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unterwegs Die Mitarbeiter- & Kundenzeitschrift von Br체ggli Ausgabe Nummer 37, Juni 2017

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www.unterwegs.brueggli.ch

Multikulti-Truppe

Den Preis wert

Hereinspaziert

Wie es l채uft, wenn zehn Nationen zusammen arbeiten.

Gedanken zum Preis und Wert unseres Tuns: Warum Br체ggli nicht billig sein darf.

Was bietet der Tag der offenen T체r am Samstag, 9. September 2017?

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Inhalt

18-21 Multikulti-Truppe Bei Brüggli arbeiten Menschen aus 28 Nationen. Besonders gross ist die Vielfalt in der MontageAbteilung. Was ist ihr Rezept für ein respektvolles Miteinander?

Brügglis Preispolitik

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Impressum Idee, Konzept, Redaktion : Michael Haller Mitarbeit : Fabian Vettori Layout-Konzept, Satz: Regina Furger Bild : Felix Gmünder, Regina Furger Titelbild : Arrangiert von Regina Furger mit einem Bild von Roger Nigg Fotos : Fotostudio Bühler, Shutterstock und Private Druck, Auflage : Brüggli Medien, 4 000 Ex. Herausgeber : Brüggli, 8590 Romanshorn www.brueggli.ch, www.unterwegs.brueggli.ch

Awards 2016 · Goldene Feder des Schweizerischen Verbandes für interne und integrierte Kommunikation SVIK in der Kategorie Texte · Bronzene Feder des SVIK in der Kategorie Texte 2015 · Internationaler Sonderpreis der European Association for Internal Communication FEIEA: «Best practice in internal magazine supporting a social project» · Silberne Feder des SVIK in der Kategorie Mitarbeitermagazine · Silberne Feder des SVIK in der Kategorie Strategien/Konzepte 2014 · Silberne Feder des SVIK in der Kategorie Texte 2013 · Silberne Feder des SVIK in der Kategorie Strategien/Konzepte 2011 · Goldene Feder des SVIK in der Kategorie Mitarbeitermagazine

Tag der offenen Tür

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Mittendrin mit guten Perspektiven Vielfalt in Wort und Bild Brügglianer: 10 Fragen an … Keine Angst vor der Angst Nachgefragt: Bereit für den grossen Tag? Der Leggero Enso ist ein Vorbild Katzen und Zebrastreifen Die Kunst des Gesichtlesens Zeichnen ist eine wundervolle Sprache «Es hat sich gelohnt» Im Praktikum bei den EHC Uzwil Hawks Das Leben ist zu kurz für langweilige Sitzungen Abwechslung inbegriffen Mein Brüggli – diesmal mit Rosmarie Anderes Brückenschlag: Mendelean GmbH Rätsel: Wer findet die fünf Unterschiede? Jubilarinnen und Jubilare

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Unterwegs für 30 Jahre Was ist Brüggli für Sie: ein Restaurant, ein Fahrradanhänger, ein Ausbildungsbetrieb, eine Druckerei oder vielleicht ein Wohnhaus? Brüggli ist, was Sie darin sehen. So funktionieren Marken: Sie leben von der Welt, die sich um sie dreht, von den Vorstellungen, Gefühlen und Erfahrungen, die man mit ihnen verbindet. Da geht’s nicht in erster Linie um materielle Werte, sondern um Emotionen.

Einblicke ins Jetzt und Hier gibt der Tag der offenen Tür am 9. September 2017 (Seite 28). Unter vielen anderen wird sich auch die Montage-Abteilung zeigen, wo zehn Nationen friedlich zusammenarbeiten. Ihr Erfolgsrezept verraten sie ab Seite 18. Wie berechnet Brüggli die Preise für seine Dienstleistungen? Rechnet Brüggli anders als Betriebe im ersten Arbeitsmarkt? Wir legen dar, warum Brüggli nicht billig sein darf – und warum es nicht nur um den Preis geht, sondern um den Wert (Seite 22). Es sind Gedanken, die uns weit über das Jubiläumsjahr hinaus beschäftigen müssen.

Es geht nicht nur um den Preis, sondern um den Wert von Brügglis Tun.

«unterwegs» thematisiert die Welt, die sich seit 30 Jahren um Brüggli dreht. Wir haben für Sie die Brüggli-Geschichte übersichtlich abgebildet (siehe Umschlag mit Klappseite) und öffnen verschiedene Kapitel: Gründungsmitglieder erinnern sich an die Anfangstage, als sie die Pfeiler errichteten, auf denen heute ein stabiles und sehr vielfältiges Brüggli steht. Es ist eine Geschichte von Mut und Wachstum; sie zeigt, was möglich ist, wenn Kopf und Herz zusammenwirken (Seite 24).

«Wir sind Brüggli»: Unser Leitspruch im Jubiläumsjahr macht deutlich, dass Brüggli von der Vielfalt und Vernetzung lebt – ein lebendiges, sich wandelndes Gefüge aus Vorstellungen, Gefühlen und Erfahrungen. Es freut mich, wenn dieses «unterwegs» dazu beiträgt, dass auch Sie sagen können: Ja, ich bin Brüggli.  ichael Haller M Leiter Unternehmenskommunikation

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i Aussens

Mittendrin mit guten Perspektiven Kristina Jankovic ist gehörlos und absolviert ein Praktikum im Marketing bei der Swissmole AG in Schöftland. Die Kommunikation klappt nach kurzer Gewöhnungszeit sehr gut. Wie findet man eine Praktikumsstelle in der Nähe seines Wohnorts im Aargau, wo Brüggli bislang noch keine Partnerbetriebe hat – und wenn man dazu noch gehörlos ist? Nur mit Networking, dem Schlagwort zur Stellensuche der heutigen Zeit? Gottseidank gibt es auch andere Wege.

Es ist eine Herausforderung für Jobcoach Melanie Schnetzer, die gemeinsam mit Kristina Jankovic das Lehrstellenverzeichnis des Kantons Aargau bearbeitet. Von über 20 Mails erreicht eines Liliane Chételat, Leiterin Administration der Swissmole AG in Schöftland, etwa 10 Kilometer südlich von Aarau gelegen. Sie wird neugierig, da sie gerade den Berufsbildnerkurs abgeschlossen hat und eine Lehrstelle anbieten möchte. Im Vorstellungsgespräch wird ein Praktikum ab Dezember 2016 vereinbart, das nun bis Ende Juli 2017 verlängert wurde.

Beginn nicht leicht war.» Sie setzt Kristina Jankovic im Marketing ein, um ihr einen Einblick in den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen und sie kennenzulernen. «Mittlerweile funktioniert unsere Zusammenarbeit so gut, dass ich es mir sehr gut vorstellen kann, Frau Jankovic als Lehrtochter zu übernehmen.» Auch die Praktikantin fühlt sich sehr wohl, schätzt die offene Kommunikation und Kollegialität und dass Liliane Chételat immer Zeit für sie und ihre Fragen findet. Die Berufsbildnerin betont: «Einen grossen Gewinn sehe ich im achtsamen Umgang miteinander.» Das ganze Team sieht Kristina Jankovic als Bereicherung; die Gehörlosigkeit hat dazu geführt, dass die Mitarbeiter nun untereinander deutlicher kommunizieren.

Es funktioniert Liliane Chételat nimmt die Herausforderung Gehörlosigkeit an: «Ich muss zugeben, dass dies zu

Der Praktikantin gefällt die abwechslungsreiche Arbeit, die sie selbständig und eigenverantwortlich erledigt. Im Vergleich zu Brüggli fallen kaum Routi-

Kristina Jankovic ist motiviert. Die Swissmole AG ist ihre Chance.

nearbeiten an. Neu ist das Arbeiten im kleinen Team mit Liliane Chételat und dem Geschäftsführer, den sie bei der Erstellung und Umsetzung des Marketingkonzepts unterstützt. «Ich kann mitdenken, anstatt stur den Arbeitsanweisungen zu folgen.» Genau richtig «Mit Glück und weil wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren, haben wir für Kristina Jankovic den geeigneten Platz gefunden», freut sich Melanie Schnetzer, die das Praktikum im Hintergrund begleitet. Eine hohe Motivation und Lernbereitschaft zeichnen die Praktikantin aus, ebenso Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit. Ihr Ziel, das dritte und letzte Lehrjahr bei der Swissmole AG zu absolvieren, liegt greifbar nah – ein aussichtsreicher Schritt für die berufliche Eingliederung.

Die Gehörlosigkeit ist auch für die Ausbildnerin eine Herausforderung.

Doris Schütz Mitarbeiterin Arbeitsassistenz


Kristina Jankovic, lernende Kauffrau EFZ, kann im Praktikum bei der Swissmole AG profitieren. Die Kommunikation mit Ausbildnerin Liliane Chételat klappt gut. Bilder: Andrin Maurer

Eine achtsame Kommunikation ermöglicht eine gute Zusammenarbeit und ist ein Gewinn fürs Team.

Swissmole AG dsc. «Willkommen bei den präzisen Erdchirurgen von Swissmole»: So begrüsst uns das Aargauer Unternehmen, das sich auf den grabenlosen Leitungsbau und auf Kern- und Diamantbohrungen spezialisiert hat. Hochpräzises Mikrotunneling, gepaart mit chirurgischem Fingerspitzengefühl und Präzision sind seine Kernkompetenzen. Ob Gas, Wasser, Strom, TV oder Fernwärme: Heute verlegt man Hausanschlussleitungen nicht mehr durch einen offenen Graben, sondern durch ei-

nen Mikrotunnel. Die deutlich kürzere Bauzeit, die intakt bleibenden Hausplätze, Gartenanlagen und Strassen sind die wesentlichen Vorteile dieser Methode. Mehr als 5 000 Unterquerungen hat die Swissmole bislang realisiert. Als zweites Standbein betreibt das Unternehmen seit 1. April 2016 eine hochwertige Autowaschanlage, die auch Lieferwagen nutzen können. Swissmole beschäftigt zehn Mitarbeitende.

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üggli ikation Mein Br ommun k s n e m h Unterne

Vielfalt in Wort und Bild Endlich raus aus dem Klassenzimmer: Während zwölf Wochen durfte ich in der Unternehmenskommunikation von Brüggli mitwirken und erhielt mehr als nur einen Einblick. Meine erste Station in der grossen und weiten Welt der Kommunikation ist Brüggli. Während zwölf Wochen durfte ich als Praktikant in der Unternehmenskommunikation meine ersten Sporen verdienen. Ich hätte es nicht besser treffen können. Wenn ich meine Zeit bei Brüggli mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es wohl «unbezahlbar». Denn all die Erfahrungen, die ich in den drei Monaten bei Brüggli sammeln durfte, sind so wertvoll, dass sie sich mit keinem Gold der Welt aufwiegen lassen. Vom ersten Tag an wurde ich in den Arbeitsalltag eingebunden und gefordert. Trockenübungen für den Praktikanten – so etwas gibt’s in der Unternehmenskommunikation nicht. Vielfältige Erfahrungen So vielfältig wie Brüggli, so vielfältig sind die Aufgaben der Unternehmenskommunikation. Für mich ergab sich dadurch die Möglichkeit, in den unterschiedlichsten Aufgabenbereichen mitzuwirken. Ich recherchierte und schrieb Beiträge für das «unterwegs» und das Intranet, entwarf und realisierte Angebotsbroschüren für die Technischen Dienste und Brüggli Industrie, konzipierte und erstellte die neue Facebook-Seite und half bei der Planung des Tages der offenen Tür mit. Zudem streifte ich Themen wie strategisches Marketing, Wirtschaftsethik und Change Management. Und ganz nebenbei konnte ich ein Konzept entwickeln zur Promotion einer neuen Pasta-Kollektion.

grosse Namen hinter sich – Namen mit den personellen Ressourcen und Budgets, welche die von Brüggli um ein Vielfaches übersteigen. Das macht das Geleistete und Erreichte nur noch bemerkenswerter, und es macht mich stolz, dass ich für zwölf Wochen ein Teil davon sein durfte. Mehr als nur Praktikant Das Wort Praktikant stand zwar unter meinem Namen in der Telefonliste, aber als ein solcher habe ich mich nie gefühlt. Ich fühlte mich ab dem ersten Tag willkommen, und es kam mir vor, als würde ich schon lange dazugehören. Ich hätte mir keine bessere Begleitung wünschen können. Egal wie hektisch und intensiv der Tag war, stets nahm man sich Zeit für mich, und keine Frage wurde als überflüssig betrachtet.

Vom ersten Tag an wurde ich in der Unternehmenskommunikation gefordert.

Da hörte es allerdings nicht auf. Durch die einzigartige Vielfalt bei Brüggli ergaben sich für mich Chancen, auch in Bereiche hineinzuschauen, wo dies bei einem gewöhnlichen Unternehmen nie möglich gewesen wäre. So durfte ich mit unserer Videojournalistin einen Film für den Youtube-Kanal realisieren, liess mir in der Druckerei die Zusammensetzung der Farben erklären und blickte im Fotostudio den Fotofachexperten über die Schultern. Klein und erfolgreich Die Unternehmenskommunikation macht aus wenig viel. Mit Leidenschaft und Herz trägt sie die Geschichten, wie nur Brüggli sie schreiben kann, nach aussen und innen – und das äusserst erfolgreich. Seit Jahren lässt die Unternehmenskommunikation von Brüggli bei Auszeichnungen regelmässig

In besonderer Erinnerung werden mir die Begegnungen auf meinen Streifzügen durch Brüggli bleiben. Die Offenheit und Herzlichkeit, mit der sich die Menschen hier begegnen, sind einzigartig. Es war äusserst bereichernd und inspirierend, hinter die Kulissen eines Unternehmens wie Brüggli zu blicken. All diese Erfahrungen haben mir geholfen, meinen Horizont über die reine Kommunikationsarbeit hinaus zu erweitern und sie werden mich ein Leben lang begleiten. Einfach nur danke Meine Zeit bei Brüggli war von begrenzter Dauer, hat bei mir aber einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nach zwölf Wochen ist mir Brüggli ans Herz gewachsen. An dieser Stelle möchte ich darum einfach nur Danke sagen. Speziell Michael Haller und seinem Team, aber auch jedem einzelnen Brügglianer, den ich kennenler-

nen durfte. Danke, dass ihr meine Zeit bei euch so unvergesslich gemacht habt. Ich werde einen Teil von Brüggli mit mir mitnehmen. Wer weiss – vielleicht trifft man sich mal wieder. Ich hoffe es. Fabian Vettori Praktikant Unternehmenskommunikation Student am Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW Bild: Felicia Markoff


Brüggli

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10 Fragen an : Kilian Hauptlin und Regina Furger

An dieser Stelle lernen Sie jeweils zwei Brüggli-Leute etwas näher kennen. Diesmal Regina Furger, Teamleiterin Unternehmenskommunikation, und Kilian Hauptlin, Teamleiter Technische Dienste. Ein Geruch, auf den Du sofort reagierst: Kilian: Frischer Kaffee. Regina: Fichtenwald. Und selbstgeröstete Chilipaste fürs Thaicurry: Tränenalarm. Eine Sportart, bei der Du gerne zusiehst: Kilian: Zum Leidwesen meiner Frau schaue ich zu jeder Zeit jede Sportart gerne. Regina: Eiskunstlauf; Sport mit Musik verbunden, das ist Energie pur. Ein Gebäude oder Wahrzeichen, das Du gerne von Deinem Schlafzimmerfenster aus sehen würdest: Kilian: Da ich sehr naturverbunden bin, hätte ich am liebsten kein Gebäude vor meinem Fenster. Am besten schlafen könnte ich mit Blick in die freie Natur. Regina: Gardens by the Bay in Singapore oder das Zervraila-Horn bei Vals. Wann warst Du zum letzten Mal richtig glücklich? Kilian: Ich habe das grosse Glück, die coolste Tochter der Welt zu haben, Sie macht mich jeden Tag richtig glücklich. Regina: Beim Schnorcheln auf Flores über einem riesigen, intakten Korallenriff – da stand die Zeit still. Der Sänger, die Sängerin oder die Band, die Du momentan am häufigsten hörst: Kilian: Linkin Park und die älteren Klassiker wie Queen, Pink Floyd, Aerosmith oder Nirvana. Regina: Parov Stelar, Pink, Moby, Matt Andersen und alles mit Gitarre.

Welchen Wunsch möchtest Du Dir unbedingt erfüllen? Kilian: Zurzeit läuft mein Leben ziemlich perfekt und ich wünsche mir, dass es so weitergeht. Regina: Mit Rucksack und Kamera Madagaskar bereisen. Wenn Du einen Tag die Welt regieren könntest, was würdest Du dann ändern? Kilian: Es würde sicherlich einen stressigen Tag geben, denn ich würde sämtliches Kriegsmaterial eliminieren, die Atomwaffen in Energie umwandeln, die weltweite Vermögensschere ausgleichen, Monarchien durch Demokratien ersetzen, die Gleichstellung der Geschlechter schaffen, Regenwälder aufforsten, die Weltmeere säubern, und Neuchâtel Xamax würde in der Champions League spielen. Regina: Strategien entwickeln, um das Müllproblem auf dieser Welt zu beseitigen und Korruption zu verunmöglichen. Und Innovation als Schulfach verankern. Wenn Du einen eigenen Fernsehsender hättest, was würde darauf laufen? Kilian: Sport, Krimi und keine Werbung. Regina: Geschichten über Menschen, die mit Bescheidenheit und einer guten Idee viel bewegen. Was ist das beste Gerücht, das Du über Dich gehört hast? Kilian: Leider ist mir noch kein Gerücht zu Ohren gekommen. Regina: Dass ich nach Sumatra auswandern will. Beschreibe Dich in drei Worten: Kilian: Aufgestellt, ehrgeizig und fair. Regina: Ideenreich, empathisch, integer. Notiert: mha Bild: Natasha Larocca

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Lernen

Keine Angst vor der Angst Die jährlichen Lehrabschlussprüfungen und Qualifikationsverfahren stellen Lernende vor eine grosse Herausforderung. Da kann es schon mal vorkommen, dass der Stress die Überhand gewinnt. Unsere Ausbildner helfen mit praktischen Tipps weiter.

Floriano Santoro, Teamleiter Bildung

Kerstin Stadler Heiss, Teamleiterin Bildung

Jeder Mensch ist individuell und somit ist auch der Grund für Angst bei jedem ein anderer. Aber egal wovor man sich fürchtet, wichtig ist, dass man keine Angst vor der Angst hat, sondern diese akzeptiert. Man sollte mit einer positiven Einstellung an die Prüfungen gehen und sich selber sagen: Ich kann das. Manchen hilft es auch, wenn man selber positive Bilder im Kopf erzeugt, in denen man sich selber mit der bestandenen Prüfung sieht. Ich habe mir zum Beispiel bei Prüfungen immer vorge-

stellt, ich sei ein Samurai. Dadurch war ich immer fokussiert und voll bei der Sache. Ich schlüpfte aus mir selber in eine andere Rolle mit einer Mission. In meinem Fall war die Mission, die Prüfung zu bestehen. Ein bisschen Lampenfieber gehört aber immer dazu und das soll auch so sein. Denn das dadurch ausgeschüttete Adrenalin strömt durch unseren Körper und macht uns wach und aufmerksam − besser als jeder Kaffee oder Energydrink!

Jeder Mensch hat Angst, das liegt in unserer Natur. Somit ist Prüfungsangst etwas Natürliches, für das sich niemand zu schämen braucht. Wichtig ist, dass man sich rechtzeitig damit auseinandersetzt. Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Wer früh anfängt sich vorzubereiten, der ist umso entspannter, je näher der Prüfungstermin rückt. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass ein Lernplan dabei eine gute Hilfe sein kann – er bringt Struktur in den Lernprozess. An der Prüfung selber sollte man sich die richtige Strategie zurechtlegen: immer zuerst einen Überblick verschaffen und dann mit den einfachen Aufgaben

beginnen. Denn jede abgeschlossene Aufgabe fördert das Selbstvertrauen. Wer an der mündlichen Prüfung einen Blackout hat, muss nicht verzagen. Man darf ruhig zugeben, dass man den Faden verloren hat. Die Experten helfen einem in der Regel gerne weiter. Man sollte sich immer bewusst sein: Sie wollen nur wissen, was man weiss, und nicht was man nicht weiss.

Positive Einstellung Unsere Gedanken beeinflussen unser Befinden. Wer sich sagt, er werde eine Prüfung nicht bestehen, wird es schwer haben, diese erfolgreich abzuschliessen. Nehmen Sie eine positive Geisteshaltung ein und Sie werden sich gelassener und konzentrierter fühlen.

Viel Wasser, kein Koffein Trinken Sie vor und während der Prüfung genügend Wasser. Dies fördert die Konzentration. Verzichten Sie zudem auf Kaffee und Energydrinks – diese machen nur noch nervöser. Traubenzucker und Studentenfutter sind effektivere Alternativen.

Fabian Vettori Praktikant Unternehmenskommunikation

Tipps Gute Vorbereitung Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Wer sich gut auf eine Prüfung vorbereitet, fühlt sich am Prüfungstag automatisch sicherer. Beginnen Sie rechtzeitig mit der Repetition des Prüfungsstoffes. Erstellen Sie einen Lernplan, damit nichts vergessen geht. Wenn Sie vor der Prüfung sitzen, werden Sie sich bewusst, was für eine gute Vorbereitung Sie geleistet haben. Viel Bewegung Sport hilft beim Stressabbau. Wer sich also viel bewegt, tut nicht nur seiner Gesundheit was zuliebe, sondern ist auch entspannter in Stresssituationen. Dabei muss es nicht zwingend ein zweistündiger Fitnessmarathon sein – auch ein Spaziergang wirkt Wunder.

Bequeme Kleidung Wer sich in seiner Kleidung wohlfühlt, wirkt automatisch sicherer. Tragen Sie also eine bequeme, angemessene Kleidung. Dies stärkt Ihr Selbstbewusstsein und erleichtert ein sicheres Auftreten und Überzeugen.

Pünktlichkeit Wer auf eine Prüfung stressen muss, setzt sich selber enorm unter Druck – keine guten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Bestehen. Teilen Sie sich die Zeit bis zur Prüfung gut ein und planen Sie eine Reserve für unvorhergesehene Ereignisse, beispielsweise ein Verkehrsstau, ein. Lieber zu früh an einer Prüfung als zu spät.


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Bereit für den grossen Tag? Es ist wieder so weit – die jährlichen Abschlussprüfungen und Qualifikationsverfahren stehen an. Wie läuft die Vorbereitung bei den Prüflingen?

Seraina Schnell Restaurationsangestellte EBA Es ist wichtig, dass man die Abschlussprüfung nicht unterschätzt und die Zeit bis dahin gut nutzt. Ein wenig Bammel vor dem grossen Tag habe ich schon – schliesslich gehört eine LAP ja nicht zum Alltag. Ich erhalte aber viel Zuspruch von meinem Umfeld, und die Vorbereitungen bei Brüggli liefen auch gut. Zum Glück kommt der Praxisteil zuerst, das gibt mir mehr Selbstvertrauen für die Theorieprüfung.

Fernando Moreno Rietmann Informatiker EFZ Systemtechnik Da wir unsere Schwerpunktfächer bereits abgeschlossen haben, bleibt im Sommer noch eine grössere Projektarbeit als LAP. Die Probearbeit ist gut gelaufen, das gibt mir Sicherheit. Ich habe keine Angst, nicht zu bestehen. Vielmehr freue ich mich auf die Projektarbeit, da ich das Gelernte endlich anwenden kann. Unterschätzen werde ich die Arbeit aber nicht.

Jessica Locher Logistikerin EFZ Da ich letztes Jahr bereits als Logistikerin EBA abgeschlossen habe, kenne ich mich mit Abschlussprüfungen bereits aus. Aus diesem Grund bin ich auch nicht so nervös, ich habe ja alles schon mal durchgespielt. Die Vorbereitungen bisher liefen super. Ich konnte mein Wissen ohne Probleme wiedergeben.

Katharina Chaabani-Mente Hauswirtschaftspraktikerin EBA In den letzten zwei Jahren habe ich viel gelernt und fühle ich darum gut vorbereitet. Klar werde ich an der Prüfung nervös sein, aber ich gehe das Ganze mit einer positiven Einstellung an. Meine Familie und Freunde glauben an mich, das macht mir Mut.

Larissa Kuratli Küchenangestellte EBA Wenn ich an die Prüfungen denke, kribbelt es schon ein wenig im Magen. Die Zeit geht dabei immer so schnell rum. Bisher bin ich auf einem guten Weg mit meiner Vorbereitung, aber es gibt immer Sachen, die man noch anschauen kann. Mein Tipp gegen den Stress vor der Prüfung: Geht raus an die frische Luft.

Natascha Rennie Restaurationsangestellte EBA Ein bisschen Nervosität ist da, aber viel grösser ist die Motivation, dass es endlich fertig ist und man einen Abschluss in der Tasche hat. Die Vorbereitung verlief bisher super – auch dank der Unterstützung von Brüggli. In der Schule haben wir Tipps bekommen, wie man mit Prüfungsangst umgeht. Am besten hilft mir, wenn ich Musik höre. Meine Lieblingslieder helfen mir zu entspannen.

 otiert: Fabian Vettori N Praktikant Unternehmenskommunikation Bilder: Manuel Zobrist, Fabian Meyer

Angelo Blum Hauswirtschaftspraktiker EBA Der Gedanke an die Prüfungen macht mich ein wenig nervös. Ich bin aber auch froh, dass es im Sommer durch ist. Die Vorbereitung lief bisher auch super. An der Prüfung habe ich dann meinen Glücksbringer dabei. Dieser hat mir bisher immer geholfen.

Kevin Aebi Logistiker EFZ Meine Nervosität hält sich in Grenzen. An der Prüfung werde ich mein Bestes geben, schliesslich bestimmt diese meine berufliche Zukunft. Da muss man was dafür machen. Wenn ich doch noch nervös werde, hilft mir die Musik. Bei Jazz und Blues kann ich mich gut entspannen.

Linus Steiger Produktionsmechaniker EFZ Ein wenig nervös bin ich schon, aber auch erwartungsvoll. Ich hoffe einfach, dass alles gut kommt. In der Schule haben wir uns gut vorbereitet. Für den Theorieteil habe ich gute Vornoten – das gibt mir Sicherheit. An der Prüfung ist die richtige Einstellung wichtig. Man sollte einfach ruhig und konzentriert bleiben, dann klappt es schon.

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Industr

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Der Leggero Enso ist ein Vorbild Wenn selbst eine Prüfinstanz wie der TÜV in seinen Fachpublikationen den Leggero Enso abbildet, dann ist das eine grosse Ehre. Der TÜV Süd prüft unter vielem anderem auch Kinder- und Lastenfahrradanhänger. In einer Publikation, in welcher der TÜV auf seine Prüfdienstleistungen hinweist, zeigt er exemplarisch einen Leggero Enso. Ein schönes Symbol: Wenn die kritische Prüfinstanz den Leggero Enso abbildet, dann darf das als Bekenntnis zur Leggero-Qualität verstanden werden. Eine Art Ritterschlag? «Auf jeden Fall freue ich mich sehr darüber», sagt Adrian Hungerbühler, Leiter von Brüggli Industrie. Dass selbst der neutrale TÜV sich so zum Leggero Enso bekenne, das sei schon grossartig.

wurden mehr als 50 chemische Tests unternommen, bis der REACH-Verordnung Genüge getan war (REACH: Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals). Diese Verordnung ist Grundlage für das Schadstoffzertifikat, welches der TÜV erfolgreich an Leggero verliehen hat. Darüber hinaus wird die Materialbeschaffung so gestaltet, dass ein wesentlicher Teil der verwendeten Materialien aus Europa stammt. Auch dies ist ein wesentliches Differenzierungsmerkmal

Im Leggero Enso steckt viel Qualität. Davon ist auch der TÜV überzeugt.

Es kommt nicht von ungefähr Das muss man sich verdienen; es kommt nicht einfach so. Brüggli Industrie hat viel getan für den guten Ruf der Leggero-Produkte. So ist der Leggero Enso über das TÜV-Siegel hinaus auch mit dem Design Preis Schweiz gesegnet. In der Entwicklung, die mit den Ingenieuren und Designern von Tribecraft in Zürich stattgefunden hat, stecken Herzblut und Liebe zum Detail. Für das Textilverdeck, zum Beispiel,

Der TÜV hat den Leggero Enso getestet.

gegenüber den Mitbewerbern, denn rund 90 Prozent aller Kindertransportsysteme werden heute in Fernost hergestellt. Ein Innovationstreiber Bei Brüggli in Romanshorn sind der Leggero Enso und die weiteren Produkte aus der Leggero-Familie fester Teil der Geschichte – und sie sind auch für die Zukunft von Brüggli wichtig. Brügglis Eigenprodukte tragen zu guter, sinnstiftender Arbeit und wirtschaftlicher Selbstbestimmung bei. Und sie sind ein Innovationstreiber: Die Entwicklungsarbeit geht weiter. Leggero wird mit weiteren Produkten von herausragendem Design und cleverer Technik auf sich aufmerksam machen. Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation


Der Leggero Enso ist ein Multitalent. Bilder: Samuel Herrmann

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An der Hofstrasse zwischen Brüggli und Campus. Bild: Samantha Schoch, Seline Widmer

Katzen und Zebrastreifen Die schwarze Katze mustert konzentriert den Strassenabschnitt. Plötzlich rast ein Auto vom Kreisel heran und die Katze weicht erschrocken zurück. So wie ihr erging es mir selbst schon oft. Wenn man die Strasse zwischen Brüggli und dem dazugehörenden Campus überqueren will, ist grosse Aufmerksamkeit erforderlich. Die kurvige Strasse erschwert die Sicht enorm. Viele Automobilisten fahren sehr schnell in Richtung Zentrum. Es erstaunt nicht wirklich, dass jeder vierte Verkehrstote in der Schweiz, gemäss Statistik, ein Fussgänger ist. Bei Kindern zwischen 5 und 14 Jahren sind Verkehrsunfälle sogar die häufigste Todesursache. Insgesamt verursachen alle Fussgängerunfälle (3’000 Personen, ein Drittel davon Kinder) jährlich 250 Millionen Franken an Kosten.

ÖV-Partei, die den Automobilisten generell als gehfaulen Machoraser pointieren. Ihnen beiden ist gemein, dass sie sich jeweils selbst in einer Opferposition sehen. Der Automobilist wirft dem Fussgänger im Allgemeinen fehlende Aufmerksamkeit vor, der Fussgänger überquere immerhin die Strasse und somit den natürlichen Lebensraum des Automobilisten. Der Fussgänger besitzt mit dem Argument des Kinderschutzes auch einen festen Kritikpunkt am vermeintlich gehfaulen Raser.

Jeder vierte Verkehrstote in der Schweiz ist ein Fussgänger.

Autofahrer wie Fussgänger sind zu gegenseitiger Rücksichtnahme verpflichtet.

Mobilisierte Gemüter Im Internet wird diese Problematik lebhaft in den Kommentarspalten von Onlinezeitungen diskutiert. Es gibt Autofahrer, die sich sehr bunt über verstöpselte «Smartphonezombies» auslassen. Dann gibt es noch die Velo-/

ose mit seinem Gefährt eingegangen ist und sein Auto nie verlässt. Der Fussgänger scheint für den Autofahrer ein auf das Smartphone fokussierter Zombie zu sein, der sich nicht für seine unmittelbare Umgebung interessiert. Die Fronten sind verhärtet.

Schnittpunkte sind in den endlosen Diskussionen wenige zu finden. Es wird generalisiert, das Vorurteil ist ein beliebtes Stilmittel. Man ist versucht anzunehmen, dass der Automobilist eine Symbi-

Eine Insel für Brüggli? Zurück beim Brüggli hat es die Katze nach dem zweiten Anlauf geschafft, die Strasse zu überqueren. Auch bei sieben Katzenleben bleibt der Abschnitt gefährlich. Bei der erhöhten Frequenz zwischen Brüggli und Campus wäre die Schaffung eines Zebrastreifens eine sinnvolle Massnahme. Auch wenn der Fussgänger jederzeit das Vortrittsrecht geniesst, ist der Bremsweg für den Autofahrer oft zu kurz. Ein Fahrer, der oft diese Strecke benutzt, registriert einen allfällig neuen Zebrastreifen in kurzer Zeit.


Wäre eine Fussgänger-Insel auf der Strasse zwischen Campus und Brüggli eine Lösung?

Tipps für mehr Sicherheit Fussgängerinnen oder Fussgänger haben Rechte und Pflichten wie alle anderen Strassenbenützer:

Das Problem bei der Erstellung eines Fussgängerstreifens ist, dass der Trend eher in eine andere Richtung geht. Gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU entsprechen ungefähr die Hälfte der 45 000 Fussgängerstreifen nicht den Normen des Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute (Stand 2012). Deshalb werden aktuell viele Zebrastreifen entfernt oder durch einen Übergang ohne gelbe Streifen mit einer Mittelinsel versehen. Eine solche Lösung wäre für den Strassenabschnitt zwischen Brüggli und Campus ideal. Der Fussgänger müsste sich in diesem Fall auf die Fahrbahn konzentrieren und der Automobilist wüsste, dass dieser Übergang oft benutzt wird. Alle würden davon profitieren, ausser einer gewissen schwarzen Katze. Marcel Kessler Mitarbeiter Integrationsmassnahmen

• Signalisieren Sie Ihre Absicht, die Strasse zu überqueren, indem Sie sich gut sichtbar positionieren, und suchen Sie wenn irgend möglich den Blickkontakt mit dem Fahrzeuglenker. • Achten Sie auf die aus den verschiedenen Richtungen kommenden Fahrzeuge. • Das Vortrittsrecht ist nie absolut. Seien Sie sich bewusst, dass jedes Fahrzeug eine gewisse Strecke braucht, um anzuhalten. • Betreten Sie den Fussgängerstreifen erst, wenn das Fahrzeug angehalten hat. Überqueren Sie die Strasse zügigen Schrittes (Kinder, nicht rennen!). • Betreten und überqueren Sie die Strasse nie abrupt. • Falls es in weniger als 50 Metern Entfernung einen Übergang gibt, müssen Sie ihn zum Überqueren benutzen. • Vergewissern Sie sich, dass die Fahrzeuge auf allen Spuren anhalten, wenn Sie eine Strasse mit mehreren Fahrbahnen in derselben Richtung überqueren. • Überqueren Sie eine Strasse oder Kreuzung ohne Übergang nicht diagonal, sondern rechtwinklig zum Fahrbahnverlauf. • Überqueren Sie die Strasse nie bei Rotlicht oder direkt hinter oder vor einem Tram oder Bus. • Seien Sie nachts doppelt vorsichtig, denn die Automobilisten nehmen Fussgänger in der Dämmerung und im Dunkeln schlechter wahr. Tragen Sie helle, reflektierende Kleider. • Falls Sie einen Fussgängerstreifen mit dem Velo überqueren wollen, steigen Sie ab und stossen Sie das Rad. Quelle: TCS

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Zeig mir dein Gesicht und ich sag dir, wer du bist «Die Augen sind das Tor zur Seele», «Sich eine goldene Nase verdienen» oder «Jemandem die Stirn bieten»: Unsere Sprache kennt unzählige Wortbilder, die sich auf unser Gesicht beziehen. Das ist kein Zufall. Montagmorgen, 7.11 Uhr, im Intercity von Amriswil in Richtung Romanshorn. Eine junge Frau setzt sich gegenüber von mir ins Abteil, holt ihr Mobiltelefon hervor und starrt auf den Bildschirm. Plötzlich verzieht sie angewidert das Gesicht. «Oha, da muss ihr etwas aber gar nicht gefallen haben», denke ich mir. Unbewusst habe ich etwas getan, was vor mehreren Tausend Jahren seinen Ursprung fand: Gesichtlesen.

die Gelehrten vom antiken Griechenland bis ins Mittelalter die Gesichtszüge der Menschen. Im Mittelalter verurteilte die Kirche das Handwerk als heidnisch und verbot das Gesichtlesen. Erst in der Neuzeit ab dem 15. Jahrhundert erhielt das Gesichtlesen wieder einen Aufschwung.

Das Wesen eines Menschen spiegelt sich in seinem Gesicht wider.

Jahrtausendealte Kunst Von Gesichtlesen spricht man, wenn jemand anhand des Gesichts einer Person Aussagen über deren Persönlichkeit, Gefühlszustand oder auch Gesundheit macht. Dabei geht man davon aus, dass der Charakter, die Gefühle sowie das Wohlbefinden eines Menschen sich in seinem Gesicht widerspiegeln. Die Form der Augenbrauen, die Länge der Nase und die Ausrichtung der Mundwinkel – das Gesicht spricht eine eigene Sprache.

Für Anfänger und Profis Doch was bringt das Gesichtlesen? Gemäss Gesichtlese-Experten geben die Form und der Ausdruck unseres Gesichts in Kombination mit der Stimme und der Körperhaltung Aufschluss über unser Wesen. Wer diese Zusammenhänge versteht, lernt mehr über sich selbst. Zudem macht es uns sicherer im Umgang mit anderen Menschen – im Beruf wie im Privatleben.

Auch die Polizei setzt bei Befragungen auf die Gesichtsanalyse.

Die Anfänge dieser Kunst liegen im Fernen Osten. Vor über 2 000 Jahren entstand in China die Kunst des Gesichtlesens, Siang Mien genannt. Genau datieren lässt sich der Ursprung jedoch nicht, da die Chinesen ihr Wissen über Generationen hinweg nur mündlich überlieferten. Auch in Europa erforschten

Heutzutage gibt es immer mehr Gesichtleser, die in Seminaren ihre Dienste anbieten. Auch die Polizei setzt bei der Befragung von Verdächtigen auf die Analyse der Gesichtszüge, um Falschaussagen zu erkennen. Gesichtlesen ist aber nicht nur etwas für Profis. Wir alle machen es Tag für Tag ganz unbewusst – ob bei der Arbeit oder im Zug. Fabian Vettori Praktikant Unternehmenskommunikation Illustration: Angela Vergara, lernende Grafikerin


Verschiedene Methoden des Gesichtlesens Antlitzdiagnostik

Die Antlitzdiagnostik ist die Erkennung von Krankheiten anhand des Gesichts. Sie geht davon aus, dass sich Krankheit und körperliche Defizite im Gesicht erkennen lassen, bevor sie im Körper auftreten. Berücksichtigt werden dabei Hautverfärbungen, Glanz- und Schattenbildungen sowie Schwellungen und Falten. Erfahrene Antlitzdiagnositker können zudem nicht nur allfällige Krankheiten, sondern auch den Weg zur Besserung im Gesicht ablesen.

Irisdiagnostik

Mittels der Irisdiagnostik lassen sich Rückschlüsse auf die Gesundheit und die Persönlichkeit einer Person ziehen. Der Fokus liegt dabei nur auf den Augen. Beachtet werden unter anderem die Grösse, Form und Farbe.

Physiognomik

Die Physiognomik gibt durch die Analyse des Körperbaus und der Gesichtszüge einer Person Aufschluss über deren Charakter und Persönlichkeit. Aus der Physiognomik entwickelten die Chinesen die Kunst Siang Mien, wodurch sich auch das Schicksal einer Person aus dem Gesicht ablesen lassen soll.

Mimik

Der Mensch besitzt 43 Gesichtsmuskeln, mit denen er über 10 000 Emotionen und Empfindungen ausdrücken kann. Eine wichtige Rolle spielen dabei die «Mikro-Ausdrücke». Diese dauern nur einen Bruchteil einer Sekunde und lassen sich kaum unterdrücken. Ein ungeschultes Auge kann diese nicht erfassen. Profis können jedoch mittels einer Analyse der Mimik Lügen erkennen.

Gesichtlesen macht uns sicherer im Umgang mit anderen Menschen – im Beruf und im Privatleben. unterwegs 0617 |

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t Was gut

«Gesichtlesen nützt» Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Brüggli kommen in den Genuss eines Seminars im Gesichtlesen mit Stuart Goodman. Wir haben uns mit ihm über den Nutzen unterhalten. Was nützt eine Gesichtsanalyse? Stuart Goodman: Kein Mensch gleicht dem anderen. Jeder ist ein Unikat. Die Besonderheiten in unseren unterschiedlichen Erscheinungs- und Ausdrucksformen machen das Gesichtlesen und die Charakteranalyse zu einem praktischen Hilfsinstrument für Tätigkeiten im Gesundheits-, Naturheil-, Psychologie-, Beratungs-, Führungs-, Erziehungs-, Bildungs- und Sozialbereich. In allen Beziehungen, ob privat oder geschäftlich, hilft uns die Psycho-Physiognomik, unsere Mitmenschen besser zu erkennen und zu verstehen.

Was hat ein Unternehmen wie Brüggli davon? Das Gesichtlesen hilft zum Beispiel im Bewerbungs- und Anstellungsprozess: Mithilfe des Gesichtlesens können Fehlentscheidungen gleich beim Vorstellungsgespräch vermieden werden. Weitere Vorteile: Sie können angeborene und erworbene Anlagen, Berufseignung, Verhaltensmuster, Führungsqualitäten sowie Charakterzüge Ihres Gegenübers erkennen. Verkäufer zum Beispiel können so gezielter auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen und sind somit erfolgreicher. Das Gesichtlesen unterstützt Brüggli dabei, das menschliche Potenzial erfolgreich einzusetzen; es dient dem verständnisvollen Umgang miteinander – überall, wo Menschen miteinander in Beziehung stehen.

Kleidung, Farben usw. Eine umfassende Analyse braucht Zeit, etwa 60 bis 90 Minuten; der Mensch sollte als Ganzes wahrgenommen werden: ohne Vorurteile, ohne zu werten. Es braucht Neutralität und Objektivität. Erst wenn alle Fakten «sichtbar» sind, ist ein Profil erstellt.

Wie funktioniert Gesichtlesen? In einer Gesichtsanalyse «liest» man den Körper, den Kopf, die Hände und das Gesicht als Ganzes. Anhand von Gesichtsmerkmalen wie Nase, Ohren, Mund oder Stirn zum Beispiel erlangt man Kenntnisse über körperliche Stärken, gesundheitliche Schwächen, individuelle Charaktereigenschaften und Talente. Eine Analyse beinhaltet, was einen Menschen auszeichnet und charakterisiert: Mimik, Körpersprache, Stimme, Sprache, Physiognomik,

Was erhoffen Sie sich vom Mitarbeiter-Infotag bei Brüggli: Was sind Ihre Erwartungen? Ich möchte die Menschen von Brüggli motivieren und inspirieren, offen und neutral zu sein, sich selber und anderen gegenüber. Ich möchte auf eine einfache und lustige Art und Weise zeigen, dass jeder von uns Talente und versteckte Potenziale hat. Ich erwarte einen spannenden Tag mit vielen interessanten Begegnungen mit vielen sympathischen und vielseitigen Menschen.

«Wer offen und neugierig ist, wird nicht enttäuscht sein.»

Wie konkret kann man das einsetzen? Überall, ob am Arbeitsplatz, in der Freizeit, mit Freunden, Bekannten und Unbekannten. Wer sich selbst und andere besser versteht, tritt selbstsicherer auf und kann besser auf andere eingehen, weil man sie besser einschätzen kann. Auf den Punkt gebracht: Sie können dieses Wissen nutzen, um sich selbst besser zu erkennen und die eigenen Talente zu entdecken und zu fördern. Genauso können Sie es verwenden, um andere Menschen, deren Denkweise, Verhalten und Bedürfnisse besser zu verstehen.

Stuart Goodman analysiert die Gesichtszüge. Bild: pd

Was antworten Sie einem Skeptiker, der sagt, das sei Hokuspokus? Gesichtlesen ist eine effektive Technik, die seit vielen Tausend Jahren in zahlreichen Kulturen erfolgreich praktiziert wird. Neben den Chinesen waren auch andere Hochkulturen mit dieser Technik vertraut. Eine Analyse hat einen strukturierten, systematischen Aufbau mit vielen Elementen, die ein ganzheitliches Bild ergeben; das setzt jahrelanges Training und eine fundierte Ausbildung voraus. Wer offen und neugierig ist, wird nicht enttäuscht sein. Überzeugten Kritikern kann ich leider nicht helfen.

Interview: Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation


Zeichnen ist eine wundervolle Sprache «Es ist schon fast eine Obsession», sagt Angela Vergara über ihre Leidenschaft, das Zeichnen. Darauf ist nun auch der FC Zürich aufmerksam geworden. Moussa Koné, Stürmer beim FC Zürich, landet den Ausgleichstreffer zum 1:1 in der Europa-LeaguePartie gegen Steaua Bukarest. Angela Vergara verewigt diesen Moment der Euphorie in einer Illustration. Das macht sie auf Einladung von Sven Müller, seit Kindheit ein grosser FCZ-Fan, der mit ihr bei Brüggli Medien zusammengearbeitet hat. «Ein äusserst gelungenes Retro-Bild», schreibt der FC Zürich in seinem Matchmagazin, wo das Werk ganzseitig in Originalgrösse abgebildet ist. Angela Vergara freut sich sehr – besonders auch, weil ihre Illustration im FCZ-Museum aufgehängt ist. «Irgendwie surreal», sagt sie, «ich glaub’s noch gar nicht.» Für Superhelden und Freunde Für sie sei das Zeichnen nicht weniger als ein Lebensinhalt. Inspiriert von ihrer grösseren Schwester, greift sie schon als Zweijährige zum Malstift. Manga-Comics wie auch Marvel-Helden wie Ironman, Superman oder Captain America gehören früh zu ihren Lieblingsmotiven. Angela Vergara entwickelt darüber hinaus ihren eigenen Stil. Praktisch für Geburtstage oder Weihnachten: Während andere sich den Kopf zerbrechen über das passende Geschenk, sorgt Angela Vergara mit einem Portrait, das dem Beschenkten schmeichelt, für eine gelungene Überraschung.

Eine universelle Sprache Ob zur Freude des Fussball-Enthusiasten, zum Abschied der Praktikantin oder zum Zweck einer Verlosung in Brügglis Magazin «unterwegs»: Angela Vergara sieht in ihren Illustrationen ein Geschenk an die Menschen. Freude bereiten, überraschen und inspirieren: Daran liege ihr. Sie, die sich eloquent ausdrückt und ihre Worte sorgfältig sortiert, sagt auch: «Ich bin nicht so gut mit den Worten. Die Zeichnungen sind für mich eine Sprache, die man gut versteht, egal wer man ist oder wie man ist.» Den Traum zum Plan gemacht Wen wundert’s, dass die Grafik-Lehrtochter zuhause mappenweise Entwürfe lagert und ihre Tagebucheinträge in Form von Zeichnungen macht. Die Welt ist reich an Motiven – und Angela Vergara schöpft aus dem Vollen. Ihr Traum: ein Bachelor-Studium in Illustration, gleich nach der Ausbildung zur Grafikerin, um ihre Talente weiterzuentwickeln.

Angela sieht ihre Illustrationen als Geschenk an die Menschen.

Von Hand und am Computer Das zehnte Schuljahr mit Fokus auf Gestaltung und Druck und daraufhin der gestalterische Vorkurs nähren ihren Wunsch, in einem Beruf Fuss zu fassen, wo das Zeichnen und Illustrieren wesentlich sind. Was ihr auch wichtig ist: Sie möchte das klassische Zeichnen mit der Gestaltung und Bildbearbeitung am Computer verbinden. Es vergehen einige Jahre, in denen das Leben sie durchschüttelt, bis Angela Vergara mit Brüggli in Kontakt kommt. Und dann geht alles rasch: Eine Abklärung belegt ihr Potenzial. Sie kann in ein Vorbereitungsjahr einsteigen und im Sommer 2017 die Ausbildung zur Grafikerin beginnen. Es ist eine grosse Chance – und Angela Vergara packt sie mit beiden Händen.

Wir werden von Angela Vergara noch viel zu sehen bekommen. Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation Angela Vergara lernt Grafikerin bei Brüggli Medien. Bild: Felicia Markhoff

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Ein Hoch auf die Vielfalt Grossbritannien wird aus der EU austreten und die USA wollen eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten. Überall auf der Welt wird über die Entwicklung unserer multikulturellen Gesellschaft diskutiert – auch in der Schweiz. Wer in der Schweiz am Samstagabend auswärts essen gehen will, hat die Qual der Wahl. Wie wäre es mit einer Lasagne al Forno in der nächsten Pizzeria? Oder doch lieber Sushi beim Japaner? Ein Dürüm mit Zwiebeln und scharfer Sauce ist auch nicht zu verachten. Dass wir uns über die Restaurantauswahl so den Kopf zerbrechen können, zeigt, wie sich die Schweiz in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Wir leben heute in einer multikulturellen Gesellschaft.

Kleine Schweiz, grosse Vielfalt Wenn an einem Ort oder in einem Land Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen leben, nennt man das eine multikulturelle Gesellschaft. Das vielfältige Angebot an Restaurants ist nur eine der Auswirkungen des multikulturellen Austausches. In der Schweiz leben über 8,5 Millionen Menschen. Rund ein Viertel davon sind Personen mit Migrationshintergrund. Ob beim Einkaufen im spanischen Spezialitätenladen

Studien zeigen: Multikulturelle Teams sind innovativer und kreativer.

oder beim Haareschneiden bei der bulgarischen Coiffeuse – wir begegnen dem Thema Multikulti überall, nicht nur in der Freizeit, auch im Beruf. Wichtig für den Arbeitsmarkt Ob als Hilfskraft auf einem Obstbauernhof oder als Neurowissenschaftler an der Universität Basel – ausländische Arbeitskräfte nehmen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle ein. Jeder dritte Arbeitnehmer in Schweizer Betrieben stammt aus dem Ausland. Für einige Branchen sind sie sogar überlebenswichtig. In der Wissenschaft sind mehr als die Hälfte der Arbeitskräfte Auslän-


Bei Brüggli arbeiten Menschen aus 28 Nationen. Besonders gross ist die Vielfalt in der Montage-Abteilung.

12

12

Portugal

10

Mazedonien

5

Kroatien

Österreich

13

je 3

Türkei

je 2

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32

total 762 Mitarbeitende

Deutschland

Sind froh um die Vielfalt in der MontageAbteilung: Emil Perera, Urs Mauchle, Fabio Pandolfi, Thomas Indermaur, Jose Alvaran, Hasan Verep (von links nach rechts).

623 Schweiz

Nationalitäten bei Brüggli

der, in der Landwirtschaft und im Baugewerbe sogar rund zwei Drittel. Ohne Ausländer gäbe es zum Beispiel auch keinen neuen Gotthard-Tunnel: Der Ausländeranteil betrug während des Baus unglaubliche 87 Prozent.

aus verschiedenen Nationen und Kulturen erfolgreich zusammenarbeiten? Die Antwort ist: Ja. Studien haben gezeigt, dass multikulturelle Teams nicht nur produktiver und effektiver sind, sondern auch innovativer und kreativer.

Ohne Ausländer gäbe es zum Beispiel keinen neuen Gotthard-Tunnel.

Als Resultat gibt es in vielen Schweizer Unternehmen multikulturelle Teams – Einheimische und Ausländer arbeiten Tag für Tag zusammen. Dabei prallen zwangsläufig verschiedene Kulturen aufeinander. Können Menschen

Albanien Niederlande Spanien Serbien

Multikulti bei Brüggli Einer kulturellen Vielfalt begegnet man auch bei Brüggli. Menschen aus 28 Nationen arbeiten jeden Tag erfolgreich zusammen. Eine Vorreiterrolle nimmt dabei die Monta-

Bosien/Herzegowina Brasilien Kosovo Laos Sri Lanka

je 1 China Kolumbien Eritrea Ungarn Iran Slovakei Thailand

ge-Abteilung ein: Hier setzen 42 Mitarbeiter aus zehn Nationen die neusten Leggero-Anhänger und 4pets-Hundeboxen zusammen. Die nationale Diversität stört hier niemanden – im Gegenteil: Sie trägt zu einem pulsierenden und inspirierenden Miteinander bei. Lesen Sie mehr dazu auf den beiden Folgeseiten. Fabian Vettori Praktikant Unternehmenskommunikation

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42 Menschen, 10 Nationen, 1 Aufgabe In der Montage-Abteilung arbeiten 42 Menschen aus zehn verschiedenen Nationen zusammen. Wie klappt das?

Hasan Verep (Türkei) In unserer Abteilung arbeiten Menschen aus vielen Nationen – das gefällt mir. Die grossen Länder wie die USA oder Russland streben alle nur nach Macht. Darum verstehen sie sich nicht. Bei uns in der Abteilung ist das nicht der Fall, wir arbeiten alle gerne zusammen. Auch wenn wir verschiedene Sprachen sprechen, mit der Verständigung klappt es trotzdem immer irgendwie. Multikulti finde ich toll. Ich würde gerne mal in das Heimatland eines Arbeitskollegen reisen, Kolumbien zum Beispiel.

Jose Alvaran (Kolumbien)

Ich arbeite seit über elf Jahren bei Brüggli und mir gefällt die Vielfalt der Nationen sehr. Das macht das Arbeiten in unserer Abteilung viel spannender und lebendiger. Klar, dass alles klappt, ist eine Herausforderung. Aber für mich ist es eine schöne Herausforderung. Wichtig ist die Toleranz gegenüber seinen Mitmenschen. Brüggli fördert Toleranz. Wir arbeiten in unserer Abteilung zwar an verschiedenen Posten, aber alle zusammen am gleichen Produkt. Das ist sicher ein Grund, warum wir uns hier alle so gut verstehen.

Bei uns in der Abteilung funktioniert es gut. Wir haben keine Probleme wie die USA und Mexiko. Bei Brüggli haben wir wichtigere Herausforderungen als die Dinge, über die die Politiker streiten. Darum habe ich einen Tipp an die Mächtigen dieser Welt: Nehmt euch Brüggli als Vorbild. Hier bauen wir keine Mauern. Trotz der verschiedenen Sprachen verstehen wir uns super. Mir hilft es, dass ich mehrere Sprachen spreche. Neben Spanisch und Deutsch verstehe ich auch Italienisch und Portugiesisch. Das ist praktisch.

Thomas Indermaur (Schweiz)


Ich erlebe und empfinde die Kulturvielfalt als eine Bereicherung. Wenn bei uns in der Abteilung gewisse Landsleute miteinander diskutieren, geht es sehr temperamentvoll zu und her. So kann es durchaus auch sein, dass etwas Ferienstimmung aufkommt. Sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben untereinander kaum Probleme. An den Abteilungssitzungen thematisieren wir immer wieder den Respekt: Der Mensch steht im Vordergrund, nicht seine Herkunft. Das trägt sicher zum guten Klima bei.

Urs Mauchle (Schweiz), Teamleiter Montage

An Anlässen wie Jubiläumsapéro oder Montage-Znüni achten wir darauf, dass es für alle Kulturen etwas Leckeres zu essen gibt. Bei Verständigungsschwierigkeiten, wenn Hände und Füsse auch nicht mehr ausreichen, lasse ich auch mal den Google-Übersetzer sprechen. Ich bin schon vor über 40 Jahren mit Gastarbeiter-Kindern zur Schule gegangen und habe mit ihnen gespielt. Später wohnte ich mit meiner Familie in einem Mehrfamilienhaus mit sieben Wohnungen. Diese wurden von fünf verschiedenen Nationen bewohnt. Im Sommer war dann das Grillieren im Garten immer ein kulinarischer Höhepunkt mit all der Vielfalt der Kulturen. Ich bin mit verschiedenen Kulturen aufgewachsen – und so bin ich es mir nicht anders gewohnt.

Bilder: Roger Nigg, Samantha Schoch, Seline Widmer, Albulena Thaqi

Die Multikulti-Vielfalt in unserer Abteilung ist genial. Mir gefällt es, wenn ich andere Menschen, Länder und Sprachen kennenlernen kann. Manchmal spreche ich bei der Arbeit Italienisch mit meinem Zwillingsbruder. Aber die Verständigung mit all den anderen Arbeitskollegen klappt trotzdem ohne Probleme. Wichtig ist, dass wir alle zusammenhalten. Wir arbeiten alle zusammen am selben Produkt – niemand wird ausgeschlossen. Wahrscheinlich ist das ein Grund, warum wir uns alle so gut verstehen.

Fabio Pandolfi (Italien) Ich bin 1979 aus Sri Lanka in die Schweiz eingewandert. Den kulturellen Wandel konnte ich an der eigenen Haut miterleben. Heute ist die Gesellschaft viel toleranter als vor gut 40 Jahren. Die Menschen müssen sich gegenseitig akzeptieren und respektieren. Dazu braucht es manchmal Regeln. In guter Erinnerung ist mir die Goldene Regel aus meiner Kindheit: «Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu». Bei Brüggli nehmen wir die Menschen so, wie sie sind, und unsere Leiter gehen mit gutem Beispiel voran. Darum funktioniert es bei uns in der Abteilung.

Emil Perera

(Sri Lanka)

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Brüggli

Warum Brüggli nicht billig sein darf Wie berechnet Brüggli die Preise für seine Dienstleistungen? Rechnet Brüggli anders als Betriebe im ersten Arbeitsmarkt? Ausbilden, Umschulen, Abklären: Das sind Aufträge, die Brüggli von der IV und anderen Versicherern zugewiesen werden. Diese Leistungen werden nach einem einheitlichen Tarifmodell verrechnet. Zusätzlich zu den Tariferträgen erhält Brüggli Betriebs- und Einrichtungsbeiträge. Diese sind nötig, damit Brüggli Menschen mit körperlichen und psychischen Schwierigkeiten eine sinnstiftende Arbeit und die nötige Infrastruktur bieten kann. Ohne Aufträge geht nichts Die agogischen Leistungen in Form von Ausbildung und Beschäftigung sind ein wesentliches Standbein von Brüggli. Ein weiteres Standbein sind die Einnahmen durch wirtschaftliche Leistungen, die durch Brügglis Profitcenter erbracht werden. Von den Seminaren in der Gastronomie Usblick über die Druck- und Kommunikationsleistungen von Brüggli Medien bis hin zu den Lohnarbeiten von Brüggli Industrie und den Eigenprodukten von Leggero und 4pets: Brüggli ist ein wirtschaftsnahes Unternehmen, das gute Arbeit als wesentlich für die Ausbildungs- und Integrationsarbeit erachtet. Junge Berufsleute in der Ausbildung, Menschen in einer Umschulung wie auch Mitarbeitende, deren körperliche oder psychische Verfassung eine Integration in den Arbeitsmarkt (noch) nicht zulassen: Für sie braucht Brüggli Arbeit. Nur mit guter Arbeit und mit Aufträgen, die sie fördern und fordern, kommen sie voran – und das ist wesentlich für eine erfolgreiche Integrationsarbeit. Es lohnt sich So ist Brüggli eben beides: ein Ausbildungs- und Integrationsunternehmen mit viel gebündelter agogischer Kompetenz und zugleich ein professioneller Dienstleister, der an der Qualität seiner Arbeit und Produkte gemessen sein will. Für junge Berufsleute, die bei Brüggli eine Ausbildung absolvieren, bedeutet dies, dass sie eine individuelle, ressourcenorientierte Begleitung erfahren und zugleich an wirtschaftsnahen Leistungen und Produkten arbeiten können. Brügglis Erfolg basiert auf dem Einklang von beidem: von agogischer Mission und wirtschaftlichem Anspruch. Das rechnet sich auch volkswirtschaftlich betrachtet: Die Sozialbilanz, die jedes Jahr neu erhoben wird, weist stets einen Ge-

winn zugunsten der Öffentlichkeit aus – jüngst 1,56 Mio. Franken (mehr dazu auf www.brueggli.ch >> Sozialbilanz).

Dienstleistungen und Produkten ist, umso kleiner sind die Beiträge, die es erhält. Es kommt also der Öffentlichkeit zugute, wenn Brüggli erfolgreich ist.

Quersubventioniert und marktverzerrt? Kann Brüggli seine Arbeit günstiger anbieten, weil auch öffentliche Gelder ins Unternehmen fliessen? Verzerrt Brüggli den Markt? Rechnet Brüggli anders als Unternehmen, die rein wirtschaftlich ausgerichtet sind? Nein, Brüggli macht das Gegenteil: Es wendet marktgerechte Preise an und nutzt allfällige wirtschaftliche Gewinne, um die Betriebsbeiträge zu senken. Mit den Partnern bei Kanton und Bund ist geregelt, dass der wirtschaftliche Erlös von Brüggli einen Einfluss auf die Höhe der Tarife und Betriebsbeiträge hat. Je erfolgreicher Brüggli mit seinen

Wer sich nur am Preis orientiert, findet immer einen, der billiger ist. Brüggli versucht, sich diesem Preisdruck zu entziehen, indem es mit Partnern kooperiert, die den sozialen Mehrwert und die Qualität sehen. Faire Preise sind selbstverständlich. Aber «billig» ist etwas anderes als «preiswert».

Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation Illustration: Angela Vergara, lernende Grafikerin


Den Preis wert Brüggli Medien: Das Gesamtpaket zählt Brüggli Medien orientiert sich an marktüblichen Ansätzen. In der hart umkämpften Druckbranche sind viele Leistungen 1:1 vergleichbar. Das führt dazu, dass klassische Druckaufträge knapp kalkuliert werden, im Wissen, dass die Mitbewerber mithalten. Also alles mitmachen, um jeden Preis? Nein, sagt Alois Schütz, Centerleiter von Brüggli Medien: «Wir verlieren regelmässig potenzielle Kunden, weil ein Konkurrent einen Druck- oder Weiterverarbeitungsauftrag günstiger anbietet. Wir gewinnen aber auch regelmässig Kunden, weil für sie das Gesamtpaket stimmt.» Das führt zu starken Partnerschaften mit Kunden, die sich bewusst für Brüggli Medien entscheiden. Einerseits hat dies mit dem sozialen Mehrwert zu tun: Wer Brüggli Medien beauftragt, trägt zur Ausbildungs- und Integrationsarbeit bei. Andererseits kommt dazu, dass sich Brüggli Medien als Gesamtdienstleister etabliert hat und auch als Werbeagentur tätig ist. Alles aus einer Hand: Das erleichtert die Planung und Abwicklung von Aufträgen und lohnt sich auch finanziell betrachtet.

schen Schwierigkeiten, die sich um die Gäste kümmern und wesentlich zur einzigartigen Atmosphäre beitragen. Es ist ein Gebot von Fairness, dass diese Leistungen einen anständigen Preis haben. Brüggli Industrie: Auf Nachhaltigkeit setzen Brüggli Industrie kalkuliert mit marktüblichen Preisen. Die Stundensätze für Maschinenarbeiten sind nicht auf dem höchsten Niveau, aber auch nicht auf dem tiefsten – sie bewegen sich in etwa in der Mitte. Als Ansatz für die Preisberechnung gilt immer der Aufwand von Fachleuten. Auch wenn Klienten involviert sind: Gerechnet wird mit dem Stundenansatz des Fachleiters. Dabei kommt es auch nicht darauf an, wie viele Klienten im Einsatz sind. Mit dieser Herangehensweise sorgt Brüggli Industrie dafür, dass die «Manpower» nicht als Preisfaktor betrachtet werden kann. Zentral ist immer die Qualität; es zählt das Resultat. Ein Plus: Brüggli Industrie ist auch auf Logistik, Beschaffung und Qualitätssicherung spezialisiert. «Wir wollen mit Partnern zusammenarbeiten, die auf Nachhaltigkeit Wert legen», sagt Adrian Hungerbühler, Leiter von Brüggli Industrie. Mit einigen Kunden währt die Zusammenarbeit schon 20 Jahre – ein Vertrauensbeweis und ein Symbol für Partnerschaften, bei denen nicht nur der Preis zählt. «Sie sind im Einklang mit unserer Mission und vertrauen auf unsere Qualität zu marktgerechten Preisen.»

Wie gestalten die Profitcenter von Brüggli ihre Preise?

Gastronomie Usblick: Anständig und fair «Gute Arbeit muss etwas wert sein», sagt Josef Koch, Chef des Serviceteams in der Gastronomie Usblick. Für ihn zählt, mit den Mitbewerbern mithalten zu können, vor allem aber ist ihm der Einklang von Preis und Leistung wichtig. «Wir haben ein gutes Echo zum Beispiel von Vereinen, für die wir fair kalkulieren. Aber auch Angebote wie der Business Lunch oder der Sonntagsbrunch überzeugen die Gäste.» Wenn der Gegenwert stimmt und die Gäste sich wohlfühlen, ist nicht allein der Preis entscheidend. Da geht es auch um Emotionen – und idealerweise um das gute Gefühl, eine sinnvolle Sache zu unterstützen. Ob im Tagesgeschäft oder an der Hochzeitsfeier oder an der Generalversammlung: Es sind Menschen mit körperlichen oder psychi-

Technische Dienste: Pauschalen statt Flächenpreise Die Technischen Dienste von Brüggli erbringen Mal-, Garten-, Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten für externe Kunden. Dabei kommen nicht nur Stundenansätze oder Flächenpreise zum Tragen, sondern auch Pauschalen. Diese Pauschalen führen zuweilen zu Preisen, die höher sind als jene von Mitbewerbern. «Das Resultat zählt», sagt Lukas Kuster, Leiter der Technischen Dienste, «und dieses Resultat hat einen Preis, den wir nicht nur auf Stundenansätze oder Flächenpreise runterbrechen möchten». Damit befreit man sich vom Zeitdruck, was auch mal eine freundliche Begegnung zwischen Mitarbeitern und Kunden zulässt. «Unsere Kunden schätzen genau auch dies.»

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Brüggli

«Es hat sich gelohnt» 30 Jahre Brüggli: eine Geschichte, geprägt von Macherlaune, Improvisationstalent und Menschlichkeit. Vier Gründungsmitglieder erinnern sich. 30 Jahre Brüggli: Wie fühlt sich das für euch an? Luigi Berini: Die 30 Jahre gingen so schnell vorbei, ich kann’s fast nicht glauben. Erich Heule: Wir haben unglaublich viel gemacht. Wenn wir 1986 gewusst hätten, was da alles auf uns zukommen würde, hätten wir womöglich die Hände davon gelassen. Luigi: Ich weiss noch, als wir um 1989 herum 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten, sagten wir uns: Das ist viel – und es sollen nicht mehr werden. Erich: Als wir bei 100 Leuten waren, sagten wir: Jetzt reicht’s wirklich – und dann ging es weiter. Wir erkannten, dass es immer weitergeht – und dass es gut wird. Die 30 Jahre sind eine sehr gute Zeit, auch für mich persönlich. Ich mache heute Sachen, die ich mir früher nicht zugetraut hätte.

uns für Schwächere einzusetzen: Das war unser Antrieb. Damals war gerade die Sozialpsychiatrie aufgekommen, und der systemische Gedanke wurde stärker. Es führte uns zur Idee, etwas für Menschen mit körperlichen und psychischen Schwierigkeiten auf die Beine zu stellen. Erich: 1986, nach einer Gemeindeversammlung in Kesswil, sassen Luigi, Kurt (Kurt Fischer, CEO von 1987 bis 2016) und ich im Restaurant Traube zusammen und sprachen über das Projekt. Am nächsten Tag rief Kurt an und sagte: «Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen; wir müssen etwas machen.» Wir gaben uns ein halbes Jahr Zeit, um ein Projekt zu entwickeln. (Holt ein Dossier hervor und zeigt es der Runde.) Das ist unser Unternehmenskonzept von damals. An der Grundidee, an der Mission, hat sich nicht viel verändert. Alois Schütz: Als Startkapital gab jedes Gründungsmitglied 50 Franken in die gemeinsame Kasse.

«Wir setzten unsere sicheren Jobs aufs Spiel, um Brüggli zu gründen.»

Erinnert ihr euch daran, wie alles begann? Luigi: Einfach etwas Eigenes, Sinnvolles tun und

Mit diesem Geld kauften wir Briefmarken und baten in einem Schreiben Unternehmen wie Migros oder UBS um eine Spende. Es kam nicht viel zusammen. Die grösste Spende erhielten wir von der Russischen Handelsbank; heute wäre das kaum zu glauben. Die Thurgauer Kantonalbank hat uns auch gut unterstützt. Erich: Der Bedarf für ein Unternehmen wie Brüggli war klar ausgewiesen. Alois: Wir waren zum richtigen Moment am richtigen Ort. Erich: Ich erinnere mich an die Sitzungen mit dem Regierungs- und Kantonsrat. Kurt und ich waren nervös; wir sind da einfach reingerutscht. Urs Buschor: Es gab auch Widerstand. Alois: Der damalige IV-Stellenleiter Ostschweiz zeigte sich am Anfang nicht begeistert von unserer Idee. Erich: Kurt und ich, wir fühlten uns wie geschlagene Hunde. Am Tag darauf kam – für uns völlig überraschend – die Zusage. Die wollten uns zuerst auf die Probe stellen und schauen, wie ernst es uns ist.

«Brüggli wird im nächsten Jahr 1 000 Lernende ausgebildet haben.»


«Es ist schön zu sehen, dass es vorangeht. Unser Werk geht weiter.»

Würdet ihr es heute wieder gleich machen? Luigi: Das ist schwer zu sagen im Nachhinein, im Grunde schon. Wir sind heute an einem anderen Punkt als damals. Alois: Wir waren Grünschnäbel. Wir baten Banken um finanzielle Unterstützung, sprachen bei Garagen vor, damit sie uns ein Auto sponsern würden, kurzum: Wir machten einfach, legten los, ohne langes Planen. Wir waren verrückte «Cheibe». Erich: Wir alle hatten eine gut bezahlte Arbeit, nahmen Lohneinbussen hin, setzten unser sicheres Einkommen aufs Spiel. Wir glaubten an unsere Idee. Alois: Und die Selbständigkeit war uns wichtig. Urs: Viele Patienten, die wir als Psychiatriepfleger begleitet hatten, kamen zu uns. Mit welchen Leistungen habt ihr losgelegt? Alois: Zuerst gingen wir von der Holzbearbeitung aus. Wir kamen dann aber rasch auf eine Kleinoffsetdruckerei. Urs: Der damalige IV-Leiter sagte zu Alois

und Erich: «Warum macht ihr keine Druckerei auf, ihr seid ja Drucker.» Im Projekt war eine Holzbearbeitung geplant. Der IV-Leiter meinte, es habe genügend Werkstätten, die Holz verarbeiten, wir sollten doch eine mechanische Werkstatt eröffnen. Erich: Das lag nahe, weil Alois und ich gelernte Drucker sind. Urs: Nicht zu vergessen die Textilproduktion und die Bürodienstleistungen, mit denen alles begonnen hat. Luigi: Mit Urs kam die Mechanik dazu – obwohl er eigentlich eine Schreinerei wollte. Urs: Ich war ja nicht gelernter

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Mechaniker damals ... habe aber mit der Übernahme der Lötkolbenproduktion rasch mit der nötigen Fertigungstechnik umzugehen gelernt. Erich: So eröffneten wir eine mechanische Produktion und Industriemontage im SBB-Lagerhaus. Luigi: Am 8.8.1988 war unser erster Arbeitstag im Neubau an der Hofstrasse. 320 Quadratmeter Fläche, eine riesige Montagehalle. Erich: Wir fragten uns: Was machen wir hier? Wir hatten nicht alles im Voraus geplant. Wir brauchten Mut, legten einfach los. Wir alle waren ja im Sozialwesen tätig und mussten uns nun rasch wieder mit unseren ursprünglich erlernten Berufen auseinandersetzen. Luigi: Wir wollten rasch eine Beschäftigung für unsere Leute, um jeden Preis. Zuerst schufen wir Beschäftigungsplätze, dann kamen Ausbildungsplätze dazu. Alois: Einer unserer ersten Aufträge war eine Zweifarben-Drucksache für einen Grafiker aus dem Rheintal. Ich hatte den Preis auf Basis einer Einfarben-Drucksache berechnet. Der Kunde sagte, das sei aber ein fairer Preis. Es entwickelte sich eine lange Partnerschaft. Natürlich kalkulierten wir dann fortan richtig.

Erich: Für eine Ferienmesse füllten wir Plastikbeutel mit Sand und Muscheln ... Gibt es Ideen, über die ihr heute lachen könnt? Luigi: Wir waren mal an einem Gehstock dran, der Alarm gibt, wenn er auf den Boden fällt. Die Liege «Sunliner» war auch nicht von Erfolg gekrönt. Erich: Ein Schiffprojekt hatten wir auch mal, 1992. Luigi: Wir hatten schon einen Matrosen angestellt; Adi (Adrian Hungerbühler), er leitet heute Brüggli Industrie. Bei den SBB hatten wir bereits die Bewilligung eingeholt, am Hafen zu landen. Und ein Passagierschiff war auch schon gefunden. Urs: Ein kleines Ausflugsschiff. Alois: Das Bundesamt für Sozialversicherungen gab uns dafür aber keine Bewilligung. Diese Idee passte in keine Schublade. Ein Schiff ist weder eine Werkstätte noch eine PsychotherapieStation.

«Es ist gut, dass wir unserem Namen treu geblieben sind.»

Und dann gibt es natürlich zahlreiche Ideen, die stark mit der Brüggli-Geschichte verwoben sind und sich bewährt haben – Leggero zum Beispiel. Luigi: Die Markteinführung 1990 war ein Meilen-

stein. Auf den Namen Leggero kamen wir übrigens in einer Pizzeria. Wir hatten diskutiert, wie man Themen wie Leichtigkeit und Wind in einen Namen fassen könnte. So einfach ging das. Was führte euch zum Namen Brüggli? Erich: Es geht um die Symbolik: Brüggli führt über Hürden hinweg, verbindet die Menschen und Arbeitsmärkte. Luigi: Wir dachten damals nicht, dass Brüggli so gross werden würde. Erich: Heute könnten wir uns «Viadukt» nennen. Wir hatten mindestens zweimal einen Namenswechsel diskutiert. Es ist gut, dass wir unserem Namen treu geblieben sind. Welches sind eure Glanzlichter in den 30 Jahren Brüggli-Geschichte? Luigi: Mich freut, wie es uns gelang, den systemischen Gedanken, den lösungsorientierten Ansatz zu leben: ausprobieren, testen und auch ein klein wenig erforschen, Fehler korrigieren und Erfolge geniessen, kurz – wertvolle Erfahrungen zu machen und diese weiterzugeben. Kurt und ich haben die Ausbildung «Systemische Therapie und Familientherapie» in Heidelberg absolviert. Dort entstand die Idee, eine Ausbildung für Kaderpersonen ohne agogische Ausbildung mit Dozenten von Heidel-

Würden es wieder tun: Urs Buschor (links), Alois Schütz (oben rechts), Erich Heule (unten links) und Luigi Berini (unten rechts) haben Brüggli – gemeinsam mit weiteren Pionieren – vor 30 Jahren gegründet. Bilder: Roger Nigg

«Wir hatten nicht alles im Voraus geplant. Wir brauchten Mut, legten einfach los.»


berg Brüggli-intern anzubieten. Das wurde damals vom Kanton neu gefordert. Erich: So etablierte Brüggli eine Idee, die bis heute von der Academia Euregio Bodensee weitergetragen wird. Alois: Für mich ist das erste Fachseminar 1989 in Giessbach ein Meilenstein. Unter anderem befassten wir uns mit unserer Arbeitstechnik. Und es ging darum, uns selber zu hinterfragen. Erich: Da haben unsere Strategietage ihren Ursprung. Alois: Die erste Generalversammlung des Vereins Brüggli 1986 war auch etwas Besonderes. Erich: Wir hatten damals 25 Leute mobilisiert, um einen Verein zu gründen. Die erste Pressekonferenz ist auch legendär; vier Journalisten erwiesen uns die Ehre, auch das Radio war dabei. Luigi: An den Fachseminaren stellen sich jeweils die neuen Leute vor. Da hat es immer wieder neue Gesichter dabei. Man sieht, Brüggli läuft und lebt. Das sind regelmässige Glanzlichter. SoNet (eine Internetplattform für soziale Einrichtungen) 1997 war auch speziell; wir waren Vorreiter. Ebenso mit den ISO-Zertifizierungen 9001 im Jahr 1994. Da lachten

uns andere Sozialinstitutionen aus: Jetzt spinnen sie bei Brüggli. Erich: Heute sind solche Standards selbstverständlich. Luigi: 1999 legten wir einen nach mit der Umweltzertifizierung nach ISO 14000. Urs: Es ist kein Glanzlicht, aber ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen: An einer unserer Fortbildungen war Paul Watzlawick dabei (ein renommierter Psychotherapeut, Soziologe und Wissenschaftler). Wir erlebten, wie die Serviertochter ihm eine heisse Suppe über die Beine leerte. Luigi: Wisst ihr noch, wie wir bei der Besichtigung einer Teigwarenfabrik in einem Lift stecken geblieben sind? Kurt holte Anlauf und brach die Lifttüren auf. Was bedeutet euch der Tag der offenen Tür am 9. September 2017? Erich: Es ist eine Genugtuung, zeigen zu können, was bei uns läuft. Ich habe das Wort «Stolz» nicht so gern, aber ... es geht um die Anerkennung. Für mich ist es ein Höhepunkt, dass wir im nächsten Jahr 1 000 Lernende erfolgreich ausgebildet haben werden.

«Die Tage der offenen Tür waren immer ein Höhepunkt.»

Alois: An einem Tag der offenen Tür schaut man gerne zurück und sagt sich: Es hat sich gelohnt. Man sieht, wie professionell und vielseitig Brüggli ist. Luigi: Mein Herzinfarkt im Sommer 2016 hilft mir, mich von Brüggli zu lösen. Zuvor hatte ich mich gefragt: Was mache ich nach Brüggli, was ist in ein paar Jahren, wenn ich pensioniert werde? Und wie geht Brüggli weiter? Heute sehe ich: Es geht weiter. Ich will noch vieles initiieren, immer im Wissen: Es ist nie fertig. Am Tag der offenen Tür sieht man besonders gut, was alles ist, und was noch alles kommen kann. Alois: Es ist schön zu sehen, dass es vorangeht. Unser Werk geht weiter. Der Tag der offenen Tür ist ein Symbol dafür. Urs: Die Tage der offenen Tür waren immer ein Höhepunkt. Die Öffentlichkeit kommt zu uns und sieht, was wir alles machen. Stellt euch vor, ihr schreibt ein Buch über 30 Jahre Brüggli: Welchen Titel würde euer Buch haben? Alois: «Traumhaft». Urs: «Unglaublich». Erich: «Wenn wir es nicht erfunden hätten, hätte es jemand anders erfinden müssen.» Luigi: «Ich bin dankbar.» Interview: Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation

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Wir sind

Brüggli

Du sollst Dir ein Bildnis machen Nichts geht über den persönlichen Eindruck: Der Tag der offenen Tür ist eine ideale Gelegenheit, sich ein Bild von Brüggli zu machen. Es ist für uns eine Chance, das Image von Brüggli weiter zu schärfen. Brüggli ist ein Restaurant. Brüggli ist eine Druckerei. Brüggli ist ein Fahrradanhänger. Brüggli ist ein Industriebetrieb. Brüggli ist ein Ausbildner mit 220 Lernenden in 10 Berufsfeldern. Brüggli ist ein Wohnhaus. Brüggli ist noch mehr. Viel mehr. Wie soll ein Aussenstehender all das erfassen können? Und überhaupt: Was soll man unter «Sozialunternehmen» oder «Ausbildungs- und Integrationsbetrieb» verstehen? Was macht Brüggli? Für wen? Warum? Ein Bild ist rasch gemacht. Es lebt

von individuellen Wahrnehmungen und kollektiven Interpretationen, die teilweise immer noch von verstaubten Ansichten und Klischees geprägt sind, von denen wir uns distanzieren. Behinderte? Nein, es sind Menschen mit körperlichen und psychischen Schwierigkeiten, und wir glauben an die Vision, dass idealerweise alle die Chance haben, eine gute Arbeit

zu verrichten (was sich am Ende auch volkswirtschaftlich betrachtet lohnt; man beachte dazu die Sozialbilanz auf www. brueggli.ch).

Die Gäste sollen ein vielseitiges, modernes Brüggli erleben.

Von nah und fern Ein Besuch bei Brüggli hilft, das Bild zu schärfen. Auf den zahlreichen Betriebsbesichtigungen, die Brüggli für Gäste aus nah und fern durchführt, erlebt man es regelmässig, dass Besucher staunen: «Ach, das macht ihr auch...?» «Das habe ich nicht gewusst» oder «Ich hätte nicht gedacht, dass ihr so modern arbeitet.» Das ist die beste Form von Öffentlichkeitsarbeit


Was tut Brüggli? Der Tag der offenen Tür bietet Einblicke.

und mehr wert als PR-Phrasen oder Social-MediaGeschwätz. Sehen, fragen, geniessen Und so ist besonders auch der Tag der offenen Tür eine grosse Chance – für die Öffentlichkeit und unsere Partner ebenso wie für Brüggli selbst. Wir zeigen, wer wir sind, was wir tun – nichts als die Wahrheit, schön herausgeputzt, zugleich authentisch. Die Besucherinnen und Besucher begegnen engagierten Berufsleuten, sie erleben wie ein Leggero-Fahrradanhänger oder eine Hundebox von 4pets entsteht, sie staunen, wie elegant am Sammelhefter im Drucksaal eine Publikation zusammengetragen wird, und sie geniessen die Einkehr im Usblick, wo

sich soziale Mission und professioneller Service die Hand reichen, zum Beispiel. Ideal, wenn es uns gelingt aufzuzeigen, dass wirtschaftlicher Anspruch und soziale Mission kein Widerspruch sind, sondern eine sinnstiftende Allianz bilden. Mehr noch: Das eine ist nichts ohne das andere. Darum wird am Tag der offenen Tür auch die agogische und soziale Arbeit von Brüggli im Fokus stehen. Was ist ein Belastbarkeitstraining? Was geschieht im Bewerbungscoaching? Mit welchen Integrationspartnern kooperiert Brüggli? Es geht um Antworten

und Ein- und Ausblicke, damit die Besucher am Tag der offenen Tür ein vielfältiges, modernes Brüggli erleben. Das hat an den letzten Tagen der offenen Tür 2008 und 2012 gut funktioniert und mehrere Tausend angelockt. Gemeinsam werden wir alles dafür geben, dass auch 2017 im Jubiläumsjahr «30 Jahre Brüggli» ein solcher Brückenschlag gelingt.

Am 9. September 2017 kommt auch der Genuss nicht zu kurz.

Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation Illustration: Angela Vergara, lernende Grafikerin

Einmalige Chance Ich freue mich auf den Tag der offenen Tür, weil dies eine einmalige Chance ist, uns der Öffentlichkeit zu präsentieren: Menschen, Produkte, Arbeitsplätze, Angebote. Interessierten bietet sich die Gelegenheit, uns mit allen Sinnen wahrzunehmen und

zu erkennen, dass Brüggli wesentlich mehr ist als «Sonntagsbrunch» und «Leggero». Verschiedene Menschen treffen zusammen, um gemeinsam 30 Jahre Brüggli zu feiern – ich freue mich sehr darauf.

Erich Heule Leiter Fachstelle Berufsbildung

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Wir sind

Brüggli

Das Programm am Tag der offenen Tür Samstag, 9. September 2017, 9 bis 16 · Rundgang am Hauptsitz · Grosse Info rund um das Ausbildungsangebot und die agogischen Leistungen von Brüggli · Sonderschau «30 Jahre Brüggli» · Einblicke ins Wohnhaus Campus+, spontane Auftritte der Campus-Workshop-Band · Stellen Sie im ECDL-Testcenter Ihr Computer-Wissen auf die Probe.

· Wissenswertes zur Leggero-Entwicklung und Leggero-Geschichte · Die Hochzeit von Inhalt und Form: Einblicke in Grafik, Kommunikation und Druck · Frühstücksteller von 8.30 bis 10.30 Uhr · Mittagsgerichte von 11 bis 14 Uhr · Kaffee und Kuchen von 14 bis 16 Uhr · Auftritte von Ensembles und Bands der Musik-

· · ·

·

schule Romanshorn und Musikschule Arbon: 10, 13 und 15 Uhr Spontane Akustik-Konzerte von Kurt Ackermann und Begleitung Quiz für alle, Hauptpreis: 1 Leggero Enso Ballonflugwettbewerb, Hauptpreis: Ein Brunchgutschein für acht Personen in der Gastronomie Usblick Vieles mehr

Herz zeigen Vom Tag der offenen Tür erhoffe ich mir, dass wir ganz vielen Personen zeigen können, was uns bei Brüggli wichtig ist: nämlich unsere Arbeit mit und für Menschen, die Unterstützung auf ihrem Arbeitsweg benötigen. Weiter erhoffe ich mir, dass wir die

Schwellenangst nehmen können: Interessierte, die für eine berufliche Massnahme oder als Mitarbeiter in unser Haus kommen möchten, sollen gute Einblicke erhalten. Ich hoffe und zähle auf viele neugierige Besucherinnen und Besucher.

Katharina Nef Leiterin Fachstelle Betreute Arbeitsplätze

Auf gute Gespräche Ich freue mich darauf zu zeigen, was wir zu bieten haben. Ich freue mich auf ein richtig bevölkertes Haus, auf interessante Gespräche mit mir heute noch unbekannten Gästen. Und ich freue mich auf offene, staunende, lachende, fragende Gesichter. Anita Pintarelli Leiterin Bildung & Integrationsmassnahmen

Dahinterblicken

Michel Soller Teamleiter Technische Dienste

Am Tag der offenen Tür können wir uns präsentieren: wie wir arbeiten, wie wir ausbilden, wie wir unsere Leute für den Arbeitsmarkt vorbereiten. Angehörige und Freunde, die uns nur vom Hören-Sagen kennen, können sich ein Bild machen. Viele staunen ja, was es bei uns alles gibt. Für die

Technischen Dienste ist der Anlass in verschiedener Hinsicht eine Herausforderung und Chance. Infrastruktur sicherstellen, Abläufe organisieren, Parkplätze regeln: Es gibt viel zu tun – aber es wird auch ein Genuss sein, weil wir die Gelegenheit haben, zu zeigen, was wir draufhaben.


Persönlich und professionell

Angelika Studer Bereichsleiterin Agogik KV

Die Vorfreude auf den Tag der offenen Tür ist für mich gross: Ich freue mich auf spannende Begegnungen und Gespräche mit Arbeitskolleginnen und -kollegen in einem anderen Rahmen, als es der Arbeitsalltag bietet. Dieser besondere Anlass ermöglicht es, meinen Freunden, Bekannten, meiner Familie und selbstverständlich auch Geschäftspartnern und Geschäftspartnerinnen praxisnah und mit Hintergrundinformationen aus erster Hand näherzubringen, was es heisst, wirtschaftlich zu arbeiten, gleichzeitig den umfangreichen Ansprüchen der Arbeitsintegration zu genügen und dabei ideenreich und fortschrittlich zu bleiben.

Ich freue mich, mich als Teil dieses Ganzen täglich engagieren zu dürfen und die nicht selten unberechenbaren und sehr herausfordernden Dynamiken mitzutragen und mitzugestalten. Am Tag der offenen Tür haben wir die Möglichkeit zu zeigen, was uns all dies bedeutet. Ich bin überzeugt, dass dieser Tag gefreute und dem Spirit von Brüggli entsprechende Begegnungen bietet, die nicht nur persönlichen, sondern auch professionellen Mehrwert bringen.

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i Aussens

Im Praktikum bei den EHC Uzwil Hawks Bin ich bereit für ein Praktikum? Fühle ich mich sicher genug? Diese Fragen beschäftigten auch Vanessa Mastrogiacomo. In einem Praktikum beim EHC Uzwil hat sie Antworten gefunden – und eine Arbeit, die ihr sehr gefällt. Mehrere Rückenoperationen führten dazu, dass ich eine Ausbildung als Detailhandelsangestellte abbrechen musste. So lernte ich vor drei Jahren Brüggli kennen. Die IV Frauenfeld gab mir die Chance zu einer kaufmännischen Lehre bei Brüggli; diesen Sommer habe ich meinen Lehrabschluss. Brüggli hat mich durch viele Hochs und auch Tiefs begleitet und mir Sicherheit und Mut gegeben. Dafür danke ich allen, die ich bei Brüggli kennen- und schätzen gelernt habe.

Nicht, weil es mir dort nicht gefallen hätte, sondern weil es einfach nicht der beruflichen Richtung entsprach, die ich nach der Lehre zur Kauffrau einschlagen will. Trotzdem war mein erstes Praktikum eine gute Erfahrung; es half mir, zu merken, dass ich nicht nur in einem Büro arbeiten will. Ich möchte Menschen erreichen und unglaubliche Dinge umsetzen. So machte ich mich auf die Suche nach mehr. Sehr schnell fand ich ein Angebot des Vereins EHC Uzwil Hawks, das mir sehr spannende Aufgaben versprach, die ich für mich als Herausforderung sah. Das war ein grosser Anreiz, mich für ein Praktikum im Marketing zu entscheiden. Mittlerweile gehöre ich schon ein paar Monate zum EHC Uzwil – es fühlt sich gut an, zur grossen Hawks-Familie zu gehören.

«Es fühlt sich gut an, zur grossen Hawks-Familie zu gehören.»

Klarheit gewonnen Ein Praktikum in der freien Wirtschaft, davor haben einige Lernende Angst. Ist man für ein Praktikum schon bereit? Fühlt man sich sicher genug? Auch ich stellte mir diese Fragen. Ich durfte schon ein Praktikum im zweiten Lehrjahr absolvieren, welches mir gut gefallen hat. Das Angebot, in dieser Firma die Lehre zu beenden, habe ich aber abgelehnt.

Mittendrin mitwirken Ich durfte an Anlässen wie den «Hawks Hockey Days», der Jubiläumsfeier «75 Jahre EHC Uzwil Hawks» und der Aktion «Seger, come back» im Hallenstadion in Zürich mitwirken. Den persönlichen, telefonischen oder E-Mail-Kontakt mit unseren Sponsoren, Kunden, Mitarbeitern und Funktionären darf ich täglich pflegen, was für mich schon das ganz grosse Los ist. Natürlich gehört auch das dazu: Rechnungen schreiben, Excel-Listen auf den neusten Stand bringen, die Datenbank mit Zahlen füttern und Serienbriefe für die Event-Promotion erstellen.

«Die vielen persönlichen Kontakte sind das grosse Los für mich.»

Nach der Lehre möchte ich unbedingt auf diesem Beruf bleiben und eine Weiterbildung im Marketing absolvieren. Doch zuerst konzentriere ich mich auf die Lehrabschlussprüfung, Vanessa Mastrogiacomo lernende Kauffrau EFZ

EHC Uzwil Hawks pd. Der EHC Uzwil Hawks wurde 1941 gegründet und ist einer der traditionsreichsten Eishockeyvereine in der Ostschweiz. Seit jeher gilt er als Talentschmiede im Schweizer Eishockey, die über 100 Nationalliga-Spieler und auch mehrere Nationalspieler hervorgebracht hat – zum Beispiel den Rekordnationalspieler Mathias Seger.

«Change on the fly» komplett neu organisiert und zusammen mit dem Führungsteam eine neue Markenära eingeläutet. Mit dem Ziel, die Faszination für den Eishockeysport zu fördern und eine hochstehende Nachwuchsausbildung zu gewährleisten wurde schnell in zwei vollamtliche Nachwuchsprofitrainer investiert.

Nach dem Abstieg der 1. Mannschaft in die zweite Eishockeyliga hat sich der Club unter dem Slogan

Mit verschiedenen sozialen Projekten, Aktionen und Grossevents hat sich die Hawks-Organisation

national wieder einen Namen gemacht. 2016, am Sportforum Schweiz, durften die EHC Uzwil Hawks neben Grössen wie UEFA, Borrussia Dortmund oder HC Davos ihre Projekte auf der Hauptbühne präsentieren. Mittlerweile stehen die Hawks wieder in der 1. Liga und möchten den vielen Zuschauern in der neuen Saison 2017/18 Spitzen-Hockey zeigen.


Vanessa Mastrogiacomo, lernende Kauffrau, mit Adam Mechergui, Leiter der Hawks-Geschäftsstelle.

Bilder: Anita Kaminski

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t Was gut

Das Leben ist zu kurz für langweilige Sitzungen Der digitale Fortschritt verändert die Arbeitswelt rudimentär. Trotzdem hält sich eine Tradition standhaft: die Sitzung. Der Klassiker benötigt jedoch dringend eine Generalüberholung. Der Projektor summt. Die Kollegin links unterhält sich mit ihrem Sitznachbarn im Flüsterton, der Kollege rechts ist eingenickt. Der eigene Schreibblock gleicht dem Malbuch eines Primarschülers und vorne faselt irgendein Kadermitglied über ein Thema, von dem man bis vor einer Stunde noch nie etwas gehört hat. Situationen wie diese sind vielen bestens bekannt. Es ist das beispielhafte Abbild des alltäglichen Sitzungsmarathons in Unternehmen landauf und landab.

arden US-Dollars. Nicht etwa durch ins Ausland abwandernde Unternehmen oder Währungsverluste, sondern durch Sitzungen, die gar nicht nötig gewesen wären. All diese überflüssigen Besprechungen und Konferenzen rauben Tag für Tag nicht nur die Nerven der Teilnehmer, sondern auch – im wahrsten Sinne des Wortes – Geld.

So scheitert die Sitzung: keine Ziele, kein Fokus, keine Vorbereitung.

Gemäss dem Wirtschaftsmagazin Forbes verliert die amerikanische Wirtschaft jedes Jahr mehrere Milli-

Enorme Zeitverschwendung Überflüssige Meetings sind auch in der Schweiz ein weit verbreitetes Phänomen. Eine Studie der Universität Zürich nahm die Sitzungskultur in

Schweizer Unternehmen unter die Lupe. Anhand mehrerer Umfragen wollten die Forscher wissen, wie zufrieden Schweizer Angestellte mit Sitzungen sind und wie sie deren Effizienz einschätzen. Die Resultate sind ernüchternd: zu viele Meetings und zu viel Leerlauf. Die Mehrheit der Studienteilnehmer betrachten die vielen Besprechungen als reine Zeitverschwendung. Aber warum ist das so? Ziellosigkeit schafft Frustration Die Gründe für das Scheitern von Sitzungen sind vielfältig: mangelnde Zielsetzung, keine konkrete Traktandenliste, kaum Vorbereitung sowie ungenügende Disziplin und fehlende Konzentration der Teilnehmer. Als besonders misslungen werden Besprechungen betrachtet, bei denen keine Entschei-


«Sitzung» muss nicht zwangsläufig «sitzen» bedeuten. Wie wär’s mal im Stehen?

dungen getroffen werden und die ohne konkretes Ergebnis enden. Sind Sitzungen in der heutigen Arbeitswelt also überflüssig geworden? Wichtige Rolle Nein, Sitzungen sind nach wie vor wichtig für ein Unternehmen. Dieser Meinung sind Forscher und Experten. Auch bei Brüggli gehören sie dazu. Denn sie bilden eine essenziell soziale Komponente in der Unternehmenskultur. Sie dienen dem persönlichen Austausch unter Mitarbeitern und fördern das Wir-Gefühl. Gerade in einer Zeit, in der schnell wechselnde Personalbestände in vielen

Firmen zum Alltag gehören, spielen Sitzungen eine umso wichtigere Rolle. Trotzdem besteht in Sachen Planung und Durchführung ein grosser Handlungsbedarf. Stehen statt sitzen Der Duden definiert eine Sitzung als Zusammenkunft, bei der über etwas beraten und ein Beschluss gefasst wird. Diesen wahren Zweck von Sitzungen darf man nicht aus den Augen verlieren. Meetings sind nicht dazu da, um Kaffee zu trinken, sondern sie sollten die Produktivität steigern. An Lösungsvorschlägen mangelt es nicht. Experten sind sich einig, dass es

Sitzungen, die zu keinem Ergebnis führen, rauben Zeit und Nerven.

förderlich ist, wenn die Ziele einer Sitzung im Vorhinein festgelegt, der zeitliche Rahmen definiert und die Teilnehmerzahl beschränkt sind. Mitunter sind auch kreativere Ansätze gefragt. Die Sitzungsforscherin Isabelle Odermatt von der Universität Zürich empfiehlt, Sitzungen im Stehen anstatt im Sitzen abzuhalten. Ihre Studie belegt, dass Sitzungen damit rund ein Drittel kürzer sind und trotzdem die gleich effizienten Ergebnisse liefern. Fabian Vettori Praktikant Unternehmenskommunikation Illustration: Angela Vergara, lernende Grafikerin

Tipps für bessere Sitzungen Sei fokussiert: Was willst Du mit der Sitzung erreichen? Was muss am Ende der Sitzung geklärt sein? Wenn Wichtiges und Unwichtiges gleich viel Zeit in Anspruch nehmen, kann etwas nicht stimmen. Sei kritisch: Wenn Dir nicht klar ist, warum Du an der Sitzung dabei sein sollst und welches die Erwartungen an Dich sind, dann hake nach: Was ist meine Rolle in dieser Sitzung? Und: Sind alle Personen dabei, die dabei sein müssen? Muss die Sitzung wirklich sein oder lässt es sich anders klären? Gibt es (weitere) Personen, die sich fragen, warum sie zur Sitzung gerufen wurden? Sei pünktlich: Ist eine maximale Sitzungsdauer deklariert, an der sich alle orientieren können? Mehr als eine Stunde ist zu viel – mehr kriegen wir nicht in den Kopf rein. Für den Sitzungsleiter • Überprüfe die Vorbereitung der Sitzungsteilnehmer: Haben alle die nötigen Unterlagen/Dokumente zur Hand und wissen alle, worum es geht?

• Wiederhole das Ziel der Sitzung zum Beginn und komm immer wieder auf dieses Ziel zurück, wenn Du merkst, dass die Diskussion abschweift. Unterscheide konsequent von Haupt- und Nebenschauplätzen. • Erstelle nach der Sitzung rasch, innert Tagesfrist, ein Kurzprotokoll mit allen Beschlüssen. • Sei ein Dompteur: Begrenze extrovertierte Sitzungsteilnehmer und fördere die Introvertierten, die sich eher zurückhalten. Das sind oft genau die Menschen mit den guten Ideen. • Mach Pausen, wenn’s zu langatmig wird. • Sprenge den Rahmen: Warum muss eine Sitzung immer im muffigen Sitzungszimmer stattfinden? Organisiere zum Beispiel einen Spaziergang oder verlagere die Zusammenkunft an einen anderen Ort – ein Tapetenwechsel kann sehr inspirierend sein und vor Betriebsblindheit schützen. Was nachweislich die Effizienz steigert: stehen statt sitzen. Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation

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t Was gut

Abwechslung inbegriffen

Lernende in der Logistik sind fest in den Arbeitsalltag eingebunden. Bild: Andrin Maurer

Die Brüggli-Logistik ist eine wichtige Drehscheibe für Warenbewirtschaftung, Warenfluss und Versand. Lernende Logistikerinnen und Logistiker profitieren von einer grossen Vielfalt. Brügglis Eigenprodukte der Marken Leggero und 4pets geben besonders auch in der Logistik zu tun. Mehr als 15 000 Hundeboxen im Jahr, Hunderte Fahrradanhänger und Zubehör: Das fordert die Logistik in der Materialbereitstellung ebenso wie im Versandwesen und in der Lagerbewirtschaftung. Dazu kommen Aufträge externer Partner, für welche die Logistik eine wichtige Drehscheiben-Funktion übernimmt. Von den Aufträgen in grosser Bandbreite profitieren besonders auch die Lernenden. Lernende sind in der Logistik von Brüggli von Anfang an in den Arbeitsalltag eingebunden. Vom Gü-

terumschlag über die computerbasierte Verwaltung von Lagersystemen bis hin zur Lagerbewirtschaftung mit dem Stapler: Die jungen Logistik-Berufsleute lernen in einem wirtschaftsnahen Umfeld und sammeln wertvolle Erfahrung. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem: • Fachgerechte Bewirtschaftung von Waren • Warenannahme und Kontrolle inklusive Verbuchung im Computersystem • Einlagerung von Gütern mithilfe von Gabelstaplern und anderen Fördersystemen

Filmportrait einer Lernenden Einblicke in die Brüggli-Logistik bietet das Filmportrait von Jessica Locher, die bei uns Logistikerin EFZ lernt: Youtube >> Brüggli >> Logistikerin Jessica Locher.

• Verpackung und Beschriftung von Waren für Auslieferung und Versand • Erstellung von Lieferpapieren • Fachgerechte und sichere Beladung von Fahrzeugen / Ladesicherung • Regelmässige Überprüfung der Lagerbestände und Sicherstellung des Warenflusses • Sorgsamer Umgang mit Gefahrengut • Fachgerechtes Entsorgen und Recyceln von Gütern • Bereitstellen von Waren für die interne Produktion Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation

Logistik in Zahlen Einige Fakten aus der Jahresstatistik: • Versandte Paletten: 2 350 • Kommissionierte Positionen: 12 000 • Inland-Pakete: 2 500 • Ausland-Pakete: 2 000 • Lagerplätze an der Badstrasse in Romanshorn: 2 000 • Lagerplätze im Aussenlager: 350 • Interne Transporte (Fahrten): 10 000 • Händleranlieferungen: 500 • Bewirtschaftete Aluminium-Bestände: 150 Tonnen (Rohmaterial-Zuschnitt, interne Lagerung, Nachschub, Produktion/Endmontage)


Mein Br

üggli

Fördern und fordern Im Juli 2008 wurde mir bei Brüggli eine Stelle angeboten. Es gehe um die Betreuung und Förderung von Jugendlichen, die eine Ausbildung über die IV absolvieren. Ich nutzte den Tag der offenen Tür, um mir ein Bild von Brüggli zu machen. Auf dem Rundgang fiel mir die sehr positive Stimmung im ganzen Haus auf. Interessiert, freundlich – einfach eine tolle Art, wie man sich begegnete. Nach zwei Monaten Überlegung entschloss ich mich, meine alte Stelle als Pflegefachfrau HF zu kündigen. Ich habe es bis heute nie bereut.

von der IV bezüglich Lehrstellen für Jugendliche, bei denen eine Ausbildung im geschützten Rahmen angezeigt ist. Es kann sein, dass eine Lernbehinderung vorliegt, diverse psychische Krankheiten bestehen oder dass bereits in der freien Wirtschaft eine Ausbildung abgebrochen werden musste.

Helfen, wo nötig Die Arbeit, junge Menschen zu unterstützen und in vielen lebenspraktischen Aufgaben zu fördern, machte mir Freude. Auch der Notfalldienst lag mir; wir rückten aus, wenn abends oder nachts jemand in eine psychische Krise gekommen war. In dieser Zeit gab es den Campus+ mit den 50 Wohnplätzen noch nicht. Da besuchte man abends von 17 bis 22 Uhr die verschiedenen Wohngruppen in Romanshorn und Amriswil nach Plan. Manchmal half man mit, die Wohnung mit Putzen auf Vordermann zu bringen, zeigte den jungen Lernenden, wie man bügelt, Shirts zusammenlegt, um sie dann mit Sorgfalt im Schrank zu versorgen, und erklärte den Umgang mit Rechnungen und gelbem Postbüechli.

Es geht immer weiter Brüggli bleibt nicht stehen. So sind neue Ausbildungsangebote dazugekommen, zum Beispiel der Grafiker der und Mediamatiker. Wenn der Lernende die öffentliche Gewerbeschule besuchen kann, unterscheidet sich die Ausbildung nicht von einer Lehre, die in der freien Wirtschaft gemacht wird. Das Fähigkeitszeugnis EFZ und das Zeugnis und der Berufsattest EBA sind dasselbe. Die berufspraktischen Ausbildungen sind wertvoll für Jugendliche mit Lernbehinderungen. Wichtig ist es hierbei, die Lernenden so zu fördern, dass sie nicht überfordert werden, aber auch nicht unterfordert sind.

Eines wurde mir sehr bewusst bei Brüggli: wie dankbar man sein muss, wenn keine psychischen und körperlichen Krankheiten in der Familie bestehen. Wie viel schwerer haben es die jungen Menschen, eine Ausbildung bis zum Abschluss zu bringen, wenn immer wieder eine Krise dazwischenfunkt.

Am Ende der erfolgreichen Ausbildung gehen die Lehrabgänger über den für sie ausgelegten roten Teppich und nehmen ihr Lehrabschlusszeugnis aus den Händen eines Mitglieds der Geschäftsleitung in Empfang. Da bin ich jedes Mal gerührt.

Nach fünf Monaten wurde ich gefragt, ob ich die Stelle als Leiterin der Fachstelle Berufliche Massnahmen übernehmen möchte, und so wechselte ich intern. Meine jetzige Arbeit hat vor allem mit der Organisation zu tun. So bekomme ich Anfragen

Rosmarie Anderes ist für die Lernenden da. Das geht weit über die klassische Ausbildung hinaus. Bilder: Privat, Hanspeter Bühler

Rosmarie Anderes Leiterin Fachstelle Berufliche Massnahmen

«Mein Brüggli» ist Ihres In der Rubrik «Mein Brüggli» kommen Mitarbeitende zu Wort, die sagen, was ihnen Brüggli bedeutet. Es ist ihr Brüggli, ihre Ansicht, ihre Haltung. Hier sind differenzierte Betrachtungen willkommen – weit über das Unternehmen und unsere Arbeit hinaus. Wer dem Beispiel von Rosmarie Anderes folgen will, ist herzlich willkommen: mha@brueggli.ch

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n Verlosu

Ihre Illustration Wollen Sie auch ein solches Portrait von sich? Machen Sie mit: «unterwegs» verlost in jeder Ausgabe eine Illustration, verwirklicht von Angela Vergara, die bei uns Grafikerin lernt. mha. Die Verlosung im letzten «unterwegs» gewinnt Andrea Müller, Teamleiterin Verkauf. Nun geht es in die nächste Runde: Es können wiederum alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Brüggli teilnehmen. Einzige Bedingung: Wer gewinnt, hängt seine Illustration am Arbeitsplatz auf. Unsere Leserinnen und Leser von auswärts bitten wir ausnahmsweise um Nachsicht; diese Verlosung ist Brügglis Mitarbeitenden vorbehalten.

Andrea Müller gewinnt ein Portrait von sich. Nun steht die nächste Verlosung an.

 Ja, ich will mein eigenes Portrait gewinnen. Vorname Name Abteilung/Bereich

Senden Sie diesen Talon vollständig ausgefüllt per interner Post an: Michael Haller, Unternehmenskommunikation Teilnahmeschluss: 30. September 2017

Die Gewinnerin oder der Gewinner wird im Oktober 2017 benachrichtigt.


Brücken

schlag

«Es geht um Sinnfragen» Otti Mendelin ist Unternehmensberater. Mit seiner Mendelean GmbH und seinen Partnern ist er regelmässig bei Brüggli zu Gast. Auf einem Betriebsrundgang hat er sich ein gründliches Bild gemacht. Otti Mendelin, was führt Sie, die Sie Ihren Firmensitz im Baselland haben, zu uns? Otti Mendelin: Ich mache regelmässig Workshops und Führungsseminare für Kunden wie zum Beispiel die Hydrel GmbH mit Sitz in Romanshorn. Die Gastronomie Usblick bietet sich ideal an für mich und meine Partner. Die Infrastruktur ist toll; ich brauche helle Seminarräume. Wichtig ist mir auch, dass genug Platz vorhanden ist für inspirierende Gruppenarbeiten. Wie erleben Sie Brüggli? Freundlich, zuvorkommend und professionell in der Organisation und in den Prozessen. Ich werde im Usblick gut beraten. Das Konzept von Brüggli fasziniert mich. Ich habe mittlerweile mehr als 15 Seminare bei euch gemacht und werde nächstes Jahr zahlreiche weitere bei euch durchführen. Das Menschenbild, die Schaffensweise: Das passt gut zu meinem Verständnis von Führung und Organisation. Ihr jüngster Workshop stand im Zeichen von Industrie 4.0: von der Strategie zur Umsetzung. Sie waren mit 20 Unternehmern bei uns zu Besuch und haben einen Betriebsrundgang gemacht. Welchen Eindruck haben Sie und Ihre Partner? Wir haben einen modernen Betrieb kennengelernt. Brüggli ist in der Produktion und Arbeitsplatzgestaltung auf einem guten Niveau und braucht den

Vergleich mit Betrieben im freien Markt nicht zu scheuen. Falls Brüggli im Bereich Montage eine Produktivitätssteigerung anstreben wollen würde, sähe ich noch Optimierungspotenzial mittels verschiedener Methoden des Lean Managements. Aber bei euch geht es ja nicht nur um die Produktivität in einem quantitativen Sinn, sondern um viel mehr: nämlich das Vertrauen in den Menschen. Ich glaube, die Herausforderung ist eine strategische: Brüggli noch mehr bekannt machen. Mancher Industrielle könnte von Brüggli lernen bezüglich Auftragsbearbeitung, Materialfluss und Arbeitsplatzgestaltung. Darüber hinaus seid ihr aber vor allem vorbildlich im Umgang mit dem Individuum. Ihr habt keine Angst vor den einzelnen Gebrechen. Die Menschen bei euch sind in der Lage, gut zu produzieren; so habe ich das auf dem Betriebsrundgang und speziell in der Montage und Mechanik erlebt.

Viele Firmen da draussen tragen zu wenig Sorge zu ihren Mitarbeitern und deren Förderung. Auch das ist eben ein Thema von Industrie 4.0. Es geht um den Menschen und seine Rolle im technologischen Wandel. Mich hat sehr beeindruckt, wie flexibel Brüggli ist. Ihr habt naturgemäss eine hohe Fluktuation. Für einen Industriebetrieb ist das ein Horrorszenario. Ihr habt das zu einer Stärke gemacht.

«Man tut gut daran, der Unternehmenskultur Sorge zu tragen.»

Der Laie versteht unter Industrie 4.0 in erster Linie die Digitalisierung und Automatisierung. Nun reden Sie vom einzelnen Menschen. Wie passt das zusammen?

Otti Mendelin ist mit seinem Unternehmen regelmässig bei Brüggli zu Gast.

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schla Brücken

Was macht ein starkes Unternehmen aus? Das Menschenbild ist zentral. Es geht um Sinnfragen. Der Mensch ist das Kapital und der Erfolgsfaktor jedes Unternehmens. Man tut gut daran, der Unternehmenskultur Sorge zu tragen. Das gefällt mir bei Brüggli: Menschen mit Defiziten schaffen es besser als mancher im freien Markt, eine Aufgabe umzusetzen. Ich denke, das hat damit zu tun, dass man gut zu ihnen schaut und sie eine klare Rolle haben, angeleitet von einer Führung, die das gesamte Team auf dem Weg voran mitnimmt. Darum habe ich mein Seminar zum Thema Industrie 4.0 bei euch gemacht: Ich wollte normalen Industriellen Anstösse geben und ihnen zeigen, wie die Verschiedenartigkeit zum Erfolg führen kann. Was ist Ihre persönliche Mission, was treibt Sie an? Ich will entwickeln, bewegen. Ich sehe mich als Beteiligten. Meine Leistung als Unternehmensberater ist auf Langfristigkeit ausgelegt, auf Partnerschaften mit weitem Horizont – vom Prozess bis zum Resul-

tat. Ich unterstütze Unternehmen durch eine enge Bindung an Führung und Mitarbeitende und durch Übernahme von Verantwortung. Ich schule nicht nur, sondern packe auch selbst mit an. Sie sind auch ein Netzwerker; Ihre Partnerschaften zeugen davon. Wie wichtig sind solche Netzwerke? Sie sind das A und O. Das war für mich vor rund einem Jahr mitunter der Grund, mich in der Beratungsleistung mit anderen zu vernetzen. Die Firma Taktwerk GmbH, mit der ich das Seminar bei euch durchführte, ist zum Beispiel auf die Prozessberatung und Analyse sowie die Entwicklung von Software im Bereich Industrie 4.0 spezialisiert. Wir sind gemeinsam stark und bieten ein Gesamtpaket an: von Softwareprozessen über Geschäftsmodelle bis hin zur Strategie.

auch den Bereich Unternehmensstrategie und Geschäftsmodell-Innovation abdecken kann. Dann will ich in der Bankenwelt Fuss fassen. Ich werfe den Banken vor, dass für sie nur die Zahlen zählen, nicht die Menschen und die Prozesse in den Unternehmungen. Das ist pauschal gesagt, klar. Und es gibt Unterschiede zwischen lokal und kantonal verankerten Banken und Grossbanken. Ich möchte mit Regionalbanken kooperieren und sie besonders auch für die Bedürfnisse von kleineren und mittleren Industriebetrieben sensibilisieren. Dies soll mittels Tagesworkshops für die Kundenberater und -beraterinnen erfolgen. Und wer weiss, vielleicht kann ich ja eine Regionalbank im Raum Romanshorn überzeugen und dann die Workshops bei Brüggli durchführen. Interview: Michael Haller Leiter Unternehmenskommunikation

Was sind Ihre nächsten Ziele? Ich bin dabei, weitere Kooperationspartner ins Boot zu holen. Besonders freut mich, dass ich neu

An einem Seminar in der Gastronomie Usblick. Bilder: pd

Mendelean GmbH mha. Die Mendelean GmbH mit Sitz in Nenzlingen, Baselland, berät Unternehmen in Fragen rund um Prozessoptimierung, Personalentwicklung und Leanmanagement. Otti und Renate Mendelin und ihr Team verfügen über ein stetig wachsendes Netzwerk, mit dem sie umfassende Dienstleistungen erbringen – vom Zeitmanagement über die Softwareentwicklung bis hin zur Unternehmensstrategie und zum Geschäftsmodell. Mit individuellen Seminaren und Tagungen, zum Beispiel zum Thema Industrie 4.0, setzen sie Akzente und führen Fachleute verschiedener Branchen zusammen. Dabei versteht sich die Mendelean GmbH als Partner auf Augenhöhe. «Wir wollen immer Beteiligte sein», sagt Otti Mendelin, «durch enge Bindung an Führung und Mitarbeitende, durch Einsatz und Übernahme von Verantwortung».


Rätsel

Wer findet die 5 Unterschiede? Zweimal dasselbe Bild – mit fünf kleinen Unterschieden. Wer findet alle ? Kreisen Sie die entsprechenden Stellen ein und senden Sie den Talon vollständig ausgefüllt per interner Post an : • Michael Haller, « unterwegs », Unternehmenskommunikation Wenn Sie nicht im Brüggli tätig sind, senden Sie Ihren Talon in einem frankierten Kuvert an : • Brüggli, Rätsel « unterwegs », Hofstrasse 5, 8590 Romanshorn

Verlosung unter allen richtigen Einsendungen : 3 × 1 Brunch-Gutschein à CHF 32.50 von der Gastronomie Usblick Einsendeschluss : 30. September 2017 Die Gewinner/-innen werden im Oktober 2017 persönlich benachrichtigt. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung des Gewinnes.

Gewinner der Verlosung im letzten «unterwegs»: Roberta Dürst, Walzenhausen, privat Susanne Schärer, Arbon, privat Mirella Zendron, Mitarbeiterin Qualität & Service

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Brüggli-Mitarbeiter / -in

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Süsses oder Saures? Keine Frage für Jasmin Lutz mha. Jasmin Lutz hat sich für die süssen Seiten eines selbstbestimmten Lebens entschieden. Fleiss und Ausdauer helfen ihr, den sauren Beigeschmack einer Lernschwierigkeit zu neutralisieren. In der Gastronomie Usblick schöpft sie aus dem Vollen. Eine neue Publikation erzählt, was ihr die Arbeit bei Brüggli bedeutet: Als Download auf www.brueggli.ch oder zu bestellen bei: Brüggli, Unternehmenskommunikation, michael.haller@brueggli.ch

n ist. «Sie musste ist froh, dass sie zufriede Rolf Lutz, Jasmins Vater, iten, die Scheimpfen.» Die Lernschwierigke sich schon früh durchkä hat sie am Ende stark Jasmin belastet hat, dung der Eltern: Was ent und Fleiss aus Engagem mit hen Schwäc gemacht. Sie gleicht elt, die am entwick reude digkeit und Einsatzf und hat eine Selbstän nötig ist. willkommen, sondern Arbeitsplatz nicht nur

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f Im Dialog mit Postenche Christian Müller. Jasmin n und fühlt sich verstande wertgeschätzt.

zt. Jasmin geniesst’s. Aufs richtige Pferd geset

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Leidenschaft: das den Desserts eine weitere Jasmin Lutz hat nebst ihr Selbstvertrauen in jüngeren Jahren hat Reiten. Eine Reittherapie vor allem: Es ist eine ermögen genährt. Und und ihr Konzentrationsv ässig, dreimal Regelm die bis heute anhält. Faszination gewachsen, ein Familienmitausreiten. «Sie ist wie in der Woche, geht Jasmin eraner und Hollden, mit deren Hannov Abderha Nicole sagt glied», et. Ihr Durchhaltewille ein enges Band verbind steiner Pferde Jasmin fahren konnte, war Jasmin noch nicht Auto viel schon früh auf: Als in Wittenbach zu um zu Fuss zu den Pferden ihr kein Weg zu weit, Wetter. tem gelangen – auch bei schlech

Schpiralä & Co. mha. In der Gastronomie Usblick ist eine hausgemachte Pasta erhältlich. Die Kollektion zählt aktuell vier Varietäten: Schpiralä, Facklä, Rüscheli und Rölleli. Die Tomatäsosä passt ideal dazu. Erhältlich am Usblick-Empfang: die Pasta (zu 400 bzw. 500 Gramm) zum Stückpreis von 4.50 Franken und die Sauce (450 ml) für 5 Franken.

Jasmin und die süssen Seiten des Lebens.

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Was uns wichtig ist mha. Das Leitbild von Brüggli liegt druckfrisch vor und hält fest, was Brüggli wichtig ist: von der Goldenen Regel bis zu unserer Definition von Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Es beinhaltet auch die Führungsrichtlinien, die darlegen, nach welchen Werten sich Brüggli orientiert.

Wir sind wirtschaftlich, aber nicht um jeden Preis. Wir sind sozial, aber nicht auf Kosten anderer.

Leitbild Fair und offen Wir behandeln andere so wie wir selbst

behandelt werden wollen.

Umfassend und übergreifen d Brüggli strebt eine langfristige , auf nachhaltige Wertbildung ausgerichtete Unternehmenspolitik an. Diese bindet soziale, wirtschaftliche und ökologische Aspekte gleichermassen in die unternehmerischen Entscheidun gsprozesse ein. Konsistent und verantwortungsbewus

st

Wir betrachten ein hohes Qualitätsbe wusstsein als wichtiges Identifikationsmerkmal und schaffen damit hohe Produktsicherheit und Dienstleistungsqualität .

CH TI G IS T WA S UN S WIgsr ichtlinien Leitbild & Füh

run

Diese Publikation ist für Mitarbeitende im Personalbüro erhältlich.

Partnerschaftlich und vorbildlich Behörden, Institutionen, Kunden, Mittler, Lieferanten, Klienten und Mitarbeiter betrachten wir als Partner. Gegenseitiges Vertrauen und daraus wachsende Sicherheiten sollen zu hoher Leistungsbeständigkeit und langfristigen Beziehungen führen. Der Grundsatz von Partnerschaft ist für uns Geben und Nehmen. Das Vorleben durch die Führungskräfte ist dabei ein entscheidender Faktor. Eigenständig und vernetzt Brüggli steht auf der Rechtsgrun dlage eines Vereins. Wir sind politisch und konfessionell neutral, engagieren uns aber punktuell in wirtschaftspolitischen, sozialpolitis chen und in agogischen Belangen, wenn wir dadurch das Umfeld unserer Tätigkeit und eine gute Zukunft unserer Klienten und Mitarbeiter positiv beeinflussen können. Durch eine breite Vernetzung im nationalen und internationalen Markt schaffen wir optimale Möglichkeiten für uns und unsere Partner, ohne dadurch die Eigenständigkeit zu verlieren.

My Social Engagement mha. Ein neues Label taucht fortan auf Brüggli-Produkten und -Publikationen auf. My Social Engagement zeichnet alle aus, die Brügglis gemeinnützige Arbeit unterstützen. Es ist unser Symbol für den Einklang von sozialer Mission, wirtschaftlichem Anspruch und ausgeprägtem Qualitätsbewusstsein mit Mehrwert für alle Beteiligten.

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Jahresbericht 2016 Das Geschäftsjahr im Überblick: als Download auf www.brueggli.ch oder zu bestellen bei: Brüggli, Unternehmenskommunikation, michael.haller@brueggli.ch

2016

GESC HÄF TSBE RICH T

unterwegs 0617 |

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Johan Gall

Simon Ellenbroek

Jubilarinnen und Jubilare Januar bis Juni 2017 25 Jahre

10 Jahre

C채sar Kurath, Mitarbeiter Montage, 1.4.2017

Antonio Duarte Bento, Mitarbeiter Textil, 5.2.2017 Anneliese Holzer, Mitarbeiterin Qualit채t & Service, 19.2.2017 Simon Ellenbroek, Teamleiter Verkauf, 19.3.2017 Hanspeter Tuchschmid, Jobcoach Arbeitsassistenz, 1.5.2017 Peter Ott, Mitarbeiter Exportb체ro, 7.5.2017 Silvia Solinger, Mitarbeiterin Druckerei, 21.5.2017

15 Jahre Gudrun Knab-Topka, Leiterin Campus+, 1.1.2017 Rolf Lieberherr, Mitarbeiter Montage, 1.1.2017 Heidi Rast, Mitarbeiterin Qualit채t & Service, 6.5.2017

Hanspeter Tuchschmid und Peter Ott wollen nicht mit Bild gezeigt werden.

Rolf Lieber

idle Mar ia Schm

Silvia Solinger

herr


Jubiläe

n

Heidi Rast Cäsar Kura

th

Pensionierungen Johan Gall, Mitarbeiter Usblick, 30.4.2017 Maria Schmidle, Mitarbeiterin Technische Dienste, 31.5.2017

Herzlichen Glückwunsch

pka

Gudrun Knab-To

Die Geschäftsleitung von Brüggli dankt allen Jubilarinnen und Jubilaren für ihre Treue und ihren Einsatz. Alles Gute für die Zukunft. Anneliese Holzer

Antonio Duarte Bento

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Tag der offenen Tür Samstag, 9. September 2017, 9 bis 16 Uhr

· Rundgang am Hauptsitz · Einblicke ins Wohnhaus Campus+ · Genuss, Musik und viel Wissenswertes von und mit Brüggli

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