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3. Wert: »Unsere biblischen Lehreinheiten sollen für den Alltag der Kinder relevant sein« (vgl. Ps 119,11).

Wenn in Promiseland ein Thema für eine Lehreinheit ausgesucht wird, stellt sich das Team zwei Fragen : a) »Welche biblische Aussage nehmen wir als Grundlage?« (Tradition) b) »Wie zeige ich, dass die Wahrheit der Bibel auch heute noch im Alltag des Kindes eine Rolle spielt?« (Situation) Sue und ihr Team gehen von der Überzeugung aus, dass sich die Kinder erst dann Jesus ganz öffnen, wenn sie verstehen, dass es in den Geschichten der Bibel um viel mehr geht als nur um tolle Abenteuer und wundersame Ereignisse. Sie sollen lernen, dass das, was die Menschen damals durchlebt, erfahren und erkannt haben, auch in ihrem Leben eine Rolle spielt. Weil Kinder die komplexen Inhalte der Bibel nach den Erfahrungen des Promiseland-Teams nicht immer problemlos verstehen können, werden die Geschichten dem altersspezifischen Niveau der Kinder angepasst. Es soll ein 44


Lern- und Erinnerungseffekt aufgebaut werden, auf den in späteren Stufen zurückgegriffen werden kann. Dennoch soll jede Geschichte für sich alleine stehen können, sodass es nicht schlimm ist, wenn man frühere Stufen verpasst hat. Mit vier oder fünf Jahren lernen die Kinder am Beispiel von David und Goliath, dass Gott nichts unmöglich und für ihn kein Problem unlösbar ist. Wenn in einer anderen Stufe oder auch zu Hause das Thema wieder aufgegriffen wird, erinnern sich die Kinder daran und verbinden David mit Vertrauen in Gott; so wird gleichzeitig eine Basis zur Weiterarbeit und eine fundamentale Voraussetzung für das geistliche Wachstum der Kinder gelegt. Doch damit David und Goliath keine abstrakten, historischen Figuren bleiben, legt man in Promiseland großen Wert darauf, dass die Ereignisse der Geschichte ins Leben der Kinder übertragen werden. Sie sollen wissen, dass sie bei allen Sorgen und Nöten auf Gottes Hilfe vertrauen können – sei es ein unüberwindlich scheinender Streit mit einem Freund, Geldsorgen von Mama und Papa, besonders schwere Herausforderungen in Kindergarten oder Schule . . . Damit mit den biblischen Geschichten also nicht nur ein pädagogischer Lerneffekt erzielt wird, sondern sie für die Kinder zu spürbarer, lebensnaher Wahrheit werden, lernen die Kindern in Promiseland, die Geschichten anhand von drei Fragen zu analysieren: 1. »Was war?« (Know what?) 2. »Was gilt?« (So what?) 3. »Was jetzt?« (Now what?) Durch die oben genannten Fragen sollen die Kinder zu einem biblisch fundierten, lebendigen Glauben hingeführt werden. Mit ihrer Methode erreichen Sue Miller und ihr Team, dass die Bibel nach und nach für die Kinder zu einem wichtigen Lebensinhalt wird und ihnen ihr Leben lang als Leitfaden und Hilfe dient. Das 45


Image, die Bibel sei lediglich ein verstaubtes Buch für SuperFromme, wird so erfolgreich überwunden. Stattdessen ist sie eine Verbindung zu Gott, die uns ein Leben lang erhalten bleibt.

4. Wert: »Wir wollen die biblischen Inhalte kreativ vermitteln, damit sie die Kinder fesseln« (vgl. 2 Tim 3,15–16).

Eines Tages mussten Sue Miller und ihr Team feststellen, dass ihre Kindergottesdienste in die Gefahr gerieten, für die Kinder langweilig zu werden. Sie erkannten mit Erschrecken, dass die Kinder nicht mehr so gerne kamen, weil ihr Programm uninteressant und eintönig geworden war. Sue setzte sich mit einigen kreativen Leuten aus ihrem Team zusammen, denen diese Entwicklung auch aufgefallen war, und sie beschlossen, schleunigst etwas zu unternehmen. Wie in Promiseland üblich, nahmen sie sich jedoch zunächst Zeit, Gott um Rat zu fragen. Dann besannen sie sich darauf, dass es in Promiseland in erster Linie darum gehen soll, den Kindern zu zeigen, dass Gott das Tollste und Aufregendste in ihrem Leben ist. Sie erkannten, dass es den Kindern 46


schwer fallen würde, eine Beziehung zu Jesus aufbauen und ihn als den großartigen Partner zu erkennen, der er ist, wenn sie ihn nur aus langweiligen, altertümlichen Geschichten kannten. Das Team der Erwachsenen wusste, dass die Geschichten nicht langweilig und verstaubt sind; sie fanden die Art der Umsetzung eigentlich auch ganz in Ordnung – doch den Kindern schien es da offensichtlich anders zu gehen. Deshalb verteilten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Kinder Feedback-Bögen, auf denen diese die Qualität der einzelnen Bereiche aus ihrer Perspektive bewerten konnten. Sue und ihr Team wussten nun zwar, wo Verbesserungen nötig waren, doch wie diese aussehen sollten, damit das Programm von Promiseland nicht langweiliger und altmodischer war als das, was die Kinder im Alltag geboten bekamen, mussten sie noch herausfinden. Also beobachteten sie genau, was die Kinder täglich zu Hause und in der Schule begeisterte. Sie schauten sich die Lieblingssendungen und -computerprogramme der Kinder an und fanden heraus, welche Bedingungen erfüllt sein mussten, damit die Kinder aufmerksam waren und gerne zuhörten. Sie brachten all ihre Beobachtungen zusammen und stellten fest, dass die Kinder vor allem Abwechslung brauchten, dass sie nicht nur hören, sondern auch etwas sehen wollten, dass sie Emotionen und Identifikationspunkte benötigten, damit sie wirklich vom Geschehen gefesselt waren. Sue Miller versammelte also ein Team um sich, in dem sowohl kreative Köpfe als auch MitarbeiterInnen mit der geistlichen Gabe des Lehrens vertreten waren. Gemeinsam entwickelten sie ein neues Programm, das lebensnahe Sketche, Videoclips, modernes Puppentheater mit aktuellen Spielfiguren, Stimm-Imitationen, Theaterstücke in Form von Nachrichten oder Game Shows und viele andere kreative Lehrmethoden beinhaltet. Gleichzeitig wurde darauf geachtet, dass biblische Inhalte unverfälscht, aber nun in kreativer Form der Mittelpunkt des 47


Programms blieben. Sie wurden nicht verändert, nur neu »verpackt«. Sue und ihr Team bedenken, was schon Paulus in seinem Brief an die Korinther schreibt: Wir sollen die Gute Nachricht uneingeschränkt verbreiten – dabei aber nicht vergessen, unsere Methoden den Menschen anzupassen, die wir erreichen wollen (1 Kor 9,19–22). Seit das Programm von Promiseland auf diese Weise entwickelt wird, steigt die Anzahl der Kinder, die an den Gottesdiensten teilnehmen, stetig. Allein im vergangenen Jahr wurden 540 Familien Mitglied der Willow Creek-Gemeinde (so viele wie nie zuvor), und das als Reaktion auf die Arbeit von Promiseland. Noch immer steht das Evangelium im Mittelpunkt, doch die Kinder sitzen nicht mehr gelangweilt herum, denn die kreative Umsetzung der Geschichten spricht sie wirklich an. Bei meinem Besuch in Promiseland konnte ich staunend mit ansehen, wie die Kinder gespannt, mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund dem Geschehen auf der Bühne folgten, weil sie in ihrer kindlichen Begeisterung noch in der Lage sind, ihre Umgebung völlig zu vergessen – eine ungezwungene Begeisterungsfähigkeit, die Erwachsene nach und nach leider immer mehr verlieren. In Promiseland versucht man, diese kindliche Offenheit zu bewahren und zu fördern, indem den Kindern die Möglichkeit gegeben wird, in das Geschehen einzutauchen. Entweder, indem die Kinder selbst Rollen in den Theaterstücken, Puppenspielen etc. übernehmen oder indem man Methoden verwendet, von denen die Kinder nach eigenen Aussagen begeistert sind. Gott ist kreativ. Er schuf und schafft alles, was wir sind, was uns umgibt und was wir haben. Das Promiseland-Team will sich seine unendliche Kreativität als Vorbild nehmen, um den Kindern von ihm zu erzählen.

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5. Wert: »Wir legen Wert auf eine persönliche Begleitung in unseren Kleingruppen, wo wir den Kindern vorleben wollen, was es heißt, eine authentische Beziehung zu Jesus Christus zu haben« (vgl. 2 Tim 2,2; Lk 6,12–13; Apg 2,44–47).

Die heutige Zeit ist mehr und mehr von Beziehungsarmut gekennzeichnet. Dies stellen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Promiseland immer wieder fest. Dieses Phänomen hat katastrophale Auswirkungen auf Menschen jeden Alters. Doch es müssen gar keine spektakuläre Fälle herangezogen werden, um festzustellen, wie groß der Mangel an funktionierenden Beziehungen heutzutage ist, weil die Menschen nie gelernt haben, intensive Beziehungen aufzubauen. Aber gerade Kinder brauchen diese intensiven Beziehungen; sie leben davon. In Promiseland will man, dass die Kinder erfahren, was es heißt, in einer Gemeinschaft mit Christen zu leben. 49


Sie sollen in ihrer direkten Umgebung spüren, was das Wunderbare an einem Leben als Christ mit anderen Christen ist. Deshalb ist die Kleingruppenarbeit in Promiseland von besonderer Bedeutung. Hier sollen die Kinder am Vorbild ihres jeweiligen Kleingruppenleiters lernen und erfahren, was liebende Gemeinschaft bedeutet und wie authentisches Christsein im Alltag aussieht. Deshalb werden gerade als Kleingruppenleiter nur überzeugte Christen mit der Gabe des Hirtendienstes eingesetzt, die auf Grund ihres Verständnisses für die ihnen von Gott anvertraute Aufgabe als Leiter eine optimale Basis für eine enge Beziehung zu den Kindern legen. Sue Miller erzählte uns, dass dies zunächst durch kleine Gesten geschieht. Wenn die Kinder in Kleingruppen zusammenkommen, nimmt sich der Leiter erst einmal Zeit, sich zu erkundigen, wie es ihnen in der vergangenen Woche ergangen ist und was sie erlebt haben. Bemerkt er dabei, dass es Probleme gibt, hakt er genauer nach oder kommt später, wenn er mit dem Kind allein ist, noch einmal darauf zurück. Er notiert sich darüber hinaus alle wichtigen Daten und Ereignisse seiner Schützlinge, damit er auch Wochen später noch einmal nachhaken oder einfach zeigen kann, dass er sich erinnert (z. B. um sich zu erkundigen, wie die befürchtete Mathearbeit war oder wie es dem kranken Haustier mittlerweile geht). Die Kinder spüren so echtes, anhaltendes Interesse und bauen Respekt und Vertrauen auf. Sie öffnen sich ihrem Leiter Stück für Stück und automatisch bekommt das, was er erzählt, eine größere Bedeutung für sie. Es hinterlässt ebenfalls einen bleibenden Eindruck, wenn sie zum Beispiel von ihrem Kleingruppenleiter ab und zu eine Postkarte bekommen (Zu dem Zweck gibt es speziell angefertigte Postkarten: »Gute Besserung«, »Wir haben dich vermisst!«, »Happy Birthday« etc.). Wann bekommen Kinder schon einmal Post? Für sie ist es etwas ganz Seltenes und einmalig Spannendes, 50


In Promiseland hat man die Erfahrung gemacht: »Die Kinder werden sich nicht dafür interessieren, was du weißt, solange sie nicht wissen, dass du dich dafür interessierst, was sie wissen.«

wenn plötzlich ein Brief, speziell an sie adressiert, im Briefkasten liegt. Oder wenn einmal jemand nur für sie anruft und sich nach ihnen erkundigt, weil die Gruppe sie an vergangenen Sonntag in Promiseland vermisst hat. Nach demselben Prinzip kümmert man sich übrigens in Promiseland auch um die Eltern. Der Kleingruppenleiter begrüßt jedes Mal persönlich die Eltern seiner Schützlinge und hält sie durch Rundschreiben darüber auf dem Laufenden, was in den Gruppen besprochen wird, damit die Eltern auch zu Hause auf die Fragen ihrer Kinder reagieren können. Er spricht in regelmäßigen Abständen persönlich oder am Telefon mit ihnen über ihr Kind und sorgt dafür, dass die Eltern immer informiert sind und auf besondere Aspekte, die den Rahmen der Kleingruppe sprengen, zu Hause weiter eingehen können.

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