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Unter Gottes Schutz

John Bevere


Inhaltsverzeichnis ––––––––––––––––––––––––––––––

Danksagungen .......................................................................... 7 Teil 1 Einleitung zu „Unter Gottes Schutz“ 1 Einleitung zu „Unter Gottes Schutz“ ................................. 11 2 Es ist hart, gegen den Stachel auszuschlagen ...................... 19 Teil 2 Unter Gottes direktem Schutz 3 4 5 6 7

Eine Definition der Sünde ................................................ 37 Die verborgene Macht der Gesetzlosigkeit ......................... 51 Die Folgen des Ungehorsams – Teil 1 ................................ 69 Die Folgen des Ungehorsams – Teil 2 ................................ 81 Im Würgegriff der Zauberei .............................................. 99 Teil 3 Unter von Gott eingesetztem Schutz

8 9 10 11 12 13 14 15 16

Kennt Gott die in Verantwortung? .................................. 117 Ehre den König ............................................................... 133 Doppelte Ehre ................................................................ 149 Gehorsam und Unterordnung ........................................ 171 Aber wenn mir befohlen wird …? ................................... 187 Unfaire Behandlung ....................................................... 211 Selbstverursachte Strafe .................................................. 235 Was man noch wissen sollte ............................................ 255 Großer Glaube ............................................................... 275

Nachwort .............................................................................. 293 Über den Autor ..................................................................... 297 Bibliografie ........................................................................... 299 5


1 Einleitung zu „Unter Gottes Schutz“ –––––––––––––––––––––––––––––– Häufig sind es die schmerzhaften Worte und nicht die schmeichelhaften, die am Ende am meisten dazu beitragen, dass wir Freiheit und Schutz erleben. Schutz – ein Wort, das sich auf die unterschiedlichsten Situationen beziehen kann. In seiner einfachsten Bedeutung beschreibt es ein Kind, das eingekuschelt unter einer warmen, schützenden Bettdecke liegt oder sich hinter seinen Eltern verbirgt, wenn Gefahr droht. Im öffentlichen Leben versteht man darunter unter anderem eher den Schutz, den Polizei oder Militär für eine Stadt darstellen. Das Wort könnte auch eine Beschreibung für einen Unterschlupf sein, den ein Tier im Dickicht, in einer Höhle oder einem unterirdischen Bau sucht. Es könnte auch eine Familie beschreiben, die sich in ihrem Haus sicher fühlt, während draußen ein Unwetter tobt. Ich kann mich daran erinnern, dass ich als Kind in einer Gegend lebte, in der Stürme und Unwetter häufig auftraten. Wir beobachteten durchs Fenster, wie die dunklen Wolken, begleitet von Donner in der Ferne, immer näher kamen. Innerhalb weniger Minuten war das Unwetter dann mit ganzer Gewalt direkt über uns aufgezogen. Auf das Zucken der Blitze folgten unmittelbar die lauten Donnerschläge. Der Regen prasselte auf das Dach unseres Hauses, als würde es mit zahllosen Hämmerchen bearbeitet werden. Durch die Unwetter wurden uns die Sicherheit und der Schutz, die uns das Haus bot, immer wieder sehr stark bewusst. Die Welt, die wir durch das Fenster betrachteten, war nass und kalt und gefährlich. Im Haus waren wir in Sicherheit, das Dach hielt den Regen fern und bewahrte uns vor den Folgen des Sturms. Das Haus bot uns Schutz. 11


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Ein Geheimagent, der sich auf feindlichem Terrain bewegt, arbeitet verdeckt. Seine wahre Identität bleibt verborgen, deshalb nehmen ihn seine Feinde nicht als Agenten wahr. Seine Regierung schickt ihn unter einem Decknamen aus. Unter dem Schutz dieses Pseudonyms kann er sich frei bewegen. Wir sehen hier, dass Schutz auch Freiheit enthält. Doch was bedeutet nun „Schutz“ für das Leben eines Christen? David schreibt: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe“ (Ps. 91, 1–2; Luther). Auch hier sehen wir den Schutz, der denjenigen zusteht, die unter dem Schirm oder dem Schatten Gottes sind. Der Psalm beginnt mit: „Wer …“ Dieses Wort bringt uns zu einer sehr wichtigen Frage: Wer steht denn eigentlich unter Gottes Schutz? Dieses Buch, das du gerade in deinen Händen hältst, möchte eine Antwort auf diese lebenswichtige Frage geben. Zusammengefasst lautet die Antwort: wer sich seiner Autorität unterordnet. Adam und Eva lebten im Garten Eden in Freiheit im Schutz Gottes. Als sie Gott ungehorsam waren, wurde ihnen unmittelbar bewusst, dass sie genau das brauchten, was sie gerade verloren hatten, nämlich Schutz. Deshalb wollten sie sich Schurze machen (siehe 1. Mo. 3, 7). Durch ihren Ungehorsam und weil sie nicht länger Gottes Autorität unterstanden, beraubten sie die Menschheit des Schutzes und der Freiheit, in der sie vorher gelebt hatten. Ich will ohne Umschweife zur Sache kommen: Autorität ist kein beliebtes Wort. Weil wir uns vor dem Wort fürchten und es ablehnen, verlieren wir den Blick für den Schutz und die vielen weiteren Vorzüge, die mit Autorität einhergehen. Wir schrecken zurück, weil wir Autorität nicht aus Gottes Perspektive betrachten. Unsere Haltung gegenüber Autorität erinnert mich oft an eine Situation, die ich mit unserem dritten Sohn erlebte. Als Alexander in die erste Klasse kam, machte er sehr bald eine schlechte Erfahrung mit seiner Lehrerin. Sie war im Klassenzimmer eigentlich immer gereizt, schlecht gelaunt, oft unbeherrscht und schrie die Schüler regelmäßig an. Alexander war häufig der Grund 12


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ihrer Ausbrüche, weil er lustige Ideen hatte, voller Energie war und lieber schwatzte, als still zu sein. Für ihn war die Schule auch eine wundervolle Gelegenheit, andere Kinder zu treffen. Es versteht sich von selbst, dass seine Herangehensweise an die Schule nicht mit der Persönlichkeit und Ungeduld seiner Lehrerin zu vereinbaren war. Meine Frau und ich gingen oft nach dem Unterricht zu ihr, um die Situation zu besprechen. Wir versuchten, der Lehrerin hilfreiche Ratschläge zu geben. Alexander ermutigten wir hingegen, sich im Unterricht an die Regeln zu halten und mit der Lehrerin zusammenzuarbeiten. Aber die problematische Lage verdarb ihm die Freude am Schulunterricht. Dann zogen wir in einen anderen Bundesstaat der USA und Alexander kam in die zweite Klasse. Er bekam eine andere Lehrerin. Sie war fast übertrieben freundlich und achtete sorgfältig darauf, dass sich ihre Schüler wohlfühlten. Sie fand Alexander hinreißend und er schloss seine Lehrerin sofort ins Herz. Er konnte sich nun allerdings fast alles erlauben und lernte aus diesem Grund nicht viel. Die Schwachstellen der öffentlichen Schulen zeigten bei Alexander ihre Wirkung; wir schickten ihn auf eine private Schule, die dem traditionellen Unterrichten mehr Wert beimaß. Dort fühlte er sich schnell auf verlorenem Posten und wurde frustriert. Er befand sich unter Kindern, die sich während der ersten beiden Schuljahre durch hervorragende Leistungen auszeichneten. Alexander hatte einen guten und freundlichen, aber strengen Lehrer. Sehr bald stellte sich heraus, dass seine Leistungen hinter denen der anderen zurückblieben. Wieder trafen wir uns häufig mit der Lehrkraft, was diesmal jedoch von Nutzen war. Auch Lisa und ich investierten uns mehr. Wenn man jeden Tag zur Schule geht und die Eltern fast jeden Schritt genau beobachten, dann kann ein Junge durchaus einmal den Mut verlieren. Manchmal zog sich Alexander einfach in sich zurück. Häufig vergoss er Tränen, denn er hatte das Gefühl, im Lernen zu ertrinken, obwohl er eigentlich Fortschritte machte.

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Dann brach für ihn eines Tages eine Welt zusammen. Seine Brüder gingen zu einer Inline-Skates-Party in die Schule, während er zu Hause bleiben musste, um einige Hausaufgaben nachzuholen, die er in seinem Schreibtisch versteckt gehalten hatte. Er verpasste einen Höhepunkt des Schullebens, weil er einen Stapel von Aufgaben abarbeiten musste, den er seinem Lehrer zu verdanken hatte! Er konnte die Tränen nicht zurückhalten. Damit war es an der Zeit für ein weiteres Gespräch unter vier Augen zwischen Vater und Sohn. Nach nur wenigen Worten war mir das Problem klar. Er hatte jede Hoffnung verloren. Die Tränen flossen unaufhörlich, er war fertig mit der Welt und nahm keines meiner Worte auf. Wir schwiegen uns eine Zeit lang an, weil uns die Worte fehlten. Er ließ den Kopf hängen und schluchzte. Was dann folgte, werde ich niemals vergessen. Er setzte sich aufrecht hin, erlangte die Fassung wieder, wischte sein Gesicht ab und schaute mich dann mit seinen schokoladenbraunen Augen an, in denen neues Selbstvertrauen aufblitzte. Ihm war offensichtlich eine wichtige Erkenntnis gekommen, die seine Probleme lösen und seine Tränen trocknen würde. Er saß mir mit verschränkten Armen kerzengerade gegenüber. Mit ernster Stimme sagte er. „Papi, ich möchte dir etwas sagen. Kennst du Jessica in meiner Klasse? Sie hält nichts von Ärzten.“ Er machte eine Pause und fügte dann hinzu: „Tja Papa, und ich halte nichts von Lehrern.“ Ich hatte Mühe, mir das Grinsen und Lachen zu verkneifen. Er hatte mich wirklich überrascht. Er fuhr fort: „Wenn Jessica in meiner Klasse von Ärzten nichts halten kann, dann kann ich von Lehrern nichts halten.“ Jetzt konnte ich mir das Lachen nicht länger verkneifen. Wenn er all das nur frustriert gesagt hätte, dann wäre es nicht so komisch gewesen. Aber sein Tonfall war herrlich! Er war ernsthaft der Meinung, dass er mir ein Geheimnis offenbarte, das alle seine Probleme lösen könnte. Er war so ernst, als stünde er vor Gericht. Ich ergriff natürlich die Gelegenheit beim Schopfe, ihm zu erklären, was es für sein Leben hieße, wenn er keine Lehrer hätte. Ich erzählte ihm von meinen Eindrücken, die ich zuvor in Angola gesammelt hatte, als ich dort vor einem Jahr in Einrichtungen 14


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arbeitete, die an hungernde Kinder Essen austeilten. Diese Kinder hätten fast alles gegeben, um mit Alexander zu tauschen! Sie hätten mit Freuden die Chance wahrgenommen, etwas zu lernen, weil sie wussten, wie wichtig eine Ausbildung war, wenn sie später eine eigene Familie ernähren wollten. Nach meinen langwierigen Ausführungen verabschiedete er sich widerwillig von seiner neugefundenen Lebensweisheit und kehrte an den Küchentisch zurück, um den Kampf gegen den Berg an Arbeit, der dort auf ihn wartete, aufzunehmen. In den folgenden Wochen dachte ich immer wieder über diese Begebenheit mit meinem Sohn nach. Ohne es zu wollen, verglich ich dieses Ereignis mit der Haltung, die manche Menschen Autorität gegenüber entwickelt haben. Unzählige Menschen haben wiederholt schlechte Erfahrungen mit Autoritätspersonen gemacht. Einige deswegen, weil die Leiter, denen sie unterstellt waren, ihnen mit unnötiger Härte begegnet waren. Wie Alexander sind andere aus purer Frustration zu der Überzeugung gelangt, dass Autoritätspersonen sie nur daran hindern, das Leben zu genießen oder das zu tun, was ihrer Meinung nach das Beste für sie ist, obwohl sie gute Leiter vor sich haben, die ihre Autorität in angemessener Weise ausüben. Aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen haben sie jedoch die Haltung eingenommen, nichts von Autoritätspersonen zu halten. Sie wollen sich ihnen nur dann unterordnen, wenn sie ihrer Meinung sind. Es stellt sich hier die Frage, wie Gott diese Dinge sieht. Sollen wir uns unterordnen, auch wenn wir das Gefühl haben, ungerecht behandelt zu werden? Was macht man, wenn die uns übergeordneten Menschen verlogen und hinterhältig sind? Wie sollen wir reagieren, wenn man uns auffordert, etwas zu tun, das wir für falsch halten? Wie sollen wir uns verhalten, wenn wir aufgefordert werden, zu sündigen? Wo ist die Grenze zu ziehen? Müssen wir uns überhaupt unter allen Umständen unterordnen? Was bringt es für einen Vorteil? Können wir nicht einfach vom Heiligen Geist geleitet werden? Das Wort Gottes gibt klare Antworten auf diese Fragen. Ich meine, dass dieses Buch von allen Büchern, die ich geschrieben habe, eines 15


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der wichtigsten ist, weil es sich mit der Wurzel und den Ursachen vieler Probleme beschäftigt, die Menschen innerhalb des Leibes Christi heutzutage haben. Aus welchem Grund fiel Luzifer? Er rebellierte. Warum ist Adam gefallen? Er rebellierte. Warum weichen Menschen vom geraden Weg Gottes ab? Weil sie rebellieren. Wirklich ernüchternd ist es, festzustellen, dass Rebellion in den meisten Fällen nicht offen erkennbar ist, sie breitet sich subtil im Verborgenen aus. Ich berichte in diesem Buch von meinem eigenen Versagen. Ich bin kein machtgieriger Leiter, der seine Schafe, Mitarbeiter oder seine Familie zwingen will, sich zu unterwerfen. Ganz im Gegenteil! Ich habe wunderbare Mitarbeiter und eine tolle Familie. Ich bin auch kein Pastor. Ich schreibe dieses Buch als ein Mann, der viele Fehler, oder präziser ausgedrückt, viele Sünden begangen hat. Während der Achtzigerjahre habe ich in zwei international tätigen christlichen Organisationen gearbeitet. Die meisten Beispiele für meine Irrtümer und Fehler stammen aus dieser Zeit. Äußerst besorgniserregend ist die Tatsache, dass ich jedes Mal von ganzem Herzen der Überzeugung war, im Recht zu sein, obwohl ich völlig falsch lag. Ich bin unserem Herrn so dankbar, dass sein Wort meine Motivation entlarvt hat. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass du aus meinen Kämpfen und Problemen etwas lernen kannst und es so vermeidest, die gleichen Fehler zu machen wie ich. Ich bete, dass meine Torheit dir eine Lehre ist und Gott dir neue Erkenntnis schenkt, sodass du von diesen Berichten profitierst. Meine schmerzlichen Erfahrungen lehrten mich Wichtiges und rückblickend habe ich im Verlauf der Ereignisse wichtige Erkenntnisse gewonnen. Als ich Buße tat, konnte ich meine Fehlschläge hinter mir lassen, und mein Leben gründete sich auf ein neues Fundament, das mir neue Standfestigkeit gab. Ich glaube, dass du das Gleiche erleben kannst, während du dieses Buch liest. Durch die Beispiele in der Bibel und die persönlichen Berichte wird auch dir manches klarer werden. Einige Punkte in diesem Buch werden dich in dem bestärken, was du bereits weißt, anderes wird dich freisetzen. Ich bete, dass du Gottes Wort mit Sanftmut annimmst, denn das liegt mir wirklich am Herzen. 16


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Wenn wir mit der Wahrheit konfrontiert werden, reagieren wir auf zwei Arten. Entweder ärgern wir uns und verteidigen uns wie Kain, der Sohn Adams, und verpassen dadurch eine notwendige Erkenntnis (siehe 1. Mo. 4). Oder wir demütigen und beugen uns vor Gott wie David, als Nathan ihn mit der Wahrheit konfrontierte, und werden in unserem Charakter Gott ähnlicher, weil wir den Schmerz für uns arbeiten lassen und Buße tun (siehe 2. Sam. 12). Wir sollten dieselbe Herzenshaltung wie David an den Tag legen und jede Form des Stolzes ablegen. Stolz lenkt uns von Gottes Plan für uns ab, der Versorgung und Schutz bereithält. Wenn du dich auf diesen Weg machst, dann rufe dir immer wieder in Erinnerung, dass es häufig die schmerzhaften Worte sind und nicht die schmeichelhaften, die am Ende am meisten dazu beitragen, dass wir Freiheit und Schutz erleben. Als ich als Kind in der zweiten Klasse geimpft werden sollte, hatte mir ein Freund erzählt, dass es sehr wehtun würde. Ich war daher fest entschlossen, der Spritze um jeden Preis zu entfliehen. Ich kämpfte mit zwei Krankenschwestern und ging zunächst siegreich aus diesem Kampf hervor. Meine Eltern sprachen jedoch ein ernstes Wort mit mir und erklärten mir, was geschehen könnte, wenn ich nicht gegen Tuberkulose geimpft sei. Ich hatte meine Schwester an Krebs sterben sehen, daher wusste ich, dass es ihnen wirklich am Herzen lag, mich vor Krankheit zu schützen. Mir war klar, dass die Spritze wehtun würde, aber sie würde mich vor den viel größeren Schmerzen bewahren, die mit dieser schrecklichen Krankheit einhergehen und mich vor einem verfrühten Tod schützen. Als ich das eingesehen hatte, ließ ich mich bereitwillig impfen. Bitte erinnere dich an dieses Beispiel, wenn du auf Aussagen aus dem Wort Gottes stößt, die unangenehm und schmerzhaft sind, aber dich wie ein Impfstoff vor größerem Schaden bewahren. Mache dir bewusst, dass die Wege deines himmlischen Vaters vollkommen sind. Manches, was für den Augenblick schmerzhaft erscheint oder danach aussieht, als würde es dir schaden, macht dich in Wahrheit nur bereit dafür, dass Gott dich besser schützen, reichlicher segnen und besser durch dich für die Errettung anderer Menschen wirken kann. Vergiss niemals, dass seine Liebe zu uns rein, vollkommen und ewig ist! 17


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Lass uns gemeinsam beten, bevor wir unsere Reise antreten: Vater im Himmel, mein Verlangen nach Wahrheit ist stärker als mein Bedürfnis nach Annehmlichkeiten und Vergnügen. Ich lege daher mein Herz und meine Seele in deine Hände, denn ich weiß, dass deine Wege vollkommen sind. Du hast mich so sehr geliebt, dass du den gesandt hast, der dir am kostbarsten war, nämlich deinen Sohn Jesus Christus. Er starb am Kreuz für mich, damit ich ewiges Leben habe. Da du mich so sehr liebst, ist es dein dringender Wunsch, das Werk, das du in meinem Leben begonnen hast, zu vollenden. Ich bitte dich, beim Lesen dieses Buches durch deinen Geist zu mir zu sprechen und mir zu zeigen, auf welchem Weg du mich führen willst. Öffne meine Augen für dein Wort, öffne meine Ohren für dein Reden. Offenbare mir Jesus stärker als je zuvor. Ich danke dir bereits jetzt für das, was du durch dein Wort in diesem Buch an und in mir tun wirst. In Jesu Namen, amen.

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2 Es ist hart, gegen den Stachel auszuschlagen ––––––––––––––––––––––––––––––

Es ist schwierig, die Prinzipien des Reiches Gottes zu verstehen, wenn man von demokratischem Gedankengut geprägt ist. Ich sehe mich einer großen Herausforderung gegenübergestellt, die ohne die Gnade Gottes wohl kaum zu bewältigen ist. Denn mitten in einer Welt, in der die Gesetzlosigkeit täglich zunimmt, soll ich nun über Autorität lehren. Viele meiner Ausführungen in diesem Buch stehen in deutlichem Gegensatz zu den Vorstellungen, die in der Welt üblich sind. Auf vielen Ebenen sind wir bereits beeinflusst, ja fast programmiert, anders zu denken, als es den Prinzipien entspricht, wie sie in diesem Buch niedergelegt sind. Das ist eine Taktik Satans, unseres Feindes: Sein Ziel ist es, uns weiszumachen, dass die Dinge, die uns versklaven, gut und erstrebenswert seien, während das, was uns frei macht, als einengend wahrgenommen wird. Bereits zu Beginn der Menschheitsgeschichte wandte er diese Taktik an. Wir wissen, was im Garten Eden geschah. Seine Methode war so erfolgreich, dass Satan sie bis heute nicht verändert hat. Aus diesem Grund werden wir eindringlich aufgefordert: „Irret euch nicht, meine geliebten Brüder!“ (Jak. 1, 16). Und weiter heißt es: „Seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene“ (Röm. 12, 2). Meiner Erfahrung nach gehören die Menschen in der westlichen Welt (Mitbürger der demokratischen Länder in Amerika und 19


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Europa) zu denjenigen, die sich am hartnäckigsten weigern, der Wahrheit des Wortes wirklich Gehör zu schenken. Der Grund dafür liegt offen auf der Hand: Es ist schwierig, die Prinzipien des Reiches Gottes zu verstehen, wenn man von demokratischem Gedankengut geprägt ist. Die Demokratie ist eine gute Staatsform für die Nationen dieser Welt, aber wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass das Reich Gottes ein Königreich ist. Es wird von einem König regiert und Hierarchie, Regeln, Ordnung und Autorität sind seine festen Bestandteile. Die Gesetze und die Ordnung seines Reiches sind nicht der öffentlichen Meinung unterworfen und werden deshalb auch nicht durch Abstimmungen oder Umfragen festgelegt. Die Gesetze werden nicht von dem beeinflusst, was wir für gut halten. Das ist die Falle, in die auch Eva tappte. „Samuel sagte dem Volk das Recht des Königtums und schrieb es in ein Buch“ (1. Sam. 10, 25). Ebenso müssen wir heute die Prinzipien des Reiches Gottes lernen, denn unsere Gesellschaft lehrt uns die Maßstäbe, die in einem Königreich gelten, nicht. Wenn wir als Gläubige leben und unsere Haltung Autoritätspersonen und -positionen gegenüber von unserer Umwelt geprägt wird, dann werden wir entweder ein fruchtloses Leben führen oder uns in große Gefahr begeben. Unsere Versorgung und unser Schutz wird dadurch möglicherweise vermindert, oder wir verlieren sie völlig, denn wir unterbrechen so die Verbindung zur Quelle echten Lebens. Man könnte die Situation damit vergleichen, dass man Basketball spielt, während Gott ein Fußballturnier veranstaltet. Es ist, als würde man ein elektrisches Gerät benutzen wollen, ohne den Stecker in die Steckdose zu stecken. Heute können wir ganz einfach Autoritätspersonen durch Beschwerden und Proteste in Frage stellen, wenn wir in einem Punkt nicht mit ihnen übereinstimmen. Schließlich soll die Regierung „vom Volk, durch das Volk und für das Volk“ sein, nicht wahr? Diese Haltung und weiteres demokratisches Gedankengut sind ins Christentum eingedrungen und haben viele Christen den trügerischen Weg der Selbstbestimmung einschlagen lassen. Wenn sie auf diesem Weg weitergehen, dann werden sie sich ausgeübter Autorität nicht nur widersetzen, sondern sie schließlich völlig ablehnen. Es gibt Menschen, die Autorität so sehr verachten, dass sie 20


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sich weigern, ihre Existenz anzuerkennen. Solche Menschen haben keine Furcht des Herrn mehr. Keine der eben genannten Haltungen kann uns die Freiheit bringen, nach der wir uns so sehr sehnen. Denn in der Schrift heißt es: Wenn sie hören und sich unterwerfen, vollenden sie ihre Tage im Glück und ihre Jahre in Annehmlichkeiten. Wenn sie aber nicht hören, rennen sie in den Spieß und verscheiden ohne Erkenntnis. Hiob 36, 11–12

Die Luther-Übersetzung gibt den ersten Teil von Vers 11 folgendermaßen wieder: „Gehorchen sie und dienen ihm …“ Es geht hier um Gott und uns wird Versorgung und Schutz verheißen, wenn wir uns seiner Autorität unterordnen. Wir sollten uns auch die Gefahr vor Augen führen, der wir uns aussetzen, wenn wir seine Herrschaft missachten. Die Freiheit, die wir gerne haben möchten, indem wir uns der uns gegenüber ausgeübten Autorität widersetzen, verlieren wir durch solches Verhalten nur. Meine Frau pflegt zu sagen: „Unterordnung macht frei, Rebellion hält dich gefangen.“ Dieser Satz fasst zusammen, was wir gerade in den Versen aus Hiob gelesen haben. Einige mögen an dieser Stelle einwerfen: „Ich unterstelle mich Gott, aber nicht Menschen, es sei denn, ich bin ihrer Meinung.“ An diesem Punkt stehen uns häufig unsere Erziehung und die verkehrte Denkweise innerhalb der Gemeinde im Wege. Es ist unmöglich, eine Trennung machen zu wollen zwischen der Unterordnung unter Gottes direkte Autorität und der Unterordnung unter die Autoritätspersonen, die er eingesetzt hat. Alle Autorität hat ihren Ursprung in ihm. Achte einmal darauf, wozu uns das Wort Gottes auffordert: Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet. Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt der Anordnung Gottes; die ihr aber widerstreben, ziehen sich selbst das Urteil zu. Römer 13, 1–2 (Luther) 21


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Diese Verse geben Anlass zum Nachdenken, was wir später auch noch tun werden. An dieser Stelle möchte ich aber bereits einige Aspekte vorwegnehmen. Erstens hat Gott alle Herrscher eingesetzt, die es gibt. Niemand kann in eine Position gelangen, in der er rechtmäßige Autorität besitzt, ohne dass Gott es nicht wüsste. Ein Gedanke, der sich in unseren Herzen festsetzen muss. Zweitens bedeutet Ablehnung der Obrigkeit gleichzeitig Ablehnung der Ordnung Gottes oder die Ablehnung Gottes selbst. Wer das tut, der zieht sich damit selbst das Gericht zu. Wir müssen uns klarmachen, dass unser Vater selbst, und nicht ein machthungriger Mensch, der Urheber dieser Worte ist, denn „alle Schrift ist von Gott eingegeben“ (2. Tim. 3, 16). Die Tatsache, dass dieser Vers von Menschen missbraucht worden ist, bedeutet nicht, dass Gott nicht Urheber dieses Verses ist. Auch wenn viele Menschen es sich nicht eingestehen, so denken sie doch, dass sie ausschließlich Gott gegenüber verantwortlich sind und nicht der Obrigkeit gegenüber. Menschen mit dieser Haltung befinden sich auf Kollisionskurs mit demjenigen, den sie als ihren Herrn bezeichnen. Erinnern wir uns an Jesu Worte, die er an Saulus richtete (der später zu Paulus wurde): „Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen“ (Apg. 26, 14). Die Bauern benutzten zur Zeit der Bibel Treiberstachel. Sie bestanden aus etwa 2,5 Meter langen, geraden Zweigen aus Eichenholz oder anderem festen Holz, deren Rinde entfernt wurde. Am vorderen Ende befand sich ein spitzer Stachel, mit dem man den Ochsen beim Pflügen antreiben und lenken konnte. Ein Ochse hätte sich eine schlimme Verletzung zugezogen und große Schmerzen gelitten, wenn er sich dem spitzen Instrument widersetzt hätte. Zur Zeit des Paulus wurde dieses Bild sprichwörtlich benutzt, um zu beschreiben, dass Widerstand gegen Autorität und übergeordnete Instanzen zwecklos und vergeblich war. Wer sich Gottes Autorität widersetzt, egal ob direkt wie Paulus oder indirekt, indem er sich der von Gott eingesetzten Autoritätsperson widersetzt, der widersetzt sich dem Treiberstachel Gottes, was häufig mit schmerzhaften Erfahrungen verbunden ist. Vielen Menschen geht es wie mir: Sie lernen diese Lektion erst, nachdem sie viele Schwierigkeiten durchlebt haben. 22


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Wie mir die Augen geöffnet wurden Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie mir unter schmerzlichen Umständen die Augen dafür geöffnet wurden, dass Widerstand gegen Autoritätspersonen, die von Gott eingesetzt sind, auch Widerstand gegen Gottes direkte Autorität ist. Für mich ist folgendes Ereignis, das mir veranschaulichte, wie töricht es ist, sich dem Treiberstachel Gottes zu widersetzen, ein Mahnmal. Mitte der Achtzigerjahre wurde mir die Position des Jugendpastors in einer großen, international arbeitenden Gemeinde angeboten. Nachdem ich das Angebot im Gebet geprüft und ein erstaunlich klares „Ja“ erhalten hatte, nahm ich diese Stellung an. Für mich war das der Wille Gottes. Ich war begeistert, denn ich hatte noch keinerlei Erfahrung als Jugendpastor und wurde trotzdem als Mitarbeiter in einer Gemeinde angestellt, die zu denen gehörte, die in den Vereinigten Staaten am schnellsten wuchsen und den größten Einfluss ausübten. Ich verschlang Bücher und weitere Materialien über den Dienst unter Jugendlichen. Der Verfasser eines dieser Bücher war der Hauptjugendpastor einer Gemeinde in Louisiana, die eine hervorragende Arbeit unter Jugendlichen leistete. Ich ließ durch meine Sekretärin anfragen, ob ich für zwei Tage zu ihnen kommen könnte, um ihre Arbeit kennen zu lernen. Die Leiter der Jugendarbeit hießen mich willkommen, und so legten wir den Termin fest. Als ich ankam, wurde ich sofort in den Jugendgottesdienst am Mittwochabend gebracht. Ich war beeindruckt. Sie hatten einen eigenen Saal mit 1.500 Sitzplätzen für ihre Jugendgottesdienste und fast jeder Platz war besetzt. Dabei ging es im Jugendgottesdienst nicht um Show und ihre Predigten waren nicht seicht, sie waren klar und voller Kraft. Die Krönung war, dass die jungen Leute nicht nur gern zu kommen, sondern auch begeistert zuzuhören schienen. Das freute mich sehr und ich hatte das Gefühl, die richtigen Leute gefunden zu haben, um mich inspirieren zu lassen. Am nächsten Tag traf ich mich mit den Leitern der Jugendarbeit. Ich konnte meinen Augen kaum glauben. Die Büros der Mitarbeiter der Jugendarbeit waren in einem eigenen Gebäude untergebracht. 23


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Für die Jugendarbeit waren sechs Mitarbeiter vollzeitlich eingestellt, dazu zwei Sekretärinnen und vier Pastoren. Die Zahlen, die sie mir zeigten, waren fast unglaublich: Zum Zeitpunkt meines Besuchs hatten sie 1.250 junge Erwachsene durch Aktivitäten in den High Schools erreicht, und die Zahl wuchs mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Jeder der vier Pastoren sagte mir dasselbe: Der Erfolg ihrer Arbeit war begründet in den „Partys“, die sie an jedem Freitagabend an mehr als hundert Orten der Stadt abhielten. Diese Partys waren eigentlich Hauszellgruppen mit dem Ziel, junge Leute zu einer Entscheidung für Jesus zu führen. Das Konzept war sehr einfach und doch klar durchdacht und sehr effektiv. Es ist sehr schwierig, unerrettete Teenager zum Besuch einer Veranstaltung in einer Gemeinde zu bewegen, aber es ist leicht, sie zu einer Party mitzubringen. Jedes Mitglied der Jugendgruppe wurde ermutigt, sich im Verlauf der Woche auf eine Person in der Schule zu konzentrieren und sie zur Party am Freitagabend einzuladen. Auf der Party gab es zunächst gutes Essen, lockere Unterhaltung und zeitgemäße christliche Musik. Irgendwann brachte der Leiter der Gruppe eine vorbereitete Diskussion in Gang, bei der es um die Bibel ging und die allmählich auf das Thema der Errettung zusteuerte. Dann gab er den Anwesenden die Möglichkeit, ihr Leben Jesus zu übergeben. So wurden viele Besucher der Partys errettet. In Einzelgesprächen brachte man ihnen nahe, wie wichtig Gemeinschaft und Gemeindeleben waren, man tauschte Namen und Telefonnummern aus und lud die Neubekehrten zu den Jugendgottesdiensten am Mittwochabend ein. Ich nahm an einer dieser Partys teil und wurde neu motiviert, als ich sah, wie mehrere unerrettete Studenten ihr Leben Jesus übergaben. Dann kehrte ich in meine Gemeinde zurück und berichtete meinem Mitarbeiter von meinen Erfahrungen. Wir beteten und hatten den Eindruck, dass wir unsere Jugendgruppe nach dem gleichen Konzept gestalten sollten. Eines Tages traf ich meinen Pastor auf dem Gemeindeparkplatz und erzählte ihm begeistert von unserer neuen Vision. Er ermutigte mich mit den Worten: „Sehr gut, Bruder. Weiter so!“ 24


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Acht Monate harte Arbeit in der Vorbereitung Gott gab mir im Gebet eine Strategie. Ich sollte die Leiter der Jugendgruppen in einem Ausbildungsprogramm auf ihre Tätigkeit vorbereiten. Ich erzählte am Dienstag der ganzen Gruppe von meinem Plan, und zu meiner großen Freude kamen 70 von ihnen zur Leiterschaftsschulung am folgenden Sonntagvormittag. Sechs Monate lang lehrte ich sie wöchentlich über wichtige Prinzipien der Leiterschaft wie Treue, Aufrichtigkeit, Hingabe, Dienst und Vision. Nach fünf Monaten sprach der Herr im Gebet wieder zu meinem Herzen und sagte: „Wähle 24 junge Leute aus der Leiterschaftsschulung aus und beginne mit ihnen eine Jüngerschaftsschule. Aus diesen wirst du dann die ersten Leiter für die Partys auswählen.“ Sofort begann ich, diese Leiter auszubilden. Die folgenden zwei Monate verbrachte ich damit, diese Leiter für die Partys in den Häusern vorzubereiten, und dienstagabends vermittelte ich der gesamten Gruppe die Vision der Partys. Mein Mitarbeiter und ich arbeiteten den Ablauf für die Abende sorgfältig aus. Wir kümmerten uns auch um viele Details, wie zum Beispiel die Veranstaltungsorte der Partys, die Aufteilung der Stadt gemäß den Einzugsgebieten der Schulen und Postleitzahlen, wie das Wachstum der Gruppen aufzufangen sei und wie die Neubekehrten in die Grundlagen des Glaubens eingeführt werden sollten. Wir investierten unsere ganze Zeit und Kraft in dieses Projekt und das Ziel, verlorene Menschen für den Herrn zu erreichen, spornte uns an. Alle waren begeistert. Die Vision hatte sich von den Leitern zu den Teilnehmern der Jugendgottesdienste ausgebreitet. Die Jugendlichen sprachen bereits über die Personen, die sie zu den ersten Partys einladen wollten. Wir beteten, dass Gott die Herzen berühren möge und die betreffenden Jugendlichen erkennen würden, dass sie Jesus als ihren Retter brauchen. Mein Mitarbeiter und ich sahen bereits den großen Saal der Gemeinde vor uns, wie er jeden Dienstagabend mit 2.500 jungen Leuten gefüllt sein würde. Die Vision und das Verlangen, die Verlorenen zu erreichen, hatten uns ganz ergriffen und wir waren mehr als motiviert. 25


Copyright © 2003 in German by Adullam Verlag. Originally published in English by Thomas Nelson Publishers, Inc., Nashville, Tennessee, USA under the title

Under Cover by John Bevere Copyright © 2001 by John Bevere. All rights reserved. Alle Rechte der deutschen Ausgabe bei:

Adullam Verlag St.-Ulrich-Platz 8 85630 Grasbrunn 089 468801 www.adullam.de ISBN 978-3-931484-38-5


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