkarten erweitern. Zu nennen ist auch der integrierte NFC-Chip, der in Zukunft sehr viele nützliche Funktionen bieten könnte. Die Akkulaufzeit ist mit jener des iPhone vergleichbar. Bei mittlerer Nutzung ohne viele Telefongespräche kommt man über den Tag- aber recht viel weiter auch nicht.

Foto: Samsung

INNERE WERTE. Über die Ausstattung

GRÖSSE. Für viele ist die Größe des Galaxy S3 ein Nachteil. So mancher fürchtet wohl, dass das Gerät nicht mehr in die Ho-

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Foto: Samsung

LUXUS & LIFESTYLE

sentasche passt oder einfach zu sperrig bei der Nutzung ist. Für mich war die üppige Abmessung eher einer der größten Vorteile gegenüber dem iPhone. Das große Display – ein Traum. Sogar Websites ohne eigene Smartphone-Version lassen sich so im Querformat problemlos bedienen. Außerdem sind derartige Befürchtungen unbegründet: Das Galaxy passt immer noch in die Hosentasche. Eines stimmt allerdings: Es ist nicht einfach mit einer Hand zu bedienen, denn mit dem Daumen kommt man nur schwer nach ganz oben und ganz unten in die Ecke des Schirms hin.

INSTALLATION. Die Installation ist ein-

sehe ich darin, dass Android-Apps tiefer ins System integriert werden können. Fasziniert war ich davon, wie gut die Spracherkennung - also die Texteingabe per Stimme - funktioniert. So gut wie jeder Text wurde perfekt erkannt. Da hatte ich mit Siri auf dem iPhone sehr viel schlechtere Erfahrungen gemacht. Es gibt eigentlich so gut wie keine Funktion des iOS, die ich vermisse. Im Gegenteil: Android bietet einige tolle, für mich neue, Funktionen.

fach und intuitiv. Ein eventuell vorhandenes Google- oder Dropbox-Konto lässt sich schnell und einfach verknüpfen. Dadurch werden automatisch bereits vorhandene E-Mail-Konten und Kontakte mit dem Gerät synchronisiert. Dropbox spendiert für die Verknüpfung sogar 48 Gigabyte kostenlosen Speicherplatz für zwei Jahre. Positiv aufgefallen ist mir auch, dass es keinen Zwang gibt, seine Kreditkartendaten angeben zu müssen. Das ist bei Apple anders. Dort kann man sein Smartphone ohne Kreditkarte gar nicht in Betrieb nehmen.

FAZIT. Ich bin froh, dass ich nach vielen

Jahren iPhone den Umstieg gewagt habe. Das große Display ist super. Wer viel mit Google-Produkten arbeitet, erlebt eine sehr gute Integration und kann auch auf dem Smartphone Chrome als Browser benutzen. Die Vielfalt der Einstellungen und Möglichkeiten faszinieren technisch versierte Nutzer. Das Gerät bietet top Hardware zu einem verhältnismäßig guten Preis. Ich kann das Samsung Galaxy S3 jedem empfehlen, der ein Smartphone der absoluten Oberklasse sucht. ◀

ANDROID VS. IOS. Das Galaxy S3 kommt Technische Daten (Herstellerangaben) ▶ ▶ ▶ ▶ ▶ ▶ ▶ ▶ ▶ ▶ ▶ ▶ ▶ ▶ ▶ ▶ ▶

Band: Quad-Band + W-CDMA Akku: Li-Ion, 2.100 mAh Gesprächszeit: (2G) Bis zu 22,5 Std. Gesprächszeit: (3G) Bis zu 11,6 Std. Stand-by: (2G) Bis zu 830 Std. Stand-by: (3G) Bis zu 770 Std. Maße Gehäuse: (H x B x T) 137 x 71 x 8,6 mm Gewicht: 133 g Bildschirmgröße: 12,19 cm / 4,8“ Prozessor: 1,4 GHz Quad-Core Betriebssystem: Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) Interner Speicher: 16 GB bzw. 32 GB microSD-Steckplatz bis zu 64 GB kompatibel Kamera: 8 Megapixel (3.264 x 2.448) Frontkamera: 1,9 Megapixel (1.392 x 1.392) Listenpreis: 699 Euro

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mit der neuesten Android-Version daher (4.0 - Ice Cream Sandwich), die sehr viele nützliche Einstellungsmöglichkeiten bietet. Toll, wie man sich die Desktops individuell mit Widgets und Apps frei gestalten kann. Man bekommt sehr viel Einblick in Daten wie Stromverbrauch, Bandbreite und Rechte von Apps. Das Konzept mit virtuellem Menü- und Zurück-Button gefällt mir sehr gut und überzeugt. Einige Standardeinstellungen waren für mich nicht sinnvoll, konnten aber relativ schnell und leicht abgeändert werden. So war mir auch das Display am Anfang zu kontrastreich. Im Play Store habe ich schnell alle Apps, die ich benötige, gefunden. Wer sehr viele Apps im Appstore von Apple gekauft hat, wird diese nach einem Umstieg vermissen. Einen weiteren Vorteil

ROLAND PIRCHER

Foto: Privat

Samsung Galaxy S3

Roland Pircher ist Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer der Internetagentur piloly.com GmbH in Schlanders und schon aufgrund seines Berufs an jedem neuen Mobilgerät interessiert.

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LUXUS & LIFESTYLE

Foto: pas

Brotkörbchen ade: Der unschöne Überrollbügel des Vorgängers ist verschwunden

Es hat die Linie schön Das neue VW Golf Cabrio gibt sich chic und will auf keinen Fall mehr langweilig sein. Die von VWChefdesigner Walter de Silva entworfene Linie beeindruckt durch sportliche Eleganz. Aber nicht in allen Bereichen ist das Re-Design des VW-Klassikers so gut gelungen wie außen.

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abriofahren ist Autofahren mit direktem Kontakt zur Umwelt. Hitze, Kälte, Geräusche und Gerüche dringen ungefiltert an die Sinnesorgane der Insassen. Erst in einem Cabrio wird einem bei der Fahrt durch Wälder und Wiesen klar, welche Geruchserlebnisse man in einer versiegelten Blechkiste mit Klimaanlage verpasst. Außerdem wird CabrioFahren bei den meisten Menschen mit Sommer, Sonne und Urlaub assoziiert. Kein Wunder also, dass die Nachfrage nach Oben-ohne-Autos der verschiedenen Hersteller nicht nachlassen will. Allein das Modell Golf Cabrio III/IV hat über 650.000 Abnehmer gefunden.

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„Mit seiner schlicht-sportlichen Linie kann es neben den Konkurenzmodellen durchaus bestehen“

Trotzdem war für das in die Jahre gekommene Modell lange Zeit kein wirklicher Nachfolger in Sicht. Nun aber hat Volkswagen nachgelegt und ein neues Cabrio-Modell des Golfs herausgebracht. Und eines wird beim ersten Anblick klar: das Design des Neuen ist gelungen. Mit seiner schlicht-sportlichen Linie kann es neben den Konkurrenzmodellen durchaus bestehen. Die Tendenz zu Stil und südlicher Lässigkeit lässt im Inneren des Autos deutlich nach. Anzeigen und Armaturenbrett präsentieren sich VW-typisch schlicht bis langweilig. Hier hätte beim Design durchaus ebenfalls ein Schuss Extravaganz gutgetan.

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LUXUS & LIFESTYLE Die sachliche Gestaltung hat aber auch ihr Gutes, denn im neuen Golf Cabriolet fühlt man sich auch als Nicht-VW-Fahrer sofort wie in seinem eigenen Auto. Alles ist da, wo man es erwartet und die kompakten Außennmaße des Fahrzeuges bringen es mit sich, dass man das Auto sofort im Griff hat. Das Stoffverdeck - VW bleibt in dieser Beziehung ganz puristisch - lässt sich auf Knopfdruck innerhalb von zehn Sekunden schließen oder öffnen. Das funktioniert auch während der Fahrt bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h.

nem 1,6 Liter-TDI-Motor mit 105 PS zeigte sich den Anforderungen durchaus gewachsen. Zwar entfachte der Druck auf das Gaspedal kein wildes Nachvornepreschen, doch reichen die sich dabei entwickelnden Kräfte für ein flottes Überholmanöver ohne Weiteres aus. Dafür hält sich dann auch der Verbrauch des Cabrio in Grenzen, der bei unserer Ausfahrt immer schön in der Nähe der fünf Liter blieb. Die Fahrwerkabstimmung sowie die exakte Lenkung verdienen durchaus das Attribut sportlich und fügen der Fahrt auf einer engen Passstraße einen weiteren Spaßfaktor hinzu. Wenig zu bieten hatte das uns zur Verfügung gestellte Testauto in Sachen moderner Kommunikationstechnik. Bluetooth und Navi fehlten, einzig ein Anschluss für das iPhone war vorhanden. Leider nicht besonders nützlich, wenn man ein Smartphone der Apple-Konkurrenz in der Tasche hat. Dass es für unser Testfahrzeug im Rahmen des gegen Aufpreis erhältli-

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STARK GENUG. Unser Testmodell mit sei-

Die Heckpartie des neuesten VW-Cabrios hat durchaus Hinguck-Faktor und muss sich vor der Oben-ohne-Konkurrenz anderer Hersteller nicht verstecken.

chen Design-Pakets nur für LED-Rückleuchten gereicht hat und die Front mit üblichen Scheinwerfern ausgestattet war, hat uns ebenfalls ein wenig gewurmt. Doch die mögliche Ausstattungsliste ist lang und gegen Aufpreis gibt es dann auch XenonFrontscheinwerfer in Kombination mit LED oder ein Navigations-Kommunikations-Paket. Eine besondere Erwähnung verdient der in Alcantara-Leder gefertigte Bezug der Sitze, der auch im durch direkte Sonneneinstrahlung aufgeheizten Zustand ein Ankleben nackter Haut verhindert. Dieser

Effekt wurde besonders von miniberockten Damen, aber auch kurze Hosen tragenden männlichen Mitfahrern anerkennend angemerkt. Die Verarbeitung des VW Golf Cabrio ist über jede Kritik erhaben. Das hat dann auch seinen Preis. So kostet das von uns gefahrene Golf Cabrio mit 1,6 TDI-Motor in der Basisversion 27.300 Euro, mit den vorhandenen Extras steigt der Preis auf 30.000 Euro. Dafür erhält man ein Auto, das nicht mehr sein will, als es ist: einen Golf mit ein bisschen Glamour◀ faktor. PETER SEEBACHER

Technische Daten

Foto: pas

VW Golf Cabriolet mit 17 Zoll-Alufelgen, USB-Eingang und Designpaket (AlcantaraLedersitze, LED-Rückleuchte, Chromverzierungen sowie Pedale in Alu-Design)

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▶ Vierzylinder, Diesel TDI Common Rail ▶ 1.598 ccm Hubraum ▶ 77 KW (105 PS) Nennleistung bei 4.400 Umdrehungen/Minute ▶ 188 km/h Höchstgeschwindigkeit ▶ Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 12,1 Sekunden ▶ Verbrauch in l/100 km: 5,6 (innerorts), 4,3 (außerorts), 4,8 (kombiniert) ▶ CO2 Emission: 125 g/km ▶ Emissionsklasse: Euro 5 ▶ Basispreis: 27.300 Euro ▶ Preis Testauto: 30.000 Euro

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LUXUS & LIFESTYLE

Hutsommer 2012 Die Engländer machen es vor: Hut tragen ist schick. Beim königlichen Pferderennen in Ascot konkurrieren die weiblichen Besucher, allen voran die Queen, jeden Sommer mit den verrücktesten Kopfbedeckungen. Südtirol Panorama präsentiert etwas weniger schräge, dafür umso stilvollere Hutmodelle für den Sommer 2012.

Burberry Prorsum

Foto: Burberry

Auf der Londoner Fashion Week 2012 sah das Publikum den braunschwarz gestreiften Hut der Marke Burberry zum ersten Mal auf dem Laufsteg. Chefdesigner Christopher Bailey kombinierte den Hut im Safari-Look mit Perlen, Parkas und exotischen Prints. Eine außergewöhnliche Kopfbedeckung, die jeden Sommerlook perfektioniert. Preis: 375 Euro

UP T DATEO

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Foto: Eugenia Kim

Eugenia Kim Klassische Hüte neu interpretiert – Hutdesignerin Eugenia Kim ist bekannt für ihre innovativen Kopfbedeckungen im Vintage-Look. Diesen sommerlichen Strohhut verzierte die New Yorkerin mit einer eleganten Fasanenfeder. Ob für einen gemütlichen Tag am Strand oder eine glamouröse Gartenparty – dieses Hutmodell aus geflochtenem Toyo-Papier und Baumwolle verleiht jedem Look einen exotischen Touch. Preis: 295 Euro

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LESEZEICHEN BILL IST ZURÜCK Bill Clinton tritt wieder an die breite Öffentlichkeit - mit einem Buch. „Es gibt viel zu tun“ ist der Titel, und der eine oder andere wird im Geiste hinzufügen „lassen wir‘s bleiben“. Der Originaltitel „Back to work“ ist da schon näher an dem dran, was Clinton mit seinem Buch sagen will: Die Amerikaner sollen die Schuld nicht immer auf die Regierung schieben, sonder selbst anpacken und positive Veränderungen herbeiführen. Zuerst macht sich aber Bill Clinton selbst an die Arbeit und analysiert kompetent - er kennt sich als ehemaliger Präsident ja aus - die Lage, in der sich die USA zur Zeit befinden. Schon allein deshalb ist dieses Buch auch für Europäer wert, gelesen zu werden. Immerhin sind die USA immer noch die stärkste Wirtschaftskraft der Welt.

Eugenia Kim

Foto: Eugenia Kim

Mann trägt diesen Sommer einen „Pork Pie“. Die Designerin Eugenia Kim interpretiert den vor allem durch Jazzmusiker beliebt gewordenen Hut neu: Aus Filz wird Stroh und das schwarze Lederband sorgt für männliche Lässigkeit. „Reid 4“ ist ein ideales Sommer-Accessoire für den trendbewussten Mann. Preis: 170 Euro

INFO: Bill Clinton, „Es gibt viel zu tun“, Plassen Verlag, rund 26 Euro

REISETIPP

Vilnius

MUST-HAVE DES MONATS

Made in Südtirol Ob aus Metall oder Horn, ob mit Sehstärke, Fensterglas oder als Sonnenschutz – Brille tragen ist ein modisches Statement. Doch die Zeiten, in denen es ausreichte, sich eine überdimensionale Nerd-Brille auf die Nase zu setzen, sind schon wieder passé. Zurück zum Ursprung – Die zwei Südtiroler Klaus Tavella und Thomas Oberegger haben diesen Trend erkannt. „WooDone“ nennt sich ihre Holzbrillen-Kollektion. „WooDone“ sind Holzbrillen, handgefertigt in Südtirol. Derzeit sind vier verschiedene Brillenmodelle aus fünf verschiedenen Hölzern erhältlich. Alle Modelle können sowohl als Seh- als auch als Sonnenbrille getragen werden. Ein modisches Statement aus den Alpen. Preis: 349 Euro

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Foto: Mühlbauer

Mühlbauer Die traditionsreiche Wiener Hutmanufaktur Mühlbauer präsentierte für den Sommer 2012 eine farbenfrohe Hutkollektion. Alle Kopfbedeckungen werden in der Wiener Manufaktur handgefertigt. Längst ist Mühlbauer auch international ein Begriff. Zweimal jährlich zeigt das Unternehmen eine Hutkollektion für Damen, Herren und Kinder. Das Modell „Prinz Bodo“ ist Teil der Sommerkollektion 2012 für Männer. Besonders praktisch: Dieser Strohhut mit sonnengelber Krempe kann nach Lust und Laune zerknautscht werden. Preis: 290 Euro

VON AGATA ERLACHER. Die Südtiroler Künstlerin hat in Vilnius an der Kunstakademie Bildhauerei studiert und lebt dort seit vier Jahren. Immer, wenn sie in ihr Heimatdorf Gargazon zurückkehrt, ist plötzlich auch Vilnius dort zwischen den Bergen. Vilnius ist die Hauptstadt von Litauen. Und nein, das ist nicht russisch, sondern litauisch. Und nochmals nein, das Litauische ähnelt nicht dem Russischen. Und ja, ich spreche litauisch, fluchen geht auch auf Russisch. Vilnius ist interessant, aber wie lange noch? Darauf kann Ihnen sicherlich Darius Mikšys antworten. Die Winter in Litauen sind kalt und lang und der Himmel ist ruhig und weiß-grau. Meist wandern die sich gegen den Uhrzeigersinn drehenden Zyklonen in Richtung Südhalbkugel. Ist der Himmel über Südtirol blau, ist er in Vilnius bewölkt und umgekehrt. Und das ist gut so. Tagsüber bewegt man sich schnell und lernt, sich zu kleiden. Nachts fährt man Taxi. Saunen, Pingponghallen, Bars und Restaurants sind dann immer sehr belebt. Im Frühjahr steht man lang im Freien, im Sommer noch länger. Meine bevorzugten Reisemittel, die Distanz von zirka 2.000 Kilometer zwischen Bozen und Vilnius zu überwinden, sind entweder das Flugzeug (ab Mailand) oder das Auto. Mit Letzterem geht es bis nach Kiel oder Sassnitz und weiter mit der Fähre zur litauischen Hafenstadt Klaipeda. Von dort aus sind es noch etwa 350 Kilometer quer durch die litauischen Wälder. Sehenswürdigkeiten: Was ist nicht würdig, gesehen zu werden? Die Reise und Sehübung hat also bereits begonnen! Kontaktieren Sie mich einfach, sollten Sie sich entschließen, nach Vilnius beziehungsweise nach Litauen zu reisen; ich werde sie gern vor Ort weiterführen. Kontakt: agata.erlacher@gmail.com


LUXUS & LIFESTYLE

Bankenwelt hautnah Banker haben zurzeit ja nicht unbedingt den besten Ruf, trotzdem folgte die bekannte Bankerin und gebürtige Südtirolerin Christine Novakovic dem Ruf von Südtirol Panorama nach Bozen. In ihrem fundierten und unterhaltsamen Vortrag sprach sie ohne Scheu auch unangenehme Fragen an.

Die bekannte Managerin und Rednerin, umringt vom Südtirol Panorama-Team und den beiden Herausgebern (v.l.) Stefan Weber, Lisa Forer-Naumann, Michael Disertori, Christine Novakovic, Peter Seebacher, Kurt W. Zimmermann

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Fotos: Sonja Marzoner

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hristine Novakovic war Bankerin, wurde 2003 zur Managerin des Jahres gekürt, war später Kunsthändlerin und ist jetzt wieder Bankenmaganerin bei der UBS Schweiz. Sie ist aber nicht nur eine versierte Finanzexpertin, sondern ihr eilt auch der Ruf voraus, Entertainmentqualitäten zu besitzen. Davon konnten sich beim Südtirol Panorama-Event des Jahres Ende Mai die zahlreich erschienenen Gäste überzeugen. Unterhaltsam brachte die Wahlschweizerin das Wie und Warum der Krise auf den Punkt. Bei bestem Wein und edlen Häppchen gab es nach dem Vortrag ausgiebig Gelegenheit für die erschienene Wirtschaftselite des Landes, über das Ge◀ sagte zu diskutieren.

Team Hypo Tirol Italien: (v.l.) Marcello Koob, Theresia Hochgruber, Christian Mahlknecht, Paolo Panarese und Gottfried Planer

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LUXUS & LIFESTYLE

Herbert Perini mit Lisa Forer-Naumann (beide FF-Media) genossen die Stimmung Alois Kaiser (Tiroler Versicherung), Katharina Georges (Arcade et) Johanna Seeber (Seeste) und Medienmann Markus Frings mit druckfrischem „SüPa“

Roswitha Rauter (FF-Media) hörte Marco Filippi (Invest KG) aufmerksam zu

Michael Disertori (FF-Media), Alexander Zoeggeler (Studio Zoeggeler) Bankerin Christine Novakovic mit Reinhold Masoner (Messe Bozen)

Ivo Laimer mit Ulrike Gamper (Brennercom)

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Rechtsanwälte unter sich: Dieter Schramm mit Stefan Weber

Günther Pernthaler (Selectra) im Gespräch mit Reinhold Masoner

Südtirol Panorama | Juli 2012

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DIE LETZTE SEITE

EIN ANRUF BEI … LOGOUT

Richard Piock

Kampf

SÜDTIROL PANORAMA: Ihr Unternehmen hat die Fotoausstellung „Belichtet – Tiroler Fotografie von 1854 bis 2011“ im Brixner Astra-Kino finanziert. Warum?

2011 war ein besonderes Jahr mit einem Umsatzwachstum von 51 Prozent und einen Gewinnzuwachs von über 12 Prozent nach Steuern. Grund dafür war die Umsatzsteigerung bei den Druckern für keramische Fliesen, wo wir Weltmarktführer sind. Aber auch der Umsatz im Großformatbereich der Grafik, wo wir weltweit die Nummer drei sind, ging ◀ nach oben.

Es ist Krise und der Verteilungskampf hat bereits begonnen. Vorbei die Zeiten, als noch jeder nonchalant lächelnd darüber hinwegsah, wenn der Nachbar das größere und schönere Auto und der Kollege das weitläufigere Büro mit der besseren Aussicht hatte. Es ging ja allen nicht schlecht, warum sollte es anderen nicht ein wenig besser gehen? So denkt niemand mehr. Spanien bekommt von der Eurogruppe 100 Milliarden und das ohne Bedingungen? Niemals! Es dauerte nur wenige Stunden, und aus Griechenland schallte es nach Europa: Wir wollen das auch! Sofort neu verhandeln! Auch in Südtirol entstehen plötzlich unerwartete Diskussionen. Eine Hundetoilette für 184.000 Euro, finanziert von der Landesabteilung für Innovation? Niemals! Das wollen wir auch! schallte es vom Verein „FreundeAmici“ ins Landhaus. Nicht die Hundetoilette natürlich, sondern eine für Menschen. Der Verein vertritt nämlich die Interessen von Personen mit chronisch entzündlichen Darmkrankheiten. So traurig das Schicksal dieser Personen auch ist, eines haben mir all diese Meldungen gezeigt: Im Kampf um Ressourcen wird es in Zukunft unerwartete Fronten geben. Und: dieser ◀ Kampf wird ein schmutziger.

INTERVIEW: PETER SEEBACHER

PETER SEEBACHER

ständnis von Unternehmertum. Wir finden es gerecht, wenn ein Unternehmen neben den Steuern, die es zahlt, auch etwas im Bereich der Kultur an die Gesellschaft zurückgibt. Durst ist in der Fotobranche groß geworden; deshalb ist diese Fotoausstellung einerseits ein Anliegen, andererseits die Konsequenz dieser Unternehmenshaltung.

Foto: Alexander Alber

RICHARD PIOCK: Das ist unser Ver-

Richard Piock ist Geschäftsführer der Durst Phototechnik AG in Brixen

Was ist an der Ausstellung besonders?

Es ist das erste Mal, dass die Geschichte der Fotografie des historischen Tirols so ausführlich dokumentiert wird. Es werden zahlreiche unveröffentlichte Bilder gezeigt. Durst spielt mit den Großen der Branche mit. Wie schaffen Sie das?

Es geht um zwei Dinge: Zum einen nie zu glauben, einen Endstatus erreicht zu haben, auf dem man sich ausruhen kann, weil die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen sich ändern. Das heißt also, immer offen zu sein für Neues, alles in Frage zu stellen und nach Perfektion zu streben. Innovationsmanagement ist andererseits aber

CARTOON

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sicher auch eine System- und Organisationsfrage. Ihre Bilanzdaten 2011 waren bemerkenswert. Was ist passiert?

von Kiri

Südtirol Panorama | Juli 2012

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