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Inhaltsverzeichnis 1. Erlebnispädagogik mit christlichen Inhalten - was wir darunter verstehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 1.1 Warum Erlebnispädagogik? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 1.2 Wozu Erlebnispädagogik? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 2. Wie kann Erlebnispädagogik in christlichen Gruppen und Freizeiten aussehen? 2.1 Die drei Ebenen in der Erlebnispädagogik . . 2.1.1 Die Sachebene . . . . . . . . . . . . . . 2.1.2 Die Beziehungsebene . . . . . . . . . 2.1.3 Die Gefühlsebene . . . . . . . . . . . . 2.2 Die ganzheitliche Gestaltung . . . . . . . . . . . . 2.2.1 Das Erlebnis . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2.2 Die Reflexion . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2.3 Die Übertragung . . . . . . . . . . . . . .

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3. Reflexionsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 3.1 Hilfen zur Reflexion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 3.2 Methoden zur Reflexion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 4. Spiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 4.1 Herkömmliche Spiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 4.2 Kooperative Abenteuerspiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 4.2.1 Merkmale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 4.2.2 Lerneffekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 4.2.3 Vorbereitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 4.2.4 Beispiel für ein kooperatives Abenteuerspiel . . . 31 4.2.5 Beispiele für die verschiedenen Spielarten . . . . 33 5. Erlebnis-Entwürfe für die Gruppenarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 5.1 Die Tür ist zu! - Der Weg zu Gott ist versperrt . . . . . . . . . . . . . . . . 35 Zielgedanke: Wir können nur durch Jesus zu Gott kommen Aktion: Der Eingang ist verschlossen. 5.2 Du bist ein Original! - Jeder Mensch ist ein Original Gottes . . . . . . 38 Zielgedanke: Jeder wurde von Gott individuell geschaffen und ist wertvoll. Aktion: Spiele

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5.3 Da muss man durch! - Bleib dran an Jesus!. . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 Zielgedanke: Mit Jesus zu leben ist nicht immer leicht, aber es lohnt sich. Aktion: Parcours 5.4 Wie geht es weiter? - Du bist mit deinen Fähigkeiten gefragt! . . . . 48 Zielgedanke: Alle sind unterschiedlich und trotzdem richtig. Aktion: Geschichte kreativ beenden 5.5 Da kann man nur staunen ... - Gott ist mächtig! . . . . . . . . . . . . . . . 51 Zielgedanke: Staunen über die Größe Gottes; Gott kennt jeden von uns. Aktion: Film und Quiz 5.6 Das stell ich mir so vor ... - Wie stelle ich mir Gott vor? . . . . . . . . . 59 Zielgedanke: Jeder hat Vorstellungen von Gott - richtige und falsche. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, wie man sich Gott vorstellt. Wie Gott wirklich ist, können wir in der Bibel erfahren. Aktion: Ein Bild ergänzen 5.7 Romanopoly - Vergebung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67 Zielgedanke: Weil Jesus uns vergibt, sind wir frei von unserer Schuld. Aktion: Spiel 5.8 So einfach ist es, zu Gott zu kommen! - Gottes Reich . . . . . . . . . . 74 Zielgedanke: Um zu Gott zu kommen, muss man tun, was Gott sagt (Schuld eingestehen, um Vergebung bitten, Gottes Freundschaft annehmen). Wir können uns die Zugehörigkeit zu Gott nicht mit guten Werken erarbeiten. Aktion: Stationslauf 5.9 Wer hat Zeit? - Gott hat Zeit für dich!. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 Zielgedanke: Gott ist mächtig, trotzdem hat er Zeit für uns, wenn wir kommen. Aktion: Stadtspiel 5.10 Hier geht es lang! - Gottes Wort ernst nehmen . . . . . . . . . . . . . . 82 Zielgedanke: Gott hilft uns, den richtigen Weg zu finden. Manchmal ist das leicht, manchmal schwer und manchmal anders, als wir uns gedacht haben. Aktion: Gelände-/Stadtspiel 5.11 Baby feiert Geburtstag - Als Christ muss man wachsen.. . . . . . . . 90 Zielgedanke: Wer ein Leben mit Jesus beginnt, kann noch nicht alles. Als Christ lernt man nach und nach immer mehr, das zu tun, was Gott möchte. Aktion: Fest / Spiele 4


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5.12 Blickwinkel - Was für mich gilt, gilt auch für dich. . . . . . . . . . . . . 107 Zielgedanke: Oft sehen wir auf die Schwächen des anderen, ohne unsere Fehler wahrzunehmen. Gott möchte, dass wir den anderen mit dem gleichen Maßstab messen wie uns selbst. Aktion: Geländespiel 5.13 Fußparty - Gott ist bei dir und hilft dir! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 Zielgedanke: Wir wissen oft nicht, wie es im Leben weitergeht, ob gut oder nicht. Doch Gott ist immer bei uns, er hilft uns. Aktion: Parcours 5.14 Noch mal von vorne - Gott steht zu dir. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 Zielgedanke: Auch wenn man nach dem Willen Gottes lebt, macht man Fehler. Gott sieht unsere Bemühungen und gibt uns immer wieder eine Chance. Aktion: Spiel 6. Konkrete Schritte zur Planung einer erlebnisorientierten Freizeit 6.1 Voraussetzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .128 6.1.1 Das Team . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .128 6.1.1.1 Die Leitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .128 6.1.1.2 Der Mitarbeiter . . . . . . . . . . . . . . . . . .131 6.1.2 Die Gruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .132 6.1.3 Haus und Umgebung . . . . . . . . . . . . . . . . . . .132 6.2 Planung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .133 6.2.1 Themenfindung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .133 6.2.1.1 Vom Zielgedanken zum Erlebnis . . . .134 6.2.1.2 Vom Erlebnis zum Zielgedanken . . . .135 6.2.2 Vorbereitungstreffen der Mitarbeiter . . . . . . . . .135 6.2.2.1 Erstes Treffen . . . . . . . . . . . . . . . . . .135 6.2.2.2 Zweites bis viertes Treffen . . . . . . . . .137 6.2.2.3 Letztes Treffen . . . . . . . . . . . . . . . . . .138

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zen viele Gefühle „im Bauch” und können nicht richtig in Worte gefasst werden. Es ist deshalb besonders wichtig, die Äußerungen der Kinder nicht zu werten. Allerdings ist es hilfreich, wenn man lernt, solche undefinierbaren Gefühle auszudrücken. So verlieren negative Gefühle einen Großteil ihrer Macht. Gefühle, die einem bewusst sind, kann man leichter einordnen. Gründe dafür können geprüft werden und man lernt damit umzugehen. Ziele dieser Ebene Kinder erkennen, dass ihre Gefühle gar nicht so abwegig sind und auch andere mit ähnlichen Gefühlen (z. B. Angst) zu kämpfen haben. Sie lernen Empfindungen in Worte zu fassen und dadurch bewusster zu erleben. So wird ein besserer Umgang mit den Emotionen möglich. Achtung: Auf dieser Ebene können tiefgehende Wunden in der Seele der Teilnehmer berührt werden und aufbrechen (z. B. geschiedene Eltern, Missbrauch, Gewalterfahrungen usw.). Es ist wichtig, die Teilnehmer damit nicht allein zu lassen.

2.2 Die ganzheitliche Gestaltung geistliche Themen

Freizeitprogramm/Stundenthema

Rahmenprogramm/Geschichte Das Programm muss sich in diese beiden Bögen harmonisch einfügen. In vielen Gruppen und auf vielen Freizeiten sind gute, erlebnispädagogische Ansätze im Programm enthalten. Diese Elemente stehen häufig für sich allein. Wenn sie (etwas ergänzt) zu einem roten Faden zusammengefügt werden, ist das Ziel schon ein ganzes Stück näher gerückt. Eine Falle, in die man leicht gerät, sind feste Schemata. Bei Freizeiten sieht das im Allgemeinen folgendermaßen aus: Frühstück - Bibelarbeit Mittagessen - Spiel und Spaß - Abendessen - Abendprogramm - Nachtruhe. Bei einer erlebnispädagogischen Freizeit könnte ein Schema folgendermaßen aussehen: Spiel/Erfahrung - Reflexion - geistlicher Anhang. 15


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Allerdings darf nicht das gesamte Programm nach diesem Schema ablaufen, dann hätten wir unser Ziel knapp verfehlt. Erlebnisse ohne geistliche Übertragung sind genauso wichtig wie geistliche Impulse ohne Erlebnis. Die geistliche Übertragungung kann mit Hilfe einer Reflexion erfolgen, ist aber auch durch Gedankenanstöße in einer Andacht denkbar. Entscheidend hierbei ist eine gute Mischung aus Erlebnissen mit und ohne Reflexion sowie geistlichen Impulsen ohne Erlebnis. Der Variationsvielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Es ist eine Herausforderung, vom Anfang bis zum Ende einen Bogen, einen roten Faden durch das Programm zu ziehen. Das sollte nicht nur auf dem Papier geschehen, sondern praktisch, so dass die Stunde / die Freizeit ein Erlebnis wird, das sich aus vielen einzelnen Puzzleteilen zusammensetzt. Die Chance einer ganzheitlichen Programmgestaltung liegt darin, dass man den Teilnehmern verdeutlicht: Es hängt alles zusammen. Unser Leben wird zwar geprägt von einzelnen Erlebnissen, aber ihr Zusammenhang zum ganzen Leben ist entscheidend. Bei der Erlebnispädagogik liegt der Schwerpunkt auf dem Lernen durch deutliche Aufarbeitung von Erlebnissen. 2.2.1 Das Erlebnis Der Mitarbeiter schafft die äußeren Bedingungen für Erlebnisse. Kleingruppen oder sogar der Gruppe als Ganzes wird ein hohes Maß an Selbstverantwortung übertragen. Der Mitarbeiter ist nicht mehr die zentrale Person, die alles regelt. Die einzelnen Teilnehmer können also nicht nur konsumieren, sondern sind persönlich gefordert, indem sie sich in das Spiel/Erlebnis mit hineingeben. Dies geschieht überwiegend unbewusst. Gruppendynamische Prozesse werden bei den Spielen bewusst mit eingeplant. Allerdings gibt es auch Gruppenentwicklungen, die für das Ziel hinderlich oder sogar schädlich sein können. Bei der Planung ist deshalb viel Fingerspitzengefühl und gutes Durchdenken und -beten nötig. Ein Beispiel: Wenn in einem Spiel zwei gleichbleibende Gruppen immer gegeneinander antreten, kann sich ein starkes Feindbild entwickeln. Die Folgen können heftiger sein, als uns lieb ist; außerdem wäre ein vollkommen falsches Ziel erreicht. Es steht nicht mehr das „Getragenwerden” oder das „Gemeinsam Erreichte” im Vordergrund, sondern das „Bekämp-fen des Feindes”. 16


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Im Ansatz kann natürlich auch diese Entwicklung genutzt werden, da wir als Christen einen Feind haben, der nicht schläft. Damit würde aber eine sehr schmale Gratwanderung angetreten, da die Eigendynamik der Gruppe sehr stark werden kann, wenn sie nicht rechtzeitig gestoppt, aufgefangen und in andere Bahnen gelenkt wird. Wenn wir auch im Vertrauen auf Gottes Hilfe mutige Schritte tun, dürfen wir uns nicht überschätzen und dabei verantwortungslos werden. Ein Erlebnis muss nicht immer in Form eines Spieles oder eines Programmpunktes geplant werden. Erlebnisse, die durch ein Spiel geschaffen werden, haben es schwerer, tiefe emotionale Empfindungen zu erzeugen. Erlebnisse, die am Rande mitlaufen bzw. begleitend zum Programm geschaffen werden, können sehr einprägsam sein (zum Beispiel ein Rollentausch der Mitarbeiter; ungewöhnliche Reaktionen von anderen; Ereignisse, die den weiteren Ablauf beeinflussen, auf die sich die Gruppe einstellen muss usw.). Das Erlebte muss nach seiner Intensität gewertet werden und nicht nach seiner Dauer. Wenn ein kurzes, prägnantes Erlebnis vorliegt, wird dies mehr berühren als ein langes, oberflächliches. Für die Planung und Umsetzung ist es entscheidend festzustellen, worin das Ziel des Erlebnisses besteht. Doch dabei ist Vorsicht geboten, da man in der Vorbereitung leicht der Gefahr erliegt, ein Erlebnis „zurechtzubiegen”. Doch wir können den Kindern nicht vorgeben, was sie erleben sollen, sondern müssen auf das eingehen, was sie tatsächlich erleben. Trotz sorgfältiger Überlegungen darf nicht der Anspruch gestellt werden, dass jeder Teilnehmer alle geplanten Erlebnisse gleich intensiv erlebt. Dafür sind wir Menschen zu unterschiedlich. 2.2.2 Die Reflexion Die Reflexion des Erlebnisses ist notwendig, um unbewusste Empfindungen bewusst zu machen. Nur dann kann gut darauf aufgebaut werden. Sie geschieht in kleinen, beständigen Gruppen. Die Kinder sollen Vertrauen zueinander und zum Mitarbeiter aufbauen, damit ein offenes Gespräch möglich ist. Um den Kindern das Reflektieren ihrer Erlebnisse zu erleichtern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. (Verschiedene Methoden werden im Kapitel 3 vorgestellt.) Bei den Erlebnissen, die eine geistliche Botschaft vermitteln sollen, geht man einen Schritt weiter: Es erfolgt eine Übertragung auf Gott, sein Wesen, seine Beziehung zu uns bzw. unser Leben mit ihm (siehe Kapitel 2.2.3). 17


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Grundsätzlich gilt: - Es kann nicht jede Empfindung, die geäußert wird, oder jede Beobachtung, die der Mitarbeiter macht, reflektiert und ins Geistliche übertragen werden. Jede Äußerung hat zwar ihre Berechtigung und wird nicht gewertet oder abqualifiziert, aber nicht jeder Beitrag kann aufgegriffen werden. Die Aufgabe des Mitarbeiters ist es, das Gespräch in der Gruppe zu moderieren, Aussagen zu bündeln und Schwerpunkte zu setzen. Eine bestimmte Lernerfahrung soll im Vordergrund stehen. - Alle Kinder haben die Möglichkeit, sich wertfrei zu äußern. Bei keinem Kind soll der Eindruck entstehen: Ich muss etwas sagen. Hier befindet man sich auf einer Gratwanderung. Kinder sollen durchaus ermutigt werden sich zu äußern, aber keiner soll sich unter Druck gesetzt fühlen. - Das Gespräch sollte nicht nur über den Mitarbeiter laufen. Es ist erstrebenswert, die Gruppe dahin zu führen, dass jeder gegenseitig auf die Äußerungen des anderen reagiert. Dafür können folgende Gesprächsregeln, die man vorher mit der Gruppe geklärt hat, hilfreich sein: - Aussagen gelten für die Gegenwart. Eindrücke und Gefühle ändern sich. - Kritik soll nicht um der Kritik willen geübt werden, sondern hilfreich sein. Es ist sinnvoll, sie mit Ideen und Anregungen zu verbinden. - Kritik darf nur so lange geäußert werden, wie der Betroffene bereit ist zuzuhören. Es muss klar sein, dass das, was man an Empfindungen weitergibt, eine Aussage über einen selbst ist, auch wenn von außen (objektiv) betrachtet die Lage anders aussieht. Beispiel: Ein Kind hat den Raum als dunkel empfunden. Auch wenn der Raum objektiv gesehen hell (genug) war, muss diese Aussage stehen gelassen und darf auf keinen Fall als „Lüge” oder falsch bezeichnet werden. Das Kind hat es so empfunden! Warum, das ist eine andere Frage, der man, wenn es sinnvoll erscheint, nachgehen kann. - Die Kinder möchten auch Stellungnahmen des Mitarbeiters hören. Es besteht dabei allerdings die Gefahr, dass dem Mitarbeiter Absolutheit zugestanden wird. Es ist deshalb wichtig, eigene Beobachtungen nicht zu dominant zu äußern. Häufig kann man die eigenen Wahrnehmungen auch in Form einer Frage einbringen.

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- Das Gespräch soll zukunftsorientiert sein. Die Erfahrungen und die weiterführenden Erkenntnisse sind ein Kapital, das uns in der Zukunft helfen kann. 2.2.3 Die Übertragung In der Erlebnispädagogik gibt es drei Ebenen, in die ein Erlebnis aufgeschlüsselt werden kann (siehe Kapitel 2.1). Für den christlichen Bereich geht man einen Schritt weiter. Man könnte ihn auch als vierte Ebene bezeichnen, in der Gott der Mittelpunkt ist. Diese vierte Ebene ist für uns in der christlichen Gruppen- und Freizeitarbeit entscheidend. Hier schließt sich der Kreis, denn Gott ist der Ursprung aller Dinge. Unser Ziel ist nicht das „Einswerden mit mir selbst” (New Age / Yoga), sondern das „Einswerden mit Gott”. Somit könnte man bei dieser Ebene auch von der Glaubensebene reden. Das eigene Erleben, das bereits reflektiert wurde, wird mit Gott in Verbindung gebracht. Gottes Eigenschaften und Zusagen können verdeutlicht werden, z. B. Treue, Liebe, Hoffnung. Aber auch unsere Unzulänglichkeiten und unsere Schuld können sichtbar werden und die Vergebung und Annahme durch Gott wird greifbarer. Diese Übertragung muss nicht mit vielen Worten oder einer „Minipredigt” erfolgen. Meistens reichen schon wenige Sätze, die das Erlebte auf Gott beziehen. Hinweis für die Erarbeitung der Übertragung: Verschiedene Menschen nehmen das gleiche Erlebnis unterschiedlich wahr. Jeder empfindet anders. Die Unterschiede können sehr extrem sein. Bei der Übertragung ist es wichtig, auf die tatsächlich geäußerten Empfindungen der Teilnehmer einzugehen. Der Mitarbeiter darf den Kindern nicht sagen, was sie hätten empfinden sollen. Um jedem Mitarbeiter das nötige Arbeitsmaterial zur Verfügung zu stellen, sollten alle Mitarbeiter sich frühzeitig gegenseitig über die einzelnen Programmpunkte informieren. Es ist wichtig, dass sie die geplanten Erlebnisse für sich reflektieren und mögliche Empfindungen der Kinder festhalten. Diese Reflexion bildet die Basis für die biblische Übertragung. Jeder Mitarbeiter überlegt sich, welche geistlichen Aussagen und welche biblischen Texte anhand der möglichen Empfindungen vermittelt werden können. Die 19


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zusammengefassten Ausarbeitungen bilden ein umfassendes Arbeitsmaterial. Wurde die Übertragung auf diese Weise vorbereitet, kann in der Reflexion gut auf die Kinder eingegangen werden. Kommt man im Gespräch mit den Kindern nicht weiter, weil man zum Beispiel auf die Reaktionen der Kinder nicht gefasst war, ist es sinnvoller, das Gespräch zu vertagen, als krampfhaft einen Bogen zu suchen. Den Kindern hilft ein ehrlicher Mitarbeiter mehr als einer, der über Biegen und Brechen am Konzept festhält, ob es passt oder nicht. Das Thema kann zu einem späteren Zeitpunkt in einem anderen Rahmen (z. B. Stille Zeit) vertieft werden.

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5. Erlebnis-Entwürfe für die Gruppenarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . .35 5.1 Die Tür ist zu! - Der Weg zu Gott ist versperrt. . . ....