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P.b.b. | VERLAGSORT: 6020 INNSBRUCK | 10Z038387M

TOURISMUSMAGA ZIN | AUSGABE 03/17 | SOMMER 2017

ARBEITEN

IM TOURISMUS


Wir denken voraus.

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Und wünschen allen Bauprojekten einen produktiven Sommer.

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3 STICHWORT SAISON

ARBEITEN IM TOURISMUS ZAHLEN, BITTE! Tirol 60.000 Beschäftigte arbeiten in vom die man im Tourismus. Rechnet rung ölke Bev Freizeitkonsum der Tiroler en ung wirk ngs ausgelösten Beschäftigu auf men dazu, erhöht sich das Volu 75.000, was jedem vierten Vollzeitarbeitsplatz in Tirol entspricht. Umsatz: 8,4 Milliarden Euro Euro. Wertschöpfung: 4,5 Milliarden en tung -leis Mit Vorlieferungen und ler Tiro der sowie dem Freizeitkonsum r ode kt dire wird jeder dritte Euro indirekt im Tourismus verdient. „Die treibende Quellen: WK Tirol 2015, Broschüre llitenkonto Tirol 2014 Wirtschaft skraft “, Tourismus-Sate ung/Zahlen, (MCI Tourismus) bzw. Tirol Werb Daten & Fakten 2016

WER ARBEITET WO? 55 % der im Tiroler Tourismus Beschäftigten arbeiten im Beherbergungsund Gaststättenwesen. 12 % arbeiten im Verkehr (Autobusse, Taxis, Schienen- und Luftverkehr, Seilbahnen, Tiefgaragen etc). 19 % entfallen auf Einzelhandel, Skischulen und andere Dienstleistungen. 14 % fallen auf nicht tourismusspezifische Branchen (Bankenwesen, etc). Quellen: WK Tirol 2015, Broschüre „Die treibende Wirtschaftskraft“ bzw. Tirol Werbung/Zahlen, Daten & Fakten 2016

ZITIERT „Heute beschäftigen wir fast 60 Prozent mehr Mitarbeiter als knapp nach der Jahrtausendwende.“ Peter Trost, GF Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, WK Tirol

„ Alleine in der Hotellerie sind in den letzten zwei Jahrzehnten rund 30 Prozent neue Arbeitsplätze entstanden.“ Siegfried Egger, Bundesobmann Fachverbands Hotellerie, WKO

„Je gefestigter und kompetenter die Führung, desto zufriedener sind auch die Mitarbeiter.“ Katharina Pirktl, Alpenresort Schwarz

„Die Bezahlung ist in einigen Bereichen besser als ihr Ruf. Leistungen wie Verpflegung, Unterbringung, Bekleidung und Trinkgeld werden nicht immer korrekt berücksichtigt.“ Simon Gspan, Edinger Tourismusberatung


4 EDITORIAL SAISON

© TVB INNSBRUCK/OLYMPIAWORLD

Wenn man die neuen Richtlinien der olympischen Familie ernst nimmt, dann hat Innsbruck/Tirol tatsächlich eine Chance der Welt zu zeigen, dass man Spiele heute zeitgemäß, modern, sympathisch und in einem nachhaltigen Format organisieren kann.

Es geht nicht um Olympische Spiele zu jedem Preis. Es geht um eine Chance unser erfolgreiches Profil weiter zu schärfen, Kompetenzen auszubauen und unseren Standortvorteil langfristig in Wettbewerbsvorteile umzumünzen.

Jetzt gilt es die Begeisterung zu wecken, um viele in der heimischen Bevölkerung für die olympische Idee zu gewinnen. Der Tiroler Tourismus kann hier als Wegbereiter vorangehen.


EDITORIAL

Dabei sein ist alles

B

ereits dreimal loderte in Innsbruck/Tirol das olympische Feuer – bei den Winterspielen 1964, 1976 und bei den ersten Jugend-Winterspielen 2012. Rund um die mögliche Bewerbung für 2026 entflammt nun erneut die Diskussion, inwieweit das olympische Motto „Dabei sein ist alles“ für unser Land Sinn macht. Auch wenn das Image der Olympiabewegung nicht zuletzt durch allzu gigantische Inszenierungen zu Recht angekratzt scheint, ist eine seriöse Prüfung wohl das Gebot der Stunde. Die touristische Anziehungskraft Tirols beruht zu einem Gutteil auf seinem Image als führendes Sportland der Alpen. Zu dieser erfolgreichen Positionierung und der internationalen Bekanntheit des Landes bzw. seiner Hauptstadt haben die Olympischen Spiele zweifellos entscheidend beigetragen. Wenn man nun die neuen Richtlinien der olympischen Familie ernst nimmt, dann hat Innsbruck/Tirol tatsächlich eine Chance der Welt zu zeigen, dass man Spiele heute zeitgemäß, modern, sympathisch und in einem nachhaltigen Format organisieren kann. Mit Sportinfrastruktur, die ja längst besteht, in Regionen, die Großveranstaltungen wie etwa Weltmeisterschaften perfekt organisieren und über echtes Wintersport-Flair verfügen. Auch wenn die Größenordnung nicht vergleichbar ist: Bei den Jugendspielen hat unser Land bereits bewiesen, dass es auch anders geht, denn Innsbruck 2012 konnte eine Trendwende einläuten. Und einen internationalen Event auf die Beine stellen, der ökologisch, ökonomisch sowie sozial nachhaltig Wirkung zeigte – sowie ein finanziell sehr positives Ergebnis zeitigte.

Tiroler Weg. Die strategischen Grundsätze von nachhaltigen und wirtschaftlich tragfähigen Olympischen Winterspielen haben daher die bevorzugte Konzeptvariante im Rahmen der Machbarkeitsstudie geprägt – auch hier zeichnet sich ein in vieler Hinsicht neuer Ansatz, eben ein eigenständiger Tiroler Weg ab. Der vollständige Verzicht auf dauerhafte Neubauten von Wettkampfstätten stellt ein echtes Alleinstellungsmerkmal in der Geschichte Olympischer Winterspiele dar. In unserem Land ist das möglich, denn wir können auf ein bestehendes und hervorragend geeignetes Netzwerk von Wettkampfstätten zurückgreifen. Die weiteren Ergebnisse der Machbarkeitsstudie stellen klar, dass die Prämissen der

JOSEF M ARG REITER , DIREK TOR TIROL WERBUNG

sozialen Verträglichkeit, der Verantwortung für unsere wertvolle Natur und der wirtschaftlichen Tragfähigkeit ernst genommen werden. Ähnlich wie bei den Wettkampfstätten wird auch bei der Unterbringung – neben der „Host City“ Innsbruck mit „Host Mountain Resorts“ – ein dezentrales Konzept forciert. Die Entwicklung des Olympischen Dorfs in Innsbruck greift auf ein bereits bestehendes städtebauliches Entwicklungsprojekt am Frachtenbahnhof zurück. Zudem braucht es aufgrund von Olympia keine neue, teure Verkehrsinfrastruktur und aufgrund der innovativ geplanten Eröffnungs- und Schlusszeremonien im Tivoli Stadion sowie rund um die Olympia World auch keine Erweiterungsmaßnahmen bei Sitzplatzkapazitäten. Damit scheint ein ausgeglichenes Budget ohne öffentliche Zuschüsse, welches mit einer Höhe von 1.175 Mio. Euro deutlich unter dem Durchschnitt der letzten drei Ausgaben der Olympischen Winterspiele läge, als realistisch.

Selbstbewusstes Angebot. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie belegen weiters, dass Innsbruck/ Tirol – vielleicht wie keine andere Region in der Welt – das Potenzial hat, 2026 der Vorreiter für moderne, nachhaltige und moderate Spiele zu sein. Unser Tiroler Weg mit einem selbstbewussten Angebot macht deutlich: Es geht nicht um Olympische Spiele zu jedem Preis. Es geht um eine Chance unser erfolgreiches Profil weiter zu schärfen, Kompetenzen auszubauen und unseren Standortvorteil langfristig in Wettbewerbsvorteile umzumünzen. Investitionen in den Sport und die Sportund Freizeitinfrastruktur bringen nicht nur Mehrwerte für unsere Gäste, sondern insbesondere für Tirolerinnen und Tiroler. In diesem Sinne garantieren schon die konsequente Bewerbung und erst Recht die Durchführung ein regionales Fitnessprogramm, das Infrastrukturen modernisiert, beste Fähigkeiten unserer Leute und Organisationen entfaltet sowie eine insgesamt starke Zusammenarbeit fördert. Jetzt gilt es die Begeisterung zu wecken, um viele in der heimischen Bevölkerung für die olympische Idee zu gewinnen. Der Tiroler Tourismus kann hier als Wegbereiter vorangehen. Damit insbesondere bei der Volksabstimmung im Oktober dieses Jahres das olympische Motto gilt: Dabei sein ist alles! ×


7 INHALT

© SHUTTERSTOCK (2), TVB STUBAI TIROL, MARTIN VANDORY, ZILLERTALER TOURISMUSSCHULEN, WOLFGANG LACKNER

SAISON

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ÜBER SICH HINAUSGEWACHSEN

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TIROL TOURISTICA 2017 REGIONALITÄT AM STUNDENPLAN

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ZU VIELE HÄUPTLINGE, ZU WENIGE INDIANER

ZUR ARBEIT KOMMEN

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ARBEITEN IM TOURISMUS 8

Über sich hinausgewachsen Arbeitsplatz Tourismus: Über die Stärken und Schwächen einer Leitbranche

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Werte leben – nach innen und außen Wie man als Tourismusbetrieb gute Mitarbeiter findet und behält

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Jung und international Zahlen, Daten, Fakten zum Arbeitsmarkt

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MAGAZIN

Vom Mitarbeiter zum Mitunternehmer Gesetzliche Rahmenbedingungen: Warum mehr Flexibilität gefragt ist

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Betriebsklima als ein Grund zu bleiben Von der Aus- und Weiterbildung im Betrieb profitieren Mitarbeiter und Unternehmer gleichermaßen.

24

Zu viele Häuptlinge, zu wenige Indianer Warum die zunehmende „Akademisierung“ touristischer Ausbildungen wenig hilfreich ist

Der Mensch im Mittelpunkt Vorarlbergs WK-Präsident HansPeter Metzler über das neue Ausbildungskonzept im Ländle

40

Schlaf als Luxusgut Wie Hotels ihren Gästen einen guten Schlaf ermöglichen können

42

„Es wäre ein Fehler, nur gefallen zu wollen“ Auch heuer wandeln die Gassenspiele durch die Haller Altstadt

30

Tirol Touristica Award 2017 Das sind die diesjährigen Preisträger.

46

Zur Arbeit kommen Eine Ausstellung im Volkskunstmuseum erzählt „Migrationsgeschichten aus Tirol“.

36

Regionalität am Stundenplan Tirol am Teller: Beim Kochunterricht werden bevorzugt regionale Lebensmittel verarbeitet.

49

Kommentare

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Nachgefragt

38

„Winter ist keine Jahreszeit, sondern ein Produkt“ Markenexperte und Buchautor Christoph Engl im Interview

IMPRESSUM SAISON – Tourismusmagazin, Nr. 03/2017 (69. Jahrgang)

SAISON-Abohotline: 0512/58 60 20 oder saison@target-group.at

HERAUSGEBER, MEDIENINHABER UND VERLEGER: Tirol Werbung, Maria-Theresien-Straße 55, 6020 Innsbruck • MIT DER PRODUKTION BEAUFTRAGT: TARGET GROUP Publishing GmbH, Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck • CHEFREDAKTEUR: Matthias Krapf REDAKTION: Daniel Feichtner, Kathrin Fenkiw, Mag. Susanne Gurschler, Mag. Jane Kathrein, Rebecca Müller, BA, Esther Pirchner, Max Schnabl • AUTOREN: Ernst Molden, Alois Schöpf • FOTOGRAFEN: Franz Oss, Axel Springer • GRAFIK: Sebastian Platzer, BA ILLUSTRATIONEN: Monika Cichoń ANZEIGENVERKAUF: Walter Mair, w.mair@target-group.at • ANSCHRIFT VERLAG: Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck, Tel. 0512/58 6020, Fax DW -2820, redaktion@target-group.at GESCHÄFTSFÜHRUNG VERLAG: Mag. Andreas Eisendle, Michael Steinlechner, Matthias Krapf • DRUCK: Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten. Die Informationen zur Offenlegung gemäß § 25 MedienG können unter der URL www.target-group.at/offenlegungen abgerufen werden.


© SHUTTERSTOCK (4)

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Der Tourismus bietet in Tirol Jobs in allen Bereichen – von den klassischen Tätigkeiten wie Koch und Kellner über Gesundheitsberufe bis hin zu Aufgaben in IT und Marketing.

Über sich hinausgewachsen Der Tiroler Tourismus kämpft um seinen Nachwuchs. Betrieben fällt es immer schwerer, freie Stellen zu besetzen. Dabei hat die Branche nicht nur Schwächen, sondern bietet auch viel Attraktivität, die sonst in nahezu keinem Sektor zu finden ist. VON DANIEL FEICHTNER

D

er Tiroler Tourismus steigert sich stetig – und bislang ist kein Ende dieses Trends zu befürchten. „Wir haben in den vergangenen 15 Jahren exponentielles Wachstum erlebt“, sagt Peter Trost, Geschäftsführer der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Tirol. „Heute beschäftigen wir fast 60 Prozent mehr Mitarbeiter als knapp nach der Jahrtausendwende.“ Was für die Wirtschaft mehr als erfreulich ist, stellt Betriebe aber zusehends vor Probleme. Es fällt immer schwerer, Dienstnehmer zu finden.

Rahmenbedingungen. Die Arbeitsmarktsituation sähe für Arbeitnehmer eigentlich hervorragend aus. Dennoch scheitert der Tourismus nicht nur daran, ausreichend Arbeitskräfte zu rekrutieren, um die Lücken zu füllen. Die Zahl der in den Kernbranchen Beherbergung und Gastronomie tätigen Einheimischen ist sogar rückläufig. Laut dem Mikrozensus Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria arbeiteten dort 2004 noch 19.400 Österreicher. Dieses Jahr sind es nur noch 17.200. „Mittlerweile sind wir bei mehr als der Hälfte der Stellen im Tourismus auf Ar-

beitskräfte aus anderen Ländern angewiesen“, meint Armin Erger von der Abteilung Wirtschaftspolitik der Arbeiterkammer Tirol. Gründe für diesen Nachwuchsmangel sieht er mehrere. „Die beiden Hauptargumente, die nicht ganz vom Tisch zu weisen sind, sind die Belastungen, die mit der Branche einhergehen, und die Bezahlung. Vor allem die Löhne sind aber eine komplexe Angelegenheit.“ Denn der Tourismus erfordert Flexibilität, Stressresistenz und oft auch Mobilität von Dienstnehmern. Nicht umsonst liegt das Altersniveau in der Branche bei Mitte 20. „Jenseits dieser Altersgrenze sinkt


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Die Saison diktiert.

Viele dieser Probleme liegen in der Natur der Branche und lassen sich kaum umschiffen, meint Peter Trost. „Im Tourismus diktiert der Markt und damit schlussendlich der Gast. In der Industrie kann vorproduziert und im Handel eingelagert werden. Das sind alles Möglichkeiten, die es bei uns nicht gibt.“ Es entstehen hohe Personalkosten, da die Belegschaft während der Saison auch bei ungewisser Nachfrage bereitstehen muss. Zugleich bleibt der Tourismusbranche auch keine andere Möglichkeit, als Arbeitskräfte in den Zwischensaisonen freizusetzen. „Ein Teil davon wandert aber in der Sommersaison ab und wird woanders tätig“, gibt er zu bedenken. Denn Mobilität ist nicht nur Teil des Branchenbilds, sondern auch eine wichtige Möglichkeit, Erfahrung zu sammeln und so seinen eigenen Wert am Arbeitsmarkt zu steigern. Außerdem dürfe man nicht vergessen, wie viele Branchen sekundär am Tourismus beteiligt sind. „Alleine in die Bauwirtschaft investieren wir jährlich zwischen 500 und 700 Millionen Euro. Gerade in der Zwischensaison schaffen wir auf diese Weise zusätzliche Arbeitsplätze, selbst wenn wir sie im primären Bereich dann nicht bieten können.“

Aufgaben für alle. Aufgrund des hohen Bedarfs und der mittlerweile enormen Diversifizierung der Branche bietet der Tourismus aber Arbeitsplätze in allen

Tätigkeitsfeldern und für alle Qualifizierungslevels. „Die Zeiten, in denen es bei uns nur Jobs für Kellner, Köche und Rezeptionisten gegeben hat, sind lange vorbei“, meint Trost. Egal ob im Gesundheits-,

ARBEITEN IM TOURISMUS

überzeugt: „Wir suchen Hilfskräfte ebenso wie Spezialisten in allen Bereichen. Wer Qualifikationen mitbringt, der kann auch beim Verdienst mitbestimmen. Und für Niedrig-Qualifizierte bietet kaum eine

„Wer Qualifikationen mitbringt, der kann auch beim Verdienst mitbestimmen. Und für Niedrig-Qualifizierte bietet kaum eine Branche eine so niedrige Einstiegsschwelle und so gute Fortbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen.“ PETER TROST, GESCHÄFTSFÜHRER DER SPARTE TOURISMUS UND FREIZEITWIRTSCHAFT, WK TIROL

Dienstleistungs-, Management- oder auch im IT- und Social-Media-Bereich: Der Tiroler Tourismus bietet Stellen für eine Vielzahl unterschiedlicher Talente und Professionen. Und wer die richtige Ausbildung mitbringt, wird sich auch schnell über das Lohnniveau hinwegsetzen, ist Trost

Branche eine so niedrige Einstiegsschwelle und so gute Fortbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen.“ Dank der nötigen Flexibilität finden sich im Tourismus außerdem zunehmend Teilzeitbeschäftigungen, die für Studenten, Hausfrauen oder auch ältere Dienstnehmer attraktiv sind.

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© DIE FOTOGRAFEN

die Zahl der Dienstnehmer sehr schnell“, erklärt Erger. „Das hat mitunter damit zu tun, dass Familiengründung und das Bedürfnis nach Stabilisierung im Leben in den Vordergrund treten.“ Beim Einkommen liegen die Dienstnehmer im Tiroler Tourismus eigentlich vorne – zumindest im Vergleich mit der Branche im Rest Österreichs. Hier wurden 2015 in Tirol im Schnitt neun Prozent mehr verdient als in den anderen Bundesländern. Schaut man jedoch über die Branchen-Grenzen hinaus, ergibt sich ein anderes Bild: „Gleichzeitig lag im selben Jahr der Einkommensschnitt im Tourismus in Tirol um ganze 45 Prozent unter dem generellen Tiroler Durchschnittsverdienst“, sagt er. „Ein wichtiger Faktor dabei ist natürlich, dass viele im Tourismus Tätige Saisonarbeiter sind.“ Aber auch bei der ganzjährigen Vollzeitarbeit liegen die Bereiche Beherbergung und Gastronomie um 31 Prozentpunkte unter dem Tiroler Einkommensschnitt.

SAISON


SAISON

© ARBEITERKAMMER TIROL

IM 10 ARBEITEN TOURISMUS

„Mittlerweile sind wir bei mehr als der Hälfte der Stellen im Tourismus auf Arbeitskräfte aus anderen Ländern angewiesen.“ ARMIN ERGER, ABTEILUNG WIRTSCHAFTSPOLITIK, AK TIROL

Konkurrenz von außen. Mitunter ist

© AMS

es aber nicht nur so, dass Jobs im Tiroler Tourismus die Attraktivität fehlt. „Ebenso sind Tourismus-Beschäftigte zu attraktiv für andere Branchen“, sagt Bernhard Pichler, Leiter der Abteilung Service für Unternehmen des Arbeitsmarktservice. Denn die Arbeitsmarktsituation entwickelt sich auch dort sehr positiv – Tirol liegt österreichweit beim Rückgang der Arbeitslosigkeit sogar an der Spitze. Und auch viele Unternehmen jenseits des Tourismus wissen die hervorragend ausgebildeten und belastungsfähigen

Haus steht, suchen Arbeitnehmer nach Stabilität und Berechenbarkeit. Um sie im Tourismus zu halten, sähe Pichler unter anderem eine Neuregelung der Arbeitszeiten als hilfreich.

Hervorragend ausgebildet.

Auch die frisch ausgebildeten Tourismusexperten sind anderswo gerne gesehen. Wie die Statistik des MCI Tourismus zeigt, waren rund vier Jahre nach ihrem Abschluss nur 61 Prozent der Masterabsolventen des Studiengangs Entrepreneurship und Tourismus im weitesten Sinne – also nicht nur

„Ältere Dienstnehmer suchen Stabilität, die sie außerhalb des Tourismus eher finden. Und der Nachwuchs wandert zu einem großen Teil ins Ausland ab, oder entscheidet sich dafür, in einem komplett anderen Bereich Fuß zu fassen.“ BERNHARD PICHLER, LEITER DER ABTEILUNG SERVICE FÜR UNTERNEHMEN, AMS

Dienstnehmer zu schätzen. „Gut ausgebildete Köche werden beispielsweise von anderen Unternehmen mit Handkuss genommen. Sie sind belastbar, bringen Flexibilität mit und sind Überstunden durchaus gewohnt.“ Im Gegenzug dazu gibt die Tätigkeit dort Dienstnehmern die Möglichkeit, sich zu entlasten und ihre Lebenssituation zu stabilisieren. Und gerade wenn eine Familiengründung ins

in Gastgewerbe und Hotellerie, sondern auch in Tourismusverbänden, der touristischen Infrastruktur und als Berater – im Tourismus tätig. „Dazu kommt die Konkurrenz aus dem Ausland“, fügt Pichler hinzu. „Der Tourismus boomt nicht nur in Tirol. Auch andere Länder suchen Mitarbeiter und vor allem hervorragend ausgebildete Spezialisten.“ Gerade jungen Absolventen aus Tirol, die dank ihrer Ausbildung welt-

weit einen sehr guten Ruf genießen, steht damit die Welt offen – in einer Branche, in der internationale Erfahrung viel zählt. „Ältere Dienstnehmer suchen ganzjährige Stabilität, die sie außerhalb des Tourismus eher finden“, meint Pichler. „Und der Nachwuchs wandert zum Teil ins Ausland ab, oder entscheidet sich dafür, in einem komplett anderen Bereich Fuß zu fassen.“ Die Ursachen dafür habe die Branche aber mittlerweile erkannt und sei bereits dabei, etwas dagegen zu unternehmen, ist er sich sicher. Viele Betriebe verbessern bereits laufend Angebote für Mitarbeiter wie Unterkünfte und bieten verschiedenste Social Benefits. „Denn auch wenn das kollektivvertragliche Lohnniveau eher niedrig ist: Neben freier Kost und Logis können zusätzliche Leistungen, sowohl finanziell als auch darüber hinaus, enorm zur Attraktivität eines Angebots beitragen“, sagt Pichler.

Angebote nicht nur für Gäste. Der Tourismus hat in diesem Bereich einiges zu bieten. Hotels haben oft Spaund Wellness-Infrastruktur, die auch Mitarbeitern zugänglich gemacht werden kann. Dank der Nähe zu anderen Tourismusanbietern haben viele Betriebe die Möglichkeit, Arbeitnehmern verbilligte oder besondere Freizeitangebote zur Verfügung zu stellen. „Und wenn dann noch die Unterkünfte angemessen sind und das Betriebsklima stimmt, hat ein Arbeitgeber, der seinen Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnet, schnell einen Stein im Brett“, weiß Josef Schmid. Der Geschäftsführer des Consultingunternehmens tourismusberatung.at befasst sich nicht zuletzt mit


Personalmanagement. In diesem Bereich tut sich nicht nur einiges – er vermutet dort auch den Schlüssel zum aktuellen Problem. „Viele Betriebe sind da inzwischen sehr aktiv“, sagt Schmid. „Aber viele eben auch noch nicht.“ Und das seien oft diejenigen, die am lautesten klagen, dass sie keine Mitarbeiter fänden, oder, noch vielsagender, dass niemand länger bleiben würde. Dahinter vermutet er eine Mentalität, die zum Teil noch auf die 1980er und 1990er zurückgeht, als genügend Arbeitskräfte verfügbar waren, um alle Stellen zu besetzen. „Dass das schon lange nicht mehr so ist, ist eine unbestreitbare Tatsache – insbesondere bei den Einheimischen. Gott sei Dank können wir auf Ressourcen aus der EU zurückgreifen. Langfristig sind wir aber auf unser Image angewiesen. Und da gibt es noch einiges zu polieren.“ Schon jetzt stehen Betriebe nicht nur mehr bei der Suche nach Gästen in Konkurrenz zueinander. Auch die besten Mitarbeiter werden bereits heiß umworben. Denn schlussendlich sind sie die Schnittstelle zum Gast und damit der entscheidende Faktor, der die Qualität

© PRIVAT

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„Vorurteile halten sich oft hartnäckig. Und dem müssen wir begegnen.“ JOSEF SCHMID, GESCHÄFTSFÜHRER TOURISMUSBERATUNG.AT

eines Unternehmens ausmacht.

Bewusstsein und Ehrlichkeit. Die Crux sieht Schmid dabei nicht mehr so sehr in der Branche selbst, sondern in ihrer Wahrnehmung. Man dürfe nicht alle Probleme dem Tourismus in die Schuhe schieben. „Aber Vorurteile halten sich oft hartnäckig. Und dem müssen wir begegnen.“ Wohl nicht zuletzt, weil der Tourismus als Arbeitsplatzgarant wahrgenommen wird, entscheiden sich Jugendliche oft für eine Ausbildung in dem Sektor, ohne zu

wissen, was sie wirklich erwartet. Würden nicht nur die Vorteile, sondern auch die Herausforderungen, die die Branche mit sich bringt, klar kommuniziert werden, würde das dem Image sicherlich guttun. „Bei uns gibt es immer Arbeit – wenn man die richtigen Voraussetzungen mitbringt“, ist sich Schmid sicher. „Wer das tut, kann nicht nur in kurzer Zeit gut verdienen und schnell aufsteigen, sondern auch eine ungemein erfüllende Karriere finden. Aber wer mit der falschen Erwartungshaltung an die Sache herangeht, wird sich nicht halten können.“ ×

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Freude am Fahren


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Werte leben – nach innen und außen Gute Mitarbeiter sind das Herz eines jeden Betriebes. Die richtigen zu finden, ist nicht einfach. Sie zu binden, verlangt Engagement, Ehrlichkeit und Wertschätzung.

© SHUTTERSTOCK.COM

VON SUSANNE GURSCHLER

Die Zahl der Lehrlinge in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft hat sich seit 2009 fast halbiert – dabei ist gut qualifi zierter und motivierter Nachwuchs extrem wichtig für die Branche.

E

mployer Branding – im Deutschen etwas sperrig „Arbeitgebermarkenbildung“ – ist in aller Munde. Gemeint sind damit strategische Maßnahmen eines Unternehmens, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und gegenüber Mitbewerbern abzuheben. Employer Branding ist in der Tourismusbranche wichtiger denn je. Neben dem Angebot sind gute Mitarbeiter das Um und Auf eines jeden Dienstleistungsbetriebes. Der Pertisauer Hotelier Johannes Entner, Mario Gerber, Hotelier und Fachgruppenobmann der Tiroler Hotellerie, der Markenexperte Robert Trasser, der mit Ötztal Tourismus den MitarbeiterClub Navion entwickelt hat, sowie Valentin Schütz vom Start-up-Unternehmen Gronda sind überzeugt davon: Wertschät-

zung und wirkliches Engagement für die Mitarbeiter sind notwendiger denn je.

Mundpropaganda. Seine Mitarbeiter „zu pflegen“ sieht Johannes „Hansi“ Entner, Hotelier in Pertisau am Achensee, als eine seiner wichtigsten Aufgaben. Den Begriff „Personal“ hat es aus seinem Wortschatz gestrichen, er sei ein Unwort. „Wir begegnen uns im Wiesenhof auf Augenhöhe – ob Hotelleitung, Mitarbeiter oder Gäste“, betont er. Ein respektvoller Umgang sei die Basis nach innen und außen. Der Wiesenhof nimmt regelmäßig Lehrlinge und Praktikanten auf. „Wenn sie am Ende nicht mit Tränen in den Augen gehen, weil sie so gern hier waren, dann haben wir ebenso etwas falsch gemacht, wie wenn ein Gast am Ende seines Urlaubs nicht sagt: Auf Wiedersehen! Oder: Ich komme gerne wieder“, ist Entner überzeugt.

Er habe keine Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden, betont er, die meisten Bewerbungen laufen über Mundpropaganda: „Angestellte im Tourismus sind sehr gut vernetzt. Sie tauschen sich aus, wissen, welche Arbeitgeber gut und welche schlecht sind. Wenn jemand gerne in einem Betrieb arbeitet, dann empfiehlt er ihn auch weiter.“ Zu den eisernen Regeln im Wiesenhof zählt: Ohne Vorstellungsgespräch geht gar nichts. Nur da lässt sich feststellen, ob die Chemie stimmt. Keinen Hehl macht Entner daraus, dass die Arbeit im Tourismus fordernd ist, umso wichtiger, sich um die Belange der Mitarbeiter zu kümmern, klar und transparent zu kommunizieren. Das gelte auch für die Arbeitsbedingungen. Nur von Montag bis Freitag zu arbeiten, spiele sich im Gastgewerbe und in der Hotellerie einfach nicht. „Das Geschäft verlagert sich zuse-


© ENTNER WIESENHOF

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SAISON

ARBEITEN IM TOURISMUS

„Wir begegnen uns im Wiesenhof auf Augenhöhe – ob Hotelleitung, Mitarbeiter oder Gäste.” JOHANNES ENTNER, HOTELIER

hends auf die Wochenenden, Buchungen werden immer kurzfristiger.“ Touristiker müssen darauf reagieren. Flexibilität im Angebot fordert aber auch Flexibilität bei den Mitarbeitern. Die gesetzlichen Vorgaben machen das Reagieren auf die Anforderungen immer schwieriger. Ausschließlich mit heimischen und Teilzeitkräften sei der Bedarf längst nicht mehr zu decken. „Wir haben in Pertisau 700 Einwohner, 3.500 Gästebetten, bis zu 15.000 Tagesbesucher und brauchen rund 2.000 Mitarbeiter, das ist mit Einheimischen nicht zu stemmen“, betont Entner. Von den Interessenvertretungen erwartet sich Entner, dass schwarze Schafe als solche benannt und auch sanktioniert werden. Die Sozialpartner müssten hier den Lead übernehmen, fordert der Hotelier.

Internet-Community.

Valentin Schütz vom Start-up-Unternehmen Gronda schlägt in eine ähnliche Kerbe. Er kommt selbst aus einem Hotelleriebetrieb im Pitztal, hat in Deutschland, Italien und China studiert, und weiß: Gute Mitarbeiter zu finden, ist in der Tourismusbranche extrem schwer. Daraus entwickelte er die Idee, eine Onlineplattform speziell für Gastronomie und Hotellerie zu erstellen. Mit Gronda wollen er und seine Kollegen Juan Vicci und Tobias Zetzsche Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenbringen. Keine langwierige Suche nach dem Richtigen, sondern passgenau für beide

Seiten soll das funktionieren. Die Internetplattform startete 2015 als Blog, 2016 erfolgte ein Launch hin zur Recruiting- und Karriereplattform und erhielt prompt den Hotellerie-Branchenaward des deutschen Hotelverbandes. Mittlerweile ist Gronda eine der größten Gastro- und Hotelleriecommunitys im deutschsprachigen Raum. 150 Unternehmen sind registriert, darunter so namhafte wie die SheratonGruppe und Kempinski, Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten sowie Intercontinental Hotels und Ressorts. Rund 15.000 Manager, Köche, Kellner, Baristas sind Mitglied. Sucht ein Unternehmen einen Mitarbeiter, schlägt ein Algorithmus die passenden Bewerber vor, die es sofort und unkompliziert kontaktieren kann. Dabei erhält der potenzielle Arbeitgeber nicht nur Einblick in den Lebenslauf, durch die Postings der Mitglieder erfährt er auch viel über die Person und deren Leidenschaften. Umgekehrt können Mitarbeiter – auf freiwilliger Basis – ihre Storys mit dem Unternehmen, in dem sie arbeiten, verknüpfen. „Sie vermarkten dadurch den Betrieb als tollen Arbeitgeber“, so Schütz. Eine Win-win-Situation für beide: Der Arbeitnehmer präsentiert sich und sein Können, der Arbeitgeber erhält ein positives Image – was es ihm enorm erleichtert, neue Mitarbeiter zu gewinnen. „Es entsteht eine positive Unternehmensgeschichte aus Sicht der Mitarbeiter“, ergänzt der CEO. Stars der Branche, wie der Sterne-

koch und Gastronom Sebastian Frank, der Sommelier Marcel Ribis oder der Blogger und Bartender Thomas Zilm bloggen auf Gronda. „Wir haben 20.000 User derzeit und eine Steigerungsrate von 25 Prozent pro Monat“, freut sich Schütz.

Positiv-Bild.

Gronda zeichnet so ein positives Bild der Branche, holt mitarbeiterfreundliche Unternehmen vor den Vorhang und verbindet sie mit engagierten Leuten. Die Kriterien von Gronda sind streng. Die Unternehmen müssen die Voraussetzungen haben oder schaffen, damit Leute gerne bei ihnen arbeiten. Einfach sein Image aufzupolieren, funktioniert nicht mehr. „Wo nichts ist, kann kein positives Image entstehen“, ist Schütz überzeugt. Wertschätzung, Akzeptanz, Eingehen auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter, das sei weitaus wichtiger als ein Swimmingpool oder ein Tennisplatz, den sie nutzen dürfen. Zudem weist Schütz darauf hin, dass Mitarbeiter, denen es gutgeht, auch gut für das Geschäft sind. „Ein motivierter Kellner macht 20 Prozent mehr Umsatz bei den Getränken als ein nicht motivierter, es ist also allein schon betriebswirtschaftlich von Vorteil, wenn man auf seine Leute schaut“, weiß Schütz. Einen Teil des Umsatzes in Schulungen, Freizeitangebote und dergleichen zu stecken, sei eine Investition in die Zukunft. Gerade ausländische Mitarbeiter bräuchten oft zusätzliche Schulung.


SAISON

„Authentizität und Produktqualität gehen verloren, wenn man nicht darauf achtet, dass die Mitarbeiter zum Beispiel lokale Besonderheiten kennen.“ Den Einwand wiederum, kleinere Betriebe könnten sich Fortbildungen und Freizeitangebote nicht leisten, lässt Mario Gerber, Hotelier und Obmann der Tiroler Hotellerie, nur bedingt gelten: „Das ist alles auch Investment in den Betrieb.“ Es brauche einen engagierten und kreativen Zugang zur Mitarbeiterpflege. Damit schaffe man positives Image, binde Mitarbeiter, zeige ihnen Wertschätzung und sorge dafür, dass die Gäste gut betreut sind.

Mitarbeiter-Akademie. Gerber selbst

Rasante Veränderung. Die Statistiken zeigen darüber hinaus, dass die Zahl

© GERBERHOTELS

gehört zu den Großen in der Branche in Tirol. Gerber Hotels beschäftigt derzeit mehr als 130 Mitarbeiter. Geboten wird diesen nicht nur ein eigenes Mitarbeiterhaus, das nach modernsten Standards freundlich, hell und einladend eingerichtet ist, es steht auch schnelles Internet zur Verfügung, damit die Mitarbeiter störungsfrei mit ihren Familien kommunizieren können. Wie andere große Leitbetriebe in Tirol hat Gerber Hotels eine eigene Mitarbeiterakademie. Das Angebot reicht von Freizeitbeschäftigungen bis zu Workshops, Kursen und Vorträgen zur beruflichen Weiter-

spektiven zu eröffnen“, bringt es Gerber auf den Punkt. Mitarbeiter, die über mehrere Jahre kommen, können das Angebot kostenlos nutzen, erhalten Prämien – bis hin zu Fernreisen. Besonders wichtig sind Gerber Coachings und Teamworkseminare. In Einzelgesprächen gibt es Feedback für beide Seiten, etwaige Schwierigkeiten werden so früh erkannt und besprochen: „Wir fördern Stärken, bügeln Schwächen aus", erläutert der Hotelier. Akquise macht Gerber grundsätzlich über Agenturen, nur selten schaltet er Inserate. Allerdings sei gerade bei der heimischen Bevölkerung eine negative Haltung dem Tourismus gegenüber zu beobachten – hier gegenzusteuern, etwa mit Imagekampagnen wie aktuell „Karriere im Hotel“ – findet er positiv. Als Obmann der Tiroler Hotellerie setzt Gerber darauf, die Kollegen für das Thema zu sensibilisieren, er ärgert sich aber, dass „die Gewerkschaft immer die Negativbeispiele aufgreift und die mediale Berichterstattung keine Positivbeispiele bringt“. Die Branche sei weit besser als ihr Ruf, sie biete sichere Arbeitsplätze und es gäbe in dieser Branche – im Gegensatz zu anderen – starke Steigerungsraten, was die Zahl der Beschäftigten anbelangt.

„Das Wichtigste ist, seine Mitarbeiter gut zu behandeln, ihnen Perspektiven zu eröffnen.“ MARIO GERBER, FACHGRUPPENOBMANN TIROLER HOTELLERIE

bildung. Die Topleute intern bilden das Team aus, dazu kommen zusätzlich externe Experten. „Das Wichtigste ist, seine Mitarbeiter gut zu behandeln, ihnen Per-

der heimischen Arbeitskräfte stagniert, die von ausländischen stark zunimmt, gleichzeitig sinkt die Zahl der Lehrlinge rasant. Für Markenexperte Robert Trasser

© CHRISTIAN VORHOFER INDUSTRIEFOTOGRAFIE

IM 14 ARBEITEN TOURISMUS

„Es entsteht eine positive Unternehmensgeschichte aus Sicht der Mitarbeiter.“ VALENTIN SCHÜTZ, CEO „GRONDA“

ein alarmierendes Zeichen. „Auch Mitarbeiter sind Teil einer starken Marke. Sie sind die Schnittstelle zum Gast. Leider können wir den Bedarf längst nicht mehr mit Einheimischen abdecken und die Jungen interessieren sich kaum noch für die Branche“, warnt er. Viele Mitarbeiter, die aus Ländern wie Ungarn, Slowenien oder Tschechien kommen, sind zudem nur unzureichend ausgebildet, kennen die hiesigen Gepflogenheiten nicht und bräuchten neben einer adäquaten Einschulung Angebote, wie sie ihre Freizeit sinnvoll gestalten können. Die Destination Ötztal hat das Problem erkannt und ihm den Kampf angesagt, indem sie Arbeitgeber im Tal mit einem eigenen Programm dabei unterstützt, attraktiv für neue Mitarbeiter und nachhaltig positiv für bereits Beschäftigte zu wirken. Mitarbeiterakquise erleichtern, Leistungsfähigkeit erhöhen, Qualifikation


verbessern, Zufriedenheit fördern, Fluktuation senken, Wiederkehrerquote erhöhen, Betrieb als Arbeitgeber stärken – das sind die zentralen Ziele, die Ötztal Tourismus zusammen mit Robert Trasser für den Mitarbeiter-Club Navion gesetzt hat. Navion setzt bei Arbeitsplatzgestaltung und -organisation an: Allen Ötztaler Tourismusbetrieben steht ein Mitarbeiterförderungs- und Motivationsprogramm zur Verfügung. Pro Mitarbeiter, der daran teilnimmt, zahlen sie einen Unkostenbeitrag. Das Angebot umfasst drei Säulen: Aus- und Weiterbildung, Fitness und Gesundheit, Spaß und Unterhaltung. Erprobt wurde das Pilotprojekt im Winter 2015/16 in Hochsölden, im Winter 2016/17 wurde es dann auf das ganze Ötztal ausgeweitet. Wie bei jeder Innovation war der Testlauf für das ganze Tal mit Kinderkrankheiten behaftet. „Im Organisatorischen ist

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„Mitarbeiter sind Teil einer starken Marke. Sie sind die Schnittstelle zum Gast.” ROBERT TRASSER, MARKENBERATUNG

sicher nicht alles optimal gelaufen, aber man lernt dazu, kann es besser machen“, betont Trasser. Der Ansatz sei richtig und wichtig für die Tourismusbranche, denn es gehe um den „Wettbewerb der besten Köpfe“. „Tiroler Gastlichkeit lässt sich nur

mit motivierten und engagierten Mitarbeitern bieten. Unsere Skills als Tourismusdestination beginnen bei ihnen“, so Trasser. Ihr positives Image erhalten sich die Tiroler Tourismusbetriebe nur, wenn alles passt – nicht zuletzt bei den Mitarbeitern.×

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Jung und international Der Tourismus in Tirol bietet eine Vielzahl verschiedener Jobs. Dementsprechend schwer ist es, einen gemeinsamen Nenner unter denen zu finden, die in der Branche tätig sind. Dennoch gibt es Faktoren, die viele von ihnen gemeinsam haben. VON DANIEL FEICHTNER

BEZIRKE INTERNATIONAL Die Kernbranchen Beherbergung und Gastronomie sind in allen Tiroler Bezirken auf Arbeitskräfte von auswärts angewiesen.

REUT TE Österreicher EU Schweiz Türkei Sonstige Drittstaaten Ausländer insgesamt

982 935 2 92 266 1.296

LANDECK Österreicher EU EWR (Liechtenstein, Island, Norwegen) Schweiz Türkei Sonstige Drittstaaten Ausländer insgesamt

1.933 1.512 2 9 189 314 2.026

INNSBRUCK & INNSBRUCK LAND

IMST Österreicher EU Schweiz Türkei Sonstige Drittstaaten Ausländer insgesamt

I

m Vergleich zu Rest-Österreich nimmt der Tourismus in Tirol eine sehr dominante Rolle am Arbeitsmarkt ein. In anderen Bundesländern sind im Schnitt sieben Prozent aller Beschäftigten in dem Bereich tätig – in Tirol sind es mit 13 Prozent

1.848 1.043 5 125 280 1.453

beinahe doppelt so viele. Dabei zeichnen vor allem zwei Merkmale die Branche aus: Sie ist jung und sehr international – mit zunehmender Tendenz. „Bundesweit sind 55 Prozent aller im Tourismus Tätigen Österreicher“, sagt Siegfried Egger, Bundesobmann des

Österreicher EU EWR (Liechtenstein, Island, Norwegen) Schweiz Türkei Sonstige Drittstaaten Ausländer insgesamt

4.022 2.751 4 14 475 1.246 4.490

Fachverbands Hotellerie der Wirtschaftskammer Österreich. In Tirol ist diese Zahl niedriger – insbesondere im Winter, wenn viele Saisonarbeiter zu den heimischen Arbeitskräften stoßen. Dann sinkt der Österreicher-Anteil unter 50 Prozent. „Die Zahl der Dienstnehmer aus den


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SAISON

ARBEITEN IM TOURISMUS

SCHWAZ Österreicher EU Schweiz Türkei Sonstige Drittstaaten Ausländer insgesamt

2.384 2.227 5 93 434 2.759

AUS ALLER WELT Der Tiroler Tourismus bezieht alleine in Beherbergung und Gastronomie Arbeitskräfte aus zumindest 37 Nationen.

KUFSTEIN Österreicher EU Schweiz Türkei Sonstige Drittstaaten Ausländer insgesamt

1.768 1.161 2 221 323 1.707

KITZBÜHEL 1.824 2.019 10 78 358 2.465

Österreicher EU Schweiz Türkei Sonstige Drittstaaten Ausländer insgesamt

LIENZ Österreicher EU Türkei Sonstige Drittstaaten Ausländer insgesamt

1.290 249 6 80 335

Quelle: AMS Tirol

EU-15-Staaten inklusive Deutschland ist mittlerweile auf acht Prozent gesunken.“ Im Gegensatz dazu stellen die neuen EUStaaten einen immer größeren Teil der Arbeitskräfte. Waren es 2010 noch acht Prozent aller Beschäftigten, stammen mittlerweile 20 Prozent aus den neuen

Beitrittsländern und insbesondere aus den Nationen der EU-Osterweiterung. Besonders häufig im Ranking vertreten sind dabei Dienstnehmer aus Ungarn und der Slowakei. Weitere 16 Prozent der Arbeitskräfte kommen aus Drittstaaten zu uns.

Nationalität Ungarn Deutschland Slowakei Türkei Ehemaliges Jugoslawien Rumänien Italien Bosnien und Herzegowina Kroatien Tschechische Republik Polen Bulgarien Staatsbürgerschaft unbekannt* Niederlande Slowenien Serbien Großbritannien und Nordirland Griechenland Afghanistan Volksrepublik China Portugal Spanien Thailand Russland Schweiz Syrien Schweden Indien Ehemalige Tschechoslowakei Frankreich Ukraine Belgien Iran Nepal Ägypten Mazedonien Brasilien Lettland

2016 4.695 3.526 1.923 1.292 1.244 872 698 673 661 484 307 266 225 203 196 165 141 134 131 130 101 74 67 58 54 50 48 45 40 39 37 32 30 29 28 28 26 26

Quelle, AMS Tirol *wurde vom Arbeitgeber nicht angegeben

Dabei handelt es sich längst nicht mehr um reine Hilfsarbeiter. Auch immer mehr hervorragend ausgebildete Fachkräfte kommen nach Tirol, um den Mangel an Spezialisten auszugleichen. „Internationale Mitarbeiter füllen nicht nur die Lücken“, meint Egger. „Sie brin-


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gen auch viel Know-how und andere Perspektiven mit, die uns dabei helfen, innovativ zu bleiben.“

Heiß begehrt.

Diesen Prozess gilt es vor allem im Kontext der Arbeitsmarktentwicklung zu sehen. Der Tourismus kann in Tirol seit Längerem deutliches Wachstum verbuchen. „Alleine in der Hotellerie sind in den letzten zwei Jahrzehnten rund 30 Prozent neue Arbeitsplätze entstanden“, meint Egger. Dabei könne die demografische Entwicklung schlichtweg nicht mithalten. „Zudem ist der Tourismus generell eine sehr internationale Branche, die nicht nur viel Mobilität fordert, sondern auch bietet“, fügt Florian Werner, Geschäftsführer des Arlberg Hospiz Hotels in St. Christoph am Arlberg, hinzu. So geht ein Teil des in

Tirol ausgebildeten Nachwuchses nach dem Abschluss ins Ausland. „Und auch das Wachstum von Tourismusregionen außerhalb Tirols trägt dazu bei. Der Red Bull Ring in Spielberg hat uns zum Beispiel klar Mitarbeiter gekostet.“ Dadurch werden in anderen Ländern die eigenen Arbeitskräfte gebunden und Absolventen aus Tirol, die weltweit hervorragenden Ruf genießen, erhalten dort die Möglichkeit, Auslandserfahrung zu sammeln.

Die jungen Wilden.

Nicht zuletzt die Mobilität ist auch ein wichtiger Faktor, der das Altersniveau der TourismusBeschäftigten mitbestimmt. Aktuell liegt das Durchschnittsalter in der Branche in Tirol in etwa zwischen 26 und 27 Jahren. Zu diesem niedrigen Schnitt tragen vor al-

lem die Saisonarbeiter bei, meint Werner: „Das sind meistens junge Leute, Anfang bis Mitte 20. Sie bringen viel Flexibilität und Energie mit und wollen etwas erleben und Erfahrung sammeln. Ihnen ist es wichtig, viel und hart arbeiten zu können, um in kurzer Zeit gut zu verdienen.“ Solche Mitarbeiter prägen vor allem die Dienstnehmerlandschaft in der Ferienhotellerie. Mit steigendem Alter tritt dann meistens das Bedürfnis nach Planbarkeit und nicht zuletzt nach ganzjährigen Beschäftigungsverhältnissen in den Vordergrund – oft auch im Hinblick auf Familienplanung. „Das sind alles Bedingungen, die sie eher in Ganzjahresbetrieben oder im Städtetourismus finden. Deswegen sind dort auch eher Mitarbeiter jenseits der 30 häufiger vertreten“, weiß Florian Werner. ×

SIEGFRIED EGGER, BUNDESOBMANN DES FACHVERBANDS HOTELLERIE DER WIRTSCHAFTSKAMMER ÖSTERREICH

© ARLBERG1800 RESORT/PETRA RAINER

© WIRTSCHAFTSBUND KITZBÜHEL

Mitarbeiter brauchen ...

FLORIAN WERNER, GESCHÄFTSFÜHRER ARLBERG HOSPIZ

... attraktive Angebote

... einen klaren Weg nach oben

M

E

it der aktuellen Knappheit an Arbeitskräften ist die Qualität im Tourismus in Gefahr. Aktuell sind Betriebe darauf angewiesen, unterqualifizierte Arbeitskräfte anzustellen und sie selbst zu Fachkräften auszubilden. Derzeit sind 54 Prozent aller in Österreich offenen Lehrstellen Ausbildungen im Tourismus-Bereich. Deswegen müssen wir attraktivere Rahmenbedingungen für den Nachwuchs schaffen. Gerade bei den Arbeitszeiten gibt es hier großes Potenzial. Eine Arbeitszeitennovelle würde einiges bewirken. ×

s gilt, massiv dabei umzudenken, wie wir den Nachwuchs ansprechen. Im Tourismus zählen nicht nur Fakten, sondern vor allem Emotionen – nicht nur bei der Werbung von Gästen, sondern auch von Arbeitskräften. Gerade hier hat die Digitalisierung großes Potenzial, um die nächste Generation auf den Kanälen anzusprechen, die sie nutzt. Zugleich gilt es, Perspektiven zu schaffen. Bislang bieten wir zwar Fortbildungen, preisen sie aber nicht an. Wollen wir den Nachwuchs begeistern, müssen wir strukturierte Weiterbildungsangebote entwickeln, in denen die Aufstiegschancen, die der Tourismus bietet, auch organisiert sind. ×


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SAISON

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190 Hotels luden österreichweit am 23. Juni zum „Tag der Offenen Hoteltür“ und präsentieren sich unter www.karriere-im-hotel.at.

Vom Mitarbeiter zum Mitunternehmer Mitarbeiterbeteiligungen, neue Stundenmodelle. Die Branche reagiert auf den demographischen Wandel, der auch ein neues Arbeitsverhalten mitbringt. Flexiblere Arbeitszeiten und neue Berufsbilder sind Herausforderungen für Unternehmer. Großen Reformbedarf gibt es noch bei den Arbeitszusatzkosten. V O N J A N E K AT H R E I N

S © ÖHV/LECHNER

ommer, Winter, Zwischensaison – so sieht der Jahreskreis für viele Hotelbetreiber in Tirol aus und er bleibt die größte Herausforderung für die Unternehmer. Stichwort: Planungssicherheit. Diese wünscht

sich Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hotellerievereinigung, nicht nur für Ganzjahresbetriebe, sondern für alle: „An den Saisoniers hängen auch Arbeitsplätze in anderen Abteilungen, wenn es hier die Sicherheit gäbe, dass

„Mut, sich Themen wie Arbeitszeitflexibilisierung anzuschauen, wünsche ich mir als Interessenvertreterin der Hotellerie und auch als Unternehmerin von den Sozialpartnern. Das würde auch die Branche sexy machen.“ MICHAELA REITTERER, PRÄSIDENTIN DER ÖSTERREICHISCHEN HOTELLERIEVEREINIGUNG

das Saisonierskontingent nicht gekürzt wird und die Mitarbeiter wieder kommen können, wäre die Jahresplanung in einem Unternehmen um vieles leichter.“

Neue Berufsbilder, neue Lebenssituationen. Mit Blick auf den demographischen Wandel und das sich verändernde Arbeitsverhalten sieht die Unternehmerin eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeiten als eine Notwendigkeit, die vor allem auch jungen Menschen und Müttern entgegenkäme. „Wir haben aber Bestimmungen aus einer Zeit, in der die Familien noch aus Mutter-Vater-KindEinheiten bestanden und Großmütter als Kinderbetreuerinnen präsent waren, dieses Lebensmodell entspricht schon lange nicht mehr der Realität.“ Zudem gäbe es gerade im Tourismus viele Berufsgruppen, deren Aufgaben nicht an fixe Arbeitszei-


ten und Orte gebunden sind wie etwa der Bereich Buchungen oder das Marketing. Und genau in diese würden aber vor allem junge Menschen drängen. Hier sieht Reitterer die Sozialpartner gefordert, eine Flexibilisierung würde die Branche attraktiver machen: „Mut, sich Themen wie Arbeitszeitflexibilisierung anzuschauen, wünsche ich mir als Interessenvertreterin der Hotellerie und auch als Unternehmerin von den Sozialpartnern. Das würde auch die Branche sexy machen.“ Bei den Unternehmern sei dieser Gedanke schon lange angekommen, noch blockierten allerdings Gewerkschaften und Arbeiterkammer. „Es wäre wichtig, auch einmal die jungen Menschen zu befragen, wie sie arbeiten wollen“, ist Michaela Reitterer überzeugt. Den „Nine-to-five-Job“ werde es trotzdem weiter geben, für die Mitarbeiter, die ihn wünschen, spricht sich Michaela Reitterer für ein Nebeneinander von verschiedenen Modellen aus. Die Flexibilisierung könnte sich auch positiv auf die Mobilitätsbereitschaft der Mitarbeiter auswirken. „Im Osten gibt es viele Menschen, die Arbeit suchen, während es im Westen viele offene Stellen gibt. Wer 50 Kilometer und mehr in eine Richtung pendelt, möchte dann auch so lange arbeiten dürfen, bis er seine Aufgabe erledigt hat“, stellt die Unternehmerin fest, deren Mitarbeiter in einem Boutiquehotel in Wien flexibel arbeiten können. Mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen wäre dies auch für saisonal geführte Betriebe möglich. Mit dem „Tag der Offenen Hoteltür“ ließ die Branche am 23. Juni wieder hinter die Kulissen schauen, auch um Lust auf die Mitarbeit in den Betrieben zu wecken.

Lohnnebenkosten senken.

Von Mitarbeitern, die dem Unternehmer zu viel kosten, aber trotzdem wenig verdienen, spricht Thomas Reisenzahn. Der Geschäftsführer der Prodinger Beratungsgruppe und vormals Generalsekretär der ÖHV, richtet sich mit einem klaren Appell an die Regierung und die Sozialpartner: Die Lohnnebenkosten sind zu hoch. An einem Beispiel aus Tirol macht das Reisenzahn fest: Ein Hotelmitarbeiter

„Wenn Leistungen am Gast weiterhin in der für die Branche bekannten Qualität sichergestellt werden sollen, dann sind größere Entlastungen des Faktors Arbeit überfällig.“ THOMAS REISENZAHN, GESCHÄFTSFÜHRER PRODINGER TOURISMUSBERATUNG

(Oberkellner) in Tirol verdient 1.475 Euro monatlich und bekommt diesen Betrag auch auf sein Konto überwiesen. Der Brutto-Gehalt: 1.985 Euro. Der Hotelier muss weitere 615 Euro an Lohnkosten abführen. Somit kostet der Mitarbeiter dem Unternehmer 2.600 Euro. „Wenn zwei Drittel der Staatseinnahmen auf die Besteuerung von Arbeit ausgerichtet sind, ist das zu viel, da sind wir in den internationalen Rankings immer weit oben. Das melden uns auch die Betriebe zurück, die wir betreuen“, weiß Thomas Reisenzahn. Diese Situation sei für eine Branche, die auf hochwertigen Dienstleistungen beruht, sehr unbefriedigend. Der oben erwähnte Mitarbeiter koste in seiner produktiven Leistungszeit 29 Euro pro Stunde. Ein Industrieroboter hingegen nur 6 Euro. „Wenn Leistungen am Gast weiterhin in der für die Branche bekannten Qualität sichergestellt werden sollen, dann sind größere Entlastungen des Faktors Arbeit überfällig“, so Reisenzahn.

Kombilohnsystem. Reisenzahns Lösungsvorschläge wären, Mitarbeiter in den Zwischensaisonen nicht mehr in die Arbeitslosigkeit zu schicken sowie ein sogenanntes Kombilohnsystem, das Mitarbeiter in Schließzeiten weiter beschäftigt und verpflichtende Ausbildungsmaßnahmen anbietet. „Das Lohnende sehe ich in einer geringeren Arbeitslosigkeit, die Saisonen würden ausgedehnt und es könnten in den Zwischensaisonen Ausbildungen durchgeführt werden.“ Das Modell der

Mitarbeiterbeteiligung wiederum (siehe Infobox) bringe gleich mehrere Vorteile. Die Bindung werde gefestigt, sodass der Mitarbeiter dann länger in einem Unternehmen bleibt, daran könnten dann auch Ausbildungsangebote gekoppelt sein. In einem Mehrjahresplan kann dieses Modell gezielt an den Mitarbeiter angepasst werden. Fühlt sich ein Mitarbeiter wohl in einem Unternehmen, wirkt das bis hin zum Gast, dieses Bewusstsein sei in der Branche angekommen. So betreut Thomas Reisenzahn derzeit einen Kunden in Tirol, der sich zuerst die Frage gestellt hat, wie er seine Mitarbeiter zufriedenstellt. „Die Qualität der Arbeit hat sich sehr stark verbessert, das ist nur noch nicht so in den Köpfen angekommen – die Branche hat ein schlechteres Image, als sie verdient.“×

VOM MITARBEITER ZUM MITUNTERNEHMER Wer sich mit dem Unternehmen und seiner Vision identifiziert, arbeitet lieber und ist zugleich Botschafter des Betriebes. Was in vielen Branchen bereits üblich ist, entsteht nun auch in der Tourismusbranche – langjährigen Mitarbeitern werden Beteiligungen übertragen. Im Modell von Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatung, treten die beteiligten Mitarbeiter mit einer Einlage als stille Gesellschafter auf, während der Unternehmer weiterhin Eigentümer des Vermögens und Geschäftsführer bleibt. So werden Abteilungsleiter zu Mitunternehmern.

© ÖHV/LECHNER

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Betriebsklima als ein Grund zu bleiben Die Mitarbeiter, die man sich wünscht, bekommt man, indem man sie im Unternehmen ankommen lässt, gemeinsam in die Weiterbildung investiert und Perspektiven aufzeigt. Ob sie dann auch im Unternehmen bleiben, hängt von verschiedenen Faktoren ab. An Lebenssituationen angepasste Arbeitsmodelle machen ein Unternehmen auch für einen Mitarbeiter längerfristig interessant.

Wohlfühlfaktor. Ein zufriedener Mitarbeiter trägt die Vision eines Unternehmens in die Region und wirkt in seiner Rolle bis hin zum Gast.

V O N J A N E K AT H R E I N

W „Mit Stundenmodellen reagieren wir auf die unterschiedlichen Lebenswelten unserer Mitarbeiter. Als Ganzjahresbetrieb können wir sicher leichter planen, zudem auch Mitarbeiter aufbauen.“ KATHARINA PIRKTL, ALPENRESORT SCHWARZ

elches Potenzial in einem Menschen steckt, sieht man nicht immer auf den ersten Blick – das weiß Andreas Kleinlercher nach vielen Jahren des Erfahrungsammelns in der Personalplanung. Wer Interesse zeigt und neugierig ist, hat bei dem Seilbahndirektor schon einmal einen Bonus. „Wenn ein Bewerber von sich aus schnuppern oder probearbeiten möchte, sagt das schon viel aus.“ Andreas Kleinlercher ist seit sieben Jahren bei den Stubaier Gletscherbahnen tätig. Es sei nicht leicht, gute Mitarbeiter zu finden und zu halten, sagt er. Wenige Bewerbungen langen auf Stelleninserate ein, das an einem Grund festzumachen sei aber schwer möglich. Am Beispiel der Lehrlinge versucht er es dennoch: Von den drei bis vier Lehrlingen, die das Unternehmen pro Jahr gerne aufnimmt, bleiben nur wenige nach der Ausbildung im Haus. Die Wanderzeit sei heutzutage viel intensiver. Darin sieht Kleinlercher auch den größten Unterschied in der Mitarbeiterbindung: „Die Jungen wollen hinaus in die Welt und Erfahrungen sammeln.“ Den Mitarbeiter, der zufrieden über eine Anstellung ist und dann für sein restliches Leben in diesem Unternehmen arbeitet, findet man nur mehr selten. Die Stubaier Gletscherbahnen stehen trotzdem auf stabilen Beinen: Viele der 190 Mitarbeiter, davon 160 in Ganzjahresstellen, sind langjährige Dienstnehmer, in

der Region verwurzelt oder inzwischen hierher gezogen. Wie gelingt es, seine Mitarbeiter im Unternehmen zu halten? Ein gutes Betriebsklima ist laut Andreas Kleinlercher ein entscheidender Grund, um zu bleiben. Außerdem zählen gute Umgangsformen, Kollegialität, eine gemeinsame Richtung sowie die Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Die Stubaier Gletscherbahnen bieten Kurse zur Aus- und Weiterbildung an und holen dafür auch Experten ins Haus. Nachschärfen könne man das Angebot noch im sozialen Bereich, sagt Andreas Kleinlercher.

Familienbande.

Hilfe von Experten holt sich auch Familie Schwarz in Mieming seit vielen Jahren ins Haus. Mehrfach auch für seine Mitarbeiterführung ausgezeichnet, sieht sich das Unternehmen nicht als klassischen Tourismusbetrieb, stellt Katharina Pirktl gleich zu Beginn des Gespräches fest: „Die Weichen haben meine Schwiegereltern gestellt. Als Ganzjahresbetrieb können wir auch Mitarbeiter aufbauen und anders einsetzen. Das setzt eine gewisse Auslastung voraus sowie die Bereitschaft, durch weniger starke Zeiten hindurchzutauchen.“ Mit 260 Mitarbeitern, davon 70 Prozent Frauen, gilt das Alpenresort Schwarz in der Region als zukunftsweisender Betrieb. So werden in der Schwarzakademie seit zehn Jahren vor allem Führungskräfte begleitet, und auch Mitarbeitern, die sich


© PIRKTL HOLIDAY GMBH & CO KG (2)

© STUBAIER GLETSCHER/ANDRE SCHÖNHERR

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SAISON

ARBEITEN IM TOURISMUS

„Es wird immer schwieriger, gute Mitarbeiter zu finden, und auch von den Lehrlingen, die wir ausbilden, gehen die meisten dann auf Wanderjahre – ich schätze jedoch den Wissensdurst der Jungen sehr.“ ANDREAS KLEINLERCHER, SEILBAHNDIREKTOR STUBAIER GLETSCHERBAHNEN

vorstellen können, in Führungsrollen zu schlüpfen, wird das passende Werkzeug dafür in die Hand gegeben. „Je gefestigter und kompetenter die Führung, desto zufriedener sind auch die Mitarbeiter“, weiß Katharina Pirktl. „Wir kommen alle aus der Praxis und können von den verschiedenen Trainern, die wir in die Akademie holen, viel lernen.“

Saubere Strukturen.

Klare Aufgabenverteilungen und festgelegte Rollen erleichtern das Zusammenarbeiten zwischen allen Ebenen und ermöglichen dem Einzelnen, mit ganzer Energie an einem Thema zu bleiben – ein Ergebnis aus dem EFQM-Modell, das vor vier Jahren zur Qualitätssicherung eingeführt wurde. „Wir haben viel über unsere Werte, Visionen und Missionen reflektiert und wollten ein Modell, das sich ganz allgemein an Unternehmen richtet“, berichtet Katharina Pirktl. Als ein Ergebnis dieses Prozesses sind einzelne Projektgruppen entstanden, in denen Mitarbeiter in die Vision des Unternehmens miteinbezogen werden, wie zum Beispiel eine Gruppe von Frauen, die sich sehr für Umweltthemen interessiert und sozial engagiert ist. Als Gruppe besuchen

sie mit Kaffee und Kuchen die Bewohner des Altenheimes. „So werden Mitarbeiter zu Botschaftern eines Unternehmens in der Region und sind stolz, für dieses zu sprechen“, sagt Pirktl. Die neuen Zeiten verlangen nach neuen Modellen, das hat die Familie Pirktl schon früh erkannt. Mit unterschiedlichen Stundenmodellen werden die Mitarbeiter in allen Lebenslagen abgeholt. „Es zeigt sich immer mehr, dass unsere Mitarbeiter daheim Kinder, Partner oder auch Eltern zu pflegen haben. All diese Anforderungen müssen sich heute gut mit der Arbeitswelt vereinbaren lassen.“ Nicht Entweder-oder sondern Sowohl-als-auch, das zeigt sich in den Werten, die gegenüber den Mitarbeitern vertreten werden. Sichtbar wird das auch im neu errichteten Teamhaus, das mit vielfältigen WohnFormen und einem Fitnesscenter auch auf die Bedürfnisse der Jungen eingeht.

Zeit des Ankommens. In der Mitarbeitersuche lässt sich Familie Pirktl Zeit und gewährt den Neuen „vier Wochen des Ankommens“. Der Montag ist ein Schulungstag, begleitet werden die Mitarbeiter auf Probe von einem Qualitätstrainer. „In dieser Zeit bekommt man schnell ein

Gefühl füreinander. Wir haben in diesen Jahren gelernt, verstärkt nach innen zu schauen, so ist es uns ein großes Anliegen, die Mitarbeiter möglichst schnell ins Boot zu holen, sodass sie sich auch als Teammitglied fühlen“, sagt Katharina Pirktl. Partnerschaftlicher Führungsstil setze voraus, immer im Austausch miteinander zu sein, das beginnt bei den Führungskräften, die einmal im Jahr für zwei Tage in Klausur gehen, und endet bei den einzelnen Mitarbeitern, die in Coachings in der Akademie in ihrer Entwicklung begleitet werden. „In manchen Themen sind wir so gereift, dass wir ein Großunternehmen sein können – aktuell schauen wir uns die Möglichkeiten des E-Learnings genauer an“, richtet Katharina Pirktl den Blick auch weiter in die Zukunft. Die Ergebnisse der letzten Mitarbeiterbefragung, die einmal jährlich durchgeführt wird, haben gezeigt, dass die Mitarbeiter den Computer noch nicht intensiv nutzen. Wie weit das E-Learning bei den Praktikern also greifen kann, wird noch zu hinterfragen sein, stellt Katharina Pirktl fest. Nicht alles, was sich in der Branche entwickelt, macht auch überall Sinn. ×

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24 RUBRIK SAISON

Zu viele Häuptlinge, zu wenige Indianer Heimische Hoteliers suchen händeringend nach Arbeitskräften. Die zunehmende „Akademisierung“ touristischer Ausbildungen nützt da wenig – im Gegenteil. Zwei Branchenkenner geben Einblicke. VON MA X SCHNABL

M © DANIEL ZANGERL

angelnde Interessenten, falsche Jobvorstellungen, hohe DropoutQuoten: Im Tourismus motivierte und vor allem geeignete Arbeitskräfte zu finden, war schon einmal einfacher. Erschwerend kommt hinzu, dass ein großer Teil der Absolventen nach der Ausbildung in einer anderen Branche zu arbeiten beginnt. In der Struktur und Qualität des Tiroler Ausbildungssystems, das aus Lehrstellen, Tourismusschulen mit und ohne Matura sowie höheren Instituten

Bedarf an Arbeitskräften die wenigsten Interessenten – und umgekehrt. Diese Diskrepanz zwischen den Ausbildungen, die junge Menschen wählen, und jenen, die der Arbeitsmarkt fordert, zeigt sich über alle Niveaus. „Auf der einen Seite fehlen Mitarbeiter in der Küche, im Service oder in der Zimmerreinigung, auf der anderen Seite steigt die Zahl an Absolventen akademischer Tourismus-Studien, die nur schwer einen Arbeitsplatz finden, der ihren Erwartungen entspricht“, präzisiert Gspan. Aktuell gebe es schlicht „zu vie-

„Mir als Arbeitgeber wären in vielen Bereichen Mitarbeiter lieber, die zum Beispiel eine dreijährige Hotelfachschule besucht haben, Praxiserfahrung mitbringen und dann bereits im Berufsleben weitere Fortbildungsmöglichkeiten nutzen.“ MAG. HARALD ULTSCH, HOTELIER

wie dem Tourismuskolleg, der Universität und den Fachhochschulen in Innsbruck und Kufstein besteht, liege die schwierige Lage jedenfalls nicht begründet, sind sich zwei einig, die es wissen müssen: Simon Gspan von der Edinger Tourismusberatung und Hotelier Harald Ultsch. „Die Ausbildungsstätten sind sehr gut“, ist Gspan überzeugt, es gebe aber gerade in jenen Bereichen mit dem größten

le Häuptlinge und zu wenige Indianer“. Ultsch, der neben zwei bekannten Hotels in Innsbruck eine Kette mit mehreren Design-Hotels im In- und Ausland leitet, sieht das ähnlich: „Der Trend geht in Richtung höhere Ausbildung – mindestens mit Matura. Mir als Arbeitgeber wären aber in vielen Bereichen Mitarbeiter lieber, die zum Beispiel eine dreijährige Hotelfachschule besucht haben, Praxiserfahrung

mitbringen und dann bereits im Berufsleben weitere Fortbildungsmöglichkeiten nutzen. Jemand mit Matura wird nicht unbedingt als Kellner arbeiten wollen, sondern sich zu Höherem berufen fühlen“, sagt Ultsch.

Eine Frage der Auswahl? An den Tiroler Tourismusschulen nehmen die Schülerzahlen tendenziell ab. Als Hauptgrund dafür sieht Gspan das „schlechte Image touristischer Berufe“. Er ist überzeugt, dass sich die sinkenden Schülerzahlen auch negativ auf die DropoutQuote auswirken – sowohl während als auch nach der Ausbildung. „Bei geringerem Zulauf sitzen im Endeffekt natürlich auch mehr Schülerinnen und Schüler in den Klassen, die für eine Tätigkeit im Tourismus von Vornherein nicht geeignet sind.“ Noch drastischer formuliert es Harald Ultsch: „Bevor einfach jeder aufgenommen wird, wäre es sinnvoller, Schulapparate zurückzufahren und lieber weniger, dafür aber geeignete und motivierte Jugendliche aufzunehmen. Mir ist allerdings klar, dass das gesellschaftlich


ARBEITEN IM TOURISMUS

© EDINGER TOURISMUSBERATUNG

© SHUTTERSTOCK

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SAISON

Ein abgeschlossenes Studium macht noch keine Führungskraft: Bei der Personalsuche legen Hotelbetreiber mehr Wert auf praktische Erfahrung als auf ein abgeschlossenes Studium.

„Die heimische, relativ kleinstrukturierte Hotellandschaft braucht Führungskräfte, die auch operativ tätig sind und über praktische Kenntnisse im täglichen Betrieb verfügen.“ DR. SIMON GSPAN, SENIOR CONSULTANT BEI DER EDINGER TOURISMUSBERATUNG

nicht besonders opportun ist.“ Strenge Auswahlverfahren können sich dagegen nach wie vor Tirols Fachhochschulen leisten, die Jahr für Jahr einen großen Andrang an Studienbewerbern verzeichnen. Hier scheint das vielzitierte „ImageProblem“ des Tourismus keine Rolle zu spielen. Im Gegenteil: „Viele erwarten sich von einem FH-Studium, dass sie anschließend sofort einen Job als Hotelmanager erhalten“, erklärt Gspan, zu dessen beruflichen Aufgaben unter anderem zählt, Hotelbetreibern passendes Personal zu vermitteln. Beim Lesen der eingehenden Lebensläufe bewundere er nicht selten das „Selbstbewusstsein“ der Bewerber. „Dass sich Menschen ohne praktische Erfahrung im Tourismus für einen Führungsjob in der Hotellerie bewerben, kommt häufig vor“, so Gspan – ein akademischer Abschluss allein mache aber noch keinen Hoteldirektor. „Die heimische, relativ kleinstrukturierte Hotellandschaft braucht Führungskräfte, die auch operativ tätig sind und über praktische Kenntnisse im täglichen Betrieb verfügen.“

Dass ein Studienabschluss nicht automatisch eine Führungsposition garantiert, gibt auch Ultsch zu bedenken. Wer etwa nach dem Abschluss des Tourismuskollegs als Rezeptionist zu arbeiten beginne, habe nach einigen Jahren größere Chancen, die Rezeptionsleitung zu übernehmen, als jemand, der stattdessen „der Versuchung erliegt, dem Diplom einen Bachelorabschluss im Fernstudium anzuschließen“. Überhaupt seien Absolventen, die mit 22 Jahren ein Restaurant oder Hotel führen könnten, seltene Ausnahmen, so Ultsch. Dem derzeitigen Mangel an Fachkräften will er künftig mit einer eigenen Akademie begegnen – als „unternehmensinterne Form der Selbsthilfe“, wie er schmunzelt. Mitarbeiter sollen dabei auch die Chance bekommen, zwischen Ultschs Betrieben zu wechseln und so die Arbeit in verschiedenen Hotels kennenzulernen.

Spezielle „Botschafter“.

Für Simon Gspan sind solche innerbetrieblichen Initiativen ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Er plädiert außerdem für mehr Vorabinformation und Transpa-

renz gegenüber all jenen, die erwägen, eine touristische Fachausbildung einzuschlagen. „Im Tourismus zu arbeiten, kann wunderschön sein – man sollte Schulanwärtern und Jobbewerbern aber neben den Vorteilen auch offen darlegen, worin die Herausforderungen dieser Branche liegen, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden.“ Diese kämen schnell auf, wenn junge Hotelfachschüler zum Beispiel ihr erstes Praktikum absolvieren. „Da bräuchte es mitunter mehr Fingerspitzengefühl in den Betrieben.“ Und auch in den Unterstufen und Neuen Mittelschulen müsse der Hebel angesetzt werden. Gspans Idee: Spezielle „Botschafter“, welche den Jugendlichen Schnupperpraktika vermitteln und sie während dieser ersten Arbeitserfahrungen betreuen. Mehr Transparenz fordert Gspan auch bei den Gehältern: „Die Bezahlung ist in einigen Bereichen besser als ihr Ruf. Leistungen wie Verpflegung, Unterbringung, Bekleidung und Trinkgeld werden bei Branchenvergleichen nicht immer korrekt berücksichtigt.“ ×


SAISON

ARBEITEN IM

26 TOURISMUS

Der Mensch im Mittelpunkt Ende vergangenen Jahres hat Hans-Peter Metzler als neuer Präsident das Ruder in der Wirtschaftskammer Vorarlberg übernommen. Selbst aus der Hotellerie kommend, misst er dem Tourismus große Bedeutung zu und will nicht zuletzt in der Ausbildung neue Standards etablieren.

© WIRTSCHAFTSKAMMER VORARLBERG

DA S INTERVIEW FÜHRTE DANIEL FEICHTNER .

„Ein neues, einzigartiges Bildungssystem und wertschätzende Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung sind die Kernaufgaben.“ HANS-PETER METZLER, PRÄSIDENT WK VORARLBERG

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AISON: Herr Metzler, bevor Sie die Präsidentschaft der Wirtschaftskammer Vorarlberg angetreten haben, waren Sie dort Obmann der Sparte Tourismus. Wird das Thema Tourismus auch in Ihrer neuen Tätigkeit eine zentrale Rolle spielen? HANS-PETER METZLER: Natürlich, da ich ja die neue Tourismusstrategie 2020 als ein gesamtwirtschaftliches Projekt für Vorarlberg verstehe. Der Tourismus leistet einen wichtigen Beitrag zu einer ausgewogenen regionalen Entwicklung. Daran hat das ganze Land Interesse. Einerseits sollen die positiven Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesem Projekt in anderen Branchen Eingang finden. Andererseits haben die Tourismusbetriebe besonders unter der Bürokratie zu leiden. Die Deregulierung und Entlastung der Betriebe stehen für mich an vorderster Stelle. Welche Bezugspunkte haben Sie außerhalb der Wirtschaftskammer zum Thema Tourismus? Der Tourismus ist mein Leben. Seit meiner Jugend bin ich in die Branche involviert und über die Jahre tief hineingewachsen. Als junger Hotelier habe ich die Entwicklung von einem kleinen zu einem mittleren Betrieb mitgemacht und kenne die Herausforderungen, die auf den Betrieben lasten, daher ganz genau. Worin sehen Sie die Herausforderungen, denen der Vorarlberger Tourismus begegnen muss? Die inter-

nationale Ausrichtung und der Vertrieb der Produkte sind wegen unserer kleinteiligen Struktur eine besondere Aufgabe. Hier bieten sich aufgrund der rasanten Entwicklungen im Tourismus neue Chancen durch die Digitalisierung, wenn es um das Zugänglichmachen der Vorarlberger Produkte in neue Märkte geht. Vorarlberg ist drauf und dran, wieder zu einer Ganzjahresdestination zu werden. Darauf wird sich die Branche künftig noch stärker konzentrieren. Um die Erwartungen der Gäste auch in Zukunft perfekt erfüllen zu können, braucht die Branche als Visitenkarte hochmotivierte und bestens ausgebildete Mitarbeiter. Sie waren nicht zuletzt maßgeblich an der Entwicklung der Vorarlberger Tourismusstrategie 2020 beteiligt. Was ist darin vorgesehen? Wir verstehen die Strategie als eine rein Vorarlberger und damit nicht kopierbare Agenda, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche langfristig abzusichern. Rückläufige Lehrlingszahlen sowie ein sinkendes Interesse für die Fachschulen haben uns dazu bewogen. Der Mensch steht dabei im Mittelpunkt. Dazu wurde ein Kompetenzcenter für Ausbildung und Mitarbeiterentwicklung im Tourismus eingerichtet. Ein neues, einzigartiges Bildungssystem und wertschätzende Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung sind die Kernaufgaben. Und in Sachen Gastfreundschaft haben wir ein klares Ziel: Vorarlberg soll zum Klassenprimus aufsteigen. Wer in


27 Vorarlberg zu Gast ist, soll das Land als Maßstab für Qualität, authentische Gastlichkeit, Regionalität und nachhaltigen Tourismus erleben. Stichwort Ausbildung: Bereits 2016 ist eine Reform des Tourismusschulsystems in Vorarlberg angelaufen. Was hat sich dort geändert und was soll sich noch ändern? Während das öffentliche Schulsystem für Tourismusberufe das Hauptaugenmerk auf die fachliche Ausbildung setzt, werden in der GASCHT (Gastgeberschule für Tourismusberufe, Anm.) nicht allein fachliche Kompetenzen vermittelt, sondern außerdem besondere Persönlichkeiten entwickelt. Interaktiver Unterricht nach modernsten pädagogischen Ansätzen, erlebnisorientiertes Lernen, Begleitung durch Bildungscoaches, Ausbildung nach Stärken und Talenten, modularer Unterricht, höchste Qualität der Lehrer und Ausbildungsbetriebe – so sehen die Eckpfeiler der neuen Schule mit den Standorten Bludenz, Bezau und Hohenems aus. Das Interesse ist sehr groß. Wir freuen uns sehr, dass im Herbst 2017 die ersten Klassen mit über 90 Jugendlichen starten werden. Statt der Lehre ist das Schlagwort dabei „duale Ausbildung“. Wo liegt der Unterschied? Das neue Ausbildungsmodell beginnt gleich mit einer speziellen Besonderheit im Vergleich zur herkömmlichen Schulund Lehrausbildung. Am Beginn steht das sogenannte

Orientierungsjahr. Ab dem zweiten Jahr gibt es dann die Wahlmöglichkeit zwischen einem praxisorientierten Pfad, bestehend aus 70 Prozent Praxis in den Betrieben und 30 Prozent Theorie beziehungsweise Schule, und einem theorieorientierten Pfad (50 Prozent Praxis, 50 Prozent Schule) – jeweils aufbauend auf Modulen. Und was sind Ihre weiteren Pläne, um den Vorarlberger Tourismus auch in Ihrer neuen Position zu unterstützen? Nun, die Zeit ist reif für den Abbau von Vorschriften und Belastungen. Es braucht mehr als nur Einmaleffekte. Der massive Einsatz der Wirtschaftskammer für eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten, die auch speziell für den Tourismus enorm wichtig ist, ist gefordert. Zudem zielen unsere Schwerpunktsetzungen in der Wirtschaftskammer mit Themen wie Bildung, Digitalisierung oder neuen Standortpartnerschaften gerade auch auf den Tourismus ab. Vielen Dank für das Gespräch.

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ZUR PERSON Seit November 2016 ist Hans-Peter Metzler Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg. 2010–2016 war er Obmann der Sparte Tourismus in der WK Vorarlberg. Seit 1985 ist er Hotelier und Geschäftsführer des Romantikhotels „Das Schiff “ in Hittisau.

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MAGAZIN

Mit der Gästekarte mobil © ÖBB/PIRCHNER

Zwischen Kirchbichl und Hochfilzen können Urlauber erstmalig in Österreich ihre Gästekarte als S-Bahn-Netzkarte für die gesamte Region nutzen.

PROFILE NACHFOLGERIN FÜR DIE SILBERREGION Andrea Weber ist die neue Geschäftsführerin des TVB Silberregion Karwendel. Sie war zuvor als Geschäftsführerin im TVB TirolWest tätig.

NEUE GESCHÄFTSFÜHRERIN FÜR TVB TIROLWEST Simone Zangerl folgte mit 1. Juni 2017 Andrea Weber als Geschäftsführerin des TVB TirolWest nach. Zangerl war seit November 2016 Marketingleiterin im TVB.

Nicole Saxer (VVT), Gernot Riedel (Kitzbüheler Alpen – St. Johann), Max Salcher (Kitzbüheler Alpen – Brixental), Armin Kuen (Kitzbüheler Alpen – PillerseeTal), Stefan Astner (Kitzbüheler Alpen – Hohe Salve), Florian Phleps (Tirol Werbung) und Klaus Garstenauer (ÖBB, v. re.) bei der Präsentation des Projekts

wurde die Zusammenarbeit im letzten Jahr, wo die Gästekarte bereits als Netzkarte zwischen Hopfgarten, Wörgl und Kirchbichl galt. Hintergrund der Initiative sind auch die Bemühungen seitens Land Tirol und Tirol Werbung, den Anteil jener Gäste, die mit der Bahn an ihren Urlaubsort reisen, in Zukunft deutlich zu steigern. ×

Premiere bei Urlaub am Bauernhof Für Ausstattung, Ambiente und Qualität werden Urlaubam-Bauernhof-Betriebe mit Blumen – vergleichbar mit den Sternen für Hotels – ausgezeichnet. Der Hof der Familie Wachter in Fiss hat nun als erster Betrieb in Österreich fünf Blumen erhalten.

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© OBERHOLLENZER KOMMUNIKATION

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ank einer Kooperation von ÖBB, Verkehrsverbund Tirol (VVT) und den Tourismusverbänden stehen Urlaubern ab sofort mit ihrer Gästekarte täglich 4.000 Schienenkilometer, 60 S-Bahnen oder REX-Züge und 66 Kilometer Streckenlänge zwischen Kirchbichl, Wörgl und Hochfilzen zur Verfügung. Gestartet

is zu vier Blumen konnten die Höfe bisher für außergewöhnliche Ausstattung, Ambiente und Qualität erhalten. Zum ersten Mal in Österreich wurden nun fünf Blumen an einen Betrieb vergeben – an den Bauernhof der Familie Wachter (Apart Pension Wachter) in Fiss. Zu den strengen Kriterien, die für die Vergabe der Blumen erfüllt werden müssen, gehören zum Beispiel eine hohe Produktvielfalt an eigenerzeugten Lebens-

VOM AUFSICHTSRATSCHEF ZUM OBMANN Thomas Schennach, bislang Aufsichtsratsvorsitzender, übernimmt bis 2019 die Obmannschaft des TVB Tiroler Zugspitz Arena. Sein Vorgänger Michael Fasser hat seine Funktion frühzeitig niedergelegt, 2019 wird regulär ein neuer Obmann gewählt.

HOTELIER DES JAHRES Christian Harisch, CEO und Miteigentümer der Lanserhof Gruppe, wurde mit dem Special Award des Branchenpreises HOTELIER DES JAHRES der AHGZ Allgemeine Hotel- und GastronomieZeitung ausgezeichnet.

Urkundenüberreichung vor dem typischen Oberinntaler Durchfahrtshof: v. l. Ing. Josef Hechenberger (Präs. Landwirtschaftskammer Tirol), Josef Margreiter (GF Tirol Werbung), ÖkR Johann Hörtnagl (Obmann UaB Tirol), Ulli und Thomas Wachter

mitteln, und auch das bäuerliche Zusammenleben mit den Tieren ist ein Punkt der Bewertung. „Solche ausgezeichneten Betriebe sind eine Stütze für den Tourismus in Tirol. Gerade in Zeiten, in denen die Landlust wieder verstärkt im Fokus der Urlauber ist, zahlen sich Investitionen in die Infrastruktur der Höfe und derart authentische Erlebnisprogramme aus“, betonte Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung bei der Verleihung. ×


© WERBEGAMS.AT

Die Teilnehmer des Karwendelmarschs starten in Scharnitz, das Ziel ist in Pertisau bzw. in der Eng für die kürzere Distanz.

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KULTURTIPPS

© INNSBRUCKER PROMENADENKONZERTE

VON ES THER PIRCHNER

Im Gleichschritt mit der Natur IN DEN HÖCHSTEN TÖNEN

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Symphonische Bläsermusik erfüllt wie jedes Jahr im Juli die Hofburg Innsbruck. Bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten spielen das TSOI, das Musikkorps der Bundeswehr, das Orchestre d’Harmonie Electricité de Strasbourg u. v. a. 3. bis 30. 7. 2017, Innenhof der Hofburg, Innsbruck

ereits im Frühjahr waren die 2.500 Startplätze für den Karwendelmarsch 2017 restlos vergeben. Bei der sportlichen Veranstaltung, die Wanderer und Läufer aus vielen Nationen anzieht, steht auch der Gedanke des Naturschutzes und der Bewusstseinsbildung für die Natur im Vordergrund. Die Strecke mit insgesamt 52 Kilometern, die von Scharnitz bis zum Achensee führt, verläuft

ausschließlich auf bestehenden Wegen. Die Teilnehmer erhalten zudem Infomaterial, und entlang der Strecke ist am Kleinen Ahornboden ein Infopoint, ausgerüstet mit Ferngläsern und Präparaten, aufgestellt. Auf diesem Weg will man den Sportlern die Bergwelt und die tierischen Bewohner des Karwendels näherbringen. Alle Infos zum Marsch gibt es unter www.karwendelmarsch.info. ×

15 Jahre Hexenwasser Söll Das Hexenwasser Söll bewies sich von Beginn an als Besuchermagnet. Mittlerweile zählt man rund 200.000 pro Saison. Außerdem wird heuer das 15-jährige Bestehen gefeiert.

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© OEAV ALPENVEREIN-MUSEUM

Am 26. August geht der Karwendelmarsch in die neunte Runde. Rund 2.500 Teilnehmer werden wieder antreten.

HOCH HINAUS GELANGEN Als kleinen Ableger einer von den Alpenvereinen initiierten großen Ausstellung zeigt der erbe kulturraum sölden ab 4. Juli die Schau „Hoch hinaus! Wege und Hütten im Hinteren Ötztal“. Gezeigt wird auch ein wertvolles Ötztal-Relief von 1878. ab 4. 7. 2017, Mo–Fr, erbe kulturraum sölden

Gampe Thaya holt sich Sieg 108 Projekte wurden heuer zum Euregio-Wettbewerb „Tourismus triff t Landwirtschaft“ eingereicht. Für Tirol konnte sich die Almwirtschaft Gampe Thaya der Familie Prantl in Sölden durchsetzen.

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ereits zum vierten Mal wurden die besten Projekte der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino, die Tourismus und Landwirtschaft miteinander verbinden, prämiert. Nach der Bewertung durch eine Jury haben es jeweils fünf Projekte pro Land in die engere Wahl geschaff t, darunter auch das Ötztaler Schafwollzentrum Regensburger, der

© KHM SCHLOSS AMBRAS

eit der Eröffnung des Hexenwasser Söll haben die Bergbahnen Söll als Betreiber den Naturerlebnis-Park stetig ausgebaut und weiterentwickelt. Mittlerweile sind es 60 Stationen, die sich thematisch hauptsächlich dem Element Wasser widmen, und die Natur, vor allem für kleine Besucher, erlebbar machen. Für das Konzept wurden die Bergbahnen Söll bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Zuletzt 2016 mit dem Österreichischen Innovationspreis Tourismus, den sie für die neueste Attraktion des Hexenwassers erhielten: Im Zentrum des „Blauen Wunders“ steht wieder das Lebenselixier Wasser. ×

EIN HOHER LANDESHERR Vor 450 Jahren wurde Ferdinand II. Tiroler Landesfürst. Schloss Ambras zeigt den Habsburger in der Ausstellung „Ferdinand II.” als bedeutenden Herrscher, aber auch als Vertreter der Renaissance und Mann mit Kunstsinn. bis 8. 10. 2017, Schloss Ambras, Innsbruck

WEITERE VERANSTALTUNGEN Tiroler Schafzuchtverband, die 23 Wirte aus der Region Kitzbüheler Alpen, die sich zur „KochArt“ zusammengeschlossen haben, und der Zusammenschluss Stubaier Bauern. Für Südtirol holte die Südtiroler Bäuerinnenorganisation den Sieg und für das Trentino die Hotelfachschule Tesero. Durchgeführt wird der Wettbewerb alle zwei Jahre. ×

Baiba Dekena, Gastgartenkonzert 7. 7. 2017, 18 h, Kulturlabor Stromboli, Hall, www.stromboli.at Open-Air-Kino Lunaplexx: Ein Dorf sieht schwarz u. a. 27. 7. – 6. 8. 2017, 19.30 h, Alte Gerberei, St. Johann in Tirol, www.muku.at Sommertheater Kitzbühel: Als ob es regnen würde 28. 7. – 18. 8. 2017, 20 h, K3 Kitzkongress, Kitzbühel, www.sommertheater-kitzbuehel.at Ausstellung: Thomas Feuerstein bis 26. 8. 2017, Galerie Thoman, Innsbruck, www.galeriethoman.com


30 MAGAZIN SAISON

Tirol Touristica Award 2017 Neu, spannend und kreativ: Die vergangenen zwei Jahre hatten so manche beeindruckende Innovation auf Lager. Und weil besondere Leistungen auch besondere Wertschätzung verdienen, gibt es den Tirol Touristica – den Award für hervorragende Projekte im Tiroler Tourismus.

Schätze der Heimat

© MICHAEL-HUBER (3)

V O N K AT H R I N F E N K I W

GEWINNER: KOCHART Kategorie: Angebotsentwicklung

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as haben Kartoffeln, Bärlauch und Pastinaken gemeinsam? Sie alle wachsen und gedeihen in Tirol und sind deshalb durch und durch regionale Produkte. Und ihr Konsum ist nicht nur gesund, sondern schont auch die Umwelt – lange Transportwege fallen schließlich weg. Die steigende Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln ist im Einzelhandel schon lange spürbar, in der Gastronomie hingegen ist dieser Trend bis dato noch nicht sehr weit fortgeschritten. Aber genau das will KochArt ändern. Entstanden ist die Initiative, als sich 23 Wirte aus der Region Kitzbüheler Alpen zusammengeschlossen haben, um sich gemeinsam für Nachhaltigkeit und Regionalität in der Gastronomie stark zu machen. Unter dem Motto „Das Gute liegt so nah“ arbeiten sie mit dem Verein ARCHE Austria und heimischen Bauern zusammen, um Produkten der Region mit modernen Zubereitungsarten wieder neues Leben einzuhauchen. Aber nicht nur auf Regionalität, sondern auch auf eine nachhaltige Zubereitung und die Verarbeitung von „Nicht-Edelteilen“ legen sie viel Wert. Ihr Ziel ist es, das Bewusstsein für die Vorteile regionaler Küche zu fördern und zu zeigen, dass sich auch aus scheinbar nicht perfekten Lebensmitteln wahre Köstlichkeiten zubereiten lassen.

Tiroler Wirte machen sich gemeinsam für Regionalität und Nachhaltigkeit in der heimischen Gastronomie stark.

Gleichzeitig veranschaulicht KochArt auf einzigartige Weise, wie gut die Branchen Gastronomie, Tourismus und Landwirtschaft zusammenarbeiten können, und

wurde deshalb mit dem Tirol Touristica in der Kategorie Angebotsentwicklung belohnt. www.kochart.tirol ×


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Dank eines detaillierten Kommunikationskonzeptes stand während der Biathlon-WM nicht nur der Sport, sondern auch der Tourismus im Fokus.

© WMP

Chance erkannt

SONNENTAL, KITZBÜHEL In bester Lage entsteht eine exklusive und moderne Kleinwohnanlage mit nur 5 Wohneinheiten. Genießen Sie einen atemberaubenden Ausblick auf den Hahnenkamm.

GEWINNER: TOURISMUSKOMMUNIKATION ZUR BIATHLON-WM HOCHFILZEN Kategorie: Marketing & Vertrieb

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enauso perfekt umgesetzt wurde auch das zweite Siegerprojekt. Die Auszeichnung in der Kategorie Marketing & Vertrieb ging an die Tourismuskommunikation anlässlich der IBU Biathlon Weltmeisterschaft, die von 8. bis 19. Februar 2017 in Hochfilzen stattgefunden hat. Dieses Spitzensportevent brachte enormes Medieninteresse ins Pillerseetal, gleichzeitig aber auch eine große Herausforderung: Die Schwierigkeit lag darin, neben dem sportlichen Aspekt auch touristische Themen und die Region Pillerseetal in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken. Um dieser Aufgabe gerecht werden zu können, hat der TVB Kitzbüheler Alpen – PillerseeTal gemeinsam mit zwei Agenturen aus der Region (SMPR, WMP) bereits zwei Jahre vor der Veranstaltung damit begonnen, eine Kommunikationsstrategie zu konzipieren und umzusetzen. Unterstützt wurde die gesamte Kommunikation von der Profi-Biathletin Lisa Hauser aus Kitzbühel sowie dem Biathlon-Weltmeister und Olympiamedaillengewinner Dominik Landertinger aus Hochfilzen. Mit persönlichen Geschichten und Erfahrungen in der Region sorgten die beiden bereits vor der Weltmeisterschaft für eine emotionale und positive Wahrnehmung des Pillerseetals. ×

SMART LIVING, KITZBÜHEL Alpenländische Bauweise in sonniger Lage mit besonderem Panoramablick. Hier wird hochwertiger und dennoch erschwinglicher Wohnraum für ein behagliches und aussichtsreiches Wohngefühl geschaffen. • 3-Zimmer Penthousewohnungen • Shlüsselfertige Ausstattung • Fertigstellung Juli 2017 • Ideale Infrastruktur

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GEWINNER: GAIA STUBAI

© TVB STUBAI TIROL, MARTIN VANDORY (2)

Kategorie: Events & Großveranstaltungen

Schnee-Show

Das Epos um die Erdmutter GAIA wurde in Neustift mittels eines dreiteiligen Bühnenbildes unter freiem Himmel spektakulär inszeniert.

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uch in der Kategorie Events & Großveranstaltungen spielte bei dem diesjährigen Siegerprojekt Sport eine zentrale Rolle. Die Skifahrer, die am 17. und 24. Februar in Neustift über die Piste wedelten, hatten aber keine neue Bestzeit zum Ziel. Denn bei der Multimedia Ski- und Tanzperformance „GAIA Stubai – Mutter Erde“ ging es vielmehr um eine perfekte Choreographie. Im Zuge dieses Events wurde der Schneehang für einen Abend in eine außergewöhnliche Outdoor-Bühne verwandelt. Neben der Piste zählten aber

auch eine zweistöckige Konstruktion aus Metall und eine Schneebühne zur GAIA-Kulisse. Ausgehend von einer Initiative des TVB Stubai kamen die Idee und Inszenierung von Enrique Gasa Valga, dem bekannten Tänzer, Choreographen und Ballettdirektor des Tiroler Landestheaters. In Kombination mit modernen 3D-Projektionen, Licht animationen und Musik schaff te GAIA eine mutige und außergewöhnliche Verbindung von Sport, Kultur und Natur – und wurde deshalb mit dem Tirol Touristica ausgezeichnet. www.stubai.at/gaia ×


© AICHNER

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Auf höchstem Niveau die Location vereint eine Konzerthalle, ein Künstleratelier, ein Musikstudio, eine Ausstellungshalle von 700 Quadratmetern und 17 luxuriöse Suiten unter einem Dach. Seit der Eröffnung im Oktober 2015 wird in diesen Räumlichkeiten das ganze Jahr über ein abwechslungsreiches Programm mit Ausstellungen, Vorträgen, Konzerten und vielem mehr geboten. Lage, Angebot und Design – arlberg1800 setzt alle diese drei Aspekte speziell und innovativ um und wurde deshalb in der Kategorie Infrastruktur & Bauten geehrt. www.arlberg1800resort.at ×

„Eine Gelegenheit, danke zu sagen“

© ARLBERG1800 RESORT/ELIAS HASSOS

LH Günther Platter über den Tirol Touristica.

GEWINNER: ARLBERG1800 Kategorie: Infrastruktur & Bauten

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AISON: Warum wird der Tirol Touristica verliehen? GÜNTHER PLATTER: Der Tirol Touristica belohnt den Mut jener, die zum Wohle des heimischen Tourismus Neues wagen. Gleichzeitig soll die Auszeichnung auch andere kreative Köpfe zu Innovationen motivieren. Welchen Stellenwert hat die Auszeichnung für Tirol? Erfolgreiche Innovationen sind eines der wichtigsten Mittel, um uns von Mitbewerbern abzuheben und unsere touristische Spitzenposition zu behaupten – der touristische Wettbewerb wird schließlich immer härter. Mit dem Tirol Touristica machen wir diese Leistungen und deren große Bedeutung sichtbar.

Die höchste Kunst- und Kulturhalle der Alpen präsentiert seit 2015 ein abwechslungsreiches Programm aus Ausstellungen, Vorträgen, Konzerten und vielem mehr.

© ARLBERG1800 RESORT/PETRA RAINER

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icht nur in Sachen Outdoor-, sondern auch Indoor-Locations hat der Tiroler Tourismus einiges zu bieten. Eine Einrichtung, die in diesem Bereich besonders hervorsticht, ist die Kunst- und Kulturhalle arlberg1800. Eine Besonderheit dieses Kulturzentrums ist seine außergewöhnliche Lage: Es befindet sich inmitten der Tiroler Berglandschaft auf ganzen 1.800 Metern Höhe in St. Christoph am Arlberg – und ist damit die höchste Einrichtung seiner Art in den Alpen. Neben der Lage ist aber auch das räumliche Angebot bemerkenswert, denn

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Worin sehen Sie den Wert der Auszeichnung? Ohne unserer TouristikerInnen wäre Tirol nicht, was es heute ist. Die Auszeichnung ist für mich eine Gelegenheit, um für die besonderen Leistungen unserer UnternehmerInnen danke zu sagen. Und zum anderen wollen wir mit dem Tirol Touristica zeigen, welch innovative Branche der Tourismus ist. Was definiert eine „Innovation im Tourismus“? Den Kern einer gelungenen Innovation bildet eine kreative Idee. Ebenso wichtig ist aber auch deren konsequente Umsetzung. Daher beurteilen wir für eine Auszeichnung mit dem Tirol Touristica neben der Idee bzw. Innovationskraft auch Aspekte wie Wirtschaftlichkeit, Markterfolg oder die Impulsfunktion. Vielen Dank für das Gespräch.

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Freizeitparadies

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berzeugt ein Projekt durch einen innovativen Charakter und passt dabei nicht nur in eine der Tirol Touristica Katgeorien, sondern gleich in zwei – dann steht einer Auszeichnung trotzdem nichts im Wege. Das beweist einer der diesjährigen Gewinner: der Erlebnispark Hög in Serfaus. Da er sowohl der Kategorie Infrastruktur & Bauten sowie der Kategorie Angebotsentwicklung zuzuordnen ist, kürte ihn die Jury als kategorienübergreifendes Projekt. Schließlich trägt das vielseitige Angebot dieses Freizeitareals einen wertvollen Teil zur Weiterentwicklung der Familienregion Serfaus-Fiss-Ladis bei und erhöht zudem die Attraktivität der Tiroler Bergwelt als Sommerdestination. Das Areal rund um den Högsee umfasst eine ganzjährig nutzbare Rodelbahn, eine eigens errichtete Gastronomie, viele Spielestationen wie zum Beispiel ein

© SEILBAHN KOMPERDELL GMBH

34 Spaß, Action und Entspannung: Der Erlebnispark Hög lässt keine Freizeitwünsche offen.

GEWINNER: ERLEBNISPARK HÖG SERFAUS Sonderpreis kategorieübergreifend: Infrastruktur & Bauten sowie Angebotsentwicklung

Wasserlabyrinth, Tretboote und Flöße, mehrere Badestege und Relax-Zonen am Ufer und eine Insel inmitten des Sees. Für eine spirituelle Auszeit wurden außerdem eine Familienlichter-Kapelle sowie ein Be-

sinnungsweg errichtet. Spaß, Action und Entspannung – die vielen Möglichkeiten ergeben ein stimmiges Angebot für Jung und Alt, das keine Freizeitwünsche offenlässt. ×

zeugung, dass Tourismus nur im Rahmen einer integrierten Standortentwicklung erfolgreich sein kann. Deshalb arbeiten der Tourismusverband Naturparkregion Reutte und die Regionalentwicklung Außerfern seit 2014 eng zusammen, um die Marke Reutte standortübergreifend neu zu definieren und zu positionieren. Das

Ergebnis nach drei Jahren ist eine neue Corporate Identity, die eine optimale Grundlage für die zukünftige Kommunikation nach außen schaff t. ×

Starke Marke

D © FOTO MUELLER

as letzte Projekt, das die Jury dieses Jahr überzeugen konnte, ist die Entwicklung der Standortmarke Reutte. Diese wurde mit einem Sonderpreis ausgezeichnet, weil es beim Tirol Touristica keine Kategorie „Marke“ gibt.Hinter diesem Projekt steht die Über-

Die Marke Reutte wurde neu positioniert und glänzt heute mit einer klaren Corporate Identity.

SONDERPREIS: STANDORTMARKE REUTTE

Seit 1996 ehrt der Tirol Touristica hervorragende Leistungen im Tiroler Tourismus. Alle zwei Jahre werden Projekte aus den Bereichen Angebotsentwicklung, Bauten & Infrastruktur, Marketing & Vertrieb sowie Events & Großveranstaltungen ausgezeichnet. Die Voraussetzung für eine Auszeichnung ist die Erfüllung der folgenden Kriterien: • Innovationskraft • Wirtschaftlichkeit • Markenstärkung • Ausstrahlung • Innenkommunikation Die Siegerprojekte werden von einer Fachjury aus 15 Tourismus-Experten gewählt und bekommen eine SetzlingSkulptur des Tiroler Künstlers Alois Schild verliehen. Die Preise werden von der Hypo Tirol Bank gestiftet. www.touristica.tirol


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750 JAHRE WEINERFAHRUNG Seit 1267 in Eppan /Südtirol und seit 73 Jahren in Nordtirol bestens etabliert. Als innovativer Partner von Hotellerie & Gastronomie sowie Fach- und Einzelhandel ist die Weinkellerei P. Meraner mit ihrem Team in Tirol, in Teilen Südtirols, in der Schweiz und in Deutschland bestens vertreten. Der Name Meraner steht für ein gut sortiertes, qualitativ hochwertiges Angebot im Bereich Wein, Champagner, erlesenen Spirituosen und gesunden Natursäften sowie Seriosität und ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis.

w w w . m e r a n e r. a t Foto: Shutterstock


36 MAGAZIN © ZILLERTALER TOURISMUSSCHULEN (3)

SAISON

Nicht nur in der Küche, sondern auch vor Ort setzten sich die Schüler mit dem Thema Regionalität auseinander.

Regionalität am Stundenplan Die Zillertaler Tourismusschulen wollen das Bewusstsein für regionale Produkte stärken. Im Rahmen eines Projekts haben die Schüler im vergangenen Schuljahr daher ausschließlich mit Erzeugnissen aus der Region gearbeitet. V O N R E B EC C A M Ü L L E R

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en Trend zu regionalen Produkten und Speisen ortet man auch in den Zillertaler Tourismusschulen. Um auch die Rahmenbedingungen zu optimieren, hat man es sich zum Ziel gesetzt, das Thema aktiv in den Unterricht einzubauen. Aus einer Einladung zu einem Wettbewerb zum Thema Regionalität, die die Schule von der Agrarmarketing Tirol (AMT) erhalten hat, ist das Projekt „Zillertaler-Genuss-Lokal“ entstanden. 150 Schülerinnen und Schüler aus fünf Klassen waren daran beteiligt. In einem ersten Schritt wurden Rezepte mit regionalen Produkten erarbeitet. In den dar-

auffolgenden Monaten stand nicht nur die Theorie, sondern vor allem die Praxis im Vordergrund, erzählt Bernhard Wildauer, Direktor der Zillertaler Tourismusschulen: „Die Schüler haben verschiedenste Betriebe besucht. Dass sie dabei sehen konnten, woher die Produkte, mit denen sie arbeiten, kommen, war ein entscheidender Aspekt des Projekts.“ Unter anderem haben die Schüler Landwirte, die Sennerei Zillertal in Mayrhofen, Zillertal Bier oder auch die Brennerei Stiegenhaushof besucht. Den Höhepunkt des Projekts bildete die Eröffnung eines Lokals – für einen Abend. Die geladenen Gäste, zu denen unter anderem Landeshauptmann-Stell-

vertreter Josef Geisler, AgrarmarketingChef Wendelin Juen, der Geschäftsführer der Tirol Werbung Josef Margreiter und Gastronomen sowie Produzenten aus der Region zählten, konnten aus verschiedenen regionalen Spezialitäten wählen. Von Fleisch und Fisch über Milchprodukte bis hin zu den Getränken kamen dabei ausschließlich Erzeugnisse aus der Region auf den Tisch.

Nachhaltige Effekte. In den Monaten zuvor wurde viel an den endgültigen Rezepten für den Präsentationsabend getüftelt. Mit Koch- sowie Servierlehrern wurde Verschiedenstes ausprobiert und


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es wurde auch an der entsprechenden Getränkebegleitung gearbeitet. Aus den besten Rezepten, die in diesem Prozess entstanden sind, stellten die Schüler ein Rezeptheft für die Gäste zusammen. Nicht ganz ohne Hintergedanken, wie Direktor Wildauer erklärt: „Die Idee dahinter war auch, dass die anwesenden Gastronomen ein paar Rezepte vielleicht in ihre Speisekarte aufnehmen.“ Wildauer ist zuversichtlich, dass das auch passieren wird. Auch darüber hinaus will man in den Zillertaler Tourismusschulen nachhaltig mit dem Projekt „Zillertaler-GenussLokal“ umgehen. Wenn auch weniger intensiv, soll es weitergeführt und der Gebrauch von heimischen Rohstoffen in den Schulküchen weiter forciert werden. „Regionale Gerichte sind zum Beispiel auch immer Teil des Schulessens“, betont Wildauer. Er ist überzeugt, dass vor allem der praxisbezogene Ansatz einen positiven Effekt auf die Schülerinnen und Schüler hat. So hätten sie gelernt, dass neben der Stärkung ihrer Heimat im Zusammen-

Akku aufladen auf gut österreichisch.

„Dass die Schüler sehen konnten, woher die Produkte, mit denen sie arbeiten, kommen, war ein entscheidender Aspekt des Projekts.“ BERNHARD WILDAUER, DIREKTOR ZILLERTALER TOURISMUSSCHULEN

hang mit Regionalität auch Themen wie Umweltschutz, Verantwortung, Kultur, die Bewahrung und Pflege von Naturlandschaften oder ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen eine wichtige Rolle spielen. Außerdem sei Regionalität auch ein wichtiges Thema für den Tourismus: „Regionale Speisen und Produkte sind Alleinstellungsmerkmale jeder Region und werden auch von den Gästen geschätzt.“

Die Entscheidungsträger von morgen. Die Agrarmarketing Tirol (AMT) hat die Zillertaler Tourismusschulen im Rahmen des Wettbewerbs genialREGIONAL für ihr Genuss-Lokal ausgezeichnet. Vor einem Jahr wurde die Regionalitätsoffensive für öffentliche Küchen durch die AMT gestartet und heuer konnten bereits 68 Pflegeheime, sieben Krankenhäuser und zwölf Schulen ausgezeichnet werden. Neben den Zillertalern, die den zweiten Platz für sich verbuchen konnten, wurden auch die Tiroler Fachberufsschule für Wirtschaft und Technik Kufstein/ Rotholz und Tiroler Fachberufsschule für Tourismus Landeck prämiert. Die Auszeichnung von Schulprojekten hat für Wendelin Juen, Geschäftsführer der Agrarmarketing Tirol, einen besonderen Stellenwert: „Es ist wichtig, dass sich die Schüler, die in wenigen Jahren in Gastronomie sowie Verarbeitungsbetrieben Entscheidungsträger und Meinungsbilder sein werden, frühzeitig mit diesen wichtigen Themen auseinandersetzen.“ ×


38 MAGAZIN SAISON

„Winter ist keine Jahreszeit, sondern ein Produkt“ In seinem Buch „Destination Branding“ und im Interview mit der SAISON erzählt Christoph Engl, wie man es als Destination zur Marke schaff t, warum Strategie wichtiger ist als Taktik und was er von dem Hype rund um Social Media hält. D A S I N T E R V I E W F Ü H R T E R E B EC C A M Ü L L E R .

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AISON: Herr Engl, Sie sagen, nicht die Geografie sei entscheidend für eine Destination, sondern die Bedeutung, die man ihr zumisst. Wie kommt ein Ort zu einer Bedeutung? CHRISTOPH ENGL: Nehmen wir als Beispiel die Balearen. Die Inselgruppe kann geografisch eindeutig zugeordnet werden, diese Zuordnung bedeutet den Menschen aber in der Regel nichts. Sie fahren auch nicht auf die Balearen, sondern nach Mallorca oder Menorca, und zu diesen Inseln haben sie ein klares Bild im Kopf, das sie mit Emotionen und Sehnsüchten verbinden. Immer dann, wenn es einer Destination gelingt, sich in diesen Sehnsuchtsraum der Menschen hineinzuprojizieren, dann entsteht eine emotionale Bedeutung. Sobald diese vorhanden ist, geht es nicht mehr darum, wo man Urlaub macht, sondern warum man dort Urlaub macht. Vor allem seitdem die Reisekosten enorm gesunken sind, gilt: Das Warum ist das neue Wohin. Sie ziehen in Ihrem Buch an mehreren Stellen Parallelen zum Sport. Wie wichtig ist im Tourismus Ausdauer und wie wichtig ist es, ab und zu einen Sprint hinzulegen, um Gelegenheiten zu nutzen? Der Erfolg von Marken liegt sehr oft in durchgängigem, konsequentem

„Jeder sollte plötzlich Facebook bedienen, viele haben dafür aber nicht die Fähigkeiten.“ Handeln und strategischem Denken. Auch für Marken gilt, was im Krieg und in der Liebe gilt: Man kann seine Taktik kurzfristig ändern, um Gelegenheiten zu ergreifen, darf dabei aber nie die Strategie aus den Augen verlieren. Ich behaupte, dass ganz viel im Tourismus reine Taktik ist. Man ergreift eine Gelegenheit oder nutzt einen Anlass, ohne dass es in einem größeren Zusammenhang auch Sinn macht. Ja, man muss neue Impulse setzen. Es braucht aber auch ein hohes Maß

an Robustheit, und vor allem müssen die Impulse zur Destination und ihrer Positionierung passen und nicht im schlimmsten Fall Gäste irritieren oder gar abschrecken. Das hat auch mit Glaubwürdigkeit zu tun. Viele Menschen kaufen Marken, weil sie ihnen vertrauen. Können Sie ein Beispiel nennen? München, so wie es ist und mit dem Highlight Oktoberfest, funktioniert wunderbar als Marke – weltweit. Wenn dann aber die Politik daherkommt und plötzlich „mehr Kultur“ fordert, entstehen meist, ich nenne sie, Auch-Produkte. Gäste kommen aber nicht wegen dem, was München auch kann. Sie kommen wegen dem, was nur München kann. Dann kann aber auch nicht jeder Ort eine Destination bzw. Marke werden? Das große Missverständnis besteht schon einmal darin, zu glauben, dass eine Marke eine erkennbare Oberfläche ist – ein Logo. Menschen kaufen Spitzenleistungen, das Logo ist nur Ausdruck dieser Leistung. Was es braucht, ist also die Spitzenleistung. Die ist erst einmal unabhängig von Größe, aber abhängig von Bedeutung. Die Frage lautet also: Können Sie mit Ihrem kleinen Dorf oder Hotel ein Sehnsuchtsmotiv bei den Menschen besetzen? Ist die Bedeutung, die sie schaffen können, groß genug, um eine eigene Marke zu bilden oder müssen Sie sich in ein großes Ganzes einfügen – als Lieferant für eine große Marke? Das ist die Herausforderung. Sie sagen auch, der touristische Gast sei „gläsern“. Aber kennt der Hotelier seinen Gast auch? Teilweise ja und teilweise wird dieser Aspekt sträflich vernachlässigt. Ich verbringe 150 Nächte pro Jahr in Hotels. In den letzten drei Jahren, bei 450 Übernachtungen, bin ich oft gefragt worden, wie mein Aufenthalt war. Ich bin aber noch nie gefragt worden: „Wann werden Sie das nächste Mal bei uns buchen?“ Das heißt, die Hotels schicken mir vielleicht einen Newsletter hinterher, nutzen aber den persönlichen Moment nicht, mich zu fragen. Tatsache ist aber: Sobald der Gast das Hotel verlässt, hat er entschieden, ob er wiederkommt oder nicht. Und zwar zu 100 Prozent. Und das machen


© BRANDTRUST

Christoph Engl gilt als renommierter Experte im Bereich Marken- bzw. Destinationsmanagement.

Online-Portale, zum Beispiel durch Tagging, derzeit oft besser als die Hoteliers, die ihrem Gast von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen. Hier hat die Hotellerie Potenzial, das sie teilweise verschenkt. Sie sagen deutlich, die Präsenz auf allen Kanälen mache nur Sinn, wenn sie auch professionell ist. Was heißt das in der Praxis? Früher wurde Geld in Prospekten verbrannt, die keine Verteilung gefunden haben,

„Immer dann, wenn es einer Destination gelingt, sich in den Sehnsuchtsraum der Menschen hineinzuprojizieren, dann entsteht eine emotionale Bedeutung.“ momentan verbrennt dieses Geld in Bereichen von Social Media, die die Betreiber nicht beherrschen und in denen sie auch nichts zu suchen haben. Da wird ein unglaublicher Hype veranstaltet. Jeder sollte plötzlich Facebook bedienen, viele haben dafür aber nicht die Fähigkeiten. Stattdessen wird auf Teufel komm raus irgendetwas durch die Gegend gepostet, das eigentlich niemanden interessiert. Man muss in diesem Feld ganz genau schauen, ob man auch hineinpasst, und es muss einem bewusst sein, dass diese Kommunikation 24 Stunden funktioniert und sie eine Relevanz hat. Das heißt, hat man keine relevanten Themen und kann diese auch nicht entsprechend kommunizieren, sollte man besser die Finger davonlassen. „Hoffen wir auf eine gute Saison“, ist ein Satz, den Sie nicht mehr hören können und wollen. Warum? Hoffnung ist eine Kategorie des Glaubens und nicht der Ökonomie. Winter ist heute keine Jahreszeit mehr,

sondern ein Produkt. Zu diesem Produkt gehört auch eine professionelle Dienstleistung – was man in diesem Winter eindeutig gesehen hat. Jene Skigebiete, die eine Vollbeschneiung trotz des Mangels an natürlichem Schnee garantieren konnten, haben auch gute Zahlen geschrieben. Man bucht auch auf Mauritius kein Hotel, das keinen Pool hat. Auch wenn man darauf hoff t, dass das Meer warm und ruhig ist – sollte dem nicht so sein, kann man immer noch im Infinity Pool schwimmend auf das graue, stürmische Meer blicken. Es ist endgültig an der Zeit, dass sich der Tourismus nicht mehr von äußeren Faktoren abhängig macht. Ich glaube dieses Bewusstsein muss in Tourismus noch mehr Raum bekommen. Vielen Dank für das Gespräch.

ZUR PERSON Zwölf Jahre lang war Christoph Engl Direktor der Südtirol Marketing Gesellschaft, mit September 2013 wechselte der Jurist zur Markenstrategieberatung BrandTrust, wo er als Managing Director tätig ist. Sein Buch „Destination Branding“ wurde auf der ITB-Messe in Berlin mit dem ITB BuchAward ausgezeichnet.

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© SHUTTERSTOCK

Z ZZ

Schlaf als Luxusgut

BITTE

Die Plattform „Hotel der Zukunft“ widmet sich in ihrem aktuellen Trend-Guide dem Thema Schlafen. Denn man ist sich in der Trendforschung einig: Das Thema beschäftigt immer mehr Menschen und wird damit auch für Hotels relevant.

NICHT STÖREN

V O N R E B EC C A M Ü L L E R

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Für Harry Gatterer, Trendforscher und Geschäftsführer des Zukunftsinstituts, ist diese Entwicklung ein Zeichen unserer Zeit. In einer, wie er es formuliert, hochtrabenden, intellektualisierten und volldigitalisierten Welt hätten wir die Normalität aus den Augen verloren, und Schlaf sei dafür das beste Beispiel: „Obwohl schlafen das Normalste der Welt ist, hat die Mehrheit der Menschen Probleme damit. Und Trends entstehen

© WOLF STEIENR

ntstanden ist der aktuelle Trendguide der Plattform „Hotel der Zukunft“ im Zusammenwirken von Wirtschaftskammer Österreich, Prodinger Tourismusberatungs GmbH, Zukunftsinstitut Österreich – und auf Basis folgender Ausgangslage: Wenn in Umfragen 80 Prozent der Deutschen angeben, Schlafprobleme zu haben, muss das auch für die Hotellerie ein Thema sein.

„Die Relevanz für die Gesellschaft macht es zur Relevanz für Hotels als Schlafanbieter.“ HARRY GATTERER, TRENDFORSCHER, GESCHÄFTSFÜHRER ZUKUNFTSINSTITUT

häufig als Antwort auf Mangel. Schlafen ist der neue Luxus.“ War es noch vor Kurzem Ausdruck der Leistungsgesellschaft und gleichgesetzt mit Erfolg und Macht, wenig zu schlafen, dreht sich dieses Blatt gerade. Schlafen wird immer mehr zu einem gesellschaftlichen Thema, weshalb Gatterer schlussfolgert: „Die Relevanz für die Gesellschaft macht es zur Relevanz für Hotels als Schlafanbieter.“

Das richtige Raumklima. Was ein Hotel legitimiert, ist die Übernachtung. Seinen Gästen einen erholsamen Schlaf zu ermöglichen, gehört zu den Kernkompetenzen. „Diese Ursächlichkeit wollten wir mit dem Trend-Guide wieder in den Mittelpunkt stellen“, erzählt Harry Gatterer. In der Praxis seien es oft Kleinigkeiten, die ein Hotel recht schnell und einfach umsetzen kann, um ein besserer Schlafanbieter zu sein. Wichtig ist auch hier ein viel, aber selten zu Unrecht bemühtes Credo: Der erste Eindruck – in diesem Fall des Hotelzimmers – zählt. Der Gast sollte sich sofort wohl und heimelig


41 MAGAZIN SAISON

EINFACHE TIPPS FÜR HOTELS fühlen und dabei spielt die Zimmertemperatur eine entscheidende Rolle. Die sollte zwischen 16 und 18 Grad liegen. Ist es zu warm, schläft man schlechter, weil der Körper das Schlafhormon Melatonin nicht mehr ausreichend produziert. In den meisten Fällen ist es in Hotelzimmern mit oft 22 Grad aber zu warm. Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der Prodinger Tourismusberatungs GmbH, glaubt auch, dass die Luftfeuchtigkeit in den Hotels zu wenig Beachtung geschenkt wird: „Vielleicht auch wegen der Wellnessangebote, welche die hohe Luftfeuchtigkeit begünstigen. Im Winter stellt dies ein großes Problem dar.“ Denn auch zu trockene bzw. zu feuchte Luft beeinträchtigt die Schlafqualität.

Im Bett mit Four Seasons.

Tirol selbst habe dabei bereits per se das Potenzial, Schlafparadies für Erholungssuchende zu sein. So meint Harry Gatterer: „Die Natur hat Tirol in vielen Bereichen sicher einen Startvorteil gegeben.“ Tourismusberater Thomas Reisenzahn betont vor allem die positive Wirkung der Tiroler Zirbe. Forschungen haben ergeben, dass die Zirbe Belastungen der Herzfrequenz eines Menschen reduziert. Beim Aufenthalt in Zimmern mit Zirbenholz fühle man sich stressfreier und entspannter. Auch der Erholungsprozess des vegetativen Systems wie Herztätigkeit, Blutströme, Atemtiefe und Atemfrequenz wird beschleunigt. Im Trend-Guide werden auch internationale Best-Practice-Beispiele vorgestellt. Die Hotelkette Four Seasons etwa bietet ihren Gästen zahlreiche Infos zum Thema Schlaf und hilft bei der Analyse der eigenen Schlafpräferenzen. Mit verschiedenen Experten widmet man sich den Aspekten Entspannung, Sport und Ernährung. Unter dem Hashtag #inbedwithFS werden Gäste aufgerufen mitzuteilen, wie sie ihr eigenes Schlafzimmer zur Erholungs-Oase machen. Andere Hotels bieten zum Beispiel eine Auswahl an verschiedenen Kissen. Das Andaz Hotel London hat seinen Gästen kurzzeitig das Angebot gemacht, sich Geschichten vorlesen zu lassen. Im Corinthia Hotel, ebenfalls in London, steht ein spezielles Schlaf-Menü auf der Speisekarte, das durch zum Beispiel magnesiumhaltiges Essen den Melatoninhaushalt anregt. Internationaler Vorreiter ist auch das Hotel Weisses Rössl in Salzburg. Dort

Tourismusberater Thomas Reisenzahn nennt einige Beispiele, wie Hotels ihre Qualität als Schlafanbieter verbessern können: • Raumtemperatur zwischen 16 und 18 Grad • Weniger als 30 Prozent Luftfeuchtigkeit • Absolut handyfreie Zone im gesamten Betrieb • Nur klassische oder entspannende Musik in den Speiseräumen, keine Radiomusik • Kein Internetzugang in den Zimmern • „Netzabkoppler“ in den Sicherungskästen, die den Stromkreis vom Netz trennen (Netzfreischalter) • Fernseher mit Netzabkoppler • Telefon im Zimmer nur schnurgebunden • Spezielles Abschirmvlies für die Innenwände

wurden Messungen in mehreren Zimmern vorgenommen, um anschließend das ideale Umfeld für erholsamen Schlaf schaffen zu können: eine schützende Raumatmosphäre, frei von störenden elektromagnetischen Einflüssen. Auch Sport, Bewegung und Ernährung werden hier bewusst für eine bessere Schlafqualität eingesetzt.

Das Handy an der Rezeption abgeben? Mit dem Stichwort „Digital Detox“, das für einen bewussten Umgang mit Smartphone und Co. steht, könnte auch ein neuer Hoteltyp immer mehr Gäste finden. In Offline-Hotels gibt es entwe-

der gar keinen Internetzugang oder nur in bestimmten Bereichen – bestimmt aber nicht in den Schlafzimmern. Der Wunsch nach Entschleunigung und das Bedürfnis, im Urlaub „offline“ zu sein, scheinen immer größer zu werden. Thomas Reisenzahn glaubt, dass er auch in Zukunft noch größer wird. Ein wenig habe man sich in der Hotellerie in einer Digitalisierungswelt verrannt und auf seine Kernkompetenzen – wie die Übernachtung – vergessen. Reisenzahn betont daher: „Hier zeichnen sich neue Geschäftsfelder ab. Die Hotellerie darf diese Entwicklung nicht verschlafen.“ ×

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42 MAGAZIN SAISON

„Es wäre ein Fehler, nur gefallen zu wollen“ Nach dem Vorbild der Commedia dell’arte erfüllen die Haller Gassenspiele seit 2011 wechselnde Plätze in der Haller Altstadt mit klugem Witz und kritischem Geist. Ein Stück wie Peter Turrinis „Der tollste Tag“, das am 9. Juli 2017 Premiere feiert, ist ganz nach dem Geschmack des Ensembles.

© FRANZ OSS

DA S INTERVIEW FÜHRTE ES THER PIRCHNER .

Frühsommer, Samstag Nachmittag, Sonnenschein und ein Treffen im Garten des Lobkowitzgebäudes in Hall. Das Ensemble der Haller Gassenspiele hat Probenpause. Von links: Martin Moritz (Bartholo), Regieassistentin Hannah Kanz, Markus Knause-

S

der (Graf Almaviva), Regisseur Alexander Sackl, Georg Mader (Figaro), Christina Matuella (Marcelline), Monika Strobl (Donna Guzman), Musikerin Christina Nessmann und Maximilian Kindler (Diener) finden sich zum Gespräch ein – über die Gassen-

AISON: Die Haller Gassenspiele wurden 2012, ein Jahr nach ihrer Gründung, mit dem Tiroler Volksbühnenpreis ausgezeichnet. Was bedeutet es für Sie, eine Volksbühne zu sein, Volkstheater zu spielen? ALEXANDER SACKL: Unter Volkstheater verstehen wir, Stücke so aufzubereiten, dass die breite Masse sie verstehen und lieben kann. CHRISTINA MATUELLA: Wir gehen auf Plätze in der Haller Altstadt, wählen jedes Jahr einen Platz aus, den die Menschen auch kennen. Es soll Theater sein, das zum Volk hinausgeht und auch Stücke auswählt, die sehr volksnahe sind. Es ist ein großes Miteinander … ALEXANDER SACKL: … und es ist hier gewachsen, mit den Leuten, die hier leben und arbeiten. Man merkt, dass es keine gecastete Boygroup ist, … GEORG MADER: … sondern eine gute Mischung aus Profis und Laien, die sich gegenseitig inspirieren.

spiele im Allgemeinen und Turrinis „Der tollste Tag“ im Besonderen, über Musik und Licht, kritische Stimmen und die Kunst, unter den vielen schönen Plätzen in der Haller Altstadt den richtigen für das richtige Stück zu finden.

Es gab schon mehrere Ansätze, in Hall Sommertheater zu etablieren. Warum funktioniert es gerade bei den Gassenspielen so gut? MARKUS KNAUSEDER: Weil wir den Nerv haben und den Kampfgeist. (Gelächter) Wir sind am Anfang eher belächelt worden, aber mittlerweile haben wir die fast volle Unterstützung der Stadtpolitik. GEORG MADER: Und Hall funktioniert als Kulisse besonders gut. Wenn wir Plätze bespielen, an denen die Leute tagtäglich vorbeikommen, erscheinen ihnen diese Plätze in einem ganz neuen Licht. MONIKA STROBL: Die ganze Sache ist sehr rund: Die Bühne ist dem Volk – im doppelten Sinn – sehr nahe und es wird immer eine eigene Musik dazu komponiert und live gespielt. GEORG MADER: Das hat seine Wurzeln in der Commedia dell’arte, die zu Beginn ein Vorbild war, dieses Spielen in der Gasse. Die Organisation ist natürlich


© ANDREA WEBER/MIKE MAYER

Susanna (Juliana Haider) und Figaro (Georg Mader) haben sich gefunden, aber kriegen sie sich auch?

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… mit GENUSSlöffeln und

SchauBauernhof ... für ein Bewusstsein über den Kreislauf hochwertiger LEBENSmittel ungleich komplexer als in einem fixen Haus, aber das macht auch den Charme aus. Wie ist dieser Aufwand zu bewerkstelligen? CHRISTINA MATUELLA: Es gab von Anfang an ein wahnsinnig engagiertes Team, das ohne Budget gespielt hat. Dadurch haben alle alles gemacht. Wir haben die Bühne aufgebaut, die Stühle weggeräumt, uns geschminkt und angezogen – mit einer tollen Kostümbildnerin an der Seite –, es war und ist eine tolle Vernetzung. Wer nicht spielt, baut um oder ist im musikalischen Ensemble dabei. Es ist ein lustvolles Erarbeiten in der Probenzeit, und alle diese Fäden weben ein wunderschönes Netz.

Auf dem Spielplan stehen Komödien, die jedoch einen zeit- und sozialkritischen Aspekt haben, 2016 war es Dario Fos „Bezahlt wird nicht!“. Ist es heute noch ein Wagnis, ein Stück wie dieses zu spielen? ALEXANDER SACKL: Gerade mit diesem Stück sind wir unerwartet angeeckt. Manche konnten gar nicht damit umgehen, dass die Kaufmannschaft, die industriellen

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© Transgourmet Austria

Nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie die Plätze aus, auf denen gespielt wird? ALEXANDER SACKL: Wir haben manchmal einen Platz und suchen ein Stück dafür oder wir haben ein Stück und überlegen: Welche Location ist dafür die richtige? MARKUS KNAUSEDER: Wenn wir einen Platz gefunden haben, dann erarbeiten wir ein Konzept dazu. Man muss sich jedes Jahr etwas Neues einfallen lassen. Im Hof des Bezirksgerichts, wo wir heuer spielen, kann man zum Beispiel, weil es unter Denkmalschutz ist, nirgends eine Schraube hineindrehen. CHRISTINA MATUELLA: Das ist unter anderem für das Licht wichtig. Eine Besonderheit der Haller Gassenspiele ist das mitdesignte Lichtkonzept. Die zwei Lichtmänner Franz und Mike Swoboda haben ein tolles Auge dafür, wie die Plätze so belichtet und beschattet werden, dass die Wände das, was auf der Bühne stattfindet, noch verdoppeln oder spiegeln. Das ist sehr speziell.

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© FRANZ OSS (2)

Marcelline (Christina Matuella, li.) und Bartholo (Martin Moritz, o. Mitte) machen Figaro (o. re.) das Leben schwer. Geprobt wird – noch ohne Kostüme – auf der flexiblen Würfelbühne.

Bonzen so aufs Korn genommen wurden. Wir versuchen aber auszuprobieren, wie weit wir gehen können, und uns Step by Step heranzuarbeiten. MARTIN MORITZ: Es wäre auch ein ziemlich großer Fehler, nur gefallen zu wollen oder die Menschen zu unterschätzen. Viele wollen ja kritisch über etwas nachdenken. Es ist gut, wenn sie sich damit – weil es ihnen besonders gefällt oder weil es sie aufregt – beschäftigen. Das Schlimmste ist, wenn gar nichts passiert. Gilt das auch für das Stück 2017, Peter Turrinis „Der tollste Tag“, der auf Beaumarchais’ „Hochzeit des Figaro“ beruht? GEORG MADER: „Der tollste Tag“ mit den barocken Kostümen ist wieder ein Brückenschlag zur Commedia dell’arte. Turrini schaff t es, gerade in Stoffe, die grundsätzlich leichte Unterhaltung bieten, einen moralischen, kritischen, aber dennoch unaufdringlichen Unterton hineinzubringen. Als Zuschauer kann ich entscheiden, ob ich diesen Unterton aufnehme und darüber nachdenke oder ob ich das nicht tun will. Das hat 2013 mit Turrinis „Wirtin“ schon wunderbar funktioniert, und das ist bei diesem Stück auch wieder so. CHRISTINA MATUELLA: Turrini ist ein Meister des Wortes, er hat dieses Schnelle, diesen Wortwitz. Man muss keine einzige Zeile streichen oder verändern. ALEXANDER SACKL: Wir kürzen nur, wenn wir den Inhalt durch Lieder transportieren. Das habe ich noch bei keinem anderen Autor so erlebt. MARTIN MORITZ: Das bedeutet auch, dass man die Texte sehr genau lernen und jedes Wort sagen muss, was er schreibt. Sonst geht es nicht auf. Was zeichnet die Rollen aus? GEORG MADER: Das Spannende daran ist: Sie sind nie fertig. Eine Rolle wie Figaro zu erarbeiten, ist ein spannender Prozess im Zuge der Probe. Aber auch wenn man bei der Premiere denkt, man hätte den Charakter

entwickelt, stellt man im Zuge der Vorstellungen fest, dass noch neue Facetten dazukommen. Figaro ist anfangs mit sehr viel Selbstbewusstsein gesegnet, er kann sich durch alle Widrigkeiten durchwursteln. Im Laufe des Stückes muss er erkennen, dass er aufgrund der erdrückenden Fülle an Problemen, die ihm von Seiten der Obrigkeit entgegengestellt werden, nicht mehr auskommt. Dieser Bruch ist das eigentlich Interessante. MARKUS KNAUSEDER: Der Graf ist der, der Figaro dazu bringt, dass er sich schlecht fühlt. Er hat den ganzen Tag nur Sex im Kopf und will immer seine Macht beweisen. Als Schauspieler finde ich das ganz schön. (Gelächter) CHRISTINA MATUELLA: Schon das Bühnenbild, in dem die Obrigkeiten immer auf höherem Niveau platziert sind, zeigt, dass es stark um Hierarchien geht. Das wird von Peter Turrini auch als Regieanweisung direkt verlangt. Das ganze Stück dreht sich um vier große Themen: um Hierarchie, um die Kraft der Liebe, um die Korruption, die den Unteren das Existieren, das eigentliche Wollen und Mögen schwierig macht, und um Sexualität, Erotik und Begehren. Das wird auf unterschiedlichste Weise klargemacht, auch durch das Bühnenbild. ALEXANDER SACKL: Das ist das Tolle an diesen Stücken: Es geht immer um die klassischen Themen: Liebe, Existenzkämpfe und so weiter. Dieses Stück beinhaltet vieles davon ganz konkret. Vielen Dank für das Gespräch.

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HALLER GASSENSPIELE Der tollste Tag von Peter Turrini 9. Juli bis 5. August 2017, 20 Uhr Gerichtshof Hall bei Regen: Salzlager Hall www.gassenspiele.at Karten im Vorverkauf im Schreibwarengeschäft Skribo Moser, Oberer Stadtplatz, Hall in Tirol, und an der Abendkassa


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46 MAGAZIN © WOLFGANG LACKNER

SAISON

Filme und Bilder wurden auf einem Stadtplan an der Wand im Ausstellungsbereich verortet.

Zur Arbeit kommen Der Arbeitsmigration in den 1960er- und 1970er-Jahren ist die aktuelle Ausstellung im Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck gewidmet – Teil zwei einer Trilogie über Migration und nicht nur in Tirol ein seltenes museales Projekt. VON ES THER PIRCHNER

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igration gehört – gerade in Zeiten der Industrialisierung und Urbanisierung – zum Alltag dazu: Menschen ziehen dorthin, wo sie Arbeit finden, vernetzen sich am neuen Ort, bleiben dort wohnen oder ziehen an andere Plätze weiter und werden somit an mehreren Orten heimisch. Gerade in der heute globalisierten Welt nichts Ungewöhnliches, und doch ist die Geschichte der Migration in Tirol und anderswo eine der Ausgrenzung und Vorurteile. Das gilt nicht nur für das tägliche Leben, sondern auch für Museen, die das Thema in ihren Sammlungen und Ausstellungen weitgehend unbeachtet lassen.

Teil der Geschichte. Die Dokumentation von Migrationsgeschichte, vor allem von Migrationsbewegungen nach Tirol,

und die Sammlung von historisch relevanten Objekten wurde in Tirol bisher von mehreren nicht musealen Institutionen und Personen(-gruppen) bewerkstelligt. Eine wichtige Rolle spielten unter anderem das ZeMiT (Zentrum für MigrantInnen in Tirol) und das damit im Zusammenhang stehende DAM (Dokumentationsarchiv Migration Tirol), die Universitätsinstitute für Erziehungswissenschaften und Zeitgeschichte und das Integrationsreferat im JUFF. Begreift man Migration aber als Teil des Tiroler Selbstverständnisses, dann bedeutet das auch, dass sie Teil der heimischen Volkskultur ist und somit auch in einem traditionsverhafteten Haus wie dem Tiroler Volkskunstmuseum ihren Platz finden muss: nicht als Darstellung des „anderen“ und „Fremden“, sondern als Aspekt einer dynamisch sich verändernden Gesellschaft.

Ausstellungstrilogie.

Eine Auseinandersetzung mit Migration innerhalb der Landesmuseen oder anderer offizieller Gedächtnisträger stand schon seit einigen Jahren im Raum, ohne jedoch zu konkreten Planungen geführt zu haben. Erst die als Kooperationsprojekt durchgeführte 5. Integrationsenquete „erinnern-verstehen-anerkennen. Migration und Geschichte“ 2014 gab schließlich den Anstoß dafür, in einem größeren Team eine Ausstellung zu konzipieren und durchzuführen. Ab 2015 wurde diskutiert, verworfen, geplant, eingegrenzt, definiert. Ein langwieriger, manchmal mühseliger Prozess war in Gang gesetzt, der aber schlussendlich zu größerer Klarheit und Stringenz im Projekt führte. Am Ende entschied man sich für eine Dreiteilung, wobei im ersten Teil 2016, der Schau „Alles fremd – alles Tirol“, die (Früh-)Ge-


© JOHANNES PLATTNER

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© JOHANNES LACKNER

zehn Teilbereichen werden nahezu alle Aspekte des Lebens als Migrantin oder Migrant thematisiert. „Arbeitskräfte willkommen“ heißt es gleich zu Beginn in Anspielung auf die Anwerbe-Abkommen der 1960er-Jahre, die Österreich mit der Türkei und Jugoslawien schloss, und auf die Anwerbungen von Philippinas in derselben Zeit. In der Folge geben Exponate, Dokumente, Texte und Zitate Einblick in

Die „Blaue“ kleidete 1969 einen Arbeiter der Firma Herrburger und Rhomberg.

schichte von Migration und Kulturexport erzählt wurde. Den Abschluss bilden 2018 Veranstaltungen im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Dazwischen ist die aktuelle Ausstellung „Hier zuhause. Migrationsgeschichten aus Tirol“ im Tiroler Volkskunstmuseum angesiedelt, die – wenn auch mit Bezügen zur Gegenwart – auf die Arbeitsmigration der 1960er- und 1970er-Jahre fokussiert. Allein diese Auswahl zu treffen, die Inhalte zu definieren und auszuführen, erforderte viel Denkarbeit und fundierte Entscheidungen. Wer sollte über seine Migrationsgeschichte befragt, welche Objekte sollten gesammelt, welche Themenkreise berührt werden? Das Projektteam entschied sich schließlich dazu, die manchmal gewundenen Wege bei der Vorbereitung der Ausstellung, die Brüche, die mitunter entstanden, in der Ausstellung selbst zu thematisieren. Dass in Form von Interviews mit den Vätern und Müttern der Schau nun die Konzeptionsarbeit innerhalb der Ausstellung dokumentiert wurde, ist eine besondere Qualität dieses Projekts.

Von Arbeit bis Wohnen.

Auch an den anderen Teilen ist leicht zu erkennen, dass hier eine sehr gründliche Beschäftigung mit Arbeitsmigration in den 1960er- und 1970er-Jahren erfolgte: In

1969 und ein Samowar, den der Webmeister Werner Seib bei der Textilfabrik Jenny & Schindler in den 1970er-Jahren von einem Arbeiter aus der Türkei geschenkt bekam.

Im Kontext. Die Erzählung der Geschichte dieser Sammelgegenstände, ihre Einordnung in einen größeren Kontext funktioniert in „Hier zuhause“ nicht nur durch begleitende Texte oder die

„Das Ziel ist, dass Sonderausstellungen zur Migration nicht mehr notwendig sind, weil das Thema in den Museen ganz selbstverständlich dazugehört. Leider gibt es nur ganz wenige Museen, die in diese Richtung gehen.“ KARL C. BERGER. LEITER DES TIROLER VOLKSKUNSTMUSEUMS

Bereiche wie Arbeit und Wohnen, Sprache, Spracherwerb und unterschiedliche Zugehörigkeiten. Welche (wechselnden) Hürden beim Erwerb der Staatsbürgerschaft zu überwinden sind, ist ebenso Thema der Ausstellung wie die Tatsache, dass Menschen aus anderen Ländern hier mit dem Stigma der Migration zu kämpfen haben oder mit Alltagsrassismen konfrontiert sind.

Objekte für die Sammlung.

Gezeigt werden in diesen Bereichen ausschließlich Stücke, die in Vorbereitung der Schau gesammelt wurden. Auch dies gestaltete sich nicht immer einfach. Ein Aufruf in den Medien im April 2016, Alltagsobjekte, Urkunden und Fotos zum Thema Migration dem Museum zu übergeben, zeigte nicht den gewünschten Effekt. Über frühere Projekte konnten jedoch Kontakte geknüpft und etliche Dinge und Schriftstücke aufgestöbert werden. Nach dem Ende der Schau werden die Dokumente im DAM archiviert, die Gegenstände finden Eingang in die Sammlung des Tiroler Volkskunstmuseums: Darunter sind ein hellblauer Pullover, das einzige warme Kleidungsstück von Clarita Rohrer, das sie 1973 von den Philippinen nach Tirol mitbrachte, Lehrbücher für den Deutschunterricht, Arbeitskleidung der Firma Herrburger und Rhomberg von

Zusammenstellung nach Themenkreisen, sondern vor allem auch durch Gespräche, die mit den Leihgebern geführt wurden. Es lohnt sich, sich an den Tischen in den beiden Ausstellungsbereichen niederzulassen und an den Monitoren den Interviews zu folgen. Mehr als hundert Einzelgespräche bzw. Skype-Konferenzen wurden aufgezeichnet und eine Auswahl davon in Filmen festgehalten – ein wichtiger Beitrag, um jene Zeit in Tirol zu begreifen. Vervollständigt wird das Bild von drei aktuellen Kunstinterventionen in den Stuben des Volkskunstmuseums von Ana Hoffner, Lisl Ponger und Farida Heuck sowie von der Publikation zur Ausstellung mit Beiträgen zu Geschichte, Arbeit, Politik und persönlichen Erinnerungen. Diese setzt dort an, wo die Ausstellung das Interesse an einer eingehenden Auseinandersetzung weckt, und lässt einen tief in die Tiroler Geschichte der Migration in den 1960er- und 1970er-Jahren eintauchen. ×

DIE AUSSTELLUNG Hier zuhause. Migrationsgeschichten aus Tirol 2. Juni bis 3. Dezember 2017 tägl. 9–17 Uhr Tiroler Volkskunstmuseum, Innsbruck www.tiroler-landesmuseen.at


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49 KOMMENTARE SAISON

Tirol – in die Horizontale gekippt VO N A LO I S S C H Ö P F

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ine der Nebenwirkungen des Älterwerdens ist die Fähigkeit, sich über die falschen Zukunftsprognosen zu amüsieren, denen man im Laufe seines Lebens aufgesessen ist. Etwa, wenn man als eingefleischter Klassikfan eine bestimmte Schublade öffnet, die vollgestopft mit Langspielplatten ist. Wobei das Urteil über allfällige weitere Schubladen voll von CDs nicht anders ausfällt: Es ist heute schon abzusehen, wie die Erben, die sich alles aus dem Internet holen, die für die Ewigkeit zusammengekauften Vinylplatten und Silberscheiben als Plastikmüll entsorgen werden.

Plötzlich hat Tirol die Chance, nicht nur ein Eldorado für Mountainbiker, sondern auch für E-Biker zu werden. Aber auch in Sachen Tourismus fällt ein amüsiertes Lächeln nicht schwer. Ich erinnere mich noch bestens daran, dass in den 1990erJahren die meisten ernst zu nehmenden Zeitgenossen, die sich über die Zukunft den Kopf zerbrachen, fix davon ausgingen, dass es in wenigen Jahren keine Skifahrer, sondern nur noch Snowboarder geben werde. Aus heutiger Sicht: Welch ein Unsinn! Längst sind die Snowboarder wie die Robben, denen sie ähnlich schauen, wenn sie sich am Rand der Piste ausrasten, vom Aussterben bedroht. Kein Mensch rechnete damals auch damit, dass Religionskriege, arabischer Frühling und Terrorismus potente Konkurrenten über

Wir am Meer

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Nacht vom touristischen Markt katapultieren und vielen biederen europäischen Reisezielen eine neue Blüte bescheren würden. Und wer hätte noch vor einigen Jahren, als unrentable thermische Solaranlagen aus öffentlichen Haushalten gefördert wurden, vorausgeahnt, dass ausgerechnet die Windenergie allen anderen alternativen Energieformen den Rang ablaufen würde? Und dass unsere so hochgelobten ökologischen Kleinkraftwerke, aber auch die über Jahrzehnte teuren Spitzenstrom liefernden Großkraftwerke massive Rentabilitätsprobleme bekommen würden? Als jüngste Entwicklung, die uns wohl alle überrascht und wie das Manna des biblischen Gottes dem Volk der Tiroler und seinem Tourismus neuen Wohlstand eröff net, darf in diesem Zusammenhang die technologische Revolution bei der Entwicklung hochpotenter Akkus nicht unerwähnt bleiben. Das Gebirgsland Tirol wird dadurch gleichsam in die Horizontale gekippt wie die Niederlande und ermöglicht einem neuen Massenpublikum die Erschließung der Alpen und der Schönheit der Bergwelt mit dem E-Bike. Plötzlich hat Tirol die Chance, nicht nur ein Eldorado für Mountainbiker, sondern auch für E-Biker zu werden. Wichtiger als die Zukunft zu erahnen, was meist daneben geht, ist es daher, ganz pragmatisch die Möglichkeiten der Gegenwart zu nutzen. ×

Alois Schöpf lebt als Journalist und Schriftsteller in Lans.

VON ERNS T MOLDEN

ie klassischen Sommerfrische-Städtchen an der obeist terminiert: die Stunde des vielgängigen ren Adria kommen, wie es scheint, gerade wieder in Mittagessens, danach – schon aus SättiMode. In Wien etwa ist momentan eine Foto-Ausstelgungsgründen – die Siesta, schließlich am lung über die Adria in der Nachkriegszeit zu sehen. Und auch die Nachmittag der Weg an den Strand, wo durch das immergleiche Trends der Gegenwart wenden sich Caorle, Grado, Jesolo oder Schirm-Geviert der immergleiche Liegestuhl aufgesucht wird, um Lignano wieder zu. Tourismus-Kapazunder sodann die immergleichen gefühlten zwei begründen dies damit, dass die große weite Kilometer zu durchwaten, ehe die Adria eine Oft ist der Singsang des schwimmbare Tiefe erreicht. Dann liegt man Welt, die in den vergangenen Jahrzehnten von quasi jedem entdeckt werden musste, herum und lauscht den vielen österreichiCocobello-Verkäufers sich heutzutage wieder gefährlich und hostil nach Stunden das erste schen Stimmen. Mödling, Graz und, hah!, da anfühlt. Daher die Adria: Vertrautheit, Friede, italienische Geräusch, vorn war ein Vorarlberger! Oft ist der Singsang Genüsslichkeit. Und nicht zu vergessen, was des Cocobello-Verkäufers nach Stunden das das man hört. seit den späten Tagen der Donaumonarchie erste italienische Geräusch, das man hört. hier gilt: Lauter andere Österreicher! Man kann natürlich in die verzauberte kleine Meine liebe Mutter ist ja in ferialer Hinsicht absolut modereAltstadt gehen, wie es meine Mutter gerne macht. Sie geht dann sistent. Ähnlich dem Hansiburli Krankl, der nach eigenen Angaben in die Kirche. Dort singen die Gradenser Fischer nach der Messe lebenslang nirgendwohin anders als nach Jesolo gefahren ist, dieses wunderschöne Lied für die toten Kameraden. Und die Ösurlaubt sie seit Jahrzehnten im Vorsommer in Grado. Und damit terreicher sind zwar da, aber ganz still. Das Ganze ist insgesamt eh ihr dort nicht fad wird, lädt sie meine Liebste, unsere Kinder und sehr kuschelig. Kulturschocks braucht niemand zu befürchten. Und mich bisweilen ein, heuer über das schöne Pfingsfest. Die Reise ist das Meer streichelt einen. Und die Meeresfrucht fliegt einem in den Mund. Ob man will oder nicht: Man erholt sich. Nach Pfingsten, ja recht kommod: Die Strecke nach Südwesten kann sogar in unwieder zuhaus, betrat ich in meinem Bezirk abends ein Lokal. Dort serem Lieferwagen ohne Bandscheibenvorfall bewältigt werden. Angekommen am Ende der langen Lagunenbrücke, steige ich aus, kam es mir mit einem Mal ganz wild vor. Exotisch, welthaltig und lasse die Gelenke knacken und füge mich in das Unvermeidliche. gefährlich, wie Singapur, Acapulco oder halt eben Wien. × Denn genau das muss man hier. An der oberen Adria herrscht ein Ernst Molden, 49, lebt als Liedermacher und Schriftsteller in Wien. Für seine seltsam automatistischer Imperativ: Hier hat der Tourist keine EntPlatten und Bücher wurde er mehrfach ausgezeichnet. Eben ist sein neues Album YEAH (monkeymusic) erschienen. scheidungen zu treffen, mehr noch, es ist ihm sogar verwehrt. Alles


50 NACHGEFRAGT SAISON

15 FR AGEN AN ...

Johannes Entner DREI SCHÖNE ORTE AUF DER WELT (AUSSERHALB TIROLS): Tegernsee, Gardasee, Lykische Küste LETZTER URLAUB (WO UND WANN): Mit dem Elektroauto nach Norwegen und dann ein Segeltörn um die Lofoten DIE GRÖSSTEN TUGENDEN IM TOURISMUS SIND: Toleranz und Offenheit gegenüber anderen Kulturen DIE GRÖSSTEN SÜNDEN IM TOURISMUS SIND: Bigger, better, faster, more ... DIE STÄRKEN DES TIROLER TOURISMUS: Die Speerspitze Skifahren hat uns weltweit berühmt gemacht DIE SCHWÄCHEN DES TIROLER TOURISMUS: Der Fokus auf Skifahren lähmt die Themen der anderen Jahreszeiten DIE BESTE IDEE IM TOURISMUS DER LETZTEN FÜNF JAHRE: Wäre eine erfolgreiche Olympiabewerbung TIROL ALS URLAUBSZIEL ZEICHNET AUS: Qualität, Gastfreundschaft und Internationalität DIE REGION ACHENSEE ALS URLAUBSZIEL ZEICHNET AUS: Authentizität und der respektvolle Umgang mit dieser gottbegnadeten Landschaft UM FÜR DIE ZUKUNFT GERÜSTET ZU SEIN, SETZT MAN AM ACHENSEE AUF: Gesunde Bewegung in intakter Natur – eben „Tirols Sport- und Vitalpark“ DIE GRÖSSTEN AKTUELLEN HERAUSFORDERUNGEN IM TOURISMUS SIND: Imagekorrektur und ein besseres Standing in der Tiroler Bevölkerung zu schaffen DIE GRÖSSTEN AKTUELLEN HERAUSFORDERUNGEN IN DER HOTELLERIE SIND: Überbordende Bürokratie und 24-Stunden erreichbar zu sein DIE GÄSTE ERWARTEN VON WELLNESS HEUTE: Ein Rundum-Sorglos-Paket und sich nachhaltig besser zu fühlen FÜR MICH PERSÖNLICH BEDEUTET WELLNESS: Wasser, Wärme, Zeit haben und sich verwöhnen lassen MEIN LIEBLINGSPLATZ IN MEINEM HOTEL WIESENHOF: Der Familientisch – Zentrum des Hauses, Dreh- und Angelpunkt aller Aktionen

Johannes Entner ist seit 1996 Obmann des TVB Achensee, Gemeinderat in Eben und Hotelier. Das 4-SterneSuperior Romantik Hotel der Wiesenhof führt er in der dritten Generation.


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Mein Eurogast Partner genießt nicht nur mein Vertrauen, er hat sogar den Schlüssel zu meinem Lager. Vorzüge, die man nicht kaufen kann. Es geht nicht um das Einkaufen alleine. Es geht um die Werte, die darüber hinaus gehen. Um Service, Vertrauen, Handschlagqualität, Individualität – und um Nähe: geographisch und emotional. Wir kennen eben die Wünsche unserer Kunden und deren Gäste ganz genau. So wird aus einer Geschäftsbeziehung echte Freundschaft. Dazu kommt: Wir sorgen für regionale Wertschöpfung. Und das macht Ihren Einkauf bei uns doppelt wertvoll!

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Eins mit dem Wasser.

Hermann Gruber

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Eigentümer SilberQuelle

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SilberQuelle ist Nachhaltigkeitspartner von ARAplus. www.silberquelle.at www.araplus.at

SAISON (Juli 2017)  

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