FEG Magazin Septemper 2023

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Erstes Jungschar-Winterlager in Ć»ory: 20 Kinder nach Narnia entfĂŒhrt

Markus Karzelek, Polen

«Ich predige und sĂ€e grosszĂŒgig. Aber Jesus ist treu.»

Michael Dufner Ausgabe September 2023

Impressum

Gratis-Zeitschrift der Freien Evangelischen Gemeinden in der Schweiz

feg.ch 09/2023 | 117. Jahrgang erscheint 11-mal jÀhrlich (Juli/August Doppelnummer)

HERAUSGEBER

Freie Evangelische Gemeinden in der Schweiz Witzbergstrasse 7, 8330 PfÀffikon ZH 043 288 62 20 sekretariat@feg.ch | www.feg.ch

REDAKTION

Harry Pepelnar & Deborah Vassen, Kommunikation FEG Schweiz redaktion@feg.ch

LAYOUT FEG Kommunikation

LEKTORAT

Hansueli KĂ€gi, Ferdi Ammann

BILDNACHWEIS

Titelbild: Markus Karzelek, Winterlager in Zory Symbolbilder: envato.com, unsplash.com, istock

DRUCK

Jakob AG, 3506 Grosshöchstetten

REDAKTIONSSCHLUSS

FÜR TEXTE UND INSERATE: FĂŒr fegmagazin 11/2023: 8. September 2023 FĂŒr fegmagazin 12/2023: 8. Oktober 2023 redaktion@feg.ch | inserate@feg.ch

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Inhalt

FEG Schweiz

Was uns beschÀftigt | FEG Schweiz

DK erstmals in Emmen | FEG Schweiz

Eine hoffnungsvolle Zukunft | Bettag 2023

Nicht die anderen ... | FEG Next Generation

«Beziehologie» | Michael Berra

«Gestern Praktikant ...» | Kinderheimat Tabor

Pop Punk Cover | Dominik Kym

Vision CH

Wer Visionen hat, braucht einen Arzt | Leitung

Zehn Jahre im alten Kloster | Ilanz

Vision EU

Intoleranz | Leitung VS & VE

Tsunami vor der Taufe | Frankreich

Was treibt dich an? | Polen

Der Herr macht alle Dinge neu | Polen

Vision global

Frauen erhalten eine Perspektive ... | SAM global

Usem LĂ€be

FEG persönlich | Claudius Zuber

Wettbewerb

September 2023  —  fegmagazin

2
Einheit mit Auswirkungen
3 4 5 6 8 11 12 14 15 16 17 18 19 21 22 25 26 27 28
Wendepunkte des Lebens Termine | FEG Schweiz
| LFS

Was uns beschÀftigt

peter.schneeberger @feg.ch

Was uns als Leitung FEG Schweiz beschÀftigt ...

Am 15. Juni traf sich die Leitung FEG Schweiz (LFS) mit den Leiterinnen und Leitern aus verschiedenen Arbeitsgruppen und Ferienlagern.

Eine Arbeitsgruppe erarbeitet das Thema «Postevangelikalismus» zuhanden der Pastorenkonferenz. Am Leitertreffen haben wir relevante Fragestellungen dazu erarbeitet. Die FEG Schweiz möchte ihre leitenden Angestellten darin unterstĂŒtzen, ihr Umfeld positiv zu prĂ€gen.

Nur eine Woche spĂ€ter reiste die LFS fĂŒr eine Retraite und das DACHI-Treffen nach Mailand, Italien. An der Retraite ging es schwerpunktmĂ€ssig um Personalfragen. ZusĂ€tzlich haben wir auch die Unterlagen zum neuen Datenschutzgesetz (DSG) abgenommen. Die FEG Schweiz stellt fĂŒr ihre Gemeinden umfassende Unterlagen zur VerfĂŒgung, die auf die EinfĂŒhrung des DSG am 1. September 2023 ganz einfach adaptiert werden können. Die ganze Retraite hat uns Stefano Carlomagno aus der Bundesleitung des UCBC hospitiert. UCBC ist der Gemeindeverband, mit dem die

Vision Europa in Italien eng zusammenarbeitet. Das DACHI stand unter dem Thema «Wie gelingt gute Kommunikation in GemeindeverbÀnden und wie kommunizieren wir in KrisenfÀllen?» Markus Baumgartner, Medienverantwortlicher des Dachverbands Freikirchen.ch, gab dazu wichtige Inputs.

fegmagazin  —  September 2023  3
Leitung FEG Schweiz
Treffen der FEG VerbĂ€nde DACHI: FEG Deutschland, Bund Evangelikaler Gemeinden in Österreich, FEG Schweiz, Unione Chiese Bibliche Christiane

Delegiertenkonferenz

DK erstmals in Emmen

Bei schönstem Sommerwetter begrĂŒsst Peter Schneeberger um 9.30 Uhr 119 Delegierte in den neuen RĂ€umen der FEG Emmen. Es ist das erste Mal, dass eine Delegiertenkonferenz in dieser Gemeinde stattfindet. Vor der Mittagspause erzĂ€hlt Klaus Aeschlimann, Pastor, die bewegende Geschichte dieser ehemaligen Vision-Schweiz-GrĂŒndung. Ebenfalls vor der Mittagspause stehen wichtige Traktanden an, wie Wahlen, Verabschiedungen und Einsetzen von neuen Leitern in verschiedenen Bereichen.

Zuerst wird Christoph Ammann aus der LFS verdankt und verabschiedet. Er verlĂ€sst die Leitung und wird neu im Vorstand der SAM wirken. FĂŒr ihn wird, mit einer Gegenstimme, David Gronau (Pastor der FEG Wetzikon) gewĂ€hlt. David wird kĂŒnftig das Ressort Innovation leiten.

einem Workshop erarbeiten die Delegierten in Gruppen, wie sie sich den zukĂŒnftigen Vorsteher vorstellen.

Wechsel

Robin Hugentobler, der neue Leiter der FEG Jugend, stellt sich kurz vor. Ariane und Thomas Kaspar leiten seit 15 Jahren den Bereich «FIT fĂŒr die EHE». Sie werden verdankt und das neue Leiterehepaar, David und Katrin Jany, wird eingesetzt. Auch im PrĂ€sidium der Kinderheimat Tabor gibt es einen Wechsel: Fritz Schönholzer wird verabschiedet und Fritz Ammann eingesetzt.

Harry Pepelnar ist GemeindegrĂŒnder in Köniz und arbeitet sehr gerne 30 Prozent fĂŒr die FEG Kommunikation.

pepelnar @gmail.com

Erneuerung Leitung LFS

Peter Schneeberger erörtert den Verlauf des bisherigen Prozesses bei der Suche nach einem neuen Vorsitzenden. Mit einer Findungskommission, bestehend aus drei Mitgliedern der LFS und drei Personen aus den Gemeinden (Andrea RĂ€th, Peter Messmer und David Jani), wird ein Vorschlag fĂŒr die Herbst-DK vorbereitet. Kann der Zeitplan nicht eingehalten werden, mĂŒsste die Wahl auf den FrĂŒhling 2024 verschoben werden. In

Genehmigungen

Der Jahresbericht und die Jahresrechnung 2022 werden genehmigt. Ebenfalls werden die Änderungen im Anlagereglement angenommen, wie auch der Finanzierungsvorschlag der Sanierungsmassnahmen Pensionskasse.

Gegen 15 Uhr verlassen die Delegierten Emmen mit dankbaren GefĂŒhlen. FEG begeistert einmal mehr.

4  September 2023  —  fegmagazin
FEG Schweiz

Bettags-Sammlung

Eine hoffnungsvolle Zukunft

Am letztjĂ€hrigen Dank-, Buss- und Bettag hat eine nationale Gruppe zur Busse aufgerufen. Grosse Erwartungen wurden geschĂŒrt. National sind leider wenige dieser Erwartungen in ErfĂŒllung gegangen. Es geschah jedoch das persönliche Wunder der Versöhnung: Nach einem GesprĂ€ch durfte ich mich mit einem der Initiatoren dieses Bussanlasses versöhnen. Freude pur!

Der Bettag ist keine Innenschau, sondern ein Aufruf, Gott alles hinzugeben und von ihm eine hoffnungsvolle Zukunft zu erwarten. Die Welt braucht unser Gebet. Die Welt lechzt nach Versöhnung. Wir Christen haben eine hoffnungsvolle «Message» fĂŒr eine aus den Fugen geratene Welt. Ich mag die Dauerschlaufe der Pessimisten nicht mehr hören. Hinter jeder Ecke wird eine negative Entwicklung erwartet. Die FEG Schweiz setzt sich dafĂŒr ein, dass handelnde Personen gestĂ€rkt, mutig und zuversichtlich mit der guten Botschaft von Jesus Christus unterwegs in die Zukunft sind.

Immer am Bettag sammelt die FEG Schweiz fĂŒr verschiedene Bereiche: Wir sammeln Geld fĂŒr die allgemeinen Ausgaben – damit organisieren wir alle drei Jahre ein Treffen mit den FEG-Bundesleitungen aus D-A-CH-I Wir sammeln fĂŒr Medienrechte und die GeschĂ€ftsstelle – damit finanzieren wir den SekretĂ€r FEG Schweiz, Mark Bertschi. Wir sammeln fĂŒr die Öffentlichkeitsarbeit und subventionieren damit das fegmagazin. Wir sammeln fĂŒr Next Generation und ermöglichen so die Arbeit der Leiterin FEG Kinder, Sabine JĂ€ggi. Wir sammeln fĂŒr die Aus- und Weiterbildung von Pastoren und können so alle zwei Jahre die pensionierten Pastoren mit ihren Ehefrauen zu einem zweitĂ€gigen Treffen einladen. Bist Du Teil dieser Bettags-Sammlung?

2022 kam der Betrag von CHF 88’384 zusammen. Ganz herzlichen Dank fĂŒr Deine UnterstĂŒtzung.

Den Gemeinden stellen wir Boxen mit entsprechenden Einzahlungsscheinen zur VerfĂŒgung. Gerne kannst Du Deine Spende auch bargeldlos ĂŒber TWINT oder Kreditkarte tĂ€tigen (www.feg.ch/bettag) oder auf das Postkonto 30-6865-6 (IBAN CH55 0900 0000 3000 6865 6) ĂŒberweisen, lautend auf «Freie Evangelische Gemeinden in der Schweiz, 8330 PfĂ€ffikon ZH». Vermerk: Bettags-Sammlung 2023.

Äs hĂ€rzlechs «VergĂ€lt’s Gott!»

Online spenden: www.feg.ch/bettag

fegmagazin  —  September 2023  5
FEG
Schweiz 2023
Peter Schneeberger Vorsitzender FEG Schweiz Peter Schneeberger Vorsitzender FEG Schweiz peter.schneeberger @feg.ch

Nicht die anderen ...

... ich lebe den Unterschied! – Donnerstagvormittag. Ich sitze am Schreibtisch und schreibe die Predigt fĂŒr den nĂ€chsten Sonntag. Die letzten Tage der Vorbereitung passten zum Predigtthema: «WĂŒstenzeit». Streit zu Hause, Herausforderungen in den Teams, stĂ€ndig Telefonate, sobald ich fĂŒr die Predigt recherchieren wollte
 Aber heute Morgen, jetzt muss der Moment sein: «Jetzt, Herr, öffne den Himmel und schenk mir deine Inspiration!» Telefon abgestellt – check; TĂŒre abgeschlossen – check; Outlook geschlossen –check; Schild an der TĂŒre «Bitte nicht stören» – check. Also los, dann Vollgas


Aber es passiert nichts. Es kommt kein Ruf, keine Stimme von oben. Stattdessen hartes, eingefleischtes Studium des biblischen Textes. Irgendwie komme ich dann auf einen guten Gedanken und baue diesen aus. Am Schluss steht die Predigt. Nicht an diesem Vormittag, sondern am Samstagabend um 22.30 Uhr.

Dann – am Sonntagmorgen halte ich die Predigt. Und tatsĂ€chlich: Einige finden sie gut. Sie bedanken sich. Meine Reaktion: «Danke. Das möchte ich gerne nach oben weitergeben. Er hat es bewirkt  »

WĂ€hrend ich das sage, denke ich: «Stimmt eigentlich gar nicht. Ich habe wirklich hart fĂŒr diese Predigt gearbeitet. Was hat Er getan? Vielleicht schaut Er, dass ihnen die Botschaft gefĂ€llt und sie im Herzen berĂŒhrt werden. Aber ehrlich – können wir den Job tauschen? Jesus, es war streng, es war Knochenarbeit, es war WĂŒstenzeit! Und jetzt soll ich dir auch noch das Lob dafĂŒr aussprechen, sagen, dass du das Entscheidende getan hast?»

Also entschliesse ich mich, einfach ehrlich zu sagen: «Danke, vielen Dank, ich habe mir wirklich MĂŒhe gegeben!»

Mit Jesus?

Next Generation

FEG Schweiz

michael.dufner

@feg.ch

In meiner Stillen Zeit im BĂŒro spĂŒre ich Jesus, der zu mir spricht: «Michi, willst du das Ă€ndern? Willst du mit mir Predigten schreiben?» – «Klar, logisch, sehr gern! Wer wĂŒrde hier schon nein sagen?», gebe ich Jesus zurĂŒck. Darauf fordert er mich auf, eine Predigt zu schreiben ĂŒber das Gleichnis des SĂ€mannes (Markus 4, 1-20).

«WofĂŒr, Jesus? Ich habe in der nĂ€chsten Zeit gar keine Predigt zu halten  » – «FĂŒr dich, fĂŒr deine Leidenschaft, zu predigen.»

Also nehme ich mir Zeit an meinem Feierabend, an meinem freien Tag. Ich schreibe eine Predigt – ohne Druck, etwas abliefern zu mĂŒssen. Einfach weil mich die Bibel fasziniert, weil ich Jesus liebe und weil ich möchte, dass er mit mir seine Gedanken teilt. Und ich lebe auf und spĂŒre, wie der Text mich persönlich anspricht.

Aus der FĂŒlle weitergeben

Jesus fragt mich durch den Text: «Michi, was stört dich an diesem Bauern?» Ich antworte: «Also, wenn ich mir das so ĂŒberlege, dann der Umstand, dass er so viele Samen auf unguten Boden streut. Er wĂ€re doch viel

6  September 2023  —  fegmagazin
Leitung FEG Schweiz

effizienter, wenn er – so wie heute – den Samen genau dort hinlegt oder wirft, wo er auch aufgeht. Wieso wirft er ihn auch auf unguten Boden?» Darauf Jesus: «Weil er genĂŒgend Samen hat. Er sĂ€t aus der FĂŒlle. Er freut sich, wenn die Vögel auch etwas bekommen » Ich sehe innerlich auf meinen Samenbeutel, auf meine erlebten Geschichten mit Jesus. Ich merke: Ich habe nicht genug, um grosszĂŒgig zu sein. Deshalb bin ich knausrig – oder ich vertraue zu wenig, dass ich immer genĂŒgend Saat haben werde, wenn ich grosszĂŒgiger damit umgehe.

Und so beschliesse ich: Nicht wegen der anderen predige ich, sondern weil es meine Leidenschaft ist, weil es meine Art von Beziehung mit Jesus ist. Deshalb

schreibe ich Predigten. Und zweitens entscheide ich mich, grosszĂŒgig davon zu berichten, was ich mit Jesus erlebe. Noch nie hat es mir an Geschichten oder Erlebnissen gefehlt, noch nie ist meine Saat ausgegangen. Ich predige und sĂ€e grosszĂŒgig. Aber Jesus ist treu.

Mein persönlicher SchlĂŒssel

Mein persönlicher SchlĂŒssel? LEBE den Unterschied! Warte nicht auf andere! Geh zu Jesus und beginne! Schau nicht auf die Reaktionen oder die UmstĂ€nde, sondern nutze sie, um mit Jesus ins GesprĂ€ch ĂŒber deine nĂ€chsten geistlichen Schritte zu kommen.

Tiefer graben als Team: Wo steht ihr?

Wo steht ihr in eurer persönlichen Jesusbeziehung?

Was sind eure persönlichen geistlichen Prozesse, in denen ihr aktuell steckt?

Wenn euch nichts einfĂ€llt, dann nehmt euch Zeit und macht euch als Leitung Gedanken, wie ihr einander zu Jesus tragen, wie ihr euren Lahmheiten begegnen und wie ihr einander unterstĂŒtzen könnt, Jesus ganz im Zentrum zu haben!

Wenn ihr das getan habt, dann ĂŒberlegt: Wie können wir andere grosszĂŒgig beschenken, damit sie Jesus begegnen, damit sie in ihrer JĂŒngerschaft weiterkommen können? Wie könnten wir Leute freisetzen oder ermutigen, damit sie beginnen, einen Unterschied in ihrem Umfeld zu leben?

fegmagazin  —  September 2023   7

Wieso Beziehung die Lösung fĂŒr fast alles ist

«Beziehungen können ohne Theologie nicht wirklich verstanden werden. Theologie muss Beziehung als Leitmotiv fĂŒr Lehre und Leben haben.» Das sind die EinleitungssĂ€tze zu einem Podcast ĂŒber «Beziehologie». Aber worum geht’s bei dieser Wortschöpfung? Ein Interview mit Michael Berra, Pastor der Prisma Kirche in Rapperswil. Die Fragen stellte Deborah Vassen.

Michael, das Thema «Beziehung» scheint dich ja zu verfolgen – ich erinnere mich an das R3-Movement (radical relationship) fĂŒr Jugendarbeiten vor vielen Jahren, als du JugendsekretĂ€r der FEG Schweiz warst. Warum ist Beziehung so wichtig?

michael.berra@

Haha, ja, das ist schon ziemlich lange her, löst aber immer noch sehr gute Erinnerungen aus! Seit meinem Theologiestudium hatte ich eine Ahnung, dass Beziehungen absolut zentral sind. Seither hat sich diese EinschĂ€tzung noch verstĂ€rkt. Es ist spannend: Das Thema ist auch in unserer Gesellschaft absolut top. Wenn man in die Pop-Kultur schaut, egal ob Musik, Film oder BĂŒcher – Beziehungsthemen sind allgegenwĂ€rtig. Das bestĂ€tigt auch die Psychologie und Soziologie: Wir Menschen sind durch und durch Beziehungswesen. DarĂŒber hinaus spricht man seit einigen Jahren auch von einem «relational Turn» in diversen Wissenschaftszweigen. Ich muss das Thema also nicht als wichtig erklĂ€ren, sondern es ist bereits anerkannt zentral dafĂŒr, wie wir Menschen und diese Welt ticken.

Warum Beziehung und Theologie?

Wir Christen wĂ€ren doch eigentlich Beziehungsexperten. Von den ersten Seiten der Bibel an wird klar, dass wir auf Beziehung angelegt sind – nicht nur zwischenmenschlich und mit der weiteren Welt, sondern zuerst und grundlegend auf Gott hin. Das ist ein wesentlicher Punkt unseres Ebenbild-Gottes-Seins. Der Rest der Bibel ist Gottes grosse Geschichte der Beziehung mit den Menschen. Man kann Gott nicht aussen vor lassen, wenn wir uns selbst und unsere Beziehungen verstehen wollen.

Du hast kĂŒrzlich deine Doktorarbeit zum Thema publiziert. Warum brauchen wir eine «Theologie der Beziehung»? «Theologie» ist ja klassischerweise die «Lehre von Gott»?

Ja genau, das ist der springende Punkt: Keine «Lehre von Gott» ohne Beziehung. Wenn wir ĂŒber Gott nachdenken, dann findet das immer in konkreter Beziehung statt. Der ZĂŒrcher Theologe Emil Brunner hat

es so ausgedrĂŒckt: «Die biblische Offenbarung Alten und Neuen Testamentes handelt von der Beziehung Gottes zu den Menschen und der Menschen zu Gott. Sie enthĂ€lt keine Lehre von Gott-an-sich, keine vom Menschen-an-sich. Sie sieht Gott immer als den Gottzum-Menschen-hin und den Menschen immer als den Menschen-von-Gott-her.» (Wahrheit als Begegnung, S. 88) Beides ist nicht zu trennen und findet seinen Höhepunkt in der Inkarnation von Jesus. Deshalb sollten wir «Beziehung» auch bewusst und aktiv als Leitmotiv fĂŒr das Ganze der Theologie nehmen. Aber dazu gĂ€be es noch viel zu sagen und das ist eines der Hauptthemen meines Buches – leider gibt es das nur in Englisch und mit ganz vielen Fussnoten :-)

Podcast
8  September 2023  —  fegmagazin
«Beziehologie» von Michael Berra
«Beziehologie»
Michael Berra Pastor Prisma Kirche Rapperswil prisma.ch

Du machst die Inhalte deines Buches nun in Deutsch und allgemein verstĂ€ndlich ĂŒber einen Podcast zugĂ€nglich. In einer Folge sprichst du davon, dass alles, wie ich ĂŒber Gott und Mensch «nachdenke, wie ich darĂŒber rede, wie ich glaube, wie ich zu einer Erkenntnis komme 
 in diesen Beziehungs-Kategorien stattfindet.» Was meinst du damit?

Ja, genau! (lacht)

In evangelikalen Kreisen reden wir ja sehr gern von einer «persönlichen Beziehung zu Jesus Christus» und das ist uns enorm wichtig. Zu Recht! Ich kann eine Beziehung mit dem ewigen Gott haben – wow! Leider gehen wir dieser faszinierenden Tatsache nicht wirklich auf den Grund. Manchmal wird diese Formulierung sogar zu einer Floskel, einer leeren WorthĂŒlse. Oft ist nicht klar, was wir mit dieser Beziehung meinen, um welche Art von Beziehung es sich handelt. DarĂŒber hinaus prĂ€gt diese Beziehung nicht alles Weitere, unsere Theologie, wie wir reden, unsere «Mission». Wenn es sich wirklich um eine Beziehung handelt, dann sollte dies die Grund-Kategorie fĂŒr alles sein.

Wir sind aber als Menschen viel individualistischer unterwegs (SelbststÀndigkeit, Selbstverwirklichung und Selbstwirksamkeit). Ist «Beziehung als Hauptkategorie» nicht ein ziemlicher Affront?

Jein. Ich glaube, die Sehnsucht des Menschen geht genau in diese Richtung. Dass wir gleichzeitig unabhÀngig sein wollen (gerade auch von Gott), zeigt, dass

das, was die Bibel «SĂŒnde» nennt, zutiefst diese Beziehungsstörung meint. Diesen menschlichen «Zerriss» kennt ĂŒbrigens auch die Sozialpsychologie. Aber mit Gott gibt es Grund zur Hoffnung!

Was wĂŒrde sich Ă€ndern, wenn wir in unseren Kirchen deine Thesen ernst nĂ€hmen?

Erstens glaube ich, dass wir wieder ganz neu relevant und sprachfĂ€hig wĂŒrden fĂŒr eine Welt, die sich zutiefst nach wahrer IntimitĂ€t und gelingenden Beziehungen sehnt! Zweitens wĂŒrde der «beziehologische» Ansatz in Zeiten zunehmender Polarisierung zusammenbringen, was sonst unvereinbar scheint – sowohl theologisch als auch persönlich. Last but not least wĂŒrde ich hoffen, dass es eine Bewegung auslöst, dass Menschen noch mehr als bisher von Gott angezogen werden und sich auf echte IntimitĂ€t mit ihm einlassen.

Herzlichen Dank, Michael, fĂŒr die Inspiration!

Reinhören: Podcast «BEZIEHOLOGIE» von Michael Berra und Mike Scheuzger, auf allen gÀngigen Podcast-Portalen (Spotify, Apple, Google etc.) oder auf anchor.fm/berraspektiven. Bei Staffel 2, Episode #1 «Alles Beziehung oder was» beginnen.

Lesen: Michael Berra, «Towards a Theology of Relationship: Emil Brunner's Truth as Encounter in Light of Relationship Science», Pickwick Publications, 2022. Blog: berraspektiven.ch

fegmagazin  —  September 2023   9

dĂŒrfen: Einkaufen, spazieren, kochen, putzen, BettwĂ€sche wechseln.

FÜR LEITER

WARUM BIN

ICH EIN MANN?

MĂ€nnertag 28. Oktober 2023

Momentum Church Aarau

Sei dabei am diesjÀhrigen MÀnnertag und lass dich von Gottes Sichtweise auf dein Leben begeistern! Komm und bringe deine Freunde mit!

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BACHELOR IN THEOLOGIE

Gestern Praktikant – heute StV

In den letzten ĂŒber 25 Jahren haben gegen 100 Praktikantinnen und Zivildienstleistende mit wertvoller UnterstĂŒtzung innerhalb der Wohngruppen und Schulklassen die Betreuung massgeblich ergĂ€nzt. Delia Gafner nutzte vor Jahren das Praktikum zur KlĂ€rung des Berufswunsches SozialpĂ€dagogik. Inzwischen hat sie berufsbegleitend erfolgreich die Ausbildung an der höheren Fachschule ICP abgeschlossen und den Wohnsitz auch dank glĂŒcklicher privater UmstĂ€nde vom ZĂŒrcher ins schöne Berner Oberland verlegt.

Praktikum und Zivildienst als Sprungbrett in den Sozialbereich

FĂŒr sie ist klar: «Es ist der allerschönste Arbeitsplatz der Welt!» – NatĂŒrlich war das Praktikum auch herausfordernd, ja manchmal sogar ĂŒberfordernd. Dank der guten Einbettung in unterstĂŒtzende Teams lernt man aber gerade auch in Grenzerfahrungen sehr viel und schnell – auch ĂŒber sich selbst.

Heimleiterstellvertreter Daniel Ammann

Ähnlich war der Einstieg fĂŒr den jetzigen Heimleiterstellvertreter Daniel Ammann. Er erinnert sich auch an herausfordernde und prĂ€gende Ereignisse wĂ€hrend dem Praktikum bei den Adler-Jungs: «Ich kann mich an eine Situation erinnern, als zwei Jugendliche am Nami vor der Gruppenweihnacht sich gegenseitig mit dem

Schmutzwasser vom Zimmerputz in der Wohnstube bespritzten. Die Stimmung war regelrecht im Eimer!» Der Einsatz von Praktikanten ist dem Namen gemĂ€ss sehr praktisch ausgelegt, dazu nochmals Daniel Ammann: «Ich schĂ€tzte die Möglichkeiten sehr, die sich durch die Beziehungsarbeit ergaben. Ich verbrachte mit den Kindern und Jugendlichen viel Zeit in der Werkstatt oder auf dem Hof, was eine grosse Chance fĂŒr die Beziehungsgestaltung war. NatĂŒrlich waren es auch die erlebnispĂ€dagogischen Projekte, die wir gemeinsam in Themenwochen oder an den Wochenenden gemeinsam erleben durften.»

Ausbildungspraktikum

Nadja SchÀdeli macht ihr Ausbildungspraktikum im Rahmen des Fachhochulstudiums auf der Wohngruppe. Sie schÀtzt den konkreten Praxisbezug und den Austausch mit den bereits ausgebildeten SozialpÀdagogen. «Hier kann ich mir ein konkretes Bild machen und ausprobieren, welche Methoden in welcher Situation sinnvoll sind und welche in der Praxis nur schwer umsetzbar sind.»

ZIVI-Einsatz

Ohne Vorkenntnisse hat Dario Zimmermann seinen ZIVI-Einsatz von einem halben Jahr in der Taborschule angetreten. Im Hintergrund steckt dabei der Gedanke nach einer beruflichen VerĂ€nderung in den Bereich der Lehrerbildung. «Das Tabor hat ein sehr vorbildliches Arbeitsklima. Es wird professionell und engagiert gearbeitet. Die Mitarbeiter im Tabor, egal ob Lehrpersonen oder andere Mitarbeiter, hinterlassen mir einen sehr motivierten Eindruck. Das ist selbst als ZIVI schnell spĂŒrbar und deshalb wĂŒrde ich das Tabor sofort weiterempfehlen.»

Mit dieser Empfehlung von Dario möchte ich mich als Leiter bei allen Praktikanten und ZIVIs herzlich fĂŒr die wertvolle Praktikumsarbeit bedanken. Ohne euch wĂŒrde den Kindern und Teams eine wichtige StĂŒtze fehlen!

Ein Praktikum im Tabor ist ein lohnendes Jahr fĂŒr die Kinder, das Tabor und die beteiligten Praktikanten.

fegmagazin  —  September 2023  11
Kinderheimat Tabor
Urs Klingelhöfer Leiter Kinderheimat Tabor, Aeschi heimleitung@ kinderheimat-tabor. ch

Pop Punk Cover auf YouTube

Mit einem Pop-Punk-Cover des alten Liedes «Niemand ist so wie du» begegne ich Dominik Kym auf YouTube. Auf seinem YouTube-Kanal hat er zwar noch nicht so viele Follower, aber das wird sich sicher noch Ă€ndern. Die Videoclips, die er so kreativ und positiv gestaltet, machen Spass und Lust auf mehr. Dominik ist 24 Jahre jung, lebt in einer Wohngemeinschaft und studiert an der ZĂŒrcher Hochschule der KĂŒnste (ZHdK). Was ihn dazu bewogen hat und wovon er trĂ€umt, erzĂ€hlt er uns im Interview.

Dominik, wie hast du angefangen, so coole Clips zu machen?

Schon frĂŒh hat mich (neben der Musik) die visuelle Kunst fasziniert. Angefangen habe ich mit Fotografie. WĂ€hrend dem Gymnasium bearbeitete ich 365 PortrĂ€ts, die mich und meine Freunde in kreativen Situationen und optischen Illusionen zeigten, und veröffentlichte tĂ€glich ein Foto. Zur selben Zeit begann ich auch mit Videos zu experimentieren. Seit 2017 studiere ich nun Musik in ZĂŒrich und produziere neben dem und fĂŒrs Studium etliche Aufnahmen. Vor gut eineinhalb Jahren begann ich, meine Erfahrungen mit der Kamera und dem Computer mit den Worship-Songs meiner Kindheit zu verbinden, und startete einen YouTube-Kanal.

Wo kommen diese Videos zum Einsatz? DĂŒrfen Gemeinden die in einem GD abspielen?

Momentan veröffentliche ich etwa ein Video pro Monat. Bis jetzt ist meine Zuschauerzahl noch bescheiden und beschrĂ€nkt sich vor allem auf mein privates Umfeld. Dort erhalte ich auch immer wieder Ideen und habe tolle AnknĂŒpfungspunkte. Sollten die Videos irgendwann den Weg in die Gemeinden finden, wĂŒrde mich das auf jeden Fall freuen. Da darf man sich gerne bei mir melden.

Was sind deine TrÀume/Ziele in diesem Bereich?

Was sind deine Fragen, Herausforderungen bei solchen YouTube-Filmen?

In erster Linie die Ideen und der entsprechende Aufwand. Auf der einen Seite ist das Filmen und Produzieren der Musikvideos extrem zeitintensiv, auf der anderen Seite habe ich stÀndig neue Ideen und Projekte, die ich angehen möchte. Da braucht es Disziplin, Dinge auch fertig zu machen.

Das Resultat lÀsst sich sehen. Machst du auch Live-Auftritte?

Auf jeden Fall. Immer wieder werde ich fĂŒr Projekte anderer KĂŒnstler angefragt, spiele (und tanze) auf diversen Hochzeiten und am hĂ€ufigsten «live» hört man mich im Worship-Team der FEG Effretikon.

pepelnar @gmail.com

Momentan dient mir der Kanal vor allem als kĂŒnstlerischer Ausgleich, bei dem ich frei experimentieren und persönliche Projekte verwirklichen kann. Dabei hoffe ich, neue Menschen auf dem Weg kennenzulernen und auszutauschen, kĂŒnstlerisch weiterzukommen und wie alles in meinem Leben soll auch dieser YouTube-Kanal auf Jesus Christus zeigen und ihn ehren.

12  September 2023  —  fegmagazin
Harry Pepelnar ist GemeindegrĂŒnder in Köniz und arbeitet sehr gerne 30 Prozent fĂŒr die FEG Kommunikation.

Was bedeutet dir die Musik?

Als Christ glaube ich an einen schöpferischen Gott. Ich sehe uns Menschen als Ebenbild Gottes, als seine Geschöpfe. Unter anderem wird das in der KreativitĂ€t von uns sichtbar. Auch wir können etwas erschaffen. Musik ist hierbei ein wunderschönes Medium, in dem wir uns ausdrĂŒcken können und dabei mit Gott in Beziehung treten.

Du bist zu 20% in der FEG Effretikon fĂŒr den Bereich Musik und Technik angestellt. Was sind deine Aufgaben?

Ich habe das Privileg, mit einem grossartigen Team von Musikern zu arbeiten. In den letzten Jahren durfte unsere Kirche wachsen und das stellt uns vor neue Herausforderungen. Der Anspruch an die Musik wĂ€chst, die Technik wird komplexer und wir benötigen mehr Menschen, die sich in diesen Bereichen engagieren. In diesen Feldern darf ich coachen, unterstĂŒtzen, vermitteln, vorangehen und neue Projekte starten. Zudem dĂŒrfen wir an Ostern 2024 eine Evangelisation mit Gospelchor halten, den ich mitleiten darf.

Du coverst auch Àltere christliche Lieder. Woher kommt das?

Als Pfarrerssohn wurde ich schon von klein auf mit den klassischen Worship-Songs

konfrontiert. Wie bei ganz vielen, habe ich sie verinnerlicht und schĂ€tze die Harmonik, Melodie und den Text. Gerade weil sie bekannt sind, eignen sie sich natĂŒrlich fĂŒr eine Plattform wie YouTube. Ausserdem fĂ€nde ich es schön, wenn wir evangelikalen Christen unsere Musik auch fest als Kultur wahrnehmen, mit der man auch spielerisch kreativ sein kann. Diese Haltung möchte ich vorleben.

Wo findet man dich im Internet?

YouTube: Dominik Kym https://www.youtube.com/@ dominikkym

Instagram: @dominikkym

fegmagazin  —  September 2023   13

Wer Visionen hat, braucht einen Arzt

Dieser sarkastische Ausspruch eines Missions-Verantwortlichen liess mich ĂŒber das Warum hinter seiner Arbeit nachdenken. Eine klare Vision ist entscheidend, um Wirkung und Freude zu erlangen. In meinen Beratungen stelle ich oft die Frage: «Warum tust du, was du tust? Was ist der Grund fĂŒr deine Arbeit/dein Studium? Welche Vision hast du fĂŒr dein Leben?» Erstaunlich wenige haben darauf eine klare Antwort. Dabei wĂ€re es doch wichtig zu wissen, warum wir tun, was wir tun!

Hier sind einige GrĂŒnde, warum eine Vision fĂŒr Wirkung und Freude entscheidend ist:

Überwinden von Hindernissen und HĂŒrden

Herausforderungen sind unvermeidlich. Wenn wir auf eine Wand oder eine HĂŒrde stossen, mĂŒssen wir wissen, welchen Weg wir einschlagen sollen. Eine Vision gibt uns etwas, worauf wir uns freuen können und wofĂŒr wir arbeiten können. Sie gibt uns einen Grund, weiterzumachen, auch wenn es schwierig wird.

Ziele untermauern

Eine Vision verleiht deinen ZielsetzungsaktivitÀten einen Zweck. Ohne ein Endziel oder eine Zieldestination vor Augen, hast du keinen klaren oder definierten Weg. Eine Vision bietet genau das. Um deine Vision oder dein Ziel zu erreichen, kannst du damit beginnen, kleine, erreichbare Ziele als Zwischenstationen festzulegen. Jeder kleine Erfolg wird dir helfen, dich auf deiner grösseren Reise weiter voranzubewegen.

Erwartungen setzen

Das Setzen von Zielen geht einher mit der Definition von Erfolgsmessungen. Wenn wir kein Ziel setzen, wie wissen wir dann, wann wir es erreicht haben? Wenn wir keinen Weg haben, wie definieren wir dann Gelingen?

Fokus schaffen

Eine Vision stellt sicher, dass deine Lebens- oder GeschÀftsziele fokussiert bleiben können. Wenn du vor einer Entscheidung oder Ablenkung stehst, kannst du

dich fragen, ob sie dir dabei hilft oder schadet, deine Vision zu erreichen.

Bedeutung und Zweck vermitteln

Eine Vision hilft dabei, unser eigenes «Warum» im Leben zu beantworten. Sie gibt uns den Grund fĂŒr unsere Handlungen, Entscheidungen, Hoffnungen und WĂŒnsche. Dadurch fĂŒllen sich unsere tĂ€glichen AktivitĂ€ten mit Bedeutung und Zweck.

Jesus hatte eine klare Vision. Ohne diese gĂ€be es dich, mich und unsere Gemeinden nicht! Und er hat weiterhin die Vision, seine Gemeinde in unserem Land zu bauen. Als Vision Schweiz schĂ€rfen wir zurzeit unsere Vision und werden diese bald weitergeben können. Eines aber ist klar: Wir brauchen mehr Gemeinden, damit mehr Menschen unseren grossartigen Gott kennenlernen dĂŒrfen. Vielen herzlichen Dank fĂŒr alles UnterstĂŒtzen und Mittragen.

Wenn wir keine Vision mehr haben, brauchen wir einen Arzt: Jesus.

14  September 2023 —  fegmagazin
Leitung Vision Schweiz

Zehn Jahre im alten Kloster

Wer hĂ€tte vor 10 Jahren zu trĂ€umen gewagt, dass die FEG Ilanz im Sommer 2023 immer noch in diesen schönen und zweckmĂ€ssigen RĂ€umen sein wird? Ja, die Geschichte bewegt mich auch heute noch, wie Gott uns die TĂŒren zum ehemaligen Kloster Ilanz und zu der Bevölkerung von Ilanz und Umgebung öffnete.

Wir brauchten grössere, einladendere RĂ€ume, dazu zahlbar. Und dann ging eine TĂŒr auf in der stillgelegten Krankenpflegeschule, die dem Kloster Ilanz gehörte. Die ehemaligen SchulrĂ€ume und die Kapelle waren fĂŒr unsere Zwecke ideal, sodass kein Umbau nötig war. Auch der Mietzins fĂŒr das «Abbruchobjekt» war fĂŒr uns tragbar. Im Juni 2013 beschlossen wir, den Schritt in das neue GebĂ€ude zu wagen, obwohl wir nur eine Zusage fĂŒr 2 Jahre erhielten. Dann war Putzen und Renovieren angesagt und im September wagten wir den Umzug.

Traum vom offenen Haus wurde wahr

Wir kamen in Kontakt mit zwei Ilanzerinnen, die etwas fĂŒr Familien machen wollten. So stellten wir ihnen unsere Cafeteria zur VerfĂŒgung fĂŒr ein KindercafĂ© und weitere RĂ€ume, wo sie Tanzen fĂŒr Kinder und Gymnastik fĂŒr Mamis anboten. Die alte KlosterkĂŒche funktionierten wir um in eine Abgabestelle fĂŒr «Tischlein deck dich». Als Warteraum diente der Gottesdienstsaal. So wurde das Center FEG zum Ort der Begegnung fĂŒr die ver-

schiedensten Menschen. Das half uns, als FEG bekannt zu werden. Die anderen leerstehenden RĂ€ume konnten wir fĂŒr besondere AnlĂ€sse nutzen. Ich denke an die legendĂ€ren Kinderwochen oder den Anlass «Why Nacht», in den verwinkelten KellerrĂ€umen des alten Klosters. Aus den zugesagten 2 Jahren wurden mehr als 7 Jahre.

Herausforderung Bauphase

Im Sommer 2019 begann die Bauphase mit all dem Schmutz und LĂ€rm. Fertig war der Luxus der leerstehenden RĂ€ume. Es begannen Verhandlungen mit der Bauherrschaft und der neuen EigentĂŒmerin ĂŒber den kĂŒnftigen Mietzins. Das sah zuerst nicht gut aus und wir sahen uns gezwungen, andere RĂ€ume zu suchen. Aber dann kam uns die neue EigentĂŒmerschaft entgegen und wir konnten einen Vertrag unterzeichnen, der fĂŒr uns akzeptabel war.

Neue, offene TĂŒr

So sind wir als FEG seit einem Jahr Teil der Residenza St. Joseph. In der ganzen Zeit ist die Gemeinde stetig leicht gewachsen und so wird es möglich, dass wir auf den Sommer 2024 planen, finanziell selbststÀndig zu werden.

fegmagazin  —  September 2023  15
Vision Schweiz – Ilanz
(GR) h.sprenger@ bluewin.ch
Hansjörg und Margrit Sprenger Gemeindeaufbau
Ilanz

«Ich bin der Weg», antwortete Jesus, «ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben. Zum Vater kommt man nur durch mich.» (Joh. 14,6)

Diese absolute Aussage von Jesus löst heute bei vielen Menschen eine grosse Empörung aus. Auf der einen Seite wird Toleranz gefordert, aber auf der anderen Seite wĂ€chst die Intoleranz. Einerseits darf es keine absolute Wahrheit geben, andererseits nimmt der Fanatismus und Radikalismus zu. Ganze Gruppen sind ĂŒberzeugt, absolut recht zu haben, und versuchen Andersdenkende zum Schweigen zu bringen.

Warum ist das so? Beide Trends gehören zusammen. Der Relativismus ist der NĂ€hrboden fĂŒr Fanatismus. Wenn es keinen objektiven Massstab gibt, dann macht jeder seine eigene Sichtweise zum absoluten Massstab. Dann glauben sie ironischerweise, dass sie die Wahrheit haben – nĂ€mlich, dass es keine Wahrheit gibt. Das Evangelium, dass wir verlorene SĂŒnder sind, die nur

Intoleranz Einsatz an der Front

aus Gnade gerettet werden verhindert beide Extreme. Es sagt uns, dass wir Schuldige sind; es gibt keinen Relativismus. Wir werden aber nur durch Gnade gerettet und nicht durch eigene Leistungen. Das macht demĂŒtig. So können wir uns nicht aufs hohe Ross setzen. Das Evangelium verhindert beides – Relativismus und Fanatismus.

Deswegen setzen wir uns als Vision Europa ein, dieses Evangelium ĂŒberall zu verkĂŒnden. Herzlichen Dank, ermöglichen Sie dies mit Ihren Gebeten und Spenden.

BĂ€nzigers beschreiben, dass sie vor einem Taufgottesdienst durch stĂŒrmische Zeiten mussten. Pioniergemeindebau bedeutet Kampf an der Front. Es ist kein militĂ€rischer Einsatz, sondern ein geistlicher Kampf. Wie gut, dass sich unsere Missionare und Missionarinnen mit ganzer Kraft diesem Kampf stellen können. Dies geht nur, weil ihr Lohn von Spenden getragen wird. Ich bin sehr dankbar, dass wir auch von eurer GrosszĂŒgigkeit profitieren. Danke, sind Sie bereit dem «Herrn zu geben», indem Sie unsere Missionare unterstĂŒtzen. Im Juli kamen kam der Betrag von CHF 79’000 zusammen. Wir brauchen pro Monat ca. CHF 110’000. Damit hat sich das Defizit weiter vergrössert. Das heisst, dass wir intensiv fĂŒr einen «spendenfreudigen» Herbst beten. Wir wĂŒrden uns sehr freuen, wenn Sie sich auch von Gott gebrauchen lassen, um seine Mitarbeitenden mit dem Nötigen zu versorgen. Herzlichen Dank fĂŒr Ihre Treue.

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Verwendungszweck: Vision Schweiz www.vision-schweiz.ch/unterstuetzen/ ich-will-spenden

IBAN CH45 0900 0000 3000 1257 6

Verwendungszweck: Vision Europa www.vision-europa.ch/unterstuetzen/spenden

16  September 2023  —  fegmagazin
Vision Schweiz Vision Europa
Ist 126‘000 236‘000 Budget Ist 394‘000 470‘000 Budget
JĂŒrg WĂŒthrich
Vision Europa Leitung
Leiter Mission FEG Schweiz juerg.wuethich @feg.ch

Tsunami vor der Taufe

Mit grossen Schritten geht es auf den Sonntag zu, an dem vier Menschen aus Lens und Douai ihren Glauben an Jesus Christus in der Taufe bezeugen wollen. Wir beten viel fĂŒr sie, denn die Probleme bleiben nicht aus: Gesundheit, Familie, offener Widerstand. Eine junge Frau aus meinem Umfeld ruft mich per WhatsApp an, sie macht eine akute Glaubenskrise durch und braucht unbedingt Zuspruch. Damit sind wir beschĂ€ftigt, als plötzlich und wie aus heiterem Himmel der Blitz in unser Haus einschlĂ€gt ...

Es war kein Gewitter angesagt worden, aber es knallt fĂŒrchterlich und Feuer schiesst aus einer Steckdose. Dann Stille. Insgesamt dreimal erschĂŒttert ein Donnerschlag das ganze Haus. Dreimal schlĂ€gt mir aus verschiedenen Steckdosen Feuer entgegen. Zuletzt stehe ich im dunklen Keller, falls die WĂ€nde einstĂŒrzen sollten.

Das Handy immer noch am Ohr. Hier geht es um Wichtigeres und wir klammern uns an Gottes Zusagen. Fast eine Stunde lang tobt der Sturm, dann herrscht Ruhe –draussen und in einem Herzen. Zitternd schalte ich die Sicherungen wieder ein, die GerĂ€te werden kontrolliert. Es muss ein Wunder sein, dass kein einziger Schaden entstanden ist! Die junge Anruferin und ich haben so viel Grund zur Dankbarkeit.

Anschliessend leide ich unter Schlafstörungen, kleinen Panikattacken und Konzentrationsschwierigkeiten. Am Taufsonntag soll es eine Kinderstunde geben und ich «verzweifle» bei den Vorbereitungen. Der Nebel in meinem Kopf ist so dicht, dass ich auf die Knie sinke und

Gott um seine Hilfe anflehe. Wieder klingelt das Telefon, diesmal erscheint eine Schweizer Nummer im Display.

Wie schön: Jemand denkt betend an uns, aber ehrlich gesagt ist mir ĂŒberhaupt nicht nach Plaudern zumute. Dennoch höre ich zu, bis der liebe Mensch danach fragt, was mich gerade beschĂ€ftigt. Als ich den Titel der Bibelgeschichte nenne, die ich vorbereite, kommt eine glasklare Synthese aus dem Hörer. An solche Aspekte hatte ich gar nicht gedacht und schreibe schnell mit.

Plötzlich weiss ich, wie das Evangelium am Sonntag den mir unbekannten Kindern ĂŒbermittelt werden muss, Gott sei Dank! Als der umkĂ€mpfte Moment gekommen ist, drĂ€ngen sich ĂŒber hundert Personen um das Taufbecken herum. Leider ist die Ă€lteste TaufanwĂ€rterin krankheitshalber verhindert. Aber die ĂŒbrigen Anwesenden hören (etliche zum ersten Mal) von jener Entscheidung zwischen Leben und Tod. Wer wird sich Jesus nĂ€hern? Wie können die Neugetauften treue Zeugen sein? Danke fĂŒr alle Gebete!

Ruedi und Birgit BĂ€nziger dienen als Europamissionare Pioniergemeinden in Nordfrankreich. Sie unterstĂŒtzen u.a. die Gemeinde Lens (Bezirk Lille) an der Seite von Emmanuel & Nathalie Kessely.

fegmagazin  —  September 2023   17
Vision Europa – Frankreich
Birgit BĂ€nziger Lens, Frankreich r.banziger@ missionfpc.fr

Was treibt dich an?

Licht und Schatten in der Jungschararbeit

Licht 


Im Januar konnten wir in Ć»ory das erste JungscharWinterlager durchfĂŒhren. Über 20 Kinder waren gerne dabei und haben sich nach Narnia entfĂŒhren lassen, um letztlich etwas ĂŒber uns und Gott zu verstehen.

Im MĂ€rz konnten wir in ƁódĆș den zweiten Teil unserer Leiterschulung absolvieren, bei der junge Menschen lernten, die Hauptbotschaft biblischer Texte zu erarbeiten, um diese dann Kindern weiterzugeben. Ein paar von ihnen wollen jetzt dort eine neue Jungschargruppe starten.

Im April fĂŒhrten wir einen Wochenendkurs fĂŒr Jugendlich in SkoczĂłw durch und konnten von Anfang an sehen, dass sie nicht nur sehr motiviert, sondern auch ein gut zusammengespieltes Team waren.

Schatten

Doch gleichzeitig stellte sich heraus, dass ein Konflikt, der an sich nichts mit der Jungschararbeit zu tun hat wohl das Ende der Jungschar in Breslau zur Folge haben wird – nach elf Jahren Dienst!

Auch bezĂŒglich unseres Sommerlagers stellte sich eine Zeitlang die Frage, ob es ĂŒberhaupt zu Stande

kommen wird. Dabei haben wir bald alle PlÀtze belegt, nur an den Mitarbeitern hapert es.

In solchen Situationen kommen mir die Worte von Paulus in den Sinn:

Von allen Seiten dringen Schwierigkeiten auf uns ein, und doch werden wir nicht erdrĂŒckt. Oft wissen wir nicht mehr weiter, und doch verzweifeln wir nicht.

2. Korinther 4,8

Unsere Probleme haben ein ganz anderes Kaliber als die des Paulus, und doch bringen sie mich dazu, intensiver ĂŒber den vorhergehenden Satz nachzudenken: Wir allerdings sind fĂŒr diesen kostbaren Schatz, der uns anvertraut ist, nur wie zerbrechliche GefĂ€sse, denn es soll deutlich werden, dass die alles ĂŒberragende Kraft, die in unserem Leben wirksam ist, Gottes Kraft ist und nicht aus uns selbst kommt. 2. Korinther 4,7

Wenn alles gut lĂ€uft, ist es leicht zu glauben, dass es unser Verdienst ist. Schnell kann es passieren, dass wir unsere Kraft aus den Erfolgsmomenten ziehen. Doch wenn dir (gefĂŒhlt) der Dienst um die Ohren fliegt, ist schnell klar, dass die Kraft woanders herkommen muss.

Unsere Motivation

Was ist also unsere Motivation? Was treibt uns an? Warum machen wir Jungschararbeit?

Im Licht der diesjÀhrigen Erfahrungen wurde mir (mal wieder) klar, dass die Motivation nicht ich oder unser Erfolg sein darf. Die einzige tragende Motivation kann nur Gott sein, dem Kinder so sehr am Herzen liegen, dass «ihre Engel im Himmel haben jederzeit Zugang zum Vater im Himmel haben». (Mt 18,10)

18  September 2023  —  fegmagazin
Vision Europa – Polen
Markus Karzelek Leiter Jungschar Polen markus@ karzelek.eu

Der Herr macht alle Dinge neu

Wir sind eine neue internationale Gemeinde! Die HĂ€lfte der Gottesdienstbesucher kommt jetzt aus der Ukraine. Wir beten zusammen und versuchen, kreativ zu sein, um zu einem geistlichen Organismus zusammenzuwachsen.

Neue Jugendgruppe

Eine neue Jugendgruppe wurde gegrĂŒndet – wir dĂŒrfen Gottes Werkzeug sein und die aussergewöhnliche geistliche Verwandlung der Teenager miterleben. Als immer mehr FlĂŒchtlinge in unsere Gemeinde kamen, teilten wir unsere Jugendgruppe in eine jĂŒngere und eine Ă€ltere Gruppe. Am Anfang mussten wir bei den Teenie-Treffen alles in drei Sprachen ĂŒbersetzen: Ukrainisch, Polnisch und Englisch (fĂŒr das Kind eines englischsprachigen Missionars aus der Ukraine). Die Sprachbarriere wurde von Monat zu Monat kleiner. Es war erstaunlich, mit welchem Eifer fast alle die Bibelverse auswendig lernten, wir benutzten jeden Tag gemeinsam das Heft «Stille Zeit» und wir evangelisierten gemeinsam.

Neue Geburten

Menschen wurden wiedergeboren! Wir beten fĂŒr die noch geistlichen Babys: Malgosia, Marysia, Amelia K., Amelia O., Veronica, Kasia, Adam, Matthew, Philip. Wie haben diese sich bekehrt? Z.B. Philip kam im April zum Sonntagsgottesdienst. WĂ€hrend des langen GesprĂ€chs sah ich, wie der Heilige Geist das Herz dieses jungen SchĂŒlers öffnete. Dann betete er und bekannte seine SĂŒnden und ĂŒbergab sein Leben Gott. Oder Kasia (Amelia K.s Mutter) sah, wie ihre 13-jĂ€hrige Tochter ein neues Leben zu Hause fĂŒhrte, treu die Stille Zeit hĂ€lt und lernte in der Gemeinde zu dienen, indem sie Klavier spielt. Letzten Sonntag vertraute sie ihr Leben Christus an. Wir haben vereinbart, uns wöchentlich zum Bibelstudium zu treffen.

Neuer Bibelkurs

Es ist fĂŒr mich die grösste Freude, einen neuen Bibelkurs fĂŒr die Neubekehrten zu leiten! Kasia hat sich diesen Menschen auch angeschlossen. Da es schwierig ist, zeitlich alles unter einen Hut zu bringen, habe ich

das Privileg, mehrmals in der Woche die Freude an solchen Treffen zu erleben. Die erste Liebe und der geistliche Hunger jedes einzelnen dieser BrĂŒder und Schwestern erbaut mich sehr.

Neuer Versammlungsort

Wir haben vorĂŒbergehend einen neuen Versammlungsort, nĂ€mlich ein Zelt. FĂŒr den Sonntagsgottesdienst sind wir nicht in unserem Gemeindehaus, das nicht nur zu klein wĂ€re, sondern sich auch in einem sehr schlechten Zustand befindet (es sollte abgerissen werden). Wir beten fĂŒr die Möglichkeit, ein neues GebĂ€ude fĂŒr die Gemeinde zu bauen oder zu erwerben. Vor uns liegen gerade die Taufe der Neubekehrten sowie monatliche evangelistische Treffen im FlĂŒchtlingsheim. Bitte betet auch fĂŒr unseren Sohn Jakub, der sein Studium am Seminar fortsetzt und eine Berufung zum Missionar hat.

fegmagazin  —  September 2023   19
Vision Europa – Polen
Jan und Marta Puchaz Gemeindeaufbau in Lodz janpuc@wp.pl

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Israel

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Frauen erhalten eine Perspektive

Die Situation vieler Frauen in Guinea ist sehr schwierig. Oft verfĂŒgen sie nur ĂŒber eine minimale Schulbildung und mĂŒssen im schlimmsten Fall ihre Kinder allein grossziehen. Aber wie? Mit unserer sechsmonatigen Hauswirtschaftsschule wollen wir ihre Chancen auf eine Arbeitsstelle erhöhen. Unter den neun Frauen, die im MĂ€rz ihre Ausbildung abgeschlossen haben, waren acht MĂŒtter und fĂŒnf davon alleinerziehend.

Die Frauen, die die Chance erhalten, unsere Schule zu besuchen, saugen das Wissen, welches wir ihnen vermitteln, förmlich auf. Dabei geht es nicht ausschliesslich um Hauswirtschaftskenntnisse: Wir sprechen auch ĂŒber Erziehung, Beziehungen, Finanzen, Gesundheit, ErnĂ€hrung und ĂŒber den Glauben. Die Schule ist ein Ort, wo die Frauen echte Anteilnahme erfahren. Sie werden ernst genommen mit ihren Problemen und wir suchen zusammen nach Lösungen. An jedem Schulmorgen erzĂ€hlen die Frauen, oft strahlend, was sie zu Hause in die Praxis umgesetzt haben. Eine Frau mit vielen gesundheitlichen Problemen hat beispielsweise ihre ErnĂ€hrung umgestellt und begonnen, mehr FrĂŒchte und GemĂŒse zu essen. Ihr Gesundheitszustand verbesserte sich deutlich und sie hat an Gewicht verloren.

Das Potential gespĂŒrt

Eine andere Frau, Hortence, wurde von ihrer Schwester zu uns gebracht und war ganz verzweifelt. Sie ist Mutter von drei Kindern in Alter von 14, 11 und 5 Jahren.

Ihr Mann hat sie von einem Tag auf den anderen aus dem gemeinsamen Haus verwiesen und so floh sie zu ihrer Schwester, deren Haus jedoch bereits voll belegt war. So baten sie uns um Hilfe. Ich spĂŒrte sofort, dass Hortence ein gutes Herz hat, und so gaben wir ihr die Möglichkeit, die Hauswirtschaftsschule zu besuchen. Der Vater der Kinder erklĂ€rte sich bereit, fĂŒr sie ein Haus zu suchen, welches sich jedoch am Stadtrand befand, gut drei Stunden Fahrt mit dem Taxi von uns entfernt. Wir haben die Kosten fĂŒr den Lebensunterhalt – Nahrung, Kleidung und Transport – ĂŒbernommen und eine befreundete Kirche in der Schweiz stiftete die Schulgelder der Kinder fĂŒr mindestens ein Jahr.

Gemeinsam vor Freude geweint

Hortence hat die Chance gepackt, keinen Schultag ausgelassen und sich jeweils morgens um fĂŒnf Uhr auf den Weg gemacht, um rechtzeitig anzukommen. Als intelligente Frau hat sie den Schulstoff gut aufgenommen und das Gelernte im Alltag angewandt. Noch vor dem Abschluss erhielt sie ein Jobangebot von einem neu eröffneten Spital ganz in ihrer NĂ€he: fĂŒr die Leitung der Reinigungsequipe – eine Kaderstelle, weil sie die Ausbildung bei uns vorweisen konnte! Wir weinten beide vor Freude ob dieser Nachricht. Ihr Vertrauen in Gott, ihr Wille und Lerneifer sowie ihre Liebe zu den Kindern haben sich gelohnt!

fegmagazin  —  September 2023   21
SAM global
Cornelia und Peter F. leben und arbeiten in Conakry, Guinea im Projekt Accueil&Admin winterthur@ sam-global.org

Ich habe mich oft als Clown gefĂŒhlt

Vor Wochen stosse ich auf eine Clown-Webseite und stelle erstaunt fest, dass sich hinter diesem Clown Pippo, den ich dort sehe, Claudius Zuber, der ehemalige Vorsitzende der FEG Schweiz, versteckt. Ich bin ĂŒberrascht und meine Neugier ist geweckt. Am Telefon verrĂ€t mir Claudius: «Ich habe mich in meiner Laufbahn oft als Clown gefĂŒhlt und irgendwie war das Clowneske immer schon in mir drin.» Dieser Lebensgeschichte gehe ich gespannt auf die Spur.

Die Ausbildung zum Clown

Eine elektrische Installation im Hause Zuber ist Auslöser fĂŒr die Ausbildung zum Clown. Dieser Elektriker erzĂ€hlt Claudius von einer Schule fĂŒr «Humor, Kommunikation und Clown» in Deutschland. «Ich hatte schon immer gerne Spass und eine blĂŒhende Fantasie. Ich lache auch immer wieder ĂŒber mich selbst! Ausserdem habe ich gelernt, dass man mit Humor viele Spannungen lösen kann.» Claudius ist Mitte FĂŒnfzig und Pastor in der FEG Rheineck und beschliesst diese Ausbildung zu machen. Seither tritt er an Firmenfesten, Familiengottesdiensten, Missionsfesten, Kinderwochen usw. auf. «Ich liebe es, Menschen die einen «Zwanzig nach acht»-Mund haben, zum Lachen zu bringen. Und es ist befreiend, dass ich stolpern und wieder aufstehen kann.» Es gibt zwar in seiner Biografie viele lustige Momente, aber auch Seiten mit Tiefen und grossen Herausforderungen.

Ausgelacht

pepelnar @gmail.com

Gott hat mich als Optimist geschaffen

«Ich bin Optimist und in mir drin ist eine Grundzufriedenheit.» Nach Abschluss der Matura beginnt er mit 20 Jahren seine theologische Ausbildung an der STH Basel. Claudius will Pfarrer in der Landeskirche werden, denn zu der Zeit ist sein Vater Pfarrer in Walzenhausen. Mit dem New Life wird Wilhelm Pahls fĂŒr eine Evangelisationswoche nach Walzenhausen eingeladen. Obwohl in dieser Woche 70 Menschen ihr Leben Jesus geben, ist der Widerstand der Kirche gegen seinen Vater riesig. «Meine Eltern wurden im Nachhinein abgewĂ€hlt. Das war ein Grund, warum ich danach eine Anstellung in einer Freikirche suchte.»

Seine Frau Margrit tut ihren Teil dazu. Er lernt sie im Jugendhaus Seewis kennen und fragt sie schon nach dem ersten Spaziergang, ob sie seine Frau werden will. Dass sie noch ein wenig Zeit haben wollte, kann ich irgendwie nachvollziehen! Die beiden werden ein Paar und da Margrit berufshalber nach Langenthal zieht, werden sie Teil der FEG Langenthal. Durch Armin Mauerhofer erhÀlt er eine Berufung zum Inlandmissionar.

Seine Eltern sind Missionare der Basler Mission in SĂŒdindien und 1955 gerade im Heimataufenthalt, als Claudius zur Welt kommt. Er lernt in Indien Armut kennen, aber auch Englisch. Die Familie kehrt 9 Jahre spĂ€ter fĂŒr immer in die Schweiz zurĂŒck. Claudius ist ein guter SchĂŒler, aber sein Selbstwert ist im Keller. «Ich war immer der Kleinste, hatte abstehende Ohren und wurde ausgelacht. Darunter habe ich sehr gelitten.» Als er im Psalm 139 liest, dass er auf eine wunderbare Art gemacht ist, heilt seine Selbstsicht. Diese tiefe Erfahrung mit dem Wort Gottes prĂ€gt das Leben von Claudius. «Mein Vater war evangelischer Pfarrer, mein Vorbild, und darum wollte ich Theologie studieren.»

22  September 2023  —  fegmagazin
FEG persönlich
Harry Pepelnar ist GemeindegrĂŒnder in Köniz und arbeitet sehr gerne 30 Prozent fĂŒr die FEG Kommunikation.

FrĂŒhling im PrĂ€ttigau

«Meine erste Stelle in Schiers war fĂŒr mich wie der FrĂŒhling im Pastorenberuf. Es ist so hilfreich, wenn die erste Pastorenstelle gut verlĂ€uft. Mir fiel es nicht schwer, mich auf die PrĂ€ttigauer einzustellen.» Er meint, dass es ihm geholfen hat, dass er zwischen zwei BrĂŒdern im Sandwich aufgewachsen ist und so vertraut ist zu vermitteln. 11 Jahre und 5 Kinder spĂ€ter, ist es fĂŒr Zubers Zeit, die Stelle zu wechseln.

Kulturschock Wetzikon

«Jakob Winzeler kam mich im PrĂ€ttigau besuchen und lud mich nach Wetzikon ein. So kam ich in eine grosse Gemeinde mit einem grossen VorgĂ€nger und einer ĂŒber 20-jĂ€hrigen Erweckungsgeschichte.» FĂŒr die ganze Familie ist der Umzug in die Vorstadt eine grosse Herausforderung. Die Kinder erleben einen massiven Einbruch in der Schule und Claudius ĂŒbernimmt sich fast am grossen Erbe. «Ich habe in den ersten Jahren viele TrĂ€nen vergossen. Ich kam in ein Vakuum, denn es gab so viele verschiedene Gruppen und Meinungen. Ich war als Vermittlerperson ĂŒberfordert.» Claudius erlebt einen ersten Zusammenbruch. Seine Frau und seine Familie stehen hinter ihm und das hilft sehr.

«Heute bin ich dankbar fĂŒr diese Zeit. Ich habe keine Bitterkeit und viel gelernt. Gott kann eine Gemeinde brauchen, um einen Pastor zu formen.» Aber auch die Gemeinde wurde positiv verĂ€ndert und Claudius erlebt die letzten Jahre in Wetzikon gut.

Schwierige Jahre als Vorsitzender

Dann wird Claudius im Jahr 2000 als Vorsitzender der FEG Schweiz gewĂ€hlt. Er sieht sich als Vernetzer und Hirte, aber zu der Zeit wĂ€re ein Manager gefragt gewesen. Der langjĂ€hrige BundessekretĂ€r kĂŒndet und viel Erfahrung geht auf einen Schlag verloren. Die GeschĂ€ftsstelle zĂŒgelt nach PfĂ€ffikon und Claudius muss erleben, wie ein SekretĂ€r nach dem anderen Burnout geht. «Als auch der letzte SekretĂ€r ausbrannte, hatte auch ich einen Zusammenbruch. Es war so demĂŒtigend vor die Delegierten zu stehen mit dem GefĂŒhl, es nicht geschafft zu haben. Aber auch diese Zeit hat mich reifen lassen. Ich habe mich mit meiner Geschichte versöhnt. Wenn ich aber heute an eine DK gehe, kommt mir das schon noch manchmal hoch.» KrĂ€ftemĂ€ssig am Ende, braucht er eine 8-monatige Auszeit. Aber wie finanzieren? Er besucht einen GeschĂ€ftsmann und fragt, ob er einen Monat ĂŒbernehmen wĂŒrde. «Ich habe dazu allen Mut gebraucht. Nach 5 Minuten hat mir dieser Mann die ganze Auszeit bezahlt. Es war ein grosser Gnadenmoment.»

Goldener Herbst

Er ist unterdessen 53 Jahre alt und wird in Rheineck zum Pastor gewÀhlt. Viel Erfahrung, Reife und Kompetenz kommen mit und er darf einen schönen Pastorenherbst in dieser Gemeinde erleben. 2021 geht Claudius in Pension und noch immer ist er aktiv im Reich Gottes unterwegs. Der Beruf hat ihn geformt und er ist noch immer positiv und optimistisch. Und vielleicht triffst du ihn mal als Clown: www.clown-pippo.ch

fegmagazin  —  September 2023   23

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Trauungen

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8. Juli 2023: Andrea Maag und Michael Fuhrmann

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26. August 2023: Tabita Werner und Mischa Stifter

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30. Juni 2023: Rahel Gerber und Steven Jack

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1. Juli 2023: Nicole und Sandro Buri

12. August 2023: Christina und Beat Fitze

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1. Juli 2023: Rebecca Oppliger und Andrin Baumann

22. Juli 2023: Rebecca Fitzi und Benjamin Eggimann

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26. August 2023: Samuel Wicki und Vania Berger

Geburten

FEG Effretikon

8. Juni 2023: Isaia Ilian, von Doro und Dave BĂŒttiker

19. Juni 2023: Emanuel, von Damaris und Roland Wettstein

4. Juli 2023: Elina, von Sarah und Tobias BĂŒttiker

FEG Uzwil

22. Mai 2023: Mateo, von Rahel und Manuel Baum

16. Juli 2023: Livia, von Katrin und Joel Buchegger

FEG Landquart

15. Juni 2023: Joana, von Rahel und Asael Senn

HasliChurch FEG Meiringen

19. Juni 2023: Aliyah Margrit, von Debi und Claude Winterberger

FEG ZĂŒrich-Albisrieden

17. Juli 2023: Gioele, von Laura und Enzo Ceci

FEG Emmen

24. Juli 2023: Joachim Andreas, von Ana Paula und Benjamin Hecker

TodesfÀlle

FEG Effretikon

3. Juni 2023: Fritz Bodenmann, geboren am 14. MĂ€rz 1943

HasliChurch FEG Meiringen

19. Mai 2023: Walter Perreten-Bangerter, geboren am 24. August 1957

FEG Langenthal

12. Juni 2023: Madeleine Schneider, geboren am 18. MĂ€rz 1932

FEG ZĂŒrich

13. Juni 2023: Gertrud SchĂŒrch, geboren am 4. September 1930

FEG Aarau

1. August 2023: Jutta Elke Fröhlich-Triesch, geboren am 16. Juli 1940

FEG Emmen

9. Juli 2023: Nika Omlin, geboren am 11. April 1957

26  September 2023  —  fegmagazin
Usem LĂ€be


Termine

1.–3. September 2023

Future Makers – Erziehungsseminar

22. September 2023

Videokonferenz FEG Schweiz

7.–14. Oktober 2023

Camp23 – FEG Jugend www.feg-camp.ch

8.–14. Oktober 2023

15.–21. Oktober 2023

Unterrichtslager I und II www.untilager.ch

14.–21. Oktober 2023

Ferienwoche fĂŒr Senioren Hotel LĂ€ndli, OberĂ€geri

4. November 2023

Kinder im Fokus Konferenz www.kifo.ch/konferenz

6.–8. November 2023

Pastorenkonferenz FEG Schweiz

18.–19. November 2023

Newleaders Teamkongress www.newleaders.ch

25. November 2023

Delegiertenkonferenz FEG Schweiz

1. Dezember 2023

Videokonferenz FEG Schweiz

26./27. Dezember 2023 – 2. Januar 2024 Neujahrslager und Familien-Neujahrslager www.neujahrslager.ch www.familien-nela.ch

Aktuelle Informationen unter www.feg.ch/agenda

fegmagazin  —  September 2023   27
Usem LĂ€be


Einheit mit Auswirkungen

Seit vielen Jahren beschĂ€ftigt mich eine Aussage Jesu ganz besonders. Er sagte zu seinen Nachfolgern: «Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! Ihr sollt einander lieben, wie ich euch geliebt habe. An eurer Liebe zueinander werden alle erkennen, dass ihr meine JĂŒnger seid.» (Joh 13,34–35).

Mich wĂŒrde jetzt brennend interessieren, was diese Aussage bei dir auslöst.

In einem Buch ĂŒber das Judentum las ich folgende Episode: Ein schiffbrĂŒchiger Jude strandet auf einer einsamen Insel und ist dort fĂŒnf Jahre lang auf sich gestellt. Endlich entdeckt ihn ein Schiff. Der SchiffbrĂŒchige fĂŒhrt den Landetrupp ĂŒber die Insel und zeigt ihm alle Dinge, die er geschaffen hat. Schliesslich fĂŒhrt er sie auch zu einem GebĂ€ude und verkĂŒndet stolz, dass dies die Synagoge sei, in der er beten gehe. «Und was ist das GebĂ€ude da drĂŒben?», fragt daraufhin einer der Besucher. «Oh, das ist die Synagoge, in die mich keine zehn Pferde brĂ€chten!»

Dieser Jude hat sich abgegrenzt, obschon er allein auf der Insel war. Verhalten wir uns Christen nicht oft Ă€hnlich? Wir grenzen uns ab, um zu zeigen, wofĂŒr wir stehen oder was wir ablehnen. Dies auch gegen Glaubensgeschwister. Manche fĂŒhlen sich gezwungen, in die Opposition zu gehen, obschon wir eigentlich gemeinsam Jesus nachfolgen. Und was ist mit der Liebe zueinander, die eigentlich in die Einheit fĂŒhren soll? NatĂŒrlich gibt es viele Bereiche, ĂŒber die wir diskutieren mĂŒssen. Aber welchen Geist haben wir in diesen Diskussionen? Sind wir auf Polarisierung oder Einheit ausgerichtet?

Seit 40 Jahren folge ich jetzt Jesus nach. Nichts hat mich mehr irritiert, als zu erleben, wie herzlos und selbstgerecht manche Christen mit ihren Glaubensgeschwistern umgehen. Da gibt es so viel Schubladen-Denken und Abgrenzung. All das erinnert mich immer wieder an diesen jĂŒdischen Witz, den ich oben wiedergegeben habe. Das macht mich betroffen und traurig. Jesus hat uns doch ganz andere Werte gelehrt.

JĂŒrg WĂŒthrich Leiter Mission in der FEG Schweiz. juerg.wuethrich@feg.ch

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