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ARCHITEKTUR Beilage zu ff 12/2021 I Vers. in Post. - 45% I Art. 1 Abs. 1 I Ges. 353/2003 (abg. Ges. 27.02.2004 Nr. 46) CNS Bozen I Poste Italiane SpA I Taxe percue / Tassa pagata

& WOHNEN

ff 12 25.03.2021

FREIGEIST-ÄSTHETIK

Architekten, Künstler, Designer: So wohnen und arbeiten Südtirols Kreative HOME STORY

Ein Architektenpaar und sein ­modernes Laubenhaus in Neumarkt

ZUKUNFT DES WOHNENS Die internationale Trendexpertin Oona Horx-Strathern im Interview

VERJÜNGUNGSKUR

Die sanfte Renovierung einer ­Meraner Villa der späten 60er-Jahre


Außergewöhnliches für Ihre Raritäten. Design straordinarioDesign per tesori in mostra.

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EDITORIAL

Bauen mit System

LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER,

Foto: Privat

aufgrund der Corona-Pandemie ist die Welt, wie wir sie kennen, beinahe auf die eigenen vier Wände zusammengeschrumpft. Das wiederum hat die Bedeutung unseres Zuhauses wie nie zuvor erhöht. In diesen besonderen Zeiten hinterfragen wir nicht nur altbewährte Denkmuster, sondern auch unsere Art zu wohnen. Corona verändert die Ansprüche an das eigene Wohnumfeld und verstärkt bereits bestehende Tendenzen. Darüber haben wir in dieser Ausgabe mit der renommierten Wohnexpertin und Zukunftsforscherin Oona Horx-Strathern gesprochen. Dabei wurde klar: Wer Raum hat, hat Möglichkeiten. Wir haben uns die Frage gestellt: Wie wichtig ist Raum zur Entfaltung? Und wie wirken sich Räume auf die auf Kreativität aus? Antworten darauf geben die Protagonisten dieser Ausgabe. Sie sind Architekten, Maler, Bildhauer und Designer. Kurz gesagt: kreative Freigeister. Wir haben sie zuhause, in ihren Studios und Ateliers besucht und dabei Orte entdeckt, in denen Architektur, Kunst und Design einen besonderen Dialog eingehen. Viel Vergnügen beim Lesen! Barbara Tilli

INHALT IM FUCHSBAU

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WOHNEN IM WANDEL

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FREIGEIST-ÄSTHETIK

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KULTIGES HEIMSPIEL

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Home Story: Das denkmalgeschützte Familiennest eines Architektenpaars

Zu Besuch bei Kreativen: Bühne frei für außergewöhnliche Studios und Ateliers

Experten-Talk: Wie die Corona-Krise die Zukunft des Wohnens prägt

Sanftes Revival: Die Verjüngungskur einer Villa der späten 60er-Jahre

IMPRESSUM „ff – Architektur & Wohnen“, 25.03.2021, Beilage zu ff 12, Herausgeber: FF-Media GmbH, Eintragung Landesgericht Bozen 9/80 R.ST. vom 27.08.1980, Nr. ROC 06262. Presserechtlich verantwortlich: Verena Pliger; Konzeption & Redaktion: Barbara Tilli; Grafik & Layout: Sabine Rainer; Korrektur: Franz Kaserer; Werbung: Elisabeth Forer-Naumann, Roswitha Rauter; Titelseite: Martina Jaider.

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≥ IM FUCHSBAU

NEUMARKT

IM FUCHSBAU Margit Weiss und Werner Reifner haben ein denkmalgeschütztes Laubenhaus in ein modernes Familiennest verwandelt. Text: Barbara Tilli | Fotos: Martina Jaider

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≥ IM FUCHSBAU

Familien-Quartett: Im fröhlich-verspielten Ambiente fühlt sich sowohl das Architektenpaar als auch der Nachwuchs sichtlich wohl.

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1 1. Elegant gelöst: Die halboffene Küche verbessert die Kommunikation zum angrenzenden Esszimmer. Der helle Terrazzoboden harmoniert mit maßgefertigten Birkenmöbeln und Fundstücken vom Flohmarkt. 2. Klares Design: Handgefertigte Fliesen im grafischen Raku-Muster durchbrechen die Küche und verleihen ihren linearen Zügen eine natürliche Verspieltheit. Offene Regale setzen gekonnt Geschirr und besondere Einzelstücke in Szene.

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≥ IM FUCHSBAU

„FÜR ARCHITEKTEN IST DAS EIGENE HAUS EIN SPANNENDES EXPERIMENTIERFELD.“ WERNER REIFNER

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in 500 Jahre altes Haus zu renovieren, bringt Verantwortung mit sich. Margit Weiss und Werner Reifner war das durchaus bewusst, als sie im historischen Zentrum von Neumarkt das denkmalgeschützte Elternhaus von Margit bezogen. „Wir haben sofort gesehen, dass hier unglaublich viel Potenzial ist und Raum, den wir beleben können. Wir wollten aber sehr vorsichtig vorgehen“, erklärt Margit, die als Architektin im Amt für Bau- und Kunstdenkmäler arbeitet. Mit Werner an ihrer Seite, einem freischaffenden Architekten mit viel Gespür für Gestaltung, begab sie sich im Haus ihrer Kindheit, das in den 1990er-Jahren von ihren Eltern zuletzt saniert wurde, auf Spurensuche. Gemeinsam erkundeten sie das historische Gebäude, lernten es lesen und saugten seine Geschichten auf. Behutsam belebten sie Räume, und zum Teil gaben sie ihnen eine neue Bestimmung. EIN HAUS kann voller Überraschungen stecken. Jenes von Margit und Werner ist wie ein Fuchsbau mit unterschiedlichen Wohnwelten. Und die Chemie stimmt, nicht nur bei den Bewohnern: Jeder Raum und jedes Objekt, egal, ob alt oder neu, steht für sich und fügt sich dennoch völlig mühelos in den Kontext. So überrascht die halboffene Küche, ursprünglich ein Schlafzimmer, mit einem klaren, linearen Design und hellen Birkenmöbeln. Für den nötigen Pep sorgen Fliesen im grafischen Retrostil und farbige Betonleuchten, die elegant über den Küchenblock schweben. Bewacht wird der Raum von einer alten Dame in Schwarz. Sie sitzt in einem Porträt an der Wand und richtet ihren Blick auf all jene, ≥

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1 1. Grandios: Lorenz und Kuno nutzen die Galerie im offenen Dachgeschoss als Logenplatz mit Blick auf das Foyer. Die 5 Meter hohe Wand wurde mit einem imposanten Bücherregal in Szene gesetzt. Ganz unten, schnell griffbereit, stehen die Kinderbücher, weiter oben Architektur- und Designbibeln.

2. Gemütlich: Mit viel Liebe zum Detail haben Margit Weiss und Werner Reifner unterschiedliche Settings für Groß und Klein geschaffen. Ihr Gespür für Ästhetik und Funktionalität münden in spannende Wohnwelten und Kuschelnischen, die die Perspektive von Kindern mitberücksichtigt.

3. Elegant: Eine weiße Stahltreppe führt vom Foyer ins Dachgeschoss. Das Möbelstück aus Holz, das in die elegante Konstruktion übergeht, dient als intelligenter Stauraum, als moderne Sitzbank, hin und wieder aber auch als Bühne für fiktive Abenteuer mutiger Spielzeughelden.

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Ka Inn 39 8 No. 12 / 2021

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≥ IM FUCHSBAU

DIE ARCHITEKTEN IM GESPRÄCH Ist es als Architekt schwierig, der eigene Kunde zu sein? Werner Reifner: Als Architekt hat man sehr viele Ideen, und natürlich kommt es darauf an, ob man neu baut oder ob man es mit einem alten Haus zu tun hat, das bestimmte Rahmenbedingungen mit sich bringt. Für Architekten ist das eigene Haus oder die eigene Wohnung aber auch ein spannendes Experimentierfeld, und in der Einrichtung kommt das ganz gut zum Ausdruck. Wobei: Das Innenleben eines Hauses ist nie fertig, es ist ständig im Wandel. Margit Weiss: Genau, das Schöne ist doch, dass man sich mit der Einrichtung immer wieder neu erfinden kann. Bei uns kommt ständig was dazu. Angefangen bei Erbstücken, die wir wieder auf Vordermann bringen und neu in Szene setzen, modernistischen Klassikern bis hin zu selbstentworfenen Möbeln und Fundstücken vom Flohmarkt. Wer war der prägende Charakter fürs Interieur? Werner: Wir verfolgen beide dieselbe Linie, bei der Ausstattung

Starkes Duo: Margit Weiss, 37, und Werner Reifner, 39, haben sich beim Architekturstudium in Wien kennengelernt und in einem Laubenhaus in Neumarkt Wurzeln geschlagen.

war aber wohl eher meine Frau Margit federführend. Sind Sie sich immer einig? Margit: Natürlich nicht, aber am Ende muss es uns beiden gefallen, deshalb sind wir immer im Austausch miteinander. Ich selbst überlege oft hin und her. Die Stärke von Werner ist es zu sagen: Wir müssen jetzt eine Entscheidung treffen. Da ergänzen wir uns sehr gut (lacht). Welche Formensprache ist kennzeichnend für das Interieur? Margit: Wir haben versucht, die Geschichte des Hauses fortzuführen und Materialien so zu wählen, dass Neues und Altes ohne starke Zäsur

miteinander weiteraltern können. Der Patina der historischen Räume stehen zeitgenössische, handgefertigte Einbauten mit hellem linearem Design gegenüber, die ihre eigenen kleinen Geschichten mitbringen. Ich würde sagen, es ist die Freude an handwerklichen Materialien, Farben und Mustern, die unser Interieur kennzeichnet. Werner: Wir wollten nicht das Gefühl haben, in einem Museum zu sein, wo man nichts angreifen darf, deshalb findet man im Haus auch keine Hochglanzoberflächen. Wir haben zwei kleine Söhne, da liegt n auch gerne mal Spielzeug rum.

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martina waldner

Foto: Damian Pertoll

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1. Komposition: Ein Sofa in sanftem Schlammton und ein Orientteppich verwandeln die Stube in ein Wohnzimmer. In der Mitte des Raumes, über einen rosa Pouf in Grobstrickoptik, schwebt ein Kronleuchter mit Glasröhren. 2. Blickfang: Die Truhe, datiert auf 1840, ist ein Familienerbstück. Darüber hängt ein Porträt von Margit Weiss als 13-jähriges Mädchen, ein Werk des Südtiroler Künstlers Robert Bosisio. 3. Zeitzeuge: Die Rauchküche im 2. Stock des 500 Jahre alten Laubenhauses ist erhalten geblieben. Heute wird im historischen Ambiente nicht gekocht, sondern gemalt, gebastelt und gelacht.

die sich hier zu schaffen machen. „Wir haben sie auf einem Flohmarkt gefunden. Jetzt sieht sie uns beim Kochen und Reden zu“, erklärt Margit mit einem Schmunzeln. Das angrenzende Esszimmer mit seinen alten Parkettdielen ist ein eklektischer Traum: Stühle in allen Formen und Farben prägen den Raum, darunter auch ein alter Kinosessel. Die Sitzmöbel stammen größtenteils aus der gemeinsamen Studienzeit in Wien. So auch eine überdimensionale Schreibtischlampe, ein Designklassiker von Artemide, der den Raum gekonnt in Szene setzt. Ihr zur Seite steht eine alte Kommode aus dem 19. Jahrhundert, die aus einer historischen Villa in Neumarkt stammt und vom findigen Architektenpaar angekauft wurde. WER SICH den Gang entlang Richtung Wohnzimmer wagt, fühlt sich schon bald in einer Zeitschleife gefangen. Was wie ein alter Törggelekeller anmutet, ist die originale Rauchküche des Laubenhauses. Hier wurde früher auf offenem Feuer gekocht. Die Kupfertöpfe und die Rußspuren an der Wand sind noch heute erhalten. Sie sind stumme Zeugen, die hier wieder offen zu Wort kommen. „Es ist toll, dass dieser Raum, den man sich hier nicht erwartet, erhalten blieb. Sowohl unsere Kinder 10 No. 12 / 2021

als auch unsere Freunde halten sich hier in diesem historischen Ambiente sehr gerne auf“, erklärt Margit. Etwas gemütlicher, aber nicht minder geschichtsträchtig ist das Wohnzimmer: eine Stube mit einer gotischen Balkendecke und einer Renaissance-Vertäfelung, die wohlige Wärme ausstrahlt. Zwei Fenster und ein Erker mit Blick auf die Laubengasse erhellen den Raum. An der Decke über dem Sofa hängt ein großer Bronze-Kronleuchter mit schicken Glasröhren. Versteckt hinter einer Tür, befindet sich ein weiterer Raum, das heutige Arbeitszimmer. Darin verborgen liegt ein Schatz, den nur wenige Gäste zu Gesicht bekommen: ein opulenter Schrank, vermutlich aus dem Jahr 1870, der bis zur Decke reicht. „Dieses Erbstück ist so schwer, dass wir es in all seiner Mächtigkeit lieber an Ort und Stelle lassen“, scherzt Margit. WESENTLICH LUFTIGER UND MODERNER ist das Herzstück des Laubenhauses. Das Foyer mit einer eleganten, weißen Stahltreppe und einem knapp fünf Meter hohen Bücherregal trägt die Handschrift von Werner Reifner. Im Dachgeschoss über dem Atrium wurde die typische Neumarkter Lichtgaube positioniert, die das fensterlose Foyer zum hellen Zentrum der Woh-

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Foto: Damian Pertoll

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≥ IM FUCHSBAU

Oase der Gemütlichkeit: Die blauen Zementfliesen auf der Terrasse lassen auch tagsüber vom Nachthimmel träumen. Um mehr Platz zu gewinnen, hat Werner Reifner eigenhändig eine gemütliche Nische ins Dach gebaut.

nung macht. Wie eine zeitgenössische Kunstinstallation in einer privaten Bibliothek windet sich die weiße Stahltreppe über den offenen Dachraum bis zu einer Galerie, die zu den Schlafzimmern führt. „Wir wollten fließende Übergänge schaffen, und da wir eine schöne Raumhöhe zur Verfügung hatten, haben wir sie entsprechend inszeniert“, erklärt Werner.

Foto: Hannes Niederkofler

DAS FOYER STRAHLT eine natürliche Leichtigkeit aus, die von den Bewohnern des Hauses durchaus gelebt wird, vor allem von den Kleinsten. Das Möbelstück aus Birke, das als Sockel für die Treppe dient, wird bei Lorenz, 6, und Kuno, 4, auch gerne mal zur Bühne für Spielfiguren und das „Bullaugenfenster“ in der

Wand zur Kuschelnische. Selbst die Galerie im Dachgeschoss mit Blick auf das Foyer eignet sich zum Spielen. „Das Erste, was sie getan haben, wenn wir eingezogen sind, war Aufzug bauen“, verrät Margit ein wenig amüsiert. Neben den zwei Kinderzimmern – eines davon wurde erst kürzlich zur Räuberhöhle umfunktioniert –, befindet sich das elterliche Schlafzimmer mit Loft-Charakter. Die Verglasung im Innenraum überrascht zunächst. Die Idee dahinter: mehr Licht für mehr Lebensqualität in den historischen Mauern. Neugierige Blicke fürchten Margit und Werner nicht, denn nach außen hin ist der Raum durch das Dachgeschoss gut abgeschirmt. In einem Fuchsbau ist man eben gut geschützt! n

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Foto: Hannes Niederkofler

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TRENDS & PROGNOSEN

WOHNEN IM WANDEL Wie hat sich die Corona-Krise auf unser Leben in den eigenen vier Wänden ausgewirkt? Und wie werden wir in Zukunft wohnen? Zukunftsforscherin Oona Horx-Strathern wagt einen Ausblick.

Foto: Klaus Vyhnalek

Interview: Barbara Tilli

Die Trendsetterin: Oona Horx-Strathern, geboren 1963 in Dublin, ist Trend- und Zukunftsforscherin, Autorin und eine international gefragte Wohnexpertin. In ihrer Home-Report-Serie für das deutsche Zukunftsinstitut benennt und analysiert sie regelmäßig die relevantesten Trends in den Bereichen Wohnen, Design, Bauen und Architektur.

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ie Corona-Krise hat zahlreiche Bereiche des täglichen Lebens in unser Zuhause gedrängt. Das wiederum hat einen Einfluss darauf, wie wir wohnen. Während Bürokomplexe verwaisen, ist das Arbeiten in den eigenen vier Wänden salonfähig geworden. Küchentische werden zu Schreibtischen umfunktioniert, Wohnzimmer zu Konferenzräumen, und im äußersten Notfall muss auch mal das Schlafzimmer als adäquates Setting für einen Video-Call herhalten. Gleichzeitig ist der Wunsch da, sich neue Rückzugsorte im Freien zu schaffen. Die Corona-Krise hat also auch unser Verständnis von einem guten Zuhause verändert. Ein besonderes Auge dafür hat Zukunftsforscherin Oona Horx-Strathern. Seit über 25 Jahren beschäftigt sie sich mit Megatrends in sozialen, ökonomischen und demographischen Prozessen. Die Fragen, die sie zu beantworten versucht: Wie beeinflussen diese Prozesse unser Alltagsleben, etwa in Arbeits- und Lebenssituationen? Und was ergibt sich daraus für unsere Architektur, Wohn- und Bauweise? In ihrem aktuellen Home Report liefert die Wohnexpertin Analysen und Prognosen zu relevanten Entwicklungen und Denkmustern, die durch die Pandemie einen Schub erfahren haben. Corona-bedingt haben wir noch nie so viel Zeit in den eigenen vier Wänden verbracht. Haben wir eine neue Beziehung zu unserem Zuhause aufgebaut?

Oona Horx-Strathern: Ja, wir hatten quasi keine Wahl. Positiv betrachtet, haben wir unsere Wohnsituation neu schätzen gelernt oder eben die Entscheidung gefasst, sie zu ändern. Nicht jeder wohnt in schönen Verhältnissen. Für viele ist die eigene Wohnung wie eine Verwandte, die viel Aufmerksamkeit braucht, bis dato aber immer ganz gut ignoriert wurde (lacht). Und genau so haben viele Menschen ihre Wohnung erlebt. Was hat sich geändert? Mit der Corona-Pandemie kam das Bedürfnis, das Leben neu zu organisieren. Wir nehmen unser Zuhause viel mehr wahr und stellen uns die Frage, wie wir unsere Lebensqualität verbessern können. Apropos Lebensqualität: Wie haben Sie persönlich den ersten Lockdown verbracht? Vor dem ersten Lockdown wohnten mein Mann und ich zu zweit, und plötzlich waren wir zu sechst, plus Hund! Da waren meine beiden Söhne, die Freundin des Ältesten und mein Vater. Es hat definitiv unsere Anpassungsfähigkeit und Kreativität auf die Probe gestellt. Die Suche nach Arbeitsplätzen war eine Art „Reise nach Jerusalem“ (lacht). Ich habe aber auch mal im Wäscheraum gearbeitet, weil es dort am ruhigsten war.

IN ZEITEN WIE DIESEN IST DA S ZUHAUSE WERT VOLLER DENN JE

Wer großzügig lebt, ist natürlich im Vorteil. Ist Raum eine Frage des Privilegs und steigen damit wirklich die Möglichkeiten?

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≥ WOHNEN IM WANDEL

Foto: Jonathan Borba/Pexels

Foto: Conor Sexton/Unsplash

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Angesagt: Die Verschmelzung von Zuhause und Büro verlangt nach Kreativität in der Raumgestaltung. Die Wohnung muss also multifunktional werden. Balkone und Terrassen werden hingegen vermehrt zum Lebensort. Damit verschiebt sich auch der Fokus beim Wohnungsbau. Das Motto: mehr privater Raum unter freiem Himmel.

Raum ist wichtig, aber auch die Verbindung zur Natur und zu den Nachbarn, und zwar gerade in einer Zeit der extremen Urbanisierung und Individualisierung mit einem immer höheren Anteil an Single-Haushalten. In den letzten Jahren gab es einen Trend zum Mikrowohnen. Auch deshalb, weil es sich viele in großen Städten nicht leisten können, großzügig zu wohnen. Wir werden jetzt einen Gegentrend sehen. Wer es sich leisten kann, wird aus der Stadt ziehen und mit demselben Geld mehr Raum gewinnen wollen. Oder man entscheidet sich für eine Wohnung mit Balkon. Tatsächlich ist die Nachfrage nach Wohnungen mit Balkon, Terrasse oder Garten gestiegen … Ein Balkon schenkt ein Stück weit Freiheit. Er dient als Kommunikationselement, als Verbindung zur Außenwelt. Psychologisch gesehen, macht ein Balkon einen großen Unterschied in der Lebensqualität. Wenn wir auch in Zukunft in kleinen Wohnverhältnissen leben müssen, dann sollte ein Balkon oder zumindest eine geteilte Grünfläche ein Grundrecht sein. Auch Architekten denken viel mehr darüber nach, wie man diesem Bedürfnis entgegenkommen kann. Es kann gut sein, dass Balkone in Zukunft nachträglich dazugebaut werden oder beim Entwerfen neuer Gebäude zu einem unverzichtbaren Element werden. Die Pandemie hat uns gezwungen, Räume neu zu denken. Welche Chancen bringt die Verschmelzung von Wohnraum und Büro? Die Zeit, die man früher im Auto oder im Zug verbracht hat, 16 No. 12 / 2021

lässt uns jetzt ein bisschen mehr Freiheit, um den Alltag zu gestalten. Umfragen zufolge wollen viele Menschen mindestens einen Teil ihrer Arbeitszeit in Zukunft zu Hause verbringen. Sie wollen Flexibilität und die Möglichkeit, mehr Freizeit zu haben. Ich sage nicht, dass das Büro verschwindet, es geht nur um einen anderen Arbeitsrhythmus. Viele Menschen machen im Home Office aber auch negative Erfahrungen … Natürlich brauchen wir auch soziale Verbindungen. Wir wollen nicht jeden Tag zuhause sitzen und allein arbeiten. Wir können das teilweise tun, aber wir brauchen auch den Austausch, und das wird immer so sein, schließlich sind wir soziale Wesen. Welche Folgen hat diese Verschmelzung für die Räume, in denen wir leben? Es gibt schöne Ansätze und modulare Bauweisen, aber auch viel Aufholbedarf, so etwa in Sachen Funktionalität. Offene Wohnräume sind nicht gemacht für ein Home Office, aber es gibt Raumteiler oder Schiebetüren, die man nutzen kann. In Zukunft wird man diese Multifunktionalität und Flexibilität bereits in der Planung vorsehen. Zudem gibt es inzwischen auch wunderschöne, funktionale Möbel. Stichwort Materialien: Was ist im Interior Design zukunftsweisend? Das Interior Design ist vom Megatrend der Neoökologie bestimmt. Während der klassische ökologische Trend das

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≥ WOHNEN IM WANDEL

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Foto: Klaus Vyhnalek

Horx-Heim: Das „Future Evolution House“ am Stadtrand von Wien. Hier lebt Oona Horx-Strathern mit ihrem Mann Matthias Horx, Gründer des Zukunftsinstituts. Es ist nicht nur ein Zuhause, sondern auch ein Ort für Experimente in den Bereichen Energie und Technologie.

Gefühl von Verzicht in den Vordergrund stellt, geht es bei der Neoökologie um das transformative Potenzial von Möbeln. Materialien werden bereits recycelt, sie sind aber von immer geringerer Qualität. Daher wird der Kreisökonomie und dem Produktionsprinzip „Cradle to Cradle“ nun mehr Aufmerksamkeit zuteil.

Also kein Leder, keine Wolle und keine Seide mehr? Viele Interior Designer arbeiten bereits mit veganen Produkten, die ein wunderschönes Design aufweisen. In Vergangenheit sprach man immer wieder von „authentischen“ Produkten. Jetzt gibt es die nächste Stufe, und zwar den Aktivismus. Es geht nicht mehr nur darum, nachhaltig zu produzieren. Was zählt, ist die Botschaft, sprich was ich mit meinen n Produkten und meinem Besitz aussagen möchte.

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Was bedeutet das konkret? Ich denke da an Stühle oder Tische, die man auseinandernehmen kann, deren Materialien aber in derselben Qualität wiederverwendbar sind. Dadurch gewinnen

Materialien klar an Langlebigkeit. Im Kommen sind auch vegane Produkte.

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LUST, DEM ALLTAG ZU ENTFLIEHEN?

Foto: Hannes Niederkofler

Die Adler Lodge ist ein gelungenes Beispiel für die perfekte Symbiose zwischen modernem Design und persönlicher Raffinesse. Die Holz-Chalets wurden von ASTER gefertigt und stehen für echte Wohn- und Lebensqualität.

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n der Adler Lodge am Ritten rückt der Alltag in die Ferne. Die Hoteliersfamilie Sanoner hat hier ein kleines Chalet-Dorf geschaffen. Sanft fügen sich das dreistöckige Haupthaus und die 20 modernen Chalets in die Landschaft ein. Geplant wurde das innovative 5-Sterne-Haus von Hugo Demetz und G22 Projects. Ausgeführt wurden die in Holz gefertigten Meisterwerke von der AS-

TER GmbH in Jenesien. ASTER ist einer der führenden Südtiroler Meisterbetriebe für Holzbau und Qualitätstüren und beschäftigt über 70 Mitarbeiter. Das Unternehmen setzt auf innovative Konstruktionsmethoden – für eine optimale Wohnqualität und maximale Nachhaltigkeit in Punkto Baumaterialien und -systeme. Das beweist das Qualitätssiegel KlimaHaus Nature, mit dem das Projekt

am Ritten zertifiziert wurde. Das Qualitätssiegel für nachhaltiges Wohnen zertifiziert ein Gebäude nicht nur nach seiner Energieeffizienz, sondern auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die Umwelt, die Gesundheit und das Wohlbefinden seiner Bewohner. Chalets für private Bauherren. Wünschen auch Sie sich ein lebendiges Zuhause in Harmonie mit und in der Natur? ASTER realisiert einzigartige, in Holz gefertigte Chalets aus naturbelassenem unbehandeltem Lärchen- und Tannenholz. Ausgeführt nach alter Tradition und mit modernsten Techniken.

Projekt: Holz-Chalets der Adler Lodge Ritten Bauherren: Andreas & Klaus Sanoner Architekten: Hugo Demetz und G22 Projects

Foto: adlersparesort

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Moderne Malhöhle: Das unterirdische Gartenatelier des zeitgenössischen Künstlers Robert Bosisio in Truden. In der Tiefe der Erde, umgeben von Sichtbeton, entstehen seine Werke.

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eit jeher nimmt der Mensch Einfluss auf seine Umgebung und passt sie seinen individuellen Bedürfnissen an. Wir gestalten und verändern unser Umfeld nach unseren persönlichen Vorstellungen und Vorlieben. Je mehr wir das tun, desto wohler fühlen wir uns in den eigenen vier Wänden und desto mehr können wir unser Potenzial ausschöpfen, lautet eine weitverbreitete Theorie der Architekturpsychologie. Die Räume, in denen wir uns aufhalten, können also wesentlich zu unserer persönlichen Entfaltung und Entwicklung beitragen, sowohl zuhause als auch bei der Arbeit. So unterschiedlich wie die architektonischen Kontexte sind auch die Ideen, die dort entstehen können. Besonders interessant wird es, wenn Freigeister am Werk sind. Wir haben drei Kreative in ihren Ateliers besucht. Auf den kommenden Seiten entführen wir Sie in die unterirdischen Hallen des zeitgenössischen Malers Robert Bosisio, nehmen Sie mit in das turmhohe Silo von Designer Harry Thaler und geben Einblicke in in die Skulpturen- und Zeichenateliers von Peter Senoner. Im Zentrum stehen Räume, in denen Architektur, Kunst und Design einen besonderen Dialog eingehen, und Menschen, die n sich täglich darauf einlassen. 20 No. 12 / 2021

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ATELIERS

FREIGEIST-ÄSTHETIK Gute Architektur schenkt uns Räume zur Entfaltung. Eine Spurensuche bei drei Freigeistern und ein Blick in ihre Ateliers.

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Foto: Günter Richard Wett

Text: Barbara Tilli

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1 1. Fürs Wohlbefinden: Loungebereich mit Küche, erweiterbarem Tisch aus Eiche, Designklassikern von Vitra und einer Chaiselongue von Le Corbusier. An der Wand hängt eine Fotografie von Wim Wenders, einem Freund von Bosisio.

2. Für ideale Malverhältnisse: Natürliches Licht aus einer Öffnung am Gründach gleitet an der Malwand entlang. Ein eigens entwickeltes Stecksystem ermöglicht es, Bilder unterschiedlicher Größe immer wieder neu anzuordnen.

3. Für die Psyche: Kommunizierende Räume prägen das Atelier aus Sichtbeton und geben den Blick frei auf das Wesentliche: die Kunst. Bodenlange Filzvorhänge schlucken den Schall und ersetzen Türen.

Fotos: Günter Richard Wett

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KOHO


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KUNST IM BETONBUNKER

Robert Bosisio, zeitgenössischer Maler aus Truden

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obert Bosisio ist Meister seines Fachs. Seine Bilder werden weltweit auf Auktionen hoch gehandelt und sind von malerischer Unschärfe geprägt, die den Betrachter dazu anregen, den Werken aus der Ferne ihr Geheimnis zu entlocken. In starkem Kontrast dazu steht sein neues Atelier: eine unterirdische Werkstätte aus Sichtbeton, bestehend aus zwei Ebenen, die sich linear in die Terrassierung seines Gartens bohrt. Der Entwurf stammt von Architekt Igor Comploi. Seit Jahren verbindet die beiden eine gute Freundschaft – eine solide Vertrauensbasis für ein Architekturprojekt, das sich nicht nur als Atelier und Ausstellungsfläche eignet. Mit Blick in die Zukunft könnte sich Bosisio sogar vorstellen, hier eines Tages zu wohnen. Herr Bosisio, warum ein unterirdisches Atelier im Garten? Robert Bosisio: Ursprünglich wollte ich das alte Atelier im Dachstuhlbereich meiner Wohnung vergrößern und erhöhen, weil einfach zu wenig Platz da war und ich das Gefühl hatte, darin zu ersticken. Also habe ich Igor Comploi um Rat gefragt. Er meinte, es wäre schade, das bestehende Haus durch einen Eingriff am Dach radikal zu verändern. Stattdessen

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schlug er vor, in meinem Garten ein unterirdisches Atelier zu bauen, und die Idee gefiel mir auf Anhieb. Besonders viel Wert wurde auf die Länge und Tiefe der Räume gelegt. Warum? Das hat mit meiner Arbeitsweise zu tun. Ich habe mir einen großen, langen Raum gewünscht, da ich beim Malen ständig vor- und zurückgehe, um mein Werk von Weitem zu betrachten. Hierfür arbeite ich mit einem Spiegel, der es mir ermöglicht, mein Bild aus der doppelten Entfernung zu sehen. Dadurch kann ich meine unscharf gemalten Bilder besser lesen. Das Atelier befindet sich unter der Erde. Fehlt da nicht das natürliche Licht? Ich bin ein Tageslicht-Maler, für mein Wohlbefinden und meine Arbeit ist natürliches Licht extrem wichtig. Also habe ich gleich zu Beginn Lichtdesigner Manfred Draxl engagiert. Das natürliche Tageslicht kommt zu 90 Prozent von oben, durch gezielt platzierte Öffnungen am Gründach. Mit Stoffrollos kann ich das Licht so steuern, wie ich es brauche. Zusätzlich ist da noch Kunstlicht, und das erste Mal in meinem Leben bin ich zufrieden damit. So habe ich ein diffuses und ein

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Geometrische Klarheit: Der kubische Eingang des Ateliers ist nach Süden gerichtet und wurde in die Terrassierung des Gartens gebaut. Er spendet natürliches Licht, sowohl von vorne als auch von oben durch Öffnungen im Gründach.

direktes Licht, das die Malwand gleichmäßig von oben bis unten ausleuchtet. Das ist einfach ein Genuss! Waren Sie zu Beginn etwas skeptisch, ob das funktionieren kann? Natürlich, ich hatte große Angst, ob diese Art von Atelier überhaupt funktionieren würde … Die Befürchtung von Arch. Comploi, Sie würden das neue Atelier nur als repräsentativen Ort nutzen, hat sich also nicht bewahrheitet? Überhaupt nicht! Im alten Atelier mache ich nur noch Grundierungen, also die Drecksarbeit (lacht). 24 No. 12 / 2021

Wie viel Zeit verbringen Sie im Atelier? Ich bin ein wahrer Workaholic. Jeder Tag ohne zu malen, ist ein verlorener Tag. Bis spätabends bin ich im Atelier, auch am Wochenende. Als Ausgleich nehme ich mir nachmittags immer drei Stunden frei, dann spaziere ich von Truden aus zu meiner Almhütte. Das Atelier besteht aus kommunikativen Räumen. War das von Beginn an so gewollt? In meinem Atelier will ich mich frei bewegen können, Türen sind da ein Hindernis. Ich will immer sehen, woran ich arbeite. Wenn man ein Bild nicht bewusst, sondern zufällig sieht, dann erkennt man meistens ziemlich genau,

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≥ FREIGEIST-ÄSTHETIK

„NATÜRLICH HÄTTE MAN IM TOILETTENRAUM GERNE EINE TÜR, ABER ES GEHT AUCH SO.“ ROBERT BOSISIO

was noch fehlt oder unstimmig ist. Zum Abtrennen des Malraums gibt es aber auch Vorhänge ... Selbst das Badezimmer hat keine Tür, sondern nur einen Vorhang. Warum? Ich bin ein großer Fan von Sichtbeton, so auch von den Arbeiten des japanischen Architekten Tadao Ando, der wunderbare Häuser damit entwirft. Und es wäre so schade, hier Türen reinzubauen, man würde die Räume zerstören. Natürlich hätte man im Toilettenraum gerne eine Tür, aber es geht auch so. Die Toilette ist übrigens ein japanisches Modell mit beheizter Brille, und ich bin sehr glücklich damit (lacht). Was fasziniert Sie an Sichtbeton? Auf einer grauen, neutralen Wand kann man die Farben viel besser spüren, also ich zumindest. Da ist gebrannter

Sichtbeton ideal. Er hat eine unglaubliche Tiefe, meine Bilder springen damit sehr schön ins Auge. Auf einem grauen Hintergrund üben Farben eben eine besondere Macht aus. Sie haben ein Atelier im Dachgeschoss Ihrer Privatwohnung, eines in Berlin und nun ein weiteres in Ihrem Garten. Wie wichtig ist Raum zur Entfaltung? Manchmal kann man unter schlechten Bedingungen extrem gut arbeiten, auch wenn die Lichtverhältnisse nicht stimmen oder der Raum sehr klein ist. Es kann also unter widrigen Umständen funktionieren, aber man leidet und kämpft. Im neuen Atelier fühle ich mich einfach wohl, und das ist sehr wichtig. Ich bin auch viel effizienter. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich der Raum auf die Psyche und damit auch n auf meine kreative Arbeit auswirkt.

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Foto: Davide Perbellini

Showroom: In einem stillgelegten Silo hat Designer Harry Thaler sein Studio eingerichtet. Im Inneren erweist sich der graue Betonklotz als kreativer Freiraum auf vier Ebenen.

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Foto: Franziska Unterholzner

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DER MANN IM TURM

Harry Thaler, Produktdesigner aus Meran

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itten in der Industriezone von Lana ragt ein 22 Meter hoher Turm in den Himmel. Bis Ende der Neunzigerjahre diente er der benachbarten Tischlerei als Speicher für Holzspäne. Heute befindet sich im Inneren des massiven Betongebäudes das kreative Reich von Harry Thaler, einem der wohl bekanntesten Designer Südtirols. Er entwirft Stühle, Lampen, Fahrräder und sogar Häuser. Dabei kombiniert er traditionelle Handwerkskunst mit cleveren Designs, innovativen Formen und Materialien. Als er das stillgelegte Silo in Lana entdeckte, reifte in ihm die Idee, es als Studio auszubauen. Die Besitzer wollten das alte Betongebäude abtragen lassen. Thalers Mission kostete ihn viel Überzeugungsarbeit, auch bei den Behörden, doch am Ende bekam er die Erlaubnis. „Mir war es wichtig, das Gebäude zu erhalten und nachhaltig zu nutzen, also habe ich es umfunktioniert und ihm einen neuen Wert gegeben“, erklärt Thaler. Ursprünglich war das Silo ein Speicher für Holzspäne, jetzt ist es ein Speicher für neue Ideen. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Im Inneren entpuppt sich der graue Betonklotz als kreativer Freiraum auf vier Ebenen. Als Verbindungselement dient eine imposante Treppe aus schwarzem Stahl, die sich elegant den Luftschacht nach oben windet. Wer die erste Ebene betritt und die luftig-leichte Konstruktion erblickt, neigt intuitiv den Kopf nach hinten, um neugierig ihrem Verlauf zu folgen. Stufe für Stufe ließ Thaler die Konstruktion vor Ort zusammenschweißen. Über Plattformen gelangt man zu den einzelnen Raummodulen. Auffällig dabei: Auf jeder Etage gibt es nur einen Raum. Den Anfang macht die Werkstatt. Zwischen Prototypen, Schraubenziehern und Sägen tüftelt und experimentiert Thaler. Im Zentrum des Raums steht eine selbst entworfene

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Fotos: Atelier Harry Thaler

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1. Funktionale Werkstatt: Zwischen Werkzeugen, Materialien und Prototypen wird auf der 1. Ebene des Silos getüftelt und ausprobiert. Die Werkbank auf Rädern kann verschoben und mit einer Holzklappe verschlossen werden.

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2. Vom Silo zum Studio: Große Fenster durchbrechen den 22 Meter hohen Betonklotz in der Industriezone von Lana. Im Inneren entpuppt sich der massive Turm mit nur 90 Quadratmeter Nutzfläche als Speicher für kreative Ideen und Produktinnovationen.

3. Imposanter Aufstieg: Eine Wendeltreppe aus Schwarzstahl windet sich durch den Luftschacht. Auf jeder Ebene befindet sich nur ein einziger Raum. Passend zur Treppe: die Stuhlikone „Pressed Chair“ von Harry Thaler für Nils Holger Moormann.

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„DIE RÄUME IM TURM ENTWICKELN SICH MIT MIR WEITER.“ HARRY THALER

Werkbank auf Rädern, die sich mit einer Holzklappe kurzerhand verschließen lässt. Und auch sonst gibt es hier jede Menge zu entdecken. An der unverputzten Betonwand, zwischen dem Arbeitstisch und einem Regal aus gestapelten Holzkisten, hängen zwei Fahrradrahmen aus Aluminium. Sie sind das Herzstück eines ultraleichten Elektrofahrrads. Das Design lehnt sich an einen Stuhl an, der für Thaler den Durchbruch als Designer bedeutete. Die Rede ist vom sogenannten „Pressed Chair“ – ein leichter, völlig fugenloser und zu hundert Prozent recycelbarer Stuhl aus Aluminiumblech, der Ästhetik und Funktionalität vereint. ERSTAUNLICH BUNT präsentiert sich der Ausstellungsraum eine Ebene höher. Unzählige Materialmuster und Prototypen, sorgfältig sortiert, erzählen Geschichten von Form und Haptik. Dabei hebt sich das Farbspektrum gekonnt vom Grau der un-

verputzten Betonwände ab. Natürliche Vollkommenheit erreicht der Raum durch eine Wand aus beweglichen Holzlamellen, die das Licht von außen wie ein Schattenspiel an die gegenüberliegende Innenfassade projiziert. Dabei handelt es sich um ein Experiment, erklärt Thaler: „Ich mag es, Dinge auszuprobieren. Die Räume im Turm entwickeln sich mit mir weiter, sie sind ständig im Umbau. Wichtig ist nur, die eigene Umgebung so zu gestalten, dass man sich wohlfühlt.“ Wie, das sei jedem selbst überlassen. Thaler weiß Räume optimal zu nutzen. Als er noch in London lebte, arbeitete und wohnte er in seinem Studio. Tagsüber tüftelte er an neuen Designs, abends dimmte er das Licht und machte es sich in einer selbst entworfenen Schlafbox gemütlich. Im Turm in Lana verbringt er keine Nächte, den Industrie-Flair der Großstadt an der Themse hat er aber mit nach Südtirol genommen.

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So lang wie der Baum, so lebendig wie sein Leben. © Alle Rechte vorbehalten/Riproduzione riservata – FF-Media GmbH/Srl No. 12 / 2021 29 FLIRI Tischlerei GmbH | Handwerkerstrasse 11 | I-39020 Taufers i.M. | info@fliri.it | www.fliri.it | Tel.+ 39 0473 832355 R


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Fotos: Atelier Harry Thaler

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Coole Küche: Auf der obersten Ebene des Turmes hat Harry Thaler eine Küche eingerichtet, sie dient auch als Meetingund Aufenthaltsraum. Die rosa Wand, die Arbeitsplatte und die Lampe aus Messing setzen warme Akzente. Das Fenster wurde bewusst bündig nach unten versetzt. Das Ergebnis: Im Sitzen fällt der Blick auf das gesamte Etschtal.

DAS ZUSAMMENSPIEL von Ästhetik und Funktion spielt in Thalers Alltag als Designer eine große Rolle. Derzeit arbeitet er mit einigen Mitarbeitern an einer innovativen Audioanlage für Museen. Das Gerät, von den Sensoren bis hin zum Gehäuse, soll vollständig in seinem Tower-Atelier produziert werden. Für die Besprechung begibt sich Thaler in die Küche. Sie ist ganz oben im Turm angesiedelt. Den Eintritt verschafft man sich über eine unscheinbare Tür mit einer aus Metall gegossenen Klinke, die sich nicht wie üblich runterdrücken lässt. Sie gewährt nur jenen Einlass, die die Welt auch mal verkehrt sehen und die Klinke mit einer leichten Handbewegung sanft nach oben schieben – Design kann eben

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auch Humor beweisen. Hinter der Tür befindet sich eine Küchenzeile mit einer Arbeitsplatte aus Messing, die wunderbar mit einer rosaroten Wand harmoniert. Mehr als gekocht, wird hier Kaffee getrunken, betont Thaler. Buntgemischte Stühle, gereiht an einem runden Tisch, laden dazu ein, Platz zu nehmen. Dann erst offenbart der Raum seinen wahren Wert. Im Sitzen schweift der Blick über das gesamte Etschtal. Das große Fenster hat Thaler bewusst bündig nach unten versetzt, auf die Höhe des Fußbodens: „Wenn man hier hinausschaut, blendet man alles andere aus, der Blick kann einfach n wandern, obwohl man in einem Turm sitzt.“

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Fotos: Alexander Alber

Abgeschottetes Arbeitsnest: Im Bildhaueratelier von Peter Senoner entstehen überdimensionale, futuristische Skulpturen. Nur durch eine Öffnung am Dach fließt natürliches Licht vom Holzgebälk in den neun Meter hohen Raum.

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WENN DER GEIST DURCH RÄUME FLIEGT Peter Senoner, Bildhauer und Zeichner aus Klausen

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tarr blickt der fremdartige Akrobat auf das Eisacktal hinunter. Als könnte ihm nichts und niemand etwas anhaben. Völlig reglos steht er da, und doch scheint sein polierter Bronzekörper angespannt, jederzeit bereit, von seinem Podest hinunterzuspringen. Er ist der stumme Wächter eines unscheinbaren Gebäudeensembles mit verwitterter Lärchenfassade. Das Warten und Verweilen sind ihm vorbestimmt. Sein Schöpfer hat es so gewollt. Dabei liegt die Geburtsstätte dieser zehn Meter großen, futuristisch anmutenden Skulptur nur wenige Meter entfernt von ihrem Standort. Es ist das Atelier von Peter Senoner, an einem sonnenexponierten

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Hang bei Klausen. Als Bildhauer und Zeichner hat er sich in der internationalen Kunstszene einen Namen gemacht. Bevor er in Südtirol wieder Fuß fasste, ließ er sich in München, New York, Tokio, Wien und Berlin nieder – eben dort, wo Künstler ihr Publikum und ihre Auftraggeber haben. Mit der Zeit sehnte er sich aber nach einem Ort abseits des urbanen Dschungels. Zunächst sollte der Standort im ländlichen Raum nur als kreative Sommerresidenz dienen, doch am Ende wurde daraus ein „Zuhause für die Kunst“, wo er in zwei ebenerdigen Ateliers, umgeben von Holzgebälk und Landhausflair, seinen kreativen Kosmos erweitert.

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Foto: Alexander Alber

Zeichenatelier im Landhausstil: Eine große Fensterfront beleuchtet die Zeichenwand. Genauso wie der Boden ist sie mit Holzdielen verkleidet. Ateliers im ländlichen Raum, so Senoner, sind wieder attraktiv, solange man digital vernetzt bleibt.

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Herr Senoner, wie passt dieses traditionelle Setting zu Ihren futuristischen Skulpturen? Peter Senoner: Das eine schließt das andere nicht aus. Dieser Ort ist mit mir gewachsen. Ursprünglich stand hier ein uralter Hof, vermutlich aus dem Jahre 1280. Jahrzehntelang wurde er nicht bewohnt. Dann hat sich die Möglichkeit ergeben, diesen Ort gestalten zu dürfen.

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Wie haben Sie sich diesen Ort zu eigen gemacht? Die alte Hofstelle war verfallen, es gab nichts, worauf man hätte bauen können. Also habe ich mich mit meinem Jugendfreund, Architekt Jürgen Winkler, zusammengesetzt. Später hat mein Bruder Paul übernommen, ebenfalls Architekt. Die gesamte Infrastruktur musste errichtet werden. Es war eine Herkulesaufgabe, die 15 Jahre gedauert hat.

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Warum so lange? Ich habe gleich damit begonnen, an meinen Skulpturen zu arbeiten, noch im Rohbau. Dort habe ich dann in den Sommermonaten gearbeitet und gelebt. Der Bau wurde laufend an meine künstlerische Arbeit adaptiert. Mit der Zeit sind auch die Anforderungen an das Atelier gestiegen, schließlich gab es immer mehr Ausstellungen und größere Skulpturen. Sie haben im Rohbau gelebt? Ja, den ganzen Sommer über habe ich in meinem heutigen Skulpturenatelier verbracht, nur mit einem Herd und einem Bett daneben. Am Ende sind es dann zwei Ateliers geworden: ein großes, raues Skulpturenatelier und ein feineres für die Zeichnungen. Zusätzlich gibt es Lager- und Archivräume sowie einen Maschinenraum für den Holzzuschnitt, die Verleimung, den Bildträgerbau und die Transportkisten. Dadurch kann ich alles vor Ort abdecken. Das gibt mir Flexibilität und Schnelligkeit. Sie haben in vielen Ländern dieser Welt gelebt. Inwiefern wirken sich Ort und Raum auf die Kreativität aus? Überall auf der Welt gibt es Künstler, die nach Ähnlichem streben, aber es macht einen großen Unterschied, wo man versucht, sein Ziel zu verfolgen und in welchen Räumen man arbeitet. Mit der Atelierhistorie, die ich mittlerweile gesammelt habe, glaube ich gut zu wissen, was ich für meine Arbeit brauche. Was sind Ihre persönlichen Kriterien? Ein wichtiges Argument ist die Raumhöhe. Wenn der Geist fliegen soll, dann braucht er auch Raum dazu. Mein Skulpturenatelier ist neun Meter hoch, es hat keine Fenster, stattdessen gibt es ein riesengroßes Oberlicht. Die Lichtsituation dort ist wahnsinnig schön! Das Atelier ist relativ abgeschottet, aber so kann ich mich bei der Arbeit gut konzentrieren. Wenn ich will, mache ich einen Schritt vors große Eingangstor, und schon bin ich in der Natur.

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Fotos: Alexander Alber

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Von Südtirol in die Welt: Je monumentaler die Kunst, desto wichtiger ist ein bodennahes, barrierefreies Atelier. Von ihrem Entstehungsort machen sich die Skulpturen von Peter Senoner auf die Reise nach Japan, Deutschland oder in die USA.

Arbeiten Sie am liebsten allein? Ich verbringe viel Zeit in meinen Ateliers, teilweise auch mit Assistenten, aber speziell abends bin ich gerne allein. Ich kann

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nämlich etwas unruhig sein, wenn ich arbeite. Es kommt vor, dass ich zwischen meinen Ateliers hin- und herpendle. Sie sind zwar räumlich getrennt, stehen sich aber gegenüber. Gerade jetzt, wo aufgrund der Corona-Krise kaum Ausstellungen stattfinden, kommt der Antrieb, etwas weiterzubringen, ausschließlich von innen heraus. Ein eigenes Atelier muss man auch aushalten und mit Arbeiten füllen können. Und Sie haben gleich zwei Ateliers … Es braucht geschützte Räume für kreatives Arbeiten. Ich kann in einem Hotelzimmer, in einem Zugabteil oder am Flughafen arbeiten, aber ich brauche immer wieder diese Räume, sie sind mein Kosmos. Effektiv ist das aber ein Luxus (Denkpause). Nein, es ist kein Luxus, es ist eine Notwendigkeit, wenn ich als Künstler professionell bestehen will. Die Räume sind sehr nüchtern und funktionell eingerichtet. Muss ein Atelier wie eine leere Leinwand sein, um nicht abzulenken? Jedes Atelier ist anders, aber bei meinen trifft das wohl zu. Ich will keine Störelemente und schon gar nicht Dinge, die mit der aktuellen Arbeit nichts zu tun haben. Ich würde mir auch nie Poster von vergangenen Ausstellungen an die Wand hängen. Das ist abgehakt und kommt weg. Kunst hingegen ist ein Stück weit Identität. Warum tut es gut, sich damit zu umgeben? Mit Kunst können wir innerlich wachsen. Die Energie und die Überlegungen, die in einem Kunstwerk stecken, kommen zum Betrachter zurück. Es macht einen großen Unterschied, ob ich ein Bild an die Wand hänge oder ein Poster davon. Wenn ich ein Poster mit den Seerosen von Monet betrachte und hinterher vor dem Originalwerk stehe, ist das, wie Bilder vom Mars n zu sehen und dann irgendwann auf dem Mars zu stehen.

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≥ KULTIGES HEIMSPIEL

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KULTIGES HEIMSPIEL Brigitte Kauntz hat die Vibes der späten Sechzigerjahre wiederaufleben lassen. Sie hat eine Villa renoviert, die ihr Vater für einen guten Freund geplant und gebaut hatte. Text: Barbara Tilli | Fotos: Davide Perbellini

Studio-Feeling: Das großzügige Kaminzimmer der Villa in Gratsch konzentriert sich rund um einen quadratischen Tisch mit versteckten Stauräumen, designt von Kurt Kauntz. Die Sitzmöbel greifen die Farben Blau, Grün und Grau auf. Hingucker: Der Lounge Chair von Charles und Ray Eames und der dazu passende Ottoman – ein Klassiker des Möbeldesigns aus den 50er-Jahren, der noch heute als Inbegriff für Bequemlichkeit steht. R

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1. La vie en rose: Das warme Rosa an den Wänden des Schlafzimmers hebt sich klar vom pannafarbigen Veloursteppich ab und setzt gekonnt das Boxspringbett mit seinem geflochtenen Kopfteil und den Nachttisch im Stil der Sechziger in Szene.

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2. Details: Der Fernsehtisch aus Nussholzfurnier mit eingebauten Boxen trägt die Handschrift von Kurt Kauntz. Umrahmt wird das Möbelstück von sandfarbenen Vorhängen, die wie ein Wasserfall von den blauen Karniesen hinunterfließen.

3. Hereinspaziert: Die originalen Möbel aus Nussholzfurnier sind größtenteils erhalten geblieben. So auch die Garderobe mit Spiegel. Der Teppich im Ethno-Stil ist kein Neuzugang, gibt aber gleich die neue Farbpalette im Haus vor.

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4. Mut zum Muster: Sorgfältig ausgewählte Fliesen im grafischen Retro-Stil verleihen dem Raum Tiefe, Bewegung und Farbe. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: ein kleines und schlichtes Badezimmer mit verspieltem Charakter.

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≥ KULTIGES HEIMSPIEL

DIE ARCHITEKTIN

Foto: Privat

Brigitte Kauntz ist freischaffende Architektin, Gastkritikerin und Vortragende an der Universität Innsbruck, an der Domus Academy in Mailand sowie am Georgia Tech College of Architecture in Atlanta. Die 54-Jährige hat in Wien, Turin, Innsbruck und London Architektur studiert. Der Fokus ihrer Arbeit liegt in den Bereichen privater Wohnbau und Ausstellungsarchitektur.

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ie der Vater, so die Tochter. Auf Brigitte Kauntz, die in die Fußstapfen ihres Vaters getreten ist und heute selbst als freischaffende Architektin arbeitet, trifft das zu. Mit einer Villa in Gratsch, die Kurt Kauntz zwischen 1967 und 1968 für einen guten Freund entworfen hat, verbindet sie besonders schöne Kindheitserinnerungen. „Ich habe sehr viel Zeit in diesem Haus verbracht, und es hat mich schon immer fasziniert, vor allem die Großzügigkeit der Räume, die damit verbunden ist. Das macht den einladenden Charakter die-

ses Hauses, in dem viel gefeiert und gelacht wurde, aus“, betont Kauntz. Umso mehr freute sie sich, als die Tochter des Hausbesitzers auf sie zukam und sie mit der Sanierung beauftragte. Neue Oberflächen, neue Farben und teilweise neue Materialien sollten dem Bau aus den späten Sechzigerjahren ein zeitgemäßes Kleid verpassen. Der Charakter des Hauses und die großzügigen Räume sollten aber in ihrer Struktur bestehen bleiben, vor allem der Ess- und Wohnbereich, der sich über zwei Ebenen erstreckt und doch in seinem Wesen eine harmonische Einheit bildet. pr-info

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≥ KULTIGES HEIMSPIEL

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1. Herzstück: Der Ess- und Wohnbereich der Villa erstreckt sich über zwei Ebenen. Das Wohnzimmer mit Kamin und Sitzbereich ist abgesenkt und liegt drei Stufen tiefer als der funktionale Essbereich. Ein besonderer Hingucker: die alten Fichtenträger am Oberboden. 2. Aufgetischt: Der von Kurt Kauntz entworfene Tisch wurde erhöht und mit einer schwarzen Tischplatte versehen. Rundherum reihen sich mit buntem Stoff bezogene Stühle. Darüber schwebt eine Designerlampe von Patricia Urquiola und Eliana Geotto.

MIT VIEL FINGERSPITZENGEFÜHL knüpfte Kauntz an die Arbeit ihres Vaters an. Der Travertinboden im Essbereich wurde aufwendig geschliffen und poliert, um ihn von den Wunden der Zeit zu heilen. Die Fliesen im abgesenkten Wohnbereich mussten weichen. Stattdessen wurden hochwertige Eichendielen verlegt. Im Schlafzimmer wurde der alte Teppichboden durch einen weichen Veloursteppich ersetzt, der dazu einlädt, kurzerhand barfuß zu laufen. Die Türen in Nussholzfurnier wurden liebevoll renoviert, genauso die eingebauten und freistehenden Möbelstücke aus der Bauzeit. Dem Wunsch der Besitzerin nach einem neuen „Make-up“ für die Villa kam Kauntz mit einem

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stimmigen Farbkonzept entgegen. Tonangebend ist ein gezielt eingesetztes Blau an den Karniesen im Wohnbereich, die dem Raum einen zusätzlichen Rahmen geben. Das Farbkonzept wiederholt sich auch im Eingangsbereich. Im Schlafzimmer hingegen hebt sich die Wand, frisch gestrichen in einem sanften Rosaton, vom pannafarbigen Teppichboden ab und verleiht dem Raum eine warme und freundliche Ausstrahlung. Selbst die Pflanzen im Haus sind passend gewählt. Große, bauchige Kakteen und eleganter Bogenhanf mit langen, spitz zulaufenden Zungen, erleben hier ein Comeback und versprün hen unbeschwertes Mid Century Feeling.

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