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Die fünf Sprachen der Liebe

Es ist möglich, ohne Liebe zu geben, aber es ist unmöglich zu lieben, ohne zu geben. Anon Einer Gruppe von Kindern wurde die Frage gestellt, warum sich Menschen ihrer Meinung nach verlieben. Ein Neunjähriger antwortete darauf: »Keiner weiß, warum das passiert, aber ich habe gehört, dass es mit dem Geruch zu tun hat. Deshalb sind Parfüms und Deodorants so wichtig.« Ein Achtjähriger hatte eine andere Theorie: »Ich glaube, dass man von einem Pfeil getroffen wird, aber der Rest tut dann nicht mehr so weh.« Der siebenjährige Gary war davon überzeugt, dass es um mehr als die äußere Erscheinung geht: »Es hat nicht immer nur damit zu tun, wie man aussieht. Guckt mich mal an. Ich finde mich echt hübsch, aber ich habe noch keine, die mich heiraten will.« Auch viele Erwachsene tappen im Dunkeln, was die Liebe betrifft. Sie sind mit dem Gedanken aufgewachsen, dass Liebe in erster Linie ein Gefühl ist, über das man nur wenig Kontrolle hat. Diese Auffassung wird durch einen Großteil der populären Musiktexte bestärkt. Unsere Kinder entdeckten neulich zu ihrem größten Vergnügen einige Schallplatten aus den sechziger Jahren mit Sätzen wie: Bevor der Tanz zu Ende war wusste ich, dass ich in dich verliebt bin, und ich wusste nicht, was ich tun sollte, also flüsterte ich: »Ich liebe dich.« Das Gefühl, von einem anderen verzaubert zu sein, kann durch die äußere Erscheinung genauso leicht ausgelöst werden wie durch echte Kenntnis der betreffenden Person und kann genauso schnell und geheimnisvoll wieder verschwinden, wie es gekommen ist. Dieses Phä-


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nomen wird oft als Fazit von Liebe dargestellt. Die allgemeine Auffassung von Liebe wurde weitgehend auf Gefühle reduziert. Aber es gibt eine andere Art der Liebe, die bewusst und aktiv ausgedrückt wird und die über lange Zeit gepflegt wird. In der Novelle Captain Correlli’s Mandolin von Louis de Bernière beschreibt Dr. Iannis seiner Tochter eine Art der Liebe, die andauert: Liebe ist nicht Hetze,Aufregung, das Versprechen ewiger Leidenschaft; sie ist nicht das Verlangen, jede zweite Minute des Tages miteinander zu schlafen, und auch nicht das Wachliegen während der Nacht mit der Vorstellung, dass er jedes Fleckchen deines Körpers küsst. Nein, werde nicht rot, ich will dir ein paar Wahrheiten sagen. Das alles ist nur Verliebtheit, und das kann jeder Idiot erleben. Liebe ist das, was übrig bleibt, wenn die Verliebtheit erloschen ist ... Deine Mutter und ich hatten eine solche Liebe, wir hatten Wurzeln, die unterirdisch zueinander hinwuchsen, und als in späteren Jahren die schönen Blüten von unseren Zweigen fielen, entdeckten wir, dass wir nicht mehr zwei Bäume, sondern ein einziger geworden waren.1 Viele Menschen heiraten, weil sie verliebt sind. Sie glauben, dass ihre starke gegenseitige Anziehungskraft ausreichen wird, um ihre Ehe lebendig zu erhalten. Doch die Verzauberung wird unausweichlich nachlassen, und wenn wir dann nicht lernen, wie man eine sich entwickelnde Liebe aufbaut, werden sich keine Wurzeln verflechten und die Ehe wird verwelken.

»Ich dachte, du könntest die Folie von der Kaffeedose abmachen.«


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Abschnitt 3: Praktische Liebe

Die christliche Liebe, wie sie im Neuen Testament beschrieben wird, ist kein abstraktes Substantiv, sondern ein aktives Verb. Liebe ist mit Handeln verbunden. Es bedeutet, sich um den anderen zu bemühen und seine Bedürfnisse zu erfüllen, manchmal auf Kosten der eigenen Person. In einer Ehe kann dies bedeuten, dass man aus Liebe zum Partner den Abwasch erledigt, obwohl man viel lieber fernsehen würde. Es bedeutet, sich mit dem Partner hinzusetzen und zu reden, obwohl man eigentlich eine dringende Arbeit zu erledigen hat. Es bedeutet, unseren Partner liebevoll in die Arme zu nehmen, wenn wir wissen, dass er einen anstrengenden Tag hatte. Nur diese Art der Liebe wird eine Ehe jahrelang aufrechterhalten, und die Beziehung wird reifer und tiefer werden. Es gibt fünf Möglichkeiten, unserem Partner aktiv unsere Liebe zu zeigen: 1. 2. 3. 4. 5.

Liebevolle Worte Hilfsbereitschaft Zweisamkeit – Zeit nur für den anderen Geschenke, die von Herzen kommen Zärtlichkeit

Diese Möglichkeiten, Liebe aktiv zu zeigen, werden in dem hervorragenden Buch von Gary Chapman »Die fünf Sprachen der Liebe« genannt. Chapman verwendet die Metapher »Sprache«, um die verschiedenen Formen zu erklären, mit denen wir Liebe vermitteln und begreifen.2 Seine Arbeit als Eheberater hat über die Jahre gezeigt, dass jeder von uns über eine vorrangige Liebessprache verfügt – genauso, wie jeder von uns eine Muttersprache hat, in der er sich problemlos ausdrücken kann. Alle fünf sind wichtige Wege, Liebe zu zeigen, doch welcher Weg ist der wichtigste? Ein Mann kann seine Frau mit Geschenken überschütten, doch sie braucht vielleicht viel eher freundliche Worte vonseiten ihres Mannes, um sich geliebt zu fühlen. Eine Frau kann viel im Haushalt tun, damit ihr Mann sich wohl fühlt, doch er braucht vielleicht in erster Linie körperliche Zuwendung. Das größte uns allen gemeinsame Bedürfnis ist das Wissen, dass wir geliebt werden, wir dem anderen etwas bedeuten und wir für ihn etwas ganz Besonderes sind. Daher müssen wir uns fragen: »Was muss ich tun, damit mein Partner sich geliebt fühlt?« Wir können es


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im Gespräch und durch bewusstes und aufmerksames Beobachten herausfinden. Einer unserer Freunde, der seit vielen Jahren verheiratet ist, drückte sich so aus: »Ehepartner müssen sich regelrecht studieren, um eine glückliche Beziehung zu führen.« Wenn wir das tun, werden wir wichtige und manchmal unerwartete Informationen erhalten. Während der Flitterwochen gibt es unzählige romantische Möglichkeiten, ohne viele Worte seine Liebe auszudrücken, aber auch im Alltag müssen wir die gleiche Sprache finden, um miteinander zurechtzukommen. Tägliche Liebe ist nur möglich, wenn wir die bevorzugte Liebessprache unseres Partners kennen (und möglichst auch die an zweiter und dritter Stelle rangierende Liebessprache). Nicky: Ich habe erkannt, dass gemeinsam verbrachte Zeit und Berührungen die für Sila passendeste Art ist, Liebe zu erhalten. Ich brauche dagegen vor allem Worte und Aktivität, um mich geliebt zu fühlen. Es wäre verheerend für unsere Ehe, wenn ich Zeit und Berührungen allein für meinen Computer reservieren würde, oder wenn Sila ihre Liebe durch Worte und Taten den Kindern, aber nicht mir gegenüber ausdrücken würde. Wenn wir entdeckt haben, wie wir unserem Partner am wirkungsvollsten unsere Liebe zeigen können, müssen wir diese Erkenntnis dann auch entschlossen umsetzen. Zunächst mag das unnatürlich erscheinen, und es wird auch Zeit, Entschlusskraft und Übung erfordern – so als ob man eine fremde Sprache erlernen würde. Manche Menschen sind in Familien aufgewachsen, in denen körperliche Zuwendung kaum eine Rolle gespielt hat. Solche werden ihrem Partner wohl kaum natürlich und spontan körperliche Zuwendung schenken können. Aber man kann es lernen. Es ist sogar außerordentlich wichtig, es zu lernen, wenn unser Partner sich in erster Linie auf diese Weise geliebt fühlt. Andere haben während ihrer Kindheit kaum liebevolle Worte gehört, und wenn sie einen Partner haben, dem genau das wichtig ist, so müssen sie es lernen, diese Art der Liebesbezeugung einzuüben. Mit der Zeit wird es ihnen immer leichter fallen, liebevolle Worte zu finden.


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Abschnitt 3: Praktische Liebe

»Wenn ich nur schon früher gewusst hätte, dass du das gern hast, Mildred.«

Wir beschäftigen uns so intensiv mit den »fünf Sprachen der Liebe«, weil wir aus eigener Erfahrung wissen, dass es sich dabei um ein Prinzip mit tiefen Auswirkungen handelt, das jedes Ehepaar nutzen kann, um eine gesunde und starke Beziehung aufzubauen. Wir kennen viele Paare, die sich noch lange Zeit nach dem Verlöschen der ersten Verliebtheit sehr stark zueinander hingezogen fühlen, weil sie Jahr für Jahr ihre Liebe zum Partner Tausende Male auf die Weise zum Ausdruck bringen, die der Partner am besten versteht. Manche Ehepaare erforschen nie die bevorzugte Liebessprache des anderen. Vielleicht beobachten sie einander, jedoch mit einer negativen Absicht – sie sind eher darauf aus, den anderen zu kritisieren, als seine Bedürfnisse zu entdecken. In der Kurzgeschichte The Eyes of Love (Die Augen der Liebe) geht es um ein amerikanisches Paar, Kenneth und Shannon, die nach einer Familienfeier nach Hause fahren: Noch bevor er ihn unterdrücken kann, steigt der Ärger in ihm hoch und breitet sich in Hitzewellen über sein Gesicht aus. »Okay, was ist los?«, fragt er ... Sie antwortet nicht sofort. »Ich bin müde«, erwidert sie, ohne ihn anzuschauen.


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»Nicht wirklich«, sagt er. »Ich möchte wissen, was los ist. Komm schon, spuck es aus.« Nun dreht sie den Kopf zu ihm. »Ich habe es dir heute Morgen gesagt. Ich will einfach nicht ständig die gleichen Geschichten von deinem Vater hören.« »Sie sind nicht alle gleich«, sagt er mit einem Gefühl der Verärgerung. »Natürlich sind sie alle gleich ... Deine Mutter verdient einen Orden.« »Ich mag die Geschichten. Mama mag sie. Jeder mag sie. Auch dein Vater und deine Schwester mögen sie.« »Immer und immer wieder«, murmelt sie und schaut erneut zu Seite. »Ich möchte einfach nur schlafen gehen.« »Weißt du, was bei dir los ist?«, fragt er. »Du bist eine kritische Person. Das ist dein Problem. Du musst alles bewerten. Auch über mich. Besonders über mich.« »Über dich?«, fragt sie. »Ja«, sagt er. »Über mich. Denn hier geht es überhaupt nicht um meinen Vater. Es geht um uns.« Kenneth ist der Meinung, dass sie den ganzen Abend das Geschichtenerzählen seines Vaters mit kritischen Augen beobachtet hat. Das Gespräch geht weiter: Einen Augenblick lang bleibt er still, doch der Ärger in ihm ist noch nicht abgeklungen. »Weißt du, was das Problem mit dir ist?«, fragt er. »Du siehst rein gar nichts mit Liebe an. Du beurteilst alles nur mit deinem Kopf.« »Rede nur ...«, erwidert sie. »Alles läuft bei dir über den Kopf«, sagt er und nimmt einen langen Zug aus der Zigarette, bevor er sie im Aschenbecher ausdrückt. Er lässt das Auto an. »Kennst du die Leute, die hinter unserem Haus leben?«, fragt er. Die Situation ist für ihn beinahe philosophisch geworden. Sie starrt ihn mit feuchten Augen an, und genau jetzt fühlt er sich mächtig und glücklich. »Kennst du sie?«, wiederholt er. »Natürlich.« »Ich habe sie neulich beobachtet. Wie er mit dem Garten umgeht ... Wir haben uns den ganzen Sommer lang darüber lustig gemacht – über seinen ständigen Kampf mit dem Unkraut und das ewige Bearbeiten des Rasens.«


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Abschnitt 3: Praktische Liebe

»Müssen wir gerade jetzt über diese Leute reden?«, fragt sie. »Ich möchte dir etwas sagen, was du unbedingt hören solltest«, sagt Kenneth. »Ich will es jetzt nicht hören«, sagt sie. »Ich habe den ganzen Tag anderen zugehört. Ich bin zu erschöpft.« Kenneth schreit sie an: »Ich werde nur noch dieses eine hier sagen, und dann werde ich für den Rest des Jahres die Klappe halten, wenn es das ist, was du willst!« Sie erwidert nichts. »Ich sage dir was über diese Leute. Der Mann ging mit einem kleinen Plastikbeutel herum und hob den Hundekot auf. Okay? Und die Frau beschnitt gerade einen ihrer Büsche. Eine Sekunde lang dachte ich, ich wüsste, was sie denkt. Ihr Gesicht verriet gar nichts, aber ich fühlte mich so superschlau, weißt du, so wie wir beide es sind, Shannon. Ich hielt mich für so toll, dass ich wusste, was sie denkt. Ich hatte so viel Einfühlungsvermögen für diese Leute, die wir noch nicht einmal kennen. Diese Leute, mit denen wir nicht reden, weil wir meinen, sie wären unter unserer Würde.« »Du bist derjenige, der sich über sie lustig macht«, sagt Shannon. »Lass mich ausreden«, sagt er. »Ich sah, wie die Frau ihren Mann vom anderen Ende des Gartens aus ansah, und ich hatte den Eindruck, ich könnte die Worte in ihrem Kopf hören: »Er hebt schon wieder den Hundekot auf. Ich halte das keine Minute mehr aus.« Verstehst du? Aber es stimmte nicht. Das waren nicht ihre Gedanken. Sie ging zu ihm hinüber und half ihm – sie zeigte ihm ein paar Stellen, die er ausgelassen hatte. Und dann gingen die beiden Arm in Arm mit der Tüte voller Hundekot ins Haus. Verstehst du, was ich sagen will? Diese Frau sah ihn mit Liebe an. Sie sah nicht das, was ich sah – es war keinerlei Kritik darin.« Kenneth und Shannon hören schließlich auf zu streiten. Der Streit ist vorbei. Sie dreht sich zu ihm herum und kneift ihn zärtlich in seinen Unterarm. Er nimmt ihre Hand und drückt zurück. Dann hat er wieder beide Hände am Steuer. Ihr Haus ist nun in Sicht, die Straße herunter auf der linken Seite. Er dreht den Kopf und schaut sie an, seine Frau, hier im verschwommenen, schattenhaften Licht, und dann schaut er schnell wieder auf die Straße. Es kriecht kalt in ihm hoch, dass ein Teil von ihm in diesem kurzen Moment das hässliche Abfallen ihrer Mundwinkel, die zu scharfe Form ihrer Kiefer – den ganzen zerzausten, etwas


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verwahrlosten Anblick ihres Gesichts – wahrgenommen hat; wie ein Fremder, jemand, der sich nicht vorstellen kann, was ein anderer Mann, andere Männer, jemand wie er selbst, Liebenswertes an ihr finden könnte.3 Am Ende der Geschichte wird dem Leser klar, dass Kenneth und Sharon im Gegensatz zu dem Ehepaar, das hinter ihrem Haus wohnt, sich nur noch kritisch beurteilen. Wir ernten, was wir säen. »Du siehst rein gar nichts mit Liebe«, sagt Kenneth. Doch dann macht er den gleichen Fehler und sieht seine Frau nicht mit Augen der Liebe. In einer Welt voller Kritik sollten wir unseren Ehepartner nicht mit kritischem, sondern mit liebevollem Blick ansehen, um zu erkennen, was unser Partner braucht, um sich geliebt zu fühlen. In den beiden nächsten Kapiteln werden wir jede der fünf Liebessprachen beschreiben. Dabei sollten Sie sich folgende Fragen stellen: 1. Bringe ich regelmäßig meine Liebe auf diese Weise zum Ausdruck? 2. Wie wichtig ist diese Sprache der Liebe für meinen Ehepartner? 3. Wie wichtig ist diese Sprache der Liebe für mich?

»Du hättest es ahnen müssen, dass ich Mayonnaise, Erdnussbutter und Sardellen haben wollte.«


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Abschnitt 3: Praktische Liebe

Wir machen leicht den Fehler, von unserem Partner zu erwarten, dass er instinktiv über unsere Bedürfnisse Bescheid weiß, und sind verletzt, wenn er unseren Erwartungen nicht entspricht. Wir alle wollen lieber Liebe auf eine Weise ausdrücken, die wir selbst am liebsten mögen. Trotz unserer guten Absichten wird das jedoch nicht klappen, wenn unser Partner andere Bedürfnisse hat. Wir können unsere Ehe einfach laufen lassen. Wenn wir uns nach echter Vertrautheit sehnen und uns miteinander wohl fühlen wollen, dann müssen wir uns mit Augen der Liebe ansehen und entsprechend handeln. Wir sollten unsere Worte, unsere Taten, unsere Zeit, unser Geld und unseren Körper so einsetzen, dass wir unserem Partner die Art von Liebe zeigen, die er braucht.


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