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P.b.b. | VERLAGSORT: 6020 INNSBRUCK | 10Z038387M

TOURISMUSMAGA ZIN | AUSGABE 01/15 | WINTER/FRÜHJAHR 2015

FRAUEN IM TOURISMUS Eine Standortbestimmung.


Blue Moments

[die] Momente reinsten Genusses, erzeugt durch das perfekte Zusammenspiel purer Urspr체nglichkeit und gehaltvollen Geschmacks; wird h채ufig zu: Quell der Inspiration.

M o n t e s . da s f e i n s t e vo m wa s s e r .


3 STICHWORT SAISON

FRAUEN IM

TOURISMUS ZITIERT „Frauen kümmern sich besser um das Wohl der Gäste, die Rolle der Gastgeberin liegt ihnen einfach. Frauen haben auch einfach mehr Sinn für Schönes und Ästhetik.“ Elisabeth Gürtler, Unternehmerin

DEFINITIONSSACHE Gender Marketing im Tourismus Die Statistik beweist: Es ist häufig die Frau, die in Sachen Urlaub die Buchungsentscheidung trifft. Gender Marketing versucht diesem Umstand Rechnung zu tragen: Dazu gehören gendergerechte Produkt- und Angebotsgestaltung (in Bezug auf Frauen wie Männer) ebenso wie die dementsprechende Vermarktung.

ZAHLEN, BITTE! • Knapp über 60 % der Beschäftigten im Tourismus sind weiblich. • 38,6 % der Tourismusbetriebe in Tirol werden von Frauen geführt; österreichweit sind es knapp 40 %. • Die Tourismusbranche weist dabei am meisten Chefinnen auf: Fasst man alle Branchen zusammen, finden sich in Österreich nur 14 % Frauen in Führungsetagen.* * AK-Studie über Top 200 Unternehmen 2014 (Zahlen von 2013)

„Wenn man einmal den Fuß in der Tür hat, dann gehen viele andere auf.“ Martina Entner, Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft

„Frauen betrachten Angebote ganzheitlicher. Sie sind auf der Suche nach einem Mehrwert.“ Daniela Groffner, Unternehmensberaterin, conos gmbh

„Die hohen sozialen Kompetenzen prädestinieren Frauen geradezu, führende Rollen zu übernehmen.“ Renate Danler, ehem. Tourismusdirektorin Kitzbühel


4 EDITORIAL SAISON

Die Herzlichkeit, mit der Gäste bei uns eine zweite Heimat finden, die Atmosphäre der unvergesslichen freien Tage, die stimmigen Details, die den Wohlfühl-Faktor bestimmen – das alles wird federführend von Frauen gestaltet.

Frauen sind besonders aktiv, sind an ein höheres Tempo gewöhnt, allein schon durch die Anforderungen, die sich aus der Kombination von Beruf und Familie ergeben.

Im Branchenvergleich ist der Tourismus auch aufgrund seiner weiblichen Dominanz Vorreiter. Denn insbesondere der Tiroler Weg im Tourismus ist vielfach geprägt von Pionierinnen und ihren besonderen Qualitäten.


EDITORIAL

Der touristische Erfolg ist weiblich

B

etrachtet man quer über alle Branchen die Führungsetagen der Unternehmen in Österreich, so wird deutlich: Nur 14 Prozent sind weiblich besetzt. Übertragen auf den Tourismus in unserem Land zeigt sich ein deutlich anderes Bild: 60 Prozent der Beschäftigten im Tourismus sind weiblich, knapp 40 Prozent der Tiroler Tourismusbetriebe werden sogar von Frauen geführt. Damit ist klar: Der touristische Erfolg ist weiblich. Die Herzlichkeit, mit der Gäste bei uns eine zweite Heimat finden, die Atmosphäre der unvergesslichen freien Tage, die stimmigen Details, die den Wohlfühl-Faktor bestimmen – das alles wird federführend von Frauen gestaltet. Ob diese Fähigkeiten angeboren sind, evolutionär in der Menschheitsgeschichte verstärkt wurden oder einfach nur ausgeprägte weibliche Stärken sind, soll an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden. Tatsache ist: Frauen prägen die Leitbranche unseres Landes und man(n) möchte sich da und dort auch noch mehr Frauen in touristischen Spitzenpositionen wünschen. Denn gerade im Tourismus können Frauen offenbar ihre Fähigkeiten voll entwickeln – Kompetenzen, die im Kontext von Gastgeber-Rollen ihre volle Tragweite entfalten. Folgerichtig spürt diese Ausgabe der SAISON den Frauen im Tourismus nach, ihrer Pionierrolle und ihrem Innovationsgeist.

Markforschung. Frauen sind in Summe die besseren Gastgeber, bringt es Elisabeth Gürtler im SAISON-Interview klar auf den Punkt. Eine Aussage, die durch aktuelle Marktforschungen gestützt wird. Die spezifische und im Tourismus offensichtlich besonders gefragte weibliche Intuition und Intelligenz hat spezielle Ausprägungen. Das weiß auch Werner Beutelmeyer, Geschäftsführer vom market Institut für Markt-, Meinungs- und Mediaforschung, der aktuelle Studien jüngst zu interessanten Überlegungen verdichtete: Frauen sind demnach zukunftsfähiger, weil sie Entwicklungen aufgrund ihrer multifunktionalen Lebensverantwortungen umfassender betrachten. Sie besitzen besondere emotionale Qualitäten, und lösen Probleme daher auch schneller und effizienter. Frauen sind besonders aktiv, sind an ein höheres Tempo gewöhnt, allein schon durch die Anforderungen, die sich

aus der Kombination von Beruf und Familie ergeben. Darüber hinaus haben sie in vielen Branchen die bessere Marktkenntnis, auch weil sie vielfach wesentlich näher am Alltag und den täglichen Bedürfnissen agieren. Frauen, so Beutelmeyer in einem Fazit, seien sensitiver und könnten ganz allgemein mit Risiken bewusster umgehen und diese in Folge auch besser bewältigen. Dass dies keine stereotypen (Vor-)Urteile sind, wird auch durch Erkenntnisse der Wirtschaftsforschung belegt: Die 2007 von McKinsey vorgelegte Studie „Women Matter“ kommt zu dem Ergebnis, dass Frauen wegen ihres Führungsstils erheblich zum Unternehmenserfolg beitragen. So formulieren sie Erwartungen an die Mitarbeiter in der Regel klarer und verfolgen deren Umsetzung konsequenter. In zahlreichen Untersuchungen hat man zudem herausgefunden, dass heterogen zusammengesetzte Teams aus Männern und Frauen innovativere Lösungen und Produkte hervorbringen, was indirekt für unser nachhaltig sehr erfolgreiches Modell des Familienunternehmens plädiert. Und auch laut einer Untersuchung von Ernst & Young vom Jänner 2012 sind Frauen in Führungsetagen ein Erfolgsfaktor für Unternehmen. Diese Studie wurde unter 300 börsennotierten Unternehmen Europas durchgeführt. Analysiert wurden Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Absatz und Börsenwerte. Die Studie kam schlussendlich zu dem Ergebnis, dass Unternehmen mit mindestens einer Frau in der Führungsetage erfolgreicher waren. Das Ende der weiblichen Bescheidenheit ist also angesagt. Und im Branchenvergleich ist der Tourismus auch aufgrund seiner weiblichen Dominanz Vorreiter. Denn insbesondere der Tiroler Weg im Tourismus ist vielfach geprägt von Pionierinnen und ihren besonderen Qualitäten. Dass weibliches Gespür, Beobachtungsgabe und Intuition zu bahnbrechenden Innovationen führen, zeigt auch eine kleine Anekdote in dieser Ausgabe. In den 1950er-Jahren verfolgte eine Frau die Entwicklungen im aufstrebenden Wintertourismus. Sie beobachtete genau, wie Menschen ihre ersten Schwünge im Schnee erlernten und analysierte die Bedürfnisse von Familien. Und ein paar Jahre später entstand im Zillertal etwas völlig Neues. Riki Spieß hatte den ersten Skikindergarten der Welt erfunden. ×

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7 INHALT SAISON

URLAUB OHNE HINDERNISSE

8

APFELSTRUDEL FÜR MR. PRESIDENT

DER WEIBLICHE FAKTOR

46

DIE VORREITERINNEN

18

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WERKEN FÜRS MUSEUM

THEMA: FRAUEN IM TOURISMUS 8

Der weibliche Faktor Nicht nur auf personeller Ebene spielen Frauen im Tourismus eine wesentliche Rolle, immer öfter übernehmen sie auch Leitungsfunktionen.

MAGAZIN

44

Gesammelte Erinnerung Der Gedächtnisspeicher in Längenfeld – das „Gedächtnis des Ötztales“

28

Wie Deutschland in Zukunft reist Über die neuesten Ergebnisse der Reiseanalyse-Trendstudie

46

Werken fürs Museum Wie sich das Museum Tiroler Bauernhöfe auf die neue Saison vorbereitet

30

Apfelstrudel für Mr. President Tiroler Spuren in Vail und ein beschwingter WM-Abend im „Österreichhaus“

49

Kommentare

34

„Glamourös in archaischer Natur“ Ariane Ehrat, CEO von EngadinSt. Moritz-Tourismus, im Interview

50

Nachgefragt

36

„Schlachtfeld“ Piste ade! Gastkommentar von Renate Sommersacher

12

Pionierinnen des Tourismus Obwohl sie die Entwicklung im Tourismus in Tirol vorantrieben, ist nur wenig von den Pionierinnen zu hören.

16

Herausforderung Nummer eins Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist kein „Frauenthema“ mehr.

18

Die Vorreiterinnen Wie drei Frauen den Beweis antreten, dass es an der Spitze nicht nur Platz für Männer gibt

22

Frauen als Konsumentinnen Als eigene Gästegruppe, die gezielt angesprochen wird, gewinnen Frauen zunehmend an Bedeutung.

38

Urlaub ohne Hindernisse Ab Jänner 2016 müssen allgemein zugängliche Gebäude barrierefrei erreichbar sein.

24

„Frauen haben immer dominiert“ Sacher-Chefin Elisabeth GürtlerMauthner im Interview.

40

Innovation meets Gastronomie Um Gästen etwas Außergewöhnliches zu bieten, sind Mut und Kreativität gefragt. Drei Erfolgsbeispiele

IMPRESSUM SAISON – Tourismusmagazin, Nr. 01/2015 (67. Jahrgang)

SAISON-Abohotline: 0512/58 60 20

HERAUSGEBER: Tirol Werbung, Maria-Theresien-Straße 55, 6020 Innsbruck • MEDIENINHABER UND VERLEGER: TARGET GROUP Publishing GmbH, Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck • CHEFREDAKTEUR: Matthias Krapf • REDAKTION: Steffen Arora, Daniel Feichtner, Mag. Susanne Gurschler, Mag. Jane Kathrein, Rebecca Müller, BA, Esther Pirchner, Ernst Spreng • AUTOREN: Ernst Molden, Alois Schöpf • FOTOGRAFEN: Emanuel Kaser, Franz Oss • GRAFIK: Kristina Fallenegger, Tom Binder • ILLUSTRATIONEN: Monika Cichoń ANZEIGENVERKAUF: Walter Mair, w.mair@target-group.at • ANSCHRIFT VERLAG: Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck, Tel. 0512/58 6020, Fax DW -2820, redaktion@target-group.at • GESCHÄFTSFÜHRUNG VERLAG: Mag. Andreas Eisendle, Michael Steinlechner DRUCK: Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten. Die Informationen zur Offenlegung gemäß § 25 MedienG können unter der URL www.target-group.at/offenlegungen abgerufen werden.

© DOMINIQUE HUTER, MULTIVISUALART, COURTESY OF VAIL RESORTS, EMANUEL KASER

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FRAUEN IM TOURISMUS

© DOMINIQUE HUTER

Von den 256 Mitarbeitern des Hotels Schwarz in Mieming sind 67 Prozent weiblich. Im Bild: Juniorchefi n Katharina Pirktl (Bildmitte) und zwei ihrer Mitarbeiterinnen, Barbara Walter (li.) und Sabine Achammer.

SAISON

Der weibliche Faktor Nicht nur auf personeller Ebene spielen Frauen im Tourismus eine wesentliche Rolle, immer öfter übernehmen sie auch Leitungsfunktionen. Auf Funktionärsebene spiegelt sich diese Entwicklung nicht entsprechend wider – noch nicht. VON SUSANNE GURSCHLER

sind die Zahlen nicht besser. Sowohl auf Obmann- als auch auf Aufsichtsratsebene sind in den heimischen Tourismusverbänden Männer die bestimmende Kraft.

© EMANUEL KASER

Z

u Beginn ein paar Zahlen: 40,7 Prozent der österreichischen Tourismus- und Freizeitbetriebe werden von Frauen geführt. Die Sparte liegt damit beim Frauenanteil an zweiter Stelle hinter Gewerbe und Handwerk. Und: 51,4 Prozent der Unternehmens-Neugründungen im Jahr 2014 im Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft gehen auf das Konto von Frauen. Tirol, das Tourismusland Österreichs, spiegelt diese bundesweite Tendenz in etwa wider. Die Zahl der von Frauen geleiteten Tourismus- und Freizeitbetriebe liegt hier bei 38,6 Prozent. Auch in Sachen Neugründungen sind die Frauen im Vormarsch: In der Hotellerie waren es vergangenes Jahr 42,4 Prozent, in der Gastronomie 37, bei Freizeit- und Sportbetrieben 40,1 Prozent. Frauen sind im Tourismus ein bedeutender personeller Faktor und sie übernehmen immer mehr Leitungspositionen. Auf Funktionärsebene lässt sich dieser Trend allerdings nicht ablesen. Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen nicht allein in der Tatsache begründet, dass es vor allem die Frauen sind, die Familie und Beruf unter einen Hut bringen müssen (siehe dazu Beitrag auf Seite 16). Noch ein Blick in die Statistik: Insgesamt betrachtet, werden in Tirol rund ein Drittel der Betriebe von Frauen geleitet. Aber: Keine 15 Prozent der Aufsichtsratsvorsitzenden sind weiblich. Im Tourismus

„Es ist wichtig für die Weiterentwicklung Tirols, und das nicht nur im touristischen Bereich, dass Frauen ihre Kompetenzen und ihre Erfahrungen einbringen.“ MARTINA ENTNER, LANDESVORSITZENDE VON „FRAU IN DER WIRTSCHAFT“

Gerade einmal zwei Frauen stellen den „Obmann“ in einem der 34 TVB, zwei den Aufsichtsratsvorsitzenden.

Steife Brise.

„Ich hatte keine Probleme, in leitende Funktionen zu gelangen“, sagt Renate Danler, eine jener Frauen, die einem sofort einfallen, wenn es um Frauen im Tourismus in Tirol geht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie in ihren Funktionen stets nicht nur hohe Kompetenz, sondern auch Präsenz zeigte. Danler war von 1995 bis 2003 Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Alpbach und der Alpbach Tourismus GmbH, dann Tourismusdirektorin in Kitzbühel und CoGeschäftsführerin der Kitzbüheler Alpen Marketing GmbH. 2007 übernahm sie die Leitung des Kongresszentrums Hofburg in Wien. Mittlerweile ist sie selbstständige Unternehmensberaterin. Vorangekommen sei sie, sagt Danler, weil in verantwortlichen Funktionen letztlich Kompetenz, Führungsqualität sowie Argumente wesentlich seien und nicht, ob man ein Mann oder eine Frau ist. „Die Gremien waren von Männern besetzt. Sie waren es, die mich gewählt haben, das darf man nicht vergessen, wenn es um das Thema Frauen im Tourismus geht“, unterstreicht Danler. Trotzdem: Wenn sie sich die aktuelle Situation in Tirol anschaue, habe sich wenig geändert, Frauen seien nach wie vor unterrepräsentiert in den Entscheidungsgremien. Dabei sind Frauen längst an die Spitze vorgedrungen: Mit Petra Stolba übernahm 2006 die erste Frau die Leitung der Österreich Werbung, 2013 wurde die Wienerin


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Fehlendes Netzwerk. „Die hohen sozialen Kompetenzen prädestinieren Frauen geradezu, führende Rollen zu übernehmen. Die Softskills sind es, die

deutung in der Tiroler Wirtschaft. Kein leichtes Unterfangen und nicht rasch zu erreichen, wie sie zugibt. Die Chancen, in Entscheidungspositionen vorzudringen, seien aber besser denn je, hält Entner fest. Das größte Hindernis ist ihrer Ansicht nach, dass Frauen aufgrund ihrer stark operativen Tätigkeit in den Betrieben, oft „unabkömmlicher“ sind als Männer. „Frauen können sich häufig nicht so freispielen – beziehungsweise tun es nicht“, ergänzt Entner. Natürlich seien in Tirol auch die traditionell patriarchal definierten Strukturen nicht zu unterschätzen. Es liege an den Frauen, diese zu durchbrechen. Und Entner verweist auf die Angebote von „Frau in der Wirtschaft“. Neben Seminaren, Vorträgen und Kursen in den Bezirken, wird hier intensiv Networking betrieben. Damit die Maßnahmen allerdings greifen, braucht es Zeit. Aus eigener Erfahrung könne sie sagen: „Wenn man einmal den Fuß in der Tür hat, dann gehen viele andere auf.“ Letztendlich gehe es darum, dass Frauen in Interessenvertretungen und in politischen Entscheidungs-

Auch die Einkommen sind – im Vergleich zu den Einkommen in anderen Wirtschaftszweigen – niedrig. Und: Frauen verdienen im Schnitt noch einmal rund 14 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Insgesamt keine tollen Voraussetzungen. Für einen gut funktionierenden Betrieb ist es jedoch unerlässlich, nicht nur gut ausgebildete, sondern motivierte und zufriedene Mitarbeiter zu haben. Tiroler Leitbetriebe haben das längst erkannt und setzen auf nachhaltige Mitarbeiterführung. Im Hotel Schwarz in Mieming liegt diese Aufgabe in den Händen der Juniorchefin, Katharina Pirktl. Nach der Heirat vor rund 15 Jahren in den traditionsreichen Familienbetrieb eingestiegen, hat sie das Personalwesen sukzessive auf neue Beine gestellt. Vor acht Jahren schaltete das Hotel Schwarz Inserate in regionalen Medien, um verstärkt Personal aus der Umgebung zu gewinnen. Ziel war, einen soliden Mitarbeiterstock aufzubauen. Von den derzeit 256 Mitarbeitern stammen ca. 90 Prozent aus Mieming und Umgebung. Wie in den meisten Betrieben ist der Frauenanteil mit

„Die hohen sozialen Kompetenzen prädestinieren Frauen geradezu, führende Rollen zu übernehmen. Die Softskills sind es nämlich, die im Tourismus gefragt sind: Redegewandtheit, Weltoffenheit, Multitasking-Fähigkeit, emotionale Belastbarkeit.“ RENATE DANLER, MANAGEMENT CONSULTANT

im Tourismus gefragt sind: Redegewandtheit, Weltoffenheit, Multitasking-Fähigkeit, emotionale Belastbarkeit. Da haben die Frauen die Nase vorne“, betont Danler. Um sich zu positionieren, fehlt Frauen allerdings häufig das, worauf Männer traditionell zurückgreifen können: ein stabiles und verzweigtes Netzwerk. Ein Punkt, den Martina Entner ebenfalls ins Treffen führt, wenn es um Frauen und Entscheidungsmacht geht: „Männer sind da hervorragend organisiert und pflegen ihre Kontakte intensiv.“ Die Pertisauer Touristikerin ist unter anderem Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Tirol und Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft (die Wirtschaftskammer-Wahlen fanden nach Redaktionsschluss statt, Anm.). Eines ihrer erklärten Ziele ist es, den Frauenanteil in den Entscheidungsgremien – etwa in Aufsichtsräten – zu erhöhen, und zwar entsprechend ihrer tatsächlichen Be-

gremien jene Rolle einnehmen, die sie in der Wirtschaft längst haben. „Es ist wichtig für die Weiterentwicklung Tirols, dass sie ihre Kompetenzen und ihre Erfahrungen einbringen“, so Entner. Gerade wenn es sich um die Bereiche Marketing, Kreativität und nicht zuletzt Mitarbeiterführung dreht, könnten Frauen ihre Fähigkeiten voll ausspielen.

Frauenbranche.

Der Tourismus ist ganz klar eine „Frauenbranche“. Rund zwei Drittel der in diesem Bereich Beschäftigten sind Frauen. Ein frauenfreundliches Segment ist er trotzdem nicht, zeichnet sich die Sparte doch durch hohe Belastung, schwierige Arbeitszeitbedingungen und „herausfordernde“ Arbeitszeitformen wie Morgen- oder Abenddienste, Wochenend- und Saisonarbeit aus. Zudem ist die Fluktuation hoch, ebenso die Gefahr von Arbeitslosigkeit.

67 Prozent hoch. Das spiegelt sich auch in den Führungspositionen: Von den 23 Abteilungsleitern sind neun männlich und 14 weiblich.

Lebensverhältnisse. Wesentliches Augenmerk liegt auf den Lebensverhältnissen von Frauen: Den 152 Vollzeit-Beschäftigten stehen 104 Teilzeitbeschäftigte gegenüber. „Es ist uns sehr wichtig, auf die Bedürfnisse insbesondere der Mitarbeiterinnen einzugehen, wir bieten flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit, in Teilzeit zu gehen – angepasst an die individuelle Situation der Beschäftigten“, erklärt Katharina Pirktl. Dass sie als Frau klar vor Augen hat, welche beruflichen Rahmenbedingungen Frauen brauchen, sieht Pirktl als großen Vorteil. Sie ist überzeugt: „Frauen haben das gleiche Potenzial wie Männer.“ Anscheinend kommen Frauen Ehrgeiz und Zuversicht allerdings rasch ab-

© JANA MADZIGON

Michaela Reitterer Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung und seit 2014 führt die Salzburgerin Petra NockerSchwarzenbacher die Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich. Auf nationalem wie auf regionalem TourismusParkett gilt jedoch: Ausnahmen bestätigen die Regel. Für Danler liegt eine der Hauptursachen darin, dass es Frauen oft an Selbstbewusstsein fehle und an einer kämpferischen Haltung. „Natürlich sind mir Steine in den Weg gelegt worden, aber ich habe sie als Herausforderung gesehen, nicht als Problem“, so Danler. Man müsse sich dem „scharfen Wind, der gelegentlich bläst“, einfach stellen. Sie konstatiert: Frauen würden im Tourismus zwar großteils „den Laden schupfen“, darüber hinausgehende Ambitionen, in Entscheidungsgremien tätig zu werden, wären aber selten.


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SAISON

FRAUEN IM TOURISMUS

© DOMINIQUE HUTER

„Es ist uns sehr wichtig, auf die Bedürfnisse insbesondere der Mitarbeiterinnen einzugehen, wir bieten flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit in Teilzeit zu gehen – angepasst an die individuelle Situation der Beschäftigten.“ KATHARINA PIRKTL, HOTEL SCHWARZ (MIEMING)

handen, wenn sie erst einmal im Berufsleben stecken. Das legt zumindest eine Studie der amerikanischen Managementberatung „Bain & Company“ nahe, die Sonja Zant bei ihren Überlegungen in Sachen Frauen und Wirtschaft, Frauen und Tourismus ins Treffen führt. Laut der 2014 durchgeführten Untersuchung „Everyday moments of truth“ liegen die Karrierehoffnungen bei Männern und Frauen zu Beginn ihrer Berufstätigkeit in etwa auf gleicher Höhe. Bei Frauen knicken diese aber nach nur wenigen Jahren um 60 Prozent ein, wenn Anerkennung und Öffnung für neue Rollenbilder und Karrierewege fehlen. Bei Männern ist kein derartiger Knick zu beobachten. Für Zant, die in Wien das

Unternehmen „frauenwirtschaftswunder“ gegründet hat, gilt es, das Vertrauen der Frauen in die eigene Leistung, in das eigene Können und Wollen zu kräftigen. Auf die Sparte Tourismus bezogen bedeutet dies für Zant: Neue Lösungsansätze für Sinnfindung und Wertschöpfung bereitzustellen und Frauen mit speziellen Angeboten zu stärken. „Tourismus ist das Geschäft mit der Sehnsucht. Frauen sind gut aufgestellt, wenn es um Beziehungsarbeit geht, um soziale Interaktion. Sie sind sich oft gar nicht bewusst, wie wichtig das ist“, so Zant. Statt auf ihre Kapazitäten zu bauen, würden Frauen häufig einen konventionellen Weg einschlagen. Die Unternehmensberaterin ortet dabei zwei Strategi-

en: Frauen würden bei der Berufsplanung entweder versuchen, die männliche Herangehensweise zu imitieren oder zu kompensieren, weil sie gelernt haben, dass sich dadurch ihre Chancen erhöhen, oder sie resignieren, weil sie den Eindruck haben, nur bedingt oder gar nicht weiter zu kommen. Die dritte Möglichkeit, sich der persönlichen Stärken bewusst zu werden, einen eigenen, innovativen Weg zu gehen, würde zu wenig genutzt. Zant fokussiert ihr Seminar- und Beratungsangebot daher auf die spezielle Förderung von Frauen in der Wirtschaft.

Sichtbare Zeichen. Gerade im Tourismus sei das Potenzial enorm hoch. Indivi-

Funktionäre in Tiroler Tourismusverbänden

Tourismus und Freizeitwirtschaft

Vorstand

Betriebsleitung 32

OBMANN

2 34 32

1. OBMANNSTELLV.

Österreich

2 34 30 4

2. OBMANNSTELLV.

34

FRAUEN

26.981 18.482

GESAMT

45.463

MÄNNER

40,7%

Aufsichtsrat AUFSICHTSRATSVORSITZENDER

32 2 34

Tirol

27

AUFSICHTSRATSVORS.-STELLV.

7

38,6 %

34

FRAUEN

4.145 2.603

GESAMT

6.748

MÄNNER

Geschäftsführer TVB* GESCHÄFTSFÜHRER

31 (+3)* 3 (+2)* 34 (39)*

* 4 TVB HABEN CO-GF, IN KLAMMER ANGEFÜHRT QUELLE: LAND TIROL/ABT. TOURISMUS

Männer

Frauen

Gesamt

QUELLE: WK TIROL


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dualität und damit Identität, Lebensqualität, Sinnfindung und Zukunftsorientierung seien die Eckpunkte, in denen sich Tourismus definieren müsse. „Wenn Frauen ihre innere Gestaltungsfähigkeit nutzen, ihre Lebenserfahrung – auch über Generationen hinweg – in Wert setzen, ihre eigenen Zukunftsbilder entwickeln und verwirklichen können, entsteht neue Wertschöpfung, werden Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit für Frauen, Unternehmen und für die ganze Region nachhaltig ausgebaut und gefestigt“, erklärt Zant. Eine Möglichkeit, hier positiv Einfluss zu nehmen, sieht sie darin, Pionierinnen in der Tourismusgeschichte sichtbar zu machen (s. S. 12). In Tirol gebe es eine ganze Reihe von Frauen, die herausragende Leistungen in diesem Bereich erbracht und damit das wirtschaftliche Fortkommen des Landes befördert haben. Sie vor den Vorhang zu holen, damit positive Bilder zu schaffen und gleichzeitig die Frauen von heute einzubinden, sei ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung. ×

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Beschäftigte im Tiroler Tourismus Beherbergung/Gastronomie 20.305

BESCHÄFTIGTE

32.541 52.846

10%

18%

aller beschäftigten Männer in Tirol arbeiten im Bereich Beherbergung/ Gastronomie, davon sind

aller beschäftigten Frauen in Tirol arbeiten im Bereich Beherbergung/ Gastronomie, davon sind

21 % ganzjährig angestellt

16 % ganzjährig angestellt

Durchschnittliches Einkommen Beherbergung/ Gastronomie/Tirol

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SAISON

IM 12 FRAUEN TOURISMUS

W

er in den Büchern zur Tourismusgeschichte in Tirol blättert, sucht beinahe vergeblich nach Frauen. Fast ausnahmslos ist von Männern die Rede, die als Pioniere gefeiert werden. Ein Widerspruch, denn: „Das Gastgewerbe war ein Berufsstand, der den Frauen ein weites Betätigungsfeld eröffnete“, sagt Hans Heiss, Historiker und Publizist aus Südtirol.

Frau Gastwirt. Der Aufstieg des Tou-

Pionierinnen des Tourismus Obwohl sie die Entwicklung im Tourismus in Tirol vorantrieben und vielerorts überhaupt erst ermöglichten, ist nur wenig von den Pionierinnen zu hören. Emma Hellensteiner, Riki Spieß und Martha Schultz stehen hier stellvertretend für viele andere. V O N J A N E K AT H R E I N

rismus in Tirol begann ab 1860 – anfangs zögerlich, von 1900 an mit deutlich mehr Dynamik. Tirol erstreckte sich damals weit über den Brenner – das sogenannte Kronland setzte sich aus Nord- und Südtirol sowie dem Trentino zusammen. Die ersten Gasthöfe entstanden entlang der Handelswege, so auch der Brennerroute, und sie spezialisierten sich ab der frühen Neuzeit auf den Handel von Waren und Reisenden. „In vielen Orten waren die Gasthöfe seit dem Mittelalter zentrale öffentliche Räume, die neben der Kirche konstitutiv für Ortsgemeinschaften waren“, so Heiss. Hier trafen sich die Menschen nach der Sonntagsmesse, hier wurden Handelsgeschäfte abgeschlossen und Politik betrieben. „Der Wirtsberuf galt als sozialer Aufstieg, und wer tüchtig war, erntete Ansehen und Wohlstand“, weiß der Historiker und Gründer des Haymonverlages, Michael Forcher. Die Wirtsleute waren stark eingebunden in das soziale Netz von Dörfern, Kleinststädten und Märkten. Viele Frauen stiegen als Gastronominnen bis in die Führungsetage auf. Der Erfolg war hart erkämpft. In einem Umfeld, das für touristische Ideen wenig übrig hatte und von Geldsorgen belastet, mussten sich die Wirtinnen auch dem Widerstand der örtlichen politischen Eliten stellen. Mit Mut, individueller Initiative, Beharrlichkeit, einem kühlen Geist


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© WWW.SCHULTZ.AT

Familie und Beruf. Für Frauen, die in der Tourismuswirtschaft arbeiten, ist es noch immer schwierig, beides zu verbinden, weiß die Unternehmerin und Interessenvertreterin Martha Schultz.

und einem offenen Wesen begegneten Frauen wie Emma Hellensteiner diesen Widerständen und wurden dafür bis weit über die Landesgrenzen hinaus geschätzt. Dichter, Schriftsteller und Maler ließen sich auf ihren Reisen in den Gaststätten nieder und erzählten später von den wärmenden Stuben, in denen sie Leib und Seele nährten. Mund-zu-MundPropaganda war das Marketinginstrument der damaligen Zeit.

Frau Emma, Europa.

Aus Übersee wird eine Postkarte auf den Weg geschickt. Die Anschrift lautet: „An Frau Emma, Europa“. Auf welchen Wegen die Karte zu Frau Emma Hellensteiner, Schwarzadlerwirtin in Niederdorf im Pustertal, gelangt, bleibt ein Geheimnis. Diese Anekdote beschreibt den Ruf der legendären Gastwirtin am besten. Auch Michael Forcher bezeichnet Emma Hellensteiner als „die wohl berühmteste Wirtin, die je in Tirol einen Gastbetrieb geführt hat“. Emma Hellensteiner entwickelt früh ein Gespür für aktuelle Entwicklungen. Das Handwerk erlernt die 1817 in St. Johann in Tirol Geborene im elterlichen Gasthof „Grauer Bär“. Später geht sie an die Ursulinen-Schule nach Innsbruck und wird dann von der Mutter nach Salzburg geschickt, am damals berühmten „Gasthof zu den drei Alliierten“ soll sie ihre Kochkünste vervollkommnen. Nach dem frühzeitigen Tod des Vaters erbt die Mutter das Bräuhaus an der Rienz bei Toblach und übergibt die Leitung des Betriebes an die erst 20-jährige Emma. So kommt die St. Johannerin ins Pustertal. Mut und frühe Selbstständigkeit brachte die junge Frau Emma mit. Auch Vermögen, Tüchtigkeit und Anmut. Sie lernt Josef Hellensteiner von der Postmeisterfamilie kennen und die beiden heiraten nach nur kurzer Zeit. Die berufliche Rollenverteilung ist bald klar: Er baut ein Frachtunternehmen

und einen Stellwagenbetrieb auf, Emma kümmert sich um den Gasthof, der zu florieren beginnt. Das Hochpustertal ist seit der frühen Neuzeit bei Bäder- und Sommerfrischlern beliebt. Auch Emmas Mann stirbt früh und hinterlässt ihr sechs Kinder. Die 40-Jährige rafft sich auf und führt von 1858 bis 1887 den Gasthof „Schwarzadler“ in Niederndorf alleine weiter.

Unternehmerischer Weitblick. Mit der Eröffnung der Bahn Villach-Franzensfeste 1871, kam auch der Aufschwung. 1870 trat Frau Emma einige Grundstücke für den Trassenbau ab und konnte damit nicht nur hohe Erlöse, sondern auch die Verlegung der Bahnhaltestelle in die Nähe ihres Hauses ermöglichen. Auch die Rolle des erwachenden Bergtourismus erkannte sie bald. 1869 wurde sie das erste weibliche Mitglied im „Deutschen Alpenverein“. Die Gründung der Alpenvereinssektion Hochpustertal geht auf eine Anregung von Emma Hellensteiner und anderen Gastwirten des Ortes zurück. Der „Schwarzadler“ und Nie-

dazu gehörigen Wälder zu kaufen, hat sie den Betrieb bereits an ihren Sohn Eduard übergeben. Understatement, gezielte Qualitätssteigerung, keine Großspurigkeit in einem Umfeld von Männern, darin sieht Hans Heiss den Schlüssel zum Erfolg der Schwarzadler-Wirtin. Erst mit 70 Jahren gelang es ihr, nach langer Krankheit, die Zügel aus der Hand zu geben. Sie ermutigte ihre Kinder, größere Pläne zu schmieden, weil die tägliche Arbeit im Gasthof nicht reichte, um 1900 in der ersten Reihe weiterzuspielen. Der Einstieg in die Branche der Alpinhotels gelang und Frau Emma vermittelte die Heirat der beiden Töchter Emma und Louise (spätere Staffler) mit Söhnen traditioneller Wirtsfamilien.

Schauplatz Zillertal.

Nach den eher zögerlichen Anfängen katapultierte sich Tirol Ende des 19. Jahrhunderts in 20 Jahren in den Rang einer führenden Tourismusregion, so Hans Heiss. Der erste Weltkrieg stoppte im Sommer 1914 die florierende Entwicklung. Und nach dessen

„Wir haben viel gearbeitet und hatten langjährige Mitarbeiter, denen wir vertrauen konnten, das hat uns sehr geholfen.“ MARTHA SCHULTZ, UNTERNEHMERIN

derndorf entwickelten sich bald zur Basis vieler Explorationen in die Dolomiten. Ein „Fremdenbuch“ des „Schwarzadlers“, welches mit 1872 beginnt und mit 1885 endet, enthält Eintragungen von Reisenden aus England, den USA, Ägypten und Australien. Der große Teil der Erholungssuchenden kam jedoch aus der Donaumonarchie. Als sich Emma Hellensteiner entschließt, den Pragser Wildsee und die

Ende und der Teilung Tirols änderte sich auch die Gästeschicht. Die Mittelschicht hatte ein schmaleres Reisebudget, kam jedoch in Massen. Der nach dem Krieg aufstrebende Tourismus sicherte der Branche neue Standorte und erschloss eine zweite Saison: den Winter. In Linz wurde 1924 ein Mädchen geboren, das sich für Sport interessierte. Erika Mahringer übersiedelte für ihre Stu-


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IM 14 FRAUEN TOURISMUS

dienjahre nach Innsbruck und folgte dort ihrer Leidenschaft: dem Skifahren. Dass die quirlige Frau bald in das Nationalteam des Österreichischen Skiverbandes aufgenommen wurde, überraschte niemanden. „Sie war sehr sportlich und probierte vieles aus“, erzählt Ulli Spieß über seine Mutter und auch dass sich die 90-Jährige derzeit nicht fit genug für Interviews fühle.

Netzwerk.

Sportliche Erfolge stellten sich schnell ein: bei den Olympischen Winterspielen 1948 in St. Moritz gewann Erika Mahringer Bronze in der Abfahrt und in der Kombination. 1951 wurde sie zur Österreichischen Sportlerin des Jahres gewählt. Mit 29 Jahren beendete sie ihre Karriere, blieb aber dem Skisport verbunden. Ihre Erfahrungen wollte die staatlich geprüfte Skilehrerin weitergeben und gründete in Mayrhofen im Zillertal eine Skischule, die sich zur größten in Österreich entwickelte. Mit im Boot: Ernst Spieß, ihr früherer Trainer, nunmehriger Ehemann und Sportartikelhändler in Innsbruck. Die vielen Kontakte, die sie bei den Wettbewerben im Ausland geknüpft hat, waren in mehrfacher Hinsicht hilfreich. Das deutsche und das italienische Wirtschaftswunder waren zwei Tourismustriebwerke mit enormer Schubkraft und der einsetzende Massentourismus brachte

„Das Gastgewerbe war ein Berufsstand, der den Frauen ein weites Betätigungsfeld eröffnete.“ HANS HEISS, HISTORIKER UND PUBLIZIST

auch den entlegenen Talschaften neuen Wohlstand. 1949 begann man im Zillertal mit der wintertouristischen Erschließung, in Hintertux und Lanersbach wurde ein Schlepplift gebaut. 1953/54 folgte die Penkenbahn in Mayrhofen. Im Winter 1954 wedelten drei Skilehrer in Mayrhofen die Piste hinunter. Sechs Jahre später kamen die ersten Skilehrerinnen, die zunächst Kinder betreuten. Zur Hochblüte Anfang der 1980er Jahre waren 170 Frauen und Männer in der Skischule von Riki Spieß angestellt. Die Geschwister Ulrich und Nicola erlernten unter den Fittichen der Eltern das Skifahren und wurden später ebenfalls erfolgreiche Rennläufer.

Skikindergarten.

„Sie überzeugte die Menschen mit ihrer positiven Art und sprach damit vor allem auch Kinder an“, erzählt Ulli Spieß. Also gründete Riki Spieß den ersten Skikindergarten der Welt. 70.000 bis 80.000 Kinder seien durch ihre Hände gegangen, schätzt der Sohn. Vor

allem für traurige Kinder und jene, die sich schwerer taten, hatte die zweifache Mutter ein offenes Ohr und einen freien Arm. Mit dem neuen Angebot ermöglichte sie den Gästen ein paar Stunden exklusive Freizeit – die Kinder wurden ganztags betreut. Eine Neuheit. Auch der Skiverleihservice, den Riki Spieß vor allem für die englischen Gäste anbot, war innovativ. 1999 schloss Ulrich Spieß die Skischule. Nachdem der Gebietsschutz für Skischulen gefallen war, kam auch der Konkurrenzkampf ins Tal. Heute betreibt die Familie Spieß noch den Skiverleih, ein Restaurant und ein Café.

Familie und Beruf. Nicht immer ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf so einfach. Unregelmäßige Arbeitszeiten und das ständige Bemühen um das Wohl des Gastes machen vor allem den Frauen in der Tourismusbranche zu schaffen – von der Köchin bis hin zur Unternehmerin. „Die Kinderbetreuung ist in Tirol noch stark ausbaufähig“, findet Unternehmerin


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Unternehmerischen Weitblick zeigte Riki Spieß und gründete 1957 den weltweit ersten Skikindergarten (Foto links und Mitte). Emma Hellensteiner wurde 1869 erstes weibliches Mitglied im „Deutschen Alpenverein“.

© KUNSTPISTE, MUSEUMS- UND KULTURVEREIN ST. JOHANN

Unterhalterin. Schon als Siebenjähri-

Martha Schultz klare Worte. Wer Frauen in der Wirtschaft wolle, und davon brauche es noch viele, müsse auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich ist Alleinerzieherin. Inzwischen geht der Sohn als Pharmazeut eigene Wege, die Anfangsjahre im Zillertal hat die 51-Jährige als schwere Zeit in Erinnerung. Spürbar leichter wurde es, nachdem Martha Schultz und ein paar Frauen eine private Kinderbetreuungseinrichtung gegründet hatten. Der Mut etwas zu entwickeln und die Begeisterung für unterschiedliche Ideen sind der Motor für das Tun in der Familie Schultz. Der Vater errichtete vor 44 Jahren die Spieljochbahn und kam dabei auf den Geschmack. Mit rund 700 Mitarbeitern ist das Seilbahnunternehmen inzwischen das wirtschaftlich stärkste in Österreich. Die Schultzgruppe umfasst sechs Skigebiete in Tirol, Kärnten und Osttirol, Hotels, Jugendheime und Hütten sowie mehrere Gastronomiebetriebe, eine Baufirma, ein Versicherungsbüro, ein IncomingReisebüro und eine Werbeagentur. „Die Aufgaben sind zwischen meinem Bruder und mir klar verteilt“, erzählt Martha Schultz aus dem Alltag. Ihre Stärken sind Teamfähigkeit und Kommunikation. Bruder Heinz hat das Gespür für Innovation.

ge unterhielt Martha Schultz in der Frühstückspension der Mama die Feriengäste. Sie wanderte mit der Semmel in der Hand von Tisch zu Tisch und fragte die Gäste, wie sie geschlafen hatten, dann schlug sie ihnen Tagestouren vor. Später saß sie an der Liftkassa und lernte, wie der Tourismus in Tirol funktioniert. „Zur Not springe ich auch heute noch überall ein“, sagt Schultz. Das Wort „Chefin“ mag sie nicht. „Wir sind alle per Du.“ Die Arbeitstage der Martha Schultz beginnen früh und enden spät. Wer schon so früh Verantwortung übertragen bekommt, lernt schnell schwimmen. Das fachliche Wissen eignete sie sich an der Höheren Lehranstalt für Tourismusberufe in Klessheim an und über Praktika im Inund Ausland. Während eines Praktikums wurde die 21-Jährige von der Familie nach Hause gerufen – ein wirtschaftlicher Notfall. Bald übernahm sie die Geschäftsführung des Incoming-Reisebüros und der Traum, noch mal ins Ausland zu gehen, bleibt ein solcher. „Es war ein geschickter Schachzug, den sich mein Vater da überlegt hatte“, blickt Martha Schultz zurück. Der Vater war ein knallharter Geschäftsmann. Die Geschwister, die sich von Kindesbeinen an sehr nahe standen, bekamen dafür eine praxisorientierte Ausbildung. Heute führe sie ein diszipliniertes Leben nach dem Terminkalender. Ohne Leidenschaft und Herzblut sei das nicht möglich.

Familienbande.

Quasi über Nacht traten die Geschwister Heinz und Martha das Erbe an. Nachdem der Vater an Leukämie erkrankt war und wenig später starb, blieb für eine vorbereitete Betriebsübergabe keine Zeit. „Wir haben viel gearbeitet und hatten langjährige Mitarbeiter, denen wir vertrauen konnten, das hat uns sehr geholfen“, schildert Martha Schultz den Übergang. Eine positive Gesprächskultur und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit waren von Vorteil – Qualitäten, die Martha Schultz ins Unternehmen einbringt, stellvertretend für viele Frauen die sich aber aus Unsicherheit nicht trauen würden, damit nach außen zu gehen. Gesunder Ehrgeiz gehöre auch dazu, denn auch das sei durchaus eine weibliche Qualität. ×

Von der Wirtin zur Grande Dame Die Österreichische Betriebszählung erfasste 1902 in der westlichen Monarchie 212 Beherbergungsbetriebe mit 21 bis 100 Mitarbeitern. 35 davon – 16 Prozent – wurden von Frauen geleitet.

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eben Frau Emma gab es noch viele andere tüchtige Wirtsfrauen, die ihre Männer sogar teilweise in den Schatten stellten. Auf Mathilde Niederkircher wurde etwa der Spruch gemünzt: „Die Postwirtin von Zirl und die Generaloberin von Zams sind die einzigen Manderleut im Oberland“.

Gastronomische Spitze. Töchter aus bekannten Wirtsfamilien heirateten wieder Wirte oder Hoteliers und brachten neue Erfahrungen in die Betriebsführung ein. Louise Hellensteiner (Tochter von Emma Hellensteiner) heiratete den Besitzer des Gasthauses zum „Greifen“ in Bozen – Franz Anton Staffler. Die Stadtentwicklung florierte und das Ehepaar führte das Haus an die gastronomische Spitze. Die junge Chefin Elise Überbacher übernahm 1888 im Südbahnhotel, dem ersten Alpenhotel in Österreich nach Schweizer Vorbild, schnell die Führung. Sie hatte anders als Louise Hellensteiner von außerhalb des Alpenraumes in das südliche Tirol geheiratet. Ignaz Überbacher starb früh und die Witwe führte das Haus zur ersten Adresse der Grandhotellerie in Tirol weiter. Die rund 70 Mitarbeiter nannten sie aufgrund ihres Erscheinens respektvoll „die Gnädige“. Die Grand Dame der Hotellerie steht für eine neue Unternehmerinnengeneration, zu der auch Anna Sacher in Wien gehört. ×


SAISON

IM 16 FRAUEN TOURISMUS

Herausforderung Nummer eins © ILLUSTRATION: MONIKA CICHOŃ

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist kein „Frauenthema“ mehr und auch kein spezifisches Problem der Tourismus-Branche. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine Herausforderung für Familien, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. VON REBECCA MÜLLER

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in Blick in die Beschäftigungsstatistik macht rasch klar, warum der Tourismus häufig als „Frauenbranche“ bezeichnet wird: 61 Prozent beträgt der Anteil an Frauen. Waltraud Handle vom Verein RegioL, Regionalmanagement Landeck, kann generell keine Branche erkennen, die sich zurzeit durch ausgeprägte „Frauenfreundlichkeit“ auszeichnen würde. Gerade im ländlichen Raum Tirols wären Arbeitsplätze in der Hotellerie oder im Gastgewerbe jedoch auch eine Gelegenheit: „Für einheimische Frauen mit Betreuungspflichten und Wiedereinsteigerinnen als auch ältere Frauen ist ein Arbeitsplatz im Ort häufig ein wichtiges Kriterium und eine Chance, um wieder im Erwerbsleben Fuß zu fassen“, erklärt

Handle. Karrieremöglichkeiten würden hingegen nur in wenigen Bereichen bestehen, Spitzenpositionen seien kaum mit Frauen besetzt, außer sie sind selbst Unternehmerinnen, so Handle weiter. „38,6 Prozent der touristischen Betriebe in Tirol stehen unter weiblicher Führung“, weiß Sabine Wiesflecker, Geschäftsführe-

grundsätzlich gehen müsse, sei die Schaffung von Rahmenbedingungen, die eine „Vereinbarkeit von Lebenswelten“ zulassen und begünstigen, glaubt Wiesflecker.

Bewusstsein schaffen.

Wer sich etwas dazuverdienen will, findet im Tourismus in der Regel in vielen Bereichen

„Wir sind flexibel, die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind es oft aber nicht.“ PETER TROST, GESCHÄFTSFÜHRER DER SPARTE TOURISMUS UND FREIZEITWIRTSCHAFT, WK TIROL

rin von „Frau in der Wirtschaft“. Sie sieht vor allem die Flexibilität der Branche als Chance, nicht zwingend nur für Frauen, sondern für Familien. Worum es aber

schnell Gelegenheit. Wer aber außerdem denkt, er sei besser dran, dieses Extraeinkommen unter der Hand zu verdienen, tappt in eine Falle. „Viele Frauen nehmen


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Lösungen bieten.

© DIE FOTOGRAFEN

Vereine wie RegioL oder auch ProFiT – Pro Familie im Tourismus, haben es sich indessen zum

„Für Kellnerinnen oder Kellner, die auch in der Nacht arbeiten müssen, konnte leider noch keine befriedigende Lösung gefunden werden.“ WALTRAUD HANDLE, VEREIN REGIOL, REGIONALMANAGEMENT LANDECK

in den frühen Morgenstunden oder bis spät am Abend“, erzählt Waltraud Handle. Alle Hürden könne man freilich auch auf diesem Weg nicht meistern: „Für Kellnerinnen oder Kellner, die auch in der Nacht arbeiten müssen, konnte leider noch keine befriedigende Lösung gefunden werden. Dort muss auch weiterhin auf den familiären Verband, falls vorhanden, zurückgegriffen werden.“

Erfolge erzielen. „Flexibilität, Flexibilität, Flexibilität“, fordert Sabine Wiesflecker von der modernen Arbeitswelt und meint damit nicht nur den Tourismus. Auch „Audit berufundfamilie – das Audit für Unternehmen“ sucht nach individuellen Lösungen für mehr Familienfreundlichkeit. „Die Betriebe können sich über die Organisation einen sogenannten Auditor ins Haus holen, der gemeinsam mit der Unternehmensführung Konzepte und Ideen erarbeitet. Die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist eine lohnende Investition für jede Branche“, ist Wiesflecker überzeugt. Je höher die

„Die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist eine lohnende Investition für jede Branche.“ SABINE WIESFLECKER, GESCHÄFTSFÜHRERIN, „FRAU IN DER WIRTSCHAFT“

Ziel gesetzt, Betriebe oder Gemeinden zu mehr Familienfreundlichkeit zu verhelfen. Im Bezirk Landeck wurde so zum Beispiel in den letzten vier Jahren über ein ProFiT-Projekt in den Tourismusgemeinden Landeck, St. Anton a. A., Galtür, Kappl sowie in Fiss eine ortsübergreifende, auf den touristischen Bedarf ausgerichtete Kinderbetreuung für den Nachwuchs der touristischen Arbeitskräfte organisiert. „Kindergärten, Eltern-Kind-Zentren oder Hauptschulen wurden dort zu Kinderoasen, während die Eltern im Service oder anderen Bereichen arbeiten – oft schon

Zufriedenheit im Job, desto weniger Probleme haben Arbeitgeber mit Fluktuation, Krankenständen und Fehlzeiten. Audit arbeitet mit Betrieben, aber auch in anderen wichtigen Bereichen. „Gerade wenn man an den Tourismus denkt, ist und bleibt zum Beispiel das Thema Gesundheit ein Dauerbrenner“, ergänzt Wiesflecker. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist unbestritten eine Herausforderung, kann mitunter ein Problem darstellen und im schlimmsten Fall eine unüberwindbare Hürde. In der modernen Arbeitswelt werden klassische 8-bis-17-Uhr-Jobs selte-

ner, zu viele Betreuungseinrichtungen in Stadt und Land werden dieser Realität noch nicht ausreichend gerecht. Betroffene wie Experten glauben: „Die Lösung“ für dieses Thema gibt es nicht, kann es wahrscheinlich und muss es vielleicht auch nicht geben. Branchen wie der Tourismus – in diesem Fall vorwiegend im Bereich der Hotellerie und des Gastgewerbes – zeichnen sich seit jeher durch Vielfalt aus, was Arbeitszeiten, Beschäftigungsausmaße und Tätigkeitsfelder anbelangt. Kann diese Flexibilität und das Bewusstsein der Notwendigkeit individueller Angebote für die Familienfreundlichkeit von Betrieben genutzt werden, ist am Ende die gesamte Branche einen vermutlich entscheidenden Schritt voraus. ×

LÖSUNGSORIENTIERT

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist Bedürfnis der Arbeitnehmer wie auch Bestreben der Arbeitgeber. Unterstützung finden hier beide Seiten: Audit Beruf&Familie Wendet sich an die Arbeitgeberseite. Mit einem sogenannten Auditor werden gemeinsam Lösungen erarbeitet – auch in anderen Bereichen. Ein österreichweites Projekt. www.familieundberuf.at RegioL Besonders in den ländlichen Regionen Tirols gestaltet sich die Vereinbarkeit von Beruf und Betreuungspflichten schwer. Dieser Aufgabe stellt sich RegioL, ein gut vernetzter, von Land Tirol und der EU unterstützter Verein, angesiedelt im Bezirk Landeck. www.regiol.at ProFiT ProFiT – Pro Familie im Tourismus – setzt sich gemeinsam mit Arbeitgebern wie Arbeitnehmern und regionalen Entscheidungsträgern an einen Tisch. www.tourismus-profit.eu Frauen im Brennpunkt Der gemeinnützige und unabhängige Verein bietet und koordiniert ganztägige und ganzjährige Betreuung bei Tagesmüttern und Kinderkrippen an. www.fib.at

© REGIOL

das vermeintlich lukrative Angebot von nicht angemeldeter Erwerbstätigkeit – vor allem an den Samstagen während der Wintersaison – in den umliegenden Tourismusorten an“, erklärt Waltraud Handle. Dies rächt sich spätestens am Pensionskonto, wenn die Zeiten und Einkünfte der Erwerbstätigkeit fehlen und die Pension dementsprechend gering ausfällt. Peter Trost, Geschäftsführer der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Tirol, kennt das Problem, will aber nicht so weit gehen, von einer systematischen Schattenwirtschaft zu sprechen. „Wir organisieren gezielt und regelmäßig Informationsveranstaltungen mit Steuerberatern, diese werden von Arbeitgebern wie Arbeitnehmern gut angenommen, hier wurde bereits sehr viel Bewusstsein geschaffen. Aber natürlich gehört auch immer ein Stück Eigenverantwortung dazu“, so Trost. Als nicht-familienfreundlich will er die Branche auch nicht abgestempelt wissen: „Die Sparte ist breiter, als meist wahrgenommen wird. Wir sprechen hier auch von Reisebüros, Kinos, Freizeit- und Sportbetrieben etc.“. Trost ergänzt: „Wir sind flexibel, die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind es oft aber nicht“.


Die Vorreiterinnen Drei Karrieren und drei Lebenswege von Frauen, die es im Tiroler Tourismus weit nach oben geschafft haben, beweisen, dass es auch in F체hrungspositionen nicht nur Platz f체r M채nner gibt. VON DANIEL FEICHTNER


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SAISON

FRAUEN IM TOURISMUS

© TVB ST. ANTON AM ARLBERG, PRIVAT

DIE ZUGEREISTE

Willma Himmelfreundpointner hat St. Anton am Arlberg zu ihrer Wahlheimat gemacht. Dort hat sich die gebürtige Oberösterreicherin zur Vizedirektorin des TVB hochgearbeitet und sitzt zudem als erste Frau seit 106 Jahren im Vorstand des Ski-Clubs Arlberg.

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ilma Himmelfreundpointner lebt und atmet St. Anton. Das sieht man der VizeTourismusdirektorin der Region auf den ersten Blick an. Bei den meisten Anlässen präsentiert sie sich im Tiroler Dirndl. Das gehört für sie zum Job, aber auch zum Lebensgefühl. „Ein Dirndl verkörpert Bodenständigkeit und Weiblichkeit“, erklärt sie überzeugt. „Außerdem gibt es keine Frau, die vom richtigen Dirndl nicht ins rechte Licht gerückt wird.“

Aus dem flachen Osten.

Anders als es diese Begeisterung vermuten lässt, wurde ihr die Liebe zu den Bergen nicht in die Wiege gelegt. Eigentlich stammt Himmelfreundpointner aus Oberösterreich. Dort, im „Flachland“, wie sie es ausdrückt, hat sie den Grundstein für ihre Karriere gelegt: „Ich habe die Fremdenverkehrsfachschule in Bad Leonfelden absolviert.“ Doch schlussendlich hielt sie nur wenig in ihrer Heimat. Denn: „Ich bin schon immer gerne und viel gereist.“ Unter anderem besuchte sie ein Semester lang eine Schule in England, verbrachte einen Sommer in Spanien und lebte ein Jahr lang in Paris. „Nicht zuletzt dieser Reiselust habe ich es zu verdanken, dass ich meinen Weg nach St. Anton gefunden habe“, sagt Wilma Himmelfreundpointner. Eigentlich wollte sie im Alter von 19 Jahren nur eine Saison in Tirol arbeiten. Alles in allem wurden daraus mittlerweile mehr als drei

Jahrzehnte. Auf ihren Reisen hat sie aber eine weitere Errungenschaft freuen. Seit nicht nur ihre Wahlheimat Tirol entdeckt. 2007 ist sie Vorstandsmitglied des SkiDank ihrer Auslandserfahrung brachte sie Clubs Arlberg. „Bei der Gründung 1901 auch sprachliche Qualifikationen mit nach war auch eine Frau dabei. Inzwischen sind Tirol, die ihr beim Einstieg halfen und es 106 Jahre vergangen, in denen Männer heute noch tun. „Inzwischen spreche ich die Zügel in der Hand hatten. Ich bin die fünf europäische Fremdsprachen. Dazu rauen erste,waren mit der und sich sind das seitändert“, jeher berichtet kommt ein wenig Russisch, Griechisch im dieTourismus Marketerintätig. stolz.Die Statisund Japanisch. Aber nur genug, um über tik zeigt, dass heute in nahezu die Runden zu kommen.“ allen Mit Ehrgeiz Ausbildungszweigen nach oben. Dafür, dass der Touristiksieder es Frauenanteil als Frau in eine überwiegt. Führungsposition im Erfahrung in allen Feldern.Dennoch Beruf- sind männerdominierten sie in den Führungsriegen Tourismus geschaff t lich bot ihr Tirol die Möglichkeit, sich bislang aus- kaum hat,vertreten. sieht Wilma Die Erklärungen Himmelfreundpointner zuprobieren. Egal ob im Hotel oder dafür beim sind vielfältig. mehrere Doch Gründe. auch „Meine im TouPosition habe Reiseveranstalter: Wilma Himmelfreundrismus ändern ich sicher sich die meinem Zeiten. Ehrgeiz Und bezu verdanken.“ pointner hat Erfahrung gesammelt.reits Inzwiheute Als gehen Fraueinige fehl am wenige Platz Frauen habe sie sich aber schen hat sie aber ihr Feld gefunden. im Tiroler Seit Tourismus nie gefühlt. mit „Esgutem erfordert Beispiel viel Einsatz, es 23 Jahren ist sie beim Tourismusverband voran und behaupten nach oben zu sich schaff als weibliche en – egal ob als Frau Führungskräfte oder als Mann. inDazu Spitzenpositikommt aber auch ein onen. wenig ‚Egoismus’, wenn man × es so nennen möchte. Familie war nie ein Thema für mich. Ich bin und bleibe mit meinem Beruf verheiratet.“ Dass das, was für sie eine bewusste Entscheidung war – sich als Single dem Beruf zu widmen –, für andere Frauen ein großes WILMA HIMMELFREUNDPOINTNER Opfer sein kann, kann sie aber nachvollziehen. „Im Tourismus muss man am Ball St. Anton tätig. Dort steht sie als Vizedirekbleiben“, meint Himmelfreundpointner. torin und Marketingleiterin Direktor Martin „Dass das die Aufstiegschancen für Frauen Ebster zur Seite. Dabei kommt Himmelschmälert, ist verständlich, aber schade.“ freundpointner ihr Werdegang zugute. „In Denn die Branche könne gerade in der einer leitenden Position hilft es, Abläufe zu Führung mehr Weiblichkeit vertragen, ist kennen und nicht nur zu verstehen, was sie sich sicher. „Frauen bringen oft mehr gemacht werden soll, sondern auch, was Einfühlungsvermögen mit. Und Tourismus möglich ist.“ Zudem kann sie sich über hat sehr viel mit Gefühl zu tun.“ ×

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„Frauen bringen oft mehr Einfühlungsvermögen mit. Und Tourismus hat sehr viel mit Gefühl zu tun.“


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SAISON

FRAUEN IM TOURISMUS

Nicht nur als Geschäftsführerin des Rasmushofs feiert Signe Reisch große Erfolge. Seit 2012 steht sie auch Kitzbühel Tourismus als Präsidentin vor. Es als Frau so weit geschaff t zu haben, sieht sie selbst als „mittleres Weltwunder“.

Selbst ist die Frau.

„Der Tourismus liegt mir sicher bis zu einem gewissen Grad in den Genen“, sagt Reisch. „Aber es steckt auch viel harte Arbeit hinter dem Erfolg und einiges an Disziplin und Organisation.“ Bereits mit 18 übernahm sie die Führung des Rasmushofs. Das Hotel, das mit seinen elf Zimmern und 22 Betten zu den eher kleineren Betrieben in Kitzbühel gehörte, kannte sie damals bereits gut. Sie hatte zwar eine Internatsschule in der Schweiz besucht, wann immer sie daheim war, half sie jedoch im Hotel garni ihrer Großmutter aus sowie auch im Restaurant der Eltern. Als 1974 der Rasmushof gebaut wurde, wechselte Reisch dauerhaft dorthin. So lernte die Autodidaktin den Tourismus von der Pieke auf nach dem Learning-by-doing-Prinzip kennen. „Ich bin mit dem Rasmushof groß geworden“, erzählt Reisch. „Aber er genauso mit mir.“ Und das meint sie nicht nur sprichwörtlich. Aus dem ehemalig kleinen Betrieb ist in den vier Jahrzehnten ein Vier-Sterne-Hotel geworden. Inzwischen hat der Hof nicht nur 49 Zimmer, sondern ein eigenes Restaurant, einen Konferenzsaal, einen Weinkeller, ein Schwimmbad und einen Golfplatz zu bieten.

An der Spitze. Und nicht nur als Hotelbesitzerin weiß sich Reisch zu behaupten. Als ihren größten beruflichen Erfolg be-

© FOTOGRAF BURGOLD

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ass sich Familie und Beruf nicht ausschließen müssen, beweist Signe Reisch, Hotelbesitzerin und Präsidentin des Tourismusverbands Kitzbühel. Und die Grande Dame des Kitzbühler Tourismus hat nicht nur in ihrer eigenen Laufbahn Kinder und Karriere unter einen Hut gebracht. Auch ihr Einstieg in den Tourismus ist gewissermaßen familiär bedingt. Seit ihr Urgroßvater Franz Reisch Ende des 19. Jahrhunderts den Skilauf und damit auch den Wintertourismus nach Kitzbühel brachte, ist die Familie Reisch aktiv am Geschehen in Kitzbühel beteiligt.

DIE GRANDE DAME

„Das Selbstbewusstsein der Frauen verändert sich immer mehr. Und auch die Möglichkeiten in der Ausbildung sind heute größer als je zuvor.“ SIGNE REISCH

trachtet sie die Wahl zur Präsidentin von Kitzbühel Tourismus, die sie im Dezember 2012 für sich entscheiden konnte: „Es als Frau so weit nach oben zu schaffen, war ein mittleres Weltwunder. Führungspositionen im Tourismus zu erreichen, war für Frauen immer schon schwer.“ Als Frau müsse man immer ein wenig mehr leisten, erzählt Signe Reisch aus Erfahrung. „Egal ob gegenüber Kollegen, Vorgesetzten oder Handwerkern: Man muss sich den Respekt erst verdienen und darf sich nie darauf ausruhen.“ Dabei sind Frauen für das Funktionieren des Tourismus unerlässlich, ist sich Reisch sicher. „Ohne das zu verallgemeinern, kann man doch sagen, dass wir oft einen anderen Blick für Dinge haben. Frauen bringen manchmal einfach Fingerspitzengefühl mit, das Männer nicht immer in dieser Form besitzen“, fasst die Unternehmerin zusammen. „Man sieht es einem Betrieb einfach an, ob eine Frau die Finger im Spiel hat, und wenn es nur anhand kleiner Details wie zum Beispiel

dem Blumenschmuck ist. Kurz gesagt: Ein Hotel kann ohne Mann funktionieren. Ohne Frau geht das nicht.“

Mit gutem Beispiel voran. Als Präsidentin des Tourismusverbandes sieht sie sich zum einen natürlich im Dienst für die Tourismusregion Kitzbühel. Zum anderen will sie als Frau in einer hochrangigen Position aber auch mit gutem Beispiel vorangehen. „Das Selbstbewusstsein der Frauen verändert sich immer mehr. Und auch die Möglichkeiten in der Ausbildung sind heute größer als je zuvor.“ Allerdings wird diese Veränderung nicht von heute auf morgen passieren. „Das wird wohl noch Generationen dauern“, meint Reisch. Eine Frauenquote im Tourismus braucht es ihrer Meinung nach deswegen nicht. Eher im Gegenteil: „Die Position sollte immer von der Qualifikation abhängig sein und nicht von einer Vorgabe“, bekräftigt Signe Reisch. „Respekt muss man sich hart und konsequent erarbeiten. Erzwingen kann man das nicht.“ ×


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Frauenbonus.

Wie sehr sich die Praxis in ihrer Heimat bald bezahlt machen würde, konnte Perktold damals noch nicht absehen. Nach ihrem Studium führte ihre Karriere sie erst nach Serfaus-Fiss-Ladis, wo sie drei Jahre lang die Führung eines Tourismusverbandes als Assistentin der Geschäftsführung kennenlernte. Die Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen, erhielt Katrin Perktold schließlich in Salzburg, wo sie die Stelle der Geschäftsführerin der Tourismusregion Hochkönig übernahm. Es verging gerade einmal ein Jahr, bevor sie ein Angebot aus ihrer Heimat ereilte. Die Zugspitzarena suchte eine neue Geschäftsführung und es gab keine Einwände gegen eine Frau an der Spitze: „Den Posten hat vor mir eine Frau bekleidet. Wohl nicht zuletzt, weil ich eine Wegbereiterin hatte, gab es damals

DIE HEIMKEHRERIN © PRIVAT

rauenquote? Auch Katrin Perktold, Geschäftsführerin der Tiroler Zugspitz Arena, hält das für den falschen Weg. „Jemanden in eine Führungsposition zu bringen, das lässt sich nicht erzwingen“, meint die gebürtige Biberwiererin. „Viele wollen es gar nicht bis an die Spitze schaffen. Oder ihnen fehlt schlichtweg der Mut.“ Dass es durchaus möglich ist, sich als Frau ganz oben zu behaupten, beweist Perktold seit dreieinhalb Jahren. Dabei war ihr Einstieg in den Tourismus eher ein Zufall. Ursprünglich hat sie die HBLA für Mode und Bekleidungstechnik in Innsbruck absolviert. Wegen der besseren Job-Aussichten nahm sie nach ihrem Abschluss eine Stelle bei der Zugspitzbahn an. Eigentlich habe ich dort im Marketing gearbeitet“, erinnert sich Perktold. „Aber schlussendlich habe ich alles gemacht – von der Liftkassa bis zur Rezeption.“ Von dort führte sie ihr Weg ans MCI, wo sie Tourismus und Freizeitwirtschaft studierte. Auslandserfahrung sammelte sie zusätzlich bei einem Praktikum im Grand Hyatt Hotel in Dubai und ein halbes Jahr lang beim Dubai Ski Club.

Zu den wenigen Frauen, die im Tiroler Tourismus den Sprung ganz nach oben geschaff t haben, kann sich auch Katrin Perktold zählen. Sie leitet als Geschäftsführerin die Geschicke der Tiroler Zugspitz Arena.

wenig Bedenken gegen eine Geschäftsführerin“, erzählt Perktold. Das Angebot, ihre Karriere in ihrer Heimatregion fortzusetzen, wollte sie sich nicht entgehen lassen und ließ sich abwerben.

Traditionsproblem. Dass der explizite Wunsch nach einer Frau in einer Führungsposition im Tourismus selten ist, ist Perktold durchaus bewusst. Während viele Frauen bis an die zweite Stelle aufsteigen, sind sie an der Spitze rar gesät. „Vor allem im Tourismus ist das sicherlich eine Traditions-Problematik.“ Da der Tourismus besonders jenseits der großen Städte oft nicht zuletzt ein „Stammtischgeschäft“ war, hat sich die Führung bis heute als Männerdomäne gehalten. „Frauen waren in der Branche immer schon aktiv – aber eher in der traditionellen Rolle der Gastgeberin, während Männer die verwaltenden und repräsentativen Positionen innehatten.“

Inzwischen beginnen sich diese Grenzen aber langsam aufzuweichen. Katrin Perktold beobachtet immer mehr Frauen, die mit Engagement nachrücken und in Aufsichtsräten und Vorsitzen Fuß fassen. Nur der Sprung in die Top-Positionen fehlt vielerorts noch. „Persönlich finde ich das traurig“, meint sie. „Gerade im Tourismus gäbe es viele Frauen, die das Zeug dazu hätten. Aber oft fehlen ihnen der Mut und die Möglichkeit – zumindest bislang.“ Dabei würden mehr Frauen an der Spitze dem Tourismus viel bringen, ist die TVB-Geschäftsführerin überzeugt. „Frauen sind organisatorisch nicht selten überlegen“, meint Perktold. „Nur ist es unerlässlich, sich nicht einschüchtern zu lassen. Bis jetzt tun sich Frauen schwerer, sich Gehör zu verschaffen. Gerade deswegen braucht es dringend Vorreiterinnen, die Vorurteile widerlegen und uns Frauen einen guten Namen machen.“ ×

„Bis jetzt tun sich Frauen schwerer, sich Gehör zu verschaffen. Gerade deswegen braucht es dringend Vorreiterinnen, die Vorurteile widerlegen und uns Frauen einen guten Namen machen.“ KATRIN PERKTOLD


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S A I S O Nxxxxxxx

D

ie Gleichberechtigung der Geschlechter schreitet voran. Doch auch wenn Frauen und Männer gesellschaftlich auf eine Gleichstellung hinarbeiten, gibt es zwischen ihnen deutliche Unterschiede, ist Daniela Groffner überzeugt. Als Unternehmensberaterin bei der conos gmbh befasst sie sich mit Gender Marketing und kommt zu einem klaren Schluss: „Frauen und Männer denken unterschiedlich. Dafür können biologische und genetische, aber auch soziologische Faktoren verantwortlich sein. Fakt ist jedoch: Verschiedene Denkweisen führen zu unterschiedlichem Verhalten.“

Andere Prioritäten. Das macht sich auch bei der Urlaubsplanung bemerkbar. Für Männer zählen Fakten, meint Groffner. Sie treffen ihre Wahl anhand von klar erfassbaren Daten. Wenn der Preis der Vorstellung entspricht und das Angebot enthält, was auf der Wunschliste steht, fällt schnell eine Entscheidung, ohne weitere Optionen zu vergleichen. „Frauen betrachten Angebote ganzheitlicher“, erklärt die Expertin. „Sie sind auf der Suche nach einem Mehrwert.“ Deswegen treffen sie Entscheidungen langsamer und mit mehr Bedacht. Selbst wenn etwas Passendes gefunden ist, begeben sie sich oft auf die Suche nach Zusatzangeboten. So kann ein weiteres Angebot, das über die Anforderungen hinausgeht, zu einer Entscheidung beitragen.

Urlaub erzählen.

Allerdings spielt nicht nur der Mehrwert eine Rolle, sondern auch die Präsentation der Information. „Frauen sind tendenziell kommunikativer“, meint Groffner. „Das hat zur Folge, dass sie sich weniger von reinen Fakten beeindrucken lassen und mehr Augenmerk auf deren Aufbereitung legen.“ Im Gegensatz zu Zahlen suchen sie deswegen vor allem nach einer Geschichte, die ein Bild davon schaff t, wie es wäre, etwas selbst zu erleben. „Daraus resultiert auch,

Frauen als Konsumenten Frauen tragen nicht nur als Arbeitskräfte zum Tourismus bei. Auch als eigene Gästegruppe, die gezielt angesprochen wird, gewinnen sie zunehmend an Bedeutung – und bringen so neue Wünsche und Bedürfnisse mit. VON DANIEL FEICHTNER

dass Frauen empfänglicher für Word-ofMouth-Werbung sind.“ Anstatt sich nur beim Anbieter zu informieren, fallen für sie die Meinungen anderer ins Gewicht. Dieser Austausch findet sowohl im Freundeskreis als auch über Bewertungsplattformen im Internet statt. Solche deutlich plastischeren Berichte vom Geschehen vor Ort können für Frauen oft ein wichtiges Instrument sein, um ein Angebot auszuwählen.

Finanzieller Überblick. „Besonders im Hinblick auf die demografische Entwicklung wird das Bewusstsein um diese Unterschiede immer wichtiger“, glaubt Groffner. Die Zahl der Singlehaushalte ist im Steigen begriffen. Immer mehr berufstätige und gut ausgebildete Frau-

en werden zu einer zunehmend finanzkräftigeren Kundengruppe. Aber auch in Partnerschaften und Familien sind sie wichtige Entscheidungsträgerinnen. „Eine Studie zeigt, dass Frauen bis zu 80 Prozent der gemeinschaftlichen Ausgaben tätigen. Dementsprechend sind sie nicht nur wichtige Ansprechpartner für Angebote, sondern haben auch meist den besseren Überblick darüber, was leistbar ist“, meint Groffner. „Besonders bei Familien mit Kindern sind es zudem in den meisten Fällen die Mütter, die den besseren Einblick in die Bedürfnisse des Nachwuchses haben.“

Frauen entscheiden. Diesen Überlegungen gibt die Statistik recht. „Eine Studie des Reiseführer-App-Herstellers


SAISON

© CHRISTIAN SCHEUCHER

IM 23 FRAUEN TOURISMUS

„Eine Studie zeigt, dass Frauen bis zu 80 Prozent der gemeinschaftlichen Ausgaben tätigen. Dementsprechend sind sie nicht nur wichtige Ansprechpartner für Angebote, sondern haben auch meist den besseren Überblick darüber, was leistbar ist.“ DANIELA GROFFNER, UNTERNEHMENSBERATERIN BEI CONOS

Ulmon im deutschsprachigen Raum zeigt, dass 54 Prozent aller Frauen in Partnerschaften die Wahl des Urlaubsortes treffen“, sagt Groffner. „Bei Buchungen wird es noch interessanter. Hier sind zwar 58 Prozent aller Männer der Auffassung, sie hätten gebucht. Zugleich sagen aber 62 Prozent der Frauen, dass sie diese Aufgabe übernommen haben. Schlussendlich kann man davon ausgehen, dass es meistens eine gemeinschaftliche Entscheidung ist.“ Global sehen die Zahlen noch deutlicher aus, wie Barbara Theiner, Tourismusberaterin im Marketing und Vortragende am Management Center Innsbruck, er-

„Aktuell herrscht im FremdenverkehrsMarketing noch eine durchaus männlich geprägte oder zumindest geschlechterunspezifische Vorgehensweise.“ BARBARA THEINER, TOURISMUSBERATERIN

klärt: „Vor allem bei der Auswahl des Urlaubsortes an sich und der Unterkunft liegt die Entscheidung vorwiegend bei Partnerinnen und Ehegattinnen. Eine Untersuchung von Skyscanner hat gezeigt, dass bei fast 75 Prozent der Befragten in

Partnerschaften und Familien die Frauen für die Urlaubsplanung verantwortlich sind. In den USA sind die Ergebnisse sogar noch markanter. Dort werden mehr als 90 Prozent der Entscheidungen bezüglich Ferien und Urlaub von Frauen getroffen.“

Nachzügler.

Während die Idee frauenspezifischer Werbung in manchen Branchen schon lange üblich ist, gibt es im Tourismus noch Aufholbedarf. „Aktuell herrscht im Fremdenverkehrs-Marketing noch eine durchaus männlich geprägte oder zumindest geschlechterunspezifische Vorgehensweise“, bestätigt Theiner. Hier fehlt es ihr zufolge noch an der Erkenntnis, dass Frauen oft die Rolle der Haupt-Entscheiderinnen innehaben. „Internationale Hotelketten sind mittlerweile auf den Zug aufgesprungen. Aber während diese eine gewisse Vorreiterrolle einnehmen, wird im Bereich der familiengeführten Betriebe bislang kaum frauenspezifisch geworben.“ Entwicklungspotenzial sieht Theiner vor allem in den Bereichen Empfehlungsmarketing und Social Media. Aber auch in der Präsentation von Angeboten könnte es sich lohnen, mehr auf die Vorstellungen von Frauen einzugehen. „Allerdings muss man dabei vorsichtig vorgehen. Die Verwendung von Stereotypen und Klischees kommt nur selten gut an und kann dazu führen, dass ein gut gemeinter Versuch negativ wahrgenommen wird.“ Alles in allem, ist sich Theiner sicher, stellt frauenspezifische Vermarktung eine große Chance auch für kleinere Betriebe dar. Man sollte sich aber bewusst sein, dass

auch wenn Frauen direkt angesprochen werden, die Angebote und Dienstleistungen vor Ort auch Partner oder Familien ansprechen müssen. ×

SCHWARZ AUF WEISS Seit mehreren Jahren bietet der deutsche rimVerlag unter www. frauenfreundliche-hotels.de eine Zertifizierung für auf weibliche Gäste zugeschnittene Hotels an. Um das Prädikat „frauenfreundlich“ zu erhalten, müssen Betriebe mindestens 14 von 19 Punkten erfüllen. Diese setzen sich aus vier Gruppen zusammen: Service: Zusätzliche Dienstleistungen sollen weiblichen Gästen Mehrwert bieten. Dazu gehören Zimmer- und Kofferservice ebenso wie ein Park- und Bringservice für die Tiefgarage. Sicherheit: Besonders für allein reisende Frauen ist es wichtig, sich sicher zu fühlen. Deswegen sollten Hotels einen Nachtportier, gut beleuchtete Garagenstellplätze und einen Türspion bieten. Komfort: Auch kleine Annehmlichkeiten sind weiblichen Gästen oft wichtiger als Männern. Dazu sind Angebote wie Wasserflaschen oder ein Obstkorb am Zimmer ebenso wie eine Kaffee- oder Tee-Station angeführt. Badezimmerausstattung: Speziell bei den Bedürfnissen im Bad können Hotels punkten. Hier sind Extras wie ein separater, beweglicher Schminkspiegel, ein hochwertiger Fön oder Bademäntel gefragt.


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FRAUEN IM TOURISMUS

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© HANS HOCHSTÖGER

AISON: Frau Gürtler, wie kamen Sie zum Tourismus? ELISABETH GÜRTLER: Mein Vater war Getreidehändler und hatte als solcher nach dem Zweiten Weltkrieg die Versorgung des österreichischen Tourismus mit zu verantworten. 1950 hat er dann zudem ein Hotel in Tirol gekauft. Daher kenne ich den Tourismus eigentlich schon seit meiner Kindheit sehr gut. Ich wurde ja schon als Studentin eingespannt und durfte im elterlichen Betrieb bei den Inventuren mithelfen.

„Frauen haben den Tourismus immer dominiert“ Elisabeth Gürtler-Mauthner ist Sacher-Chefin, Leiterin der Spanischen Hofreitschule, eine Parade-Touristikerin. Die SAISON hat mit ihr über die Rolle der Frauen im Tourismus gesprochen und bemerkenswerte Antworten erhalten.

Hat Ihr Vater Sie für das Gastgewerbe begeistert? Er war sicherlich die prägende Figur für mich. Wir waren zwei Töchter und er hat uns immer dazu angehalten, gut zu sein in dem, was wir tun. Das begann damit, dass wir in der Schule immer mit Vorzug abschließen mussten, und auch beim Studium erwartete er nur das Beste von uns. Wir wurden zur Selbständigkeit erzogen. Mein Vater sagte immer, wir müssen uns auf uns selbst verlassen können. Aber in eine bestimmte Berufsrichtung hat er uns nicht gedrängt. Eine Karriere im Tourismus war also nicht Ihr vorrangiges Ziel? Nein, ich habe Handelswissenschaften an der Hochschule für Welthandel studiert. Wobei das sicher nicht die schlechteste Ausbildung ist, um im Tourismus zu reüssieren. Letztlich waren es aber der Zufall und die Liebe, die mich in diese Branche brachten. Über die Reiterei, mein Steckenpferd, lernte ich meinen verstorbenen Ex-Mann und Chef des Hotels Sacher, Peter Gürtler, kennen. Wir waren bis 1983 verheiratet, nach seinem Tod habe ich 1990 dann gemäß seinem Wunsch das Hotel übernommen.

DA S INTERVIEW FÜHRTE S TEFFEN AROR A .

War es schwierig, diese Aufgabe zu übernehmen? Und spielte es eine Rolle, dass Sie eine Frau sind? Ich hab das Haus ja


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schon gut gekannt. Aber gerade deshalb war es nicht einfach. Denn anfangs bekam ich vom Management keine Informationen. Mein Ex-Mann hatte hier die Zügel etwas schleifen lassen und das Management arbeitete zu lange ohne Kontrolle von außen. Dass ich das nun einforderte, wurde nicht von allen gut aufgenommen. Ich habe im Haus neue Standards etabliert, um für mehr Transparenz zu sorgen. Aber mein Geschlecht spielte dabei keine Rolle. Sie leiten seit 1990 eines der führenden Stadthotels weltweit, fühlen Sie sich als Pionierin der Branche? Nein, ganz und

ist eine Frau an der Spitze, im Park Hyatt ebenso, ich selbst stand dem Sacher 25 Jahre vor. Frauen erfüllen im Tourismus eine vielseitigere Rolle als Männer. Sie kümmern sich um die Finanzen ebenso gut wie um das Blumenarrangement. Ist die Emanzipation in dieser Branche also schon früher passiert? Ja, ich bin überzeugt davon, dass die Frauen im Tourismus früher emanzipiert waren. In der Gesellschaft ist das erst viel später passiert. Das liegt sicher auch daran, dass die Frauen in unserer Branche schon immer sehr selbständig agiert und gearbeitet haben. Nehmen wir als Beispiel noch

„Man kann sicherlich sagen, dass die österreichische Ferienhotellerie ohne Frauen niemals so erfolgreich geworden wäre.“ mal die Ferienhotellerie. Die Österreicher verweisen immer mit Stolz darauf, „Tourismus-Weltmeister“ zu sein. Das liegt auch an der Struktur unserer Ferienhotellerie, die hauptsächlich aus privat geführten Betrieben besteht und nicht aus großen Hotelketten. Diese Struktur ist nur möglich, weil seit jeher Frauen die tragende Rolle spielen. Man kann daher sicherlich sagen, dass die österreichische Ferienhotellerie ohne Frauen niemals so erfolgreich geworden wäre.

Sie sehen die Rolle der Frau im Tourismus also schon immer an der Spitze? Ja, Frauen haben den Tourismus immer dominiert. In der Ferienhotellerie ist das seit jeher so. Und mittlerweile auch in der Stadthotellerie. Man muss sich nur umsehen, etwa hier in Wien: Im Le Méridien

Und erfahren Sie auch die dementsprechende Wertschätzung oder wird die Rolle der Frauen als selbstverständlich angesehen? Ich glaube schon, dass Frauen in den großen Hotels, die ich kenne, geschätzt werden. Ich selbst hatte jedenfalls noch nie ein Problem damit,

© PAUL HARRIS

gar nicht. Denn was ich in der Stadthotellerie mache, das machen zahlreiche Frauen in der Ferienhotellerie schon seit Jahrzehnten. Was man heute Guest Relation Manager nennt, das ist zum Beispiel eine dieser maßgeblichen Aufgaben, die in der Hotellerie seit jeher von den Frauen übernommen wurde. Sie kümmern sich besser um das Wohl der Gäste, die Rolle der Gastgeberin liegt ihnen einfach. Frauen haben auch einfach mehr Sinn für Schönes und Ästhetik.

nicht die Wertschätzung zu erfahren, die ich mir erwarte und die mir zusteht. Ich habe auch von Kolleginnen bislang nicht wirklich Beschwerden dahingehend gehört. Und wie sieht es mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen im Tourismus aus? Das ist sicherlich nicht einfach in unserer Branche. Man muss, um erfolgreich zu sein, die Familie hintanstellen. Das war auch für mich keine leichte Entscheidung. Aber wenn es einem wichtig ist, macht man es einfach. So war das zumindest bei mir. Mein Mann (Anm.: Schauspieler Helmuth Lohner) ist nicht aus dem Tourismus, er ist Künstler. Als solcher hat er Verständnis für meine Arbeitszeiten. Es bedarf für Frauen in dieser Branche sicherlich eines Partners, der bereit ist, das alles mitzutragen. Es braucht jemanden, der Toleranz mitbringt und keine bürgerlichen Vorstellungen eines Familienlebens hat. Ich habe das Glück, so jemanden gefunden zu haben. Vielen Dank für das Gespräch.

ZUR PERSON Elisabeth Gürtler-Mauthner wurde am 7. Mai 1950 als Tochter des international tätigen Getreidekaufmanns und Handelsunternehmers Fritz Mauthner in Wien geboren. 1990 übernahm sie nach dem Tod ihres Ex-Mannes das Management der Hotels Sacher in Wien und Salzburg sowie der Sachertorten AG und mehrerer Beteiligungen. Zudem leitet sie das elterliche Hotel Astoria in Seefeld in Tirol. Von 1999 bis 2007 organisierte Elisabeth Gürtler den Wiener Opernball und 2007 übernahm die begeisterte Pferdesportlerin die Leitung der Spanischen Hofreitschule.

„Frauen erfüllen im Tourismus eine vielseitigere Rolle als Männer. Sie kümmern sich um die Finanzen ebenso gut wie um das Blumenarrangement.“

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MAGAZIN PROFILE STEFAN PÜHRINGER

Innovation gesucht Das Wirtschaftsministerium verleiht zum dritten Mal gemeinsam mit den Bundesländern den Innovationspreis Tourismus.

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lle zwei Jahre wird der Innovationspreis Tourismus auf Basis der Entscheidung einer unabhängigen Fachjury vergeben. Zuvor werden auf Landesebene die Finalisten ermittelt. Für 2016 lautet das Thema: „Inszenierung der Ressource Wasser“. Eingereicht werden können „buchbare Tourismusangebote, die einen klar erkennbaren touristischen Charakter aufweisen und innovativ und nachhaltig die Ressource Wasser inszenieren und damit den Tourismus nachhaltig bereichern“, heißt es in der dazugehörigen

Ausschreibung. Mit dem Innovationspreis Tourismus sollen darüberhinaus unter anderem eine nachhaltige Qualitätsverbesserung, eine ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit, eine Steigerung der Wertschöpfung oder auch eine Stärkung der Innovationskraft im Tourismus gefördert werden. Einreichfrist ist der 30. November 2015. Alle Informationen gibt es unter: www.bmwfw.gv.at. Die Landes-Einreichstelle für Tirol ist die Wirtschaftskammer, Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. ×

Einstimmig wurde Stefan Pühringer zum neuen Geschäftsführer des TVB Ferienland Kufstein gewählt. Pühringer konnte zuvor Erfahrung bei Kitzbühel Tourismus und Saalfelden Leogang Tourismus sammeln.

MARC BALDAUF Mit Marc Baldauf hat Lechtal Tourismus seit Dezember einen neuen Obmann. Baldauf führt in Elbigenalp das 4-Stern-Hotel und Familienunternehmen Hotel-Resort Alpenrose Lechtal. Er folgt Egon Brandhofer nach.

JOHANNES DUFTNER Johannes Duftner wurde als Nachfolger von Adolf Mauracher zum Obmann des Alpbachtal Seenland Tourismus gewählt. Duftner führt das 4-Stern-Romantikhotel Böglerhof in Alpbach.

FRITZ MARKSTEINER Westendorf trauert um seinen langjährigen TVB-Direktor i. R. Fritz Marksteiner. Mehr als drei Jahrzehnte setzte er sich unermüdlich für alle Tourismus-Unternehmungen ein und erzielte damit unschätzbare Erfolge für Westendorf.

Der ExperienceFellow soll authentische Kundenerlebnisse wiedergeben.

© EFF

Authentisches Kundenfeedback Das Start-up ExperienceFellow will mit einer App die Analyse von Kundenerlebnissen vervollständigen und vereinfachen.

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xperienceFellow ist ein junges österreichisches Start-up, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Analyse von authentischen Kundenerlebnissen radikal zu verändern. Die beiden Gründer Marc Stickdorn und Jakob Schneider begründen ihren Ansatz auf

umfassenden Rechercheprojekten, die sie in den letzten Jahren begleitet haben. Mit ExperienceFellow bieten sie nun eine Kombination aus vorkonfi gurierbarer Smartphone-App und web-basierter Software an, um Kundenerlebnisse aufzuzeichnen und diese im zweiten Schritt

auswerten zu können. In der App können die Kunden jeden Aspekt ihres „Kundenerlebnisses“ benennen, bewerten und weitere Informationen durch Text, Foto, Video und Audio hinterlegen. www.experiencefellow.com

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KULTURTIPPS

© DALIA FÖGER

LH Günther Platter (2.v.r) überreichte KSC-Präsident Michael Huber (M.) im Beisein der Minister Andrä Rupprechter und Johanna Mikl-Leitner sowie von BM Klaus Winkler (v.l.) den „Tiroler Tourismuspionier“.

Kitzbüheler Ski Club ausgezeichnet

© BALLET DU NORD

VON ES THER PIRCHNER

TANZ AUF DEM SANDPLATZ Das Osterfestival Tirol (20. 3.–5. 4.) hat immer auch außergewöhnliche Tanzevents im Programm, so auch das Ballet du Nord mit „Souls“. Sechs Tänzer aus verschiedenen Teilen Afrikas begeben sich auf dem Sandplatz auf eine mystische Initiationsreise. 24. 3. 2015, 20.15 h, Congress, Dogana, Innsbruck

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eit 1931 veranstaltet der Kitzbüheler Ski Club (KSC) mit dem Hahnenkammrennen eine der renommiertesten Sportveranstaltungen der Welt. Zum 75. Jubiläum des legendären Skirennens verlieh Landeshauptmann Günther Platter im Rahmen eines festlichen Empfangs KSC-Präsident Michael Huber und seinem Team die Landesauszeichnung „Tiroler

Tourismuspionier“. LH Platter betonte: „Heute würdigen wir die für Tirol und Österreich unschätzbaren Leistungen eines der ältesten und traditionsreichsten Skivereine der Republik. 1902 bei der KSC-Gründung wurde durch den damals als ‚narrisch‘ bezeichneten Visionär Franz Reisch der Grundstein für Kitzbühel als eine Hauptstadt des Wintersports gelegt.“ ×

© ALTITUDE COMEDY FESTIVAL

Ohne Kitzbüheler Ski-Club kein Hahnenkammrennen. Der Club wurde nun mit der Landesauszeichnung „Tiroler Tourismuspionier“ geehrt.

KOMIK VOR BERGKULISSE Die lustigsten britischen Comedians machen beim Altitude Comedy Festival das Zillertal unsicher – mit Auftritten, Meet & Greet, Late Late Show und einem Clown-Skirennen. Mit dabei: Bill Bailey (Bild), Sean Lock und 15 andere Scherzkekse. 23. bis 27. 3. 2015, Mayrhofen

© TIROLER LANDESMUSEEN

BUCHTIPP

Die Kunstschätze Tirols Der Kunstführer Tirol nimmt den Leser mit auf eine kunsthistorische Entdeckungsreise von der frühchristlichen Zeit bis in die Gegenwart.

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ZEICHEN, NICHT WORTE

Reinhard Rampold (Hg.): Kunstführer Tirol, 416 Seiten, Tyrolia-Verlag

© TYROLIA-VERLAG

erausgeber Reinhard Rampold hat für den vorliegenden Kunstführer die 400 bedeutendsten Kunstschätze in Nord- und Osttirol zusammengetragen, beschrieben von Experten und Expertinnen aus dem Gebiet der Kunstgeschichte. Zu entdecken gibt es prunkvolle Festsäle und prachtvolle Wohnhäuser, erzene Brunnen und steinerne Reliefs, Schmiedeeisen und Schnitzwerk, Fresken und Tafelbilder, Burgen, Schlösser und vor allem viele kleine und große kunstvoll ausgestattete Kirchen – profane und sakrale Kunstschätze von Nord- bis Osttirol. ×

Auch wenn sie oft hübsch aussehen, sind Malereien auf Geschirr, Piktogramme und andere Symbole vor allem dazu da, Inhalte zu vermitteln. Die Ausstellung „Mehr als Worte: Zeichen, Symbole, Sinnbilder“ geht den Bedeutungen auf den Grund. 24. 4. bis 8. 11. 2015, Volkskunstmuseum, Innsbruck

WEITERE VERANSTALTUNGEN artacts ‘15 – Intern. Festival für Jazz und improvisierte Musik: mit Radian, Stine Janvin Motland u. a. 6. bis 8. 3. 2015, Alte Gerberei, St. Johann in Tirol, www.muku.at Yves Klein, Lucio Fontana bis 15. 3. 2015, Galerie km0, Innsbruck, www.km0.at Jodel-Workshop mit M. und R. Schwaizer 19. 3., 23. 4. und 15. 5. 2015, 18–20 h, Audioversum, Innsbruck, www.audioversum.at Klassik Lounge 4 – Cello Mania 24. 3. 2015, 19.30 h, Die Bäckerei, Innsbruck www.diebaeckerei.at


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Wie Deutschland in Zukunft reist Seit den frühen 1970er-Jahren erfasst die Reiseanalyse-Trendstudie, wie die Deutschen reisen – und in Zukunft urlauben werden. VON ERNST SPRENG

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eutschland ist der wichtigste Reisemarkt Europas. Wer weiß, wie die Deutschen in Zukunft urlauben, hat Vorteile. Bei der RA-Trendstudie, die unter anderem von der Österreich Werbung unterstützt wird, untersucht die deutsche Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V. die Nachfrageseite des Urlaubstourismus in Deutschland. 7.500 potenzielle Urlauber werden dabei befragt. Die Ergebnisse der aktuellen Studie wurden mit ihren Vorgängern verglichen und mögliche Trends bis 2025 erhoben.

Wohin geht die Reise? Die drei Autoren Martin Lohmann, Dirk Schmücker und Ulf Sonntag geben einen umfassenden Einblick in die Wünsche, die der Reisende aus Deutschland an sein Urlaubsland stellt. Wichtigste Botschaft der Studie für touristische Anbieter: Der deutsche Reisemarkt bleibt stabil. Es ist absehbar, dass die Deutschen wahrscheinlich weder „viel mehr“ oder „viel weniger“ verreisen und auch nicht „ganz anders“. Das ergab der Vergleich zwischen der aktuellen Befragung und den Vorgängerstudien. Für Autor Martin Lohmann ist das allerdings kein Grund, dass sich touristische Anbieter auf ihren Lorbeeren ausruhen können. „Wir haben festgestellt, dass der Gast in Zukunft zwar in seinen Wünschen stabil ist, allerdings innerhalb seiner Bedürfnisse stetig neue Erlebnisse will. Er reist also nicht unbedingt immer wieder dorthin, wo er schon war, sondern sucht neue Destinationen mit ähnlichem Angebot“, erklärt Lohmann. Rund 40 Prozent aller Deutschen suchen laut der aktuellen Studie ein Reiseziel, an dem sie noch nie

waren. Zusätzlich verstärkt wird dieser Trend durch die Möglichkeit, sich über Internet und soziale Medien sehr rasch darüber zu informieren, welche unbekannte Destination jene Urlaubswünsche erfüllt, die gesucht werden.

Allgemeine Trends. Die Studie zeigt die allgemeinen Trends auf, wie die touristische Nachfrageseite sich in Deutschland entwickeln wird. Sie analysiert die wichtigsten Reisewünsche in Bezug auf Unterkunft, Buchung oder Informationsverhalten. „Bergsommer“, „Strandurlaub“ oder „Urlaub mit Kindern“ sind einige der Themen, die zusätzlich vertiefend analysiert wurden. Allgemein sind die Trends bis 2025 keine Überraschung: Die Reisezeit wird sich verkürzen, der Hotelurlaub wird weiterhin zunehmen und Reisen im Familienverbund mit Kindern liegen nach wie vor im Trend. Sommer in den Bergen. Eines der Spezialthemen der RA-Trendstudie ist der Bergsommer. „Bergsommerurlaub war in den Nachkriegszeiten der Traumurlaub der Deutschen schlechthin“, meint Martin Lohmann. „Beobachtet man die Entwicklung, so hat der Bergsommer dann über die Jahrzehnte immer mehr an Bedeutung verloren, erlebte dann Mitte des vergangenen Jahrzehnts aber wieder einen deutlichen Aufschwung.“ Urlaub in den Bergen – Winter wie Sommer – ist ein Angebot, das rund zehn Prozent aller Deutschen als attraktiv empfinden. Für die Zukunft sieht Lohmann Potenzial, diesen Prozentsatz zu erhöhen. „Der Winter wird stabil bleiben, im Sommer gilt es zuzulegen.“ Chancen lägen

GUT INFORMIERT

Die Reiseanalyse-Trendstudie behandelt die Entwicklung des Nachfragevolumens der Urlaubsreisen (inkl. Reiseausgaben und Volumen der Kurzurlaubsreisen) bis 2025, die Entwicklung von Motiven und Einstellungen und liefert Kerndaten der Reisevorbereitung (z. B. Organisationsformen, Buchungswege, Internetnutzung zur Information und Buchung von Urlaubsreisen). Untersucht werden zudem die deutschen Reiseverhaltensdaten. Die gesamte Studie kann man zum Preis von 599 Euro unter anderem bei der Österreich Werbung beziehen. Die Autoren stellen Teilaspekte der Studie übrigens auch im Rahmen der ITB Berlin vor.


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Bergsommer. Die Reiseanalyse-Trendstudie sieht für Deutschland den Trend, dass auch ein älteres Gästeklientel einen sportlichen und sehr aktiven Urlaub in den Bergen verbringen will.

© TIROL WERBUNG/UMFAHRER PETER

Und darin sieht Lohmann eine große Chance: „Wir wissen, dass die Urlaubswünsche in Zukunft sehr stabil sind. Jene, die in die Berge wollen, werden das auch in den kommenden zehn Jahren wollen. Nur jetzt kann jener Einzelanbieter, der offen und aktiv kommuniziert, wesentlich besser in diesem Segment punkten. Er ist nicht mehr von der Kommunikation eines Pauschalanbieters abhängig, sondern kann seinen Erfolg selbst bestimmen.“

Individuell vor pauschal. Den größten Umbruch im Urlaubssegment „Berg“ stellt Studienautor Lohmann allerdings in der Organisationsform der Reise fest: „Vor

zehn Jahren waren noch zwei Drittel aller Urlauber in den Alpen Pauschaltouristen.“ Das hat sich dramatisch geändert. Bereits jetzt überwiegen die Individualbucher, der

„Wir wissen, dass die Urlaubswünsche in Zukunft sehr stabil sind. Jene, die in die Berge wollen, werden das auch in den kommenden zehn Jahren wollen.“ MARTIN LOHMANN, CO-AUTOR DER REISEANALYSE-TRENDSTUDIE

Trend wird anhalten. „Das bedeutet für Destinationen und den einzelnen Anbieter, dass er die Kommunikationsleistung vom Pauschalanbieter übernehmen muss, um am Markt bestehen zu können.“

ber heißt die Entscheidung nicht, Strand oder Berg, sondern er sucht vielmehr die Möglichkeit, mehrere unterschiedliche Urlaubserlebnisse in einem Jahr zu konsumieren.“ ×

© LOHMANN

laut Lohmann vor allem darin, ältere Gäste anzusprechen, die den Bergsommer vielleicht in ihrer Kindheit schon erlebt haben. „Diese Kundenschicht ist heute viel aktiver als früher und sucht durchaus auch das sportliche Abenteuer. Für sie sind Berge im Sommer attraktiv.“ Bis 2025 muss sich das touristische Angebot „Bergsommer“ auch darauf einstellen, dass die gehobene Unterkunft eine wichtige Rolle in der Urlaubsentscheidung spielt. „Das Hotel gewinnt weiter gegenüber Appartements, Pensionen oder Camping. Man sucht einen Hauch Luxus und Gastfreundschaft im Urlaub.“

Berg versus Strand. Ob Bergurlaub und Strandurlaub in Zukunft sich gegenseitig potenzielle Urlauber streitig machen, kann die Reiseanalyse nicht abschließend beantworten. Dafür sei das Segment „Strand“ zu vielschichtig. „Für den Deutschen ist Strandurlaub im Süden noch immer eine klassische Pauschalreise. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern“, so der Studienleiter. Vollkommen gegensätzlich dazu gestaltet sich die Situation bei Strandurlauben an der Nord- und Ostsee. Hier herrscht Individualität im Buchungsverhalten. Lohmann sieht im klassischen Mittelmeerurlauber eher wenig Potenzial, diesen für einen Haupturlaub in den Bergen zu begeistern: „Wer eine Pauschalreise in den Mittelmeerraum bucht, für den ist das fast schon ein Ritual.“ Möglichkeiten sieht der Studienautor allerdings auch unter diesen Reisenden. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Berge hier vom Trend eines Zweit- oder Dritturlaubs profitieren. Für den Urlau-


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SAISON

MAGAZIN Diese Gondel wich einer top-modernen Anlage.

Eine der ersten Skischulen in Vail

Vail in seinen Anfängen: noch recht verschlafen und beschaulich

Apfelstrudel für Mr. President Während der Ski-WM blickte die Welt vor kurzem wieder auf Vail. Der gebürtige Tiroler Pepi Gramshammer hat dem kleinen Ort im US-Bundesstaat Colorado über Jahrzehnte seinen Stempel aufgedrückt.

Hotel-Gasthof Gramshammer heute: Wie bei jeder Ski-WM in Vail beherbergen Pepi und Sheika Gramshammer das Haus Ski Austria.

Die damalige Mode verrät die Zeit.

© COURTESY OF VAIL RESORTS (4), ÖSV / SPIESS (1)

V O N R E B EC C A M Ü L L E R


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or 53 Jahren, im Jahr 1962, wurde Vail als Tourismusort aus der Taufe gehoben. Bereits zwei Jahre später eröffnete Pepi Gramshammer mit seiner Frau Sheika dort ein Hotel. In bester Lage mitten im Ort, an der Ecke Bridge Street und Gore Creek Drive. Damals war ihr Hotel das zweite in Vail, an besagter Straßenecke vorerst das einzige weit und breit. Von 1955 bis in die 1960er war Gramshammer Teil der österreichischen Ski-Nationalmannschaft. Später wird er erzählen, in dieser Zeit seien ihm immer wieder Dinge in den Hotels aufgefallen, kleine und große, gute und weniger gute. Damals holte er sich – noch unwissentlich – Inspiration für seinen eigenen Betrieb, das HotelGasthof Gramshammer in Vail. Zweifel an seinem Sprung über den großen Teich habe er keine gehabt: „Nein, es wurde mir leicht gemacht. Jeder hat mich gemocht in Amerika, alle haben mir geholfen.“

Österreichische Pioniere. Gramshammer ist nicht der einzige Österreicher, den es über den großen Teich in die Vereinigten Staaten gezogen hat, auch nicht der einzige Tiroler oder ehemalige Skirennläufer. Der 1937 geborene Tiroler Pepi Stiegler gewann 1964 bei den Olympischen Spielen in Innsbruck Gold im Slalom. 1965 eröffnete er in Jackson Hole, Wyoming eine Skischule und baute den

„Nein, ich hatte keine Zweifel, es wurde mir leicht gemacht. Jeder hat mich gemocht in Amerika, alle haben mir geholfen.“ PEPI GRAMSHAMMER

Ort gemeinsam mit dem Gründer des SkiResorts, Paul McCollister, auf. Als Österreichs erste Tourismuspioniere, die in den USA den Skisport entscheidend prägten, gelten Friedl Pfeifer (1911–1995), der 1890 in Stuben am Arlberg geborene Hannes Schneider und der 2006 verstorbene Otto Lang. Der in Salzburger aufgewachsene Lang eröffnete 1935 die erste Skischule Amerikas am Mount Rainier in der Nähe von Seattle, im US-Bundesstaat Washington. 1938 gründete Lang drei Skischulen in Sun Valley, Idaho, eine davon gemeinsam mit dem Tiroler Friedl Pfeiffer. Filmstars wie Gary Cooper, Clark Gable, Claudette Colbert oder Ingrid Bergman zählen zu den prominenten Schülern der beiden ehemaligen Skirennsportler.

Die Anfänge. Auch Pepi Gramshammer fasste zunächst in Sun Valley in den Rocky Mountains Fuß. Nachdem er trotz einiger Erfolge in den FIS-Rennen an 


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© COURTESY OF VAIL RESORTS

SAISON

„Als ich von Sun Valley gekommen bin, habe ich damals schon gewusst, dass Vail einer der schönsten Plätze in Amerika werden kann. Und ich war offenbar ,gscheit‘ genug, das damals schon zu sehen.“ PEPI GRAMSHAMMER

Skischul-Annonce mit Pepi Gramshammer (rechts oben)

der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1958 in Bad Gastein und den Olympischen Spielen 1960 im kalifornischen Squaw Valley knapp gescheitert war, versuchte er sich vorerst als Skilehrer. „Der Vater von Willy Bogner hat mir einen Job in einer Skischule in Sun Valley verschaff t, ich war dort zwei Saisonen“, blickt er zurück. Bei einem Ski-Rennen im Nobelskiort Aspen lernte er 1963 seine zukünftige Frau Sheika, eine gebürtige Villacherin, kennen. Bereits im Februar 1964 heirateten sie. Mit ihr gemeinsam eröffnete er im Dezember des selben Jahres sein Hotel. Vom Standort seines neuen Hotels war Gramshammer sofort überzeugt: „Als ich von Sun Valley gekommen bin, habe ich damals schon gewusst, dass das einer der schönsten Plätze in Amerika werden kann. Mit Denver, einer großen Stadt mit Flughafen in unmittelbarer Nähe. Und ich war offenbar ‚gscheit’ genug, das damals schon zu sehen.“

habe das Hotel geführt“, erzählt Sheika. Beide hatten so gut wie keine Erfahrung im Hotelgewerbe. Sheika absolvierte einen sechsmonatigen Kurs in BusinessManagement in Denver, in Bezug auf alles andere lautete das Motto schlicht: „learning by doing“.

Promis und Präsidenten.

„Gasthof“ haben die Gramshammers ihr Hotel auch deshalb genannt, weil sie schon damals nicht nur bewusst Bezug auf ihre Wurzeln nehmen wollten, sondern auch, um mit dem Namen die berühmte österreichische bzw. Tiroler Gastfreundlichkeit mitzutransportieren. Apfelstrudel, Schnitzel und Kassspatzln dürfen auch heute auf der Speisekarte nicht fehlen. „Schon der Architekt unseres Hotels hat viele Ideen aus Österreich mitgenommen. Ich wollte die Heimat mit in die USA bringen, sowohl kulinarisch als auch vom Stil generell. Das kommt gut an bei unseren

„Pepi ist damals noch als Profi gefahren, sicherlich über 100 Rennen. Das war seine Arbeit, er hat das Geld verdient, damit wir das Hotel überhaupt bauen konnten, ich habe das Hotel geführt.“ SHEIKA GRAMSHAMMER

In der Anfangszeit des Betriebs war Gramshammer noch mit dem österreichischen Skizirkus unterwegs, die Führung des Hotels übernahm indessen Sheika. „Pepi ist damals noch als Profi gefahren, sicherlich über 100 Rennen. Das war seine Arbeit, er hat das Geld verdient, damit wir das Hotel überhaupt bauen konnten, ich

Gästen, schon seit der Eröffnung 1964“, so Gramshammer. Davon ließen sich über die Jahre auch zahlreiche heimische wie internationale Prominente überzeugen. Schon Ende der 1960er gaben sie sich bei Pepi die Klinke in die Hand. Darunter auch der 2007 verstorbene ehemalige US-Präsident Gerald Ford. Pepi Grams-

hammer war einer der Sargträger bei der Beerdigung Fords. Gramshammer engagierte sich auch im Bereich des Nachwuchses. Gemeinsam mit einem weiteren erfolgreichen Auswanderer aus der alten Heimat Tirol, dem „Blitz von Kitz“ Anderl Molterer, rief er 1966 die Skiwochen für Jugendliche in Red Lodge (Montana) ins Leben. Bei den „Wedel Weeks mit Pepi“ lehrte er, trotz des „leidigen“ Knies, auch im hohen Alter den Erwachsenen den richtigen Schwung auf der Piste. Auch unterstützt er seit langem Skiprogramme für Blinde und Behinderte. In der „Vail Valley Foundation“, die Weltcuprennen und bislang mit 1989, 1999 und heuer im Februar ganze drei Weltmeisterschaften nach Vail holte, war und ist Pepi Gramshammer eine treibende Kraft.

Sichtbare Spuren.

Spuren hinterlassen haben die Gramshammers in Vail schon offensichtlich optischer Natur. Nicht nur in Form ihres „Gasthofs“, der genauso gut in Tirol stehen könnte. Man hat sich dem europäischen Stil der Anfangsjahre nicht nur angepasst, sondern versucht, diesen auch zu bewahren. Allen voran Sheika Gramshammer, die sich in der Gemeinde stark engagiert. „Als wir vor 52 Jahren nach Vail gekommen sind, war nichts hier. Und jetzt ist es ein pulsierender Skiort, wohl eine der besten Skidestinationen weltweit“, meinen die Gramshammers und hoffen gleichzeitig, dass Vail seinen ursprünglichen Charme nicht verliert. Der verschlafene Ort von damals und das moderne Skigebiet von heute bedeuten ihnen aber noch mehr. Denn, sind sich die Gramshammers einig, Heimat mag Heimat bleiben, aber ihr Zuhause ist Vail. ×


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© ÖSV / SPIESS (5)

Die ÖSV-Damen Elisabeth Görgl, Anna Fenninger und Nicole Schmidhofer (v. l.) vor dem „Haus Ski Austria“, dem Hotel-Gasthof Gramshammer

TW-GF Josef Margreiter mit der Tiroler Medaillengewinnerin Niki Hosp

Genossen ihr Schnitzel: Axel Naglich und Skistar Maria Höfl-Riesch

Bei der Vorführung von „Streif – One Hell of a Ride“. Josef Margreiter, US-Skistar Daron Rahlves, Extremskifahrer Axel Naglich, Abfahrtslegende Kristian Ghedina und Gerhard Walter, GF des TVB Kitzbühel (v. l.)

Die Hinterseers und die Gramshammers (re.) bei der Ski-WM in Vail

Tiroler Schmankerln zur Silberhochzeit Wie schon bei den Weltmeisterschaften 1989 und 1999 fand das „Österreich Haus“ auch heuer seine Heimat bei Vail-Pionier und Hotelier Pepi Gramshammer. Bei der Tirol-Kitzbühel Night wurde auf frische Medaillen und bewährte Partnerschaften angestoßen.

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m 9. Februar luden Tirol Werbung und Kitzbühel Tourismus zur Tirol-Kitzbühel Night. Begonnen wurde der Abend im Hotel The Sebastian – Vail bei einer Vorführung des aktuellen Films „Streif – One Hell of a Ride“. Mit dabei war auch einer der Protagonisten des Films und zugleich Sieger auf der Streif im Jahr 2003, Daron Rahlves.

Silberhochzeit mit Silbermedaille.

Danach wurde zum Empfang ins Hotel-Gasthof Gramshammer von der Tiroler Ski-Legende und dem Vail-Mitbegründer Pepi Gramshammer geladen. Gefeiert wurde unter anderem die 25-jährige Erfolgspartnerschaft zwischen dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) und der Tirol Werbung. „Tirol ist die Heimat des Österreichischen Skiverbandes, hier finden unsere Mannschaften beste Trainingsmöglichkeiten vor. Die Tirol Werbung ist daher zu Recht seit 25 Jahren ein verlässlicher Partner, der zu unseren Erfolgen maßgeblich beiträgt“, zog ÖSVPräsident Peter Schröcksnadel positiv Bilanz. Passend zur Silberhochzeit von ÖSV und Tirol Werbung brachte Niki Hosp ihre frisch gewonnene Silbermedaille mit. Bei Tiroler Spezialitäten und heimischen Klängen genos-

sen auch Ski-Legende Annemarie Moser-Pröll, Maria Höfl-Riesch, ihr Mann Markus Höfl , Ex-Skifahrer Marco Buechel und ORF-Kommentator Hans Knauss einen stimmungsvollen Abend.

Nationalhelden und Netzwerkpflege.

Auch Nationalheld Franz Klammer, Italiens Ski-Legende Kristian Ghedina oder Extremskifahrer Axel Naglich ließen es sich nicht nehmen, beim „Tiroler Abend“ vorbei zu schauen. Genutzt wurde die Veranstaltung auch zur Netzwerkpflege. Weshalb man sich auch freute, neben der ÖSV-Spitze mit Präsident Schröcksnadel und Klaus Leistner, auch das Organisationskomitee der Ski-WM 2017 in St. Moritz begrüßen zu dürfen. Die Tirol Werbung nutzte den Anlass darüber hinaus, um wieder kräftig die Werbetrommel für das Wintersportland Nummer eins der Alpen zu rühren. Immerhin wird Tirol, das bereits drei Mal Austragungsort Olympischer Winterspiele war, 2017 die Biathlon WM (Hochfilzen) und 2019 die Nordische Ski-WM (Seefeld) ausrichten. Und für 2021 läuft bereits die ÖSV-interne Bewerbung von St. Anton als möglichem Austragungsort der FIS Alpinen Ski-WM. So wurde auf die Vergangenheit angestoßen, die Gegenwart gefeiert und in die Zukunft geblickt. ×


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© ENGADIN ST. MORITZ, SWISS-IMAGES.CH (3)

SAISON

„Glamourös in archaischer Natur“ St. Moritz und das Engadin feiern zurzeit 150 Jahre Wintertourismus. Für die Schweizer ist das ein Grund, in die Zukunft zu investieren, erklärt Ariane Ehrat, CEO der bekannten Wintersportdestination. DAS INTERVIEW FÜHRTE ERNST SPRENG.

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AISON: Frau Ehrat, Gratulation zum Jubiläum. Wie feiert man 150 Jahre Wintertourismus im Engadin? ARIANE EHRAT: Wir freuen uns über diese lange Tradition im Wintertourismus, nutzen die Vergangenheit aber vor allem dazu, an die Pioniertaten früherer Zeiten anzuknüpfen und davon zu lernen. Es geht uns mit diesem Jubiläum darum, mehr Mut im touristischen Bereich zu entwickeln. So wie es unsere Pioniere des Wintertourismus vorgezeigt haben. Ein zentraler Punkt ist beispielsweise, dass wir das Dorfzentrum von St. Moritz wieder lebendiger gestalten wollen. Urlaubsgäste und Einheimische sollen das Dorfzentrum beleben und dafür die entsprechenden

Anreize bekommen. So wird es in Kürze ein Sie-und-Er-Skirennen geben, das wie vor 30 Jahren mitten im Dorf endet, um nur ein Beispiel zu nennen. Was bedeutet der Mut der Pioniere für Sie als Tourismusdirektorin noch? Aktuell ist natürlich die Situation rund um den Schweizer Franken eine große Herausforderung für uns. Aber nicht nur deshalb ist es für uns wichtig, neue Märkte zu erschließen. Neben unseren Hauptmärkten – Schweiz, Deutschland, Italien – steht bei uns bereits seit einigen Jahren die Pflege von Märkten wie Russland, UK oder die Benelux-Staaten wie auch die Bearbeitung von neuen Märkten wie den Golfstaaten, China, Indien oder Brasilien ganz oben auf der Agenda.

Was kann man diesen Fernmärkten bieten? Ich glaube, es geht vor allem darum, dass der urbanen Bevölkerung weltweit die Naturerfahrung immer mehr fehlt. Und das können wir perfekt anbieten. Engadin St. Moritz hat den Komfort, den diese Schicht erwartet, und kann gleichzeitig die Natur stärker in das touristische Angebot einbinden. Ein Stichwort ist hier: Wellness in und durch intakte Natur. Welches Alleinstellungsmerkmal hat das Engadin und vor allem St. Moritz? Unser USP ist das Spiel mit dem Glamourösen, eingebettet in eine archaische Natur. Gerade St. Moritz steht für einen Kontrastreichtum, der es einzigartig macht:


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Luxussegment. St. Moritz hat in seiner 150-jährigen Wintersportgeschichte geschickt mit Glamour in Verbindung mit der Bergkulisse gespielt.

Hier findet man die Grand-Hotellerie, das sportliche Erbe, die hochalpine Natur auf engstem Raum. Dieses Spielen mit Luxus und alpinem Flair beherrschen wir sehr gut. Genau diese Kontraste wollen unsere Gäste erleben.

© ENGADIN ST. MORITZ

Ein Blick nach Tirol und Österreich: Welche Stärken sehen Sie beim österreichischen Mitbewerber? Das größte Plus ist sicherlich die authentische Gastfreundschaft. Wir hören schon manchmal auf den Märkten, dass die Österreicher

Die Ski-WM in Vail ist noch in unseren Köpfen. In zwei Jahren kommt dieses sportliche Großereignis nach St. Moritz. Wie laufen die Vorbereitungen? Darüber bin ich sehr glücklich. Wir erleben derzeit ein starkes Gemeinschaftsgefühl im gesamten Engadin. Wenn man die Leute auf der Straße fragt, dann identifizieren sie sich bereits jetzt zu tausend Prozent mit der Ski-WM. Die Weltmeisterschaft ist ein Anlass, um Investitionen zu tätigen – und das merken wir jetzt in der gesamten Tourismusbranche. Es ist aber auch ein

„St. Moritz steht für einen Kontrastreichtum, der es einzigartig macht: Hier findet man die Grand-Hotellerie, das sportliche Erbe, die hochalpine Natur auf engstem Raum.“ ARIANE EHRAT, CEO ENGADIN ST. MORITZ TOURISMUS

einfach freundlicher sind. Hier arbeiten wir als Touristiker zusammen, um das Prinzip der Gastfreundschaft für uns noch bewusster umzusetzen. Mit dem Image der herzlichen Gastgeber hat Tirol international einen großen Bonus.

volkswirtschaftlicher Motor, um neue Investoren zu einem Aufbruch zu bewegen. Als ehemalige Skirennläuferin freue ich mich auf tolle Skirennen. Dass wir gut vorbereitet sind, haben vor kurzem die Damenrennen in St. Moritz schon gezeigt.

2006/2007 haben die Bürger des Engadins darüber abgestimmt, die Tourismusdestination „Engadin St. Moritz“ zu gründen – ein Zusammenschluss aus elf Kreisgemeinden. Was hat diese Entwicklung gebracht? Wir arbeiten in der Destination weiterhin mit zwei Marken. Der Zusammenschluss hat folgende Wirkung: Wir konnten die Marke St. Moritz im Luxussegment noch mehr stärken. Die Marke Engadin ermöglicht uns, mit sehr viel Qualität in die breite Masse zu gehen – also zum Beispiel in das Segment der Dreiund Vier-Sterne-Hotellerie. In diesem Zusammenspiel hat die gesamte Destination sehr profitiert. Selbstkritisch sage ich aber dazu, dass es nach wie vor ein intensiver Weg ist, diesen Destinationsgedanken allen glaubhaft zu kommunizieren. Wie gehen Sie mit dem Image der Hochpreisigkeit um? Die Situation ist derzeit herausfordernd. Dennoch ist gerade die Marke St. Moritz in den Köpfen der Menschen als einer jener Orte in den Alpen verankert, den man einmal besucht haben muss. Damit das so bleibt, beweisen wir Innovation mit Angeboten wie den Mountainbike-Flowtrails „Bergbahnen inklusiv“ oder „Hotel und Skipass“ und schauen zuversichtlich in die Zukunft. Vielen Dank für das Gespräch.

150 JAHRE WINTER

Der Sommertourismus lief in St. Moritz bereits auf Hochtouren, als Johannes Badrutt im Herbst 1864 mit vier englischen Gästen wettete, sie würden auch im Winter hemdsärmelig auf seiner Terrasse die milde Engadiner Sonne genießen können. Andernfalls übernehme er die Reisekosten. Also kamen die Engländer zu Weihnachten ins Oberengadin – und reisten nach Ostern wieder heim. Braungebrannt und erholt. Der Grundstein für den Wintertourismus in den Alpen war gelegt. Heute verzeichnet die Destination Engadin St. Moritz pro Winter rund 2,3 Millionen Nächtigungen, verfügt über 157 Hotels und ca. 1.900 Ferienwohnungen.

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36 MAGAZIN SAISON

© EMANUEL KASER

„Schlachtfeld Piste“ ade!

S

chlachtfeld Piste“, so lautete die Schlagzeile vom Magazin „News“ noch im März 2010. Solche und ähnliche Schlagzeilen dominierten in den vergangenen 20 Jahren die Berichte über den Skisport. Nicht weiter verwunderlich, dass man zum Schluss kommen musste, dass Skifahren tatsächlich ein höchst riskanter Sport ist. Tragische Unfälle, wie der tödliche Zusammenstoß eines bekannten deutschen Politikers mit einer Skifahrerin oder der schwere Unfall von Michael Schumacher vor einem Jahr, trugen auch nicht zu einer Beruhigung bei – im Gegenteil: Sie lassen die Diskussion um die Sicherheit des Skisports immer wieder aufflammen. Ist Ski- oder Snowboardfahren also ein Hochrisikosport? Nein, sagt dazu Univ.-Prof. DDr. Martin Burtscher, seines Zeichens Sportwissenschaftler und Mediziner an der Universität Innsbruck und seit Jahren Experte in der Unfallprävention. „Das Verletzungsrisiko beim Skifahren ist vergleichbar mit anderen Freizeitsportarten wie Wandern, Radfahren, Langlaufen oder Schwimmen. Heute kommt weniger als eine Verletzung auf 1.000 Skitage. Das würde bei zehn Skitagen pro Jahr eine Verletzung in 100 Jahren bedeuten. Die hohen Zahlen von Verletzten in Österreich können durch die vielen Skifahrer erklärt werden. Wir zählen jährlich 50 Millionen Skitage!“

Am Material getüftelt. Dass Skifahren mit einem gewissen Verletzungsrisiko behaftet ist, darüber waren sich die Experten schon bald im Klaren. Deshalb wurde

Das Verletzungsrisiko beim Skifahren ist nicht mehr größer als bei Freizeitsportarten wie Wandern oder Radfahren. G A S T K O M M E N TA R V O N R E N AT E S O M M E R S A C H E R

von Anfang an an Verbesserungen des Materials getüftelt. Die Seitenauslösung bei der Bindung war diesbezüglich ein Meilenstein in der Entwicklung – wie auch vermeintlich einfache Dinge wie ergonomische Handgriffe bei den Stöcken, die den sogenannten „Skidaumen“ vermeiden helfen. Es gab natürlich auch Fehlentwicklungen, wie den zu hohen Stiefelschaft, der Schuhrandprellungen oder Schienbeinverletzungen begünstigte. Parallel dazu wurden die Pistenregeln formuliert, um ein harmonisches Miteinander beim Abfahren zu gewährleisten. All diese Maßnahmen führten zu einem regelmäßigen Sinken der Pistenunfälle. Das zeigt ganz einprägsam die Statistik der ASU (deutsche Auswertungsstelle für Skiunfälle), die erstmals in der Wintersaison 1979/80 gemacht wurde (s. Grafik S. 37). Aber Skifahren entwickelte sich zum Massenphänomen. Bald waren Millionen (!) Skifahrer pro Saison in den Skigebieten unterwegs. So war es für alle Beteiligten ein Schock, als die Ergebnisse der bisher – auch weltweit – größten Skiunfallerhebung 1993/94 (im Auftrag des ÖSV mit finanzieller Unterstützung des damaligen Ministeriums für Gesundheit und Sport) bekannt wurden. Plötzlich war von 80.000 bis 90.000 Skiverletzten die Rede – absolut gesehen eine unglaublich hohe Zahl und für alle am Skisport Beteiligten ein Schock. Damals kam auch die Schlagzeile vom „Schlachtfeld Piste“ auf. Die Erfindung des künstlichen Schnees bildete ein weiteres Feld für negative Schlagzeilen.

Spätestens da war allen Betroffenen im Umfeld des Skisports klar, dass dringend Maßnahmen getroffen werden mussten, um das Image des Skisports zu heben. Die Aufklärungskampagne, dass mechanischer Schnee nur aus Wasser und Kälte besteht, hat funktioniert. Heute gibt es kein Skigebiet mehr, das ohne Beschneiung betrieben wird – das hat auch wesentlich zur Verbesserung der Pisten beigetragen. Sie sind besser präpariert und abgesichert als je zuvor.

Errungenschaften.

Auch das Umfeld hat sich geändert. Immer öfter transportieren Gondeln mit Sitzplätzen die Skifahrer. Die Sessellifte wurden mit den sogenannten „bubbles“ teilweise sogar schon mit Sitzheizungen ausgestattet. Alles Errungenschaften, die dazu beitragen, dass man sich am Lift ausruhen kann und nicht mehr friert. Denn Kälte – das weiß jeder Sportler – schadet der Muskulatur und macht sie verletzungsanfällig. Außerdem gibt es kaum mehr Drängeleien am Lift, was sicher auch hilft, den Stress der Skifahrer zu verringern. Als ein Glücksfall erwies sich die Erfindung des Carverskis. Wurde das Carven anfangs noch als gefährliche Skitechnik verteufelt, so stellte sich schnell heraus, dass das Fahren mit den kürzeren und drehfreudigeren Skiern wesentlich einfacher ist. Und das richtige Carven, also das Kurvenschneiden, beherrschen ohnehin nur sehr gute Skifahrer. Für alle anderen ist das Skifahren einfach leichter geworden und – wesentlich weniger verletzungsan-


37 Entwicklung der Verletzten im alpinen Skisport Verletzte/1.000 Skifahrer im Vergleich zur Basissaison 1979/80 (= 100 %) 100 % 80 60 *

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2012/13

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Saison * deutlicher Rückgang der gefahrenen Pistenkilometer durch schlechte Schneeverhältnisse

fällig. Auch die Helmtragequote hat sich stark verbessert. Kinder und Jugendliche tragen inzwischen fast ausnahmslos einen Helm. Bei den Erwachsenen sind es fast nur mehr ältere Skifahrer, die auf den Helm verzichten.

Hauptrisikofaktor Skifahrer. Dieses skifahrerische Gesamtpaket hat dazu geführt, dass das Verletzungsrisiko beim Skifahren noch nie so gering war wie jetzt. Trotzdem – nach wie vor gibt es viele Verletzungen, und natürlich ist jeder Unfall einer zu viel! Dabei ist der Hauptrisikofaktor der Skifahrer selbst. Mangelnde Vorbereitung, Konditionsschwäche, Übermüdung – oft durch Restalkohol –, schlecht gewartetes Material, Leichtsinn und Selbstüberschätzung sind nach wie vor die häufigsten Ursachen für Verletzungen. Zumeist sind Stürze die Verursacher. Besonders häufig stürzen Kinder und jüngere Menschen bis 30. Allerdings sind sie auch die sportlich aktivste Gruppe und dadurch wesentlich weniger verletzungsgefährdet als ältere Skifahrer, die Stürze möglichst vermeiden sollten. Interessant ist, dass das Verletzungsmuster bei den Skifahrern in den letzten Jahren praktisch unverändert geblieben ist. Männer verletzen sich häufiger im Schulterbereich, Frauen am Knie. Wobei das weibliche Knie besonders verletzungsanfällig ist. Die Gründe dafür sind vielfältig und auch wissenschaftlich noch nicht ganz geklärt: ein weicheres Gewebe, eine schwächere Muskulatur, eine defensive Skihaltung, eventu-

ell eine zu strenge Bindungseinstellung. Bei einem Pilotprojekt, das vor einigen Jahren in Sölden durchgeführt worden ist, zeigte sich, dass spezifische Maßnahmen wie Gymnastikübungen zur Vorbereitung, Aufwärmen vor der ersten Pistenabfahrt, Pausen und Ähnliches wesentlich zu einer Verletzungsreduktion beigetragen haben. Aber das Thema beschäftigt die Experten. Derzeit testet eine Gruppe von Sportwissenschaftlern der Uni Innsbruck eine spezielle, „weibliche“ Bindungseinstellung. Auch bei den Snowboardern ist das Verletzungsrisiko gesunken. Handstützen und ergonomischere Snowboards haben da einen wesentlichen Beitrag geleistet. Auch hier gibt es geschlechtsspezifische Abweichungen im Verletzungsmuster. Bei Männern ist ebenfalls der Schulter- und Rückenbereich besonders gefährdet, Frauen verletzen sich dagegen häufiger am Arm. Das Kollisionsrisiko wird überschätzt. Es sind zwar immer mehr Skifahrer auf den Pisten, daher wird es immer enger und bei vielen steigt die Angst vor einem Zusammenstoß. Allerdings zeigt auch da die Statistik, dass ihre Zahl in den letzten Jahren mit maximal 10 Prozent gleich geblieben ist. Auf vollen Pisten passiert sogar weniger, vermutlich, weil die Skifahrer dann besser aufpassen.

Skifahren macht Spaß.

Was aber macht Skifahren so reizvoll? Bei all der Diskussion um Risikosport hin oder her wird kaum über das Phänomen berichtet, warum so viele Menschen dem Reiz dieses Sports

erliegen. Es muss ja einen Grund haben, warum man so gern Ski fährt. Inzwischen beschäftigen sich auch einige Sportwissenschafter und Psychologen mit diesem Thema. So wird der positive Effekt des Skifahrens – und da wird es wissenschaftlich – „… nicht nur der körperlichen Aktivität per se, sondern auch in besonderem Ausmaß den stimulierenden optischen und akustischen Eindrücken und klimatischen Reizen (Höhe, Kälte, Wind) zugeschrieben. Skifahren scheint dadurch auf komplexe Art und Weise die subjektive Vitalität (physische und psychische Energie) zu fördern“, so der Sportwissenschaftler und Mediziner Martin Burtscher. Übersetzt heißt das: Die frische Luft, der Fahrtwind, die Freude an der Bewegung machen einfach Spaß und gute Laune! Eine kürzlich durchgeführte Studie an Skifahrern, die den Skisport regelmäßig ausüben, zeigte zusätzlich markante Ergebnisse zum positiven gesundheitlichen Effekt des Skisports. Regelmäßiges Skifahren verringert Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen und Alzheimer. So gesehen also nichts wie auf die Piste! ×

ZUR PERSON Dr. Renate Sommersacher ist freie Journalistin, zuvor war sie über 20 Jahre in der Abteilung Breitensport des ÖSV tätig. Aktueller Schwerpunkt: intensive Zusammenarbeit mit dem Institut für Sportwissenschaften der Uni Innsbruck im Bereich Unfallstatistik und Unfallprävention.


38 MAGAZIN SAISON

© TIROL WERBUNG/ KLAUS KRANEBITTER

Kaunertal. Mit der richtigen Ausrüstung ist am Gletscher alles möglich. Die Region Kaunertal wurde für ihr barriefreies Angebot bereits mehrfach ausgezeichnet.

Urlaub ohne Hindernisse Ab Jänner 2016 müssen allgemein zugängliche Gebäude barrierefrei erreichbar sein. In Tirol besteht hier noch beträchtlicher Aufholbedarf – nicht zuletzt im Tourismus. Dabei steckt in der Barrierefreiheit großes Potenzial. V O N J A N E K AT H R E I N

W

issen Sie, was der größte Luxus ist für einen Menschen mit Einschränkungen?“, fragt Karl Hafele. „Reisen zu können.“ Jede Stufe sei ein Hindernis, nicht nur für den Rollstuhlfahrer. Karl Hafele betreibt das Viersternehotel Weißseespitze im Kaunertal. Vor 20 Jahren hat er mit dem Abbau von Barrieren begonnen, inspiriert von den vielen jungen Athleten mit Handicap, die am Gletscher in den 1980er- und 1990er-Jahren ihre Schwünge setzten. Diesen Traum des Reisens wollte er möglichst vielen Menschen mit eingeschränkter Mobilität ermöglichen. „Der Kaunertaler Gletscher ist bis zu seinem Einstieg gut mit dem Auto erreichbar. Die beiden Schlepplifte eignen sich vor allem auch für jene, die erst mit dem Skifahren beginnen“, erklärt sich Karl Hafele den frühen Boom im Kaunertal. Die Sportler behielt er als flexibel und improvisationsbereit im Gedächtnis. 1997 begann Familie Hafele mit der Planung und Umsetzung des barrierefreien Zuganges im Hotel Weißseespitze. Heute ist das Viersternehotel ein Vorzeigebetrieb und wird nicht nur von Rollstuhlfahrern gebucht. 30 von 74 Zimmern sind barrierefrei zugänglich, das gilt auch für die Garage, den Bar-Bereich, den Speiseraum und die Wellnessanlage. Im Outdoor-Programm setzt sich fort, was Karl Hafele als Luxus bezeichnet: Im Kauner-

tal gehen auch Rollstuhlfahrer auf Almwanderung und wählen dafür im Rolli-Roadbook aus 50 Routen aus. Mit der richtigen Ausrüstung sei alles möglich, sagt Karl Hafele.

Barrierefrei ab Jänner.

So unbeschwert wie der Kaunertaler sehen viele Tiroler Unternehmer die Umsetzung des barrierefreien Zuganges zurzeit nicht. Laut Bundesbehindertengleichstellungsgesetz müssen ab Jänner 2016 allgemein zugängliche Gebäude barrierefrei zugänglich sein. Dann endet die zehnjährige

DER BARRIEREFREIE MARKT IN STICHWORTEN

• 80 Mio. EU-Bürger haben eine Beeinträchtigung. • 86 Mio. EU-Bürger sind älter als 65 Jahre. (Eurostat 2011) • Die EU schätzt den potenziellen barrierefreien Tourismus-Markt in Europa auf 130 Mio. Menschen. • Mehr als die Hälfte aller mobilitäts- und wahrnehmungseingeschränkten Menschen in der EU verreisen pro Jahr mind. ein Mal, das macht pro Jahr 783 Mio. Tagestrips und längere Reisen. • Die Reisen älterer und beeinträchtigter Menschen generieren in der EU einen Gesamtumsatz von 786 Milliarden Euro pro Jahr.


Roadshow. Aufklärungsbedarf ortet auch die Tiroler Wirtschaftskammer. Bei einem Großteil der Betriebe sei das Thema noch nicht angekommen, weiß Sabine Pinggera aus der Fachgruppe Tourismus. Die Umsetzung sei für die Unternehmer mit einem großen Aufwand verbunden. Zudem seien noch viele Regelungen offen. Sie fordert daher effiziente und praktisch umsetzbare Bestimmungen und sucht Partner, wie Planer, Architekten und Handwerker, die Fachwissen mitbringen. Schon seit Beginn der Übergangsfrist vor neun Jahren beschäftige man sich in Tirol intensiv mit dem Thema, stellt Alois Schellhorn, Fachgruppe Handel, klar. Nicht nur der Abbau von baulichen Hindernissen stehe im Mittelpunkt, der vor allem in alten Ortskernen und Gebäuden mit Denkmalschutz schwierig zu realisieren sein wird. Ob Supermarktrechnung in Blindenschrift oder ein Leitsystem für Sehbehinderte in den ländlichen Gebieten, das Thema sei weitgreifend. Auch Alois Schellhorn sieht hier noch großen Aufklärungsbedarf. In Roadshows, die quer durch das Land Tirol führen, informieren Mitarbeiter der Wirtschaftskammer jetzt über Bedingungen und Umsetzungsmöglichkeiten. Mit Ende Februar soll dem Thema Barrierefrei auch auf der Internetseite www.wko.at eine eigene Rubrik gewidmet werden.

Großes Potenzial. Im Hotel Weißseespitze verbringen nicht nur Rollstuhlfahrer ihren Urlaub. Senioren buchen immer häufiger, ebenso Gäste, die nach einem Schlaganfall oder durch eine Erkrankung wie Multiple Sklerose ein stufenloses Urlaubsdomizil suchen. Karl Hafele spricht mit seinem Marketing inzwischen auch

© WWW.WEISSEESPITZE.COM / MULTIVIONSART

Übergangsfrist. Betroffen sind Hotels, Pensionen, Privatvermieter, der Handel sowie Dienstleister, weiß Florian Van der Bellen. In Zusammenarbeit mit einer Architektin und einem Sachverständigen berät er Unternehmer unter anderem bei der Umsetzung des barrierefreien Zuganges. „Die derzeitige Lage sieht so aus, dass es weit verstreute einzelne barrierefreie Musterbetriebe gibt.“ Das größte Problem, vor dem Unternehmer jetzt bei der Umsetzung des Bundesgesetzes stünden, sei der Mangel an Experten. Das Thema sei zu spät in die Umsetzung gekommen. Jetzt fehle es an den dafür ausgebildeten Fachleuten auch unter den Architekten, richtet Florian Van der Bellen seine Kritik auch an den Bildungsplan der Bundesregierung. Unternehmern rät er dazu, sich fachkundige Beratung zu holen, um nicht später böse und kostspielige Überraschungen zu erleben. Denn das Thema sei komplex, unter anderem auch weil die Vorgaben des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes weit über der Tiroler Bauordnung liegen. Nur Architekten und Sachverständige wüssten, wie die vorgeschriebenen Normen umzusetzen sein. In jedem Fall werde aber der Rahmen der Umsetzbarkeit überprüft, versucht Florian Van der Bellen auch zu beruhigen.

Stammgäste. Mobilitätseingeschränkte Menschen kommen gerne wieder und nutzen das Angebot auch in der Nebensaison. Mund-zu-Mund-Propaganda ist ein ideales Marketinginstrument. So auch die Erfahrungen aus dem Hotel Weißseespitze.

Selbsthilfegruppen an und hat damit einen europaweiten Trend erkannt. 80 Millionen Menschen in der Europäischen Union leben mit einer Beeinträchtigung, weiß die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte. Sie verreisen gerne und wenn sie das tun, dann mindestens einmal im Jahr. Begleitet werden sie von ihrer Familie, Freunden oder Kollegen. Die Aufenthaltsdauer ist länger als die des durchschnittlichen Gastes und sie sind auch bereit, mehr für den Urlaub auszugeben. „Barrierefreiheit müsste eigentlich ein A-Thema im Tourismus sein“, wundert sich Florian Van der Bellen über das verhaltene Interesse in der Branche. Manche Betriebe in Tirol würden schon einige wenige barrierefreie Zimmer oder Appartements anbieten. Diese seien schon so gut gebucht, dass sich Hoteliers und Unternehmer heute ärgern, nicht gleich noch mehr barrierefreie Einheiten geschaffen zu haben. Van der Bellen sieht ein großes Potenzial, das momentan noch brach liegt. Kein Wunder: Die Menschen werden immer älter und wollen mobil bleiben. Mobilitätseingeschränkte Menschen sind treue Stammgäste und das Angebot ist auch in der Nebensaison interessant. Als Marketinginstrument funktioniert die Mund-zu-Mund-Propaganda ideal. Das Kaunertal gilt seit vielen Jahren als Aushängeschild für einen barrierefreien Urlaub und wurde mehrfach dafür ausgezeichnet. Nicht nur die Gäste, sondern auch die lokale Bevölkerung profitiert vom Abbau der Barrieren, wenn Geschäfte auch mit Kinderwagen erreichbar sind und der Weg zu den WC-Anlagen nicht mehr über enge Treppen in den Keller hinunter führt. ×

ANSPRECHPARTNER

in der Wirtschaftskammer Tirol Sabine Pinggera (Fachgruppe Hotellerie), Tel. 05 90 905 12 18 Alois Schellhorn (Sparte Handel), Tel. 05 90 905 12 99 www.wko.at


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© RUDI WYHLIDAL

SAISON

Frischer Wind Um Gästen etwas Außergewöhnliches zu bieten, sind Mut und Kreativität gefragt. SAISON stellt drei Betriebe vor, die mit Qualität und unterschiedlichen, innovativen Konzepten punkten.

© RUDI WYHLIDAL

V O N E VA-M A R I A H O T T E R

I

m Dezember 2013 öffnete das Gourmetrestaurant ice Q am Gaislachkogl in den Ötztaler Alpen auf 3.048 Metern Seehöhe seine Pforten. Die Grundidee: „Alpine Cuisine“ in innovativem Design – baulich wie kulinarisch. Die Ausrichtung der Küche ist modern, klassische Gerichte aus dem Alpenraum werden neu interpretiert. Als zusätzliches Angebot für die Gäste findet bis April jeden Mittwoch das „Summit Dinner“ mit Gourmetmenü, Weinbegleitung und Live-Musik statt. Gourmetkreationen in dieser Höhe sind kein leichtes Unterfan-

gen. „Wasser kocht aufgrund der Druckverhältnisse bereits ab 85 Grad Celsius, nach dem erreichten Siedepunkt erhöht sich die Temperatur nicht mehr weiter, was am Beginn eine Umstellung war“, erzählt Valentino Schwarz, Geschäftsführer des ice Q.

Design auf Permafrost. Die Architektur ist futuristisch modern und erinnert an gestapelte Eiswürfel. „Unser Gedanke war dabei, dass sich der Kubus durch seine transparente Glasfassade harmonisch und leicht in die Landschaft einfügt“, erklärt

Schwarz. Der zum Teil auftauende Permafrostboden und die dadurch einhergehende Instabilität des Untergrundes stellte Architekt Obermoser anfänglich vor Herausforderungen. Die Lösung: ein Fundament auf drei Stelzen, das je nach Bedarf hydraulisch angepasst werden kann. Die Realisierung des Projekts erfolgte dann innerhalb von nur sechs Monaten. Neben dem Gourmetrestaurant befindet sich im ice Q auch eine Wein- und Tapas-Lounge mit kleineren Gerichten sowie im obersten der vier Stockwerke eine Dachterrasse, von dort führt eine Hängebrücke zum


GENUSS ÜBER 3.000 METERN Direkte Verbindung. Das ice Q am Gaislachkogl ist sowohl mit der hochmodernen Bergstation verbunden als auch mit dem Gipfel.

Alpine Cuisine. Klassische Gerichte aus dem Alpenraum neu interpretiert

„Unser Gedanke war dabei, dass sich der Kubus durch seine transparente Glasfassade harmonisch und leicht in die Landschaft einfügt.“ VALENTINO SCHWARZ, RESTAURANTLEITER

angrenzenden Gipfel. Auch die Bergstation der Gaislachkoglbahn ist direkt durch einen Tunnel mit dem Restaurant verbunden. Das gesamte Bauwerk ist barrierefrei und somit für Rollstuhlfahrer geeignet. Insgesamt bietet der moderne Bau 100 Innen- und 70 Terrassenplätze – stets mit Blick auf die umliegenden Dreitausender. Doch nicht nur Skifahrer besuchen das ice Q, viele kämen auch ohne sportliche Ambitionen, einfach zum Genießen des Bergpanoramas und der Kulinarik, so Schwarz. Vorzüge, von denen sich im Übrigen auch die Zuseher des nächsten

James-Bond-Films überzeugen werden können, spielte das ice Q bei den Dreharbeiten im Ötztal doch eine tragende Rolle.

Hohe Weinkultur.

Über 100 Angebote umfasst die Weinkarte. In Kooperation mit renommierten Winzern des österreichischen Weingutes Paul Achs, der Südtiroler Kellerei St. Pauls und des deutschen Weingutes Dr. Heger entstand aus den jeweils besten Pinot Noirs der „Drei-Länder-Wein“ Pino 3000. In sechs Barrique-Eichenfässern reift er im hauseigenen Weinkeller auf 3.048 Metern. ×


Richard Hirschhuber (3. v. l.) gemeinsam mit dem Barteam

42 MAGAZIN SAISON

„Im Gegensatz zu Whisky ist Gin und sein Potenzial über die Jahre in Vergessenheit geraten, deshalb fiel die Wahl auf Gin.“ MARTIN GASTEIGER, GASTRONOMISCHER LEITER

FASZINATION GIN fuhr 2013 eine Wiederbelebung durch das innovative Bar-Konzept von Chef Richard Hirschhuber und dem gastronomischen Leiter Martin Gasteiger.

© FRANZ OSS, THOMAS WEHNINGER

Weltrekord. „Der Guinness-Buch-Ein-

Bunte Vielfalt. Die Fülle an Gin im Stollen 1930 ist groß – geschmacklich wie optisch.

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er Stollen 1930 befindet sich nahe dem zugehörigen Traditionsgasthaus Auracher Löchl im Zentrum Kufsteins, am Fuße des Festungsberges. Der Eingang ist unauffällig und schlicht gehalten – kein Zufall, denn das Konzept ist eine Speakeasy-Bar, entstanden in Anlehnung an die amerikanische Prohibition der 1930er-Jahre. Damals traf man

trag für 527 Ginsorten ist bereits beantragt und sollte demnächst offiziell bestätigt werden“, erzählt Hirschhuber. Seit dem Einreichen des Weltrekords wächst das Gin-Sortiment weiter und weiter, aktuell auf 547 verschiedene Sorten. Die Vielfalt findet durchnummeriert in der „Gin Gallery“ ihren Platz, der 90 Meter lange Stollen bietet dafür genügend Raum. Die Speakeasy-Bar lockt 365 Tage im Jahr von 18 bis 2 Uhr heimisches und internationales Publikum an. Interessierte können täglich ab 11 Uhr das „Gin Museum“ besichtigen. „Im Gegensatz zu Whisky sind Gin und sein Potenzial über die Jahre in Vergessenheit geraten, deshalb fiel die Wahl auf Gin. Man muss jedoch kein Gin-Liebhaber sein, um den Stollen zu besuchen. Unser Angebot beinhaltet viele andere Spirituosen wie Rum, Wodka, Whisky oder Cocktails“, erklärt Gasteiger den GinSchwerpunkt.

Das Team bloggt. Nicht nur im Lokal, sich im Untergrund, um dem verbotenen Genuss zu frönen. „Speakeasy“ bedeutet „leise sprechen“: eine Notwendigkeit, damit die geheimen Clubs auch geheim blieben. Das Motiv der 1930er-Jahre spiegelt sich in der Bar auch musikalisch mit Chansons aus dieser Zeit wider. Der Stollen, vor 600 Jahren in den Fels getrieben, um dort Eis für die Bierproduktion zu lagern, er-

sondern auch in der Bewerbung versucht man, besondere Wege zu beschreiten. Neben dem gängigen Webauftritt betreibt der Stollen 1930 gleich auch zwei Blogs. Das Stollen-Team postet regelmäßig die neuesten Angebote, Events und persönliche Porträts. Zudem liefert der zweite Blog dem interessierten Gast im Vorfeld Infos über die technischen Herstellungsverfahren sowie die vielseitigen CocktailKreationen. ×


© CHRISTIAN VORHOFER, JAN HANSER, KRISTALLHUETTE

SCHULTERSCHLUSS ZWISCHEN TRADITION UND MODERNE

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ie Kristallhütte auf 2.147 Metern im Skigebiet Hochzillertal bestreitet heuer bereits ihre elfte Wintersaison. Das Konzept: Eine neue, moderne Art der Skihütte triff t auf ein Lifestyle-Hotel und Qualität in Kombination mit DJ-Acts und Kunstausstellungen. „Wie der Beachclub am Meer, ist unsere Skihütte am Berg“, veranschaulicht Wirt Stefan Eder die Idee. Architektonisch ist die Hütte traditionell in Holz, der neue Anbau mit verspiegelten Fronten signalisiert Moderne und fügt sich spiegelnd in seine Umgebung ein. Dieser Kontrast – ein Widerspruch? Keineswegs. Das traditionelle Holzmotiv des Haupthauses setzt sich im Innenbereich fort, die Zimmer sind überwiegend puristisch in Lärchenholz gehalten.

Schritt für Schritt. Seit dem Start im Winter 2004 wurde die Umsetzung immer neu überdacht, weiterentwickelt und

auch wieder verändert. Nach drei Jahren Bestehen erweiterte man die Hütte um die Lounge, wo DJs seither unter freiem Himmel Stimmung verbreiten. Einige Jahre konnte man sogar in Iglus nächtigen. Stetige Innovation führte auch zur Erweiterung um einen Spa-Bereich im Jahr 2014. Diese Maßnahme intensivierte den bereits zuvor verfolgten Gedanken des Relaxens am Berg, denn Outdoor-Liegen, Wasserbetten und Whirlpool im Außenbereich laden schon seit jeher Gäste zum „Mountain-Watching“ ein. Sowohl Gäste als auch Einheimische wissen dies zu schätzen. Im öffentlichen Außenbereich genießen auch viele junge Leute auf Sitzsäcken die Bergkulisse.

Kunst und Kulinarik

am Berg. Stefan Eders Affinität zur Kunst ist es zu verdanken, dass es immer wieder wechselnde Ausstellungen in der Kristallhütte gibt. Eindrucksvolle Bilder, die sonst nur

Natur pur. Gebirgsketten spiegeln sich in der modernen Front. In der Kristallhütte kreiert Lärchenholz auf den Zimmern natürliches Ambiente.

ein kleiner Kreis Interessierter in Galerien bewundern könnte, hängen im Restaurant. Hier werden sie einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Nach jeder Ausstellung bleibt auch etwas zurück, berichtet Eder, so auch die imposante Stahl-Spinne des Künstlers Andreas Furtwängler vor der Kristallhütte. Zuletzt faszinierte die Kunst von Udo Lindenberg, aktuell sind Werke des urbanen Berliner Artists NOMAD zu bewundern. Um Abwechslung bemüht man sich auch in der Küche, die von traditionellem Kaiserschmarrn bis zu modernen Kreationen reicht – wobei bereits mittags Gourmetmenüs angeboten werden. „Für unsere Gäste bereiten wir auf Wunsch auch gluten- oder laktosefreie Gerichte zu. Auch auf Allergiker nehmen wir gerne Rücksicht“, erklärt Wirt Eder und ergänzt, dass diese Spezialisierung auf die gewachsenen Gästebedürfnisse notwendig sei, um wettbewerbsfähig zu bleiben. ×


© DOMINIQUE HUTER (5)

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Das Fremdenbuch aus Gries kam aus dem Altpapier in den Gedächtnisspeicher und war dort Ausgangspunkt für Forschungen zur Tourismusgeschichte.

Gesammelte Erinnerung Kaum eine Tiroler Region war von so gravierenden gesellschaftlichen Umwälzungen betroffen wie das Ötztal. Umso schwieriger ist es, eine Kontinuität der Erinnerung, ein „Gedächtnis des Tales“ zu bewahren. Diese Aufgabe erfüllt der Gedächtnisspeicher in Längenfeld seit 2013 mit großem Erfolg. VON ESTHER PIRCHNER

A

m Dienstag und Donnerstag Vormittag, wenn der Gedächtnisspeicher Ötztal offen hat, kommt gerne einmal eine Nachbarin „auf einen Ratscher“ vorbei. Andere, die in Oetz, Sölden oder Obergurgl wohnen, bringen vielleicht ein Erinnerungsstück, eine interessante Fotografie oder ein altes Buch mit und erzählen Ingeborg Schmid-Mummert, der Leiterin des Gedächtnisspeichers, was es mit dem zukünftigen Archivstück auf sich hat. Seit das Haus als Teil des Ötztaler Heimat- und Freilichtmuseums in Längenfeld-Lehn im Juni 2013 eröffnet wurde, hat sich im Ötztal – von Ambach bis nach Vent – herumgesprochen, dass hier Geschichte und Geschichten „gesammelt, bewahrt und zugänglich gemacht werden“, kurz: dass ein Ort des Austausches und der Begegnung geschaffen wurde.

Ein Haus voller Geschichte(n). Schon das „Schmidlas“-Haus im Längenfelder Ortsteil Lehn, in dem der Ge-

dächtnisspeicher untergebracht ist, ist geschichtsträchtig. In einer Region, in der vor allem mit Holz gebaut wurde, zählt es zu den wenigen historischen Steinhäusern. Der älteste Raum datiert aus der Zeit um 1470, danach wurde das Haus immer wieder verändert, neue Bauteile kamen dazu, es wurde mit zwei Zugängen erschlossen – auch das höchst ungewöhnlich für das Ötztal – und schließlich 2006 von Architekt Benedikt Gratl mit Respekt vor dem Bestand und Gespür für das Neue adaptiert. An dem Haus sehe man, erklärt Ingeborg Schmid-Mummert bei einer Führung durch die alten und neuen Räume, dass es nicht nur den einen gültigen Ist-Stand gebe, sondern dass auch Bauernhäuser den Moden ihrer Zeit unterworfen waren.

Begegnungen „Unter Dach“. Nicht nur weil das Haus die Veränderungen der Zeitläufte zeigt, ist der Gedächtnisspeicher hier gut aufgehoben. Die Räumlichkeiten beherbergen zum

einen ein sorgsam geführtes Archiv mit Büchern, Fotografien und Videos, das neben anderen die als Leihgabe von „Pro Vita Alpina“ hier situierte Sammlung Hans und Gerlinde Haid umfasst, und ein begehbares Bibliotheksmöbel mit aktuellen Publikationen. Zum anderen sind sie Begegnungs- und Erinnerungsort für die Menschen im Tal. Das zeigt sich räumlich an den gemütlichen Stuben und einem großen modernen Raum „Unter Dach“, der mit flexibel einsetzbarem Mobiliar für Gespräche in kleinen Gruppen ebenso geeignet ist wie für Veranstaltungen mit mehreren Dutzend Besuchern.

Auf der „Ofnbonk“.

Für die immaterielle Arbeit des Gedächtnisspeichers hat Ingeborg Schmid-Mummert zwei Formate entwickelt, das „Ofnbonkpalaver“ und die „Begegnung im Gedächtnisspeicher“. Im Zentrum des Ofnbonkpalavers stehen die Materialien, die im bäuerlichen Ötztal verwendet wurden, und das damit verbundene Handwerk. Es gibt jeweils


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Im Archiv lagern Bücher, Zeitschriften, Fotos und Filme aus dem und über das Ötztal.

einen kurzen Vortrag eines Fachmanns – zu Gast waren beispielsweise der Imster Schmied Pepi Niederbacher und der Landesinnungsmeister der Hafner, Erich Moser –, auch die wissenschaftliche oder künstlerische Sicht findet Platz. Vor allem aber sind die Ötztaler am Wort und erzählen, was ihnen zum Thema einfällt. Von Familiengeschichten ist da die Rede und von Handwerkstechniken, von regionalen Besonderheiten und sogar von einer Wette. Die Ofnbonkpalaver sind gemütliche Abende und zugleich wichtige Forschungsquellen, geht es doch zuallererst darum, das Gedächtnis des Tales zu bewahren. Alle Gespräche rund um den „Ofn“ werden von Ingeborg SchmidMummert aufgezeichnet, transkribiert und archiviert. Ganz nebenbei wächst so auch das Wissen zur seit 2010 als Immaterielles Kulturerbe von der UNESCO geschützten Ötztaler Mundart.

Fragen und forschen.

Gesammelt und aufgezeichnet wird auch bei der „Begegnung im Gedächtnisspeicher“, die ganz der Erinnerung – und der Vielfalt von Erinnerung – gewidmet ist. Fast zufällig ergab sich schon vor der Eröffnung des Gedächtnisspeichers das erste Thema, jenes der Bauernkinder, die zum Arbeiten ins Schwabenland geschickt wurden. Die Begegnung mit dem Autor Elmar Bereuter – von ihm stammt der Roman „Die Schwabenkinder“ –, gab für Ingeborg Schmid-Mummert den Anstoß, im Tal genauer nachzufragen und schließlich

zwei Erinnerungsstränge zu entdecken: Dass es dieses Phänomen aus verschiedensten Gründen im Ötztal nicht gegeben habe, erzählten die einen, von ehemaligen Schwabenkindern in ihren Familien oder der Nachbarschaft wussten die anderen. Im Idealfall führen solche voneinander abweichenden Erinnerungen dazu, dass im Ötztal weitergeforscht wird und neue Erkenntnisse auch wieder in den Gedächtnisspeicher hereingetragen werden – so wie das ganze Projekt auf Vernetzung und Austausch, auf die größeren Zusammenhänge ausgerichtet ist. Indem oft unscheinbare Dinge und Informationen zusammengetragen werden, füllen sich die weißen Flecken im Gedächtnis des Tales: So konnte rund um das Fremdenbuch des Widums in Gries im Sulztal, das Bauhofmitarbeiter aus dem Altpapier gefischt hatten, mit alten Postkarten und Recherchen in Alpenvereinspublikationen ein Stück Ötztaler Tourismus- und Baugeschichte rekonstruiert werden.

Eine Anlaufstelle für alle.

Benötigt wird solches Wissen nicht nur für Ausstellungen oder Vortragsabende im Gedächtnisspeicher selbst, sondern auch für die zahlreichen Anfragen aus dem Tal und weit darüber hinaus. Für Menschen auf den Spuren ihrer Familiengeschichte, Museen, wissenschaftliche Einrichtungen und Forschungsinstitutionen, aber auch für Touristen, die sich für Volkskundliches aus dem Ötztal interessieren, ist der Gedächtnisspeicher Anlaufstelle. In vielen Fällen kann Ingeborg Schmid-Mummert Auskunft geben oder zumindest Hinweise darauf, wo Informationen oder Materialien zu finden sind. Dabei erfährt sie oft selbst wieder ein Stückchen mehr vom Tal und seinen Menschen – Wissen, das so erhalten bleibt und auch künftigen Generationen noch von Nutzen ist. ×

GEDÄCHTNISSPEICHER ÖTZTAL Ötztaler Heimat- und Freilichtmuseum in Längenfeld-Lehn www.gedächtnisspeicher-ötztal.at geöffnet Di und Do, 9–12 h, und nach Vereinbarung

SAISON

MAGAZIN

„Ein offener Begegnungsort“ Für die Volkskundlerin und Romanistin Ingeborg SchmidMummert führte der Weg übers Alpenvereinmuseum und die Alpenkonvention in den Gedächtnisspeicher Ötztal. Seit zwei Jahren füllt sie das „Gedächtnis des Tales“ mit Erinnerungen.

S

AISON: Frau Schmid-Mummert, was ist ein Gedächtnisspeicher? INGEBORG SCHMIDMUMMERT: Im Wesentlichen handelt es sich um ein Archiv, das die gegenwärtigen, vergangenen und vielleicht auch zukünftigen Wahrheiten des Ötztals einfängt. Das bezieht sich auf Archivalien, aber auch auf das, was noch keinen schriftlichen Niederschlag gefunden hat. Wie sammelt man Nicht-Verschriftlichtes? Das passiert möglichst im Austausch. Wenn jemand ein Objekt bringt, bekommt es nicht nur seine Nummer und seine Schachtel, sondern ich zeichne auch die Erinnerung drum herum auf. Und die ist dann für andere zugänglich? Ja, meine Wunschvorstellung ist ein Ort, in den man Geschichten hineinträgt – und andere wieder herausnimmt, ein offener Begegnungsort, den man gerne besucht. Vielen Dank für das Gespräch.

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14 Bauernhöfe und andere historische Gebäude warten im Museum Tiroler Bauernhöfe auf Besucher. In Ordnung gehalten und repariert werden sie auch im Winter.

Werken fürs Museum Damit sich am Palmsonntag, wenn die ersten Besucher kommen, das Museum Tiroler Bauernhöfe in Kramsach wieder in seiner ganzen Pracht zeigt, wird im Winter fleißig gearbeitet. Hinter den Kulissen herrscht – in Werkstatt und Büro – reger Betrieb.

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as Museum Tiroler Bauernhöfe liegt unter einer dicken Schneedecke, als wir ihm Anfang Februar einen Besuch abstatten. Verschneite Wege, ein leerer Parkplatz und versperrte Höfe zeigen es deutlich: Hier herrscht Winterruhe. „Wir werden immer wieder gefragt“, erzählt der wissenschaftliche Leiter Thomas Bertagnolli, der uns beim Verwaltungsgebäude empfängt, „was wir im Winter eigentlich machen.“ Dabei sei es so ähnlich wie im Haushalt, da merke man auch nur, wenn etwas in Unordnung sei, „aber dass es g’richt’ ist, ist normal“. Man muss sich nur umsehen, um sich vorstellen zu können, was Bertagnolli meint: Umgeben von Wiesen und einem Wald stehen hier 14 Höfe aus allen Talschaften Tirols, ein Wirtshaus und eine Mühle, eine Säge und eine Schmiede. Dazu kommt eine ganze Reihe von kleinen Nebengebäuden vom Brotbackofen über die Kapelle bis zum Schupfen und zur Badestube.

Holz als Baustoff. Abgesehen von den steinernen Fundamenten bzw. dem Erdgeschoß ist bei vielen Höfen das meiste aus Holz: Dächer, Dachrinnen, Verkleidungen, Zäune, Türen und Fenster, Täfelungen und Möbel, Haushaltsgeräte und anderes Handwerkszeug. Balkone sind mit Schnitzereien, Fassaden mit Malereien geschmückt. Und fast alles ist – das liegt in der Natur eines Freilichtmuseums – das ganze Jahr über Wind und Wetter ausgesetzt. Laufend müssen Teile der Häuser repariert oder erneuert werden,

und auch auf den Wiesen, in den Gärten und im Wald gibt es immer etwas zu tun. Mit Bertagnolli fahren wir vorbei an den Höfen und ein Stück in den Wald hinein bis zur Werkstatt, die am anderen Ende des Museumsareals liegt. Hier arbeiten sommers wie winters die beiden Zimmerer Manfred Mayer und Martin Werlberger. Nur Ausbesserungen am Mauerwerk, Metallarbeiten oder Malereien werden von externen Firmen erledigt. Zurzeit sind Mayer und Werlberger noch mit der Aufarbeitung der Schäden beschäftigt, die der Sturm Mitte Oktober im Museum angerichtet hat. Ein großer Teil dieser Arbeit betriff t die Dächer. Die meisten historischen Gebäude im Museum Tiroler Bauernhöfe sind mit Legschindeln gedeckt, die Schindeln werden also nicht angenagelt, sondern in Schichten aufgelegt und durch das Gewicht von darübergelegten Stangen und Steinen fixiert. Fährt der Sturm hinein, lockert sich eine Legschindel leichter als eine genagelte – für Häuser in windreichen Tälern wie dem Ötztal, dem Pitztal oder dem Paznauntal ist diese Technik des Dachdeckens also nicht geeignet. Wie viel Arbeit allein im Museum Tiroler Bauernhöfe an den Dächern zu tun ist, umreißt Manfred Mayer: „2.000 Quadratmeter Dach müssen jedes Jahr neu gedeckt werden“, nicht nur wegen der Sturmschäden, wie Thomas Bertagnolli ergänzt. Die dem Wetter ausgesetzte Seite der Lärchenschindeln hält rund vier Jahre, danach werden faule Teile weggeschnitten und die Schindeln gewendet. Noch zwei Mal kann dieser Vorgang wiederholt werden,

© EMANUEL KASER (4)

VON ES THER PIRCHNER

erst nach insgesamt 16 Jahren muss das Dach komplett neu gedeckt werden.

Gute Vorbereitung. Durchgeführt können diese Arbeiten erst wieder werden, wenn es warm und trocken ist, bei Feuchtigkeit sind die Dächer so rutschig, dass Bertagnolli auch schon die Bergrettung zum Anseilen organisieren musste. Deshalb werden im Winter die Schindeln und andere Holzteile für spätere Arbeiten vorbereitet. Das Lärchenholz, das sich wegen seines Harzreichtums für Innenausbauten und zum Heizen weniger gut eignet, aber dafür wetterbeständig ist, wird geschnitten, Schindeln werden gespalten und diese bis zum Frühjahr bei der Werkstatt gelagert. Ein Blick ins Lager verrät, dass es mit den Dächern allein nicht getan ist: Hier liegen nicht nur Bretter und Kanthölzer sowie Lattenroste zum Schutz der Fußböden, sondern auch die vorbereiteten Teile einer Stubendecke, die wegen eines Wassereintritts ersetzt werden muss. Das imposanteste Werkstück – es hätte weder im Lager noch im Werkraum Platz – hängt


47 MAGAZIN SAISON

Holzarbeiten machen den Hauptteil der winterlichen Handwerkstätigkeit aus, darunter die Herstellung von Dachschindeln und Zaunteilen.

„Die Menschen früher haben beim Bauen immer schauen müssen, welche Materialien es in der Umgebung gegeben hat, deshalb findet man in den einen Regionen mehr Steinhäuser, in den anderen mehr Holzbauten.“ THOMAS BERTAGNOLLI, WISSENSCHAFTLICHER LEITER DES MUSEUMS TIROLER BAUERNHÖFE

außen unter dem Dachvorsprung an der Wand: eine Dachrinne aus Holz. Bis zu 21 Meter lang sind solche Dachrinnen. Ist eine zu ersetzen, dann gehen Mayer und Werlberger in den Wald und fällen eine gerade gewachsene Fichte oder Tanne, entasten, entrinden, halbieren sie und höhlen die Teile mithilfe der Motorsäge aus, eine Arbeit, die viel Geschick erfordert.

Altes Wissen, moderne Technik. Überhaupt wird das Holzhandwerk heute fast ausschließlich mit modernen Geräten erledigt, weil die alten Techniken zu unrentabel sind. Ein reiches Wissen darüber, wie die Arbeiten in den verschiedenen Talschaften erledigt wurden und wie das Endergebnis auszusehen hat, brauchen die Zimmerleute trotzdem. Und damit dieses nicht verloren geht, wird es von einem Handwerker zum anderen weitergegeben – über die Generationen, aber auch im Rahmen von Kursen. Ein Beispiel für die Erhaltung alter Kulturtechniken ist die Herstellung und Reparatur von Zäunen. 18 verschiedene kann man im Museum Tiroler Bauernhöfe

besichtigen, jeweils passend zu dem Hof, vor dem sie stehen. Es gibt Zäune mit lauter vertikalen Hölzern, solche mit horizontalen und andere, bei denen das Holz schräg in den Boden gesteckt wird. Auch die dafür benötigten Hölzer wie Steher und Stangen bereiten die Zimmerleute im Winter vor. Verbunden werden diese Teile durch Flechtungen oder – wie beim Zillertaler Stangenzaun – mit Zaunringen, für die Äste geflämmt und zurechtgebogen werden. Auf dem Land sieht man solche Zäune inzwischen nur mehr selten, zu aufwendig ist ihre Herstellung und Erhaltung. Umso wichtiger ist es, dass diese Techniken in Kramsach noch gepflegt werden.

Orientierungs- und Leitsystems, an der er seit zwei Jahren arbeitet. Im Haupthaus entstehen Schautafeln und eine Überblickskarte am Boden, die hilft, die Herkunft der Höfe und die Arbeiten bei der Translozierung besser zu verstehen. Informationsstelen und Kindermitmachstationen – etwa zu den Themen Melken, Kleidung oder Essen – sind Elemente, die im gesamten Areal zu finden sind. Die handwerklichen Arbeiten bei der Erstellung des Leitsystems liegen zu einem guten Teil in den Händen von Manfred Mayer und Martin Werlberger – schließlich kommt als Material für die Stelen und anderen Teile ausschließlich Holz infrage. ×

Neue Wege finden.

Doch bei aller Traditionsverbundenheit muss ein heutiges Museum, vor allem in Bezug auf die Vermittlung, modernen Ansprüchen genügen. Das bedeutet für Thomas Bertagnolli nicht nur viel Vorarbeit in Bezug auf Veranstaltungen, Führungen, wissenschaftlichen Austausch und die Einladung von Handwerkern und Musikgruppen, sondern auch die Erstellung eines neuen

MUSEUM TIROLER BAUERNHÖFE, KRAMSACH Geöffnet: 29. 3. bis 31. 10. 2015, tägl. 9–17 h (März, April, Oktober) bzw. 9–18 h (Mai bis September) www.museum-tb.at


E N TG E LT L I C H E E I N S C H A LT U N G

Sicher, zuverlässig und bequem Der Spezialist für Flughafentransfer und Geschäftsführer des Tiroler Unternehmens Four Seasons Travel, Oliver Dold, im Gespräch

Herr Dold, die Wintersaison 2014/15 läuft auf vollen Touren – sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Saison zufrieden? Oliver Dold: Natürlich ist es jetzt noch zu früh, ein Résumé für die ganze Saison zu ziehen. Und doch können wir mehr als zufrieden sein. Wir haben auch in diesem neuen Jahr durchschnittlich eine 10%ige Steigerung der Passagierzahlen erreicht, selbst die Ankünfte rund um das orthodoxe Neujahr Anfang Jänner haben trotz der pessimistischen Prognosen zur Wirtschaftslage im ost- und zentraleuropäischen Raum wieder zugelegt. Hier lässt sich heuer beobachten, dass kundenseitig mehr auf den Preis bzw. auf die günstigere Buchungsklasse geachtet wird und der Trend zur individuellen Buchung über unsere Webpage durch die Reisenden selbst wieder anhält bzw. eine konstante Steigerung erfährt. Four Seasons befördert Gäste aus aller Welt – bemerken Sie hier andere Ansprüche als bei Ihren Tiroler Fahrgästen? Wie die Tiroler Fahrgäste schätzen auch unsere KundInnen aus dem Ausland den Service von Four Seasons. Pünktliche Abholung direkt an der Hotelrezeption, kostenloses Mineralwasser – seit Oktober übrigens ein Tiroler Wasser! – zuverlässige Anlieferung direkt an das Abfluggate und geringe Wartezeiten am Flughafen sprechen für uns. Vielleicht ist das Verständnis für die Routenwahl

bei unseren Tiroler Fahrgästen ausgeprägter, da jeder Einheimische natürlich weiß, dass die Autobahnen in Deutschland und Österreich im Winter vor allem am Wochenende bedingt durch An- und Abreisestaus und Witterungsverhältnisse häufig blockiert sind. Hier müssen wir unseren touristischen Gästen immer wieder den Grund für eine Streckenwahl über die uns bekannten Schleichwege erklären, erhalten dann aber auch entsprechend Lob für unseren zuverlässigen und bequemen Service. Komfort und Verlässlichkeit sind also durchaus die Erfolgsfaktoren Ihres Unternehmens? Natürlich. Es macht einfach einen großen Unterschied, ob ich ohne weitere Wege direkt zum Check-in gebracht werde bzw. bei der Anreise nach kurzer Wartezeit in Richtung Zieldestination unterwegs bin oder ob ich die An- und Abreise bei starkem Verkehr in winterlichen Bedingungen selbst durchführe. Die entsprechenden Parkplatzgebühren und die Kilometergeldkosten bzw. die Kosten für ein Mietfahrzeug kommen dann auch noch dazu. Auch die Reise per Bahn oder Fernlinienbus sollte man im Lichte der bereits erwähnten Staus und Witterungsverhältnisse sehen – bei einer geringfügigen Verspätung warten diese Anbieter leider nicht auf den Fahrgast. Hier denke man nur an die Verzögerungen an der Gepäckausgabe

nach der Landung – was im Falle wiederum stundenlange Wartezeit am Flughafen oder Bahnhof bedeuten kann. Bieten Sie auch in der Wintersaison Ausflugsfahrten an? Ja, die Kooperation mit den Pitztaler Gletscherbahnen führen wir auch in der Wintersaison 2014/15 fort. Mit dem Unterschied, dass ich als Kunde jetzt zwischen zwei Packages wählen kann, nämlich zum einen den gewohnten Tagesausflug auf die Wildspitze und zum anderen einen Skitag am Gletscher. Beides übrigens zum gleichen Preis. Ab dem Frühsommer 2015 kommen dann einige weitere Ausflugsziele dazu. Vielen Dank für das Gespräch.

FLUGHAFENTAXI

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49 KOMMENTARE SAISON

Die allergische Gesellschaft

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er schon einmal das Glück hatte, in einem vornehmen Restaurant die Kellner dabei zu bewundern, welche Geduld sie für ihre Gäste bei der Bestellung aufbringen, für den steht schon länger fest, dass das Essen immer weniger mit Genuss als vielmehr mit einer Selbstfeier zu tun hat, deren zentrales Schutzdogma die Allergie ist. Auf der Suche nach Gesundheit, tadelloser Figur, nachhaltiger Schönheit, wenn nicht Unsterblichkeit, und in der Meinung, die eigene Bedeutungslosigkeit werde getilgt, wenn man nur heikel genug sei, ist die Nahrungsaufnahme zu einem Schlachtfeld der Ideologien geworden, deren puritanische Verklemmtheit sich im abgrundtief Bösen des Schweinefleisches und in der Heiligmäßigkeit der Pute ebenso manifestiert wie in Unverträglichkeiten, die in 80 Prozent der Fälle niemals medizinisch abgeklärt wurden.

In der Meinung, die eigene Bedeutungslosigkeit werde getilgt, wenn man nur heikel genug sei, ist die Nahrungsaufnahme zu einem Schlachtfeld der Ideologien geworden. Dass die EU-Parlamentarier, die offenbar das schlechte Gewissen ob ihrer exorbitanten Gehälter und ihrer gleichzeitigen Bedeutungslosigkeit zu regulativer Hyperventilation treibt, der Ansicht sind, sie müssten solch kollektive Zwangsneurosen in die Allergenverordnung Nr. 1169/2011 gießen, beraubt das dereinst großartige Friedensprojekt Europa des letzten Charmes. Zumal erfahrene

Kollision

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VO N A LO I S S C H Ö P F

Ärzte wie etwa der F.-X.-Mayr-Spezialist Dr. Peter Gartner vom Gesundheitszentrum Parkhotel Igls die medizinische Sinnhaftigkeit der Maßnahme ohnehin anzweifeln. Aber unsere braven Wirtinnen und Wirte haben inzwischen auch das überstanden, ihre Speisekarten gehorsam mit geheimnisvollen Buchstaben verunziert und ihre Mitarbeiter geschult, auf dass die jüngste Gesetzeshysterie zu totem Recht absinken und man sich dem endgültigen und finalen Kampf gegen die Raucher widmen kann. Sollte der dann geschlagen sein und nur noch reine Luft die Gasträume durchwehen, fehlt nur noch, dass Brüssel mittels einer Verordnung auch dafür Sorge trägt, dass beim abendlichen Tischgespräch keine unbotmäßigen Gedanken auftauchen. Denn auch die geistige Auseinandersetzung hat inzwischen, vergleichbar dem Essen, nicht mehr der Wahrheitsfindung und Aufklärung als vielmehr dem störungsfreien Wohlgefühl zu dienen. Die Idee eines John Stuart Mill, Freiheit bestehe darin, Meinungen zu ertragen, die man als unerträglich empfindet, hat der Grabesruhe der allergischen Gesellschaft zu weichen. Kein Ego soll mehr von Magengrimmen, falschen Gerüchen oder neuen Erkenntnissen dabei gestört werden, sich aus narzisstischer Selbstverliebtheit ins eigene Spiegelbild zu versenken und darin vor Langeweile umzukommen. × Alois Schöpf lebt als Journalist und Schriftsteller in Lans.

VON ERNS T MOLDEN

ie Wiener Semesterferien gehen zu Ende. Die Familie bespricht: Fahren wir am Samstag oder am Sonntag in die Hauptstadt zurück? Man wählt den Sonntag. So kann man noch einen Tag rodeln, und die meisten fahren eh am Samstag. Am Sonntag kommt allerdings der Winter zurück, mit allem, was dazugehört: Schnee, Sturm, Verwehung. Im Familienwagen kriechen wir aus dem Tiroler Bergtal heraus, krabbeln durch das deutsche Eck, treffen nach Salzburg auf besseres Wetter und steigen aufs Gas. Dazwischen haben wir bereits das Völkerwanderungsmäßige auf den Tankstellen bemerkt. Menschen fahren in die Ferien, dürsten nach Erholung, strahlen erschöpfte Hast und höchste Eisenbahn aus. Andere Menschen sind zwar erholt, aber für Stress noch nicht geistesgegenwärtig genug. Beide Gruppen tendieren dazu, die Nerven zu verlieren. Migriert wird in alle Richtungen. Die halben Deutschen fahren nach Süden, die andere Hälfte kehrt nordwärts heim. Derweil fahren die Ungarn nach Westen, die Rumänen aber schon wieder zurück. Und selbst der Inländer, dessen Semesterferien ja nicht homogen verteilt sind, strebt zeitgleich hin und her. Die ganze Situation hat etwas Geistesgestörtes. Über dem Alpenraum erhebt sich ein unsichtbarer babylonischer Turm, und alle irren darin herum. Aber wie gesagt: Nach Salzburg wird das Wetter besser. Schnell geht es dahin. Abendliche Sonne illuminiert das Oberösterreichische, dann das Mostviertel. Und auf einmal die Alarmblinker des Tschechen vor uns. Wir nähern uns, jäh abbremsend, einem Stau. Eine Rettungsgasse wird flugs und diszipliniert gebildet. Dann fahren sie hindurch: Nach zehn Ambulanzen und vier Feuerwehren

höre ich auf zu zählen, weil ich vor uns zwei Hubschrauber landen sehe. Was immer da passiert ist, ist kurz davor passiert, der Stau scheint noch kurz. Im Verkehrsfunk spricht ein erregter junger Mann von einer Massenkollision bei einer Ortschaft namens Oed, mehr als 50 Fahrzeuge sollen daran beteiligt sein. Gottlob keine Schwerverletzten, wie es aussieht. Viel später dürfen

Die ganze Situation hat etwas Geistesgestörtes. Über dem Alpenraum erhebt sich ein unsichtbarer babylonischer Turm, und alle irren darin herum. wir da dran vorbeifahren. Autos aus vielen Ländern, mehr oder weniger hin, frierende und totenblasse Reisende unter Decken in ihren Fahrzeugen, dazwischen Feuerwehrleute mit Eis in ihren riesigen Bärten und Thermoskannen in den Händen. Der erregte junge Mann im Radio meldet sich wieder, mit einer Genesis der Kollision. Offenbar ist der Schneesturm über Oed gekommen, und in Fahrtrichtung Westen sind ein paar aufeinander aufgefahren. In Fahrtrichtung Osten haben sie abgebremst, um sich das anschauen zu können, und sind ebenfalls aufeinander aufgefahren. Hinter uns der Stau reicht schon bis zur schönen Stadt Haag. Der babylonische Turm hat ein paar Risse. Als wir ankommen, rufen wir alle an, dass es uns gutgeht. Aber richtig super geht es uns nicht. × Ernst Molden, 47, lebt als Liedermacher und Schriftsteller in Wien. Für seine Alben und Bücher wurde er mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt erschien sein Album „Regn en Wien“ (monkeymusic).


50 NACHGEFRAGT SAISON

15 FR AGEN AN ...

Fritz Kraft DREI SCHÖNE ORTE AUF DER WELT (AUSSERHALB TIROLS): Südfrankreich, Weinviertel, Colorado DIE GRÖSSTE TUGEND IM TOURISMUS IST: immer nach vorne zu schauen DIE GRÖSSTE SÜNDE IM TOURISMUS IST: sich zu wichtig zu nehmen DIE STÄRKEN DES TIROLER TOURISMUS: seine Berge DIE SCHWÄCHEN DES TIROLER TOURISMUS: zu glauben, wir wären Tourismus-Weltmeister DIE BESTE IDEE DER LETZTEN FÜNF JAHRE: zu lange her, hab’s vergessen … LETZTER URLAUB (WANN UND WO?): Sardinien, letzten Juni IM AUSLAND HÖRE ICH ÜBER TIROL AM HÄUFIGSTEN: von Innsbruck FÜR EINEN BERUF IM TOURISMUS HABE ICH MICH ENTSCHIEDEN, WEIL: es nie Routine wird FÜR DIE ARBEIT IM TOURISMUS MUSS MAN FOLGENDES UNBEDINGT MITBRINGEN: dicke Haut und gesunden Humor DIE GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG WENN MAN IM TOURISMUS ARBEITET, IST: Arbeitszeit und Familie DIE GRÖSSTE BELOHNUNG IM TOURISMUS ERHÄLT MAN IN FORM VON: wenn Ideen zum Erfolg werden UM BERUFE IM TOURISMUS NOCH ATTRAKTIVER ZU GESTALTEN, MUSS: … ein abendfüllendes Thema … INNSBRUCK IST FIT FÜR DIE ZUKUNFT DES TOURISMUS, WEIL: es als die Hauptstadt der Alpen auch international wahrgenommen wird INNSBRUCK HAT NOCH AUFHOLBEDARF IN PUNCTO: … es gibt noch viele Baustellen …

Fritz Kraft ist seit Oktober 1989 Direktor von Innsbruck Tourismus.


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SAISON (März 2015)  

Tourismusmagazin der Tirol Werbung