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DAS MAGAZIN ZU FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG AUSGABE 01/2014

IN TIROL

GEFILTERT

Wie sich mit Algen Abwasser reinigen lässt

GEKAUFT

Warum Firmenübernahmen sehr oft scheitern

GEWOGEN

Wie im Rahmen einer großen Studie heimische Essgewohnheiten erhoben werden

QUANTENCOMPUTER

Wie die Innsbrucker Experimentalphysiker Ionen fangen und damit rechnen


forschung und lehre auf höchstem niveau.

die universität von heute, für das wissen von morgen. 4 1 0 2 L I R P A 4. G R FORSCHUN L ANGE NAC

www.umit.at

HT DE


Editorial

Inhalt

Forschungslandschaft Tirol

04

Abwasserfilter aus eigenem Anbau

06

Die guten Jeans

10

Quantenmechanik

12

Auf lange Sicht gebaut

16

Gesundheit Herzenssache

20

Bühne frei für die Gesundheit

22

Leben ohne Schmerz

26

Der Bauch der Innsbrucker

28

Eine Frage der Balance

30

Forschung an neuen Phänomenen

36

Ein „krisensicherndes“ Projekt

38 © E-SEC

Die Redaktion

Naturwissenschaften & Technik

© Emanuel Kaser

F

orschung – für gewöhnlich passiert sie hinter verschlossenen (Labor-)Türen. Ist aber egal, als Laie versteht man die komplexe Materie sowieso nicht, so könnte man eine weitverbreitete Haltung zusammenfassen. Wir finden: Das ist a) sehr schade und b) nicht zwangsläufig so. Aus diesem Grund finden Sie, liebe Leserin und lieber Leser, in diesem Heft eine Reihe spannender Forschungsgeschichten, die hoffentlich Beweis dafür sind, dass Forschung weder zu trocken noch zu kompliziert ist, um erzählt zu werden. Und weil das Magazin den Namen „Innovation in Tirol“ trägt, stammen natürlich sämtliche vorgestellten Projekte aus Tirol. Sei es im universitären Bereich, sei es in der Wirtschaft – unser Land kann sich auch als innovativer Forschungsstandort sehen lassen. Wir wünschen eine anregende Lektüre.

© Emanuel Kaser

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Impressum Innovation in Tirol Beilage in der „Tiroler Tageszeitung“ Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: TARGET GROUP Publishing GmbH | Redaktion: Mag. Sylvia Ainetter, Steffen Arora, Mag. Klaus Erler, Daniel Feichtner, Matthias Krapf (Ltg.), Mag. Nina Müller, Rebecca Müller, BA, Mag. Daniel Naschberger, Mag. Barbara Wohlsein | Layout: Marco Lösch, BA | Illustrationen: Monika Cichon | Anzeigenverkauf: Wolfgang Mayr | Anschrift für alle: Brunecker Straße 3, 6020 Innsbruck | E: office@target-group.at | T: +43 (0)512/58 60 20 | F: +43 (0)512/58 60 20-2820 | www.target-group.at | Druck: Niederösterreichisches Pressehaus St. Pölten

Wirtschaft Wachstumsstrategie oder systematische Wertvernichtung?

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Neue Unternehmer braucht das Land

48

Businessplan mit System

51

Virtuelles Sicherheitstraining

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Kultur statt Berge

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Forschungslandschaft

Tirol

Der Standort zählt zur Zeit

drei

5

außeruniversitäre F&E-Einrichtungen,

Universitäten,

3

Christian Doppler-Labors

2

20

Universitätskliniken,

Fachhochschulen,

UND

15

weitere mehrjährige Forschungsverbünde

von Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft, sogenannte Kompetenzzentren.


Forschungsausgaben am Standort Tirol 2011:

› 729 Mio. Euro = 8,8 Prozent der österreichischen Gesamtausgaben

› vierte Position in Österreich hinter Wien, Steiermark und oberösterreich Quelle: Statistik Austria

Beschäftigte in Forschung und Entwicklung in Tirol 2011:

Forschungsausgaben der Betriebe am Standort Tirol in 2011:

› 5.019,4 Personen in 406 F&E-durchführenden Einrichtungen Quelle: Statistik Austria

Kennzahlen

F&E

Rekordwert

› 123 erteilte Patente und Gebrauchsmuster im Jahr 2012 (2011: 87) Quelle: Österreichisches Patentamt, GAW

› 416 Mio. Euro = 7,3 Prozent von Österreich Quelle: Statistik Austria

Forschungsausgaben gesamt in Tirol pro Kopf 2011:

› 1.030 Euro = dritte Position im Österreichvergleich hinter Wien und der Steiermark Quelle: Statistik Austria

FORSCHUNGS-UNDENTWICKLUNGS-QUOTE

Mit seiner F&E-Quote von 2,8% des BIP (2011) reiht sich Tirol unter die

Top-3Standorte

für Forschung und Technologie in Österreich.


NaturwisseNschafteN & techNik

Abwasserfilter aus eigenem Anbau Was für uns Abwasser ist, dient Algen als idealer lebensraum. Forscher am Management Center Innsbruck arbeiten daran, diese Eigenschaft in Kläranlagen zu nutzen und so wichtige rohstoffe zurückzugewinnen. Von Daniel Feichtner

I Benjamin Hupfauf (30): hupfauf ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Management center innsbruck und hat dort 2008 sein studium der Verfahrens- und umwelttechnik abgeschlossen. er bringt das notwendige know-how im Bereich der thermischen Verfahrenstechnik, der thermischen Maschinen und Prozesse, der wärmeübertragung und thermodynamik sowie chemischen Verfahrenstechnik und der umweltmesstechnik mit in das Projekt. Neben seiner forschungsarbeit unterrichtet er auch am Mci.

n Benjamin hupfaufs Labor blubbert es. in einer reihe von Glastrichtern, die entlang der fensterbank in der sonne stehen, steigt ein kontinuierlicher strom aus Blasen in einer grünen flüssigkeit auf. Der anblick erinnert an ein Labor aus einem hollywoodfilm. Doch hier, am Management center innsbruck (Mci), wird echte forschung betrieben. und hupfaufs forschungsobjekte brauchen viel Licht und permanente, sanfte umwälzung. in den Glasgefäßen wachsen algen. „Gute, tiroler hochgebirgsalgen“, witzelt der Verfahrenstechniker. Gemeinsam mit alexander Dumfort züchtet er das pflanzliche Plankton seit mittlerweile einem Jahr – und könnte damit bald die abwasserverwertung in tirol revolutionieren sowie bei der rückgewinnung zunehmend wertvoller substanzen helfen. „wir nutzen die algen als lebende, wachsende filter“, erklärt hupfauf das Projekt. Neben sonnenlicht und kohlendioxid zur Photosynthese brauchen sie vor allem eines: Nährstoffe. um zu wachsen, nehmen sie stickstoff und Phosphor aus der umgebung auf. und genau diese beiden substanzen finden sich in unserem abwasser reichlich. „untersuchungen haben gezeigt, 6

01

dass in Deutschland rund die hälfte des Phosphors, der teuer importiert werden muss, schlussendlich ungenutzt im klärwerk landet“, erklärt hupfauf. Doch seine Methode könnte das schon bald ändern. Bioreaktoren Das Mci hat mit dem Projekt die idee des tirolers erwin wimmer aufgegriffen, der ursprünglich im Zuge der initiative Zukunftsenergien nach einem weg suchte, um die Geruchsbelästigung im landwirtschaftlichen Bereich einzudämmen. „herr wimmer hatte den einfall, die Nährstoffe in Gülle durch algen binden zu lassen“, meint hupfauf. „Dadurch werden die Verbindungen, die den typischen und besonders in touristischen Gegenden nicht gerne gesehenen Geruch mit sich bringen, von den stoffen getrennt, die man zum


© Emanuel Kaser

Naturwissenschaften & Technik

01 Abwasser, Sonnenlicht und Algensporen aus der Umgebungsluft: In den Bioreaktoren am MCI funktioniert das, was bald in Kläranlagen eingesetzt werden soll, schon hervorragend im kleinen Maßstab.

den dann von ganz alleine zu Bioreaktoren. Durch die Beschränkung auf ortsansässige Algen gehen die Forscher außerdem kein Risiko ein, fremde Organismen einzuschleppen und das biologische Gleichgewicht zu stören.

Düngen braucht. Das Resultat ist ein geruchloser, effektiver Dünger.“ Diese Grundidee wurde von Hupfauf und Dumfort weiterentwickelt. Anstatt nur Gülle zu verwenden, züchten sie ihre Algen im Abwasser einer Kläranlage. „Wir

Das macht den Inhalt eines Faulturms zu einer idealen Umgebung für Hupfaufs biologische Filter. Und da die Algen wachsen, solange es genügend Nährstoffe gibt, können sie zwischen 95 und 100 Prozent der Stoffe aus dem Abwasser entfernen.

Benjamin Hupfauf, Verfahrenstechniker, Management Center Innsbruck (MCI)

„Wir nutzen die Algen als lebende, wachsende Filter.“ verwenden Wasser aus einem Faulturm als Nährboden“, erklärt Hupfauf. „Dort werden Abwässer durch Mikroorganismen zwar von Kohlenstoffverbindungen gereinigt, Stickstoff und Phosphor bleiben aber in hohen Konzentrationen zurück.“

Die Algen selbst muss er dabei nicht einmal „pflanzen“, wie der Verfahrenstechniker erklärt. Da Algensporen reichlich in der Luft vorhanden sind, genügt es, für möglichst ideale Bedingungen in den Glastrichtern zu sorgen. Diese wer-

Einsatz nach der Ernte Nachdem sie ihre Filterfunktion erfüllt haben, hören die Algen aber noch lange nicht auf, nützlich zu sein. Randvoll mit Stickstoff und Phosphor können sie nun geerntet werden – und das unter idealen Bedingungen täglich. Im Moment gewinnen Hupfauf und Dumfort rund ein bis zwei Gramm getrockneter Algen pro Liter Abwasser aus ihren Bioreaktoren. Was auf den ersten Blick nicht viel klingt, wird mit einem kurzen Rechenbeispiel recht beachtlich. Selbst kleine Kläranlagen wie das Klärwerk Zirl sammeln täglich 50.000 Liter Abwasser. Somit könnten dort pro Tag zwischen 50 und 100 Kilogramm getrocknete Algen gewonnen werden. Bei großen Kläranlagen wie in Innsbruck oder gar in Wien wäre diese Menge dementsprechend deutlich größer. Die Ernte kann dann auf unterschiedliche Weise verwertet werden. Die einfachste Möglichkeit

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NaturwisseNschafteN & techNik

Alexander Dumfort (38): Der hochschullektor ist als Bereichsleiter für chemie am Management center innsbruck tätig. er bringt seine expertise in der chemischen analytik in das Projekt ein. Dumfort beschäftigt sich zudem mit dem inkohlungsverfahren der hydrothermalen karbonisierung, der kultivierung von Mikroalgen und deren anwendungen. in den vergangenen Jahren hat er auch zahlreiche Bachelor- und Masterarbeiten zum thema der hydrothermalen karbonisierung betreut.

wäre, sie zu verbrennen, wie hupfauf erklärt. „wenn man die algen zur thermischen energiegewinnung nutzt, würden sie co2-neutrale energie liefern, da sie ja kohlendioxid aus der umgebung zum wachsen genutzt haben“, erklärt er. „allerdings lohnt sich das bei den Mengen, mit denen wir es zu tun haben werden, nicht.“ Deutlich interessanter ist ihm zufolge die Nutzung als Dünger. Dazu werden die algen mit der sogenannten hydrothermalen karbonisierung (nasse Verkohlung) zu kohle verarbeitet. Diese kann dann auf felder ausgebracht werden. anstatt des stinkenden ammoniums in der Gülle wäre die Lösung geruchfrei. außerdem bleibt die kohle an der Oberfläche und wird nicht wie flüssiger Dünger ins Grundwasser ausgewaschen. „Der kohlenstoff, den wir damit auf das feld ausbringen, hilft zudem, humus zu bilden“,

sagt hupfauf. „Dadurch wirken wir der erosion entgegen und schaffen fruchtbarere Böden.“ Die strukturen der kohle bieten dabei auch Lebensraum für Mikroorganismen. Diese bauen den enthaltenen stickstoff und das Phosphor ab und machen sie Pflanzen zugänglich. Industrielle Verwendung Die algen ließen sich aber auch industriell nutzen, erklärt alexander Dumfort. „wir können verschiedene substanzen aus der ernte gewinnen. auf der Liste stehen antiallergene, Pigmente und andere rohstoffe für kosmetika.“ hierzulande würde sich das aber nicht zuletzt wegen der langen, dunklen wintermonate wirtschaftlich nicht lohnen, da die algen künstliches Licht benötigen würden. „Näher am Äquator wäre es aber durchaus vorstellbar, auf diese weise eine lohnende rückgewinnung umzusetzen.“

Mit den richtigen Zutaten zu sauberem Wasser

Licht

Algenreaktor

Abwasser CO2

Gereinigtes Abwasser

Stickstoff Phosphor Kohlenstoff Spurenelemente

Biomasse

8


© Emanuel Kaser (2)

Naturwissenschaften & Technik

01

02

01 Ein stetiger Luftstrom wälzt die Algen in den Bioreaktoren schonend um, ohne die zerbrechlichen Lebewesen zu zerstören. 02 Aus Braun wird grün. Als Nährlösung für die Algen dient Abwasser aus einem Faulturm. Daraus zieht das Plankton Nährstoffe, um zu wachsen.

Außerdem gibt es in Österreich noch ein Hindernis: die Gesetzeslage. „Wir stehen vor dem Problem, dass der Gesetzgeber Substanzen, die aus einer Kläranlage gewonnen werden, als Abfall betrachtet“, meint Hupfauf. „Dabei werden die Algen bei der hydrothermalen Karbonisierung mit über 200 Grad Celsius behandelt, wodurch als Nebeneffekt schadhafte Keime vernichtet werden. Milch, wie wir sie im Laden bekommen, wird mit nur rund 75 Grad pasteurisiert und medizinische Instrumente werden im Autoklav bei ‚nur‘ 120 Grad sterilisiert.“ Dementsprechend hoffen die Forscher, dass auch politisch bald ein Umdenken stattfindet. Das Resultat wäre also nicht nur saubereres Wasser. Vielmehr soll die Methode vor allem zur Schonung zunehmend wichtiger Ressourcen beitragen. „Im Moment ist Phosphor noch verhältnismäßig billig“, meint Dumfort. „Das wird sich aber bald ändern. So wie die Bevölkerung weltweit wächst und der Bedarf vor allem an Dünger zunimmt, werden die globalen Vorkommen noch für 40 bis 100 Jahre reichen.“

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NATURWISSENSCHAFTEN & TECHNIK

Die guten Jeans Mitarbeiter des Instituts für Textilchemie und Textilphysik der Universität Innsbruck haben ein Verfahren entwickelt, das Jeans ohne Einsatz aggressiver und gesundheitsschädlicher Methoden bleicht. Ein universitäres Spin-off ist jetzt mit der weltweiten Vermarktung beschäftigt. Von Klaus Erler

D Christian Schimper Geboren am 21. 9. 1977 in Feldkirch 2002 bis 2008: Mitarbeit im wissenschaftlichen Team von Professor Thomas Bechtold an der Universität Innsbruck Bis 2009: Studium der Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien Seit 2009: Doktoratsstudium Seit 2013: Leitung des universitären Spin-offs „Acticell“ mit mittlerweile vier Mitarbeitern

rei Milliarden Jeans gehen weltweit jährlich über den Ladentisch. Viele davon sind gebraucht – zumindest wenn es um ihr Aussehen geht. Die Mode diktiert seit Jahren den „Vintage-Look“, die Nachfrage ist entsprechend groß. Ein großer Nachteil dabei: Um neue Hosen gebraucht aussehen zu lassen, verlangt es häufig den massiven Einsatz umweltschädlicher Chemikalien. Dabei kommen vor allem Natriumhypochlorit und Kaliumpermanganat zum Einsatz. Diese Chemikalien haben allerdings einen großen Nachteil: Sie reagieren im Abwasser toxisch. Da sich große Jeanswerke und Jeanswäschereien zudem oft in Niedriglohnländern befinden, gibt es selten entsprechende Umweltschutzstandards, der angerichtete Schaden ist dementsprechend groß. Eine weitere, für das „Pre-Aging“ von Jeans weltweit und oft ohne gesetzliche Deckung angewandte Methode ist noch gefährlicher. Das „Sandstrahlen“ lässt die blauen Hosen zwar im Zeitraffer-Tempo um Jahre altern, der dabei produzierte Feinstaub kann aber bei den mit der Produktion betrauten Textilarbeitern zu einer unheilbaren, nicht selten auch tödlichen Krankheit führen: der Silikose – im Volksmund auch Staublunge genannt. Schäden an Mensch und Natur Warum derart aggressive Methoden überhaupt verwendet werden, versteht man, wenn man den Jeans-Produktionsprozess

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genauer betrachtet: Die Hosen werden aus gefärbten Längsfäden und ungefärbten Querfäden zusammengewoben. Das Äußere des Jeans-Gewebes ist dabei immer färbig, das Innere bleibt weiß. Um die Jeans nun vorzeitig altern zu lassen, muss ein Teil der äußeren, meist blauen Farbschicht abgetragen werden, ohne das Gewebe zu zerstören. Das ließ sich bisher im Wesentlichen nur über Bleichen und mechanischen Abrieb bewerkstelligen. Lösung aus dem Universitäts-Labor Wissenschaftler des Instituts für Textilchemie und Textilphysik der Universität Innsbruck forschen schon lange nach besseren Möglichkeiten der Jeans-Behandlung und sind dadurch mit dieser unbefriedigenden Situation im Forschungsalltag permanent konfrontiert. 2004 war Institutsleiter Thomas Bechtold gemeinsam mit dem Forscherduo Constanta Ibanescu und Christian Schimper gerade mit einer laufenden Forschungslinie zum Thema ökologisches Färben beschäftigt. Der Institutsleiter erklärt, wie man daraus eine neue Idee entwickelte: „Beim Färben kamen Enzyme – aktive Stoffe, die biochemische Reaktionen beschleunigen – zum Einsatz. Da diese weder toxisch noch gesundheitsgefährlich sind, überlegten wir, ob sie nicht auch für die „Used-Look“Jeansbehandlung geeignet sein könnten. Die Herausforderung im darauffolgenden Entwicklungsprozess bestand darin, Enzyme im Testlabor derart zu modifizieren,


Erste Aufträge Die dabei erzielten Ergebnisse sind durchaus mit den bisher angewandten gesundheits- und umweltschädlichen Methoden vergleichbar. Zwar bleibt der Arbeitseinsatz bei den Jeansfirmen der gleiche: Auch mit Enzymen wird das Bleichen im Wesentlichen händisch ausgeführt. Die Vorteile liegen allerdings im Mitarbeiterschutz und der Verfahrensökologie: Es werden keine toxischen Stoffe ins Abwasser geleitet, da Enzyme umweltneutral sind und biologisch abgebaut werden können. Der größte Unterschied des enzymatischen Bleichverfahrens ergibt sich aber bei der Handhabung: Enzyme werden als Paste oder Flüssigkeit aufgetragen, es kommt zu keiner gefährlichen Staubentwicklung. Das System ist industriell anwendbar, lässt sich ohne größere Probleme in bereits bestehende Produktionsabläufe integrieren und ist auch bezüglich Kostenstruktur durchaus konkurrenzfähig. Das von der Universität Innsbruck entwickelte Verfahren ist bereits marktreif und patentiert. 2013 wurde ein universitäres Spin-off mit mittlerweile vier Mitarbeitern unter der Leitung von Christian Schimper gegründet. Sitz der unter dem Namen „Acticell“ eingetragenen Firma ist Wien, von dort aus wird das neue Verfahren vertrieben. Christian Schimper ist stolz auf die bisher erzielten Fortschritte: „Inzwischen sind wir mit Entscheidungsträgern großer Jeansfirmen im Gespräch. Die Herausforderung für Acticell besteht darin, einer Industrie, die oxidative Bleichmittel mit Tiefenwirkung gewohnt ist, vom enzymatischen Verfahren der Farbablösung zu überzeugen.“ Und das scheint zu gelingen: Mit ersten Aufträgen wird noch für dieses Jahr gerechnet.

Der Weg zur Hose So funktioniert die Jeansproduktion

1. Baumwolle wächst in Ländern mit warmem Klima, z. B. in Kasachstan. Dort wird sie händisch oder maschinell geerntet und in die Jeans-Produktionsländer verschickt.

↓ 2.

Im Produktionsland verwandeln Spinnereien die Baumwolle zu Garn.

↓ 3.

Massenprodukt Jeans Die Produktionskosten pro Jeans liegen bei rund zehn bis 15 Euro, Hauptherstellerländer sind China, Türkei, Nordafrika, Indien, Vietnam, Mexiko und Brasilien. Rund fünf Prozent der weltweiten Baumwollbestände werden jährlich für die Jeansproduktion verwendet. Die klassische Jeans gibt es nur in den Farben indigo (blau) oder schwarz, alles andere lassen Profi s nicht als „originale Jeans“ gelten.

In weltweit rund 700 Färbeanlagen werden die späteren Längsfäden des Jeansstoffs mit Indigo blau gefärbt.

↓ 4.

Aus blauem und weißem Garn wird in der Weberei der Jeansstoff (so genannter Denim) hergestellt und in einem weiteren Produktionsschritt „veredelt“, das heißt weich und knitterarm gemacht.

↓ 5.

Der Webstoff wird zur Jeans zusammengenäht und mit Knöpfen und Nieten versehen.

↓ 6.

Im letzten Produktionsschritt findet das von der Universität Innsbruck entwickelte enzymatische Verfahren Anwendung: Die Jeans wird der momentanen Mode entsprechend partiell oder im Gesamten gebleicht und bekommt so den gefragten „Used-Look“.

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Thomas Bechtold Leiter des Instituts für Textilchemie und Textilphysik der Universität Innsbruck

© SHUTTERSTOCK.COM

dass sie nur die oberste Farbschicht einer Jeans angreifen und abtragen.“ Es gelang, wobei die Technik, die dabei entwickelt wurde, zweierlei erlaubt: sowohl einen Enzymeinsatz bei einer klar umgrenzten Anwendung wie dem Bleichen von Falten – dazu werden diejenigen Bereiche mit Pinsel markiert, die durch Enzyme aufgehellt werden sollen – als auch das gesamte Bleichen einer Hose.

© UNIVERSITÄT INNSBRUCK

NATURWISSENSCHAFTEN & TECHNIK


NATURWISSENSCHAFTEN & TECHNIK

Von den Quantentechnologien der Zukunft Die Innsbrucker Experimentalphysik hat in den vergangenen Jahren Weltruhm erlangt. In den Labors der Physiker wird wichtige Grundlagenforschung betrieben. Von Sylvia Ainetter

D Rainer Blatt übernahm 1995 eine Professur für Experimentalphysik an der Universität Innsbruck, seit 2003 ist er auch Wissenschaftlicher Direktor am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seine größten Erfolge: Teleportation von Quanteninformation, die Entwicklung des ersten Quantenbytes sowie die Realisierung von Quantensimulationen mithilfe eines Quantencomputers. Rainer Blatt wurde unter anderem mit dem Humboldt-Forschungspreis (2013), der Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (2012), dem Wissenschaftspreis für außergewöhnliche Forschungsleistungen der Stiftung Südtiroler Sparkasse (2011), dem Carl-Zeiss-Forschungspreis (2009, gemeinsam mit Ignacio Cirac), einem „ERC Advanced Grant“ des Europäischen Forschungsrats (2008) und dem Kardinal-Innitzer-Preis (2008) ausgezeichnet.

er lustige Beamprofessor“ – das steht (unter anderem) an der Tür des Büros von Rainer Blatt, vielfach ausgezeichneter Quantenphysiker am Institut für Experimentalphysik der Universität Innsbruck. Doch beim Wort „beamen“ schüttelt der Physiker erst mal den Kopf. „Das Beamen, wie man es aus Science-Fiction-Serien kennt, funktioniert nicht“, sagt er trocken, „und das wird auch künftig nicht möglich sein.“ Was aber funktioniert, ist trotzdem bahnbrechend: Den Innsbrucker Physikern ist es gelungen, Quanteninformation von einem Ion auf ein anderes zu „teleportieren“, das „Beamen“ von Informationen sozusagen. Das Gelingen dieses Experiments hat großes Aufsehen erregt. Künftig könnten solche Teleportationen eine Rolle bei der Informationsverarbeitung und -übertragung spielen. Doch das Teleportieren ist nicht das Hauptforschungsgebiet der Innsbrucker Quantenphysiker um Rainer Blatt, Rudolf Grimm und Peter Zoller, die immer wie12

01

der Schlagzeilen machen und den Forschungsstandort auf der ganzen Welt bekannt gemacht haben. Blick in die Quantenwelt Das Team um Rainer Blatt experimentiert mit Atomen, die in sogenannten Ionenfallen gefangen sind. Dabei werden die elektrisch geladenen Teilchen in eine Vakuumkammer eingebracht. Dank elektromagnetischer Felder schwirren die Ionen im luftleeren Raum nicht umher, sondern lassen sich an einem Platz fixieren. „So kann man einzelne Atome wie am Seziertisch untersuchen“, erklärt Blatt. Unvor-


© FRANZ OSS

NATURWISSENSCHAFTEN & TECHNIK

01 Eine Versuchsanordnung im Labor für Quantenphysik: Linsen, Spiegel und Strahlteiler weisen den Laserstrahlen den Weg in eine Vakuumkammer.

Rainer Blatt

stellbar, aber tatsächlich wahr: Diese Ionen kann man mithilfe eines Mikroskops sogar mit bloßem Auge sehen. „Das Innsbrucker Labor ist das einzige weltweit, in dem das möglich ist“, sagt der Physiker nicht ohne Stolz. Rainer Blatt und seine Kollegen arbeiten im Viktor-Franz-HessHaus am Technik-Campus im Westen Innsbrucks. Dunkel und kühl ist es hier, auf Tischen sind komplexe Versuchsanordnungen aufgebaut, unzählige Linsen, Spiegel und Strahlteiler weisen den Laserstrahlen den Weg in die Vakuumkammer. Mithilfe des Laserlichts werden die

„Das Beamen, wie man es aus ScienceFiction-Serien kennt, wird auch künftig nicht möglich sein.“ Atome fast bis auf den absoluten Nullpunkt abgekühlt und sichtbar gemacht. So lassen sich einzelne Ionen, aber auch ganze Ketten von Ionen speichern und in Experimenten manipulieren. Die Physiker um Blatt

beschäftigen sich mit quantenoptischen Mechanismen – im Wesentlichen geht es dabei um Wechselwirkungen zwischen Licht und Materie. Uhren und Rechner Die für Laien seltsam erscheinenden Eigenschaften der Quantenwelt lassen sich in vielfältiger Weise einsetzen, etwa in der Metrologie (Messtechnik). Mit einzelnen Atomen kann man sehr präzise messen, wie Atomuhren zeigen. Jede Uhr braucht einen Zeitgeber, zum Beispiel ein Pendel oder einen Quarz. In Atomuhren ist das ein CäsiumAtom, dessen innere Zustände einen

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NATURWISSENSCHAFTEN & TECHNIK

← Rainer Blatt, Professor für Experimentalphysik

„An der Universität Innsbruck ist unsere vordringlichste Aufgabe, Grundlagenforschung zu betreiben.“

Takt von 9,2 Mrd. Mal pro Sekunde vorgeben. Diese hohe Frequenz macht die Messung besonders exakt. Zurzeit werden bereits weltweit Atomuhren mithilfe einzelner gespeicherter Ionen gebaut, die mit 1.015 Hertz schwingen und dadurch noch sehr viel präziser sind und auch schnellere Messungen erlauben. „Auch in Innsbruck haben wir eine optische Atomuhr gebaut, und wir untersuchen, wie man sie mit Quantenmethoden noch weiter verbessern kann“, erzählt Blatt. Für großes Aufsehen sorgte 2005 die Realisierung des ersten Quantenbytes in Innsbruck. Dieses Herzstück eines zukünftigen Quantencomputers basiert ebenso auf der Wechselwirkung von Laserlicht mit gefangenen Ionen. Die Quanteneigenschaften lassen einen solchen

Rechner bestimmte Aufgaben sehr viel rascher lösen als klassische Computer. Im Labor von Rainer Blatt wurden viele Bausteine eines Quantencomputers bereits erprobt. Die ersten Modelle werden vor allem für wissenschaftliche Rechnungen und Simulationen eingesetzt. „Wir haben auch hier auf der Uni einen Quantenrechner, mit dessen Hilfe wir bereits einfache quantenmechanische Rechnungen und Simulationen machen“, erklärt der Physiker. „Noch schlagen wir klassische Computer nicht, aber wir sind nah dran. Der Quantenrechner wird

aber wohl nicht als Desktoprechner benutzt werden. Man muss nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen“, so Blatt. Quantenrechner werden vor allem im wissenschaftlichen Bereich Anwendung finden, könnten aber auch der Industrie zugute kommen – wenn es etwa darum geht, die Eigenschaften bestimmter Materialien zu berechnen. „An der Universität ist unsere vordringlichste Aufgabe, Grundlagenforschung auf höchstem Niveau zu betreiben und damit die Studenten auszubilden, damit sie offen auf neue Probleme zugehen können“, sagt Rainer Blatt. Dass das unter seiner Leitung auch gelingt, zeigen die Lebensläufe seiner Mitarbeiter. Sechs seiner Assistenten sind bereits auf Professuren im Ausland berufen worden.

Kleines Glossar Atom: Kleinste Bausteine, aus denen alle festen, flüssigen und gasförmigen Stoffe bestehen. Ein Atom besteht aus einem Atomkern mit Neutronen und Protonen und einer Hülle mit Elektronen. Die Zahl der Protonen und Elektronen ist gleich.

Ion: Ein Atom mit Elektronenmangel oder -überschuss. Bei Elektronenmangel entsteht ein positiv geladenes Atom, bei Elektronenüberschuss ein negativ geladenes.

Beamen: Auch Teleportation genannt. Der Transport eines Gegenstandes von einem Ort an einen anderen, ohne dass der Gegenstand den Raum durchquert. Das Beamen von Gegenständen oder Menschen ist nicht möglich, das Teleportieren von Quanteninformation hingegen schon.

Laser: Laserstrahlen sind elektromagnetische Wellen. Das Licht eines Lasers zeichnet sich dadurch aus, dass der Strahl sehr gebündelt und der Frequenzbereich sehr eng ist.

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Naturwissenschaften & Technik

Auf lange Sicht gebaut Das von der FH Kufstein koordinierte Projekt „LQG – Lebenszyklusorientierte Qualitätsoptimierung von Gebäuden“ stellt über Datenbanken Entscheidungsgrundlagen für eine nachhaltige und ganzheitliche Bauweise zur Verfügung.

© FH Kufstein

Von Klaus Erler

B

ereits im Jahr 2008 gründeten fünf österreichische Fa c h h o c h s c h u l e n – die FH Oberösterreich, die FH Joanneum, die FH Burgenland, die FH Kärnten und die FH Kufstein – die Vereinigung „FH Netzwerk Bau“. Ziel dieser Vereinigung ist es, aufbauend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen Hilfswerkszeuge anzubieten. Diese sollen helfen, bauliche Ausführungen derart zu optimieren, dass sie schlussendlich zu ökonomisch und ökologisch zukunftssicheren Gebäuden führen. Entscheidungsgrundlagen fehlten Für Entscheidungsträger in der Bauund Immobilienwirtschaft fehlten bisher in vielen Fällen relevante Entscheidungsgrundlagen: Wie lässt sich schon in der Planungsphase genau beurteilen, auf welche Weise sich heutige Bauentscheidungen auf zukünftige Kosten auswirken? Wie kann man herausfinden, welche Höhe die Gesamtkosten für den Nutzungszeitraum eines Gebäudes erreichen werden? Wie prognostizieren, welche Ökobilanz ein Bauprojekt aufweisen wird? Da in der Planung und Errichtung ein hoher Kosten- und auch Termindruck

herrscht, wurde und wird mangels solcher relevanter Informationen im Zweifelsfall oft die momentan billigere Bauvariante gewählt – auch als eine Folge der heutigen Vergabekultur – und das zulasten der ökonomischen Nachhaltigkeit und der Wertbeständigkeit eines Bauprojektes. Genau hier setzt das von der FH Kufstein koordinierte und mit den Partner-FHs innerhalb von fünf Jahren umgesetzte Forschungsprojekt „LQG-Lebenszyklusorientierte Qualitätsoptimierung von Gebäuden“ an. Mit wenigen Mausklicks zum Ergebnis Es handelt sich dabei um eine im Internet frei zugängliche Datenbank, die sich in mehrere Teile gliedert. Zum einen ist sie eine Wissensdatenbank, die qualitative Informationen anbietet, zum anderen ein Berechnungstool, welches als Baukastensystem aufgebaut ist und quantitative Informationen liefert. Die Datenbank wurde gemeinsam mit den Wirtschaftspartnern ATP, Alukönigstahl, IC Consulenten, RWT, 16

SFL Metallbau und der STRABAG AG entwickelt und orientiert sich in seinem stufenweisen Aufbau an den verschiedenen Planungsphasen im Vorfeld der Gebäudeerrichtung. Die Datenbank liefert dabei über gebündelte Informationen wahlweise in Kurz- oder Langform Grundlagen für verschiedene Ausführungsvarianten: Ein echter Fortschritt, bedenkt man, dass es bei der Planung viele Alternativen in der Ausführung gibt. Es lassen sich die verschiedensten Aufbauten von Fassaden, Decken oder Dächern verwirklichen oder dutzende Varianten bei Heizung-Klima-LüftungSanitär realisieren. Emanuel Stocker von der FH Kufstein: „Die Wissensdatenbank und die Berechnungen helfen, mit wenigen Mausklicks diejenige Option herauszufinden, die sich auf die Nutzungsdauer betrachtet mit hoher Wahrscheinlichkeit als die ökologischste und kostengünstigste Variante herausstellen wird. Typische Fragestellungen, die in diesem Zusammenhang immer wieder auftauchen, sind die nach dem energetischen Standard: Wenn ich heute den Neubau energetisch höherwertiger ausführe, wann haben sich die momentanen Mehrkosten wieder


NaturwisseNschafteN & techNik

Emanuel Stocker, Professor für Building Construction & Facility Management an der FH Kufstein

„Die Wissensdatenbank und die Berechnungen helfen, mit wenigen Mausklicks diejenige Option herauszufinden, die sich auf die Nutzungsdauer betrachtet mit hoher Wahrscheinlichkeit als die ökologischste und kostengünstigste Variante herausstellen wird.“ amortisiert? wenn ich mich heute für eine Gas-heizung entscheide, ist diese entscheidung über den Lebenszyklus gesehen wirtschaftlich vorteilhaft im Vergleich zu anderen systemen?“ Höhere Baukosten werden relativiert um solche fragen zu beantworten, berücksichtigt das Berechnungstool auch die integration der energiebedarfsberechnungen (energieausweis) auf Grundlage aktueller Normen. Neben den energiekosten sind jedoch auch weitere laufende kosten wie reinigung oder wartung zu berücksichtigen. um hier möglichst realitätsnahe Zahlen anbieten zu können, wurden in der entwicklungsphase unter anderem fassaden-Musterreinigungen in auftrag gegeben. emanuel stocker: „Mit der lebenszyklusorientierten Qualitätsoptimierung von Gebäuden können wir schon in der frühen Planungsphase vom energieeffizienten Bauen überzeugen. Dort, wo nicht nur über kwh-Verbrauch oder cO2-ausstoß, sondern auch über die zu sparenden euros geredet wird, fällt eine entscheidung pro innovative Gebäudeausführung dann auch wesentlich leichter. höhere Baukosten lassen sich gut relativieren, wenn anhand

nackter Zahlen nachgewiesen werden kann, dass die vom Billigstbieter vorgeschlagene Bauvariante à la longue teuer werden kann. Gerade innovative Produkte, die meist mit höheren kosten in der anschaffung verbunden sind, erfahren hier einen wirtschaftlichen Vorteil.“ Zielgruppe Bau-Entscheidungsträger Da sich einige Berechnungsparameter – wie zum Beispiel die entwicklung der energiepreise – nicht mit exakter Genauigkeit für einen ge-

wählten Berechnungszeitraum von beispielsweise 50 Jahren voraussehen lassen, können ergebnisse mit Bandbreiten (Von-bis-werte) ausgewiesen werden, um eine scheingenauigkeit dieser Prognose zu reduzieren. Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit, dass auch Privatpersonen auf die Berechnungen zugreifen können, die hauptzielgruppe liegt jedoch bei öffentlichen einrichtungen, Professionisten und Bau-entscheidungsträgern aus ganz Österreich. Die gewonnenen erkenntnisse finden auch eingang in die fachnahen Lehrveranstaltungen auf den fachhochschulen. Die LQG-Datenbank wird derzeit mit validierten informationen zu den Bereichen „Lüftung“ und „Beleuchtung“ erweitert und ab frühjahr 2014 unter der eigenen homepage www.lqg-projekt. org frei zugänglich sein. ein weiterer forschungsschwerpunkt, der ebenfalls aufgenommen werden soll, wird das thema „Bestandsoptimierung von Gebäudesanierung“ beinhalten. ein drittes Zukunftsthema in Bezug auf die Planung von Gebäuden ist das „Building information Modeling – kurz: BiM“, durch das ein ablesen von relevanten Gebäudedaten (auch kosten) in echtzeit im 3D-Planungsmodell ermöglicht wird.

Ganzheitliche Sichtweise im Zentrum der LQG Qualitätswettbewerb

Gesellschaft soziokulturell-funktional Nutzerzufriedenheit

Generation heute

Generation Morgen Ökologie

Ökonomie

Natur-/umwelt-/ ressourcenschonung

Lebenszykluskosten

Preiswettbewerb

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wErBuNG

Zukunftsweisende Gewebetherapie Die Tiroler Innovacell Biotechnologie AG entwickelt eine Gewebetherapie (ICEF15), die weltweit vielen Patienten helfen könnte, ungewollten Stuhlverlust (Stuhlinkontinenz) dauerhaft zu überwinden und ihre gewohnte Lebensqualität wiederzuerlangen. Kürzlich vereinbarte Innovacell ein Kooperations- und Lizenzabkommen mit dem international tätigen Pharmaunternehmen Norgine aus Großbritannien.

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eltweit besteht ein großer Behandlungsbedarf von Stuhlinkontinenz. Schätzungen gehen davon aus, dass rund fünf Prozent aller Erwachsenen unter dieser Krankheit leiden. Patienten mit Stuhlinkontinenz können grob in zwei Gruppen geteilt werden: Personen mit passiver Stuhlinkontinenz, bei welcher der Schließmuskel grundsätzlich intakt ist, und jene mit traumatischer Stuhlinkontinenz. Bei letzterer liegen Verletzungen oder Beschädigungen des Schließmuskels vor. Es gibt auch einen Zusammenhang zwischen zunehmendem Alter und Stuhlinkontinenz. Weiters liegen Hinweise vor, dass Frauen nach einer Entbindung zusätzlich einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind.

Rückkehr zu gewohnter Lebensqualität Die Innovacell Biotechnologie AG mit Sitz in Innsbruck hat mit ICEF15 ein Gewebetherapiekonzept zur Behandlung von Stuhlinkontinenz bei Frauen und Männern entwickelt. „ICEF15 könnte vielen Patienten weltweit helfen, ihre Stuhlinkontinenz dauerhaft zu überwinden. Das wäre ein wichti-

Ekkehart Steinhuber, Innovacell-CEO

„ICEF15 könnte vielen Patienten weltweit helfen, ihre Stuhlinkontinenz dauerhaft zu überwinden. Das wäre ein wichtiger Schritt, die gewohnte Lebensqualität der Patienten wiederherzustellen.“

ger Schritt, die gewohnte Lebensqualität der Patienten wiederherzustellen“, erläutert Innovacell-CEO Ekkehart Steinhuber. 18

So funktioniert ICEF15: Im ersten Schritt werden dem Patienten mittels einer kleinen Gewebestanze (Biopsie) Muskelzellen seitlich aus dem Brustmuskel entnommen. Im zweiten Schritt werden diese Zellen gezielt vermehrt. Anschließend werden die neuen, körpereigenen Zellen mittels eines sehr schonenden, minimal-invasiven Verfahrens in den Analschließmuskel injiziert. Die vermehrten Muskelzellen (Myoblasten) wachsen ein und können den vorhandenen Schließmuskel stärken.

Wichtige Kooperation, großes Potenzial Um den Markteintritt von ICEF zu beschleunigen, hat Innovacell Ende 2013 eine exklusive Lizenzvereinbarung mit dem international tätigen Pharmaunternehmen Norgine geschlossen. Diese gilt für Europa, das südliche und nördliche Afrika sowie


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Innovacell verfügt in Innsbruck über eine der größten und modernsten Produktionsanlagen zur Vermehrung von körpereigenen Zellen in ganz Europa.

den Mittleren Osten. Der Start der klinischen Phase-IIb-Studie für ICEF15 erfolgte im Dezember des Vorjahres. Die ersten Patienten sollen Ende März behandelt werden. Norgine wird das Produkt nach Zulassung, die für 2020 geplant ist, über seine Vertriebs- und Marketingkanäle exklusiv vermarkten. Die Auswertungen aus den Phase- I/II-Studien hätten eine rasche Verbesserung der Symptome der Stuhlinkontinenz sowie eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität gezeigt, sagt CEO Steinhuber. Zusätzlich zeigten die Daten aus einer Langzeit-Folgestudie, dass ICEF15 von nachhaltiger und dauerhafter Wirkung sein könnte. Steinhuber: „Durch die natürliche, einmalige und schonende Behandlungsmethode könnte ICEF15 das Potenzial besitzen, sich als neue Standardtherapie zu etablieren.“

Forschung, Wirtschaftskompetenz, Erfahrung „Als Risikokapitalfinanzierer sind wir von der innovativen Gewebetherapie überzeugt und investieren daher seit Gründung in das Unternehmen, um die weiteren Entwicklungsschritte und Forschungsstudien voranzutreiben“, erklärt Aufsichtsratsvorsitzender Harald Pöttinger und Vorstand der Alpine Equity Management AG. „Ich freue mich sehr, dass wir bereits in dieser Phase Norgine als Partner für Innovacell gewinnen konnten. Die Kombination aus Forschung, Wirtschaftskompetenz und Erfahrung verspricht hohes Potenzial. Durch die Zusammenarbeit wird das Vertrauen in unsere Technologie und Arbeit ein weiteres Mal eindrucksvoll unterstrichen.“ Mehr Informationen im Internet:

www.innovacell.com 19

Über die Innovacell Die Innovacell Biotechnologie AG, mit Sitz in Innsbruck, beschäftigt sich mit der klinischen Entwicklung von autologen (patienteneigenen), minimal invasiven, möglicherweise mit nur einer Behandlung langfristig heilenden („einmal im Leben“) Zelltherapien, um die Funktionsfähigkeit des Schließmuskels bei Patienten mit Blasenschwäche oder ungewolltem Stuhlverlust wiederherzustellen. Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen wird von einem erfahrenen Management geführt und verfügt über eine der größten und modernsten Produktionsanlagen zur Vermehrung von körpereigenen Zellen in Europa. Innovacell ist ein hauptsächlich mit Private Equity finanziertes Unternehmen.


GESUNDHEIT

Herzenssache Die Kryotechnologie, bei der extreme Kälte zur Behandlung von Vorhofflimmern eingesetzt wird, ist ein großer und immer weiter wachsender medizinischer Markt. Das Innsbrucker Unternehmen AFreeze entwickelt einen speziellen Katheter, der eine einfache, sichere und effektive Behandlung für Betroffene verspricht. Von Rebecca Müller

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orhofflimmern gilt als die häufigste Herzrhythmusstörung, mehr als 14 Millionen Menschen in den Industrienationen leiden darunter. Die Wahrscheinlichkeit für Personen über 40, diese Krankheit zu bekommen ,liegt bei 25 Prozent. Vorhofflimmern geht einher mit einer erhöhten Sterblichkeitsrate und einem erhöhten Schlaganfallrisiko. Rund ein Drittel aller Krankenhausaufnahmen passieren aufgrund von Herzrhythmusstörungen, damit stellen sie auch eine enorme Belastung für das Gesundheitssystem dar. In diesem medizinischen Markt operiert die Innsbrucker Firma AFreeze. Das Unternehmen arbeitet mit dem wissenschaftlichen Konzept der Kryotechnologie, zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen. „Kryos“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet Kälte. 2005 wurde diese Technologie von Firmengründer Gerald Fischer in enger Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Innsbruck und der privaten Gesundheitsuniversität UMIT in Hall entwickelt. „Das CoolLoop Kryoablationssystem ist unser Leitprodukt“, erklärt Fischer und führt weiter aus: „Der Katheter wird im linken Vorhof positioniert und dann von innen mit flüssigem Kühlmedium gekühlt. Der CoolLoop-Katheter wird auf diesem Weg eingesetzt, um eine lange, zirkuläre Liäson, eine Vernarbung, herzustellen und um so weiteres Vorhofflimmern zu verhindern.“ Mit dieser Methode wird eine sichere, effektive und vor allem für den Patienten gut verträgliche Behandlungsmethode

gewährleistet. „Das ist auch das Innovative an unserem Produkt. Mit nur einem Behandlungsschritt vereinfacht es den Einsatz von Kathetern und verbessert das therapeutische Ergebnis eines solchen Eingriffs“, betont Fischer.

Gerald Fischer Gründer, Chief Technology Officer und Geschäftsführer, AFreeze Gerald Fischer schloss sein Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität Graz ab. Habilitiert ist er für das Fach der Biomedizinischen Technik. Er war maßgeblich an der Entwicklung der Kryotechnologie zum Einsatz in der Behandlung von Herzrhythmusstörungen beteiligt. 2008 gründet er zusammen mit dem heutigen kaufmännischen Geschäftsführer Florian Hintringer das Unternehmen AFreeze. Zuvor war Fischer unter anderem Leiter der Arbeitsgruppe Biomedizinische Modellbildung an der UMIT. Er ist Autor von mehr als 20 internationalen Publikationen.

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Ein langer Weg 2008 gründet der Medizintechniker Gerald Fischer, der im Fachgebiet der Biomedizinischen Technik habilitiert ist, gemeinsam mit Florian Hintringer die Firma AFreeze. „Er ist der Arzt, ich bin der Techniker, Gertraud Unterrainer ist unsere kaufmännische Geschäftsführerin.“ Der Gründung ging die Forschungszeit voraus, noch 2008 wurden mit dem Produkt die ersten In-vivo-Versuche (Versuche am lebenden Organismus) gestartet und im Jahr 2012 wurde das CoolLoop-Kryoablationssystem an Patienten gestestet. „2009 war dabei unser bis jetzt schwerstes Jahr, in dem wir nicht genau wussten, ob und wie es weiter geht“, erinnert sich Gerald Fischer. Projekte wie jenes der Firma AFreeze werden üblicherweise immer nur auf einen Zeitraum von eineinhalb Jahren fix finanziert. Generell werde es immer schwieriger, Gelder zu sichern, meint Fischer. „Ob es nun um Investoren oder öffentliche Förderungen geht, die Finanzierung ist immer ein harter Weg. Hier finden wir immer wieder eine Lücke im System, nämlich wenn es um die frühe Förderung solcher Projekte geht, welche aber wichtig ist für die Zulassung. Investoren steigen meist später ein, zu einem Zeitpunkt, an dem die Erwirtschaftung von Gewin-


„In den nächsten 50 Jahren wird sich die Anzahl der Betroffenen aufgrund des zunehmenden Alters verdoppeln."

Internationale Studie In einem nächsten Schritt wird der CoolLoop-Katheter nun international getestet. Eine klinische Studie wird in der Schweiz, in Deutschland und Österreich durchgeführt, über ein Jahr sollen 100 Patienten behandelt werden. So können noch mehr Daten gesammelt werden, Erfahrungswerte verbessern den effektiven und noch risikoärmeren Einsatz der Technik. „In den nächsten 50 Jahren wird sich die Anzahl der Betroffenen aufgrund des zunehmenden Alters verdoppeln. Eine einfache, sichere und effektive Behandlung, die mehr Ärzte durchführen können, wird daher immer mehr an Bedeutung gewinnen“, ist sich Gerald Fischer sicher.

Was ist ein Herzkatheter im Allgemeinen? Herzkatheter sind zumeist „schlauchförmige“ medizinische Instrumente, die von einer Vene in der Leistengegend bis in das Herz geschoben werden. Für verschiedene Krankheitsbilder gibt es verschiedene Arten von Kathetern. Es gibt spezielle Katheter für die Behandlung von Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen, der Herzklappen und Herzrhythmusstörungen.

Wie werden Katheter bei Vorhofflimmern eingesetzt? Ablation steht in der Medizin für das Entfernen von Körpergewebe. Bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen, wie z. B. Vorhofflimmern, wird ein kleiner die Rhythmusstörung verursachender Teil von Herzmuskelgewebe durch Veröden funktionell entfernt. Dies erfolgt durch Erhitzen oder Vereisen von bestimmten Gewebeteilen. Dieses Gewebe wandelt sich dann in eine Narbe um, wodurch die Rhythmusstörung beseitigt wird.

© AFREEZE

Hoher Leidensdruck Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern sind mit einem hohen Leidensdruck der Betroffenen verbunden. „Die Lebensqualität der Patienten ist häufig sehr schlecht“, weiß Gerald Fischer. Aktuelle Therapien zielen darauf ab, den Sinusrhythmus des Herzens durch Medikation aufrecht zu erhalten. „Dadurch wird die zugrunde liegende Störung aber nicht beseitigt, behandelt werden nur Symptome. Der positive Langzeiteffekt der Behandlung ist begrenzt und geht mit Nebenwirkungen einher“, gibt Fischer zu bedenken. Bei einer Kryoablation wird über den Prozess des Schockgefrierens das betroffene Gewebe zerstört, der CoolLoop-Katheter entzieht dem Gewebe rasch Wärme, Eiskristalle werden in den Zellen gebildet, der dadurch entstehende Schaden führt zum endgültigen Zelltod. „Der CoolLoopKatheter bietet aber nicht nur eine bessere Behandlung für Betroffene, sondern auch einen effektiven und ökonomischen Fortschritt für das Gesundheitssystem, da es sich um einen sogenannten ‚Singleshot-Katheter‘ handelt. Die Handhabung ist einfach“, betont Fischer. Der Einsatz des Katheters verlange weniger komplexe Schulungen als etwa Robotersysteme. Damit könne man dem Problem begegnen, dass aktuell sehr vielen Betroffenen nur wenige Ärzte gegenüber stehen, die eine langfristige Verbesserung oder Heilung für ihre Patienten erwirken können. Zudem ist der Einsatz von Kälte bei Katheterablationen sehr gut verträglich und sicher in der Anwendung, weniger risikoreich und verringert zum Beispiel das Risiko von Thrombus-

Bildungen um das 5,6-Fache im Vergleich zu anderen Methoden wie dem Einsatz von Wechselstrom. „Unsere Erstanwendungen an Menschen bestätigen all diese positiven Effekte unseres Produkts“, fasst Fischer zusammen.

O 25,75 mm

nen absehbar ist“, stellt Fischer fest. Ein Problem, zumal Zulassungsverfahren für medizinische Techniken und neuartige Behandlungsmethoden viel Zeit und auch entsprechende Mittel in Anspruch nehmen. „Bei unserem CoolLoop-Katheter handelt es sich um ein Medizinprodukt der Klasse III, was in diesem Zusammenhang bedeutet, dass die Zulassung sehr aufwendig und sehr teuer ist“, erläutert Fischer. Motivation für derart komplexe und aufwendige Forschung und Entwicklung im medizinischen Bereich bleiben nicht zuletzt die Patienten.

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GESUNDHEIT

Bühne frei für die Gesundheit Die fh gesundheit war zu Gast am Tiroler Landestheater. Aber nicht etwa der Schauspielerei wegen, sondern um ein interessantes Projekt mit den dort tätigen Orchestermusikern und Maskenbildnern zu realisieren. Von Daniel Naschberger

A Katja Sultzer

„Erstaunlich war, wie offensiv die Studierenden mit dem Thema umgingen und wie minutiös sie sich vorbereitet hatten.“

m Theater zu arbeiten, klingt im ersten Moment nach Glanz und Gloria – bewegende Momente werden auf die Bühne gebracht, das Publikum dankt es mit stehenden Ovationen. Doch was der Zuschauer zu sehen und zu hören bekommt, ist mit großem körperlichen Aufwand verbunden. Und das nicht nur für die Schauspieler und Sänger. Denn es sind gerade auch die Menschen im Hintergrund, deren jahre- und jahrzehntelange Arbeit am Theater gesundheitlich Spuren hinterlässt. Die Studierenden der Bachelor-Studiengänge Physiotherapie und Ergotherapie an der fh gesundheit wollten es im vergangenen Jahr genauer wissen und nahmen die Arbeit der Berufsmusiker und Maskenbildner am Tiroler Landestheater unter die Lupe. „Die Idee entstand eigentlich bereits im Juni 2012. Ich habe mich mehrmals mit der Beauftragten für Gesundheitsförderung des Landestheaters getroffen und nach mehreren Gesprächen sind wir auf die spannende Projektidee gestoßen. Unser Ziel war es, die Orchestermusiker sowie die Mitarbeiter der Masken- und Perückenbildung im Rahmen der Gesundheitsförderung und Prävention zu betreuen und zu schulen und damit deren körperliche Ressourcen für den Arbeitsalltag zu erhalten und zu verbessern“, erläutert Projektleiterin Katja Sultzer, die an der FH unter anderem für die Praktikumskoordination im Bachelor-Studiengang Physiotherapie zuständig ist. Um zwei Studiengänge an der FH interdisziplinär verknüpfen zu können, holte sie 22

ihren Lehrkollegen Christian Wanka vom Studiengang Ergotherapie mit ins Boot, zusammen erarbeiteten die beiden gemeinsame Arbeits- und Lernansätze. „Uns war einerseits wichtig, dass die Studierenden durch dieses Projekt ihre theoretisch erworbenen Kompetenzen in den Fachbereichen Arbeitsmedizin, Prävention und Ergonomie durch praktische Anwendung an Probanden trainieren konnten – andererseits hatten sie aufgrund der interdisziplinären Zusammenarbeit aber auch die Möglichkeit, ihre Kompetenzen im sozialkommunikativen Bereich zu erweitern“, gibt Sultzer Einblicke. Die Anwärter aus dem Studiengang Physiotherapie kamen aus dem vierten der insgesamt sechs Semester, jene aus der Ergotherapie wegen der Zusammenstellung des Curriculums aus dem zweiten. Gewinn für alle Beteiligten Nach intensiven Vorarbeiten startete das Projekt Anfang April des Vorjahres in die heiße Phase. Die Studierenden der fh gesundheit wurden in Teams eingeteilt, die jeweils aus einem Physio- und einem Ergotherapeuten bestanden. Jedes Team kümmerte sich um einen Musiker beziehungsweise einen Maskenbildner, jeder Mitarbeiter des Landestheaters bekam jeweils vier Therapieeinheiten mit den Studierenden verordnet. „Erstaunlich war, wie offensiv die Studierenden mit dem Thema umgingen und wie minutiös sie sich vorbereitet hatten. Denn sie wussten bei Weitem nicht so lange Bescheid wie wir, was sie erwarten würde: Erst einen


© RUPERT LARL (2)

GESUNDHEIT

Katja Sultzer, Projektleiterin

„Unser Ziel war es, die Orchestermusiker sowie die Mitarbeiter der Maskenund Perückenbildung im Rahmen der Gesundheitsförderung und Prävention zu betreuen und zu schulen und damit deren körperliche Ressourcen für den Arbeitsalltag zu erhalten und zu verbessern.“

01 01 Die Haltung der Orchestermusiker sowie der Maskenbildner stand im Fokus des Projektes. 02 Bei den Bläsern des Orchesters wurde auch die Atmung unter die Lupe genommen.

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Monat vor Projektbeginn erhielten sie die Aufgabenstellung und die Literatur, dann mussten sie sich im Selbststudium vorbereiten. Alle waren sehr fleißig und haben das optimal gelöst“, freut sich Katja Sultzer, die besonders das Zusammenspiel zwischen den beiden FHStudiengängen hervorhebt: „Natürlich gab es Reibungspunkte. Da spielte das Fachliche genauso eine Rolle wie das Alter, immerhin waren die Ergotherapeuten ja jüngere Jahrgänge. Die Physiotherapeuten im vierten Semester hatten zuvor bereits Patientenkontakt, die Ergotherapeuten hingegen nicht. Aber dennoch hat alles bestens funktioniert, vor allem weil die Studierenden innerhalb der Teams und untereinander viel diskutiert und sich gut abgesprochen haben. So wurden gemeinsam Lösungsansätze erarbeitet.“ Die FH-Studierenden stellten im Zuge ihrer Recherchen schnell fest, dass sowohl die Musiker als auch die Masken- und Perückenbildner von ähnlichen Problemen geplagt werden – Haltungsschäden treten bei bei-

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© FH GESUNDHEIT

Krank durch Beruf Bestimmte körperliche Schädigungen, die nachweislich durch eine berufliche Tätigkeit hervorgerufen werden, gelten als Berufskrankheiten. Diese verlaufen normalerweise chronisch und sind auf Arbeitsverfahren oder verwendete Arbeitsstoffe zurückzuführen, ein bekanntes Beispiel ist die „Staublunge“. In Österreich gibt es derzeit 53 verschiedene Berufskrankheiten.

den Berufsgruppen relativ häufig auf. Bei den nach stundenlangem Hantieren an den MasMusikern machen sich die vielen Stunden im ken beizukommen. Nach sorgfältiger AnalyOrchestergraben bemerkbar, Nervenschäden, se und Auswertung der erhobenen Befunde Kopf- und Rückenschmerzen können die Fol- wurden die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ge sein – die Symptome äußern sich je nach des Landestheaters zu ihrem Arbeitsumfeld gespieltem Instrument unterschiedlich. Wäh- beraten. Sie erhielten von den Studierenden rend sich die Physiotherapie-Studierenden Verbesserungsvorschläge für die Gestaltung besonders auf Haltung und Muskeln, Wirbel ihres Arbeitsalltages sowie Anleitungen zu sowie Gelenke der Musiker und Musikerinnen spezifischen Übungen. des Landestheaters fokussierten, analysierten ihre Kollegen aus der Ergotherapie vielmehr Nächste Runde das Arbeitsumfeld, also etwa Lichteinflüs- Im Juli 2013 war das Projekt nach einer se und Umgebungstemperatur. So wurden in zweimonatigen Arbeit mit den Probanden soKooperation der Studierenden eines Zweier- wie einer Nachbearbeitungsphase abgeschlosTeams individuelle Übungen entwickelt, die sen – mit sehr erfreulichen Ergebnissen, wie helfen sollten, die Beschwerden der Proban- Sultzer betont: „Es sind viele Faktoren, die dieses Projekt zu einem Erfolg gemacht haden zu lindern. „Durch gezieltes Krafttraining können die ben. Die Studierenden haben durch diese Musiker ihren Probleme entgegensteuern, praktische Erfahrung viel dazu gelernt, die die Stärkung der Rückenmuskulatur und die Kooperation der Physio- und ErgotherapeuStabilisation des Beckens sind sehr wichtig. ten trug Früchte. In von uns durchgeführten Unsere Studierenden haben etwa auch fest- Evaluierungen kam heraus, dass die Musiker und Maskenbildner sehr von gestellt, dass das physioloÜbungsanleitungen progische Atemmuster bei BläEs wurden individuelle den fitiert haben und sich nun sern verändert ist – mit Hilfe Übungen entwickelt, viel bewusster ihres Körpers von Atemtherapie kann das Volumen verändert werden, die helfen sollten, die annehmen.“ Die fh gesundheit ist so sind sie in der Lage, länBeschwerden der Produrch dieses Projekt, das es ger zu spielen“, erklärt Katja banden zu lindern. in dieser Form in Österreich Sultzer, was den Mitarbeizuvor noch nicht gegeben tern des Tiroler Landestheaters während des Projektes vermittelt wurde. hat, jedenfalls auf den Geschmack gekommen. Vergleichbar gestaltete sich die Angele- Im anstehenden Sommersemester werden genheit bei den Maskenbildnern, die nicht nur sich Studierende der FH erneut am Tiroler mit der gebückten Haltung, sondern auch mit Landestheater einfinden: Die PhysiotheraDämpfen und Toxinen zu kämpfen haben. Die peuten des aktuellen vierten Semesters sowie Arbeitsplatzgestaltung war den Teams der diesmal die Diätologen des zweiten Semesters FH ein besonderes Anliegen, sie versuchten, untersuchen dann, was es mit der Ergonomie Lösungen zu liefern, um dem Spannungskopf- der Schneiderinnen und Ankleiderinnen auf schmerz und der schlechten Durchblutung sich hat.

Interview mit Angelika Plankensteiner, Leiterin der Betrieblichen Gesundheitsförderung am Tiroler Landestheater Welchen Stellenwert hat Gesundheitsförderung am Tiroler Landestheater? Angelika Plankensteiner: Wir möchten dem Ziel „Gestaltung einer gesunden Arbeitswelt“ so gerecht wie möglich werden. Die Betriebliche Gesundheitsförderung leistet einen wichtigen Beitrag, um dieses Ziel zu erreichen bzw. zu erhalten. Wir bieten ein Arbeitsumfeld, in dem sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wohlfühlen und entfalten können.

Warum hat sich das Landestheater entschieden, am Projekt mitzuwirken? Das Gemeinschaftsprojekt ist eine weitere Maßnahme zur Bewältigung der gesundheitlichen Herausforderungen im Arbeitsalltag. Deshalb war es für uns folgerichtig, das Projekt zu unterstützen und den Mitarbeitern die Möglichkeit der Teilnahme zu bieten. Welche Ergebnisse wurden erzielt? Nach Projektabschluss gab es eine umfassende Arbeitsplatzanalyse. Die Evaluierung zur Arbeit der Studierenden wurde mittels

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Fragebogen durchgeführt und ergab eine überdurchschnittliche Zufriedenheit unserer Belegschaft. Die Ergebnisse der Arbeitsplatzanalyse konnten für die Anschaffung neuer Arbeitsmittel genutzt und auch für die Verbesserung der Lichtverhältnisse hilfreich mit einbezogen werden. Aufgrund dieser erfolgreichen Zusammenarbeit hat das nächste Projekt bereits begonnen. Im Mai werden wir unser Angebot „Prävention und Ergonomie“ für weitere Abteilungen öffnen und gemeinsam mit dem Studiengang Diätologie das gesunde Essverhalten am Arbeitsplatz unter die Lupe nehmen.


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GESUNDHEIT

Leben ohne Schmerz Ein Forschungsprojekt der Medizinischen Universität Innsbruck beschäftigt sich mit chronischen Schmerzen und deren Ursache. Von Sylvia Ainetter

Univ-Prof. Dr. Michaela Kress leitet das Departement für Physiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck.

„Unser primäres Ziel ist es, für die behandelnden Ärzte bessere Diagnosemöglichkeiten zu entwickeln.“

Partner des Projekts → Medizinische Universität Innsbruck (AT) → Masaryk University Brno – University Hospital (CZ) → Exiqon A/S (DK) → Bordeaux Segalen University (FR) → Universitätsklinik Würzburg (DE) → Universitätsmedizin der JohannesGutenberg-Universität Mainz (DE) → European Research and Project Office GmbH (DE) → Universitätsklinik Heidelberg (DE) → The European Molecular Biology Laboratory (DE) → The Hebrew University of Jerusalem (IL) → King’s College London (UK)

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u Beginn unterscheiden sich Schmerzen kaum voneinander. Doch während der Schmerz bei dem einen – etwa nach einer Verletzung – nach einiger Zeit abklingt, bleibt er beim anderen dauerhaft bestehen. Ab sechs Monaten spricht man von chronischem Schmerz – 20 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Besonders häufig tritt der Dauerschmerz bei Diabetikern auf, oft bleiben auch nach Knochenbrüchen schmerzhafte Entzündungen bestehen. Für die Patienten bedeutet das großes Leid und eine starke Einschränkung der Lebensqualität. Chronische Schmerzen sind eine sehr subjektive und persönliche Erfahrung – das erschwert häufig Diagnose und Therapie. Rund die Hälfte (46 %) der Patienten erhält innerhalb eines Jahres eine Diagnose, doch andere warten viel länger: Jeder Elfte bekommt sie erst nach fünf Jahren oder später, 16 % leiden noch länger. Ähnlich schaut es mit der Behandlung chronischer Schmerzen aus: Nur 35 % der Betroffenen geben an, dass der Schmerz innerhalb eines Jahres nach der Diagnose unter Kontrolle gebracht wurde, 38 % warten vergeblich auf eine hilfreiche Therapie. Dazu kommen enorme Kosten, die durch chronische Schmerzen verursacht werden: Rund 3 % des Bruttoinlandsprodukts kostet diese Erkrankung jedes EU-Land.1 26

Genforschung Das Projekt ncRNAPain, an dem auch die Medizinische Universität Innsbruck beteiligt ist, beschäftigt sich mit der Erforschung chronischer Schmerzen. „Unser primäres Ziel ist es, für die behandelnden Ärzte bessere Diagnosemöglichkeiten zu entwickeln“, erzählt Prof. Michaela Kress, Koordinatorin des Projekts, „die Diagnosestellung dauert derzeit noch viel zu lange.“ Die Wissenschaftler forschen an der Ursache der chronischen Schmerzen, über die man derzeit noch recht wenig weiß. Doch eine Vermutung gibt es: Die DNA des Menschen besteht aus einer Doppelhelix, aus zwei einander gegenüberliegenden, verbundenen Strängen, auf denen die Erbinformation gespeichert ist. Die Gene auf der DNA enthalten die Informationen für die Herstellung von Ribonukleinsäuren, der RNA. Ein Teil der RNA, die messenger RNA ist für die Bildung von Proteinen zuständig, die sämtliche Vorgänge im Körper steuern (siehe Abbildung). Andere RNA-Abschnitte hingegen enthalten keine Protein-Informationen, man nennt sie daher „nichtcodierte RNA“. Lange Zeit wurde nichtcodierten RNAs (ncRNA) keine große Bedeutung zugeordnet. Doch neuere Forschungen weisen darauf hin, dass bestimmte ncRNAs möglicherweise eine Rolle


RNA ncRNA: Nicht-codierende RNA, die keine Information über Proteinbaupläne enthält

Gen: Ein Abschnitt auf der DNA, der den „Bauplan“ für die Herstellung von RNA enthält

bei der Entstehung von chronischen Schmerzen spielen. Manche ncRNAs steuern offenbar die Bildung von Zytokinen, das sind Proteine, die je nach Art Entzündungen hemmen oder auslösen können. Bei Patienten, die nach Verletzungen unter chronischen Schmerzen leiden, zeigt sich ein verändertes Zytokinmuster. Diagnostik und Therapie verbessern Elf Universitäten arbeiten an dem Projekt mit, die EU fördert es mit sechs Millionen Euro. Angelegt ist das Forschungsprojekt auf vier Jahre. An der Medizinischen Universität Innsbruck sind vier Institute beteiligt: die Sektion für Physiologie, die Sektion für Genetische Epidemiologie, die Sektion für Genomik und RNomik und die Sektion für Bioinformatik. Geforscht wird einerseits am Patienten, andererseits haben die Wissenschaftler auch viel Laborarbeit vor sich. „Wir werden auch versuchen, ncRNAs zu entwickeln, die zur Therapie eingesetzt werden können“, er-

ncRNA

Protein: Eiweiß. Die Moleküle sind aus Aminosäuren aufgebaut und erfüllen im Körper viele wesentliche Funktionen.

klärt Kress. In der Onkologie gibt es für derartige Therapien bereits erste klinische Studien, in der Schmerzmedizin wird nun Neuland betreten. Vielleicht schlummert hier die Erlösung für viele Schmerzpatienten.

Chronische Schmerzen Man unterscheidet zwei Formen von chronischem Schmerz: nozizeptiven und neuropathischen Schmerz. Bei nozizeptiven Schmerzen ist das Nervensystem intakt – etwa bei Tumor-, Rücken- oder chronischen Entzündungsschmerzen. Bei neuropathischen Schmerzen sind die Nerven direkt ursächlich beteiligt, wie etwa bei Gürtelrose oder Multipler Sklerose. Chronische Schmerzen sind schwierig zu therapieren, ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist die Gabe von Schmerzmitteln, aber auch Entspannungstechniken, Physiotherapie, Wärme- bzw. Kältebehandlung können Linderung bringen. 1 Quelle: Pain Proposal Steering Committee (Hrsg.): Pain proposal. Improving the current and future management of chronic pain. A European Consesus Report, wissenschaftlicher Bericht

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GESUNDHEIT


GESUNDHEIT

Der Bauch der Innsbrucker Die fh gesundheit führt bis 2015 eine für Tirol in Umfang und Messmethodik einzigartige Untersuchung zum Thema „Ernährungszustand und Essverhalten der Innsbrucker Bevölkerung“ durch. Von Klaus Erler

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esunde Ernährung und die richtigen Ernährungsgewohnheiten sind als Themen längst im Zentrum gesellschaftlichen Interesses angekommen. Kein Monat vergeht ohne Wust an neuen Ernährungsratgebern, Lifestylemagazin-Diäterfindungen und frisch kreierten „Powerfoods“. Unklar ist nach wie vor, ob diese Informationsflut schlussendlich auch zu einem Bewusstsein für eine zeitgemäße ausgewogene Ernährungsweise führt oder ob große Teile der heimischen Bevölkerung weiterhin den ungesunden Essgewohnheiten „zu süß“, „zu salzig“ und „zu fett“ verhaftet bleiben. Richtig ernährt? Um diese Frage für den Raum Innsbruck zu klären, startet der FH-Bachelor-Studiengang Diaetologie an der fh gesundheit (fhg) heuer die breit angelegte Ernährungs-Studie „Tiroler Ernährungserhebung 2015 – TEE 2015“. Ziel des voraussichtlich im Oktober 2015 abgeschlossenen Forschungsprojekts ist es, den Ernährungszustand, die Verzehrgewohnheiten und die daraus resultierende Lebensqualität der erwachsenen Tiroler Bevölkerung im Großraum Innsbruck zu erheben und zu beurteilen. Konzipiert und durchgeführt wird die Studie von fh-gesundheit-Forscher Bernhard Perktold. „Zunächst

erheben wir den Ernährungs-IstZustand innerhalb der Bevölkerung“, erklärt der Diätologe. „Die zentralen Fragen, die uns dabei leiten, sind: Lässt sich die in internationalen Fachpublikationen beschriebene Zunahme von Übergewicht und Fettleibigkeit bei der europäischen Bevölkerung auch für Innsbruck verifizieren? Werden die Empfehlungen der europäischen Fachgesellschaften für Ernährung – zum Beispiel fünf Mal am Tag Obst oder Gemüse zu konsumieren – im täglichen Leben angewandt? Wird die heimische Bevölkerung über das Essen mit genug Eisen,

Bernhard Perktold, fh-gesundheit-Forscher, führt die Tiroler Ernährungserhebung 2015 durch.

„Zunächst erheben wir den Ernährungs-Ist-Zustand innerhalb der Bevölkerung.“ Kalzium, Vitamin D und Vitamin B versorgt? Darüber hinaus wollen wir mögliche Zusammenhänge zwischen einem guten Ernährungszustand und einer hohen Lebensqualität herausfinden.“ 28

Vergleich mit früheren Studien Befragungen zu ähnlichen Themen gab es in Österreich schon früher: Im Rahmen der österreichischen Gesundheitsbefragung wurden zum Beispiel bereits 2006/2007 den Bundesländern zuordenbare Daten zu Größe und Gewicht der Bevölkerung erhoben und die Ergebnisse veröffentlicht. Allerdings verließ man sich dabei mitunter auch auf Selbsteinschätzungen der Befragten. Der durch diese Studien aufgezeigte Trend – die Fettleibigkeit hätte demnach in Gesamttirol seit 1999 zugenommen, wäre aber dennoch seltener anzutreffen als im Osten Österreichs – soll nun mit zusätzlichen Mess-Instrumentarien überprüft werden. Darüber hinaus wird ein Vergleich der Ergebnisse mit den gesamtösterreichischen Mittelwerten aus dem österreichischen Ernährungsbericht 2012 erfolgen. Untersuchen und befragen 450 Studienteilnehmer von 18 bis 64 Jahren beiderlei Geschlechts werden über eine Zufallsstichprobe als repräsentative Schnittmenge der werktätigen Bevölkerung der Bezirke Innsbruck und Innsbruck Land ermittelt. Die Teilnahme erfolgt anonymisiert, so dass keine Rückschlüsse der jeweiligen Ergebnisse auf einen bestimmten Teilnehmer gezogen werden können.


GESUNDHEIT

Was ist Übergewicht?

So ernähre ich mich richtig

Um Übergewicht zu definieren, benutzt man den so genannten Body-Mass-Index BMI. Durch ihn wird das Körpergewicht eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße bewertet. Der BMI darf allerdings nur als Richtwert verstanden werden, da er weder Geschlecht, Alter noch die individuelle Zusammensetzung des Körpers aus Fett- und Muskelgewebe berücksichtigt.

Übergewicht beginnt ab einem BMI von 25, ab BMI 30 spricht man von Fettleibigkeit, der so genannten Adipositas. Fettleibigkeit führt zu einem wesentlich höheren Risiko, an Herz-Kreislaufleiden zu erkranken, Diabetes oder Krebserkrankungen zu entwickeln.

Tipps von Diätologen und fhgForscher Bernhard Perktold

1. Trinken Sie täglich mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit, bevorzugt energiearme Getränke in Form von Wasser, Tees oder verdünnten Obst- und Gemüsesäften.

↓ 2.

Essen Sie täglich fünf Portionen Gemüse und Obst, idealerweise drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst.

↓ 3.

‹18,5

Normalgewicht

›30

18,5-24,9 25-29,9

Die Studie gliedert sich in zwei Teile: Untersuchung und Befragung. Beide Teile finden je nach Wunsch bei den Studienteilnehmern zu Hause oder im Haus der fh gesundheit in Innsbruck statt. Die Erhebung des Ernährungszustandes dauert dabei nur wenige Minuten. Sie liefert genaueste Ergebnisse zu Gewicht und Körpergröße und mithilfe der bioelektrischen Impedanzanalyse auch detaillierte Informationen zur Körperzusammensetzung (Muskelmasse, Fettanteil im Körper und Wasser). Die Befragung zu Ernährungsgewohnheiten und Lebensqualität wird dann im Detail anhand standardisierter, europaweit gebräuchlicher Fragebögen durchgeführt. Die so gewonnenen Daten und Ergebnisse sollen später in Kooperati-

Adipositas

Übergewicht

on mit dem Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Wien in den Österreichischen Ernährungsbericht 2016 des Gesundheitsministeriums einfließen. Darüber hinaus wird mit den Daten die Grundlage für zukünftige gesundheitspolitische Aktionen in Tirol geliefert. © EMANUEL KASER

Untergewicht

Essen Sie täglich vier Portionen Getreide, Brot, Nudeln, Reis oder Erdäpfel.

4.

Konsumieren Sie täglich drei Portionen Milch und Milchprodukte, bevorzugt in fettarmen Varianten.

↓ 5.

Essen Sie mindestens ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche und maximal drei Portionen fettarmes Fleisch oder fettarme Wurstware.

Studienteilnehmer gesucht Wer an der „Tiroler Ernährungserhebung 2015“ teilnehmen und sich dadurch umfassend über den eigenen Ernährungszustand informieren will, kann sich montags und mittwochs ganztags unter folgender Adresse melden: fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH FH-Bachelor-Studiengang Diaetologie Bernhard Perktold MSc, Tel.: 0512/5322/76724 bernhard.perktold@fhg-tirol.ac.at www.fhg-tirol.ac.at

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GESUNDHEIT

Eine Frage der Balance Das Vestibularorgan im Innenohr ist für den Gleichgewichtssinn des Menschen zuständig. Arbeitet dieses Organ nicht richtig, leiden die betroffenen PatientInnen unter erheblichen Störungen des Gleichgewichtssinnes, des Bewegungsablaufs und der visuellen Wahrnehmung. Wissenschaftler des K-Regio-Projekts VAMEL entwickeln ein Implantat, welches die fehlende Funktion des Gleichgewichtsorgans so weit ersetzt, dass die Konsequenzen gemildert oder gar beseitigt werden. Ein Novum in der Medizin. Von Rebecca Müller

I Rainer Schubert ist Universitätsprofessor und Lehrstuhlinhaber für Medizinische Informatik an der UMIT. 2002 wird Rainer Schubert als ordentlicher Universitätsprofessor auf den Lehrstuhl für Biomedizinische Bildanalyse berufen und gründet das gleichnamige Institut, dessen Vorstand er ist. Humanwissenschaften hat er in Lübeck und Hamburg studiert. In seiner Forschung setzt er folgende Schwerpunkte: Medizinische Bildverarbeitung, insbesondere Segmentierung und Visualisierung, geometrische und symbolische Modellierung biologischer Strukturen sowie klinische Applikation.

n der Medizin und auch in der Allgemeinheit bekannt sind so genannten Cochlea-Implantate. Mit ihnen können Ertaubungen und spezifische Arten der Schwerhörigkeit geheilt werden, wo konventionelle Hörgeräte versagen. Cochlea-Implantate werden in der Cochlea, der Hörschnecke, eingesetzt und regen den Hörnerv durch Elektroimpulse an. In direkter anatomischer Nachbarschaft zur Hörschnecke befindet sich das Vestibularorgan, das Gleichgewichtsorgan. „Die normale Funktion des Gleichgewichtsorgans ist Voraussetzung dafür, dass wir uns ohne Schwindel bewegen können und sturzfrei gehen können“, erklärt Professor Rainer Schubert, Leiter des Department für Biomedizinische Informatik und Mechatronik, des Instituts für Biomedizinische Informatik und der dort angesiedelten Abteilung für Biomedizinische Bildanalyse an der Tiroler Gesundheitsuniversität UMIT in Hall. Bei einer Störung dieses Organs leiden die Patienten und Patientinnen nicht nur unter Bewegungsstörungen und Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen, auch das Sehen ist oft stark beeinträchtigt, da die mit dem Auge aufgefangenen Informationen vom Gehirn nicht mehr richtig verarbeitet werden können, wenn die Informationen des Gleichgewichtssinns für die Bildstabilisierung fehlen. 500.000 Menschen in Europa und den Vereinigten Staaten leiden an dieser Erkrankung. Die Arbeit und Forschung der Wissenschaftler des Projekts VAMEL (Vestibular Anatomy Modeling and Electrode Design) ist Grundlage für die Entwicklung eines Implantats, 30

mit welchem eine bisher nicht vorhandene Behandlungsmöglichkeit für diese Menschen vorhanden wäre. Kompetente Partner Bei dem Projekt, das den Zuschlag der Technologieförderung „K-Regio“ des Landes Tirol erhalten hat, arbeiten universitäre Partner aus der Wirtschaft zusammen. Geleitet wird es von der MedEl GmbH, weiters daran beteiligt sind die Medizinische Universität Innsbruck, die Universitätsklinik für HalsNasen-Ohrenheilkunde (Labor für Innenohrforschung), die Gesundheitsuniversität UMIT mit dem Institut für Biomedizinische Informatik (Abteilung Biomedizinische Bildanalyse) und dem Institut für Elektrotechnik und Biomedizinische Technik, mit dem Aufgabengebiet der elektrophysiologischen Modellbildung und Simulation, die Sistro Präzisionsmechanik GmbH und die synedra information technologies GmbH. Letztere ist für das Datenmanagement und dessen Archivierung zuständig. Die Innsbrucker Firma MedEl, führendes Unternehmen auf dem Gebiet von Hörimplantaten, soll zusammen mit dem Innenohrlabor der Universitäts-Klinik für HalsNasen-Ohrenheilkunde und Forscher und Forscherinnen der privaten Universität UMIT die Grundlagen für einen Prototypen einer mikroanatomischen, molekularen Prothese erforschen. Auf Basis dieser Forschung wird die Firma MedEL schließlich einen Prototyp entwickeln. Die Haller Firma Sistro


GESUNDHEIT

unterstützt das Projekt bei der Elektrodenfertigung. „Diese Entwicklungsphase kann nur interdisziplinär und durch Kombination der entsprechenden Kompetenzen in den Bereichen Herstellung, Technik und Medizin sinnvoll angegangen werden“, betont Rainer Schubert.

ergeben sich einerseits aus der komplexen Anatomie der sehr kleinen und empfindlichen Strukturen“, erklärt Schubert. Noch dazu befinde sich der betroffene Bereich in unmittelbarer Nachbarschaft sensibler und verletzlicher Strukturen, wie etwa Arterien, Nerven und letztlich dem Gehirn. „Andererseits muss

Rainer Schubert, Leiter des Department für Biomedizinische Informatik und Mechatronik

„Diese Entwicklungsphase kann nur interdisziplinär und durch Kombination der entsprechenden Kompetenzen in den Bereichen Herstellung, Technik und Medizin sinnvoll angegangen werden.“ Höchstsensibles Arbeitsfeld Die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Vorhaben liegen buchstäblich in der sensiblen Materie: „Die Schwierigkeiten bei der Entwicklung von Implantaten zur Elektrostimulation im Bereich des Innenohres

die ebenfalls sehr komplexe elektrophysiologische Funktion des Organs nicht nur genau bekannt sein, sondern auch Ansatzpunkte müssen gefunden und erforscht werden, die einen sinnvollen Eingriff in dieses System ermöglichen“, führt Schubert weiter aus.

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Medizinische Universität Innsbruck Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 1.400* MitarbeiterInnen und ca. 3.000 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein.

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n der Medizinischen Universität Innsbruck werden folgende Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhDStudium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. An das Studium der Human- oder Zahnmedizin kann außerdem der berufsbegleitende Clinical PhD ange-

schlossen werden. Seit Herbst 2011 bietet die Medizinische Universität Innsbruck exklusiv in Österreich das Bachelorstudium „Molekulare Medizin“ an. Ab dem Wintersemester 2014/15 kann als weiterführende Ausbildung das Masterstudium „Molekulare Medizin“ absolviert werden. Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden.

Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen Onkologie, Neurowissenschaften, Genetik, Epigenetik und Genomik sowie Infektiologie, Immunologie & Organ- und Gewebeersatz. Die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck ist im hochkompetitiven Bereich der Forschungsförderung sowohl national als auch international sehr erfolgreich. *vollzeitäquivalent


GESUNDHEIT

← Wie kann ein solches Implantat funktionieren?

VAMEL-Projektpartner:

Die Funktionsweise baut auf das Prinzip des Chochlea-Implantats auf. Ziel ist es, das betroffene Sinnesorgan durch eine bionische Prothese zu ersetzten. Die Nervenzellen des Gleichgewichtsorgans sollen über elektrische Impulse gezielt stimuliert werden. So kann der Ausfall der Zellen kompensiert werden.

• MED-EL GmbH (DI Raimund Naschberger / Dr. Carolyn Garnham, Leitung des Gesamtprojekts, Projektbeitrag: Elektrodenentwicklung) • Medizinische Universität Innsbruck, Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Labor für Innenohrforschung (Prof. Dr. Anneliese SchrottFischer / Dr. Rudolf Glückert, Projektbeitrag: Präparatestudie und CT-Bildgebung, anatomische Modellerstellung, medizinisch-klinische Expertise) • UMIT, Institut für Biomedizinische Informatik, Abteilung Biomedizinische Bildanalyse (Prof. Dr. Rainer Schubert, Projektbeitrag: Anatomische 3DModellierung, statistische Analyse und Modellierung) • UMIT, Institut für Elektrotechnik und Biomedizinische Technik (Prof. Dr. Christian Baumgartner, Projektbeitrag: elektrophysiologische Modellierung und Simulation, Validierung mit in-vitro Zellmessungen) • Sistro Präzisionsmechanik GmbH (DI Günter Höfert, Projektbeitrag: Elektrodenfertigung) • synedra information technologies GmbH (Projektbeitrag: Datamanagement und – archiving)

01 3D-Modell des Innenohrs

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(Institut für Biomedizinische Informatik, UMIT, und Labor für Innenohrforschung, Medizinische Universität Innsbruck)

Rainer Schubert

„Erfahrungsbasiert rechnet man für die Phase von der Idee zu einem konkreten Implantat bis zur ersten klinischen Anwendung mit circa zehn Jahren.“

Ein solches Vorhaben setzt also umfangreiche Forschungen im medizinischen und technischen Grundlagenbereich voraus. Zudem muss ein solches Implantat später chirurgisch einsetzbar und ökonomisch herstellbar sein. Für die universitären Forschungsgruppen gilt es also zunächst jenes Wissen zu schaffen, welches ein anschließendes Entwickeln der Prothese überhaupt ermöglicht. Ein oft jahrzehntelanger Prozess. „ErfahrungsErfahrungsbasiert rechnet man für die Phase von der Idee zu einem konkreten Implantat bis zur ersten klinischen Anwendung mit circa zehn Jahren. Allerdings immer unter der Voraussetzung, dass die Beteiligten über entsprechende Erfahrung und Kompetenz verfügen und daher nicht bei Null anfangen müssen“, betont Professor Schubert. Ein langer Prozess Gestartet wurde das zunächst auf einen Zeitraum von drei Jahren angesetzte Projekt VAMEL im Oktober 2013. „Die Zielsetzung für diesen Zeitraum lautet nun, die wichtigsten Fragen zu den Implantat-Elektroden in Bezug auf Form, Anzahl, elektrische Funktion, Material und Herstellung zu beantworten“, erläutert Schubert. Grob zusammengefasst wird dies in zwei Schritten umgesetzt, die in ständiger Inter32

aktion passieren. Erstens wird ein Modell hergestellt. Auf Basis von individuell unterschiedlichen Innenohrpräparaten erzeugen die Forscher hochauflösende Volumendatensätze. Diese Bilddatensätze dienen dann zur Erstellung von dreidimensionalen Computermodellen der einzelnen Innenohren. „Anschließend werden diese unterschiedlich geformten Modelle statistisch analysiert und ein dreidimensionales Variationsmodell wird erstellt, das es ermöglicht, jede bei einem späteren Patienten zu erwartende Anatomie vorauszusagen und in Form eines geometrischen Computermodells zu generieren“, so Schubert. Im zweiten Schritt wird eine Simulation entwickelt. Auf Basis dieser Modelle werden dann die elektrophysiologischen Prozesse für Elektroden-Settings, unterschiedlich in Anzahl, Form, Position und Aufbau, simuliert und untersucht. Dieser Schritt soll die wesentlichen Fragen zum Design der Elektroden beantworten und die Entwicklung des Implantats ermöglichen. Ein langer Prozess. VAMEL steht derzeit am Anfang dieses, komplexen, arbeitsreichen, spannenden, innovativen und auch viel versprechenden Wegs, an dessen Ende hoffentlich ein völlig neues Produkt in der Medizin und erstmals Heilung für viele Patienten und Patientinnen auf der ganzen Welt warten.


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Beratung auf dem Weg zur Innovation Tagtäglich werden in Tirol Ideen geboren. Sie kommen von Unternehmern und Unternehmerinnen, deren Mitarbeitern, von Studierenden oder anderen kreativen Köpfen. Die Wirtschaftskammer hilft bei der wirtschaftlichen Umsetzung dieser Ideen mit fundiertem Wissen.

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urch die Umsetzung dieser Ideen in ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung entsteht Innovation. Da man dabei immer neue Wege beschreitet, sind kleinere und größere Fragestellungen zu lösen. Die Abteilung Innovation und Technologie der Wirtschaftskammer Tirol unterstützt ihre Mitglieder und Gründungswillige durch eine kostenlose Erstberatung. Dabei wird auch an andere kompetente Stellen vermittelt, beispielsweise an die Transferstelle „Transidee“ der Universität Innsbruck.

Hilfe bei Ideen- und Finanzierungsfragen In der Praxis treten zuerst einmal Fragen bezüglich Schutz der Idee, der Erfindung bzw. der Kreation auf. Schutz erhält man – je nachdem, worum es sich handelt – beispielsweise durch Patente, Marken, Designschutz, das Urheberrecht oder auch durch Geheimhaltung und geeignete Verträge. Eine weitere wichtige Frage ist die Finanzierung, da die Umsetzung einer Idee immer ein gewisses Budget erfordert. In diesem Zusammenhang sind Förderprogramme sehr wichtig, von denen es in Tirol und Österreich einige gibt. Das Ziel ist es, die passenden Programme zu finden und erfolgreich zu beantragen. Auch das Finden von

Realisierungspartnern, kompetenten Forschungsinstituten oder Käufern für die Idee gehört zu den wichtigen Beratungsthemen. Der gangbare Weg, den wir gemeinsam definieren, hängt stark vom Hintergrund und den finanziellen Möglichkeiten ab.

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Tiroler Innovation Dass es möglich ist, in Tirol Innovationen auch von Null weg erfolgreich zu entwickeln, zeigen die folgenden zwei Beispiele: Ing. Hochleitner aus Schwaz hat zufällig beim Gitarrespielen entdeckt, dass ein vor die Box gestelltes Blech die Klangqualität extrem verbessert. Über das Förderprogramm „Tiroler Patententwicklungspool“ konnte er die Erfindung schützen und die Prototypen bauen. Jetzt vertreibt er das fertige Produkt als Einzelunternehmer. Frau Dr. Larch aus dem Zillertal ging in Babypause und war unzufrieden mit den am Markt erhältlichen Babytragen, woraufhin sie kurzerhand ihre eigene Lösung „emeibaby“ erfunden hat und diese nun über ihre Firma international vertreibt. Im Jahr 2013 hat das Team der Wirtschaftskammer rund um DI Gernot Bock 465 Beratungen durchgeführt. Anfragen werden gerne per Mail, telefonisch oder in einem persönlichen Gesprächstermin entgegengenommen und beantwortet. 35

Kontaktieren Sie uns: Wirtschaftskammer Tirol Innovation & Technologie Ing. Elke Bachler, BSc. elke.bachler@wktirol.at Tel. 05 90 90 5 - 1522


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Forschung an neuen Phänomenen Immungeschwächte Personen sind besonders anfällig, Infektionskrankheiten zu bekommen. Ein neues Forschungsprojekt der Medizin-Uni und der Universität Innsbruck beschäftigt sich mit den „opportunistischen Infektionen“. Von Sylvia Ainetter

HOROS wurde von sieben Wissenschaftlern ins Leben gerufen: → Ao. Univ.-Prof. Reinhard Würzner (Sprecher) → Univ.-Prof. Beatrix Grubeck-Loebenstein (stv. Sprecherin) → Univ.-Prof. Günter Weiss → Univ.-Prof. Katja Kotsch → Ao. Univ.-Prof. Hubertus Haas → Univ.-Prof. Cornelia Lass-Flörl → Ao. Univ.-Prof. Heribert Stoiber

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as Immunsystem ist für den Menschen wichtig zum Schutz vor Krankheiten. Ein komplexes System unterschiedlicher Organe, Zellen und Eiweiße verhindert, dass Pilze, Viren, Bakterien und Parasiten sich im Körper breitmachen und so Krankheiten auslösen. Immungeschwächte Personen haben diesen Schutz nicht und sind so besonders anfällig für sogenannte opportunistische Infektionen, die eben genau dann auftreten, wenn der Körper bereits geschwächt ist. Ein nicht oder nur unzulänglich funktionierendes Immunsystem kann mehrere Ursachen haben: zum Beispiel ein hohes Alter oder eine Infektion mit dem HI-Virus. Manchmal ist es auch notwendig, das Immunsystem medikamentös zu unterdrücken. Nach Transplantationen besteht etwa die Gefahr, dass das Immunsystem das Transplantat abstößt. Manche Menschen leiden unter Autoimmunkrankheiten, das bedeutet, dass sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen richtet. In solchen Fällen kann es lebensnotwendig sein, das Immunsystem auszuschalten.

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Die Gefahr: opportunistische Infektionen Je nach Ursache der Immunschwäche treten unterschiedliche opportunistische Infektionen auf. Nach Transplantationen stellen Aspergillus-Infektionen, aber auch Virusinfektionen eine große Gefahr dar. Der Aspergillus, ein Schimmelpilz, setzt sich in der Lunge fest und schädigt sie. HIV-Patienten haben häufig mit Candida-Infektionen zu kämpfen, bekommen öfter Toxoplasmose und erkranken auch häufiger an Zytomegalie (Infektion durch ein Herpes-Virus). Diese opportunistischen Infektionen kommen bei gesunden Menschen praktisch nicht vor, bei stark immungeschwächten Personen führen sie aber sogar häufig zum Tod. Bei HIVPatienten ist es so, dass sie fast immer an einer opportunistischen Infektion sterben und nicht am HI-Virus selbst. In den Kinderschuhen Für die Medizin sind diese opportunistischen Infektionen ein recht neues Phänomen. Erst seit etwa 50 Jahren ist eine Immunsuppression überhaupt möglich, auch HIV ist erst seit den 1980er Jahren bekannt.


Somit steckt die Erforschung dieser opportunistischen Infektionen noch in den Kinderschuhen. Das Projekt HOROS (Host response in opportunistic infections) ist ein gemeinschaftliches Exzellenz-Doktoratsprogramm der Medizinischen Universität Innsbruck und der LeopoldFranzens-Universität Innsbruck, das die Wirtsabwehr bei opportunistischen Infektionen untersucht. „Gestartet ist das Projekt im März, nun werden die Doktorandenstellen ausgeschrieben, die Doktoranden sollen dann im Oktober ihre Arbeit aufnehmen“, erklärt Reinhard Würzner, Sprecher von HOROS. Zwölf Doktorandenstellen sind vorgesehen, das Forschungsteam wird aus Absolventen der Diplom- oder Masterstudiengänge der Humanmedizin, aber auch naturwissenschaftlicher Fächer (Chemie, Biologie) bestehen. Finanziert werden die Stellen über den Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF. Das Projekt

ist angelegt auf zwölf Jahre, alle vier Jahre findet eine Evaluierung statt. Die Arbeitsweisen der Doktoranden sind unterschiedlich: Einerseits wird direkt am Patienten geforscht, anderseits spielt auch Laborarbeit (Tierversuche, Versuche an Zellen und Eiweißen) eine wichtige Rolle. Dabei kommen mikrobiologische, immunologische und molekularbiologische Methoden zum Einsatz. Das Ziel lautet, die „Pathogenese“, also das Wesen der Krankheit, zu verstehen. Das ist die Voraussetzung, um präventive Maßnahmen und Therapien entwickeln zu können. Eine wichtige Frage ist auch, warum bestimmte Infektionen bei Patienten mit unterdrücktem Immunsystem häufiger vorkommen als bei HIV-Patienten und umgekehrt. „Uns ist vor allem wichtig, dass die Forschungsergebnisse letztlich den Patienten zugute kommen“, so Würzner.

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GESUNDHEIT


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01 Flugzeugabst端rze, Zugungl端cke, Fluten und andere Naturkatastrophen, solche Ereignisse stellen die realen Arbeitsfelder des Projekts dar.


GESUNDHEIT

Ein „krisensicherndes“ Projekt PsyCris hat es sich zur Aufgabe gemacht, psychosoziale Unterstützung im Krisenmanagement zu bieten. Das länderübergreifende, von der EU geförderte Projekt vereint Wissen aus unterschiedlichsten Bereichen – von der Psychologie über die Soziologie bis zu den Gesundheitswissenschaften. Die Tiroler Gesundheitsuniversität UMIT ist mit an Bord. Von Rebecca Müller

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m Jahr 2010 sitzt Christine Adler von der LMU München, Projektkoordinatorin von PsyCris, in einer Informationsveranstaltung über neue Förderprogramme der Europäischen Union. Als sie auf den „call“, also eine Ausschreibung, für ein Projekt, das psychosoziale Unterstützung in und Management von Krisen erarbeiten soll, aufmerksam wird, horcht sie auf. „Das klingt sehr interessant, dachte ich mir, und es würde in meinem Kompetenzbereich fallen und zu meiner Erfahrung in Bezug auf wissenschaftliche Projekte passen“, erzählt Adler. Die Psychologin holt die entsprechenden Informationen ein, lässt die Idee und das Projekt in ihrem Kopf ein paar Runden drehen, tätigt die ersten Telefonate, muss dann aber bald feststellen: „Mir fehlten zu diesem Zeitpunkt einfach die Ressourcen und der Zeitplan war zu eng, also habe ich die Idee wieder verworfen.“ Ein Jahr später besucht Christine Adler eine ähnliche Veranstaltung, wieder wird in der Ausschreibung

Christine Adler, LMU München, Projektkoordinatorin von PsyCris

„Es ist nicht einfach, Partner für ein solches Vorhaben zu finden. Man muss sie davon überzeugen, viel Arbeit und Zeit in etwas zu investieren, von dem nicht klar ist, ob es dann überhaupt umgesetzt wird.“

das Thema vorgestellt, wieder werden Forscherinnen und Forscher gesucht, die es umsetzen. „Ich dachte erst, ich hätte mich verhört. Habe mich dann aber gleich vor Ort noch erkundigt, die Ausschreibung war tatsächlich noch offen.“ Dieses Mal waren die Ressourcen da und Christine Adler griff zunächst einmal zum Telefonhörer und aktivierte ihr Netzwerk.

„Es ist nicht einfach, Partner für ein solches Vorhaben zu finden. Man muss sie davon überzeugen, viel Arbeit und Zeit in etwas zu investieren, von dem nicht klar ist, ob es dann überhaupt umgesetzt wird.“ Mit Margit Raich, Assistenz-Professorin an der UMIT und Projektleiterin von PsyCris in Österreich, konnte Christine Adler eine Partnerin gewinnen, mit der sie schon länger hatte zusammenarbeiten wollen. „Als Stefan Duschek, der wissenschaftliche Leiter von München, an die UMIT wechselte, war das ein Glücksfall. Wir hatten einen weiteren Partner, der noch dazu in jener Einrichtung arbeiten würde, die wir für das Projekt bereits gewinnen konnten.“ Nun konnte der Antrag für PsyCris geschrieben werden. Multiple Herausforderungen Psychosoziale Unterstützung im Krisenmanagement, die Untersuchung, Evaluierung und schließlich die Optimierung der bereits vorhandenen Möglichkeiten auf

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GESUNDHEIT

diesem Gebiet, die Notfallplanung, die Entwicklung von Interventionsmöglichkeiten, die Bereitstellung von Selbsthilfestrategien und eine langfristige Untersuchung der Auswirkungen von Krisen – so lauten die formulierten Ziele von PsyCris, kurz für das Projekt „PSYco-social Support in CRISis Management“. Flugzeugabstürze, Zugunglücke, Fluten und andere Naturkatastrophen, solche Ereignisse stellen die realen Arbeitsfelder des Projekts dar. Im Wissenschaftsbereich soll PsyCris Ergebnisse für das Gesundheitswesen, die Belastbarkeit der Allgemeinheit und Gemeinschaft und auch die internationale Kooperation in Krisenzeiten liefern. Die Antwort auf die Frage, wie ein solches Projekt mit einem derart breiten Spektrum an Aufgaben und Ansprüchen gestemmt wird, lautet: multi- und interdisziplinär so wie länderübergreifend und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen aus dem Forschungsund Bildungsbereich wie auch aus der Wirtschaft. Das Konsortium umfasst elf Partner: Universitäten, Forschungszentren, öffentliche Einrichtungen, kleine und mittlere Unternehmen sowie Interessengruppen aus Deutschland, Spanien, Israel, Litauen, Luxemburg und Österreich. „Das ist mitunter das Spannende an diesem Projekt“, erklärt Margit Raich und ergänzt: „Es arbeiten mehrere Institutionen mit unterschiedlichsten Kompetenzen zusammen. Jedes Team in den Part-

nerländern verfügt über eigenes, spezifisches Know-how. Das Projekt wird so permanent aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet.“ Dieser multidisziplinäre und länderübergreifende Aspekt verlangt von allen Partnern ein hohes Maß an Disziplin. Entscheidend sei natürlich auch die Kommunikation, betonen Christine Adler und Margit Raich. Moderne Medien würden helfen, könnten aber nie die Faceto-face-Kommunikation ersetzen. „Wir haben im Laufe der Zeit alle gelernt, sehr genau zu sein in unseren Formulierungen. Wir verständigen uns in Englisch und es ist schon eine Herausforderung, seine eigenen Gedanken erst einmal übersetzen zu müssen“, weiß Margit Raich. Raich

Margit Raich ist seit Dezember 2011 Assistenzprofessorin an der Tiroler Gesundheitsuniversität UMIT, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Studienkoordinatorin für den Bachelor Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen. Sie schloss ihr Studium der Soziologie sowie ihr Doktoratsstudium in Strategic Management an der Universität Innsbruck ab. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Gesundheitsbereich, mit Fokus auf Management, Leadership und Kommunikation.

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Zum Schutz der Zivilbevölkerung Die Herausforderungen im Zusammenhang mit Projekten dieser Art beginnen aber bereits vor dem Startschuss. „Von der EU geförderte Arbeiten unterliegen strengen Regeln. Anforderungsliste und Kriterienkatalog sind lang“, berichtet Christine Adler. Ende November 2011 konnten sie und ihre Partner das Projekt einreichen, bis Mai 2012 mussten sie auf die positive Evaluierung warten, ab August 2012 konnten konkrete Schritte unternommen werden und am 1. Juli 2013 fiel der Startschuss für PsyCris. Eine nie einfach zu lösende Frage ist das liebe Geld. Fördermittel entscheiden schließlich, ob ein Projekt umgesetzt werden kann oder nicht. „Ich habe mittlerweile gelernt, diesen Umstand relativ unaufgeregt zu sehen. Man hat immer ein 50/50-Chance, man bekommt die Mittel oder eben nicht“, spricht Christine Adler aus Erfahrung. PsyCris läuft nun noch bis Juni 2016. Ein Steuerungskomitee überwacht den Prozess, klärt regelmäßig ob die gesetzten Ziele in ihrer ursprünglichen Form auch eingehalten werden können. Jedes der einzelnen Teams schnürt Arbeitspakete für die Anwender in der Praxis. Die Toolkits, das Hauptprodukt von PsyCris, sollen den effizienten Umgang mit relevanten Daten sichern und einen Transfer von Wissen und Erfahrungen aus der Praxis ermöglichen. Dieses Wissen und die dazugehörigen Erfahrungswerte sollen die Basis für


GESUNDHEIT

fh gesundheit wir bilden die zukunft das Krisenmanagement, die Stresskontrolle und die psychosoziale Unterstützung im Katastrophenfall sein. Für die Adressaten von PsyCris ist schnelle Entscheidungsfindung in konkreten Krisen zwingend. „Das Innovative an unserem Projekt ist, dass wir zunächst die Erfahrungen und Einstellungen der Endverbraucher wie Krisenmanager und Einsatzleiter und ihr Arbeitsfeld im

sierten Lernplattform von PsyCris werden alle Informationen bereitgestellt. Weiters bietet die Plattform, auch Programme für Face-to-faceUnterricht werden konzipiert. Mögliche Anwender des im Rahmen dieser breit angelegten Studie gewonnenen Wissens sind Bund und Länder, Feuerwehr, Rettung, Polizei und Militär, Freiwilligenorganisationen wie Organisationen, sowie das

Margit Raich, Projektkoordinatorin PsyCris, Österreich

„Jedes Team in den Partnerländern verfügt über eigenes, spezifisches Know-how. Das Projekt wird so permanent aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet.“

Die fh gesundheit bietet FH-BachelorStudiengänge für die gehobenen medizinisch-technischen Dienste und Hebammen sowie Weiterbildungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten für Angehörige der Gesundheitsberufe mit international anerkannten akademischen Abschlüssen.

PPFH-Bachelor-Studiengänge ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■

Biomedizinische Analytik Diaetologie Ergotherapie Hebamme Logopädie Physiotherapie Radiologietechnologie

PPFH-Master-Studiengang

■ Qualitäts- und Prozessmanagement im Gesundheitswesen

PPMaster-Lehrgänge ■ ■ ■ ■ ■ ■

Advanced Practice Midwifery Biomedical Sciences Ergotherapie Klinische Diaetologie Pädagogik in Gesundheitsberufen Osteopathie

PPAkademische Lehrgänge

Detail studieren. Dies ist wichtig, um zu wissen, mit welchen Herausforderungen sie in ihrer Arbeit konfrontiert werden“, erklärt Margit Raich. So können auch spezielle Trainings entwickelt werden, auf einer webba-

Rote Kreuz, die Johanniter, die Malteser, das Team Österreich oder auch die Rettungshundebrigade und viele andere mehr. „Am Ende“, sagt Christine Adler, „dient unsere Arbeit dem Schutz der Zivilbevölkerung.“

Was ist PsyCris?

Was bietet PsyCris und wer nutzt es?

PsyCris bietet psychosoziale Unterstützung im Umgang mit Krisen und Katastrophen, wie Flugzeugabstürzen, Zugunglücken oder auch Naturkatastrophen. Psychosoziale Unterstützung (PSU) ist in diesen Fällen vor allem als Prävention und „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu verstehen.

Das Team rund um das Projekt PsyCris, stellt sogenannte Toolkits, also „Werkzeuge“ zur Verfügung, welche Krisenmanager für ihre Arbeit einsetzen können. Dazu gehören unter anderem der effektive Umgang mit relevanten Daten, Wissen und Praxiskompetenzen im Umgang mit Krisen sowie die Ermöglichung einer schnellen Entscheidungsfindung im Ernstfall. Krisenmanager und Anwender der Produkte von PsyCris sind zum Beispiel Feuerwehr, Rettung, Polizei und Militär sowie Freiwilligenorganisationen wie das Rote Kreuz, die Johanniter, die Malteser oder auch das Team Österreich.

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IONICON ist weltweit führender Hersteller von hochempfindlichen Spurengasanalysegeräten auf Basis der einzigartigen Protonen Transfer Reaktion – Massenspektrometrie (PTR-MS) Technologie. 2013 gewann ein gemeinsames Entwicklungsprojekt mit der Universität Innsbruck den „Houskapreis“ der B&C Stiftung, der höchstdotierte private österreichische Forschungspreis. – Ionicon Analytik Gesellschaft m.b.H. Herr Mag. Lukas Märk, CEO Eduard-Bodem-Gasse 3, 6020 Innsbruck Tel: +43 512 214800 lukas.maerk@ionicon.com

Das Technische Büro beschäftigt sich v.a. mit hydrogeologischen Fragestellungen mit Schwerpunkt Grundwasser, Brunnenbau, wasserrechtliche Einreichungen sowie thermische Grundwassernutzungsanlagen. Im Rahmen der langen Nacht der Forschung werden im Rahmen des Laboralltages chemisch-physikalische Experimente aus dem Bereich der Umweltanalytik gezeigt und „tiefe“ Einblicke in das Grundwasser (Bohrgerät, Grundwasserstandsmessungen, Probenentnahme) gegeben. – K+U - Umwelttechnik und Hydrologie GmbH Herr Christian Kostrouch, Geschäftsführung Eduard-Bodem-Gasse 5-7, 6020 Innsbruck Tel: +43 512 562263 c.kostrouch@k-u.at


Biocrates ist eine der führenden Biotechnologie-Firmen im Bereich Metabolomics und setzt mit ihren Kits, Software und Services den Standard für Targeted Metabolomics. Biocrates hat in den letzten Jahren eine automatisierte und qualitätskontrollierte Technologieplattform für die massenspektrometrische Identifizierung und Quantifizierung von bis zu 1000 Metaboliten etabliert. Dadurch setzt Biocrates einen Meilenstein in der Wirkstoffforschung und klinischen Labordiagnostik und ermöglicht somit auch die Früherkennung latenter Stoffwechsel-, Herz-Kreislauf-, oder Nierenerkrankungen sowie eine zuverlässige Differenzialdiagnose komplexer Krankheitsbilder. – BIOCRATES Life Sciences AG Herr Mag. Florian Bichteler, Operations Manager Eduard-Bodem-Gasse 8, 6020 Innsbruck Tel: +43 512 579823-0 florian.bichteler@biocrates.com

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4 5/7 6 Das KnowHow und die Flexibilität kleiner Unternehmen ist in der Forschung sehr gefragt. Für und mit Unternehmen aus der Forschung und der Elektronik entwickelt die Firma ssn.at Lukas Gradl Software zur Erfassung und Auswertung unterschiedlichster Messdaten – und betreibt damit selbst Forschung: Wie kann ein System, das an so abgelegenen Orten wie einer Forschungsstation am Südpol eingesetzt wird, trotzdem vernünftig betreut und gewartet werden? – software security networks - Lukas Gradl Herr Lukas Gradl Eduard-Bodem-Gasse 6, III, 6020 Innsbruck Tel: +43 512 214040-0 l.gradl@ssn.at

In Tirol wird die Verfügbarkeit von reinem, natürlichem Trinkwasser zu jeder Zeit in beliebiger Menge als völlig selbstverständlich angesehen. Doch stimmt das wirklich? Gewinnen Sie Einblick in die tatsächlichen Verhältnisse, über vorkommende Verunreinigungen und über die Schwierigkeiten der Instandhaltung und des Unterhalts von Trinkwasserversorgungsanlagen im hochalpinen Gelände. Schnuppern sie in die mikrobiologischen, chemischen sowie spurenanalytischen Labore und erleben sie die Analytik live mit spannenden Experimentalvorführungen. – Arge Umwelt-Hygiene GmbH Frau Dr. Ilse Jenewein, Geschäftsführung Eduard-Bodem-Gasse 4, 6020 Innsbruck Tel: +43 512 571573-0 ilse.jenewein@arge-uh.at


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Wachstumsstrategie oder systematische Wertvernichtung? Die Übernahme eines anderen Unternehmens gilt als Königsdisziplin des Managements. Doch nur rund die Hälfte dieser sogenannten Mergers & Acquisitions ist auch erfolgreich. Der Wirtschaftswissenschaftler Florian Bauer geht der Frage nach, warum. Von Daniel Feichtner

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edes Jahr wechseln weltweit Tausende Unternehmen ihre Besitzer. Die Motive dafür sind vielfältig. Oft werden sie aufgekauft, um neue Märkte zu erobern, sich Innovationen zu sichern oder auch um Konkurrenten auszuschalten. Solche Geschäftspraktiken finden sich nicht nur bei Großkonzernen wie Siemens, die jährlich zwischen 70 und 100 Betriebe übernehmen. Auch im mittelständischen Bereich wird fleißig ver- und aufgekauft. Im deutschsprachigen Raum stellen dieser mit 80 Prozent sogar die deutliche Mehrheit des Marktes dar. Solche, unter dem Begriff „Mergers & Acquisitions“ zusammengefassten Geschäftspraktiken haben eines gemeinsam: Sie sollen Gewinn bringen und Wachstum sichern. Doch bei jeder Übernahme, die scheitert, werden große Mengen an Kapital vernichtet. Die Hälfte geht schief Alleine 2011 wurden bei solchen Transaktionen trotz der Wirtschaftskrise weltweit 2.200 Milliarden US-Dollar (1.580 Milliarden Euro) umgesetzt.DasentsprichtdemBruttoinlandsprodukt von Brasilien, einem

Florian Bauer (34): Der gebürtige Augsburger lehrt strategisches Management und nichtorganische Wachstumsstrategien am Managementcenter Innsbruck. Seit seiner Gründung 2012 leitet er das SMA Research Lab als gemeinsame Forschungseinrichtung des MCI und der Universität Innsbruck. Dort untersucht er strategisches Management sowie Mergers & Acquisitions aus einer strategischen und organisationalen Perspektive. Dabei kooperiert die Einrichtung mit zahlreichen nationalen und internationalen Partnern aus Forschung und Praxis.

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Land mit 192 Millionen Einwohnern. 2007 waren es sogar fast 4.000 Milliarden Dollar. Doch was auf dem Papier nach einer großen, wirtschaftlichen Chance klingt, sieht in der Realität oft anders aus, wie Florian Bauer weiß. Der Wahltiroler vom Management Center Innsbruck (MCI) erforscht am SMA Research Lab gemeinsam mit der Universität Innsbruck und mehreren internationalen Partnern den Verlauf und die Auswirkungen solcher Übernahmen. Und seine Ergebnisse zeigen, dass auch in der Welt der Geschäftsübernahmen bei Weitem nicht alles, was glänzt, Gold ist. Rund die Hälfte aller Deals im Mergers-&-Acquisitions-Bereich geht schief. „Ein hervorragendes Beispiel dafür, was eine schlecht umgesetzte Übernahme nach sich ziehen kann, ist der Zusammenschluss eines großen deutschen und eines amerikanischen Automobilherstellers: Daimler und Chrysler“, erzählt der Lektor für strategisches Management. Infolge der schiefgelaufenen Akquisition machte der deutsche Autokonzern zehn Millionen US-Dollar Verlust – pro Tag. Und das über neun Jahre. Als Resultat verloren über den


© JOHNNY EGGITT/APA/PICTUREDESK.COM

WIRTSCHAFT

01 Anfänglich herrschte noch gute Stimmung beim Autoriesen: Der Daimler-Benz Vorstand, Jürgen Schrempp (l.), und der Vorstand von Chrysler, Robert Eaton, schütteln sich die Hand (1998).

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Florian Bauer, Leiter des SMA Research Lab

Zeitraum von 3.000 Tagen täglich elf Mitarbeiter ihre Jobs. Pro Minute wurde ein Verlust von 7.000 Dollar geschrieben. Und nach dem Ablauf der neun Jahre hatte die Übernahme das Unternehmen 30 Milliarden Dollar und 35.000 Jobs gekostet. Königsdisziplin „Mergers & Acquisitions gelten als die Königsdisziplin im Management-Bereich“, erklärt Bauer. „Übernahmen sind etwas, mit dem man sich beschäftigt haben muss, bevor man in den Ruhestand geht, um sich selbst ein Denkmal zu setzen. Aber die Gesamtheit der Transaktionen ist bei Weitem nicht die Success Story‘, als die sie gerne verkauft wird.“ Das große Problem ist Bauer zufolge, dass sich um diesen Geschäftsbereich viele Mythen um scheinbar richtige Praktiken gebildet haben, die oft nicht hinterfragt werden. Und genau dieses blinde Verfolgen nicht überprüfter Dogmen birgt, wie der Wirtschaftswissenschaftler sagt, große Gefahren in sich – nicht zuletzt, weil es in dem Bereich nicht nur um gewaltiges Kapital, sondern auch um die Mitarbeiter geht.

„Die Zeit der ‚Heuschrecken‘, die alles fressen, was ihnen in die Quere kommt, ist zum Glück vorbei. Inzwischen werden Unternehmen übernommen, um Wert zu schaffen und nicht mehr, um Konkurrenten zu vernichten.“

Deswegen stellt Bauer bei seiner Forschung Fragen, die über die reinen Finanzdaten hinausgehen. „Wenn wir nur auf die Zahlen achten, erkennen wir zwar, ob etwas funktioniert hat, die Probleme können wir aber nicht finden.“ Erst durch das Aufbrechen der rein finanziellen Perspektive werde es möglich, Fehlannahmen zu enttarnen. Es zeige sich, dass viele Annahmen, wie die Notwendigkeit der schnellstmöglichen und totalen Integration aufgekaufter Unternehmen, schlichtweg falsch sind. „Geschwindigkeit ist kein Faktor. Im Gegenteil, dabei werden oft kulturelle Differenzen

übersehen“, so Bauer. „Und dasselbe gilt für den Tiefgang der Einbindung. Je größer die Unterschiede zwischen den Unternehmen sind, desto wahrscheinlicher sind Differenzen, die nicht einfach ignoriert oder überrannt werden können.“ Das zeige sich zum Beispiel dann, wenn Unternehmen aus Industrieländern wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz von Konzernen aus weniger entwickelten Nationen gekauft werden. „Oft treffen hier Arbeitswelten aufeinander. Und nicht zuletzt spielt auch der Stolz eine Rolle. Wir im deutschsprachigen Raum halten uns oft für die Ingenieure der Welt. Dadurch führt es bei innovationstreibenden Mitarbeitern schnell zu Frust, wenn sich ‚Außenstehende‘ einmischen.“ Als Folge davon kann es vorkommen, dass Teile der Belegschaft in Schlüsselpositionen abwandern. Damit verliert das gekaufte Unternehmen genau das Innovationspotenzial, wegen dem es gekauft wurde. Und auch mit der weit verbreiteten Vorstellung, Übernahmen seien lern- und planbar, räumt Bauer auf. „Man sollte meinen, dass besonders Großkonzerne, die jährlich zig Un-

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WIRTSCHAFT

← Mergers & Acquisitions • Mergers & Acquisitions (M&A): Unternehmenskäufe und -zusammenschlüsse • Volumen des M&A-Marktes 2012:

~ 2.200 Milliarden US $

• Volumen des M&A-Marktes 2007:

~ 4.000 Milliarden US $

ternehmen aufkaufen umso mehr Erfolg bei Übernahmen haben, je mehr Erfahrung sie sammeln.“ Seine Untersuchungen haben aber gezeigt, dass eher das Gegenteil der Fall ist. „In der entscheidenden Phase der Integration unterscheiden wir zwischen der Einbindung der Aufgaben und der der Menschen, die dahinterstehen.“ Bauers Studien belegen, dass es Aufkäufern zwar mit mehr Erfahrung immer besser gelingt, Strukturen, Prozesse und Ressourcen zu übernehmen, der menschliche Faktor bleibt aber zunehmend auf der Strecke. Fehlendes Feingefühl „Unternehmen sind ebenso wie Mitarbeiter hoch individuell. Mit steigender Anzahl von Übernahmen wird deutlich, dass oft das Feingefühl für die menschliche Seite verloren geht“, beschreibt Bauer die Problematik. So haben amerikanische Käufer meist eine sehr lockere „Hire & Fire“-Politik und trennen sich schnell von scheinbar überzähligen Mitarbeitern. Was kurzfristig bei der Reorganisation hilft, kann sich langfristig aber zu einem Desaster entwickeln. „Mit jedem Mitarbeiter geht Wissen verloren“, meint Bauer. „Spätestens wenn dann auf die Ressourcen zugegriffen und Synergien gehoben werden sollen, die aufgekauft wurden, zeigt sich dann, dass diese stark beschnitten oder gar zerstört worden sind.“ Und auch viel einfachere menschliche Probleme können eine gut geplante Akquisition zunichtemachen. „Jede Übernahme führt zu Unsicherheit“, weiß Bauer. „Das betrifft sowohl die Belegschaft als auch die Kunden.“ Wenn Mitarbeiter sich als Opfer eines Aufkaufs fühlen und um ihren Job fürchten, kann das

• Bedeutendste Spieler am M&A-Markt im deutschsprachigen Raum: Mittelständische Unternehmen • Erfolgsquoten: 40–60% aller Transaktionen vernichten Wert. • Gründe für M&A: Synergien, Zugang zu Märkten und Technologien, Internationalisierung, Kostenvorteile • Erfolgsfaktoren von M&A: Strategischer und kultureller Fit sowie die Integration • Misserfolgsgründe: Narzisstisches Verhalten, falsche Motive, schlechte Zielwahl, überhöhter Kaufpreis und ganz besonders: schlechte Integration • M&A haben Auswirkungen auf: Eigentümer/Aktionäre, Mitarbeiter, Kunden, Zulieferer u.v.m. • Als prominentes Beispiel einer „nicht gelungenen“ Transaktion dient die Fusion zweier Automobilhersteller: → 10 Millionen US $

Wertvernichtung/Tag

für die Dauer von ca. 3.000 Tagen → 7.000 US $/Minute für die Dauer von ca. 3.000 Tagen → 35.000 Jobs wurden vernichtet. • Aktuelles Beispiel: Facebook – WhatsApp

Florian Bauer

„Unternehmen sind ebenso wie Mitarbeiter hoch individuell. Mit steigender Anzahl von Übernahmen wird deutlich, dass oft das Feingefühl für die menschliche Seite verloren geht.“

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schnell die Effizienz des gesamten Betriebs hemmen und zu Widerständen bei organisatorischen Umstellungen führen. Und auf ähnliche Weise können auch, wie zum Beispiel bei dem aktuellen Aufkauf von WhatsApp durch Facebook, große Teile der Kundschaft ihrem Unmut Luft machen, indem sie zu alternativen Anbietern wechseln. Nicht nur Zahlen „Bislang wurde auf diesem Gebiet vor allem in den USA geforscht“, meint Bauer. „Da der amerikanische Mergers-&-Acquisitions-Markt aber schlichtweg anders funktioniert als zum Beispiel der europäische, ist es dringend nötig, deren Ergebnisse zu hinterfragen und nicht einfach zu übernehmen.“ Mit seiner Forschung erhebt Bauer aber nicht den Anspruch, eine Anleitung zur Unternehmensübernahme zu entwickeln. Vielmehr will er Bewusstsein dafür schaffen, dass es um mehr geht als um Zahlen. Und mit weit verbreiteten Fehleinschätzungen aufräumen. „Die Zeit der ‚Heuschrecken‘, die alles fressen, was ihnen in die Quere kommt, ist zum Glück vorbei“, sagt Florian Bauer. „Inzwischen werden Unternehmen übernommen, um Wert zu schaffen, und nicht mehr, um Konkurrenten zu vernichten.“ Dementsprechend sieht er auch ein zunehmendes Umdenken am Mergers-&-Acquisitions-Markt. „Die Wichtigkeit des Faktors Mensch wird immer offensichtlicher“, fasst Bauer zusammen. „Und es zeigt sich mehr und mehr, dass reine Analyse nicht das Mittel zum Erfolg ist. Erst die Kombination von Analytik und Intuition und die Abkehr von reinen Zahlenspielen kann zum Ziel führen.“


universität innsbruck

Top in der Forschung Forschen, Lehren und Lernen an der Universität Innsbruck Die forschungsgeleitete Lehre, also die aktuellsten Forschungserkenntnisse direkt in den Unterricht einbringen, das ist das Alleinstellungsmerkmal von Universitäten. Die Universität Innsbruck bietet hierfür beste Voraussetzungen, denn sie ist eine der führenden Forschungsuniversitäten in Österreich. Neben den 16 Fakultäten verfügt sie über fünf große Forschungsschwerpunkte: Alpiner Raum – Mensch und Umwelt, Kulturelle Begegnungen - Kulturelle Konflikte, Molekulare Biowissenschaften, Physik und Scientific Computing. Daneben bestehen vier fakultätsübergreifende Forschungsplattformen und 33 Forschungszentren, die die Vernetzung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fördern und die internationale Sichtbarkeit des Universitätsstandortes Innsbruck unterstützen. Bereits heute zählt die Universität Innsbruck zu den zehn Universitäten mit der stärksten internationalen Ausrichtung weltweit. Das zeigt das aktuelle Times Higher Education World University Ranking. In der Kategorie „International Outlook“ liegt die Universität Innsbruck weltweit auf Platz sieben und ist damit die internationalste Universität Österreichs. Die internationale Ausrichtung wird hier anhand von drei Kriterien gemessen: Die internationale Vielfalt unter den Studierenden, der Anteil der ausländischen Lehrenden und Forschenden sowie die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen, die gemeinsam mit Co-Autoren an ausländischen Forschungseinrichtungen veröffentlicht wurden. Im Gesamtranking 2013/14 unter den Top 225 Universitäten und zählt damit zum besten Prozent aller Universitäten weltweit. Diese Zahlen werden auch durch andere Hochschulrankings wie das Leiden Ranking oder das Shanghai Ranking untermauert.

Alle Informationen unter:

www.uibk.ac.at


WIRTScHAFT

Neue Unternehmer braucht das Land Die Tiroler Gründungsinitiative N.E.U. bietet zukünftigen Tiroler Unternehmern über ein modulares Beratungssystem beste Voraussetzungen, sich auf die wirtschaftliche Selbstständigkeit vorzubereiten. Von Klaus Erler

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homas Senfter entwickelte als Student des McI-Studiengangs Umwelt-, Verfahrensund Biotechnologie ein Gerät, das Verursacher industrieller Abgase maßstabsgetreu verkleinert und dadurch emittierte Abgase in Laborumgebung untersuchbar macht. Im Zuge seiner Masterarbeit am McI wurde dieses Gerät zum Funktionsprototypen weiterentwickelt, eine chance auf den weltweiten Märkten gilt als gewiss: Die Entwicklung zur Serienreife wäre nun der nächste logische Schritt. Thomas Senfters Stärken liegen allerdings in seiner technischen Kompetenz: Seine Entwicklung hat ihm schon zwei wichtige Tiroler Kreativ-Awards eingebracht. Geht es um die Themen Vermarktung, Firmengründung und Förderungen, hat der junge Tiroler dringenden Aufholbedarf. Um diese Hürde zu überwinden, nimmt Senfter am diesjährigen adventure-X-Wettbewerb teil. Dieser Wettbewerb ist eines von insgesamt vier Modulen aus der Gründungsinitiative N.E.U., die von der Standortagentur Tirol, der Wirtschaftkammer Tirol und vom Gründungszentrum cAST unter der Schirmherrschaft des Landes Tirol getragen werden.

Auf ins Abenteuer Wirtschaft Die neueste Auflage von adventure X startet am 27. März mit einem Infoabend für angehende Gründer. Ihnen wird im Rahmen dieses neu positionierten Wettbewerbs geholfen, zu einer bestehenden Geschäfts-idee ein tragfähiges Geschäftsmodell aufzustellen. Projektleiter Dr. Marcus Hofer: „adventure X begleitet und unterstützt Teilnehmer kostenlos für drei Monate mit Gründer-Labors, Workshops und Experten-Feedback. Diese finden entweder ganztägig im ‚Eastline‘ im Gewerbegebiet Mühlau/Arzl statt Dr. Marcus Hofer, Projektleiter adventure X

„Wir begleiten und unterstützen Teilnehmer mit Gründer-Labors, Workshops und Experten-Feedback.“ oder als Abendveranstaltungen im McI Innsbruck. Dabei wird Grundwissen zu den Themen Finanzen, Marketing und Kundenmanagement vermittelt und anhand des von Alexander Osterwalder entwickelten ‚Business Model canvas‘ vertieft.“ (Siehe Interview Seite 51.) Zudem wählt eine Fachjury aus allen 48

Geschäftsmodellen zehn Teilnehmer für das Finale des adventureX-Wettbewerbs aus. Die drei besten Geschäftsmodelle werden am 3. Juli ausgezeichnet und mit 8.000, 6.000 bzw. 4.000 Euro prämiert. Termine und Details finden sich unter www. gruenden-in-tirol.at. Auch die weiteren Module der Gründungsinitiative – N.E.U. steht für Nachdenken (N), Entwickeln (E) und Unternehmen (U) – wenden sich an kreative Köpfe, die sehen wollen, ob in ihnen und in ihrer Idee das Potenzial zu einem gewinnbringenden eigenen Unternehmen steckt. Schlummernde Geschäftsideen Die Gründungsinitiative geht in die Tiroler Bezirke und versucht dort, über spezielle Veranstaltungen noch schlummernde Geschäftsideen zu bergen und auf die Möglichkeit einer unternehmerischen Selbstständigkeit hinzuweisen. Hilfestellungen gibt es bei Fragen zur Unternehmensgründung genauso wie bei Unsicherheiten zur Fördersituation und bei der Erstellung des eigenen Businessplans. Nach dieser „Stimulierung“ wird Gründern die „120-Sekundenchance“ als Präsentationsplattform


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01 Thomas Senfter, Gewinner zweier Tiroler Kreativ-Awards ist Teilnehmer an adventure X.

© Gerhard Berger

Wirtschaft

für ihre Ideen angeboten. Das dabei angewendete Werkzeug ist simpel, aber effektiv: Im Rahmen eines moderierten Abends haben GründerInnen die Möglichkeit, einer Fachjury innerhalb von zwei Minuten ihre Geschäftsidee zu präsentieren. Über das Feedback lassen sich dann erste wichtige Rückschlüsse auf zukünftige Marktchancen der Projekte ziehen. Die besten Geschäftsideen werden wenige Wochen später bei einem Finale in Innsbruck einer großen Jury präsentiert. Die besten fünf Teilnehmer erhalten Geld und Sachpreise und haben zusätzlich die Möglichkeit, an einem großen Publikumswettbewerb teilzunehmen. Aus Ideen werden Firmen Und diese fünf Teilnehmer sind dann auch Fixstarter beim darauffolgenden dreimonatigen adventureX-Wettbewerb. Dieser endet für alle Teilnehmer im Juli mit einem detaillierten Feedback in Form eines Expertengesprächs, das zusammenfasst, wo die Teilnehmer unternehmerisch stehen und was sie für eine erfolgreiche Unternehmensgründung noch brauchen. Im Zuge einer darauffolgenden Gründer-Werkstatt werden schließlich Optionen in verschiedene Richtungen hin eröffnet. Manchmal ist es dabei wichtig, Hilfestellungen beim Finden neuer Teammitglieder anzubieten, dann wieder kann ein Hinweis auf eine mögliche Teilnahme an der WIFIGründerakademie sinnvoll sein. Die Gründer-Werkstatt wird ganzjährig angeboten, im Zentrum steht dabei die konkrete Umsetzung. Im Fall von Thomas Senfter würde das eine Firmengründung zur Vermarktung einer großartigen wissenschaftlichen Idee „Made in Tirol“ bedeuten. www.gruenden-in-tirol.at www.adventurex.info

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WIRTSCHAFT

Businessplan mit System Daniel Richter und Benno Lessner, Partner der Insight Innovation GmbH, fungieren beim 1. adventure X Gründer-Labor als Coaches für das „Business Model Canvas“. Die beiden Innovations-Experten im Gespräch

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ie würden Sie das Business Model Canvas vereinfacht erläutern? Daniel Richter: Das von Alexander Osterwalder entwickelte Modell ist im Grunde eine Art Bauplan mit neun Bausteinen. Es hilft bei der Erstellung eines Wertschöpfungsplans, der für Kunden vorteilhafte Produkte und Dienstleistungen generiert und aufzeigt, welche Ressourcen, Partner, Aktivitäten, Kundenbeziehungen, Kosten- und Umsatzstrukturen und andere Kanäle man nutzen sollte – wie man also ein erfolgreiches Geschäftsmodell in seinem Unternehmen aufbauen kann. Die neun Bausteine sind genau die richtige Menge, damit das Modell nicht zu komplex, aber auch nicht zu simpel ist – die richtige Mischung ist dann entscheidend. Inwiefern kann das Modell Menschen dabei helfen, ein neues Unternehmen aufzubauen bzw. ein bestehendes weiterzuentwickeln? Benno Lessner: Wir haben im Laufe unserer Tätigkeit auf diversen Workshops festgestellt, dass es keine gemeinsame Sprache für Geschäftsmodelle gibt, einer spricht von A, der andere von B und wiederum ein anderer von C. Dieses Tool hilft sehr schnell, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen und die Sprache von Geschäftsmodellen zu verstehen. Man kann Ideen damit ziemlich schnell greifbar machen und visualisieren und für ein besseres Verständnis innerhalb eines

© BUSINESS MODEL CANVAS

Das Interview führte Daniel Naschberger.

Daniel Richter und Benno Lessner

Was ist adventure X? Der Gründer-Wettbewerb adventure X der Standortagentur Tirol und der Wirtschaftskammer Tirol startet heuer neu durch. Während sich in den vergangenen zehn Jahren die Businesspläne junger Gründer matchten, dreht sich beim neuen Wettbewerb alles um das vielversprechendste Geschäftsmodell. Dieses entwickeln die Teilnehmer mit Hilfe der „Business Model Canvas“Methode. So können die angehenden Jungunternehmer ihre Produkte und Dienstleistungen so früh wie möglich testen und die Erfahrungen daraus umgehend in die Geschäfts- und Ertragslogik einfließen lassen. Der Wettbewerb läuft über einen Zeitraum von drei Monaten. Eine unabhängige Jury wählt die besten zehn Modelle zum Finale am 30. Juni 2014 aus, für die innovativsten Konzepte werden Siegesprämien im Gesamtwert von 18.000 Euro ausgeschüttet. Alle Termine und Details gibt es unter www.gruenden-in-tirol.at sowie unter www.facebook.com/gruenden.in.tirol .

Teams und auch darüber hinaus sorgen. Die Methode ist sehr leicht verständlich und lässt sich innerhalb von nur zwei Minuten erklären. Wenn man die Sprache einmal verstanden hat, kann man sie erfolgreich einsetzen – in kurzer Zeit las51

sen sich verschiedene Varianten für das eigene Geschäftsmodell entwickeln und man kann für sich selbst erkennen, welche denn die beste davon ist. Wie leicht bzw. schwierig ist es inzwischen, eine erfolgreiche Geschäftsidee zu entwickeln? Lessner: Ich würde behaupten, es wird immer einfacher, weil die Möglichkeiten immer mehr werden. Durch das Internet, andere Kommunikationstechnologien, Fortschritte in der Technik ergeben sich vielfältige Wege, neue Geschäftsideen zu etablieren und neue Märkte zu erschließen. Die Problematik liegt darin, das ganzheitlich zu betrachten: Startups konzentrieren sich zumeist extrem stark auf ihre moderne Technologie, die für die Marktführerschaft ausreichen soll, vergessen aber oftmals, dass es da noch Kunden, Partner, Aktivitäten im Hintergrund, und vieles mehr gibt – und genau da hilft das Modell. Wie würden Sie Innovation in puncto Unternehmensgründung definieren? Richter: Für Start-ups ist es natürlich schwer, sich auf dem Markt zu behaupten, weil das dementsprechende Kapital oft fehlt. Deshalb ist es nur mittels Innovation – also neuen Technologien und neuen Geschäftsmodellen – möglich, den Markt umzukrempeln, um auch gegen große Konzerne zu bestehen. Vielen Dank für das Gespräch.


Wirtschaft

Virtuelles Sicherheitstraining Die Idee zum Tiroler Unternehmen E-SEC entstand vor rund zehn Jahren aus einer Bachelorarbeit dreier Informatikstudenten. Heute ist das klassische Spin-off weltweit erfolgreich im Bereich der IT-Sicherheitsschulung tätig.

01 Die E-SEC-Geschäftspartner Christian Molterer (CTO & Co-Founder) und Kathrin Prantner (CEO & Co-Founder)

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© E-SEC

Von Steffen Arora


Wirtschaft

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lles begann im Jahr 2001, als an der Universität innsbruck der erste informatikstudiengang startete. Drei der ersten studenten, die sich dafür inskribierten, waren Kathrin Prantner, christian Brandl und christian Molterer. Obwohl das erst gut zehn Jahre her ist, waren die Zeiten für die it-Branche damals andere. „Es herrschte große aufbruchsstimmung“, erinnert sich christian Molterer. Diese stimmung hat kurz darauf auch die drei angehenden informatiker erfasst, just während sie 2003 an ihrer Bachelorarbeit tüftelten: „Unsere aufgabenstellung lautete, die relativ komplexen sicherheitsanforderungen des Unternehmens skidata aG in einer richtlinie zu erfassen und an alle Mitarbeiter verständlich zu kommunizieren.“ Die informatikstudenten entwickelten das Konzept einer software, die das sicherheitsbewusstsein von Mitarbeitern im rahmen einer simulation stärken sollte.

mit seiner idee einer interaktiven Lernsoftware erfolgreich am Businessplanwettbewerb adventure X teil. „Die Beratungsleistungen beim adventure-X-Wettbewerb und bei cast tyrol haben uns motiviert, die Unternehmensgründung möglichst professionell und zügig durchzuführen“, erinnert sich Molterer an die bewegte Gründerphase. „Durch die Wettbewerbe konnten wir die ersten Kunden noch vor der firmengründung akquirieren.“ 3D-Trainingssoftware Derart bestätigt machten sich die drei ans Werk und entwickelten ihre 3D-Lernsoftware E-sEc Virtual training company. Es galt, dreidimensionale virtuelle Welten zu erschaffen, in denen sich Mitarbeiter interaktiv bewegen können. „Die software ermöglicht es, selbstständig durch das virtuelle firmengebäude zu navigieren und dabei richtige Verhaltensweisen bezüglich Datensicherheit zu erlernen und zu trainieren“, erklärt Prantner die technische aufgabenstellung. in enger Zusammenarbeit mit cast tyrol entstand parallel zur Programmierung der software der Businessplan zum Unternehmen E-sEc. als größtes Problem bei der Gründung des spinoffs erwies sich das aufbringen des startkapitals. Die förderung durch cast half über diese hürde hinweg. „Ohne diese hilfe wären wir an dem Punkt bereits gescheitert“, sagt Molterer, „weil uns als studenten trotz der

Preisgekrönte Idee rasch erkannten die drei, dass viele Unternehmen mit dem mangelnden Bewusstsein ihrer Mitarbeiter für Datensicherheit zu kämpfen hatten. Es entstand die idee, eine 3DLernsoftware zu entwickeln, mit der sich Mitarbeiter durch ein virtuelles firmengebäude bewegen und dabei interaktiv die richtigen Verhaltensweisen im Umgang mit sensiblen Daten erlernen.

Kathrin Prantner studierte Informatik an der Universität Innsbruck und gründete 2005 gemeinsam mit Christian Molterer und Christian Brandl E-SEC. Sie ist Geschäftsführerin und derzeit karenziert.

„Bei den großen und mittleren Unternehmen war das Thema schon vorher präsent. Seit Beginn der Enthüllungen von Edward Snowden erreicht die Thematik Informationssicherheit und Datenschutz nun aber auch immer mehr kleine Unternehmen.“ relativ geringen anfangsinvestition dennoch das nötige startkapital gefehlt hätte.“

„Wir haben unsere idee, die wir bis dahin vor allem im Kopf hatten, zu Papier gebracht und beim it-Business Wettbewerb von cast tyrol eingereicht“, beschreibt Kathrin Prantner die ersten schritte zur firmengründung. Die Expertenjury von cast prüfte die idee der drei auf ihre tauglichkeit und plötzlich ging alles ganz schnell. 2005 gewannen die studenten den cast it-Business award und wurden zugleich mit dem Leserpreis der „tiroler tageszeitung“ für die beste Geschäftsidee 2005 ausgezeichnet. Zur selben Zeit nahm das trio

Kundensegment im Wandel Nachdem diese hürden gemeistert waren, startete E-sEc durch. Zu Beginn bedurfte es bei der Kundenakquise noch viel persönlichen Einsatzes. Mittlerweile konnte im deutschsprachigen raum aber eine funktionierende Partnerstruktur geschaffen werden. international setzt E-sEc jedoch bis heute ausschließlich auf internetvertrieb.

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Wirtschaft

© E-SEC

← Mitarbeiter. Doch auch der Personaleinsatz war mit Lernprozessen verbunden, wie Molterer erklärt: „Die Mitarbeiterzahl schwankte zwischen fünf und 15 Mitarbeitern. Doch investitionen in den Vertrieb haben sich meist nicht in steigenden Umsatzzahlen widergespiegelt, sondern nur in stark erhöhten ausgaben. investitionen in die Produktpalette rechneten sich hingegen auch umsatzmäßig.“ 01 01 Typische Lernsituation: In der E-Sec Virtual Training Company bewegen sich die Schüler als virtuelle Angestellte durch das virtuelle Firmengebäude, um den richtigen Umgang mit sensiblen Daten zu üben.

Christian Molterer

„Ich warne in dem Zusammenhang vor blauäugigen Investitionen.“

„Unser hauptmarkt sind Enterprise-Unternehmen, also solche mit 1.000 Mitarbeitern und mehr“, sagt Prantner. Dank der virtuellen Lernwelten ist E-sEc Virtual training company für internationale Konzerne problemlos und ohne Mehraufwand global für alle Mitarbeiter einsetzbar. Zuletzt hat sich dank wikileaks und Whistleblower der Kreis potenzieller E-sEc-Kunden sogar noch erweitert: „Bei den großen und mittleren Unternehmen war das thema schon vorher präsent. seit Beginn der Enthüllungen von Edward snowden erreicht die thematik informationssicherheit und Datenschutz nun aber auch immer mehr kleine Unternehmen. Unsere durchschnittliche Kundengröße nach Mitarbeiterzahl hat sich seit einem Jahr recht deutlich nach unten gesenkt“, so Prantner. Steter Lernprozess seit der Unternehmensgründung ist das tiroler spin-off mit stetigem Umsatzwachstum gesegnet. Wenn auch „in sehr unterschiedlicher Dynamik“, wie die firmengründer sagen. Genaue Umsatzzahlen geben sie mit Verweis auf die investoren, die der Veröffentlichung zustimmen müssten, nicht bekannt. aktuell beschäftigt E-sEc acht Mitarbeiter – primär in der softwareentwicklung und im Marketing – am firmensitz innsbruck. alle angestellten verfügen über eine universitäre ausbildung, neue Mitarbeiter werden auf Grund des geringen angebots an qualifizierten heimischen Mitarbeitern auch im ausland gesucht. Derzeit sind sechs tiroler, ein Portugiese sowie eine Bulgarin für E-sEc tätig. Zwischenzeitlich beschäftigte das Unternehmen schon 15 54

Schlüssel zum Erfolg Weil gerade die it eine sehr schnelllebige Branche ist, zielt die Zukunftsstrategie von E-sEc in erster Linie darauf ab, möglichst viele neue Märkte zu erschließen. Jungunternehmern rät christian Molterer, ihre idee zielstrebig zu verfolgen und dabei alle laufenden ausgaben so gering wie möglich zu halten: „ich warne in dem Zusammenhang vor blauäugigen investitionen.“ Um erfolgreich zu sein, solle man sich, so Molterer, primär auf sein Kerngeschäft konzentrieren und versuchen, Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln, die sich mit geringem aufwand vervielfältigen lassen. Von Warnungen und Gefahrenhinweisen hält er indes wenig. auch er könne sich nicht erinnern, zu Beginn auf mögliche risiken hingewiesen worden zu sein: „Die hätte ich aufgrund der persönlichen Euphorie aber wahrscheinlich sowieso überhört.“

Die Idee E-sEc Virtual training company ist eine E-Learning- bzw. schulungssoftware, die zum training von richtlinien unterschiedlichster themen wie Datenschutz, arbeitssicherheit oder Brandschutz am arbeitsplatz eingesetzt wird. Um für die Mitarbeiter realitätsnahe situationen zu erschaffen, können die einzelnen Kurse mit einer Vielzahl von animierten 3D-schauplätzen verknüpft werden. Lerninhalte werden dadurch verständlich vermittelt und von den lernenden Personen im alltag optimal umgesetzt. Zur auswahl stehen verschiedene firmenobjekte, shops, Bankgebäude und vieles mehr. Um die virtuelle Welt besonders lebendig zu machen, werden animationen wie etwa bewegte Personen eingesetzt. Die Mitarbeiter trainieren im virtuellen raum, wie man etwa mit dem smartphone umgeht, auf dem vertrauliche firmeninfos gespeichert sind, oder wie man sich in der Kommunikation gegenüber firmenfremden Personen verhält bzw. wo Gefahrenpunkte in form von Datenlecks lauern können.


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Wirtschaft

Kultur statt Berge Kulturtourismus steckt in Tirol erst in den Kinderschuhen. Dr. Verena Teissl von der FH Kufstein versucht in ihrem aktuellen Forschungsprojekt, die Perspektiven und Problematiken dieser Tourismusform herauszuarbeiten.

© Festspiele Erl

Von Barbara Wohlsein

01 Die Festspiele Erl schaffen es bereits, Kulturtouristen gezielt nach Tirol zu locken. An dieser Anziehungskraft arbeiten andere noch. 01 56

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enn Touristen extra nach Tirol reisen, um sich hier Konzerte oder Theateraufführungen anzusehen, dann kommen sie, um zum Beispiel die Festspiele Erl, das Osterfestival Tirol, die Festwochen der Alten Musik oder artacts in St. Johann zu besuchen. Diese Veranstaltungen mobilisieren „specific cultural tourists“ – wie sie in der Fachliteratur heißen. Darunter versteht man Menschen, die extra für eine kulturelle Veranstaltung in eine Stadt oder eine Region reisen. Überwiegend sind die Tirolbesucher jedoch „general cultural tourists“, also Menschen, die aus einem anderen Grund im Land Urlaub machen und das vorhandene kulturelle Angebot „mitkonsumieren“. Diese „Mitkonsumenten“ werden auch mit dem Slogan „Keine Berge, trotzdem Tirol“ der Tirol Werbung angesprochen. Mit dieser Kampagne werden bestehende Kulturveranstaltungen im Land beworben: Der Gast soll sehen, dass Tirol weit mehr zu bieten hat als Berge, Schnee und Almidylle. „Aktiver Kulturtourismus geht aber viel weiter“, erklärt Dr. Verena Teissl, Professorin für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft an der FH Kufstein. Sie widmet sich in ihrer vom Tiroler Wissenschaftsfonds geförderten Forschungsarbeit „Kultur-Tourismus in Tirol. Status Quo, Perspektiven und Problematiken“ genau diesem Thema. Bevölkerung einbeziehen „Die wahre Herausforderung des Kulturtourismus ist es, neues Publikum anzusprechen. Gleichzeitig gilt es aber immer, die Einheimischen miteinzubeziehen und für sie einen inhaltlichen Mehrwert zu schaffen“, erklärt Teissl. Denn nur, wenn die Bevölkerung hinter einem Festival oder Projekt steht, kann dieses auch langfristigen Erfolg haben – es braucht Verwurzelung. „Ein Beispiel dafür ist das ambitionierte internationale


Wirtschaft

DiVa Monodrama festival in tux im Zillertal, wo ein schülerprojekt zum thema ‚Was ist heimat‘ das ganze Dorf zusammengebracht und zu sehr spannenden Ergebnissen geführt hat“, erzählt die Kulturwissenschaftlerin. Erfolgreich seien Kulturveranstaltungen besonders dann, wenn sie etwas innovatives bieten und gleichzeitig dazu einladen, sich mit der eigenen Geschichte und identität zu beschäftigen. „Gerade in Zeiten der Globalisierung wird abseits kultureller angebote und historischer relikte auch das lokale immaterielle Erbe in form von Volkskunst, Bräuchen, heilwissen etc. immer wichtiger“, so teissl. Dieses immaterielle Erbe sollte ihrer Meinung nach „keinesfalls kommerzialisiert werden“, stattdessen soll der Kulturtourismus Wiederbelebung und Wertschätzung initiieren. Kulturtourismus wird aus sicht von Kulturmanagern außerdem als tool interkultureller Begegnung verstanden. Skepsis abbauen Das aktuelle kulturelle angebot in tirol geht in hohem Maße auf das professionelle Engagement von privaten initiativen zurück, die sich mit Unterstützung öffentlicher Gelder durch das Land und die Gemeinden etablieren konnten. Dass tourismusverbände festivals und Veranstaltungen vermehrt unterstützen, war bislang eher selten der fall, es zeichnet sich aber eine steigende tendenz von Kooperationen mit tourismusverbänden ab. „hier ist Oberösterreich ein gutes Vorbild“, so Verena teissl, „in tirol stehen sich Kulturtreibende und touristiker einander oft noch sehr skeptisch gegenüber.“ teissl versucht in ihrer Lehrtätigkeit im studiengang sport-, Kultur- & Veranstaltungsmanagement an der fh Kufstein, studierende frühzeitig für das thema Kulturtourismus zu sensibilisieren. „im Kulturmanagement ist man in hohem Maße auf Kooperationspartner an-

Dr. Verena Teissl studierte Komparatistik und Germanistik an der Universität innsbruck, wo sie 1995 promovierte. sie war an der Gründung des internationalen film festival innsbruck beteiligt und hier bis 2002 für Programm, Presse und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Von 2002 bis 2009 war sie Mitarbeiterin der Viennale – international film festival Vienna (Program Department). ab 2007 war sie externe Lektorin für Kulturmanagement an der fh Kufstein im studiengang sport-, Kultur- und Veranstaltungsmanagement, seit März 2010 ist sie hauptberuflich als Prof. (fh) für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft tätig. seit 2013 ist teissl außerdem Vizerektorin der fh Kufstein.

„Im Kulturmanagement ist man in hohem Maße auf Kooperationspartner angewiesen. Das muss den Kulturmanagern von morgen klar sein.“

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gewiesen. Das muss den Kulturmanagern von morgen klar sein. Man sollte – etwas hemdärmelig gesagt – aufhören zu streiten. Davon hat niemand etwas, auch wenn Kultur und tourismus verschiedene ausgangspunkte und Ziele haben“, ist teissl überzeugt. Kleiner und spezieller Die ausgangslage ist in tirol freilich eine besondere: Kaum eine region ist so von Natur und sport geprägt. außerdem fehlen kulturelle Zugpferde à la salzburger oder Bregenzer festspiele. „Die tiroler Kulturpolitik hat sich bereits in den 1940er und 1950er Jahren bewusst gegen eine vergleichbare Großveranstaltung entschieden“, erklärt teissl. Die Kulturveranstaltungen, die seither in ganz tirol zahlreich entstanden sind, sind kleiner und spezieller, genießen aber einen ausgezeichneten ruf. „Die Klangspuren schwaz sind durch ihr Kulturvermittlungsprogramm ein internationales Vorzeigeprojekt, aber auch Veranstaltungen wie ‚achensee.literatur‘, ‚stummer schrei‘, das Wetterleuchten festival oder das heart of Noise festival in innsbruck haben das Potenzial, neue Zielgruppen nach tirol zu bringen.“ aus Verena teissls sicht kann Kulturtourismus für tirol als Projekt verstanden werden, in dem sich tradition und Moderne, globale Entwicklungen und lokale Besonderheiten treffen: „in tirol gibt es eine spaltung zwischen traditionskultur und zeitgenössischer Kultur, die unzeitgemäß und dem Bedürfnis der heimischen Bevölkerung entwachsen ist.“ Dies sei ein spätes Erbe des nationalsozialistischen Missbrauchs von traditionskultur, das es immer noch zu überwinden gilt. „Die nachkommende Generation zeigt ein vertieftes interesse an beidem, tradition und Zeitgenössischem, genau darin liegt für tirol ein großes innovationspotenzial.“


zum SchluSS

Forscher Geist Erfindungen, die um ein Haar die Welt veränderten

Wahnsinn, schon wieder die ganze nacht Durchgearbeitet. So jetzt noch die passierten Stiereier rein und dann ab zum Patentamt.

ja, warum nicht auch in flugzeugen einbauen?

Die Französin Martha Bouchier kreierte 1954 den Sitzkübel.

Bartholomew Singer erfand 1949 den Energydrink, verunglückte aber Nach Fertigstellung wegen Sekundenschlafs. Vielleicht sollte ich es doch einmal an den Ohren probieren.

So, Licht macht sie schon mal.

Ich ersticke!!!

Dem Erfinder der Knopflochlampe, Janos Nagy, bereitete 1961 hingegen die Grössenproblematik Kopfzerbrechen.

1937 entwickelte der Rettungsschwimmer J. T. Brady den nach ihm benannten Bergegriff.

Hurra, endlich unter 50 Kilo!

Wie geht man damit eigentlich aufs Klo?

Bereits 1927 testeten die Brüder Piotr und Pietr Wolensky Raumfahrtanzüge für den Flug zum Mond.

Eine besonders raffinierte Idee hatte Theodor RassMommsen: Der Deutsche erfand 1923 das Frauenkilo à 1.300 Gramm. Aber auch ihm blieb der grosse erfolg verwehrt. 58


t. Tirol f1o0rSstacndhorte. Ăœber 150 Projekte. Mehr als

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Mit freundlicher UnterstĂźtzung von


Innovation in Tirol (März 2014)