Issuu on Google+

Portr채ts mutiger

M채nner

Edwin Louis Cole


Copyright © 1998 by Edwin Louis Cole Originally published in English by Albury Publishing P.O. Box 470406 Tulsa, Oklahoma 74147-0406 USA under the title: Profiles in Courages Manhood by Edwin Louis Cole © Alle Rechte der deutschen Ausgabe bei:

Adullam Verlag St.-Ulrich-Platz 8 85630 Grasbrunn ISBN 3-931484-20-3 Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.


INHALTSVERZEICHNIS Einführung:

Ein mutiger Mann – Was ist das?.........................5

Eins

Ken Madden Mut, neu anzufangen.........................................13

Zwei

Dr. Dino J. Delaportas Mut, sich zu entscheiden....................................25

Drei

Kevin Dyson Mut, Ehre zu erweisen.......................................37

Vier

Rod Anderson Mut, sich zu verändern......................................47

Fünf

Don Ostrom Mut loszulassen..................................................57

Sechs

Robert K. Mut, Not zuzugeben..........................................65

Sieben

Allen Legier Mut zu vergeben................................................75

Acht

Raymond T. Meza Mut, treu zu sein................................................85

Neun

Bee Middlebrook Mut durchzuhalten............................................93

Zehn

Rick Lund Mut, sich selbst zu konfrontieren.....................105

Elf

John Binkley Mut, kleine Dinge anzupacken........................113

Zwölf

Tom Deuschle Mut, das Negative zu überwinden....................119

Dreizehn

David Fowler Mut, ein guter Vater zu sein.............................127


Porträts mutiger Männer

Vierzehn

Suliasi Kurulo Mut zu glauben...............................................137

Fünfzehn

Sal Mistry Mut, sich selbst anzunehmen...........................147

Sechzehn

A. R. Bernard Mutig, Prioritäten zu setzen.............................157

Siebzehn

Bruce Binkley Mut zum Risiko...............................................167

Achtzehn

David McKenzie Mut, das eigene Selbstbild zu zerstören............175

Neunzehn

Jim Halek Mut zu Geben.................................................187

Zwanzig

Leigh Howard-Smith Mut, Versprechen zu halten.............................197

Zusammenfassung: Mutige Männer...........................................205 Nachwort...................................................................................215


EINFÜHRUNG

EIN MUTIGER MANN – WAS IST DAS? Helden sind Männer, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Problem in Angriff nehmen, dem sie eigentlich nicht gewachsen sind – seien es nun alttestamentliche Propheten, berühmte Sportler der Gegenwart oder einfach nur ganz normale Männer von heute. Die Bibel nennt solche Männer „Patriarchen“. In der Welt des Sports nennt man sie „Stars“. In unserer kompromißbereiten, negativ eingestellten Gesellschaft nennt man diejenigen, die echte Siege erringen, schlichtweg „außergewöhnliche Menschen“. Sie sind mutige Männer, die leuchten wie Sterne in dunkelster Nacht. Für ihre Familien, Freunde, Gemeinden und Umgebung werden sie zu Glaubensvätern. Wie Sterne werden auch sie so manches Mal in den Schatten gestellt, wenn Wolken der Umstrittenheit aufziehen, sich ein Nebel der Unwissenheit um sie legt oder sie durch Schlechtmacherei in ein ungutes Licht gerückt werden. Manchmal ist es schlichtweg ihre eigene Bescheidenheit, die ihren hellen Schein verdeckt. Doch ich kenne solche Männer. Meiner Meinung nach sind sie außergewöhnliche Menschen. Es gibt fünf Gründe, warum Männer Mut brauchen: um an ihren Überzeugungen festzuhalten, um sich selbst zu verändern, um Nöte zuzugeben, um der Realität ins Auge zu sehen und um Entscheidungen zu treffen1. Männer, die auf den folgenden Seiten beschrieben werden, sind Beispiele für solchen Mut. Eine herausragende Eigenschaft jedes einzelnen dieser Männer ist die Liebe zur Wahrheit. Ein Grund, warum sie die Wahrheit lieben, ist, weil jeder von ihnen den liebt, der die Wahrheit verkörpert. Ohne sich zu schämen, bekennen sie sich mutig und in aller Öffentlichkeit zu ihrem Glauben an Jesus Christus, und zwar klar und unverblümt. Es war jedesmal ein Wort der Wahrheit, das sie als ein Fundament für ihr Leben annahmen und wertschätzten und das die Basis für ihre Errungenschaften und Erfolge wurde. Sie hielten an ihren Überzeu5


Porträts mutiger Männer

gungen fest, die auf der Wahrheit gegründet waren, und die Wahrheit ließ sie durchhalten. „Nicht diejenigen, die nie versagen, zählen zu den Siegern, sondern diejenigen, die niemals aufgeben“, war der Leitspruch, der Ken in der schwierigsten Zeit seines Lebens durchhalten ließ. „Veränderung ist keine Veränderung, bis sich tatsächlich etwas verändert hat.“ Das ist der Satz, der Rod durch den Kopf schoß und bis ins Herz drang, wie er sagte. Sal warf die Erkenntnis der Tatsache um, daß er nicht für Gelegenheiten beten mußte, sondern dafür, daß er bereit war, wenn sich ihm eine Gelegenheit bot. Für Bee war es der Gedanke: „Ausdauer läßt einen jede Verfolgung überstehen“, der sein Leben veränderte. Sprache ist eine Ausdrucksform, ein Mittel zur Kommunikation und eine Methode der Offenbarung. In den Sprüchen heißt es: „Goldene Äpfel in silbernen Prunkschalen, so ist ein Wort, geredet zu seiner Zeit“ (Spr. 25, 11). Das „gute Wort“ kann aus einem einzigen Wort, aus einem Satz, einem Prinzip oder einer Wahrheit aus Gottes Wort bestehen. Oft habe ich folgende Aussage gemacht: „Das Leben setzt sich aus unseren Entscheidungen zusammen und wird mit unseren Worten gebaut.“ Wenn du dein Leben verändern willst, mußt du andere Entscheidungen treffen und andere Worte verwenden. Was in deinem Leben falsch läuft, kannst du nicht korrigieren, wenn du weiterhin dieselben Dinge tust, die die Probleme verursacht haben. Du mußt bereit sein, dich zu verändern. Du mußt den Mut haben, dich zu verändern. Die einzige Konstante der Reife ist die Veränderung. Als die Männer, von denen ich in diesem Buch berichte, die Wahrheit – ein Wort von Gott – hörten, nahmen sie es an, um eine Veränderung in ihrem Leben zu bewirken. Sie bewiesen außerdem sehr viel Mut, als sie mit Krisen oder Ungewißheit zu kämpfen hatten oder sich ihnen eine Gelegenheit bot. Sie hatten den Mut, Not zuzugeben. „Ich möchte nicht als Überlebender bekannt werden, sondern als Überwinder“, erklärte einer von ihnen. 6


Ein mutiger Mann – Was ist das?

Das Leben ist mehr als reine Existenz. Jemand der überlebt, existiert nur. Erst jemand, der überwindet, lebt tatsächlich. Doch es braucht Mut, um über das Überleben hinauszukommen und ins Leben einzutauchen. Mut zeigt sich darin, daß man etwas den Rücken kehrt, obwohl man lieber dafür kämpfen würde. Mut ist auch, wenn man bereit ist zu kämpfen, obwohl man am liebsten wegrennen möchte. Wer den Unterschied kennt, ist weise. „Wer ein mutiges Herz hat, weiß sich auch im Leiden zu halten; wenn aber der Mut daniederliegt, wer kann’s tragen?“ (Spr. 18, 14; Luther ). Auf diese Weise beschreibt dieser Vers aus den Sprüchen, wie wichtig es ist, Mut zu besitzen. Mut kann sich in verschiedenen Formen und Arten äußern und kennt vielfältige Wege; für einen echten Mann ist Mut ein unerläßlicher Bestandteil seines Lebens. Diese Männer haben zudem genügend Mut, um sich ihre eigenen Versagen, Fehler, Mängel und Sünden einzugestehen. Sie sind nicht perfekt, denn wir alle sind bestenfalls fehlerhafte Menschen. Doch ihre Unzulänglichkeiten, welche das auch immer sein mögen, sind kein Grund zur Niederlage. Sie haben gelernt, sich nicht auf ihre persönlichen Schwächen, Fehler oder Unvollkommenheiten zu konzentrieren oder sich durch sie am Weiterkommen oder Wachsen hindern zu lassen, sondern ihre Stärken dadurch auszubauen. Sie haben gelernt, daß Buße nicht eine einmalige Angelegenheit ist, um Glauben an Gott zu erlangen oder sich eine Eintrittskarte für den Himmel zu ergattern, sondern ein Lebensstil, der daraus besteht, die Vergangenheit zu begraben, in der Gegenwart zu leben und in der Zukunft davon zu profitieren. Ein mutiger Mann vertraut nicht auf seine eigenen Fähigkeiten, sondern auf Gott, der ihn geschaffen hat. Glaube kommt für ihn dadurch zum Ausdruck, daß er handelt. Erst durch das Tun wird sein Glaube lebendig. Ein solcher Mann ist nicht einfach nur ein Optimist, der an die Kraft des positiven Denkens glaubt, sondern jemand, dessen Glaube auf der Grundlage einer festen Überzeugung wirksam ist. Optimismus ist eine Einstellung. Glaube ist eine feste Überzeugung.

7


Porträts mutiger Männer

Im Glauben voranzugehen, auch wenn er keine äußeren Anzeichen oder Beweise dafür hat, daß das, was er tut, richtig ist, verleiht einem mutigen Mann in den Momenten, in denen er den größten Versuchungen ausgesetzt ist, das notwendige Durchhaltevermögen. In solchen Zeiten erweist sich sein Glaube so rein wie Gold. Ein Feuerofen kann alles im Leben entweder zerstören oder reinigen. Weil Dino der einzige Mediziner war, der glaubte, daß seine Tochter es wert war, gerettet zu werden, sollte er die gute Erfahrung machen, daß er recht behielt, während sich die anderen irrten. Sich den Attacken des Unglaubens zu widersetzen ist nur einem Mann möglich, der starken Glauben besitzt. Gruppenzwang verläuft in allen Altersgruppen nach demselben Muster. Die Folgen der Kapitulation sind immer dieselben – du erlaubst jemand anderem, deine Welt zu gestalten. Eine eindringliche Zeile, die ich in dem Buch Total Mann sein geschrieben habe, lautet: „Überlasse es nicht jemand anderem, deine Welt zu gestalten, denn wenn er es tut, wird sie immer zu klein ausfallen.“2 Mutige Männer sind nicht diejenigen, die ihre eigene Welt erschaffen oder sie sich von anderen gestalten lassen, sondern diejenigen, die sich dem Schöpfer unterwerfen, der alle Dinge gut macht. Nur wer ein mutiges Herz hat, kann der Angst, dem Versagen und der Zukunft ins Auge schauen. Ein verzagter, ängstlicher Mann mit einem verweichlichten Geist ist ein Fluch für jede Frau und eine Herausforderung für eine Ehefrau. Gott möchte, daß ein Mann beständig, entschlossen und stark ist. Frauen wollen dasselbe. Stärke ist eine Tugend, Schwäche ein Laster. Mut und Männlichkeit findet man in der Regel dort, wo Entschlossenheit herrscht. Solche Männer sind bereit, schwere Entscheidungen zu treffen. Wissen wird in Kraft umgewandelt, Entschlossenheit in Energie, und Mut entwickelt sich zu einer Tugend. Kühnheit bringt Ehre ein – Feigheit entehrt. Die Heilige Schrift sagt: „… ist er doch ein wankelmütiger Mann, unbeständig in allen seinen Wegen“ (Jak. 1, 8). Diese Worte schlugen bei Robert ein wie ein Blitz und halfen ihm, aus seiner Drogensucht auszubrechen. Ein wankelmütiger Mann ist wie der Schaum auf den 8


Ein mutiger Mann – Was ist das?

Wellen, hin- und hergeworfen; ohne Halt; unfähig, eine Qualität in sich zu erzeugen, mit der er sein Leben, eine Familie, ein Geschäft oder einen Dienst aufbauen könnte. Als Suliasis junge Männer beschlossen, jeden Haushalt auf den Salomoninseln für Christus zu gewinnen, auch wenn dies bedeuten würde, in das Gebiet eines primitiven Kannibalenstammes eindringen zu müssen, aus dem bis dahin Besucher nie wieder zurückgekehrt waren, mußten sie ihren Glauben mit Mut verbinden, um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Die Folge davon war eine Reihe von Wundern, die nahezu jeder Beschreibung spotten. „Sei stark und mutig“ (Jos. 1, 9) ist kein brüderlicher Gruß, sondern eine göttliche Ermutigung. In einem Land, in dem ein Mann, der an Christus glaubt, Gefahr läuft, daß er von der Regierung zum Tode verurteilt wird, ist das Leben nicht einfach. Und trotzdem haben Männer auf außergewöhnliche Weise solche Dinge auf sich genommen, die darin nichts besonderes gesehen haben. Wenn Glaube ohne Werke tot ist, dann ist Mut für ein Leben im Glauben unerläßlich. Glaubenshelden halten sich niemals selbst als solche, sondern sehen sich lediglich als Männer, die einem Leben des Glaubens den notwendigen Gehorsam leisten. Ein Leben des gehorsamen Glaubens ist die einzige Art zu leben, die für einen echten Mann in Frage kommt. Wenn man diese Männer bis ins Detail porträtieren wollte, würden die Bände eine ganze Bibliothek füllen, deshalb berichtet dieses Buch nur von den Höhepunkten ihres Lebens. Es kann nicht alles erzählt werden – nur die Ewigkeit wird genügend Zeit für einen vollständigen Bericht bieten. Die meisten haben es nie geschafft, in den Schlagzeilen der Tageszeitungen oder in den Abendnachrichten erwähnt zu werden, auch waren sie auf keinem öffentlichen Plakat zu sehen. Sie sind deine Freunde, Nachbarn und Brüder im Glauben. Jeder von ihnen möchte sein Erlebnis mit anderen teilen. Ich schließe mich ihnen an, indem ich ihre Geschichte für dich zu Papier bringe. Die Prinzipien des Mutes und der Männlichkeit gelten für jeden Mann. Sie gehören zum Mannsein dazu. Mache sie dir zu eigen, lerne daraus und lebe danach. 9


Porträts mutiger Männer

Dieses Buch wurde mit dem Wunsch geschrieben, dich zu ermutigen, deinen Ängsten ins Auge zu schauen und sie zu überwinden; die Wahrheit zu erkennen und dein Leben durch sie verändern zu lassen; und in einer Welt, in der Kompromisse an der Tagesordnung sind, Integrität zu beweisen. Ich hoffe, daß auch dich ein Wort der Wahrheit in die Freiheit führen wird, um über dich selbst hinauszuwachsen, so wie es diesen Männern gelungen ist, neue Ebenen des Glaubens und Handelns zu erreicht.

v PRINZIPIEN für Mut und Männlichkeit • Helden sind Männer, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Problem in Angriff nehmen, dem sie eigentlich nicht gewachsen sind. • Es erfordert Mut, an Überzeugungen festzuhalten, sich zu verändern, Not zuzugeben, der Realität ins Auge zu sehen und Entscheidungen zu treffen. • Nicht diejenigen, die nie versagen, sind Sieger, sondern diejenigen, die niemals aufgeben. • Veränderung ist keine Veränderung, bis sich tatsächlich etwas verändert hat. • Männer müssen nicht für Gelegenheiten beten, sondern dafür, daß sie bereit sind, wenn sich ihnen eine Gelegenheit bietet. • Ausdauer läßt einen jede Verfolgung überstehen. • Das Leben setzt sich aus unseren Entscheidungen zusammen und wird mit unseren Worten gebaut. • Wenn du dein Leben verändern willst, mußt du andere Entscheidungen treffen und andere Worte verwenden. • Die einzige Konstante der Reife ist die Veränderung. • Mut zeigt sich darin, daß man etwas den Rücken kehrt, obwohl man lieber dafür kämpfen würde. Mut ist auch, wenn man bereit ist zu kämpfen, obwohl man am liebsten wegrennen möchte. • Buße ist ein Lebensstil, der daraus besteht, die Vergangenheit zu begraben, in der Gegenwart zu leben und in der Zukunft davon zu profitieren. • Optimismus ist eine Einstellung; Glaube ist eine feste Überzeugung. 10


Ein mutiger Mann – Was ist das?

• Überlasse es nicht anderen, deine Welt zu gestalten, denn wenn sie es tun, wird sie immer zu klein ausfallen. • Wissen wird in Kraft umgewandelt, Entschlossenheit in Energie, und Mut entwickelt sich zu einer Tugend.

11


EINS ____________________________________________________

KEN MADDEN

____________________________________________________

MUT, NEU ANZUFANGEN Nicht diejenigen, die nie versagen, sind Sieger, sondern diejenigen, die niemals aufgeben. Ken wäre niemals der Gedanke gekommen, daß er alles verlieren könnte. Seinen Freund zu verlieren war mehr als er ertragen konnte, und doch war es geschehen. Er rückte den lebenden Körper, den er auf seinen Armen trug, zurecht und kämpfte sich weiter durch den Sturm, der im Himalaya tobte. Seinen Kopf hielt er gesenkt, um sein Gesicht vor dem Schnee zu schützen. Noch vor wenigen Wochen war Bergsteigen in Nepal ein aufregendes Abenteuer für ihn gewesen, ein Erlebnis, das er mit Stolz neben seine anderen Gipfelbesteigungen einreihen konnte. Doch jetzt im Schatten des Mount Everest spürte er nichts als nackte Angst, als er mithalf, seinen Kameraden unter größten Anstrengungen den Gletscher hinunterzutragen. Er dachte daran, wie Edwin gelacht hatte, als sie gemeinsam andere Gipfel bestiegen hatten. Ihm fiel das Foto ein, das er zu Hause hatte – ein Bild von sich, das ihn mit einem breiten, strahlenden Grinsen auf seinem markanten Gesicht zeigte. Und neben ihm stand der außergewöhnlich gut durchtrainierte 28jährige Edwin, der Inbegriff eines zähen, robusten Bergsteigers, der allerdings eine komische schwarze Hornbrille ohne Gläser trug. Das war Edwin. Erinnerungen an andere Bergtouren kamen ihm in den Sinn, wie damals, als er und Edwin erfolgreich einige Gipfel in Nord- und Südamerika erklettert hatten. Sie schafften es immer bis ganz nach oben. Sie waren Siegernaturen! Ken fiel ein, wie sie in Katmandu aus dem Flugzeug gestiegen waren. Sie hatten soviel Ausrüstung mit dabei, daß ihr Team einen zweiten Bus mieten mußte, bevor sie die Stadt verlassen und durch Schluchten und an Kanälen entlang in die kleinen Dörfer fahren konnten, die

13


Porträts mutiger Männer

sich am Fuß der riesigen, zerklüfteten Berge befanden. Er dachte an einen rastlosen Edwin, der die Bewohner der entfernt gelegenen Dörfer, in denen sie vor ihrem Aufstieg übernachteten, zum Lachen brachte. Dort im Flachland heuerten sie Träger an, die ihre Ausrüstung den Berg hinauftrugen – zu den Dörfern der Sherpa [tibetanisches Bergvolk in Nepal], wo weitere Träger ihnen helfen würden, ihre Ausrüstung die restliche Strecke über zu tragen. Ken rechnete aus, daß es ungefähr vor zehn Tagen gewesen sein mußte, als das Bergsteigerteam den Sherpas wie üblich Sonnenbrillen, chinesische Tennisschuhe und Wollsocken gegeben hatte. Er und Edwin hatten über diese seltsame Tradition gelacht, weil die Sherpas ihre obligatorischen „Geschenke“ nie benutzten. Statt sich vor der grellen Sonne und den Eisbrocken zu schützen, die ihre Füße aufrissen und einschnitten, marschierten die Sherpas – Männer wie Frauen – barfuß und ohne Sonnenbrillen los, dem rauhen, zerklüfteten Boden und dem schlechten Wetter trotzend. Edwin war noch einer der fittesten in der Gruppe, als sie das erste Höhenlager erreicht hatten, das sich auf etwa 5.200 Metern Höhe befand. Mittlerweile war ihre Ausrüstung leichter geworden. Fast die Hälfte von dem, was sie ursprünglich dabei hatten, war verbraucht oder verschenkt worden, und für den Rest der Strecke wurden sie nur noch von den Sherpas, die in den höheren Bergregionen zuhause sind, begleitet. Sie hatten kaum das zweite Höhenlager verlassen, als sie ihre Tour abrupt beenden mußten. Edwin war an „Höhenbedingtem Lungenödem“ erkrankt, einer Krankheit, die sogar tödlich verlaufen kann und deshalb von allen Bergsteigern gefürchtet wird. Einen Tag lang ging es ihm besser, doch dann verschlimmerte sich sein Zustand. Aus diesem Grund wurde beschlossen, daß Edwin nur dann eine Chance haben würde, wenn man ihn auf eine geographisch niedergelegene Höhe brachte. Das Basislager schien die einzige Hoffnung zu sein, denn dort konnte Edwin die medizinische Behandlung bekommen, die er so dringend benötigte. Ken stieg denselben Berg, den er vor Tagen erklettert hatte, wieder hinab, denn er wußte, er konnte es schaffen – er mußte es 14


Mut, neu anzufangen

schaffen für seinen Freund. Von Erinnerungen überwältigt und müde von dem steilen Abstieg, half er, Edwin auf den Rücken einer der Sherpas zu hieven, während ein anderer Bergsteiger sein Gewicht ausbalancierte. Als sich Edwin im Basislager wieder einigermaßen erholt hatte, machte sich Ken erneut daran, den Berg zu besteigen, bis es in seinem Funkgerät anfing zu rauschen. Er hörte die Nachricht, die keiner Übersetzung bedurfte. Edwin war tot. Am Hang des Himalaya-Gletschers hackte das Bergsteigerteam mit Eispickeln ein Grab, in dem sie ihren Bergsteigerfreund begruben. „Hélène, ich kann nicht glauben, daß ich ihn verloren habe. Ich habe alles getan, was in meiner Macht stand“, erzählte Ken zwei Tage später seiner Frau, die im zweiten Basislager auf ihn wartete. „Wir sind nicht bis zum Gipfel gekommen. Er ist tot. Und das Schlimmste daran ist, daß er niemals Christus angenommen hat. Ich habe ihm davon erzählt und für ihn gebetet. Aber ich habe nie intensiv genug mit ihm gesprochen, so daß er auf mich gehört hätte. Es ist mein Fehler.“ Kens erste und einzige Erleichterung stellte sich ein, als ihr Flugzeug in Colorado landete. Er und Hélène fuhren zu ihrer kleinen Ranch außerhalb der Stadt. Er fiel in der vertrauten Umgebung, die ihn beruhigte, in einen tiefen Schlaf. Vor Jahren hatte sich Ken in einer Bergstadt in Colorado niedergelassen, nachdem er in Kalifornien errettet worden war – er wurde zum Inbegriff eines „Jesus-Freaks“, der in einem indianischen Tipizelt in den Bergen lebte und „allem entsagte“, um Christus nachzufolgen. Im Rahmen dieses bescheidenen Lebensstils arbeitete er als Zimmermann und erlaubte es sich niemals, seinem Ehrgeiz nachzugeben, denn er glaubte, daß man arm sein mußte, wenn man heilig sein wollte. Erst nach einer schmerzhaften Scheidung war er aufgewacht und erkannte zunehmend, was ein christliches Leben bedeutete. Nachdem er geschieden war, gründete er eine eigene Baufirma. Er erwirtschaftete einen beträchtlichen Gewinn für sich und seine neue Braut, eine hübsche, aufgeschlossene, naturverbundene Frau namens Hélène.

15


Porträts mutiger Männer

Und nun, nach zwei Monaten in Nepal, sehnte er sich danach, in seine Firma zurückzukehren. Als er am Freitagabend ankam, beschloß Ken, am Samstag zu arbeiten. „Die Sache mit Edwin tut mir sehr leid“, bedauerte seine Mitarbeiterin, nachdem Ken im Büro erschienen war. „Ja“, bestätigte Ken mit gesenktem Kopf. „Und was spielt sich hier ab?“ Sie überreichte ihm einen Ordner mit den Kontoauszügen und die Kassenberichte des letzten Monats. Ken hatte seinen Männern verschiedene gute Projekte, die sie durchführen sollten, und genügend neue Verträge anvertraut, um sicherzustellen, daß die Firma während seiner Abwesenheit überleben würde. Doch die Kontoauszüge sagten etwas anderes. Ken nahm die Kassenberichte zur Hand. Das Konto war um Zigtausend Euro leichter, da die laufenden Rechnungen beglichen worden waren und kein neues Geld hereingekommen war. Und es gab weitere Verbindlichkeiten, die er gar nicht bezahlen konnte. Da er keine finanziellen Reserven mehr hatte, die ihn über Wasser halten konnten, bis er neue Verträge abgeschlossen und mit dem Bau neuer Häuser begonnen hatte, war die Firma nicht länger lebensfähig. Er war ruiniert. Ken war zu betrübt, um auf diesen neuen Verlust zu reagieren, und weil er sich zu große Vorwürfe machte, blieb er nicht länger, sondern kehrte nach Hause zurück, um Hélène und sich selbst hochheilig zu versprechen, daß er hart arbeiten würde, um neue Verträge ans Land zu ziehen. Hélène sah seine Depression kommen. Ken schlief an diesem Wochenende nicht viel, und auch in den darauffolgenden Monaten nicht. Am Montag war er draußen auf den Baustellen, um potentielle neue Auftraggeber zu finden. Innerhalb kurzer Zeit gelang es ihm, zwei gute Verträge abzuschließen; er bemühte sich, das Geschäft am Laufen zu halten. Achtzehn Monate lang kämpfte er nicht nur geschäftlich, sondern auch in emotionaler und geistlicher Hinsicht. Oftmals weckte er Hélène mitten in der Nacht auf, um mit ihm nach draußen zu gehen und auf den verschneiten Wegen um ihre Ranch spazierenzugehen. Dort draußen kämpften sie gegen Depression und Selbst16


Mut, neu anzufangen

mordgedanken an, betrachteten die dunklen Silhouetten der Berge, beteten zu Gott und flehten zu Ihm um Hilfe. Ken gestand sich schließlich ein, daß er es einfach nicht schaffte. Er hatte alles getan, was in seiner Macht stand. Er hatte beruflich versagt. Er war der Meinung, er habe in Edwins Fall versagt. Er habe bei Gott versagt. Er habe als Bergsteiger versagt, weil er in Nepal den Gipfel nicht erreicht hatte. Er habe bereits in seiner ersten Ehe versagt. Und nun zog er seine zweite Frau mit in seine Depression hinein. „Auf welche Weise kann ein Mann noch versagen?“ fragte er sich. Als er betete, stellte sich das zarte Gefühl ein – es war wie ein sanftes Stupsen – daß sie nach Arizona umziehen sollten, weg von Freunden und Familie, um noch einmal von vorne anzufangen. Zu kraftlos, um zu argumentieren oder zu widersprechen, folgte er diesem Impuls. Er und seine Frau Hélène verkauften alles, was sie besaßen, und zogen von den Bergen, die sie so liebten, weg in die flache Wüstenebene von Arizona. Das war der letzte Fleck auf Gottes Erdboden, auf dem er sein wollte. Als Ken dort ankam, traf er in der Gemeinde, die sie besuchten, einen Mann, der ebenfalls mit seiner Firma bankrott gegangen war. Gemeinsam besuchten die beiden ein Männertreffen in der Hauptstadt Phoenix. Dort hörte Ken einen Satz, der sich in sein Gedächtnis einbrannte: „Nicht diejenigen, die nie versagen, sind Sieger, sondern diejenigen, die niemals aufgeben.“ Ken schrieb sich diesen Leitsatz auf Karteikarten, die er an seinen Badezimmerspiegel, sein Armaturenbrett und sein Nachtkästchen klebte. Er hielt sich diese Worte stündlich vor Augen, betete regelmäßig mit Hélène und fing in aller Demut noch einmal als Zimmermann an. Nach seinem Neuanfang gelang es Ken schließlich, wieder im Baugewerbe Fuß zu fassen. Er kundschaftete die Landschaft aus und baute qualitativ hochwertige Häuser; die Wüste diente ihm als Hintergrund, und zusätzlich rundete er das Design der Häuser durch der Wüste angepaßte Landschaftsgestaltung und Motive ab. Mit den Ergebnissen war er sehr zufrieden, doch innerhalb weniger Monate brach der Immobilienmarkt zusammen, und er konnte keinen Gewinn mehr erwirtschaften. Alles, was er tun konnte, war, nicht aufzugeben. „Wenn du nicht aufgibst, wirst du Erfolg haben“, sagte er sich täglich und stündlich. 17


Porträts mutiger Männer

Er ging jeden Morgen aus dem Haus und kämpfte sich durch den Tag. Den Berg zu erklettern, an dessen Gipfel emotionelle und finanzielle Genesung wartete, erwies sich als weitaus schwieriger als die Besteigung des Himalaya. Das Geld war knapp, die Spannung hoch, und das Zwillingspaar Versagensängste und Sorge lagen zentnerschwer auf ihm und laugten ihn aus. Eines Abends ging Ken in seinen Garten und schaute zum Himmel hinauf. „Gott“, sagte er, „alles, was schiefgehen konnte, ist schiefgegangen. Ich weiß, daß eine Sache wahr ist – nämlich daß du mich niemals verlassen noch versäumt hast. Und selbst wenn du mich verlassen hättest, würde ich nie von deiner Seite weichen.“ Weil er Gott über alle anderen Dinge stellte, konnte Ken sein Leben aus göttlicher Perspektive sehen. Ihm wurde klar, daß sein Leben Gottes Problem war, nicht nur sein eigenes; und wenn irgend etwas Gutes geschehen sollte, konnte es nur durch Gottes Eingreifen zustande kommen. Eines Tages, als er verschwitzt und schmutzig von der Arbeit hereingekommen war, wurde er von seiner Sekretärin aufgehalten. „Ich habe diese Illustrierte durchgeblättert“, sagte sie und hielt ihm eine Bauzeitschrift entgegen. „Hier ist ein Wettbewerb drin. Ich glaube, sie sollten daran teilnehmen.“ „In Ordnung“, erwiderte er müde, während er zu seinem Schreibtisch ging und sich setzte. Einige Minuten später stand sie in der Tür zu seinem Büro. „Es gibt außer diesem auch noch einige andere“, meinte sie. „Wieviel kostet es, an ihnen teilzunehmen?“ „Wenn sie sich an allen beteiligen, wird ihr Bankkonto leergefegt sein.“ „Wir haben sowieso nicht genug Geld, um irgend etwas anderes zu kaufen“, sagte er. „Also legen sie los und melden sie uns an.“ Innerhalb der nächsten drei Monate gewann Kens Firma alle fünf nationalen Preise, und plötzlich läuteten seine Telefone Sturm. Als Ken und Hélène losfuhren, um einen von Kens Preisen im vorderen Teil 18


Mut, neu anzufangen

des überfüllten Tanzsaals eines Hotels entgegenzunehmen, mußten sie über die Ironie ihrer Situation herzlich lachen. „Ich habe den Ruf, einer der besten Bauherren des Landes zu sein“, meinte Ken. „Dabei könnte es sein, daß ich nächste Woche schon pleite bin!“ Während sie unterwegs waren, baten sie Gott darum, Ken Mut für das zu geben, was er an diesem Abend tun mußte. Nachdem er vorgestellt worden war, ging er zum Mikrofon. „Zuerst muß ich sagen, daß Jesus Christus der Grund ist, warum ich diesen Preis gewonnen habe …“ Später berichtete er, daß es eine größere Freude für ihn gewesen war, sich vor seinen Berufskollegen zu Jesus Christus zu bekennen, als einen Berggipfel zu besteigen. Heute benutzt er die Zeit und Energie, die früher von Depression, Traurigkeit und Sorge verschlungen wurden, dazu, andere Männer zu erreichen, sie zu Christus zu führen, ihnen beste Lehre zu vermitteln und ihnen zum Erfolg zu verhelfen. Und seine Fertighaus-Baufirma ist heute äußerst erfolgreich und hat bereits viele Preise gewonnen, einschließlich des in der Branche begehrtesten Preises: den „Haus des Jahres“. Ken besteigt keine natürlichen Berge mehr. Statt dessen bekommt er seine „Kicks“ durch seine Familie, seine Arbeit und seinen Dienst an anderen Männern.

v Ich traf Ken zum ersten Mal in Newport Beach in Kalifornien. Er war aufgestanden und hatte sich und seine Frau mit wenigen, kurzen Worten vorgestellt. Dann hatte er sich wieder hingesetzt. Mit den Jahren habe ich festgestellt, daß das längst nicht alles war, was in diesem einzigartigen Mann steckt, und daß er keineswegs ein Mann war, dem es an Worten mangelt. Heute wird seine Firma als eine der führenden Baufirmen in den Vereinigten Staaten angesehen, und er hat als die „Nr. 1“ im Land über zwanzig Preise gewonnen. Die Wahrheit hat Kens Leben verändert. Er hörte sie. Er las sie. Doch darüber hinaus klammerte er sich an sie wie an einen Strohhalm. In 19


Porträts mutiger Männer

einer Kluft zwischen Versagen und totalem Zusammenbruch hängend, hielt ihn die Wahrheit Tag für Tag aufrecht. Ein einziger Satz, der durch seine ewig gültige Wahrheit gewichtig war, reichte aus, um sein Leben neu aufzubauen: „Nicht diejenigen, die nie versagen, sind Sieger, sondern diejenigen, die niemals aufgeben.“ Eine Wahrheit kann das Leben eines Menschen verändern, wenn er im Glauben daran festhält und danach handelt. Viele Männer hören zwar die Wahrheit, doch sie integrieren sie nicht in ihr Leben. Die Liebe zur Wahrheit ist ein Kennzeichen des geistlichen Lebens. Die Wahrheit ist das Fundament für deinen Lebensstil und das Leben, das du führst. Es liegt in der Natur einer jeden Lüge, daß sie zeitlich begrenzt ist, doch die Wahrheit währt ewig. Vertrauen reicht bis an die Grenzen der Wahrheit und nicht weiter. Auf etwas zu vertrauen, das nicht der Wahrheit entspricht, bedeutet nichts anderes, als auf eine Lüge zu vertrauen. Und eine Lüge kann den Absichten Gottes in deinem Leben niemals zuträglich sein. Kens Respekt der Wahrheit gegenüber machte ihn zu einem Mann, der sein Wort hält. Menschen können sich auf das, was er sagt, verlassen. Deshalb empfahlen ihn seine Geschäftspartner an andere weiter. Es kostete ein hohes Maß an innerer Stärke – auch „Mumm“ genannt – die Wahrheit zu sagen, während andere sich durch falsche Versprechungen Kunden verschafften. Was sie jedoch nicht bieten konnten, das hatte Ken. Heute hat er eine Firma, von der andere vergeblich träumen. Er war vertrauenswürdig, deshalb wurde ihm immer mehr Vertrauen entgegengebracht. Der Lohn für Vertrauenswürdigkeit ist noch mehr Vertrauen. Jesus sprach über den Unterschied, ein Haus auf einen Felsen oder auf Sand zu bauen. Es ist stets das Fundament, das das Gebäude trägt, nicht der Überbau. Die Liebe zur Wahrheit ist ein felsenfestes Fundament für Erfolg im Berufsleben, in der Ehe, als Vater, für erfolgreiche Freundschaften und Erfolg im Dienst. Der Fels, auf den wahres Leben gegründet ist, ist der Herr Jesus Christus. Unser Respekt gegenüber Gottes Wort läßt uns auch unsere eigenen Worte ernst nehmen. Ken hat gelernt, daß er an sein Wort gebunden 20


Mut, neu anzufangen

ist, deshalb hören Menschen auf ihn, wenn er redet. Wenn wir uns unserem eigenen Wort gegenüber verpflichten, hören andere auch uns zu, wenn wir über die Ehrfurcht vor Gottes Wort sprechen. Ken ist ein echter Mann. Doch er mußte sein Versagen überwinden. Als er dies tat, entdeckte er eine andere Wahrheit – nämlich, daß Erfolg das wirksamste Gegenmittel für Versagen ist. Nachdem Ken einige Preise gewonnen hatte und sein Geschäft in Schwung kam, erkannte er ein weiteres, wahres Prinzip und wandte es in seinem Leben an. In der Schrift heißt es: „Verlaß deinen Freund und den Freund deines Vaters nicht; aber in das Haus deines Bruders begib dich nicht am Tage deiner Not; ein Nachbar in der Nähe ist besser als ein Bruder in der Ferne“ (Spr. 27, 10; Schlachter ). Das Prinzip lautet: „Die Mittel kommen von Freunden.“ Als Ken das begriffen hatte, handelte er danach. Er hielt nicht mehr nach bauwilligen Kunden oder Käufern Ausschau, sondern entwickelte freundschaftliche Beziehungen zu den Menschen, mit denen er geschäftlich zu tun hatte. Während er auf diese Weise Freunde gewann und darum bemüht war, ihnen das zu geben, was sie wollten, statt ihnen einzureden, was sie angeblich brauchten, und ihnen göttlichen Rat anbot statt gute Ratschläge, stellten sie ihn ihren Freunden als „Freund“ vor. Seine Freunde vervielfältigten sich. Weil er auf diese Wahrheit baute, erreichte er im geschäftlichen Bereich eine völlig neue Ebene. Die Wahrheit mußte auch eine Lüge aus den Anfängen von Kens christlichem Leben überwinden. Ken hatte früher geglaubt, daß Armut und Heiligkeit Hand in Hand miteinander gehen und er nicht würdig sei, Erfolg und Wohlstand zu haben. Heute weiß er, daß Gott ihm Geschäftsabschlüsse verschafft, weil Er sich darauf verlassen kann, daß Ken den Gewinn für sein Königreich einsetzen wird. Während ich dies schreibe, baut Ken Dutzende von Häusern, von denen eines im Durchschnitt über eine Million Euro kostet. Statt gegen Minderwertigkeitsgefühle anzukämpfen, die ihm einflößen, daß er des Wohlstands nicht würdig sei, ist sich Ken heute bewußt, daß sein Einkommen Gottes Zwecken dienen soll, nicht seinen eigenen. Er hat keine Angst mehr vor seinem Verdienst, denn er betrachtet ihn 21


Porträts mutiger Männer

als ein Mittel, um in Gottes Königreich Gutes zu tun. „Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut es nicht, dem ist es Sünde“ (Jak. 4, 17). Als ich lernte, von Gott zu empfangen, hat sich auch mein Leben verändert. Vor Jahren investierte ich bei einem verzweifelten Versuch, einem anderen Dienst zu helfen, alles, was ich hatte, und verlor es. Als meine Frau und ich von der Ostküste zur Westküste der Vereinigten Staaten zurückkehrten, besaßen meine Frau und ich außer unseren Bibeln, unserem Auto und einigen persönlichen Sachen nichts mehr. Als wir in Kalifornien ankamen, arrangierte Gott auf souveräne Weise eine 40tägige Fastenzeit in meinem Leben. Zwischen dem 21. und dem 38. Tag lehrte Er mich eine Wahrheit, die zum Fundament für mein Leben und seinen Dienst wurde, der heute unter dem Namen Christian Men’s Network bekannt ist. Nancy und ich wohnten in einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung, als unsere beiden Töchter wieder daheim einzogen und Nancys Vater zu Besuch kam. Zu viele Menschen auf engem Raum! Ich betete für eine andere Wohnung, und Nancy studierte eifrig die Zeitungsanzeigen. Wir fanden schließlich eine auf einer Anhöhe ganz in unserer Nähe, eine hübsche Vier-Zimmer-Wohnung in einer abgelegenen Wohngegend. Obwohl wir deswegen beteten und ich ein gutes Gefühl bei der Sache hatte, dachte ich, daß wir sie uns nicht leisten konnten. Während ich am Strand entlangspazierte, betete und meine Bibel las, sprang mir der Vers „Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut es nicht, – dem ist es Sünde“ förmlich ins Gesicht. Ich las die Stelle noch einmal, und diesmal hörte sie sich für mich so an: „Für den, der weiß, im Wohlstand zu leben, und tut es nicht, dem ist es Sünde“. Wohlstand zu haben war gleichzusetzen mit Gutestun. Dann hörte ich, wie der Herr in meinem Herzen zu mir sprach: „Wenn ich dich bitten würde, aus deiner Drei-Zimmer-Wohnung aus- und in eine Zwei-Zimmer-Wohnung einzuziehen, würdest du das dann tun?“ Ich antwortete: „Ja, Herr!“ „Warum ziehst du dann nicht in eine größere Wohnung, wenn ich dich darum bitte?“ Ich erkannte sofort, daß es hier nicht um Zimmer 22


Mut, neu anzufangen

oder Häuser ging, sondern vielmehr darum, ob ich Gott gehorchen würde. Dann kam mir eine andere Textpassage in den Sinn. „Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht! Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm“ (Ps. 1, 1-3). Wohlstand ist die natürliche, automatische Folge von Gerechtigkeit im Leben. Er ist nicht eine „Obszönität mit neun Buchstaben“, wie manche behaupten würden, sondern das Ergebnis eines Lebens, das in göttlichen Bahnen verläuft. Wenn wir Gott nicht erlauben, uns persönlich, als Gesamtheit oder in unserem Dienst zu segnen, werden wir keine Fortschritte, sondern Rückschritte machen. Und auf diese Weise leisten wir keinen positiven Beitrag zum Reich Gottes. „Hierin wird mein Vater verherrlicht, daß ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet“ (Joh. 15, 8). Kens Herz wurde von Glauben durchdrungen, und sein Mut machte es ihm möglich, an seinen Überzeugungen festzuhalten. Die Wahrheit setzte ihn frei und bewahrte ihn zudem davor, in die Irre zu gehen. Kens unerschrockenes Ergreifen der Wahrheit verschaffte ihm die Integrität im Leben, die ihm Tür und Tor für soviel Gutes öffnete.

v PRINZIPIEN für Mut und Männlichkeit • Nicht diejenigen, die nie versagen, sind Sieger, sondern diejenigen, die niemals aufgeben. • Die Liebe zur Wahrheit ist ein Merkmal des geistlichen Lebens. • Die Wahrheit ist das Fundament für deinen Lebensstil und das Leben, das du führst. • Vertrauen reicht bis an die Grenzen der Wahrheit und nicht weiter. • Auf etwas zu vertrauen, das nicht der Wahrheit entspricht, bedeutet nichts anderes, als auf eine Lüge zu vertrauen. • Eine Lüge kann den Absichten Gottes in deinem Leben niemals zuträglich sein. 23


Porträts mutiger Männer

• Der Lohn für Vertrauenswürdigkeit ist noch mehr Vertrauen. • Unser Respekt gegenüber Gottes Wort läßt uns auch unsere eigenen Worte ernst nehmen. • Erfolg ist das wirksamste Gegenmittel für Versagen. • Die Mittel kommen von Freunden. • Wohlstand ist die natürliche, automatische Folge von Gerechtigkeit im Leben.

24


129420