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38  DER CHOCOLATIER | THOMAS MÜLLER

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Der Spätberufene mag es farbig Beim Besuch bei Thomas Müller liegt ein unerwarteter Duft in der Luft. Süsslich? Nein, fruchtig und – vielversprechend. Doch der Reihe nach. Das Talent zum Schokoladen Créateur wird ihm in die Wiege gelegt. Von seinem Vater Heinz, Konditormeister. Aber er ignoriert es. Konsequent, jahrelang. Er entdeckt auf verschiedenen Reisen die Welt, lernt in Bangkok seine spätere Frau kennen. Erst mit Mitte 20, schon Familienvater und bisher als kaufmännischer Angestellter in einer Exportfirma tätig, zieht er die Backschürze an. Text: Denise Sonderegger | Fotos: Michael Schmid

em Lockruf der Schokolade ist er nach der Ja hrtausendwende erlegen. Zaghaft, aber mit Kreativität und Elan. Beeinf lusst von Schokolade-Kreationen aus Frankreich und Belgien macht sich der Tüftler daran, neue Kreationen zu entwickeln. «Dunkle Schokolade mit Gewürzen und Früchten zu kombinieren ist am schönsten», sagt Thomas Müller mit einem Strahlen in den Augen. Er verarbeitet für seine Spezialität, die bunten Pastels, verschiedene Früchte wie Mango oder Limetten. Während der ganzen Entwicklungsphase lässt er sich von seinem eigenen Gout leiten. Ein Gout, geprägt von einem

Thomas Müller ist Perfektionist, der mit Liebe zum Detail arbeitet. «Ich finde oft etwas in meinen Produkten, das ich verbessern kann.» Diese Unzufriedenheit ist Antrieb, sich weiter zu entwickeln. Angetrieben wird er auch von den vielen neuen Ideen. Ob es rote Schokolade-Herzen für Verliebte sind oder bunte Hühner, die auf jedem Ostertisch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Seine Liebe zum Detail zieht sich wie ein roter Faden durch das Unternehmen. Er hat die Verpackungen designt, den Internet-Auftritt umgesetzt, das Ladenkonzept entwickelt. Hier kommen seine Kenntnisse seiner ersten Ausbildung, aber auch die Liebe zur Architektur zum Tragen. «Ich bin ein Purist: Ich liebe klare, schnörkellose Linien».

Sinnliche Kreationen Pastels, eine seiner auffälligen Kreationen, bestehen aus einer Halbkugel mit farbigem Überzug. Je nach Geschmacksrichtung vom rot bis grün. Die Halbku-

«Ich arbeite gerne mit Früchten» Hauch Exotik. Das zeigt sich auch daran, dass er gerne mit asiatischen Gewürzen und Früchten arbeitet. So enthielt seine erste Praline Ingwer-Chili. Heute sind es Honey & Green Tea oder Mint & Lemon, die neben traditionellen Geschmacksrichtungen im Sortiment Platz finden.

«Ein Rezept ist nie perfekt» Es braucht viel, bis eine Kreation den Qualitätsansprüchen von Thomas Müller gerecht wird. 1/2013

geln riechen ganz leicht süsslich. Fährt man mit dem Finger über die Oberf läche, fühlt man eine angenehme Glätte. Das ganz feine Knacken zwischen den Zähnen lässt auf horchen. Das, was kommt, erfreut sämtliche Geschmacksnerven im Mund. Eine perfekt abgestimmte Symbiose zwischen süss und sauer. Gerade süss genug, ohne herb zu schmecken, angenehm süss, ohne bitter zu sein. Gut, ist Thomas Müller nicht im Büro geblieben.

Thomas Müller in seinem Laden in Schaffhausen (oben). Für die farbigen Pastels ist der innovative Chocolatier bekannt (links). Das klare Design spiegelt sich auch in der Aussenansicht wieder (rechts).

Persönlich Thomas Müller, geboren am 17.01.1971, absolvierte eine kaufmännische Lehre und arbeitete einige Jahre in einer Exportabteilung. Erst spät entschloss er sich zu einer Ausbildung zum Konditor-Confiseur, die er bei seinem Vater im Geschäft in Schaffhausen absolvierte. 2010 übernahm er das elterliche Geschäft. Dazu gehört neben einem Laden in Schaffhausen auch ein Café im Sihlcity in Zürich. Seine Eltern unterstützen ihn auch heute. Thomas Müller ist verheiratet. Seine Frau Prathuang Müller Sae-Ung führt ein kleines thailändisches Restaurant. Daneben unterstützt sie ihren Mann tatkräftig. Ihre Tochter Michelle Mai ist 12-jährig. Es kommt vor, dass sie ein neues Cupcake-Rezept kreiert. Lieblingsessen  yam nam tok (thailändischer Rindfleischsalat) Lieblingsgetränk  ein gutes Bier Lieblingsschokolade  Madagascar 73% von XOXO.PHIL Hobbies Bodybuilding, Reisen

www.chocomagazin.ch


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