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JUNG-UNTERNEHMER

Traditionelle Tracht und Haute Couture Vor einem Jahr hat Elisabeth Mooswalder ihre Schneiderei in St. Lorenzen eröffnet. Ihr gelingt es, Tradition und Moderne mit Nadel und Faden in Anmut zu kleiden, im Sinne des Wortes.

Puschtra: Wie kamen Sie zu diesem Beruf? Elisabeth Mooswalder: Das Schneidern hat mich immer schon interessiert. Im Jahr 2006 habe ich die Meisterprüfung abgelegt. In der Modeschule „Le grand Chic“ in Verona habe ich mich in Schnitttechnik und Schneiderei spezialisiert, sowie ein Praktikum bei Nicoleau in Venedig in der Anfertigung für Theater- und Filmkostüme. Gibt es Kreationen, die Sie besonders freuen?

Seit ich selbstständig bin freut mich jedes Stück aus meiner Hand, das der Trägerin oder den Träger gefällt, zum Beispiel, wenn eine Musikkapelle oder ein Schützenverein meine genähten Trachten tragen. Ich liebe die Herausforderung und mag gerne neue Ideen und Inspirationen umsetzen. Spannend für mich waren das Schneidern von Kostümen für Musicals wie West Side Story oder Jesus Christ Superstar für das Stadttheater Bozen oder für die Opern Die Zauberflöte und André Chénier für die Bregenzer Festspiele.

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Wie kamen Sie zur Trachtenschneiderei? Es hat mich gereizt, aber als ich mich intensiver damit befasste, ist mir bald klar geworden, wie sehr sich die Trachtenschneiderei von allem anderen unterscheidet, was ich mir bisher angeeignet hatte. Jeder Schritt musste neu und von Grund auf gelernt werden. In Meran habe ich Kurse für Damen- und Herrentrachten besucht, sie ermöglichten mir eine erste Annäherung, aber es genügte beileibe nicht. Auf der Suche nach einem Lehrmeister hatte ich das Glück bei Hansjörg Götsch aus St. Martin Passeier in die „Kunst“ der Trachtenschneiderei eingeführt zu werden. Woher beziehen Sie die Stoffe und Accessoires für Trachten? Das ist in der Tat nicht so leicht. Von einer aufgelassenen Trachtenschneiderei hab ich glücklicherweise einen reichlichen Fundus an Stoffen, Bändern und Zubehör übernehmen können. Mittlerweile habe ich gute Kontakte zu Handwerkern, die Kleinteile, wie Knöpfe, Ringe und Haftln in mühseliger Handarbeit herstellen. Gewisse Stoffe zu finden ist auch nicht immer einfach, aber ich habe mir ein breites Netzwerk von Herstellern aufgebaut. Was fertigen Sie sonst noch an? Ich erledige Reparaturen, Modernisierung und Anpassungen, ob für Mann, Frau oder Kind, egal ob Tracht oder Alltagsbekleidung. Vermehrt werden Abend- oder Hochzeitskleider per Internet bestellt, ich mache Änderungen, wenn da was nicht passt, oder wechsle den

Reißverschluss in der so geliebten Blue Jeans. Kurzum, ich ändere und nähe alles, was einer Naht bedarf, von der Lederhose bis zum Seidenkleid. Hat Maßschneiderei in Zeiten billiger Industrieware eine Zukunft? Auf jeden Fall. Wenn jemand ein ausgefallenes Einzelstück möchte, kann ich es verwirklichen, ich kann mit Farben und Stoffen spielen. Menschen mit Figurproblemen, kann ich das passende Kleid auf den Leib schneidern. Es hat keinen Sinn, Kleider zu nähen oder zu kopieren, die die Konfektion herstellt, deshalb hab ich mich auf historische Trachten spezialisiert. Aber dass ich nicht mit Billigprodukten konkurrieren kann, ist eh klar. Was waren Ihre ausgefallensten Stücke? Ein Anzug aus durchsichtigem Nylon und die Nachbildung des Mantels von Kaiser Franz Josef. Ich persönlich liebe Schlichtes, am wichtigsten ist jedoch, dass es gut sitzt. Was macht den Zauber eines schönen Kleidungsstückes? Es muss den Typ der Trägerin oder des Trägers unterstreichen, darf weder zu einfach und sollte auch nicht zu ausgefallen sein. Wenn die Person sich darin wohl fühlt, entsteht Schönheit, Eleganz und eine Harmonie mit großer Ausstrahlungskraft.

Trachten- und Maßschneiderei Elisabeth Mooswalder Josef-Renzler-Str. 30 39030 St. Lorenzen Tel. 348 7096859 info@mooswalder.it www.mooswalder.it

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Puschtra Nr. 7 vom 9. April 2014  

Puschtra Nr. 7 vom 9. April 2014  

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