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Das Mitgliedermagazin der Akademischen Sektion Wien des Österreichischen Alpenvereins 02¡2019 // 118. Jahrgang


Unser Bergmoment Die Ruhe, die Stille, das Rasten zwischen Aufstieg und Abfahrt. Die Weitsicht, das Erkunden und Suchen neuer Lines. Der Antrieb, der uns in Bewegung hält.

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Inhalt

02·2019 // 118. Jahrgang

06 Fernsicht

Von Andreas Wiederin

08 Wir stellen vor Neu im (Alpin-)Team

09 Von A wie Alpaka bis …

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Küstenwanderungen mit ö ­ sterreichischer Vergangenheit Eine Reise rund um die Bucht von Kotor

24 Ein Treffen der Grundsätze Eindrücke vom Naturschutz­ referentInnenseminar

Das letzte halbe Jahr im Zeitraffer

25 Umweltbaustelle

Einmal über die Alpen, bitte!

Alpenüberquerung mit Heidi Leonhardt

Ein Teilnehmer eines Bergwaldprojekts erzählt

Gipfelstürme in Kirgistan mit Startschwierigkeiten

Nachgefragt: Warum die letzten alpinen Freiräume geschützt werden sollten

10 berg:rausch

12 Auf den Pik Lenin 14 Die vier A

Die es als TourenführerInnen braucht

und ­Bergwaldprojekt

26 Schifahren ist das Leiwandste? 28 Sektionsupdate DAS gibt es Neues

15 Generationenübergreifende ASW 29 PächterInnen gesucht! Rausch und Fieber sind nicht genug!

Für unsere Körner-Hütte

Im Gespräch mit dem F­ ilme­macher und Profi­snowboarder Elias Elhardt

Tipps vom Profi für deine Ausrüstung

16 Contraddiction 18 Gipfelbuch

Ein Fotorundblick auf die Aktivitäten unserer Mitglieder

30 Schutzausrüstung im Winter 32 oben°wissen Nachlese

33 Danke! Ans Alpinteam

Impressum Herausgeber: Akademische Sektion Wien, Teil des Österreichischen Alpenvereins, Maria-Theresien-Straße 3 / 2, 1090 Wien Chefredaktion: Angela Hirsch AutorInnen dieser Ausgabe: Gisbert Bauer, Gundi Frank, Richard Franz, Samira Galler, Angela Hirsch, Bibiane Kaufmann, Heidi Leonhardt, Mariella Martinz, Benjamin Stern, Pavol Vyhlidal, Andreas Wiederin, Andreas Würtele Art-Direktion, Grafik und Illustration: Barbara Veit Lektorat: Franz Neruda, Christoph Baumgartner, Ute Grabner Druck: Druckerei Janetschek GmbH Erscheinungsweise: zwei Ausgaben im Jahr, Auflage 2.500 Stück

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editorial

Servus! Angela Hirsch

Grafikerin dieser Ausgabe

Barbara Veit Grafikdesignerin in Wien. Entwicklung / Konzeption der neuen Gestaltungslinie des oben° seit 2015. veitdesign.at

Fotograf dieser Ausgabe

Ob unterwegs mit Alpakas, bei Vollmond, über die Alpen, auf den Pik Lenin oder beim UNESCO Kulturerbe, der Küste von K ­ otor, es gibt einiges seit der letzten A ­ usgabe zu ­berichten. Was man mitbringen s­ ollte um TourenführerIn zu werden und was einen erwartet, haben wir in „Die 4 A“ ­zusammengefasst. Wir freuen uns auch über Zuwachs in der ASW – es gibt eine neue Gruppe! Wie sie heißt und wer ihre neuen ­Mitglieder sind, verraten wir euch im Heft. Contraddiction – ein Film über Widersprüche, Verantwortung und wie sich das mit der großer Leidenschaft Snowboarden vereinbaren lässt, darüber sprechen wir mit Profisnowboarder Elias Elhardt. Und was sich tut, wenn sich 30 Funktionäre in einem idyllischen Bergsteigerdorf zum Naturschutzreferent­ Innen­seminar treffen und wie es ist in einer der schönsten R ­ egionen Österreichs ehrenamtlich mitzuarbeiten, wollen wir euch auch keinesfalls vorenthalten. Ist es wirklich nötig, dass auch noch die letzten alpinen Freiräume für unser Hobby Skifahren erschlossen werden sollen? Dem gehen wir zum Schluss der Ausgabe nach und haben vom Profi noch ein paar Tipps für euch und eure Winterausrüstung. Schaut rein ins neue oben°! Alles Liebe, Angela

Stefan Scheitl ist ein junger Fotograf, der seinen Leidenschaften in der Natur, am Wasser und im Schnee nachgeht. stef-art.com Cover, Bergmoment, Rücken – aufgenommen in Obertauern

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fernsicht

Fernsicht Text und Foto: Andreas Wiederin, Vorstandsvorsitzender

Eigentlich ist das Führen von Touren im ­alpinen Raum noch unverständlicher als die Touren an sich schon. Man übernimmt in einem h ­ ochkomplexen Umfeld, in dem F ­ ehler schlimmsten­falls tödlich enden können, ­Verantwortung für andere und wird dafür nicht einmal bezahlt. Warum sollte sich das irgend­ jemand freiwillig antun? Mit diesem etwas irrational wirkenden Handeln ermöglichen unsere Tourenführerinnen und Tourenführer jedes Jahr vielen von euch den einen oder anderen Schritt vom B ­ ekannten in das gerade noch Unmögliche. Für fast jeden Schritt in den Alpinismus gibt es bei uns U ­ nterstützung: für die erste Kurve am Single-Trail mit dem Mountainbike genauso wie für die erste Mehrseillängen-Kletterei. Das fängt mit der eigenständigen Touren­ planung für W ­ anderungen bei Heidis „Hilfe! Wie komm' ich hier raus?“-Format an und endet irgendwo bei der a ­ nspruchsvollen Hochtour oder dem Einstieg ins Mixed-Klettern mit Eisgeräten und S ­ teigeisen. Und dazwischen gibt’s ganz viel L ­ awinenkunde, Biwak-Basics in allen Jahres­zeiten, Kletterkurse in der Halle oder am Fels, Klettersteigtouren, Skitechnik im Gelände und noch viel mehr … Dabei geht’s nicht um ein e ­ inmaliges Spektakel, sondern darum, nach­haltig Risikokompetenz und damit ­Handlungsspielraum am Berg aufzubauen.

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Durch die Erfahrung und die hochwertige Aus­­­ und ­Weiterbildung der Tourenführerinnen und ­Tourenführer in der Alpenvereinsakademie lässt sich hoffentlich viel schmerzhaftes Lehrgeld durch Trial-and-Error bei diesen Schritten ins Neue vermeiden. Aber auch die, die längst selbstständig ­unterwegs sind, profitieren ungemein vom Engagement unseres Alpinteams, denn dieses hält unseren Verein offen und lebendig. Am ­Skitouren-Wochenende oder am Klettercamp lernt man nicht nur die Stop-or-go-Methode oder ­Seilmanöver, sondern findet Gleich­ gesinnte für all den Unsinn, den man noch zusammen m ­ achen könnte. Das Kurs- und Touren­programm ermöglicht damit auch den ersten Schritt in die Gemeinschaft der ASW und in all die Gruppen, Grüppchen und Freundeskreise, die nur durch diese Offenheit lebendig bleiben können. Liebes Alpinteam, ich hoffe, ihr wisst, wie ­wertvoll euer Einsatz ist, sowohl für die ­einzelnen Mitglieder als auch für unseren ­Verein als Ganzes. Im Namen des gesamten Vereins möchte ich mich bei euch an dieser Stelle jedenfalls bedanken – ihr seid großartig!


statistik

Gut zu wissen, … … dass es einen eigenen Newsletter für die Veranstaltungsreihe oben°wissen gibt! Registriere dich unter akademischesektion.at/ schick-mir-mails für den zugehörigen E-Mailverteiler und verpasse keinen der nächsten Termine – die erwiesenermaßen immer gut zu ­wissen sind. … dass du unser Referat für Naturschutz und Nachhaltigkeit unter ­naturschutz@akademischesektion.at erreichen kannst. … dass die Booklets „SicherAmBerg: Geballtes Wissen für B ­ ergsportler“ für zahlreiche Bergsportarten zum Ausdrucken im praktischen ­Pocket-Format auf alpenverein.at gratis zum Download bereitstehen. … dass es einen regelmäßig probenden, aktiven Chor der ASW gibt, dessen Mitglieder sich immer über neue gesangsbegeisterte Mitstreiter freuen. :-)

TourenführerInnen pro Gruppe

Aktuelle Zahlen

Die Entwicklung unserer Sektion (Stand: 26. November 2019) Text: Redaktion Infografik: Barbara Veit

57%

17%

26%

Bergfieber

Felsenpanther

berg:rausch

TourenführerInnen pro Sportart Aktive TourenführerInnen

28 %

72 %

16 % Bergwandern 6 % Klettersteig 17 % Sportklettern 8 % Alpinklettern 14 % Hochtouren 2 % Schneeschuhwandern 23  % Skitour 2 % Wildnis-Trekking 2 % Skihochtour 5 % Freeride 3 % MTB 2 % Skilauf

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team

Hallo! Text und Foto: Samira Galler, Kommunikation

Gerade von Graz nach Wien fürs Master­ studium ‚Stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe‘, noch etwas hilflos durch meine neue Umgebung und mein Stiegenhaus stolpernd, traf ich dort vor rund einem Jahr auf Sam. ­Dieser sah meine am Rucksack baumelnden Boulder-Schuhe und entschied sich kurzerhand, mir sogleich die ASW schmackhaft zu machen. So kam es, dass ich keine drei Stunden später bereits zahlreiche „berg:räusche“ beim gemeinsamen Bouldern kennenlernte – und siehe da: Die waren sogar richtig nett! Heute – ein Jahr später – kann ich auf zahl­ reiche gemeinsam unternommene A ­ ktivitäten, ­verbrachte Berg­urlaube (es blieb nicht beim Bouldern) und b ­ ereichernde Gespräche ­zurückblicken. Ich bin glücklich, in der ASW gute Freunde g ­ efunden zu haben, die meine Zeit in Wien von Anfang an nicht unwesentlich

­ eprägt haben, und freue mich immer wieder g auf ­gemeinsame ­Unternehmungen. Seit rund zwei Monaten besetze ich nun die Kommunikations-Position in der ASW und hab´ meine Freude daran, die zahlreichen ­Aktivitäten unserer Sektion darzustellen, Events aus­zuschreiben, unsere Facebook-Kanäle mit ­informativen und erheiternden News zu füllen und vor allem mit euch tollen Mitgliedern in Kontakt zu sein. Ich freu´ mich sehr, an Bord zu sein und das Vereinsleben aktiv mitgestalten zu können!

Bis auf bald, Samira Ihr erreicht mich unter kommunikation@akademischesektion.at

Neu im Alpinteam

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Michael Haberfellner Übungsleiter Wandern

Nikolas Hartmann Übungsleiter Hochtouren

Sonja Hofbauer Übungsleiterin Wandern

Margit Piber Übungsleiterin Wandern, Sportklettern, Hochtour, Freeride, MTB

Sarah Schäfer Übungsleiterin Wandern

Micha Schöfthaler Übungsleiterin Alpinklettern


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Von A wie Alpaka bis V wie Vollmond Das letzte halbe Jahr im Zeitraffer Text: Samira Galler, Kommunikation Fotos: Lambert Freudhofmaier, Lukas Infanger und Marvin Steinböck

Flauschigkeit overloaded

Voller Tatendrang wurde der Sommer mit dem Kletterwochenende im Klettermekka Maltatal begrüßt. Inspiriert durch so manch ­beobachtete Mehrseillängen-­Performance, wuchs nach d ­ iesem Wochenende in vielen ­Kletterbegeisterten der Wunsch, höher ­hinaus zu kommen. S ­ ogleich waren zwei ­Mehrseil­längen-Kletterevents ­organisiert! Das Wochenende rund ums P ­ rielschutzhaus war reich an Ereignissen, die schwer zu überbieten sind: Vom ‚AHA – bei genauerer Topobetrachtung reicht unser Seil nicht zum Ab­seilen – MOMENT‘ einer Mehrseillängen-­ Newbies Seilschaft inmitten deren zweiter Seillänge, über das d ­ araus resultierende ­improvisierte Abseil­manöver im Überhang, bis hin zu dem Seil das sich nicht abziehen ließ – es fehlte an nichts! Die Übungsleiter stellten ihre P ­ rofessionalität und ­Improvisationskunst souverän unter ­Beweis. Letzteres nicht nur am Fels! Auch ­Christians Lobeshymne zum Geburtstag des Hüttenwirts wird wohl nie vergessen werden.

Dachsteingipfel, wir sind nah!

Ein Highlight stellte mit Sicherheit das ASW-Sport&Genusscamp dar, bei dem es in allen Kategorien am Berg zur Sache ging! ­Während einige mit dem MTB oder zu Fuß unter­wegs waren, checkten die anderen diverse Kletter­routen und umliegende Klettersteige aus! Wem der Sinn urplötzlich nach Abwechslung stand, der wechselte einfach schnell Schuh‘ und Gruppe und weiter ging‘s!

Auch bei unseren Felsenpanthern jagte eine Unternehmung die nächste! Kaum zurück vom Dolomitenwoche-Klassiker, standen unter dem Motto „Einfach raus am Donnerstag“ beinahe wöchentlich Touren an, bevor im Herbst zu der von Uli organisierten Wanderreise nach ­Montenegro aufgebrochen wurde. Doch davon später mehr! Gleichwenig wie unsere Jüngsten im Wolfsrudel konnten auch die frischgebackenen Übungs­ leiterInnen Bergwandern nicht stillstehen und organsierten mehrere Wanderwochen­ enden und Tageswanderungen quer über die ­Landkarte! Heidis zuvor abgehaltenes „Hilfe! Wie komm‘ ich hier raus”-Format kam hierzu gerade recht. Faszination Dachstein: Sowohl berg:rausch als auch Bergfieber zog es vom Gosausee über die weniger begangene Nordseite auf den Gipfel! Unklar ist noch, ob denn nun Margits ­Seeblick-Tour auf den Traunstein inklusiver Vollmondwanderung oder Bernhards n ­ ächtliche Gebirgsvereinsteigtour den Sieg in der ­Kategorie ‚Diversifizierung des ASW-­Portfolios‘ davontrug. Außerdem sollte wohl auch ­Christian und seine Alpakawanderung als heiße ­Konkurrenz mitbedacht werden! Dies aber nur als grober Überblick um euch Lust aufs Entdecken der kommenden Seiten zu machen und den Wunsch in euch zu wecken, baldige TeilnehmerIn einer der kommenden Aktivitäten zu sein!

Erste Mehrseillänge ­überhaupt geschafft!

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Einmal über die Alpen, bitte! In sieben Tagen 83 Kilometer und 5800 Höhenmeter mit berg:rausch von Nord nach Süd. Heidi berichtet von ihrer ersten großen Tour als Übungsleiterin. Text und Fotos: Heidi Leonhardt, Beirätin Jugendteam

Vorbereitung Irgendwann Ende des letzten Sommers prangt auf einer Wunschliste – entstanden an einem berg:rausch-Hüttenabend – das Wort „Alpenüberquerung“. Von Deutschland bis Italien, zu Fuß, abseits der ausgetretenen Pfade – so die Vorstellung. Als begeisterte Weitwanderin beschließe ich, mich der Idee anzunehmen, und beginne im Frühjahr mit der Planung: Von wo bis wo? Wie viele TeilnehmerInnen? Wann ist die beste Zeit? Eine grobe Route im Kopf habend, ergeben sich aus etlichen Hüttenanfragen („Ab September Umbau!“, „Ob offen ist, wissen wir eine Woche vorher!“) und vor allem aus den Ruhetagen der Unterkünfte meine angestrebten Tages­ etappen. Nach etlichen Ab- und Ummeldungen steht die Truppe, mit der ich eine Urlaubswoche verbringen werde, fest. Damit ist der langweilige, administrative Teil der Vorbereitung erledigt, und die Vorfreude auf die Zeit am Berg kann beginnen – wäre da nicht auch eine Prise Unsicherheit: Werden alle die teilweise langen und anspruchsvollen Etappen schaffen? Haben auch die anderen genug eisernen Willen, um bei Regen, Schnee oder Blasen an den Füßen weiterzugehen? Werden wir uns acht Tage lang verstehen, auch ohne uns vorher zu kennen? Kennenlernen Um diese Unsicherheiten besser e ­ inschätzen zu können, treffen wir einander zu einer Vor­ besprechung, bei der klar wird: Das wird schon! Wir klären Anreise, Essenswünsche, Biwaksackund Erste-Hilfe-Set-Verantwortliche sowie die

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optimale Ausstattung (Regenschirm inklusive!). Dann heißt es abwarten und auf gutes Wetter hoffen. Letzteres lässt uns vorerst im Stich. Kurzfristig entscheide ich mich gegen einen fünfstündigen Aufstieg bei strömendem Regen und das Wegsuchen in knietiefem Neuschnee und verlege daher den Start um einen Tag zurück. Wohl zu Recht, denn im Nachhinein beklagt sich ein Teilnehmer nur, dass er den ­Regenschutz umsonst mitgetragen hat. So treffen wir einander erst Montag statt Sonntag – und in Ehrwald statt in Garmisch. Von Nord nach Süd An Tag eins stehen „nur“ 800 Meter Aufstieg auf die Coburger-Hütte auf dem Programm. Die schönen Seen und der Ausblick auf das Wetterstein-Massiv bieten Entschädigung für die wenig spannenden Forststraßen. Am ­zweiten Tag steht uns ohnehin die erste ­größere Heraus­forderung bevor: die Wegsuche in 20 ­Zentimeter Neuschnee, der beinahe alle Markierungen unkenntlich gemacht hat. Doch acht Augenpaare sehen mehr als eines, und auf dem Weg durchs Schotterfeld stellen wir freudig fest, dass der Schnee das Begehen der s­ teilen Passagen sogar erleichtert. Da der Tag als ­gemütlicher Erholungstag eingeplant war, bleibt noch Zeit für einen Gipfel (Höllkopf) und Sonne-­ Sitzen, bevor wir beim Lehnberg-Haus eine ­Yogaeinheit einlegen – Stretching muss sein! Am dritten Tag heißt es Absteigen ins I­nntal. Schon bald wartet die nächste Heraus­ forderung: ein ohne Vorwarnung gesperrter Weg mit der Aussicht, einen zweistündigen Retourweg zum Bus auf uns zu nehmen oder viele zusätzliche Höhenmeter zu bewältigen. Nach einem Anruf beim Tourismusbüro („Ich


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kann Ihnen bestätigen, dass der Weg gesperrt ist.“) und der Auskunft eines vorbeikommenden Einheimischen: „Das geht scho, da ist sicher nur die Mure runtergekommen!“, beschließen wir gemeinsam, es zu wagen – auf das Risiko hin, vielleicht umdrehen zu müssen, und im ­Bewusstsein, dass ich mich als Tourenführerin ab nun auf eher fragwürdigem rechtlichen Terrain bewege. Immerhin habe ich hier ­Verantwortung für eine Gruppe, die ich weit weniger gut einschätzen kann als mich selbst. Eine etwas stressige Erfahrung – zum Glück mit gutem Ausgang, denn der Weg ist zwar weg­geschwemmt, aber mit Konzentration und Trittsicherheit gelangen wir wohlbehalten nach unten und zur skurril-absurden Rafting Alm. Der nächste Tag bringt Traumwetter, viele Höhenmeter, Abstecher auf Almen und Gipfel und eine gemütliche Unterkunft nahe K ­ ühtai. Längst schon rennt den ganzen Tag der Schmäh, wir küren „Wanderer des Tages“, die Wanderstock-FetischistInnen treiben mich mit ihren Stockeinsätzen (im Marschtakt!) gezielt in den Wahnsinn, wir suchen abends die besten Hüttenspiele und teilen alles miteinander – vom Essen bis zur Hirschtalgcreme. Die bunt ­zusammengewürfelte Truppe ist in kürzester Zeit zu einem Freundeskreis zusammen­ gewachsen, und wir müssen aufpassen, vor lauter Lachen keinen (Bauch-)Muskelkater zu ­bekommen.

Der Tag darauf, Freitag, der dreizehnte, macht seinem Namen alle Ehre. Auf der Finstertaler Scharte, gelegen auf 2700 Meter, kommt es zuerst zu einem unsanften Kontakt zwischen einer Teilnehmerin und einem Felsen. Aus dem Kontakt wurde eine Platzwunde am Kopf. Zum Glück sieht alles schlimmer aus, als es ist – ein Pflaster genügt. Doch kaum ist dieses auf­ geklebt, zeigt sich, dass der Teilnehmer, welcher mir soeben das Erste-Hilfe-Paket gereicht hat, die Höhe (oder die Kasspätzle und Kasknödel) nicht gut verträgt. Ihm ist anzusehen, dass es ihm keineswegs gut geht. Da ich mir im K ­ laren darüber bin, dass am Berg auch solche Kleinig­ keiten schnell zu einem Problem werden ­können, bin ich mehr als erleichtert, als wir nach langem Abstieg bei der Schweinfurter Hütte ankommen. Die letzten zwei Tage zählen dann aber noch zu den schönsten, die ich in den Bergen je ­erleben durfte. Traumhaft klares Herbstwetter, wunder­schöne Wiesen und Gletschertäler, schnee­bedeckte Gipfel rundherum, kaum Handy-­Empfang, der fast schon kitschige ­Winnebachsee und die netteste Hütte der Tour. Sonntag früh fällt der Abschied von den B ­ ergen schwer, und ich plane in Gedanken nicht nur die Fortsetzung nach Italien fürs nächste Jahr, ­sondern noch mindestens eine weitere im Jahr danach, und wer weiß, vielleicht noch die ­nächsten Jahrzehnte lang!

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Ein Pickel kehrt nach 50 Jahren auf den Gipfel zurück

Taxi für faule Touristen

Auf den Pik Lenin (7134 Meter) Eine große Reise nach Kirgistan mit kleinen Startschwierigkeiten Text und Fotos: Pavol Vyhlidal

Der Masterplan Der vom Reisebüro empfohlene Masterplan lautete ziemlich simpel: zuerst eine Akklimatisierungstour vom Basislager aus (3600 Meter) auf den nächsten Gipfel (4800 Meter), dann an einem Tag zum Lager 1 auf 4400 Meter, danach die zweite Akklimatisierungstour auf 5100 Meter. Am vierten Tag soll der Aufstieg über den Gletscher zum Lager 2 auf 5300 Meter und später zum letzten Lager auf 6100 Meter folgen. Dort werden wir die Ausrüstung (Zelte, Essen, Kleidung) zurücklassen, zum Basis­lager absteigen, eine Pause einlegen und einen ­zweiten Anlauf über drei Tage zum Lager 3 ­nehmen, von wo aus der Gipfelsturm auf den Pik Lenin (7134 Meter) startet. Die Durchführung Schon der erste Aufstieg hat unsere Pläne durchgewirbelt. Die dünnere Luft bedeutet, dass man nach nur wenigen Schritten anhalten und durchatmen muss. Darüber hinaus sind mir die Blutäderchen in der Nase geplatzt, sodass die Nase dauerhaft verstopft war und ich noch schlechter atmen konnte. Dazu gesellte sich die in Zentralasien übliche Belästigung für euro­päische Touristen: Magen-Darm-­Probleme.

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Man schläft also nicht (wegen der Höhe), isst nichts (wegen der Höhe) und trinkt wenig ­(Wasser muss erst geschmolzen und gekocht ­werden, sonst droht noch mehr Durchfall). Diese F ­ aktoren bilden zusammen ein einzig­ artiges Gesamterlebnis, das einem lange in Erinnerung bleibt. Der Weg zum Lager 1 erinnert an eine ­normale Alpenwanderung. Viele gehen nur zum Lager 1, das kann man ohne zusätz­ liche A ­ usrüstung und Risiko schaffen. Zu den anderen Lagern lassen sich Touristen oft ihr Gepäck ­hoch­tragen, das übernehmen Sherpas. Die Bergführer sind e ­ thnische Russen, die ­Köchin war aus U ­ sbekistan, die Bedienung aus ­Kirgistan, der L ­ agerleiter Kroate und die Ä ­ rztin kam aus Litauen. Die Sherpas werden aus Nepal e ­ ingeflogen und kehren nach der Saison nach Hause zurück. Nach der ersten Woche des Leidens s­ tiegen wir zum Basislager ab, duschten endlich (eine Woche ohne zu duschen ist mein ­Rekord), besuchten den Arzt, erhielten eine bunte M ­ ischung an Medikamenten gegen alles, w ­ uschen die Wäsche, aßen bis zum


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„­ Geht-nicht-mehr“ und bereiteten uns auf den zweiten Aufstieg vor. Dieser verlief über­ raschend gut. Weniger G ­ epäck (Zelte und Essen waren bereits oben), bessere Gelände­ kenntnisse und vor allem eine vernünftige ­Akklimatisierung bewirken Wunder.

Man atmet die kalte Luft durch den Mund ein, holt sich eine Mandel­ entzündung und hustet wie

Gipfelsturm Nr. 1 Am Tag des Gipfelsturms sollte es um drei Uhr morgens losgehen. Nach einer Stunde in z­ ügigem Tempo merkten wir, dass unsere Zehen und Füße langsam einfroren, also kehrten wir einvernehmlich um. Es war halb fünf Uhr morgens, die Sonne schien nirgendwo und auf dem Bergrücken wehte ein starker Wind. Im Morgengrauen kehrten wir g ­ eschlagen ­erschöpft ins Zelt zurück und schliefen b ­ ereits zur Mittagessenszeit. Schnee schmelzen, ­Nudeln kochen und gleich zurück in den Schlafsack – genug für 24 Stunden.

ein Tuberkulosekranker.

Die Voltaren-Salbe musste nach Gebrauch ­zurückgegeben werden, die war knapp.

Gipfelsturm Nr. 2 Am zweiten Tag haben wir den Aufstieg auf 7.00 Uhr verschoben. Das ist wahnsinnig spät fürs Hochgebirge, aber wir wollten die Kälte ­vermeiden und auf 7000 Höhenmetern wird der Schnee in der Sonne ja auch nicht so schnell weich. Nach einem schwierigen Aufstieg zum ersten Kamm wurde mir schwindlig. Ich musste meine mentalen Kräfte sammeln, um geradeaus zu laufen. Bis zum Gipfel fixierte ich mit meinem Blick immer die Stelle, zu der ich steigen wollte. Schritt, Pickeleinsatz, Schritt – und das tausend Mal wiederholen. Es hat geklappt! Wir sind pünktlich um 15 Uhr oben angekommen. Euphorie machte sich bemerkbar, und man genießt vor allem die ­Erwartung auf den baldigen Abstieg. Wir ­machten Fotos und gingen ohne viel Trara h ­ inunter zum Lager, zu den warmen ­Schlafsäcken.

Der Abstieg Auf dem Heimweg ist jeder einzelne Schritt eine Freude, der Sauerstoff wird mehr und mehr und die Sorgen nehmen ab. Nach ­stundenlangem Abstieg zeigt sich unser Energie­mangel. Der Sonnenuntergang holte uns gegen 9.00 Uhr abends ein, begleitet von einem milchdichten Nebel. Im Nebel und in der Dunkelheit sind die ­Markierungen nicht gut zu erkennen, die Stirnlampe stört eher, weil das Licht reflektiert wird und blendet. Man sieht die Fußstapfen auf dem Eis und folgt ihnen blind, hoffend, dass das Lager irgendwo da vorne sein muss. Dort angekommen zu sein, ist ein großartiges Gefühl, aber es gibt keine Zeit zum Feiern, weil man zuerst Wasser trinken muss und dann schlafen gehen will. Wenn man endlich im Schlafsack liegt, brennen dem Körper alle ­Sicherungen durch. Alle Probleme, die während des Tages durch Adrenalin unterdrückt w ­ urden, kehren auf einmal zurück. Es beginnt mit ­Husten, Fieber, Krämpfen, Zittern und anderen Beschwerden, für die es den ganzen Tag über keine Zeit gab. Es stört aber nicht mehr, weil man weiß, dass es am nächsten Tag hinunter geht und man das Schlimmste hinter sich hat. Geschafft! Der ganze Spaß endete ohne große ­Zeremonien, wir tranken im Basislager mit den ­russischen Bergführern Obstler vom Großvater, und am nächsten Tag erwischte ich das erste Auto in die Zivilisation. Sobald die Berge hinter dem ­Horizont verschwunden sind und man den Muskelkater langsam spürt, erkennt man, dass die Reise ein gutes Ende genommen hat. ­Persönlich freute ich mich sehr, nach einem Monat die Heimat zu sehen. Was auch immer man sagen mag, es ist in Mitteleuropa sehr schön, und je mehr ich reise, desto besser ­gefällt es mir zu Hause.

Ausblick vom Basislager auf den Pik Lenin

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Die vier A

Ausbildung, Ausschreiben, Aufsteigen, Absteigen … und genießen Text: Richard Franz, Leitung Alpinreferent und Angela Hirsch, 2. Vorstandsvorsitzende Foto: Richard Franz

„Der Wecker läutet. Es ist 6 Uhr früh. S­ chnelles Frühstück, den gepackten Berg­rucksack um­ geschnallt und ab zum Bahnhof, um 7.02 Uhr fährt der Zug. Eine Hochtour steht an.“ Aber bis es überhaupt so weit kommt, ist schon einiges davor geschehen. Das erste A – wie Ausbildung Als Voraussetzung für eine Übungsleiter­ ausbildung, die vom Alpenverein gefördert wird, wollen wir sichergehen, dass die z­ ukünftigen TourenführerInnen für diese verantwortungs­ volle Aufgabe geeignet sind. Darum sollte man im Vorhinein Touren in der Rubrik ­„Mitglieder für Mitglieder“ anbieten. Nicht nur um h ­ erauszufinden, ob das Tourenführen für einen geeignet ist, sondern auch, ob man sich mit all dem Drum und Dran, wie den vielen ­organisatorischen Aufgaben befassen möchte. „Die Mitfahrenden kennst du von der ­Vorbesprechung, wo ihr auch die geplante Route diskutiert habt. Vorbereitet hast du das alles schon drei Monate zuvor: die Tour r­ echerchiert, die Hütte reserviert, den ­Ausschreibungstext ­vorbereitet und das alles auch noch mit dem Alpinteam ­abgeklärt, damit die wissen, was denn eigentlich in der ­Sektion so abgeht. Da ihr schon Freitag früh losstartet, geht auch noch ein hart erarbeiteter Urlaubstag drauf. Was tut man nicht alles für das ­gemeinsame Sektionsglück!“ Das zweite A – wie Ausschreibung Vor der Tour fallen unzählige organisa­ torische und koordinatorische Dinge an, wie oben schon erwähnt. Erst wenn das alles erledigt ist, kommt es, wenn das Wetter auch ­mitspielt, zur Tour.

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„Das Zillertal lockt mit seinen weißen Berg­gipfeln. Das Wetter ist perfekt. Es ist das letzte Wochenende, an dem die Hütte offen hat. Der Anstieg zur Hütte zieht sich ein wenig, aber es lohnt sich. Eine schöne Eingehtour geht sich auch noch aus. Das gibt dir die Gelegenheit, die Trittsicherheit der fünf, für die allein du verantwortlich bist, zu überprüfen. Kurz vor dem Gipfel gibt es einen kleinen Grat. Martin fühlt sich bei der Stelle nicht so ganz sicher. Kein Problem für dich! Gesichert geht es hoch. Das k­ ostet allerdings Zeit, aber dafür hast du ja ­genügend Puffer eingeplant. Zurück auf der Hütte folgt die Nachbesprechung. Am nächsten Tag ­wolltest du eine etwas schwierigere Tour mit den fünf machen, ihr adaptiert den Plan auf etwas ­Einfacheres, denn mit Martin bist du dir nicht sicher, ob das klappen könnte. Kathrin ist enttäuscht, dass ihr auf das große Tourenziel ­verzichten müsst, aber du erklärst ihr, dass du eben die Verantwortung trägst, das schwächste Glied in der Seilschaft entscheidend ist und ihr als Team hier seid.“ Das schönste A – wie Aufstieg Hierzu braucht es keine Erklärung, wir ­verweisen auf das Foto. : ) „Die herrliche Fernsicht über die Gletscherwelt und den lustigen Hüttenabend erwähnt Kathrin noch bei der Verabschiedung. Sie hat bereits ­erkannt, dass es nicht unbedingt etwas S­ chwieriges sein muss, sondern das gemeinsame ­Erlebnis im ­Vordergrund steht.“ Das letzte A – wie Abstieg Erst wenn sich alle wohlbehalten ­verabschieden, ist die Tour für dich zu Ende und du hoffst, dass alle mit einem schönen Erlebnis nach Hause fahren.


familie

Generationen­ übergreifende ASW Text: Samira Galler, Kommunikation Foto: Claus Schmid

Mit den drei Gruppen berg:rausch, Bergfieber und Felsenpanther ist es innerhalb der ASW längst nicht getan! Schließlich ist’s ja nicht so, dass sich die Liebe zu Natur und Berg­ sport erst ab dem 18. Geburtstag entwickelt. Das Wolfs­rudel, dem zahlreiche motivierte ASW-Jungwölfe angehören, unternimmt laufend Aktivitäten: von Wanderungen, über regel­ mäßige Kletter­hallen-Nachmittage bis hin zum Winter­abenteuer am Schneeberg! Und so ganz nebenbei verdienen sie sich Abzeichen, wie die Wiener Wander­nadel, und stauben Preise bei Fotowett­bewerben ab! So machte sich unser Wolfsrudel beispielsweise im April gemeinsam mit der Sektion Reichenberg zu einer Schnitzel­ jagd im Schwarzenberg-Park auf, schoss ein Erinnerungs­foto und schaffte es damit prompt unter die Gewinnerfotos! Stark von euch! Unter dem Motto „Ein Erfolg jagt den n ­ ächsten“ erwanderte sich das Rudel vor Kurzem im Rahmen einer weiteren Jubiläumsaktion der ­Alpenvereinsjugend (in Kooperation mit der Stadt Wien) die Silberne Wiener Wandernadel!

Informiere dich auf tagedraussen.at Mehr Infos zu unserer Newbies-Gruppe berg:meute auf akademischesektion.at

Wir freuen uns sehr über die Begeisterung und die Erfolge des Wolfsrudels und m ­ öchten uns bei dieser Gelegenheit bei allen aktiv ­beteiligten Eltern – und im Besonderen bei Claus Schmidt und Alexander Wiesböck – für die tolle ­eigenständige Leitung der ASW-Jungtruppe bedanken! Durch euren Einsatz wird es möglich, dass der ASW-Spirit nachhaltig weitergegeben, gelebt und geliebt wird! Aus dem Nähkästchen geplaudert: Um das ­generationenübergreifende Netz unserer demo­grafischen Untergruppen zu komplet­ tieren, formiert sich gerade eine Newbies-­ Gruppe, ­bestehend aus frischgebackenen Eltern und ihrem Nachwuchs und nennt sich berg:meute!

Hand aufs Herz: Das Eltern-Dasein ist trotz ­unübertroffener, abgöttischer Kinderliebe manchmal einfach nervenzerrend und kraft­ raubend. Da wir es nicht verantworten könnten, zukünftige Familienaktivitäten aufgrund von ­Antriebslosigkeit scheitern zu sehen, möchten wir euch im Sinne des Vor- und Fürsorge­ prinzips den Blog der Alpenvereinsjugend als Inspirationsquelle ans Herz legen. Unter dem Motto „Tage draußen“ werden neben ­kind­gerecht aufgearbeiteten Artikeln zu brand­ aktuellen Naturthemen laufend zur Jahreszeit passende Outdoor-Spiele vorgestellt, To-doTipps aus dem Bereich der Naturpädagogik ­gegeben sowie Anleitungen und Rezepte zum Selbermachen veröffentlicht. Die Bandbreite reicht hier von selbstgemachten Fruchtleder-­ Snacks, über die Produktion von umwelt­ verträglichen Naturseifenblasen bis hin zum Erstellen von Bienenwachstüchern. Lasset die Spiele beginnen!

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interview

Contraddiction "Was ich mit diesem Film machen wollte, ist, diesen Diskurs anregen und ­anstoßen, sich seinen eigenen Widersprüchlichkeiten zu stellen. Aus d ­ iesem ­möglichst ehrlichen Zugang zum eigenen Leben lassen sich ja dann auch ­konkrete Handlungskonsequenzen ableiten, dies zu verändern, auch wenn es wahrscheinlich unrealistisch ist, immer ganz den eigenen Werten gerecht zu ­werden. Aber es geht für mich um die ehrliche Auseinandersetzung damit und das Streben danach." Interview: Interview mit Elias Elhardt, Filmemacher und Profisnowboarder, von Angela Hirsch, 2te Vorstandsvorsitzende Fotos: Carlos Blanchard

„Ist es kindisch? Nein, es ist wunderschön!“

„Ich möchte V ­ erantwortung ­übernehmen dafür, wie ich lebe, und Snowboarden wahrhaftig für das lieben,

Snowboarden ist, was du am meisten liebst, aber wäre es das Einzige, würde es dich auch nicht erfüllen. Welche weiteren Puzzlesteine braucht es noch? Ich denke, es ist wichtig, dass man die Wertschätzung für das, was man am liebsten tut, behält, aber auch, dass etwas an Inhalt da ist, etwas, womit man sich noch beschäftigen kann und was einen auch erfüllt.

was es ist: all die Schönheit und die Widersprüche.“

Für mich als Profisnowboarder ist das eine spezielle Situation. Vieles dreht sich darum, das „Highlife“ darzustellen, Träume zu k­ reieren und mitzugestalten. Derweil vermag das Ausleben der eigenen Freude einen auf Dauer auch nicht ganz zu erfüllen – doch, es muss eben auch um mehr gehen. Und dieses „Mehr“ ist zum Beispiel, Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen, für Werte einzustehen. Ihr sprecht in Contraddiction an, dass ihr auf Vermarktung ausgerichtet seid und euch das zum Produkt macht. Hat die ­Industrie das ­Feeling der Freiheit, des „Spielens“ ­ausverkauft? Wenn die Industrie das ausverkaufen könnte, würde es heißen, dass sie es ganz besitzen kann, und das ist nicht der Fall. Das erste und der Kern ist die Freude, die Freude an der Bewegung, am Berg und den Erfahrungen,

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die man machen kann. Das existiert ganz ohne Industrie. Gleichzeitig ist es selbstver­ständlich, dass die Industrie darauf beruht und ihr Marketing darauf aufbaut und uns zum Sport bringt, das ist auch in Ordnung. Ich möchte das nicht schlechtmachen, zumal ich auch selbst tief in der Maschinerie mit Sponsoren usw. drinnen bin. Es ist wichtig zu unter­scheiden, was von Marketingseite her kreiert und unter­ stützt ist und was nicht. Man muss immer wieder zum Ursprung, dem Kern zurückfinden und sich nicht – Stichwort Instagram – in der Inszenierung verlieren. Dem Spannungs­ verhältnis zwischen dem Erlebten, der Freude am Erlebten und der Zurschaustellung und Inszenierung davon müssen sich im Zeitalter von Social Media nicht nur Profis stellen. Dieses Spannungsverhältnis tut sich für viele auf. CO2-Fußabdruck und Fun-Sport-Lifestyle – inwieweit lässt sich das 2020 vereinbaren? Schwer! Den Begriff CO2-neutral finde ich problematisch, denn kaum etwas, was wir machen, liegt in einem Rahmen, den wir verantworten können. In den meisten Fällen gehen wir darüber hinaus, und Wintersport ist ein Beispiel, in dem das so offenkundig wird. Einerseits die Wertschätzung und Freude an der Natur, andererseits unser Eingriff in die Natur, und was das alles mit sich bringt, wie zum Beispiel die Anreise und all die R ­ essourcen, um ihn überhaupt ausüben zu können. Wie schaut für dich das Verhältnis zwischen Verantwortung und Ausleben deines Sports aus? Es ist wichtig, dass man sich diesen Z ­ wiespalt


„Es ist, als würde ich gänzlich durch meinen Körper leben, während meine Gedanken in einem Hintergrundrauschen ausklingen.“

Den Film findest du auf vimeo.com

offen eingesteht und als Konsequenz nicht als Saubermann darstellt. Das wäre für mich Humbug! Auch der Tourengeher, der h ­ ochläuft, ist vielleicht einige Stunden mit dem Auto angereist und trägt teure Goretex-­Bekleidung. Insofern hat er vielleicht mehr Verantwortung auf sich geladen, als ihm lieb ist. Daher geht es für mich nicht darum, die ­Debatte mit erhobenem Zeigefinger zu führen, sondern erst einmal das Thema möglichst ehrlich zu betrachten und festzustellen, welche Einflussmöglichkeiten es gibt oder wie man manches anders angehen könnte. Man muss zum Beispiel nicht nach Japan fliegen, um im Jänner Tiefschnee zu haben. Auch wenn ich selbst mein Leben in einiger Hinsicht verändert habe, ist es bei Weitem nicht frei von Widersprüchen. Wie gesagt, es geht um die ehrliche Auseinander­setzung, und daraus sollten sich Konsequenzen im eigenen Leben ergeben. Ich fliege jetzt ­sicher weniger, aber immer noch zu viel. Für mich ist ausschlaggebend, dass ich das Snowboarden nutzen möchte, um G ­ eschichten zu erzählen, die wichtig sind. Der Einfluss, den man als Profi hat, ist in gewisser Weise das Narrativ mitzugestalten. Das heißt, die ­Erzählung mitzugestalten, nach der wir leben. Meine Einflussmöglichkeit ist da natürlich bescheiden. Wenn man aber auf der anderen Seite immer wieder kommuniziert, dass es das höchste der Gefühle ist, ständig Erlebnisse auf

der ganzen Welt zu konsumieren, dann ist klar, dass die Menschen auch danach streben. Wie, glaubst du, kann man diese ­unbändige Freude, Neugier und pure Lust in einen ­„vernünftigen Erwachsenen“ transferieren und nicht nur als kindliches oder jugendliches Privileg wahrnehmen? Ich finde, es muss ein Sowohl-als-auch­­möglich sein. Die kindliche Freude und das Unbeschwerte sind wahnsinnig wertvoll und müssen bestehen bleiben. Diesen Wert beizubehalten und zu bewahren, ist wichtig, und das heißt nicht, dass wir „hängenbleiben“. Es ist mehr das Bild, das wir vom Älterwerden haben. Man muss nicht ins Bierzelt und sich betrinken, um einmal aus seiner Haut rauszugehen – ist auch lustig, aber wenn es diese Entschuldigung braucht, um ein bisschen unvernünftig zu sein, ist es schade, wenn man das nicht auch ohne kann. Wart ihr die letzte Generation, die diese ­Freiheit ausleben konnte? Wir waren wohl die letzte Generation, die es so wenig politisch machen konnte, wir waren „entpolitisiert“. Ich habe das Gefühl, das hat diese Generation geprägt, dass es ums Ausleben der eigenen Freuden ging, und da war ich dabei. Ich finde es gut, dass es mit der Generation Fridays-for-Future politischer wird und das eigene Tun auch in einen politischen Kontext gesetzt wird.

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Mehr Fotos von unterwegs findest du auf akademischesektion.at / unterwegs-2019 Schicke auch du uns deinen Bergmoment an kommunikation@akademischesektion.at

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reise

Küstenwanderungen mit österreichischer Vergangenheit Mit Uli Pistotnik rund um die Bucht von Kotor in Montenegro, vom 19. bis 26. Oktober 2019 Text: Gundi Frank Fotos: Günther Schlicker

Eine herrliche, erlebnisreiche Woche liegt hinter uns: strahlendes Herbstwetter, wolkenloser Himmel, schroffe Berge und Schluchten um die alte, einst venezianische, von 1797 bis 1918 österreichische Stadt Kotor, Hafen der k. u. k. Kriegsmarine. Von Podgorica holte uns Edi ab und begleitete uns im Bus im Angesicht der Schwarzen Berge Montenegros durch eine weite Beckenlandschaft mit zahllosen Wein­ gärten zum Restaurant „Niagara Falls“ an einem malerischen Karstfluss gelegen, wo wir schon einige Köstlichkeiten der montenegrinischen Küche und vor allem den berühmten Rotwein kosten durften.

Abendstimmung am Skadar See

Weiter ging es über eine Passstraße zu einer kurzen Führung durch die alte Königsstadt Cetinje, dann nach Budva, einer kleinen ­befestigten Hafenstadt, heute Zentrum des ­Tourismus. Bereits in der Dunkelheit erreichten wir Kotor, wo der Großteil der Gruppe außerhalb im Hotel Maria Quartier bezog. Helmuth

und ich blieben h ­ inter den Festungsmauern der Stadt. Am Abend gehörten die romantischen Gassen und Plätze den wenigen Touristen und Einheimischen sowie den Katzen. Bei Tag f­ üllten die Massen von den Kreuzfahrtschiffen die Straßen. Diesem Rummel entgingen wir durch ­unsere spannenden Wanderungen auf den ­gewundenen, in Stein kunstvoll gemauerten Militärwegen, die in der Umgebung von Kotor bis zu 900 Meter in die Höhe führten. Sie waren Teil eines Befestigungsringes gegen mögliche Angriffe der Montenegriner und der mit ihnen verbündeten Serben. Zur Festung Vranac und über den Kamm ­weiter zum Sveti Liija (766 m) oder entlang der Burg, die über der Stadt thront, auf langem ­Serpentinenweg zum Krstac-Pass (zirka 900 m), wo wir die alte Verbindungsstraße nach Cetinje erreichten. Je höher man stieg, um so prachtvoller wurde der Blick auf die Bucht von Kotor, sogar die Kreuzfahrtschiffe verloren ihren Schrecken. Blaue dalmatinische Glockenblumen leuchteten aus den Felsspalten. Ein Höhepunkt für alle Wanderer war sicher der 13 Kilometer lange Weg, weit oberhalb von Risan bei der Festung Kom beginnend. Er führte uns über weitere Militäranlagen, über ­Schluchten und tiefe Täler. Das in allen Farben leuchtende Herbstlaub und das blendende Weiß des Kalksteins bildeten eine groß­artige Kulisse für u ­ nsere zahlreichen Fotos. Zu b ­ ewundern sind aber auch die Erbauer d ­ ieser Wege, die in ­jahrelanger Arbeit und sicher oft unter Einsatz

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Kotor und die bis zu 1894 Meter hohen

Am Gipfel des Sveti Liija

­Bergketten umrahmen die tiefe Bucht.

ihres Lebens dieses Werk geschaffen haben, einer Verteidigungsdoktrin folgend, die aber den Lauf der Geschichte nicht auf­halten konnte. So stießen wir am Ende des Weges auf ein Denkmal der Tito-Partisanen von 1944. An die k. u. k. ­Soldaten erinnern zwei T ­ afeln, eine aus dem Jahr 1882, eine weitere von 1891.

Die Bucht von Kotor ist seit 1979 in das UNESCO-­Weltkulturund Naturerbe. ­aufgenommen

Ab Mitte der Woche kam etwas mehr Ruhe ins Programm. Hatten wir schon die Mosaike von Risan oder die Klosterinsel vor Perast besucht sowie die Altstadt durchstreift, so fuhren wir nun mit dem Bus auf die Halbinsel Lustica, wo wir in der Gegend um das Dorf Radovici zu einer alten Ölmühle wanderten. Nach gebührender ­Besichtigung und den technischen Erläuter­ ungen konnten wir auf dem alten Dreschplatz sitzend, mit der herrlichsten Aussicht auf einen anderen Teil des Fjords von Kotor das k­ östliche Öl mit Brot, Oliven und Käse verkosten. ­Natürlich gab es dazu auch genügend Schnaps und Wein. Da wir mit dem Bus bis zum Ort Rose fuhren, konnten wir ausgiebig schlemmen. Die Zeit bis zur Abfahrt des Schiffes nützten die meisten zum Schwimmen im warmen Meer. In einer stimmungsvollen, fast zweistündigen Bootsfahrt über den weiten Fjord erreichten wir Kotor. So ging die Woche langsam zu Ende. Ein ­interessanter Tag mit der Fahrt über den Lovcen-Pass, der einstigen Militärgrenze, vorbei am „Schinkendorf“ Njegusi lag noch vor uns.

Gegenüber auf dem Jezerski Vrh thront das gigantische Mausoleum von Petar II. Petrovic, genannt Njegos – nach seinem Geburtsort. Er hat im 19. Jahrhundert den Grundstein für den Staat Montenegro gelegt und sich diesen hohen Berg für sein Mausoleum ausgesucht. Nach fast 500 nicht enden wollenden Stufen betritt man eine von Karyatiden getragene Eingangshalle, an deren Ende die mächtige Gestalt des Königs sitzt, ein Werk des bedeutenden Bildhauers Ivan Mestrovic. Der Fahrt zum Skadar-See und in Richtung Virpazar folgte ein Besuch bei Angela, der ­Organisatorin unserer Reise in Montenegro, und dem kleinen Weingut ihrer Schwiegereltern. Nach einer köstlichen Jause ging es weiter in das Dorf Rijeka Crnojevica am gleichnamigen Fluss gelegen. Mit einem größeren Boot f­ ahren wir durch das nördliche Naturschutzgebiet des ­Skadar-Sees. Reiher und Kormorane ­begleiten uns, interessante Wasserpflanzen, der ­Schilfgürtel, die Hügelkette am Horizont und die langsam hereinbrechende D ­ ämmerung ­erzeugen eine besondere Stimmung. Mit Schnaps gewärmt und mit „Gebackenen Mäusen“ gestärkt erreichen wir Virpazar. Eine Passage aus den Erinnerungen meines Großvaters an seine Hochzeitsreise nach Kotor im Jahr 1904 ist der besinnliche Schluss unserer ­schönen Reise. Ein großes Danke an Uli!

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Ein Treffen der Grundsätze Text: Mariella Martinz, Leitung Referat Naturschutz und Nachhaltigkeit Fotos: Abteilung Raumplanung und Naturschutz, Österreichischer Alpenverein

Als Naturschutzreferentin bin ich leiden­schaft­ liche Teilnehmerin eines Seminars, das die Berge retten und erhalten will.

Alle zwölf Grundsätze kann man auf alpenverein.at unter Natur und Umwelt nachlesen.

Alle Jahre wieder finden sich mehr als 30 Funktionäre verschiedener Sektionen sowie das Team der Abteilung Raumplanung und Naturschutz des Hauptverbandes in einem idyllischen Bergsteigerdorf in Österreich zum NaturschutzreferentInnen-Seminar zusammen. Heuer wurde St. Jodok im Valsertal in Tirol zum Austragungsort. Es ist kein Geheimnis, dass die Naturschutzreferate der einzelnen Sektionen und ihr Wirken und Tun vielen M ­ itgliedern nicht bekannt sind. Eine Tatsache, die es in Zeiten ökologischer Umwälzungen, Klima­ de­mon­strationen und dem Ruf nach einem ­nach­haltigeren Lebensstil zu ändern gilt. Motto: Global denken – lokal handeln Das Seminar ist ein produktives Arbeits­treffen mit zahlreichen Diskussionen, Workshops und Vorträgen zu aktuellen Naturschutz­ themen in und rund um den Verein, dem stetig g ­ rößer werdenden Nutzungsdruck auf unsere Berge und der Veränderung des a ­ lpinen ­Lebensraums in Zeiten des Klimawandels. So wurde auch heuer intensiv diskutiert, vernetzt und sich a ­ usgetauscht: über die Errichtung von Windparks in den Alpen, Klettersperr­gebiete aufgrund der Brutzeiten s­ ensibler Vogel­ arten, Skigebietserschließun­gen und die Anwendung unseres Grund­ satzprogramms „Naturschutz und ­umweltverträglicher Bergsport“.

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Umweltgerechter B ­ ergsport – nachhaltige Entwicklung In unserer Doppelrolle als Bergsport- und ­Naturschutzorganisation setzt sich der gesamte Verein mit dem 2013 erarbeiteten Grundsatzprogramm für ein maßvolles und umsichtiges Nutzen sowie ein vorausschauendes Schützen des Alpenraums ein. Auszüge daraus sind: »» Grundfunktionen des Alpenraums sichern, »» natürliche Lebensgrundlagen erhalten und Schutzgebiete sichern, »» touristische Wachstumsspirale durchbrechen und unerschlossene Räume erhalten, »» natur- und umweltverträgliche Formen des Tourismus fördern. Mitglieder aller Sektionen für das Programm und folglich für einen respektvollen Umgang mit den Bergen zu sensibilisieren ist großer Teil unseres ehrenamtlichen Engagements als NaturschutzreferentInnen. Mit jedem Seminar kommen wir diesem Ziel einen Schritt näher.


umwelt

Umweltbaustelle und Bergwaldprojekt Ehrenamtliche Arbeit in den schönsten Regionen Österreichs Text und Fotos: Gisbert Bauer, Team Naturschutz und Nachhaltigkeit Österreichischer Alpenverein

Jedes Jahr bietet der Österreichische Alpen­ verein naturbegeisterten Menschen die ­Möglichkeit, sich als freiwillige Helfer bei Bergwaldprojekten (BWP) und Umweltbaustellen (UWB) zu engagieren.

Bergwaldprojekt und ­Umweltbaustelle

Was wird gemacht? Die TeilnehmerInnen werden für eine Woche an die schönsten Orte Österreichs entführt und haben die Gelegenheit, abwechslungsreiche Arbeiten in der Natur zu erledigen. Die Art der Aufgaben variiert von Projekt zu Projekt und kann von Aufforstungsarbeiten im kleinbäuer­ lichen Wald, über Schwendarbeiten auf der Alm, bis hin zur Instandhaltung von Wanderwegen reichen.

unterscheiden sich im Wesentlichen durch ihre unterschiedliche Alters­ begrenzung. Umweltbaustellen sind für jüngere TeilnehmerInnen von 16 bis 30 Jahren gedacht.

Sowohl Bergwaldprojekte als auch Umwelt­ baustellen werden üblicherweise in Kooperation mit lokalen Beteiligten, wie etwa kleinbäuerlichen Betrieben, durchgeführt. Diese stellen den Freiwilligen für ihr Engagement Kost und Logis zur Verfügung. Angeleitet werden die ­Arbeiten von kompetenten Projektleitern, die in Ab­sprache mit den Gastgebern die Aufgaben planen. Die Bedeutung von BWP und UWB Im Zuge ihrer Arbeiten erhalten die Freiwilligen Einblicke in die Lebenswelt der lokalen Partner und lernen durch die Zusammenarbeit mit Fachkräften Zusammenhänge zwischen Natur, Land- und Forstwirtschaft besser zu verstehen. Die Gastgeber zeigen sich meist ausge­sprochen dankbar für die erhaltene Hilfe: „Es freut mich, dass es Menschen gibt, die freiwillig eine Woche ihrer Urlaubszeit aufwenden, um sich für solche Projekte zu engagieren“, so Heidrun Brantner, Gastgeberin des ­Bergwaldprojektes Möschbauernalm im Sommer 2019. Und auch für die

Schaffung öffentlichen Bewusstseins w ­ erden die Projekte außerordentlich geschätzt: „Die Bergwaldprojekte des Österreichischen ­Alpenvereins sind ein wichtiger Multiplikator der Bewusstseinsbildung um die Thematik des Schutzwaldes und dessen Bewirt­schaftung“, betont DI M ­ ichael Luidold, Direktor der ­Landesforstdirektion Steiermark. Jede Menge Spaß! Nach getaner Arbeit haben die Freiwilligen auch Gelegenheit, einander bei geselligem ­Bei­sammensein auf den entlegenen Berghütten besser kennenzulernen und das Einsatzgebiet zu erkunden. Ein Tag der Projektwoche ist zudem für diverse Freizeitaktivitäten reserviert. Dann wird gewandert, gebadet, gegrillt oder auch eine nahegelegene Sehenswürdigkeit ­besichtigt. Arbeiten, Natur und Freundschaft: Dafür stehen die Bergwaldprojekte und Umweltbaustellen des Alpenvereins. Also, worauf wartet ihr noch?!

Der Autor und zahlreiche andere TeilnehmerInnen beim heurigen BWP Möschbauernalm im steirischen Murtal

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Schifahren ist das Leiwandste? Text: Benjamin Stern, Team Raumplanung und Naturschutz Österreichischer Alpenverein Fotos: V ­ incent Sufiyan, WWF Österreich, Gerd Estermann Grafik: WWF Österreich

Die Liedzeile von Wolfgang Ambros hat seine Richtigkeit: Schifahren macht Spaß, hält fit und ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Aber müssen dafür immer noch mehr Räume erschlossen werden oder gibt es bereits ausreichend viele Schigebiete und Pisten um diesem Hobby ­nachzugehen? Aus Sicht des Alpenvereins ist die Antwort klar: Die letzten alpinen Freiräume müssen vor weiterer Erschließung geschützt werden! Die Zahl der SchifahrerInnen stagniert seit Jahren. Dieser Umstand führt zu einem ­regelrechten Abwerbekannibalismus zwischen den Schigebieten. Ein Gästezuwachs kann nur dadurch generiert werden, indem Gäste von anderen Schigebieten abgeworben werden. ­Anders formuliert: Der Kuchen bleibt gleich groß, einzig die Verteilung der Kuchenstücke ändert sich. Alle Schigebiete wollen dabei so viel wie möglich mitnaschen. Mit welcher Strategie? Auf Seiten der Schigebietsbetreiber d ­ ominiert hierbei der Gedanke Wachstum – im k­ onkreten Fall ein Zuwachs an Pistenfläche durch ­Erweiterungen oder Zusammenschlüsse – sei die Lösung. Doch jede Erweiterung in einem Gebiet hat ihren Preis: sie führt dazu, dass auch andere Gebiete nachrüsten wollen. Peter H ­ aßlacher (Anm.: langjähriger Leiter der Abteilung Raumplanung und Naturschutz, im Oktober 2019 verstorben) hat in diesem Z ­ usammenhang den Begriff der ­„Erschließungsspirale“ geprägt. Diese Spirale dreht sich solange weiter, bis es klar definierte Endausbaugrenzen gibt. Wo sind die „Hotspots“? Da diese Endausbaugrenzen jedoch nicht ­vorhanden sind und es auch von der P ­ olitik bis dato keine Bestrebungen gibt, diese ­fest­zulegen, geraten vielerorts alpine F­ reiräume

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unter Druck. Zurzeit sind österreichweit ­mehrere Schigebietserweiterungen / ­ -verbindungen im Gespräch: Oberösterreich In der Phyrn-Priel-Region gibt es schon seit längerer Zeit Pläne, eine Schischaukel z­ wischen den Schigebieten Höss und Wurzeralm zu ­errichten. Vom Zusammenschluss b ­ etroffen wäre das unter Naturschutz stehende ­Warscheneck. Die „Freunde des Warschenecks“, darunter neben dem Alpenverein auch zahlreiche weitere Naturschutzorganisationen, ­konnten das Projekt bis dato verhindern. Salzburg Zwischen Kitzsteinhorn und Fieberbrunn gibt es bereits mehrere großflächig zusammenhängende Schigebiete. Der Lückenschluss im Bereich der Schmittenhöhe Richtung Piesendorf wurde vom Alpenverein mit dem Naturschutzbund und einer Bürgerinitiative beeinsprucht. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs ist noch ausständig. Kärnten Nach dem Verkauf des Schigebiets Mölltaler Gletscher an die slowakische Rattaj-Gruppe haben auch die neuen Besitzer wieder den Bau einer Talabfahrt im Blick. Das Vorhaben wird aktuell geprüft. Vorarlberg Im Bereich Schwarzköpfle hatte die ­Silvretta-Montafon Holding GmbH einen ­riesigen neuen Speicherteich mit 300.000 m3 Fassungsvermögen sowie eine neue Piste ­geplant. Nachdem die Behörde in einem ­Bescheidentwurf festgestellt hat, dass d ­ ieses Vorhaben UVP-pflichtig wäre, plant die ­Seilbahngesellschaft um. Sie will ein Verfahren mit BürgerInnenbeteiligung umgehen.


umwelt spezial

Tirol In Tirol gibt es nicht nur die meisten ­Schi­­gebiete, sondern aktuell auch die meisten Begehrlich­ keiten von Seiten der Seilbahnwirtschaft. Doch der Widerstand aus der B ­ evölkerung wächst. Das hat in den l­etzten J­ahren dazu geführt, dass einige Pläne z­ urückgezogen wurden – wie z.B. die Schi­gebietsverbindung Hochoetz-Kühtai oder der sogenannte Brückenschlag zwischen Schlick 2000 und Axamer Lizum über das Ruhegebiet Kalkkögel. Auch auf gerichtlicher Ebene konnte im vergangenen Jahr aus Sicht des ­Naturschutzes ein Erfolg gefeiert werden. Die geplante Verbindung der Schigebiete St. Anton und Kappl über das Malfontal wurde vom Bundesverwaltungsgericht abgelehnt, mit der Begründung, dass das öffentliche Interesse am Naturschutz in dem Fall höher zu werten ist als andere öffentliche Interessen. Auch wenn es zurzeit um einige der genannten Verbindungs- / Erweiterungspläne etwas ruhiger geworden ist, zeigt die Erfahrung, dass das, was einmal vor Erschließung geschützt wurde, meist nicht für immer geschützt ist. Die Pläne, die in den Schubladen verschwinden, werden oft nach einiger Zeit wieder hervorgeholt. Ein Vergleich im Sportjargon verdeutlicht die ungleichen ­Positionen: Projektwerber können nach einer Niederlage immer wieder versuchen, doch noch zu gewinnen. Der Naturschutz kann das nicht. Hat dieser einmal verloren, so ist das in der Regel endgültig.

Skipisten Seilbahnstation Aufschüttungen, ­Leitungen, etc. Abtrag des Berggrats Seilbahnen

Alles andere als ruhig ist es aktuell um den Zusammenschluss der beiden Gletscher­ schigebiete Pitztal-Ötztal. Obwohl von den Regierungsparteien ÖVP und Grüne „außer Streit“ gestellt, ist es dennoch eines der ­bestimmenden Themen der Tiroler Landes­ politik. Aus Sicht der Alpenvereine, des WWF Österreich, der Naturfreunde und der Bürger­initiative Feldring, die inzwischen in einer ­Petition über 140.000 Unterschriften gegen die geplante Verbindung gesammelt hat, wäre das Projekt ein zu großer Eingriff in ein s­ ensibles, weit­gehend naturbelassenes, h ­ ochalpines G ­ ebiet. Zurzeit läuft das UVP-­Verfahren. Ende Januar 2020 findet die mündliche Verhandlung in Innsbruck statt. Danach wird in einem B ­ escheid festgestellt, ob das Projekt umweltverträglich ist oder nicht. Jedenfalls können viele der Beein­trächtigungen

selbst laut P ­ rojektwerber nicht ausgeglichen werden. Wie auch immer die E ­ ntscheidung ausfällt, ist davon auszugehen, dass dagegen Beschwerde e ­ ingelegt wird. Eine endgültige Entscheidung wird daher wohl erst beim Bundesveraltungs­gericht oder womöglich sogar beim Verwaltungs­gerichtshof fallen. Warum wird der ÖAV gegen ­Erschließungsprojekte aktiv? Laut Satzung ist der ÖAV dem alpinen Natur­­­­ und Umweltschutz verpflichtet. Es ist sein ­Auftrag, „die Schönheit und Ursprünglichkeit der Bergwelt zu bewahren“. Deshalb ist es selbstverständlich, dass der Alpenverein bei derartigen Projekten aktiv wird und der Natur – wenn möglich und nötig auch im Zuge von gerichtlichen Verfahren – eine Stimme verleiht. Denn, um es abschließend wieder mit den ­Worten von Wolfgang Ambros zu sagen: „Ned alles was an Wert hat, muss a an Preis haben“. Unverbaute Berglandschaft hat einen hohen Wert, schützen wir sie! Gletscherverbauung – was ist geplant? Ötztal-Pitztal »» Mehr als 116 Fußballfelder permanenter Flächenverbrauch »» 35.000 m³ verbauter Beton »» Sprengung & Abtrag von über 750.000 m³ Gestein, Erde & Eis »» 3 Seilbahnen »» Planierung, Überschüttung, Abtrag von 72 ha gewachsenem Gletscher »» Dreistöckiges Seilbahnzentrum »» Restaurants und Bars »» Befahrbarer Tunnel (600 m Länge) »» Asphaltierter Speicherteich (104.000 m³) »» Schleifung eines Berggrats um ca. 36 Höhenmeter und 120.000 m³ Wie kann man dagegen aktiv werden? Die Petition kann nach wie vor unterzeichnet werden (mein.aufstehn.at). Zudem hat der ÖAV eine Postkarten- und Briefaktion mit einem ­Appell an den Landeshauptmann gestartet. Die Postkarten können unter raumplanung.naturschutz@alpenverein.at ­bestellt werden. Nähere Infos zum Projekt gibt es auf alpenverein.at bzw. auf s­ eele-der-alpen.at.

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neues

Sektionsupdate – DAS gibt es Neues! Text: Samira Galler, Kommunikation Foto: Fabian Israra

„Nachhaltig, innovativ, weltoffen und ­persönlich“ – für diese Werte stehen wir und nach dieser Maxime versuchen wir auch das Sektionsleben zu gestalten. Wir wollen auch über Änderungen und ­Geschehnisse, die sich in der Sektion und rund ums Vereinsleben seit dem letzten oben° ereignet haben, unterrichten! Selbst­ verständlich halten wir euch auch weiter­ hin mit dem Newsletter mit kurzen Infos zu ­anstehenden Events, Touren und oben°wissen Terminen auf dem Laufenden. Doch über so manches gehört einfach ausführlicher erzählt! Alles frisch? Vorneweg: Nein, wir wollen hier h ­ eute nicht euren geistigen Gemütszustand hinterfragen und / oder beurteilen! Aber den Zustand unseres Materials! Beim letzten Alpinteam-Treffen wurde ­beschlossen, dass wir ein Teil des Budgets in Bergsport Equipment investieren w ­ erden, welches den TourenführerInnen zur V ­ erfügung gestellt wird, damit sie mit euch bestens aus­gerüstet unterwegs sein können! Um die richtige Wartung und die Verfügbarkeit zu garantieren, braucht es jedoch sektions­ interne Materialwarte. Diese Aufgabe übernehmen in Zukunft Florian Steinbauer und Johannes Schrems. Um das dafür nötige Know-How zu generieren, absolvierten die beiden Ende N ­ ovember im Zuge eines 2-Tages Workshops eine inter­aktive Schulung mit Mag. Andi W ­ ürtele. Im Theorieteil wurden neben L ­ ektionen rund um die ­persönliche Schutzausrüstung, vor allem die Themen Ausrüstungskunde, N ­ ormen und die richtige Beurteilung d ­ iverser ­Ausrüstungsgegenstände behandelt. Mehr dazu auf der übernächsten Seite.

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Wir haben lauschendes M ­ äuschen g ­ espielt und wertvolle Tipps für die W ­ artung ­eurer Ausrüstung aufgeschnappt. Wanted: Körner-Hütte PächterInnen! Nach 2 Saisonen ist es für Silvia und Flo, die nun zum zweiten Mal Nachwuchs bekommen haben, an der Zeit wieder ins Tal abzuwandern. Und damit ist der Weg für die ­nächsten Hüttenabenteurer frei! Wer jemanden kennt, dessen G ­ eliebte ­jemanden kennt, deren Enkels neue Freundin schon seit Kinderjahren von nichts anderem träumt als in idyllischer alpiner Umgebung Wandergäste und Sport­ kletterer mit selbst­gemachten Kuchen und regionalen Schmankerl zu v­ erwöhnen – der leite doch bitte unsere Pächter­ Innen-Ausschreibung an diejenige weiter! Die Körner-Hütte, Ort der G ­ elassenheit auf 1.454 Meter, freut sich über r­ egen Besuch von interessierten z­ ukünftigen Lebensabschnittspartnern! Wir freuen uns über Bewerbungen an office@akademischesektion.at


gesucht

PächterInnen für die Körner-Hütte gesucht! körner-hütte.at Fotos: Fabian Israra, Franz Leo Sewara

Zur Hütte Die Körner-Hütte liegt auf 1454 M ­ eter Höhe, nahe der Stuhlalm, auf der Westseite des Gosaukamms. Die Hütte ist der ideale Ausgangspunkt für ­zahlreiche Aktivitäten, von einfachen ­Wanderungen um den Gosaukamm, über ­Klettersteige bis hin zu G ­ ipfelbesteigungen der berühmten Bischofsmütze und d ­ eren Nachbargipfeln. Aufgrund der leichten ­Erreichbarkeit ist sie auch beliebtes Ziel von ruhesuchenden Wanderern und Tages­ gästen aus dem zirka 90 Minuten e ­ ntfernten Annaberg-Lungötz und den umliegenden Orten, die beim b ­ eeindruckenden Ausblick von der sonnenverwöhnten T ­ errasse Ruhe und Gelassenheit genießen. Anschrift Steuer 31, 5524 Annaberg-Lungötz Wir suchen PächterInnen für die Körner-Hütte ab dem Jahr 2020 (Start der Saison je nach Witterung Ende Mai bis Mitte Juni) Fachliche Voraussetzungen »» Erfahrung in der selbstständigen Führung eines Gastronomiebetriebes, idealerweise Führung eines Hüttenbetriebes »» Gute Kochkenntnisse, Speisen- und ­Getränkekonzept

»» Gastronomische Ausbildung: Koch / Köchin, KellnerIn oder Hotel-, GastgewerbeassistentIn »» Befähigungsnachweis: PächterInnen­ konzession oder Konzession (GewR) ­Hotel / Gastronomie »» Kenntnis der lebensmittelrechtlichen ­(gewerberechtlichen) Vorschriften, u. a. der Hygieneverordnung, Unfallverhütungs­ vorschriften, HACCP-Richtlinien und sonstigen behördlichen Auflagen Persönliche Voraussetzungen »» Identifizierung mit den Grundsätzen und Zielen des Alpenvereins »» Bergerfahrung und Naturverbundenheit »» Freude am Umgang mit Gästen »» Gebietskenntnisse »» Flexibilität, Organisationstalent »» Handwerkliches Geschick »» Technisches Verständnis (Verantwortung für alle technischen Einrichtungen der Hütte) »» Spaß daran, den einen oder anderen ­Hüttenmoment via Facebook zu teilen Bewerbung Wenn wir dein / euer Interesse geweckt haben, freuen wir uns auf eine schriftliche Bewerbung (inklusive Motivationsschreiben und Lebenslauf). Sende / t dazu einfach eine E-Mail an: office@akademischesektion.at Betreff: Bewerbung Pacht Körner-Hütte oder postalisch an: Akademische S ­ ektion Wien, ­Maria-­Theresien-Straße 3 / 2, 1090 Wien

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tipps

PSA im Bergsport

Um eure Sicherheit am Berg zu garantieren, fand Ende November eine ­PSA-Schulung (Persönliche Schutzausrüstung) für unsere neuen Material­ warte und interessierte TourenführerInnen statt. Wir haben Andreas Würtele, ­Sachkundiger für PSA im Bergsport um ein paar Tipps gebeten. Text und Fotos: Andreas Würtele, gerichtlich beeideter Sachverständiger für Sicherheitseinrichtungen am Berg, Sachkundiger für PSA im Bergsport

Schutzausrüstung im Winter Die ist zwar keine PSA (Persönliche Schutz­ ausrüstung) im eigentlichem Sinn, aber für den winterlichen Bergsteiger doch lebensrettende Schutzausrüstung bzw. Notfallausrüstung. Dazu gehören LVS, Airbag und Co. Hier ein paar Tipps für die Wintersaison: Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) und andere elektronische Geräte LVS sind mittlerweile kleine prozessorge­ steuerte Helden und können heute weit mehr als nur eine Frequenz von 457 kHz aussenden und empfangen. Dementsprechend gibt es auch hier – wie für so ziemlich alles, was softwaregesteuert ist – Updates, die nicht nur für neue Funktionalitäten, sondern meist vielmehr für Fehlerbehebungen notwendig und ­des­wegen oft essential sind. Ob und wie hängt vom Hersteller und genauem Modell ab – alle Infos dazu findet man auf deren Internet­ präsenzen oder man trägt sein Gerät zum einschlägigen Fachhändler. „Ohne Mampf kein Kampf“ gilt auch hier und deswegen sollte man für sein LVS immer nur wirklich frische bzw. volle ­Batterien v­ erwenden. Je f­ rischer desto stärker und – trotz allem ­Umweltschutzgedankens – ausnahmsweise bitte keine Akkus verwenden (die haben nur 1,2 statt der üblichen 1,5 Volt). Vieltouren­ geher sollten eventuell auch mitten in der Saison die Batterien erneut wechseln. Zudem bitte G ­ ehäuse (Risse, Sprünge) und Gurtsystem auf U ­ nversehrtheit und Funktions­tüchtigkeit prüfen. Wer noch kein modernes 3-Antennen Gerät sein Eigen nennt, sollte diesen Zustand wirklich schleunigst hinterfragen.

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Lawinen-Airbag Jeder Hersteller hat ein anderes Prozedere, welches man einmal jährlich durchführen soll. Dies ist meist vorbildlich in den Bedienungs­ anleitungen beschrieben, die man wiederum auch auf den Hersteller-Websiten findet. Mehr oder weniger gemein haben alle Anbieter von Systemen von Gastkartuschen, dass man diese auf ihre Dichtheit prüfen sollte. Klingt ­komplizierter als es ist: man legt einfach die ­Patrone auf eine Küchenwaage und schaut ob das gemessen Gewicht mit jenem auf der ­Flasche angegebenen übereinstimmt (+ / –5 g und Schutzdeckel abschrauben, sonst sind es gleich mal 10 – 15 g zu viel). Liegt der Wert ­außerhalb des Toleranzbereiches, muss man die Patrone austauschen.

Auch Kameras, GPS, Smartphone oder ­elektronische Uhren sind im alpinen Alltag Gang und Gebe. Dabei wird oft nicht ­bedacht, dass diese (ebenso wie alle anderen ­metallischen G ­ egenstände, die aber meist im Rucksack l­agern) die Sendeleistung von LVS massiv s­ tören können. Besonders im Such­modus sind LVS um ein V ­ ielfaches ­empfindlicher. Ein paar P ­ raxistipps dazu: »» Im Suchmodus mindestens 50 cm Abstand zu allen Störquellen einhalten »» Wenn man bei der Suche alleine ist, das ­Handy nicht ausschalten, aber nach Möglichkeit beim Ski- / Rucksackdepot ­hinterlegen. »» Auch Smartphones im Flugmodus stören! »» Action-Kamera(s), ob am Helm, Stock, ­Brustkorb usw., während der Suche ebenfalls unbedingt abschalten.


tipps

Schaufel und Sonde Zur Funktionskontrolle gehört hier die ­Überprüfung, ob beides einwandfrei ­funktioniert und ob alle notwendigen Teile ­vorhanden sind. Das Schaufelblatt soll auf kleine Risse in den Biegungen und Schweiß­ nähten kontrolliert bzw. sollen auch alle S ­ teckund Schiebeteile leicht eingeölt werden. Schuh und Bindung Gerade bei „Zapferl“- oder Pin-Bindungen (also Dynafit und baugleiche Systeme) sollte man die Metallinserts vorne am Schuh ­kontrollieren: sind die Inserts mit der Sohle und dem Gummi noch bündig, d.h. keine Risse, Sprünge oder abgetragenes Material, sodass das Metall g ­ roßflächig freiliegt, etc. Laufen alle beweglichen Teile noch, oder ist die Bindung von der letzten Frühjahrsskitour noch recht verdreckt? Dann ist mit Wasser reinigen und anschließend s­ chmieren hier die beste Wahl. Bindungseinstellung k­ ontrollieren (lassen): passt das eingestellte G ­ ewicht bzw. die Sohlenlänge noch – i­nsbesonders bei ­„echten“ Sicherheitsbindungen, also welche auch mit frontaler S ­ eitenbackenauslösung (z. B. Fritschi Vipec / Tecton oder Trab TR2 und eigentlich fast alle Rahmenbindungen wie Marker Duke / Tour, Tyrolia Ambition, uvm.) sollte die B ­ indungs- bzw. genauer die Auslöse­

einstellung überprüft werden. Am besten überlässt man das aber dem Fachhandel, denn dieser kann mit Hilfe eines elektronischen Bindungs­prüfgerätes die Wiederstände auf die verwendete ­Schuh-Bindungs-­Kombination einstellen. Und wenn man schon dort ist, lohnt sich meist auch gleich ein Ski-Service. Das hat w ­ eniger mit „schnell fahren“ zu tun, vielmehr ist ein gut präparierter Ski wesentlich ­wendiger und d ­ rehfreudiger. Auch geschliffene ­Kanten erhöhen die Sicherheit: nicht nur, dass man mit stumpfen Kanten bei harten, eisigen ­Bedingungen bei jeder Kurve ordentlich „ver­ tragen“ wird, da jeder Schwung mehr gerutscht als gefahren wird. Auch im Aufstieg, wenn man im bockharten Firn oder windgepressten Schnee die Ski sauber setzten sollte und man in der steilen, leicht ausgesetzten Querung eh schon ein bisschen Bammel hat, wird man eine gut geschliffene Kante, welche sich in den Schnee schneidet und somit deutlich mehr Halt und Sicherheit gibt, zu schätzen wissen.

Gräulicher Skibelag freut sich über ­entsprechende Pflege

Das auf der Kartusche angegeben Gewicht muss mit dem tatsächlichen übereinstimmen!

Batteriecheck. Vor der ersten Tour immer frische einlegen.

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wissen

Wenn der Rettungshubschrauber den Weg entlang von ­Orangenschalen finden muss oben°wissen-Nachlese Text und Fotos: Bibiane Kaufmann

Wie vermisst man einen Berg? Schon die alten Ägypter hatten Landver­ messer, sogenannte „Schnurspanner“, die mit ­geknoteten Schnüren Strecken, Kurven oder Winkel vermaßen. Heute verlassen wir uns auf Satelliten, etwa als sich ein paar ASWler­ Innen bei der diesjährigen Ganslwanderung im Wienerwald verirrten. Claudius, Assistent für Geodäsie an der TU Wien zeigte, dass die ­Informationen, die uns das GPS-Gerät anzeigt, aus aufwendigen Verfahren und unzähligen Messstationen herrühren. Zugrunde liegt ­zunächst ein Modell der Erde – mit Kugel oder Ellipsoid erhält man nur unbrauchbare Näherungen. Die Erdvermessung arbeitet mit dem Geoid, das sieht dann eher aus wie eine ­eingedepschte Orange. An eine Orange kann man jedoch kein Lineal anhalten, erst wenn man sie im Modell schält und die Schalenlänge misst. So oder so ähnlich macht das Claudius, und ­deshalb finden wir auch nächstes Jahr ­wieder zum Ganslwirt.

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Meine Angst klettert 5c Unsere Kletter-ÜbungsleiterInnen Anna und Lev arbeiten im WUK CoachingPlus. Sie haben dort gemeinsam mit der ASW ein Projekt betreut, das Jugendliche mit p ­ sychischen ­Beeinträchtigungen zum K ­ lettern bringt. Das Spektrum der D ­ iagnosen ist breit, für oben°­ wissen konnten wir einige C ­ harakteristika von Schizophrenie, Angst- oder Persönlichkeits­ störungen nur s­ treifen. Gemeinsam ist den ­Jugendlichen, dass sie in unserer der­zeitigen Gesellschaft als krank gelten und nicht e ­ infach mal so locker „­ Freizeit“ ­organisieren können. Anna und Lev zeigten, dass bei e ­ ntsprechendem gesellschaft­ lichen ­Commitment viel geht – zum B ­ eispiel ein ­Nachmittag Mut, Z ­ ufriedenheit und ­Erschöpfung, die sich gut anfühlt.

Was treibt uns auf den Berg? Christian hat die „7 summits“ der Alpen ­abgeklappert, in nur 7 Wochen. Die Eindrücke dieser Zeit sind romantisch, strapaziös – kurz: unvergesslich. Aber man könnte doch auch im Freibad liegen! Der spektakuläre Tourenbericht war also die eine Seite. Aber es wurde Zeit, die wirklich schwierigen Fragen zu stellen: Wozu all die Gefahr und Mühe? Warum will man da h ­ inauf? Wir haben uns dazu im Raum ­auf­gestellt, u. a. zu folgenden Aussagen: „Wenn ich vor dem Gipfel umkehre, habe ich es nicht ganz geschafft!“, „Oben fühle ich mich frei!“, „Die ­Gefahr macht es interessanter!“. Das ­gemeinsame Hineinspüren zeigte ein ­einmaliges Bild unserer Sektion. Das sei verraten: Die ­Gefahr fanden die wenigsten so reizvoll. Mitglieder im Bergunfall Spektakulär kann man den Sommer auch ­anders verbringen, nämlich verletzt. Heidi und Richard gaben Einblicke in ihre Unfälle – wie es dazu kam, wie die Rettung abgelaufen ist und Infos zu Versicherung und Hubschrauberflug (ein Highlight, das sei ein Trost!). Psychisch war nicht nur der Unfall ein Schlag. Vor allem die Zeit danach ist mühsam, plötzlich müssen die eigene Ungeduld und Frustration g ­ ebändigt werden. Einfach wieder machen und eine gute Grundkondition scheinen aber die beste ­Strategie für die seelische Reha zu sein.


danke

Danke! Wir sagen Danke an euch TourenführerInnen und aktive Mitglieder für die ­Übernahme von Verantwortung und eure Zeit! Ohne ein aktives Alpinteam wäre der Verein nur ein Bruchteil dessen, was er ist! Danke an (alphabetisch geordnet): Thomas Aichinger, Dorit Aschauer, David Beck, Leo Becker, Herbert Brandner, S ­ amuel F ­ elder, ­Gernot Frank, Richard Franz, H ­ ermann Gruber, Michael Haberfellner, Lukas H ­ agspiel, Michael ­Haider, Nikolas ­Hartmann, ­Anna-Katharina Heinzle, L ­ ev Heinzle, Bernhard H ­ intermayer, Fritz ­Hintermayer, Angela Hirsch, Timon ­Höbert, Sonja Hofbauer, N ­ orbert Huber, ­Nadine K ­ itzwögerer, Heidrun ­Leonhardt, Lena ­Lepuschütz, Franz Günter Liebmann, Karin ­Liebmann, Jürgen Minichmayr, A ­ lexandra

­Mittelberger, Franz Neruda, Egon O ­ stermann, Margit Piber, U ­ lrike Pistotnik, Walter P ­ istulka, Klaus Platzer, Sarah S ­ chäfer, Günther ­Schlicker, Florian Schmid, Claus Schmidt, Micha ­Schöfthaler, Johannes Schrems, Bernhard Stecher, Florian S ­ teinbauer, Marvin S ­ teinböck, Christian Steiner, J­ohannes Vass, Pavol V ­ yhlidal, Matthias Vigl, Willi Waitz, Nicole Walch, O ­ liver Wana, Sabine Watzer, S ­ amantha Wehr, Erich Wetzer, Andreas W ­ iederin,­­Alexander ­Wiesboeck und Peter Wirthumer.

Gedenken und Danke Wir gedenken unserem verstorbenen ­ehemaligen Vorstandsmitglied und Hüttenwart der Körner-Hütte DI Gerd Jekel und danken für seine langjährige Unterstützung. Wir halten Gerd und auch seine frühzeitig verstorbene Frau Uschi, die ebenfalls ein sehr engagiertes Vorstandsmitglied war, als äußerst geschätzte Bergfreunde mit einer Vielzahl an schönen ­Gemeinschaftserlebnissen in Erinnerung.

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programm

Kommende Aktivitäten und Highlights Das vollständige Programm findet ihr laufend a ­ ktualisiert auf akademischesektion.at/termine

16. Jänner 2020

berg:rausch Meet-Up

17. bis 19. Jänner 2020

Bergfieber und berg:rausch Ski- und Schneeschuh-Tourenwochenende in Sankt Nikolai

ab 18.30 Uhr im Wirr

mit Jürgen Minichmayr & Co.

6. bis 9. Februar 2020

Get it on – Get together – Get ready for Off-Piste in Mallnitz

14. bis 16. Februar 2020

Ski- und Schneeschuh-Tourenwochenende in der Eisenerzer Ramsau

6. bis 8. März 2020

berg:rausch Skitouren-Wochenende in Admont im Gesäuse

3. März 2020

13. bis 15. März 2020

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mit Herbert Brandner und Angela Hirsch

mit Peter Wirthumer, Michael Haider und Co.

mit Marvin Steinböck und Johannes Vass

Bergfieber Meet-Up

ab 18.00 Uhr im Podium

Ski- und Schneeschuh-Tourenwochenende in Johnsbach, Nationalpark Gesäuse mit Egon Ostermann & Co.


programm

21. April 2020

Hauptversammlung der Akademischen Sektion Wien Aula am Campus im alten AKH, Einlass 17.30 Uhr mit anschließendem Umtrunk in der Stiegl-Ambulanz!

In Planung

Winter 2020

Tagesskitouren sowie Skitour mit Lawinenverschüttetensuchübung

Laufende Aktivitäten

je nach Schneelage und Wetterbedingungen mit Karin Liebmann

oben°wissen organisiert von Bibiane Kaufmann Eine Themenreihe der Akademischen Sektion Wien rund um den Berg kletter:rausch Marswiese, powered by berg:rausch Donnerstags, ab 19.00 Uhr

boulder:rausch Boulderbar Hannovergasse, powered by berg:rausch Dieses Semester heißts immer Freitagvormittag: Hände an die Wände!

Einfach raus am Donnerstag von Uli Pistotnik

Für alle Naturverliebten die es donnerstags nach draußen zieht

Bergfieber Meet-Up

Für Outdoorfans von 30 bis zirka 45 Jahren

berg:rausch Meet-Up

Für Outdoorfans und Studierende von 18 bis 29 Jahren

UWZ_Vermerk_GmbH_4C_Umweltzeichen_Vermerk.qxd 31.05.13 08:02 Seite 1

Demnächst gedruckt nach der Richtlinie „Druckerzeugnisse“ des Österreichischen Umweltzeichens Druckerei Janetschek GmbH · UW-Nr. 637

berg:meute

Ihr seid Eltern von Kleinkindern oder erwartet Nachwuchs? Ihr wollt mit euren Kindern so oft wie möglich in die Natur, und das am liebsten mit gedruckt nach der Richtlinie „Druckerzeugnisse“ des Österreichischen anderen Familien?Umweltzeichens Dann werdet doch Teil der berg:meute und tauscht Druckerei Janetschek GmbH · UW-Nr. 637 euch mit den anderen outdoorsportbegeisterten ASW-Eltern aus! :-) Schicke deine Beitrittsanfrage an facebook.com/groups/bergmeute gedruckt nach der Richtlinie „Druckerzeugnisse“ des Österreichischen Umweltzeichens · Druckerei Janetschek GmbH · UW-Nr. 637

gedruckt nach der Richtlinie „Druckerzeugnisse“ des Österreichischen Umweltzeichens Druckerei Janetschek GmbH · UW-Nr. 637

ID-Nr. 1980202


Akademische Sektion Wien des Österreichischen Alpenvereins Maria­Theresien­Straße 3 / 2, 1090 Wien Öffnungszeiten: Do 17.00 – 19.00 Uhr Telefon: +43 / 1 / 319 78 37 E­Mail: office@akademischesektion.at www.akademischesektion.at www.facebook.com/ akademischesektion

„In diesem Rausch der Bewegung fallen Unsicherheiten und Zweifel ab, und für einen Moment kann ich mich selbst gehen lassen.“ Elias Elhardt, Profisnowboarder

Profile for Akademische Sektion Wien

oben° 02 2019  

Mitgliedermagazin der Akademischen Sektion Wien, Teil des Österreichischen Alpenverein

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