BeneFit-Spezial

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Spezial: Alles nachhaltig

Nr. 1

Jahre Ökostrom in Lüneburg Seite 6+7


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www.wirfuerbio.de/gfa Eine Initiative der deutschen Abfallwirtschaftsbetriebe. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

schweitzer media gmbh

KEIN PLASTIK IN DIE BIOTONNE.


EDITORIAL Spezial

Liebe Leserinnen, liebe Leser, was bedeutet eigentlich Nachhaltigkeit? Immerhin ein Wort, das uns in den vergangenen Jahren immer häufiger in fast allen Bereichen unseres Lebens begegnet. Während wir im Alltagssprachgebrauch den Begriff häufig mit Langlebigkeit und Umweltschutz verbinden, bezieht sich „nachhaltige Entwicklung“ auf den verantwortungsbewussten Umgang mit den endlichen Ressourcen unserer Erde, so schreibt es die Gesellschaft für Qualität auf ihrer Internetseite und erklärt weiter: Nachhaltigkeit gibt es schon seit mehr als 300 Jahren und ist somit kein neues Konzept. Stimmt, denn der Begriff „Nachhaltigkeit“ geht auf den Deutschen Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645–1714) zurück, der ihn in seinem Buch von 1713 auf die Forstwirtschaft übertrug. Das Ziel war die Schaffung eines stabilen Gleichgewichts. Sein Grundgedanke: In einem Wald sollten nur so viele Bäume abgeholzt werden, wie in diesem Wald in absehbarer Zeit nachwachsen können. Dadurch sollte langfristig der Bestand des Waldes sichergestellt werden, welcher die Basis der Forstwirtschaft bildet. Heute praktizieren wir Nachhaltigkeit in jedem Lebensbereich: Beim Einkaufen achten wir auf regionale und saisonal verfügbare Produkte, wir heizen mit Holz und/oder Energien aus Sonne-, Wind- und Wasserkraft, trennen Müll, meiden aber auch unnötige Verpackungen und versuchen auch beim Möbelkauf auf heimisches Holz, Schadstoffarmut und Langlebigkeit zu achten. Das alles ist hier in unserer ersten BeneFit-Spezial-Ausgabe Thema. Lassen Sie sich inspirieren. Ich wünsche Ihnen

Zuhause & die Region

gute Unterhaltung…

04 __Aktuelles 06 __Titelhelden:

…Ihre Julia St.-Böthig

Stadtwerke Barmstedt

08 __Nachhaltig wirtschaften:

Biomüll – eine Banane geht ihren Weg

10 __Nachhaltig leben:

Nachhaltiger Genuss im FRIEDAs B-Kleidungs-Treff Scharnebeck

14 __Nachhaltig wohnen:

Impressum: Jahrgang – Nr. 1/2021

Möbel Wolfrath – gesund wohnen arbeiten Forstgut Rehrhof – heizen mit Holz

Herausgeberin & Chefredakteurin: Dipl. oec. troph. Julia St.-Böthig julia.boethig@benefit-lueneburg.de Redaktionsanschrift: Fritz-Reuter-Ring 16, 21391 Reppenstedt, T. 0 41 31 / 28 422 15 Mitarbeiter: Marcel Baukloh, Anika Werner Fotografie: Frische Fotografie, Marcel Baukloh Layout: Grafik-Design Rehr-Hoffmann Anzeigen & Vertrieb: Julia St.-Böthig. T. 0 41 31 / 28 422 15 Druck: FIND Druck- und Medienwerkstatt GmbH Auflage: 10.000 · www.benefit-lueneburg.de Alle Rechte vorbehalten. Der Nachdruck der Texte oder Fotos ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages gestattet. Für unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen.

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Aktuelles Spezial

Buchtipp

Nachhaltig genießen

Ein Buch für jeden, der gerne lebt

Heideschwaben – regional und selbstgemacht

„Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben“, weiß der bekannte Arzt und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen. Drei Jahre war er unterwegs und recherchierte. Er traf Wetterforscher, Klimaaktivisten und Naturschützer. Er erfuhr, dass Nutztiere den Planeten kaputt rülpsen und pupsen. Die Pandemie, der Verlust an Tieren und das Wetter, das verrücktspielt zeigen, dass etwas mit der Welt nicht stimmt. Der Autor beschreibt, wie eng diese Krisen miteinander verbunden sind. Sein Fazit: „Wir müssen nicht die Erde retten – sondern uns.“ Positiv formuliert ist das ein Buch für jeden, der gerne lebt. Mit tollen Grafiken und Fotos und auch etwas zum Schmunzeln und Lachen.

Seit knapp einem Jahr sind die Heideschwaben in der Region zu haben: Die Maultaschen von Melanie Witte haben verschiedene Füllungen und werden mit viel Liebe und Geschmack in Handarbeit hergestellt. „Ich mache die Maultaschen zu 100 Prozent selbst und sie sind komplett ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe. Außerdem beziehe ich die Zutaten dazu aus der Region“, so die Inhaberin. Ihr ist wichtig zu wissen, woher zum Beispiel das Fleisch für ihre Maultaschen kommt. „Das beziehe ich ausschließlich von regionalen Händlern, von denen ich weiß, dass die Tiere artgerecht gehalten werden.“

„Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben“ von Eckart von Hirschhausen, dtv Verlagsgesellschaft, 24,- Euro

Umweltfreundlich unterwegs

Mit dem Rad zum Einkaufen und bis zu 800 Euro kassieren Bis Ende des Jahres lohnt es sich besonders, auf das Rad umzusteigen: Noch bis zum 31. Dezember haben alle Niedersachsen die Möglichkeit, eine Förderung beim Kauf eines Lastenrades, e-Lastenrades oder Lasten-S-Pedelecs zu beantragen. Voraussetzung ist, dass das Rad mindestens 40 Kilogramm zuladen kann und überwiegend für den Transport von Gütern dient. Für ein Lastenrad gibt es 400 Euro, für die Anschaffung eines e-Lastenrades oder Lasten-S-Pedelecs 800 Euro. Das Geld muss nicht zurückgezahlt werden. Das spart auf Dauer nicht nur Spritkosten, sondern ist auch für gut für die Umwelt. Alle Informationen und die Antragstellung gibt es unter www.nbank.de

Nachhaltig zu arbeiten heißt für sie aber auch, dass manchmal Zutaten eben nicht zu haben sind. „Wildfleisch, die Füllung für unsere ,Wilden’, ist nicht immer verfügbar, denn das ist ein saisonales Produkt.“ Gerade arbeitet Melanie Witte an nachhaltigeren Verpackungsmöglichkeiten. „Wir tüfteln derzeit an Maultaschen im Glas.“ Derzeit läuft bei Startnext eine Crowdfunding Kampagne. Denn Melanie Witte möchte demnächst einen eigenen Laden eröffnen. Wer sie unterstützen möchte, der schaut am besten schnell hier vorbei: www.startnext.de/heideschwaben Foto: Kirsten Köhler Fotografie

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Aktuelles Spezial

Radwegweisung

Radrouten in Lüneburg komplett neu ausgeschildert

Foto: Hansestadt Lüneburg

Wie komme ich am besten mit dem Fahrrad aus Oedeme zum Bahnhof, vom Zeltberg in die Innenstadt oder aus Ochtmissen zur Universität? Fragen, die sich nicht nur Touristen stellen, sondern auch die vielen Neubürger und Neubürgerinnen, die jedes Jahr nach Lüneburg ziehen. Gerade die alltäglichen Fahrradrouten im Stadtgebiet sind bisher nur spärlich ausgeschildert. Das ändert sich derzeit Stefan Heckes montiert insgesamt grundlegend: Seit Mitte 700 neue Schilder für die Radwegweisung November werden Schilder für die neue Radwegweisung in der Hansestadt aufgestellt. „Wir wollen künftig neben den touristischen Routen auch alle wichtigen Alltagsrouten im Stadtgebiet gut sichtbar und einheitlich ausschildern“, sagt Maike Tesch, Projektverantwortliche aus dem Bereich Mobilität bei der Hansestadt. Grundlage für das ausgewählte Routennetz ist dabei die Radverkehrsstrategie 2025. Das heißt: „Wir schildern die Routen aus, die am schnellsten und sichersten von A nach B führen“, erklärt Tesch.

Ausweg Mehrweg

Essen und Getränke to go Seit dem 3. Juli dürfen Lebensmittel oder Getränke zum Außer-Haus-Konsum nicht mehr in bestimmten Einwegkunststoffverpackungen verkauft werden. Viele Unternehmen sind darum auf Pappe oder Papier umgestiegen. Nur wenige bieten Mehrwegbehältnisse an. Es fehlt an bundesweit einheitlichen und praktikablen Mehrweglösungen. Insgesamt 26 der nominell umsatzstärksten Anbieter für To-go-Verpflegung hat die Verbraucherzentrale Hamburg gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Bayern sowie dem Bundesverband der Verbraucherzentralen zu ihren Verpackungslösungen für die Mitnahme von Speisen und Getränken befragt. 13 Unternehmen beantworteten den versendeten Fragebogen.

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Stadtwerke Barmstedt

Ökostrom für alle Nachhaltigkeit fängt mit Bewusstsein an – die Stadtwerke Barmstedt leben diese Überzeugung. Seit inzwischen 11 Jahren versorgt das kommunale Unternehmen Menschen und Haushalte im ganzen Norden ausschließlich mit Ökostrom. Allein im vergangenen Jahr wurden so gemeinsam über 19.770.000 Kilogramm CO2-Emissionen vermieden. Das entspricht 35.237 Weltumrundungen mit dem Auto.

Beim sparsamen Einsatz von Ressourcen hilft man den Kunden aktiv, und zwar durch regelmäßige Tipps zum Energiesparen und Energiemessgeräte. Als Betreiber mehrerer Photovoltaik-Anlagen und Blockheizkraftwerke betanken die Stadtwerke auch ihre eigene E-Flotte ausschließlich mit Strom ohne CO2-Emissionen. In der Region Lüneburg sind sie tief verwurzelt, seit sie sich 2009 im Hotel Bergström erstmalig als Newcomer in der Region vorgestellt haben. Dem Anspruch an seine nachhaltig faire Preispolitik ist das kommunale Unternehmen bis heute treu geblieben. Lockangebote, von denen unter anderem Wechselportale leben, haben die Stadtwerke Barmstedt nie gemacht. „Langfristig gehen solche Offerten auf Kosten der Verbraucher“, sagt Mathias Stolten, Werkleiter der Stadtwerke Barmstedt.

Grün mitdenken Auch viele kleine Schritte helfen bereits dem Klima: Die Stadtwerke Barmstedt gehen mit gutem Beispiel voran. An ihrem Wasserwerk haben sie ein grünes Biotop angelegt, an dem Libellen, Bienen und Hummeln zu Hause sind. Eine bienenfreundliche Blühwiese sorgt für eine durchgängige Nahrungskette. Das Herz des inzwischen 767 Kilometer umfassenden Glasfasernetzes der Barmstedter schlägt in einem trinkwassergekühlten Rechenzentrum. Für dieses ungewöhnliche Konzept wurde das Unternehmen nach dem Neubau sogar mit dem Deutschen Rechenzentrumspreis ausgezeichnet.

Erdgas für Lüneburg seit 2009 Mit einer Auftaktveranstaltung im Hotel Bergström begann das Engagement der Stadtwerke Barmstedt in Lüneburg und Umgebung am 11. Februar 2009. Nach dem Fall des Liefermonopols waren die Stadtwerke die ersten im Norden, die günstiges Erdgas in fremde Netze geliefert haben. Binnen drei Jahren entschieden sich über 10.000 Neukunden für die Angebote und den persönlichen Service, darunter viele Wohnungs- und andere Verwaltungen, für die insbesondere eine zeitnahe und transparente Abrechnung wichtig sind. Typische Merkmale des Angebots aus Barmstedt waren schon zu diesem Zeitpunkt die exakte Abrechnung über 365 Tage, eine Festpreisgarantie und Service ohne teure Bezahl-Hotlines. Ende 2010 vereinbarte das kommunale Unternehmen eine Partnerschaft mit der BeneFit, die im Januar 2011 erstmalig erscheinen sollte. Seitdem hat das Stadtwerk in keiner der inzwischen 59 Ausgaben gefehlt. „Auch das gehört zu unserem Verständnis von

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Titelhelden Spezial

„Der Umstieg auf Ökostrom kostet keinen Cent, garantiert CO2-freien Energieverbrauch und unterstützt dabei, dass die wichtigen Klimaziele auch erreicht werden können.“ Nachhaltigkeit, dass Partnerschaften vertrauensvoll gelebt werden und auf Langfristigkeit ausgelegt sind“, sagt Mathias Stolten.

Eine Tonne CO2 entspricht dem Volumen eines 10 Meter breiten, 25 Meter langen und 2 Meter tiefen Schwimmbades. „Diesen Platz kann jeder von uns gesünder und sinnvoller füllen“, sagt Stolten, „das hilft auch den kommenden Generationen.“

Bis 2011 war das Stromangebot lediglich eine Ergänzung zu den günstigen Erdgastarifen der Barmstedter. Das änderte sich mit dem Umstieg auf 100 Prozent regenerativen Strom grundlegend. „Es gab viele Privatkunden, die sich aktiv für die Stadtwerke Barmstedt entschieden haben, um selbst ihr eigenes kleines Zeichen für die Umwelt zu setzen“, sagt Stolten.

C02-Emissionen vermeiden Bei der Herstellung von Ökostrom werden keinerlei CO2Emissionen generiert – ein wichtiger Schritt im Hinblick auf die Lebensqualität jetziger und nachfolgender Generationen. Für das Stadtwerke-Team rund um Werkleiter Mathias Stolten geht es beim Thema Nachhaltigkeit immer um das Ziel, sowohl Ökonomie, Ökologie als auch gesellschaftliche und soziale Verantwortung in Einklang zu bringen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen gemeinsam mit seinen Ökostrom-Kunden 19,7 Millionen Kilogramm CO2-Emissionen vermieden.

Klimaschutz: Jeder kann seinen Beitrag leisten Der Anteil des Stromverbrauchs für Informations- und Kommunikationstechnik hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt, der Anteil von Kühl- und Gefriergeräten mit aktuell knapp 11 Prozent fast halbiert. So beträgt der durchschnittliche Stromverbrauch eines Privathaushalts aktuell 2.660 kWh.

Das StadtwerkeRezept Ist Ihr Lieblingsrezept ein Gewinner?

Laptop statt PC, bei geringerer Temperatur waschen und die Lichtquellen auf LED umrüsten: Stromsparen ist kein Hexenwerk. Ständige Standby-Funktionalität kostet allein in Deutschland mehrere Milliarden Euro pro Jahr – dabei ist Stromsparen ein wichtiger Schlüssel für eine umweltschonende und kostengünstige Energiewende.

Anlässlich des Jubiläums verlost BeneFit 11 hochwertige Lunchboxen aus Edelstahl mit Brunch-Brettchen. Senden Sie einfach eine EMail mit ihrem Lieblingsrezept und Rezept-Foto an: gewinnen@benefit-lueneburg.de. Die Ziehung der Gewinner erfolgt am

Wer den typischen deutschen Strommix aus Atom, Kohle und anderen fossilen Brennstoffen nutzt, verursacht pro Kilowattstunde einen CO2-Ausstoß von 408 Gramm. Hochgerechnet sind das 1,3 Tonnen CO2. Um eine Tonne CO2 aufzunehmen, muss eine Buche laut Wald-Zentrum der Uni-Münster ungefähr 80 Jahre wachsen. Sie müsste demnach 103 Jahre alt werden, um die klimaschädlichen Emissionen eines einzigen Haushaltes zu kompensieren. Der Umstieg auf Ökostrom kostet keinen Cent, garantiert CO2-freien Energieverbrauch und unterstützt dabei, dass die wichtigen Klimaziele auch erreicht werden können.

1. Februar 2022. Die Gewinner-Rezepte werden in der 1. BeneFit-Ausgabe im März 2022 veröffentlicht! Sie werden schriftlich benachrichtigt. Eine Barauszahlung ist nicht möglich, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Nachhaltig wirtschaften Spezial

Biomüll

Eine Banane geht ihren Weg von Anika Werner Von welcher Seite eine Banane geöffnet wird, da scheiden sich die Geister. Ich jedenfalls ziehe am großen Stängel und pelle ihre Schale ab. Darunter kommt die weißlich-gelbe Frucht zum Vorschein. Frisch und absolut unbeschadet. Kein Wunder, dass Bananenschale als das beste Verpackungsmaterial gilt. Was nach dem Genuss kommt, erfuhr ich bei einem Spaziergang über die Mülldeponie in Bardowick von Reiner Jilg und Kai Wolff von der GfA Lüneburg.

Nachdem ich meine Banane aufgegessen habe, landet die Schale in der Biotonne. Alle zwei Wochen wird diese von einem LKW abgeholt und in eine Halle auf die Deponie der GfA in Bardowick gefahren. „Wir müssen ein Stück weiter reingehen“, ruft Reiner Jilg in meine Richtung gebeugt. Wir sind einen Moment am Eingang stehengeblieben, denn hier ist es laut. Riesige Maschinen knattern und rattern und treiben die Fließbänder an. Trommeln drehen sich, metallisches Klappern kommt aus einer Ecke. Hinter uns steht ein Müllfahrzeug und piept. Rückwärts rangiert es in die Halle. Die Klappe am Heck öffnet sich und der Biomüll fällt heraus. Ich erkenne einen Apfelgriebs, matschige Kürbisse, Äste, eine Bananenschale, einen Blumenstrauß und eine Tüte.

Der Facharbeiter reißt sie auf. Ein zerbrochener Teller, Windeln, Taschentücher und Alufolie kommen zum Vorschein. Alles was nicht in die Biotonne gehört. Er sagt: „Oft schmeißen die Menschen ihren Restmüll in die Tonne und bedecken ihn mit Biomüll. Denn wenn ich sehe, dass etwas falsch entsorgt wurde, nehme ich die Tonne nicht mit.“ Kai Wolff hat gemeinsam mit Studenten der Leuphana ein Experiment durchgeführt. Sein Fazit: „Ein großes Missverständnis sind die biologisch abbaubaren Plastiktüten, die für den Biomüll verkauft werden. In unserem Versuch haben wir 14 Wochen beobachtet, ob und wie die Tüte sich zersetzt. Große Stücke blieben erhalten. Sie ist beim Kompostieren zwar zerkleinert worden, aber hat sich nicht zersetzt.“ So wird sie zum Störstoff.

In Stadt und Landkreis Lüneburg wurden im Jahr 2020 circa 14.000 Tonnen Bioabfall zur GfA gefahren. Daraus wurden 9.500 Tonnen Kompost hergestellt. Der Rest sind Störstoffe, Siebüberlauf und Rotteverlust. Der Bio-zertifizierte Kompost kann bei der GfA erworben werden, um den Boden im eigenen Garten aufzuwerten. Einige Landwirte aus der Region verbessern mit diesem alle drei Jahre ihren Acker.

Zwei Mitarbeiter durchsuchen den Biomüll nach Störstoffen. Nicht nur Gartenscheren und Plastikverpackungen werden hier aussortiert. Auch Kurioses wird im Biomüll entsorgt.

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Alles, was übrig bleibt, landet in der Mühle. Sie zerkleinert das Material. Leichte Teile wie Plastiktüten werden

Bei der GfA wird aus Biomüll Kompost hergestellt. Den Bodenverbesserer tragen Landwirte aus der Region auf ihre Biofelder auf.

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in einen Container gepustet und der Rest in die Rotthalle nebenan transportiert. Auf dem Weg in diese stelle ich mir vor, wie es dort stinkt. Säuerlich, schimmelig, eklig mit tausend aufgestachelten Wespen stelle ich mir die rottenden Müllberge vor. Wahrscheinlich streiten sich hier die Vögel mit den Ratten um die besten Stücke. Als ich die Halle betrete, bin ich positiv überrascht. Der Weg ist sauber gefegt, die acht Haufen sehen aus wie Erdberge. Die sogenannten Mieten liegen ruhig da. Nichts bewegt sich und im Gegensatz zur Sortierhalle ist es hier mucksmäuschenstill. Es stinkt nicht, es duftet. Der Geruch erinnert mich an einen Herbstspaziergang im feuchten Wald. Reiner Jilg sagt: „Die Mieten durchlaufen die Halle acht Wochen lang und werden regelmäßig gewässert. Luft wird zugeführt und abgesaugt. Das treibt die Zersetzung voran. Der Schaufelbagger in der Mitte der Halle lagert die Mieten um, sodass Sauerstoff zugeführt wird. Diesen benötigen die wichtigen und für den Umsetzungsprozess verantwortlichen Mikroorganismen zum Überleben. In den Haufen ist es bis zu achtzig Grad warm. Die hohe Temperatur stellt sicher, das alle Keime abgetötet werden.“ Ich fühle an dem Haufen. Er ist tatsächlich warm. Kleine feuchte Erdkrümel bleiben an meiner Hand kleben. Wir spazieren an den Mieten vorbei. Auf den braunen Haufen entdecke ich bunte Konfettischnipsel. Kai Wolff sagt: „Das ist das größte Problem, das wir beim Versuch entdeckt haben. Die kleinen Aufkleber auf dem Obst. Sie verrotten gar nicht, sind aber so klein, dass sie nicht als Störstoff aussortiert werden. Sie kleben auf Obstschalen und landen im Kompost.“ Ich denke an meine Bananenschale. Den Aufkleber habe ich bestimmt drauf gelassen. Das mache ich ab sofort anders, nehme ich mir vor. Wir verlassen die Halle. Draußen stehen weitere Mieten. Bei der ersten ist das Material grob, der nächste Haufen sieht feiner aus. Reiner Jilg sagt: „Die Mieten werden nach dem Rotten durchgesiebt. Der Biotonnenkompost wird von den Lüneburgern in den Garten und von den Landwirten auf die Felder gebracht. Das ist ein guter Bodenverbesserer.“ Er buddelt ein bisschen und hält den warmen, waldig duftenden Kompost in den Händen. „Moin!“ Hinter dem Komposthaufen kommt ein Mitarbeiter hervor. In der Hand hält er bunte Schnipsel. Er zieht die Augenbrauen hoch und sagt: „Obstaufkleber.“ Er sammelt zwei weitere Stückchen auf und wirft sie in die Tonne vor der Miete. Wieder zu Hause ziehe ich alle Aufkleber von den Obstschalen ab.

Fotos: Frische Fotografie

Ein Radlader füllt seine Schaufel mit Biomüll und kippt ihn in die Sortieranlage. Im Inneren dreht sich eine Trommel mit 80 Millimeter großen Löchern. Reiner Jilg erklärt: „Der Biomüll wird hier vorsortiert. Alles was durch die Löcher fällt, landet auf dem linken Förderband und wird der Komposthalle zugeführt. Rechts landen die größeren Stücke.“ Baumwurzeln, ein Sack mit Grünabfall und ein Teddybär laufen in die nächste Maschine. Hier wird das Material vorgerissen. Ein Stück weiter fliegen einzelne Teile an die Decke. Die Magnetplatte zieht Weißblech und Metalle an und lässt sie in eine Mulde danebenfallen. Hier sammeln sich Glasdeckel, Schrauben und Metallplatten. Wir gehen ein paar Stufen hoch in einen Raum. An einem Laufband stehen zwei Mitarbeiter, die den Müll mit der Hand sortieren. Einer von ihnen zieht ein großes Stück Gestrüpp heraus und wirft es in die Mulde unter sich. Er erklärt: „In diesem Zopf hat sich ein Seil verfangen. Das ist nicht kompostierbar.“ Ich merke an, dass ich eine Gartenschere vermisse, die mit großer Wahrscheinlichkeit mit den Gartenabfällen in der Tonne gelandet ist. Die beiden Männer lachen: „Da haben wir hier eine ganze Sammlung von.“ Der Teddy kommt angefahren und wird zum Restmüll sortiert. Auf meine Frage, was die kuriosesten Dinge sind, die sie im Biomüll fand, rümpfen sie ihre Nase. „Eine Wildschweindecke, die das doppelte wog, weil sie voller Maden war. Oder ein Kopf von einem Reh.“ Elektronische Geräte wie Laptops, Kabeltrommeln und Küchengeräte seien hier schon gelandet und werden von Hand aussortiert.


Nachhaltig leben Spezial

Feiern & genießen

Nachhaltiger Genuss im FRIEDAs am Wasserturm Hier ist alles handgemacht und wird mit viel Liebe zubereitet: Im FRIEDAs am Wasserturm in Lüneburg legen die Betreiber Jan-Philip Trenner und Dominik Herr großen Wert auf saisonale und regionale Küche. Was Küchenchef Dominik auf die Teller zaubert und Restaurantleiter Jan-Philip, kurz JP, zum Gast bringt, das ist nicht nur sehr lecker, sondern kommt garantiert aus der Region.

An Silvester bieten JP und Dominik Herr ein 7-GängeGalamenü inklusive Weinbegleitung. Von Kürbis Tempura über Krustentiersuppe und Bruderhahn-Ravioli bis zum Bauckhof-Rinferfilet und Bleckeder SchafeskäseSpezialitäten wird hier die ganze Bandbreite der regionalen Köstlichkeiten geboten. Los geht es um 18 Uhr. Im Anschluss an das Menü dürfen sich die Gäste die Kalorien gern bis Open end wieder abtanzen. Preis: 160 Euro. Um rechtzeitige Reservierung wird gebeten.

So gibt es jetzt im FRIEDAs neben Grünkohl mit Bregenwurst auch Bauernenten und Gänsebraten vom Bauckhof in Klein Süstedt, die Kartoffeln kommen aus der Ostheide, der Schafskäse von der Elbe Schafskäserei in Bleckede und das Bier bezieht das Team von der Dachsbier Brauerei in Sommerbeck. „Wir kennen die meisten unserer Lieferanten persönlich und besuchen die Betriebe wie den Bauckhof, die Schafskäserei oder die Dachs Brauerei mindestens einmal im Jahr selbst, um uns zu informieren und uns Inspiration für neue Gerichte zu holen“, sagt Küchenchef Dominik Herr.

Am Wasserturm 15 21335 Lüneburg reservierung@friedas-aw.net

Jetzt zur Weihnachtszeit gibt neben den klassischen Gänse- und Enten-Spezialitäten auch Hirschkeulenschnitzel vom Lüneburger Heide Hirsch sowie hausgemachte Kürbisgnocchi.

Öffnungszeiten an den Feiertagen: Heiligabend: geschlossen 1. & 2. Weihnachtstag: 12 - 23 Uhr Silvester: 18 bis open end

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Unverpackt, regional, saisonal, vielfältig Im FrohNatur-Laden bietet Malte Melloh ein breites Sortiment Süßes und herzhafter Knabberkram: Rettich-Chips, geröstete Kichererbsen, schokolierte Früchte und Nüsse, kandierter Ingwer, gefriergetrocknete Erdbeeren und Himbeeren u.v.m. • Große Auswahl an regionalem Obst und Gemüse • Täglich frisches Brot Freitags und sonnabends auch frische Brötchen • Fertige Suppen im Pfandglas • Frische Milch und Milchprodukte u.a. vom Milchbauern aus Radbruch • Servierfertige Soßen, Dips und Aufstriche im Glas • Neu: Original New Zealand Pies mit vier verschiedenen Füllungen: Rinderhack+Cheddar, vegan mit Kichererbse+Spinat+Linsen, Hähnchen+Cheddar sowie Steak+Stout-Bier • Säfte, Glühwein und Punsch mit und ohne Alkohol • Sekt, Secco, Weiß-, Rose- und Rotweine, auch alkoholfrei • Regionale Spirituosen, z.B. Gin-Spezialitäten • Reinigungsmittel für Körper und Haushalt von fest bis flüssig An der Eulenburg 28 · 21391 Reppenstedt Öffnungszeiten: Montags bis freitags: 9-18 Uhr Samstags: 9-13 Uhr Im Dezember donnerstags bis 20 Uhr und samstags bis 15 Uhr geöffnet.


Nachhaltig leben Spezial

Eine Perle des Ehrenamtes

B-Kleidungs-Treff in Scharnebeck hilft vielfältig und nachhaltig

von Marcel Baukloh

Beitrag zur Nachhaltigkeit, zu sozialer und ökonomischer Gerechtigkeit leisten zu können.

Hauptinitiatorin Brigitte Müller ist seit der ersten Stunde dabei.

„Bei uns geben die Menschen das ab, was sie nicht mehr tragen wollen oder können, und wir verkaufen es dann zu einem sehr geringen Preis weiter“, sagt Brigitte Müller. Dabei betont sie: „Jeder kann zu uns kommen, auch aus anderen Orten oder Gemeinden.“ Überschüssige Ware werden an andere Organisationen wie DLRG oder die Schlüter-Stiftung Lüneburg abgegeben. „Die haben dafür oftmals noch eine Verwendung und können ihrerseits wieder helfen.“ Aber auch an Obdachlose wurde in einer besonderen Aktion schon Kleidung verteilt.

Ehrenamt hat eine große gesellschaftliche Bedeutung. Millionen Menschen tragen durch ihre freiwilligen Tätigkeiten und ihr Engagement zum sozialen Zusammenhalt bei. Dazu gehört auch der B-Kleidungs-Treff. Ursprünglich 2015 durch Bürger im ehemaligen Krankenhaus in Scharnebeck als Kleiderkammer für Geflüchtete ins Leben gerufen, ist die mittlerweile unter der Trägerschaft des Vereins Lebensraum Diakonie stehende Initiative zu einer wahren Perle des Ehrenamtes geworden. Sie hilft vielfältig und nachhaltig mit ihrem tollen Angebot. Das steht mittlerweile für alle offen. Zudem geht ein Teil der Einnahmen als Spende an andere soziale Organisationen.

Wer die hell erleuchteten Räumlichkeiten in der gemieteten Lagerhalle an der Straße Im Ölkamp 10 betritt, der ist erst einmal „baff erstaunt“. Hier sieht es auf 140 Quadratmetern aus wie in einer Großboutique. Allerdings hängen nicht nur unglaublich viele modische, gut erhaltene Bekleidungsstücke bekannter Marken aller Größen sortiert und mit Preisen ausgezeichnet auf Kleiderbügeln an meterlangen Kleiderständern, sondern es gibt auch Ecken mit beispielsweise Schuhen, Taschen, Geschirr, Spielsachen und einen großen Baby-/Kinderbereich. Mittendrin ist Brigitte Müller. Sie ist seit der ersten Stunde mit dabei. Sie hat als Hauptinitiatorin des Hilfsangebotes von 2015 „den Hut auf“. Im Vordergrund zu stehen, ist eigentlich nicht ihr Ding. „Aber eine muss ja das Sagen haben und alles Koordinieren“, erklärt sie lachend. Bis zu 30 Frauen und Männer engagieren sich in ihrer Freizeit mit viel Herzblut beim B-Kleidungs-Treff. Sie beziehen ihre Motivation aus der Hoffnung, einen

Seit der ersten Stunde am 23. November 2015 engagieren sich neben Brigitte Müller und ihrem Mann Hansi noch Christa Lina Otto, Renate Flack, Ina Eschment Fromhage, Armin Eschment, Lore Härlein, Rosi Hagenow, Jürgen Prey, Eddi Germer, Jutta Germer, Gudrun Lücke, Alexandra Cyrkel, Hannelore Heuer, Uschi Darmer, Monika Wester und Aliaa Alaktaa. Weitere ehrenamtliche Helfer und Helferinnen sind aktuell Martina Brandt, Dieter Flack, Margrit Kuschinski, Erika Manthey, Karin Menke, Annegret Schult, Irene Puck-Weber, Annelies Sonntag, Jürgen Weber, Mara Staacke, Sabine Schönmann und Ute Hennemann-Kröger. „Wir sind eine tolle Gemeinschaft“, sagt die Gruppe. „Wir können aber noch weitere personelle Unterstützung und gerne jüngere Mitstreiter gebrauchen.“ Zwar gibt es „nur“ einen Öffnungstag (montags von 9 bis 18 Uhr ). Doch drum herum mit dem Prüfen, Auswählen, Aufhängen und Auszeichnen ist jede Menge zu tun. „Wir überlegen, 2022 eventuell am Dienstagnachmittag nur für Kinder und Jugendliche zu öffnen, denn die hätten wir gerne mehr bei uns.“ Das Team betont, wie nachhaltig Second Hand seiner Meinung nach ist. „Der Abbau von Rohstoffen oder der

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Nachhaltig leben Spezial

beispielsweise hohe Wasserverbrauch für die Herstellung von Jeans oder T-Shirts von mehreren tausend Litern kann reduziert werden“, sagen die Ehrenamtlichen. Außerdem sei getragene Kleidung durch die vielen Waschgänge unbelasteter von zuvor bei der Herstellung verwendeten Chemikalien. Die Belastung der Umwelt könne verringert werden, wenn nicht immer alles neu gekauft werden und Abfall vermieden werden würde. „Ganz zu schweigen von Faktoren wie den Hungerlöhnen für die Arbeiter in Produktionsländern, dem riesigen Energieverbrauch und die immensen Kosten durch den Transport mit Schiffen oder Flugzeugen.“ Der B-Kleidungs-Treff bietet seinen Kunden, die „umweltschonend“ handeln möchten, einen bezahlbaren Zugang zu bestimmten Modeartikeln. „Alle Generationen, aber auch gerade die vielen jungen Menschen, die sich in ,Fridays for Future’ so großartig einsetzen, müssten sich angesprochen fühlen, zu uns zu kommen oder aber ihre gut erhaltene Kleidung bei uns für den sozialen Zweck abzugeben“, sagt Brigitte Müller. Das B-K-TTeam sortiert, begutachtet auf vorgenannte Punkte und preist nach Wertigkeit aus. Nachdem es auf einheitliche Bügel gehängt wurde, wird es nach Damen-, Herrenund Kinderbekleidung auf entsprechende Kleiderständer eingeordnet und dabei farblich passend arrangiert.

wünscht hatte, um sich im B-K-T einzukleiden. Am Ende habe sie überglücklich eine Winterjacke mit Halstuch, zwei Steppwesten mit Halstuch, eine Strickweste, eine Bluse, einen Pullover und eine Jeans für 45 Euro mitgenommen. „Bei Euch werden Träume wahr“, strahlte sie. Parallel darf sie sich auch darüber freuen, dass mit einem Teil ihres Geldes wiederum andere ehrenamtlich tätige Organisationen bedacht werden. Denn der B-Kleidungs-Treff spendet nach Abzug seiner Fixkosten für den Betrieb und Anschaffungen den Rest seiner Einnahmen. Davon wurden in den vergangenen zwei Jahren 17.000 Euro für soziale Zwecke, Schulen und Kindergärten gespendet. Aktuell erhielt das Lüneburger Schuhhaus Schnabel vom B-K-T Stofftiere, Kinderbekleidung, Mützen, Handschuhe und Spiele für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton" sowie 500 Euro für Hygieneartikel und Süßigkeiten für die jeweiligen Kartons. Das Team des B-Kleidung-Treffs plant Anfang 2022 erneut eine größere Geldsumme zu spenden.

Vor kurzem benötigte ein junger Mann einen HochzeitsOutfit und bekam für 20 Euro Anzug, Oberhemd und Krawatte. „Letzteres haben wir ihm dann auch noch gebunden“, sagt Hansi Müller lachend. Immer wieder beobachtet oder hört das Team aber auch, dass eine gewisse Scheu besteht, die Räumlichkeiten zu betreten. „Das muss überhaupt nicht sein, bei uns braucht keiner Scham haben, wenn er günstig einkauft oder uns seine Kleidung bringt", sagte Hansi Müller. „Was gut ist, muss doch nicht weggeworfen werden.“ Vielen könne damit noch eine Freude gemacht werden. Als weiteres Beispiel nennt Irene Puck-Weber eine Kundin, die sich zu ihrem Geburtstag statt Blumen Geld ge-

Aliaa Alaktaa (links) und Jutta Germer sowie im Hintergrund Christa Lina Otto sortieren die angelieferten Bücher und die Kleidung vor.

Hintergrund Fotos: Marcel Baukloh

Entstanden ist der B-Kleidungs-Treff ursprünglich als Kleiderkammer für zu Beginn etwa 100 Geflüchtete, die 2015 in Scharnebeck im ehemaligen Krankenhaus untergekommen waren. „Wir wollten den vielen Menschen damals einfach nur unter die Arme greifen“, erinnert sich Brigitte Müller. Diese benötigten dringend wärmende Winterbekleidung, denn sie besaßen nur, was sie gerade an Kleidung am Körper trugen. In regelmäßigen Abständen kamen weitere, bis zu 70 neue Geflüchtete dazu. „Das war eine große logistische Herausforderung“, sagte Brigitte Müller. Ein Jahr später ebbte der Bedarf ab, die Kleiderkammer stand fortan allen Bürgern zur Verfügung. Im Dezember 2018 musste das Angebot im ehemaligen Krankenhaus schließen. Im Ölkamp 10 ist seit Januar 2019 die neue Heimat. Zudem übernahm der Lebensraum Diakonie e. V. die Trägerschaft.

Irene Puck-Weber (links) kümmert sich mit viel Herzblut um Kunden im B-Kleidungs-Treff.

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Nachhaltig wohnen Spezial

Möbel Wolfrath

Vom gesunden Wohnen, Arbeiten und Miteinander

Die Tischlerei ist inzwischen über ihre ursprünglichen 12 Quadratmeter weit hinausgewachsen. Seit 2019 agieren die Tischler in einer modernen und lichtdurchfluteten Halle. Das verbessert die Arbeitsbedingungen ebenso wie die zeitgemäßen Maschinen, die rücken- und ressourcenschonend sind. Ressourcenschonung und viele weitere Aspekte von Nachhaltigkeit spielen auch im angeschlossenen Möbelhandel eine wichtige Rolle. Denn in erster Linie bedeutet Nachhaltigkeit bei Möbeln Langlebigkeit. Neben hochwertigen Materialien wie Massivholz und natürlichen oder recycelten Stoffen empfiehlt Janette Volk, Raumplanerin bei Möbel Wolfrath, auf zeitlose Stücke zu setzen, die einen ein Leben lang begleiten können. Sie sagt: „Für Abwechslung und Zeitgeist sorgen Accessoires wie Kissen, Bilder und Dekorationsobjekte, die leicht austauschbar sind.“ Beim Kauf neuer Möbel gilt es dann, auf ihre Qualität und ihre Herkunft zu achten. Die Fachberater bei Möbel Wolfrath geben Auskunft zu verschiedenen Qualitätsmerkmalen und Siegeln. Besonderes Augenmerk auf Nachhaltigkeit wird im 1996 entstandenen und zum Unternehmen gehörenden wöm Naturholzmöbel - Spezialist für Massivholz und natürliches Wohnen - gelegt. Seit der Eröffnung steht das Möbelhaus für ein besonderes Konzept: Es vereint ökologisch und nachhaltig orientierte Möbel für gesundes Wohnen mit gutem Design. Egal welchen Raum Sie zu neuem Leben erwecken möchten – im wöm bekommen Sie die passenden Möbel, eine besondere Auswahl an hochwertigen Wohnaccessoires und den passenden Service dafür. Kompetente und freundliche Einrichtungsberater unterstützen Sie bei der Auswahl Ihrer neuen Massivholz- und Polstermöbel. Schon beim Eintreten spürt man die besondere Atmosphäre im wöm. Das leise Plätschern eines Brunnens begleitet das Schlendern durch die ausgewählten Einrichtungsideen aus Holz, Leder und natürlichen Stoffen ebenso wie ein angenehmer Geruch nach Naturmaterialien. Denn auf diese wird hier besonderen Wert gelegt: Ob Naturmatratze, Zirbenholzbett oder Kirschbaum-

wohnwand – alles im wöm ist „echt“ und überzeugt nicht nur mit einem gesunden Raumklima sondern auch mit einer besonderen Einzigartigkeit. Denn durch die charakteristische Maserung des Holzes, die naturbelassene Anmutung des Leders und die natürliche Färbung von Stoff wird jedes Möbelstück zu einem echten Unikat und erzählt so seine ganz eigene Geschichte. Insbesondere der Werkstoff Holz überzeugt durch seine natürlichen Eigenschaften, die hohe Langlebigkeit und die einfache Wiederaufarbeitung. So werden Massivholzmöbel zu treuen Lebensbegleitern. Doch nach der ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit ist bei Möbel Wolfrath nicht Schluss. Auch die soziale Nachhaltigkeit hat hier einen großen Stellenwert. Lea-Marike Hoene ist Geschäftsführerin in vierter Generation. Sie sagt: „Im Unternehmen gibt es Mitarbeiter, die länger als 30 Jahre bei uns sind. Auch Auszubildende bleiben als Gesellen bei uns. Wir schaffen Arbeitsplätze mit angenehmem Arbeitsklima, kollegialem Miteinander und vor allem auch Integrität.“ Denn auf dem Hof arbeiten zwei Arbeitsgruppen der gemeinnützigen Unternehmensgruppe „Leben leben“. „Meine Vision ist es, dass sie irgendwann so integriert sind, dass sie gemeinsam in unserer Tischlerei arbeiten.“

Fotos: Annett Melzer

1933 gründete Walter Wolfrath Senior seine 12 Quadratmeter kleine Tischlerei in Grabow bei Lüchow. Seither liegt der Fokus bei Möbel Wolfrath im Wendland auf langlebigen und hochwertigen Möbeln. In der Tischlerei wird auch heute noch nach individuellen Kundenwünschen gefertigt, während im Handel zahlreiche namhafte Hersteller vertreten sind. Geführt wird das Familienunternehmen seit einigen Jahren in vierter Generation von Urenkeltochter Lea-Marike Hoene.

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Entdecken Sie unsere Vielfalt an Massivholz- und Designmöbeln für natürliches und gesundes Wohnen auf über 5.000 Quadratmetern.

wöm Naturholzmöbel IHR MASSIVHOLZSPEZIALIST AUS DEM WENDLAND Am Rott 1 | 29439 Lüchow OT Grabow | 05864 9889-0 | info@moebel-wolfrath.de www.moebel-wolfrath.de | moebelwolfrath


Nachhaltig wohnen Spezial

Fotos: Marcel Baukloh

Jürgen Vogt, Besitzer des Forstgutes Rehrhof, bietet seit vielen Jahren seinen Kunden das passende Holz zum Befeuern an. Birke, Buche und Eiche sind im Sortiment.

Info Bestellungen sind über E-Mail an forstgut@rehrhof.de oder telefonisch unter 04132 / 9122-0 möglich. Der Rehrhof bietet auch Rindenmulch (dunkel) oder helle Holzhackschnitzel (aus eigener Produktion) für derzeit 40 Euro pro Schüttkubikmeter an. Weitere Informationen gibt es im Internet: www.rehrhof.de

Forstgut Rehrhof

Heizen mit Holz – vom Klassiker Buche über Birke bis zur Eiche In Kombination mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz ist das Heizen mit einem Ofen effizient, schonend für die Umwelt und zugleich einfach schön. Die wohlige Wärme und das behagliche Ambiente durch das leuchtend-knisternde Feuer bieten gerade in der kalten Jahreszeit pure Entspannung. Das Forstgut Rehrhof in der Gemeinde Rehlingen bietet seit vielen Jahren seinen Kunden das passende Holz zum Befeuern an. Unter den Sorten befindet sich mit der Buche ein hartes Laubholz. „Das ist der Klassiker unter den Holzsorten, brennt lange und liefert gute Wärmewerte“, sagt Gutshof-Besitzer Jürgen Vogt. Die Birke als leichteres Laubholz ist bei ihm natürlich auch im Sortiment. „Sie brennt gut an und duftet schön.“ Dritter im Bunde ist die Eiche. Die härteste der drei Holzarten brennt schwer an, hat dann aber den höchsten Brennwert. „Am besten ist es, mit Birke anzuheizen und dann Buche oder Eiche daraufzulegen“, rät Jürgen Vogt. Er mahnt aber auch zur Vorsicht: „Eiche spritzt, sodass die Funken bei offenem Kaminen Schaden anrichten können.“

Jürgen Vogt und sein Team liefern in der gesamten Region Lüneburg und in den anliegenden Gebieten der Nachbarlandkreise Uelzen, Heidekreis und Harburg aus. Das Holz wird überwiegend in den heimischen Wäldern geschlagen und liegt dann zur Trocknung auf dem Gutshof-Gelände. „Wir kontrollieren regelmäßig mit unserem Messgerät die Feuchte, die nicht mehr als 25 Prozent betragen sollte“, sagt er. Der Rehrhof liefert ab zwei Schüttraummetern (srm). „Wir können aber bis zu acht Schüttraummetern auf unserem Hänger mitnehmen“, betont Jürgen Vogt. Dadurch könnten sich auch Nachbarn für eine Lieferung zusammentun und sich die anfallende Gebühr für die Anfahrt teilen, die sich je nach Entfernung vom Rehrhof berechnet. „Wir haben Trennwände auf dem Anhänger, sodass jeder seine bestellte Menge bekommt.“ Das Rehrhof-Holz hat eine Standardscheitlänge von maximal 28 Zentimetern. Auf Wunsch sind aber auch 33, 50 oder 100 Zentimeter möglich. Der Preis für alle drei Sorten liegt bei derzeit jeweils 95 Euro pro Schüttraummeter. Umwelt- und klimafreundliches Heizen mit Holz – das ist einfach etwas Gutes und Nachhaltiges.

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