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P.b.b. | VERLAGSORT: 6020 INNSBRUCK | 10Z038387M

TOURISMUSMAGA ZIN | AUSGABE 04/15 | SOMMER/HERBST 2015

RAD-POTENZIAL Wie Biken das Skifahren des Sommers werden kann


3 STICHWORT SAISON

BIKEN WER HAT’S ERFUNDEN? Erfinder Der deutsche Forstbeamte und 7 in “ Karl Drais ließ das „Vélocipède 181 . ren Frankreich patentie en Das Laufrad wurde später zu Ehr t, ann gen e isin Dra h seines Erfinders auc en tsch Deu im sich t das Original befinde Museum in München.

ZITIERT „Das Biken kann den Alpen die verwässerte Bergkompetenz zurückbringen.“ Prof. Harald Pechlaner EURAC Bozen

„Generell kann man sagen, dass der Bikepark in der Vor- und Nachsaison bereits für die ganze Woche zu Nächtigungen führt.“ Kornel Grundner Geschäftsführer Bikepark Leogang

„Ein wichtiger Aspekt am ganzen Projekt war, dass es zu keinen Benachteiligungen anderer Interessengruppen führt. Biker haben ihre Trails und Wanderer haben ihre Wanderpfade.“

© SHUTTERSTOCK.COM

Manuel Baldauf Geschäftsführer Nauders Tourismus

GEGENWART UND ZUKUNFT Ausgangslage Tirol •T  irol hat im Forstwege-Bereich über 5.000 km offiziell genehmigte Mountainbike-Routen. • Derzeit gibt es nur 200 km Singletrail-Strecken. • 1 8 TVBs nennen das Thema Rad als wichtiges Zukunftsthema. Potenzial Deutschland • In Deutschland gibt es knapp 13 Mio. Biker. •B  ike-Urlaube nehmen deutlich zu, vor allem Kurzurlaube (bis 5 Tage): 61 % der BIKE-Leser haben in den letzten 12 Monaten einen Bike-Urlaub gemacht (vgl. 2009: 55 %). •Ö  sterreich liegt bei den beliebtesten Urlaubsdestinationen für Bike-Urlaube in der Zukunft knapp hinter Deutschland auf Platz 2, noch vor Italien. QUELLEN: T-MONA SOMMER (2014); TW-MARKETINGSTRATEGIE 2011/TVB UMFRAGE; LESERBEFRAGUNG MOUNTAINBIKEMAGAZINE 2014, AWA 2009, VORSTELLUNG IM RAHMEN DER EUROBIKE 2009; DELIUS KLASING RADURLAUB BRANCHENSTUDIE 2009 UND 2014

„Die fehlende Neuartigkeit macht der Ötztaler Radmarathon durch seine Alleinstellungsmerkmale wett.“ Nicole Jäger Ötztal Tourismus

„Die Regionen müssen ein Angebot finden, das nicht nur zu ihrer Positionierung passt, sondern die Zielgruppen klar und differenziert anspricht.“ Ingrid Schneider Leiterin Themenmanagement Tirol Werbung


4 EDITORIAL SAISON

© IMAGO/GÜNTER LENZ

An den Rändern unseres Kontinents, an den Küsten Europas treffen immer öfter Touristen auf Flüchtlinge, prallen Parallelwelten aufeinander, auf die kaum jemand vorbereitet ist, die irritieren.

Weltoffenheit, kulturelle Neugier, Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Menschlichkeit – diese Parameter prägen das Image eines Landes und finden im herkömmlichen touristischen Marketing auch hierzulande gerne lautstark Verwendung.

Ein Gastland wie Tirol tut gut daran, auch in schwierigen Zeiten sein humanes Antlitz offen zu zeigen. Menschen, die schon lange nicht mehr am Fensterplatz in Fahrtrichtung sitzen, würdevoll zu begegnen, ist unverrückbarer Teil unserer Kultur.


EDITORIAL

Fensterplatz in Fahrtrichtung

A

ngesichts der dramatischen Flüchtlingswelle, mit der Europa in diesen Monaten konfrontiert ist, wird vielerorts die Angst vor dem Fremden hochgespült – auch und gerade im Kontext des Tourismus, der einst Fremdenverkehr hieß. In vielen Medienberichten wird spekuliert, inwieweit der unerlässliche Strom der Migranten dem Tourismus schaden könnte. Hier die Sehnsucht nach Erholung in einer heilen Welt, dort Elend und die pure Angst um die eigene Existenz. An den Rändern unseres Kontinents, an den Küsten Europas treffen immer öfter Touristen auf Flüchtlinge, prallen Parallelwelten aufeinander, auf die kaum jemand vorbereitet ist, die irritieren. Wie in einem Brennglas ließ sich diese Tatsache heuer auf der griechischen Ferieninsel Kos erleben – einen Steinwurf vom Hafen mit seinen Luxusjachten entfernt strandeten tausende syrische Flüchtlinge und lagerten im Freien rund um eine Kirche – nicht einmal mit dem Nötigsten versorgt.

Die Angst vor dem Fremden. Ein Bild mit hoher symbolischer Kraft, das an eine Erzählung des großen deutschen Intellektuellen Hans Magnus Enzensberger erinnert. Die Angst vor dem Fremden goss Enzensberger in eine Metapher über das Reisen: In einem Eisenbahnabteil herrscht eine klare Rangordnung. Wer zuerst kommt, wählt den besten Platz – meist den Fensterplatz in Fahrtrichtung. Dieses wenn auch nur vorübergehende Territorium wird schnell als das eigene angesehen, jeder weitere Fahrgast als Eindringling gesehen. Und kommt schließlich ein Dritter hinzu, so übernimmt der ursprünglich als Eindringling angesehene Zweite flugs die Sichtweise des scheinbar Eingeborenen. Enzensberger zeichnete das Bild vom Eisenbahnabteil, um eigenartige menschliche Verhaltensweisen und unangenehme Fragen offen zu legen. Wie gehe ich auf Fremde und auf Fremdes oder auf Neue und Neues zu? Erlebe ich andere Menschen und Meinungen als mögliche Bedrohung oder als willkommene Bereicherung?

Initiativen aus dem Tourismus. In ganz Europa – auch in Österreich und Tirol – stellen sich diese Fragen heute mehr denn je. Immer größer wird dabei

JOSEF M ARG REITER , DIREK TOR TIROL WERBUNG

die Kluft zwischen traditionellen Gastgeberländern und ihrer aktuellen Flüchtlingspolitik. Ob Asylsuchende die heile Urlaubswelt stören könnten, kann dabei tatsächlich nicht die primäre Überlegung sein. Weltoffenheit, kulturelle Neugier, Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Menschlichkeit – diese Parameter prägen das Image eines Landes und finden im herkömmlichen touristischen Marketing auch hierzulande gerne lautstark Verwendung. Es tut gut, dass neben den viel zu lauten und oftmals leider auch radikal-ablehnenden Stimmen gerade aus dem Tourismus konkrete Initiativen kommen. So reagierte die ÖHV mit einem offenen Brief an ihre Mitglieder, um möglichst schnell und unbürokratisch Kapazitäten für die Unterbringung von Flüchtlingen zu finden. Der ehemalige ÖHV-Präsident und bekannte Gastronom Sepp Schellhorn öffnete gegen Widerstand in der Gemeinde sein Mitarbeiterhaus, versorgt die Flüchtlinge mit Essen und organisiert Sprachkurse. Der Schokoproduzent Josef Zotter nahm einen Asyl-Hürdenlauf in Kauf, um persönlich eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen. In Lech öffnete ÖHV-Präsident Gregor Hoch mit Unterstützung des Bürgermeisters das Personalhaus seines Hotels Sonnenburg. Und auch in Tirol bekannte Tirols Gemeinderatspräsident und Söldens Bürgermeister Ernst Schöpf klar: „Wie haben im Tiroler Tourismus durchaus gute Chancen, Flüchtlinge abzufangen. Wir zeigen in Sölden seit Langem, dass wir keine Angst vor Begegnungen mit fremden Menschen haben. Wir haben in Saisonzeiten immer rund 5.500 Mitarbeiter, die meist aus 50 Nationen kommen und bei uns arbeiten und auch wohnen.“ Natürlich braucht es in erster Linie eine politische Antwort, eine europäische Haltung, um den Flüchtlingsstrom und die dahinter liegende komplexe Problematik zu organisieren. Aber ein Gastland wie Tirol tut gut daran, auch in schwierigen Zeiten sein humanes Antlitz offen zu zeigen. Menschen, die schon lange nicht mehr am Fensterplatz in Fahrtrichtung sitzen, würdevoll zu begegnen, ist unverrückbarer Teil unserer Kultur. Ein Ausdruck der Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Menschen, der nicht zuletzt den Tiroler Tourismus groß gemacht hat.  ×


IBEN, E L B DRAN ARSCH DER MWEITER! GEHT

TAG DER TIROLER TOURISMUSWIRTSCHAFT Dienstag, 22. September 2015, Beginn 13:30 Uhr Forum II, Messe Innsbruck (Eingang Ost) PROGRAMM Begrüßung Franz HÖRL Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft Dr. Jürgen BODENSEER Präsident der WK Tirol Günther PLATTER Landeshauptmann von Tirol

Jörg LÖHR Wirtschaftsberater und Motivationstrainer „Erfolg und Motivation in Zeiten der Veränderung“ Get TOGETHER Kollegentreff und Gedankenaustausch in der Tirol-Lounge im Obergeschoß der Halle C

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

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7 INHALT SAISON

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WO DAS RAD RUNDLÄUFT

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DIE ALPEN STEHEN FÜR ANSTRENGUNG

8 THEMA: BIKEN 8

Die Alpen stehen für Anstrengung Die Studie „Alpine Bike Tourism“ liefert tiefe Einblicke in die Zukunft des Radtourismus im Alpenraum.

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Wo das Rad rundläuft Best Practice: drei erfolgreiche Bikeparks und ihre Konzepte

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Avantgarde auf zwei Rädern Zu Besuch in Whistler, dem Mekka für Mountainbiker

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Die Zukunft ist elektrisch Im Trend bei E-Bikes: Sportlichkeit und ein zusätzlicher Antrieb lassen sich durchaus vereinen.

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Zwei Räder mit Potenzial Vieles wurde in Tirol bereits ins Rollen gebracht, einiges muss noch in Angriff genommen werden.

AVANTGARDE AUF ZWEI RÄDERN

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„EINE BESONDERE HALTUNG“

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Trends und Entwicklungen Karin Frick, Zukunftsforscherin vom Gottfried Duttweiler Institut, im Interview

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Perspektivenwechsel und Après-Ski Varietétheater: der Tirol Traum

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Wirt aus Leidenschaft Gastkommentar von Siegfried Egger

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Der direkte Draht zum Gast Buchungsplattformen: Viele Destina­ tionen und Hotels wollen das Heft wieder selbst in die Hand nehmen.

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„Eine besondere Haltung“ Claudia Miller und Hannes Bäuerle über ihr Buch „Alpenorte. Über Nacht in besonderer Architektur“

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Ab in die Vertikale Klettern boomt – die steigende Nachfrage soll auch mit neuen Kletterhallen bedient werden.

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Auf der Reise ins Jenseits „Erzähl mir was vom Tod“ – eine Ausstellung für Kinder

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Kommentare

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Ein heißes Thema Die 33. Internationale Konferenz für Alpine Meteorologie und ihr Ausblick für das Klima in Tirol

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Nachgefragt

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Radevents beleben den Sommer Seit zwanzig Jahren positioniert sich Tirol als starkes Radland.

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„Es gibt Entwicklungspotenzial“ Michael Keller, Geschäftsführer des TVB Tannheimer Tal, über die Entwicklung zur Rennraddestination

MAGAZIN

IMPRESSUM SAISON – Tourismusmagazin, Nr. 04/2015 (67. Jahrgang)

SAISON-Abohotline: 0512/58 60 20

HERAUSGEBER, MEDIENINHABER UND VERLEGER: Tirol Werbung, Maria-Theresien-Straße 55, 6020 Innsbruck MIT DER PRODUKTION BEAUFTRAGT: TARGET GROUP Publishing GmbH, Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck • CHEFREDAKTEUR: Matthias Krapf • REDAKTION: Steffen Arora, Daniel Feichtner, Mag. Susanne Gurschler, Mag. Jane Kathrein, Rebecca Müller, BA, Esther Pirchner, Ernst Spreng • AUTOREN: Ernst Molden, Alois Schöpf • FOTOGRAFEN: Emanuel Kaser, Franz Oss • GRAFIK: Marco Lösch • ILLUSTRATIONEN: Monika Cichoń ANZEIGENVERKAUF: Walter Mair, w.mair@target-group.at • ANSCHRIFT VERLAG: Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck, Tel. 0512/58 6020, Fax DW -2820, redaktion@target-group.at • GESCHÄFTSFÜHRUNG VERLAG: Mag. Andreas Eisendle, Michael Steinlechner • DRUCK: Niederösterreichisches Pressehaus, ­ St. Pölten. Die Informationen zur Offenlegung gemäß § 25 MedienG können unter der URL www.target-group.at/offenlegungen abgerufen werden.

© BIKEPARK SERFAUS FISS-LADIS, ÖTZTAL TOURISMUS, WOLFGANG RETTER, JUSTAJESKOVA/WHISTLER BLACKCOMB, TIROL WERBUNG

DER DIREKTE DRAHT ZUM GAST


Die Alpen stehen für Anstrengung Die AlpNet-Studie zum Thema „Alpine Bike Tourism“ lieferte bei theALPS 2015 tiefe Einblicke in die Zukunft des Radtourismus im Alpenraum. VON ERNS T SPRENG

© ÖTZTAL TOURISMUS (3)

Vier große Segmente sind laut der Studie „Alpine Bike Tourism“ in Zukunft für den Alpentourismus interessant: Mountainbiker, Trekking-Biker, Roadbiker, sprich: Straßenfahrer, und die sogenannten Urban Biker.


9 BIKEN SAISON

Die großen Vier. Eine der wichtigsten Erkenntnisse war, welche Gruppen von Radurlaubern in Zukunft für den Alpentourismus interessant sind. Pechlaner sieht in seiner Studie vier große Segmente: den Mountainbiker, den Trekking-Biker sowie das Thema Roadbike und die sogenannten Urban Biker. „Der Mountainbiker ist ein sehr differenziertes Feld und reicht vom Biken auf

Schotterstraßen bis hin zum Freerider und Downhiller“, erklärt Pechlaner. „Dieses Segment hat aber immer mit Anstrengung zu tun, mit Herausforderungen und ist geprägt von einer jüngeren Zielgruppe mit einem Durchschnittsalter von 33 Jahren.“ In den einzelnen Mountainbike-Richtungen unterscheiden sich die Mountainbiker zwar durch ihren Lifestyle, dennoch kommen sie alle für einen Alpenurlaub in Frage. Die Studie rechnet vor, dass allein

Auf der Straße. Auch im Segment der „Roadbiker“ – also der Straßenfahrer – sieht die Studie ein Wachstumspotenzial für den Alpenraum. Vor allem in den klassischen Rennradländern – wie zum Beispiel Italien – ist das Rennrad ein absolutes LifestyleProdukt. Dieser Urlauber wünscht sich eine klare Infrastruktur. Er braucht Pass-Straßen, gut ausgebaute Radwege und Straßen und fühlt sich in der Masse vor allem in den Voralpengebieten sehr wohl.

„Das Thema Berg ist bei Radfahrern mit sehr positiven Emotionen besetzt.“ PROF. HARALD PECHLANER, AUTOR DER STUDIE „ALPINE BIKE TOURISM“

in den Zielmärkten Schweiz und Deutschland rund sechs Millionen Menschen zu diesem Segment gehören. „Das Segment der Mountainbiker ist für die Zukunft eine stabile Größe, wird aber kein starkes Wachstum aufweisen“, ist Pechlaner überzeugt. Anders die Trekkingbiker. Das sind jene Radfahrer, die mit dem Rad längere Strecken überwinden wollen und von verschiedenen Motiven getrieben sind. Wenn sie von A nach B reisen, dann hat das mit Fitness genauso zu tun wie mit kulturellen und kulinarischen Erlebnissen. Und oft ist es die Route selbst, die der Grund für den Urlaub ist. „Dieses Segment wird stark steigen und ist eine Herausforderung für die Alpen, denn hier sprechen wir von einem Urlaub, der innerhalb von kurzer Zeit in mehreren Destinationen stattfindet“, so Pechlaner.

Beim vierten großen Segment, das in der Studie beschrieben wird, handelt es sich um den „Urban Biker“. Damit ist die steigende Zahl an Menschen in großen Ballungsräumen gemeint, die im Rad einen neuen Lifestyle entdeckt haben und dieses Gefühl auch in den Urlaub transferieren möchten. „Das heißt, diese Menschen wollen im Urlaub ihr Rad benutzen, brauchen aber einen Mix aus verschiedenen Mobilitäten“, erklärt Harald Pechlaner. „Das Rad muss im Zug oder Flugzeug problemlos zu transportieren sein. Im Urlaubsgebiet mixt man öffentliche Verkehrsmittel mit Liftanlagen und seinem Rad.“ Es ist eine junge Zielgruppe, eine Zielgruppe, für die die Berge als Erlebnis eine wichtige Rolle spielen.

Berge positiv besetzt. Ganz egal, zu welcher Spezies Radfahrer der Urlauber gehört, die Entscheidung für einen

© UNI EICHSTÄDT

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or rund zwei Wochen zeigte die Eurobike in Friedrichshafen, die größte Radmesse der Welt, wie sehr sich das Radfahren verändert und klassische Grenzen überschreitet. Rennräder bekommen breitere Reifen und Federsysteme. Der Elektroantrieb zieht überall ein – ob versteckt oder offen hergezeigt. Kompaktbikes passen in kleine Kofferräume und erschließen eine neue Form der gemischten Mobilität. Wie reagiert der Tourismus auf all diese Entwicklungen, die das Rad zu einer Mischung aus Freizeit-, Sport- und Lifestyle-Produkt machen? Das theALPSSymposium in Val di Fassa (Trentino) bot aufgrund einer umfassenden Studie zum Thema Radtourismus in den Alpen nicht nur Antworten, sondern vielmehr tiefe Einblicke, wohin sich der Radurlaub entwickeln wird. Das Schwerpunktthema „Biken“ war ein Wunsch aller Alpnet-Partner und wurde bei theALPS umfassend thematisiert. Prof. Harald Pechlaner von der EURAC in Bozen führte in Kooperation mit der Trentino School of Management eine Studie zum Thema „Alpine Bike Tourism“ durch und kann den Wunsch nach mehr Information rund um das Thema Radfahren sehr gut verstehen: „Unser Ziel war es, einen Überblick zu schaffen, wohin die Reise beim Radurlaub in den Alpen geht, und so Grundlagen für das Marketing und die Strategie der Zukunft zu bieten.“


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Radurlaub in den Alpen fällt aufgrund folgender Faktoren: Die Routen und deren exakte Beschreibung sind wichtig, der landschaftliche Reiz muss gegeben sein. Und hier spielen die Berge die wichtigste Rolle. „Das Thema Berg ist bei Radfahrern positiv besetzt“, meint Pechlaner. „Die Alpen stehen für Anstrengung in einem sehr positiven Sinn. Natürlich kann man die größten Hürden entschärfen, aber bei einem Bike-Angebot in den Alpen muss die Anstrengung in der Kommunikation mit dem Kunden eine wichtige Rolle spielen.“ Pechlaner geht sogar so weit, dass gerade das Radfahren den Alpen helfen kann, eine nicht mehr eindeutige Bergkompetenz wieder für sich zu gewinnen. „Wir sind nicht Norddeutschland oder die Niederlande – für den Radfahrer sind wir der Gegenentwurf zur Monotonie. Dieses Konzept müssen wir bewusst in der Kommunikation spielen.“

Die Konsequenzen. Was muss eine Destination also tun, um für den Radurlauber der Zukunft interessant zu sein? Die Studie gibt den Weg vor. Wer sich als touristische Destination dem Thema Rad

Sieger

„Wir sind nicht Norddeutschland oder die Niederlande – für den Radfahrer sind die Alpen der Gegenentwurf zur Monotonie. Dieses Konzept müssen wir bewusst in der Kommunikation spielen.“ PROF. HARALD PECHLANER, AUTOR DER STUDIE „ALPINE BIKE TOURISM“

widmen will, muss die ganze Dienstleistungskette darauf abstimmen. Es braucht Routen und Möglichkeiten, exakte Beschreibungen, der öffentliche Transport muss die Möglichkeit bieten, das Rad mit zu nutzen und zu transportieren. Die Beherbergungsbetriebe müssen sich in Sachen Infrastruktur und Verpflegung auf den Radurlauber einstellen. Im Mountainbike-Bereich kann man sich zwar auf ein Untersegment spezialisieren, Pechlaner ist aber überzeugt davon, dass ein Mix aus Forststraßen, Trails und verschiedenen Spielarten den Erfolg bringt.

Und das E-Bike?

Viele Touristiker fragen sich derzeit auch, welche Rolle der E-Biker in Zukunft spielen wird. Auch darauf wurde in der Studie eingegangen.

„E-Biken ist in unseren Augen kein eigenes Segment des Radurlaubers“, erklärt Harald Pechlaner. „Vielmehr wird die elektrische Unterstützung vom Mountainbiker bis hin zum Rennradfahrer in allen vier großen Segmenten Einzug halten.“ Es ist eine technische Entwicklung des Rades, die vor keiner Spezies Radfahrer Halt machen und die kommenden Jahre der Radentwicklung prägen wird (siehe Beitrag ab Seite 18). Davon ist übrigens auch die Radindustrie überzeugt. Mountainbike-Pionier Gary Fisher meinte auf der Eurobike, dass „in zehn Jahren kein Mountainbike mehr ohne Elektroantrieb auf den Markt kommen wird. Das ist das nächste große Ding.“ Wie gesagt, die Alpen stehen für Anstrengung, aber große Hürden werden entschärft. ×

Die nominierten Projekte

© PRO.MEDIA

Bei theALPS 2015 wurden folgende fünf Projekte von einer internationalen Jury als herausragende Beispiele für Bike-Projekte im Alpenraum für den theALPS-Award nominiert.

(v. l.) Hubert Siller (Vorsitzender der Expertenjury) gratuliert Gerhard Vanzi (GF Sellaronda MTB Tour) zum theALPS Award 2015 gemeinsam mit Andrea Weiss (Direktor Val di Fassa Tourismus), Maurizio Rossini (GF Trentino Marketing) und Josef Margreiter (GF Tirol Werbung).

SELLARONDA MTB TOUR Jurybegründung: Eine überregionale Bikedestination (Südtirol, Trentino, Veneto) rund um das atemberaubende Sellamassiv mit verschiedenen geführten Themenrouten ausgerichtet auf Kulinarik (Gourmet Tour), Gemütlichkeit (E-Bike Tour) oder Adrenalin (Gravity Tour). Zahlreiche Liftanlagen und professionelle Guides garantieren eine sichere und für Jedermann erlebbare Panoramarundfahrt.

MYTHOS ÖTZTALER RADMARATHON Jurybegründung: Seit 1982 schafft dieses bewährte und erfolgreiche Eventkonzept mit gelebter und authentischer Regionalität hohe Begehrlichkeit unter Rennradfahrern und verleiht der Destination zusätzliche Strahlkraft. Jahr für Jahr fiebern rund 20.000 Sportbegeisterte (bei 4.000 Startplätzen) diesem internationalen und exklusiven Event entgegen.

VAL DI SOLE BIKE LAND Jurybegründung: Aus dem UCI Mountainbike World Cup ist es Val di Sole gelungen, ein einzigartiges Positionierungsmerkmal für die Destination zu schaffen und Leistungssport mit touristischem Breitensport zu verbinden. Dabei bietet Val di Sole Bike Land ein umfassendes Bike-Erlebnis mit vielfältigem Streckenangebot und zahlreichen Zusatzleistungen.

GRAUBÜNDENBIKE Jurybegründung: In Verbindung mit verschiedensten Stakeholdern aus Verkehr, Wirtschaft und Tourismus gelingt graubündenBIKE durch eine besondere Management- und Organisationsinnovation ein überregionales Projekt mit ganzheitlichem Entwicklungsansatz. Touristische Einzelleistungen rund um das Thema Bike wurden zu einem Gesamtkonzept gebündelt.

VERBIER BIKEPARK Jurybegründung: Verbier gelingt es, mit dem Bikepark den Lifestyle des Winters eindrucksvoll in den Sommer zu transportieren. Mit dem Motto „quality and diversity, not quantity“ bietet Verbier mit schweizerischer Kunstfertigkeit sowie anspruchsvollen Strecken ein außergewöhnliches Bergerlebnis. Letztlich gelingt es, primäre Zielgruppen des Winters auch im Sommer anzusprechen.


11 BIKEN SAISON

Wo das Rad rundläuft Bikeparks sind nicht nur Spielplätze für actionaffine Sportler. Sie erweisen sich auch als neue Quelle der Wertschöpfung. Und das nicht nur für die Betreiber – sondern im Idealfall für die gesamte Region. Die folgenden Beispiele zeigen, warum. V O N R E B EC C A M Ü L L E R

Schöne Aussichten und abwechslungsreiche Abfahrten – Bikeparks bieten Spaß für große und kleine Biker.

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Familienorientiertes Serfaus-Fiss-Ladis. Innerhalb von zweieinhalb Monaten entstand im Sommer 2013 der Bikepark Serfaus-FissLadis. Heute bietet er Bikern drei leichte, drei mittelschwere und drei schwere Trails. Außerdem einen Kidspark und einen Trainingsbereich für Einsteiger an der Talstation der Waldbahn. Dort gibt es auch einen Pumptrack, bei dem es darum geht, Runden nur mit der Kraft aus den Armen und mit so wenig Pedalieren wie möglich zu schaffen, und einen Dirtpark

© BIKEPARK SERFAUS FISS-LADIS

n den vergangenen Jahren sind im gesamten Alpenraum Bikeparks entstanden. Sie richten sich an Downhiller und SingletrailFahrer, aber nicht zwingend nur an Profis und Adrenalinjunkies. Ihr Angebot ist meist auf die ganze Familie gemünzt. Sie bieten leichte Strecken, die von Kindern ab meist zehn Jahren bestritten werden können, einen eigenen Kinderbereich im Park oder auch spezielle Camps für Einsteiger oder Frauen und Mütter an. Bikes samt Schutzprotektoren können vor Ort ausgeliehen werden und oft ist auch eine Schule in den Park integriert. Betrieben werden die Bikeparks in der Regel von mehreren Verantwortlichen. Neben den Geschäftsführern der Parks selbst mischen auch Liftbetreiber, Tourismusverbände oder die Bikeschulen mit. Bikeparks bedeuten auch mehr Urlauber, mehr Nächtigungen, neue Zielgruppen – und all das im Sommer.


© GAUDENZDANUSER.COM

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BIKEPARK FLIMS (LAAX) • TREK-Runcatrail: 6 Kilometer Länge, leicht bis mittel • Never End Trail: 7 Kilometer Länge, 1.100 Höhenmeter • Pumptracks und Skill Areas für Kinder und Anfänger • Bikeservice/Bikeschule www.flims.ch

für Einsteiger mit leichten Sprüngen. Im Zielbereich vor der Talstation ist Slopestyle angesagt – hier warten also die richtig großen Sprünge auf die Biker. Anfangs wollten die Verantwortlichen des Bikeparks nur einen Bereich für schnelle Downhiller schaffen, vor allem um sie von den Wanderern zu trennen. Heute weiß Stefan Falkeis, Manager des Bikeparks SerfausFiss-Ladis: „Ein Bikepark wird nie fertig sein. Das ist eine Einrichtung, die ständig erweitert werden kann und vor allem ständiger Wartung bedarf.“ Finanziell rentiert habe sich das Projekt laut Stefan Falkeis schon früh: „Das war relativ schnell klar. Überrascht waren wir, als sich gezeigt hat, dass der Biker im Durchschnitt pro Person mehr ausgibt als der Skigast“, so Falkeis.

Mehrwert für Marketing. Im Bikepark SerfausFiss-Ladis kostenlos zu befahren sind der Kids Park, die Training-Area, die Dirtline und der Slopestyle. „Mit Ticket und Transport gibt es blaue, rote und schwarze Strecken, wie man es vom Winter her beim Skifahren kennt“, erklärt Falkeis. Vom Winter her kennen die Betreiber auch ihre Gäste, die im Grunde derselben Zielgruppe entsprechen. Angesprochen werden Familien. Der Anteil an einheimischen Besuchern beträgt rund 10 Prozent. Den Mehrwert für die Region sieht Stefan Falkeis neben 20 neuen Arbeitsplätzen und mehr Nächtigungen im Sommer auch in einem anderen Bereich: „Ein großer Mehrwert ist im Bereich Marketing auf allen Kanälen zu verzeichnen. Die Marke Serfaus-Fiss-Ladis ist jetzt noch stärker im Sommer präsent als je zuvor.“

„Freaks und Idealisten“ in Laax. In der Schweizer Gemeinde Laax wurde vor bereits 20 Jahren die erste Downhill-Strecke in Betrieb genommen. Bald danach

wurden erste Events rund um den damals noch jungen Sport organisiert. „Dieselben Freaks und Idealisten, die zu dieser Zeit das Snowboarding voranbrachten, kümmerten sich auch um das Mountainbiken“, blickt Florian Weidel von Events Flims Laax Falera zurück. Die inhaltliche Weiterentwicklung und der Ausbau des Parks sind auch in Laax Teile eines ständigen Prozesses. Dabei können einzelne Strukturen wie ein Pumptrack in wenigen Wochen gebaut werden. Nicht so einfach gestaltet es sich bei Strecken und Trails im Gelände, die aufgrund des langwierigen Genehmigungsprozesses oft Jahre im Voraus geplant werden müssen. Pläne zum weiteren Ausbau gibt es dennoch in Laax, denn, so betont Weidel: „Biken ist für uns als

„Überrascht waren wir, als sich gezeigt hat, dass der Biker im Durchschnitt pro Person mehr ausgibt als der Skigast.“ STEFAN FALKEIS, MANAGER BIKEPARK SERFAUS FISS-LADIS

touristisches Angebot unverzichtbar.“ Verantwortlich für den Bikepark in Laax ist hauptsächlich Flims Laax Falera Tourismus. Baumaßnahmen und Erhalt führen die Bergbahnen teils per Auftrag aus. Mit dem Biketourismus verfolgt man in der Schweizer Gemeinde die üblichen Ziele, wie eine Steigerung der Übernachtungszahlen und eine ganzjährige Auslastung der Bergbahnen. Mehrwert bringen vor allem Gäste, die gezielt zum Biken kommen, und Sommergäste, die das Biken als weiteres interessantes Angebot nutzen. Die erreichte Zielgruppe definiert Florian Weidel so: „Anfänger, Familien, Bike Freaks, Enduro Biker, Freerider, Tourenbiker. Biken ist extrem vielfältig“, meint der Touristiker.

© WWW.DANIAMMANN.COM

Alle drehen am Rad in Leogang.

„Biken ist für uns als touristisches Angebot unverzichtbar.“ FLORIAN WEIDEL, FLIMS LAAX FALERA TOURISMUS

Mithilfe gleich mehrerer Leistungsträger wurde der Bikepark Leogang realisiert. Er wurde von den Leoganger Bergbahnen und rund 20 weiteren stillen Gesellschaftern im Verhältnis von 50:50 umgesetzt, wie Kornel Grundner, Geschäftsführer des Parks, erklärt: „Hier sind kleine Vermieter, Hoteliers, Sporthandel, Gemeinde und der TVB mit dabei, somit wurde und wird die Idee von einer breiten Basis getragen“. Die Idee dazu wurde im Spätsommer 2000 geboren, im Herbst beschlossen und


SERFAUS-FISS-LADIS • 9 Trails, alle Schwierigkeitsgrade • Kids Park, Laufräder für Kinder ab drei Jahren • Training Area • Pumptrack • Solpestyle • Dirt Park • Bikeservice/Bikeschule www.bikepark-sfl.at

zeiten. In der Vor- und Nachsaison kommen sie hauptsächlich aus Deutschland, Schweiz und Österreich. In der Ferienzeit sind – neben den vorher genannten Nationen – auch Gäste aus Polen, Tschechien, Italien und Frankreich dabei. „Den Einheimischen-Anteil können wir mit circa 15 Prozent angeben – aus einem Umkreis von 50 Kilometern“, ergänzt Grundner. Für den Geschäftsführer des Bikeparks in Leogang hat sich das Engagement am Bikesektor jedenfalls

In den ersten fünf Jahren hat der Bikepark Leogang noch keine schwarzen Zahlen geschrieben. Folglich wurden einige Änderungen in der Organisation oder etwa auch in der Vermarktung vorgenommen. „Seit gut sechs Jahren sind die Zahlen positiv und es wurde in den Ausbau der Strecken investiert“, erklärt Geschäftsführer Grundner. Mit dem Bikepark konnte eine neue, junge Zielgruppe in den Ort und die Region gebracht werden. Großveranstaltungen, wie das Out of Bounds Festival, der Mountainbike KORNEL GRUNDNER, GESCHÄFTSFÜHRER BIKEPARK LEOGANG Weltcup Mitte Juni oder das Biketember Festival und weitere Bike-Events sorgen für gute Nächtigungszahlen in der Vorund Nachsaison. rentiert: „Unser Sommerangebot konnte gestärkt „Generell kann man sagen, dass der Bikepark in der werden und wir stehen mit dem Bikepark mit einem Vor- und Nachsaison speziell an den Wochenenden sehr spitzen Produkt am Markt“, so Grundner. Durch die und in der Ferienzeit bereits für die ganze Woche zu internationalen Events, wie z. B. die UCI Mountainbike Nächtigungen führt“, so Grundner. Die Kunden des & Trials Weltmeisterschaft 2012, konnte die Region Bikeparks Leogang unterscheiden sich je nach Saisonüber ihr Produkt im Bikebereich zudem internationale Bekanntheit aufbauen. Dieser Erfolg fußt nicht zuletzt auf einem Miteinander in der Region, weiß auch Grundner: „Durch sehr gute Wirtschaftskooperationen mit BIKEPARK LEOGANG unseren Partnern ist es erst möglich.“

„Unser Sommerangebot konnte gestärkt werden und wir stehen mit dem Bikepark mit einem sehr spitzen Produkt am Markt.“

• 7 Trails, alle Schwierigkeitsgrade • Beginner Areas • Bag Jump • Bikeservice/Bikeschule • Camping-Möglichkeit

© BIKEPARK LEOGANG / ARTISUAL

bike.saalfelden-leogang.com

Fazit. So vielfältig wie der Bikesport selbst präsentieren sich die Bikeparks im Alpenraum. Angesprochen wird meist die gesamte Familie, das Angebot ist ganz auf das Zielpublikum abgestimmt und hat vor allem hohen Servicecharakter. Die Region profitiert über eine Steigerung der Nächtigungszahlen, die neue Zielgruppe und ein Plus an Gästen in den Nebensaisonen. Ist der Bikepark Schauplatz von Events, kann zudem eine hohe internationale Medienpräsenz erreicht werden. Als ergänzendes Element kann ein Bikepark so eine wertvolle Rolle spielen und dafür sorgen, dass in der betreffenden Region das Rad in Sachen Bike-Tourismus rundläuft. ×

© BIKEPARK LEOGANG / ARTISUAL

Zuwachs für Nebensaisonen.

© BIKEPARK SERFAUS FISS-LADIS

Ende Juni 2001 konnte bereits die Eröffnung gefeiert werden. „Wir wollten unbedingt mit unserer Bergbahn einen täglichen Betrieb anbieten und waren uns relativ schnell sicher, dass dies für den Sommerbetrieb der Leoganger Bergbahnen eine riesige Chance darstellt“, blickt Grundner zurück. In Leogang werden den Bikern sieben Strecken in allen Schwierigkeitsgraden, ein Anfängerbereich und ein Bag Jump geboten, wo nach dem Sprung über die Rampe hinaus eine relativ weiche Landung in einem riesigen Luftkissen garantiert ist. Am Parkplatz des Bikeparks können Besucher auch ihr Zelt aufschlagen. An der Talstation kann man für 2 Euro eine Dusche benutzen, die Waschstation für die Bikes ist ebenso kostenlos wie das WLAN am Parkplatz und der Talstation, und auch ein Bikeshop und eine Schule sind vor Ort. Regelmäßig ist der Bikepark auch Schauplatz zahlreicher Events und 2012 wurden dort die UCI Mountain Bike & Trials Weltmeisterschaften ausgetragen.


© JUSTAJESKOVA/WHISTLER BLACKCOMB, ROBINONEILL/WHISTLER BLACKCOMB (3)

Bikerherzen schlagen höher bei der Vielfalt an Trails. Einzelne Strecken im Bikepark von Whistler genießen heute bereits Kultstatus.


15 BIKEN SAISON

Avantgarde auf zwei Rädern British Columbia gilt als Himmel auf Erden für Mountainbiker, und Whistler ist ihr Mekka. In den vergangenen 30 Jahren entwickelten die Kanadier den Zweiradsport zum Motor ihres Sommertourismus. Die SAISON hat sich vor Ort umgesehen, um herauszufinden, worauf dieser Erfolg basiert. VON S TEFFEN AROR A

D

ie Szenerie erinnert an den vierten Teil von Felix Mitterers „Piefke Saga“. Die Wege schwitzender Skifahrer und Snowboarder kreuzen sich mit denen von gut gepolsterten Downhillern und Spandexhosen tragenden Mountainbikern. Dazwischen schummeln sich immer wieder Gruppen von Kletterern mit ihrem Gurtzeug oder auch Raftingcrews in schwarzen Neoprenanzügen und orangenen Schwimmwesten über den belebten Platz an der Talstation der Lifte in Whistler Village. Ein ganz normaler Samstag Ende Mai. Es ist sozusagen Götterdämmerung, die Wintersaison geht nahtlos über in die Sommersaison. Während auf den Gipfeln des größten Skigebiets der Welt – Whistler Blackcomb – noch Sonnenskilauf genossen wird, hat die untere Hälfte des weltgrößten Bikeparks – die Fitzsimmons Zone – bereits geöffnet und lockt tausende Gravity-Mountainbiker an die kanadische Nortshore. Die Biker haben um diese Jahreszeit bereits deutlich die Nase vorn. Überhaupt läuft die Sommersaison hier dem Winter langsam, aber sicher den Rang ab. Wie das die Verantwortlichen geschafft haben? Seit fast 30 Jahren setzt Whistler auf das Thema Mountainbiken.

diese Einkommensquelle zu erhalten und nach Möglichkeit auszubauen. Mit dem neu aufkommenden Mountainbike-Trend bot sich genau diese Chance, um den bis dato brach liegenden Sommer auch gewinnbringend zu vermarkten. Jene, die im Winter als Skilehrer, Liftbedienstete und Hotelangestellte arbeiteten, waren die ersten, die vor 30 Jahren die ruhigen Sommermonate dazu nutzten, um die Berge mit den neu aufkommenden Mountainbikes zu erkunden. Diese erste Bikeszene wuchs rasant und immer mehr illegale Trails entstanden in den Bergen rund um Whistler. Das ist zugleich einer der Grundsteine für den heutigen Erfolg des sommerlichen Bikeangebotes: Es entstand aus einer gewachsenen lokalen Community heraus. Denn diese gründete 1989 die WORCA,

wuchs das Ansehen der Bike-Szene. Man organisiert bis heute Trailpflege-Tage, bei denen Freiwillige das riesige Netzwerk an Bikestrecken in der Region Instand halten. Lokale Geschäfte wurden als Partner ins Boot geholt, die für Ausrüstung oder Verpflegung der Teilnehmer aufkommen. Die Szene wuchs über die Jahre zu einer fixen Größe in Whistler und bis heute gilt WORCA mit seinen mittlerweile rund 1.600 Mitgliedern als treibende Kraft hinter dem ausgedehnten Trailnetzwerk der Region und zeichnet für die Pflege desselben verantwortlich. Wenn man bedenkt, dass Whistler selbst nur gut 10.000 Einwohner zählt, ein bemerkenswerter hoher Organisationsgrad. Doch er erklärt zugleich, warum das Bikeangebot Whistlers so erfolgreich ist: Es ist authentisch. Hier wird Biken gelebt. So wie in Tirol Skifahren

So wie in Tirol Skifahren Volkssport ist, so ist in Whistler praktisch jeder im Sommer am Mountainbike unterwegs. Man trifft den Bürgermeister ebenso nach Feierabend auf dem Trail wie den Koch aus dem Hotel an der Talstation.

Den Sommer nutzen. Als das Radfahren auf den Berg – und in der Folge hinunter – in den 1980er-Jahren aufkam, wurde man in British Columbia schnell hellhörig. Regionen wie Whistler leben einzig und allein vom Tourismus. Vor 70 Jahren bestand der heutige Skiort aus nichts weiter als ein paar Fischerhütten und Holzfällerbaracken. Erst mit dem Wintersport wuchs auch das Dorf. Doch bis heute gibt es hier, abgesehen von der Holzwirtschaft, keine andere Industrie als den Tourismus. Das weiß man und ist dementsprechend interessiert daran,

die Whistler Off-Road Cycling Association. Ziel dieser Vereinigung ist bis heute die Pflege und Erhaltung des ausgedehnten Netzwerkes an Mountainbike-Trails in Whistler. Und zugleich leistete die WORCA bewusstseinsbildende Arbeit, um den Stellenwert des Mountainbikens in der Region zu fördern. Die WORCA-Mitglieder – allesamt begeisterte Mountainbiker – suchten aktiv den Kontakt zu lokalen Behörden und zu den Grundbesitzern, die dem aufstrebenden Sport anfangs sehr skeptisch gegenüberstanden. Dank WORCA

Volkssport ist, so ist in Whistler praktisch jeder im Sommer am Mountainbike unterwegs. Man trifft den Bürgermeister ebenso nach Feierabend auf dem Trail wie den Koch aus dem Hotel an der Talstation.

Komplettes Angebot.

Mit der technischen Evolution der Mountainbikes stieg die Zahl der aktiven Rider. Und auch seitens der lokalen Behörden und der Gesellschaft hinter Whistler Blackcomb erkannte man angesichts des zunehmenden Zustroms an Radfahrern im Sommer, die vom


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Trailangebot in Whistler gehört hatten, dass es sich beim Mountainbiken um mehr als bloß einen kurzlebigen Trend handelt. Und so wurde 1998 der Whistler Bikepark eröffnet. Er gilt bis heute als der Diamant im Portfolio der Bikeregion. Im Jahr 2004 wurde das Angebot mit dem Crankworx Festival schließlich komplettiert. Das zehntägige Gravity Bikefestival gilt als größtes weltweit und gleicht einer Leistungsschau des modernen Mountainbikesports.

Dabei ist es nichts anderes als ein Tourismusprodukt. Whistler Blackcomb wollte sein Image als Bike- und Sportdestination im Sommer aufpolieren und erfand Crankworx. Mit großem Erfolg: Die rund zwei Wochen des Festivals sind mittlerweile die übernachtungsstärksten im ganzen Jahr. Zehntausende Fans und Biker bevölkern Whistler während Crankworx, das traditionell Anfang August stattfindet. Und die Veranstaltung sorgte dafür, dass heute jeder, der nur einmal auf einem vollgefederten Bike saß, davon träumt, nach Whistler zu fahren. Zwar war der Erfolg dank deutlich mehr Besuchern rasch zu bemerken, jedoch dauerte es bis 2006, um ihn erstmals mit handfesten Zahlen belegen zu können. Die Western Canada Mountain Bike Tourism Association (MBTA) gab damals eine Pilotstudie in Auftrag, die herausfinden sollte, welchen wirtschaftlichen Einfluss Mountainbiken auf die Region hat.

ßeren Hindernisse auf. Hier kann man mit Kindern gefahrlos erste Bikepark-Runden drehen oder als Anfänger erste Fahrpraxis sammeln. Wer es rasanter liebt, wird auf den blauen und schwarzen Trails fündig. Sie führen über breite Bikepark-Autobahnen oder aber schmale Waldwege ins Tal. Am Einstieg jedes Trails ist eine Infotafel angebracht, die erklärt, für welchen Ridertyp die Strecke geeignet ist. Die Tafeln arbeiten mit vielen Piktogrammen und Zeichen, um möglichst ohne Sprachbarriere mit allen Gästen kommunizieren zu können. Einzelne Strecken im Bikepark genießen heute bereits Kultstatus. Allen voran die A-Line, eine rasante Abfahrt über teils haushohe Sprunghügel, oder der Dirt Merchant, der mit noch krasseren Schanzen aufwartet. Die riesige Shapercrew, also jene Mitarbeiter, die die Trails warten, sorgt dafür, dass die Strecken immer im Idealzustand sind.

Die ganze Familie kommt auf ihre Kosten. Bevor es auf die Strecke geht, lernen die Kinder ihr Bike erst einmal richtig kennen.

Das Ergebnis lautete: Biketouristen gaben in den drei Monaten von Juni bis September mehr als 34,3 Millionen Kanadische Dollar aus. Davon entfielen 16,2 Millionen Dollar auf den Whistler Bikepark, 11,5 Millionen wurden über Crankworx generiert und die restlichen 6,6 Millionen sind allein auf die Trailfahrer im Whistler Valley zurückzuführen, also jene die auf den insgesamt 275 Kilometern offizieller Trails – nicht Forstwege, sondern echte Singletrails – der Region unterwegs sind. Diese Zahlen belegten eindrucksvoll, wie wichtig es ist, neben dem Bikepark auch ein gewachsenes Bikeangebot sowie ein Festival zu bieten.

Alle stehen dahinter. Die mittlerweile jahrzehntelange Erfahrung im Biketourismus schlägt sich im professionellen Angebt von Whistler nieder. Hier erleben Mountainbiker, was möglich wäre, wenn eine ganze Region, ein ganzer Ort und ein ganzes Unternehmen hinter einer Ideen stünden. Der Bikepark bietet eine derart große Auswahl an Abfahrten, dass wirklich für jeden Geschmack etwas dabei ist. Die grünen Strecken sind für Einsteiger geeignet. Sie sind breit, eher flach und weisen keine grö-

Vermarktung total. Im Tal wird das Angebot vom Berg umfassend vermarktet. Es beginnt mit den klassischen VerleihShops, wo Leihräder des Industriepartners Giant angeboten werden. Es gibt zwei Arten von Rädern: Standard und High Performance. Allein das High-Performance-Rad inklusive Tageskarte schlägt mit rund 200 Euro zu Buche. Kein billiges Vergnügen. Wer auch Schutzausrüstung braucht, muss noch tiefer in die Tasche greifen. Und die Grenzen nach oben sind offen. Denn es gibt neben dem offiziellen Verleihshop des Bikeparks auch andere Anbieter, die etwa Downhill-Bikes der gehobenen Preisklasse zum Verleih anbieten. Ein Santa Cruz V10 oder ein Devinci Wilson kosten hier bis zu 200 Euro pro Tag, ohne Liftticket. Natürlich bieten die zahlreichen Sportshops im Ort alles rund ums Thema Biken an – vom Outfit über die Protektoren bis hin zu Gimmicks wie die originalen Trailbeschilderungen der legendärsten Strecken. Wer zu Hause allen zeigen will, dass er Detroit Rock City bezwungen hat, kann sich das betreffende Trailschild übers Bett hängen. Auch in den Bars und Restaurants hat man sich voll auf die bikende Klientel eingestellt. Das Inventar ist unempfindlich

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© JUSTAJESKOVA/WHISTLER BLACKCOMB (3)

Die Innovationskraft des führenden Bikeparks weltweit ist beeindruckend. Ständig werden hier neue Standards gesetzt. Sei es in der Angebotsentwicklung, sei es in Sachen Marketing.

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17 gegen Schmutz, denn an Regentagen sind die Gäste hier alles andere als sauber. Und fast allabendlich steigen hier – als Pendant zum winterlichen Après-Ski – in den Bars sozusagen After Bike Partys.

Weiter Basisarbeit.

Trotz aller Vermarktung des Bikeangebotes wird in Whistler kontinuierlich Basisarbeit betrieben. Die WORCA arbeitet an der Pflege des Trailnetzwerkes außerhalb des Bikeparks, steht im permanenten Kontakt zu den lokalen Behörden und kümmert sich um Nachwuchsarbeit. Im Bikepark werden beinahe täglich zielgruppengerechte Events inszeniert. Legendär ist der Women‘s Wednesday, der mittlerweile auch unter demselben Namen an Montagen stattfindet, weil der Andrang so groß ist. An diesen Tagen erhalten alle Frauen ermäßigten Eintritt und Spezialtarife für Fahrtechnik-Kurse im Bikepark. Anschließend lädt die GLC Bar am Fuße des Bikeparks zum gemütlichen Ausklang nach einem Tag am Trail. Gut 300 Bikerinnen bevölkern an solchen Abenden die Bar. Es werden Preise diverser Sponsoren unter den anwesenden Frauen verlost und es gibt unterhaltsame Spiele. Denn Whistler will vor allem die Zielgruppe der

Frauen ansprechen, die im Gravity Sport immer noch unterrepräsentiert sind. Damit die lokale Szene sich austoben kann, werden zudem wöchentliche Downhillrennen angeboten. Etwa am Phat Wednesday. Die Nenngebühr kostet nur zwei Dollar und nicht selten racen hier lokale Amateure gegen zufällig anwesende Weltcup-Fahrer. Das sind nur zwei Beispiele für eine ganze Reihe an Programmen, die den Bikesport in Whistler fördern sollen. Die Innovationskraft des führenden Bikeparks weltweit ist beeindruckend. Ständig werden hier, einer Avantgarde auf zwei Rädern gleich, neue Standards gesetzt. Sei es in der Angebotsentwicklung – erst diesen Sommer hat der Bikepark erneut expandiert und wurde um eine

Gondelbahn ausgebaut. Sei es in Sachen Marketing – die aktuelle „In the Zone“Kampagne gilt als leuchtendes Beispiel professionellen Bike-Marketings. Doch der Erfolg liegt letztlich darin begründet, dass Biken in Whistler nicht bloß ein touristisches Produkt ist, sondern Teil der Lebenskultur. Nach dem Büro dreht man noch schnell eine Runde am Berg, vom Volksschüler bis zum Pensionisten fahren hier alle Mountainbike. Auf dieser soliden Basis fußt der Erfolg des weltweit führenden Bikeparks. Wenn man hierzulande also Lehren aus dem Erfolgsmodell Whistler ziehen will, so ist das in erster Linie jene: Ohne eine lebendige lokale Szene ist jedes Bikeangebot zum Scheitern verurteilt – alle müssen an einem Strang ziehen. ×

WHISTLER MOUNTAINBIKE PARK Der Whistler Mountainbike Park lockt jährlich über 100.000 Mountainbiker nach Kanada. Ihnen stehen mehr als 50 Trails mit einer Länge von über 250 Kilometern zur Verfügung. Darüber hinaus bietet Whistler ein dichtes und hochwertiges Netzwerk von mehr als 275 Kilometern Singletrails außerhalb des Bikeparks an. Größter jährlicher Event in Whistler ist das Freeride Mountainbike Festival Crankworx. In zehn Tagen besuchen mehr als 135.000 Besucher das Fest. Die Zeit des Festivals ist aus touristischer Sicht und hinsichtlich der Wertschöpfung mittlerweile gleichbedeutend mit Weihnachten und Silvester.

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© BIKEFESTIVAL KITZBÜHELER ALPEN - BRIXENTAL / WWW.MAKMAIMEDIA.AT, VIVAX

Die Zukunft ist elektrisch Auf den ersten Blick scheinen Radsport und Motoren einander auszuschließen. Doch E-Bikes sind groß im Kommen. Und der aktuelle Trend beweist, dass sich Sportlichkeit und ein zusätzlicher Antrieb durchaus vereinen lassen. VON DANIEL FEICHTNER

Fest im Sattel. Wie erfolgreich E-Bikes als Angebot im Fremdenverkehr einsetzbar sind, beweisen die Kitzbüheler Alpen seit mittlerweile fünf Jahren. Die Idee zum

Vorstoß beim großflächigen Einsatz der neuen Räder kam den Verantwortlichen bei einem Besuch der Eurobike-Messe in Friedrichshafen 2008, erzählt Christoph Stöckl, Marketingbeauftragter des TVB Brixental: „Die Regionen rund um die Kitzbüheler Alpen sind seit jeher im Radsport sehr etabliert. Dementsprechend war das Angebot von E-Bikes der nächste logische Schritt für uns.“ Inzwischen sind die Räder aber nicht mehr nur im Brixental ein wichtiger Teil des touristischen Angebots. Mittlerweile haben sich acht TVBs

zur E-BikeWelt zusammengeschlossen: Als größte E-Bike-Region der Welt bieten sie rund 1.000 Kilometer an Radwegen, die sowohl mit als auch ohne elektrische Unterstützung erkundet werden können. Und das Angebot kommt an. Nahmen im Jahr 2009 anfänglich zehn Hotels und fünf Sportgeschäfte an dem Projekt teil, sind es mittlerweile 44 Hotels und Pensionen und 37 Verleihstationen. Insgesamt verfügt die Region über mehr als 300 Leihräder. Besucher können 79 Ladestationen an verschiedensten Ausflugszielen

„Im Radsport tut sich technisch derzeit sehr viel. Und da sind die E-Bikes ganz vorne mit dabei. Gerade was Singletrails betrifft, sind sie groß im Trend.“ JOSEF HAIDER, KTM

© KTMHAIDER

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in reines Fortbewegungsmittel sind Fahrräder schon lange nicht mehr. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der „Drahtesel“ zunehmend zum Lifestyle-Element und HightechSportgerät entwickelt, das in unterschiedlichen Varianten verschiedensten Anforderungen gerecht wird. Und seit einigen Jahren zeichnet sich ein neuer Trend im Radsport-Sektor ab: Räder, die nicht nur passiv das Vorankommen erleichtern, sondern auch aktiv dabei helfen. E-Bikes, die ihre Fahrer mit einem Elektro-Motor unterstützen, mögen anfänglich noch belächelt worden sein. Inzwischen erobern sie jedoch immer mehr Bereiche des Radsports und sind auch in fordernderen Disziplinen keine Seltenheit mehr. Und mit dieser zunehmenden Vielseitigkeit haben sie auch im Tourismus an Bedeutung gewonnen.


19 BIKEN

E-Bikes finden in nahezu allen Segmenten des Radsports Anwendung. Bei Touren steigern sie die Reichweite, bei Gruppenausflügen helfen sie, Schritt zu halten, und im sportlichen Bereich können sie den Trainingseffekt verbessern.

„Ehepaare, Familien oder Freundesgruppen mussten sich bei ihrer Tourenauswahl entweder am ‚schwächsten Glied’ der Gruppe orientieren oder getrennte Wege gehen. E-Bikes schaffen hier einen Ausgleich.“ CHRISTOPH STÖCKL, TVB BRIXENTAL

nutzen und das tun sie auch. Insgesamt konnte die E-BikeWelt in der vergangenen Saison 35.000 Verleihtage verbuchen.

Die richtige Infrastruktur. Zur Umsetzung des E-Bike-Projektes holte man sich im Brixental und später auch in den gesamten Kitzbüheler Alpen movelo ins Boot. Das deutsche Unternehmen baute in Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden die notwendige Infrastruktur auf, stellte die ersten Räder zur Verfügung und ist bis heute ein wichtiger Partner der E-BikeWelt. „Anstatt die Fahrräder zu kaufen, hatten wir so die Möglichkeit, sie auf Leasing-Vertrag-Ebene saisonweise zu mieten“, erklärt Stöckl das Geschäftsmodell. Zudem übernahm movelo einen Teil des Marketings ebenso wie die Einrichtung von Akku-Tausch-Stationen an den entsprechenden Destinationen – jeweils abhängig von der Reichweite der Räder. Diese sind jedoch mittlerweile passé und wurden von Ladestationen abgelöst. „Die Technik im E-Bike-Bereich schreitet schnell voran“, meint Maren Hauke von movelo. „Inzwischen sind die Akkus so

leistungsstark und laden so schnell, dass es nicht mehr nötig ist, sie auszutauschen. Stattdessen können sie vor Ort geladen werden, während die Gäste zu Mittag essen oder einen Kaffee genießen.“ Dabei genügt oft eine einstündige Pause, um genügend Strom für die nächste Etappe zu tanken.

Rund-um-Paket. Ebenfalls zu den Dienstleistungen von movelo gehören Schulungen für die Mitarbeiter der Verleihstationen. Sie werden im Umgang mit den E-Bikes trainiert. So haben Gäste Spezialisten vor Ort, die ihnen das Handling und die Möglichkeiten, welche die Räder bieten, erklären. Und auch um die E-Bikes selbst kümmert sich das Unternehmen. Es wickelt die Logistik ab, die dafür sorgt, dass die Räder zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Der Service wird größtenteils von Vertragspartnern in der Umgebung vorgenommen, und sollte einmal ein Austausch nötig sein, wird dieser von movelo organisiert und umgesetzt. „Dabei entstehen den Verleihern beim E-Bike-Austausch und verschleißbedingten Reparaturen keine zusätzlichen Kosten“, versichert Hauke. „Diese Leistung ist im monatlichen Mietpreis vertraglich inkludiert. Nur unfallbedingte oder selbst versursachte Schäden werden nicht abgegolten.“

(Wieder-)Einstieg. Zu Beginn wurde das E-Bike-Angebot vor allem im Hinblick auf „Genuss-Radfahrer“ aufgegriffen. Besonders älteren Gästen sollte die Elektro-Unterstützung dabei helfen, auch forderndere Rad-Destinationen ohne Schwierigkeiten zu erreichen. Generell war der Antrieb in E-Bikes dazu gedacht, die eigene Leistung zu steigern, Fitness aufzubauen und weniger trainierten Radfahrern den Einstieg in den Radsport zu erleichtern. „Der Motor in einem E-Bike

ZAHLENSPIELE Die Leistung, mit der ein E-Bike einen Radfahrer unterstützen kann, kann man sich am besten im Vergleich vorstellen. Ein normaler Radfahrer bringt auf einer ebenen asphaltierten Straße eine Leistung von rund 80 Watt, also etwas mehr als ein Spaziergänger, der in etwa 60 Watt aufwenden muss. Für eine leicht anstrengende Tour sind 110 Watt nötig und die meisten Radler können eine Leistung von 140 Watt erreichen. Ein durchtrainierter 30-jähriger Mann schafft es sogar, mit bis zu 200 Watt in die Pedale zu treten. Addiert man dazu die maximale Antriebsleistung von 250 Watt, ergibt das 450 Watt. Zum Vergleich: Radprofis erreichen bei Bergetappen der Tour de France eine Durchschnittsleistung von 430 Watt.

© KITZBÜHELER ALPEN-BRIXENTAL

SAISON


20 BIKEN SAISON

„Für uns stand von Anfang an die Verschmelzung des Geists eines Rennrades mit moderner E-Bike-Technologie im Fokus.“ © VIVAX

ULRIKE TREICHL, VIVAX ASSIST

Sportlichkeit am Vormarsch. Vor allem in den vergangenen Jahren ist die Akzeptanz von E-Bikes stark gestiegen und so sind sie mittlerweile nicht nur

bei Radfahrern zu finden, die mit ihnen Ausflugstouren unternehmen. Auch im sportlich ambitionierten Bereich sind sie inzwischen gang und gäbe. „Je nach Hersteller sind rund 30 bis 50 Prozent der aktuell verkauften Mountainbikes mit einem Elektroantrieb ausgestattet“, weiß Stöckl. Und auch Josef Haider von KTM bestätigt die zunehmende Verbreitung. „Im Radsport tut sich technisch derzeit sehr viel. Und da sind die E-Bikes ganz vorne mit dabei. Gerade was Singletrails betrifft, sind sie groß im Trend.“ Dort greifen die Sportler nicht aus mangelnder Kondition zum Zusatzantrieb. Vielmehr nutzen sie ihn als Aufstiegshilfe, um die Kräfte für die oft ebenso anstrengenden Abfahrten zu schonen. „Auf diese Weise ist es möglich, aus einem Singletrail-Tag das Meiste herauszuholen und die eine oder andere zusätzliche Fahrt über den Trail zu schaffen“, sagt Haider. Dank dieser Entwicklung sind E-Bikes im Touren- und Mountainbike-Bereich

Funktionalität und Ästhetik. Ein reguläres E-Bike bringt im Schnitt rund 20 bis 25 Kilogramm auf die Waage. Ausschlaggebend dafür sind zum einen vor allem Motor und Akku. Zum anderen muss aber oft auch der Rahmen verstärkt werden, um dem zusätzlichen Gewicht und den stärkeren Kräften, die darauf einwirken, standzuhalten. Diesen Ballast machen sie zwar durch Leistung gut und gerne wieder wett, für vivax war das aber nicht genug. „Rennräder haben immer auch etwas mit Ästhetik zu tun“, sagt Ulrike Treichl

„Nach den Touren-Radfahrern und Mountainbikern halten E-Bikes im Kreis der Rennradfahrer Einzug – und auch dort steigt die Akzeptanz.“ STEFAN ASTNER, TVB HOHE SALVE © ASCHER

treibt es nicht einfach an, wie bei einem Moped“, erklärt Josef Haider vom österreichischen Rad- und E-Bike-Hersteller KTM. „Die Kraftübertragung setzt direkt beim vorderen Radkranz an. Der Motor funktioniert nur dann, wenn man in die Pedale tritt.“ Dabei fungiert er rein als Kraftverstärker. Je nachdem, wie fest der Fahrer tritt, liefert das E-Bike entsprechend mehr Energie, und so kann – je nach gewählter Einstellung – bis zu einer Verdoppelung der Leistung des Fahrers erreicht werden. „Verwendet man das Prinzip richtig, sind Tages-Touren von 120 Kilometern durchaus im Bereich des Möglichen“, versichert Haider. Damit entsteht im Tourismus zum einen ein Mehrwert für die Gäste: Sie haben die Möglichkeit, Touren zu bewältigen, die sonst zu schwierig oder jenseits der Reichweite eines normalen Radfahrers liegen würden. Zum anderen profitieren auch die Ausflugsziele davon. Selbst entlegenere Hütten, die bis dato nur von Rad-Profis erreicht wurden, können sich dank E-Bikes über einen regeren Besucherstrom freuen. „Es hat sich aber schnell gezeigt, dass nicht nur Radfahrer im älteren Segment von den E-Bikes profitieren können“, ergänzt Christoph Stöckl. Bald entdeckten auch Gruppen mit unterschiedlichen Leistungsniveaus die Räder für sich. „Ehepaare, Familien oder Freundesgruppen mussten sich bei ihrer Tourenauswahl entweder am ‚schwächsten Glied’ der Gruppe orientieren oder getrennte Wege gehen. E-Bikes schaffen hier einen Ausgleich.“ So können auch konditionell schwächere Radfahrer nicht nur Schritt halten, sondern auch an deutlich ausgedehnteren Touren teilnehmen und weiter entfernte Ziele erreichen.

halten E-Bikes im Kreis der Rennradfahrer Einzug – und auch dort steigt die Akzeptanz“, freut sich Stefan Astner, Geschäftsführer des TVB Hohe Salve. „Wir haben die idealen Voraussetzungen für dieses Projekt. Unsere Region verfügt über ein hervorragend ausgebautes Straßennetz, das auch entlegene Täler erreicht und sich perfekt für Rennräder eignet.“ Und: „Außerdem haben wir einen innovativen Partner direkt vor Ort, der uns die technischen Möglichkeiten bietet, den Ansprüchen des oft ein wenig elitäreren Klientels gerecht zu werden.“ Anstatt auf normale E-Bike-Technologie zu bauen, arbeitet die Ferienregion Hohe Salve eng mit vivax assist zusammen. Das Wörgler Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, den hohen Ansprüchen der Rennrad-Community gerecht zu werden, und feiert mit einem selbst entwickelten System bereits große Erfolge.

mittlerweile fest etabliert. Seit Kurzem wagt die Ferienregion Hohe Salve als Teil der E-BikeWelt allerdings einen weiteren Vorstoß: Sie bietet Gästen die weltweit erste E-Rennrad-Region und erschließt damit eine weitere Zielgruppe. „Nach den Touren-Radfahrern und Mountainbikern

von vivax assist. „Und ein klein wenig Eitelkeit ist vielleicht auch mit dabei. Für uns stand von Anfang an die Verschmelzung des Geists eines Rennrades mit moderner E-Bike-Technologie im Fokus.“ Deswegen verbirgt sich der Antrieb bei mit vivax assist ausgestatteten Rädern im


Sattelrohr und ist von außen komplett unsichtbar. Selbst der Akku wird in einer Satteltasche versteckt oder – für alle, die absolut minimalistische Optik wünschen – als Trinkflasche getarnt. Das gesamte Antriebssystem inklusive der Stromquelle fällt dabei mit gerade einmal 1,8 Kilogramm ins Gewicht. Dadurch bleiben die E-Rennräder erstaunlich leicht und wiegen in den meisten Fällen weniger als 10 Kilogramm. Dank des Two-in-OnePrinzips bleiben die Räder außerdem auch als normales Rennrad nutzbar. Wird keine Unterstützung benötigt, genügt ein Knopfdruck, um den Motor komplett auszukoppeln und nur mit Muskelkraft ohne zusätzlichen Tretwiderstand zu nutzen.

Kooperation für alle. Die Verbindung aus lokalem High-Tech und besten geografischen Voraussetzungen schafft das ideale Fundament, um E-Bikes auch im Rennrad-Bereich einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Von der Kooperation profitieren dabei alle. Die Ferienregion Hohe Salve bietet auch sportli-

chen Radfahrern eine zusätzliche Option. Ähnlich wie herkömmliche E-Bikes bieten die Räder Unterstützung auf schwereren Etappen, erhöhen die Reichweite und helfen konditionell schwächeren Fahrern dabei, Schritt zu halten. Außerdem eignen sie sich hervorragend zum Ausdauertraining, um dabei oft unerwünschte Pulsspitzen zu vermeiden. Und vivax hat die Möglichkeit, ihre Technologie einer breiten Öffentlichkeit zum Ausprobieren zur Verfügung zu stellen. „Die Verleihräder sind eine hervorragende Form der Produktpräsentation“, erklärt Treichl. „Im Shop bieten wir nicht nur Kompletträder, sondern natürlich auch unser Antriebssystem zum Kauf an. Wer unsere Räder getestet hat, kann sich in vielen Fällen sein eigenes Mountainbike, Renn- oder Trekking-Rad innerhalb eines Tages nachrüsten lassen, wenn es bestimmten Anforderungen entspricht. Und daran, wie oft dieses Angebot mittlerweile wahrgenommen wird, zeigt sich, dass E-Bikes nicht zuletzt auch bei Rennradfahrern eine große Zukunft haben.“ ×

© VIVAX

Schlanke Eleganz: vivax assists E-Rennräder schaffen eine Balance zwischen Optik und Leistung.

KRAFTPAKET E-Bikes sind je nach Modell mit bis zu 250 Watt starken Motoren ausgestattet. Wie viel dieser Energie am Hinterrad ankommt, hängt von der Bauweise und Übertragung ebenso wie von der Leistung des Radfahrers ab. E-Bikern stehen bei regulären Ausführungen verschiedene Leistungsstufen zur Verfügung, die die Trittkraft um bis zu 160 Prozent verstärken. Einen Sonderfall stellen die E-Rennräder von vivax assist dar. Sie sind mit Antrieben ausgerüstet, die 200 Watt leisten und von denen 110 an der Hinterachse zur Verfügung stehen. Sie bieten Kraftverstärkung ohne unterschiedliche Leistungsstufen. Dafür bestechen sie durch echte Rennradoptik und besonders niedriges Gewicht.


22 BIKEN SAISON

© TIROL WERBUNG/BAUER FRANK

Mit Muse sind Genussradler unterwegs und machen auch gerne Halt – wie hier entlang des Drauradwegs in Osttirol.

Zwei Räder mit Potenzial Biken soll in Tirol das Skifahren des Sommers werden. Ein genauer Blick zeigt: Es ist ein komplexes Thema – und auch wenn in den letzten Jahren schon vieles ins Rollen gebracht wurde, einiges muss noch passieren. V O N R E B EC C A M Ü L L E R

Wege bereiten. Um das Potenzial des Rad-Tourismus in Tirol weiß auch die Politik. 1997 beginnt das Land Tirol mit dem Tiroler Mountainbike-Modell, Bikern buchstäblich Wege und Möglichkeiten zu eröffnen. Das Befahren von Forst- und Almwegen ist in Österreich eigentlich nicht erlaubt. Zu heikel die Haftungsfragen und zu hoch der vermehrte Aufwand für die Instandhaltung für die Wegehalter. Mit Mitteln aus der Tourismusförderung wirkt das Land gemeinsam mit Tourismusverbänden und den Gemeinden diesem Dilemma entgegen. Das so geschaffene Routennetz hat mittlerweile eine Gesamtlänge von rund 5.000 Kilometern,

die Wege sind einheitlich beschildert, die Freigabe der Wege wird gefördert und auch die Haftpflichtversicherung stellt das Land Tirol. Ging es zu Beginn vorrangig um die Freigabe von Wegen, hat man im Anschluss versucht, ein richtiges Angebot zu schaffen: „Von attraktiven Routen zu Almen und Hütten über Rundtouren bis hin zu leichten und schweißtreibenden Touren“, erklärt Günther Zimmermann von der Abteilung Waldschutz des Landes Tirol. Aber auch Aufholbedarf kann Zimmermann klar erkennen, nämlich in puncto Single-Trails. 2014 wurde daher das Mountainbike-Modell 2.0 ins Leben

„Es ist jetzt an den Touristikern, das zur Verfügung gestellte Geld auch abzuholen und für ihre Projekte zu nutzen.“ INGRID SCHNEIDER, TIROL WERBUNG

© TIROL WERBUNG

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er Biketourismus hat Potenzial. Laut einer T-MonaStudie aus dem Sommer 2014 gehen etwa 12 Prozent der Tiroler Sommergäste Mountain­biken und geben dabei pro Tag durchschnittlich 109 Euro aus. Beliebt ist der Radsport vor allem bei einer jüngeren Zielgruppe: 22 Prozent der Bis-29-Jährigen und 14 Prozent der 30- bis 49-Jährigen fahren im Tirol-Urlaub Mountainbike. Vielfältig sind auch die verschiedenen Varianten der Sportart: Genuss- oder Touren-Radfahren, Mountainbiken, Rennradfahren, Downhill, Singletrail-Fahren oder E-Biken. Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung der E-Bikes in den letzten Jahren sind auch weniger sportlichen und konditionsstarken Menschen wenige Grenzen gesetzt. Nur macht vorhandenes Potenzial noch kein lukratives und erfolgreiches touristisches Angebot. Damit das Biken im Tiroler Sommer richtig ins Rollen kommt, muss in Infrastruktur und in ein Ziel investiert werden. „Die Regionen müssen ein Angebot finden, das nicht nur zu ihrer Positionierung passt, sondern die Zielgruppen klar und differenziert anspricht“, weiß Ingrid Schneider, Leiterin des Themenmanagements bei der Tirol Werbung.


gerufen, mithilfe dessen das bestehende Netz um neue Trails erweitert werden soll. „Dieser Ausbau ist jetzt notwendig. Bislang wurden 50 Trails mit einer Gesamtlänge von 200 Kilometern umgesetzt“, erklärt Zimmermann und ergänzt: „Das ist noch sehr bescheiden – soll sich aber auch bald ändern.“ Helfen wird dabei das Impulspaket für Wirtschaft und Beschäftigung vom Land Tirol.

„Den Alltagsfahrern reicht vielleicht eine Schotterstraße, Rennradfahrer wollen Asphalt, um schnell unterwegs sein zu können.“ EKKEHARD ALLINGER-CSOLLICH, LAND TIROL

Biken 2.0.

In puncto Mountainbiken und Single-Trails geht man im Land von folgender Ausgangslage aus: Sowohl die Tirol Werbung als auch zahlreiche Tourismusverbände stufen den Ausbau des Radtourismus als ein entscheidendes Zukunftsthema ein. Die geografischen und topografischen Gegebenheiten werden in Tirol als optimal bewertet, um auch die nötige Infrastruktur für die Biker schaffen zu können. „Daher hat sich die Tiroler Landesregierung im Rahmen des Impulspaketes entschlossen, dem Tourismus für den Ausbau ein Förderpaket zur Verfügung zu stellen“, erklärt Günther Zimmermann. Für den Bau von Single Trails stehen für den Zeitraum von 2015 bis 2016 einmalig 1 Million Euro zur Verfügung. Mit dieser

Summe können 100 Kilometer neue Trails gebaut werden. „Abgesehen von dieser einmaligen Förderung gibt das Land ab 2017 300.000 Euro jährlich für die Weiterentwicklung des Bike-Tourismus aus“, so Zimmermann weiter. Im Zusammenhang mit dem Impulspaket sind nun die Leistungsträger in den Regionen am Zug. Darüber ist man sich nicht nur im Land selbst einig. „Es ist jetzt an den Touristikern, das zur Verfügung gestellte Geld auch abzuholen und für ihre Projekte zu nutzen. Denn Singletrails sind längst nicht mehr nur ein Angebot für ein paar wenige Mutige, sondern für

den Großteil der Mountainbiker absolut entscheidend bei der Wahl ihres Urlaubsziels“, betont auch Ingrid Schneider von der Tirol Werbung. „Gefördert werden Single-Trailprojekte, die inhaltlich der Initiative ‚BERGWELT TIROL – MITEINANDER ERLEBEN’ entsprechen“, so Günther Zimmermann vom Land Tirol. Dabei geht es um einen offenen Dialog mit allen Naturnutzern und um einvernehmliche Angebotsentwicklungen. Die Initiative soll dazu beitragen, dass trotz zunehmender Inanspruchnahme der Natur keine Unstimmigkeiten zwischen den Naturnutzern entstehen und bestehende

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14.09.15-18.11.15 22.09.15-06.02.16 28.09.15-10.12.15 12.10.15-10.12.15 02.11.15-20.11.15 23.11.15-02.12.15 07.10.15-04.11.15

14.09.15-22.2.16

13.01.15-20.04.15 12.10.15-13.11.15 02.11.15-20.11.15 13.10.15-04.11.15 17.11.15-05.12.15 12.10.15-13.11.15

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„Gefördert werden SingleTrailprojekte, die inhaltlich der Initiative ‚BERGWELT TIROL – MITEINANDER ERLEBEN‘ entsprechen.“ GÜNTHER ZIMMERMANN, LAND TIROL

man damit gezielt Familien ansprechen kann, z. B. mit leichten oder kurzen Touren, die im Idealfall auch mit dem E-Bike bestritten werden können. Außerdem wichtig ist, dass Unterkünfte den Ansprüchen radfahrender Gäste gerecht werden, man Räder auch vor Ort ausleihen kann und die Mitnahme im Öffentlichen Verkehr bestmöglich geregelt ist.

Hindernisse überwinden. Bei den Auseinandersetzungen gemeinsam gelöst werden. Förderfähig sind Singletrails in bereits erschlossenen Erholungsräumen, auch im Umgebungsbereich von Aufstiegshilfen, wenn diese frei zugänglich sind, vornehmlich der Entflechtung von Wanderern und Radfahrern dienen und dazu beitragen, dass bisher unberührte Naturlebensräume als solche erhalten bleiben.

Vernetzt gedacht. Neben

den Themen Mountainbike, Downhill und Single Trails steckt aber auch im Genuss- oder Touren-Radfahren, dem Rennradfahren und im E-Bike viel Potenzial. Und auch hier gibt es Aufholbedarf, wie Ekkehard Allinger-Csollich vom Sachgebiet Verkehrsplanung beim Land Tirol betont: „Defizite gibt es auch bei Radwegen, die ja auch von Einheimischen und Alltagsradlern genutzt werden.“ Ein Beispiel dafür ist der Innradweg, der durch Tirol in fünf Etappen und über rund 230 Kilometer führt. Der Weg wird nicht nur für Radtouren genutzt, auch Einheimische im Alltag nutzen immer wieder eine Teilstrecke, um von A nach B zu kommen. Das Land will daher beim Ausbau des Radwegenetzes einen Gang zulegen. Durch das Impulspaket wird der Förderbetrag für Tirols Radwege in den Jahren 2015 und 2016 von 1,1 Millionen auf insgesamt 3,6 Millionen gesteigert. Ekkehard Allinger-Csollich sieht in Sachen Radwege vorrangig den Bedarf, die Strecken zu einem Radwegenetz auszubauen und einzelne Wege – je nach Bedarf und Möglichkeit – miteinander und auch an die öffentlichen Verkehrsmittel anzubinden. Auch hier gilt es verschiedensten Ansprüchen zu entsprechen, was schon bei der Beschaffenheit der Wege beginnt. „Den Alltagsfahrern reicht vielleicht eine Schotterstraße, Rennradfahrer wollen Asphalt, um schnell unterwegs sein zu können“, nennt Allinger-Csollich ein

Beispiel und gibt weiter zu bedenken: „Es ist aber nur selten möglich, auf der gesamten Strecke denselben Untergrund zu haben.“ Das Land ist deshalb gerade dabei auch bei den Radwegen eine umfassende Bedarfserhebung durchzuführen und entsprechende Maßnahmen zu planen.

Rahmenprogramm.

Maßnahmen müssen in diesem Zusammenhang auch Tourismusregionen und Gemeinden setzen. Neben dem Streckenausbau, der Beschaffenheit der Wege und der Beschilderung sind für Corinna Gleirscher, verantwortliche Themenmanagerin in der Tirol Werbung, zwei Aspekte entscheidend: „Eine gute Infrastruktur, zu der auch z. B. Rastplätze gehören, und ein attraktives Angebot entlang der Strecke.“ Denn wer zum Genuss- oder zum Touren-Radfahren nach Tirol kommt, hat etwa auch kulinarische Ansprüche im Gepäck. „Genussradler machen auch gerne Halt, wollen sich mit guter Tiroler Küche stärken, an einem See eine Pause einlegen“, führt Corinna Gleirscher aus. Ein Angebot rund um diese Varianten des Radsports hat auch den Vorteil, dass

Mountainbike-Strecken auf Forstwegen ist Tirol gut aufgestellt, findet man sowohl bei Tirol Werbung als auch beim Land Tirol. Aufholbedarf besteht bei Radwegen – hier vor allem beim optimierten Ausbau und der bequemen Anbindung an die vorhandene Infrastruktur. Und ausgebaut werden müssen auch Singeltrails. Dabei bestehen neben dem finanziellen Aspekt zwei Herausforderungen: Einerseits muss der entsprechende Grund zur Verfügung stehen, andererseits müssen Voraussetzungen für ein harmonisches Miteinander zwischen Wanderern und Radfahrern geschaffen werden. Politik wie Tirol Werber sind sich also einig: Der Biketourismus in Tirol hat großes Potenzial. Entscheidend ist neben infrastrukturellen Voraussetzungen eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten vom Land Tirol über die Tourismusverbände bis hin zu Liftbetreibern und Grundbesitzern. Und auch wenn die Schaffung entsprechender Angebote nicht ohne Herausforderung bleiben wird, ist Corinna Gleirscher überzeugt: „Hindernisse sind vorhanden, wenn aber alle an einem Strang ziehen, um sie zu meistern, sind sie überwindbar.“ ×

Auch die Möglichkeit das Rad z. B. mit der Bergbahn mitzunehmen, wie hier bei den Serlesbahnen in Mieders, gehört zu einem umfassenden Angebot.

© TIROL WERBUNG/OLIVER SOULAS

© LAND TIROL/FORCHER

SAISON


„Früh auf das Thema eingeschossen“

… jetzt NEU mit

SchauBauernhof

Seit den 1990er-Jahren haben sich Nauders und das Plateau am Reschenpass dem Biken verschrieben. Manuel Baldauf, Geschäftsführer von Nauders Tourismus, kennt die Erfolgsgeschichte und Tipps für Nachahmer.

S

© TVB NAUDERS

GENUSSlöffeln in der SchauSennerei

AISON: Herr Baldauf, in Tirol hat sich in den letzten Jahren schon einiges getan, doch es gibt noch Aufholbedarf – teilen Sie diese Ansicht? MANUEL BALDAUF: Ja, es konnten in den letzten Jahren verstärkt Akzente zum Thema Bike gesetzt werden, es ist aber noch mehr Potenzial vorhanden – vor allem können auch Teile der Winterinfrastruktur, sprich: Bergbahnen für den Sommer der Zielgruppe angeboten werden, und wir können mit geringen Investitionen Angebote schaffen. Was will der Gast, wenn er nach Tirol zum Biken kommt? In erster Linie ein tolles Produkt wie z. B. Trailnetz, Bikepark, spezielle Rundtouren mit viel Trailanteil usw. und nicht nur ein einfaches Tourenangebot, das aber natürlich ebenso wie die tolle Landschaft Voraussetzung ist. Bikefreundliche Unterkünfte, Bikeverleih, Werkstatt, Bikewash sowie Hütten und Almen zum Einkehren entlang der Touren sind wichtig. Und auch Bikeguides und Schulen, welche Touren anbieten, sowie Mehrwertskarten speziell ausgelegt für Biker, wie: Inklusivkarten für Bergbahnfahrten, Schwimmbäder, geführte Touren etc., gehören dazu. Ist das Oberland eine Bike-Region? Was zeichnet sie als solche aus? In Nauders und am Reschenpass hat man sich schon in den 1990er-Jahren auf das Thema eingeschossen. Zu dieser Zeit wurden die ersten offiziellen Routen freigegeben. Mittlerweile konnten wir ein neues Produkthighlight für Biker und Enduristen schaffen: die „3 Länder Endurotrails“. Wir haben für dieses Angebot unsere geöffneten Sommerbergbahnen mit einem Trailnetz zu einer Rundtour verbunden. Ein wichtiger Aspekt am ganzen Projekt war, dass es zu keinen Benachteiligungen der Interessengruppen führt. Biker haben ihre Trails und Wanderer haben ihre Wanderpfade. Vielen Dank für das Gespräch.

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SINNvoll genießen

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120 Journalisten testeten im Vorfeld der Fahrradmesse Eurobike in Kirchberg die neuesten Produkte der Branche.

15.000 Radfahrer aus 34 Nationen haben sich um einen Startplatz beim heurigen Ötztal Marathon bemüht. 4.000 wurden dann zugelassen.

Radevents beleben den Tiroler Sommer Vom Radmarathon bis zu den Eurobike Media Days. Seit zwanzig Jahren positioniert sich Tirol als starkes Radland und bringt mit immer wieder neuen Ideen den Sommer in Schwung. V O N J A N E K AT H R E I N

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anze 238 Kilometer und 5.500 Höhenmeter. Der Ötztaler Radmarathon gilt als sportlicher Höhepunkt für die besten Hobbyradsportler der Welt. Tausende Zuschauer feuern die Athleten jedes Jahr entlang der Strecke an. Starttickets für das Rennen sind derart begehrt, dass damit sogar schon auf eBay gehandelt wurde. 15.367 Radsportler aus 58 Nationen haben sich für die heurige Auflage angemeldet, 4.000 von ihnen traten letztlich in die Pedale, nachdem das Los entschieden hatte – in zwei Durchgängen und nach einem gut durchdachten Verteilungsschlüssel. Seit drei Jahren stellen sich auch immer mehr Frauen der Herausforderung Ötztal Marathon, hört man von den Veranstaltern. 560 waren es heuer.

Altbewährtes. „Die fehlende Neuartigkeit macht der Ötztaler durch seine Alleinstellungsmerkmale wett“, weiß Nicole Jäger von der Pressestelle des Ötztal Tourismus. Der erste Startschuss zu diesem Radevent fiel vor 33 Jahren, seitdem setzen die Organisatoren auf bewährte Ideen und ein eingespieltes Team. In Um-

„Für uns sind die Eurobike Media Days eine gute Gelegenheit, das Radland Tirol in Verbindung mit den neuen und innovativen Produkten der Branche in die Auslage zu stellen.“ JOSEF MARGREITER, GESCHÄFTSFÜHRER DER TIROL WERBUNG

fragen betonen dann auch Teilnehmer und Zuschauer aus aller Welt ihre Begeisterung über die landschaftliche Besonderheit und die einzigartige Streckenführung. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer kommt übrigens aus Deutschland – 2.627. Gefolgt von Österreich (926) und Italien (796). Vor mehr als 10 Jahren hat die Tirol Werbung eine Offensive mit dem Schwerpunkt Sponsoring von Großveranstaltungen im Radsport gestartet. Geschäftsführer Josef Margreiter erinnert sich zurück. „Tirol war damals eines der ersten Bundesländer,

das sich für Radrennen engagierte.“ Und das mit gutem Grund: In den wichtigsten Herkunftsmärkten erfreut sich das Radfahren großer Beliebtheit. 20 Prozent der Tirol-Gäste fahren Rad, 12 Prozent sind mit dem Mountainbike unterwegs. „Mit Radsportveranstaltungen werden hohe Kontaktzahlen erreicht“, so Margreiter. Das durchschnittliche Alter des „klassischen“ Sommergasts im Ötztal beträgt 48,8 Jahre und passt somit zum Alter des durchschnittlichen Hobby-Rennradfahrers. Besonders die sportlichen, naturverbundenen Teilnehmer werden durch die attraktive Streckenführung des Ötztalers angesprochen, wobei die Chance eines Vergleichs mit den „ganz großen“ Teilnehmern wie den Ex-Profis Jan Ullrich oder Jörg Ludewig ebenso als Beweggrund für einen Start genannt wird. Drei Tage im Durchschnitt nächtigen die Marathon-Teilnehmer im Tal. Rund 25.000 zusätzliche Nächtigungen bringt der Ötztaler in die Region.

Neue Akzente. Altbewährtes hält sich auch in Kirchberg. Trotz allem setzen die Tourismusstrategen auch neue Akzente. In der Ferienregion trafen sich heuer im


27 BIKEN

© ÖTZTALER RADMARATHON/LORENZI, EUROBIKES FRIEDRICHSHAFEN

SAISON

Juni erstmals die schnellsten EnduroFahrer Europas. Am Tag davor wurde zum traditionellen KitzAlpBike Mountainbike Marathon gerufen. 1.500 Radsportler waren in diesen Tagen unterwegs. Organisator Max Salcher, Geschäftsführer TVB Kitzbüheler Alpen-Brixental, spricht von Festivalcharakter und: Die Region Kirchberg habe bereits viel Erfahrung mit Großveranstaltungen – im vorigen Jahr wurden hier Mountainbike Marathon Weltmeisterschaften ausgetragen. Mit dem Thema Rad und Mountainbike gelinge es vor allem auch eine neue Zielgruppe anzusprechen, die wetterfest und saisonunabhängig ist. Leidenschaftliche Biker kommen auch für ein Wochenende oder einen Kurzurlaub, um neue attraktive Strecken zu testen. Eine optimale Möglichkeit zur Saisonentzerrung. Im Rahmen der Eurobike Media Days konnten sich vorab auch Journalisten in der Region umsehen. Die weltgrößte Fahrradmesse Eurobike, die jährlich in Friedrichshafen stattfindet, rief im Vorfeld zu den ersten Eurobike Media Days in Kirchberg in Tirol. Mehr als 120 Medienleute kamen, darunter Journalisten aus Japan, Mexiko, Brasilien oder Australien. Bekannte Hersteller wiederum erhielten hier die Möglichkeit, ihre Produkte zu präsentieren. „Für uns ist es eine gute Gelegenheit, das Radland Tirol in Verbindung mit den neuen und innovativen Produkten der Branche in die Auslage zu stellen“, freut sich Josef Margreiter.

Partnerschaften.

Hervorgegangen sind die Media Days aus der Kooperation zwischen Eurobike und Tirol Werbung, die

heuer bereits zum dritten Mal als exklusiver Tourismuspartner in Friedrichshafen an allen vier Tagen vor Ort war: 45.000 Fachbesucher, 20.000 Endkonsumenten am Publikumstag und 2.000 Journalisten. Eine gute Gelegenheit, um sich mit den wichtigsten Partnern der FahrradBranche – Weltmarktführern, Experten sowie Journalisten – zu vernetzen. Am Messestandort Friedrichshafen (100.000 Quadratmeter Fläche, 1.350 Aussteller) konnten auch urlaubsrelevante Informationen an Multiplikatoren und Endkonsumenten weitergegeben werden. Tirol präsentierte im Rahmen von „Holiday on Bike“, der Reisebörse am Publikumstag, gemeinsam mit sechs heimischen Tourismusverbänden das Tiroler Rad- und Mountainbikeangebot.

Crossmedial. Wer seine Destination positionieren will, braucht also viele verschiedene Partner. Crossmediale Bewerbung wirkt noch immer am besten, das zeigt sich auch wieder am Beispiel

Ötztal Marathon. Klassische PR-Arbeit und Medienkooperationen mit Verlagshäusern begleiten die Teilnehmer von der Registrierung über die Auslosung, die Vorbereitung bis hin zum Rennen und den offiziellen Ergebnislisten. Daraus ergibt sich laut Ötztal Tourismus eine Reichweite via Printmedien von mehr als 51 Millionen Menschen, die laufend über den Ötztaler Radmarathon informiert werden. Radsportveranstaltungen seien zudem, so Margreiter, besonders für TV-Beiträge prädestiniert, weil sie die Natur, die Landschaft und viele regionale Geschichten ins Bild bringen. Die begleitende Berichterstattung zum Ötztaler Radmarathon via TV flimmert gut 500 Stunden lang über die Bildschirme dieser Welt. Kann man dabei noch von etwas träumen? Eine TV-Live-Übertragung des Rennens wäre die Krönung, weiß Nicole Jäger vom Ötztal Tourismus. Die ersten Schritte wurden schon gegangen: Ein LiveTicker auf diversen Online-Portalen und ein SMS-Service wurden umgesetzt. ×

SPONSORING VON RADEVENTS Im Schulterschluss mit Tourismusverbänden unterstützt die Tirol Werbung einige bedeutende Rennradbewerbe, die neben Rundfahrten auf oberster UCI-Ebene (Giro d‘Italia, Tour de Suisse, Österreich-Rundfahrt) auch hochkarätige Großveranstaltungen im Breitensport umfassen: Ötztaler Radmarathon, Dolomiten-Radrundfahrt, Radmarathon Tannheim, 3 Länder Giro und Arlberg Giro. Darüber hinaus besteht ein Sponsoring des Tyrol Cycling Teams als erfolgreiche Botschafter des Radsportlandes Tirol. Im Bereich Mountainbiken engagiert sich die Tirol Werbung beim KitzAlpBike, in dessen Rahmen heuer erstmalig die Enduro-Europameisterschaften ausgetragen wurden, und beim Nordkette Downhill Pro in Innsbruck. Im kommenden Jahr präsentiert der ORF eine große Alpenfahrt und startet eine Radtour vom Chiemsee zum Gardasee. Die Tirol Werbung fungierte dabei als Initiator. Und Wünsche für die Zukunft? Zu nennen sind hier die Straßenrad-WM, weitere Besuche des Giro d’Italia und eine Tour-de-France-Etappe.


28 BIKEN SAISON

„Es gibt Entwicklungspotenzial“ Michael Keller ist Geschäftsführer des TVB Tannheimer Tal. Der ehemalige Radsportler und Trainer spricht im Interview über die Entwicklung des Tannheimer Tals zur Rennraddestination, die Potenziale in diesem Segment und das E-Bike als Thema der Zukunft. DA S INTERVIEW FÜHRTE SUSANNE GURSCHLER .

© KELLER

Michael Keller hat das Tannheimer Tal zu einer Destination für Radsportler gemacht

S „Meiner Meinung nach ist es nicht gut, Begehrlichkeiten zu wecken, ohne ein entsprechendes Produkt zu haben.“

AISON: Herr Keller, das Tannheimer Tal ist vor allem im deutschsprachigen Raum als Wandergebiet bekannt. Seit einigen Jahren setzt der TVB auch auf Radtourismus. Von welchen Überlegungen sind Sie ausgegangen? MICHAEL KELLER: Der Sommertourismus macht in der Region 53 Prozent aus und Wandern ist die Nummer eins im Tannheimer Tal. Daran wird sich nichts ändern, das wollen wir auch nicht. Mit der zusätzlichen Fokussierung auf Rennradfahrer haben wir versucht, eine Nische zu belegen und neue, touristisch interessante Kreise anzusprechen. Das lag nahe, da ich selbst aus diesem Bereich komme, also genau weiß, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit eine Region für Radfahrer ansprechend ist. Wie alle, wollten wir zuerst auf Mountainbike setzen. Es hat sich aber rasch herausgestellt: Das Konfliktpotenzial ist zu groß. Den Wandergast zu vergrämen, wäre weder geschickt noch gescheit. Zudem hat die Zugspitz Arena sehr früh und sehr erfolgreich auf Mountainbike gesetzt, mit der brauchten und wollten wir nicht konkurrieren. Deshalb haben wir auf das Rennrad fokussiert. Wie haben Sie diesen zusätzlichen Schwerpunkt beziehungsweise den strategischen Ansatz entwickelt? Wir haben zunächst ein handliches Booklet mit 22 Touren, insgesamt 2.500 Kilometer, zusammengestellt, sprich eine große Übersichtskarte angefertigt und in Einzeltouren samt Infos zerteilt.

Von Vorteil war hier natürlich, dass ich als langjähriger Rennfahrer die Umgebung hervorragend kenne. Ausgehend vom Tannheimer und dem Lechtal führen Touren in verschiedene Regionen des Außerferns, aber auch ins Allgäu oder über den Fernpass ins Inntal. Die gewählten Routen bieten für jeden etwas: von eben bis hügelig und steil, von leicht bis mittelschwer und sehr anspruchsvoll. Seit sieben Jahren führen wir darüber hinaus erfolgreich auch einen Radmarathon durch. Wir haben also zuerst die Hardware Tourenangebot entwickelt und dann die Software Sportveranstaltung. Die meisten Anbieter machen es umgekehrt. Meiner Meinung nach ist es aber nicht gut, Begehrlichkeiten zu wecken, ohne ein entsprechendes Produkt zu haben. Können Sie Zahlen nennen? Wir haben keine konkreten Erhebungen gemacht, ich kann aber sagen: In Deutschland, unserem Hauptzielmarkt, kennt man das Tannheimer Tal jetzt als Rennraddestination. Um die entsprechende Breitenwirkung zu erzielen, war der Radmarathon sehr wichtig. Damit erreicht man die Szene. Wir hatten heuer 1.500 Leute am Start, das Tannheimer Tal war komplett ausgebucht, auch die umliegenden Regionen profitierten. Der Impuls für die Region ist also sehr stark. Zudem haben wir eine Medienkooperation mit der Fachzeitschrift „Procycling“, die regelmäßig über unseren Event berichtet. Eine solche Partnerschaft ist wie ein Lotto-Sechser. Werbeeinschaltungen in diesem Umfang wären für eine kleine Region wie


29 „Wichtig ist, dass man überzeugt ist vom Produkt, die notwendige Ausdauer hat und nachhaltig agiert.“ MICHAEL KELLER, GESCHÄFTSFÜHRER DES TVB TANNHEIMER TAL

Inwiefern? Der Rennradfahrer ist eher ein Langläufer. Hier schließt sich der Kreis, die Synergieeffekte für das Tannheimer Tal sind beachtlich. Was zudem sehr, sehr wichtig ist: Wir haben 16 ausgewiesen rennradfreundliche Betriebe. Das ist deshalb sehr wichtig, weil sich die Sportler wohlfühlen wollen und sollen. Sie bewegen sich in einer Umgebung, die offen ist für ihre Belange, sie können in den Radklamotten zum Frühstück kommen etc. Wie sehen die weiteren Schritte aus? Wichtig ist, dass man überzeugt ist vom Produkt, die notwendige Ausdauer hat und nachhaltig agiert. Wir haben das Thema entwickelt und mittlerweile Testimonials gewonnen – Marcel Wüst für die deutsche Seite und Gerrit Glomser für Österreich. Nun gilt es, die Qualität hoch zu halten, spezifische Angebote auszuarbeiten. Zu Pfingsten gibt es eine Rennradwoche mit Wüst, zudem bewerben wir diese Zeit für einen Radurlaub. Ziel ist, dass diese Woche für Rennradfahrer zum Fixtermin wird. Zum einen wird Pfingsten für die Konsumenten als Urlaubszeit immer wichtiger – durch die günstigere Vorsaison. Wir wiederum können damit die Vorsaison stärken. Zudem ist zu bedenken, dass Radler eher in der ersten Jahreshälfte aktiv sind. Im Frühjahr bereiten sie sich intensiv auf die Marathons und Veranstaltungen vor. Nach dem großen Ötztaler Radmarathon Ende August ist die Saison für Radsportler beendet. Wie sehen Sie die Situation allgemein. Hat Tirol in Sachen Radtourismus etwas verschlafen? Verschlafen würde ich nicht sagen. Man hat spät, sehr spät darauf gesetzt, den Bereich touristisch zu vermarkten. Der professionelle Radsport hat in Tirol ja eine lange Tradition. Denken wir nur an Georg Totschnig, Thomas Rohregger, Wolfgang Steinmayr – oder Peppi Schwamm, der zu Kriegszeiten aktiv war. Große Namen, auf die man aufbauen kann. Die Paraderegionen, die das Potenzial des Radsports früh erkannt haben, sind Mallorca und die Gegenden an der Adriaküste. Sie zeigen uns, wie viel in dem Segment möglich ist. Im Sommer braucht man auf Mallorca und an der Adria nicht radeln, dafür

sind die klimatischen Bedingungen zu dieser Zeit bei uns sehr gut. Es gibt also Entwicklungspotenzial. Wo würden Sie primär ansetzen? Bei der Infrastruktur klarerweise. Im Lechtal ist der Radweg mittlerweile toll. Wir haben mit dem Allgäu auch einen Nachbarn, der nicht nur vorexerziert, wie es geht, sondern die Latte auch sehr hoch legt. Allgemein schaut es leider nicht so gut aus. Die Radwege in Tirol sind eigentlich keine Radwege, sondern Wirtschaftswege, das heißt, sie sind nicht durchgängig, zerstückelt, führen oft durch nicht ansprechende Gebiete. Zudem bräuchten die Radwege eine gewisse Fahrbahnbreite. Aber es ist erkennbar, dass das Thema wichtiger wird. Das Mountainbikemodell Tirol ist dafür top, das Wegenetz ist mit den Forststraßen wirklich gut. Das Land Tirol ist hier Vorreiter in ganz Österreich. Beim übrigen Radwegenetz sehe ich – wie schon angeführt – Handlungsbedarf. Wenn wir einen Radstreifen neben der Fahrbahn hätten, wäre schon viel gemacht. Und wie sieht es beim E-Bike aus? Keine Frage, das nächste Thema, das auf uns zukommt, ist das E-Bike. Mit dem sind wir in Zukunft sicher verstärkt konfrontiert – nicht so sehr als Sportgerät, sondern als Fortbewegungsmittel. Mit den E-Bikes wird es doppelt schwierig und gefährlich auf der Straße. Der E-Biker braucht mehr Platz, das Bike ist zudem schwerer. Da wäre ein breiterer, von der regulären Fahrbahn getrennter Bereich notwendig, um die Situation für alle zu entschärfen. Vielen Dank für das Gespräch.

×

ZUR PERSON Michael Keller, gelernter Maschinenschlosser, war Journalist und acht Jahre Sportberichterstatter unter anderem beim Bezirksblatt Reutte. Zudem schrieb er regelmäßig Beiträge für die Mountainbike Revue. Drei Jahre bekleidete er die Funktion des ÖVP-Bezirksgeschäftsführers in Reutte. Keller war viele Jahre aktiver Radrennfahrer (Rennrad und Mountainbike) und vier Jahre Mountainbike-Bundestrainer. Seit 20 Jahren ist er Lehrbeauftragter an der Sportakademie Innsbruck. In Deutschland hat er die A-Trainer-Lizenz erworben, die höchste Ausbildung, die man ohne Studium im Bereich Radsport machen kann. Seit 2002 leitet er das Organisationskomitee des Ski-Trails Tannheimer Tal – Bad Hindelang, sein Einstieg ins „touristische Leben“, wie Keller sagt. Im Februar 2004 übernahm er die Position des Geschäftsführers beim TVB Tannheimer Tal. 2009 rief er den Radmarathon Tannheimer Tal ins Leben.

© RAD-MARATHON TANNHEIMER TAL

unsere nicht bezahlbar. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir bereits eine bekannte Langlaufregion sind. Im Winter veranstalten wir einen Langlaufmarathon, den grenzüberschreitenden Ski-Trail Tannheimer Tal Bad Hindelang, der ähnliche Impulse auslöst wie der Radmarathon. Das sind unsere Verstärker zur Kompetenz hin.


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MAGAZIN © CONVENTION BUREAU TIROL

PROFILE RUDI TSCHOL Am 27. Juni ist der St. Antoner Altbürgermeister Rudi Tschol im Alter von 72 Jahren verstorben. Von 2002 bis 2009 war er Bürgermeister von St. Anton. Sein Nachfolger Helmut Mall würdigte den langjährigen TVB-Obmann Tschol als einen „Vollblut-Touristiker“mit hoher wirtschaftlicher Kompetenz, der stets ein Herz für sein Dorf und die Vereine hatte.

Nach zehn erfolgreichen Jahren übergab Christine Stelzer (re.) die Leitung des CBT an Veronika Handl.

10 Jahre Convention Bureau

Premiere für KULINARTIKA

In den Swarovski Kristallwelten wurden der runde Geburtstag des Convention Bureaus Tirol gefeiert und Partner der ersten Stunde geehrt.

Vom 1. bis zum 4. Oktober wird bei der Premiere von „Simon Taxacher KULINARTIKA“ aufgekocht. Kulinarischer Genuss ist hier Programm.

Tiroler Schmankerl stehen bei der KULINARTIKA ebenso auf dem Speiseplan wie Haubenküche.

© BRIXENTALER KOCHART

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m Jänner 2005 formierten sich 32 Tiroler Partner unter der Federführung der Tirol Werbung zum Convention Bureau Tirol, um den Seminar-, Tagungs-, Kongress- und Incentive-Tourismus intensiv zu bearbeiten. Zehn Jahre später umfasst das Netzwerk 65 Partner und es darf der erste runde Geburtstag gefeiert werden. Rund 180 Gäste aus Tourismus und Wirtschaft bzw. der österreichischen Kongress-Branche folgten der Einladung des Convention Bureaus Tirol in die Swarovski Kristallwelten. Neben dem Rückblick auf die zehnjährige Erfolgsgeschichte, einem Ausblick in die Zukunft des Convention Bureaus und der Tagungswirtschaft im Allgemeinen wurden auch die Partner der ersten Stunde geehrt. Im Mittelpunkt der Ehrungen stand Georg Lamp. Der ehemalige Geschäftsführer des Congress Innsbruck war wesentlich an der Entstehung des Convention Bureaus beteiligt und erwies sich über die Jahre als wichtiger Partner. Im Rahmen der Jubiläumsfeier verabschiedete sich Christine Stelzer als Leiterin des Convention Bureau Tirol. Sie führt nun das Team Sponsoring & Synergien in der Tirol Werbung. Stelzers Nachfolgerin Veronika Handl präsentierte sich den Gästen.  ×

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nsgesamt 35 Gastronomiebetriebe aus Kirchberg und Aschau organisieren das kulinarische Festival unter dem Motto „Kirchberg kocht auf“. Schirmherr Simon Taxacher über die Ausrichtung der Veranstaltung: „Genuss im ganzheitlichen Sinn steht im Zentrum und ist auch Programm – vom Schmankerl über unsere traditionellen bäuerlichen Spezialitäten bis hin zur Haubenküche.“ Eröffnet wird die KULINARTIKA am 1. Oktober um 16 Uhr, mit einem Genussmarkt im Dorfzentrum von Kirchberg. Am zweiten Tag können

sich die Besucher in Aschau von Wirt zu Wirt schlemmen. Am 3. Oktober geht’s zum Bergkulinarium auf die Ochsenalm und am Abend zeigen die Gastköche, neben Simon Taxacher auch Norbert Niederkofler, Ralf Berendsen, Thorsten Probost und Konstantin Alexander Filippou, ihr Können. Den Abschluss bildet die traditionelle 15. Kirchberger Sonnbergmeile, wo die Tiroler Bauernküche im Mittelpunkt steht. × Infos und Programm unter: www.kulinartika.at


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KULTURTIPPS

VON ES THER PIRCHNER

© INNSBRUCK-TIROL SPORTS GMBH

© INNSBRUCKER ABENDMUSIK

Bürgermeisterin Christine OppitzPlörer (li.) bei der Übergabe in Alkmaar

ABENDLICHE FREUDEN Seit 15 Jahren sorgt die Innsbrucker Abendmusik für lebendige, stimmungsvolle Konzerte mit Alter Musik. Zum Jubiläum stellt sie Tiroler Kompositionen der Zeit im europäischen Kontext vor, zu Gast ist u. a. das Ensemble Odhecaton (Bild). ab 10. 10. 2015, Colleg. Canisianum u. a., Innsbruck

Der Countdown läuft

um die sportliche Großveranstaltung in die finale Phase. Mehr als 1.200 Athleten und Betreuer werden in der Landeshauptstadt erwartet. Rund 600 freiwillige Helfer und zusätzlich 200 Helfer aus Vereinen werden im Rahmen der ICG in Innsbruck im Einsatz sein. × Alle Infos zu den ICG unter: www.innsbruck2016.com

EISIGE BEDROHUNG „Der Eissee im Rofental bedroht Sölden“, lautet der Titel einer Ausstellung im erbe kulturraum sölden. Sie zeigt ein wertvolles Original aus dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum: die weltweit älteste Bilddarstellung eines Gletschers. bis 16. 10. 2015, Mo–Fr, Raiffeisenbank Sölden

© H.KÜHN, SCHLOSS BRUCK

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ie Vorbereitungen für die 7. Internationalen Children’s Winter Games (ICG), die vom 12. bis zum 16. Jänner 2015 in Innsbruck über die Bühne gehen, befinden sich auf der Zielgeraden. Ende Juni holte Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer die offizielle Veranstaltungsfahne im niederländischen Alkmaar ab und brachte sie nach Tirol. Damit gehen auch die Vorbereitungen rund

© TIROLER LANDESMUSEUM FERDINANDEUM

Ende Juni wurde bei den International Children’s Games (ICG) im niederländischen Alkmaar die offizielle Fahne an Innsbruck übergeben.

BUCHTIPP

Klettersteigguide Tirol

PARADIESISCHE FARBEN

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© TYROLIA VERLAG

Alle Klettersteige in Nord- und Osttirol sind Thema dieses Guides von Csaba Szépfalusi.

ehr als die Hälfte aller Klettersteige Österreichs befinden sich in Tirol und diese punkten auch noch mit Vielfalt: talnahe schwierige Sportklettersteige, hüttennahe Übungsklettersteige, Top-Ferrate sowie klassische Steige auf aussichtsreiche Gipfel knapp an der Dreitausendermarke. Die vorliegende überarbeitete und aktualisierte Neuausgabe zeigt das gesamte Spektrum der Klettersteigmöglichkeiten in Nord- und Osttirol auf.  ×  Csaba Szépfalusi: Klettersteigguide Tirol, 303 Seiten, Tyrolia-Verlag

Als Vorreiter der Farbfotografie hielt der in Tirol lebende Dresdner Heinrich Kühn vor über hundert Jahren Land und Menschen in bunten Bildern fest. Auf neue Glasplatten gedruckt, sind sie unter dem Titel „Das bedrohte Paradies“ zu sehen. bis 26. 10. 2015, tägl. außer Mo, Schloss Bruck, Lienz

WEITERE VERANSTALTUNGEN Beschützt sein, ubuntu-Ausstellung von Ina Hsu 16. 9. bis 24. 10. 2015, ubuntu-forum, Imst, www.ubuntu-kulturinitiative.com Fidelio, Oper von Ludwig van Beethoven 26. 9. bis 12. 12. 2015, Tiroler Landestheater, Großes Haus, Innsbruck, www.landestheater.at Hugo Wolf Quartett: Werke von Mozart, Schubert sowie eine Uraufführung eines neuen Werks 30. 9. 2015, Tiroler Landeskonservatorium, Innsbruck, www.jeunesse.at M. Lerchenberg & J. H. Hecker spielen Karl Valentin 10. 10. 2015, Halle Ebbs, www.woassteh.com


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© TIROL WERBUNG

SAISON

Der direkte Draht zum Gast Online-Buchungsplattformen (kurz OTAs) haben eine Markt beherrschende Stellung im Tourismus. Viele Destinationen und Hotels wollen nun das Heft wieder selbst in die Hand nehmen. VON ERNS T SPRENG

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urch die stetige Weiterentwicklung des Internets und des E-Commerce-Bereichs gab es in den letzten Jahren einen massiven Umschwung in den touristischen Vertriebswegen. Onlinebuchungen verzeichnen Jahr für Jahr enorme Wachstumsraten und noch ist kein Ende in Sicht. Im deutschsprachigen Raum wurden 2013 40 Prozent aller privaten Reisen mit einer Aufenthaltsdauer ab zwei Tagen online gebucht. Das ist eine Steigerung von 20 Prozent im Vergleich zu 2012. Gebucht wird dabei immer öfter über die bekannten Buchungsplattformen. Deren Transaktionswert hat sich von 2011 bis 2014 insgesamt verdreifacht. Diese Entwicklung ist für den österreichischen Tourismus Fluch und Segen zugleich. OTAs sorgen für volle Häuser, auf der anderen Seite muss der einzelne touristische Betrieb mit den Provisionen für die Vermittlung umgehen. Online buchbar zu sein – darum kommt heute kein Touris-

musbetrieb mehr herum. Die Frage lautet: Soll man sich selbst in diesem Segment engagieren oder diese Kompetenz an die Buchungsplattformen abgeben?

Der Mix als Lösung. In einer umfassenden Studie hat sich Thomas Reisenzahn, Geschäftsführer der Prodinger-GFB Tourismusberatung, mit dieser Thematik beschäftigt. Analysiert wurden dabei Destinationssysteme für Online-Buchungen gleichermaßen wie die Distributionskanäle einzelner Betriebe. „Unser Schluss ist, dass es einen guten Mix braucht. Man muss über die Destination buchbar sein, auf der eigenen Homepage und in den OTAs vertreten sein, um ein Maximum herauszuholen“, erklärt Reisenzahn. Für ihn gibt es dabei eine klare Benchmark: Rund zehn Prozent am gesamten Buchungsvolumen einer Destination sollten direkt über die Destinationsseite gebucht werden. „Wer sich für eine Urlaubsregion interessiert, der schaut sich diese Destination

© REISENZAHN

„Eine Hotel- oder DestinationsHomepage ohne eigene Buchbarkeit ist nicht mehr zeitgemäß.“ THOMAS REISENZAHN, GESCHÄFTSFÜHRER PRODINGER-GFB TOURISMUSBERATUNG

online an. Es ist nur logisch, dass er dann gleich dort auch bucht“, so Reisenzahn. Ein Tourismusverband könne in Zukunft nicht mehr allein für das Marketing einer Region zuständig sein, sondern müsse seinen Betrieben auch Buchungen vermitteln. „Alles andere ist nicht mehr zeitgemäß“, so Reisenzahn. „Ich sage immer: Praktisch jeder Interessent landet auf der jeweiligen Destinationsseite. Buchbarkeit gehört einfach dazu. Wir müssen lernen, hier Buchungen zu fischen.“

Jeder trägt Verantwortung. Aber auch der einzelne Betrieb trägt in der Online-Welt Verantwortung, direkt und schnell über die eigenen Kanäle buchbar zu sein. „Hier kann man sich durchaus Anleihen bei den Buchungsplattformen nehmen, denn die machen das perfekt“, ist Reisenzahn überzeugt und warnt vor allem vor der Vergleichbarkeit der Angebote. „Auf meiner eigenen Homepage muss ich immer den besten Preis bieten. Es darf nicht sein, dass ein anderer Buchungskanal im Internet billiger ist als ich auf meiner eigenen Homepage.“ Die Interviews der Prodinger-GFB Tourismusberatung rund um die Studie haben übrigens ergeben, dass auch der oft zitierte Stammgast nicht davor zurückschreckt, sein Hotel nicht direkt zu buchen, sondern die bekannten Plattformen zu nutzen. „Viele Stammgäste kennen die Zusammenhänge und Provisionen nicht, sondern wollen es einfach bequem und schnell“, so Reisenzahn. Vor allem in den österreichischen Destinationen sei

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Es funktioniert.

Eine Initiative in Richtung vermehrter Buchbarkeit ohne die Provisionen der Buchungsplattformen wurde Anfang Juli mit dem Tirol Touristica ausgezeichnet: Der TVB Wilder Kaiser setzt auf das Konzept Vermietercoach und verzeichnet so Erfolge im Online-Vertrieb. Die Philosophie dahinter ist, dass es eine der Hauptaufgaben des Tourismusverbandes ist, Vermieter bei ihrem Vertrieb zu unterstützen. „Es ist uns ein Anliegen, alle Vermieter mit dem nötigen Knowhow auszustatten, um auch in Zukunft neue Gäste gewinnen zu können“, so TVB-Obmann Hans Adelsberger. Dafür hat der Tourismusverband Wilder Kaiser vor zwei Jahren als erster Tiroler TVB einen eigenen Vermietercoach installiert. Dieser bietet den Vermietern im

eigenen Haus Beratung und technischen Service an, was der Erfolgsfaktor in der Vertriebsoptimierung des TVBs war. Seitdem hat sich nicht nur die Qualität der Vermieterdarstellungen verbessert, auch die Buchungen über den TVB haben sich vervielfacht: Der Buchungsumsatz stieg von 70.000 Euro 2012 auf 1,3 Mio. Euro im Jahr 2014 und 1,8 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2015. Die vermehrte Buchbarkeit ohne Provisionskosten über die Destination ist aber auch am Wilden Kaiser mit Anpassungen verbunden gewesen. Bei einer Zimmersuche mit Datum kann der Gast am Ende der Ergebnisliste mit den direkt buchbaren Zimmern auf eine zweite Ergebnisliste mit den nicht online buchbaren Kontingenten wechseln. Das ist in dieser Phase noch ein Kompromiss.

ES GEHT UMS GELD •A  chtung Mehrwertsteuer: Ab 2016 wird

im Tourismus 13 Prozent Mehrwertsteuer verrechnet. Die Provisionen der OTAs werden vom Bruttotransaktionswert gerechnet. Mit der neuen Mehrwertsteuer steigen also auch automatisch die Einnahmen der Buchungsplattformen. •D  ie Provision: Die Kommissionen für die

starken Buchungsplattformen (zwischen 12 und 17 Prozent) hängen in Österreich davon ab, ob sich das Hotel in der Stadt oder am Land befindet. Als „Preferred Partner“ (Hotel wird am Anfang gereiht) zahlt man teilweise sogar bis zu 25 Prozent Kommission. •C  ost per Click bei Metasuchmaschinen:

Hotels kooperieren z. B. mit Trivago, Kayak etc. und zahlen je Klick (also pro Besuch auf ihrer Seite). Hier liegt die Bandbreite zwischen 0,50 Cent und 1 Euro pro Klick.

Schaufenster OTA. Startet nun also die große Rückeroberung der OnlineVertriebskanäle? Jein. Die bekannten Online-Buchungsplattformen werden trotz aller Initiativen weiterhin ein wichtiges Instrument für den Tourismus sein. Thomas Reisenzahn sieht sie sogar als Schaufenster für die einzelnen Betriebe.

„Starke Buchungsplattformen bieten dem Kunden eine Vergleichbarkeit, sie sehen mich und mein Produkt im Vergleich zu anderen Mitbewerbern“, so der Tourismusberater. „Es muss aber möglich sein, hier das Produkt zu sehen und dann aber woanders zu shoppen.“ ×

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aber das Problembewusstsein bereits vorhanden. „In allen Gesprächen haben wir festgestellt, dass die österreichischen Regionen die Buchbarkeit von Angeboten über ihre Destinations-Page als Herausforderung sehen und wissen, dass die Zeit drängt“, erklärt Reisenzahn die aktuelle Lage. „In den nächsten drei Jahren muss sich hier auch einiges tun.“


Klettern ist für Tirol ein wichtiges und imagebildendes Thema.

Ab in die Vertikale Zwei Millionen Menschen wagen sich in Europa in die Vertikale. In Deutschland, dem Tiroler Kernmarkt, sind es 350.000 Sportkletterer. Insbesondere die Jüngeren zieht es in die Tiroler Berge, dort suchen sie dann aber auch in der Halle den Kick. Der Bedarf an neuen Wänden wächst. V O N J A N E K AT H R E I N

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nnsbruck, Stadionstraße 1. Wer hier klettern will, braucht Geduld. Vor allem in den Abendstunden müssen sich die Besucher des Kletterzentrums Tivoli auf Wartezeiten einstellen. 50.000 Besucher jährlich gehen hier die Wände hoch. Tendenz steigend. Mit einer Kletterfläche von 280 Quadratmetern platzt die Halle längst aus ihren Nähten. Zuletzt mussten sanitäre Anlagen in Container ausgelagert werden. Eine neue Halle ist längst überfällig und wird demnächst gebaut. Ein ähnliches Bild wie in der Landeshauptstadt zeigt sich auch in den anderen Tiroler Bezirken. Das Klettern – indoor wie outdoor – boomt und hat sich längst vom Trendsport zum Breitensport entwickelt. Innerhalb von 15 Jahren ist die Szene sprunghaft gewachsen, inzwischen kennt fast jeder jemanden im Bekanntenkreis, der klettert. Europaweit sind es zwei Millionen Menschen, die sich Sportkletterer nennen.

Der Bau von Kletterhallen hat diese Entwicklung mitbeeinflusst, weiß Thomas Mitter, er berät seit 20 Jahren beim Bau von künstlichen Kletterwänden. Vor noch nicht allzu langer Zeit galt das Klettern als

meisten Mitglieder werden in Wien und in Tirol gezählt: 100.000. Kein Wunder also, dass in Tirol gleich mehrere Hallen-Projekte in der Pipeline stehen. Die Auftraggeber sind die Ge-

„Wir rechnen mit der geschlossenen Hülle noch in diesem Jahr und mit einer Eröffnung des Zentrums im April oder Mai 2016.“ ANDREAS BSTIELER, KLETTERZENTRUM TELFS

Abenteuersport, der mit großem Aufwand und hohem Risiko verbunden war. Durch den Bau von Kletterhallen entstand ein geschützter Raum, der dennoch alle Spielarten zulässt. Davon profitiert auch der Österreichische Alpenverein. 488.635 Mitglieder meldet der ÖAV zu Beginn des Jahres 2015. Das sind 18.300 Mitglieder mehr als noch im vergangenen Jahr. Die

meinden, die Tourismusverbände, der Alpenverein. Wenn nicht neu gebaut wird, wie etwa in Ehrwald, werden bestehende Sporthallen mithilfe von Kletterwänden attraktiver gemacht.

Großprojekt.

Am WUB-Areal in Innsbruck, gleich anschließend an die Skaterhalle, entsteht mit Herbst eine neue


© TIROL WERBUNG/ KRANEBITTER, TOBIAS MADÖRIN

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In Europa tanzen zwei Millionen Sportkletterer in der Vertikalen.

In der Detailplanung befinde sich hingegen das Kletterzentrum Telfs, berichtet Andreas Bstieler, Alpenvereinssektion Hohe Munde, auf Nachfrage. „Wir rechnen mit der geschlossenen Hülle noch in diesem Jahr und mit einer Eröffnung des Zentrums im April oder Mai 2016. Entstehen wird eine neue Sportstätte, die den Klettersportlern – insbesondere den Boulderern – ideale Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten bietet.“ Vorgesehen sind 1.300 Quadratmeter Kletterwände, rechnet man Innenund Außenflächen zusammen. Nicht als Konkurrenz zu den Zentren in Imst und Innsbruck, sondern als Ergänzung. Mit den neuen Projekten soll der Bedarf an Kletterrouten gedeckt werden. Im Ötz-

„Hier haben wir als eine der ersten Regionen im alpinen Mitbewerb ‚Qualitätskriterien für Familienklettergärten‘ entwickelt, die in den letzten Jahren überprüft wurden.“ MICHAEL WALZER, THEMENMANAGEMENT IN DER TIROL WERBUNG

Kletterhalle. 1.200 Quadratmeter Fläche, 150 Kletterrouten. Der Baubeginn hat sich verschoben – im Herbst geht es los, versichert Reini Scherer, Geschäftsführer des Kletterzentrums Tivoli. Die neue Halle soll vor allem Entspannung bringen und was besonders einzigartig ist: allen Sparten – vom Bouldern über Vorstieg, Freiluft und Para-Climbing – genügend Platz geben. Breiten- und Spitzensport sollen hier ineinander greifen können. Der Neubau der Halle samt Bundesleistungszentrum wird von Bund, Land und Stadt getragen. Für Innsbruck, das sich immer wieder gerne Sportstadt nennt, ein großer Gewinn, werden doch hier 2018 Weltmeisterschaften ausgetragen. In Fachkreisen gemunkelt wird auch über ein Klettergarten-Projekt auf der AutobahnEinhausung Amras. Das bei der Stadt dafür zuständige Amt für Grünanlagen wollte sich dazu jedoch nicht äußern – bis auf: Derzeit laufe noch das Ausschreibungsverfahren.

tal sind die Ideen-Geber einer neuen Halle hingegen noch auf Standortsuche. Interessant sind die neuen Ansätze jedenfalls auch für den Tourismus. Denn vor allem junge Deutsche kommen hauptsächlich zum Klettern nach Tirol.

Klettern als Thema. In München steht die angebliche größte Kletterhalle der Welt. 7.000 Quadratmeter Fläche. Etwa 400.000 Deutsche klettern. Mitte der 1990er-Jahre waren es noch 70.000. In Österreich sind es im Vergleich dazu 250.000 Kletterer, nach Schätzungen des Österreichischen Alpenvereins. „Klettern ist für Tirol ein sehr wichtiges und vor allem imagebildendes Thema im Bergsommer Tirol“, weiß Michael Walzer vom Themenmanage­ ­ ment in der Tirol Werbung. „Als Mitglied im Verein Climbers Paradise bespielen wir das Thema eigenständig auf den Märkten Deutschland, Österreich und Tschechien.“ Nach der T-Mona-Sommergästebefragung aus dem Jahr 2014 begeistern sich vor allem die 25- bis 35-Jährigen überdurchschnittlich häufig für Bergsteigen

und Klettern. Viele gehen heute nach der Arbeit nicht mehr ins Fitnessstudio, sondern einmal kurz in die Kletterhalle. Neben Mountainbiken, Canyoning und Rafting ist das Klettern dann auch im Urlaub in den Bergen eine interessante Freizeitaktivität. Was als Kaderschmiede für Wettkampfklettern in Imst begann, verlagerte sich auf den Fels und gipfelte 2007 in einer Internetplattform. Climbers-paradise.com bietet Informationen rund um Klettergebiete in Tirol. Die 16 beteiligten Tourismusverbände haben sich heuer zu einem Verein zusammengeschlossen. Aktueller Themenschwerpunkt: Neben dem Sportklettern vor allem Familienklettern. „Hier haben wir als eine der ersten Regionen im alpinen Mitbewerb, Qualitätskriterien für Familienklettergärten entwickelt, die in den letzten Jahren überprüft wurden“, berichtet Michael Walzer. In Zusammenarbeit mit dem ÖAV, Bergrettung und Kuratorium für alpine Sicherheit ist eine „Servicecheckliste“ zum Thema Klettern mit Kindern entstanden. Diese Checkliste bietet wichtige Tipps und Tricks und weist auch auf die möglichen Gefahren im alpinen Gelände hin (abrufbar unter: tirol.at/klettern).

Kletterabenteuer. Deutsche, Österreicher, Holländer, Italiener, Schweizer und Tschechen suchen in Tirol ein Kletterabenteuer. Insbesondere der deutsche Gast ziehe dann doch die Halle dem Abenteuer draußen vor, meint Planer Thomas Mitter. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Deutschen bevorzugt in einer der inzwischen 390 Hallen, die quer über das Land verstreut sind, klettern. Als Schlechtwetterprogramm wird die Halle auch bei den anderen Gästen zu einem beliebten Platz. Neuerdings werden indoor auch Übungsklettersteige gesetzt, weiß Thomas Mitter. Vielleicht wächst dadurch bei vielen Gästen allmählich auch die Lust auf das Abenteuer in den Felswänden. × CLIMBERS PARADISE Die Gründungsväter von Climbers Paradise, Mike Gabl und Peter Thaler, haben noch einiges vor. Die Internetplattform soll weiter ausgebaut werden. Zudem wollen sie weiterhin Infrastruktur sanieren und gemeinsam mit Tourismusverbänden neue Klettermöglichkeiten erschließen. Profitieren werden davon Gäste wie Einheimische. www.climbers-paradise.com


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Ein heißes Thema Die 33. Internationale Konferenz für Alpine Meteorologie (ICAM) brachte Wissenschaftler aus aller Welt nach Innsbruck. Bei der Tagung drehte sich nicht nur alles um Wetter und Klima im Gebirge, sondern es wurde auch ein Ausblick für die Zukunft im Raum Tirol präsentiert. VON DANIEL FEICHTNER

D

ie ICAM wurde dieses Jahr in Tirol und gemeinsam von der Universität Innsbruck und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) veranstaltet. An der Tagung, die alle zwei Jahre in einer anderen alpinen Region ausgetragen wird, nahmen mehr als 200 Experten aus allen Sparten der Atmosphärenwissenschaften teil. Bei dem Kongress tauschten sich die Wissenschaftler unter anderem über die Wechselwirkung zwischen Klima und Bergen aus – einem Thema, das in der globalen Klimaforschung oft untergeht, wie ICAMVorsitzender Alexander Gohm erklärt: „In globalen Klimamodellen ‚verschwinden’ Gebirge oft zwischen den einzelnen Berechnungspunkten. Doch sogenanntes komplexes Gelände mit Tälern und Erhöhungen hat deutlichen Einfluss auf das lokale Wetter und Klima und fällt auch auf der größeren Ebene ins Gewicht.“ Gerade im alpinen Raum ist das Klima für die Bevölkerung bedeutsam. Extreme

Wetterlagen bergen nicht nur die Gefahr von Naturkatastrophen, in touristischen Regionen sind sie auch ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Umso wichtiger ist es, die Vorgänge in gebirgigen Regionen zu verstehen und so besser prognostizieren zu können, meint der Professor für Atmosphärische Dynamik an der Universität Innsbruck. Besonders relevant für Tirol ist deswegen eine breit angelegte Klimastudie, die im Zuge der ICAM vorgestellt wurde. Dabei handelt es sich um ein dreijähriges Projekt, das von der ZAMG gemeinsam mit dem Italienischen Hydrographischen Dienst Bozen und der ARPA Veneto durchgeführt wurde.

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Die Studie untersuchte die Entwicklung des Klimas von Tirol bis ins Veneto in der Vergangenheit und zeigt den Status quo auf. Darüber hinaus wurde der zukünftige Trend für den Raum anhand von Klimamodellen abgeschätzt. Untersucht haben die Wissenschaftler dabei

„Der Trend geht hin zu längeren Trockenperioden, unterbrochen von kurzen, aber heftigen Platzregen.“ SUSANNE DRECHSEL, ZAMG

die Entwicklungen seit dem Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Was die Temperatur betrifft, konnten sie dabei eindeutige Trends feststellen. „Es wird wärmer“, diagnostiziert Johannes Vergeiner von der ZAMG. „Global lässt sich in den vergangenen 200 Jahren ein Anstieg von 0,8 Grad belegen.“ Was nicht so dramatisch klingt, ist aber nur ein weltweiter Durchschnittswert. Die Ozeane, die fast drei Viertel der Erdoberfläche bedecken, schlucken sehr viel Energie und werden somit zu einer Art Temperaturpuffer, erklärt Susanne Drechsel, die gemeinsam mit Vergeiner bei der ZAMG an der Studie arbeitet: „Das verfälscht gewissermaßen die Statistik. Im betrachteten Alpenraum ist der Anstieg deutlich ausgeprägter. Hier beträgt er 2 Grad – und 1,2 davon haben wir seit den 1980er-Jahren verzeichnet.“ Dabei haben die Meteorologen festgestellt, dass die Erwärmung nicht in allen Jahreszeiten gleich verläuft. Am wenigsten ist die Temperatur im Herbst gestiegen, am stärksten im Sommer und im Frühling. Der Winter bewegt sich eher im Mittelfeld. Allerdings passiert hier die Erwärmung nicht linear, sondern ist merklich von Fluktuationen zwischen Warmund Kalt-Perioden überlagert.

Schnee und Regen.

Weniger klare Ergebnisse hat die Untersuchung der Regen- und Schneefälle geliefert. „Es gibt zwar eine leichte Tendenz zu etwas mehr Niederschlägen“, meint Johannes Vergeiner. „Eine eindeutige Aussage lässt sich anhand der Daten aber noch nicht treffen.“ Zieht man Modelle zur Klimavor-


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Nicht ohne Folgen. Die Auswirkungen des Klimawandels werden den Experten zufolge langfristig alle Lebensbereiche betreffen – sowohl im Negativen als auch im Positiven. „Es ist zum Beispiel damit zu rechnen, dass die Landwirtschaft im Raum Tirol von höheren Temperaturen profitieren kann“, meint Vergeiner. „Wärmere Sommer führen zu längeren Vegetationsperioden und größeren Ernten.“

JOHANNES VERGEINER, ZAMG © ZAMG (2)

hersage hinzu, prognostiziert er allerdings eine weitere Zunahme im Norden des untersuchten Raums und einen Rückgang südlich des Alpen-Hauptkamms. Die steigenden Temperaturen werden auch die Form der Niederschläge verändern. Vergeiner prognostiziert einen weiteren Rückgang der Schneefälle, die zunehmend Regen weichen werden. Und auch dieser wird anders fallen, erklärt Drechsel: „Der Trend geht hin zu längeren Trockenperioden, unterbrochen von kurzen, aber heftigen Platzregen.“

„Es wird wärmer. Global lässt sich in den vergangenen 200 Jahren ein Anstieg von 0,8 Grad belegen.“

Speziell für den Tourismus stellen die wärmeren Sommer eine Chance dar. Die alpinen Hochlagen mit ihrem weiterhin relativ gemäßigten Klima könnten in den heißen Monaten zu einer immer beliebteren Destination werden. Mit der stärkeren Schneeschmelze und den veränderten Niederschlägen steigt aber auch das Potenzial für Naturkatastrophen wie Hochwasser. Außerdem wird die Problematik der Erosion von Böden und Wegen verschärft. Für den Tourismus im Winter sehen die Prognosen dagegen eher negativ aus, meint Drechsel: „Mit der Erwärmung wird

sich erst später eine Schneedecke bilden können, die aber früher wieder abschmilzt. Und auch die Beschneiungsmöglichkeiten werden voraussichtlich zurückgehen, da der Boden erst später abkühlen wird.“ Allerdings handelt es sich dabei um keine lineare Entwicklung, warnt Vergeiner. Nicht jeder Winter sei einheitlich und es gäbe deutliche Schwankungen, sowohl bei den Niederschlägen als auch bei den Temperaturen. Die Studie zeige eine langfristige Entwicklung auf, keine verlässliche, jährliche Prognose. „Wie der nächste Winter wird, wissen wir also noch nicht“, meint der Meteorologe. ×

TIROL

© UIBK

INNOVATIV

ALEXANDER GOHM, UNIVERSITÄT INNSBRUCK

28. Fachmesse für Gastronomie, Hotel und Design

21-24 SEPT. Messe Innsbruck

AKTUELL

„In globalen Klimamodellen ‚verschwinden’ Gebirge oft zwischen den einzelnen Berechnungspunkten. Doch sogenanntes komplexes Gelände mit Tälern und Erhöhungen hat deutlichen Einfluss auf das lokale Wetter und Klima und fällt auch auf der größeren Ebene ins Gewicht.“

TV Informationen & Seitenblicke

FAFGA.TV aus der Tourismusbranche

fafga.at


38 MAGAZIN SAISON

„Es gibt eine neue Dimension des Denkens“ Karin Frick erforscht und analysiert seit vielen Jahren Trends und Gegentrends in Wirtschaft, Gesellschaft und Konsum und hat in diesem Kontext eine Studie zur Zukunft der vernetzten Gesellschaft vorgelegt. Frick ist überzeugt, dass die Digitalisierung einer Revolution gleichkommt und jede Branche – auch der Tourismus – einen totalen Umbruch erlebt. DAS GESPRÄCH FÜHRTEN STEFAN KRÖLL UND FLORIAN NEUNER.

Karin Frick hat im Auftrag der Swisscom die Studie „Die Zukunft der vernetzten Gesellschaft“ vorgelegt, die auf gdi.ch zum Download zur Verfügung steht.

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AISON: Frau Frick, wie sieht die Zukunft der vernetzten Gesellschaft aus? Wie und wo findet diese Veränderung statt? KARIN FRICK: Die Vernetzung hat schon heute unser Leben verändert und doch stehen wir erst am Anfang. Alles, was es gibt, wird man irgendwann neu organisieren können. Die Software regiert längst über die Hardware und funktioniert zunehmend unabhängig. Ein Beispiel dafür ist die Mobilität, wenn man an eine Software wie Uber denkt – die Hardware hingegen sind die Autohersteller. Die denken nach wie vor zu viel über das Produkt nach und werden so im Prinzip zu Verlierern – denn Mobilität wird heute anders gedacht: Wie komme ich rasch von

A nach B, ohne selbst ein eigenes Auto mit hohen Kosten zu haben? Neue Konzepte entstehen und diese kann man mit der entsprechenden Software relativ schnell organisieren. Diesen Paradigmenwechsel sehen wir auch im Tourismus, Airbnb ist in aller Munde. Ist das ebenfalls ein Beispiel für ebenjenen „Lead“, den die Software gegenüber der Hardware einnimmt? Ja, definitiv. Und Konzepte wie Airbnb können im Gegensatz zur Old Economy extrem schnell wachsen. Sie haben die Software, also die entsprechende Kapazität an Rechnern und ein paar Leute, die diese Rechner bedienen. Wenn aber ein herkömmliches Hotel wachsen will,

braucht es neues Personal, neue Gebäude usw. Denken Sie an Uber – die haben auch keine Flotte, sondern ein paar Angestellte, welche die App organisieren. Diese Firmen können in extrem kurzer Zeit enorme Marktmacht bekommen, ohne große Zusatzkosten. Viele haben das noch nicht verstanden: Die Digitalisierung produziert und provoziert völlig andere Geschäftsmodelle, viele Branchen werden komplett anders gestaltet. In jedem Bereich findet eine Art Revolution statt, auch in Branchen, die bislang gar nicht digital waren – wie etwa die Mobilität. Es gibt eine neue Dimension des Denkens, neue Konkurrenten tauchen auf. Nahezu jede Branche wird einen totalen Umbruch erleben.


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„Die Digitalisierung produziert und provoziert völlig andere Geschäftsmodelle, viele Branchen werden komplett anders gestaltet.“ Was hat diese neue Konkurrenz den „konservativen“ Anbietern voraus? Sie bietet zwar dasselbe, aber organisiert es eben schneller, man denke etwa an das Thema Unterkünfte. Die klassischen Anbieter fokussieren sich nur auf ihre Produkte und Dienstleistungen, aber andere können das inzwischen genauso. Die Alteingesessenen müssen erkennen, dass sich die Zeit nicht mehr zurückdrehen lässt, und den neuen Weg mitgehen. Doch so manch Großer scheint von der digitalen Entwicklung überrascht zu sein. Viele „Große“ haben diese Entwicklung verschlafen. Sie hielten die neue digitale Konkurrenz für eine Modeerscheinung, dachten, das würde schon vorbeigehen und wäre nicht unbedingt ernst zu nehmen. Doch wir haben nunmehr eine Generation, die mit den digitalen Medien groß geworden ist – die wird nicht mehr dahin zurückkehren, was früher noch Alltag war. Orten Sie in manchen Branchen einen mangelnden Innovationsfluss, etwa im Tourismus, wenn man an die Auseinandersetzung der Privatzimmervermieter mit Airbnb denkt? Natürlich gibt es immer auch Angst vor Veränderung, mangelndes Wissen darüber. Gerade der Tourismus könnte sich dieser Technologie ja viel stärker widmen und neue Businessmodelle entwickeln. Viele halten wohl zu sehr an dem fest, was sie bisher hatten. Man versucht dann oftmals, neue Entwicklungen mit Verboten einzudämmen. Gerade weil die Informationsrevolution so vielfältig und schwer fassbar ist, entscheidet die Vorstellung, die wir davon haben, wie wir damit umgehen. Wer zum Beispiel glaubt, dass Daten dabei helfen, die Gesundheit zu verbessern, wird in entsprechende Technologie investieren und seine Daten teilen. Wer dagegen fürchtet, dadurch seine Privatsphäre zu verlieren, wird versuchen, sich den entsprechenden

Technologien zu entziehen und strenge Datenschutzgesetze durchzusetzen. Zurück zum Tourismus. Wird die Digitalisierung das Sharing-Phänomen weiter dynamisieren? Auch die Spielregeln in der Tourismusbranche werden neu geschrieben. Gerade kleinere Betriebe und Destinationen können gar nicht anders, als sukzessive auf Plattformen zu setzen und deren innovative Chancen zu nutzen. Sie können so etwa Wellness- und Fitnessangebote, die Organisation von Touren oder Dienstleistungen wie Skischulen effizient koordinieren, bündeln und anbieten. Wenn man nicht vernetzt ist, hat man auf Dauer keine Chance mehr. Ohne Nutzung des Plattform-Gedankens geht es nicht, es ist entscheidend, die technische Infrastruktur dafür aufzubauen. Die Versuche, das Destinationsmanagement zu professionalisieren und Angebote vom Hotelbetrieb bis hin zur Skischule zu bündeln, gibt es ja bereits. Um erfolgreich zu sein, muss man viel größer denken. Im großen Ganzen kann man dann durchaus wieder seine regionale Besonderheit, seine Kleinheit als Trumpf ausspielen. Die Entwicklung geht in Richtung große Plattformen, große digitale Marktplätze, die alles bieten. Wir erleben derzeit einen Kampf dieser Plattformen. Die Frage wird sein, wie man dort präsent sein kann – vor allem da sich immer mehr auf mobilen Geräten abspielt, die nur beschränkten Platz bieten. Smart Assistance ist ein wichtiges Stichwort, damit meine ich etwa Google now oder Siri bei

iPhones. Der Assistent am Smartphone oder Tablet ist der erste Ansprechpartner potenzieller Kunden. Und wer künftig hier nicht aufscheint, verliert Geschäft. Und da können Tourismusbetriebe oder Regionen mitziehen, denn der Gast braucht im Grunde keine Website mehr zu besuchen. Der Weg zum Konsumenten geht also nur noch über diese großen digitalen Plattformen? Daran kommt man zumindest nicht vorbei. Das geht vor allem über mobile Geräte. Es ist ein Kampf ums FrontEnd, um die Aufmerksamkeit der Nutzer – wir werden mit allen diesen Dingen in Zukunft durch die Welt navigieren. Das Netzwerk der verschiedenen Anbieter wird groß sein – die Frage heißt nicht, nutze ich überhaupt, sondern was nutze ich: Will ich zum Großen oder gehe ich zum Unabhängigen? Habe ich Sympathie für Uber oder eine andere Plattform? Sie sprechen hier auch Gefahren einer zunehmend vernetzten Gesellschaft an? Vernetzung ist auch mit Herausforderungen verbunden: Regionale Wertschöpfungsketten werden „zerstört“. Die Frage ist, wer die Macht über die Plattformen, die Macht über die Daten hat. Größe ist prinzipiell ja gut, dort liegen die meisten Daten. Das bedeutet, die Analyse ist besser und Bedürfnisse können auch besser bedient werden. Aber die Gefahr der Monopolbildung ist damit auch gegeben, dadurch kann Diskriminierung entstehen. Wenn ich Daten besitze und diese teile, habe ich die Chance, davon zu profitieren. Wenn ich ein guter Kunde bin, bekomme ich etwa den besseren Preis oder Platz bei einem Event. Ich möchte Vorteile aus meinen Daten ziehen, aber nicht nur monetär. Die Angst vor Machtkonzentrationen ist in Europa allgegenwärtig? Das hängt von der Struktur des Netzwerks ab: In einem distribuierten Netz kann quasi keine Machtkonzentration entstehen. In der

ZUR PERSON Karin Frick ist Leiterin Research und Mitglied der Geschäftsleitung des Gottlieb Duttweiler Instituts in Rüschlikon bei Zürich. Sie befasst sich seit ihrem Studium in verschiedenen Funktionen mit Zukunftsthemen, gesellschaftlichem Wandel, Innovation und Veränderungen von Menschen und Märkten.


40 MAGAZIN SAISON

„Die Sehnsucht nach dem Echten ist groß. Für den Tourismus ist daher wesentlich, die Lust auf das Original zu steigern.“ Architektur des Netzwerks entwickeln sich neue Open-Source-Modelle. Man darf aber keine Angst haben, sonst klammert man sich nur an das Bekannte. Fakt ist, dass die Digitalisierung alles verändert, dass Menschen und Maschinen verschmelzen und das Internet zu unserer zweiten Natur wird, zur Digisphäre. Bestes Beispiel ist Wikipedia, dort existiert eine unfassbare Datenmenge, und das gratis. Heute hat man extrem mächtige Instrumente zur Verfügung und man kann mit sehr wenigen Produktionsmitteln Dinge erzeugen, für die man früher Subunternehmer benötigte – etwa per 3D-Drucker. Gibt man aber nicht zu viel Autonomie ab durch die Verschränkung von Mensch und Maschine? Wenn ich auf den Mond will, brauche ich eben eine Rakete. Sonst herrscht Stillstand. Wir sind inzwischen in sehr vielen Bereichen von Maschinen abhängig und davon, ob diese Technik auch funktioniert. Man muss nur einen Blick auf die Medizin werfen. Haben Sie keine Sorge, die Maschinen könnten wie in manchen Dystopien die Kontrolle übernehmen? Nein, es gibt schon eine Kontrollerosion, einiges läuft heute schon noch autonom ab ohne Maschine. Intelligentes Zusammenspiel ist jener Prozess, den der Mensch zu seinem Vorteil nutzen kann. Lieber ist mir schon ein smarter Computer, als wenn ich alles per Hand machen muss, etwa wenn es um die Buchung einer Reise geht. Ich habe aber schon die Freiheit zu wählen, wann ich fliege und zu welchem Preis. Im Hintergrund läuft die Koordination des Ganzen dafür komplett maschinell. Kommt dann irgendwann der Chip, der uns implantiert wird und den Urlaub nachbildet, wir somit gar nicht mehr verreisen müssen? Vielleicht ist das die Zukunft der virtuellen Realität. Aber der Mensch wird doch immer zum originalen Erlebnis tendieren. Wenn ich in Paris bin, will ich auch die Mona Lisa sehen, auch wenn da viele Menschen herumstehen – und ich will das Gemälde nicht nur auf Google betrachten. Wenn wir uns auch

viel mehr in der virtuellen Welt aufhalten, so wird die Realität doch immer Bestand haben. Die Sehnsucht nach dem Echten ist groß. Die Bilder in der virtuellen Realität sind vielleicht scharf, aber wecken den Wunsch, das Gezeigte auch in der Wirklichkeit zu sehen. Für den Tourismus ist daher wesentlich, die Lust auf das Original zu steigern. Tourismuswerbung wird es also weiterhin brauchen? Ja, aber man muss die neuen Möglichkeiten nicht nur sehen, sondern auch konsequent nutzen. Tourismus lebt ja auch davon, Bilder zu erzeugen. Wir sind darauf angewiesen, dass man uns mit Bildern füttert, die wir in unsere Träume einbauen. Sehnsuchtsbilder brauchen den nötigen Stoff. Menschen werden weiterhin in den Urlaub fahren – und sie werden das Erlebte und Gesehene auf einer Vielzahl an sozialen Netzwerken teilen.

Wo orten Sie die globalen Spielmacher für die Welt von morgen? Wenn man ins Silicon Valley schaut, dann kommt im Verhältnis sehr wenig aus Europa. Die Tradition ist dort vielleicht auch weniger wichtig als in Europa. Europäer sind stolz auf ihre Traditionen, die USA ist da dynamischer. Aber auch Asien ist nicht zu unterschätzen. In diesem Kontext finde ich den Gedanken von Siemens-Chef Joe Kaeser beim SZ-Wirtschaftsgipfel 2014 richtungsweisend: „Wir müssen das Silicon Valley nicht kopieren, aber wir müssen es kapieren.“ Bei uns hängt man oft an alten Dingen, es gibt eben auf den ersten Blick viele Modernisierungsverlierer. Das kleine Hotel etwa, das viel verlieren, aber durch intelligente Nutzung neuer Strukturen auch alles gewinnen kann. Global betrachtet: Dort, wo es das alte Angebot gar nie gab, kann man sich leicht auf das Neue stürzen. Geschichte und Tradition sind in Europa dahingehend mitunter vielleicht hinderlich. Aber unsere Kultur ist kein Nachteil, wenn sie nicht zur Folklore beziehungsweise museal wird. Die Verbindung aus Tradition und Innovation ist entscheidend. Vielen Dank für das Gespräch.

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Schnelle Technik – langsamer Mensch Wandel

technischer Fortschritt

Realitätslücke (Present Shock)

Realität, Alltag

kulturelle Trägheit

Zeit QUELLE: GDI (2014), NACH RUSHKOFF (2014) UND BOOTY (2011)4


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© EMANUEL KASER

Premierengäste: Festivalder-Träume-Gründer Herbert Waltl (2. Reihe, links), der künstlerische Leiter Karl Heinz Helmschrot, Josef Margreiter, GF Tirol Werbung, LH Günther Platter und Hermann Petz, Moser Holding Vorstand (2. Reihe von rechts), inmitten des Ensembles des Tirol Traums.

Perspektivenwechsel und Après-Ski Tänzer, Artisten, Musiker, eine Sandmalerin und Clowns träumen den Traum von Tirol und übersetzen bekannte Klischees in die internationale Sprache des Varietétheaters. V O N R E B EC C A M Ü L L E R

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rei tollpatschige Clowns, ausgerüstet wie Gipfelstürmer und angeführt vom bekannten holländischen Clown Rayond, ziehen sich an einem imaginären Seil auf die Bühne und das Publikum mitten hinein, in den Tirol Traum. Auf der Bühne zeigt sich ein altbekanntes Bild: die Tiroler Stube, bevölkert von Musizierenden. In diesem Fall das Musikkollektiv Tirol unter der Leitung von Simon Kräutler, das für den musikalischen Rahmen des Abends sorgt. Eine junge Frau gesellt sich zu der gemütlichen Runde, springt auf den massiven Holztisch, schwebt wenig später über ihren Köpfen und begeistert mit Luftartistik. Zu leisen Klängen lässt eine Sandmalerin Bilder von Tirol entstehen, die auf die Wand projiziert werden. Ein Tiroler mit Hut im Profil, dann ein Steinbock, aus dem mit ein paar mühelosen Handbewegungen ein alter Bauernhof vor einer Bergkulisse wird, bevor der Swarovski-Riese auftaucht, der wiederum dem Goldenen Dachl Platz macht. Zwei Mal bringt die Sandmalerin Anna Prinz so das Publikum in der Dogana zum Staunen – unter anderem begleitet von den jungen Tirolerinnen von Harfonie. Auf dem Schleuderbrett katapultiert sich das schwedische Duo Sons Company, in Lederhosen und mit Figeln an den Füßen, gegenseitig in wahnwitzige Höhen, um doppelte Rückwärts-Salti und ähnlich Spektakuläres vorzuführen,

während den Gästen in der Dogana der Atem stockt.

„Kehlkopf aus Granit“. Varieté meint so viel wie Abwechslung oder Vielfalt und genau das wird dem Zuschauer auch beim Tirol Traum geboten. Neben Musik, Artistik und den Slapstick-Einlagen der Clowns finden so auch zwei Texte, gelesen von Autor und Poetry Slammer Stefan Abermann Platz. Unter anderem wird darin die Frage gestellt: „Was, wenn man als Beruf auch eine Nationalität wählen könnte?“ Tiroler zu werden, so Abermanns Antwort, würde in jedem Fall die härteste Ausbildung bedeuten. Wer Tiroler werden wolle, müsse sein „inneres Gebirge“ finden, und wer zum Beispiel eine Karriere in der heimischen Politik anstrebte, dem sei ausgerichtet: „Am erfolgreichsten sind jene Politiker mit dem härtesten Dialekt – mit Kehlköpfen aus Granit.“

Herzlich gelacht wird nicht nur bei Stefan Abermanns Lesung. Die Interpretation vom Tiroler Après-Ski durch den beunruhigend beweglichen Clown Kotini Jr. begeistert ebenso wie das Glockenspiel mit mehr oder weniger freiwilliger Beteiligung aus dem Publikum. Wenn der Harlekin Kristalleon mit seiner schwebenden Glasharfe die Bühne betritt und die Reflexionen seines Kostüms durch die Dogana tanzen, verzaubert er binnen Sekunden. Im Hintergrund ziehen immer wieder Bilder von Tirol vorbei, während die Artisten mit Touren-Skiern auf die Bühne kommen und so immer wieder witzige Anspielungen schaffen. Zum Finale fällt Schnee, während alle Künstler noch einmal ihr Können zeigen und mit Tirol-Star-Mützen auf dem Kopf durch die Luft wirbeln, singen, tanzen oder einen Schneemann demontieren. Dann ist der Tirol Traum vorbei und die Lichter gehen wieder an. ×

TRAUMHAFTE PREMIERE Der Idee einer Interpretation des traditionellen Tiroler Abends durch internationale Künstler sei man schon lange nachgehangen, erzählte Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung, bei der Premiere des Tirol Traums am 5. August zum Auftakt des 25. Festivals der Träume in der Dogana in Innsbruck. Umso größer daher seine Freude auf den Abend, von dem er sich vor allem eines erwartete: „Einen interessanten Blickwinkel auf Tiroler Klischees durch internationale Künstler“, so Margreiter. Neben der Tirol Werbung sorgten auch das Land Tirol und die Moser Holding mit finanziellen Mitteln dafür, dass der Tirol Traum Wirklichkeit werden konnte. Für Landeshauptmann Günther Platter lag diese Unterstützung auf der Hand: „Tirol ist ein Traum und es ist ein Traum, in Tirol zu leben.“


42 MAGAZIN

GASTKOMMENTAR

SAISON

Wirt aus Leidenschaft Die Hoteliers und der Tourismus im Allgemeinen brauchen einen fixen Platz auf den Schreibtischen unserer politischen Vertreter, damit wir schlussendlich wieder als „Leitbranche“ und nicht „Leidbranche“ wahrgenommen werden.

© WIRTSCHAFTSBUND KITZBÜHEL

V O N S I EG F R I E D EG G E R

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ourismus in Tirol – wahrlich eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte! Jährlich Nächtigungssteigerungen trotz schwierigem Wirtschaftsumfeld, schier unglaubliche Zuwachsraten bei der Beschäftigung in der Hotellerie, jedes Jahr zig Millionen Euro Investitionen in Hotels und Seilbahnen, neue Gastronomiekonzepte und damit verbunden positive Auswirkungen auf Zulieferer und Zuleister in unserem Land. Trotzdem ist die Stimmung nicht gut – speziell bei den Hoteliers gibt es einen hohen Grad an Frustration. Wo liegen die Ursachen und wie kann die Stimmung so schnell umschlagen? Was müssen wir machen, damit die Stimmung nicht komplett kippt? Eine Medaille hat immer zwei Seiten: Einmal die anfangs erwähnte Erfolgsstory des Tiroler Tourismus! Diese positive Seite wird auch sehr stark von der Öffentlichkeit wahrgenommen – dann aber die zweite Seite der Medaille: Matt und angekratzt zeigt sie einen längst sichtbaren Investitionsstau, viele demotivierte Hoteliers und leider auch viele junge „Nachfolger“, die leider immer öfter KEINE mehr werden wollen. Unweigerlich trägt die Politik hier einen Teil der Schuld – ein tourismus-wirtschaftsfreundliches Umfeld sieht anders aus. In Tirol hat man mit dem erst kürzlich beschlossenen Impulspaket ein klares Bekenntnis zum Tourismus getätigt, allerdings werden auf Bundesebene ständig neue Fehlentscheidungen getroffen, die massive und negative Auswirkungen auf unsere Tourismus-Branche vorprogrammieren. Eine höhere Mehrwertsteuer in der Beherbergung und unschlüssige Abschreibeformen sowie etliche Mehrauflagen und Erschwernisse im Bereich der Betriebsübergabe sind nur einzelne Punkte, die uns Hoteliers das Leben schwerer machen.

Es ist aber nicht nur die Politik, die in den letzten Monaten und Jahren Fehler gemacht hat – auch wir Hoteliers selbst müssen uns an der Nase nehmen und Fehler eingestehen. Natürlich nehme ich unsere Interessenvertreter hier ebenso in die Pflicht – wohlwissend, dass ich selbst mit in der Führungsriege bin. Wir müssen uns eingestehen, dass wir weder in Wien noch im EU-Parlament in Brüssel eine Lobby für den Tourismus haben. Vielleicht müssen wir uns hier bei der Industriellenvereinigung oder auch bei den Bauern das eine oder andere abschauen.

Freude im Alltag.

Aber jetzt zurück zu uns Hoteliers. Schon als ich vor 13 Jahren mit meiner Frau gemeinsam den elterlichen Betrieb übernommen habe, war die Lage „schwierig“. Unzählige Arbeitsstunden, viel Engagement für wenig Lohn, Schwierigkeiten bei der Mitarbeitersuche, die Saisoniers-Problematik, Visum-Probleme für „Ost-Gäste“ und ein sich immer schneller veränderndes Marktumfeld sowie ein immer härter werdender Preis- und Verdrängungswettbewerb setzten uns auch damals schon stark unter Druck. Aber hat uns das davon abgehalten, „leidenschaftlich“ unseren Beruf auszuüben? Nein, denn die Freude an der Arbeit „mit Menschen“ und „am Menschen“, zahlreiche schöne Erlebnisse, viele lieb gewordene Stammgäste und Freunde sowie ein großer Teil bestens qualifizierter und netter Mitarbeiter brachten Freude in den Alltag. Auch damals gab es in den Tälern kaum Alternativen zum Tourismus – das wussten wir und daher investierten wir weiter und weiter. Immer den Trends folgend und sehr oft auch bei Trends führend. Der Tourismus, und im Speziellen ein Hotel, bietet einer Familie einen sicheren Arbeitsplatz und das nutzten wir. Die einzige Alternative wäre ein Auszug aus dem Tal und die Arbeit


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In Tirol hat man mit dem erst kürzlich beschlossenen Impulspaket ein klares Bekenntnis zum Tourismus getätigt, allerdings werden auf Bundesebene ständig neue Fehlentscheidungen getroffen.

in einer Stadt gewesen, denn auch in anderen Branchen Gründen investieren wir? Bieten wir „kundenfreundhängt man im ländlichen Teil Tirols direkt oder indirekt liche“ Lösungen? Lassen wir unsere Nachfolger mitvom Tourismus ab. denken und -lenken, hören wir auf deren Vorschläge? Und dieser Umstand sollte unsere Spitzenpolitiker Hören wir auf die Anregungen unserer Gäste? längst wachrütteln. Oder bauen wir, weil wir denken, es ist richtig, oder Der Tourismus, damit verbunden die Zimmervermieweil eben im eigenen Dorf die anderen Hotels aufrüstung, die Gastronomie, die Freizeitwirtschaft und das ten? Seilbahnwesen sind ein Glücksfall für unsere Alpen Wie fit sind wir im Verkauf? Buchen unsere Gäste, weil regionen und dürfen daher keinesfalls in der Struktur sie das Produkt überzeugt, oder ist nur ein günstiger gefährdet werden. Die Übergabe von zig-tausenden Preis der Grund für den Kaufabschluss? Schulen wir Betrieben an die kommende Generation muss auch in diesem Zusammenhang unsere Mitarbeiter genug weiterhin garantiert werden. oder vielmehr: Bilden wir uns Dafür muss die Politik neue selbst fort? Alles Fragen, die wir Voraussetzungen schaffen und uns als Unternehmer durchaus längst überfällige Forderungen auch einmal stellen müssen. Buchen unsere Gäsder Interessenvertretung umWenn wir diese Fragen positiv te, weil sie das Produkt setzen. Ein Belastungsstopp ist beantworten können, dann sollunumgänglich und das Gebot ten wir wieder versuchen, eine überzeugt, oder ist nur der Stunde wäre, Jungunterpositive Grundstimmung zu erein günstiger Preis der nehmer zu belohnen und nicht reichen. Unsere Kinder und poGrund für den Kaufabzu bestrafen, wenn sie Betriebe tenziellen Nachfolger brauchen weiterführen wollen. Es braucht nicht nur ein positives Umfeld schluss? Schulen wir in klare Investitionsanreize, frisches „zum Arbeiten“, sie benötigen diesem Zusammenhang Geld für notwendige Investitioauch positiv eingestellte Eltern, nen muss bereitgestellt werden unsere Mitarbeiter genug die ihnen zwar die Entscheidung und dafür sind neue Förderoder vielmehr: bilden wir selbst überlassen, ob sie nun den richtlinien, die den Zugang zum Betrieb übernehmen wollen oder uns selbst fort? Investitionskapital erleichtern, nicht, die ihnen aber neben allen erforderlich. Gleichzeitig muss Belastungen auch die schönen auch über flexiblere ArbeitsmoSeiten des Tourismus aufzeigen delle – in Hinblick auf eine geund erzählen. wünschte Saisonverlängerung – nachgedacht werden. In meiner neuen Position als Fachverbandsobmann Im Bereich der Bildung sollte speziell die touristische der Hotellerie Österreich werde ich versuchen, die Komponente zeitgemäß gestaltet werden. Die 25 Jahre vorhandenen Mankos zu bekämpfen und gleichzeitig alten Berufsbilder gehören entstaubt oder längst noveleine neue und breite Tourismuslobby aufzubauen. Wir liert, zusätzliche Module und Schwerpunkte, in denen brauchen einen fixen Platz auf den Schreibtischen Kommunikation, Mitarbeiterführung, Verkauf oder unserer politischen Vertreter und sollen schlussendFremdsprachen gelehrt werden, müssen eingefügt lich wieder als „Leitbranche“ und nicht „Leidbranche“ werden. wahrgenommen werden. Gehen wir es an – konzen Last but not least sollte auch über eine Aufstockung trieren wir uns aufs Wesentliche und behalten wir uns des Werbeetats nachgedacht werden. Der internatidie „Leidenschaft“!  × onale Wettbewerbsnachteil, der im Zuge der Mehrwertsteuerumstellung entstanden ist, muss durch ein höheres Werbebudget bei der Österreich Werbung ausgeglichen werden. ZUR PERSON

Ein paar Fragen.

Kommen wir aber noch einmal auf die Betriebsebene zurück. Wie sieht es denn mit unseren eigenen Hausaufgaben aus? Wie steht es um unsere Hotelkonzepte? Wie und aus welchen

Siegfried Egger ist Fachverbandsobmann der Hotellerie Österreich und Landtagsabgeordneter (ÖVP). Mit seiner Frau Natascha führt er das Hotel Alpenresidenz Adler in Kirchberg.


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© RIFUGIO GALTUER, WOLFGANG RETTER, HOCHLEGER

Das Rifugio Galtür, das Hotel Hinteregger (Matrei i. Osttirol) und die Hochleger Chalets in Zell am Ziller sind für Miller und Bäuerle echte Wohlfühlorte.

„Eine besondere Haltung“ In ihrem Buch „Alpenorte. Über Nacht in besonderer Architektur“ porträtieren Claudia Miller und Hannes Bäuerle 25 Unterkünfte in den Alpen. Im Interview sprechen die beiden Stuttgarter Innenarchitekten darüber, welchen „Typus“ sie bevorzugen, wie sie ihn finden – und welche Zukunft spektakuläre Architekturen haben. DAS INTERVIEW FÜHRTE SUSANNE GURSCHLER.

AISON: Frau Miller, Herr Bäuerle, das Thema Bauen in den Alpen ist seit ein paar Jahren sehr präsent. Es gibt auch einige Bücher dazu. Was hat Sie bewogen, noch eines zu machen, und wie war Ihr Zugang? HANNES BÄUERLE: Wir sind viel in den Bergen unterwegs zum Wandern, Klettern, Bergsteigen, Mountainbiken. Als Innenarchitekten waren und sind wir immer auf der Suche nach speziellen Häusern, nach schönen Hotels. Über die Jahre haben wir eine kleine, feine Auswahl von Adressen zusammengetragen. Trotz der zahlreichen Bücher, die es gibt, fanden wir den Typus, den wir bevorzugen, in keinem vereint. Das gab den Ausschlag – und die Tatsache, dass es uns nicht allein um „schöne Architektur“ geht, sondern um die Geschichten hinter den Häusern, ihre spezielle Ausstrahlung. CLAUDIA MILLER: Wir waren nie auf der Suche nach Orten, die aktuell einen Hype erfahren, sondern immer nach solchen, die besonders sind, meist auch inhabergeführt. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gerade in solchen Häusern die Geschichte eine große Rolle spielt, die Verbundenheit mit dem Ort. Da wurde für Generationen gebaut. Das sieht man und das spürt man. Sie zeigen in Ihrem Buch sehr unterschiedliche Häuser in Südtirol, der Schweiz, in Tirol, Vorarlberg. Die Palette reicht von historisch bedeutenden Bauten, die eine Erweiterung erfahren, bis zu Neubauten. Was vereint für Sie alle diese Häuser beziehungsweise was verstehen Sie unter dem Typus, den Sie suchen? MILLER: Zum einen verstehen wir darunter natürlich gute Architektur. Aber der Begriff kann nicht alleine stehen: Gute Architektur ist auch Geschmackssache. Es ist diese Kombination, den Ort als Ort zu verstehen – ich spreche jetzt nicht primär von denen, die geplant haben, sondern von denen, die den Auftrag gegeben haben. Sie wissen um ihre Ressourcen, um ihre Qualitäten und gehen sensibel damit um. Sie erhalten das, was wertvoll, was gut ist, und legen bei Neuem den Fokus auf Beständigkeit. BÄUERLE: Den Typus auf einen Satz herunterzubrechen ist schwer. Es geht um


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DIE PERSONEN

„Die Investition in einen guten Bau bringt einen Werterhalt, wenn nicht eine Wertsteigerung über Generationen.“

Claudia Miller und Hannes Bäuerle betreiben ein Büro für Innenarchitektur in Stuttgart und sind in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne in den Bergen unterwegs.

HANNES BÄUERLE

In Ihrem Vorwort sprechen Sie an, dass nun eine Generation nachkommt, die ihren Gästen das bieten will, was ihr selbst gefällt. Sehr viele der großen Hotels in Tirol sind im sogenannten „Tiroler Stil“ gebaut. Diese Gebäudekomplexe in eine zeitgemäße Form zu bringen, ist schier unmöglich. Bleibt moderne Architektur also ein Nischensegment, das nicht breitenwirksam werden kann – zumindest im Tourismus? BÄUERLE: Ich hoffe Nein. Es stimmt schon, wenn man sich das Gros anschaut, werden nicht alle „umgemodelt“ werden können. Die Frage ist – zumindest bei einigen Hotelanlagen –, ob sie erhalten werden können und sollen. Es war auch eine Idee dieses Buches, Signale auszusenden, dass die Investition in einen guten Bau einen Werterhalt, wenn nicht eine Wertsteigerung über Generationen bringt. Bei vielen rasch hochgezogenen Bauten ist es doch so: Ist der Trend vorbei, sind sie ebenso überholt. MILLER: Es gibt ja zwei Arten von Gästen. Die einen kommen wegen der Region selbst, dem Freizeitangebot, der Umgebung. Für die ist die Unterkunft meist nicht so wichtig. Dann gibt es die, für die

zentral ist, in welchen Räumen sie sich aufhalten, wie sie empfangen werden, wie authentisch das Ambiente ist. Hier spielt die Architektur eine fundamentale Rolle. Wir finden, es lohnt sich, diesen Weg zu gehen, es ist ein langer Weg, verbunden mit vielen Umbauten, getragen von langfristigen Überlegungen. Den Hang zu spektakulärer Architektur sehe ich kritisch. Die Frage ist: Wie lange ist spektakulär at-

„Der Großteil der Inhaber war in den Planungsprozess intensiv eingebunden und hat stark eingegriffen.“ CLAUDIA MILLER

traktiv und wann wird es von etwas noch Spektakulärerem abgelöst? Aber gerade das scheint derzeit das Hauptthema zu sein, wenn es um moderne Architektur geht: Stararchitekten, spektakuläre Bauten. BÄUERLE: Für den Normalverbraucher kann das ganz gut funktionieren, aber den an architektonischer Qualität Interessierten, behaupte ich mal, verärgert man. MILLER: Wir sind keine Verfechter einer Architektur, die einen starken Wow-Effekt hat, die vor allem expressiv ist. Für uns ist Architektur eine Haltung, sie hat eine soziale Verantwortung, ist für Menschen gemacht, das muss spürbar sein. Manchmal entsteht der Eindruck, beim Thema Architektur ist es wie beim Thema Essen: Es gibt tolle Bücher, es wird viel geredet darüber, aber die meisten konsumieren, salopp ausgedrückt, Fast

© LINIE ZWEII (2)

das Gesamte, um eine besondere Haltung im Umgang mit Architektur, es geht um die Materialien, die verwendet werden, bis hin zum Umgang mit dem Gast selbst. MILLER: Der Großteil der Inhaber, mit denen wir gesprochen haben, war in den Planungsprozess und darin, wie der Umbau vonstatten ging, intensiv eingebunden und hat stark eingegriffen. Um ein Beispiel zu nennen: Der Inhaber des Hotels Krone in Hittisau im Bregenzerwald wusste ganz genau, mit wem er zusammenarbeiten wollte, und zwar bis zum Handwerker hin. Er hat nur Leute engagiert, deren Arbeiten er kannte. Er hatte ganz klare Vorstellungen. Das sieht man in jedem noch so kleinen Detail. Da ist nichts einfach so gemacht worden, da steckt Herzblut drin.

Food. Gerade im Tourismus gibt es nur wenig wirklich herausragende Bauten, die Masse lässt sich dafür offensichtlich nicht begeistern. BÄUERLE: Das würde ich aus leidiger Erfahrung voll unterstreichen, der Mammon ist meist die treibende Kraft. Ich würde mir viel mehr Diskussionen darüber wünschen, was gute Architektur ist, was sie auszeichnet. Was ist der alpine Stil? Was der Tiroler? Was ist mit der ortsbezogenen, individuell gesuchten Lösung, die einfach Ecken haben muss, nicht nur effizient ist? Qualität steckt oft im Kleinen, im Leisen viel mehr als im Großen, Lauten.

MILLER: Wir sollten nicht nur konsumieren, sondern mehr diskutieren. Die Diskussion muss aber auch dahin gehen, wo es wehtut. Wir umgeben uns gerne mit schönen Sachen, aber wir müssen uns auch fragen: Was bedeutet das? Was verändert das? Vielen Dank für das Gespräch.

×

DAS BUCH In „Alpenorte. Über Nacht in besonderer Architektur. Alpine Retreats. Unique Hotel Architecture“ (Edition Detail, 2014; 2. Auflage soeben erschienen) porträtieren Claudia Miller und Hannes Bäuerle touristische Unterkünfte in Österreich, Südtirol und in der Schweiz. Im Fokus steht dabei nicht nur die architektonische Gestaltung, sondern die Gesamtkomposition aus Geschichte, Bauweise, verwendeten Materialien, Ambiente und Atmosphäre. Für die Autoren handelt es sich um Wohlfühlorte, in die sie immer wieder gerne zurückkehren.


46 MAGAZIN SAISON

Die „Galerie der Lebensalter“ zeigt die Veränderungen, die wir Menschen in verschiedenen Altersstufen durchleben.

Welche Vorstellungen haben und hatten andere Kulturen vom Tod? Im Gotischen Keller gibt es unter anderem altägyptische (Bild) und mexikanische Bräuche zu entdecken.

Im „Paradiesgarten“ kann jeder Besucher seine Vorstellungen vom Jenseits aufschreiben und den Zettel an einem Baum befestigen.

Auf der Reise ins Jenseits Der Tod gehört zum Leben dazu, aber darf man das auch Kindern so erzählen? Man darf und man soll, wie „Erzähl mir was vom Tod. Eine interaktive Ausstellung über das Davor und Danach“ im Gotischen Keller der Hofburg Innsbruck zeigt. Die Schau, die noch bis 13. Dezember 2015 geöffnet ist, richtet sich speziell an Menschen ab fünf Jahren. VON ES THER PIRCHNER

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terben und Trauer sind in der Hofburg derzeit allgegenwärtig, denn die Ausstellung „Das Letzte im Leben. Eine Ausstellung zu Sterben und Trauer 1765–2015“ in den maria-theresianischen Prunkräumen erinnert seit Juni 2015 an den Tod von Franz Stephan von Lothringen. Der Ehemann von Maria-Theresia starb vor 250 Jahren in der Hofburg, zu seinem Gedenken ließ die Kaiserin die Räumlichkeiten umgestalten und unter anderem eine Familiengalerie mit Bildern von Franz Stephan, sich selbst und ihren lebenden und verstorbenen Kindern anfertigen. Wohl war der Tod im 18. Jahrhundert auch in der kaiserlichen Familie im Alltag präsent, während er in unserer heutigen Gesellschaft weitgehend aus dem Blick-

feld verschwunden ist. Umso wichtiger scheint es, auch Kindern gegenüber den Tod nicht zu tabuisieren und sich mit ihren Fragen zu Sterben und Abschied zu beschäftigen. Als Ergänzung zu „Das Letzte im Leben“ zeigt die Hofburg Innsbruck die Wanderausstellung „Erzähl mir was vom Tod“, die ursprünglich vom Alice-Museum im Kinder- und Jugendzentrum FEZ Berlin und den Franckeschen Stiftungen zu Halle gestaltet wurde und nun zum letzten Mal in Innsbruck zu sehen sein wird. In ihr ist das Thema kindgerecht aufbereitet – in Form einer Reise und mit vielen verschiedenen Möglichkeiten einer Annäherung.

Abschied nehmen. Solche Zugänge sind manchmal überraschend einfach zu finden. „Meine Erfahrung ist“, sagt die Kul-

turvermittlerin Nina Mayer vom Büro für Ausstellungskonzeption und Museumsberatung Rath & Winkler, die für die Vermittlung der Kinderausstellung zuständig ist, „dass eher Erwachsene Berührungsängste haben und nicht wissen, wie sie Kindern gegenüber über Tod und Trauer sprechen sollen, dass aber Kinder oft einen ganz normalen Umgang finden. Sie fragen auch nach und man kann mit ihnen einfach darüber reden.“ „Alter“, „Zeit“ und „Vergänglichkeit“ können, wie es in der Ausstellung geschieht, spielerisch und anschaulich angegangen werden. Angelehnt an die mythologische Vorstellung von einer Reise ins Jenseits, die es in vielen Kulturen gibt, ist „Erzähl mir was vom Tod“ wie eine Reise mit verschiedenen interaktiven Stationen gestaltet.


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© NINA MAYER

„Sowohl Kinder als auch Erwachsene beginnen, vieles aus ihrem Leben zu erzählen. Daraus entstehen ganz tolle und intensive Gespräche.“

© ALICE-MUSEUM IM FEZ BERLIN (4)

NINA MAYER, KULTURVERMITTLERIN

Besucher betreten zuerst ein Reisebüro und können sich dann selbstständig mit den einzelnen Stationen vertraut machen, aber sich bei Fragen auch an die Kulturvermittlerinnen wenden. Im „Uhrenraum“ geht es um Zeit und Vergänglichkeit, eine große Sanduhr verweist auf den Fluss des Lebens und die Endlichkeit, das Ticken einer Pendeluhr macht das Vergehen der Zeit hörbar.

Von der (Un-)Sterblichkeit. Darum, die Zeit anzuhalten und den Tod auszutricksen, geht es im Labor, wo sich Kinder einen „Unsterblichkeitstrank“ mixen können, im „Wohnzimmer der Erinnerungen“ scheint die Familie, die hier gelebt hat, in vielen kleinen Details noch präsent. Einen ähnlichen Zugang eröffnet die „Galerie der Lebensalter“, die die Veränderung vom Kind bis zum alten Menschen dokumentiert. Auf Totenkulte und Begräbnisrituale auch aus anderen Kulturen fokussiert „Erzähl mir was vom Tod“ in weiteren Räumen: in einem, der als „Bestattungsinstitut“ mit Sarg und Urnen ausgestattet ist, in einem für Osiris, den Totengott der alten Ägypter, und einem weiteren, in dem ein mexikanischer Altar aufgebaut ist. Dort zeigt der Tod auch seine heitere Seite: mit Blumen und Süßigkeiten bis hin zum Totenkopf aus Zuckerguss.

Paradiesische Wünsche.

Für die Innsbrucker Ausstellung adaptiert wurde die Station „Paradiesgarten“, in der ein

Die Zeit verrinnt: Im ­„Uhrenraum“ wird das sichtbar anhand einer großen Sanduhr und hörbar anhand einer Pendeluhr.

Grab archäologisch nachempfunden und mit Grabungsobjekten aus den Tiroler Landesmuseen bestückt wurde. Unter anderem sind Relikte aus der Römer- und Bronzezeit sowie dem Mittelalter zu sehen, die den Verstorbenen in ihre Gräber mitgegeben wurden. Daneben wachsen „Paradiesbäume“, die die Besucher dazu einladen, eigene Vorstellungen vom Leben nach dem Tod oder Wünsche für die Verstorbenen aufzuschreiben und die Zettel als Blätter an den Baum zu heften. Bei solchen Gelegenheiten, aber auch im Rahmen der Begleitprogramme, die zu den beiden Ausstellungen in der Hofburg angeboten werden, treten dann erstaunliche Vorstellungen zutage. „Oft kommt das ganz spontan daher“, sagt Nina Mayer, die in den vergangenen Monaten Kinder ab der vierten Volksschulklasse durch „Das Letzte im Leben“ geführt hat, „da erzählen sie dann, was sie glauben – zum Beispiel, dass sie mit dem Motorrad in den Himmel fahren werden.“ Überhaupt seien diese und die Kinderausstellung sehr dafür geeignet, auf die elementaren Dinge im Leben zu sprechen zu kommen: „Sowohl Kinder als auch Erwachsene beginnen“, wenn sie sich mit dem Tod beschäftigen, „vieles aus ihrem Leben zu erzählen. Daraus entstehen ganz tolle und intensive Gespräche.“ Allein dieser Aspekt spricht schon dafür, das Tabu in unserer Gesellschaft zu brechen und Sterben und Tod, Abschied und Trauer ins Blickfeld zu rücken – in zwei klug gemachten Ausstellungen, vielleicht aber auch im richtigen Leben. ×

DIE AUSSTELLUNG Erzähl mir was vom Tod. Eine interaktive Ausstellung über das Davor und Danach für Kinder ab 5 Jahren Bis 13. Dezember 2015 Montag bis Freitag, 14 bis 17 Uhr Für Schulklassen und Kindergärten mit Anmeldung, 8 bis 17 Uhr Samstag, Sonn- und Feiertage, 9 bis 17 Uhr Hofburg Innsbruck, Gotischer Keller www.hofburg-innsbruck.at

„Kinder fragen nach“ Nina Mayer hat für die Kinderund Familienausstellung „Erzähl mir was vom Tod“ im Gotischen Keller der Hofburg Innsbruck die Adaption des „Paradiesgartens“ koordiniert und ist selbst als Kulturvermittlerin vor Ort.

S

AISON: Frau Mayer, Erwachsene tun sich oft schwer, mit Kindern über den Tod zu sprechen. Soll man das Thema von Kindern fernhalten? NINA MAYER: Nein, es geht bei ihnen ganz oft um Abschied, mit dem sie auch in anderen Lebenssituationen konfrontiert sind: zum Beispiel wenn sie in den Kindergarten kommen, den Wohnort wechseln oder ein Haustier stirbt. Kinder fragen auch nach, und dann ist es wichtig, dass man diese Fragen beantwortet und mit ihnen redet, ohne sie zu verschrecken oder einzuschüchtern. An welche Altersgruppen richtet sich „Erzähl mir was vom Tod“? Die Hauptzielgruppe sind die Sechs- bis Zwölfjährigen, aber die Ausstellung ist auch für Jugendliche und Erwachsene spannend. Es gibt auch Vermittlungsprogramme mit Einführungen und Reflexionsrunden, in denen die Eindrücke aus der Ausstellung besprochen werden.

Vermittlungsprogramme für Kinder bieten Sie auch in der laufenden (Erwachsenen-)Ausstellung „Das Letzte im Leben“. Welche Reaktionen haben Sie dabei erlebt? Kinder und Jugendliche gehen oft ganz unbefangen mit dem Thema um. Wir setzen auch unterschiedliche Schwerpunkte, je nachdem, wie alt die Kinder sind. Beide Ausstellungen sind so groß, dass man ihrem Alter entsprechend Schwerpunkte setzen kann. Vielen Dank für das Gespräch.

×


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© NINA MAYER

„Sowohl Kinder als auch Erwachsene beginnen, vieles aus ihrem Leben zu erzählen. Daraus entstehen ganz tolle und intensive Gespräche.“

© ALICE-MUSEUM IM FEZ BERLIN (4)

NINA MAYER, KULTURVERMITTLERIN

Besucher betreten zuerst ein Reisebüro und können sich dann selbstständig mit den einzelnen Stationen vertraut machen, aber sich bei Fragen auch an die Kulturvermittlerinnen wenden. Im „Uhrenraum“ geht es um Zeit und Vergänglichkeit, eine große Sanduhr verweist auf den Fluss des Lebens und die Endlichkeit, das Ticken einer Pendeluhr macht das Vergehen der Zeit hörbar.

Von der (Un-)Sterblichkeit. Darum, die Zeit anzuhalten und den Tod auszutricksen, geht es im Labor, wo sich Kinder einen „Unsterblichkeitstrank“ mixen können, im „Wohnzimmer der Erinnerungen“ scheint die Familie, die hier gelebt hat, in vielen kleinen Details noch präsent. Einen ähnlichen Zugang eröffnet die „Galerie der Lebensalter“, die die Veränderung vom Kind bis zum alten Menschen dokumentiert. Auf Totenkulte und Begräbnisrituale auch aus anderen Kulturen fokussiert „Erzähl mir was vom Tod“ in weiteren Räumen: in einem, der als „Bestattungsinstitut“ mit Sarg und Urnen ausgestattet ist, in einem für Osiris, den Totengott der alten Ägypter, und einem weiteren, in dem ein mexikanischer Altar aufgebaut ist. Dort zeigt der Tod auch seine heitere Seite: mit Blumen und Süßigkeiten bis hin zum Totenkopf aus Zuckerguss.

Paradiesische Wünsche.

Für die Innsbrucker Ausstellung adaptiert wurde die Station „Paradiesgarten“, in der ein

Die Zeit verrinnt: Im ­„Uhrenraum“ wird das sichtbar anhand einer großen Sanduhr und hörbar anhand einer Pendeluhr.

Grab archäologisch nachempfunden und mit Grabungsobjekten aus den Tiroler Landesmuseen bestückt wurde. Unter anderem sind Relikte aus der Römer- und Bronzezeit sowie dem Mittelalter zu sehen, die den Verstorbenen in ihre Gräber mitgegeben wurden. Daneben wachsen „Paradiesbäume“, die die Besucher dazu einladen, eigene Vorstellungen vom Leben nach dem Tod oder Wünsche für die Verstorbenen aufzuschreiben und die Zettel als Blätter an den Baum zu heften. Bei solchen Gelegenheiten, aber auch im Rahmen der Begleitprogramme, die zu den beiden Ausstellungen in der Hofburg angeboten werden, treten dann erstaunliche Vorstellungen zutage. „Oft kommt das ganz spontan daher“, sagt Nina Mayer, die in den vergangenen Monaten Kinder ab der vierten Volksschulklasse durch „Das Letzte im Leben“ geführt hat, „da erzählen sie dann, was sie glauben – zum Beispiel, dass sie mit dem Motorrad in den Himmel fahren werden.“ Überhaupt seien diese und die Kinderausstellung sehr dafür geeignet, auf die elementaren Dinge im Leben zu sprechen zu kommen: „Sowohl Kinder als auch Erwachsene beginnen“, wenn sie sich mit dem Tod beschäftigen, „vieles aus ihrem Leben zu erzählen. Daraus entstehen ganz tolle und intensive Gespräche.“ Allein dieser Aspekt spricht schon dafür, das Tabu in unserer Gesellschaft zu brechen und Sterben und Tod, Abschied und Trauer ins Blickfeld zu rücken – in zwei klug gemachten Ausstellungen, vielleicht aber auch im richtigen Leben. ×

DIE AUSSTELLUNG Erzähl mir was vom Tod. Eine interaktive Ausstellung über das Davor und Danach für Kinder ab 5 Jahren Bis 13. Dezember 2015 Montag bis Freitag, 14 bis 17 Uhr Für Schulklassen und Kindergärten mit Anmeldung, 8 bis 17 Uhr Samstag, Sonn- und Feiertage, 9 bis 17 Uhr Hofburg Innsbruck, Gotischer Keller www.hofburg-innsbruck.at

„Kinder fragen nach“ Nina Mayer hat für die Kinderund Familienausstellung „Erzähl mir was vom Tod“ im Gotischen Keller der Hofburg Innsbruck die Adaption des „Paradiesgartens“ koordiniert und ist selbst als Kulturvermittlerin vor Ort.

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AISON: Frau Mayer, Erwachsene tun sich oft schwer, mit Kindern über den Tod zu sprechen. Soll man das Thema von Kindern fernhalten? NINA MAYER: Nein, es geht bei ihnen ganz oft um Abschied, mit dem sie auch in anderen Lebenssituationen konfrontiert sind: zum Beispiel wenn sie in den Kindergarten kommen, den Wohnort wechseln oder ein Haustier stirbt. Kinder fragen auch nach, und dann ist es wichtig, dass man diese Fragen beantwortet und mit ihnen redet, ohne sie zu verschrecken oder einzuschüchtern. An welche Altersgruppen richtet sich „Erzähl mir was vom Tod“? Die Hauptzielgruppe sind die Sechs- bis Zwölfjährigen, aber die Ausstellung ist auch für Jugendliche und Erwachsene spannend. Es gibt auch Vermittlungsprogramme mit Einführungen und Reflexionsrunden, in denen die Eindrücke aus der Ausstellung besprochen werden.

Vermittlungsprogramme für Kinder bieten Sie auch in der laufenden (Erwachsenen-)Ausstellung „Das Letzte im Leben“. Welche Reaktionen haben Sie dabei erlebt? Kinder und Jugendliche gehen oft ganz unbefangen mit dem Thema um. Wir setzen auch unterschiedliche Schwerpunkte, je nachdem, wie alt die Kinder sind. Beide Ausstellungen sind so groß, dass man ihrem Alter entsprechend Schwerpunkte setzen kann. Vielen Dank für das Gespräch.

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“Wellwasser ist die Reparatur des Wassers“ Univ. Doz. Dr. Siegfried de Rachewiltz

Man könnte glauben, wir in Tirol haben kein Problem mit dem Wasser und werden weltweit um die Quantität und Qualität unserer Wasserreserven beneidet. Das stimmt auch bis zu einem gewissen Grad. Hoch oben entspringt unser Wasser aus natürlich reinen Quellen und wird von den verantwortlichen Personen / Firmen in dieser Qualität bis zu den Gebäuden geleitet. Dort fängt allerdings vielerorts das Problem an. Ältere oder undichte Leitungen, unsaubere Anschlüsse und vieles mehr sorgen immer wieder für Kontaminierungen des Wassers, was nicht sein müsste. Wellwasser hat es sich mit seinem dreistufigen Filtersystem zum Ziel gesetzt, die Quellqualität zu sichern. Dies ist auch gelungen und von der TÜV Austria (Zertifikatsnummer: TA 220 14 2183) bestätigt worden. Mit nur geringfügigen Einbauten können Sie sicher sein, dass das Quellwasser ohne Qualitätsverlust direkt in Ihr Wasserglas fließt.

„Wellwasser steht jederzeit in bester Qualität und Geschmack in unbegrenzter Menge zur Verfügung.“

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49 KOMMENTARE SAISON

Gesundheit und Planwirtschaft

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in renommiertes Rehabilitationszentrum in Osttirol will erweitern und darf nicht, weil sich der Hauptverband der Sozialversicherungen bei einer Bedarfserhebung dagegen ausspricht. Ein ebenso renommiertes, von ausländischen Gästen frequentiertes Gesundheitszentrum in der Nähe von Innsbruck möchte als weiteres diagnostisches Angebot ein Schlaflabor einrichten. Das Ansuchen, das Tausende von Euro kostet, wird durch eine Entscheidung der Tiroler Landesregierung abgelehnt. Auf einen Einspruch hin wird seit einem halben Jahr nicht einmal reagiert. Ein Großprojekt chinesischer Investoren (Oh Schreck!), die in einem ehemaligen Kurort mit schwächelndem Angebot ein

Sind sich eigentlich all jene, die gegen diese medizinischen Angebote Sturm laufen, der Tatsache bewusst, dass damit präventiv Tausende von hochwertigen Arbeitsplätzen verhindert werden? Antiaging-Zentrum mit Stammzellentherapie errichten wollen, scheitert, angeblich wegen Unvereinbarkeiten mit dem Grundverkehrsgesetz. Die Gesundheit ist einer unserer höchsten Werte und in Tirol auf hohem Niveau gesichert. Danke! Dies bedeutet jedoch auch, dass es hier um viel Geld, Einfluss, Macht, Pfründe und in der Folge um einen fast unüberblickbaren Wust an Gesetzen geht,

Die Himbeer-Lektion

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VO N A LO I S S C H Ö P F

deren Aufgabe darin besteht, von berechtigter Vorsicht bis zu totaler Stagnation für Ordnung im Lande zu sorgen. Entsprechend planwirtschaftlich fallen Behördenverfahren aus, die jedem drohen, der außerhalb des staatlichen Monopols aktiv werden möchte. Dass dabei vergessen wird, wie sehr Tirol mit seiner attraktiven Bergwelt und seiner zivilisierten Naturlandschaft zwischen den Metropolen Süddeutschlands und Norditaliens der ideale Boden für einen Wirtschaftszweig wäre, der unter dem Begriff „Gesundheitstourismus“ eine große Zukunft noch vor sich hat, ist unverantwortlich. Sind sich eigentlich all jene, die offenbar mit blankem Entsetzen gegen an den Gesetzen des freien Marktes orientierte medizinische Angebote Sturm laufen, der Tatsache bewusst, dass damit präventiv Tausende von hochwertigen Arbeitsplätzen verhindert werden? Dass sie einen Wirtschaftszweig, von dem Tirol bisher lebte, die Überlebenschancen schmälern? Und dass sie zuletzt sogar zu Fehlinvestitionen verleiten, die der Marke Tirol ein Image des Unseriösen verpassen? Dadurch nämlich, dass auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen aufbauende, private medizinische Einrichtungen per Gesetz mehr oder weniger verhindert werden, wird, um die Nachfrage doch irgendwie zu befriedigen, auf halbseidene Wellness und Esoterik ausgewichen, und der Tourismus wird somit zum Opfer einer weitgehend fragwürdigen Heublumenphilosophie. Und das hat er nicht verdient! × Alois Schöpf lebt als Journalist und Schriftsteller in Lans.

VON ERNS T MOLDEN

eine Tochter, unsere Jüngste, hat es mit den Tieren. Das liebe ich besonders an ihr, vielleicht, weil ich es auch mit den Tieren habe. Als kleiner Bub stritt ich sogar mit meiner geliebten Omi, die Seniorenclub schauen wollte, während ich die parallel im „Zweier“ laufende Tiersendung zu sehen begehrte. Meistens setzte sie sich durch, aber das nährte nur meine Leidenschaft. Jetzt ist Hochsommer, wir sind im Tiroler Dorf. Über die große Heuwiese gleich hinter unserem Haus zog ich vor 35 Jahren. Mit einem Netz, immerzu nach Schlangen, Schleichen, Echsen, Fröschen suchend. Heuer im Sommer zieht die Tochter über die Wiese, jetzt zehnjährig, aufgeschossen wie ein junger Baum, mit langen wilden Haaren. Auf der Wiese trifft sie Katzen, die sie schon kennt, die ihr zugehen, denen sie Namen wie Caramelle oder Cherry gibt, obwohl sie zuhause auf ihrem Hof wahrscheinlich Miez heißen. Ich gehe mit der Tochter mit. Ich versuche, die Katzen, die ihr zugehen, nicht zu erschrecken. Ich erzähle ihr, wie ich vor 35 Jahren eine tote Spitzmaus fand und sie mit dem Stiel meines Netzes anstieß. Da kam ein Hund aus dem hohen Gras und biss mich, denn die Spitzmaus war seine Beute. Die Tochter hört zu. Soll ich dir noch was zeigen? Sie nickt. Aber da sind Brennnesseln, sage ich. – Egal, sagt sie. Wir verlassen die Wiese, gehen durch Haselstauden und dichtes, farniges Unterholz zum Bach hinunter. Als Nächstes kommen schon die Brennnesseln, die Tochter verzieht keine Miene. Dann müssen wir klettern, und schließlich sind wir am Ufer des kleinen rastlosen Wasserlaufs. Barfuß gehen wir auf die andere Seite, und

da steht er, der größte Himbeerstrauch im ganzen Land, wie schon vor 35 Jahren. Wir kommen genau zur richtigen Zeit. Die Himbeeren sind so reif, dass man nur ein Zweigerl anzustreifen braucht und sie fallen einem in die hohle Hand. Wir essen Himbeeren, bis wir keine Lust mehr haben. Als wir beim Haus ankommen, haben wir rote Münder, Vampire, voll mit dem süßen Blut des Waldes.

Wir kommen genau zur richtigen Zeit. Die Himbeeren sind so reif, dass man nur ein Zweigerl anzustreifen braucht und sie fallen einem in die hohle Hand. Dann kommt das Gewitter, und wir müssen beim Haus bleiben. Mir fällt noch etwas ein. Ich hole Spielkarten, suche die richtigen Zwanzig hervor und bringe meiner Tochter das Schnapsen bei. Das kann man stundenlang spielen, sage ich, wenn es draußen schiach ist. Beim ersten Bummerl helfe ich meinem Mädchen und gewinne trotzdem. Beim zweiten Bummerl helfe ich ihr kaum noch und gewinne knapp. Das dritte Bummerl spiele ich ganz normal, aber sie besiegt mich: Vierzig und genug, sagt sie grinsend, himbeerverschmiert. Ich behaupte: Der gelungene Sommer in den Bergen hat wenige Zutaten, aber die paar, die müssen sein. × Ernst Molden, 47, lebt als Liedermacher und Schriftsteller in Wien. Für seine Alben und Bücher wurde er mehrfach ausgezeichnet. Mit dem Nino aus Wien veröffentlichte er soeben das Album UNSER ÖSTERREICH (monkeymusic).


50 NACHGEFRAGT SAISON

15 FR AGEN AN ...

Max Salcher DREI SCHÖNE ORTE AUF DER WELT (AUSSERHALB TIROLS): Toskana, Vancouver, Oslo LETZTER URLAUB (WANN UND WO?): Sechs Tage Radfahrt von Innsbruck nach Berlin DIE GRÖSSTEN TUGENDEN IM TOURISMUS SIND: Freundlichkeit, Prospektwahrheit, Preis-Leistung DIE GRÖSSTEN SÜNDEN IM TOURISMUS SIND: Auf Tradition zu verzichten und politische Einflussnahme DIE STÄRKEN DES TIROLER TOURISMUS: Familienbetriebe, einheitliche Werbelinie (Tiroler Weg), Qualität von Luft und Wasser, vielseitiges Angebot, der Tiroler als Person DIE SCHWÄCHEN DES TIROLER TOURISMUS: Oft wird nicht miteinander, sondern gegeneinander gearbeitet. DIE BESTE IDEE DER LETZTEN FÜNF JAHRE: Alt-LH Van Staas Idee der großen Marketingverbünde – leider konnte er dieses Projekt nicht vollenden. IM AUSLAND HÖRE ICH ÜBER TIROL AM HÄUFIGSTEN: Wintersport, perfekte Pisten, super Skifahrer, Olympische Winterspiele RADFAHREN IST DAS SKIFAHREN DES SOMMERS, WEIL: Perfekte Gegebenheiten – fürs Rennradfahren, E-Biken und Mountainbiken TIROL BIETET IM SOMMER: Alle Möglichkeiten, perfektes Preis-Leistungs-Verhältnis, Bergerlebnis in Kombination mit Stadttourismus auf engstem Raum. FÜR EINE POSITIVE ENTWICKLUNG DES SOMMERTOURISMUS IST ENTSCHEIDEND: Eine einheitliche Werbelinie und dass dem Radfahren eine noch bedeutendere Rolle eingeräumt wird GÄSTE, DIE ZUM BIKEN NACH TIROL KOMMEN, ERWARTEN: Zertifizierte Bikebetriebe, Bikeverleih, Radwegenetz, geführte Touren und entsprechendes Kartenmaterial, Trails in allen Schwierigkeitsgraden DER GAST, DER ZUM BIKEN NACH TIROL KOMMT, IST: Sportlich, Mid und Best Ager, gesundheitsbewusst, ausgabefreudig, kombiniert oft Sport und kulinarische Genüsse REGIONEN, DIE SICH IM SOMMERTOURISMUS ETABLIEREN MÖCHTEN, BRAUCHEN: Marketingstrategie, entsprechende Projekte, Regionen mit Bergbahnen als Partner haben Vorteile RADRUNDWEG ODER DOWNHILL? Damit ist es sicherlich nicht getan. Es benötigt Trails in allen Variationen, E-Bike Routen; auch Trendsportarten wie Fat-Bike oder ENDURO müssen im Angebot berücksichtigt werden.

Max Salcher ist seit rund 30 Jahren als Geschäftsführer bei Tiroler Tourismusverbänden tätig, beginnend 1983 beim TVB Hopfgarten, ab 1999 beim TVB Westendorf und seit dessen Fusion beim TVB Kitzbüheler Alpen – Brixental. Seit 2005 ist ­Salcher außerdem einer von vier Geschäftsführern der übergeordneten Kitzbüheler Alpen Marketing GmbH.


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